aus e-mail von Doris Pumphrey, 3. November 2025, 11:50 Uhr
*Wird die Friedensbewegung endlich die Konsequenzen ziehen?
*/Impulsreferat von Doris Pumphrey:
anlässlich der Präsentation des
//Sammelbandes/<https://mediashop.at/buecher/militarisierung-der-gesellschaft/>/„Militarisierung
der Gesellschaft – von der Glückssüchtigkeit zur Kriegsbereitschaft“ der
Neuen Gesellschaft für Psychologie (//NGfP/<https://www.ngfp.de/>/)
am 24.10.2025 im Sprechsaal Berlin
/
Vorbemerkung: In meinem Beitrag unter dem Titel: „/Die Friedensbewegung
in Deutschland im Spannungsfeld zwischen der alten, vom NATO-Westen
dominierten Welt und der sich entwickelnden neuen multipolaren
Weltordnung“ /behandle ich grundlegende Probleme der Friedensbewegung,
auf die ich auch hier zurückkomme und z.T. auch zitiere. Vorausschicken
möchte ich, dass meine Erfahrungen auf eigenem Engagement in der
Friedensbewegung seit den 80er Jahren basieren.
Ich lasse die Mobilisierung für Palästina außen vor, in der viele Aktive
der Friedensbewegung engagiert sind, die aber im Wesentlichen von
Kräften außerhalb der Strukturen der Friedensbewegung getragen wird.
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Die Friedensbewegung ist per se nicht homogen. Mit ihren vielen
Gruppierungen treffen unterschiedliche und zum Teil gegensätzliche
ideologische und politische Positionen aufeinander. Auf diese kann ich
hier nicht eingehen. Es geht mir um die, in der BRD geprägte
„traditionelle“ oder „alte“ Friedensbewegung, _wie sie in ihrer Mehrheit
nach außen_ erscheint.
*40 Jahre zwei deutsche Staaten
*Zur Hochzeit der Friedensbewegung in den 1980ger Jahren bestimmte die
Bipolarität USA/Sowjetunion die geopolitischen Auseinandersetzungen. In
der Friedensbewegung war das Bewusstsein über die politischen und
militärischen Fronten prägend. NATO und Warschauer Vertrag standen sich
gegenüber – und die BRD der DDR.
Dieses Gegenüber von BRD und DDR möchte ich hier besonders betonen, weil
die „traditionelle“ Friedensbewegung durch ihre BRD-Prägung auch nach 35
Jahren Gesamtdeutschland fast ausschließlich westdeutsch denkt und handelt.
Es ist immer wieder auffällig, wie viele - auch linke - „Wessis“ heute
ganz selbstverständlich von „Deutschland“ sprechen, wenn sie die Zeit
der alten BRD meinen. Die 40 Jahre Existenz zweier sehr
unterschiedlicher deutscher Staaten existiert in ihrem Denken nicht,
obwohl dies für die Betrachtung nicht nur der deutschen
Nachkriegsgeschichte wesentlich ist. Das Bewusstsein und die Kenntnis
darüber, dass es 40 Jahre lang einen deutschen Friedensstaat gab, wäre
gerade im Kampf gegen die gegenwärtige Kriegspolitik hilfreich.
Der Staatsapparat der BRD wurde durch Beteiligung hochrangiger Nazis und
SS-Veteranen aufgebaut. Sie hatten Führungspositionen in der Wirtschaft,
Politik und Justiz, in den Geheimdiensten und natürlich auch in der
Bundeswehr, die – ganz im Interesse der NATO – gegen die Sowjetunion
gegründet worden war.
Im Bundestag der alten BRD saßen über viele Jahre ehemalige
NSDAP-Mitglieder. In den 50er Jahren sorgte der Bundestag dafür, dass
selbst ehemalige Angehörige der Waffen-SS rehabilitiert wurden und
uneingeschränkte Rentenversorgung erhielten. Den „/Nachkriegskonsens:
Keine Zusammenarbeit mit extremen Rechten“/, den Olaf Scholz
herbeifantasierte, hat es nie gegeben.
Der Krieg gegen andere Länder und deren Ausplünderung im Interesse der
Konzerne als Hauptmerkmal des deutschen Faschismus wurde in der BRD
beschwiegen. Der Nazi-Faschismus wurde systematisch auf den Völkermord
an Juden reduziert. Der Raub- und Vernichtungskrieg gegen die
Sowjetunion, der 27 Millionen Opfer und verbrannte Erde hinterließ,
wurde nie aufgearbeitet.
Das wirkt sich bis heute aus auf die Politik der Bundesregierung
gegenüber Israel und Russland. Deutsche Staatsraison bedeutet
Unterstützung des israelischen Völkermords an den Palästinensern. Die
geopolitische Hauptstoßrichtung deutscher Außen- und Kriegspolitik,
begleitet von faschistoider Russophobie, richtet sich heute gegen Russland.
Die DDR wurde von antifaschistischen Widerstandskämpfern aufgebaut. Die
Aufklärung über die Wurzeln des Faschismus und welchen Interessen er
diente, war Teil der Bildung in der DDR. In der DDR waren Frieden,
Antifaschismus und anti-imperialistische Solidarität politische
Grundlage und gesellschaftliche Aufgabe. Freundschaft mit der
Sowjetunion wurde von beiden Seiten gefördert und auf vielen Ebenen
gepflegt. Das wirkt bis heute nach: Die Verbrechen des deutschen
Faschismus spielen für die Ostdeutschen aufgrund ihres
Geschichtsbewusstseins eine unvergleichlich höhere Rolle als für die
Westdeutschen. Ihr Widerstand gegen die NATO-Propaganda von der
russischen Bedrohung und Notwendigkeit der Aufrüstung zur
Kriegsfähigkeit ist entsprechend.
*Unipolare Welt und Distanzierungsrituale der Friedensbewegung
*Mit dem Verschwinden des Friedensstaates DDR und der Sowjetunion, bzw.
des Warschauer Vertrages, legte die BRD jede außen- und
militärpolitische Zurückhaltung ab, die ihr die Nachkriegsordnung
auferlegt hatte: Von der Teilnahme an der völkerrechtswidrigen
Aggression gegen Jugoslawien 1999, bis zur Unterstützung des
NATO-Stellvertreter-Krieges in der Ukraine gegen Russland.
Der Verlust der anti-imperialistischen DDR und sozialistischen
Staatengemeinschaft führte zur allgemeinen Schwächung der politischen
Linken. Anti-imperialistische Koordinaten gerieten durcheinander. Der
hegemoniale US-Imperialismus gewann auch ideologisch an Einfluss. Vom
Westen finanzierte und instruierte „Menschenrechts“-NGOs wurden ein
wichtiges Instrument der hybriden Kriegsführung, auch in den sog.
Farbrevolutionen an der Peripherie Russlands.
Zur Vorbereitung der Regime-Change Operationen in Ländern, die sich dem
US-Diktat nicht unterordnen wollten, wurden in groß angelegten
westlichen Medienkampagnen und mit Hilfe von NGOs deren
Staatsoberhäupter dämonisiert. Das blieb nicht ohne Wirkung auf
erhebliche Teile der Friedensbewegung.
Um „glaubwürdig“ zu sein, distanzierten sich viele ihrer Akteure vom
jeweils dämonisierten Staatsoberhaupt. In der Konsequenz blieb die
Mobilisierung gegen die sog. „humanitären Interventionen“ zum „Schutz
der Menschenrechte“ äußerst schwach. Diese Distanzierungsrituale im Sinn
der USA, NATO und EU schwächten die Friedensbewegung nachhaltig.
*Friedensbewegung und der NATO-Krieg gegen Russland
*Mit dem Zerfall der Sowjetunion und dem Zugriff westlicher Konzerne und
russischer Oligarchen auf die Reichtümer Russlands, schien der
Imperialismus am Ziel. Als der neue Präsident Putin begann, das Land aus
dem Chaos der Jelzin-Jahre zu führen, der Plünderung ein Ende zu setzen,
den politischen Einfluss der Oligarchen zurückzudrängen, Wirtschaft und
staatliche Strukturen des Landes wiederaufzurichten und ihm seine Würde
und Bedeutung als Großmacht zurückzugeben, wurde er zur Zielscheibe:
Putin stand den Interessen des Westens im Weg.
Entgegen allen Zusicherungen drang die NATO immer weiter vor Richtung
Russland. Das Ziel war eine hochgerüstete Ukraine als anti-russischer
Rammbock. Diesem Ziel diente der faschistische Maidan-Putsch 2014,
abgesegnet u.a. auch durch den deutschen Außenminister Steinmeier.
Die Eskalation des Ukraine-Konflikts und die systematische Negierung
legitimer russischer Sicherheitsinteressen sollte Russland zum
Einschreiten in den Krieg zwingen, den Kiew seit dem Putsch 2014 gegen
die russischsprachige Bevölkerung im Donbass führte und der über 13.000
Todesopfer gefordert hatte.
Alle russischen Bemühungen für eine friedliche Beilegung des Konflikts
wurden vom Westen torpediert. Kiew hatte die
militärische<https://www.berliner-zeitung.de/politik-gesellschaft/ukraine-li.150872>Rückholung
des Donbass und der Krim angeordnet und zum Jahreswechsel 21/22 seinen
Aggressionskrieg mit seinen Neonazi-Bataillonen gegen Donezk und Lugansk
erheblich ausgeweitet und intensiviert.
Mit konkreten
Vorschlägen<https://anti-spiegel.ru/2021/russland-veroeffentlicht-vertragstexte-fuer-abkommen-ueber-sicherheitsgarantien-mit-den-usa-und-der-nato/?doing_wp_cron=1647901663.5741100311279296875000>für
Verträge über gegenseitige Sicherheitsgarantien mit den USA und der NATO
versuchte die russische Regierung noch im Dezember 2021 die Situation zu
entschärfen und die Grundlage für ein friedliches Miteinander zu schaffen.
Dazu erklärte NATO-Generalsekretär
Stoltenberg<https://www.nato.int/cps/en/natohq/opinions_218172.htm>wörtlich:
/„Putin wollte, dass die NATO auf eine Erweiterung verzichtet (…) Das
haben wir natürlich nicht unterschrieben (…) Also zog er in den Krieg,
um die NATO, noch mehr NATO, an seinen Grenzen zu verhindern.“ /
Die Fakten und Einzelheiten der vom Westen bewusst organisierten
Eskalation mit dem Ziel Russland zu schwächen und zu dezimieren, sind
inzwischen in zahllosen Berichten und Aussagen auch westlicher Insider
nachzulesen.
Doch diese Vorgeschichte wurde und wird von Politik und Medien
systematisch verschwiegen. Nur ohne ihre Kenntnis lässt sich die
anti-russische Kriegspolitik aufrechterhalten.
*Friedensbewegung in der Defensive
*Die Friedensbewegung hatte sich 2014 bereits selbst gelähmt, mit ihrem
NATO-kompatiblen Distanzierungsritual von der „völkerrechtswidrigen
Annexion der Krim“, das auf der Ignoranz bzw. dem Umschreiben der
Geschichte basierte. Sie ließ sich vom Anti-Putin-Tsunami, der damals
seinen ersten Höhepunkt erreichte und die Angst als "Putin-Versteher"
gebrandmarkt zu werden, einschüchtern.
Als Russland der NATO am 24. Februar 2022 deutlich machte /„bis hierher
und nicht weiter“,/ versagte die Friedensbewegung. Im Eiltempo und unter
Auslassung wesentlicher Fakten und wichtiger Bestimmungen des
Völkerrechts, verurteilte sie in ihrer Mehrheit den
„völkerrechtswidrigen russischen Angriffskrieg“, oft mit dem Zusatz
„brutal“ oder „durch nichts zu rechtfertigen“.
Die Verurteilung Russlands als Aggressor wurde zum neuen Gesslerhut, den
viele aus der Friedensbewegung und linken Organisationen meinten grüßen
zu müssen, um /„glaubwürdig“/ und nicht /„angreifbar“/ zu sein. Damit
hat sich die Friedensbewegung von Anfang an selbst in die Defensive
gebracht.
Grundlegende Aufgabe der Friedensbewegung ist die Aufklärung der
Bevölkerung gegen die Lügen der Kriegstreiber, d.h. sie muss Ursachen
und Verantwortlichkeiten klar benennen, Forderung deutlich adressieren
und Position beziehen.
Sie hätte die Offensive ergreifen müssen, um der Bevölkerungklar zu
machen, dass die Bundesregierung durch ihre offizielle Absegnung des
faschistischen Maidan-Putsches und durch ihre hinterhältige Sabotage von
Minsk II am Krieg mitschuldig ist und dass die NATO im April 2022 die
Istanbul-Vereinbarung zur sofortigen Beendigung der Kampfhandlungen
verhindert hat.
Eine Friedensbewegung, die sich auf den Antifaschismus beruft, hätte die
Regierung in Erklärungsnot bringen müssen, indem sie in Reden und
Aufrufen immer wieder den Skandal thematisiert, dass ausgerechnet
Deutschland politisch, finanziell und militärisch ein Regime in Kiew
unterstützt, das mit russophoben Neonazis durchsetzt ist, das
SS-Kollaborateure und Massenmörder als Nationalhelden feiertund in deren
Armee Neonazi-Bataillone kämpfen. Bundeskanzler Scholz kannte in seinem
Geschichtsrevisionismus keine Roten Linien und erklärte die
Unterstützung dieser Ukraine im Krieg gegenRussland als „Vermächtnis des
8.
Mai<https://www.bundesregierung.de/breg-de/suche/fernsehansprache-von-bundeskanzler-olaf-scholz-2038050>“.
Während deutsche Politiker mit „Slawa Ukraini!“ dieses Kiewer Regime
beklatschten, mobilisierte die Bundesregierung gemeinsam mit den
Mainstreammedien Hundertausendeauf die Straßen „im Kampf gegen rechts“.
Es ging insbesondere um die Abschreckung von AfD-Sympathisanten und
anderer Kräfte, die sich dem anti-russischen Mainstream widersetzten.
Dem schlossen sich u.a. „Links“-Partei, Gewerkschaften, Kirchen, diverse
Organisationen, die sich als „antifaschistisch“ bezeichnen, an. Es war
eine Warnung an die Friedensbewegung zur Verhinderung einer breiten
Front gegen die russophobe Politik.
Der Vorwurf „rechts-offen“ und die „Kontaktschuld“ diente der
Einschüchterung.
Also errichtete die Friedensbewegung ihre eigene Brandmauer vor allem
gegen jene widerständigen Kräfte, die aus der Bewegung gegen die
anti-demokratischen Corona-Maßnahmen kamen und den Kampf für Frieden
aufgenommen hatten, wie auch gegen viele Ostdeutsche, die monatelang
jeden Montag gegen die anti-russischen Sanktionen und für Frieden mit
Russland demonstrierten.
*Der notwendige Widerstand der „alten“ Friedensbewegung blieb aus
*Mit der Übernahme des NATO-Mantras vom „völkerrechtswidrigen russischen
Angriffskrieg“ hatte die Friedensbewegung – wie Albrecht
Müller<https://www.nachdenkseiten.de/?p=86030>, der Herausgeber der
NachDenkSeiten bereits im Juli 2022 anmerkte – dazu beigetragen
/„Vorurteile und Aggressionen gegen Russland“/ zu verstärken.
Über drei Jahre lang, hat die „alte“ Friedensbewegung – mit wenigen
Ausnahmen – die völlig enthemmte Anti-Russland-Hetze der Regierung
hingenommen, die jede anti-soziale und anti-demokratische Maßnahme mit
„Putin“ rechtfertigt. Politiker und Medien, die jegliches Schuld- und
Schamgefühl über die eigene deutsche Geschichte abgelegt haben,
übertrafen sich gegenseitig in ihrem anti-russischen Fanatismus.
Historische Amnesie und Geschichtsrevisionismus soll das Unternehmen
Barbarossa vergessen machen. „Russland darf nicht siegen“,
verkündetenPolitiker, die Stalingrad nicht verwinden können. Die
Russophobie und der Revanchismus aus den Jahren der alten BRD konnten im
heutigen Großdeutschland problemlos**reaktiviert werden.
Der Mangel an Opposition hat es der Regierung leicht gemacht die
faschistoide anti-russische Hetze bis zur Hysterie, bis zum Wahnsinn zu
treiben.
NATO/EU und Bundesregierung propagierten den Krieg der Ukraine als ihren
eigenen Krieg gegen Russland. Das war praktisch, dienten doch Ukrainer
als Kanonenfutter, während die westlichen Kriegstreiber sie lobend aus
sicherer Distanz anfeuern konnten.
Wieso mit Putin verhandeln, wenn man ihn mit vereinter Kraft des Westens
durch Sanktionen gegen Russland und Waffenlieferungen an Kiew auf die
Knie zwingen könnte. Drei Jahre lang hatten sie täglich den nahen Sieg
Kiews verkündet. Doch er kam und kam nicht. Stattdessen kam Donald Trump
und brachte alle Gewissheiten durcheinander.
Das „Narrativ“ musste neu gesponnen werden. Nach der Eroberung der
Ukraine werde Putin nach Westen weitermarschieren. Deutschland muss
„kriegstüchtig“ werden – vom Kindergarten bis zum Friedhof.
Die selbstverschuldete marode Wirtschaft muss auf Kriegswirtschaft
umgestellt werden. Der soziale Krieg gegen die eigene Bevölkerung
zugunsten der Hochrüstung und zum Profit der Rüstungskonzerne,
Wehrplicht und Militarisierung aller Bereiche benötigen den „äußeren
Feind“: die „russische Bedrohung“
Diese wächst anscheinend stündlich mit der Verkündung immer extremerer
Absurditäten, die Putin zugeschrieben werden und mit der die Bevölkerung
in einen Zustand der Angst versetzt werden soll, um sie gefügig zu machen
Das wurde mit Corona erfolgreich durchexerziert. Diffamierung,
Ausgrenzung und die Gefahr einer strafrechtlichen Verfolgung jener, die
sich der konzertierten anti-russischen Desinformation widersetzen,
dienen der Einschüchterung.
Mit ihren Gleichgesinnten in der EU und NATO bereitet die
Bundesregierung die direkte Militärkonfrontation gegen Russland vor. Die
Bevölkerung muss davon überzeugt werden, dass Hochrüstung und ihre
sozialen Folgen, Wehrpflicht und Militarisierung notwendig sind, um dem
Dämon Putin zu begegnen.
*Wird die Friedensbewegung endlich die Konsequenzen ziehen?
*Mit den sozialen Folgen der „Kriegsertüchtigung“ wachsen die
Bereitschaft zum Kampf gegen den Sozialabbau und die Militarisierung und
die Hoffnung, die früheren Bündnispartner der alten Friedensbewegung
wieder zu gemeinsamen Massenaktionen zusammenzubringen, nach dem Muster
der 80ger Jahre – damals allerdings unter völlig anderen politischen
Bedingungen.
Ein schwieriges Unterfangen, denn erhebliche Teile haben sich in den
letzten Jahren auf die Seite der NATO geschlagen oder tragen aktiv in
der einen oder anderen Form zur anti-russischen Stimmungsmache bei. Um
das alte „breite“ Bündnis wieder herzustellen, gibt es Bestrebungen,
Militarismus, Wehrdienst und die Hochrüstung mit ihren sozialen Folgen
zur gemeinsamen Basis zu machen, *unter Umgehung des zentralen
Knackpunkts: Die anti-russische (anti-Putin) Hetze.
*
Nur: Wie soll die Friedensbewegung die Maßnahmen der Regierung zur
Kriegsfähigkeit gegen Russland effektiv bekämpften, wenn sie ihr deren
*politische Rechtfertigung*nicht entzieht?
*Die Lüge von der russischen Bedrohung durch Putin ist der Treibstoff
für**Hochrüstung und für die Ausrichtung aller gesellschaftlichen
Bereiche auf Kriegsfähigkeit. *Die Friedensbewegung muss diese
Bedrohungslüge entlarven, um die Bevölkerung aufzuklären und zu
mobilisieren.
Sie versucht derzeit mit vergleichender Erbsenzählerei von Waffen,
Truppen und Militärbudgets nachzuweisen, dass Russland wegen seiner
„Unterlegenheit“ kein NATO-Land angreifen würde. Ein unpolitisches und
schwaches Argument gegen die Kriegsreiber.
Nato-Generalsekretär Rutte hatte vor kurzem erklärt, die NATO sei
Russland militärisch „unendlich überlegen“. Folglich fragte Florian
Warweg in der
Bundespressekonferenz<https://www.nachdenkseiten.de/?p=140805>, wie –
angesichts dieser „unendlichen Überlegenheit der NATO“ – die
Bundesregierung ihre massive Aufrüstung rechtfertige. Der Sprecher des
Verteidigungsministeriums erklärte, nicht das strategische
Kräfteverhältnis sei relevant, relevant sei die ständige Bedrohung des
aggressiven Russlands.
Die Friedensbewegung muss die entscheidende Frage stellen: Welches
Interesse hätte das größte Land der Welt mit seinem ungeheuren Reichtum
an Rohstoffen, ein NATO-Land bzw. Deutschland anzugreifen? Warum sollte
Russland einen Krieg mit der NATO riskieren?
Die Friedensbewegung muss endlich den Mut haben, die anti-russische
Aggressionspolitik als zentrales Problem zu benennen und die Bevölkerung
aufklären, wer wen bedrohte und weiterhin bedroht.
Sie muss Zusammenhänge aufzeigen und sich selbst klar werden, wer in den
geopolitischen Auseinandersetzungen welche Interessen verfolgt.
Der Eurozentrismus, der durch die EU noch weiter verengt wird,
beeinflusst auch die Friedensbewegung. Viele scheinen nicht zu erkennen,
dass die Tatsache, dass Putin am 24. Februar 2022 dem kollektiven Westen
die Stirn bot, wie ein Katalysator wirkte und die Dynamik des Kampfes
gegen die US-geführte Hegemonie beschleunigte, die so viel Elend und
Leid über die Welt gebracht hat. Es hat Ländern im globalen Süden,
insbesondere in Afrika, unmittelbar neuen Aufrieb gegeben in ihrem Kampf
gegen den europäischen Neokolonialismus.
Sie hatten schon lange die westlichen Belehrungen und die moralische
Hybris satt. Um es bildlich auszudrücken: Wie Gockel mit geschwellter
Brust krähen EU-Politiker ihre „westlichen Werte“ in die Welt – und
merken nicht, dass die Welt auch den Misthaufen sieht, auf dem sie stehen.
Immer mehr Länder suchen oder vertiefen ihre Kooperation mit Russland,
China und den Bündnissen BRICS und Shanghaier Organisation für
Zusammenarbeit.Die internationale Entwicklung in Richtung einer
multipolaren, demokratischen Weltordnung, auf der Basis der souveränen
Gleichheit aller Nationen, muss noch viele Probleme überwinden*,*aber
kann nicht mehr aufgehalten werden.
Die Friedensbewegung muss sich entscheiden, wo sie stehtund sie muss der
Bevölkerung deutlich machen: Nicht Russland ist unser Feind, sondern die
Lüge, die Geschichtsfälschung, Verantwortungslosigkeit, der Größenwahn
und der völlige Realitätsverlust der NATO/EU und allen voran der
deutschen Regierung.
** * **
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Nachtrag – apropos „Breite“ der Friedensbewegung:
Auf der Friedenskundgebung in Berlin am 3. Oktober 2025, erklärte Jürgen
Grässlin,Rüstungsexperte und Bundessprecher der Deutschen
Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) u.a.
Folgendes:
„/Was mich wahnsinnig erschreckt, ist, wenn ich mir anschaue die Herren
Putin, die Herren Trump und Xi Jinping. Das sind die mächtigsten Männer
dieser Welt, aber sie haben keine Visionen, sie haben keine positiven
Vorstellungen mehr. Sie haben jegliche Zielvorstellung von Ethik und
Moral verloren. Sie haben sie aufgegeben. Das ist eine Katastrophe. Aber
es sind nicht nur die Drei. Es sind die Netanjahus, diese Erdogans,
diese Macrons, diese Starmers und auch dieser Merzens, dieser Welt, die
Sozialabbau betreiben, die Rüstungsaufbau betreiben, die eine Politik
betreiben, die die Erde immer mehr in die Gefahr bringt eines Krieges,
auch eines Atomkrieges. Schande über alle diese Politiker, egal ob in
Deutschland, in Europa, in der Welt, die diese Politik betreiben. Ich
würde es gerne in einem Satz sagen: Diese Entwicklung, die
Fehlsteuerungen werden bewusst gemacht, die Fehlentwicklungen werden
bewusst herbeigeführt – und merkts euch bitte für jede Diskussion,
Militär ist nicht die Lösung. Militär ist das Problem.“ (Quelle:
//https://www.youtube.com/watch?v=GhMejUNDAaE/<https://www.youtube.com/watch?v=GhMejUNDAaE>/)
/[Anmerkung D.P.: Abgesehen davon, dass Militär per se nur ein
Instrument ist und die Politik über seinen Einsatz oder Nichteinsatz
bestimmt, erschreckend ist die Hybris, mit der sich hier die völlige
Ignoranz über globale Auseinandersetzungen und internationale
Entwicklungen offenbart.
//
//
unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.