weitergel. e-mail von Connection e.V. über Versönhnungsbund, 11. Oktober 2024, 11:38 Uhr
-------- Weitergeleitete Nachricht --------
Betreff: Aktuelles zur #ObjectWarCampaign - Zwei Jahre nach dem Start
der Kampagne
Datum: Fri, 11 Oct 2024 11:06:59 +0200
Von: Connection e.V. <office@Connection-eV.org>
An: vb@versoehnungsbund.de
Zwei Jahre #ObjectWarCampaign
Liebe Leute,
wir möchten Euch mit diesem eMail über den aktuellen Stand der
#ObjectWarCampaign informieren.
Wir möchten uns an dieser Stelle herzlich für all die Unterstützung
bedanken, die wir in den letzten beiden Jahren für die Kampagne erhalten
haben. Das ist wirklich großartig. Wir würden uns freuen, wenn Ihr diese
Information auch an Freund*innen und Bekannte sendet.
Zwei Jahre #ObjectWarCampaign
Vor knapp zwei Jahren starteten wir mit einer Unterschriftensammlung
<https://action.wemove.eu/sign/202209-russia_belarus_ukraine_protection_and_asylum_for_deserters_and_conscientious_objectors_to_military_service-petition-DE>
die #ObjectWarCampaign zur Unterstützung russischer, belarussischer und
ukrainischer Kriegsdienstverweiger*innen, Militärdienstentzieher*innen
und Deserteur*innen. Es gibt viel Positives zu berichten. Enttäuscht
sind wir jedoch über die Reaktionen von Politik und Behörden, die es
bislang versäumt haben, sich für einen echten Schutz für die Betroffenen
einzusetzen. Klar, dass wir dran bleiben müssen und Ihr könnt uns dabei
unterstützen (siehe unten).
Und Zeit ein Resümee zu ziehen und über die aktuellen Entwicklungen zu
berichten.
50.000 Unterschriften an die EU für Schutz und Asyl
In den ersten Monaten der Kampagne hatten wir über die Plattform WeMove
<https://action.wemove.eu/sign/202209-russia_belarus_ukraine_protection_and_asylum_for_deserters_and_conscientious_objectors_to_military_service-petition-DE>
und mit Hilfe vieler Gruppen und Organisationen mehr als 50.000
Unterschriften sammeln können, mit der Forderung an die Europäische
Union, dass Deserteur*innen und Verweiger*innen Schutz und Asyl erhalten
sollen. Es gab auch eine Reihe begleitender politischer Stellungnahmen
und Initiativen, die diese Forderungen aufgriffen, so z.B. ein Beschluss
des Europäischen Parlaments
<https://www.europarl.europa.eu/doceo/document/B-9-2023-0123_DE.html>,
ein Beschluss der Ev. Kirche Deutschlands
<https://www.ekd.de/ekd_de/ds_doc/26-Beschluss_zum_Schutz_bei_Kriegsdienstverweigerung.pdf>
und anderes.
Zum 15. Mai 2023 übergaben wir die Unterschriften in Berlin und Brüssel.
Die Antworten der EU-Institutionen waren jedoch ernüchternd. Für
russische Verweigerer wird auf die Regelungen der Asylverfahren
verwiesen: "In Bezug auf Kriegsdienstverteidiger (sic!) und Deserteure
heißt dies, dass das europäische Asylrecht und die damit verbundenen
Verpflichtungen im Rahmen der Genfer Flüchtlingskonvention gelten." Das
bedeutet in der Konsequenz, dass lediglich politisch Aktive aus Russland
und Belarus und Deserteur*innen aus Russland Hoffnung haben können,
einen Flüchtlingsstatus zu erhalten. Frankreich
<https://www.cnda.fr/decisions-de-justice/dernieres-decisions/russie-les-russes-ayant-refuse-de-participer-a-la-guerre-en-ukraine-peuvent-obtenir-le-statut-de-refugie>
und Deutschland <https://de.connection-ev.org/pdfs/2022-05-17_IM.pdf>
haben sich entsprechend positioniert. Militärdienstentzieher*innen
jedoch, die so klug waren, sich bereits vor einer Rekrutierung zum
Militär und damit einem möglichen Einsatz im Krieg zu verweigern, werden
abgelehnt.
Für ukrainische Kriegsdienstverweigerer, die sich in der Ukraine
strafrechtlicher Verfolgung oder der Entsendung an die Front ausgesetzt
sehen, antwortet die Europäische Union: "Im Bezug auf die Ukraine ist
die EU des Weiteren im konstanten Austausch mit den Ukrainischen
Regierungsorganen. Diese Gespräche decken alle Politikfelder ab." Eine
klare Positionierung zur Kriegsdienstverweigerung fehlt. Niemand aus der
EU drängt darauf, dass das Menschenrecht auf Kriegsdienstverweigerung,
wie es von dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte
<https://de.connection-ev.org/article-1411> bereits 2011 definiert
wurde, auch wirklich in der Ukraine umgesetzt wird. Viele ukrainische
Militärdienstpflichtige, die sich in der Europäischen Union befinden,
erhielten jedoch aufgrund der sogenannten Massenzustromrichtlinie
zumindest einen befristeten Schutz
<https://de.connection-ev.org/article-4231>.
Es ist nicht überraschend, dass sich die Europäische Union an die Seite
der Ukraine stellt. Überraschend ist eher, dass selbst in jenen Ländern
die Abwehr von Geflüchteten in aller Schärfe umgesetzt wird, wo
Politiker*innen sich für eine andere Praxis ausgesprochen haben: Bei
russischen Militärdienstpflichtigen, die vor dem Einsatz im
Angriffskrieg geflohen sind.
Ein Netzwerk entwickelt sich
Es gibt allerdings auch viel Positives über die #ObjectWarCampaign zu
berichten.
*Beratung:* Hier sei an erster Stelle die Tatsache genannt, dass wir
darüber ein großes internationales Netzwerk entwickeln konnten, mit mehr
als 120 Organisationen <https://en.connection-ev.org/article-3667>, die
sich gemeinsam für die Betroffenen einsetzen. Es gibt einen Verbund von
Organisationen, die in den verschiedensten Ländern Beratung und
Unterstützung <https://objectwarcampaign.org/contacts/> anbieten, u.a.
für Russland, Belarus, Ukraine, Kroatien, Georgien, Finnland,
Frankreich, Spanien, Deutschland, Armenien, Belgien, Niederlande,
Großbritannien, Litauen, Südkorea.
Im Netzwerk wurden Tausende Deserteur*innen und
Kriegsdienstverweiger*innen aus den verschiedensten Ländern beraten,
Rechtsanwält*innen vermittelt und gemeinsam mit den Betroffenen
Strategien entwickelt, wie trotz der widrigen Bedingungen doch ein
Aufenthalt in dem jeweiligen Land möglich sein könnte.
*Gemeinsame Projekte:* Es gibt einen regelmäßigen Austausch über
geplante und laufende Projekte, die über Spenden und Fundraising
finanziert werden können, so z.B. ein aktuell gestartetes Projekt für
russische Deserteur*innen in Armenien, wo etwa 500 von ihnen unter sehr
prekären Bedingungen leben müssen.
*Lobbyarbeit:* Connection e.V. setzt sich gemeinsam mit russischen,
ukrainischen und belarussischen Organisationen, mit der War Resisters‘
International, dem Europäischen Büro für Kriegsdienstverweigerung und
anderen für die Betroffenen ein, mit Lobbyarbeit
<https://de.connection-ev.org/view.php?rs=OHCHR> sowohl bei den
Vereinten Nationen in Genf wie auch bei den Europäischen Institutionen.
Diese Arbeit werden wir noch ausweiten.
*Aktionen und Veranstaltungen:* Es gab in Deutschland und anderen
Ländern zum Internationalen Tag der Kriegsdienstverweigerung, dem 15.
Mai, und dem Internationalen Tag der Menschenrechte, dem 10. Dezember,
dezentral Dutzende von Veranstaltungen und Aktionen. Hier einige Beispiele.
Italienische Partner*innenorganisationen
<https://www.miritalia.org/2023/05/13/campagna-objectwarcampaign-roma-16-maggio-2023/>
übergaben anlässlich des Internationalen Tages der
Kriegsdienstverweigerung im Jahr 2023 in Rom zusammen mit
Journalist*innen öffentlich eine riesige Postkarte der Kampagne. Damit
wurde vor den Botschaften Russlands, der Ukraine und Belarus die
uneingeschränkte Achtung des Rechts auf Kriegsdienstverweigerung
eingefordert. Zudem organisierten sie am selben Tag eine Pressekonferenz
über die Kampagne im Senat.
In Deutschland und Belgien
<https://objectwarcampaign.org/blog-von-videos-blog-of-videos/> haben
lokale Gruppen öffentlichkeitswirksame Aktionen vor den russischen,
belarussischen und ukrainischen Botschaften und Konsulaten organisiert,
um gegen den Krieg zu protestieren und die volle Anerkennung des
Menschenrechts auf Kriegsdienstverweigerung zu fordern. Dazu wurde ein
überdimensionales, zerbrochenes Gewehr verwendet, ein großer Blickfang.
Weitere Aktionen fanden vor den Vertretungen der Europäischen Kommission
statt. Sehr oft konnten wir gemeinsame Aktionen mit
Kriegsdienstverweiger*innen und Unterstützer*innen aus Russland, Belarus
und der Ukraine durchführen, um ihre Stimme zu hören.
In den USA, in Washington DC, organisierte die dortige
Partnerorganisation am 10. Juni 2024 eine öffentliche Kundgebung vor der
ukrainischen Botschaft in Solidarität mit Yurii Sheliazhenko und zur
Unterstützung seiner Arbeit für Kriegsdienstverweigerer.
Aktuelle Veranstaltungen sind zu finden unter
www.Connection-eV.org/veranstaltungen
<http://www.Connection-eV.org/veranstaltungen>.
*Solidarität mit verfolgten Aktivist*innen:* Gemeinsam unterstützt das
Netzwerk Aktivist*innen, denen aufgrund ihrer Arbeit Strafverfolgung
droht oder die Zurückweisung in ihr Herkunftsland.
#FreePeaceSpeech: Diesbezüglich steht vor allem die Ukrainische
Pazifistische Bewegung <https://de.connection-ev.org/article-4155> unter
Druck, die nach wie vor in der Ukraine arbeitet. Ihr Vertreter Yurii
Sheliazhenko ist angeklagt und unter Hausarrest gestellt. Wir starteten
die Kampagne #FreePeaceSpeech, führten mehrere Aktionen durch,
entsandten Beobachter*innen zu den Prozessen und vieles mehr.
#Protection4Olga: In Litauen wird Olga Karatch
<https://de.connection-ev.org/article-4194> mit der Organisation Nash
Dom ein vollständiger Flüchtlingsschutz verweigert, obwohl sie im
Herkunftsland Belarus wegen ihrer Menschenrechtsarbeit zu zwölf Jahren
Haft verurteilt wurde. Auch hier führten wir zahlreiche Aktionen durch
um sie und ihre Familie zu unterstützen und ihren Schutz einzufordern.
*Stärkung im Asylverfahren: *Gemeinsam mit der russischen Bewegung für
Kriegsdienstverweigerung und Rechtsanwält*innen aus Deutschland werden
wir in den nächsten Wochen Argumentationshilfen für
Militärdienstentzieher*innen aus Russland erstellen, damit deutsche
Behörden und Gerichte deren Asylanträge anerkennen und sie nicht nach
Russland abschieben lassen.
*Website der #ObjectWarCampaign: *Um über die verschiedenen Aktivitäten
zu berichten, Aktionsvorschläge zu machen, Kontakte zu Beratungsstellen
zu vermitteln und vieles mehr haben wir vor einem Jahr die Website
www.objectwarcampaign.org <http://www.objectwarcampaign.org> eröffnet.
Dort finden sich Beiträge in englischer, deutscher und russischer Sprache.
*Weltweite Kampagne #RefuseWar:* Gemeinsam mit War Resisters’
International und dem Europäischen Büro für Kriegsdienstverweigerung
starteten wir die Kampagne #RefuseWar <http://www.refusewar.org>. Viele
weitere Organisationen schlossen sich an. Mit der interaktiven im
Web durchgeführten Aktion wollen wir zeigen, dass es weltweit Menschen
gibt, die sich dem Krieg verweigern und für Frieden eintreten.
(www.refusewar.org <http://www.refusewar.org>)
Die nächsten Schritte – mit Euch allen…
Es gibt viele Dinge, die Ihr machen könnt oder Eure Organisation, um die
#ObjectWarCampaign zu stärken und sich für den notwendigen Schutz von
Kriegsdienstverweiger*innen und Deserteur*innen aus Russland, Belarus
und der Ukraine einzusetzen.
*Erneute Aktionswoche:* Für Dezember 2024 ist zum Internationalen Tag
der Menschenrechte eine erneute Aktionswoche vorgesehen. Wir werden dazu
aktuelles und neues Material erstellen und hoffen darauf, dass sich
erneut viele Gruppen und Organisationen daran beteiligen. Wie im Mai
2024 wird sich die Aktionswoche nicht nur auf den Krieg in der Ukraine
beziehen, sondern auch andere Kriege und deren Verweiger*innen im Blick
haben.
Ihr könnt vor Ort Aktionen oder Veranstaltungen rund um den 10. Dezember
organisieren und damit für weitere Medienöffentlichkeit sorgen.
*Save the Date:* Für Samstag, 14. Dezember, bereiten wir bereits eine
Aktion vor. Unter dem Motto KRIEG MACHT FLUCHT werden wir gemeinsam mit
vielen anderen Organisationen eine zentrale Aktion und Demonstration in
Nürnberg durchführen, um sowohl in der Innenstadt wie auch vor dem
Bundesamt für Migration für Schutz und Asyl für die
Kriegsdienstverweiger*innen einzutreten.
*Aktuell haben wir das Flugblatt zur *#ObjectWarCampaign
<http://www.objectwarcampaign.org>*überarbeitet.* Es kann über unseren
Shop bei www.Connection-eV.org/shop <http://www.Connection-eV.org/shop>
oder www.shop.dfg-vk.de <http://www.shop.dfg-vk.de> bestellt werden.
Dort finden sich auch weitere Materialien für Aktionen.
*Hilfe und Beratung* ist ein wichtiges Angebot für die Betroffenen. Wir
bitten, Betroffene über Beratungs- und Unterstützungsmöglichkeiten zu
informieren. Kontaktadressen haben wir auf Deutsch, Englisch und
Russisch zusammengestellt unter: www.objectwarcampaign.org/contacts
<http://www.objectwarcampaign.org/contacts>
*Netzwerk erweitern:* Gerne nehmen wir noch weitere Organisationen in
das Netzwerk der #ObjectWarCampaign mit auf. Gruppen und Organisationen,
die Interesse an einer Mitarbeit haben, können sich gerne bei uns melden.
*Wir hoffen weiter auch auf finanzielle Unterstützung*, insbesondere, um
die Organisationen unterstützen zu können, die sich direkt für die
betroffenen Deserteur*innen und Kriegsdienstverweiger*innen einsetzen:
Konto DE47 5055 0020 0006 0853 77 bei Sparkasse Offenbach. Auch online
möglich über https://de.connection-ev.org/StopWarUkraineDonation-form.
*Die letzten zwei Jahre waren eine sehr intensive Zeit der Unterstützung
und des Eintretens für Kriegsdienstverweiger*innen aus Russland, Belarus
und der Ukraine.* Wir bedanken uns bei allen für die so wichtige
Unterstützung. Wir freuen uns auch über Berichte über Aktivitäten und
Veranstaltungen, die wir weiterverbreiten können.
Herzlichen Dank
Rudi Friedrich und Zaira Zafarana von Connection e.V.
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*Connection e.V.*, Von-Behring-Str. 110, 63075 Offenbach
Tel.: 069-82375534, Fax 069-82375535
eMail: office@Connection-eV.org, Website: www.Connection-eV.org
<https://www.Connection-eV.org>
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unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.