Nachrichten von Pressenza: Für alle Frauen und Mädchen: wir brauchen eine Revolution der Art und Weise, wie unsere Spezies repräsentiert wird
aus e-mail von <newsletter@pressenza.com>, 17. März 2025, 7:15 Uhr
Nachrichten von Pressenza - 17.03.2025
Für alle Frauen und Mädchen: wir brauchen eine Revolution der Art und Weise, wie unsere Spezies repräsentiert wird
Wir leben in einer Zeit großer Umbrüche, geprägt von einer Krise aller menschlichen Tätigkeiten. Gleichzeitig beobachten wir in den letzten zehn Jahren, dass alte Streitigkeiten und Meinungsverschiedenheiten über territoriale, wirtschaftliche, ethnische und religiöse Fragen erneut aufleben, während die Menschenrechte und…
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Nicht kämpfen für mein Land
Heute hatte ich mit einer Neuerscheinung des Suhrkamp Verlags zu tun: „Warum ich niemals für mein Land kämpfen würde – Gegen die Kriegstüchtigkeit“ von Ole Nymoen. Und beinahe zwangsläufig – schlimm, dass sich auch mir bereits eine solche Frage stellt…
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Ein unter der Hand weiter gegebenes Memo enthüllt US-Reisebeschränkungen für Bürger aus 41 Ländern
Ein durchgesickertes Memo, das Reuters vorliegt und von Quellen bestätigt wird, die mit der US-Einwanderungsbehörde zusammenarbeiten, enthält eine Liste von Reisebeschränkungen, die Bürger aus 41 Ländern betreffen. Das Dokument teilt die Nationen in drei Gruppen ein, für die unterschiedliche Stufen…
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Pusteblumen-Flug: Ein Kinderbuch über die Gemeinwohl-Ökonomie
Die Pusteblume, die auch im Logo der Gemeinwohl-Ökonomie enthalten ist, steht symbolisch für das, was man wohl als Fundament der Bewegung bezeichnen kann. Ein Windstoß genügt und die vielen kleinen Samenschirmchen fliegen in die Welt hinaus, um wiederum neue Pflänzchen…
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Pushbacks mit Ansage: Polen beschließt Aussetzung des Asylrechts
Heute hat der polnische Senat einem Gesetz zugestimmt, das die vorübergehende Aussetzung des Asylrechts ermöglicht. An der Grenze zwischen Polen und Belarus soll ein Großteil der Schutzsuchenden keine Asylanträge mehr stellen können. PRO ASYL verurteilt das rechtswidrige Gesetz auf das…
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Neue EU-Sanktionen gegen russische Medien: Ein weiterer Angriff auf die Pressefreiheit
Am 24. Februar 2025 verhängte die Europäische Union neue Sanktionen gegen russische Medien. Acht Medienhäuser wurden verboten, und persönliche Beschränkungen für Journalisten sowie Medienmanager eingeführt. Der Journalistenverband Russlands reagierte umgehend mit einer Erklärung, in der er diese Maßnahmen als Verletzung…
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EGMR verurteilt Ukraine für Versäumnisse bei Odessa-Ausschreitungen 2014
Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat die Ukraine für ihr Versagen bei der Verhinderung und Aufarbeitung der schweren Ausschreitungen in Odessa am 2. Mai 2014 verurteilt. Das Gericht stellte fest, dass der ukrainische Staat gegen das Recht auf Leben…
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unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.
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Nicht kämpfen für mein Land
pressenza.com, 16.03.25 - Bobby Langer
Heute hatte ich mit einer Neuerscheinung des Suhrkamp Verlags zu tun: „Warum ich niemals für mein Land kämpfen würde – Gegen die Kriegstüchtigkeit“ von Ole Nymoen. Und beinahe zwangsläufig – schlimm, dass sich auch mir bereits eine solche Frage stellt – überlegte ich: Und du? Würdest du denn kämpfen für dein Land? Und wie „aus der Pistole geschossen“ kam die Antwort: nie und never. Nicht allzu sehr, aber doch überrascht fragte ich meine innere Stimme: Ja, warum denn nicht? Bist du etwa ein Defätist?
Nun gut, das Wort Defätist ist meinem Alter geschuldet. Es kann gut sein, dass die meisten Leser*innen dieses Textes nicht wissen, was damit gemeint ist bzw. war. Und das ist gar nicht gut, denn wenn man die Geschichte dieses Wortes kennt, versteht man so einiges, was an Zeitgeist momentan – von Unterschwelligkeiten begleitet – durch die öffentlichen Debatten geistert.
Die Bevölkerung auf bedingungslosen Durchhaltewillen einschwören
Das Fremdwort „Defätist“ leitet sich ab vom französischen défaite = Niederlage. Im Nationalsozialismus war es zunächst „nur“ ein Schimpfwort für Kriegsgegner, wurde aber bald strafrechtlich relevant. Wer sich kritisch oder mit pessimistischen Aussagen zum Krieg äußerte, konnte als Defätist verklagt werden. Defätisten wurden in der NS-Propaganda in eine Reihe mit Saboteuren, Spionen oder „Volksfeinden“ gestellt. Joseph Goebbels erklärte in einer Rede 1943 nach der Niederlage von Stalingrad: „Defätisten sind gefährlicher als feindliche Soldaten. Sie müssen mit aller Härte bekämpft werden!“ Dementsprechend verhängte der durch den Weiße-Rose-Prozess bekannt gewordene Nazi-Richter Roland Freisler etliche Todesurteile wegen Defätismus, damals auf Deutsch: Wehrkraftzersetzung. Zusammenfassend: Der Begriff diente dazu, jegliche Kritik am deutschen Militarismus im Keim zu ersticken und die Bevölkerung auf bedingungslosen Durchhaltewillen einzuschwören. Man kann davon ausgehen, dass sechs Jahre ununterbrochener Propaganda gegen Defätismus die Mentalität der Deutschen nachhaltig geprägt hat.
Der Begriff ist wegen seiner Nähe zur Nazi-Propaganda unbeliebt, und zugegeben, heute wird niemand mehr wegen kriegskritischer Meinungsäußerungen mit dem Tode bestraft; mit einem Verlust des öffentlichen Ansehens muss er oder sie freilich rechnen; möglicherweise auch mit Stimmverlusten bei der nächsten Landtags- oder Bundestagswahl. Angeführt habe ich diese Zusammenhänge, um zu zeigen, welche gefährlichen Unterströmungen in der Volksseele eventuell noch herrschen und für die rechte (!) Gesinnung sorgen, u. a. eben auch für den rechten Wehrwillen, an dem mittlerweile ja sogar Frauen teilnehmen dürfen (ein in diesem Zusammenhang besonderer intellektuell-ethischer Leckerbissen: die kämpfende und folglich auch tötende Schwangere).
Wo ist mein Land?
Aber zurück zu mir. Ja, ich bekenne mich zum Defätismus und bin schon gespannt, welche kleinen Freislers bei diesem Geständnis aufheulen werden. Rosa Luxemburgs Diktum, Freiheit sei immer die Freiheit des Andersdenkenden, gilt ja schon eine Weile nicht mehr; dass die freiheitliche Gesinnung der Sozialistin im Landwehrkanal endete, nimmt einen nicht wunder und würde inzwischen auch heute nicht mehr unbedingt erstaunen. Und dass das christliche Gebot der Feindesliebe hauptsächlich dann gilt, wenn grade kein Feind öffentlich definiert wird, ist ebenfalls offenkundig.
Kämpfen für mein Land: Wieso sollte ich das tun? Das beginnt schon mit dem Wort „Land“. Das war nämlich am 2. Oktober 1990 noch ein anderes als zwei Tage später. Und man braucht keinen Philosophen zu bemühen, um zu sagen, dass die BRD und das wiedervereinigte Deutschland zwei verschiedene Länder waren und sind. Solche mentalen Grenzverschiebungen kann man nahtlos zurückverfolgen: Was war mein Land vor dem 12. März 1938 und was war es nach dem sogenannten Anschluss Österreichs ans Deutsche Reich? Eine besonders delikate Frage: Was war mein Land zwischen dem 8. Mai 1945, dem Ende der Kampfhandlungen des Zweiten Weltkriegs, und dem 23. Mai 1949, dem offiziellen Gründungsdatum der Bundesrepublik Deutschland? War Deutschland in diesen vier Jahren „mein Land“? Vielleicht war dieses „Niemandsland“ das beste Deutschland, das es je gab? Oder war das 1871 gegründete Deutsche Reich „mein Land“ und Kaiser Wilhelm mein oberster Dienstherr? Über den Deutschen Bund oder das Heilige Römische Reich wollen wir gar nicht erst reden.
Ist mein Land „mein“ Land?
Ich habe das nicht angeführt, um den Begriff „Land“ – Deutschland oder welches auch immer – als Argument ad absurdum zu führen (obwohl ich das innerlich durchaus so empfinde), sondern um auf den schillernden Inhalt des Begriffes „Land“ aufmerksam zu machen. Das wird nicht besser, wenn ich zum Wort „Land“ allen Ernstes noch das Possessivpronomen hinzufüge: „mein Land“. Ich sehe nicht, wie und wo dieses Land das meine wäre. Tatsächlich lebe ich auf einem Grundstück von ca. 500 Quadratmetern, aber nicht einmal das gehört mir, sondern ist via Erbpacht auf 99 Jahre angemietet. Also: Wem gehört die Bundesrepublik Deutschland? Der EU? Der NATO? Irgendwelchen Kapitalisten? Genaugenommen „eigentlich“ niemandem, außer sich selbst – ganz gewiss aber nicht mir.
Betrachtet man sich die Besitzverhältnisse innerhalb dieses Staatsgebildes, dann gibt uns das Managermagazin diese zehn reichsten Deutschen bekannt: Dieter Schwarz (Lidl, Kaufland, geschätztes Vermögen 43,7 Milliarden Euro), Susanne Klatten und Stefan Quandt (BMW, geschätztes Vermögen derzeit „nur“ 34,4 Milliarden Euro), Familie Merck (Pharma- und Chemiekonzern, geschätztes Vermögen 33,8 Milliarden Euro), Familie Reimann (JAB Holding, geschätztes Vermögen 31,3 Milliarden Euro), Klaus-Michael Kühne (Logistik, Hotels und Lufthansa, geschätztes Vermögen 29,0 Milliarden Euro), Familien Albrecht und Heister (Aldi Süd, geschätztes Vermögen 27,0 Milliarden Euro), Familie Henkel (Konsumgüter, geschätztes Vermögen 24,6 Milliarden Euro), Familie Porsche (Automobilsektor, geschätztes Vermögen 19,3 Milliarden Euro, Familie Theo Albrecht junior und Familie Babette Albrecht (Aldi Nord, geschätztes Vermögen 18,9 Milliarden Euro), Andreas von Bechtolsheim (Netzwerktechnik, geschätztes Vermögen 17,7 Milliarden Euro).
Und Sie, können Sie wenigstens mit einer Milliarde punkten? Momentan geht man davon aus, dass fünf Prozent der Bevölkerung 50 Prozent des hiesigen Vermögens besitzen, Daumen mal Pi. Überwiegend würde ich also nicht für mein Land kämpfen, sondern dafür, dass diese fünf Prozent weiterhin 50 Prozent von Deutschland im Griff behalten dürfen. Dass ich darüber hinaus auch den Rüstungsexporteuren Rheinmetall, Krauss-Maffei Wegmann, Thyssenkrupp und Hensoldt zusätzliches Geld zuscheffeln würde, könnte ich an dieser Stelle glatt vergessen. Zusammenfassend und möglichst nüchtern formuliert: Dieses Land ist eher ihr Land als mein Land. Und ich denke mal, es ist kein abwegiger Gedanke, dass die erwähnten fünf Prozent ein Großteil ihres Vermögens außerhalb von Deutschland ins Trockene gebracht haben, ihnen also „unser Land“ ziemlich egal ist, solange die Kohle stimmt. Kleine Zusatzfrage: Wenn ich nun auswanderte, zum Beispiel nach Mexiko: Müsste ich dann dort auch für „mein Land“ sterben – oder für mein Geburtsland?
Um für diesen Staat bereit zu sein zu sterben, müsste ich mich tatsächlich 1:1 mit ihm identifizieren, so dass ich seine Bedrohung auch 1:1 als die meine empfände. Aber so ist es nun mal nicht, auch wenn mir das gerade als politisch korrektes Verhalten abgefordert ist (und im gegenteiligen Fall gerne abgestraft wird). Weder habe ich mir diesen Staat als Aufenthaltsort und Gegenstand meiner Identifikation ausgesucht noch seine Lenker und Nutznießer, die mich als nützlichen, abschlachtbereiten Idioten vor ihren Karren spannen wollen. Diese Rolle überlasse ich ihnen gerne.
Mein Land ist längst überflüssig
Zu alldem gibt es eine weitergreifende Überlegung dahingehend, dass der Nationalstaat angesichts der weltweiten, alle Menschen betreffenden Probleme wie Artensterben, Wald- und Bodenvernichtung, Trinkwasserknappheit und Erderwärmung wie ein Wurmfortsatz der Geschichte wirkt und definitiv nichts ist, wofür es sich zu kämpfen lohnt. Tatsächlich steht das Anhaften an „mein Land“ einer Lösung all dieser Probleme im Weg. Dennoch gibt es Autoren wie Leon Holly, der meint, im Zweifelsfall kämpfe er nicht „für“, sondern „gegen“. Sorry, aber das ist nun wirklich Quatsch. Ich halte dagegen: Im Zweifelsfall bedeutet mein Nichtkämpfen: da sein können für meine Kinder, meine Frau, meine Freunde, meine Enkel, meine Heimat (ein Begriff, den ich nur ungern Nationalisten überlasse). Bei einer gegenteiligen Entscheidung wäre die Wahrscheinlichkeit hoch, dass ich ganz einfach nicht mehr da wäre, die Befehlsgeber aber schon – auf beiden Seiten übrigens. Ein weiteres, auf den ersten Blick plausibles Pro-Kriegs-Argument lautet: Mein Kampf wäre ein Kampf für jene, die nicht kämpfen oder fliehen können, die Alten, Schwachen, die Kinder, Ausländer ohne Pass. Auch das ist eine realitätsfreie Theorie; denn nur ohne Krieg haben diese Bevölkerungsgruppen eine gute Überlebenschance; das heißt: Sobald ich kämpfe, trage ich aktiv zu deren Vernichtung bei.
Und zum Schluss ein ganz defätistischer Gedanke: Ob ein Krieg stattfindet oder nicht, entscheidet nicht das Volk, das gestatten sich immer nur ein paar Leute. Das sind aber keine Clan-Häuptlinge, die sich in der vordersten Linie in den Kampf werfen, sondern Schreibtischtäter mit der üblen Gewohnheit, die von ihnen angezettelten Kriege zu überleben. Das ist nur das eine; das andere ist: Würde ich in den Krieg ziehen, dann zöge ich im Endeffekt diesen (oder solchen) Menschen zuliebe in den Krieg. Erst wenn mir ihre Kriegspropaganda ausreichend einleuchtet, erst wenn sie auch meine Seele erobert und meinen (Über-)Lebenswillen gelähmt haben, dann bin ich bereit, pro patria mori – fürs Vaterland zu sterben. Aber sind diese Menschen, ja ist nur ein einziger dieser Konsorten so integer, so vorbildlich, ein so menschlich großes Vorbild, dass ich bereit wäre, für sie oder ihn zu sterben? Mir ist keine*r bekannt. Aber vielleicht kommt das ja noch.
Wofür würde ich kämpfen?
Zu guter Letzt: Gibt es denn gar nichts, wofür ich kämpfen würde? Genau weiß man das natürlich erst, wenn es so weit wäre; aber ich nehme mal an, wenn es ganz konkret um das Leben meiner Familie und Freunde – vielleicht sogar meiner Nachbarn – ginge und ich sie nicht anders retten könnte, wäre ich zum Kampf bereit – wie jedes Lebewesen; nicht aber, wenn mir jemand von dieser Bedrohung nur erzählt. An Märchen glaube ich schon länger nicht mehr. Kämpfen würde ich – vielleicht oder wahrscheinlich – gegen einen physisch wahrnehmbaren Angreifer, der mir offenkundig lebensgefährlich Böses will. Die Soldaten des Feindes sind aber solche Angreifer grundsätzlich erst einmal nicht. Bob Dylan hat das so formuliert: Like a dog on a chain | He ain’t got no name | But it ain’t him to blame | He’s only a pawn in their game. Wie ein Hund an der Kette | Er hat keinen Namen | Aber es ist nicht seine Schuld | Er ist nur ein Bauer in ihrem Spiel. (übersetzt m. Deepl.) Und genau das will ich nicht sein: a pawn in the game – ein Bauer im Schachspiel der Großen. Die wollen nichts weiter als ihre Interessen durchsetzen, strategische Positionen erringen, ihre Territorien erweitern, an Rohstoffe herankommen etc.; dafür wird auch gerne und im großen Stil gelogen, um den Kampfeswillen der Bevölkerung effektvoll anzuheizen. Mein Befinden, meine Person, mein Lebenswille, mein Freundeskreis und meine Kinder sind ihnen schnurzegal. Mich für dieses Egalsein, für meine Schachfigurenrolle abschlachten zu lassen, finde ich nicht nur inakzeptabel, sondern auf menschlicher Ebene geradezu erniedrigend, und zwar für jede*n von uns. Wer das mag, der soll es tun, und die Eltern, die bereit sind, ihre Kinder verheizen zu lassen, sollen sie an die Schlachtbank führen, ich jedenfalls werde nicht kämpfen für mein Mutterland. Und meine Kinder und Enkel hoffentlich auch nicht.
Bild von Albrecht Fietz auf Pixabay | CC0
Info: https://www.pressenza.com/de/2025/03/nicht-kaempfen-fuer-mein-land
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16.03.25 - Rédaction Montréal
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Teilnehmerinnen während einer Sitzung zum Thema "Frauen an der Macht und in Entscheidungsfindung: Aufbau einer anderen Welt". Die Veranstaltung, die vom 27. bis 28. Februar in Santiago stattfand, war eine der wichtigsten Beijing+20-Veranstaltungen, die 2015 weltweit organisiert wurden. (Foto: UN Women/Carolina Sainz)
Wir leben in einer Zeit großer Umbrüche, geprägt von einer Krise aller menschlichen Tätigkeiten. Gleichzeitig beobachten wir in den letzten zehn Jahren, dass alte Streitigkeiten und Meinungsverschiedenheiten über territoriale, wirtschaftliche, ethnische und religiöse Fragen erneut aufleben, während die Menschenrechte und besonders die Rechte von Mädchen und Frauen nicht weiter vorangekommen sind.
Obwohl es in den vergangenen Jahren die größte Anzahl von Wahlen in der jüngsten Geschichte gegeben hat, gab es in mehr als 107 Ländern noch nie eine Frau an der Spitze des Staates. 2024 hatten Frauen nur 27 Prozent der Sitze in Nationalparlamenten und 35,5 Prozent der Sitze in Landesregierungen inne.
Die politische Teilhabe von Frauen ist entscheidend für eine gut funktionierende Demokratie. Ihre Einbindung ist eine Frage der Gerechtigkeit und ein wichtiger Faktor für die Herausbildung einer effektiveren Staatsführung. Es hat sich gezeigt, dass eine größere Beteiligung von Frauen an der Politik dazu beiträgt, die Gesetzgebung zu entscheidenden Themen wie Gesundheit, Bildung, Kinderbetreuung, Infrastruktur und Beendigung von Gewalt gegen Frauen voranzubringen, und Mädchen dafür zu gewinnen, eine Hochschulausbildung und Karrierechancen anzustreben.
Dennoch fehlen in allen Regionen der Welt die Stimmen der Frauen bei den Entscheidungsfindungen.
Noch immer zu wenige Frauen in Entscheidungsgremien
Die deutlichste Lücke in der politischen Vertretung von Frauen findet man auf den höchsten Ebenen der Macht. Heute werden lediglich 27 Länder von einer Frau geführt, ein leichter Anstieg gegenüber gerade mal 18 Ländern vor zehn Jahren, und 107 Länder hatten überhaupt noch nie eine Frau an der Spitze.
Weltweit werden in den Regierungen nur 23 Prozent der Ministerien von Frauen geleitet, und lediglich in 15 Ländern sind die Regierungen paritätisch mit Frauen und Männern besetzt. In 141 Ländern stellen Frauen weniger als ein Drittel der Ministerposten und in 7 Ländern sind überhaupt keine Frauen in den Regierungen vertreten. Schreitet die Entwicklung so weiter wie bisher, wird die Geschlechterparität auf Regierungsebene nicht vor 2077 erreicht werden!!
Weltweit liegt der Anteil von Frauen in den Parlamenten bei 27 Prozent, und eine Parität wird voraussichtlich erst in 39 Jahren erreicht werden.
Auf Kommunalebene stellen Frauen seit 2024 35,5 Prozent der gewählten Mitglieder.
Hindernisse für die politische Teilhabe von Frauen
Obwohl das Recht der Frauen auf politische Teilhabe seit Jahrzehnten durch internationale Vereinbarungen wieder und wieder bekräftigt wird – unten anderem in der Aktionsplattform von Peking und in den Zielen für nachhaltige Entwicklung – hinkt die Umsetzung hinterher, da weltweit Hindernisse bezogen auf die politische Führung durch Frauen bestehen bleiben.
Nachteilige Standards und geschlechtsspezifische Gewalt behindern die politischen Rechte von Frauen, und von den Medien verbreitete Stereotypen halten die Vorstellung aufrecht, dass Frauen in geringerem Maße seriöse und kompetente Führungskräfte sind als Männer.
Online-Todesdrohungen, Vergewaltigungen und körperliche Gewalt gegen Frauen in der Politik und im öffentlichen Leben sind erschreckend normal geworden, und die Zunahme von künstlicher Intelligenz könnte das Ausmaß und die Tragweite eines solchen Online-Missbrauchs weiter verstärken.
Als in Jordanien, Libanon, Nepal, Palästina und Tunesien von UN Women Umfragen unter Amtsinhaberinnen in Gemeinderäten durchgeführt wurden, machten die an der Umfrage Teilnehmenden deutlich, dass psychische Gewalt die am weitesten verbreitete Form der Belästigung sei, der sie ausgesetzt sind, gefolgt von sexueller und wirtschaftlicher Gewalt – bei letzterem z.B. die Verweigerung des Zugangs zu Ressourcen wie Gehältern, Büroräumen und Einrichtungen. Amtsträgerinnen berichteten, dass sie am häufigsten in den Einrichtungen der Gemeindeverwaltungen, in denen sie tätig waren, auf Belästigung stießen, wobei es darüber hinaus zu Vorfällen in ihren Gemeinden und zu Hause kam.
Weitere Hindernisse sind der Widerstand der politischen Parteien gegen die Aufnahme von Frauen als Führungskräfte und als Kandidatinnen, sowie die „Winner-takes-all“-Wahlsysteme, die es Frauen erschweren, gleichberechtigt gegenüber Männern anzutreten.
Frauen haben verglichen mit Männern auch oft weniger Zugang zu den Ressourcen, die für ein erfolgreiches Antreten für eine Parteinominierung oder eine Kandidatur für eine Wahl erforderlich sind. Dazu gehört auch der begrenzte Zugang zu Finanznetzwerken und politischer Schirmherrschaft. In Entwicklungsländern kann das Unvermögen die selbst nur geringen Gebühren für die Registrierung von Kandidaten aufzubringen, Frauen von der Teilnahme am Wahlprozess ausschließen.
Fünf Maßnahmen, die Regierungen ergreifen können, um die politische Beteiligung von Frauen zu erhöhen.
Jede Wahl bietet die Möglichkeit, die Teilhabe von Frauen zu fördern, und die Geschlechtergleichstellung und die Rechte der Frauen voranzubringen. Die folgenden Maßnahmen können zu einer nachhaltigen Veränderung beitragen:
- Einführung von Sondermaßnahmen, wie gesetzlich vorgeschriebene Geschlechterquoten und geschlechterparitätische Anstellungen.
Weltweit hat sich gezeigt, dass Gesetze zu Geschlechterquoten die Teilhabe von Frauen wirksam verbessern. In Ländern mit vorgeschriebenen Parlamentsquoten verfügen Frauen im Durchschnitt über 26% der Parlamentssitze, verglichen mit nur 21% in Ländern ohne solche Quoten. In gleicher Weise ist in Ländern mit gesetzlichen Quoten für Kommunalwahlen der Frauenanteil um durchschnittlich sieben Prozentpunkte höher als in Ländern ohne solche Quoten.
Das Potenzial der Quoten wird jedoch oft nicht voll ausgeschöpft, da die Zielvorgaben hierfür häufig unter 50% liegen und die Umsetzungsmechanismen lückenhaft und schwach sind. Während 94 Länder Geschlechterquoten für Parlamente eingeführt haben, hat nur ein Fünftel dieser Länder eine Zielvorgabe von 50% für die Teilhabe von Frauen festgelegt.
- Beendigung von Gewalt gegen Frauen in der Politik
Gewalt hindert Frauen an der Ausübung ihrer Rechte auf Teilhabe am politischen und öffentlichen Leben, und hat weitreichende Konsequenzen für Gesellschaften: sie zersetzt öffentliche Institutionen, schwächt politische Ergebnisse, hemmt den Fortschritt für Frieden und Entwicklung. Die Regierungen müssen Gesetze und Richtlinien erlassen und durchsetzen, um Gewalt während der Wahlen und darüber hinaus zu verhindern, Täter zur Rechenschaft zu ziehen, und den Zugang zur Justiz und zu Dienstleistungen für die Opfer auszubauen. Um besser gegen Online-Gewalt gegen Frauen in der Politik vorgehen zu können, sollten die Regierungen Daten über solche Belästigungen erheben und Medien- und Social-Media- Unternehmen zur Verantwortung ziehen.
- Zusicherung der Gleichstellung von Wählerinnen, politischen Kandidatinnen und Wahlleiterinnen.
Wahlleitungsgremien und andere relevante Interessengruppen sollten einheitliche Richtlinien und Verhaltensvorgaben entwickeln und umsetzen, die Nichtdiskriminierung, Integrität, Transparenz, Gewaltfreiheit und Streitschlichtung fördern. Um das Wahlrecht der Frauen aufrechtzuerhalten, müssen Regierungen die Wählerregistrierung erleichtern, für die Sicherheit in den Wahllokalen sorgen und Frauen vor Nötigung oder Einschüchterung schützen. Das Einbeziehen von Frauen in die Wahlleitung verbessert die Inklusivität und Glaubwürdigkeit von Wahlen und ermutigt mehr Frauen dazu, zur Wahl zu gehen.
- Unterstützung von Kandidatinnen und einer repräsentativen Entscheidungsfindung
Die Regierungen müssen in Programme investieren, die die Befähigungen von Kandidatinnen ausbaut, um deren Führungs- und Wahlkampfkompetenzen zu entwickeln, und sie müssen die Wahlkampffinanzierung regulieren, um gezielt Mittel für weibliche Kandidaten bereitzustellen. Die Regierungen sollten eine Regelung der Wahlkampffinanzierung in Betracht ziehen, um die politischen Parteien dazu zu bringen, gezielt Mittel für weibliche Kandidaten und ihren Wahlkampf bereitzustellen. Dieses Vorgehen würde dazu beitragen, die Finanzierungslücke zu schließen und eine gleichberechtigte Teilhabe an der Politik voranzubringen.
- Unterstützung einer gerechten und transparenten Medienberichterstattung über die politische Teilhabe von Frauen
Gesetze, die die Wahlberichterstattung regeln, sind unerlässlich für die Regulierung von Wahlprozessen und die Gewährleistung der Beteiligung einer informierten Öffentlichkeit. Solche Gesetze sollten eine ausgewogene Vorstellung aller Kandidat:innen gewährleisten, allen politischen Parteien Zugang zu den Medien garantieren, Hassreden und zu Gewalt anstiftende Reden verbieten, Geschlechterstereotypen und Diskriminierung entgegenwirken, und vor Gewalt gegen Frauen und gegen andere unterrepräsentierte Gruppen schützen. Darüber hinaus sollte eine unabhängige Kontrolle dieser Vorschriften eingeführt werden, in Verbindung mit entsprechenden Strafen bei Verstößen.
Die Ausgestaltung des Repräsentationsraums (2)
In dem Buch „Vom Monkey Sapiens zum Homo Intentional“ erklärt Silvia Swinden, wie Menschen in die Struktur der Welt eingebettet sind, und sie betont, dass ein Bewusstsein nur entwickelt werden kann, wenn man sich des Repräsentationsraums und seiner unterschwelligen Mechanismen bewusst wird.
Kurzum, sie erklärt, wie der Raum der Repräsentation unsere Wahrnehmungen und unsere Weltanschauung beeinflusst und bestimmt. Tatsächlich ist die den Frauen gesetzte Begrenzung klar festgelegt durch die Ausformung des Repräsentationsraums, welcher durch patriarchale Herrschaft und Machtpyramiden geprägt ist. Diese haben den Repräsentationsraum der Menschen jahrtausendelang ausgeformt und bestimmte Eigenschaften und Tugenden der Hälfte der Menschheit verdeckt. Das hat dazu geführt, dass menschliche Bestrebungen und die Entscheidungsfreiheit der Frauen blockiert werden.
Zwar trugen die Forderungen der Frauen in den 1960er Jahren dazu bei, die vielfältigen Formen der Unterdrückung zu bekämpfen, mit denen sie seit Jahrhunderten konfrontiert wurden. Aber heute ist es dennoch hauptsächlich die Ausformung dieses Repräsentationsraums, die diese Verhinderung der Teilhabe von Frauen an der Politik verursacht hat.
Außerdem schränkt das Lahmlegen von bestimmten Eigenschaften bei der Hälfte der menschlichen Spezies die schöpferischen Fähigkeiten des in der Welt Seins der gesamten menschlichen Gattung ein.
Diese Art der Zurichtung von Frauen und Männern auf eine ganz bestimmte Art und Weise des Seins in der Welt schränkt sie in ihren Entwicklungsmöglichkeiten ein. Kurzum, die seit Jahrtausenden bestehende Subjekt-Bewusstsein-Weltstruktur von Männern und Frauen begrenzt die Möglichkeiten, den Repräsentationsraums zu erweitern um die zunehmend komplexeren Aufgaben und Sachverhalte der jetzigen Zeit bewältigen zu können.
Wir sind dabei, unsere Welt zu verlassen und zu anderen Planeten zu gehen, wir sind dabei, eine künstliche Intelligenz zu schaffen, die unsere eigene Intelligenz weit übertreffen wird.
Aber seit Jahrtausenden schleppen wir Verhaltensweisen und -formen mit uns herum, die zu einer Kette von Aktionen und Reaktionen führen, welche für die Hälfte der Menschheit Diskriminierung zur Folge hat. Diese Aktionen und Reaktionen fesseln unsere Sinne, unser Gedächtnis und unser Bewusstsein an Situationen, die unsere eigenen Fähigkeiten einschränken, sie sind Determinismus.
Dieser Determinismus bedingt unsere Wahrnehmungen und unser Weltbild und erzeugt Formen und Darstellungen, die in eine andere Zeit gehören. Vielleicht ist es an der Zeit, sich auf Lösungen zu konzentrieren und herauszufinden, wie genau dieser Determinismus überwunden werden kann, damit wir den Raum der Repräsentation als Spezies vergrößern und diesen dunklen historischen Augenblick hinter uns lassen können.
(1) Die Berechnung von UN Women basiert auf Angaben der Ständigen Delegationen bei den Vereinten Nationen (Stand: 16. August 2024). Länder mit monarchischen Systemen sind bei der Zählung der Staatsoberhäupter nicht berücksichtigt.
(2) Raum der Repräsentation: ist eine Art mentaler Bildschirm, auf den Bilder projiziert werden, die aus Sinnesreizen, Gedächtnisreizen und der Aktivität des Bewusstseins entstehen. Er dient nicht nur als Projektionsfläche, sondern entsteht aus sämtlichen inneren Darstellungen der kinästhetischen Wahrnehmung. Der Raum der Darstellung besitzt ein Volumen und eine Tiefe, die es uns ermöglicht, je nach Position des Bildes herauszufinden, ob die Phänomene aus der Innen- oder der Außenwelt stammen. (Quelle: Amman, 2024,S.281).
Quelle: UN Women
Die Übersetzung aus dem Englischen wurde von Doris Fischer vom ehrenamtlichen Pressenza-Übersetzungsteam erstellt. Wir suchen Freiwillige!
unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.




Video 
Quelle: AP © Ludovic Marin






