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23.04.2025

Jeffrey David Sachs  (I von II)

wikipedia.org, Seite besucht am 23. April 2025, 9:40 Uhr

Jeffrey David Sachs [sæks], (geboren am 5. November 1954 in Detroit)[1] ist ein US-amerikanischer Ökonom und Professor an der Columbia-Universität, wo er Direktor des Center for Sustainable Development am dortigen Earth Institute ist[2], dessen Direktor er von 2002 bis 2016 war.[3][4] Er war von 2002 bis 2006 Sonderberater der Millennium Development Goals. Er ist Direktor des UN Sustainable Development Solutions Network an der Columbia-Universität. Von 2001 bis 2018 war er Sonderberater der UN-Generalsekretäre Kofi Annan, Ban Ki-moon und Antonio Guterres. Von 2002 bis 2006 war er Direktor des Projekts der UN zu den Millenniums-Entwicklungszielen. Er ist Mitherausgeber des World Happiness Report.

Sachs hat mehrere Bücher publiziert, darunter drei New York Times Bestseller: Das Ende der Armut (2005), Common Wealth: Economics for a Crowded Planet (2008) und The Price of Civilization (2011).

Leben

Sachs ist das zweite Kind von Joan Abrams, einer Sozialarbeiterin, und Theodore Sachs, einem Anwalt für Arbeitsrecht, der sich für gewerkschaftliche Anliegen der Arbeiter einsetzte. Seine ältere Schwester ist die Times-Journalistin Andrea Sachs. Die Familie gehörte zur wohlhabenden Mittelschicht. Theodore Sachs war der Sohn von Abraham Sachs and Esther Silverman, die mit ihren Familien aus Russland eingewandert waren;[5] Joan Abrams' Vater stammte aus Österreich-Ungarn und flüchtete nach dem Zweiten Weltkrieg aus der CSSR in die USA.[6][7] Sachs, der sich zum Judentum bekennt,[8] erwähnt die jüdische Kultur und Erziehung als wichtige Faktoren seiner Persönlichkeit: Etwa das erste, was er als Kind von Eltern und Großvater gehört habe, sei Tikkun Alum gewesen. „Es blieb mir als Grundidee im Gedächtnis: Versuche, die Welt zu heilen.“[9] Er wuchs in der jüdischen Gemeinde in Detroits wohlhabendem Vorort Oak Park, Michigan, auf und besuchte die High School in Oak Park. Seinen Wunsch, Wirtschaftswissenschaften zu studieren, führt Sachs auf Detroit zurück, wo 1967 eine Flucht der Weißen und Unruhen stattfanden. Oft habe er über die Kluft zwischen Reichtum und Armut in der Stadt nachgedacht.[10]

Jeffrey D. Sachs erhielt 1976 seinen Bachelorabschluss mit dem Prädikat summa cum laude am Harvard College, anschließend einen Masterabschluss in Ökonomie an der Harvard University. 1980 schloss er an der Harvard University sein PhD-Studium in Ökonomie mit der Dissertation 'Factor Costs and Macroeconomic Adjustment in the Open Economy: Theory and Evidence' ab.[11] Er war zunächst Lehrbeauftragter, ab 1983 auch Professor an der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Harvard University.

Im Jahr 2002 wurde Sachs Direktor des Earth Institute at Columbia University, Professor für nachhaltige Entwicklung und Professor für Gesundheitspolitik und -management an der Columbia-Universität. Seine Tochter Lisa leitet dort das Columbia Center on Sustainable Investment.[12]

Er ist verbunden mit der NGO National Bureau of Economic Research.[13] Sachs war außerdem Sonderberater für die Millennium Development Goals des Generalsekretärs der Vereinten Nationen Ban Ki-moon, Berater für den IWF, die Weltbank, die OECD, die WTO und das UNDP.

In den 1980er- und 1990er-Jahren war er beratend für mehrere Staaten mit wirtschaftlichen Problemen aktiv: ab 1985 in Bolivien, ab 1989 in Polen, ab 1991 in Russland. 1989 schloss Jugoslawien mit dem IWF das sogenannte „Marković-Sachs-Programm“ ab, welches nur auf Drängen des IWF zustande kam. Innerhalb weniger Monate wurde 1989/90 eine radikale Importliberalisierung durchgeführt, die bis Ende 1990 2.435 Betriebe mit insgesamt 1,3 Millionen Beschäftigten in Konkurs gehen ließ. Das Bruttosozialprodukt Jugoslawiens sank 1990 um 7,5 Prozent und 1991 um 15 Prozent.[14]

Vor allem die von ihm empfohlene Politik der raschen Privatisierung im Stil einer Schocktherapie (siehe auch Coupon-Privatisierung) trug ihm Kritik ein. Viele Ökonomen, wie zum Beispiel Joseph E. Stiglitz[15], sind der Meinung, dass diese radikal-neoliberale Herangehensweise zum raschen wirtschaftlichen Zusammenbruch des Ostblocks beigetragen habe. Ab 1994 war Sachs in Indien aktiv, seit 1995 beschäftigt er sich besonders mit Afrika.

2004 und 2005 zählte das Time Magazine ihn zu den 100 einflussreichsten Menschen der Welt, als Teil der Kategorie Wissenschaftler und Denker.[16][17]

Gemeinsam mit den Wissenschaftlern Heiner Flassbeck, Thomas Piketty, Dani Rodrik und Simon Wren-Lewis veröffentlichte er während der griechischen Staatsschuldenkrise im Juli 2015 einen offenen Brief an Angela Merkel, in dem sie aufgefordert wurde, Griechenlands Schulden zu reduzieren und der dortigen Regierung einen langen Zeitraum zur Rückzahlung der übrigen Schuld einzuräumen.[18] Andrian Kreye kritisierte in der Süddeutschen Zeitung, dass die Autoren des Briefes ihre wissenschaftliche Objektivität aufgegeben und an Glaubwürdigkeit verloren hätten, um politisch Einfluss zu nehmen.[19] Während der Verhandlungen, wenige Tage später, setzte Sachs auf Twitter zahlreiche Meldungen ab, in denen er sich empört über den deutschen Finanzminister und dessen Verhandlungsführung äußerte.[20]

Im September 2020 gründete Sachs zusammen mit anderen in Parma (Italien) die Regenerative Society Foundation, die er gemeinsam mit dem italienischen Kaffeefabrikanten Andrea Illy führt. Mitglied sind mehrere italienische Unternehmen und Universitäten, die Bank Mediolanum und der B-Corp-Zusammenschluss. Ziel der Stiftung ist es, mit „einer regenerativen Wirtschaftsweise die natürlichen Lebensgrundlagen des Planeten […] wieder aufzubauen.“ Aufgabe ist, „die konkrete Umsetzung der regenerativen Ökonomie.“[21]

Wirken und Positionen

Seine Forschungsinteressen gelten insbesondere der Verbindung zwischen Gesundheit und wirtschaftlicher Entwicklung, ökonomische Geographie, Globalisierung, Transformation zur Marktwirtschaft, internationalen Finanzmärkten, internationaler makroökonomischer Politikkoordination, emerging markets, Entwicklungsökonomik und wirtschaftliches Wachstum, globalem Wettbewerb und makroökonomischer Wirtschaftspolitik in Entwicklungs- und Industrieländern. Seine Idee, Entwicklungshilfe auf einer „klinischen Analyse“ des jeweiligen konkreten Patienten zu begründen, verwirft alle einfachen Problemlösungsvorschläge.

Strategie gegen die Armut

Seit den 1990er-Jahren kritisierte Sachs mehrfach den Internationalen Währungsfonds für seine Politik und warf Bankern ineffektive Investmentstrategien vor.[22][23] Sachs engagiert sich für weitgehenden Schuldenerlass für extrem arme Staaten und im Kampf gegen Krankheiten, insbesondere HIV/AIDS in Entwicklungsländern. Er kritisierte die WTO und den IWF, weil die Geldgeber dieser Organisationen nicht bereit seien, effektive Hilfe für die extrem Armen zu leisten. Der amerikanischen Regierung wirft er vor, dass sie nicht bereit sei, 0,7 % des Bruttosozialprodukts für Entwicklungshilfe zur Verfügung zu stellen.

In seinem New York Times Bestseller Das Ende der Armut[24] stellte Sachs im ersten Teil seine Erfahrungen als Berater dar, im zweiten die Analyse der Ursachen extremer Armut, seine Lösungsvorschläge und Umsetzungspläne. Daniel W. Drezner von der New York Times sieht als sein Hauptargument, dass große Teile der Erde in einer „Armutsfalle“ steckten. Diese mache Gesellschaften durch negative Faktoren der Geografie, Infrastruktur und Gesundheitsversorgung unfähig, mehr als das nackte Überleben zu finanzieren. Marktfreundliche Politiken allein seien nach Sachs unzureichend: die Entwicklungshilfe müsse erhöht werden, diese führe zu höheren Renditen, diese wiederum zu Wachstum. Lösungen sieht Sachs in internationalen Interventionen bei Humankapital, Geschäftskapital, Naturkapital, öffentlichem institutionellen Kapital, Wissenskapital und Infrastruktur. Drezner begleitet Sachs' ansteckenden missionarischem Eifer und Technokratieenthusiasmus mit Warnungen vor Sachs' Ego, dem die Gabe der Untertreibung fehle. Experten könnten ein starkes Déjà-vu-Gefühl verspüren, da, so Drezner, Sachs' Argumentation weitgehend mit Walt W. Rostows Modell in The Stages of Economic Growth von 1960 übereinstimme, das die Entwicklungsdiskussion bis in die 70er Jahre dominierte habe, dabei aber nur dürftige Ergebnisse für die Armen erbracht, vor allem aber zu Verschwendung und Korruption geführt hätte. Sachs unterschätze Kultur als wichtigen Faktor bei der Erklärung von Armut. Drezner hält es dennoch für aussichtsreich, wenn auch unwahrscheinlich, mit 150 Milliarden Dollar pro Jahr extreme Armut zu reduzieren. Selbst wenn The End of Poverty nur zur Hälfte richtig wäre, wäre der Nutzen enorm: „Mehr als 500 Millionen Menschen würde geholfen. Sachs hat keine sichere Lösung gefunden. Aber das bedeutet nicht, dass man nicht auf seine Wette setzen sollte.“[25] Auch William Easterly kritisierte die bescheidenen Erfolge der bisherigen Entwicklungspolitik, eine „Planer-Mentalität“ oder ein Top-Down-Ansatz seien wenig effektiv.[26] Daraus entwickelte sich die so genannte Sachs-Easterly-Kontroverse.[27]

Zusammenarbeit mit dem Vatikan

Im Jahr 2015 gründete Sachs zusammen mit Marcelo Sánchez Sorondo die Ethics in Action Initiative. Papst Franziskus ernannte Sachs zum Akademiemitglied der Päpstlichen Akademie der Sozialwissenschaften.[28] Sachs hatte 2019–2020 mehrere Vorträge in sechs Konferenzen des Vatikans gehalten. Sachs beriet zu Fragen der nachhaltigen Entwicklung im Kontext der Enzyklika Laudato si'.[29] Sachs sagte in einem Interview am 7. November 2018, der Papst sei die „überzeugendste Führungsstimme auf dem Planeten.“ Sachs bezeichnete die Soziallehren der Kirche als absolut wichtig und überzeugend. Die Soziallehre der Kirche, so Sachs, biete eine ethische Sicht auf die Welt und gebe der Wirtschaft einen ethischen Rahmen. Allzu oft basiere die amerikanische Wirtschaftswissenschaft auf dem britischen Liberalismus, einer Tradition, deren ethische Dimension sich mit drei Worten zusammenfassen lasse: „Lasst mich in Ruhe“ (Leave me alone).[30]

Venezuela

Ein von Sachs und Mark Weisbrot verfasster Bericht aus dem Jahr 2019 behauptete, dass ein Anstieg der Zahl der Todesfälle um 31 % zwischen 2017 und 2018 auf die 2017 gegen Venezuela verhängten Sanktionen zurückzuführen sei und dass 40.000 Menschen in Venezuela infolgedessen gestorben sein könnten.[31] In dem Bericht heißt es: „Die Sanktionen entziehen den Venezolanern lebensrettende Medikamente, medizinische Ausrüstung, Lebensmittel und andere wichtige Importgüter.“[31] Weisbrot erklärte, er könne „nicht beweisen, dass diese übermäßigen Todesfälle das Ergebnis von Sanktionen waren, sagte aber, dass die Zunahme parallel zur Verhängung der Maßnahmen und einem damit einhergehenden Rückgang der Ölförderung lief.“[31] Ein Sprecher des US-Außenministeriums kommentierte: „Wie die Autoren selbst einräumen, beruht der Bericht auf Spekulationen und Vermutungen.“[31]

Spekulationen zu COVID-19

Sachs erklärte öffentlich, er sei „ziemlich überzeugt“, wenn auch „nicht sicher“, dass COVID-19 aus der „US-Laborbiotechnologie“ stamme. Er zog die Möglichkeit eines Viruslecks aus einem „von den USA finanzierten Laborforschungsprogramm“ in Betracht, konzedierte aber, dass auch „ein natürliches Überspringen […] natürlich möglich gewesen sei, beide Vermutungen seien zu erwägen.“[32] Im August 2022 trat Sachs im Podcast von Robert F. Kennedy, Jr. auf. Im Interview mit Kennedy beschuldigte er den US-Gesundheitsbeauftragten Anthony Fauci, „nicht ehrlich“ über die Ursprünge von COVID zu sein.[33]

Sachs fungierte als Vorsitzender der COVID-19-Kommission des Fachjournals The Lancet. Im September 2022 veröffentlichte ein von The Lancet zusammengestelltes Gremium einen umfassenden Bericht über die Pandemie, einschließlich eines Kommentars zum Ursprung des Virus.[34] Dieser ließ den Ursprung des Virus offen und sagte nur, dass weitere Studien nötig seien um den Ursprung zu klären. Dies stand im Widerspruch mit einer Position, die Sachs als seine Privatmeinung bereits früher geäußert hat.[35]

Russischer Überfall auf die Ukraine

Im Juni 2022 unterzeichnete Sachs einen offenen Brief, in dem er zu einem Waffenstillstand aufrief und die anhaltende militärische Unterstützung der westlichen Länder für die Ukraine in Frage stellte. Er machte die USA für den russischen Überfall auf die Ukraine mitverantwortlich und äußerte, die NATO-Ausweitung auf die Ukraine, die Biden seit langem propagiert habe, sei ein gescheiterter Schachzug der USA. Die Neokonservativen, darunter auch Biden, hätten seit den späten 1990er Jahren geglaubt, dass die USA die NATO trotz Russlands lautstarker und langjähriger Opposition auf die Ukraine (und Georgien) ausweiten könnten. Dies habe Russland als existentielle Bedrohung seiner nationalen Sicherheit betrachtet und das mehrfach deutlich zu verstehen gegeben. Biden, der immer dem militärisch-industriellen Komplex gedient habe, und sein Team, das an die eigene Propaganda glaube, hätten mehrere Möglichkeiten zur friedlichen Einigung und zur Beendigung des aussichtslosen und gefährlichen Konflikts „verachtet, ignoriert oder blockiert und dabei oft die große Lüge verbreitet, dass nicht die USA, sondern Russland Verhandlungen ablehnt“.[36] Im Februar 2023 bezeichnete er den Krieg als „absolut vermeidbar“. Er spiegele ein Vierteljahrhundert wachsender Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten und Russland wider. Als Schlüssel zu den Ereignissen führte Sachs die unipolare Weltsicht der strategischen Führer der Vereinigten Staaten nach 1991 an, die zur Bombardierung Serbiens durch die NATO, den Kriegen im Irak und in Afghanistan und dem versuchten Sturz Assads mit Hilfe der CIA (Operation Timber Sycamore) sowie anderen verdeckten Operationen führte. Im Wesentlichen wurde laut Sachs der Weg zum Krieg auf dem NATO-Gipfel in Bukarest 2008 mit der Entscheidung Bushs beschritten, die NATO-Osterweiterung voranzutreiben. Der Krieg mit Russland habe erst mit dem „Putsch“ von 2014 richtig begonnen, in den die USA seiner Ansicht nach ebenso aktiv verwickelt gewesen sei wie in die Konflikte innerhalb der Ukraine zuvor und in die Aufrüstung der Ukraine danach. Der Krieg zwischen der Ukraine und Russland hätte mit einem Abkommen im Jahr 2021 noch verhindert werden können.[37]

Im März 2023 unterzeichneten mehr als 300 Wirtschaftswissenschaftler den offenen Brief der Gruppe Economists for Ukraine, in dem diese Sachs widersprach und fünf seiner „wiederkehrenden Argumentationsmuster“ identifizierte und zu widerlegen suchte. Anders als Sachs behaupte, habe der Euromaidan seine Ursache lediglich in der Weigerung Janukovitschs, den Assoziierungsvertrag zu unterschreiben und in seinen folgenden Maßnahmen zur Unterdrückung der Opposition. Die NATO habe Russland nie bedroht, umgekehrt jedoch Russland/die Sowjetunion die Länder Europas. Die Krim sei integraler Bestandteil der Ukraine, ihre Besetzung durch Russland keine Garantie vor weiteren Annexionen. Sachs übernehme die Friedenspläne Russlands, die keine Gewähr vor weiterer Aggression böten. Die Ukraine sei kein zerrissenes Land, auch die Krim sei erst durch Genozide und Deportationen anders als ursprünglich bevölkert.[38] In seiner Stellungnahme betonte Sachs, der Brief stelle seine Position falsch als irgendwie gegen die Ukraine gerichtet dar. „Dies ist ein sehr tiefes Missverständnis und das Gegenteil meiner Position.“ Sachs lud zu einer offenen Diskussion ein.[39]

US-amerikanischer Exzeptionalismus

In seiner Publikation von 2018 A New Foreign Policy. Beyond American Exceptionalism[40] stellt Sachs dar, dass die ihm anachronistisch erscheinende Selbstwahrnehmung der USA als Ausnahmenation im 20. Jahrhundert zu einer Reihe von außenpolitischen Fehlentscheidungen wie Kriegen, Regimewechseln und Sanktionsregimen geführt hätte. Angesichts des relativen Bedeutungsverlusts der Vereinigten Staaten im Weltmaßstab hinsichtlich Handel, Industrieproduktion und Bevölkerungsanteil warnt Sachs die amerikanische Außenpolitik davor, sich weiter zu isolieren. Die „neue Seidenstraße“ und die chinesische Initiative Global Energy Interconnection Cooperation and Development sind für ihn Beispiele gelungener internationaler Kooperation zum wechselseitigen Vorteil. Der Wandel Russlands in den 1990er Jahren sei von den Vereinigten Staaten nicht gewürdigt worden, bei Transformationsschwierigkeiten der russischen Wirtschaft habe man nicht geholfen. Dazu komme die Ausweitung der NATO als weitere Wurzel des Konflikts zwischen USA und Russland. Die USA solle sich stattdessen stärker in den Vereinten Nationen engagieren, ausstehende Konventionen ratifizieren und sich wieder dem Pariser Klimaabkommen anschließen, Entwicklungshilfe verstärken und Migration an die ökonomischen Notwendigkeiten des Landes anpassen.[41] Am 19. Februar 2025 hielt Sachs eine Rede[42] vor dem Europäischen Parlament, in der er Europa dazu aufforderte, sich von dem Einfluss der USA zu befreien und einen eigenen außenpolitischen Kurs einzuschlagen.[43][44][45]

Nach Gideon Rachmans Rezension (Financial Times) stellt Sachs den Exzeptionalismus als das bestimmende Merkmal der amerikanischen Herangehensweise an die Welt im 20. Jahrhundert dar, dem Trumps „America First“-Ideologie noch Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Protektionismus hinzufügt habe. Er sieht in Sachs' Argumentation eine Abkehr von der Annahme, dass Amerika als Kraft des Guten in der Welt gewirkt habe. Sachs beharre auf der globalen Natur der Probleme der Menschheit und fordere daher ein neues Engagement für UNO, Klima, Krankheiten und Flüchtlinge. Den großen Fehler seines Ansatzes sieht Rachmann darin, dass er die US-Außenpolitik hart und skeptisch beurteile, dies aber gegenüber Russland und China unterlasse. Er glaube weitgehend der russischen Darstellung der Kriege in der Ukraine und in Syrien und „ignoriert dabei nicht nur die Ansichten der politischen Entscheidungsträger in Washington, sondern auch der mitteleuropäischen Länder, der syrischen Opposition und der meisten Nachbarn Syriens“. Ähnlich unkritisch verfahre er bei Reden von Präsident Xi Jinping vor dem Kongress der Kommunistischen Partei in Peking im Jahr 2017.[46] John Glaser (Cato Institute) sieht die These von Sachs' „außenpolitischem Traktat für Laien“ darin, dass die selbstgerechte Idee, über dem Recht zu stehen, es begründen und brechen zu dürfen, die US-Außenpolitik zu den Extremen internationaler Heuchelei und unerbittlichen militärischen Interventionismus getrieben habe. Dadurch seien Ressourcen verschwendet, neue Feinde geschaffen und Gelegenheiten friedlicher Zusammenarbeit verpasst worden. Glaser sieht in der Darstellung Sachs' Vereinfachungen, Polemik und Mangel an Nuancen, die allgemeine Stoßrichtung von Sachs' Argument sei jedoch sowohl vernünftig als auch überzeugend. Der Rezensent bezieht sich dabei auf Sachs' Kritik der NATO-Erweiterung, des Irak-Kriegs und der Intervention in Libyen, der Brüche internationaler Normen und der Kündigung von Abrüstungsabkommen. Die angebliche Gefährdung durch China und Russland betrachte Sachs als self fulfilling prophecy. Um die USA aus einem neuen Krieg herauszuhalten, müsse unter anderem die CIA umstrukturiert werden, der Kongress müsse seine Entscheidungsbefugnis über Krieg und Frieden wiederherstellen. Sowohl Sachs' Diagnose als auch sein Rezept, so Glaser, passten gut in eine sich entwickelnde Debatte über die Zukunft der US-Großstrategie, in der Zurückhaltung und Diplomatie wichtig seien.[47] In seiner Rezension von 2019 verweist Anton Peez auf der Rezensionsseite der London School of Economics and Political Science auf die Definition von Exzeptionalismus als „'inhärentes Recht, die internationalen Verkehrsregeln zu machen und zu brechen' – eine Vorstellung, von der 'America First' eine rassistische und populistische Variante ist“. Peez findet Sachs' „Linse des Sicherheitsdilemmas“ hilfreich, um zu argumentieren, dass „'was für [die USA] wie eine offensive Aktion aussieht, der Versuch eines Staates sein kann, sich zu verteidigen'“. Er fordert Sachs jedoch auf, die Menschenrechtsstandards, die er zu Recht auf die USA anwendet, auch auf Russland und China anzuwenden.[48]

Mitgliedschaften und Funktionen

Veröffentlichungen (Auswahl)

  • Developing country debt and economic performance (National Bureau of Economic Research Project Report). University of Chicago Press, Chicago, Ill. 1989
  1. The international financial system, ISBN 0-226-73332-7.
  2. Country studies. Argentina, Bolivia, Brazil, Mexico, ISBN 0-226-73333-5.
  3. Country studies. Indonesia, Korea, Philippines, Turkey, ISBN 0-226-73335-1.
  • Developing country debt and the world economy (National Bureau of Economic Research Project Report). University of Chicago Press, Chicago, Ill. 1989, ISBN 0-226-73338-6.
  • Development economics. Inframarginal versus marginal analysis. OUP, Oxford 2001, ISBN 0-631-22003-8.
  • Das Ende der Armut. Ein ökonomisches Programm für eine gerechtere Welt (The end of poverty). Edition Pantheon, München 2006, ISBN 3-570-55012-5.
  • In die Entwicklung investieren. Ein praktischer Plan zur Erreichung der Millenniums-Entwicklungsziele (Investing in development). Vereinte Nationen, New York 2005.
  • Makroökonomik in globaler Sicht (Macroeconomics in the global economy). Oldenbourg Verlag, München 2001, ISBN 3-486-25826-5 (zusammen mit Felipe Larraín Bascuñán)
  • Poland’s jump to the market economy (Lionel Robbins Lectures; 3). MIT Press, Cambridge, Mass. 1994, ISBN 0-262-69174-4.
  • The rule of law and economic reform in Russia (John M. Olin Critical Issues Series). Westview Press, Boulder, Colo. 1997, ISBN 0-8133-3314-8 (zusammen mit Katharina Pistor)
  • Stagflation in the World Economy. University Press, Cambridge, Mass. 1985, ISBN 0-674-23475-8 (zusammen mit Michael Bruno)
  • Wohlstand für viele. Globale Wirtschaftspolitik in Zeiten der ökologischen und sozialen Krise (Common wealth). Siedler, München 2007, ISBN 978-3-88680-860-1.
  • The Age of Sustainable Development. Columbia University Press, New York 2015, ISBN 978-0-231-17315-5.
  • The Ages of Globalization: Geography, Technology, and Institutions. Columbia University Press, New York 2015, ISBN 978-0-231-19374-0.
  • A New Foreign Policy. Beyond American Exceptionalism. Columbia University Press. New York 2018, ISBN 978-0-231-18848-7.
  • Diplomatie oder Desaster. Zeitenwende in den USA – Ist Frieden möglich?. Westend Verlag, Neu-Isenburg 2024, ISBN 978-3-86489-478-7

Ehrungen und Auszeichnungen

  • 1991: Frank E. Seidman Award in Political Economy
  • 1999: Commander's Cross of the Order of Merit der Republik Polen
  • 2000: Bernhard-Harms-Preis des Instituts für Weltwirtschaft Kiel[50]
  • 2007: Padma Bhushan Orden (Indien)
  • 2009: Weltwirtschaftlicher Preis (Deutschland)
  • 2015: Blue Planet Prize
  • 2015: Quartz Podcast Award for best business/economics podcast of 2015 (Conversion Tyler Cowen / Jeffrey Sachs)
  • 2017: Globart Award (Österreich)
  • 2017: World Sustainability Award of the World Sustainability Forum, zusammen mit seiner Ehefrau Sonia Ehrlich Sachs
  • Aufnahme in das Institute of Medicine
  • Aufnahme in die Harvard Society of Fellows
  • Fellow of the World Econometric Society
  • Boris Mints Institute Prize an der Tel Aviv University
  • 2022: Tang Prize für nachhaltige Entwicklung

Literatur

Weblinks

Commons: Jeffrey Sachs – Sammlung von Bildern

Wikiquote: Jeffrey Sachs – Zitate (englisch)
23.04.2025

Jeffrey David Sachs  (II von II)


Einzelnachweise


  1. Bernhard-Harms-Preis. ifw-kiel.de, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 14. Juni 2013; abgerufen am 15. Juni 2013.

Normdaten (Person): GND: 120714531 (lobid, GND Explorer, OGND) | LCCN: n81146500 | NDL: 00515954 | VIAF: 109303948 | Wikipedia-Personensuche

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  • Britannica Money. 25. März 2025, abgerufen am 30. März 2025 (englisch).
  • Columbia University Search. Abgerufen am 30. März 2025.
  • University Professor Jeffrey D. Sachs. In: Staff Profiles - Columbia Climate School. Columbia University in the City of New York, abgerufen am 30. März 2025 (englisch).
  • Sustainable Development Solutions Network: Jeffrey Sachs. Abgerufen am 14. Juli 2014.
  • John R. Runyan and Carrie Sharlow: Theodore Sachs. Michigan Bar Journal, Februar 2015 https://www.michbar.org/file/barjournal/article/documents/pdf4article2569.pdf
  • Theodore Sachs Labor Lawyer, 72. In: The New York Times. 13. März 2001, ISSN 0362-4331 (nytimes.com [abgerufen am 6. Juli 2024]).
  • A Michigan Family Story. The Regents of the University of Michigan, abgerufen am 6. Juli 2024 (amerikanisches Englisch).
  • Jeffrey D. Sachs: Amerika, Menschenrechte und Israels Krieg gegen Palästina | by Jeffrey D. Sachs. 25. Mai 2021, abgerufen am 6. Juli 2024.
  • Jeffrey Sachs im Gespräch. 28. September 2022, abgerufen am 27. Februar 2023."And one idea of Judaism is called to Tikkun Alum, which is to heal the world. It's about the first thing I heard as a child. It was part of what I was told by my grandfather and by my parents, and it stuck with me as a basic idea: you try to heal the world. Why not? What else are we going to do?"
  • Peter Feuerherd: Jewish economist says Catholic social teaching is his moral compass | National Catholic Reporter. In: National Catholic Reporter. 30. November 2018, abgerufen am 6. Juli 2024 (englisch).
  • http://hollis.harvard.edu/?itemid=%7Clibrary/m/aleph%7C003907491
  • Lisa Sachs, Matthew Beck. The New York Times, 30. Mai 2009.
  • https://www.nber.org/people/jeffrey_sachs?page=1&perPage=50
  • Jörg Roesler: Mit oder ohne westliches Geld? Der IWF und die sozialistischen Staaten, in: WeltTrends, Jg. 16, H. 59, 2008, S. 85–96 (hier: S. 92).
  • Joseph Stiglitz: The ruin of Russia, in: The Guardian, 9. April 2003.

  • Charles Alexander: The 2004 Time 100 – Time. In: Time. 26. April 2004, ISSN 0040-781X (time.com [abgerufen am 5. Juli 2024]).
  • Bono: The 2005 Time – Time. In: Time. 18. April 2005, ISSN 0040-781X (time.com [abgerufen am 5. Juli 2024]).
  • Jetzt ist der Zeitpunkt, die gescheiterte Sparpolitik zu überdenken. Tagesspiegel vom 7. Juli 2015.
  • Wissenschaft beraubt sich ihrer stärksten Waffe. Süddeutsche Zeitung vom 10. Juli 2015.
  • Ulrich Schäfer: Twitter-Gewitter gegen Merkel und Schäuble. Süddeutsche Zeitung vom 12. Juli 2015.
  • Ulrike Bauer: Club of Rome reloaded, Süddeutsche Zeitung vom 24. Juli 2022.
  • Jeffrey Sachs: The IMF Is a Power Unto Itself. In: uv.es. Financial Times, 11. Dezember 1997, abgerufen am 10. September 2019 (englisch).
  • Jeffrey Sachs: Fixing the IMF and the World Bank. In: Project Syndicate. 4. Oktober 1999, abgerufen am 10. September 2019 (englisch).
  • BEST SELLERS: April 17, 2005. In: The New York Times. 17. April 2005, ISSN 0362-4331 (nytimes.com [abgerufen am 6. Juli 2024]).
  • Daniel W. Drezner: 'The End of Poverty': Brother, Can You Spare $195 Billion? In: The New York Times. 24. April 2005, ISSN 0362-4331 (nytimes.com [abgerufen am 6. Juli 2024]).
  • Easterly, William, and Jeffrey Sachs. “The Big Push Déjà Vu: A Review of Jeffrey Sachs’s ‘The End of Poverty: Economic Possibilities for Our Time.’” Journal of Economic Literature, Bd. 44, Nr. 1, 2006, S. 96–105. JSTOR:30032297. Accessed 6 Juli 2024.
  • Hielscher, Stefan (2008). Die Sachs-Easterly-Kontroverse: „Dissent on Development“ Revisited – Eine ordonomische Analyse zur Interdependenz von Sozialstruktur und Semantik moderner Entwicklungspolitik. ORDO · Jahrbuch für die Ordnung von Wirtschaft und Gesellschaft. 59. 441-473. 10.1515/ordo-2008-0121.
  • EWTN: Papst Franziskus beruft Jeffrey Sachs in Päpstliche Akademie. Abgerufen am 6. Juli 2024.
  • CNA: Pope Francis names contraception advocate to pontifical academy. Abgerufen am 6. Juli 2024 (englisch).
  • Peter Feuerherd: Jewish economist says Catholic social teaching is his moral compass | National Catholic Reporter. In: National Catholic Reporter. 30. November 2018, abgerufen am 6. Juli 2024 (englisch).
  • Buncombe, Andrew: US sanctions on Venezuela responsible for 'tens of thousands' of deaths, claims new report. The Independent, 26. April 2019, abgerufen am 4. Mai 2019.
  • Stuart Lau, Luanna Muniz: Borrell's adviser pushes China's contested claim that COVID came from US. POLITICO, 12. Juli 2022, abgerufen am 2. September 2022 (englisch).
  • Dan Diamond: ‘Untrustworthy and ineffective’: Panel blasts governments' covid response. The Washington Post, 14. September 2022, abgerufen am 4. Oktober 2022 (englisch).
  • Jeffrey D. Sachs, Salim S. Abdool Karim, Lara Aknin, Joseph Allen, Kirsten Brosbøl, Francesca Colombo, Gabriela Cuevas Barron, María Fernanda Espinosa, Vitor Gaspar, Alejandro Gaviria, Andy Haines, Peter J. Hotez, Phoebe Koundouri, Felipe Larraín Bascuñán, Jong-Koo Lee, Muhammad Ali Pate, Gabriela Ramos, K. Srinath Reddy, Ismail Serageldin, John Thwaites, Vaira Vike-Freiberga, Chen Wang, Miriam Khamadi Were, Lan Xue, Chandrika Bahadur, Maria Elena Bottazzi, Chris Bullen, George Laryea-Adjei, Yanis Ben Amor, Ozge Karadag, Guillaume Lafortune, Emma Torres, Lauren Barredo, Juliana G. E. Bartels, Neena Joshi, Margaret Hellard, Uyen Kim Huynh, Shweta Khandelwal, Jeffrey V. Lazarus, Susan Michie: The Lancet Commission on lessons for the future from the COVID-19 pandemic. In: Lancet (London, England). Band 400, Nr. 10359, 8. Oktober 2022, ISSN 1474-547X, S. 1224–1280, doi:10.1016/S0140-6736(22)01585-9, PMID 36115368, PMC 9539542 (freier Volltext) – (nih.gov [abgerufen am 19. Februar 2025]).
  • Sarah Knapton: US experiments 'may have contributed to emergence of Covid'. The Telegraph, 20. Mai 2022, abgerufen am 3. Juli 2022 (britisches Englisch).
  • A Mediator's Guide to Peace in Ukraine, Website von Jeffrey Sachs, 5. Dezember 2022, abgerufen am 26. März 2023. Und The Real History of the War in Ukraine: A Chronology of Events and Case for Diplomacy Website Jeffrey Sachs, 17. Juli 2023, abgerufen am 1. September 2023
  • Isaac Chotiner: Jeffrey Sachs’s Great-Power Politics. In: The New Yorker. 27. Februar 2023, ISSN 0028-792X (newyorker.com [abgerufen am 3. Juli 2024]).
  • Open letter to Jeffrey Sachs on his position regarding Russian war on Ukraine. Abgerufen am 3. Juli 2024 (amerikanisches Englisch).
  • Saul Quintanar: Economics professors condemn Jeffrey Sachs in open letter on Russia-Ukraine war. Abgerufen am 1. Juli 2024.
  • Jeffrey D. Sachs: A New Foreign Policy: Beyond American Exceptionalism. Columbia University Press, 2018, ISBN 978-0-231-54788-8 (columbia.edu [abgerufen am 5. Juli 2024]).
  • Jens Wassenhoven: A New Foreign Policy. In: Portal für Politikwissenschaft. Abgerufen am 5. Juli 2024 (deutsch).
  • Jeffrey Sachs: Don't trust America. Länge 1:33:49, [YouTube]. 19. Februar 2025 (englisch, youtube.com [abgerufen am 18. April 2025]).
  • Jeffrey Sachs: The Geopolitics of Peace – Speech to the European Parliament, Brave New Europe, 28. Februar 2025. Abgerufen am 18. April 2025 (englisch). „Redigierte Abschrift der Rede von Jeffrey Sachs vor dem Europäischen Parlament am 19. Februar 2025.“ 
  • 'Don't trust America': Jeffrey Sachs' European Parliament speech goes viral amid Trump tariff war, The Economic Times, 8. April 2025. Abgerufen am 18. April 2025 (englisch). 
  • S. Pangambam: Transcript: Jeffrey Sachs on the Geopolitics of Peace in the European Parliament, The Singju Post, 12. April 2025. Abgerufen am 18. April 2025 (englisch). 
  • Gideon Rachman: America’s exit from the world stage. In: Financial Times. Abgerufen am 5. Juli 2024.
  • John Glaser: A New Foreign Policy: Beyond American Exceptionalism by Jeffrey D. Sachs. Cato Journal 2019, Bd. 39 Nr. 3
  • Anton Peez: Book Review: A New Foreign Policy: Beyond American Exceptionalism by Jeffrey D. Sachs. LSE Review of books, January 27st, 2019.
  • Nomina di Membro Ordinario della Pontificia Accademia delle Scienze Sociali. In: Tägliches Bulletin. Presseamt des Heiligen Stuhls, 25. Oktober 2021, abgerufen am 25. Oktober 2021 (italienisch).

  • Diese Seite wurde zuletzt am 20. April 2025 um 03:25 Uhr bearbeitet.


    Info: https://de.wikipedia.org/wiki/Jeffrey_Sachs


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    23.04.2025

    Ukraine: EU streitet mit USA über Frieden – Kommt es zum Schwur?

    lostineu.eu, 23. April 2025

    Am Mittwoch wollen die USA in London mit Großbritannien, Frankreich und Deutschland über ihre Friedensbemühungen für die Ukraine sprechen. Es liegt Streit in der Luft.

    Die Europäer hätten einige “rote Linien” und wollten sie erläutern, erklärte Frankreichs Außenminister Barrot vor dem Treffen, das auf eine ähnliche Runde vor Ostern in Paris folgt.

    Dazu dürfte u.a. die Frage gehören, ob die Krim dauerhaft an Russland abgetreten werden soll, was die USA nach einem Bericht der “Washington Post” offenbar ernsthaft erwägen.

    Die EU hat territoriale Veränderungen kategorisch ausgeschlossen. Auch die Ukraine will einen Verlust der Krim nicht hinnehmen. Es liegt Streit in der Luft – womöglich kommt es sogar zum Schwur.

    Kallas beschuldigt USA

    Wenn die Europäer “Nein” sagen, könnte sie US-Außenminister Rubio für ein Scheitern der Friedensgespräche mit Russland verantwortlich machen. Er hat schon mit einem Ende der US-Bemühungen gedroht.

    Die EU-Außenbeauftragte Kallas versucht bereits, den Schwarzen Peter nach Washington zurückzuschieben. Sie hat den USA vorgeworfen, nicht alle ihr zur Verfügung stehenden Mittel auszuschöpfen.

    “Sie haben Werkzeuge zur Hand, mit denen sie Druck ausüben können”, sagte Kallas am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP in Brüssel. “Sie haben diese Werkzeuge nicht genutzt.”

    Stolperfalle Sanktionen

    Welche Werkzeuge sie meint, blieb in der Agenturmeldung offen. Womöglich geht es um den Nato-Beitritt der Ukraine, den die USA bereits ausgeschlossen haben, oder um die westlichen Sanktionen.

    Die EU hält eisern an den ursprünglich gemeinsam mit den USA verhängten Strafmaßnahmen gegen Russland fest – und hat damit bereits zum Scheitern einer geplanten Waffenruhe über dem Schwarzen Meer beigetragen.

    Russland hatte eine Lockerung der Strafen zur Bedingung gemacht – doch Brüssel sagt Nein. Seitdem sind die Friedensbemühungen ins Stocken geraten…

    Siehe auch Deutschland stellt sich gegen Trumps Schwarzmeer-Deal. Mehr zum Krieg um die Ukraine hier

    ‹ Trotz Handelskrieg: China und USA wachsen schneller als die EU

    1 Comment

    1. Guido B.
      23. April 2025 @ 07:34

      Wenn Trumps Friedensdeal platzt, könnte auch der Rohstoffdeal mit der Ukraine platzen. Trump würde der EU die Schuld dafür geben. Ein De-facto-Rückzug der USA aus der NATO liegt in der Luft. Der Krieg in Europa ginge weiter, aber unter Ausschluss der USA. Deutschland würde im Krieg die Führung übernehmen, sekundiert von Frankreich und UK. Es liefe auf einen direkten Krieg mit Russland hinaus. Die USA haben Europa abgeschrieben.

    Antworten

    Was sagen Sie dazu?



    Info: https://lostineu.eu/ukraine-eu-streitet-mit-usa-ueber-frieden-kommt-es-zum-schwur/?utm_campaign=Lost%20in%20EUrope%20Update&utm_content=Lost%20in%20EUrope%20Update&utm_medium=email&utm_source=getresponse


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    Weiteres:




    Trotz Handelskrieg: China und USA wachsen schneller als die EU


    Screenshot_2025_04_23_at_08_55_08_Lost_in_EUrope_Update

                                                                                                                                       (Screendshot)


    lostineu.eu, vom 22. April 2025

    Der Handelskrieg von US-Präsident Trump richtet sich vor allem gegen China. Dennoch wachsen die USA und China schneller als die EU, prognostiziert der IWF. Deutschland steht besonders schlecht da. Die Merz-Schulden machen es offenbar auch nicht besser.

    Der Handelskrieg dämpft das Wachstum weltweit, schätzt der Internationale Währungsfonds in seiner Frühjahrsprognose, die wegen Trump noch in letzter Minute überarbeitet werden musste.

    Das US-Wirtschaftswachstum werde in diesem Jahr nur 1,8 Prozent betragen (nach 2,5 in 2024), für China werden immer noch 4,0 Prozent prognostiziert (nach 5,4).

    Demgegenüber rechnet der IWF in der Eurozone nur noch mit einem Wachstum von 0,8 Prozent (nach 1,2). Für Deutschland wird ein Nullwachstum erwartet (nach -0,2).

    Auch die scheidende Bundesregierung geht von einer “schwarzen” Null aus. Der tiefe Griff in die Trickkiste, den sich CDU-Chef Merz mit seinem Schuldenprogramm erlaubt hat, scheint keinen frischen Schub zu bringen….

    Das traurige Ergebnis: Deutschland und die EU fallen wirtschaftlich weiter hinter die USA und China zurück – trotz des amerikanisch-chinesischen Handelskriegs, dem EUropa ja angeblich so erfolgreich widersteht!

    Sogar Russland steht besser da als die EU. Dort soll die Wirtschaft 2025 immerhin noch um 1,5 Prozent wachsen. Und das trotz der angeblich so wirksamen westlichen Sanktionen.

    Dennoch will die EU an ihrem erfolglosen Kurs festhalten. Sie arbeitet schon am nächsten Sanktions-Paket und setzt weiter unbeirrt auf Freihandel, obwohl der Wind längst gedreht hat…

    Siehe auch Update Handelskrieg: Trump lässt EU weiter zappeln und “Die EU kriegt die Trump-Krise”

    P.S. Drei Jahre Rezession oder Nullwachstum am Stück wären übrigens eine Premiere in der deutschen Wirtschaftsgeschichte. In Berlin und Brüssel tun aber alle so, als hätten sie damit nichts zu tun – Trump ist Schuld ????

    ‹ Update Handelskrieg: Trump lässt EU weiter zappeln › Ukraine: EU streitet mit USA über Frieden – Kommt es zum Schwur?

    10 Comments

    1. Arthur Dent
      22. April 2025 @ 23:33

      Hey -kann sich noch jemand an den 14. Dezember 2003 erinnern? War ´n Sonntag mit Sabine Christiansen – man diskutierte zum x-ten mal die vorgezogene Steuerreform. Deutschland steckte damals schon seit 10 Jahren in einer Wachstumskrise. Also Steuern runter, Lohnnebenkosten runter… – schon sah man wieder Licht am Ende des Tunnels. Das ist das ökonomische Hochintelligenzmodell: Wenn man Steuern senkt, kann der Bürger mehr Geld für Konsum ausgeben, dann wächst die Wirtschaft, es entstehen Arbeitsplätze, und bald kassiert der Staat mehr Steuern als zuvor…
      Problem gelöst!

    Antworten

  • Skyjumper
    22. April 2025 @ 23:13

    “Für Deutschland wird ein Nullwachstum erwartet (nach -0,2).”

    Selbst wenn es so käme (ich halte die -0,2, oder noch weniger, weiterhin für wahrscheinlicher) bedeutet das weitere reale Einkommens- und Wohlstandsverluste für große Bevölkerungsanteile. Und der Gürtel ist für viele bereits recht eng geschnallt. Es wird also auch zu weiter zunehmenden gesellschaftlichen Spannungen kommen. AfD und Linke (BSW?) werden weiter zugewinnen. Und am Ende der Legislaturperiode wird auch die letzte ehemalige Volkspartei bei weniger als 20 % stehen.

    Antworten

    • KK
      23. April 2025 @ 00:07

      “…bedeutet das weitere reale Einkommens- und Wohlstandsverluste für große Bevölkerungsanteile. Und der Gürtel ist für viele bereits recht eng geschnallt.”

      Ausbaden muss das dann neben den Millionen betroffenen Bürgern der Teil der Wirtschaft mitsamt den Beschäftigten, der von der Binnennachfrage lebt.
      Hauptsache, es ist bald Krieg, dann redet keiner mehr von der Wirtschaft!

      Antworten

  • Michael
    22. April 2025 @ 19:58

    Its not the economy: its politics stupid!

    Antworten

    • KK
      22. April 2025 @ 22:49

      Weder – noch: It’s stupid!

      “Viele kamen allmählich zu der Überzeugung, einen großen Fehler gemacht zu haben, als sie von den Bäumen heruntergekommen waren. Und einige sagten, schon die Bäume seien ein Holzweg gewesen, die Ozeane hätte man niemals verlassen dürfen.”
      [Douglas Adams, aus: “Per Anhalter durch die Galaxis”]

      Antworten

  • Reykjavik
    22. April 2025 @ 19:58

    Wenn man das Abschmieren der Wirtschaft mit astronomischen Rüstungsinvesititonen abfangen will und auch das nicht hilft, bleibt wohl wirklich nur der erweiterte Suizid in Form eines Krieges als Ausweg. Offenbar immer noch besser, ganz Europa in einen Krieg hineinzureiten, als das eigene gigantische politische Versagen einzugestehen und die Verantwortung dafür zu übernehmen. Falls wir uns wieder mal fragen, warum und woher diese Kriegshetze und Kriegsgeilheit beim politischen Führungspersonal, ein schlichter Wikipedia-Artikel zum Thema Krieg fasst es schön zusammen: „Krieg wird oft als letzter Versuch eingesetzt, eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage oder Währungskrisen zu verhindern..“

    Antworten

  • palman
    22. April 2025 @ 18:33

    . . . und “Was”, bitteschön, soll bei einem AUS-“Gewachsenen” noch “sprießen und wuchern” (ausgen. Haare in Nase und Ohren) ??!!?? – denn spätestens in “50” Jahren wissen die CHINESEN auch NICHT mehr, wie mit den “Arbeits”-LOSEN “um-zu- gehen” !?! – VerWaltung regelt die “KI” – den Rest übernehmen die “Robos” !?! – also, Leute, viel Spaß beim “K n i f f e l n” ????

    P.S.: – erneut mein Spruch aus “20-20” : – Wenn sich Der WESTEN in zehn Jahren noch als MUSEUMs-“dorf” für Milliarden von TOURI-Asiaten erhalten kann, ist schon VIEL gewonnen – (!?!) ????

    Antworten

    • umbhaki
      22. April 2025 @ 22:07

      @palman

      Leider haben Sie nur die Hälfte des Problems erkannt, bzw. noch weniger.

      Eben dadurch, dass der sogenannte »Technische Fortschritt« immer mehr Arbeitskräfte überflüssig macht, schafft sich unser derzeitiges Wirtschafts- und Gesellschaftssystem selbst ab. Es ist nämlich so, dass der heilige Mehrwert ausschließlich durch menschliche Arbeit erschaffen werden kann. Fällt die menschliche Arbeit weg, entfällt auch die Möglichkeit Gewinn zu machen. Schon vor der Endphase würden die Gewinnmargen einbrechen, da der Konkurrenzdruck die verschiedenen Anbieter veranlasst (zwingt), die automatisch und ohne Arbeiter hergestellten Produkte mit immer geringerer Marge anzubieten. Es würden ja gezwungenermaßen alle Konkurrenten sich um dieselben Automatisierungen bemühen, bzw. um immer noch „bessere“. Außerdem würde ja niemand mehr Einkommen erzielen, mit dem er die Produkte kaufen könnte.

      Der Staat, der olle Moloch, könnte auch nicht weiterhelfen. Mangels Steuereinnahmen wäre der nämlich dann handlungsunfähig. Vergessen Sie Sozialleistungen.

      Nennt sich übrigens »die innere Schranke des Kapitalismus«, dieser Mechanismus. Die Gelehrten streiten sich noch, ob nicht vielleicht die »äußere Schranke«, nämlich der finale Umweltverbrauch, dem dummen Spiel vorher schon ein Ende macht. Wetten werden noch angenommen.

      Ob die angeblich „kommunistische“ Regierung in China diese Risiken im Blick hat und über Lösungen nachdenkt, weiß ich nicht. Was ich aber ganz sicher weiß, ist, dass im kompletten Wertewesten das Problem noch gar nicht gesehen, geschweige denn verstanden wird.

      Antworten

      • Skyjumper
        22. April 2025 @ 23:03

        1 Daumen

        “Was ich aber ganz sicher weiß, ist, dass im kompletten Wertewesten das Problem noch gar nicht gesehen, geschweige denn verstanden wird.”

        Das allerdings halte ich für Wunschdenken. Sowohl die innere Schranke des Kapitalismus, als auch die äussere Schranke dürfte der Elite (geistige, wirtschaftliche, politische) durchaus bewußt sein. Ulrike Hermann und Co. z.B. möchte daher wieder 7 von 10 Menschen auf die landwirtschaftlichen Felder schicken. Mit Hacke und Sichel und dem Zahnarztermin beim örtlichen Hufschmied (natürlich überspitzt).
        Flassbeck und Co. suchen kreativ nach alternativen Wegen um das Rad noch 1-2 Umdrehungen weiter drehen zu können (was auch nur die Fallhöhe nach oben schraubt) durch MMT und Bedingungsloses Grundeinkommen.
        Der überwiegende Teil schaut in die Geschichtsbücher und bleibt gebannt an der von @Reykjavik ausgegrabenen Wiki-Definition hängen:

        „Krieg wird oft als letzter Versuch eingesetzt, eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage oder Währungskrisen zu verhindern..“

        Und nun werfe man einen Blick auf die aktuellen Entwicklungen und beantworte sich die Frage welche Fraktion wohl im Moment die Marschrichtung vorgibt? Krieg war historisch gesehen bisher immer eine brauchbare Lösung …… für den überlebenden Teil. Ich hab allerdings meine Zweifel ob das auch heute noch so wäre.

  • KK
    22. April 2025 @ 17:47

    “Sie arbeitet schon am nächsten Sanktions-Paket…”

    “Warum rammst Du immer und immer wieder Deinen Kopf vor die Wand? Tut das nicht weh?”
    “Doch; aber es ist so schön, wenn der Schmerz nachlässt.”

    Doch, auch die Sanktionspakete tun der EU selbst mehr weh als Russland (aka der Wand), aber es ist so schön, die eigene vermeintliche Moral auf diese Weise immer wieder der Welt – und vor allem sich selbst – demonstrieren zu können.

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    Info: https://lostineu.eu/trotz-handelskrieg-china-und-usa-wachsen-schneller-als-eu/?utm_campaign=Lost%20in%20EUrope%20Update&utm_content=Lost%20in%20EUrope%20Update&utm_medium=email&utm_source=getresponse


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.




    Weiteres:




    Update Handelskrieg: Trump lässt EU weiter zappeln


    lostineu.eu, vom 22. April 2025

    Auch nach dem angeblich so erfolgreichen Treffen von US-Präsident Trump mit Italiens Regierungschefin Meloni kurz zeichnen sich keine Fortschritte im Handelsstreit mit der EU ab. Meloni habe EU-Kommissionschefin von der Leyen nach dem Treffen informiert, teilte die Kommission mit. Greifbare Ergebnisse konnte sie aber nicht vermelden; auch ein Termin für ein Gipfeltreffen in Rom steht noch nicht fest. Trump lässt die EU also zappeln; offenbar ist er weiter nicht bereit, mit von der Leyen direkt zu sprechen. Die deutsche EU-Chefin rühmt sich derweil großen Zuspruchs: Die ganze Welt steht Schlange, um mit der EU neue Handelsabkommen zu schließen, sagte sie laut “Politico”. Das klingt fast so angeberisch wie Trumps Spruch “They are kissing my ass”…

    Mehr zum Handelskrieg hier

    P.S. Wie verzweifelt die EU einen direkten Draht zu Trump sucht, beschreibt die “New York Times” hier (https://www.nytimes.com/2025/04/17/world/europe/europe-trump-trade-defense.html)

                                                                                _ ____ _

    Hier übersetzt mit beta, unkorrigiert


    Europa sucht eine direkte Linie zu Trump, Skeptiker, dass Helfer für ihn sprechen


    nytimes.com,

    Trotz Europas Größe, wirtschaftlicher Macht und langjährigen Bündnissen mit Washington haben Trump-Vertreter deutlich gemacht, dass es keine Priorität ist, sagen europäische Beamte.

    Hören Sie diesen Artikel 10:38 min Erfahren Sie mehr



    Präsident Trump, Vizepräsident JD Vance, Außenminister Marco Rubio und eine weitere Person sitzen unter großen Mikrofonen. Die Menschen sind hinter ihnen versammelt.

    Von Steven ErlangerJeanna SmialekLara JakesMark Landler und Aurelien Breeden


    17. April 2025

    Für europäische Verbündete der Vereinigten Staaten ist das Weiße Haus von Präsident Trump wie ein Gericht so strukturiert: Das vergoldete Oval Office ist ein Ort für Berater, Kumpels und Höflinge, die alle auf die Dekrete des Präsidenten warten.

    Mr. Trump ist der ultimative Entscheidungsträger und weit davon entfernt, vorhersehbar zu sein. In den ersten drei Monaten dieser Trump-Präsidentschaft ist es also das Ziel der Europäer, zum Präsidenten selbst durchzudringen. Einigen ist die Nachfolge angetreten, darunter die italienische Premierministerin Giorgia Meloni, die ihn voraussichtlich am Donnerstag im Weißen Haus treffen wird.

    Was am verwirrendsten ist, sagen europäische Beamte, ist, dass die effizientesten Gesprächspartner nicht traditionelle Diplomaten sind, die durch Institutionen arbeiten, sondern Sondergesandte und Berater wie Elon Musk. Und es ist nie ganz klar, ob die Botschaften an Mr. Trump, auch wenn er eher einem alten Freund wie Steve Witkoff vertrauen wird, den er als außenpolitischer Unterhändler eingesetzt hat, über die Beamten, die er verachtet.

    "Jeder in D.C. sagt, dass man direkt mit Trump sprechen muss", sagte ein hochrangiger europäischer Beamter.

    Die europäischen Beamten sagten, sie hätten Trump-Beamte höflich, aber mit der Erfüllung der Wünsche des Präsidenten verzehrt und sagten, dass sie wenig Interesse an ihren Verbündeten bekundeten.


    Abonnieren Sie The Times, um so viele Artikel zu lesen, wie Sie möchten.

    Steven Erlanger ist Chef-Diplomaten-Korrespondent in Europa und hat seinen Sitz in Berlin. Er hat aus über 120 Ländern berichtet, darunter Thailand, Frankreich, Israel, Deutschland und die ehemalige Sowjetunion.

    Jeanna Smialek ist die Chefin des Brüsseler Büros der Times.

    Lara Jakes, mit Sitz in Rom, berichtet über diplomatische und militärische Bemühungen des Westens, die Ukraine in seinem Krieg mit Russland zu unterstützen. Sie ist seit fast 30 Jahren Journalistin.

    Mark Landler ist der Londoner Bürochef der Times, der über das Vereinigte Königreich sowie die amerikanische Außenpolitik in Europa, Asien und dem Nahen Osten berichtet. Seit mehr als drei Jahrzehnten ist er Journalist.

    Aurelien Breeden ist Reporterin der Times in Paris und berichtet über Nachrichten aus Frankreich.

    Eine Version dieses Artikels erscheint in gedruckter Form am 18. April 2025, Abschnitt A, Seite 9 der New Yorker Ausgabe mit der Überschrift: Europäer, Skeptical That Aides Speak for Trump, Seek a Direct Line . Bestelldrucke | Today’s Paper | Abonnieren

    Sehen Sie mehr zu: Donald Trump, Europäische Union, Europäische Kommission, Organisation des Nordatlantikvertrags, USA Politik, Giorgia Meloni News

                                                                                _ ____ _


    ‹ Aufgelesen: Wo bleibt der Widerstand gegen die Kriegsvorbereitungen? › Trotz Handelskrieg: China und USA wachsen schneller als die EU

    4 Comments

    1. Michael
      22. April 2025 @ 14:51

      Genauer noch soll Trump behauptet haben 76 Regierungen wollten schnellstmöglich verhandeln! Natürlich sind die alle individuell schwächer als vereint! Trump wird das wohl wissen, zumal ihm multilaterale Vereinigungen (z. B. UN, EU, etc.) verhasst sind!

    Antworten

  • european
    22. April 2025 @ 14:35

    Auf Twitter war diesbezueglich ein sehr schoener Kommentar unter einen Bericht zu den erfolglosen Annaeherungsversuchen der EUCO-Prinzessin zu lesen:

    “Es faellt eben doch sehr schwer, in den gleichen Ar… zu kriechen, in den man vorher reingetreten hat.”

    Trifft irgendwie den Kern der Sache, oder? ???? ???? ????

    Antworten

    • KK
      22. April 2025 @ 16:26

      “Es faellt eben doch sehr schwer, in den gleichen Ar… zu kriechen, in den man vorher reingetreten hat.”

      Vor allem dann, wenn der eigene Fuss ja eigentlich noch drin steckt ????

      Antworten

  • KK
    22. April 2025 @ 13:57

    Beim Verhältnis von-der-Leyen zu Trump fällt mir ein alter Witz ein:

    Ein Masochist fleht einen Sadist an: “Quäl mich!”
    Darauf antwortet der Sadist: “Och nö…”

    Antworten

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    Info: https://lostineu.eu/update-handelskrieg-trump-laesst-eu-weiter-zappeln/?utm_campaign=Lost%20in%20EUrope%20Update&utm_content=Lost%20in%20EUrope%20Update&utm_medium=email&utm_source=getresponse


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    23.04.2025

    Nachrichten von Pressenza: Wer ist wirklich nicht zu stoppen?

    aus e-mail von  <newsletter@pressenza.com>, 23. April 2025, 7:15 Uhr


    Nachrichten von Pressenza - 23.04.2025


    Wer ist wirklich nicht zu stoppen?


    Die westlichen Werte – Demokratie, freier Marktkapitalismus, internationales Recht – schmelzen dahin wie Eis in der Sommersonne, und die Medien stellen diesen Niedergang als apokalyptisch dar, als stünde die Menschheit selbst am Rande der Auslöschung. Doch es ist nicht das&hellip;

    https://www.pressenza.net/?l=de&track=2025/04/wer-ist-wirklich-nicht-zu-stoppen/


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    Von den Kämpfern für den Frieden, 29. April 2025, 20. Gemeinsam Israelisch-palästinensische Gedenkfeier


    Am 29. April, dem Vorabend von Jom HaZikaron (Gedenktag), werden wir uns erneut versammeln, um alle Opfer des Konflikts zu ehren. Anstatt die Spaltung zu vertiefen, entscheiden wir uns dafür, in Trauer zusammenzustehen. Wir werden nicht zulassen, dass unser Schmerz&hellip;

    https://www.pressenza.net/?l=de&track=2025/04/von-den-kaempfern-fuer-den-frieden-29-april-2025-20-gemeinsam-israelisch-palaestinensische-gedenkfeier/


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    Auf dem Weg zum Friedensgipfel der Völker am 8. und 9. Mai in Jerusalem. Interview mit Aziz Abu Sarah


    Nach dem Interview vor einigen Tagen mit dem israelischen Pazifisten Maoz Inon setzen wir unsere Berichterstattung fort, die „hinter die Kulissen“ blickt und zu der Veranstaltung von It´s Time (Es ist an der Zeit) in Jerusalem (8. – 9. Mai)&hellip;

    https://www.pressenza.net/?l=de&track=2025/04/auf-dem-weg-zum-friedensgipfel-der-voelker-am-8-und-9-mai-in-jerusalem-interview-mit-aziz-abu-sarah/


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    Mark Farner‘s „Closer To My Home“ – eine Gratwanderung zwischen Altersmilde und Starrsinn


    Mark Farner’s Karriere hat im Laufe der Jahrzehnte viele Facetten. Als Gitarrist und Lead-Sänger der Band Grand Funk Railroad schrieb er Geschichte. Wie so oft war es das „schicksalhafte dritte Album“, das ihnen 1970 den Durchbruch brachte. Der Titelsong „Closer&hellip;

    https://www.pressenza.net/?l=de&track=2025/04/mark-farners-closer-to-my-home-eine-gratwanderung-zwischen-altersmilde-und-starrsinn/


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    Mit Mutter Erde, der Pachamama, schließt sich der Kreis zum Heute


    „Buenos dias, madre. qué tal? Wie geht’s, Mutter Erde? Du siehst ein wenig kränklich aus.“ „Es geht so, die meisten meiner Kinder haben mich im Stich gelassen – wer kümmert sich schon um seine alte Mutter – aber wenigstens ein&hellip;

    https://www.pressenza.net/?l=de&track=2025/04/mit-mutter-erde-der-pachamama-schliesst-sich-der-kreis-zum-heute/


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    Pressenza - ist eine internationale Presseagentur, die sich auf Nachrichten zu den Themen Frieden und Gewaltfreiheit spezialisiert hat, mit Vertretungen in Athen, Barcelona, Berlin, Bordeaux, Brüssel, Budapest, Buenos Aires, Florenz, Lima, London, Madrid, Mailand, Manila, Mar del Plata, Montreal, München, New York, Paris, Porto, Quito, Rom, Santiago, Sao Paulo, Turin, Valencia und Wien.


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    23.04.2025

    Die Londoner Sudan-Konferenz   Eine von Deutschland mitveranstaltete Konferenz zum Krieg im Sudan wird scharf kritisiert: Auswärtige Interessen hätten im Mittelpunkt gestanden; nichts sei gegen drohende Massaker in Darfur unternommen worden.

    german-foreign-policy.com, 23. April 2025

    KHARTUM/BERLIN/LONDON (Eigener Bericht) – Eine von Deutschland mitveranstaltete Konferenz zum Krieg im Sudan stößt bei Hilfsorganisationen sowie sudanesischen Aktivisten auf scharfe Kritik. Die in London abgehaltene Konferenz hatte in der vergangenen Woche nur zur Zusage von humanitärer Hilfe durch europäische Staaten, darunter die Bundesrepublik, geführt. Politischer Fortschritt blieb aus. Insbesondere wurden keine Schritte eingeleitet, um einen drohenden Massenmord in der westsudanesischen Region Darfur zu verhindern, wo die Bürgerkriegsmiliz RSF (Rapid Support Forces) schon in den ersten Kriegsmonaten mehr als 10.000 Angehörige einer schwarzafrikanischen Bevölkerungsgruppe, der Masalit, umbrachte. Aktuell sind die RSF dabei, die letzte Stadt in Darfur, die sie noch nicht kontrollieren, zu erobern. Beobachter fürchten einen Genozid. Erstarken konnten die RSF unter anderem dank Maßnahmen der EU zur Flüchtlingsabwehr im Sudan. Experten stufen die Tatsache, dass Regionalmächte wie Ägypten oder die Vereinigten Arabischen Emirate führenden Einfluss im Sudan haben und der Westen die Kontrolle über das Geschehen verloren hat, als ein Beispiel für den Übergang zu einer „multipolaren Welt“ ein.


    Zitat: Tod, Flucht und Hunger

    Der aktuelle Krieg im Sudan begann, als am 15. April 2023 die Rapid Support Forces (RSF) die regulären sudanesischen Streitkräfte (Sudanese Armed Forces, SAF) angriffen und große Teile der Hauptstadt Khartum, die westsudanesische Region Darfur sowie weitere Gebiete unter ihre Kontrolle brachten. Zuvor hatten sich die RSF und die Streitkräfte die Macht im Land mehr oder weniger geteilt. Als wichtiger Auslöser für den Krieg gilt die Weigerung der RSF – ihre Stärke wurde damals auf gut 70.000 Milizionäre oder sogar mehr geschätzt –, sich in die sudanesische Armee eingliedern zu lassen. Der Krieg wurde – und wird – laut Auskunft von Beobachtern von beiden Seiten mit äußerster Brutalität geführt. Die Opferzahlen sind immens. Bereits im vergangenen Jahr gingen UN-Repräsentanten offiziell von bis zu 150.000 Todesopfern aus. Nach Angaben des UNHCR befinden sich aktuell nahezu 12,7 Millionen Sudanesen auf der Flucht – rund ein Viertel der Gesamtbevölkerung von wohl 50 Millionen. Mehr als 3,8 Millionen sind ins Ausland geflohen, die mit Abstand meisten nach Ägypten, Südsudan und Tschad. Rund die Hälfte der Bevölkerung leidet, wie die NGO Médecins sans frontières (MFS) feststellt, unter einer unsicheren, unzulänglichen Nahrungsmittelversorgung. 8,5 Millionen sind von einer akuten Notlage oder gar einer Hungersnot bedroht.[1]


    Die Unterstützer der RSF

    In der Vorgeschichte des Kriegs im Sudan wie auch in seinem Verlauf haben auswärtige Staaten, wie in so vielen anderen Konflikten, eine verhängnisvolle Rolle gespielt. Die RSF, 2013 gegründet, konnten auch deshalb erstarken, weil sie sich an Bestrebungen beteiligten, ostafrikanische Flüchtlinge, die das Land auf dem Weg in Richtung Mittelmeer durchquerten, festzusetzen und sie nach Möglichkeit in ihre Herkunftsländer zurückzuschieben. Angestoßen wurden diese Bestrebungen ab November 2014 im sogenannten Khartum-Prozess der EU, die Berichten zufolge allein bis Anfang 2018 rund 200 Millionen Euro für die Flüchtlingsabwehr an den Sudan gezahlt hat.[2] Zwar gibt die EU an, die RSF nie direkt finanziert zu haben. Beobachter weisen allerdings darauf hin, dass die RSF ihre Schritte in enger Abstimmung mit Khartum unternahmen und, wenn nicht direkt, so doch indirekt von den Zahlungen der EU profitierten.[3] Später stellten die RSF im Jemen-Krieg Truppen für die Vereinigten Arabischen Emirate; dies spülte nicht nur viel Geld in ihre Kassen, es verschaffte ihnen auch Kriegserfahrung, die sie seit April 2023 im eigenen Land nutzen können. Die Vereinigten Arabischen Emirate gelten bis heute als maßgeblicher Unterstützer der RSF, die sie nicht zuletzt über einen Stützpunkt im Osten des Tschads mit Waffen versorgen.[4]


    Massaker in Darfur

    Zuletzt haben im Sudan beide Bürgerkriegsparteien energische Vorstöße unternommen. Den Streitkräften ist es gelungen, die Hauptstadt Khartum inklusive des strategisch wichtigen Flughafens und des symbolisch bedeutenden Präsidentenpalastes zurückzuerobern. Den RSF, die abziehen mussten, wirft die Führung der Streitkräfte vor, diverse Kriegsverbrechen an der Zivilbevölkerung begangen zu haben; man habe Folterverliese und Massengräber entdeckt, heißt es.[5] Die RSF wiederum suchen den Verlust von Khartum durch die Eroberung von Al Fashir auszugleichen, der Hauptstadt des Bundesstaates Nord-Darfur. Nord-Darfur ist einer von fünf Bundesstaaten, die zusammen die im Westen des Sudans an der Grenze zu Tschad gelegene Großregion Darfur bilden. Die RSF kommen ursprünglich aus Darfur; sie gehen auf die – arabischen – Janjaweed-Milizen zurück, die ab dem Jahr 2003 in Darfur Angehörige der schwarzafrikanischen Bevölkerungsgruppen (Masalit, Fur, Zaghawa) massakrierten. Ihrem Morden, das weithin als Genozid eingestuft wurde, fielen damals laut Schätzungen zwischen 200.000 und 300.000 Menschen zum Opfer. Aktuell dient Darfur den RSF zum einen als eine sichere Rückzugsbasis, zum anderen als Logistikdrehscheibe – sie beziehen einen Großteil ihrer Waffen über den westlich unmittelbar angrenzenden Tschad.


    Erneute Mordbrennereien

    Seit einiger Zeit werden dabei Warnungen vor einem erneuten Massenmord in Darfur laut. Bereits zu Beginn des Krieges hatten die RSF, als sie weite Teile Darfurs unter ihre Kontrolle brachten, zahllose Angehörige insbesondere der Masalit massakriert; von mindestens 10.000, womöglich sogar 15.000 schwarzafrikanischen Todesopfern insbesondere in der Stadt Al Junaina und ihrer Umgebung war die Rede. Das kanadische Raoul Wallenberg Centre for Human Rights stufte die Mordbrennereien im April 2024 explizit als Genozid ein.[6] Bei dem Versuch der RSF, Al Fashir zu erobern, könnten sich die Massaker wiederholen, heißt es unter Beobachtern einhellig. In Al Fashir leben aktuell, Flüchtlinge inklusive, wohl eine Million Menschen oder sogar mehr. Als die RSF vor zehn Tagen das Flüchtlingslager Zamzam unweit Al Fashir eroberten – dort lebten rund 700.000 Menschen –, ermordeten sie Hunderte; die genaue Zahl der Todesopfer ist unbekannt. Bis zu 400.000 Bewohner des Lagers Zamzam flohen erneut.[7] Die RSF setzen aktuell ihre Angriffe auf Al Fashir fort; und während sie am 15. April, dem Tag der Londoner Sudan-Konferenz, eine Gegenregierung für Sudan ausriefen [8], fallen dem RSF-Beschuss von Al Fashir zahlreiche weitere Menschen zum Opfer – vor allem Schwarzafrikaner.


    Die Interessen äußerer Mächte

    Vor diesem Hintergrund wird die Londoner Sudan-Konferenz vom Dienstag vergangener Woche (15. April), die von Großbritannien organisiert und von Deutschland, Frankreich, der EU und der Afrikanischen Union (AU) mitgetragen wurde, scharf kritisiert. In London und in Berlin hieß es nach der Konferenz stolz, man habe umfangreiche Nothilfe zugesagt; so habe etwa Großbritannien rund 140 Millionen Euro bereitgestellt, Deutschland 125 Millionen. Außenministerin Annalena Baerbock forderte „internationalen Druck“, um beide Seiten nun „endlich an den Verhandlungstisch“ zu bringen.[9] In einer abschließenden Erklärung der Veranstalter hieß es, man unterstütze „Anstrengungen, eine friedliche Lösung zu finden“.[10] Beobachter dagegen stufen die Konferenz als einen „diplomatischen Flop“ ein und verweisen darauf, dass es nicht gelang, auch nur die geringsten Schritte einzuleiten, um den drohenden Massenmord in Darfur zu verhindern. Das Sudan Transnational Consortium, eine Organisation, in der sich sudanesische Aktivisten zusammengeschlossen haben, wies zudem darauf hin, dass weder Sudans Regierung noch zivile Zusammenschlüsse aus dem Land nach London geladen wurden; das zeige, hieß es, dass es den Staaten Europas lediglich darum gehe, die Interessen äußerer Mächte zu bedienen.[11]


    Die multipolare Ära

    Dabei zeigt der Krieg im Sudan, dass die einstige westliche Dominanz weltweit mehr und mehr schwindet. Als maßgebliche äußere Mächte im sudanesischen Krieg werden allgemein Ägypten und Saudi-Arabien als führende Unterstützer der Streitkräfte und die Vereinigten Arabischen Emirate als wichtigster Helfer der RSF genannt. Weder die europäischen Länder noch die Vereinigten Staaten üben relevanten Einfluss auf eine der beiden Seiten aus. Die International Crisis Group, eine weltweit vernetzte, prowestliche Denkfabrik, wies schon im Juni 2023 darauf hin, dass im Sudan heute „vor allem nichtwestliche ‘Mittelmächte‘“ den Ton angäben. Das reflektiere „die globalen Machtverschiebungen“, urteilte die Organisation: „Der Moment unmittelbar nach dem Kalten Krieg, als die USA unübertroffenen Einfluss besaßen“, sei „vorbei“; die Ära der „multipolaren Welt“ habe begonnen.[12]

     

    [1] Nader Durgham: Half of Sudan’s population faces acute food security, MSF warns. middleeasteye.net 04.02.2025.

    [2] S. dazu Nützliche Milizen.

    [3] An Emergency for Whom? Oxfam Briefing Note. November 2017.

    [4] Oscar Rickett: How the UAE kept the Sudan war raging. middleeasteye.net 25.01.2024.

    [5] Beatrice Farhat: Kartoum accuses RSF of looting and destroying Sudan’s heritage: What to know. al-monitor.com 02.04.2025.

    [6] Breaches of the Genocide Convention in Darfur, Sudan (April 2023 – April 2024): An independent inquiry. raoulwallenbergcentre.org 14.04.2024.

    [7] Diplomatische Offensive nach zwei Jahren Krieg. Frankfurter Allgemeine Zeitung 16.04.2025.

    [8] Sudan paramilitary declares rival government two years into civil war. aljazeera.com 15.04.2025.

    [9] Außenministerin Annalena Baerbock am Vorabend der Sudan-Konferenz in London. auswaertiges-amt.de 14.04.2025.

    [10] London Sudan Conference, 15 April 2025: co-chairs’ statement. gov.uk 15.04.2025.

    [11] Imran Mulla: London conference on Sudan a ‘diplomatic flop’ as RSF declares parallel government. middleeasteye.net 16.04.2025.

    [12] Comfort Ero, Richard Atwood: New-Model Proxy Wars. project-syndicate.org 12.06.2023.


    Info: https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/9946


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    22.04.2025

    Washington Post: USA werden Europa und Ukraine raten, Krim als russisch anzuerkennen

    freedert.online, 22 Apr. 2025 21:45 Uhr

    Nach dem "Wall Street Journal" spekuliert mit der "Washington Post" eine zweite große US-Zeitung über angebliche Pläne des Weißen Hauses, der Ukraine und ihren europäischen Verbündeten im Rahmen einer Friedenslösung die Anerkennung der Krim als Teil Russlands vorzuschlagen. Selenskij hat bereits abgelehnt.


    Washington Post: USA werden Europa und Ukraine raten, Krim als russisch anzuerkennenQuelle: Sputnik © Dmitri Make

    jew / RIA Nowosti


    Krim-Brücke am 19.04.23


    Die Vereinigten Staaten werden den europäischen Ländern und der Ukraine bei dem Treffen zur Beilegung des Ukraine-Konflikts am Mittwoch in London vorschlagen, die Krim als russisch anzuerkennen. Dies berichtet die Washington Post in ihrer Dienstagsausgabe unter Berufung auf namentlich nicht genannte Quellen.

    "Ukrainische und europäische Vertreter werden am Mittwoch bei einem Treffen in London mit einem US-Vorschlag konfrontiert sein, […] die Annexion der Krim durch Russland anzuerkennen und die Frontlinien als Teil eines Friedensabkommens einzufrieren",

    so das Material.

    Gleichzeitig wird darauf hingewiesen, dass die Verbündeten Kiews hoffen, im Gegenzug für territoriale Zugeständnisse Sicherheitsgarantien und Mitfinanzierung bei den Wiederaufbauprogrammen für die Ukraine zu erhalten.


    WSJ: US-Regierung schlägt Friedensdeal vor – Kiew soll Krim als russisches Territorium anerkennen




    WSJ: US-Regierung schlägt Friedensdeal vor – Kiew soll Krim als russisches Territorium anerkennen






    Die Quellen sagten der Zeitung, dass die ukrainische Seite den US-Vorschlag zur Beilegung des Konflikts, der ihr in der vergangenen Woche in Paris vorgelegt wurde, als ein letztes Angebot betrachtet, bevor Washington beschließen werde, sich aus dem Friedensprozess zurückzuziehen.

    Zuvor hatte das Wall Street Journal (WSJ) am Montag Ähnliches berichtet. Dem WSJ zufolge beinhalten die US-Vorschläge keine formelle Anerkennung der russischen Kontrolle über die ostukrainischen Gebiete Donezk, Lugansk, Saporoschje und Cherson – fordern aber auch nicht den Abzug russischer Truppen. Gleichzeitig wolle Washington weder die Militärhilfe für Kiew einschränken, noch die Stationierung europäischer Truppen in der Ukraine blockieren. Ein weiterer Punkt betrifft die Schaffung einer neutralen Zone rund um das AKW Saporoschje, möglicherweise unter US-Aufsicht.

    US-Präsident Donald Trump hat inzwischen auf die Frage eines Journalisten nach der Wahrheit des WSJ-Berichts und der ins Spiel gebrachten Anerkennung der Krim als russisches Territorium versprochen, seinen Friedensplan für die Ukraine in drei Tagen vorzulegen. Ein Video des Moments wurde von der New York Post veröffentlicht.

    "Ich werde Ihnen in den nächsten drei Tagen alle Einzelheiten mitteilen, aber wir hatten sehr gute Gespräche mit der Ukraine und Russland […] wir werden sehen, wie es läuft", sagt Trump darauf.

    Der ukrainische Machthaber Wladimir Selenskij hat inzwischen zum wiederholten Male erklärt, dass ein Verzicht auf die Krim für Kiew nicht infrage komme und schloss damit die Annahme des angeblichen US-Plans faktisch aus. Unklar ist aber auch, ob Moskau sich auf eine Anerkennung nur der Krim ohne die aus russischer Sicht ebenfalls legitim und rechtswirksam der Russischen Föderation beigetretenen Regionen Donezk, Lugansk, Cherson und Saporoschje einlassen kann. Nach Auffassung vieler Politologen und Juristen in Russland würde dies die russische Verfassung verletzen.


    "Erwarten ihn diese Woche": Kreml bestätigt erneute Visite von Witkoff in Moskau





    "Erwarten ihn diese Woche": Kreml bestätigt erneute Visite von Witkoff in Moskau






    Am Freitag hatte US-Präsident Donald Trump erklärt, die USA würden sich aus dem Verhandlungsprozess zurückziehen, wenn eine der Parteien ihn "sabotiere".

    Am 18. April äußerte US-Außenminister Marco Rubio die Hoffnung, dass beim nächsten Treffen mit Vertretern Europas und Kiews "konkretere" Antworten zur Konfliktlösung gefunden werden.

    Am Dienstag bestätigte ein Putin-Berater, dass Trumps Unterhändler Steve Witkoff noch in dieser Woche zu einer neuen Gesprächsrunde in Moskau erwartet wird.

    Die Krim wurde im März 2014 durch ein Referendum nach dem Staatsstreich in der Ukraine zu einer russischen Region. Laut Präsident Wladimir Putin ist die Frage nach dem Status der Halbinsel endgültig geklärt.


    Mehr zum ThemaHersh-Bericht: Russland will Frieden, Europa blockiert


    Screenshot_2025_04_23_at_01_21_50_Washington_Post_USA_werden_Europa_und_Ukraine_raten_Krim_als_russisch_anzuerkennen_RT_DE

    Video https://rumble.com/v6salwh-werden-es-einfach-lassen-trump-droht-mit-rckzug-aus-ukraine-gesprchen.html Dauer 1:28 min


    Durch die Sperrung von RT zielt die EU darauf ab, eine kritische, nicht prowestliche Informationsquelle zum Schweigen zu bringen. Und dies nicht nur hinsichtlich des Ukraine-Kriegs. Der Zugang zu unserer Website wurde erschwert, mehrere Soziale Medien haben unsere Accounts blockiert. Es liegt nun an uns allen, ob in Deutschland und der EU auch weiterhin ein Journalismus jenseits der Mainstream-Narrative betrieben werden kann. Wenn Euch unsere Artikel gefallen, teilt sie gern überall, wo Ihr aktiv seid. Das ist möglich, denn die EU hat weder unsere Arbeit noch das Lesen und Teilen unserer Artikel verboten. Anmerkung: Allerdings hat Österreich mit der Änderung des "Audiovisuellen Mediendienst-Gesetzes" am 13. April diesbezüglich eine Änderung eingeführt, die möglicherweise auch Privatpersonen betrifft. Deswegen bitten wir Euch bis zur Klärung des Sachverhalts, in Österreich unsere Beiträge vorerst nicht in den Sozialen Medien zu teilen.

    Info: https://freedert.online/international/243102-washington-post-usa-werden-europa-raten-krim-anzuerkennen/


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    22.04.2025

    Weißes Haus: "Gesamtes Pentagon" arbeitet gegen Verteidigungsminister Hegseth

    freedert.online, 22 Apr. 2025 21:27 Uhr

    Laut der Sprecherin des Weißen Hauses arbeitet das gesamte Pentagon gegen seinen Chef, US-Verteidigungsminister Pete Hegseth. Dieser wurde nach Presseberichten erneut beschuldigt, geheime Informationen im Zusammenhang mit Luftangriffen im Jemen falsch gehandhabt zu haben.


    Quelle: www.globallookpress.com © ZUMA Press, Inc.


    Eine Luftaufnahme des Pentagon


    Laut der Sprecherin des Weißen Hauses Karoline Leavitt befindet sich das Pentagon im Krieg mit seinem eigenen Chef, Verteidigungsminister Pete Hegseth. In einem Interview mit Fox and Friends bekräftigte Leavitt am Montag das volle Vertrauen von US-Präsident Donald Trump in Hegseths Führung.


    Chatgruppenaffäre: Pentagon ermittelt gegen Chef Hegseth





    Chatgruppenaffäre: Pentagon ermittelt gegen Chef Hegseth







    "Das ist es, was passiert, wenn das gesamte Pentagon gegen Sie arbeitet und gegen den monumentalen Wandel arbeitet, den Sie zu implementieren versuchen", erklärte sie. Leavitt behauptete, dass diejenigen, die gegen Hegseth sind, ihm sein Engagement für die Kriegsbekämpfung übel nehmen und auf "undichte Stellen und Lügen in den Mainstream-Medien" zurückgreifen, um ihn zu untergraben.

    Die Regierung von Präsident Trump hat Hegseth nach einem am vergangenen Sonntag veröffentlichten Bericht der New York Times verteidigt, in dem ihm vorgeworfen wurde, sensible Informationen über Operationen im Jemen, die keine Sicherheitsfreigabe hatten, mit seiner Frau und seinem Bruder geteilt zu haben.

    Der Artikel der New York Times steht in engem Zusammenhang mit dem "Signalgate"-Skandal, der im März die Runde gemacht hatte. Zuvor hatte ein Redakteur der Zeitschrift The Atlantic berichtet, dass er Zugang zu einem internen Chat zwischen Mitgliedern der Trump-Administration hatte, in dem Angriffe auf die jemenitischen Huthis diskutiert wurden. Die "undichte Stelle" wurde dem Nationalen Sicherheitsberater Mike Waltz zugeschrieben, der Berichten zufolge den Kontakt des Redakteurs Jeffrey Goldberg "versehentlich" unter einem falschen Namen gespeichert hatte, bevor er ihm eine Einladung schickte.

    Die New York Times berichtete nun, dass Hegseth eine weitere private Chatgruppe auf der App Signal mit einem Dutzend Mitgliedern seines inneren Kreises nutzte, darunter auch seine Frau. Hegseths Sprecher Sean Parnell behauptete, die New York Times versuche, die Signalgate-Geschichte "von den Toten auferstehen zu lassen".


    US-Verteidigungsministerium retweetet ein RT-Video mit Pete Hegseth – und löscht es anschließend




    US-Verteidigungsministerium retweetet ein RT-Video mit Pete Hegseth – und löscht es anschließend






    Letzte Woche veröffentlichten drei Pentagon-Beamte, die im Rahmen einer internen Untersuchung über angebliche undichte Stellen suspendiert worden waren, eine gemeinsame Erklärung, in der sie ihre "Misshandlung" anprangerten.

    Der leitende Berater Dan Caldwell, der stellvertretende Stabschef Darin Selnick und Colin Carroll, Stabschef des stellvertretenden Verteidigungsministers Stephen Feinberg, behaupteten, dass "ungenannte Pentagon-Beamte unseren Charakter mit unbegründeten Angriffen verleumdet haben, als wir vor die Tür gesetzt wurden".

    In einem Meinungsbeitrag für Politico argumentierte der ehemalige Pentagon-Chefsprecher John Ullyot, dass Hegseth "einer seltsamen und rätselhaften Säuberung vorsteht, die ihn ohne seine beiden engsten Berater aus über einem Jahrzehnt zurücklässt", nämlich Caldwell und Selnick, sowie ohne andere wichtige Mitarbeiter.

    Mehr zum Thema – Waltz' Missgeschick sorgt für Hauen und Stechen in Trumps Gefolgschaft


    Video https://rumble.com/v6r8cy2-niemand-textet-kriegsplne-pentagon-chef-gert-nach-geheimchat-panne-unter-dr.html Dauer 1:29 min


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    Info: https://freedert.online/nordamerika/243098-weisses-haus-gesamtes-pentagon-arbeitet-gegen-verteidigungsminister-hegseth/


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    22.04.2025

    Donald Trumps Projekte (2/2)

    seniora.org, 22. April 2025, 22. April 2025 Von Thierry Meyssan Voltaire Netzwerk | Paris (Frankreich) | übernommen von voltairenet.org


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    Peter Navarro


    Der Kern der Maßnahmen von Präsident Donald Trump besteht darin, die westliche Wirtschaft zu reformieren, indem die "amerikanische Globalisierung" beendet wird, laut der Komponenten komplexer Produkte in mehreren Ländern hergestellt werden müssen, bevor sie montiert werden. Er beabsichtigt, so viele Fabriken wie möglich in sein Land zurückzuführen, um in den Vereinigten Staaten komplexe Objekte von A bis Z herstellen zu können.

    Im Gegensatz zu dem, was wir vielleicht denken, findet der Erste Handels-Weltkrieg nicht zwischen Washington und Peking statt, sondern zwischen zwei Formen des Kapitalismus.

    Nachdem ich Donald Trumps Bemühungen gegen den "amerikanischen Imperialismus" und gegen die föderale Bürokratie erläutert habe, möchte ich mich seinem wirtschaftlichen Handeln und insbesondere seiner Konzeption von Zöllen zuwenden [1].

    Ursprünglich war Donald Trump kein Politiker, sondern ein Unternehmer, und als solcher hat er sich in den 80 Jahren der politischen Welt genähert. Damals veröffentlichte er eine ganzseitige Anzeige in drei großen US-Tageszeitungen, in der er das Ungleichgewicht im Handel zwischen seinem Land und China anprangerte. Er wandte sich damit gegen die amerikanische Globalisierung, die die Vereinigten Staaten zum Zentrum der imperialen Welt und China zur "Werkstatt der Welt" machte.

    Erst später ging er in die Politik, zunächst an der Seite der Clintons, dann als Unterstützer der Tea Party und schließlich durch die Übernahme der Republikanischen Partei.

    Um Donald Trump zu verstehen, muss man sich immer seinen Lebenslauf vor Augen halten: Er ist weder Demokrat noch Republikaner, sondern ein "Jacksonianer" [2]. Und sein Steckenpferd ist die Produktion von Konsumgütern in sein Land zurück zu holen.

    Es ist für uns viel einfacher, seine Gegner in den Vereinigten Staaten zu verstehen, weil fast alle von ihnen nicht auf der Grundlage ihrer Erfahrungen handeln, sondern auf der Grundlage ihrer einzigartigen Ideologie: des "amerikanischen Imperialismus".

    Und wir müssen immer daran denken, dass Akademiker im allgemeinen ökonomische Ideologien, über die sie diskutieren, mit der Realwirtschaft, die sie ignorieren, verwechseln.

    Als Donald Trump, zum Präsidenten geworden, die Wirtschaft reformiert, kündigt er an, Amerika wieder groß machen zu wollen (MAGA), d.h. aus den USA wieder eine Weltmacht zu machen. Er macht deutlich, dass er nicht die Absicht habe, Kriege zu führen, sondern sie wie Präsident Andrew Jackson durch den internationalen Handel zu ersetzen. Wir dürfen MAGA daher nicht so verstehen, dass Amerika zu einer militärischen Großmacht gemacht wird, sondern zu einer großen Wirtschaftsmacht, das heißt, Amerika wieder seine Größe zurückzugeben.

    Andrew Jackson war weder ein Freihändler noch ein Protektionist. Er sah in den Zöllen nicht das Mittel, um amerikanische Produktionen vor den internationalen Konkurrenten zu schützen, sondern als die einzige Möglichkeit, die föderale Regierung zu finanzieren. Genau das tut Donald Trump heute: Er will alle Bundessteuern abschaffen und die zentrale Verwaltung nur noch über Zölle finanzieren. Auf der anderen Seite lässt er jeden Bundesstaat die Steuern erheben, die er für wesentlich hält.

    Nachdem dieser Denkrahmen erstellt ist, organisiert Donald Trump den Übergang vom alten zum neuen System mit seiner Methode, die er in seinem Buch "The Art of the Deal" : Destabilizing His Interlocutors" beschrieben hat. Also kündigte er zunächst weit verbreitete und prohibitive Zölle an und stimmte dann zu, diese für drei Monate auf 10 Prozent zu senken, mit Ausnahme Chinas.

    Da warfen sich ihm alle zu Füßen, um unserem guten "Herrn der Welt" für diese Steuern zu danken und ihn zu bitten, sie nicht zu stark zu erhöhen. Das absolute Beispiel für diese Herangehensweise der Unterwerfung lieferte Giorgia Meloni‘s Italien. Die Premierministerin hat sich als Groupie des Ungeheuers präsentiert, der ihr alles aufgezwungen hat [3]. Das gegenteilige Beispiel lieferte aber China, das zunächst mit gegenseitigen Zöllen reagierte und dann seine Meinung änderte. Daraufhin entschied es sich, "auf chinesische Art" zu reagieren, d.h. auf eine Art und Weise, wie man nicht erwartete: China unterbrach seine Zusammenarbeit mit den beiden globalen Halbleiterriesen ASML und TSMC, verlangsamte seinen Export von "Seltenen Erden", die in zivilen und militärischen Hightech-Geräten gebraucht werden, erheblich und verbot den Import von Boeing-Flugzeugen.

    Mangels Lagerbestände werden daher die Vereinigten Staaten in wenigen Wochen weder Halbleiter noch Ersatzteile für ihre Raketentriebwerke, Radarsysteme, Lenksensoren, Korrosionsschutzbeschichtungen, Zielsuchgeräte, taktische Drohnen, Kampfflugzeugtriebwerke und Systeme zur elektronischen Kriegsführung haben.

    Ohne zu warten, hat Präsident Donald Trump High-Tech-Konsumgüter von den Steuern befreit: PCs, Mobiltelefone usw., aber nicht die Rohstoffe und Komponenten, die für den militärisch-industriellen Komplex unerlässlich sind. Das ist der Punkt, an dem wir uns befinden. In wenigen Wochen wird der militärisch-industrielle Komplex nicht nur in den Vereinigten Staaten, sondern auch im Westen (einschließlich Italien) die Aussperrung seiner Fabriken erklären müssen.

    Aus Donald Trumps Sicht sind die Vereinigten Staaten keine erfolgreiche Volkswirtschaft mehr, weil sie keine Konsumgüter mehr produzieren, sondern hauptsächlich Waffen und "Finanzprodukte". In der Praxis haben die USA eine Kriegswirtschaft. Er beabsichtigt daher, den Gürtel des militärisch-industriellen Komplexes enger zu schnallen und die lokale Produktion zu entwickeln, insbesondere die von "Seltenen Erden" und fossilen Brennstoffen, die für die moderne Industrie unerlässlich sind. Entgegen der landläufigen Meinung sind Seltene Erden an sich nicht selten. Es gibt sie überall, es sind die Fabriken zur Trennung und Filtrierung dieser Mineralien, die selten sind. Heute befinden sich 90 % von ihnen in China. Präsident Trump findet daher, anlässlich des aktuellen Tauziehens, das Argument der Ausbeutung amerikanischer "Seltener Erden", gegen die sich Ökologen aller Art wehren, als unzulässig. In der Tat ist ihre Aufarbeitung und Trennung schwierig, ohne die Wasserreserven zu erschöpfen und die umliegenden Regionen zu verschmutzen [4].

    So wie der DOGE-Libertäre Elon Musk Donald Trumps Wunsch verschleiert, die von der Bundesregierung außerhalb der Verfassung ausgeübten Funktionen wieder an die Bundesstaaten zu übertragen, so verschleiern die Positionen seines Handelsberaters Peter Navarro seine wirtschaftlichen Vorstellungen. Navarro, ein ehemaliger Professor für Wirtschaftswissenschaften in Harvard, ist ein Polemiker, der dafür bekannt ist,  – indem er die Linie überschreitet   – vor dem Ungleichgewicht der Beziehungen zu China zu warnen. Er sagte am 13. April gegenüber "Meet the Press" (NBC) [5], dass das Trump-Team von den Reaktionen auf die Erhöhung der Zölle, auch von China, nicht überrascht sei. Das bedeutet aber nicht, dass Präsident Trump gegen China ist.

    Die demokratische Senatorin Elizabeth Warren, die nicht versucht, ihre politischen Gegner zu verstehen und sie für skrupellose, geldgierige Milliardäre hält, warf Präsident Trump und seinem Umfeld vor, Zölle nur beschlossen zu haben, um sich durch Insiderhandel persönlich bereichern zu können. Sie forderte daher die Securities and Exchange Commission (SEC) auf, eine Untersuchung des persönlichen Vermögens von Trump und Musk einzuleiten. Sie sagte am 13. April in der CNN-Sendung "State of the Union", dass die jüngste Ausnahmegenehmigung der Trump-Regierung für Mobiltelefone, PCs und andere elektronische Geräte ein "besonderer Deal" mit Apple-CEO Tim Cook war, der ihr anlässlich seiner Amtseinführung 1 Million Dollar spendete. "Als ob das Chaos nicht schon groß genug wäre, fügt er noch eine deutlich sichtbare Schicht der Korruption hinzu!" [6].

    Bei allem Respekt vor der ehemaligen Harvard-Wirtschaftsprofessorin Warren, ist das, was geschieht, weder eine Frage der Korruption noch des Wunsches, sich auf Kosten der Ärmsten zu bereichern, sondern ein Krieg. Kein Krieg zwischen den Vereinigten Staaten und China, sondern zwischen zwei Formen des Kapitalismus im globalen Maßstab: dem der Produzenten gegen den der Monteure [7].


    [1] „Donald Trumps Projekte (1/2)“, von Thierry Meyssan, Übersetzung Horst Frohlich , Korrekturlesen : Werner Leuthäusser, Voltaire Netzwerk, 15. April 2025.

    [2] „Donald Trump, ein zweiter Andrew Jackson?“, von Thierry Meyssan, Übersetzung Horst Frohlich , Korrekturlesen : Werner Leuthäusser, Voltaire Netzwerk, 19. November 2024.

    [3] „Steuerbefreiung auf Kosten der Souveränität!“, von Manlio Dinucci , Übersetzung Horst Frohlich , Voltaire Netzwerk, 21. April 2025.

    [4] «Trump Administration Advances First Wave of Critical Mineral Production Projects», White House, April 18, 2025.

    [5] «Peter Navarro says U.S. ‘has no defense other than tariffs’: Full interview», Meet the Press, NBC, April 13, 2025.

    [6] "N° 3273 Howard Lutnick und Peter Navarro versichern, dass der Erste Handels-Weltkrieg nach Plan verläuft", Voltaire, internationale Nachrichten - N°129 - 18. April 2025.

    [7] „Der Krieg der Milliardäre“, von Manlio Dinucci , Übersetzung Horst Frohlich , Voltaire Netzwerk, 15. April 2025.


    Quelle: Voltaire Netzwerk - Mit freundlicher Genehmigung übernommen

    Quelle: https://www.voltairenet.org/article222096.html

    Übersetzung Horst Frohlich, Korrekturlesen : Werner Leuthäusser



    Info: https://seniora.org/index.php?option=com_acym&ctrl=fronturl&task=click&urlid=112&userid=3998&mailid=2699


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    Weiteres:




    Voltaire Netzwerk

    Donald Trumps Projekte (1/2), von Thierry Meyssan


    voltairenet.org, 15. April 2025, Voltaire Netzwerk | Paris (Frankreich)

    Präsident Donald Trump handelt schneller als andere Politiker seiner Generation. Nach drei Monaten hat er bereits den "amerikanischen Imperialismus" zugunsten seines "Exzeptionalismus" umgedreht. Das ist noch nicht das Ende des Problems, aber sowohl für die Vereinigten Staaten als auch für den Rest der Welt stellt es einen bedeutenden Schritt nach vorn dar. Gleichzeitig entlastete er die Bundesbürokratie, indem er Behörden abbaute, die außerhalb seiner Zuständigkeit lagen, und 230.000 Bundesangestellte entließ.





     Donald Trump und Elon Musk


    Mehr als drei Monate ist es her, dass Donald Trump seine zweite Amtszeit im Weißen Haus begonnen hat. Er hat eine erstaunliche Anzahl von Dekreten aller Art erlassen, die den Eindruck einer chaotischen Persönlichkeit erwecken. Doch trotz der kurzen Zeit, die ihm zur Verfügung stand, zeigen sich die ersten Ergebnisse.

    Das "Amerikanische Imperium" dekolonisieren

    Er hat zunächst versucht, das "amerikanische Imperium" zu dekolonisieren. Da sein Versuch 2017 jedoch ein kläglicher Fehlschlag war, hat er seine Methode geändert. Während seiner ersten Amtszeit hatte er am achten Tag per Dekret die ständigen Sitze des Stabschefs und des Direktors der CIA aus dem Nationalen Sicherheitsrat entfernt [1]. Darauf folgte eine Revolte der obersten Verwaltung, die ihn sechzehn Tage später dazu veranlasste, seinen Nationalen Sicherheitsberater, General Michael Flynn, zu entlassen.

    Diese Affäre hat Spuren hinterlassen, da die Hohe Nationale Sicherheitsbehörde während des letzten Wahlkampfs intervenierte, um fälschlicherweise zu behaupten, dass Hunter Bidens Computer nicht existiere und dass diejenigen, die behaupteten, ihn gesehen zu haben, Agenten russischer Desinformation seien [2]. Daher hat Donald Trump ihnen schon in den ersten Tagen seiner zweiten Amtszeit ihre geheime Verteidigungsfreigabe entzogen [3].

    Diesmal hat Donald Trump den Stier bei den Hörnern gepackt: Er hat alle Beamten, die während seiner ersten Amtszeit gegen ihn gekämpft haben, in den Vorruhestand versetzt und das Federal Executive Institute, das sie ausgebildet hatte, aufgelöst [4]. Nachdem diese Ebene von Persönlichkeiten bereinigt hatte, entzog er auch 15 Politikern (darunter dem ehemaligen Präsidenten Joe Biden und der ehemaligen Außenministerin Hillary Clinton) ihre Sicherheitsfreigabe, um sicher zu sein, ihnen nicht mehr auf seinem Weg zu begegnen [5]. "Jamais deux sans trois“ [Niemals zwei ohne drei!], heißt es: So entließ er am 2. April sechs Beamte aus seinem Nationalen Sicherheitsrat [6], weil sie noch mit ihren Strauss’schen Freunden zusammenarbeiteten [7].

    Nachdem diese Leute keine Gefahr mehr darstellten, begann Präsident Donald Trump Friedensverhandlungen über die Ukraine, Palästina und den Iran. Alle haben reagiert, als er den nicht gewählten ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in seine Schranken verwies, aber er verwies auch den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu zweimal in seine Schranken [8]. Beim ersten Mal reagierte er auf dessen Gaza-Annexionsplan, indem er ihm sagte, er würde lieber eine neue Riviera daraus machen, anstatt zuzusehen, wie er dieses Gebiet besetzt; beim zweiten Mal sagte er ihm, er könne nichts tun, um Syrien zu spalten, noch könne er den Iran angreifen.

    Man muss natürlich zugeben, dass in keinem dieser drei Brennpunkte im Moment Frieden herrscht, aber die Sachen gehen schnell voran:

    • Hinsichtlich der Ukraine hat er wissen lassen, dass die Krim, der Donbass und ein Teil „Neurusslands“ tatsächlich nun russisch sind. Zudem ist klar, dass in der Ukraine eine Präsidentschaftswahl stattfinden müsse. Die "integralen Nationalisten" [9] wissen bereits, dass sie verloren haben. Was die umstrittenen Gebiete betrifft, gibt es nur zwei ukrainische Forderungen: Zum einen die Rückeroberung des zivilen Kernkraftwerks Saporoschje (was Russland entschieden ablehnt [10]) und zum anderen die Frage, ob Moskau Odessa annektieren darf, ohne es erobern zu müssen.

    • In Palästina hat er fast alle Akteure dazu gebracht, zuzugeben, dass die Hamas in Gaza nicht an die Macht zurückkehren könne, aber es gelang ihm nicht, eine Alternative für die "revisionistischen Zionisten" (d.h. den Anhängern des Faschisten Vladimir Jabotinsky [11]) in Israel zu finden. Donald Trump ist es nicht gelungen, dem Massaker der Palästinenser, die immer noch in Gaza hungern, Einhalt zu gebieten, noch den konfessionellen Massakern in Syrien ein Ende zu setzen, das immer noch von den Dschihadisten beherrscht wird, aber er hat Israel gezwungen, seine Ambitionen in Palästina, im Libanon und in Syrien aufzugeben.

    • Im Iran hat er gerade erst begonnen und die Islamische Republik noch nicht dazu gebracht, zuzugeben, dass sie die schiitischen Minderheiten in der Region nicht ohne Gefahr bewaffnen kann, aber er hat dem Iran noch nicht vorgeschlagen, seine Sicherheit auf eine andere Weise zu gewährleisten. Die Lage hier ist schwieriger, weil er dem Iran gedroht hat, so wie er es mit der Ukraine und den Palästinensern getan hat, was sofort zu einer Verhärtung Teherans geführt hat [12].

    In allen drei Fällen benutzte Präsident Trump seine Armeen, ohne sie kämpfen zu lassen: er setzte kurzzeitig die Geheimdienstinformationen aus, die das Pentagon den ukrainischen Armeen zur Verfügung stellte [13], was zu einem militärischen Zusammenbruch führte; er setzte auch kurzzeitig die Waffenlieferungen an Israel aus, auch wenn dieser Punkt nicht veröffentlicht wurde, aber im israelischen Generalstab große Besorgnis auslöste. Dagegen versammelt er in Diego Garcia Streitkräfte, um den Iran zu bedrohen [14]. Seine einzige militärische Aktion war der Angriff auf Ansar Allah im Jemen; eine mörderische und taktisch nutzlose Aktion, da die Jemeniten darauf vorbereitet waren, die aber nützlich war, um dem Iran seine Botschaft zu übermitteln.

    Die Bürokratie in Washington säubern

    Parallel zu seiner Neuordnung der US-Außenbeziehungen hat Präsident Donald Trump damit begonnen, "das Mammut abzuspecken" [ein Ausdruck eines franz. Unterrichtsministers], d.h. die nutzlosen Äste des US-Bundesstaates zu stutzen. Dies ist das andere große Projekt der "Jacksonianer", d.h. der Jünger von Präsident Andrew Jackson [15]. Dafür setzt er auf den Oligarchen Elon Musk. Nun, der reichste Mann der Welt ist kein Jacksonianer, sondern ein Libertärer. Ihm geht es nicht darum, die verfassungswidrigen Zuständigkeitsbereiche von Washington zugunsten der Bundesländer zu zerstören, sondern ihren Einfluss zu verringern. Im vorliegenden Fall werden diese beiden unterschiedlichen Ziele zumindest bisher mit denselben Rechtsakten verfolgt.

    Innerhalb von zwölf Wochen war es Elon Musk gelungen, von Bundesangestellten eine Kündigung zu erhalten oder 230.000 von ihnen zu entlassen. Natürlich spüren wir [in Europa] diese Vorgehensweise als Wildheit, aber die Tatsache bleibt, dass er ihnen nicht ihre Kompetenz abspricht, sondern ihre Nützlichkeit in Frage stellt, was etwas ganz anders ist. Die meisten von ihnen überwachten die Umsetzung von Regeln, die es nicht hätte geben dürfen. Das heißt nicht, dass sie schlecht waren, sondern dass sie nicht Teil der Funktion des Bundes sind und deshalb nicht mit Steuergeldern umgesetzt werden sollten. Diese Personalverkleinerung hat versehentlich viele Korruptionsfälle ans Licht gebracht, zum Beispiel einen Zuschuss in Höhe von 900.000 Dollar, den die Small and Medium Enterprise Agency einem neun Monate alten Baby gewährte. Das eigentliche Problem ist jedoch noch nicht da. Subventionen des Pentagons in der Höhe von Sechs Milliarden Dollar wurden gerade entdeckt, insbesondere für Universitäten, ohne jegliche Verbindung zur Verteidigung des amerikanischen Territoriums. Sobald es dem DOGE-Apparat gelungen ist, die Buchhaltung des Landes zu konsultieren, wird es möglich sein, zu sehen, wofür jede von der Bundesregierung getätigte Überweisung verwendet wurde, wie zum Beispiel die Gehälter, die an viele ausländische Staatsoberhäupter gezahlt werden. Man kann also den laufenden Rechtsstreit verstehen, um all dies geheim zu halten.

    Das Department of Government Efficiency (DOGE) prognostiziert Einsparungen in Höhe von 150.000.000.000 US-Dollar (150 Milliarden US-Dollar) pro Jahr durch diese Bürokratiekürzungen und die Betrugsbekämpfung, was einem Gewinn von 931,68 US-Dollar pro Steuerzahler entspricht. Das ist nicht viel im Vergleich zu dem, was man sich vorgestellt hatte, aber absolut beachtlich.

    Es sollte kein Vergleich zwischen den Vereinigten Staaten und anderen Staaten gezogen werden, sondern nur mit der Europäischen Union, deren föderale Bürokratie ebenso undurchsichtig ist, wie der aktuelle Skandal der versteckten Subventionen an NGOs zeigt [16].

    (… Fortsetzung folgt)

    Thierry Meyssan


    Übersetzung: Horst Frohlich, Korrekturlesen : Werner Leuthäusser


    [1] „Donald Trump löst die Organisation des US-Imperialismus auf“, von Thierry Meyssan, Übersetzung Horst Frohlich , Voltaire Netzwerk, 31. Januar 2017.

    [2] “Public Statement on the Hunter Biden Emails”, Voltaire Network, 19 October 2020.

    [3] "2721 Donald Trump nimmt Geheimdienstmitarbeitern, die an politischer Fälschung beteiligt waren, ihr Freizugangsrecht", Voltaire, Internationale Nachrichten - N°117 - 24. Januar 2025.

    [4] "2872 Donald Trump löst die US-amerikanische ENA auf", Voltaire, Internationale Nachrichten - N°120 - 14. Februar 2025.

    [5] "3138 Donald Trump zieht die Sicherheitsfreigaben von 15 Persönlichkeiten seiner Opposition zurück.", Voltaire, Internationale Nachrichten - N°126 - 28. März 2025.

    [6] «Trump Fires 6 N.S.C. Officials After Oval Office Meeting With Laura Loomer», Maggie Haberman, Jonathan Swan & Ken Bensinger, The New York Times, April 3, 2025.

    [7] „Russland erklärt den Straussianern den Krieg“, von Thierry Meyssan, Übersetzung Horst Frohlich , Korrekturlesen : Werner Leuthäusser, Voltaire Netzwerk, 8. März 2022.

    [8] "2228 Benjamin Netanjahu enttäuscht von seinem Besuch im Weißen Haus", Voltaire, Internationale Nachrichten - N°128 - 11. April 2025.

    [9] „Wer sind die ukrainischen integralen Nationalisten?“, von Thierry Meyssan, Übersetzung Horst Frohlich , Korrekturlesen : Werner Leuthäusser, Voltaire Netzwerk, 15. November 2022.

    [10] „Erklärung des russischen Außenministeriums zum Kernkraftwerk Saporoschje“, Übersetzung Horst Frohlich , Voltaire Netzwerk, 26. März 2025.

    [11] „Der Schleier zerreißt: Die verborgenen Wahrheiten von Jabotinsky und Netanjahu“, von Thierry Meyssan, Übersetzung Horst Frohlich , Korrekturlesen : Werner Leuthäusser, Voltaire Netzwerk, 23. Januar 2024.

    [12] „Iran prangert Drohungen der USA gegen den Frieden an“, von Amir Saeid Iravani , Übersetzung Horst Frohlich , Voltaire Netzwerk, 31. März 2025.

    [13] „Der Westen gegen CRINK“, von Manlio Dinucci , Übersetzung Horst Frohlich , Voltaire Netzwerk, 7. April 2025.

    [14] "3185 Das Pentagon bereitet sich auf einen möglichen Krieg gegen den Iran vor", Voltaire, Internationale Nachrichten - N°127 - 4. April 2025.

    [15] „Donald Trump, ein zweiter Andrew Jackson?“, von Thierry Meyssan, Übersetzung Horst Frohlich , Korrekturlesen : Werner Leuthäusser, Voltaire Netzwerk, 19. November 2024.

    [16] "3249 Der Skandal der undurchsichtigen Finanzierung bestimmter NGOs durch die Europäische Kommission", Voltaire, Internationale Nachrichten - N°128 - 11. April 2025.


    Thierry Meyssan Politischer Berater, Gründer und Präsident vom Voltaire Netzwerk - Réseau Voltaire. Letztes französisches Werk: Sous nos yeux - Du 11-Septembre à Donald Trump.


    Voltaire Netzwerk Voltaire, internationale Ausgabe

    Brennpunkt Kurz gefasst Unterlagen-Überwachung Diplomatischer Faden Meinungs-verschiedenheiten

    Lassen Sie uns das Voltaire Netzwerk stärkenTrump-Vertrauter Tucker Carlson enthüllt mit Curt Weldon die brisante Wahrheit über 9/11

    von Thierry Meyssan

    Donald Trumps Projekte (2/2) von Thierry MeyssanDonald Trumps Projekte (1/2) von Thierry Meyssan


    Info: https://www.voltairenet.org/article222096.html


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.


    unser weiterer Kommentar: Zitat: Nach drei Monaten hat er bereits den "amerikanischen Imperialismus" zugunsten seines "Exzeptionalismus" umgedreht. Zitatende


    Zitat aus https://de.wikipedia.org/wiki/Amerikanischer_Exzeptionalismus: Nach Noam Chomsky war das amerikanische Sendungsbewusstsein von Anfang an, also schon bei der Eroberung des nordamerikanischen Kontinents, nichts als eine Ideologie, um den skrupellosen und brutalen Imperialismus zu bemänteln und zu rechtfertigen. Zitatende

    22.04.2025

    de.wikipedia.org, Seite besucht am 22. April 2025, 22:55 Uhr

    Der Amerikanische Exzeptionalismus (englisch American Exceptionalism) ist eine nationalistische Ideologie, die auf dem Postulat basiert, dass die Vereinigten Staaten von Amerika eine Sonderstellung gegenüber allen anderen Nationen einnehmen.

    Historische Theorie

    Die noch heute vielfach rezipierte Studie De la démocratie en Amérique (zwei Bände, Paris 1835/1840, auf Deutsch Über die Demokratie in Amerika) des Politikers und Publizisten Alexis de Tocqueville ist einer der „Gewährstexte“ der Idee vom American Exceptionalism.[2]

    Sämtliche Subsysteme der amerikanischen Gesellschaft – etwa Verfassung, Politik, Wirtschaft, Rechtswesen, Sozialsystem, Religionswesen sowie das gesellschaftsübergreifende Wertesystem (Ideologie) – aber auch „ihre ausschließlich kommerziellen Gewohnheiten, die Fixierung ihres Geistes auf rein praktische Dinge“[3] ließen sich demnach nur durch USA-spezifische Faktoren erklären, die sich aus der besonderen Geschichte des Landes ergäben. Die späte Besiedlung durch europäische Einwanderer, deren politische, wirtschaftliche und religiöse Selbstbefreiung vom Kolonialismus (Amerikanische Revolution), der (mit Frankreich geteilte) Status als Pioniernation der modernen, laizistischen Demokratie, die mit der Sklavenhaltung und ihrer späteren Abschaffung zusammenhängenden sozialhistorischen Entwicklungen sowie die Tatsache, dass auf dem Boden der USA seit dem Bürgerkrieg kein Krieg mehr stattgefunden hat, hätten sich der amerikanischen Gesellschaft so stark aufgeprägt, dass ein Vergleich mit den westeuropäischen Gesellschaften mithilfe übergreifender, also allgemeiner Kriterien und Theorien unfruchtbar bleiben müsse.

    Politische Doktrin

    Noam Chomsky weist darauf hin, dass bereits 1630 John Winthrop in seiner Predigt Model of Christian Charity die den Evangelien entlehnte Formulierung „Stadt auf dem Hügel“ verwandte, als er die Zukunft einer neuen, „von Gott bestimmten“ Nation entwarf.[4]

    „Wir müssen davon ausgehen, dass wir wie eine Stadt auf einem Hügel sein sollen. Die Blicke aller Menschen richten sich auf uns.“

    Winthrop war Gouverneur der Massachusetts Bay Colony, die 1629 in ihrem Siegel einen Indianer zeigt, der die englischen Puritaner bat, ihm zu Hilfe „herüberzukommen“, d. h. seine Seele durch die Bekehrung zum Christentum zu retten.[5]

    Über die Doktrin des Manifest Destiny („offensichtliche Bestimmung“) des 19. Jahrhunderts habe sich das Sendungsbewusstsein für Christentum, Demokratie und Menschenrechte nach amerikanischer Prägung entwickelt, das der Rechtfertigung eines skrupellosen Imperialismus diene.

    Der Amerikanist Frank Kelleter verweist auf die nach der Unabhängigkeit geführten Debatten darüber, wie sich der universalistische Anspruch der Amerikaner mit ihrem partikularistischen Wunsch, eine Nation zu werden, versöhnen ließe. Alexander Hamilton formulierte in den Federalist Papers eine Lösung, die sich gegen das alte Europa richtete. Dieses habe lange alle anderen Kontinente dominiert:

    “Facts have too long supported these arrogant pretensions of the Europeans. It belongs to us to vindicate the honor of the human race, and to teach that assuming brother, moderation. Union will enable us to do it. Disunion will add another victim to his triumphs. Let Americans disdain to be the instruments of European greatness!”

    „Allzu lange haben Tatsachen diese arroganten Ansprüche der Europäer gestützt. Uns obliegt es, die Ehre des Menschengeschlechts wiederherzustellen und den anmaßenden Bruder Mäßigung zu lehren. Die Einigkeit wird uns dazu befähigen. Uneinigkeit wird seinen Triumphen ein weiteres Opfer beifügen. Amerikaner sollen verschmähen, Werkzeuge europäischer Größe zu sein!“

    – Alexander Hamilton: [6]

    Der Exzeptionalismus leitete sich her von der Vorstellung amerikanischer Beispielhaftigkeit, die die anderen Nationen lehren werde, wie der naturrechtlich verstandene Anspruch auf nationale Souveränität mit dem aufklärerischen Universalismus in einem mustergültigen Beispiel freier Selbstregierung in eins falle. Es sei die Mission der USA, dieses Beispiel auf der Erde zu verbreiten. Der amerikanische Exzeptionalismus lag für Hamilton und die Founding Fathers in Amerikas Exemplarität begründet.[7]

    1898 rief Senator Henry Cabot Lodge senior dazu auf, den kubanischen Unabhängigkeitskampf zu unterstützen,

    “Of the sympathies of the American people, generous, liberty-loving, I have no question. They are with the Cubans in their struggle for freedom. … Let it once be understood that we mean to stop the horrible state of things in Cuba and it will be stopped. The great power of the United States, if it is once invoked and uplifted, is capable of greater things than that.”

    „Von den Sympathien des amerikanischen Volkes, großzügig, freiheitsliebend, habe ich keine Frage. Sie sind mit den Kubanern in ihrem Kampf für die Freiheit. … Lassen Sie es einmal verstanden sein, dass wir den schrecklichen Zustand der Dinge in Kuba stoppen wollen, und es wird gestoppt. Die Großmacht der Vereinigten Staaten ist, wenn sie einmal angerufen und erhoben wird, zu größeren Dingen fähig.“

    – Henry Cabot Lodge: [8]

    denn die Kubaner bäten Amerika mit den Worten des Großen Siegels darum: „Komm herüber und hilf uns!“[9]

    Selbst die äußerste Linke der USA verwendete in den 1920er Jahren den Begriff, jedoch in anderem Sinn. Der führende amerikanische Kommunist Jay Lovestone benutzte ihn zur Rechtfertigung des Sonderwegs der amerikanischen Kommunisten, weil das amerikanische Proletariat nicht an einer Revolution interessiert sei. Worauf Stalin 1929 forderte, mit dieser „Ketzerei“ Schluss zu machen.[10] Im April 1930 erklärte dann die Kommunistische Partei der USA (CPUSA) auf ihrem Parteitag, dass die „Wirtschaftskrise in den USA das Kartenhaus des Amerikanischen Exzeptionalismus umgeblasen“ habe.[11]

    1941 prägte Henry Luce in einem Leitartikel des LIFE-Magazins den Begriff „Amerikanisches Jahrhundert“ und definierte so die Version des American Exceptionalism für das 20. Jahrhundert ohne selbst diesen Begriff zu benutzen. Als „mächtigste und vitalste Nation der Welt“ hätten die USA die Pflicht und die Chance, ihren „vollen Einfluss auf die Welt auszuüben, zu den Zwecken, die wir für richtig halten, und mit den Mitteln, die wir für richtig halten.“[12]

    In einer Studie entwickelte Hans Morgenthau 1964 die These, die USA hätten eine „transzendente Bestimmung“, weltweit für Frieden und Freiheit zu sorgen, da „der Schauplatz, auf dem die Vereinigten Staaten ihre Bestimmung verteidigen und fördern müssen, global geworden ist.“ Er räumte zwar ein, dass die historischen Fakten im Widerspruch zu diesen Idealen standen, doch dürfe man sich dadurch nicht täuschen lassen, sondern solle sich hüten, „den Missbrauch der Wirklichkeit mit der Wirklichkeit selbst zu verwechseln“. Die Wirklichkeit sei vielmehr die unvollendete Mission, die sich offenbare „in der Evidenz der Geschichte, wie unsere Geschichte sie widerspiegelt“.[13]

    1980 beschwor Richard J. Tofel in der New York Times Jimmy Carter und Ronald Reagan diesen besonderen Ausdruck zu verteidigen. In den folgenden 20 Jahren wurde Exceptionalism in amerikanischen Medien 457 mal verwendet. Dann stieg der Gebrauch sprunghaft an: im ersten Jahrzehnt auf 2558 Erwähnungen und im Zeitraum von 2010 bis Februar 2012 auf 4172.[11] Der neokonservative Politikberater Robert Kagan errechnete 2014, dass die USA seit 1898 außerhalb der amerikanischen Hemisphäre 26 größere Interventionen mit Bodentruppen durchführten: im Durchschnitt alle viereinhalb Jahre eine, seit 1990 sogar alle drei Jahre.[14]

    Im 21. Jahrhundert bezeichnet amerikanischer Exzeptionalismus die politische Kernideologie der USA.[15][16] Er drückt sich, wie Stephen Kinzer schreibt, auch darin aus, dass die USA “are the only ones in modern history who are convinced that by bringing their political and economic system to others, they are doing God’s work” (deutsch: „die einzigen in der Geschichte der Neuzeit sind, die überzeugt sind, dass sie Gottes Werk verrichten, indem sie ihr politisches und wirtschaftliches System anderen bringen.“)[17] Wegen ihrer Einzigartigkeit seien die USA an völkerrechtliche Vereinbarungen grundsätzlich nur insoweit gebunden, wie ihnen dies nützt.[18]

    Roger Cohen schreibt 2009, dass „Amerika aus einer Idee geboren wurde und deshalb den Auftrag habe, diese Idee zu verbreiten“. Die inspirierende Vorstellung von der Geburt des Landes als Stadt auf dem Hügel sei tief in der amerikanischen Seele verwurzelt und äußere sich in „dem unverwechselbaren Geist des amerikanischen Individualismus und Unternehmungsgeistes“.[19]

    Dick Cheney, der in seiner Zeit als Vizepräsident der USA den Irak-Krieg mit herbeiführte und Folter als Verhörmethode rechtfertigte,[20] veröffentlichte 2015 gemeinsam mit seiner Tochter Liz ein Buch, in dem sie aus der einzigartigen Rolle, die die USA im Zweiten Weltkrieg spielten, eine Pflicht zur Verteidigung der Freiheit in aller Welt ableiteten und dass Amerika “the most powerful, good, and honorable nation in the history of mankind, the exceptional nation” (deutsch: „die machtvollste, beste und ehrenwerteste Nation in der Geschichte der Menschheit, die Ausnahme-Nation“) sei.[21]

    2023 erneuert Robert Kagan im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine den amerikanischen Anspruch und begründet ihn damit, dass nur die amerikanische Macht „die Naturgewalten der Geschichte in Schach halten“ könne. Einen Weltfrieden könne es nur geben, wenn die USA die ganze Welt beherrschen, denn der natürliche Verlauf der Geschichte in Abwesenheit amerikanischer Führung sei ganz offensichtlich: „Er führt nicht zu einem liberalen Frieden, einem stabilen Gleichgewicht der Kräfte oder zur Entwicklung internationaler Gesetze und Institutionen. Stattdessen führt er zur Ausbreitung von Diktaturen und ständigen Konflikten zwischen Großmächten.“[22]

    Kritik

    W. E. B. Du Bois sah 1935 die Quelle der modernen Ideologie des Exzeptionalismus in den Post-Bellum-Jahrzehnten (1865–1898) zwischen Bürgerkrieg und Spanisch-Amerikanischem Krieg. In diesem Zeitraum hätten sich zwei Visionen von Amerika herausgebildet: Zum einen würde Amerika endlich die Demokratie erreichen, die in seinen Gründungsidealen zum Ausdruck komme; zum anderen stelle es eine fortschrittliche Industrienation dar, die sich durch ihren Reichtum und ihre Macht auszeichne: Ein Imperium im Ausland, eine Demokratie im eigenen Land. - Diese Kombination sollte etwas Neues unter der Sonne sein, und diese Verschmelzung würde Amerika zur wahrhaft großen Ausnahme in der Geschichte machen. Doch diese Vorstellung war für Du Bois nie mehr als ein unmöglicher Traum. Vielmehr diente dieses „Gesäusel des Exzeptionalismus“ in erster Linie dazu, von den bitteren Realitäten der Großen Depression und des „Gilded Age“ abzulenken.[23]

    Francis Fukuyama spricht dem Anspruch der USA, allen anderen mit Machtmitteln den richtigen Weg zu weisen, einerseits die Legitimität als Glaube an eine Berufung ab, bejaht jedoch die Effektivität dieser Praxis. Nach Noam Chomsky war das amerikanische Sendungsbewusstsein von Anfang an, also schon bei der Eroberung des nordamerikanischen Kontinents, nichts als eine Ideologie, um den skrupellosen und brutalen Imperialismus zu bemänteln und zu rechtfertigen.[24]

    Der britische Journalist Godfrey Hodgson unterzieht im Buch „The Myth of American Exceptionalism“[25] 2009 die amerikanische Nationalmythologie einer kritischen Analyse. Angefangen mit Reagans vielbeachteter Rede von 1974, in der dieser geschichtsfälschend aus Winthrops Predigt zitierte, der damals gar nicht zu Amerikanern von den USA sprach, sondern von einer englischen Kolonie, die er englischen Kolonisten als Vorbild für weitere anpries. Vieles was Amerikaner über ihre Geschichte denken, sei auf ähnliche Weise umgedeutet. Die USA seien ein großes Land, doch viel weniger außergewöhnlich und mehr in Europa verwurzelt als die Amerikaner denken. Sie seien keineswegs in allem beispielhaft, sondern haben vielfältige und auffallende Defizite - im Gesundheits- und Bildungswesen, bei Kriminalität und Justizvollzug, sozialer Ungleichheit und Mobilität, Rassenbeziehungen, internationaler Zusammenarbeit und Menschenrechten, man könne vielleicht sagen des Kapitalismus überhaupt. Diese nationale Mythe sei gefährlich: Die Neigung der Amerikaner, sich selbst für einmalig und überlegen zu halten, „wirkt sich auf ihre Verhaltensweise gegenüber dem Rest der Welt aus, über den sie nun so viel Einfluss und Macht haben“. Schließlich sei die Idee des Amerikanischen Exzeptionalismus besonders schwer zu ertragen, wenn sie schrill verknüpft ist mit konservativen Überzeugungen und neokonservativer Außenpolitik.[26]

    Der australische Historiker Ian Tyrell sieht im amerikanischen Exzeptionalismus das unhintergehbare Paradox, dass er einen Vergleich mit vermeintlich nicht-exzeptionellen Nationen, also einer normalen Entwicklung, impliziert. Dieser Vergleich werde von Vertretern des amerikanischen Exzeptionalismus ebenso entschieden abgelehnt wie jede Annahme eines Schemas oder einer Gesetzmäßigkeit der historischen Entwicklungen.[27]

    Der deutsche Kognitionswissenschaftler Rainer Mausfeld erklärt jede exzeptionalistische Ideologie zu einer moralischen und intellektuellen Pathologie, da sie eine Rechtfertigung dafür biete, völkerrechtliche Normen zu missachten.[28]

    Ironisch bescheinigt der amerikanische Journalist und Autor Steven Greenhouse im 2021 erschienenen Buch Beaten Down, Worked Up: The Past, Present, and Future of American Labor den Vereinigten Staaten „arbeiterfeindlichen Exzeptionalismus“. Diese „selbstgewählte Sonderstellung“ entstehe, weil Beschäftigte und Gewerkschaften in den USA deutlich weniger Macht haben als in anderen entwickelten Ländern. Daher liege der Anteil der Geringverdiener in den USA so hoch wie in keinem anderen Industrieland. Der OECD zufolge sei auch die Vermögensungleichheit besonders ausgeprägt.[29]

    Die unverbrüchliche Befolgung der Maxime des Exzeptionalismus durch die US-Politik hat auch Egon Bahr konstatiert: „Das nationale Interesse der USA ist von der moralischen Gewissheit durchdrungen, das auserwählte Volk Gottes zu sein. Nationalbewusstsein und Sendungsbewusstsein sind unlöslich verschmolzen“, sagte er in seiner Rede im Hotel Adlon zur Verleihung des Dr.-Friedrich-Joseph-Haass-Preises am 27. März 2015. Es sei »sinnlos«, dies zu kritisieren. „Die amerikanische Position stellt einen moralischen Maßstab dar, der nicht verhandelbar ist. Das entspricht auch der amerikanischen Haltung, sich nicht durch fremde Ordnungen binden zu lassen.“[30]

    In seiner Publikation von 2018 A New Foreign Policy. Beyond American Exceptionalism[31] stellt Jeffrey Sachs dar, dass die ihm anachronistisch erscheinende Selbstwahrnehmung der USA als Ausnahmenation im 20. Jahrhundert zu einer Reihe von außenpolitischen Fehlentscheidungen wie Kriegen, Regimewechseln und Sanktionsregimen führten. Angesichts des relativen Bedeutungsverlusts der Vereinigten Staaten im Weltmaßstab hinsichtlich Handel, Industrieproduktion und Bevölkerungsanteil, warnt Sachs die amerikanische Außenpolitik davor, sich weiter zu isolieren. Die „neue Seidenstraße“ und die Initiative Global Energy Interconnection Cooperation and Development sieht er als Beispiele gelungener Kooperationen zum wechselseitigen Vorteil. Russlands Wandel in den 1990er Jahren sei von den Vereinigten Staaten nicht gewürdigt worden, bei Transformationsproblemen der russischen Wirtschaft half man nicht. Dazu kam die NATO-Osterweiterung als weitere Wurzel des Konflikts mit Russland. Die USA sollten sich stärker in den Vereinten Nationen engagieren, ausstehende Konventionen ratifizieren und sich wieder dem Pariser Klimaabkommen anschließen, Entwicklungshilfe verstärken und Migration an ökonomische Notwendigkeiten des Landes anpassen.[32]

    Der US-amerikanische Publizist Patrick Lawrence untersuchte, wie es zu diesem «Ausnahme-Selbstverständnis» historisch kam. In einem Referat, das er am 31. August 2023 im Rahmen des Kongresses „Mut zur Ethik“ der Genossenschaft Zeit-Fragen in Bazenheid hielt, nannte er den Exzeptionalismus als alten, unmöglichen Traum und als Fantasie ewiger Überlegenheit, in der die USA gefangen seien. Mit der amerikanischen Niederlage in Vietnam im Jahr 1975 begann eine Verunsicherung. Darauf reagierte Ronald Reagan mit der Phrase von der Stadt auf dem Hügel. Jedoch sei Amerika eine nervöse, unsichere Nation geworden. Danach folgte mit dem 11. September 2001 ein weiterer Wendepunkt, der die Amerikaner angesichts der offensichtlichen Verletzlichkeit hätte zum Umdenken bewegen müssen. Doch den „tiefen Zweifel, einen unterschwelligen, nie offen ausgesprochenen Verdacht, dass sie eigentlich keinen Anspruch auf einen Ausnahmestatus haben,“ verdrängten sie. Auf Trumps Ablehnung des Begriffes hin rief Jake Sullivan dazu auf, die Idee des amerikanischen Exzeptionalismus zu retten und sie zu erneuern, indem er "ein Plädoyer für einen neuen amerikanischen Exzeptionalismus als Antwort auf Donald Trumps ‚America First‘ und als Grundlage für die amerikanische Führungsrolle im 21. Jahrhundert" entwarf. Die amerikanischen Führungskräfte beharrten somit auf dem bankrotten Streben nach Demokratie und Empire. Lawrence betont, die Vorherrschaft im Ausland müsse der Demokratie im eigenen Land weichen. Der Anspruch auf Ausnahmestellung belaste die Amerikaner wie den Rest der Welt. Auch wenn er sich auf die Kraft der Vorsehung berufe, sei er wie jede Ideologie von Menschen gemacht.[33]

    Literatur

    • Seymour Martin Lipset: American exceptionalism. A double-edged sword. Norton, New York 1997.
    • Deborah L. Madsen: American Exceptionalism. University Press of Mississippi, Jackson 1998, ISBN 1-57806-108-3.
    • Elisabeth Glaser, Hermann Wellenreuther (Hrsg.): Bridging the Atlantic: The Question of American Exceptionalism in Perspective. Cambridge University Press, Cambridge 2006, ISBN 978-0-521-02639-0.
    • Daniel Deudney, Jeffrey Meiser: American exceptionalism. In: Michael Cox, Doug Stokes (Hrsg.): US Foreign Policy. 2. Auflage. Oxford University Press, Oxford 2008. S. 21–39.
    • Godfrey Hodgson: The Myth of American Exceptionalism. Yale University Press, 2009, ISBN 978-0-300-12570-2.
    • American Political Thought 2012/1. American Exceptionalism: Is It Real, Is It Good. In: James W. Ceaser: The Origins and Character of American Exceptionalism. S. 1–25.
    • Terrence McCoy: How Joseph Stalin Invented ‘American Exceptionalism’. In: The Atlantic. März 2012 (theatlantic.com).
    • Natsu Taylor Saito: Meeting the Enemy: American Exceptionalism and International Law. NYU Press, New York 2012, ISBN 978-0-8147-9836-2.
    • Hilde Eliassen Restad: American Exceptionalism. An idea that made a nation and remade the world. London, New York: Routledge. 2015.
    • Lukas D. Herr: A Myth that Matters: Der amerikanische Exzeptionalismus und der Versuch einer Konzeptionalisierung der ideationalen liberalen Außenpolitiktheorie. In: Kaiserslautern occasional papers in political science. (KOPS) Nr. 6, Politikwissenschaft der Technischen Universität Kaiserslautern, Juni 2016 ISSN 1861-7018.
    • Abram C. Van Engen: City on a Hill. A History of American Exceptionalism. Yale University Press, New Haven/London 2020, ISBN 978-0-300-22975-2
    • Ian Tyrrell: American Exceptionalism: A New History of an Old Idea. University of Chicago Press, Chicago 2022, ISBN 978-0-226-81209-0.
    • Jeffrey Sachs: A New Foreign Policy. Beyond American Exceptionalism. Columbia University Press. März 2020. ISBN 978-0-231-18849-4

    Weblinks

    Einzelnachweise

    Patrick Lawrence: USA: «Wir sind eine Ausnahme-Nation»! In: Globalbridge. Christian Müller, 23. September 2023, abgerufen am 26. September 2023.
  • Winfried Fluck, Donald E. Pease, John Carlos Rowe: Re-framing the Transnational Turn in American Studies. University Press of New England, 2011, ISBN 978-1-61168-190-1, S. 207 (books.google.com – Leseprobe).
  • Winfried Fluck, American Exceptionalism. Ein Schlüssel zum amerikanischen Selbstverständnis. In: Christian Lammert, Markus B. Siewert, Boris Vormann (Hrsg.), Handbuch Politik USA. Springer VS, Wiesbaden 2016, ISBN 978-3-658-02641-7, S. 15–28, hier S. 21.
  • Patrick Lawrence: USA: «Wir sind eine Ausnahme-Nation»! In: Globalbridge. Christian Müller, 23. September 2023, abgerufen am 26. September 2023.
  • https://www.americanyawp.com/reader/colliding-cultures/john-winthrop-dreams-of-a-city-on-a-hill-1630/
  • Noam Chomsky: Wer beherrscht die Welt? Ullstein, Berlin 2016, S. 49.
  • Alexander Hamilton: The Utility of the Union in Respect to Commercial Relations and a Navy. In: avalon.law.yale.edu, Zugriff am 10. November 2018 (englisch).
  • Frank Kelleter: Amerikanische Aufklärung. Sprachen der Rationalität im Zeitalter der Revolution. Schöningh, Paderborn 2002, S. 616–620.
  • J. P. Freire: Henry Cabot Lodge: Isolationist? Not Exactly. In: The American Spectator. 29. Juni 2011, abgerufen am 26. Juli 2020 (amerikanisches Englisch).
  • Lars Schoultz: That Infernal Little Cuban Republic: The United States and the Cuban Revolution. Chapel Hill 2009, S. 4.
  • Ted Morgan: A Covert Life: Jay Lovestone: Communist, Anti-Communist, and Spymaster (books.google.de).
  • Terrence McCoy: How Joseph Stalin Invented 'American Exceptionalism'. In: The Atlantic, 15. März 2012 (englisch).
  • Patrick Lawrence: USA: «Wir sind eine Ausnahme-Nation»! In: Globalbridge. Christian Müller, 23. September 2023, abgerufen am 26. September 2023.
  • Hans Morgenthau: The Purpose of American Politics. New York 1964. zit. nach Noam Chomsky: Wer beherrscht die Welt? Ullstein, Berlin 2016, S. 48.
  • Robert Kagan: U.S. needs a discussion on when, not whether, to use force. In: The Washington Post, 15. Juli 2014 (englisch, zitiert nach: Lukas D. Herr: A Myth that Matters: Der amerikanische Exzeptionalismus und der Versuch einer Konzeptionalisierung der ideationalen liberalen Außenpolitiktheorie. In: KOPS. Nr. 6, Politikwissenschaft der Technischen Universität Kaiserslautern, Juni 2016, S. 2. ISSN 1861-7018).
  • Trevor B. McCrisken: Exceptionalism. In: A. Deconde, R. D. Burns, F. Logevall (Hrsg.): Encyclopedia of American Foreign Policy. Band 2, 2. Auflage. Scribner, New York 2002, S. 63–80.
  • Trevor B. McCrisken: American Exceptionalism and the Legacy of Vietnam: US Foreign Policy since 1974. Palgrave Macmillan, New York 2003.
  • Stephen Kinzer: Overthrow: America’s Century of Regime Change From Hawaii to Iraq. Times Books, New York 2006.
  • “A new international order is emerging, but it is being crafted to suit American imperial objectives. The empire signs on to those pieces of the transnational legal order that suit its purposes (the WTO, for example), while ignoring or even sabotaging those parts (the International Criminal Court, the Kyoto Protocol, the ABM Treaty) that do not.” Michael Ignatieff: Barbarians at the Gate? In: New York Review of Books. 28. Februar 2002.
  • Roger Cohen: America Unmasked. In: The New York Times, 24. April 2009 (englisch, zitiert nach: Noam Chomsky: Wer beherrscht die Welt? Ullstein, Berlin 2016, S. 49).
  • Noam Chomsky: Wer beherrscht die Welt? Ullstein, Berlin 2016, S. 46.
  • Dick Cheney, Liz Cheney: Exceptional: Why the World Needs a Powerful America. Threshold Editions, 2015, ISBN 978-1-5011-1541-7.
  • Robert Kagan: A Free World, If You Can Keep It. Ukraine and American Interests. In: Foreign Affairs. Council on Foreign Relations, Januar 2023, abgerufen am 6. Januar 2023 (englisch).
  • Patrick Lawrence: USA: «Wir sind eine Ausnahme-Nation»! In: Globalbridge. Christian Müller, 23. September 2023, abgerufen am 26. September 2023.
  • Noam Chomsky: Wer beherrscht die Welt? Ullstein, Berlin 2016, S. 46–62, Folter-Memos und historische Amnesie.
  • Godfrey Hodgson: The Myth of American Exceptionalism. Yale University Press, 2009, ISBN 978-0-300-12570-2.
  • Clive Crook: Book review: The Myth of American Exceptionalism. In: The Atlantic, 18. März 2009 (englisch)
  • Ian Tyrell: American Exceptionalism in an Age of International History. In: The American Historical Review. 96, Nr. 4, 1991, S. 1031–1055, hier S. 1033 f.
  • Rainer Mausfeld: Warum schweigen die Lämmer? Wie Elitendemokratie und Neoliberalismus unsere Gesellschaft und unsere Lebensgrundlagen zerstören. Westend, Frankfurt am Main 2018, ISBN 978-3-86489-225-7, S. 76 f.
  • Steven Greenhouse: Gewerkschafts-Joe in: [1] abgerufen am 31. Juli 2021.
  • Egon Bahr und Lutz Riemann: Annäherung durch Wandel. Kalter Krieg und späte Freundschaft. Edition Ost, Berlin 2022. S. 192.
  • Jeffrey D. Sachs: A New Foreign Policy: Beyond American Exceptionalism. Columbia University Press, 2018, ISBN 978-0-231-54788-8 (columbia.edu [abgerufen am 5. Juli 2024]).
  • Jens Wassenhoven: A New Foreign Policy. In: Portal für Politikwissenschaft. Abgerufen am 5. Juli 2024 (deutsch).

  • Diese Seite wurde zuletzt am 14. Februar 2025 um 15:02 Uhr bearbeitet.


    Info: https://de.wikipedia.org/wiki/Amerikanischer_Exzeptionalismus


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    22.04.2025

    Screenshot_2025_04_22_at_22_14_52_Euer_Wir_ist_ohne_mich_

    nachdenkseiten.de, 22. April 2025 um 10:31 Ein Artikel von Torsten Küllig

    Eigentlich könnte es mir mit meinen fast 57 Jahren egal sein, ob es wieder eine Wehrpflicht gibt – sie war ja eh nur ausgesetzt und niemals abgeschafft. Schaut man sich im medial-politischen Komplex allerdings genauer um, darf es einem aber nicht egal sein. Jedem, der auch nur ein Mindestmaß an Medienkompetenz besitzt, sollte auffallen, dass die Bürger von ebendiesem medial-politischen Komplex – so, wie er das schon bei der Coronapandemie sehr erfolgreich tat – auf einen neuen Kurs gebracht werden sollen.

    Diesmal heißt der neue Kurs nicht „Lasst Euch impfen“, der aktuelle Kurs lautet „Wir müssen bis 2029 kriegstüchtig sein“[1]. Diese unglaubliche Forderung propagierte Boris Pistorius am 29. Oktober 2023 erstmalig in der ZDF-Sendung „Berlin direkt“.

    Es wird mir immer unbegreiflich bleiben, wieso die SPD-Basis es einem SPD-Verteidigungsminister durchgehen lässt, dies auch noch am 5. Juni 2024 öffentlich im Bundestag zu wiederholen. Zumal Pistorius Oberbürgermeister von Osnabrück war – neben Münster die Stadt des Westfälischen Friedens.

    Diese politische „Kriegsertüchtigung“ wird generalstabsmäßig leid(t)medial unterstützt. Als aktuell besonders abschreckendes Beispiel sei an die Caren-Miosga-Sendung mit dem Titel „Müssen wir uns für Krieg rüsten, um Frieden zu sichern?“ vom 6. April 2025 erinnert[2]. Dort befragte die Moderatorin ausgerechnet Joschka Fischer, den Außenminister der Grünen Partei, der nachweislich den ersten Kriegseinsatz der Bundeswehr[3] mitzuverantworten hatte, zum Thema Krieg und Frieden.

    Sie befragt Fischer aber nicht danach, dass die NATO im Kosovo ohne Mandat des UN-Sicherheitsrates als selbsternannte und eigenmächtige Interventionsmacht handelte und der Sicherheitsrat die NATO-Intervention niemals abgesegnet hatte[4].

    Nein, Caren Miosga fragt diesen wegen Kurzsichtigkeit ausgemusterten grünen Bellizisten danach, wie wir den gegenwärtig (noch) gesellschaftlich akzeptierten Pazifismus „schneller überschreiben“ können:

    „Das liegt nicht in unserer DNA oder lag lange nicht in unserer DNA. Da lag Pazifismus. Wie können wir diesen Code schneller überschreiben?”

    Aber dabei bleibt es nicht, die ARD gefällt sich auch noch darin, diese „Umcodierung“ bei Minderjährigen zu dokumentieren – das ist nicht nur widerlich, sondern verstößt ganz nebenbei auch noch gegen den Programmauftrag im Rundfunkstaatsvertrag.

    Man sieht also: Es ist das medial-politische „Gefecht der verbundenen Waffen“. Die Politik geht voran und wird darin medial wohlwollend begleitet.

    An dieser Stelle sei an den ersten Satz der Präambel des Grundgesetzes erinnert. Dieser enthält das sogenannte „Friedensgebot“ und lautet:

    „Im Bewußtsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen, von dem Willen beseelt, als gleichberechtigtes Glied in einem vereinten Europa dem Frieden der Welt zu dienen, hat sich das Deutsche Volk kraft seiner verfassungsgebenden Gewalt dieses Grundgesetz gegeben.“

    Kommen wir zurück zu Pistorius:

    Spräche der Minister von wehrhaft, abwehr- oder verteidigungsbereit, ich glaube, kein vernünftiger Bürger hätte sich in Anbetracht der desolaten, aber dennoch milliardenteuren Bundeswehr daran gestört – aber nein, Pistorius sprach bewusst von „kriegstüchtig“. Das ist ein Schlag ins Gesicht der Mütter und Väter des Grundgesetzes, die mit gutem Grund dieses „Friedensgebot“ in die Präambel verfasst hatten. Achtet auf die Worte, denn aus ihnen werden Taten!

    Heißt das, wir werden 2029 konsequenterweise dann auch ein Kriegsministerium mit einem Kriegsminister haben?

    Natürlich wundert es einen dann auch nicht, wenn der Generalinspekteur der Bundeswehr, General Carsten Breuer, in das gleiche Horn bläst. Innere Führung[5], also die „Unternehmensphilosophie der Bundeswehr“, die sich am Leitbild des mitdenkenden und verantwortungsvoll handelnden Staatsbürgers in Uniform orientiert und dem Minister eigentlich ein klares „So nicht!“ entgegenhalten müsste – Fehlanzeige!

    Vielmehr gibt der General sogar noch eine klare Definition heraus, was unter „Kriegstüchtigkeit“ zu verstehen ist:

    „Kriegstüchtigkeit bedeute sehr viel mehr als Verteidigungsfähigkeit. Neben der personellen und materiellen Einsatzbereitschaft geht es auch um den nötigen Mentalitätswechsel, dem wir uns unterziehen müssen. Es brauche eine Gedankenwende, sowohl in der Gesellschaft als auch und vor allem in der Bundeswehr.“[6]

    Da ist wieder einmal das viel bemühte „Wir“. Ein „Wir“, was die Gesellschaft kriegstüchtig machen möchte, ist aber ein „Wir“ ohne mich!

    Und obwohl ich, entgegen den vielen ungedienten „Kriegstüchtigkeitsjüngern“, Wehrdienst – bei mir hieß es noch Ehrendienst – geleistet habe, habe ich mit 56 noch einen Kriegsdienstverweigerungsantrag gestellt und kann nur jedem dringend und ungeachtet seines Alters empfehlen, dies gleichzutun.

    An der kürzlich durch das abgewählte Parlament beschlossenen Grundgesetzänderung hinsichtlich der Abschaffung der Schuldenbremse müsste jedem klar geworden sein, dass im Spannungs- oder Verteidigungsfall das nach Artikel 12a Grundgesetz garantierte Recht der Kriegsdienstverweigerung denklogisch als Erstes fallen wird.

    Zeigt der Politik und Medien klare Kante: Euer „Wir“ ist ohne mich.


    Titelbild: Shutterstock / Penofoto


    [«1] bundestag.de/dokumente/textarchiv/2024/kw23-de-regierungsbefragung-1002264, Video ab Minute 3:00

    [«2] ardmediathek.de/video/caren-miosga/muessen-wir-uns-fuer-krieg-ruesten-um-frieden-zu-sichern/das-erste/Y3JpZDov…

    [«3] bundestag.de/dokumente/textarchiv/2023/kw42-kalenderblatt-kriegseinsatz-970602

    [«4] zaoerv.de/68_2008/68_2008_3_b_779_802.pdf

    [«5] bmvg.de/de/themen/verteidigung/innere-fuehrung

    [«6] spiegel.de/politik/deutschland/carsten-breuer-general-inspekteur-der-bundeswehr-in-fuenf-jahren-muessen-wir-kriegstuechtig-sein-a-be252f67-1039-43c7-bd92-518e1be958d2


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    22.04.2025

    Screenshot_2025_04_22_at_21_56_09_Feuer_frei_DIE_ZEIT_schie_t_auf_die_Friedenstauben_weil_sie_in_die_falsche_Richtung_fliegen

    nachdenkseiten.de, 22. April 2025 um 12:00 Ein Kommentar von Marcus Klöckner

    Es ist so weit: Nun schießen die Medien auch noch auf die weißen Tauben. Grund: Die Friedensbringer „flattern nach rechts“. Flattern nach rechts? So war es die Tage in einem ZEIT-Artikel zu lesen. Von einer „feindlichen Vereinnahmung des Friedens“ ist da die Rede. Deutlich wird: Dümmer geht immer. Hauptsache politisch unliebsame Proteste bekommen ihr Fett weg.

    Die Strategie ist altbekannt: Artikulieren sich auf der Straße Bürger gegen eine Politik, die Vertreter von Mainstreammedien gutheißen, zucken emsige Lordsiegelbewahrer unserer Zeit einen Stempel, auf dem steht: „rechts“. Demonstrationen gegen Hartz IV? Rechts! Demonstrationen gegen Armut? Rechts! Demonstrationen gegen die Coronapolitik? Rechts! Proteste gegen das politische Großvorhaben „Kriegstüchtigkeit“? Rechts. Proteste für den Frieden? Rechts. Und rechts, das wissen wir alle, will von den Hohepriestern der öffentlichen Meinung oft genug als „irgendwas mit Nazis“ verstanden werden.

    Die Gründe für dieses Vorgehen sind klar. In den Redaktionen sitzen genügend Akteure, die die vorherrschende Politik stützen wollen. Die Begeisterung in vielen Medien für die anvisierte Kriegstüchtigkeit ist offensichtlich. Eine gigantische Neuverschuldung für die Aufrüstung? Kein Problem. Solange es gegen das Feindbild Russland geht. Das passt immer. Da werden Friedenstauben als Störenfriede betrachtet.

    Weiße Tauben? Sie sind doch eigentlich ein wunderbares, reines, unverdächtiges Friedenssymbol. Das war vielleicht mal. Jetzt ist aber alles anders – zumindest aus Sicht der ZEIT. Da fliegen die prächtigen Friedensbringer nämlich in die falsche Richtung. Früher sang Reinhard Mey, dass beim Fliegen über den Wolken die Freiheit wohl grenzenlos sei, aber der ZEIT-Leser lernt: Beim Fliegen darf nicht nach rechts abgebogen werden. Das gilt auch für Vögel. Vor allem, wenn sie den Frieden bringen sollen. Links abbiegen ist hingegen erwünscht. Also unter der Voraussetzung, dass mit „links“ jene Richtung gemeint ist, wo die Kriegstrommler und ewigen Russlandhasser stehen. Früher galt Aufrüstung und Krieg als „rechts“, heute soll das alles wohl „links“ sein, weil „links“ – irgendwie – ja „gut“ sein muss.

    In Zeiten der kollektiven Verwirrung durch Manipulation braucht es Orientierung.

    Tauben, so weiß der Fachmann, sind grandiose Navigatoren. Sie kennen ihre Richtung. Sie wissen, wohin sie fliegen. Und von einer aus politischen Gründen vollzogenen Umdrehung des Rechts-Links-Spektrums bleiben die gefiederten Freunde unbeeindruckt. Der Kompass für die Friedenstaube ist was? Korrekt! Der Frieden! Wo der Ruf nach Frieden ertönt, sind auch die Friedenstauben zu finden. Da kann DIE ZEIT noch so viel und lang und verquer von einer „feindlichen Vereinnahmung des Friedens“ sprechen.

    „Wir stehen hier heute zusammen, weil wir uns von keinem Politiker, von keinen Medien und von keiner Sprachpolizei in einen 3. Weltkrieg hineinquasseln lassen wollen”, verkündete der 89-jährige Kabarettist Dieter Hallervorden passend zu einer Friedensdemo per Video. (https://x.com/i/status/1913561595025719518) Schon macht sich Lynchstimmung in den Medien breit. Ein Blick auf Google News zeigt die publizistische Empörung über „Didi“. In dieser Grundstimmung schwingt auch der ZEIT-Artikel harmonisch mit.

    Friedensbewegung: Die weißen Tauben flattern nach rechts. Der Kampf für den Frieden galt mal als linkes Projekt, inzwischen haben ihn Rechte gekapert. Wie konnte das passieren?“

    So lautet die Überschrift und die Unterzeile eines ZEIT-Artikels, der zeigt: Dümmer geht es im „Qualitätsjournalismus“ immer. Wer denkt, die Talsohle „journalistischer“ Einfältigkeit sei erreicht, wird jeden Tag eines Besseren belehrt. Der eine oder andere Leser erwartet vielleicht an dieser Stelle eine kleine Zusammenfassung der Antwort auf die von der ZEIT gestellte Frage: „Wie konnte das passieren?“. Wie konnte der Kampf für den Frieden nur von Rechten „gekapert“ werden? Was sagt die ZEIT?

    Nein, bitte, vergessen Sie’s. Heutzutage stellt der Mainstreamjournalismus keine Fragen mehr, die von Erkenntnisinteresse getrieben sind. Fragen sind politisch verquer weltanschaulich kontaminiert. Und entsprechend fallen dann auch die Antworten aus. Da tauchen dann Formulierungen auf wie: „Unterwerfung unter imperialistische Herrscher“, „Propagandaerfolg der Rechten“, „pazifistische Irrtümer“, „als Traum taugt der Frieden nichts“ usw. Und daraus rührt das Blatt dann den Zement für jenes Fundament, auf dem Kanonen stehen, die auf Friedenstauben feuern.


    Titelbild: Velishchuk Yevhen/shutterstock.c


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    22.04.2025

    EU-Spitze würdigt Papst Franziskus – aber nicht seine Friedensbotschaft

    lostineu.eu, vom 21. April 2025

    Papst Franziskus ist tot. Die EU-Spitze würdigt sein Leben und sein Werk: „Mit seiner Bescheidenheit und seiner aufrichtigen Liebe für die weniger Glücklichen inspirierte er Millionen, weit über die Grenzen der katholischen Kirche hinaus“, schrieb Kommissionschefin von der Leyen. EU-Chefdiplomatin Kallas sprach „allen Katholiken auf der Welt“ ihr Beileid aus. Mit großer Trauer habe sie erfahren, dass der Pontifex verstorben sei. Seine Friedensbotschaft erwähnte Kallas allerdings nicht. “Schämt euch nicht, zu verhandeln, bevor es noch schlimmer wird”, sagte der Papst im März 2024. Die Ukraine sollte den Mut haben, eine “weiße Fahne” zu hissen und ein Ende des Krieges mit Russland auszuhandeln. Dafür hat sich die EU leider noch nie eingesetzt…

    Siehe auch Von der Leyen: “Europa ist immer noch ein Friedensprojekt”

    ‹ Aufgelesen: Was Melnyk von Merz fordert › Aufgelesen: Wo bleibt der Widerstand gegen die Kriegsvorbereitungen?

    7 Comments

    1. Helmut Höft
      22. April 2025 @ 08:18

      “EU-Spitze würdigt Papst Franziskus – aber nicht seine Friedensbotschaft” Mehr muss man nicht wissen zur Qualität der Politniki – nicht nur in Brüssel, überall! kotz

      Jaja, es war schon immer so: “Wenn man Dreck zusammenfegt wird doch kein Schnee daraus!”

    Antworten

  • KK
    21. April 2025 @ 22:56

    Übel der ÖRR, der in seinen Nachrufen auf Franziskus seine neutrale Friedensbotschaft in Bezug auf die Ukraine sinngemäss als Verlust seiner moralischen Autorität propagandistisch ausschlachtete – habe ich wortgleich auf mindestens zwei Sendern gehört, einer davon war Phoenix.
    Das ist schon ein starkes Stück des ÖRR, finde ich…

    Antworten

  • Reykjavik
    21. April 2025 @ 17:11

    Papst Franziskus ist der erste Papst, für den ich tiefen Respekt empfinde. Er und Orban waren die einzigen, die von Anfang an kompromisslos für einen Frieden in der Ukraine eingetreten sind, trotz aller niederträchtigen Anfeindungen wegen dieser eindeutigen Haltung für den absoluten Vorrang des Lebens. Besonders wichtig: Papst Franziskus hat in aller Deutlichkeit hingewiesen, wie menschenverachtend und zutiefst unmoralisch eine Machtelite ist, die sein Volk für ein offensichtlich niemals erreichbares Ziel in einen Krieg schickt ( und jahrelang mit falschen Versprechungen und Lügen, mit Gehirnwäsche durch Verbot der freien Presse und der Oppositionsparteien und als allerletztes mit gewaltsamen Zwangsrekrutierungen in diesem Krieg hält).

    Antworten

  • Michael
    21. April 2025 @ 13:30

    Ich kenne inzwischen Niemanden der nicht nur auf Kallas‘ Beileid sondern auch auf sie selbst gerne verzichtete!

    Antworten

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    Info: https://lostineu.eu/eu-spitze-wuerdigt-papst-franziskus-aber-nicht-seine-friedensbotschaft/?utm_campaign=Lost%20in%20EUrope%20Update&utm_content=Lost%20in%20EUrope%20Update&utm_medium=email&utm_source=getresponse


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    22.04.2025

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    22.04.2025

    Gespräch über Planung im Kapitalismus„Niemand wird kommen, um uns zu retten“

    taz.de, vom 18. April 2025, 15:29 Uhr, Interview von Rosa Budde und Ulrich Gutmair

    Kapitalismus bedeutet Planwirtschaft, sagt die britische Ökonomin Grace Blakeley. Sie zählt zu den wichtigsten jüngeren Kapitalismuskritiker:innen.


    Britische Journalistin und Autorin Grace Blakeley: „Der Markt regelt angeblich und wirkt ausgleichend. Aber das stimmt so nicht.“ Foto: Roberto Ricciuti/getty images


    Im Interview: Grace Blakeley

    Grace Blakeley, geboren 1993, ist Autorin und Journalistin. Sie studierte Philosophie, Wirtschaft, Politik und Afrikastudien in Oxford. Auf Deutsch erschien 2023 „Stolen: So retten wir die Welt vor dem Finanzkapitalismus“. Ihr neues Buch „Die Geburt der Freiheit aus dem Geist des Sozialismus – Wie das Kapital die Demokratie zerstört“ ist soeben bei Klett-Cotta erschienen (Deutsch von Christian Alexander Herschmann u. a., 496 Seiten, 28 Euro).


    taz: Frau Blakeley, die Zeitung Daily Mail hat Sie einst „Moët-Marxistin“ genannt. Sind Sie das?

    Grace Blakeley: Das war, als ich 25 Jahre alt war. Ich kam gerade frisch von der Uni und habe in den Medien darüber gesprochen, dass Sparpolitik falsch ist. Nicht nur ethisch, sondern auch ökonomisch falsch. Ich konnte mit etablierten Öko­no­m:in­nen auf Augenhöhe diskutieren. Der Daily Mail gefiel meine Haltung nicht. Deswegen hat sie einen albernen Artikel über mich veröffentlicht, in dem steht, dass ich aus einer privilegierten Familie komme. Daraus habe ich nie ein Geheimnis gemacht. Also bin ich eine Moët-Marxistin? Nun ja, ich mag Champagner. Aber ich will Champagner für alle.

    taz: Moët stimmt also schon mal. Bezeichnen Sie sich selbst als Sozialistin?

    Blakeley: Unbedingt. Ich sehe mich in der Tradition demokratischer Sozialist:innen, die mit Marx beginnt. Marx war der Idee der menschlichen Freiheit verschrieben. Aber im Laufe der Zeit wurde seine Botschaft komplett verzerrt. Ein Grund, warum ich mein neues Buch geschrieben habe, war, dass ich es satt hatte, dass so viele Leute annehmen, linke Politik würde immer auf einen mächtigen, autoritären Staat hinauslaufen. Während der Coronapandemie sagten Jour­na­lis­t:in­nen zu mir: „Der Staat greift jetzt in die Wirtschaft ein, das ist Sozialismus. Sind Sie jetzt zufrieden?“ Nein, das ist kein Sozialismus! Der Staat greift einmal mehr ein, um die Interessen der Reichen zu fördern. Im Sozialismus geht es darum, die Menschen zu empowern. Es geht darum, die politische Demokratie auf den Bereich der Wirtschaft auszuweiten.

    taz: In Deutschland kommt bei dem Wort Sozialismus schnell die Erinnerung an die Planwirtschaft der DDR auf. Da ist die Idee der menschlichen Freiheit nicht so recht aufgegangen.

    Blakeley: Das ist genau mein Argument: Zentralisierte Planwirtschaft funktioniert nicht. Zentralisierte Planung sehen wir auch im Kapitalismus. Ich habe mir die Planwirtschaft in den Ostblockstaaten genauer angeschaut und bemerkt, dass sich das nicht so sehr von dem unterscheidet, was heute passiert, wenn etwa Elon Musk im Weißen Haus sitzt und sagt, wir geben jetzt mal Geld für dieses oder jenes aus. Das ist keine Demokratie, das ist Planung im Sinne von Privatinteressen.

    taz: Der bürgerliche Staat ist die Organisation der Interessen des Kapitals.

    Blakeley: Es heißt, es gäbe einen freien Markt, auf dem jeder neue Konkurrent theoretisch einen Marktanteil übernehmen könnte. Unternehmen stünden unter Konkurrenzdruck. Der Markt regelt angeblich und wirkt ausgleichend. Aber das stimmt so nicht. Monopolistische Unternehmen wie Google oder Amazon müssen sich nicht den Gegebenheiten des Marktes anpassen, sie schaffen selbst die Bedingungen des Marktes. Politische Entscheidungen werden im Sinne des Kapitals getroffen, nicht zugunsten eines besseren Lebens für die Bevölkerung. Ein Elon Musk kann entscheiden, dass er nicht in nachhaltige Energien, sondern in eine Rakete zum Mars investieren will. Damit trifft er als Milliardär eine persönliche Entscheidung für sich selbst – und die Wirtschaft richtet sich danach aus.

    taz: Das Wirtschaftssystem, das wir in Deutschland haben, heißt ja offiziell …

    Blakeley: … soziale Marktwirtschaft! Ich weiß. Als ich das erste Mal in Deutschland war, stand bei einem Vortrag jemand aus dem Publikum auf und sagte: „Wir haben keinen Kapitalismus in Deutschland, wir haben die soziale Marktwirtschaft.“ Das fand ich sehr lustig. Das zeigt aber auch das größte Missverständnis, was den Kapitalismus angeht. Viele Leute denken, Kapitalismus meint unregulierte freie Märkte. Aber die gab es noch nie, in keiner kapitalistischen Wirtschaft. Immer haben große Unternehmen mit der Politik kooperiert und, nun ja, planerisch eingegriffen.

    taz: Wenn Sie in Ihrem neuen Buch „Die Geburt der Freiheit aus dem Geist des Sozialismus“ von den Planern des Kapitalismus sprechen, benutzen Sie häufig das Wort Eliten. Klingeln bei Ihnen keine Alarm­glocken im Kopf, wo übermächtige Eliten doch ein zentraler Bezugspunkt von Verschwörungsideologien sind?

    Blakeley: Es ist sehr wichtig, sich Begriffe, die häufig in öffentlichen Diskursen verwendet werden, genau anzusehen. Ich habe dieses Buch geschrieben, um zu erklären, was Kapitalismus wirklich ist, abseits von dem Narrativ freier Konkurrenz auf einem angeblich freien Markt. Genauso erkläre ich, was Eliten wirklich sind: natürlich nicht das World Economic Forum oder Echsen, die die Welt regieren. In unserer kapitalistischen Gesellschaft gibt es aber eine klare Hierarchie, in der die wenigen, die die größten und mächtigsten Finanzinstitute und Unternehmen besitzen und hohe Positionen im Staat innehaben, viel mehr Macht haben als eine Durchschnittsperson. Diese Eliten kontrollieren nicht das ganze System, aber sie können darin planen. Politische Entscheidungen werden in ihrem Sinne getroffen.

    taz: Die Kontrolle durch Parlamente ist ungenügend?

    Blakeley: Eine Durchschnittsperson empfindet in einer kapitalistischen Planwirtschaft ständig ihre eigene Machtlosigkeit. Ich denke, es ist das bestimmende politische Gefühl unserer Zeit, dass die Welt nicht für mich da ist, dass die Wirtschaft nicht für mich funktioniert. Ich wähle eine Partei, die ins Amt kommt und ihr Wort bricht. Oder ich bitte meinen Chef um eine Gehaltserhöhung und er sagt nein, und ich kann nichts dagegen tun. Die Grunderfahrung, in einer kapitalistischen Planwirtschaft zu leben, ist, keine Macht zu haben. Das ist der Grund, warum sich so viele Menschen rechten Parteien zuwenden, die ihnen versprechen, sie wieder stark und mächtig zu machen.

    taz: Das passt zu dem englischen Originaltitel Ihres Buches: „Vulture Capitalism“. Die direkte Übersetzung, Geier-Kapitalismus, funktioniert auf Deutsch nicht so richtig. Aber „Die Geburt der Freiheit aus dem Geist des Sozialismus“ ist schon sehr viel positiver als der ursprüngliche Titel. Warum?

    Blakeley: Um ehrlich zu sein, „Vulture Capitalism“ fasst einen Großteil dessen, worum es in dem Buch geht, nämlich die Perfektion des Kapitalismus als System. Aber es unterschlägt den hoffnungsvollen Ton, den ich zum Ende hin anschlage. Das Buch hat eine optimistische Botschaft: Werdet aktiv!

    taz: Wie denn?

    Blakeley: Wir müssen uns organisieren. Niemand wird kommen, um uns zu retten. Zugegeben, das klingt erst mal pessimistisch. Aber historisch gesehen wurde progressive Politik noch nie von Po­li­ti­ke­r:in­nen gemacht: „Hey, wir geben euch, was ihr braucht.“ Politik zugunsten der Bevölkerung wurde immer erkämpft. Das Problem ist, dass in den vergangenen 40 Jahren soziale Kämpfe in den USA und in Großbritannien, aber auch in Deutschland und anderen Ländern stark geschwächt wurden. Die Ar­bei­ter:in­nen­be­we­gung wurde zu sehr institutionalisiert. Sie ist so nah am Staat und an den Unternehmen, dass sie die Interessen von Ar­bei­te­r:in­nen nicht mehr wirklich vertreten kann. Viele Menschen warten darauf, dass endlich die richtigen Po­li­ti­ke­r:in­nen an der Macht sind. Aber die werden nicht kommen. Wenn wir ein besseres Leben für alle wollen, dann müssen wir zusammenkommen und uns selbst dafür einsetzen. Und wir sollten sofort damit anfangen. In Gewerkschaften, in sozialen Bewegungen, in Kooperativen, in unserer Nachbarschaft. Wir müssen gefährlich werden. Bis wir eine neue Gesellschaft von unten aufbauen.


    Info: https://taz.de/Gespraech-ueber-Planung-im-Kapitalismus/!6079419/


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    22.04.2025

    Nachrichten von Pressenza: Eugen Drewermann in Ulm: Warum Frieden mehr Mut braucht als Krieg

    aus e-mail von  <newsletter@pressenza.com>, 22. April 2025, 7:15 Uhr


    Nachrichten von Pressenza - 22.04.2025


    Eugen Drewermann in Ulm: Warum Frieden mehr Mut braucht als Krieg


    Am Karsamstag, den 19. April 2025, sprach der Theologe, Psychoanalytiker und Friedensaktivist Eugen Drewermann auf dem Ostermarsch in Ulm. In einer bewegenden Rede vor mehreren hundert Zuhörenden wandte er sich gegen die Rhetorik der Aufrüstung, die Kriegsbereitschaft der Politik und&hellip;

    https://www.pressenza.net/?l=de&track=2025/04/eugen-drewermann-in-ulm-warum-frieden-mehr-mut-braucht-als-krieg/


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    Ostermarsch 2025: Widerstand gegen das Kriegsdenken wächst


    Trotz Kälte, Gegenwind und medialer Marginalisierung gingen über die Ostertage in zahlreichen Städten Deutschlands wieder Zehntausende auf die Straße – für Frieden, gegen Aufrüstung, gegen Kriege und für eine andere Politik. Die Ostermärsche 2025 haben gezeigt: Die Friedensbewegung ist noch&hellip;

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    Pressenza - ist eine internationale Presseagentur, die sich auf Nachrichten zu den Themen Frieden und Gewaltfreiheit spezialisiert hat, mit Vertretungen in Athen, Barcelona, Berlin, Bordeaux, Brüssel, Budapest, Buenos Aires, Florenz, Lima, London, Madrid, Mailand, Manila, Mar del Plata, Montreal, München, New York, Paris, Porto, Quito, Rom, Santiago, Sao Paulo, Turin, Valencia und Wien.


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.




    Weiteres:




    Eugen Drewermann in Ulm: Warum Frieden mehr Mut braucht als Krieg


    pressenza.com, vom 21.04.25 - Pressenza Berlin

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    Am Karsamstag, den 19. April 2025, sprach der Theologe, Psychoanalytiker und Friedensaktivist Eugen Drewermann auf dem Ostermarsch in Ulm. In einer bewegenden Rede vor mehreren hundert Zuhörenden wandte er sich gegen die Rhetorik der Aufrüstung, die Kriegsbereitschaft der Politik und die Entmenschlichung durch militärischen Gehorsam.

    Mit Bezug auf Jesus, die Bergpredigt, historische Pazifisten und die eigene Familiengeschichte spannte Drewermann einen Bogen von der Bibel bis zu den Kriegen der Gegenwart. Er stellte unbequeme Fragen, prangerte das Vergessen und Verdrängen von Kriegsschuld an – und appellierte eindringlich an die Menschlichkeit jedes Einzelnen.

    Seine Worte sind eine Einladung zum Nachdenken – über Frieden, Schuld, Mitgefühl und darüber, was es heißt, in dunklen Zeiten Mensch zu bleiben.

    Wir dokumentieren die Rede in einer sprachlich überarbeiteten Fassung – nah am Original, mit klarer Gliederung, aber ohne inhaltliche Eingriffe.


    Liebe Frau Stellmach,
    meine sehr verehrten Damen und Herren,
    darf ich sagen: Liebe Freundinnen und Freunde des Friedens!

    Von ganzem Herzen danke ich für die Einladung, zu Ihnen sprechen zu dürfen – in dem Bewusstsein der Dankbarkeit für Ihr Engagement gegen Kriegsrüstung und Kriegsbereitschaft und für Ihr Engagement zugunsten des Friedens. Das kostet in unseren Tagen Mut.

    Im Ohr habe ich noch den Auftritt von Ex-Kanzler Scholz im August letzten Jahres auf dem Marienplatz in München. Im Hintergrund seines Vortrags – zur Erläuterung seiner Politik fürs Volk – sieht er Jugendliche, vor allem mit Plakaten von Friedenstauben. Die fährt er an: „Das sind vielleicht gefallene Engel aus der Hölle, weil sie dem Kriegstreiber Putin das Wort reden.“ Das ist der Stil – das ist der Stil –, mit dem man Friedensbereitschaft dämonisiert.


    Screenshot_2025_04_23_at_00_47_39_Eugen_Drewermann_in_Ulm_Warum_Frieden_mehr_Mut_braucht_als_Krieg

    Video https://youtu.be/-fh5deSbU98 Dauer 51:00 min.


    Ich müsste kein Theologe sein – und müsste nicht zu Ihnen sprechen – am Karsamstag vor Ostern, um nicht zu sagen, Herr Scholz: Wenn Sie die Botschaft der Engel über den Fluren von Bethlehem derart verteufeln, sind Sie selber dabei, mit allem, was Sie können, diese Welt in die Hölle zu verwandeln.

    Sie erklären stolz, dass Sie ein Atheist sind. Das mag sein, wie es wolle. Aber was davon abhängt, wie man denkt, zeigt sich in einem Beispiel Ihres Vorgängers – der schätzenswert ist, weil er seine strategischen Überlegungen zur Politik offen geäußert und zur Diskussion gestellt hat: Helmut Schmidt.

    Es gibt einen Fernsehauftritt gemeinsam mit Jacques Chirac. Die beiden reden buchstäblich über Gott und die Welt, unter anderem auch über ihre Stellung zur Religion. Der Franzose bekennt ohne Schwierigkeiten, dass er ein gläubiger Katholik ist. Helmut Schmidt – genauso ehrlich – bekennt sich als Atheisten. Wie Helmut fragt Jacques Chirac: „Kann ich dir erklären: 1941, an der Ostfront, am Nachmittag, kommt der Militärgeistliche und erläutert, dass auch dieser Krieg in den Händen Gottes liegt. Eine Nacht lang hat mich das beruhigt. Am anderen Morgen wusste ich: Er hat Unrecht.“

    Wie Helmut Schmidt möchte ich fragen: Wenn das so ist – wie konnten Sie weiter marschieren gegen Moskau? In einem Krieg, von dem Sie wussten, er ist von Wahnsinnigen angezettelt – und, wie Sie später glaubten erkennen zu können, von Verbrechern?

    Treu Ihrem Fahneneid von 1935: „Unbedingter Gehorsam auf den deutschen Führer Adolf Hitler“. Wenn Sie wussten, der Militärpfarrer lügt – hätten Sie da nicht sagen können: Er verfälscht die gesamte Botschaft des Christentums?

    Mit Jesus ist kein Krieg zu machen. Das müssten Sie sagen. In der Karwoche ist das mehr als bedenkenswert.

    Jesus zieht ein in Jerusalem, und man erwartet in ihm messiasähnliche Attitüden. Der „Sohn Davids“ soll jetzt kommen – und was wird er dann tun? Das heilige, von Gott gegebene Land von den Römern befreien? Wie mit einem eisernen Zepter die Römer vernichten? Das erwartet man.

    Stattdessen führt Jesus – mit einem Zitat des Propheten Sacharja – eine ganz andere Geste vor: Käme je ein Mann von Gott, ritt er ein friedfertig, unbewaffnet, auf einem Esel. Und die erste Maßnahme, die er treffen will – Sacharja, Kapitel 9, zum Nachlesen – ist: Dass er die Kriegswagen verbrennt und die Bogen zerbricht.

    Für unsere Tage heißt das: sämtliche Taurus-Raketen abschaffen, sämtliche Mörsergranaten beseitigen. Einseitige Abrüstung! Dieses Programm ist gefährlich.

    Hätte Helmut Schmidt 1941 gesagt: „Ich verweigere meinen eigenen Fahneneid. Ich marschiere nicht gegen Russland in einem derartigen Krieg“ – noch konnte er nicht wissen, dass am Ende 27 Millionen Sowjetbürger tot sein würden. Frauen und Kinder vertrieben, mit MGs aus ihren Häusern gebrannt. Ganze Dörfer erfroren in der Steppe.

    All diese Verbrechen – haben sie mitbegleitet aus Angst vor dem, was folgen würde? Steht doch in Mein Kampf bei Adolf Hitler: „Soldaten können sterben – Deserteure müssen sterben.“

    Okay. Wir lernen gerade: Man kann den Frieden nur wollen, wenn man den Tod nicht fürchtet.

    Am Vorabend von Ostern ist das der Kern des ganzen Christentums: Wir glauben nicht länger an das Sterben. Wir wollen ein Leben – ohne Angst.

    Die ganze Serie der Geschichte von Pazifisten im 20. Jahrhundert zeigt, dass es auf Leben und Tod steht. In Frankreich wird der Chef der Sozialisten 1914 – weil er an den Frieden glaubt – ermordet. Er hält es nicht für möglich: 1908 stehen in Nordfrankreich drei Zechen in Brand nach einer Schlagwetterexplosion – und deutsche Kumpels kommen mit Masken und Rettungsgeräten, in Kameradschaft, für die französischen Kumpels.

    Ist das möglich? Dass sechs Jahre später dieselben Leute mit dem Bajonett aufeinander losrennen? Um sich in den Magen zu stoßen? Mit Handgranaten die Unterleibe zu zerfetzen? Mit Artilleriefeuer ganze Batterien wegzufegen und in einen Leichenhaufen zu verwandeln? Ist das möglich – unter Arbeitern?

    Man muss vielleicht noch nicht einmal Christ sein – nur ein einfacher Mensch –, um zu begreifen: So geht das nicht. Bloß weil die da oben es so wollen. Aber es bleibt gefährlich, es zufrieden zu sein.

    Mahatma Gandhi wird ermordet. Martin Luther King – weil er gegen den Vietnamkrieg ist – ist gefährlich für die USA. Beim kolonialen Vietnamkrieg ermordet 1995 ein israelischer General: Rabin – weil er endlich will, dass die Osloer Verträge eingehalten werden. Juden und Araber sind beide Kinder Abrahams – und hätten es nötig, im Heiligen Land, wenn es denn von Gott gegeben ist, einander zu verständigen. Dafür wird er ermordet. Genau wie vor ihm der ägyptische Präsident Anwar al-Sadat – er will Frieden mit Israel. Todesurteil. Schlag auf Schlag geht das so.

    In den Tagen, von denen Helmut Schmidt gezeichnet war, finden Sie einen einfachen österreichischen Bauern: Franz Jägerstätter. Er hört sich das Geschwätz nicht länger an. Der deutsche Führer führt den Krieg gegen den Atheismus, für das Christentum, für die Freiheit gegen den Bolschewismus.

    Was er sieht, ist ganz einfach: Es ist ein Wirtschaftskrieg – für Rohstoffe. Und inzwischen ein Rassenkrieg – der Germanen gegen die Slawen. Es wird immer verrückter.

    Jägerstätter weigert sich, in diesen Krieg hineinzuziehen – mit Berufung auf die Botschaft Jesu. Darauf steht das Todesurteil. Aber die, die ihn ermorden, staunen über die innere Ruhe und die Angstfreiheit von Jägerstätter.

    Die Friedensbewegung, solange ich sie kenne, hat einen zentralen Fehler begangen – den wir heute Nachmittag ausräumen müssten und könnten: Sie hat immer wieder für Frieden plädiert – aus Angst vor dem Krieg. Auch jetzt: „Oh Gott, es könnte ja ein Atomkrieg kommen… oh, wie furchtbar!“

    Das war bei der Diskussion um die Pershing II, 1983, für Hunderttausende ein Grund, in Bonn aufzumarschieren – weil jeder wusste: Bei einem Auseinandersetzungskrieg zwischen Russland und den USA werden die Atombomben nicht in der Wüste von Nevada abgeworfen, sondern just hier – in Deutschland.

    Angst also – als Grund für Frieden. So aber kann der Frieden nicht kommen. Denn Angst ist immer dialektisch.

    Jetzt droht man uns mit dem Aggressor Putin – so wie ich das kenne, seit 1952 mit dem Aggressor Stalin. Immer war der Russe gefährlich, immer kam er durch ganz Europa, immer wollte er alles besetzen…

    Dabei sind – und waren – wir selber es, die Deutschen: Zweimal schon in Russland – und jetzt ein drittes Mal wieder gegen Russland.

    Man macht uns Angst – damit man Krieg führen kann. Und die Bevölkerung fängt an, es zu glauben: „Wir müssen stark sein! Wir müssen uns wehren!“.

    Und plötzlich begeben wir uns in ein Irrenhaus – mit der Diagnose: Paranoia. Denn die ganze Menschheitsgeschichte – sehen Sie – ist gekennzeichnet durch dieses absolute Drama: Wir müssen das Böse bekämpfen – denn das Böse macht uns Angst.

    Und was setzen wir dagegen? Gegen Gewalt? Wir müssen stärker sein als der Böse – indem wir noch böser werden! Und ihn niederzwingen – mit den Waffen, die er einsetzen könnte, die wir aber schon verbessert haben, ehe er sie einsetzen kann. Und dann werden wir ihn vernichten. Baerbocks Sprache: „Russland ruinieren.“

    Ich höre sagen – aus den Mündern der Politiker: „Man kann mit der Bergpredigt keine Politik machen.“

    Ich sage es mit Mahatma Gandhi: Es gibt keinen Weg zum Frieden – der Weg zum Frieden ist der Friede. Und wer nicht mit ihm anfängt – kann nicht bei ihm ankommen. Genauso konnte Gandhi sagen: „Man muss mit der Bergpredigt Politik machen – oder man wird überhaupt nie einen Frieden erreichen.“

    In Münster, beim Treffen der Außenminister, fragte mich ein Reporter: „Was werden Sie jetzt sagen?“ Ich sage: „Leistet dem Bösen keinen Widerstand.“ – „Wie bitte?“ Ich sag: Ja. Matthäus, 5. Kapitel, Vers 39. – „Die Bergpredigt versteh ich immer noch nicht.“ – „Deshalb halte ich ja einen Vortrag.“ – „Hab ich keine Zeit für!“ – „Gut, dann hetzen Sie weiter in Gedankenlosigkeit in das nächste Drama des Massenmords. Schreiben Sie in der Zeitung: ‚Mit der Bergpredigt darf man keine Politik machen‘ – weil wir den Frieden nicht wollen. Wir wollen unsere Macht.“ Die Demonstration unserer Gewalt. Wir sind die Richtigen und die Guten – im Kampf gegen die Bösen. Schreiben Sie jeden Quatsch – nur berufen Sie sich nicht mehr auf mich! Dabei – wie recht dieser eine Satz der Bergpredigt hat, und die ganze Welt verändern könnte…

    Die gesamte Politik – das werden Sie aus eigener Erfahrung kennen. Sie gehen nach Hause – und Ihr Sohn macht irgendetwas, das Ihnen nicht passt. Dann können Sie ihn anfahren: „Solange du deine Füße unter meinen Tisch setzt, gehörst du mir! Ich bin der Herr im Hause!“

    Wenn Sie Krach haben mit Ihrer Frau, können Sie genauso loslegen: „Du bist doch vollkommen… Ich weiß doch, wie es ist! Hör jetzt mal zu!“ Nach dieser Art üben Sie Gewalt aus – und eskalieren den Konflikt bis zum Unlösbaren. Genau das Gleiche erleben Sie in unserer Politik.

    Für Pädagogen nehme ich ein anderes, kleines Beispiel: Auf dem Pausenhof sind mal wieder zwei Jungs aufeinander losgegangen. Die Klasse schaut zu – und beide haben ihre Unterstützer. Jeder hat da seine Vorstellung, wie man „richtig draufschlägt“.

    Der eine ist schwächer als der andere – schon von der Statur. Dem muss man helfen. Vielleicht… ein Taschenmesser könnte helfen. Wenn der ein Taschenmesser hat, braucht der andere ein Bajonett. Wenn der ein Bajonett hat, brauchen wir eine Handgranate. So können wir weitermachen…

    Kein Lehrer auf dem Pausenhof wird die Eskalation der Gewalt in dieser Weise unterstützen. Er wird simpel sagen: „Ihr hört jetzt auf!“ – „Aber der hat ja angefangen!“ – „Es ist mir völlig egal, wer angefangen hat. Ich will jetzt, dass ihr beide aufhört!“

    Und dann müsst ihr reden – über die Gründe eures Zwistes: Was hasst ihr derart an dem anderen, dass ihr ihn nur verprügeln mögt – statt euch zu verständigen?

    Eines ist in dem Satz Jesu von absolut entscheidender Bedeutung: Wir haben Angst vor dem, was wir auf der Gegenseite als das „Böse“ betrachten. Aber wenn wir in dieser Weise eskalieren – mit Gewalt dagegen anzugehen –, ignorieren wir die Angst, die wir dem anderen machen. Unsere Angst ist exakt dieselbe, die wir bei demjenigen auslösen, den wir „den Gegner“ nennen.

    Auch dafür noch ein Beispiel: Helmut Schmidt redet mit Breschnew über die Dislozierung der Pershing-II-Raketen. Und der Russe sagt: „Wenn ihr eure Raketen in Deutschland stationiert – dicht an den Grenzen Russlands –, haben wir Angst.“

    Und Helmut Schmidt sagt: „Eure SS-20-Raketen machen uns Angst. Wir sind in Deutschland – dem dichtest besiedelten Gebiet Europas.“

    Was für eine Chance, frage ich Sie: Wenn die beiden Politiker gesagt hätten: „Wir hören auf – mit der Idiotie: Wer macht wem mehr Angst?“ Wer beantwortet die eigene Angst mit Angstverbreitung, mit Aufrüstung, mit immer stärkeren Waffen? Wir hören damit auf – weil da kein Mensch ein Mensch bleiben kann. Sondern jeder wird zum Terroristen der Gegenseite.

    Das wird kein Frieden – sondern bestenfalls am Ende ein Gleichgewicht des Schreckens: Terror der Politik – angeblich als Frieden. Wir hören damit auf – das hätten wir 1983 haben können. Durfte aber nicht sein – weil Amerika seine Raketen natürlich in Westdeutschland stationieren musste.

    Was Sie jetzt lernen, ist grundsätzlich von Belang: Wir bekämpfen das Böse als ein Symptom, und die Gründe, wie es zustande kommt, dürfen uns nicht interessieren. So ist einheitlich die Sprache heute: „Wir müssen uns verteidigen gegen den russischen Angriffskrieg.“

    Wie ist er denn zustande gekommen, der Angriffskrieg?

    Das darf man nicht denken. Das darf man nicht sagen. „Das ist ja das Narrativ von Putin. Das ist ja wieder mal Russland-Hörigkeit. Wieder sind wir, 70 Jahre später, die nützlichen Idioten irgendeines russischen Diktators.“

    Aber es ist ganz wesentlich, dass wir die Hintergründe begreifen. 1989 – aus den Händen eines Russen – lag der Frieden fertig auf dem Tisch. Und die russische Armee tat, was versprochen war: Sie zog sich aus Gesamtdeutschland zurück, aus dem Baltikum zurück.

    Versprochen war Gorbatschow: Die NATO, wenn sie nicht ganz überflüssig wird nach dem Abbau des Warschauer Pakts, wird sich keinen Zentimeter nach Osten weiterbewegen.

    James Baker sprach das. Helmut Kohl wiederholte es – in Moskau. Und es war – von Anfang an – eine bedachte Lüge. Die NATO hatte damals 17 Staaten. Heute hat sie 34 – alle aufgenommen, Richtung Osten.

    Dazu hat Helmut Schmidt zu Zeiten schon, genauso wie Henry Kissinger, warnend gesagt: „Wenn ich Russe wäre und ich sähe, wie die NATO von der Oder an die Weichsel, von der Weichsel an die Westgrenze Russlands vormarschiert, hätte ich Sorgen.“

    Kissinger nennt die NATO-Osterweiterung diplomatisch „einen schweren Fehler“.

    Was sind denn die Gründe für einen Krieg, Herr Scholz, wenn Sie sich mal interessieren würden – für Philosophie? Wie Sie hier Reden halten über Immanuel Kant oder vielleicht sogar über Geschichte? Dann könnten Sie wissen, dass im 16. Jahrhundert Machiavelli sagen konnte: „Nicht immer ist der schuldig, der einen Krieg beginnt, sondern derjenige, der ihn treibt.“ Den Krieg zu beginnen.

    Wir kommen aus der Bekämpfung des Bösen nicht anders heraus, als indem wir hineinschauen in die Gründe, die dazu geführt haben.

    Das ist entscheidend. Die Botschaft der Bergpredigt. Der Anfang jedes wirklichen Friedens: Nicht dem anderen noch mehr Angst machen – sondern Angst abbauen – durch Vertrauen.

    Einzug in Jerusalem – zum Frieden. Im Schatten Ihres wunderbaren Doms, geboren aus den Wirren auch des Dreißigjährigen Krieges, wäre das die Botschaft von Ostern. Aber wie soll’s jetzt weitergehen?

    Wie reden wir miteinander, so dass Frieden entstehen könnte? Ein zentraler Fehler war nicht nur die NATO-Osterweiterung, sondern die Idee, die dahinterstand.

    1989 – das fertige Friedensangebot: Abrüstung vom Ural bis zum Atlantik, Konversion der unglaublichen Mittel – wirtschaftlich, wissenschaftlich, medizinisch, sozial – zur Lösung der wirklichen Probleme der Menschheit. Millionen Menschen verhungern. Aber dafür haben wir kein Geld. Aufnahme von Flüchtlingen? Dafür haben wir kein Geld. Soziale Maßnahmen in den Ländern, wo Menschen nicht mehr leben können? Dafür haben wir kein Geld.

    Für nichts haben wir Geld – außer für Rüstung und für Waffen.

    Übrigens: Einer, der das noch zu sagen wagt, ist Papst Franziskus. Auf den könnten Katholiken – oder Friedensbewegungen – heute mal hören. In seiner Autobiografie „Wachet!“ schreibt er ganz simpel: Welch ein Wahnsinn zu glauben, dass ein Krieg etwas Gutes bringe.

    Das Einzige, was der Krieg bringt, ist das Steigern der Rüstungsproduktion für die Industrie. Die mästet sich am Blut der Erschlagenen – wie ein Vampir. Jeder Krieg ist Wahnsinn – so müssten wir die Diagnose stellen.

    Immer mehr Waffen, immer mehr Aufrüstung – das kann nicht zum Frieden führen. Sondern ist wirklich die Psychose einer Paranoia, aus der wir nicht herauskommen – außer durch eine Botschaft, von wo ganz anders her. Wie ich sie gerade vortrage.

    Nicht mehr Machtpolitik!

    Das hatten wir 1990: Russland – geschwächt, der Warschauer Pakt – zusammengebrochen. Und was war unsere Chance?

    Nicht zum Frieden – sondern: „Wir haben gesiegt!“ im Kalten Krieg. Wir sind die einzig verbliebene Großmacht. Und jetzt müssen wir verhindern, dass an unserer Seite neue Konkurrenten entstehen: Das wäre Russland. Das wäre China. Das muss man verhindern.

    1991 – Dick Cheney, Donald Rumsfeld, Paul Wolfowitz – sie sitzen zusammen und verkünden: „Das 21. Jahrhundert – das wird ein amerikanisches Jahrhundert.“

    Da sind wir mittendrin. Und wie kommen wir da rein? Mit einem Krieg nach dem nächsten.

    1991: Der Irak-Krieg. Eine Million Tote. Und so soll es weitergehen.

    1995: Krieg auf dem Balkan, vor allem gegen Serbien. Ein Bruderkrieg zwischen den Staaten dort. Zur Annexion des gesamten Korridors – für die NATO.

    1999: Der Grüne Joschka Fischer belügt ganz Deutschland. „Wir müssen Auschwitz verhindern.“ Zum ersten Mal also: deutsche Bomber über Belgrad. Kann man alles haben. Haben wir mitgemacht.

    2001: Krieg in Afghanistan. Die Taliban hatten mit dem Sturz der Twin Towers überhaupt nichts zu tun. Aber: Afghanistan grenzt im Süden an Russland und China. Und es hat eine Menge Rohstoffe. Da müssen wir hin. Zwanzig Jahre Krieg. Und wie wirbt man dafür?

    Da haben Sie die Experten der Psychologie: „Wir müssen die Frauen gewinnen.“ Denn Frauen sind nicht einfach dafür, Menschen abzuschlachten oder in Not zu lassen.

    Wenn wir also sagen: „Wir führen den Krieg in Afghanistan, um die afghanischen Frauen zu befreien – und ihnen die Burka abzunehmen“, dann haben wir sie gewonnen. Diese Idiotie glaubt man in der Bevölkerung immer wieder.

    So dass man nur Egon Bahr folgen kann, der in einer Schulklasse einmal gesagt hat: „Wenn sie wiederkommen – und haben moralische Gründe für einen Krieg – glaubt ihnen den Deiwel. Es geht um Macht. Und nichts anderes.“

    2003: Der nächste Irak-Krieg. Wieder ein verlogener Krieg.

    2011: Zerschlagung Libyens. Weil es eine Erdölwirtschaft für Afrika aufzubauen drohte – die den Dollar gefährden könnte. Weg also mit Gaddafi.

    Damals hat Putin noch im Weltsicherheitsrat zugestimmt, eine Flugverbotszone einzurichten zwischen Bengasi und Tripolis – um das Schlimmste zu vermeiden. Nur um mitzuerleben, dass man gar keine andere Absicht hatte, als einen vermeintlichen Diktator zu ermorden – und Regime-Change durchzusetzen. Und die Waffen aus Libyen gingen gleich weiter – nach Syrien, um dort das nächste Regime-Change-Programm zu starten.

    2014: Der Maidan-Putsch.

    Ein Land nach dem anderen, das Russland nicht bereit oder nicht fähig ist, zu verteidigen – wird ihm weggenommen: Georgien, Moldawien… wie immer wir können. Das müssen wir machen – aus Machtgründen.

    Und dann – fragen wir, ganz ruhig: Können wir verstehen, was die Botschaft Jesu einmal war?

    Wenn du Gewalt einsetzt aus Angst, wenn du Krieg akzeptierst als Instrument zum Machtgewinn – dann kann Frieden prinzipiell nicht entstehen.

    Oder sagen wir es ganz simpel: Man kann keine Trauben ernten von Disteln, keine Feigen von Dornbüschen. Man bekommt, was man sät. Und wer Gewalt sät – und will –, wird Gewalt ernten. Immer wieder.

    Das Hauptproblem ist: Sie müssen hinweggehen über immer größere Leichenhaufen – und erklären: „Ich habe gesiegt!“

    Indem Sie diese Fahne nehmen und in den Haufen der Leichen hineinbohren – um zu sagen, wie groß Sie sind. Je höher Sie klettern auf dem Leichenhaufen – wenn Sie das können –, haben Sie aufgehört, sich als Mensch zu betätigen. Keine Waffe langt aus in dieser Idiotie der Paranoia.

    1945 hatten wir den Einsatz der ersten Atombombe. Aber sie hat ihre physikalische Grenze. Denn die Neutronenabstrahlung bei einer bestimmten Menge führt zur unkontrollierten Explosion. Wir brauchen aber eine Waffe, die unbegrenzt physikalisch wirken kann.

    Wenn wir die Energie der Sonne auf die Erde holen – die Verschmelzung von Wasserstoff zu Helium, den Massenverlust in reine Energie verwandeln – und zu einer Bombe machen: eine Wasserstoffbombe… Dann haben wir 1000-mal Hiroshima in der Hand.

    Hiroshima – das waren 100.000 Tote in wenigen Sekunden – mal tausend. Das müssen wir haben! Dann sind wir die Größten. Die Stärksten. Die Unwiderstehlichen.

    Sie müssen denken – mit dem Russen Leo Tolstoi: Wer meint, er könne in dieser Art groß werden, zeigt nur, wie niedrig er ist, wie gemein und wie verachtenswert.

    Ein Staat, der systematisch junge Leute – 18-jährige, inzwischen sogar 16-jährige Mädchen – dahin drillt, Massenmordinstrumente einzusetzen, damit sie „groß“ sind, damit sie „National Heroes“ werden – ist nicht mehr menschlich, sondern in sich selbst verbrecherisch.

    Und das müssten seine eigenen Bürger ihm deutlich sagen: Das tun wir gerade so nicht – nicht mit uns!

    Dann bleibt das schwierige Problem: Wie bringt man Menschen dahin, keine menschlichen Gefühle mehr zu haben? Sie sehen vor sich ein Hündchen oder ein Kätzchen – und Sie haben es gern, weil Sie seine Augen sehen. Es ist unmöglich, dass Sie es töten könnten. Beim Menschen – gewiss, genauso.

    Und dann müssten Sie die Angst in den Augen Ihres vermeintlichen Gegners sehen. Das, was in ihm vor sich geht, berücksichtigen. Seine Angst – von innen her verstehen, statt die Symptome mit Gewalt niederzudrücken, müssten Sie die Gründe aufarbeiten. Wir sagen: Man kann das Böse nicht besiegen – man muss es überlieben.

    Was Sie jetzt hören, lässt sich am besten wieder von einem Russen lernen – der, als es darauf ankam, mir persönlich zweimal entscheidend geholfen hat: Fjodor Michailowitsch Dostojewski.

    In seinen Aufzeichnungen aus dem Totenhaus – in der Strafkolonie von Omsk – schreibt er einmal: „Es gibt zwischen Russen und Westeuropäern einen großen Unterschied. Wenn in Westeuropa jemand ein Gesetz bricht, nennt man ihn einen Verbrecher – und bestraft ihn entsprechend der Größe seines Vergehens. Wir Russen nennen ihn einen Unglücklichen, der unser aller Schuld auf seine Schultern trägt.“

    Wenn das „russisch denken“ ist – finden Sie die tiefste Erklärung in den Brüdern Karamasow.

    Der Mönch Aljoscha hört von seinem Lehrmeister Sossima: „Aljoscha, wenn sie jemals kommen und sagen: ‚Du sollst zu Gericht sitzen über deinen Nächsten‘ – sprich als erstes dich selbst schuldig für die Schuld deines Bruders. Frage dich: ‚Wenn ich ein anderer Mensch gewesen wäre – hätte es dann sein können, dass er sein Vergehen begangen hätte?‘ Nur wenn du dich selbst schuldig sprichst für die Schuld deines Bruders, magst du zu Gericht sitzen über deinen Nächsten.“

    Wenn das russisch ist zu denken – müssten wir alles umlernen. Wir müssten den Menschen sehen.

    Und genau das ist der Punkt, wo ich sage: Es genügt nicht, gegen diesen Krieg zu sein – und gegen den anderen Krieg. Da haben wir ständig sich bewegende Schauplätze – und immer wieder neue Aktualitäten. Der Protest muss sich richten gegen das Prinzip des Militärs.

    Im Grunde: Wie erzieht man – auf den Kasernenhöfen der Welt – mit System Menschen zur Unmenschlichkeit?

    Ich sagte eben noch: Wenn Sie in die Augen eines Tieres schauen, ist es unmöglich, dass Sie es töten können. Nicht so beim Militär.

    1994, die Explosion der Wasserstoffbombe „Bravo“, genannt nach einem Bikini-Atoll – das man so sexy fand, dass man später die Frauenmode danach benannte.

    40.000 Wirbeltiere wurden mitgenommen, um zu sehen, wie diese Bombe wirkt: In welchem Abstand platzen die Trommelfelle? Wo verbrennt die Haut? Wie wird das Genmaterial verseucht? Wie viele Missbildungen in wie vielen Generationen sind zu erwarten? Das muss man kennen, um es anzuwenden – um wirklich Macht auszuüben.

    Noch einmal hat ein anderer Russe recht: „Solange es Schlachthöfe gibt, wird es auch Schlachtfelder geben.“ Wem die Gefühle lebender Wesen egal sind, wird ein skrupelloser Mörder.

    Und das – behaupte ich – ist es, was man auf den Kasernenhöfen systematisch einübt: Keine Gefühle. Was die Mutter dir gesagt hat? Was der Pfarrer dir gesagt hat? Egal.

    Was der Drills Sergeant dir befiehlt, das zählt: „Wenn ich euch sage: Ihr Scheißer, ihr geht auf diesen Hügel – und ihr bringt sie alle um – habt ihr das gehört? Dann tut ihr das. – Yes, Sir! Ich hör’s nicht laut genug: – YES, SIR!!!“

    Das ist das ganz normale Drillsystem – auf jedem Kasernenhof: Die Entpersönlichung des Menschlichen. Angetreten! In einer Reihe. Linksschwenk – Marsch!

    Der ganze Körper nur noch Befehlsempfänger. Wie ein Computer, ein Roboter – in der Industrie des Todes. Kein eigenes Denken. Kein eigenes Fühlen. Keine Rückkopplung mit dem eigenen Gewissen. Nicht mit dem eigenen Körper. Nur noch: „Was hat der Drills Sergeant gesagt?“ Das ist die Erklärung für alles, was im Militär geschieht.

    Stanley Milgram hat darüber nachgedacht: Wie war My Lai möglich? Unsere Jungs – ganz normale Kinder aus New York City oder Alabama – ermorden 400 unschuldige Menschen in My Lai. Ein Kriegsverbrechen, natürlich. Aber wie kommt es zustande? Irgendwelche Triebe? Versaut? Sexualpathologie? Unsinn.

    Stanley Milgram erklärt: Das Prinzip ist ganz einfach – und von furchtbarer Allgemeinheit: Gehorsam ist der Schlüssel.

    Und in welchem Ausmaß, muss ich Ihnen klarmachen – mit einem Interview von 1995.

    Günther Jauch – Sie werden ihn kennen – saß damals als Moderator dem Bomberkommandanten von Nagasaki, Major Sweeney, gegenüber.

    Jauch fragte ihn: „Major Sweeney, es sind jetzt über 50 Jahre her, dass Sie – zusammen mit Ihrem Staffelkameraden Major Tibbets – mehr Menschen ermordet haben als jeder Mensch in der Geschichte. Wie lebt man damit?“

    Als ich Kind war, sagte Drewermann, hat man mir erzählt: Die, die das getan haben – sind entweder in die Psychiatrie gekommen, oder ins Kloster gegangen, oder haben Selbstmord begangen. Kein Mensch dachte, dass man damit leben könnte.

    In Wahrheit aber – waren Tibbets und Sweeney Nationalhelden. Jedes Jahr – mit Champagner – trafen sie sich unter den Flügeln der „Enola Gay“ und feierten ihren Triumph über Japan.

    Sweeneys Antwort war von brutaler Klarheit: „Was soll die Frage? Befehl ist Befehl. Jeder Soldat der Welt hätte dasselbe getan. Außerdem – der Scheißkrieg war dann ja wohl zu Ende.“

    Der Scheißkrieg wäre längst zu Ende gewesen, nach dem Abfackeln von hunderttausenden Bambusdörfern in Tokio mit Napalm. Man brauchte keine Atombomben. Man brauchte sie, um Stalin zu zeigen, wer der Erbe des japanischen Kolonialreichs im Pazifik sein würde. Das geht bis heute so.

    Aber – wo er recht hat, hat er recht: Major Sweeney sagt: Jeder Soldat der Welt hätte dasselbe getan. Befehl ist Befehl.

    Wie sich das auswirkt, hätten wir in Deutschland gar nicht so weit von Ulm kennenlernen können – 1947, beim Nürnberger Kriegsverbrechertribunal.

    Da fragten die Amerikaner die Nazis: „Was habt ihr euch dabei gedacht – bei diesem Krieg?“

    Und alle erklärten dasselbe: „Wir haben nur getan, was uns befohlen wurde – wie alle auf jedem Kasernenhof gelernt haben.“

    Damals sagten die amerikanischen Ankläger sinngemäß: „Das ist doch euer Verbrechen! Befehl ist Befehl? Ihr habt euch selbst als Menschen abgeschafft. Ihr habt kein Gewissen mehr gehabt. Ihr habt nur noch – mit langen Ohren – auf die nächste befehlsausgebende Instanz gelauscht. Nicht mehr auf euch selbst. Nicht auf eure Gefühle. Nicht auf euer Mitleid. Nicht auf eure Mitmenschlichkeit. Alles weg – befohlen.“

    „Ihr habt euch einen Stahlhelm über den Kopf gezogen – und das Denken eingestellt. Den Koppel über den Bauch geschnallt – und geglaubt, da stimmt, was draufsteht: ‚Gott ist mit uns.‘“

    „Ihr habt aufgehört, in der Uniform noch Personen zu sein – weil ihr nur noch eine Nummer wart – in der Fabrik des Todes. Das ist euer Verbrechen. Alles andere ist nur daraus gefolgt.“

    Wenn es so steht – hätte Albert Einstein recht: „Es wird in der Geschichte der Menschheit keine weitere Entwicklung der Kultur geben, solange wir uns als Parallelgesellschaft das Militär halten.“

    Solange wir – wie jetzt geplant – jeder Generation nacheinander beibringen, dass sie kriegsertüchtigt werden muss. Dass sie bereit sein muss: Ein 16-jähriges Mädchen – Panzer fahren zu können. Bomberpilot zu sein. Wieviel Machtgefühl, wieviel Selbstbestätigung liegt da drin? „Ich bin genauso wie die Kerle auch – und ich kann’s noch besser.“

    So kann es keinen kulturellen Fortschritt geben.

    Im Militär ist alles das unter Befehl geboten, was dem Privatmann in Zivil verboten ist: Du sollst nicht morden. Du sollst nicht rauben. Du sollst nicht stehlen. Ja wofür führen wir denn Krieg – wenn nicht, um zu morden, zu rauben, zu stehlen? Genau dafür! Das musst du tun.

    Und es gibt keine Ausreden: „Ich war ja nur in der Fabrik, in der man Leopard-2-Panzer bei Rheinmetall herstellt.“

    Alles, was im Krieg ist – und zum Krieg führt –, hat den Endzweck: Wie man Menschen tötet.

    Wer das begreift, kann nur zu jedem Krieg, zu jeder Kriegsvorbereitung, zu jeder Aufrüstung, zu jeder Kriegsertüchtigung, zu dem dämlichen Geschwätz der Politik – „Einen Krieg müssen wir führen – für den Frieden“ – ein für alle Mal mit: Nein! begegnen.

    Dazu gehört: Wir verlieren die Angst. Wir bewahren unsere eigene Persönlichkeit. Wir hören auf unser Gewissen.

    Hermann Hesse – der eben erwähnt wurde, weil ich einmal einen Preis mit seinem Namen bekommen habe – konnte das 1955, bei der Debatte um die Wiederbewaffnung der Bundeswehr, erklären.

    Er sagte sinngemäß: „Jetzt werden sie kommen und sagen: Das da drüben ist ein Gewehr. Das ist ein Pappkamerad. Leg an. Ziele. Das ist der Abzug – bewege den Finger – und du kannst das. Und du machst das. Du bist bereit.“

    Dann kommen sie wieder – und sagen: „Das da drüben – das ist kein Pappkamerad. Das ist ein Russe. Wie im Ersten Weltkrieg: ‚Jeder Schuss ein Russ’.‘ Leg an. Ziel genau. Zieh ab – und du tust es.“

    Dann wird die Ortszeitung schreiben: „Da können wir sehen, was wir für gute Soldaten haben. Prachtvoll trainiert. Treu ihrem Fahneneid. Tapfer vor dem Feind.“

    Der Militärpfarrer wird kommen und dich segnen: „Du bist im Einsatz für Gott. Im Dienst der Gerechtigkeit.“

    Und der Kompaniechef wird sagen: „Da könnt ihr sehen, wie ich meine Leute ausbilde!“

    Oder aber – du hörst auf die leise Stimme deines Gewissens, die dir sagt: Du sollst nicht töten.

    Dann nimmst du das Gewehr – und zerbrichst es über deinem Knie.

    Dann wird die Ortszeitung schreiben: „Ein Vaterlandsverräter! Eidbrüchig! Untreu!“

    Der Militärpfarrer wird sagen: „Du hast Gott völlig falsch verstanden.“

    Und der Drills Sergeant wird sagen: „Jetzt langt’s mir! Demnächst wird so trainiert, dass es keine Ausnahmen mehr geben darf!“

    Du kannst wählen.

    Wirst du ein Soldat – oder bleibst du ein Mensch?

    Noch einmal anders gesagt: Du musst deinen Gegner sehen.

    Pistorius war einmal Bürgermeister in Osnabrück. Dort gibt es ein Museum für Erich Maria Remarque. In seinem Buch Im Westen nichts Neues schildert Remarque eine Szene: Ein Mann liegt in einem Granattrichter – ein deutscher Soldat, an seiner Seite ein schwerverletzter, auf den Tod hin leidender Franzose. Und die beiden – kommen einander immer näher. Der Franzose war im Zivilleben Setzer, und der Deutsche sagt: „Wenn der Krieg vorbei ist, will ich auch Setzer werden.“

    Er fühlt sich schuldig. Alles, was da passiert – hätte nie sein dürfen.

    „Was kann ich denn dafür, dass dieser Mann mit zerfetztem Bein und Unterleib da liegt und auf den Tod hin röchelt? Das habe ich nicht gewollt. Und jetzt sehe ich, was ich mitmachen musste…“

    Ich mache es dramatisch: Juli 1943. Admiral Harris befiehlt gerade die Operation „Gomorrha“ – ein biblisches Gericht über die Hansestadt Hamburg. Man hat das geübt: Zuerst Sprengbomben in die Häuserreihen – danach Brandbomben, damit der Feuersturm sich so entfacht, dass er selbst den Leuten in den Bunkern die Atemluft entzieht. 21. bis 23. Juli 1943 – über 40.000 Menschen sterben allein im Stadtteil Hammerbrook. Scheinbar ein großer Sieg.

    Und die Männer der Royal Air Force erklärten: „Wenn die Nazis Coventry angreifen, müssen wir Vergeltung üben – in Hamburg. Oder später – wo immer.“

    Ein Pilot – Herold Nash – sagte: „Wir sahen unter uns – es lag ausgebreitet wie ein dunkles Band aus Samt, bestickt mit Perlen. Aber wir wussten, dass das, was wir da unten anrichten, schlimmer ist als Dantes Inferno.“

    „Wir sahen nur die Brände – wir sahen keine Menschen. Sonst hätten wir das nicht tun können.“

    Darauf warte ich.

    Darauf warte ich, dass man endlich – bei den Kosten eines Krieges – begreift: Sie sind unerschwinglich. Denn über Leichen kommt kein Frieden.

    1941 wird ein junger Deutscher, Rudolf Borchert mit Namen, eingezogen – an die Ostfront. Er verstümmelt sich selbst, um kriegsuntauglich zu werden. Wird dann in ein Strafbataillon versetzt. Und liegt ab 1945 – mit schwerem Lungenleiden – sterbend in Basel.

    Doch er hinterlässt der Menschheit einen Appell, der bis heute gilt. Ich zitiere: „Frau, Mutter in der Ukraine, Mutter in Deutschland: Wenn sie jemals wiederkommen und dir sagen, du sollst Kinder gebären – Mädchen für die Spitäler als Krankenschwestern, Jungen für die Schützengräben als Soldaten – dann sag: Nein!“

    „Mann an der Werkbank: Wenn sie wiederkommen und dir sagen, du sollst statt Wasserrohren und Kochgeschirr Kanonenrohre und Handgranaten fertigen – dann sag: Nein!“

    „Forscherin im Labor: Wenn sie wiederkommen und dir sagen, du sollst den neuen Tod erfinden gegen das alte Leben – dann sag: Nein!“

    „Pfarrer auf der Kanzel: Wenn sie wiederkommen und dir sagen, du sollst den Krieg heiligen und die Waffen segnen – dann sag: Nein!“

    „Denn wenn ihr nicht Nein sagt – wird das alles wiederkommen.“

    Und eines füge ich noch hinzu.

    Mein eigener Vater – August 1914 – meldete sich freiwillig zur kaiserlichen Armee. Er wurde an die Ostfront verlegt, lief zu Fuß bis Baranowitschi. Abends, wenn das wechselseitige MG-Feuer eingestellt wurde, brach Stille aus in den deutschen Schützengräben. Denn drüben – 300 Meter weiter – fingen die Russen an zu singen. Mein Vater war kein Dichter. Aber das konnte er sagen: „Die hochrussische Seele – ist eine Nachtigall.“

    Ich habe ihn erstaunt gefragt: „Und darf man Nachtigallen vom Himmel schießen?“ Darauf – gab es keine Antwort mehr. Russen haben nicht nur die Seele einer Nachtigall – auch was sie singen, lässt sich hören.

    Dostojewski, kurz vor seinem Tod, hielt eine Rede auf Puschkin, versöhnte sich gleichzeitig mit Turgenjew und sagte am Ende: „Der Russe ist ein Mensch, der alles versteht.“

    Und wenn Dostojewski recht hat – dann sage ich: „Lasst uns alle Russen werden.“

    Ich danke Ihnen sehr.


    Info: https://www.pressenza.com/de/2025/04/eugen-drewermann-in-ulm-warum-frieden-mehr-mut-braucht-als-krieg/


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    22.04.2025

    <newsletter@neuepresse.de>, 22. April 2025, 04:58 Uhr

    Fast 150 Euro für ein Ticket: Warum sind Karten für den Kirchentag so teuer? 

    Darum geht es: Es sind Rekordpreise: Ein Fünf-Tages-Ticket für den Kirchentag in Hannover kostet 149 Euro – deutlich mehr als bei früheren Veranstaltungen. Hintergrund: Insgesamt werden rund 100.000 Menschen vom 30. April bis zum 4. Mai zum Kirchentag erwartet. Den größten Anteil des Etats von 24 Millionen Euro finanzieren Stadt, Land und die evangelische Landeskirche, doch etwa ein Drittel muss die Laienvereinigung „Kirchentag“ selbst aufbringen. Neben Spenden spielen Eintrittserlöse dabei eine wichtige Rolle. So geht es weiter: „Um vielen Menschen die Teilnahme zu ermöglichen, gibt es zahlreiche Ermäßigungen“, sagt Kirchentagssprecher Mario Zeißig. So zahlten Senioren und Studierende nur 89 Euro, Empfänger von Transferleistungen 19 Euro. Schüler, Studierende und Auszubildende aus der Region Hannover müssen nur 33 Euro bezahlen. 


    Was Sie beim Kirchentag erleben können (Bild?)


    Millionen Euro für Schulen, Bäder und Kitas: 


    So will Hannover den Sanierungsstau beheben Darum geht es: Schulen, Bäder, Kitas: Der Sanierungsstau in Hannovers öffentlichen Gebäuden nimmt kein Ende – das soll sich jetzt ändern. Die Stadt will ihre jährlichen Investitionen deutlich erhöhen, um möglichst rasch sämtliche Gebäude sanieren zu können. Darum ist es wichtig: Woher soll das Geld kommen? Im Rathaus setzt man auf die Förderung aus dem geplanten 500-Milliarden-Euro-Paket der neuen Regierungskoalition in Berlin. Für Hannover könnten dem Vernehmen nach 50 bis 60 Millionen Euro jährlich herausspringen. So geht es weiter: Stadtkämmerer Axel von der Ohe (SPD) hat ausgerechnet, dass dieser Betrag nicht reicht: etwa 300 Millionen Euro werden pro Jahr gebraucht. Und so wird die Stadt auch um eigene Kreditaufnahmen und neue Schulden nicht herumkommen - obwohl sie schon jetzt auf einem Schuldenberg von mehr als 2 Milliarden Euro sitzt. 


    Mit welchen Summen die Stadt Hannover rechnet (Bild?)


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    22.04.2025

    [42] Was darf die Satire?

    de.wikisource.org, Seite besucht am 22. Aporil 2025, 1:01 Uhr


    Frau Vockerat: «Aber man muß doch seine Freude haben können an der Kunst.»
    Johannes: «Man kann viel mehr haben an der Kunst als seine Freude.»
    Gerhart Hauptmann


    Wenn einer bei uns einen guten politischen Witz macht, dann sitzt halb Deutschland auf dem Sofa und nimmt übel.


    Satire scheint eine durchaus negative Sache. Sie sagt: „Nein!“ Eine Satire, die zur Zeichnung einer Kriegsanleihe auffordert, ist keine. Die Satire beißt, lacht, pfeift und trommelt die große, bunte Landsknechtstrommel gegen alles, was stockt und träge ist.


    Satire ist eine durchaus positive Sache. Nirgends verrät sich der Charakterlose schneller als hier, nirgends zeigt sich fixer, was ein gewissenloser Hanswurst ist, einer, der heute den angreift und morgen den.


    [43] Der Satiriker ist ein gekränkter Idealist: er will die Welt gut haben, sie ist schlecht, und nun rennt er gegen das Schlechte an.


    Die Satire eines charaktervollen Künstlers, der um des Guten willen kämpft, verdient also nicht diese bürgerliche Nichtachtung und das empörte Fauchen, mit dem hierzulande diese Kunst abgetan wird.


    Vor allem macht der Deutsche einen Fehler: er verwechselt das Dargestellte mit dem Darstellenden. Wenn ich die Folgen der Trunksucht aufzeigen will, also dieses Laster bekämpfe, so kann ich das nicht mit frommen Bibelsprüchen, sondern ich werde es am wirksamsten durch die packende Darstellung eines Mannes tun, der hoffnungslos betrunken ist. Ich hebe den Vorhang auf, der schonend über die Fäulnis gebreitet war, und sage: „Seht!“ – In Deutschland nennt man dergleichen ‚Kraßheit‘. Aber Trunksucht ist ein böses Ding, sie schädigt das Volk, und nur schonungslose Wahrheit kann da helfen. Und so ist das damals mit dem Weberelend gewesen, und mit der Prostitution ist es noch heute so.


    Der Einfluß Krähwinkels hat die deutsche Satire in ihren so dürftigen Grenzen gehalten. Große Themen scheiden nahezu völlig aus. Der einzige ‚Simplicissimus‘ hat damals, als er noch die große, rote Bulldogge rechtens im Wappen führte, an all die deutschen Heiligtümer zu rühren gewagt: an den prügelnden Unteroffizier, an den stockfleckigen Bürokraten, an den Rohrstockpauker und an das Straßenmädchen, an den fettherzigen Unternehmer und an den näselnden Offizier. Nun kann man gewiß über all diese Themen denken wie man mag, und es ist jedem unbenommen, einen Angriff für ungerechtfertigt und einen anderen für übertrieben zu halten, aber die Berechtigung eines ehrlichen Mannes, die Zeit zu peitschen, darf nicht mit dicken Worten zunichte gemacht werden.


    Übertreibt die Satire? Die Satire muß übertreiben und ist ihrem tiefsten Wesen nach ungerecht. Sie bläst die Wahrheit auf, damit sie deutlicher wird, und sie kann gar nicht anders arbeiten als nach dem Bibelwort: Es leiden die Gerechten mit den Ungerechten.


    Aber nun sitzt zutiefst im Deutschen die leidige Angewohnheit, nicht in Individuen, sondern in Ständen, in Korporationen zu denken und aufzutreten, und wehe, wenn du einer dieser zu nahe trittst. Warum sind unsere Witzblätter, unsere Lustspiele, unsere Komödien und unsere Filme so mager? Weil keiner wagt, dem dicken Kraken an den Leib zu gehen, der das ganze Land bedrückt und dahockt: fett, faul und lebenstötend.


    Nicht einmal dem Landesfeind gegenüber hat sich die deutsche Satire herausgetraut. Wir sollten gewiß nicht den scheußlichen unter den französischen Kriegskarikaturen nacheifern, aber welche Kraft lag in denen, welch elementare Wut, welcher Wurf und welche Wirkung! Freilich: sie scheuten vor gar nichts zurück. Daneben hingen unsere [44] bescheidenen Rechentafeln über U-Boot-Zahlen, taten niemandem etwas zuleide und wurden von keinem Menschen gelesen.


    Wir sollten nicht so kleinlich sein. Wir alle – Volksschullehrer und Kaufleute und Professoren und Redakteure und Musiker und Ärzte und Beamte und Frauen und Volksbeauftragte – wir alle haben Fehler und komische Seiten und kleine und große Schwächen. Und wir müssen nun nicht immer gleich aufbegehren (‚Schlächtermeister, wahret eure heiligsten Güter!‘), wenn einer wirklich einmal einen guten Witz über uns reißt. Boshaft kann er sein, aber ehrlich soll er sein. Das ist kein rechter Mann und kein rechter Stand, der nicht einen ordentlichen Puff vertragen kann. Er mag sich mit denselben Mitteln dagegen wehren, er mag widerschlagen – aber er wende nicht verletzt, empört, gekränkt das Haupt. Es wehte bei uns im öffentlichen Leben ein reinerer Wind, wenn nicht alle übel nähmen.


    So aber schwillt ständischer Dünkel zum Größenwahn an. Der deutsche Satiriker tanzt zwischen Berufsständen, Klassen, Konfessionen und Lokaleinrichtungen einen ständigen Eiertanz. Das ist gewiß recht graziös, aber auf die Dauer etwas ermüdend. Die echte Satire ist blutreinigend: und wer gesundes Blut hat, der hat auch einen reinen Teint.


    Was darf die Satire?


    Alles.


    Info: https://de.wikisource.org/wiki/Was_darf_die_Satire%3F_(Tucholsky)


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    22.04.2025

    Konversion rückwärts    Deutsche Bundesländer setzen, um das Schrumpfen ihrer Wirtschaft zu verhindern, auf den Ausbau der Rüstungsindustrie. Diese erwartet Aufträge in vielfacher Milliardenhöhe, fürchtet aber Mangel an industrieller Kapazität und Personal.

    german-foreign-policy.com, vom 21. April 2025

    BERLIN (Eigener Bericht) – Mehrere deutsche Bundesländer treiben, um dem Schrumpfen ihrer Wirtschaftsleistung zu entkommen, den Ausbau der Rüstungsindustrie energisch voran. Baden-Württemberg etwa will die Branche zu einem neuen industriellen Schwerpunkt aufwerten und strebt dabei in möglichst vielen Rüstungssparten „Technologie-Führerschaft“ an. Die Regierung des Saarlands bereitet einen „Rüstungsgipfel“ vor und wirbt bei führenden Waffenschmieden um die Ansiedlung neuer Fabriken. Einer aktuellen Untersuchung zufolge konnten im vierten Quartal 2024 nur fünf Bundesländer ein Wirtschaftswachstum erzielen; in dreien von ihnen habe „der Aufschwung in der Rüstungsindustrie ... eine zentrale Rolle“ gespielt, heißt es in einer Analyse des Münchner ifo-Instituts. Die Hoffnung auf einen neuen Rüstungsaufschwung gründet sich darauf, dass in Deutschland und der EU bis zum Jahr 2030 bis zu einer Billion Euro zusätzlich in die Aufrüstung fließen sollen. Insider warnen, es sei unklar, ob die industriellen Kapazitäten sowie das verfügbare Personal ausreichten, um derlei Summen in konkrete Rüstungsproduktion umzusetzen. Hilfreich sei die Übernahme bisher ziviler Fabriken und Fachkräfte etwa aus der schwächelnden Kfz-Industrie.


    Zitat: Aufschwung dank Militarisierung

    Aktuelle Zahlen zur ökonomischen Entwicklung in Deutschland geben der Hinwendung zur Rüstungsindustrie neuen Auftrieb. Einer Berechnung des Münchner ifo-Instituts zufolge, die in der vergangenen Woche publiziert wurde, verzeicheten im vierten Quartal 2024 lediglich fünf der 16 Bundesländer ein – wenngleich recht mäßiges – Wirtschaftswachstum. Bei dreien von ihnen – Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein – habe dabei „der Aufschwung in der Rüstungsindustrie ... eine zentrale Rolle“ gespielt, schreibt das ifo-Institut, das im Hinblick auf die erwarteten Milliardeninvestitionen in die Bundeswehr schon davon spricht, die norddeutsche Industrie „entkoppel[e]“ sich dank etwa der Marinewerften an der Küste und weiterer Waffenschmieden „von der gesamtdeutschen Entwicklung“.[1] Ihr Wachstum kontrastiert dabei mit einem Abschwung in Bundesländern, in denen etwa die Kfz-Industrie traditionell stark ist (Baden-Württemberg, Bayern) oder energieintensive Branchen, so etwa Teile der Chemieindustrie, eine bedeutende Stellung innehaben (Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen). Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) erklärte in der vergangenen Woche, seine Regierung wolle weiterhin auf die Rüstungsbranche setzen: „Man muss schauen, dass man für seine Wirtschaftsstruktur das tun kann, was möglich ist.“[2]


    Klinkenputzen bei Rüstungsfirmen

    Mittlerweile haben die Regierungen weiterer Bundesländer angekündigt, sich verstärkt um die Förderung von Rüstungsunternehmen zu bemühen. Bereits Anfang März hatte der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Bündnis 90/Die Grünen) erklärt, man wolle beim rasanten Ausbau der Rüstungsindustrie in ganz Europa „mitmischen“; die Branche müsse in Baden-Württemberg zu einem neuen industriellen Schwerpunkt werden.[3] Kretschmann verwies auf Diehl Defence aus Überlingen am Bodensee, eine Firma, die für ihre Flugabwehrsysteme vom Typ IRIS-T bekannt ist und im Jahr 2024 ihren Umsatz gegenüber dem Vorjahr um 50 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro steigern konnte.[4] Wie der Grünen-Politiker fordert, solle die gesamte baden-württembergische Rüstungsbranche künftig „Technologie-Führerschaft“ anstreben. Auch das Saarland setzt inzwischen ausdrücklich auf Waffenschmieden. Der dortige Landtag nahm in der vergangenen Woche eine von der SPD eingebrachte Resolution an, laut der das Bundesland nun für die Rüstungsindustrie attraktiver werden solle. Wirtschaftsminister Jürgen Barke (SPD) habe schon Einladungen an führende Unternehmen der Branche verschickt, hieß es; Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD) bereite einen „Rüstungsgipfel“ vor.[5] Die AfD-Fraktion fordere ein entschlossenes „Klinkenputzen“ in der Branche.


    Panzer statt Pkw

    Unklar ist, ob die deutsche Industrie das angestrebte rasante Rüstungswachstum tatsächlich stemmen kann. Ursache ist zum einen, dass die nötigen industriellen Kapazitäten nicht in ausreichendem Maß vorhanden sind. Rüstungsunternehmen haben begonnen, ihre Fabriken auszubauen und neue Werke zu errichten; Rheinmetall-Chef Armin Papperger etwa berichtete kürzlich: „Wir haben in Europa zehn Werke, die wir derzeit verdoppeln oder komplett neu bauen“.[6] Dieser Ausbau lässt sich allerdings nicht – gleichsam auf Knopfdruck – beliebig beschleunigen. Spezialisten äußern, die deutsche Industrie sei fähig, einen „Aufwuchs der Rüstungsausgaben ... im mittleren einstelligen Milliardenbereich“ alleine „mit organischem Wachstum“ zu stemmen.[7] „Ginge der Aufwuchs deutlich darüber hinaus“ – und darauf zielt Berlin –, „müssten Kapazitäten aus anderen rüstungsnahen Industrien verschoben werden“. Dies hat bereits begonnen. So hat der deutsch-französische Panzerbauer KNDS angekündigt, ein Eisenbahnwerk des französischen Konzerns Alstom in Görlitz zu übernehmen. Darüber hinaus zieht Rheinmetall einen Erwerb des Volkswagen-Werks in Osnabrück in Betracht. Rheinmetall hat zudem mitgeteilt, seine Standorte in Neuss und Berlin, an denen bislang Kfz-Teile zur zivilen Nutzung hergestellt werden, künftig für die Produktion von Kriegsgerät zu nutzen.


    Personalzuwachs

    Langfristig als schwierig erweisen könnte sich außerdem der unverzichtbare Aufwuchs im Personalbestand der Rüstungsindustrie. Über die Anzahl der direkten wie auch der indirekten Beschäftigten in der Branche liegen unterschiedliche Angaben vor. „Die Endhersteller wie Rheinmetall, KNDS, TKMS [ThyssenKrupp Marine Systems] oder Diehl“ verzeichneten heute „rund 60.000 Mitarbeiter in Deutschland“, schätzt Klaus-Heiner Röhl, Rüstungsexperte am Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln; „einschließlich der Zulieferer“ seien es „ungefähr 150.000“.[8] Dabei nimmt die Zahl der Angestellten in der Branche schon deutlich zu. Rheinmetall etwa hatte Anfang 2023 noch rund 26.000 Mitarbeiter gemeldet; heute sind es bereits 32.000, 2027 sollen es mindestens 40.000 sein. Diehl Defence steigerte die Zahl seiner Angestellten von knapp 3.800 im Jahr 2023 auf ungefähr 4.500 Anfang 2025. Hensoldt wuchs im selben Zeitraum von weniger als 6.600 auf 8.400 und will dieses Jahr wenigstens 1.000 weitere einstellen. Die Firma Renk, die Panzergetriebe fertigt, zählte Ende 2022 um die 3.300 Arbeitskräfte; heute sind es bereits 4.000.[9] Ein vergleichbarer Personalzuwachs ist auch bei zahlreichen weiteren Unternehmen der deutschen Rüstungsbranche zu registrieren.


    Vom Autobauer zum Waffenschmied

    Als günstig für die Branche wirkt sich dabei aus, dass in der Bevölkerung einst vorhandene Hemmungen, Kriegsgerät zu produzieren, eindeutig abgenommen haben. „Die Akzeptanz für die Branche wächst, das Interesse der Bewerber steigt“, konstatierte eine Headhunterin schon im März 2023, lediglich ein Jahr nach dem Beginn des Ukraine-Kriegs: „Die Arbeit in der Rüstung wird als sinnstiftender empfunden“.[10] Mittlerweile komme noch hinzu, wurde vor kurzem eine Expertin der Jobplattform Indeed zitiert, dass die riesigen in Berlin geplanten Rüstungsausgaben „die Arbeitgeberattraktivität“ erhöhten; Jobs in der Waffenindustrie gälten als krisensicher.[11] Längst melden Rüstungskonzerne Bewerbungen in Rekordhöhe. Trotz allem geben sich Insider skeptisch. Man müsse voraussichtlich „Hunderttausende zusätzliche Stellen“ besetzen, erläutert eine Spezialistin der Personalberatung Heinrich und Coll; dabei seien längst nicht alle, die Bewerbungen einschickten, fachlich geeignet. Helfen könne, dass Rüstungskonzerne wie etwa Rheinmetall oder Hensoldt bereits Vereinbarungen mit Kfz-Konzernen und deren Zulieferern getroffen hätten, denen zufolge sie Personal, das bei diesen entlassen werde, übernähmen.[12] Damit werde man jedoch „das Problem ... nicht komplett lösen können“.


    Politische Hindernisse

    Denn zum einen mache Deutschland ja nicht seine „komplette Auto- oder Bahnindustrie dicht“, konstatiert die Spezialistin; zum anderen gebe es politische Hindernisse – Bürger von Staaten wie etwa Russland, China, Iran, aber auch Syrien und Afghanistan dürften aufgrund ihrer Herkunft nicht in deutschen Rüstungskonzernen tätig sein. Das schließt Flüchtlinge wie auch Arbeitsmigranten aus bedeutenden Herkunftsländern aus, die in anderen Branchen den in Deutschland bestehenden Mangel an Fachkräften und an anderen Arbeitern zu decken helfen. Sie sei „skeptisch“, erklärt die Spezialistin, „dass man mit dem vorhandenen Personal die Steigerung der Entwicklungs- und Produktionsleistung stemmen kann“.[13]

     

    Mehr zum Thema: Panzer statt Pkw.

     

    [1] Nur fünf Bundesländer sind im vierten Quartal 2024 gewachsen. ifo.de 15.04.2025.

    [2] Bernd Bachran: Rüstungsindustrie statt Autoindustrie? zdf.de 16.04.2025.

    [3] Michael Herr, Petra Thiele: Kretschmann will Rüstungsindustrie zu neuem Schwerpunkt in BW machen. swr.de 05.03.2025.

    [4] M. Frühauf, J. Jansen, P. Plickert, C. Schubert, N. Záboji: Wer rüstet Europa auf? Frankfurter Allgemeine Zeitung 08.03.2025.

    [5] Moritz Grenner: Saarland soll attraktiver für die Rüstungsindustrie werden. sr.de 10.04.2025.

    [6] Roman Tyborski, Alexander Voß, Martin Knobbe: Papperger rechnet mit Aufträgen von bis zu 300 Milliarden Euro. handelsblatt.com 17.04.2025.

    [7] Max Krahé: Haben wir die Kapas? dezernatzukunft.org 27.03.2025.

    [8] Eine boomende Industrie. tagesschau.de 12.03.2025.

    [9] M. Frühauf, J. Jansen, P. Plickert, C. Schubert, N. Záboji: Wer rüstet Europa auf? Frankfurter Allgemeine Zeitung 08.03.2025.

    [10] Dominik Reintjes, Konrad Fischer: Die Arbeitgeber-Attraktivität hat ihre ganz eigene Zeitenwende. wiwo.de 16.03.2023.

    [11] Angelika Melcher: Jobs in der Rüstungsindustrie boomen. wiwo.de 19.04.2025.

    [12], [13] Franziska Telser: „Es herrscht jetzt schon erheblicher Personalmangel“. handelsblatt.com 17.04.2025.


    Info: https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/9945


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.




    Weiteres:




    Panzer statt Pkw   Weil die Bundeswehr rasant aufgerüstet wird und die Rüstungsexporte boomen, entwickelt sich die Rüstungsindustrie zum Hoffnungsträger auf der Suche nach neuen Arbeitsplätzen für massenhaft entlassene Arbeiter der Kfz-Branche.


    german-foreign-policy.com, vom 23. Januar 2025
    (doppelt vorh.)

    BERLIN (Eigener Bericht) – Die deutsche Rüstungsindustrie entwickelt sich zum neuen Hoffnungsträger bei der Suche nach Ersatzarbeitsplätzen für Opfer von Massenentlassungen in der deutschen Kfz-Branche. Während deutsche Autohersteller und ihre Zulieferer zur Zeit stets weitere Kündigungen vieler Tausend Angestellter bekanntgeben, sind Konzerne wie etwa Rheinmetall, Diehl Defence oder Hensoldt auf der Suche nach einer großen Zahl neuer Mitarbeiter. Ursache ist der gewaltige Rüstungsboom, der die Produktion befeuert und die Umsätze in die Höhe treibt. Die Düsseldorfer Waffenschmiede Rheinmetall etwa geht davon aus, ihren Umsatz, der im Vorkriegsjahr 2021 noch bei 5,66 Milliarden Euro lag, bis 2026 auf 13 bis 14 Milliarden Euro steigern zu können. Dazu werden Tausende neue Arbeitskräfte benötigt. Zwar könne die Rüstungsindustrie unmöglich alle Entlassungen in der Kfz-Branche auffangen, die allein in Baden-Württemberg in diesem Jahr wohl auf 40.000 steigen dürften, heißt es; doch könne man wohl wenigstens „einen Teil“ durch neue Rüstungsarbeitsplätze kompensieren. Dazu tragen neben der Aufrüstung der Bundeswehr vor allem auch die Rüstungsexporte bei, die 2024 ein Rekordvolumen erreichten.


    Info:  https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/9834


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    21.04.2025

    Rede anlässlich des Ostermarsches am 21. April 2025 in Müllheim

    Wir brauchen unbändigen Mut – statt wüster
    Aufrüstungswut!
    Wie wir die Zeitenwende der Zeitenwende hin zu einer besseren Welt
    positiv beeinflussen können
    Von Jürgen Grässlin


    Liebe Friedensfreundinnen und Friedensfreunde,
    lasst mich mit der traurigen Nachricht dieses Tages, dem Ostermontag 2025,
    beginnen: Heute Morgen melden die Medien, dass Papst Franziskus im Alter von 88
    Jahren gestorben ist.
    Seine Friedensbotschaften bleiben unvergessen. So verkündete er in seiner
    Weihnachtsbotschaft 2023: Die Waffenindustrie ist der „Drahtzieher des Krieges“. Um
    „Nein“ zum Krieg zu sagen, müsse man „Nein“ zu den Waffen sagen, sagte der Papst
    in Rom. „Wie kann man von Frieden sprechen, wenn Produktion, Verkauf und Handel
    von Waffen zunehmen?“, fragte Franziskus.
    In seiner gestrigen Osterbotschaft verkündete Erzbischof Diego Ravelli für den
    geschwächten Papst. "Es kann keinen Frieden geben ohne echte Abrüstung!“
    Christinnen und Christen in aller Welt trauern angesichts des Todes dieses
    aufrichtigen Mitstreiters für den Frieden. [1]
    Liebe Friedensfreundinnen und Friedensfreunde,
    wir haben uns heute zum Ostermarsch im badischen Müllheim versammelt. Einem Ort
    mit historischer Strahlkraft – im Guten, wie im Schlechten.
    Müllheim als ein Ort mit Strahlkraft
    Nach zwei vernichtenden Weltkriegen und dem über Generationen gesäten Hass
    zwischen den sogenannten „Erbfeinden“, haben Deutsche und Franzosen, Badener
    und Elsässer ihre abgrundtiefe Feindschaft überwunden. Heute sind Menschen in
    Müllheim und in Mulhouse gute Nachbarn geworden, vielfach haben sich enge
    Freundschaften entwickelt.
    Leider wird diese so positive Entwicklung von Regierungspolitikern und Militärs beider
    Seiten konterkariert. Bei der Deutsch-Französischen Brigade – der brigade franco-
    allemande – werden hier in der Robert-Schuman-Kaserne wie auch im Nordosten
    Frankreichs Soldaten zu „friedenserzwingenden“ Militäroperationen ausgebildet.
    Sie stellen Streitkräfte für die NATO Response Force – also schnelle Eingreiftruppen
    – und die EU-Battlegroup. Damit sind sie ein bedeutender Teil der aktuellen
    2
    Kriegsvorbereitung, die ganz Europa in diesen Jahren erfasst hat. Leider ist Müllheim
    somit kein Hort des Friedens, sondern der Militarisierung!
    Eine Epoche der Dystopien
    Liebe Friedensfreundinnen und Friedensfreunde
    Wir haben uns heute auf Müllheimer Marktplatz versammelt. Einerseits um zahlreiche
    dystopale Entwicklungen im 21. Jahrhundert massiv zu kritisieren. Und andererseits,
    um unsere Visionen hin zu einer besseren Welt in ganz konkreten Einzelschritten
    aufzuzeigen.
    Zuerst nenne ich exemplarisch einige fatale Fehlsteuerungen im 21. Jahrhundert:
    Laut Berechnungen des Stockholmer Friedensforschungsinstituts SIPRI
    verschwendeten fast alle Staaten weltweit mehr als 2,4 Billionen US-Dollar für
    Militärausgaben. In Zahlen ausgedrückt sind das 2 400 000 000 000 USD!
    An der Spitze dieses Rankings des Schreckens standen 2023 mit riesigem Abstand
    die USA. Russland rangiert auf Platz 3, Deutschland auf Platz 7. [2]
    All diese Milliardensummen fehlen zur Bekämpfung des Hungers und von Krankheiten,
    aber auch in der Bildung und Pflege von Menschen in aller Welt!
    Gemäß den Erhebungen der Arbeitsgemeinschaft Kriegsursachenforschung AKUF
    wurden 2024 insgesamt 27 Kriege und bewaffnete Konflikte registriert.
    Vor allem zwei Kriege haben unsere Wahrnehmung besonders beeinflusst: Der Krieg
    in der Ukraine infolge des Angriffs russischer Truppen vom Februar 2022. Sowie der
    Angriff der palästinensischen Hamas im Oktober 2023 und der daraufhin folgende
    Vernichtungsfeldzug der Israel Defence Forces in Gaza mit schwersten
    Menschenrechtsverletzungen und Zehntausenden getöteter Palästinenser. [3]
    Die anderen 25 kriegerischen Auseinandersetzungen wurden und werden in den
    westlichen Medien weitgehend ignoriert – selbst das Massenmorden im Sudan. Auch
    die Flucht von rund 120 Millionen Menschen wird kaum wahrgenommen, geschweige
    denn gemindert.
    Die Betroffenen fliehen vor Kriegen und Bürgerkriegen, befeuert durch den Einsatz
    exportierter Waffen, und der schier ungebremst voranschreitenden Klimaerhitzung –
    die die Industrieländer maßgeblich verantworten. Dabei nimmt die Klimakatastrophe
    dramatischere Formen an. Auch wir in Europa bekommen die – euphemistisch als
    „Klimawandel“ bezeichnete Entwicklung – immer deutlicher zu spüren:
    Gemäß dem topaktuellen Bericht des EU-Klimadienstes Copernicus hat sich Europa
    2024 zum Hotspot einer vernichtenden Entwicklung entwickelt. Stürme,
    Extremniederschlag, Hitzewellen und Waldbrände nehmen rapide zu. [4]
    Wäre das Militär ein Staat, dann wäre es der viertgrößte Klimakiller – und das selbst
    in Friedenszeiten. So die Berechnungen der Friedensinitiative Konstanz. [5]
    3
    Wie wollen CDU/CSU und SPD, die aller Voraussicht nach die neue Bundesregierung
    mit Bundeskanzler Merz stellen, reagieren? Mit deren Zustimmung haben sie – bei
    Unterstützung von Bündnis 90/Die Grünen – in der letzten Sitzung des alten
    Bundestags noch sogenannte „Sondervermögen“ durchgedrückt. Wir, die
    Bevölkerung, wurden nicht befragt, durften dementsprechend auch nicht
    mitentscheiden.
    Bei diesem in seinem Volumen bislang unvorstellbarem Schuldenpaket geht es
    summa summarum um rund eine Billion Euro. Mindestens die Hälfe dieses Geldes
    wird in die Hochrüstung der Bundeswehr und den Ausbau der Rüstungsindustrie
    gesteckt!
    Die aberwitzige Begründung: Nach der Ukraine drohe die Gefahr, dass russische
    Truppen als nächstes NATO-Staaten überfallen würden. Dabei sei Deutschland
    keinesfalls kriegstüchtig. Was für ein folgenschwerer Denkfehler: Schon jetzt –
    wohlgemerkt vor der nie gekannten Hochrüstung durch das 500-milliardenschwere
    Sondervermögen für die Bundeswehr – ist die NATO Russland „in fast allen
    Dimensionen“ deutlich überlegen. Genau das dokumentiert die Greenpeace-Studie
    „Vergleich der Kräfte von NATO und Russland“. [6]
    ➔ Schande über all die Bundestagsabgeordneten, die derart rüstungslüstern
    Hunderte Milliarden Euro für die „Zeitenwende“ hin zu Aufrüstung und Militarisierung
    fehlinvestieren!
    ➔ Schande über all die Bundestagsabgeordneten, die Deutschland „kriegstauglich“
    statt „friedenstüchtig“ machen wollen! Durch die letztlich drohende Wiedereinführung
    der Wehrpflicht, durch immense Waffenbeschaffungsprogramme, durch die
    Aufstellung neuer Mittelstreckenraketen. All das sind Rückfälle in die Zeit des Kalten
    Krieges!
    Die Profiteure dieser aberwitzigen Hochrüstungspolitik sitzen bei Rheinmetall,
    Hensoldt, Thyssenkrupp Marine Systems, Diehl Defence, der MBDA und Heckler &
    Koch. Beispielsweise hat sich der Wert der Rheinmetall-Aktien seit Beginn des Krieges
    in der Ukraine verzehnfacht.
    Auch in unserer Region haben Kriegsprofiteure ihren Sitz: Zu ihnen gehören die
    Rheinmetall Waffe Munition GmbH im benachbarten Neuenburg sowie Northrop-
    Grumman LITEF in Freiburg!
    Ein entscheidendes Kernproblem der Politik – gleichermaßen in West und Ost – ist,
    dass die Regierenden in den USA, in Russland, in China und auch in Deutschland
    jegliche Visionen einer friedlichen, gerechten, sozialen und ökologisch intakten Welt
    verloren haben. Sie handeln nicht im Sinne ihrer eigenen Bevölkerung und auch nicht
    der Menschen in anderen Ländern – sondern maßgeblich macht- und profitorientiert.
    ➔ Schande über all die Bundestagsabgeordneten und die Kriegsprofiteure, die derart
    verantwortungslos Hunderte Milliarden Euro in die Kriegsvorbereitung stecken – statt
    primär in Bildung, Gesundheit, Pflege und zivile Infrastruktur!
    4
    Positive Wirkkraft entfalten
    Liebe Friedensfreundinnen und Friedensfreunde,
    lasst uns unseren Blick richten auf die Aktionen und Aktivitäten, Initiativen und
    Kampagnen der Sozialen Bewegung, von denen es so viele gibt, dass ich an dieser
    Stelle nur einige ausgewählte nennen werde:
    >> Die Stadt Müllheim ist vor wenigen Wochen den „Mayors for Peace“ beigetreten.
    Auf Bürgermeister Martin Löffler kommen hier neue wichtige Aufgaben zu – nicht nur
    symbolisch am Flaggentag oder bei den beiden Gedenktagen von Hiroshima und
    Nagasaki. Sondern auch bei verschiedenen Anlässen über das Jahr hinweg – und das
    ist gut so!
    >> In Freiburg hat sich ein breites Bündnis von Aktivistinnen und Aktivisten
    verschiedener Organisationen zusammengefunden, das zehn zentrale Maßnahmen
    für eine !FRIEDENSSTADT FREIBURG! verabschiedet hat. Für Freiburg und viele
    weitere Städte. Unser Motto lautet: „Von der Kriegslogik zur Friedenslogik“. Eure
    Beteiligung ist ausdrücklich erwünscht! [7]
    >> Das Konzept „Sicherheit neu denken“, anfangs initiiert von der Evangelischen
    Landeskirche Baden, wird mittlerweile von einem breiten Bündnis von
    friedenspolitischen, kirchlichen und gewerkschaftlichen Gruppierungen und
    Organisationen getragen. Diese haben unter dem Dach des europäischen
    friedenskirchlichen Netzwerks „Church and Peace“ das „Positiv-Szenario 2025 – 2040“
    entwickelt. Dies zeigt konkret und konstruktiv „Europas Rolle für den Frieden in der
    Welt“ auf. Auch hier gilt: mitmachen, unterstützen, umsetzen! [8]
    >> Mit der Gründung der Kampagne „Friedensfähig statt erstschlagfähig“ setzen wir
    uns für ein Europa ohne Mittelstreckenraketen ein. Wohlwissend, dass diese
    Angriffswaffen mit äußerst destabilisierender Wirkung sind – beiderseits der Front. Als
    einer der Erstunterzeichner des Offenen Briefes an alle Kandidierenden zur
    Bundestagwahl 2025 habe ich Ende März an unserer ersten Demonstration in
    Wiesbaden teilgenommen – als einer von immerhin viertausend Aktivist*innen. Hier
    hoffen wir auch auf eure weitere Unterstützung! [9]
    >> Unter dem Dach des Bündnisses „Aktion Aufschrei – Stoppt den Waffenhandel!“
    haben sich weit mehr als hundert Organisationen zusammengefunden. Gemeinsam
    mit der DFG-VK, pax christi u.v.a.m. haben wir allen voran die Rüstungsexporte der
    Ampelkoalition in Krisen- und Kriegsgebiete und an menschenrechtsverletzende
    Staaten – wie beispielsweise Israel, die Türkei oder Saudi-Arabien – angeprangert.
    Wie wichtig unser weiteres Engagement ist, zeigt der katastrophale Koalitionsvertrag
    von CDU/CSU und SPD zum weiteren Abbau der ehedem zu laxen Kontrollen. Wir
    fordern: Die Große Koalition muss beim Koalitionsvertrag nachverhandeln – nicht nur
    bei der Rüstungsexportproblematik! [10]
    >> Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Untersuchungen von Erica Chenoweth und
    Maria J. Stephan, die bei der Columbia University Press mit dem vielversprechenden
    Titel Why Civil Resistance Works veröffentlicht worden sind, erschienen vor wenigen
    Monaten in deutscher Übersetzung im Nomos-Verlag erschienen.
    5
    Diese Forschungsergebnisse sind bis heute in der Wissenschaft wie auch in der
    Sicherheits-, Friedens- und Außenpolitik von enormer Relevanz. Dokumentieren sie
    doch unwiderlegt: Zivile, also nichtmilitärische Widerstandsformen waren und sind im
    Vergleich zum Einsatz militärischer Mittel im 20. und 21. Jahrhundert doppelt so häufig
    erfolgreich! [11]
    >> Das aus meiner Sicht Visionärste kommt zu guter Letzt: Beim
    RüstungsInformationsBüro RIB e.V. haben wir in Freiburg das Projekt „Vision bessere
    Welt“ ins Leben gerufen. In meinem aktuellen Mutmachbuch Wie Lichter in der Nacht.
    Menschen, die die Welt verändern präsentiere ich die ersten 24 Protagonistinnen und
    Protagonisten im erfolgreichen Einsatz für eine bessere Welt. Das Konzept für das
    weitaus umfassendere Multimediaprojekt zu Mutmachmenschen befindet sich im
    Aufbau. Bitte beteiligt euch, macht mit! [12]
    Visionen definieren und schrittweise realisieren!
    Liebe Friedensfreundinnen und Friedensfreunde,
    wir sehen: Die Friedensbewegung lebt. In diesen schwierigen Zeiten erhalten wir mehr
    Zuspruch als in den vergangenen Jahren – was uns sehr freut!
    Lasst uns also unseren Blick nach vorne wenden. Lasst uns mutig in die Zukunft
    blicken. Lasst uns unsere positiven Visionen definieren und den Weg zu ihrer
    Verwirklichung beschreiten!
    Lasst uns ein Deutschland schaffen, in dem tatsächlich alle Menschen gleich sind. In
    dem Respekt und Toleranz gelebt werden. In dem kein Mensch vor Verfolgung oder
    Armut bedroht ist! In dem Rechtsextremismus keine Stimme hat. In dem endlich wieder
    die Demokratie frei atmet.
    Lasst uns ein Europa schaffen, das weltoffen ist. Das Geflüchteten und politisch
    Verfolgten aus anderen Ländern einen sicheren Aufenthalt ermöglicht. Das ihre Kultur
    und Religion als Bereicherung empfindet. Das Kriegsdienstverweigern und
    Deserteuren – beispielsweise aus Russland, Weißrussland, der Ukraine und der
    Türkei – Schutz vor Verfolgung bietet.
    Last uns eine Welt schaffen, in der Armut, Analphabetentum und Hunger,
    Menschenrechtsverletzungen, Kriege und Bürgerkriege mit den Mitteln der
    Gewaltfreiheit, der Gerechtigkeit und der Nächstenliebe überwunden werden.
    Liebe Freundinnen und Freunde,
    unser Ziel ist die Zeitenwende der Zeitenende!
    Will die Menschheit in Zeiten existentiell gefährdender Kriege und der dramatisch
    voranschreitenden Klimakatastrophe überleben, müssen wir Destruktion und
    Dystopien mit aller Kraft entgegentreten. Indem wir unsere Visionen einer friedlichen
    und sozialen, gerechten und gesunden und damit besseren Welt Schritt für Schritt
    verwirklichen. Was wir dafür brauchen sind Optimismus und Mut – statt wüster
    Aufrüstungswut!
    6
    Deshalb müssen wir handeln! Mit aller Kraft – jetzt – handeln!
    Was wir brauchen, ist unbändiger Mut – statt wüster Aufrüstungwut!
    Ich wünsche uns allen die Zielstrebigkeit und Standhaftigkeit, um unsere wahrlich
    großen Ziele mit Optimismus und Lebensfreude zu verwirklichen!
    Vielen Dank
    Jürgen Grässlin
    __________________________
    Vita Jürgen Grässlin (Kurzfassung)
    ist laut SPIEGEL der „bekannteste Pazifist und Rüstungsgegner des Landes“. Er ist Sprecher der
    Kampagne „Aktion Aufschrei – Stoppt den Waffenhandel!“, Bundessprecher der Deutschen
    Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK), Aktivist der Kritischen
    Aktionär*innen Heckler & Koch sowie Vorsitzender des RüstungsInformationsBüros (RIB e.V.) mit den
    Projekten GLOBAL NET – STOP THE ARMS TRADE (GN-STAT) und VISION BESSERE WELT.
    Er ist Autor zahlreicher kritischer Sachbücher über Rüstungsexporte sowie Militär- und
    Wirtschaftspolitik, darunter internationale Bestseller. Zuletzt verfasste er seine Autobiografie
    Einschüchtern zwecklos. Unermüdlich gegen Krieg und Gewalt – Was ein Einzelner bewegen kann
    sowie Wie Lichter in der Nacht. Menschen, die die Welt verändern. Ein Mutmachbuch. Beide Bücher
    wurden im Heyne Verlag publiziert. 2025 finden weitere zahlreiche Lesungen statt.
    Grässlin wurde mit bislang zehn Preisen für Frieden, Zivilcourage, Menschenrechte und Medienarbeit
    ausgezeichnet, u.a. mit dem Aachener Friedenspreis, dem Menschenrechtspreis von Amnesty
    International und dem Grimme-Medienpreis.
    Kontakt: Tel.: 0049-761-7678208, Mob.: 0049-170-6113759; E-Mail: jg@rib-ev.de,
    j.graesslin@gmx.de, Website: www.juergengraesslin.de
    Quellen
    [1] https://www.evangelisch.de/inhalte/224854/25-12-2023/papst-franziskus-waffenindustrie-ist-
    drahtzieher-des-krieges und https://www.tagesschau.de/ausland/europa/papst-ostermesse-146.html
    [2] https://www.br.de/nachrichten/deutschland-welt/2-44-billionen-dollar-weltweite-militaerausgaben-
    auf-allzeithoch,UAdy4Uw
    [3] https://www.wiso.uni-hamburg.de/fachbereich-
    sowi/professuren/jakobeit/forschung/akuf/kriegsgeschehen2024.html
    [4] https://www.tagesschau.de/wissen/klima/klimawandel-copernicus-extremwetter-hitze-100.html
    [5] https://archiv.seemoz.de/lokal_regional/wen-interessieren-schon-die-klimaverbrechen-der-militaers/
    [6] Greenpeace-Studie: „Wann ist genug genug? Vergleich der Kräfte von NATO und Russland“; siehe
    https://www.greenpeace.de/frieden/kraeftevergleich-nato-russland
    [7] Neue Website der !FRIEDENSSTADT FREIBURG! siehe www.friedensstadt-freiburg.de; Kontakt:
    j.graesslin@friedensstadt-freiburg.de
    [8] „Europas Rolle für den Frieden in der Welt“, Konzept von „Sicherheit neu denken“ zum „Positiv-
    Szenario 2025 – 2040“ vom 01.01.2025; siehe
    https://www.sicherheitneudenken.de/media/download/variant/410614/positiv-szenario-europas-rolle-
    fuer-den-frieden-in-der-welt-01.01.2025.pdf
    7
    [9] „Friedensfähig statt erstschlagfähig. Für ein Europa ohne Mittelstreckenraketen“; siehe
    https://friedensfaehig.de/
    [10] Siehe https://aufschrei-waffenhandel.de/service/pressemitteilungen/2025/10042025-
    menschenrechte-vor-profit
    [11] Chenoweth, Erica und Maria J. Stephan: Warum ziviler Widerstand funktioniert. Die strategische
    Logik gewaltloser Konfliktbearbeitung, Baden-Baden 2024
    [12] RüstungsInformationsBüro, RIB e.V., siehe www.rib-ev.de und Buchtipp: Grässlin, Jürgen: Wie
    Lichter in der Nacht. Menschen, die die Welt verändern. Ein Mutmachbuch, München 2024


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    21.04.2025

    Videos vom Ostermarsch

    aus e-mail von Friedensbüro Hannover, 21. April 2025, 16:01 Uhr


    Liebe Friedensfreundinnen und -freunde,


    Für diejenigen, die nicht dabei sein konnten oder manches nicht mitgekriegt haben, hier der Zugang zu Videos von unserem Ostermarsch:


    Wir danken Kiumarz und Radio Flora für die ausführliche Dokumentation:


    https://radioflora.de/ostermarsch-hannover-2025-mit-frieden-gewinnen/ https://deref-gmx.net/mail/client/nxd9NqbuFEY/dereferrer/?redirectUrl=https%3A%2F%2Fradioflora.de%2Fostermarsch-hannover-2025-mit-frieden-gewinnen%2F

     

    Kürzer und auf die Aegidienkirche konzentriert auch bei be-happy-hannover: https://www.youtube.com/watch?v=e-E60dmvNTg .


    Herzliche Grüße

    Agnes

    Friedensbüro Hannover


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

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