aus e-mail von Doris Pumphrey, 5. Oktober 2024, 17:27 Uhr
_Zeitung vum Laetzebuerger Vollek, Luxemburg, 5.10.2024
_*Hassan Nasrallah – „Der Meister des Widerstandes“ wurde von Israel
ermordet.
*/Von Karin Leukefeld
/Kommentare in Politik und Medien über den Tod von Hassan Nasrallah
sagen wenig über den Generalsekretär der Libanesischen Hisbollah, aber
viel über seine Gegner aus. Allen voran charakterisieren sie die von den
USA geführten westlichen Staaten, die für die Durchsetzung ihrer
Interessen aus Weizenfeldern Schlachtfelder machen und über Leichenberge
gehen.
Der 1960 geborene Hassan Nasrallah – von Freunden und Weggefährten
„Meister des Widerstandes“ genannt - war Zeit seines Lebens Zeuge von
Massakern, der Entmenschlichung seiner Landsleute und der Verwüstung
seines Landes. Zeit seines Lebens widersetzte er sich dem unmenschlichen
Hegemonialstreben, in dem Israel es – mit „eiserner Unterstützung der
USA - zu einer Meisterschaft gebracht hat. Seine lebenslange Solidarität
galt immer den Palästinensern.
Hassan Nasrallah wuchs in Burj Hammoud, unweit des Hafens von Beirut
auf. Sein Vater hatte ein Lebensmittelgeschäft, Hassan Nasrallah war das
älteste von neun Kindern. Das Zuhause der Familie war in Karantina, ein
Gebiet das 1831 für Schiffsreisende die in Beirut ankamen, als
Quarantäne Station eingerichtet worden war. 1915 wurden dort armenische
Flüchtlinge angesiedelt, nach der gewaltsamen Gründung Israels 1948,
wurden dort vertriebene Palästinenser aufgenommen. Später kamen
Libanesen aus dem Süden und arabische Stammesvertriebene hinzu, Kurden
aus der Türkei und Syrer siedelten sich an.
1975 begann der libanesische Bürgerkrieg, der sich gegen die
Palästinensische Befreiungsorganisation PLO richtete, die von Israel und
aus Jordanien vertrieben worden war und von Israel und dessen
Verbündeten im Libanon bekämpft wurde. 1976 verübten die Libanesischen
Kräfte (Phalangisten) ein Massaker in dem Lager. 1500 Menschen wurden
ermordet und das Lager wurde in Brand gesetzt.
Nasrallah schloss sich der Amal Bewegung an, einer schiitischen
bewaffneten Gruppe. Er verbrachte einige Zeit in Najaf (Irak) und im
Iran, wo er u.a. auch von dem irakischen schiitischen Geistlichen
Mohammad Bakir as-Sadr in Philosophie und Ökonomie unterrichtet wurde.
Nach seiner Rückkehr trennte er sich von Amal und gründete 1982, bald
nach dem Einmarsch Israels in den Libanon, mit anderen eine neue
Organisation, die Islamische Amal Bewegung. Nasrallah wurde Zeuge des
Massakers an den Bewohnern der palästinensischen Lager Sabra und
Schatila (1982), das unter Aufsicht der israelischen Armee und deren
General Ariel Scharon von den Libanesischen Kräften (Phalangisten)
verübt wurde. Mitte der 1980iger Jahre wurde aus der Islamischen Amal
die Hisbollah, die – an der Seite der stark von kommunistischen
Studenten der nationalen libanesischen Bewegung - gegen die israelische
Besatzung und deren US-amerikanische Unterstützung und Einmischung
kämpfte. Die Organisation wurde von den iranischen Revolutionsgarden
unterstützt.
1992 wurde Nasrallah Generalsekretär der Hisbollah, nachdem sein
Vorgänger Abbas al-Musawi mit einer ganzen Familie bei einem
israelischen Hubschrauberangriff ermordet worden war. Nasrallah war
damals 32 Jahre alt. Im Jahr 2000 gelang es der Hisbollah die
israelischen Besatzungstruppen, die noch immer den Südlibanon besetzt
hielten, aus dem Land zu vertreiben. Hassan Nasrallah und die Hisbollah
wurden dafür gefeiert, dass es ihnen erstmals gelungen war, Israel von
besetztem arabischem Boden zu vertreiben.
Hassan Nasrallah gelang es mit seinen langjährigen Weggefährten, die
Hisbollah in eine Massenorganisation mit militärischem und politischem
Flügel zu organisieren. Die Partei ist seit Jahren eine feste,
zuverlässige Größe im libanesischen Parlament und wird religions- und
gebietsübergreifend von Libanesen unterstützt.
USA, NATO und EU haben die Hisbollah als „Terrororganisation“ gelistet
und Dutzende Sanktionen gegen die Organisation und deren Unterstützer
verhängt. Doch – hinter verschlossenen Türen – wird bis heute der
Kontakt zur Hisbollah gesucht, weil sie stark und zuverlässig ist.
Stark und zuverlässig war auch Hassan Nasrallah, den manche gern als
„fanatischen Prediger und Iran-Proxy“ abtun wollen. Dass Nasrallah die
internationale Konfrontation verstanden hat, in der sich sein Land, sein
Kampf, Leben und Zukunft der Region befinden, wurde in einem Interview
mit der libanesischen Tageszeitung As Safir im Jahr 2014 klar. Nasrallah
wurde zur Rolle des „politischen Islam“ befragt und er antwortete, es
gäbe zwar islamische Bewegungen, Gruppen und Parteien, aber es gäbe
keinen „politischen Islam“. Weder Israel noch die USA hätten ein Problem
mit islamischen Parteien und Herrschern, es sei also nicht wichtig, ob
jemand einen Bart trage, ob die Frau einen Schleier trage, ob man fünf
Mal am Tage bete und nach Mekka gepilgert sei. Die Frage sei vielmehr:
„Wie hältst Du es mit Israel? Wie hältst Du es mit dem Öl? Was denkst Du
über den Reichtum und was denkst Du über die USA und über das
US-amerikanische Projekt in der Region? Bist Du dafür, bist Du
willkommen. Bist Du aber dagegen, musst Du vernichtet werden.”
_Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek (Luxemburg) 05. Oktober 2024
_*Israel setzt seine Angriffe unverändert fort
*von Karin Leukefeld
Erstmals seit Jahren wurde wieder der Ort Tulkarem im besetzten
Westjordanland von der israelischen Luftwaffe bombardiert. Bei dem
Angriff wurden 18 Menschen getötet. Das Palästinensische
Gesundheitsministerium gibt die Zahl der von Israel Getöteten Kinder,
Frauen und Männer seit dem 7. Oktober 2023 mit mehr als 41.700 an. Im
Libanon stieg die Zahl der Toten durch israelische Angriffe am Freitag
auf 1.976.
In Syrien werden von Israel fast täglich Ziele bombardiert. In der
vergangenen Woche wurde allein der Damaszener Stadtteil Mezzeh drei Mal
angegriffen. Dabei kamen bei einem Angriff auf einen Minibus am Dienstag
drei Menschen ums Leben, darunter die Journalistin Safaa Ahmad, die für
das syrische Fernsehen gearbeitet hatte.
*/Iran reagiert auf Ermordung Nasrallahs/*
Nach der Ermordung des langjährigen Generalsekretärs der libanesischen
Hisbollah Hassan Nasrallah am 27. September reagierte der Iran wenige
Tage später mit einem begrenzten Raketenangriff auf Israel. Rund 200
Raketen waren am Dienstag aus dem Iran abgefeuert worden, von denen laut
iranischen Angaben die meisten ihre Ziele erreicht hätten:
ausschließlich israelische Militäranlagen, darunter auch der
Luftwaffenstützpunkt Navavim, der auf Satellitenaufnahmen schwere
Zerstörungen aufweist.
Der israelische Ministerpräsident Netanjahu drohte sofort mit einem
Gegenschlag. USA-Präsident Joe Biden betonte erneut »das Recht Israels
auf Selbstverteidigung« und kündigte Unterstützung Washingtons an. Einen
Angriff auf die iranischen Nuklearanlagen werde man allerdings nicht
unterstützen, so Biden. Ob er Schritte unternehmen würde, um Israel
daran zu hindern, sagte er nicht. Eine Dringlichkeitssitzung des
UNO-Sicherheitsrats ging ohne Ergebnis zu Ende.
*/Regionale Neuordnung/*
Netanjahu strebt nach eigenen Aussagen eine »regionale Neuordnung« an.
Nach der Ermordung des Generalsekretärs der Hisbollah gebe es dafür
»eine gute Gelegenheit«, so Netanjahu. Dabei ist sein eigentliches Ziel
die Vernichtung des Iran, den Netanjahu vor der UNO-Vollversammlung
erneut als »Quelle des Bösen« darstellte.
Das von den USA geführte westliche Bündnis mit G7, NATO und EU
unterstützt eine »regionale Neuordnung« aus eigenen geopolitischen
Interessen. Sie liefern dafür Israel für seinen Mehrfrontenkrieg Geld,
Waffen, Munition, militärische Expertise und Aufklärungsdaten, Schutz im
UNO-Sicherheitsrat und nicht zuletzt mediale Unterstützung. Deutsche
Medien übernehmen fast ausschließlich die israelische Darstellung bei
der Darstellung des Krieges in Gaza und im Libanon.
*/Iran will Krieg vermeiden/*
Der Iran sucht derweil den Ausgleich mit arabischen Golfstaaten. Der
iranische Präsident Massud Peseschkian wurde am Mittwoch in Doha,
Hauptstadt von Katar, von Sheikh Tamim bin Hamad Al Thani, dem Emir von
Katar, zu offiziellen Gesprächen empfangen. Im Rahmen des 19.
Gipfeltreffens des Asien-Kooperations-Dialogs (ACD) in Doha sprach
Peseschkian am Donnerstag auch mit dem Außenminister von Saudi-Arabien,
Prince Faisal bin Farhan Al Saud. Dem 2002 gegründeten ACD gehören
aktuell 35 Staaten an. Bei allen Gesprächen ging es um die Stärkung der
wirtschaftlichen und kulturellen Zusammenarbeit und die aktuelle Lage in
der Region.
Am Freitag traf der iranische Außenminister Abbas Arghchi in Beirut ein.
Vorgesehen waren Treffen mit dem amtierenden Ministerpräsidenten Najib
Mikati und mit Parlamentssprecher Nabih Berri. In Teheran nahmen
Tausende am Freitagsgebet teil, in dessen Rahmen Ajatollah Ali Khamenei
auch an Hassan Nasrallah erinnerte. Khamenei sprach Persisch und
Arabisch und rief angesichts einer realen Kriegsgefahr in der Region die
muslimische Gemeinschaft zur Einheit auf.
*/Israel eskaliert/*
Die israelische Armee forderte am Freitag die Bewohner aller Dörfer im
Umland von Tyros im Süden des Libanon auf, die Region zu verlassen, da
Israel dort angebliche Stellungen, Kommandozentralen und Waffenlager der
Hisbollah angreifen werde. Auch die Bewohner der Stadt Nabatieh wurden
aufgefordert, die Stadt zu verlassen.
Seit Tagen und vor allem nachts bombardiert Israel die libanesische
Hauptstadt Beirut. Die libanesischen Behörden meldeten allein in den
südlichen Vororten von Beirut seit Mittwoch mehr als 30 Angriffe mit
bunkerbrechenden Bomben und Raketen, die von Kampfjets auf die
Wohnviertel abgefeuert wurden. Wie schon in den Tagen zuvor wurden vor
allem Wohnviertel in den südlichen Vororten von Beirut entlang von
großen Verbindungsstraßen attackiert. In Haret Hreik wurden u.a. eine
Schule, ein Versammlungszentrum und das Medienbüro der Hisbollah
bombardiert. Der benachbarte Stadtteil Chiah wurde mindestens zwei Mal
von israelischen Kampfjets gezielt angegriffen.
Im Zentrum der libanesischen Hauptstadt, unweit des Parlaments, wurde im
Viertel Bashoura ein mehrstöckiges Haus mit Raketen angegriffen, die
offenbar von israelischen Drohnen abgefeuert worden waren. In dem
Gebäude befand sich ein medizinisches Versorgungszentrum der Islamischen
Gesundheitsgesellschaft, die zu der von der Hisbollah aufgebauten
Gesundheitsstruktur gehört. Neun medizinische Mitarbeiter und
Rettungssanitäter wurden getötet. Weitere sieben Personen wurden
verletzt, das Gebäude wurde teilweise zerstört, ganze Etagen standen in
Flammen.
Augenzeugen berichteten, bei dem Angriff in Bashoura sei von Israel auch
Weißer Phosphor eingesetzt worden. Bewohner von Beirut berichteten am
Freitag telefonisch, die Luft sei »schwer wie Blei« und über der Stadt
hänge – ähnlich wie nach der Explosion des Hafens von Beirut – ein
schlechter, übler Geruch.
*/Bodenoffensive zurückgeschlagen/*
Wie bereits im Südlibanon hat die israelische Armee auch die Bewohner
der südlichen Vororte von Beirut aufgefordert, die Gebiete zu verlassen.
In den Gebäuden befänden sich angeblich »Hisbollah-Zentralen«, die
Israel bombardieren werde. Damit folgt die israelische Armee dem
Angriffsmuster in Gaza, wo seit einem Jahr Angriffe auf zivile
Infrastruktur, Schulen, Kliniken, Notunterkünfte damit begründet werden,
daß sich dort angeblich »Hamas-Kommandozentralen« befänden. Belege dafür
gibt es ebenso wenig, wie für die Angaben der israelischen Armee, daß
sich in den libanesischen Dörfern und Häusern, die von der Luftwaffe
angegriffen werden, Hisbollah-Waffen und Abschußrampen befänden.
Während die israelische Luftwaffe nahezu ununterbrochen Angriffe auf
zivile Infrastruktur und die Zivilbevölkerung durchführt, wurde der
Versuch einer militärischen Bodenoffensive entlang der »Blauen Linie«,
die Libanon und den Norden Israels trennt von der Hisbollah abgewehrt.
Am Fatima Tor und bei Maroun a-Ras ließen die israelischen Truppen
Panzer zurück, mindestens 20 Soldaten wurden getötet und mehr als 30
wurden, auch nach Angaben der israelischen Armee, verletzt.
unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.