Diese Website verwendet nur technisch notwendige Cookies.
30.06.2025

Nachrichten von Pressenza: Die USA haben ein Ramstein-Problem

aus e-mail von <newsletter@pressenza.com>, 30. Juni 2025, 7:30 Uhr


Nachrichten von Pressenza - 30.06.2025


Die USA haben ein Ramstein-Problem


Rede David Swanson, World BEYOND War, bei einer Demonstration in der Nähe der Ramstein Air Base in Deutschland, 28. Juni 2025. Wo ich in den Vereinigten Staaten lebe, bedanken sich die Kommentatoren manchmal, wenn man sich ein Sportspiel im Fernsehen&hellip;

https://www.pressenza.net/?l=de&track=2025/06/die-usa-haben-ein-ramstein-problem/


 -----------------------


Krieg ist das Schlimmste, was es auf der Welt gibt.


Krieg ist das Schlimmste, was es auf der Welt gibt. Es ist das verrückteste Verhalten, das Menschen an den Tag legen können. Das zerstörerischste. Das traumatischste. Das am wenigsten nachhaltige. Das für das Gedeihen der Menschheit am wenigsten förderliche. Die&hellip;

https://www.pressenza.net/?l=de&track=2025/06/krieg-ist-das-schlimmste-was-es-auf-der-welt-gibt/


 -----------------------


Pressenza - ist eine internationale Presseagentur, die sich auf Nachrichten zu den Themen Frieden und Gewaltfreiheit spezialisiert hat, mit Vertretungen in Athen, Barcelona, Berlin, Bordeaux, Brüssel, Budapest, Buenos Aires, Florenz, Lima, London, Madrid, Mailand, Manila, Mar del Plata, Montreal, München, New York, Paris, Porto, Quito, Rom, Santiago, Sao Paulo, Turin, Valencia und Wien.


unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

30.06.2025

Rezension: Industriels et banquiers français sous l’occupation    
Annie Lacroix-Riz untersucht die Kollaboration der Führungsspitzen der französischen Wirtschaft mit den deutschen Besatzern in den Jahren von 1940 bis 1944. Es ging um Profite in einem geeinten Europa unter deutscher Führung.

german-foreign-policy.com, 30. Juni 2025

Anfang September 1941 stellten einige der einflussreichsten Industriellen und Bankiers des deutsch besetzten Frankreichs ihre Haltung zu den Plänen des NS-Reichs für die Neuordnung des europäischen Kontinents klar. Auf einem Treffen mit einem hochrangigen deutschen Wirtschaftsfunktionär in Paris meldete sich nach einleitenden Worten von Pierre Pucheu, einem Mann der Wirtschaft, der kurz zuvor zum Innenminister des Vichy-Regimes ernannt worden war, Henri Ardant zu Wort. Der Chef der mächtigen Société Générale erklärte im Einvernehmen mit Pucheu und anderen französischen Unternehmern, man setze entschlossen auf Deutschlands Vorstellungen für Europa, nicht zuletzt darauf, dass unter Berliner Führung „die Zollgrenzen beseitigt und eine einheitliche Währung für Europa geschaffen“ würden. Die Stellungnahme sei bemerkenswert, hieß es anschließend in einem streng vertraulichen Bericht eines deutschen Teilnehmers – umso mehr, als Ardant gegenwärtig als „der erste und bedeutendste der französischen Bankiers“ gelten müsse. Aus dem Bericht zitiert in ihrem umfassenden, nun in einer neu überarbeiteten zweiten Auflage publizierten Werk „Industriels et banquiers français sous l’occupation“ („Französische Industrielle und Bankiers während der Besatzungszeit“) die französische Historikerin Annie Lacroix-Riz.

Um die bereitwillige Kollaboration eines Großteils der französischen Industriellen und Bankiers mit der deutschen Besatzungsmacht in den Jahren von 1940 bis 1944 zu verstehen, muss man ihre Vorgeschichte kennen. Die Kollaboration reicht, so schildert es Lacroix-Riz im Einleitungskapitel zu „Industriels et banquiers“, und so hat sie es ausführlich in ihrem Werk Le choix de la défaite beschrieben [1], bis in die 1920er und die 1930er Jahre Jahre zurück. Das war die Zeit, in der französische Konzerne die Absprachen und die Kooperation mit deutschen Konzernen intensivierten – und dabei oft genug eine klare deutsche Führung akzeptierten, zuweilen auch Märkte preisgaben wie etwa Schneider-Creuzot, als 1938/39 Skoda, ein Kronjuwel des Konzernimperiums in der Tschechoslowakei, an die Reichswerke Hermann Göring ging. Hinzu kam, dass Teile der französischen Industriellen und Bankiers, durch ihre Frontstellung gegen die Linke im eigenen Land inspiriert, auf der Suche nach politischen Alternativen schon in den 1920er Jahren nach Italien und ab 1933 dann auch ins Deutsche Reich blickten. „Hitler wird in Frankreich Ordnung schaffen“, gab sich zum Beispiel Georges Lang gewiss, Präsident der Druckerei Curial-Archereau und Mitglied des 1935 gegründeten französischen Comité France-Allemagne, das für die Annäherung an Nazideutschland eintrat.

 

Die gleichsam offiziöse Geschichtsschreibung zum französischen Umgang mit der deutschen Okkupation lautet, das Vichy-Regime habe dem Reich Akzeptanz verschafft; alle anderen, die Wirtschaft inklusive, hätten sich dem zwar letztlich gefügt, dies allerdings nur widerstrebend. Das stellt die Dinge, wie Lacroix-Riz überzeugend nachweist, von den Füßen auf den Kopf. Mit Verweis auf die kraftvollen Stimmen unter den französischen Industriellen und Bankiers, die bereits vor 1940 eine enge Kollaboration mit dem Reich forderten, hält sie trocken fest: „Man leistet einem Besatzer, den man gerufen und installiert hat, keinen Widerstand.“ Rasch, sogar rascher als die Politik, gingen französische Konzerne daran, sich den Vorstellungen der NS-Führung von der Neuordnung Europas unterzuordnen, von der sie sich in mehrfacher Hinsicht Vorteile versprachen. Es ging nicht nur um kurzfristigen Profit wie zum Beispiel die Möglichkeit zum Raub jüdischen Vermögens im Rahmen der sogenannten Arisierung. Es ging auch darum, das Geschäft langfristig zu steigern. Für diejenigen, die kollaborierten, war die Okkupationszeit eine Ära „guter Profite“, wie Lacroix-Riz konstatiert: Das Kapital der großen Banken verdoppelte oder verdreifachte sich; der Pharmakonzern Théraplix konnte die Profite vervierfachen; die Börsenwerte zahlreicher Unternehmen schnellten nach oben und erreichten bis zum Sechsfachen ihres Vorkriegswerts.

 

Wie bereitwillig französische Konzernherren dabei mit deutschen Konzernen kollaborierten, zeigt exemplarisch das Unternehmen Kuhlmann, das bereits in den 1920er Jahren angefangen hatte, mit der IG Farben zu kooperieren. Der Plan der IG Farben habe im Sommer 1940 darin bestanden, „die französische Industrie zu verpflichten, für die Kriegsmaschinerie der Nazis zu arbeiten“, zitiert Lacroix-Riz aus Aussagen eines deutschen Insiders. Über Kuhlmann wiederum heißt es in einem Bericht eines anderen Insiders, das Unternehmen habe im August 1940 angeboten, „sich voll und ganz in den Dienst Deutschlands zu stellen, um das Chemiepotenzial für die Fortsetzung des Kriegs gegen Großbritannien zu stärken“. Es sei bereit, für die IG Farben „sämtliche Vor- und Hilfsprodukte herzustellen“, die „von deutscher Seite gewünscht“ würden, hieß es weiter. Man wünsche „eine intime Zusammenarbeit“, ja, nichts Geringeres als die gezielte „Integration der französischen Industrie in die europäische Wirtschaft unter einer deutschen Führung“.

 

Dass die französischen Industriellen und Bankiers skeptisch wurden, nachdem die deutsche Niederlage bei Stalingrad die Gesamtniederlage des Reichs und seiner Kollaborateure hatte erahnen lassen, und dass einige französische Kollaborateure so langsam daran zu denken begannen, ihre Fühler in Richtung USA auszustrecken, zum mutmaßlichen Sieger also, steht auf einem anderen Blatt. Frankreich fand denn auch nach dem Zweiten Weltkrieg seinen Platz letztlich in einem Europa wieder, das sich – den Aggressor und Verlierer des Weltkriegs, Deutschland, inklusive – unter dem Einfluss der USA zusammenzuschließen begann. Wie die USA ihre Hegemonie mit Hilfe des Marshall-Plans durchsetzten – gestützt vor allem auf Deutschland, einen bedeutenden Auslandsstandort ihrer Konzerne, Frankreich gezielt in den Prozess einbeziehend –, das hat Lacroix-Riz in ihrem Werk „Les origines du plan Marshall“ beschrieben.[2] Mit der soeben erschienenen überarbeiteten zweiten Auflage der „Industriels et banquiers français sous l’occupation“ hat die emeritierte Professorin für Zeitgeschichte an der Université Paris-Diderot (Paris-VII) ein Kernstück ihres herausragenden Gesamtwerks neu vorgelegt.

 

[1] S. dazu Rezension: Le choix de la défaite.

[2] S. dazu Rezension: Les origines du plan Marshall.

 

Annie Lacroix-Riz: Industriels et banquiers français sous l’Occupation. Préface d’Alexandre Jardin. Dunod. Malakoff 2025. 1224 Seiten. 13,90 Euro.


Info: https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/10035


unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

29.06.2025

Nach dem NATO-GipfelFrieden schaffen mit immer mehr Waffen?

deutschlandfunk.de, 30. Juni 2025, 10:08 Uhr, Heinlein, Stefan 

Beim NATO-Gipfel haben die 32 Mitgliedsstaaten das größte Aufrüstungspaket seit dem Kalten Krieg beschlossen. Fünf Prozent ihres Bruttosozialproduktes investieren sie künftig in Sicherheit und Verteidigung. Ein Entschluss, der für viel Kritik sorgt.



Audio herunterladen  https://download.deutschlandfunk.de/file/dradio/2025/06/30/kontrovers_nach_dem_nato_gipfel_aufruesten_um_jeden_preis_dlf_20250630_1008_4a442422.mp3  Dauer 11:11:42 h


Info: https://www.deutschlandfunk.de/kontrovers-100.html


unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

29.06.2025

Antipersonenminenverbot: Warum EU-Staaten austreten

aus e-mail von Doris Pumphrey, 29. Juni 2025, 18:58 Uhr


_RTDE 29.6.2025


_*Warum EU-Staaten aus dem Abkommen über Antipersonenminenverbot austreten


*/Von Polina Duchanowa/


Polens Sejm, die Unterkammer des Parlaments, hat über einen Austritt des

Landes aus dem Ottawa-Abkommen über das Verbot von Antipersonenminen

abgestimmt. Der Gesetzentwurf wurde von 413 Abgeordneten unterstützt, 15

stimmten dagegen, drei weitere enthielten sich.


Władysław Kosiniak-Kamysz, Polens stellvertretender Ministerpräsident

und Verteidigungsminister, hat vor der Abstimmung zu einer Annahme des

Dokuments aufgerufen und behauptet, dass Einschränkungen durch das

Abkommen angeblich die Landesverteidigung behindern würden.


Inzwischen soll das Gesetz vom Senat bestätigt und später vom

Präsidenten unterzeichnet werden. Anschließend wird das Dokument der UNO

überreicht und nach sechs Monaten tritt die Aufkündigung des Abkommens

in Kraft, berichten polnische Medien.


*Unter willkommenem Vorwand*


Das Übereinkommen über das Verbot des Einsatzes, der Lagerung, der

Herstellung und der Weitergabe von Antipersonenminen und über deren

Vernichtung war am 3. Dezember 1997 in Ottawa unterzeichnet worden. Mit

der Zeit traten dem Abkommen über 160 Länder bei. Russland, die USA und

China gehören nicht dazu.


Polen unterzeichnete das Dokument im Jahr 1997, ratifizierte es aber

erst 2012. Am 1. Juni 2013 trat die Konvention für das Land in Kraft. Im

Rahmen ihrer Umsetzung vernichtete Warschau innerhalb von drei Jahren

seine sämtlichen Vorräte an Antipersonenminen. Wie das Portal /WNP/

anmerkt, verfügt Polen noch über Panzerabwehrminen, die nicht vom

Ottawa-Abkommen erfasst werden.


Im März 2025 empfahlen die Verteidigungsminister Polens, Estlands,

Lettlands und Litauens ihren Ländern, aus dem Abkommen auszutreten. In

ihrer gemeinsamen Erklärung hieß es, dass in den jüngsten Jahren die

militärische Bedrohung für Staaten, die an Russland und Weißrussland

grenzen, angeblich erheblich zugenommen habe. In dem Dokument, das auf

der Webseite des litauischen Verteidigungsministeriums veröffentlicht

wurde, heißt es:


/"Im Lichte dieser instabilen Lage im Bereich der Sicherheit, die von

Russlands Aggression verursacht wurde, und der Bedrohung, die es

weiterhin für die euroatlantische Gemeinschaft darstellt, ist es

notwendig, alle Maßnahmen zur Stärkung unseres Potenzials im Hinblick

auf Eindämmung und Verteidigung zu erwägen."/


Die Verteidigungsminister stimmten damit überein, dass es "äußerst

wichtig" sei, den Streitkräften ihrer Staaten "Flexibilität und

Wahlfreiheit im Hinblick auf die Nutzung neuer Waffensysteme und

Lösungen zur Stärkung der verwundbaren Ostflanke der Allianz" zu gewähren.


Litauens Verteidigungsministerium betonte zudem, dass Antipersonenminen

ein effektives und vergleichsweise billiges Verteidigungsmittel seien.


Als erstes von den vier Ländern verabschiedete Lettland ein Gesetz über

den Austritt aus dem Ottawa-Abkommen. Der Präsident des Landes, Edgars

Rinkēvičs, unterzeichnete das Gesetz Ende April. Im Erklärungsschreiben

zum Dokument heißt es, dass es für Lettland wichtig sei, "die

Flexibilität eigener Aktionen nicht einzuschränken". Die lettische

Nachrichtenagentur /Delfi /zitiert das Schreiben weiter:


/"Nach Einschätzung Lettlands stärken ungesteuerte Antipersonenminen in

Verbindung mit anderen Minen und Waffensystemen die

Verteidigungsfähigkeit, die durch alternative Lösungen nicht zu ersetzen

ist."/


Im Mai trat Litauen aus der Konvention aus. Dafür stimmten 107

Abgeordnete des Parlaments des Landes, nur drei waren gegen einen

Austritt. Litauens Verteidigungsministerium merkte damals an, dass ein

Austritt aus dem Abkommen angeblich einer Stärkung von

Eindämmungsmitteln dienen und die "Gegenmobilitätsmaßnahmen" der Armee

erhöhen werde.


In Estland wurde ein Gesetz über den Austritt aus dem Abkommen im Juni

unterzeichnet. Der Präsident Alar Karis bestätigte das vom Parlament der

Republik zuvor bewilligte Dokument.


Auf das Baltikum folgte Finnland. Ebenfalls im Juni trat das Parlament

des Landes mit einer Mehrheit von 157 Stimmen für eine Aufkündigung des

Ottawa-Abkommens ein. Dagegen stimmten 18 Abgeordnete.


Bemerkenswerterweise hatte Norwegen zuvor Helsinkis Entscheidung

verurteilt. Der norwegische Außenminister Espen Barth Eide sagte in

einem Interview an /Reuters /im April, dass dieser Schritt in Oslo für

Bedauern sorge. Demnach habe Norwegen keine Absicht, dem Beispiel seiner

Nachbarn zu folgen, weil es ihn für äußerst gefährlich halte.

Antipersonenminen verstümmeln und töten Menschen noch lange Zeit nach

dem Ende des Konflikts, bemerkte er. Der Minister betonte, dass die

Verteidigung des Landes nicht geschwächt werden wird, wenn die Politik

in dieser Hinsicht unverändert bleibe.


Indessen wertete

<https://www.telegraph.co.uk/news/2025/06/24/lithuania-iron-curtain-landmines-europe/

/The Telegraph /die Aktionen der fünf NATO-Staaten als eine Absicht,

einen "Eisernen Vorhang" an der Grenze zu Russland und Weißrussland

niederzulassen. Die Zeitung schrieb am 24. Juni:

/"Durch ganz Europa, von Lappland im Norden Finnlands bis zur

Woiwodschaft Lublin im Osten Polens wird sich bald ein explosiver

Eiserner Vorhang ziehen."/


Heute seien die genannten Staaten bereit, zu Waffenarten zurückzukehren,

die einst undenkbar waren, so der Bericht weiter. Die britischen

Journalisten schreiben:

/"Wenn nötig, werden sie die ruhigen Kiefer- und Birkenwälder entlang

ihrer Grenzen mit Millionen von Minen füllen – einer Waffe, die zuvor

als so schrecklich galt, dass die Mehrheit der Länder versuchte, sie für

immer zu verbieten."/


Die anstehende großflächige Rückkehr von Minensperren nach Europa zeugt

von einem stillschweigenden Ende der internationalen Kampagne zum Verbot

solcher Waffen, stellt /The Telegraph /fest. Und das, obwohl die Folgen

der Platzierung solcher Minen sehr lange währen können. Die Zeitung

erinnert:

/"Im Jahr 2023 kamen weltweit mindestens 2.000 Menschen durch Minen ums

Leben, von denen 84 Prozent Zivilisten waren. Ein Viertel der Toten sind

Kinder. Diese Waffen bleiben weiterhin eine Bedrohung in Ländern wie

Angola, wo der Bürgerkrieg vor 20 Jahren endete, Kambodscha,

Afghanistan, Bosnien und Herzegowina."/


Zuvor hatte Moskau gewarnt, dass Russland vor dem Hintergrund des

Austritts Polens und der baltischen Länder aus dem Abkommen

militärtechnische Maßnahmen zur eigenen Verteidigung ergreifen werde.

Die Sprecherin des Außenministeriums, Maria Sacharowa, erklärte auf

einer Pressekonferenz am 20. März:


/"Die aktiven Bemühungen Polens und der baltischen Länder zum Austritt

aus dem Abkommen werden unweigerlich zu einer weiteren Eskalation in

Europa und einer Degradation der Lage im Bereich der regionalen und

internationalen Sicherheit führen. Wir werden Gegenmaßnahmen ergreifen,

um die nationale Verteidigung und Sicherheit zu gewährleisten,

einschließlich militärtechnischer."/


*Der Weg der Eskalation*


Experten merken an, dass Polen, die baltischen Länder und Finnland

weiterhin vorsätzlich die militärische Hysterie vorantreiben, um

Behauptungen von einer angeblichen Bedrohung durch Russland als

geeigneten Vorwand für eine beschleunigte Militarisierung zu nutzen.

Solche Rhetorik ist nach Meinung der Analytiker längst zum Teil der

innen- und außenpolitischen Strategie dieser Staaten geworden.


Warschau beschreitet den Weg der Erhöhung der Konfrontation nicht wegen

eines Überflusses an politischen Optionen, sondern wegen deren Fehlens,

meint der leitende wissenschaftliche Mitarbeiter des Europainstituts der

Russischen Akademie der Wissenschaften, Nikolai Meschewitsch. In einem

Gespräch mit /RT /erklärte er:


/"Sie verfolgen den Weg der Eskalation und der militärischen Hysterie

aus einem einfachen Grund – sie haben keinen anderen Ausweg mehr. Das

heißt, es gab eine Periode, in der man hätte etwas auswählen können,

und jetzt haben sie eine Situation, die in der Managementtheorie

wohlbekannt ist, in der die Gesamtheit der früher getroffenen

Entscheidungen ihre aktuellen Schritte bestimmt."/


In Bezug auf die Risiken des Austritts einiger NATO-Länder aus dem

Ottawa-Abkommen und ihrer Absicht, die Grenzen zu Russland und

Weißrussland zu verminen, betonte Meschewitsch: "Für Russland stellt

dies keine Bedrohung dar." Er fügte hinzu:


/"Die Mine ist eine Verteidigungswaffe. Berücksichtigt man, dass

Russland keine polnischen Territorien braucht, schafft Warschau eine

Bedrohung nur für die eigenen Bürger, wenn es plant, die Grenze zu

verminen. Sollten die Polen das gesamte Polen mit einer Dichte von zehn

Minen pro Quadratmeter verminen, werden es ausschließlich Probleme der

Polnischen Republik und nicht Russlands sein."/


Seinerseits interpretiert der Politologe Juri Bondarenko die

Entscheidung des polnischen Sejms und die Anstrengungen der NATO-Länder

zum Anheizen der Kriegshysterie meinungsstark als "Schizophrenie". Nach

seiner Ansicht wälzt Warschau die eigenen wirtschaftlichen Fehler auf

Moskau herab und heizt gleichzeitig russophobe Stimmungen an. In einem

Kommentar gegenüber /RT/ sagte er:


/"All das wird getan, um nicht die Hauptfrage zu beantworten: Wozu

sollte Russland Polen angreifen? Kein Pole, unabhängig von seinen

Ansichten, kann diese Frage beantworten."/

Insgesamt sei die von Polen und seinen Nachbarn gewählte Politik bloß

"heiße Luft". Bondarenko erklärt:

/"Wichtig ist nur, dass sich diese Ausfälle nicht in reale Aktionen

verwandeln, die die Region destabilisieren könnten."/


Jewgeni Semibratow, stellvertretender Leiter des Instituts für

strategische Studien und Prognosen der Russischen Universität der

Völkerfreundschaft, bemerkte in einem Gespräch mit /RT/, dass

gegenwärtig ganz Europa die Kriegshysterie anheize und die Beziehungen

zu Russland eskaliere. Der Experte erklärte:


/"Sie brauchen Gründe für ihre Aufrüstung. Daher nehmen die europäischen

Eliten heute eine inadäquate Stellung im Verhältnis zu Russland ein.

Inadäquat ist sie daher, weil es gefährlich ist, mit der größten

Atommacht 'Eskalation' zu spielen. Doch Europa verschließt davor die

Augen und führt ihre Politik in bester Tradition Brüssels."/


Nach Semibratows Ansicht führt der von Russlands europäischen Nachbarn

gewählte Weg der Konfrontation und der Errichtung eines neuen eisernen

Vorhangs zu einer Herabsetzung der regionalen und internationalen

Sicherheit. Er schlussfolgert:


/"Solche Initiativen sind als Teil einer großen Vorbereitung auf eine

potenzielle militärische Konfrontation zu betrachten. Daher sind die

Warnzeichen, die vonseiten der westlichen Staaten kommen, ernst zu

nehmen, vor allem, wenn sie beginnen, auf Errungenschaften im Bereich

Abrüstung zu verzichten. Darauf sollte mit der Ausarbeitung der

entsprechenden militärtechnischen Lösungen reagiert werden."/


unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

29.06.2025

Weltweite US-Dollar-Flucht

aus e-mail von Doris Pumphrey, 29. Juli 2025, 16:13 Uhr


_RTDE 29.6.2025


_*Weltweite US-Dollar-Flucht: Was plant Trump?


*Viele erachten die bereits laufende De-Dollarisierung als einen allzu

langen Abschied von der bisherigen Weltreservewährung. Was wäre aber,

wenn die US-Dollar-Flucht System hätte? Ihr Prozess von den USA selbst

angeleitet im kontrollierten Chaos Donald Trumps?


/Von Elem Chintsky/


Das OMFIF (Official Monetary and Financial Institutions Forum) hat eine

neue Studie veröffentlicht

<https://www.omfif.org/global-public-investor-2025/>, in der praktisch

jede Zentralbank der Welt zu ihrer Geldpolitik befragt wurde. Betrachtet

man die erhobenen Daten, so scheint alles auf einen weiteren Trend der

De-Dollarisierung und Entkopplung von der US-Währungsvormacht

hinzudeuten. Von den 75 Zentralbanken und 15 Staatsfonds haben insgesamt

70 Prozent erklärt, dass sie aufgrund der politischen Lage in den USA –

gemeint sind die Trump-Administration und ihre bisherigen

Entscheidungen – nicht weiter in den US-Dollar investieren. Noch bei

derselben Art Befragung letztes Jahr, als Joe Biden die USA führte, lag

dieser Prozentsatz bei 31 Prozent.


Dieses Leitmotiv eines "Trump, der einzig und allein an allem schuld

ist", wird im Verlauf des Artikels noch weiter vertieft. Jedenfalls

planen außerdem 32 Prozent der Befragten, ihre Goldinvestitionen in den

nächsten zwölf bis 24 Monaten zu erhöhen – ein Vorhaben, das eindeutig

mit der Prognose korreliert, dass Gold bald einen Wert von

3.500 US-Dollar pro Unze erreichen wird. Denn ein Fünftel der befragten

Institutionen erwartet diesen Anstieg. Mehr als die Hälfte ist

überzeugt, dass die weltweite Ausnahmestellung des US-Marktes enden

wird. Demnach ist unter den Befragten eine zumindest unterschwellige

Erwartungshaltung gegenüber einer nahenden Multipolarität zu vernehmen.


Im vergangenen April bezeichnete

<https://www.economist.com/finance-and-economics/2025/04/13/a-flight-from-the-dollar-could-wreck-americas-finances

der britische /Economist/ diese institutionelle Flucht vor dem US-Dollar

als Vorboten für den Kollaps des US-Finanzsystems. Für eine mögliche

Prognose ist eine nicht allzu weit entfernte historische Referenz bei

Japan zu suchen. In den 1990er-Jahren sah sich das Land der aufgehenden

Sonne ebenfalls mit einer Währungskrise konfrontiert – obendrein waren

der Staatsanleihen- und Aktienmarkt von enormem Vertrauensverlust bei

Investoren geplagt. Alle Marktteilnehmer haben sich der zuvor

jahrelangen, fiebrigen Spekulationspirale bis zum Ende hin nicht

entziehen können – ein vernünftiger, geregelter Rückzug wurde damals

verpasst. Staatsanleihen wurden bei einem parallel starken Anstieg der

Renditen nicht mehr weiter akquiriert, was sich insgesamt in einem zu

hohen Risiko äußerte. Anders als damals in Japan – als die Finanzkrise

eher regionalen Charakter einnahm – würden die vollkommen überbewerteten

Preisblasen der US-geführten Vermögenswerte in den verschiedenen Zweigen

des staatlichen und privaten Finanzsektors weltweite Erschütterungen

auslösen.


Der /Economist/ sprach von "weitaus katastrophaleren Folgen". Der

US-Haushalt ist bereits in einem desaströsen Zustand. Historisch

ermöglichte die (weltweit psychologisch angetriebene) Nachfrage nach dem

US-Dollar und den US-Staatsanleihen der Pax Americana, "auf Pump zu

leben". Nach dem Zweiten Weltkrieg und noch bis vor Kurzem galten diese

weltweit als sichere Wertanlagen, die an den wirtschaftlichen Erfolg der

USA gekoppelt waren. Im Jahr 2024 haben die USA jedoch mehr für die

Zinsen ihrer Staatsschulden ausgegeben als zum Beispiel für die ohnehin

(auch spezifisch im NATO-Vergleich) großzügig finanzierte

Landesverteidigung.


Die Regierung müsste im nächsten Jahr Schulden in Höhe von rund neun

Billionen (9.000.000.000.000) US-Dollar tilgen. Anders gesagt handelt es

sich hierbei um 30 Prozent des US-Bruttoinlandsproduktes. "Müsste" ist

hier als Konjunktiv angebracht, da es kaum jemanden gibt, der die

Überzeugung hegt, die USA würden 2026 knapp ein Drittel ihres BIPs

einzig für die Begleichung der Zinsen auf ihre Staatsschulden

aufbringen. Die Verlockung ist weitaus höher, darauf zu hoffen, dass das

Ausland weiter hörig diese US-Schulden bei sich hält – entgegen allen

Indizien, dass dies als langfristige Investitionsstrategie beginnt

aufzufliegen beginnt. Selbst die Zinsen und Zinseszinsen will man

irgendwie outsourcen, jedoch wird der Binnenmarkt für US-Staatsanleihen

zunehmend schmaler und ihre einst enthusiastischen Abnehmer immer

trotziger und skeptischer.


Wie bereits angedeutet, wird die rasant wachsende Skepsis unter den

staatlichen und privaten Akteuren weltweit fälschlicherweise auf die

unberechenbare Politik der Trump-Administration zurückgeführt. Das

greift viel zu kurz. Obwohl man durchaus den Führungsstil Donald Trumps

als hochemotional, widersprüchlich und chaotisch bewerten kann, sollte

nicht vergessen werden, dass die Gründe für die geldpolitischen

US-Systemprobleme einen langen Anlauf und eine reich dokumentierte

Historie hatten. Sie wurden sowohl von den US-Demokraten als auch von

den US-Republikanern ignoriert, hingenommen und für persönlichen Gewinn

ausgeschlachtet. Trump und die Tatsache, dass er überhaupt US-Präsident

werden konnte, sind Symptome dieser langfristigen Versäumnisse, die

vorsätzlich aufrechterhalten wurden und soziopolitische Unzufriedenheit

generiert haben, die daraufhin als politisches Kapital von Trump

eingelöst wurden.


Mittlerweile ist es schwierig zu behaupten, dass dieses große Thema des

US-Defizits verschwiegen wird. /CNBC/ hat jüngst den US-amerikanischen

Investor und Milliardär Ray Dalio zum Gespräch geladen

<https://www.cnbc.com/2025/04/13/billionaire-ray-dalio-im-worried-about-something-worse-than-a-recession.html>.

Dalio warnte offen, dass "wir uns gerade in der Entscheidungsphase

befinden und kurz vor einer Rezession stehen. Aber ich befürchte, dass

es noch Schlimmeres als eine Rezession geben könnte, wenn wir die

Situation nicht richtig angehen". Der wohlhabende Experte Dalio sagt

aber nicht konkret, wie das Problem "richtig angegangen" werden müsste.

Er erkennt das wachsende US-Schuldenproblem zwar an, setzt es aber

konkret in Verbindung mit Trumps chaotischer Zollpolitik, was den Wert

des US-Dollar gefährde. Das ist mittlerweile bekannt, obwohl der

Währungswert schon vorher statistisch nachgewiesen über viele Jahre

fiel – lange vor Trump. Wirklich zufriedenstellende Ansätze gibt es

nicht von den Menschen, die sich jahrzehntelang an genau diesem

manipulierbaren System bereichert haben. Für sie wäre das Problem schon

gelöst, wenn doch nur wieder ein Demokrat oder gemäßigter Republikaner

im Weißen Haus Platz nehmen würde. Eine Lösung oder Synthese, die hinter

den Kulissen versucht wird, ist zum großen Teil in der US-Außenpolitik

zu suchen – in den Krisenherden in Israel, Iran und der Ukraine.


Denn in der zyklischen Dialektik geopolitischer Konfrontationen weltweit

ist Trumps zweite Präsidentschaft wohl eine strategisch platzierte

Epoche, an der sich der bisherige neoliberal-globalistische Status quo

künstlich abreiben soll. Die Funken, die daraus entstehen, sind das

Echtzeit-Medienspektakel, das jeder am Fernseher oder Mobilgerät

verpflichtet ist, emotional aufgeladen zu verfolgen. Zu diesem Status

quo gehört natürlich auch das globale, US-dominierte Geldsystem

(entweder seit der Bretton-Woods-Konferenz 1944, oder zumindest seit

Richard Nixons Abschaffung des Goldstandards 1971), das Trump unter

horrenden Geburtswehen reformieren oder sogar detonieren lassen soll.


Während der archetypische Trump-Feind ("Trump derangement syndrome" –

TDS) sich mit dem archetypischen Trump-Befürworter ("Trump vindication

syndrome") ein sinnloses Duell über fabrizierte Politika geben, wird im

Hintergrund an der Einführung einer vollkommen neuen, digitalen (zum

großen Teil auf der Bitcoin-basierten Blockchain-Technologie

errichteten) Finanzinfrastruktur gearbeitet. Apropos Trump, Bitcoin und

US-Staatsschulden: Trump selbst liebäugelte in der Vergangenheit mit dem

Potenzial von Bitcoin und anderen Kryptowährungen – besonders im

Hinblick <https://www.binance.com/en/square/post/16576911976402>auf eine

mögliche rasante Tilgung großer Teile der US-Staatsschulden.


Trump wird zum Teil als ein Strohmann eingesetzt, der aufgestellt wurde,

um alle am Diskurs Beteiligten glaubhaft spalten zu können und in der

gemeinen Bevölkerung für Verwirrung zu sorgen. Wer stellt den

mächtigsten Mann der Welt so auf – wenn auch über verzweigte Umwege?

Vielleicht eine finanzielle Institution, die mit souveräner Immunität

agiert und keinem anderen Gremium auf der Welt juristisch untergeordnet

und Rechenschaft schuldig ist? Vielleicht die Bank für Internationalen

Zahlungsausgleich (BIZ)? Diese ist nämlich auch "die Chefin" fast aller

der 75 Zentralbanken (darunter auch die US-amerikanische Fed als größter

Anteilseigner der BIZ), die an der oben analysierten Umfrage

teilgenommen hat. Es kann mit Sicherheit behauptet werden, dass die BIZ

eine entscheidende Rolle beim neuen Bitcoin- und CBDC-basierten

Geldsystem spielen wird.


Demnach wird im Hintergrund eine kontrollierte Demontage des klassischen

US-Dollar-Einflusses weltweit vorangetrieben. Die Alternative wäre ein

"Weiter so" wie unter George W. Bush und Barack Obama, bis irgendwann

eine sich jeglicher Kontrolle entziehende Zersprengung des US-Imperiums

eintreten würde. Man sollte auch die jüngsten US-Luftangriffe auf Iran

nicht nur unter der These der "Vernichtung oder Schwächung des

iranischen Nuklearprogramms" betrachten. Zumal zum Erfolg dieser

Einsätze von der Trump-Administration, den US-Geheimdiensten und der

iranischen Seite einige widersprüchliche Aussagen getätigt werden. Warum

ist genau zur Zeit der Angriffe auf Irans drei Standorte die

Bitcoin-Hashrate – die Rechenleistung des weltweiten BTC-Netzwerks – um

ganze 20 Prozent abgestürzt

<https://www.ctol.digital/news/us-airstrikes-iran-knock-out-bitcoin-mining-digital-vulnerability/>?

Bitcoin Mining beziehungsweise Bitcoin-Schürfen ist in Iran seit dem

Jahr 2019 legalisiert – seitdem ist das Land maßgeblich an der

Gestaltung des Bitcoin-Netzwerks beteiligt. Womöglich entsprangen die

Luftangriffe der Bitcoin-Verehrer im Trump-Lager auch einem anderen

strategischen Beweggrund. Zum Beispiel der fossil angetriebenen

Stromnetz-Infrastruktur Irans, die das dortige Bitcoin Mining mit

billiger Energie speist?


Die USA und ihre engsten Verbündeten haben einen letzten Vorteil als

Noch-Hegemonen, sofern sie aufmerksam geblieben sind. Sie haben

potenziell die Macht der Rückschau, die das schmerzhafte Eingeständnis

liefern könnte, dass ihr unipolares Imperium unmissverständlich vor dem

Ausklang steht. Ausklänge lassen sich aber in ihren Anfängen durchaus

regulieren und auf dem Weg nach unten begleiten – sofern der freie Fall

noch nicht eingetreten ist. Genau diese letzten Schachzüge finden

geldpolitisch gerade statt, werden aber unter der falschen –

beziehungsweise mit nicht-demokratischer Absicht platzierter – Dialektik

einer Feindseligkeit zwischen dem "rechtskonservativ-nationalistischen

Trump-Lager" und den "pluralistischen, neoliberalen LGBTQ-Globalisten"

gegeneinander ausgespielt.


Mit dem ermächtigenden Mandat

<https://consortiumnews.com/2025/06/06/palantirs-value-soars-with-dystopian-spy-tool-that-will-centralize-data-on-americans/>,

das Trump dem einstigen CIA-Sorgenkind Palantir Technologies und seinen

zionistischen Gründern Alex Karp und Peter Thiel gegeben hat, ist klar,

dass auch er an einer einheitlichen, technokratischen Zukunft arbeitet.

Kommt nach Trump wieder ein liberaler US-Demokrat an die Macht, wird

dieser diesen spezifischen Prozess eifrig, unbeirrt und

parteiübergreifend weiterführen. Das angloamerikanische Establishment

hofft in der gegenwärtigen Partie mit dem BRICS-Block auf ein

Erniedrigungen meidendes "Remis". Danach wird die nächste sich über

Jahrzehnte ziehende Schachpartie beginnen, welche ein neuartiges,

technokratisches und deshalb digital-drakonisches Geldsystem innehaben wird.


unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

29.06.2025

Es war Befehl, gezielt auf unbewaffnete Palästinenser in Gaza zu schießen, die auf humanitäre Hilfe warteten.

Screenshot_2025_06_30_at_14_52_40_Befehl_auf_unbewaffnete_Zivilisten_zu_schiessen.png.webp_WEBP_Grafik_900_523_Pixel_
  «Ein Feld der Morde: Den Soldaten des IDF wurde befohlen, auf unbewaffnete Menschen aus Gaza, die auf die humanitäre Hilfe warteten, zu schießen.» Die Headline in der israelischen Zeitung Haaretz (Screanshot).

globalbridge.ch29. Juni 2025 Von: in Militär, Politik

Offiziere und Soldaten der israelischen Streitkräfte (IDF) berichteten der israelischen Zeitung Haaretz, sie hätten den Befehl erhalten, auf unbewaffnete Menschenmengen in der Nähe von Lebensmittel-Verteilungsstellen in Gaza zu schießen, selbst wenn keine Gefahr bestand. Hunderte Palästinenser wurden getötet. – Hier der übersetzte Bericht aus Haaretz.

Israelische Soldaten in Gaza berichteten Haaretz, dass die Armee im vergangenen Monat absichtlich auf Palästinenser in der Nähe von Hilfsverteilungsstellen geschossen habe.

Gespräche mit Offizieren und Soldaten zeigen, dass Kommandeure den Truppen befahlen, auf Menschenmengen zu schießen, um sie zu vertreiben oder zu zerstreuen, obwohl klar war, dass sie keine Gefahr darstellten.

Ein Soldat beschrieb die Situation als völligen Zusammenbruch der ethischen Grundsätze der israelischen Streitkräfte in Gaza.

Nach Angaben des von der Hamas geführten Gesundheitsministeriums in Gaza wurden seit dem 27. Mai 2025 549 Menschen in der Nähe von Hilfszentren und in Gebieten getötet, in denen Bewohner auf UN-Lebensmittelwagen warteten. Über 4.000 wurden verletzt, aber die genaue Zahl der durch IDF-Feuer getöteten oder verletzten Personen ist weiterhin unklar.

Haaretz hat erfahren, dass der Generalstaatsanwalt der Streitkräfte den «Fact-Finding Assessment Mechanism» des Generalstabs der IDF – ein Gremium, das Vorfälle mit möglichen Verstößen gegen das Kriegsrecht untersucht – angewiesen hat, mutmaßliche Kriegsverbrechen an diesen Orten zu untersuchen.

In einer Erklärung, die nach der Veröffentlichung dieses Berichts veröffentlicht wurde, wiesen Premierminister Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Israel Katz die Vorwürfe als „Blutverleumdungen” zurück.

Die Hilfszentren der Gaza Humanitarian Foundation (GHF) nahmen Ende Mai ihren Betrieb im Gazastreifen auf. Die Umstände der Gründung der Stiftung und ihrer Finanzierung sind unklar: Es ist bekannt, dass sie von Israel in Abstimmung mit US-Evangelikalen und privaten Sicherheitsfirmen ins Leben gerufen wurde. Ihr derzeitiger Geschäftsführer ist ein evangelikaler Führer, der US-Präsident Donald Trump und dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu nahesteht.

Die GHF betreibt vier Lebensmittelverteilungsstellen – drei im Süden Gazas und eine im Zentrum –, die von der IDF als „Schnellverteilungszentren“ (Mahpazim) bezeichnet werden. Sie sind mit amerikanischen und palästinensischen Mitarbeitern besetzt und werden von der IDF aus einer Entfernung von mehreren hundert Metern gesichert.

Täglich kommen Tausende, manchmal Zehntausende von Gazanern, um an diesen Stellen Lebensmittel abzuholen.

Entgegen den ursprünglichen Versprechungen der Stiftung verläuft die Verteilung chaotisch, wobei Menschenmassen sich auf die Stapel von Kisten stürzen. Seit der Eröffnung der Schnellverteilungszentren hat Haaretz 19 Schießereien in deren Nähe gezählt. Die Identität der Schützen ist zwar nicht immer klar, doch die IDF lässt ohne ihr Wissen keine bewaffneten Personen in diese humanitären Zonen.

Die Verteilungszentren sind in der Regel nur eine Stunde lang am Morgen geöffnet. Nach Angaben von Offizieren und Soldaten, die in diesen Gebieten im Einsatz waren, schießt die IDF auf Menschen, die vor der Öffnungszeit eintreffen, um sie daran zu hindern, sich zu nähern, oder nach Schließung der Zentren, um sie zu vertreiben. Da einige der Schießereien nachts – vor der Öffnung – stattfanden, ist es möglich, dass einige Zivilisten die Grenzen des ausgewiesenen Bereichs nicht sehen konnten.

„Es ist ein Schlachtfeld“, sagte ein Soldat. „Wo ich stationiert war, wurden jeden Tag zwischen einem und fünf Menschen getötet. Sie werden wie eine feindliche Streitmacht behandelt – keine Maßnahmen zur Kontrolle der Menschenmenge, kein Tränengas – nur scharfe Schüsse mit allem, was man sich vorstellen kann: schwere Maschinengewehre, Granatwerfer, Mörser. Sobald das Zentrum öffnet, hört das Schießen auf, und sie wissen, dass sie sich nähern können. Unsere Form der Kommunikation sind Schüsse.“

Der Soldat fügte hinzu: „Wir eröffnen früh am Morgen das Feuer, wenn jemand aus einigen hundert Metern Entfernung versucht, sich in die Schlange zu stellen, und manchmal stürmen wir sie einfach aus nächster Nähe. Aber es besteht keine Gefahr für die Streitkräfte.“ Ihm zufolge „ist mir kein einziger Fall von Gegenfeuer bekannt. Es gibt keinen Feind, keine Waffen.“ Er sagte auch, dass die Aktivitäten in seinem Einsatzgebiet als „Operation Salted Fish“ bezeichnet werden – der Name der israelischen Version des Kinderspiels „Rot, grün, gelb“. 

IDF-Offiziere sagten gegenüber Haaretz, dass die Armee weder der Öffentlichkeit in Israel noch im Ausland erlaubt, Aufnahmen von den Vorgängen rund um die Lebensmittelverteilungsstellen zu sehen. Ihnen zufolge ist die Armee davon überzeugt, dass die Operationen der GHF einen vollständigen Zusammenbruch der internationalen Legitimität für die Fortsetzung des Krieges verhindert haben. Sie glauben, dass es der IDF gelungen ist, Gaza in einen „Hinterhof“ zu verwandeln, insbesondere seit Beginn des Krieges mit dem Iran

„Gaza interessiert niemanden mehr“, sagte ein Reservist, der diese Woche einen weiteren Einsatz im nördlichen Gazastreifen absolvierte. „Es ist ein Ort mit eigenen Regeln geworden. Der Verlust von Menschenleben bedeutet nichts. Es ist nicht einmal ein ‚unglücklicher Vorfall’, wie sie früher sagten.” 

Ein Offizier, der im Sicherheitsdienst eines Verteilungszentrums tätig ist, beschrieb die Vorgehensweise der IDF als zutiefst fehlerhaft: „Mit der Zivilbevölkerung zu arbeiten, wenn die einzige Möglichkeit der Interaktion darin besteht, das Feuer zu eröffnen, ist, gelinde gesagt, höchst problematisch”, sagte er gegenüber Haaretz. „Es ist weder ethisch noch moralisch akzeptabel, dass Menschen unter Panzerbeschuss, Scharfschützen und Mörsergranaten eine [humanitäre Zone] erreichen oder nicht erreichen können.“ 

Der Offizier erklärte, dass die Sicherheit an den Standorten in mehrere Ebenen unterteilt ist. Innerhalb der Verteilungszentren und des „Korridors“, der zu ihnen führt, befinden sich amerikanische Arbeiter, und die IDF darf in diesem Bereich nicht operieren. Eine weitere, äußere Ebene bilden palästinensische Aufseher, von denen einige bewaffnet sind und der Abu Shabab-Miliz angehören.

Der Sicherheitsbereich der IDF umfasst Panzer, Scharfschützen und Mörser, deren Aufgabe laut dem Offizier darin besteht, die Anwesenden zu schützen und die Verteilung der Hilfsgüter sicherzustellen.

„Nachts geben wir Schüsse ab, um der Bevölkerung zu signalisieren, dass dies eine Kampfzone ist und sie sich nicht nähern dürfen“, sagte der Offizier. „Einmal“, erzählte er, „hörten die Mörser auf zu schießen, und wir sahen, wie sich Menschen näherten. Also nahmen wir das Feuer wieder auf, um ihnen klar zu machen, dass sie nicht näher kommen durften. Am Ende landete eine der Granaten auf einer Gruppe von Menschen.“ 

In anderen Fällen, sagte er, „feuerten wir mit Maschinengewehren aus Panzern und warfen Granaten. Es gab einen Vorfall, bei dem eine Gruppe von Zivilisten getroffen wurde, als sie unter dem Schutz des Nebels vorrückte. Das war nicht beabsichtigt, aber solche Dinge passieren.“ 

Er wies darauf hin, dass es bei diesen Vorfällen auch Tote und Verletzte unter den IDF-Soldaten gab. „Eine Kampfbrigade hat nicht die Mittel, um mit der Zivilbevölkerung in einem Kriegsgebiet umzugehen. Mörsergranaten abzufeuern, um hungrige Menschen fernzuhalten, ist weder professionell noch human. Ich weiß, dass sich unter ihnen Hamas-Kämpfer befinden, aber es gibt auch Menschen, die einfach nur Hilfe erhalten wollen. Als Land haben wir die Verantwortung, dafür zu sorgen, dass dies sicher geschieht“, sagte der Offizier. 

Der Offizier wies auf ein weiteres Problem der Verteilungszentren hin – ihre mangelnde Konsistenz. Die Bewohner wissen nicht, wann die einzelnen Zentren öffnen, was den Druck auf die Standorte erhöht und zur Gefährdung der Zivilbevölkerung beiträgt.

Ich weiß nicht, wer die Entscheidungen trifft, aber wir geben der Bevölkerung Anweisungen und halten uns dann entweder nicht daran oder ändern sie“, sagte er.

„Anfang dieses Monats gab es Fälle, in denen wir darüber informiert wurden, dass eine Nachricht herausgegeben worden war, wonach das Zentrum am Nachmittag öffnen würde, und die Menschen kamen früh am Morgen, um als Erste an der Essensausgabe zu sein. Weil sie zu früh kamen, wurde die Verteilung an diesem Tag abgesagt.“

Auftragnehmer als Sheriffs

Nach Angaben von Kommandanten und Kämpfern sollte die IDF einen sicheren Abstand zu palästinensischen Wohngebieten und Lebensmittelverteilungsstellen einhalten. Die Aktionen der Streitkräfte vor Ort stehen jedoch nicht im Einklang mit den Einsatzplänen.

„Heute erhält jeder private Auftragnehmer, der in Gaza mit Baumaschinen arbeitet, 5.000 Schekel [etwa 1.500 Dollar] für jedes Haus, das er abreißt“, sagte ein erfahrener Kämpfer. „Sie verdienen ein Vermögen. Aus ihrer Sicht ist jeder Moment, in dem sie keine Häuser zerstören, ein Verlust von Geld, und die Streitkräfte müssen ihre Arbeit sichern. Die Auftragnehmer, die wie eine Art Sheriffs agieren, zerstören entlang der gesamten Front, wo immer sie wollen.“ 

Infolgedessen, fügte der Kämpfer hinzu, bringt die Zerstörungskampagne der Auftragnehmer sie zusammen mit ihren relativ kleinen Sicherheitskräften in die Nähe von Verteilungsstellen oder entlang der Routen, die von Hilfsgüter-Lkw genutzt werden.

Um sich zu schützen, kommt es zu Schießereien, bei denen Menschen getötet werden“, sagte er. „Das sind Gebiete, in denen sich Palästinenser aufhalten dürfen – wir sind näher gekommen und haben entschieden, dass sie uns gefährden. Damit ein Bauunternehmer weitere 5.000 Schekel verdienen und ein Haus abreißen kann, wird es als akzeptabel angesehen, Menschen zu töten, die nur nach Essen suchen.“

Ein hochrangiger Offizier, dessen Name in Zeugenaussagen über die Schießereien in der Nähe von Hilfsstandorten immer wieder auftaucht, ist Brigadegeneral Yehuda Vach, Kommandeur der Division 252 der IDF. Haaretz berichtete bereits zuvor, wie Vach den Netzarim-Korridor in eine tödliche Route verwandelte, Soldaten vor Ort in Gefahr brachte und verdächtigt wurde, die Zerstörung eines Krankenhauses in Gaza ohne Genehmigung angeordnet zu haben.

Nun sagt ein Offizier der Division, Vach habe beschlossen, Versammlungen von Palästinensern, die auf UN-Hilfslieferungen warteten, durch Schüsse aufzulösen. „Das ist Vachs Politik“, sagte der Offizier, „aber viele der Kommandeure und Soldaten haben das ohne Frage akzeptiert. [Die Palästinenser] dürfen nicht dort sein, also soll dafür gesorgt werden, dass sie verschwinden, auch wenn sie nur wegen Essen dort sind.“

Vachs Division ist nicht die einzige, die in diesem Gebiet operiert, und es ist möglich, dass auch andere Offiziere den Befehl gegeben haben, auf Menschen zu schießen, die Hilfe suchen.

Ein Panzersoldat der Reserve, der kürzlich bei der Division 252 im Norden Gazas gedient hat, bestätigte die Berichte und erklärte die „Abschreckungsmaßnahme“ der IDF zur Auflösung von Menschenansammlungen, die gegen militärische Befehle verstoßen.

„Die Teenager, die auf die Lastwagen warten, verstecken sich hinter Erdhügeln und stürmen sie, wenn sie vorbeifahren oder an Verteilungsstellen anhalten“, sagte er. „Wir sehen sie normalerweise schon aus Hunderten von Metern Entfernung; es ist keine Situation, in der sie eine Gefahr für uns darstellen.“

In einem Fall wurde der Soldat angewiesen, eine Granate auf eine Menschenmenge in der Nähe der Küste abzufeuern. „Technisch gesehen soll es sich um Warnschüsse handeln – entweder um die Menschen zurückzudrängen oder sie am Vorrücken zu hindern“, sagte er. „Aber in letzter Zeit ist das Abfeuern von Granaten einfach zur Standardpraxis geworden. Jedes Mal, wenn wir schießen, gibt es Verletzte und Tote, und wenn jemand fragt, warum eine Granate notwendig ist, gibt es nie eine gute Antwort. Manchmal ärgert es die Kommandeure schon, wenn man nur die Frage stellt.“

In diesem Fall begannen einige Menschen nach dem Granatenbeschuss zu fliehen, und laut dem Soldaten eröffneten andere Kräfte daraufhin das Feuer auf sie. „Wenn es ein Warnschuss sein soll und wir sehen, dass sie zurück nach Gaza rennen, warum dann auf sie schießen?“, fragte er. „Manchmal wird uns gesagt, sie verstecken sich noch und wir müssen in ihre Richtung schießen, weil sie nicht weggegangen sind. Aber es ist doch offensichtlich, dass sie nicht weggehen können, wenn wir in dem Moment, in dem sie aufstehen und rennen, das Feuer eröffnen.“

Der Soldat sagte, dies sei zur Routine geworden. „Man weiß, dass es nicht richtig ist. Man spürt, dass es nicht richtig ist – dass die Kommandeure hier das Gesetz in ihre eigenen Hände nehmen. Aber Gaza ist ein Paralleluniversum. Man macht schnell weiter. Die Wahrheit ist, dass die meisten Leute nicht einmal innehalten, um darüber nachzudenken.“

Anfang dieser Woche eröffneten Soldaten der Division 252 das Feuer an einer Kreuzung, an der Zivilisten auf Hilfslieferungen warteten. Ein Kommandant vor Ort gab den Befehl, direkt auf die Mitte der Kreuzung zu schießen, was zum Tod von acht Zivilisten, darunter auch Teenager, führte. Der Vorfall wurde dem Chef des Südkommandos, Generalmajor Yaniv Asor, zur Kenntnis gebracht, aber bis auf eine vorläufige Untersuchung hat er bisher keine Maßnahmen ergriffen und Vach keine Erklärung für die hohe Zahl der Todesopfer in seinem Sektor verlangt.

„Ich war bei einem ähnlichen Vorfall. Nach unseren Informationen wurden dort mehr als zehn Menschen getötet“, sagte ein anderer hochrangiger Reserveoffizier, der die Streitkräfte in dem Gebiet befehligte. „Als wir fragten, warum sie das Feuer eröffneten, wurde uns gesagt, es sei ein Befehl von oben gewesen und die Zivilisten hätten eine Bedrohung für die Truppen dargestellt. Ich kann mit Sicherheit sagen, dass die Menschen nicht in der Nähe der Streitkräfte waren und diese nicht gefährdet haben. Es war sinnlos – sie wurden einfach umgebracht, ohne Grund. Diese Sache, unschuldige Menschen zu töten, ist zur Normalität geworden. Uns wurde ständig gesagt, dass es in Gaza keine Nichtkombattanten gibt, und offenbar hat sich diese Botschaft bei den Truppen festgesetzt.“

Ein hochrangiger Offizier, der mit den Kämpfen in Gaza vertraut ist, glaubt, dass dies eine weitere Verschlechterung der moralischen Standards der IDF bedeutet. „Die Macht, die hochrangige Feldkommandeure gegenüber der Führung des Generalstabs ausüben, gefährdet die Befehlskette“, sagte er.

Ihm zufolge „ist meine größte Befürchtung, dass die Schüsse und die Verletzungen von Zivilisten in Gaza nicht das Ergebnis operativer Notwendigkeit oder schlechter Entscheidungen sind, sondern vielmehr das Produkt einer Ideologie, die von den Feldkommandeuren vertreten wird und die sie als Einsatzplan an die Truppen weitergeben.“

Beschuss von Zivilisten

In den letzten Wochen ist die Zahl der Todesopfer in der Nähe von Lebensmittelverteilungsstellen stark gestiegen – laut Angaben des Gesundheitsministeriums von Gaza waren es 57 am 11. Juni, 59 am 17. Juni und etwa 50 am 24. Juni. Als Reaktion darauf fand im Südkommando eine Diskussion statt, bei der bekannt wurde, dass die Truppen begonnen hatten, Menschenmengen mit Artilleriegeschossen zu zerstreuen.

„Sie sprechen über den Einsatz von Artillerie an einer Kreuzung voller Zivilisten, als wäre das ganz normal“, sagte ein Militärangehöriger, der an dem Treffen teilgenommen hatte. „Es wird nur darüber diskutiert, ob der Einsatz von Artillerie richtig oder falsch ist, ohne dass überhaupt gefragt wird, warum diese Waffe überhaupt eingesetzt werden muss. Alle sind nur besorgt darüber, ob es unserer Legitimität schadet, wenn wir unsere Operationen in Gaza fortsetzen. Der moralische Aspekt spielt praktisch keine Rolle. Niemand hält inne und fragt, warum jeden Tag Dutzende Zivilisten auf der Suche nach Lebensmitteln getötet werden.“ 

Ein anderer hochrangiger Offizier, der mit den Kämpfen in Gaza vertraut ist, sagte, die Normalisierung der Tötung von Zivilisten habe oft dazu geführt, dass in der Nähe von Hilfsgüterverteilungszentren auf sie geschossen wurde.

„Die Tatsache, dass mit scharfer Munition auf die Zivilbevölkerung geschossen wird – sei es mit Artillerie, Panzern, Scharfschützen oder Drohnen – widerspricht allem, wofür die Armee stehen sollte“, kritisierte er die Entscheidungen vor Ort. „Warum werden Menschen getötet, die Lebensmittel sammeln, nur weil sie aus der Reihe getanzt sind oder weil es einem Kommandanten nicht passt, dass sie sich vordrängeln? Warum sind wir an einem Punkt angelangt, an dem ein Teenager bereit ist, sein Leben zu riskieren, nur um einen Sack Reis von einem Lastwagen zu holen? Und auf diese Menschen feuern wir mit Artillerie?«

Neben dem Beschuss durch die IDF wurden laut Militärquellen einige der Todesfälle in der Nähe der Hilfsgüterverteilungszentren durch Schüsse von Milizen verursacht, die von der Armee unterstützt und bewaffnet werden. Einem Offizier zufolge unterstützt die IDF weiterhin die Gruppe Abu Shabab und andere Fraktionen.

„Es gibt viele Gruppen, die sich gegen die Hamas stellen – Abu Shabab ist noch einige Schritte weiter gegangen“, sagte er. „Sie kontrollieren Gebiete, in die die Hamas nicht vordringt, und die IDF unterstützt das.“

Ein anderer Offizier bemerkte: „Ich bin dort stationiert, und selbst ich weiß nicht mehr, wer auf wen schießt.“

In einer geschlossenen Sitzung mit hochrangigen Vertretern der Militärstaatsanwaltschaft, die angesichts der täglichen Todesfälle von Dutzenden Zivilisten in der Nähe von Hilfszonen stattfand, wiesen die Justizbeamten an, dass die Vorfälle vom «Fact-Finding Assessment Mechanism» des Generalstabs der IDF untersucht werden sollen. Dieses Gremium, das nach dem Vorfall mit der Mavi-Marmara-Flottille eingerichtet wurde, hat die Aufgabe, Fälle zu untersuchen, in denen ein Verstoß gegen das Kriegsrecht vermutet wird, um internationale Forderungen nach einer Untersuchung von IDF-Soldaten wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen abzuwehren.

Während des Treffens erklärten hochrangige Justizbeamte, dass die weltweite Kritik an der Tötung von Zivilisten zunehme. Hochrangige Offiziere der IDF und des Südkommandos behaupteten jedoch, es handele sich um Einzelfälle und die Schüsse seien auf Verdächtige gerichtet gewesen, die eine Gefahr für die Truppen dargestellt hätten.

Eine Quelle, die an dem Treffen teilnahm, berichtete Haaretz, dass Vertreter der Militärstaatsanwaltschaft die Behauptungen der IDF zurückgewiesen hätten. Ihrer Meinung nach halten die Argumente den Tatsachen vor Ort nicht stand. „Die Behauptung, es handele sich um Einzelfälle, steht im Widerspruch zu Vorfällen, bei denen Granaten aus der Luft abgeworfen und Mörsergranaten und Artillerie auf Zivilisten abgefeuert wurden“, sagte ein Justizbeamter. „Es geht hier nicht um die Tötung einiger weniger Menschen – wir sprechen von Dutzenden von Opfern pro Tag.“

Obwohl der Militärstaatsanwalt den Mechanismus zur Untersuchung der Faktenlage angewiesen hat, die jüngsten Schießvorfälle zu untersuchen, stellen diese nur einen kleinen Teil der Fälle dar, in denen Hunderte unbeteiligter Zivilisten getötet wurden.

Hochrangige IDF-Vertreter äußerten sich frustriert darüber, dass das Südkommando diese Vorfälle nicht gründlich untersucht und die Todesfälle unter der Zivilbevölkerung in Gaza ignoriert. Laut Militärquellen führt der Chef des Südkommandos, Generalmajor Yaniv Asor, in der Regel nur Voruntersuchungen durch, wobei er sich hauptsächlich auf die Berichte der Feldkommandeure stützt. Er hat keine Disziplinarmaßnahmen gegen Offiziere ergriffen, deren Soldaten Zivilisten verletzt haben, obwohl sie eindeutig gegen die Befehle der IDF und das Kriegsrecht verstoßen haben. 

Ein Sprecher der IDF antwortete: „Die Hamas ist eine brutale Terrororganisation, die die Bevölkerung Gazas hungern lässt und sie gefährdet, um ihre Herrschaft im Gazastreifen aufrechtzuerhalten. Die Hamas tut alles in ihrer Macht Stehende, um die erfolgreiche Verteilung von Lebensmitteln in Gaza zu verhindern und humanitäre Hilfe zu stören. Die IDF erlaubt der amerikanischen zivilgesellschaftlichen Organisation (GHF) die unabhängige Arbeit und die Verteilung von Hilfsgütern an die Bewohner Gazas. Die IDF operiert in der Nähe der neuen Verteilungsgebiete, um die Verteilung zu ermöglichen und gleichzeitig ihre operativen Aktivitäten im Gazastreifen fortzusetzen.“

„Im Rahmen ihrer operativen Maßnahmen in der Nähe der Hauptzufahrtsstraßen zu den Verteilungszentren führen die IDF-Streitkräfte systematische Lernprozesse durch, um ihre operativen Reaktionen in dem Gebiet zu verbessern und mögliche Reibungen zwischen der Bevölkerung und den IDF-Streitkräften so weit wie möglich zu minimieren. Kürzlich haben die Streitkräfte daran gearbeitet, das Gebiet neu zu organisieren, indem sie neue Zäune und Beschilderungen aufgestellt und zusätzliche Wege geöffnet haben. Nach Vorfällen, bei denen Berichte über Verletzungen von Zivilisten bei der Ankunft in den Verteilungszentren eingegangen waren, wurden eingehende Untersuchungen durchgeführt und den Streitkräften vor Ort auf der Grundlage der gewonnenen Erkenntnisse Anweisungen erteilt. Diese Vorfälle wurden zur Prüfung an den Debriefing-Mechanismus des Generalstabs weitergeleitet.“

Nach der Veröffentlichung dieses Berichts gab die israelische Armee eine weitere Stellungnahme ab, in der sie „die in dem Artikel erhobenen Vorwürfe entschieden zurückweist – die IDF hat die Streitkräfte nicht angewiesen, absichtlich auf Zivilisten zu schießen, auch nicht auf solche, die sich den Verteilungszentren nähern. Um es klar zu sagen: Die Richtlinien der IDF verbieten gezielte Angriffe auf Zivilisten.“

Die Armee fügte hinzu, dass „jeder Vorwurf einer Abweichung vom Gesetz oder von den Anweisungen der IDF gründlich untersucht und gegebenenfalls weitere Maßnahmen ergriffen werden. Die in dem Artikel vorgebrachten Vorwürfe des gezielten Schusses auf Zivilisten werden vor Ort nicht anerkannt.“

(Red.) Zum Originalartikel auf Haaretz in englischer Sprache. Die unterstrichenen blauen Stellen sind Links auf andere Berichte von Haaretz zur selben Thematik.

Siehe dazu auch den Bericht zum gleichen Thema in der NZZ.





Info: https://globalbridge.ch/es-war-befehl-gezielt-auf-unbewaffnete-palaestinenser-in-gaza-zu-schiessen-die-auf-humanitaere-hilfe-warteten/


unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

29.06.2025

Gezielte Ermordung hungriger Palästinenser (gesamter Bericht)

aus e-mail von Doris Pumphrey, 29. Juni 2025, 19:08 Uhr


*/

Übersetzung des gesamten Berichts der israelischen Zeitung Haaretz.

/*

*Es war Befehl, gezielt auf unbewaffnete Palästinenser in Gaza zu

schießen, die auf humanitäre Hilfe warteten.


*Offiziere und Soldaten der israelischen Streitkräfte (IDF) berichteten

der israelischen Zeitung Haaretz, sie hätten den Befehl erhalten, auf

unbewaffnete Menschenmengen in der Nähe von

Lebensmittel-Verteilungsstellen in Gaza zu schießen, selbst wenn keine

Gefahr bestand. Hunderte Palästinenser wurden getötet.


Israelische Soldaten in Gaza berichteten Haaretz, dass die Armee im

vergangenen Monat absichtlich auf Palästinenser in der Nähe von

Hilfsverteilungsstellen geschossen habe.


Gespräche mit Offizieren und Soldaten zeigen, dass Kommandeure den

Truppen befahlen, auf Menschenmengen zu schießen, um sie zu vertreiben

oder zu zerstreuen, obwohl klar war, dass sie keine Gefahr darstellten.


Ein Soldat beschrieb die Situation als völligen Zusammenbruch der

ethischen Grundsätze der israelischen Streitkräfte in Gaza.


Nach Angaben des von der Hamas geführten Gesundheitsministeriums in Gaza

wurden seit dem 27. Mai 2025 549 Menschen in der Nähe von Hilfszentren

und in Gebieten getötet, in denen Bewohner auf UN-Lebensmittelwagen

warteten. Über 4.000 wurden verletzt, aber die genaue Zahl der durch

IDF-Feuer getöteten oder verletzten Personen ist weiterhin unklar.


*/Hier zur Übersetzung des gesamten Berichts der israelischen Zeitung

Haaretz.

/*https://globalbridge.ch/es-war-befehl-gezielt-auf-unbewaffnete-palaestinenser-in-gaza-zu-schiessen-die-auf-humanitaere-hilfe-warteten/



Info: https://globalbridge.ch/es-war-befehl-gezielt-auf-unbewaffnete-palaestinenser-in-gaza-zu-schiessen-die-auf-humanitaere-hilfe-warteten/


unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

29.06.2025

Krieg oder Frieden in Europa - Wahrheit oder Lüge oder: Wie Merkel als ex-Kanzlerin deutsche Außenpolitik in die Tonne tritt

petraerler.substack.com, vom Jan 07, 2023Petra Erler

Zum deutschen Schweigekartell zum Sinn der Minsk-Abkommen


Merkel, 9. 12. 2020, Deutscher Bundestag, Berlin:

„Ich glaube an die Kraft der Aufklärung. Dass Europa heute dort steht, wo es steht, hat es der Aufklärung zu verdanken und dem Glauben daran, dass es wissenschaftliche Erkenntnisse gibt, die real sind und an die man sich besser halten sollte. Und da bin ich ganz sicher. Ich habe mich in der DDR für das Physikstudium entschieden − das hätte ich in der alten Bundesrepublik wahrscheinlich nicht getan −, weil ich ganz sicher war, dass man vieles außer Kraft setzen kann, aber die Schwerkraft nicht, die Lichtgeschwindigkeit nicht und andere Fakten auch nicht. Und das wird auch weiter gelten.“

https://www.bundesregierung.de/breg-de/service/bulletin/rede-von-bundeskanzlerin-dr-angela-merkel-1826624

Wem würden solche Sätze kein Vertrauen einflößen? Hier sprach eine geerdete Person, der Wissenschaft und der Aufklärung verbunden. Sie war für viele Bürgerinnen und Bürger, egal, ob sie ihre politischen Anschauungen im Einzelnen teilten oder nicht, jemand, dem man Respekt zollte. Wenn die deutsche Kanzlerin sprach, wurde zugehört und über das Gehörte nachgedacht.

Es wäre jedoch ein fataler Fehler, anzunehmen, dass Fakten und Gesetzmäßigkeiten lediglich in den Naturwissenschaften zu Hause sind. Deutschland kann sich als Demokratie überhaupt nur entfalten, weil es einen breiten Grundkonsens über Fakten, historische Zusammenhänge und sich darauf gründende politische Schlussfolgerungen und Werte gibt.

Mit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine im Februar 22 wurde die Frage aufgeworfen: War die Politik Deutschlands gegenüber Russland falsch, fehlgeleitet, naiv oder gar staatsschädigend, wie ein Artikel in der NZZ suggerierte.

https://www.nzz.ch/meinung/steinmeier-und-merkel-niemand-ist-schuld-am-russland-fiasko-ld.1692523

Zur Erinnerung: 

Die große Koalition 2017 bis 2021 hatte im Koalitionsvertrag eine ganze Reihe von Aussagen getroffen, wie das Verhältnis zu Russland geregelt werden sollte. Auch die Umsetzung des Minsker Abkommens spielte eine Rolle (ab Zeile 7080). Alles stand unter der Überschrift, dass deutsche Außenpolitik dem Frieden verpflichtet ist.

https://archiv.cdu.de/system/tdf/media/dokumente/koalitionsvertrag_2018.pdf?file=1

Nun aber hat sich die nunmehr ehemalige Kanzlerin in drei Interviews zu ihren Motiven zur Zustimmung zur NATO-Erweiterung und zur Aushandlung der Minsker Abkommen 2014/2015 geäußert und so neue politische Fakten geschaffen.

Frau Merkel betonte im Dezember 22, dass die Minsk-Abkommen nie dazu gedacht waren, der Ukraine (und Europa) Frieden zu bringen, sondern der Ukraine Zeit zu kaufen, zur Vorbereitung auf den unvermeidlichen Krieg mit Russland. Der ehemalige französische Präsident, damals der zweite westliche Partner, bestätigte diese Auslegung Merkels. Putin erklärte daraufhin, er sei hintergangen worden.

Merkwürdigerweise folgte in Deutschland keine Diskussion, keine Nachfrage. Es wurde kurz berichtet. Damit hatte es sich. Seither scheint allgemein zu gelten: Die Minsker Abkommen waren eine große diplomatische Täuschung, die Deutschland und Frankreich allein zum Wohle der Ukraine unternahmen, unternehmen mussten, so wie auch der ehemalige ukrainische Präsident Poroschenko heute seine Zustimmung zu Minsk verstanden haben will.

Die erklärte Logik von Frau Merkel, dass alles aus dem geschichtlichen Kontext zu beurteilen sei und sie sich insofern nichts vorzuwerfen hätte, führt zum Schluss: Sie würde es wieder tun. Aber was genau würde sie wieder tun: Über Jahre täuschen oder jetzt täuschen?

Entweder war Frau Merkel Mittäterin in einem großen politischen Täuschungsmanöver, das selbst vor dem UN-Sicherheitsrat nicht Halt machte.

https://press.un.org/en/2015/sc11785.doc.htm

Oder sie wurde jetzt zur Desinformantin.

Wenn alledem so wäre, wie es Frau Merkel im Dezember 2022 darstellte, dann wäre erklärungsbedürftig, warum Putin (der aggressive), sich 2014/2015 darauf einließ, die Ukraine nicht militärisch zu überrollen (was ihm nach den Worten von Merkel damals leichter gefallen wäre als heute) und sich stattdessen auf den Friedensplan (Minsk) einließ?

Dann wäre erklärungsbedürftig, warum sich Steinmeier entschuldigte und die SPD mit ihrer verkündeten „Zeitenwende“ eine komplette Rolle rückwärts machte. Sie waren doch Teil des Zeitkaufpolitik für die Ukraine, Teil der Täuschung.

Dann wäre erklärungsbedürftig, wie sich das zur Begründung der aktuellen Regierung für das Ende von Nord Stream 2 verhält. Das Projekt wurde erklärtermaßen wegen des russischen Bruchs des Minsker Abkommens auf Eis gelegt.

Man kann dem Bären nicht die Schelle umhängen, die nie läuten sollte. Die neue Merkel-Position impliziert, dass die deutsche Koalition log, warum sie Nord Stream 2 stoppte.

Dabei geht es gar nicht mehr um die Hinterlassenschaft einer Kanzlerin oder einer Koalition, um Täuschungen oder Selbsttäuschungen in Bezug auf die Russland-Politik.

Frau Merkel schuf eine gänzlich neue Situation: Wer kann jetzt noch sagen, was deutsche Politik in den letzten Jahren war und was nicht, welche deutschen politischen Versicherungen stimmten, welche nicht? Das wurde nicht im Kreml geboren.

Die Tatsache, dass es das große deutsche Schweigen zu den Merkel-Äußerungen gibt, beweist lediglich, dass die deutschen Eliten in Politik und Medien nicht wissen, wie sie mit dieser Situation umgehen sollen. Also schweigt man darüber so, wie man über den unsäglichen Terrorakt auf die Nord-Stream-Pipelines schweigt.

Nehmen wir mal an, Frau Merkel hätte sich -inzwischen politisch im Ruhestand- nunmehr zur Wahrheit entschieden.

Dann impliziert das, dass sie über Jahre die Bevölkerung der Bundesrepublik Deutschland belogen hat und ihr damaliger SPD-Koalitionspartner mit von der Partie war (Anm.: Das ergibt sich aus Merkel-Reden, aus dem deutschen Koalitionsvertrag 2017-2021 und aus dem deutschen Verhalten in der UNO).

Sie, die Physikerin, die die Fakten angeblich so schätzt, schuf dann als Kanzlerin eine Realität alternativer Fakten. Vor allem aber folgte sie nicht der Friedenspflicht. Statt Frieden zu suchen, betrieb sie Kriegsvorbereitung.

Welchen Wert haben dann noch die Aussagen von Merkel zu Minsk im Kontext von Debatten des Bundestages, des Deutsch-Ukrainischen-Forums oder auf der Münchner Sicherheitskonferenz? Die einer eloquenten Lügnerin?

Hier ist eine Auswahl:

Merkel, 9. September 2015, Deutscher Bundestag

„Wir haben uns in den letzten Monaten immer und immer wieder dafür eingesetzt, dass die Krise in der Ukraine auf diplomatischem Weg gelöst werden kann. Das Ziel dabei ist, dass die territoriale Integrität der Ukraine wiederhergestellt werden kann. Das Maßnahmenpaket von Minsk wurde im Februar beschlossen. Es ist nach wie vor Richtschnur auf diesem Weg. Wir haben seit Anfang September nach vielen Rückschlägen einen immer noch fragilen, aber etwas verbesserten Waffenstillstand. Aber wir wissen, wir sind längst nicht am Ziel.

Ich darf Ihnen sagen, dass die Bundesregierung, der Bundesaußenminister und auch ich, gemeinsam immer und immer wieder – auch im Normandie-Format – zusammen mit dem französischen Außenminister und dem französischen Präsidenten darüber wachen werden und Anstrengungen unternehmen werden, um diesen Prozess voranzubringen, der jetzt auch in eine entscheidende politische Phase gekommen ist, was Verfassungsänderungen anbelangt, was die Frage von Lokalwahlen anbelangt. Wir sind da längst nicht über den Berg. Aber wir werden in unseren Bemühungen nicht nachlassen, weil wir nur diesen diplomatischen Weg sehen, und den zu gehen müssen wir immer und immer wieder versuchen.“

https://www.bundesregierung.de/breg-de/service/bulletin/rede-von-bundeskanzlerin-dr-angela-merkel-800204

Merkel, Deutscher Bundestag, 23. November 2016, Berlin

“Wir haben im Zusammenhang mit der Krim und der Ukraine den Bruch des Völkerrechts und die Verletzung der territorialen Integrität eines Landes zu konstatieren. Leider sind unsere Gespräche über die Umsetzung der Minsker Vereinbarungen noch nicht so weit gediehen, wie ich mir das wünschen würde.”

https://www.bundesregierung.de/breg-de/service/bulletin/rede-von-bundeskanzlerin-dr-angela-merkel-379818

Merkel, Deutsch-ukrainisches Wirtschaftsforum, 29. 11. 2018, Berlin

„Ich werde das Thema auch gegenüber dem russischen Präsidenten beim G20-Gipfel ansprechen. Wir werden dafür sorgen. Wir haben trotzdem die Bitte, auch auf ukrainischer Seite klug zu sein, denn wir wissen, dass wir die Dinge ja auch nur vernünftig und nur im Gespräch miteinander lösen können, weil es keine militärischen Lösungen all dieser Auseinandersetzungen gibt. Das muss auch gesagt werden. Deutschland und Frankreich sind also auch weiterhin bereit, im Rahmen des Normandie-Formats zu arbeiten, auch wenn die Erfolge leider sehr gering sind.“

https://www.bundesregierung.de/breg-de/service/bulletin/rede-von-bundeskanzlerin-dr-angela-merkel-1556732

Merkel, Münchner Sicherheitskonferenz 23.2. 2019

“2014 erfolgte im März die Annexion der Krim – ein klar völkerrechtswidriges Verhalten – und anschließend – Petro Poroschenko ist hier – der Angriff auf die Ostukraine; ein mühselig ausgehandelter Waffenstillstand, sozusagen fragil, stabil gehalten durch das Minsker Abkommen, mit dem Deutschland und Frankreich gemeinsam mit Russland und der Ukraine versuchen, den Konflikt zu lösen. Allerdings müssen wir sagen: Von einer Lösung sind wir weit entfernt; wir müssen unbedingt weiterarbeiten.”

https://www.bundeskanzler.de/bk-de/aktuelles/rede-von-bundeskanzlerin-merkel-zur-55-muenchner-sicherheitskonferenz-am-16-februar-2019-in-muenchen-1580936

Der Europäische Rat hat den Minsk-Abkommen ebenfalls zugestimmt und mehrfach deren Umsetzung eingefordert. Auch daran war Merkel beteiligt.

War das alles nur gelogen? 

Wenn ja, dann haben die deutsche Bundeskanzlerin und die von ihr geführte Koalition (SPD) buchstäblich die ganze Welt betrogen, alle in der UNO versammelten Nationen. Und wie ist das mit Frankreich: Hat Macron von Hollande die Lüge geerbt?

Wie war das mit der Wahl Selenskyjs? War dessen Friedenswillen im Wahlkampf auch nur Show, sein ursprünglicher Versuch, Minsk umzusetzen, nur Teil eines Schattenspiels? Waren es möglicherweise nicht nur die ukrainischen extremen Nationalisten, die ihm in den Arm fielen?

Wenn die neue Merkel-Geschichte stimmt, wurde auch in Deutschland niemand als mündig begriffen. Dann waren wir nur närrische Kinder, die zu ihrem und der Ukraine Besten nicht in die hohe Kunst der diplomatischen Täuschung eingeweiht werden durften.

Dann sollte jeder in Deutschland und darüber hinaus nur glauben, dass die Merkel-Koalition einen festen Willen zu einer diplomatisch zu erreichenden Konfliktlösung in der Ukraine hatte, die einen Krieg verhindern sollte.

Von den USA ist bekannt, dass sie, wie etwa im Fall des Irak zur Erreichung ihrer politischen Ziele, die Unwahrheit sagte, um den Krieg führen zu können. Merkel beansprucht nun in einer – und darin sind sich alle einig - zentralen Frage von Krieg und Frieden in Europa, sich ähnlich verhalten zu haben. Sie log (um eines höheren Zieles willen) und hatte also ein neues deutsches Selbstverständnis, eins, das sich über alle diplomatischen Normen und Gepflogenheiten stellte: Nicht Vertrauensbildung und ehrliches Ringen um eine diplomatische Lösung waren das Ziel. Es ging niemals um Frieden.

Wann bemerkte die Kanzlerin, dass Russland zu Frieden unfähig ist, wenn doch gar kein ernsthafter Versuch der Friedensstiftung mit den Minsk-Abkommen unternommen wurde?

Merkels neue Wahrheit steht in Widerspruch zum Friedensgebot des Grundgesetzes, zu dem sich die von ihr geführte Koalition ausdrücklich bekannte. Sie hätte stattdessen der Kriegsvorbereitung Vorschub geleistet.

Das ginge, sollte es so gewesen sein, weit über das hinaus, was die rot-grüne Koalition in der Frage des Kosovo-Krieges praktizierte, um ihre Beteiligung an diesem Krieg zu legitimieren.

Merkels damaliger Außenminister ist heutiger Bundespräsident. Die SPD führt heute die Koalition an. Sie alle wären Teil der Scharade gewesen, die Frau Merkel neulich „enthüllte“: Ein Abkommen, das den Weg zum Frieden weisen sollte, der nie gesucht wurde? Was sollte dann Scholz` Besuch in Moskau, wo er versprach, die Ukraine würde nun das Minsker Abkommen erfüllen?

Wie wollen wir Deutsche damit umgehen, dass eine ganze Welt das Wort einer deutschen Bundeskanzlerin/ eines deutschen Außenministers für bare Münze nahm, und wir -als Teil dieser Welt- nun damit leben sollen, dass nichts so gemeint war, wie es einst immer wieder deklamiert wurde?

Wenn wir nicht herausfinden wollen, WIE ES WIRKLICH WAR, dann wird nicht nur das Vertrauen in die Politik in unserem Land zerbrechen.

Merkel hat die deutsche Außenpolitik regelrecht eingemauert: Niemand kann mehr sicher wissen, ob irgendeine politische Erklärung von Deutschland stimmt, denn niemand der gegenwärtigen Koalition hat sich in irgendeiner Weise zu Merkel geäußert oder gar distanziert. Man hat alles durchgehen lassen, so als wäre man Teil einer Seilschaft, die schweigt, nichts gehört haben will, alles mitgemacht hat und nie Fragen stellte – von Begriffen wie Anstand, Ehre und Seriösität ganz zu schweigen.

Wir werden keinen Weg zur Verständigung mit allen jenen finden, die bisher annahmen, Deutschlands Stimme in der Welt wäre verlässlich, und die nun annehmen müssen, dass zwischen gesagt und gemeint Welten klaffen.

Es braucht so viele Jahre, international Vertrauen zu schaffen. Merkel hat mit wenigen Sätzen alles kaputtgeschlagen. Sie hat sich und alle zu Lügnern gestempelt, aber auch die Lüge um die Begründung zum Ende von Nord Stream 2 enttarnt.

Schließlich aber bliebe immer noch die Alternative, dass alles, was nun als Wahrheit angesehen werden soll, weil die ehemalige Bundeskanzlerin sie dazu postulierte, auch nur eine Lüge ist, und Hollande ihr beisprang, um auf diese Weise seine politische Haut zu retten in dieser neuen Zeit, in der Russland aus Europa politisch verstoßen wurde, während die gleichen Leute, die sich daran beteiligen, unentwegt behaupten, sie wären die Retter Europas und verhandlungsbereit, wenn nur der böse Russe nicht so stur und aggressiv wäre.

Was ist Wahrheit, was Lüge?

Was ist von den folgenden Aussagen von Merkel zu Nord Stream 2 2019 auf der Münchner Sicherheitskonferenz zu halten?

„Dann gibt es einen vierten Punkt: die wirtschaftliche Kooperation. Darüber gibt es – Beispiel Nord Stream 2 – jetzt eine Vielzahl von Diskussionen. Ich verstehe Petro Poroschenko, der hier sitzt und sagt: Die Ukraine ist Transitland für russisches Erdgas und möchte es bleiben. Ich habe ihm immer und immer wieder versichert, dafür jede Unterstützung zu geben und Verhandlungen dafür zu führen; und das werden wir – Wahlkampf hin oder her – auch weiterhin tun. Ein russisches Gasmolekül bleibt ein russisches Gasmolekül – egal, ob es über die Ukraine kommt oder ob es über die Ostsee kommt. Das heißt, die Frage, wie abhängig wir von russischem Gas sind, kann durch die Frage, durch welche Pipeline es fließt, nicht geklärt werden. Auch da sage ich: Ich bin bereit. Niemand will einseitig und völlig einseitig von Russland abhängig werden. Aber wenn wir schon im Kalten Krieg russisches Gas bekommen haben – als ich noch auf der DDR-Seite saß und wir dort sowieso russisches Gas bekommen haben, aber als auch die alte Bundesrepublik in hohem Umfang russisches Gas eingeführt hat –, dann weiß ich nicht, warum die Zeiten heute so viel schlechter sein sollen, dass wir nicht sagen: Russland bleibt ein Partner.

Ich sage einmal – auch wieder, das ist ja gar nicht einfach, in Anwesenheit von Präsident Poroschenko aus meiner Perspektive auf der linken Seite und des chinesischen Vertreters auf der rechten Seite –: Wollen wir Russland nur noch in die Abhängigkeit oder in die Erdgasabnahme von China bringen? Ist das unser europäisches Interesse? Das finde ich auch nicht. Wir wollen auch ein bisschen an den Handelsbeziehungen teilhaben. Also müssen wir darüber offen reden.“

https://www.bundeskanzler.de/bk-de/aktuelles/rede-von-bundeskanzlerin-merkel-zur-55-muenchner-sicherheitskonferenz-am-16-februar-2019-in-muenchen-1580936

Es führt zur Frage, ob der NATO-Generalsekretär 2015, auf der Münchner Sicherheitskonferenz, die Wahrheit sagte, oder log.

„Cooperation, however, can only be based on trust and respect.  Respect for rules and agreements.  And respect for borders.  But Russia has isolated itself.  By its own actions.  And its own choices.  Russia bears the responsibility for the dangerous situation in which we find ourselves.  Nobody forced Russia to annex Crimea.  And nobody is forcing Russia to destabilise Ukraine.

So we call on Russia to change course.  To treat its neighbours as sovereign states.  To come back into compliance with the commitments it has made.  And to contribute to a peaceful solution in Ukraine, based on the Minsk agreements.  That is why the efforts of Chancellor Merkel and President Hollande are so important. And that is why NATO fully supports the broad efforts to find a political solution. This is urgent.  And it is critical.“

Übersetzung:

„Die Zusammenarbeit (Anm. gemeint war Russland) kann jedoch nur auf Vertrauen und Respekt basieren. Einhaltung von Regeln und Vereinbarungen. Und Achtung der Grenzen. Aber Russland hat sich isoliert. Durch eigene Taten. Und seine eigenen Entscheidungen. Russland trägt die Verantwortung für die gefährliche Situation, in der wir uns befinden.

Niemand hat Russland gezwungen, die Krim zu annektieren. Und niemand zwingt Russland, die Ukraine zu destabilisieren. Deshalb fordern wir Russland auf, den Kurs zu ändern. Seine Nachbarn als souveräne Staaten zu behandeln. Und zu einer friedlichen Lösung in der Ukraine, basierend auf den Minsk-Abkommen, beizutragen. Deshalb sind die Bemühungen von Kanzlerin Merkel und Präsident Holland so bedeutend. Deshalb unterstützt die NATO die breiten Anstrengungen, eine politische Lösung zu finden. Es ist dringlich. Und es ist kritisch.“

https://www.nato.int/cps/en/natohq/opinions_117320.htm

Ich kann mich nicht daran erinnern, dass sich die NATO oder der NATO-Generalsekretär in irgendeiner Weise für die Politik gegenüber Russland entschuldigt hätten. Sie wurde abgebucht, und ein neuer Sprechzettel aus der Tasche gezogen.

Das Einzige, was man nach Merkels Äußerungen im Dezember nunmehr mit Sicherheit sagen kann, ist, dass sie ihrem Amt nicht gewachsen war. Entweder log sie über Jahre, oder sie log jetzt.

In jedem Fall führt es zu einem politischen Scherbenhaufen.

Merkel hat so viel dafür getan, Bundeskanzlerin zu werden und dafür, wie ich lange respektvoll dachte, auch die notwendigen Machtambitionen mitgebracht, um zu führen. Das ist nun hinfällig.

Denn wohin führte sie unser Land oder gar Europa, wenn ihre neue Geschichtsinterpretation stimmt? Sie führte es nicht auf einen Weg zum Frieden, sondern auf den Pfad in den Krieg. Ins Extrem getrieben, hat Merkel – so wie so viele westliche Äußerungen der vergangenen Monate - die russische Kriegsbegründung nachgeliefert und Russlands Krieg nachträglich legitimiert.

Der jüngste Europäische Rat vom Dezember verzichtete jedenfalls darauf, zu wiederholen, der russische Krieg gegen die Ukraine wäre „unprovoziert“ gewesen. Stattdessen beschuldigten die EU-Staats- und Regierungschefs nun Putin, nicht verhandlungsbereit zu sein und solidarisierten sich mit der Zelenskyj-Position (Rückgabe aller inzwischen an Russland gefallenen Territorien sowie regime change in Russland).

Wer hat die russisch-ukrainischen Verhandlungen im Frühling 2022 unterminiert?

Definitiv nicht Russland.

Wer war nicht bereit, über die russischen Vorschläge zu Sicherheitsgarantien vom Dezember 2021 zu verhandeln?

Definitiv nicht Russland.

Wer hat, laut Merkel Dezember 2022, die Minsk-Abkommen nie ernst gemeint?

Definitiv nicht Russland.

Aber da ist immer noch dieser furchtbare Krieg in der Ukraine. Wie soll der nun beendet werden? Indem Russland, das nun (allzu gerne) verstanden hat, dass es belogen wurde über Jahre, den Schwanz einzieht? Mit der militärischen Niederlage Russlands? Oder mit Verhandlungen?

Mit wem soll oder kann Russland verhandeln?

Mit denen, die logen und betrogen (wie Merkel im Dezember suggerierte)?

Verhandlungen erfordern, dass wenigsten ein Mindestmaß an gegenseitigem Vertrauen existiert.

Das hat Merkel nun auch kaputtgemacht, jedenfalls so lange, solange wir zulassen, dass nicht klar ist, was Wahrheit und was Lüge ist, wer wann wie desinformierte und warum.

Ich würde gerne weiter annehmen wollen, dass Merkel als eine der Geburtshelferinnen von Minsk politisch ihr Möglichstes versuchte, um Frieden in Europa zu wahren.

Ich finde es immer noch albtraumhaft, mir vorzustellen, Merkel und ihre Koalition hätten nur kühl über Jahre gelogen. Dann wären sie, dann wäre unser Land Teil einer bewussten Kriegsvorbereitung in Europa gewesen.

Am schlimmsten aber finde ich, dass ohne Klarheit über die deutsche Rolle in den letzten Jahren in Bezug auf Russland und die Ukraine wir keine Stimme mehr haben können, wie es mit uns und in Europa weitergehen soll, mit Russland, mit der Ukraine, nicht im Krieg, nicht im permanenten Konflikt, sondern in einem Frieden, der hält.

Aber wer soll und kann uns noch trauen? Wenn wir schon selber nicht mehr wissen wollen, was wahr ist und was nicht.


Subscribe to "Nachrichten einer Leuchtturmwärterin"By Petra Erler · Launched 4 years ago

Fakten und Kommentare zu aktuellen politischen Streitfragen


Jana Weinert

8. Jan. 2023

Das Schweigen in D zu diesen Vorgängen und auch zu anderen in den letzten Jahren als Ausdruck reiner Irritation zu bezeichnen, ist wohlmeinend. Ich frage mich, wie viel Angst inzwischen herrscht, dass es quasi neue, verschärfte und tw. auch selbstauferlegte Schweigegebote gibt. Viel Irritation ist trotzdem dabei, eine elende Fassungslosigkeit. Aber dieses Schweigen hat so viele Stimmen, dass es zum Himmel schreit.

Like (8)Reply

Share

Lutz P. Michel

7. Jan. 2023

Das besonders Bittere daran ist einmal mehr das Schweigen der Qualitätsmedien.


Info: https://petraerler.substack.com/p/krieg-oder-frieden-in-europa-wahrheit


unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

29.06.2025

Chinas Standpunkt zum israelisch-iranischen Konflikt

freedert.online, 29 Juni 2025 06:15 Uhr, Von Ladislav Zemánek

Peking balanciert auf einem "diplomatischen Drahtseil" zwischen Teheran und Tel Aviv, da Handelsrouten und die Einflussnahme in der Region auf dem Spiel stehen.


© erstellt mit KI


Israel definiert die Regeln des Krieges wieder einmal neu. Unter der Führung von Premierminister Benjamin Netanjahu greift Tel Aviv den Iran ohne Rücksicht auf das Völkerrecht oder die Weltmeinung an. Durch die Darstellung dieser Angriffe als Präventivmaßnahmen gegen die angeblichen nuklearen Ambitionen Irans wiederholt die israelische Regierung dasselbe Narrativ, mit dem Washington 2003 die Invasion im Irak rechtfertigte – Behauptungen über Massenvernichtungswaffen, die sich als unbegründet erwiesen.

Peking sieht in dieser anhaltenden Diffamierung Irans – die sowohl von den USA als auch von Israel vorangetrieben wird – eine gefährliche Narrativ-Kriegsführung, die den Weg für einen größeren militärischen Konflikt ebnen könnte.


Russland und China fordern vor UN-Sicherheitsrat diplomatische Lösung des Israel-Iran-Krieges





Russland und China fordern vor UN-Sicherheitsrat diplomatische Lösung des Israel-Iran-Krieges





China reagierte daraufhin mit einer klaren und entschiedenen Haltung. Das chinesische Außenministerium verurteilte die wiederholten Verletzungen der Souveränität und der territorialen Integrität Irans sowie die Handlungen, welche die Spannungen in der gesamten Region verschärfen könnten. Chinesische Beamte äußerten sich sehr besorgt über die Auswirkungen der israelischen Militäroperationen und riefen stattdessen zu diplomatischen und politischen Lösungen auf. Eine Eskalation, so warnten sie, nütze niemandem. Peking brachte auch seine Bereitschaft zum Ausdruck, zur Deeskalation der Situation beizutragen.

Diese Position bekräftigte China bei einer Sondersitzung des UN-Sicherheitsrats. Der Botschafter Fu Cong prangerte das "militärische Abenteurertum" Israels an und brachte es mit der anhaltenden Besetzung des Gazastreifens – einer Krise, die er als "humanitäre Katastrophe" bezeichnete – in Verbindung. Ohne die USA direkt anzusprechen, appellierte Fu indirekt an Washington, die israelische Aggression zu stoppen, bevor die Situation völlig außer Kontrolle gerate.

Am Wochenende tauschte sich der chinesische Außenminister Wang Yi telefonisch mit seinen Amtskollegen in Iran und Israel aus. Der Ton dieser beiden Gespräche hätte nicht unterschiedlicher sein können. Im Gespräch mit dem iranischen Minister Sejjed Abbas Araghtschi verurteilte Wang die "rücksichtslosen Angriffe" Israels und warnte, dass die Angriffe auf Atomanlagen einen gefährlichen und inakzeptablen Präzedenzfall schaffen würden. Er betonte, dass diese Militäraktionen einen Verstoß gegen die UN-Charta und die Grundprinzipien des Völkerrechts darstellten.

In einem Telefonat mit dem israelischen Außenminister Gideon Sa'ar äußerte sich Wang zurückhaltender, aber dennoch kritisch und forderte Israel auf, auf militärische Lösungen zu verzichten und zur Diplomatie zurückzukehren.


China verspricht 100-prozentige Zollfreiheit für Produkte aus Afrika



China verspricht 100-prozentige Zollfreiheit für Produkte aus Afrika






In dieser sich zuspitzenden Krise vertritt China einen klaren Standpunkt: Es unterstützt die Position Irans und lehnt jegliche Militäraktionen zur Lösung der Nuklearproblematik ab. Dies entspricht der seit langem vertretenen diplomatischen Haltung Pekings: Die Volksrepublik erkennt das Recht Irans auf friedliche Nutzung der Kernenergie im Rahmen des Vertrages über die Nichtverbreitung von Kernwaffen (NVV) an und lehnt zugleich jegliche Schritte auf dem Weg zu Atomwaffen entschieden ab, da diese gegen internationale Normen verstoßen und Chinas Vision eines atomwaffenfreien Nahen Ostens zuwiderlaufen würden.

Der Iran hat wiederholt betont, dass er keine Atomwaffen anstrebe. Das Land befürwortete den Gemeinsamen Umfassenden Aktionsplan (Joint Comprehensive Plan of Action, JCPOA) aus dem Jahr 2015, der nach dem einseitigen Ausstieg der USA unter US-Präsident Donald Trump scheiterte. Nach Trumps Rückkehr ins Weiße Haus mehrten sich die Befürchtungen, dass er die iranische Nuklearfrage erneut auf die Tagesordnung setzen und mit militärischen Maßnahmen drohen könnte, falls Teheran den Forderungen der USA nicht nachkommen sollte. Sowohl China als auch Russland lehnen ein solches einseitiges Diktat ab. Im März fand in Peking ein trilaterales Treffen der stellvertretenden Außenminister Chinas, Irans und Russlands statt, um erneut ihre Unterstützung für eine multilaterale, auf dem JCPOA basierende Resolution zu bekräftigen und die illegalen Sanktionen gegen Iran zu verurteilen.

Chinas diplomatische Aktivitäten sind Teil einer breiteren strategischen Ausrichtung gegenüber Iran. Im Jahr 2021 unterzeichneten die beiden Länder ein 25-jähriges Kooperationsabkommen in den Bereichen Handel, Infrastruktur, Energie, Technologie, Verteidigung, Bildung und weiteren Sektoren – es handelt sich quasi um einen Austausch langfristiger wirtschaftlicher Zusammenarbeit gegen eine stabile Ölversorgung. Trotz der anhaltenden US-Sanktionen bleibt China der wichtigste Handelspartner Irans und der größte Abnehmer von Rohöl, der bis zu 90 Prozent der iranischen Exporte bezieht. Die beiden Länder führen auch gemeinsame Militärübungen durch, wie etwa die zusammen mit Russland 2019 gestarteten Übung "Maritimer Sicherheitsgürtel" (Marine Security Belt).


Straße von Hormus: Wen trifft Sperrung mehr, USA oder China?





Analyse

Straße von Hormus: Wen trifft Sperrung mehr, USA oder China?




Diese Partnerschaft spiegelt Irans Strategie "Blick nach Osten" (Look East) wider, die erstmals vom iranischen Präsident Mahmud Ahmadinedschad eingeführt wurde. Diese auf die Vertiefung der Beziehungen zu China und Russland ausgerichtete Strategie brachte greifbare Ergebnisse, darunter gemeinsame Initiativen und den Beitritt Irans zur Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ) im Jahr 2023. Dennoch verläuft diese Strategie nicht ohne Reibungen. Unerfüllte Investitionsversprechen, Probleme im Zusammenhang mit Sanktionen und unausgewogene Erwartungen führten zuweilen zu Spannungen in der Partnerschaft. China strebt einen stabilen Zugang zu Ressourcen und eine Ausweitung des regionalen Einflusses an, während Iran eine sinnvolle wirtschaftliche Unterstützung und Hochtechnologie erwartet.

Dennoch ist Chinas Unterstützung für Iran nicht grenzenlos. Sollte Teheran die Straße von Hormus blockieren – durch die mehr als 25 Prozent des weltweiten Öls und ein Drittel der LNG-Lieferungen fließen – wären Chinas wirtschaftliche Interessen unmittelbar gefährdet. Ebenso würde ein Rückzug aus dem NVV Chinas Engagement für den Multilateralismus und die internationale Rechtsordnung infrage stellen. Eine engere wirtschaftliche und militärische Zusammenarbeit zwischen Teheran und Peking könnte auch die ohnehin schon angespannten Beziehungen zu Washington weiter verschärfen, vor allem, wenn dies mit umfangreichen Waffenlieferungen verbunden wäre.

Aber Peking hat kein Interesse an einer offenen Konfrontation. China zieht es vor, sich als verantwortungsvoller globaler Akteur darzustellen, der auf Diplomatie und Deeskalation setzt. Dieses Image ist von zentraler Bedeutung für seine wachsende Präsenz im Nahen Osten. Pekings Rolle bei der Vermittlung der Annäherung zwischen Iran und Saudi-Arabien im Jahr 2023 stellte zwar einen wichtigen Meilenstein dar, aber der chinesische Einfluss auf Teheran bleibt begrenzt. Als relativ neuer Akteur in der regionalen Diplomatie sind Chinas Interessen nicht nur durch israelische Aggressionen, sondern auch durch mögliche Fehltritte Irans gefährdet.


China an Israel und Iran: "Gewalt kann keinen dauerhaften Frieden bringen"



China an Israel und Iran: "Gewalt kann keinen dauerhaften Frieden bringen"






Bislang reagierte Iran – möglicherweise mit Absicht – relativ zurückhaltend. Diese Zurückhaltung könnte jedoch als Schwäche missverstanden werden. Nach dem Tod von Präsident Ebrahim Raisi im Mai 2024 näherte sich die iranische Führung dem Westen an. Dem folgte eine Welle israelischer Operationen: schwere Schläge gegen die Hisbollah und die Hamas, eine verstärkte israelische Präsenz in Syrien und im Oktober ein Volltreffer gegen die iranischen Raketen- und Luftabwehrsysteme, der den Weg für künftige Angriffe ebnen könnte.

Die zurückhaltende Reaktion Teherans auf diese Provokationen diente vielleicht dazu, einen Krieg zu vermeiden – doch sie birgt die Gefahr, dass sich seine Gegner ermutigt fühlen. Sowohl für Peking als auch für Moskau – die beide ihre eigene Konfrontation mit Washington austragen – stellt dies eine klare Lektion dar: In der heutigen geopolitischen Landschaft kann Unentschlossenheit gefährlicher sein als Trotz.

Übersetzt aus dem Englischen.

Ladislav Zemánek ist Forschungsstipendiat am China-CEE Institute und Experte des Internationalen Diskussionsklubs "Waldai".


Mehr zum ThemaChina Daily: Israels kalkuliertes Spiel mit der Instabilität


Screenshot_2025_06_29_at_09_21_34_Chinas_Standpunkt_zum_israelisch_iranischen_Konflikt_RT_DE

Video https://rumble.com/v6v94b9-rjabkow-russland-und-china-schulter-an-schulter-gegen-angriffe-auf-iran.html Dauer 2:56 Min.


RT DE bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Gastbeiträge und Meinungsartikel müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

Durch die Sperrung von RT zielt die EU darauf ab, eine kritische, nicht prowestliche Informationsquelle zum Schweigen zu bringen. Und dies nicht nur hinsichtlich des Ukraine-Kriegs. Der Zugang zu unserer Website wurde erschwert, mehrere Soziale Medien haben unsere Accounts blockiert. Es liegt nun an uns allen, ob in Deutschland und der EU auch weiterhin ein Journalismus jenseits der Mainstream-Narrative betrieben werden kann. Wenn Euch unsere Artikel gefallen, teilt sie gern überall, wo Ihr aktiv seid. Das ist möglich, denn die EU hat weder unsere Arbeit noch das Lesen und Teilen unserer Artikel verboten. Anmerkung: Allerdings hat Österreich mit der Änderung des "Audiovisuellen Mediendienst-Gesetzes" am 13. April diesbezüglich eine Änderung eingeführt, die möglicherweise auch Privatpersonen betrifft. Deswegen bitten wir Euch bis zur Klärung des Sachverhalts, in Österreich unsere Beiträge vorerst nicht in den Sozialen Medien zu teilen.

Info: https://freedert.online/international/248908-chinas-standpunkt-zum-israelisch-iranischen/


unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

29.06.2025

Fatale Militarisierung, Merz’ magere Gipfelbilanz – und Greenwashing ist ok

lostineu.eu, vom 28. Juni 2025

Die Watchlist EUropa vom 28. Juni 2025 – heute mit der Wochenchronik.

Vom Friedensprojekt zum Sicherheitsprojekt: So beschreibt die niederländische Zeitung „de Volkskrant“ die wundersame Verwandlung der EU. Klingt gut – wer könnte schon gegen mehr Sicherheit in EUropa sein?

Das Problem ist nur, dass der Frieden verloren ist – und die “Sicherheit” durch eine massive Militarisierung erkauft wird. Das neue Fünf-Prozent-Ziel der Nato liegt weit über dem, was die Alliierten im Kalten Krieg ausgegeben haben.

Doch anders als damals wird die Aufrüstung nicht durch Entspannungs-Politik abgefedert. Es gibt keinen “Harmel-Bericht”, der eine Doppelstrategie (“rüsten und reden”) begründen würde, und keine “gemeinsame Sicherheit”.

Im Gegenteil: Die neue “Sicherheitspolitik” wird GEGEN Russland und OHNE Diplomatie eingeleitet. Beim EU-Gipfel, der auf den Nato-Gipfel folgte, wurde nicht über Frieden gesprochen, sondern über neue Sanktionen.

Das Ziel ist es, Russland totzurüsten und wirtschaftlich zu erschöpfen. Das Ergebnis wird ein Wettrüsten und eine weitere Schwächung der deutschen Wirtschaft sein. Berlin prahlt gar damit, dass uns die Sanktionen auch weh tun!

Trump und Merz “führen” gemeinsam

Als wenn das nicht schlimm genug wäre, kommt die Wende auf Geheiß von US-Präsident Trump. Zum Durchbruch verhalf ihm Kanzler Merz. Europäisches Vasallentum und deutsche Großmannssucht “glücklich” vereint!

Merz hat immerhin noch einen Plan, wie man die Aufrüstung bezahlen kann – durch massive Neuverschuldung. Das läßt sich von den anderen EU-Staaten nicht sagen. “Europe is going to pay in a BIG way” – that’s all we know…

Der EU-Gipfel, der direkt an den Nato-Gipfel anschloß, hat sich als unfähig und unwillig erwiesen, den nötigen “Follow-up” zu liefern. Die Rechnung für die Militarisierung wurde kurzerhand auf den Herbst verschoben.

Sie wird – so viel ist jetzt schon klar – saftig ausfallen. Einen Vorgeschmack hat Finanzminister Klingbeil schon in seinem Budgetentwurf geliefert. Fürs Militär ist Geld da, für eine allgemeine Stromsteuer-Senkung nicht…

Siehe auch unser Q&A “Gefahr aus Russland”: Viele Behauptungen, keine Beweise

Was war noch?

  • Merz’ magere Gipfel-Bilanz. Drei Gipfeltreffen hat Kanzler Merz im Juni absolviert – bei den G-7, der Nato und der EU. Die Bilanz seiner außenpolitischen Feuertaufe fällt mager aus. Nirgendwo konnte er sein Hauptziel – transatlantische Sanktionen gegen Russland – durchsetzen. Bei zwei Gipfeln (G-7 und Nato) hat ihm US-Präsident Trump die Show gestohlen. Und beim EU-Gipfel gab es überhaupt keine vorzeigbaren Ergebnisse. Dafür hat sich der CDU-Chef so gut wie mit allen anderen angelegt… – Mehr im Blog
  • Berlin richtet sich auf Niederlage im Zollstreit ein. Bei seinem Amtsantritt hatte Merz noch ein umfassendes Abkommen mit den USA gefordert, das alle Zölle im transatlantischen Handel auf null senkt. Nun will er sich offenbar auch mit einem pauschalen US-Zoll von zehn Prozent abfinden – nur schnell muss es gehen. Der “schmutzige Deal” ist auch ein Affront gegen Merz’ Parteifreundin von der Leyen. – Mein Bericht in der taz
  • Greenwashing ist schon ok. Diese Botschaft geht neuerdings von der EU-Kommission aus. In letzter Minute hat sie ihren Entwurf zu den “Green Claims” – also “grünen” Werbeversprechen – zurückgezogen und damit einen Shitstorm ausgelöst. Sozialdemokraten und Liberale starteten sogar einen Zwergen-Aufstand, zogen dann aber wieder zurück. Nun will man im September weitersehen… – Mehr im Blog

Mehr Newsletter hier.

Die meistgelesenen Beiträge der Woche:


“Gefahr aus Russland”: Viele Behauptungen, keine Beweise 25. Juni 2025

Der Nato-Gipfel beschwört wie erwartet die Gefahr aus Russland. Doch weder Generalsekretär Rutte noch Kanzler Merz liefern dafür irgendwelche Beweise.

Mehr


Merz glaubt weiter an Sanktionen – und er will die Ukraine in die Nato holen 24. Juni 2025

In seiner ersten Regierungserklärung zur Außenpolitik hat Kanzler Merz keinerlei Umdenken in der Ukraine-Politik erkennen lassen.

Mehr


Historisch und sicher? – Faktencheck zur Hochrüstung der Nato 23. Juni 2025

Nato-Generalsekretär Rutte spricht von einem “Quantensprung”. Dass künftig fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Rüstung ausgegeben werden sollen, sei “historisch und grundlegend für die Sicherung unserer Zukunft”. Really? – Ein Faktencheck.

Mehr

‹ Brüssel kämpft für “Pride” in Budapest

1 Comment

  1. Guido B.
    28. Juni 2025 @ 13:57

    Die USA haben in den letzten Jahren mit ihrer Aussenpolitik 4 wichtige geostrategische Ziele erreicht:

    1) Europa ist abhängiger von Energie- und Rüstungsimporten aus den USA.

    2) Die Europäer zahlen immer mehr für die NATO, während die USA immer weniger zahlen.

    3) Die wirtschaftlichen Konsequenzen des Großkonflikts mit Russland trägt überwiegend Europa.

    4) Die USA profitieren von der Schwächung Russlands überproportinal.

    Man kann die Aussenpolitik der USA als clever bezeichnen, aber sie auch dumm, weil sie Russland und China zu unzertrennlichen Schicksalsgenossen macht.

    Die europäische Aussenpolitik ist nur dumm, weil es für Europa in dieser geopolitischen Lage nichts zu gewinnen, aber viel zu verlieren gibt.

    Deutschland will sich als Anführer dieser strunzdummen Politik feiern lassen. Das ist der Gipfel der Verblödung. Eigentlich muss man die Politik dieser Eliten als Hochverrat bezeichnen. Aber sie ist so blöd, dass mildernde Umstände gelten müssen. Diese Eliten sind nicht zurechnungsfähig. Was sie aber umso gefährlicher macht.

Antworten

Was sagen Sie dazu?


Info: https://lostineu.eu/militarisierung-in-europa-merz-magere-gipfelbilanz-und-greenwashing-ist-ok/?utm_campaign=Lost%20in%20EUrope%20Update&utm_content=Lost%20in%20EUrope%20Update&utm_medium=email&utm_source=getresponse


unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

29.06.2025

Doctorow: Mehr politisches Theater: NATO-Gipfel in Den Haag

seniora.org, 29. Juni 2025, von Gilbert Doctorow 25.06.2025  – übernommen von gilbertdoctorow.substack.com/


(Red.) Trump’s USA behandelt die Euroäer (NATO) wie früher die sogenannten Entwicklungsländer: Die Arbeitskraft und die übrigen wirtschaftlichen Leistungen der Vasallen werden abgeschöpft und nicht in die Sozialvorsorge für die jeweilige Bevölkerung gesteckt, sondern in das amerikanische Finanzsystem transferiert um dort die Herrschaft von „King Dollar“ zu stützen, der in erheblichen Schwierigkeiten steckt. Putin’s Russland wird als der Buhmann benutzt, um den euroäischen Hühnerhaufen auf Linie zu bringen: klassisches imperiales Gehabe. Der Vergleich mit der Cosa Nostra ist nicht abwegig: Schutzgelderpressung... und unsere Spitzenpolitiker küssen dem Paten die Füsse. (am)


Ich danke erneut den globalen Rundfunkanstalten, die mich um Kommentare zu aktuellen Entwicklungen in den internationalen Beziehungen bitten, auch wenn das jeweilige Thema auf den ersten Blick etwas von meinem Hauptfachgebiet, den russischen Angelegenheiten, entfernt zu sein scheint.

So auch heute, als India's NewsX World mich um einen Termin bat, um über den laufenden NATO-Gipfel in Den Haag zu sprechen, und mir als Ausgangspunkt für unser Gespräch die neuesten Nachrichten von Al Jazeera schickte.

Dazu habe ich das Live-Video von YouTube hinzugefügt, das die Pressekonferenz von Trump und Rutte vor dem heutigen Treffen der NATO-Staatschefs zeigt, sowie die Berichterstattung über Viktor Orbáns Wortgefecht mit Journalisten in Den Haag vor dem Gipfel. Dann kam die Abschlusserklärung der Gipfelteilnehmer, die offenbar einstimmig angenommen wurde.

Ich glaube, dass diese Dokumente und Videos ausreichend Material bieten, um darüber zu arbeiten und Denkanstöße zu geben.

*****

Das übergeordnete Thema des heutigen Gipfels war die Entscheidung, die erforderlichen Militärausgaben aller Mitgliedstaaten auf 5 % des BIP anzuheben. Angesichts der offensichtlichen Zustimmung der Mitglieder in der Abschlusserklärung scheint Trump alle Vorbehalte gegenüber dem Engagement der USA für die europäische Verteidigung, wie es in Artikel 5 des NATO-Vertrags, der berühmten „Einer für alle, alle für einen“-Klausel, zum Ausdruck kommt, zurückgezogen zu haben. Dementsprechend berichten die Mainstream-Medien, dass die NATO immer stärker werde.

Falsch!

Ich habe zwei Einwände gegen diese Einschätzung der Lage. Der erste ist, dass es vielen Mitgliedstaaten in der Praxis unmöglich sein wird, ihre Militärausgaben auf das Ziel von 5 % des BIP anzuheben. Einige finden es derzeit unmöglich, die Ausgaben auf das vor einigen Jahren festgelegte Niveau von 2 % anzuheben, darunter auch das Land, in dem sich der NATO-Hauptsitz befindet, Belgien. Darauf können wir gleich noch eingehen. Der zweite Einwand ist, dass eine tatsächliche Erhöhung der Ausgaben letztlich nicht zu einer Verbesserung, sondern zu einer Verschlechterung der Sicherheit in Europa führen würde, da das Land, das als größte Sicherheitsbedrohung identifiziert wurde und höhere Militärausgaben rechtfertigt, nämlich Russland, sich wieder von seiner derzeitigen primären Abhängigkeit von konventionellen Streitkräften zurückziehen und sich wie in den letzten Tagen des Kalten Krieges wieder primär auf sein taktisches Atomwaffenarsenal verlassen würde. Das bedeutet, dass jeder Konflikt wie der derzeitige in der Ukraine sehr schnell zu einem Einsatz von Atomwaffen und zum Ende des Lebens in Westeurasien, wenn nicht sogar in der ganzen Welt, eskalieren würde.

*****

Es ist offensichtlich, dass der Vorschlag, die Militärausgaben erheblich zu erhöhen, die Spaltung zwischen der Rechten und der Linken in den Koalitionsregierungen, die in einem Großteil Europas regieren, verschärft und diese Koalitionen zu Fall bringen wird. Hier in Belgien sind die Zeitungen voll mit Berichten über die Auswirkungen einer Erhöhung des Militärbudgets von derzeit 1,3 % des BIP, einer der niedrigsten Quoten in der NATO. Die Regierung kann nur dann behaupten, bis Jahresende 2 % zu erreichen, wenn sie mit ihrer Buchhaltung tricksen, indem sie beispielsweise Infrastrukturausgaben für Straßen und Brücken als verteidigungspolitisch motiviert ausweist, um den Transport von NATO-Truppen aus Übersee zu erleichtern, die von den Landepunkten hier aus schnell nach Osten vorrücken.

Die jüngsten Ausgaben von Le Soir, der wie die meisten europäischen Zeitungen atlantisch-konservativ ausgerichtet ist, berichten, dass die Regierung von Bart De Wever stürzen würde, sollte er versuchen, die Verteidigungsausgaben weiter zu erhöhen. In einem Land, das zu den am höchsten besteuerten Ländern der Welt gehört, gibt es keinen Spielraum für Steuererhöhungen. Der einzige Weg wäre eine Kürzung der Ausgaben, also eine Kürzung der Sozialleistungen für die breite Bevölkerung, was politischer Selbstmord wäre. Die MR (Liberale) würden unter diesen Umständen die Koalition verlassen. Angesichts der Tatsache, dass es nach den Bundestagswahlen im Juni 2024 ganze neun Monate gedauert hat, eine Koalition mit einer Mehrheit der Sitze im Parlament zu bilden, würde die Bildung einer neuen Regierung mindestens genauso lange dauern, und während dieser Zeit wäre die geschäftsführende Regierung nicht in der Lage, Änderungen am Haushalt oder an der Gesetzgebung vorzunehmen, was bedeutet, dass die Verteidigungsausgaben auf dem derzeitigen Niveau bleiben würden.

Beachten Sie, dass 80 % des derzeitigen Militärbudgets von Belgien in Höhe von 1,3 % des BIP für die Gehälter und Pensionen von Soldaten und Offizieren aufgewendet werden; nur 20 % stehen für militärische Beschaffungen und Operationen zur Verfügung. Wie ich vor einem Jahr von einem stellvertretenden Verteidigungsminister erfahren habe, stehen derzeit keine Mittel zur Verfügung, um zusätzliches Personal einzustellen, es mit Uniformen, Ausbildung und Waffen auszustatten. De facto müsste das Budget verdreifacht werden, damit die Verteilung zwischen Fixkosten und für Beschaffungen und Operationen verfügbaren Mitteln mit 50:50 als normal angesehen werden kann. Dies wird nicht geschehen.

Ich habe kaum Zweifel daran, dass die Situation in anderen Ländern ähnlich ist, darunter sogar Deutschland, wo die Sozialisten die Koalition von Herrn Merz verlassen könnten, der auf eine Ausweitung der Streitkräfte durch eine Wehrpflicht drängt, wie Verteidigungsminister Pistorius andeutet.

*****

Die derzeitige Situation der relativen Stärke der konventionellen Streitkräfte zwischen Russland und der NATO wird auf den Schlachtfeldern der Ukraine deutlich. Die Russen produzieren viermal so viele Artilleriegeschosse wie Europa und die Vereinigten Staaten. Die russische Armee verfügt über reichlich Vorräte an Panzern der neuesten Generation, Drohnen und anderer Ausrüstung, die für Zermürbungskriege relevant ist.

Das war jedoch nicht immer so. Wenn wir zurück in die Zeit des Kalten Krieges in den späten 1970er und frühen 1980er Jahren blicken, sah Russland Europa und die NATO in Bezug auf Personal und Ausrüstung für konventionelle Kriege im Vorteil. Unter diesen Umständen griffen die Russen nach dem großen „Ausgleicher“ und begannen mit dem Aufbau eines Arsenals taktischer Atomwaffen, das heute das größte der Welt ist.

Selbst unter den gegenwärtigen Bedingungen haben russische Militärexperten erklärt, dass sie bereit seien, taktische Atomwaffen einzusetzen, sollte die NATO oder eine „Koalition der Willigen“ 50.000 Soldaten in die Ukraine entsenden. „Wir werden nicht in Schützengräben kämpfen“, haben die Russen erklärt. Wir sollten dies als Hinweis darauf betrachten, was die europäischen Mitgliedstaaten erwartet, wenn es ihnen gelingt, ihre Militärausgaben für konventionell ausgerüstete Armeen auf das in der jüngsten NATO-Erklärung vorgesehene Niveau anzuheben. Die Sicherheit wird dann deutlich geringer sein als heute.

Tatsächlich besteht der einzige Weg zur Gewährleistung der Sicherheit Europas in Verhandlungen mit Russland über eine Neugestaltung der Sicherheitsarchitektur auf dem Kontinent, um Russland aus der Isolation zu holen.


Quelle: Gilbert Doctorow

https://gilbertdoctorow.substack.com/p/more-political-theater-nato-summit?publication_id=1203055&post_id=166811015&isFreemail=false&r=1y536l&triedRedirect=trueMit freundlicher Genehmigung übernommen


Die Übersetzung besorgte Andreas Mylaeus



Info: https://seniora.org/index.php?option=com_acym&ctrl=fronturl&task=click&urlid=199&userid=3998&mailid=2777


unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

28.06.2025

Lawrow sieht keine Garantie dafür, dass die Ergebnisse der IAEO-Inspektion im Iran nicht durchsickern

anti-spiegel.ru, vom 24. Juni 2025 17:00 Uhrvon Anti-Spiegel

Der russische Außenminister betonte, dass der Westen einen erheblichen Einfluss auf die Sekretariate internationaler Organisationen habe und diese teilweise sogar privatisiert habe.


MOSKAU, 24. Juni. /TASS/. Es gebe keine Garantie dafür, dass die Ergebnisse der Inspektion der iranischen Atomanlagen durch die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO) nicht an die Öffentlichkeit gelangen, erklärte der russische Außenminister Sergej Lawrow auf dem 11. Internationalen Wissenschafts- und Expertenforum „Primakow-Lesungen“.

„Herr [IAEO-Generaldirektor Rafael] Grossi, der die Stellungnahme abgegeben hat, hätte im Großen und Ganzen einen klareren Bericht verfassen können. Nun sagt er: ‚Ich fordere den Iran auf, der IAEO unverzüglich Zugang zu den Nuklearanlagen zu gewähren, um sicherzustellen, wo sich Ihr angereichertes Material befindet, und um allgemein zu sehen, was dort vor sich geht.‘ Aber gibt es eine Garantie dafür, dass dies nicht durchsickert? Ich sehe keine solchen Garantien“, bemerkte der Minister.

„Dies ist eine Reaktion auf meine Ausführungen vom Podium aus, dass der Westen die Sekretariate internationaler Organisationen stark beeinflusst und sie teilweise sogar privatisiert hat. Denn westliche Mitarbeiter der Sekretariate internationaler Strukturen, angefangen bei den Vereinten Nationen, orientieren sich in den meisten Fällen nicht an den Anforderungen der Unparteilichkeit und dem Verbot, Anweisungen von Regierungen entgegenzunehmen“, betonte Lawrow.

Die Primakow-Lesungen finden seit 2015 jährlich zum Gedenken an den russischen Staatsmann und Diplomaten Jewgeni Primakow statt. Das Forum diskutiert Szenarien für die Entwicklung der internationalen Beziehungen, Herausforderungen im Bereich der internationalen Sicherheit und neue Modelle der Interaktion zwischen Akteuren der Weltpolitik. TASS ist der allgemeine Informationspartner der Veranstaltung.


Info: https://anti-spiegel.ru/2025/lawrow-sieht-keine-garantie-dafuer-dass-die-ergebnisse-der-iaeo-inspektion-im-iran-nicht-durchsickern/


unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

28.06.2025

Der neue Messias  (I vonII)

Screenshot_2025_06_29_at_00_55_46_Der_neue_Messias_Overton_Magazin

Netanjahu am 22.6. an der Klagemauer: „Ein Volk hat sich erhoben wie ein Löwe. Wir werden weiterhin Wunder tun, um die Ewigkeit Israels über Generationen hinweg zu sichern.“ Bild: Kobi Gideon, GPO


overton-magazin.de28. Juni 2025 49 Komment

Israels Krieg gegen Iran. Zur religiösen Metamorphose des Benjamin Netanjahu.

 

Netanjahu sitzt wieder auf hohem Ross. Nicht nur in der arroganten Selbstüberschätzung, sondern in der euphorischen Bewunderung seiner Anhänger, aber auch – und das ist bemerkenswert – in der ihm von seinen Gegnern, Träger der israelischen “Opposition”, gezollten Anerkennung für sein Vorgehen im Iran: Er habe den Beschluss gefasst, den Iran zu attackieren, und es geschafft, den US-Präsidenten in den entscheidenden Angriff auf die iranischen Nuklearanlagen mit den nur ihm zur Verfügung stehenden bunkersprengenden Bomben einzubinden.

Mit dem Erfolg diskutiert man nicht, lautet eine gängige Redewendung im Hebräischen, schon gar nicht, wenn es um politischen (auf militärischem gestützten) Erfolg geht. Großer Jubel unter den Bibisten, ihr Bibi hat’s wieder einmal gebracht. Die Frage, ob er erst dann angegriffen hat, als seine Koalition drohte, auseinanderzufallen, er politisch mit dem Rücken zur Wand stand, und nachdem er ein unverantwortliches Risiko im Hinblick auf Trumps Einbindung ins Unternehmen genommen hatte, bleibt unerörtert. Es ist unabweisbar, dass die iranische Nuklearisierung einen heftigen Schlag erlitten hat und vorerst aufgehalten worden ist. Nicht ganz so klar ist, wie hier letzte Woche bereits dargelegt, ob die Dringlichkeit zum gegenwärtigen Zeitpunkt so groß war, wie von Netnajahu und seinen Sprachrohren jetzt allseits verkündet. Kompetente Experten äußern Zweifel daran, aber das zählt nicht mehr, nachdem der “Erfolg” eingefahren wurde und der US-Präsident sein “blessing” (sich selbst huldigend) dazu erteilt hat. Amerika, Israel und den Nahen Osten hat er bereits präsidial geblessed.

Worum es Netanjahu aber hauptsächlich geht, ist die Instrumentalisierung des Erfolgs im Iran zur Tilgung der Schmach des 7. Oktober, die ihm seit jenem katastrophalen Tag anhaftet, und die er sowohl durch den Rache-, Vergeltungs- und Vernichtungskrieg in Gaza als auch durch die Abschwächung der Demonstrationen für die sofortige Befreiung der in Hamas-Gefangenschaft verbliebenen israelischen Geiseln praktiziert, wobei er bzw. seine medialen Handlanger sich nicht davor scheuen, die um ihre Lieben verzweifelt kämpfenden Angehörigen der Geiseln zu schikanieren, zu demütigen, ja gar als “Verräter” zu verleumden. Entsprechend fällt die Kritik an Netanjahu seitens seiner parlamentarischen Opposition aus.

Finanzminister Bezalel Smotrich, Vertreter der nationalreligiösen Siedlerfaschisten in der Knesset, trompetet: “Wir haben einen entscheidenden Sieg gegen Iran errungen, einen Sieg, der zum Ruhm Israels Eingang in die Geschichtsbücher finden wird. Nun aber mit aller Kraft in den Gazastreifen, um die Arbeit zu beenden – Hamas vernichten, die Geiseln zurückbringen und mit Gottes Hilfe dem Volk Israel viele Jahre der Sicherheit und des Wachstums aus Stärke sichern.” Avigdor Lieberman, ein gestandener politischer Falke und Anhänger des “freiwilligen” Bevölkerungstransfers der Palästinenser, der sich nur aus persönlicher Abneigung gegen Netanjahu in die Opposition begeben hat, kritisiert den Waffenstillstand zwischen Israel und dem Iran. Er warnt vor einem erneuten Krieg in wenigen Jahren. Der Schlussakkord des sehr erfolgreichen Krieges mit Iran sei dissonant “und besonders bitter”: Statt einer unbedingten Kapitulation der Iraner lässt sich die Welt auf langwierige Verhandlungen ein. Das Mullah-Regime werde weder auf Urananreicherung, auf Produktion von ballistischen Raketen noch auf Verbreitung von Terror verzichten.

Der liberale Oppositionsführer Yair Lapid, Gegner Netanjahus, der ihm aber nie eine ernstzunehmende Opposition zu bieten vermochte, beglückwünscht zwar Netanjahu zum Erfolg, ruft aber zur Beendigung des Gaza-Krieges und zur Befreiung der restlichen Geiseln auf. Israel müsse mit dem Neuaufbau beginnen. Yair Golan, Vorsitzender der linken Demokraten-Partei, hebt hervor, dass genaustens zu prüfen sei, ob das Waffenstillstandsabkommen garantiere, dass Iran nicht mehr zu Nuklearwaffen gelangt, und welche Schritte unternommen werden sollen, wenn Iran das Abkommen bricht. Auch er plädiert für die Beendigung des Gaza-Krieges und die Befreiung der Geiseln, fügt aber noch hinzu, dass man “den Staatsstreich, der droht, Israel schwach, zerrissen und verwundbar zu machen, ein für allemal aufhalten” müsse. Von selbst versteht sich, dass kein Führer dieser Opposition von den in Gaza begangenen Kriegsverbrechen redet, geschweige denn von einer politischen Lösung des Konflikts, gar Frieden mit den Palästinensern. Auch das ein “Erfolg” der langjährigen Politik Netanjahus.

Politisierung des Religiösen

Netanjahu selbst weiß natürlich, was er seinen Koalitionspartnern (zwei nationalreligiösen und drei orthodoxen Parteien, davon zwei aschkenasischen und einer sephardischen, der Shas-Partei) politisch schuldet. Nicht gerade bekannt für seine Frömmigkeit und das Einhalten der jüdischen Religionsgebote, ließ er sich nicht nehmen, einen Auftritt an der Klagemauer mediengerecht zu zelebrieren. Am Vorabend des israelischen Krieges gegen den Iran kam der Ministerpräsident zur Klagemauer, um für das Gelingen der Militäroperation zu beten, und steckte in die Mauer einen Zettel mit dem Bibelspruch “Das Volk wird aufstehen wie ein junger Löwe, und wird sich erheben wie ein Löwe.

Zehn Tage später sagte er: “Am Vorabend der historischen Aktion des Volkes Israel stand ich hier und steckte in die Mauer einen Zettel mit der Inschrift ‘Das Volk wird aufstehen wie ein junger Löwe, und wird sich erheben wie ein Löwe’. Nun, zehn Tage später, befinde ich mich am selben Ort und stecke einen Zettel mit der Inschrift ‘Das Volk ist wie ein junger Löwe aufgestanden. Das Volk Israel lebt [am israel chai]’. Während dieses Klagemauerbesuchs hielt Netanjahu zusammen mit einem Rabbiner ein Dankgebet für Donald Trump als Anerkennung für dessen Unterstützung des Staates Israel und seinen Beitrag zur Sicherheit der Region.

Es steht außer Frage, dass ein Politiker wie jeder Mensch ein Recht auf seinen eigenen religiösen Glauben hat. Problematisch wird es, wenn der religiöse Glauben des Politikers politisch wird, mithin die Authentizität des religiösen Glaubens durch die Politisierung so kontaminiert wird, dass vom Glauben nichts mehr als eine äußere verlogene Fassade bleibt. Bei Netanjahu ist alles politisch, und als Politiker, der sein Metier, besonders was die Täuschung und den Betrug anbelangt, meisterhaft beherrscht, macht er auch vor der Vorspiegelung von religiösem Glauben keinen Halt. Mit seiner Klagemauer-Show befindet er sich ganz auf der Höhe des gegenwärtigen israelischen Zeitgeistes; das säkulare Israel erfährt in den letzten Jahren ein merkliches Religiöser-Werden des öffentlichen Lebens, eine verstärkte religiöse Indoktrination, die aber großteils nicht sehr viel mit wirklichem Glauben zu tun hat. Politische Interessen spielen da eine gravierende Rolle.

Ganz so neu ist das freilich nicht. Bei der großen Debatte über die Rekrutierung der orthodoxen Männer in die Armee, die gerade im Rahmen des Gazakrieges eine besondere Aktualität erfuhr und beinahe die Regierungskoalition zu Fall brachte, insistieren die orthodoxen Parteien stets auf ihre Weigerung, den Militärdienst ihrer Männer zuzulassen. Gefragt, wie das möglich sei, wo alle nichtorthodoxen Juden nicht nur einen Pflichtdienst, sondern auch (besonders in Kriegszeiten) viele Wochen bzw. Monate dauernden Reservedienst zu leisten haben, erhält man die für säkulare Ohren (bei den vielen gefallenen Soldaten) nicht leicht verdaubare Antwort, es seien gerade die orthodoxen Juden, die das Volk Israel durch Thora-Studium und Gebete schützen und retten.

Der martialische Netanjahu wird da ganz kleinlaut: Er darf seine orthodoxen Partner nicht verärgern, denn sie könnten durch Ausscheidung aus der Regierung seinen Machtverlust herbeiführen. Aber die Taktik der Beschwichtigung und Konfliktlösung gebiert noch ganz andere Blüten. Angeführt seien hier die Aussagen von Aryeh Deri, dem Vorsitzenden der orthodoxen sephardischen Shas-Partei, die sich durch besondere religiöse Kniffligkeit auszeichnen, zugleich aber ganz und gar die Gesinnung seiner Klientel bedienen.

„Das Volk Israel ist durch den 7. Oktober gerettet worden“

In einem dem rechtspopulistischen TV-Kanal 14 gegebenen Interview meinte er diese Woche, dass das Massaker am 7. Oktober das Volk Israel gerettet habe: “Ich sehe darin das, was der Prophet Jesaja in seiner Prophezeiung voraussagte – ‘In einem kleinen Augenblick habe ich dich verlassen, und mit großer Barmherzigkeit werde ich dich wieder sammeln.’ In einem wahrhaft kleinen Augenblick hat uns der Heilige, gesegnet sei er, verlassen, und wir erlitten einen schrecklichen Schlag, von dem wir uns bis jetzt nicht erholt haben. So viele Tote, und wir haben dort noch Entführte, aber das Volk Israel ist dadurch gerettet worden, dass Hamas-Führer Yahya Sinwar, der abscheuliche Bösewicht, sich entschieden hat, als erster anzugreifen, und nicht auf den gesamten Block zu warten. Hinzu kommt, dass wir – das ganze Volk Israel und die ganze Welt haben – plötzlich entdeckt haben, was Iran ist. Die Iraner haben alle ihre Proxys verloren und stehen nun schutzlos da.”

Weiterhin behauptete er im Interview: “Der Heilige, gesegnet sei er, hat noch ein großes Wunder vollbracht – dass Trump gewählt wurde.” Der Angriff auf Iran wäre nicht möglich gewesen, wenn Trump nicht gewählt worden wäre. “Ohne den 7. Oktober, ohne Trump und ohne Premierminister Benjamin Netanjahu wären wir dazu nicht fähig gewesen.” Netanjahu sei es gewesen, dem es darum ging, “das Volk Israel zu retten, das ist seine Tugend”.

Deris Aussagen haben das “Oktober-Komitee”, in dem Angehörige der Opfer des 7. Oktober versammelt sind, zutiefst schockiert; es griff Deri schärfstens an. Es sei entsetzt angesichts der Äußerungen Deris, der ein “verlogenes und erniedrigendes Narrativ zu konstruieren versucht, als habe der im Massaker gezahlte Preis ‘das alles gelohnt’. […] Das ist ein Schlag ins Gesicht der Familienangehörigen, der Entführten und der Überlebenden.”

Nun muss man sagen, dass auch die säkulare Politkultur Israels unannehmbare Teleologisierungen jüdischer Katastrophenereignisse vorzunehmen versteht, allen voran die Deutung der Shoah als historisches Ereignis, dass die Gründung des Staates Israel beschleunigt habe, mithin die Shoah zum heteronomen Argument des Zionismus, mit dem sie an sich nichts zu tun hatte, verkommen lässt. Aber Deris Äußerungen haben es insofern in sich, als sie ein exemplarisches Indiz sind für die in Israel mittlerweile möglich gewordene Politrhetorik, die den Allmächtigen für alles zu rekrutieren vermag, was man gerade interessengeleitet gebrauchen kann: Das gilt schon seit Jahrzehnten für die Dauerlegitimierung der Okkupation (“Rückkehr in das Land der Urväter”, “baldige Ankunft des Messias”); das gilt auch für die Hinnahme dessen, was in der Welt mittlerweile als ein in Gaza verbrochener Genozid gewertet wird; und das gilt eben auch für die perfide Huldigung des israelischen Ministerpräsidenten, der (übrigens wie auch Trump) als “Gesandter Gottes” bzw. als “Messias” rezipiert wird; nicht von ungefähr hat er neuerdings begonnen, seine Bibel-Zitate gesteigert in seine Reden einzubringen, erwähnt Gott oft in seinen Sicherheits-Updates, tut mithin so, als ginge ihm das Jüdische über das Israelische (im Jüdischen ist Gott günstiger verwendbar); selbst den Namen des Iran-Krieges hat er einem Bibelspruch entnommen. Und hat er sich selbst vor einiger Zeit noch mit Churchill und David Ben-Gurion verglichen, ist er neuerdings dazu übergegangen, sich in den Kontext des Vergleichs mit Joshua Ben-Nun, dem Eroberer des biblischen “Land der Urväter” und König David zu setzen. An Zynismus ist das kaum zu übertreffen.

Aber Netanjahu kennt kein Schamgefühl, zumal er für seine Perfidie Schützenhilfe seitens der Sachwalter der Religion erhält (die ihrerseits ihre sektorialen Interessen zu vertreten verstehen). Die Personenkult-Koordinaten für die nächstes Jahr anstehende Wahlkampagne dürften jedenfalls somit gesetzt sein. Nicht ausgemacht, dass Netanjahu, der große schuldbeladene Verantwortliche für das Desaster des 7. Oktober, sie nicht gewinnen wird. Nicht zuletzt dafür hat er den Iran-Krieg vom Zaun gebrochen. Und wer will sich schon mit König David, geschweige denn mit dem Messias des jüdischen Volkes messen?


Moshe ZuckermannMoshe Zuckermann wuchs als Sohn polnisch-jüdischer Holocaust-Überlebender in Tel Aviv auf. Seine Eltern emigrierten 1960 nach Frankfurt am Main. Nach seiner Rückkehr nach Israel im Jahr 1970 studierte er an der Universität Tel Aviv, wo er am Institute for the History and Philosophy of Science and Ideas lehrte und das Institut für deutsche Geschichte leitete. 2018 wurde er emeritiert.
Mehr Beiträge von Moshe Zuckermann →

Ähnliche Beiträge:



Schlagwörter: , , ,

28.06.2025

Der neue Messias  (II vonII)

49 Kommentare

  1. Und derweil werden die verzweifelten Menschen, die sich bei dieser „Hilfs“-Organisation anstellen, gezielt und auf Anweisung von der IDF abgeknallt.

    „Der Hunger, den ich erlebe, ist nicht das, was ich mir vorgestellt hatte. Es ist nicht das, was Sie sich vorstellen, liebe Leserin.“ Ein lyrischer Text aus Gaza. auf dem Medico-Blog
    Von Husam Maarouf
    Übersetzung: Iain Galbraith,
zahlreich ausgezeichneter Lyriker,
Essayist, Herausgeber und Übersetzer.
    Zu schreiben begann ich nicht als Schriftsteller. Es war nie meine Absicht, mich mit diesem Beruf zu identifizieren, oder mir eine literarische Identität zuzulegen. Ich schrieb nur, weil das Schreiben mir eine Luft schenkte, die ich atmen konnte. Es ermöglichte mir, den Tag zu gestalten, überwältigende Emotionen zu strukturieren und aus dem endlosen Chaos einen Raum der Stille vorübergehend herauszuschneiden. Das Schreiben war kein Fenster auf die Welt, sondern ein Fenster zu mir selbst. Und als die Sprache in mir wuchs, spürte ich, wie ich endlich einen Freund auf diesem brutalen Planeten gefunden hatte, einen, der mir zuhörte, ohne sich abzuwenden, der mir das Gefühl gab, der Welt für kurze Zeit entkommen zu können.
    Ich hatte nie erwartet, dass dieser Freund eines Tages schweigen würde. Nicht, weil ich nicht länger schreiben wollte, sondern weil ich nicht länger konnte.
    Und der Grund dafür?
    Ich hungere.
    Seit der Genozid in Gaza begann, habe ich alles in Frage gestellt. In mir geriet alles ins Wanken, was mir wert war und mich geformt hatte. Sogar das Schreiben – jene tiefsitzende Kraft, von der ich zehrte, um Angst, Vertreibung und Trauer zu widerstehen – fühlte sich zerbrechlich an, in Auflösung begriffen. Krieg ist etwas Seltsames. Er zerstört nicht nur Wohnungen, sondern zieht dir den Boden unter den Füßen hinweg und wischt das winzige Sicherheitsgefühl fort, das du dir zum Trost im Zimmer zurechtgelegt hattest. 
    Aber weißt du, was das besser kann als der Krieg?
    Hunger.
    Ich fragte mich immer wieder: Hat das Schreiben noch einen Sinn? Was nützt es, Sätze zu stapeln, wenn sich Leichen unter den Trümmern anhäufen? Was bedeutet es, über Schönheit und Liebe in einer Welt zu schreiben, die dich aushungert und der dein Schmerz egal ist? 
    Doch es gab in mir etwas, das diesem Zusammenbruch widerstand. Ich schrieb, sogar als wir vertrieben wurden, sogar unter dem Donner der Bomben. Ich schrieb über die Kinder, die verschwunden waren, über die Leichentücher, die uns für die Toten fehlten, über die Häuser, die sich in Staub verwandelten. Ich schrieb durch die Erschöpfung hindurch, durch die Trauer, durch die Angst. 
    Aber niemals durch den Hunger.
    Bis März 2025.
    Es war dann, als der Hunger sich in meinem Körper einnistete. Er klopfte nicht nur an meine Tür. Er brach meine Brust auf und saß in mir.
     
    LEERE
    Der Hunger, den ich erlebe, ist nicht das, was ich mir vorgestellt hatte. Es ist nicht das, was Sie sich vorstellen, liebe Leserin. Nicht nur das Gefühl von Leere im Bauch. Es ist eine Taubheit, die vom Darm aufs Gehirn übergreift, Erinnerungen sich eintrüben lässt, das Sehvermögen entkräftet und jeden Denkversuch in eine unerträgliche Aushöhlung des Bewusstseins verwandelt. Hunger stiehlt einem die einfachsten menschlichen Fähigkeiten: Konzentration, Geduld, Empfindung, den Wunsch, etwas zu sagen. Denken wird zum Luxus. Wörter bekommen ein Gewicht, das keiner heben kann.
    Der Hunger, den ich jetzt in mir spüre und der mich ganz verschlingt, ist eine Austreibung der Geborgenheit, der inneren Ruhe. Er bestimmt das Selbst neu, das jetzt schon nahe am Verschwinden ist. 
    Vor wenigen Tagen sagte ich meiner Verlegerin, dass mir die Ideen ausgegangen seien. Keine neuen Vorschläge. Nicht einmal eine Zeile könnte ich jetzt durchs Nadelöhr fädeln, wie es meine Worte einst schafften.
    Ihrem Rat folgend entschied ich, darüber zu schreiben: meine geistige Auszehrung, meine Gebrechlichkeit, meine Zerrüttung. Mein neuer Antrieb – der Schmerz – ist etwas, das ich so noch nie gekannt habe. 
    Ich schreibe inzwischen einen Satz, dann höre ich auf. Nicht, weil ich ihn überdenken will, sondern weil mir die geistige Kraft fehlt, einen neuen zu schreiben. Von Hunger wird man langsam zermalmt. Es ist, als würde man allein in einer Wüste sterben, die kein Fuß berührt hat. Ich kann nicht richtig schlafen, zum Lesen kann ich nicht lang genug sitzen. Ich spüre, wie ich auseinander falle. Und das Schreiben, das mich einmal zusammenhielt, kann das langsame Zerfallen nicht aufhalten.
     
    HUNGERN IM KOLLEKTIV
    Beim Hunger stirbst du allein. Du brichst seelisch zusammen. Die Gegenwart anderer hungernder Menschen bietet keinen Trost: Im Gegenteil, wenn der Hunger kollektiv erlebt wird, weißt du, dass jede Hand in deiner Umgebung schon abgeschlagen worden ist. Es kann dir keiner helfen. 
    Wie kann ich hierüber schreiben?
    Im Norden von Gaza, wo ich lebe, ist seit März kein einziges Weizenkorn angekommen. Die Märkte sind leergefegt. Was noch an Gütern übrig bleibt, wird zum Zweihundertfachen des normalen Preises verkauft – ohne Scham. Als wären wir keine Menschen.
    Wir essen nur Linsen, Reis, Bohnen aus der Dose. Nichts davon befriedigt. Linsen, das Einzige, das es gibt, sind meine Feinde geworden. Der Geschmack macht mich krank. Sie geben mir keine Energie, keine Hoffnung.
    Ich überlebe mit einer Mahlzeit pro Tag. Das machen alle in Gaza. Eine Mahlzeit ohne Protein, ohne Calcium, ohne Brot, ohne Geschmack. Eine Mahlzeit, die keine Nährstoffe mehr enthält, keine Bedeutung. Dennoch muss ich täglich anstrengende Aufgaben erfüllen: Brennholz tragen, Wasser von fern holen, Treppen in den fünften Stock hinaufsteigen, Stunden lang nach einem Kilo Mehl suchen, das zwanzig US-Dollar kostet, oder nach einer Dose Sardinen, die keinen Lebensmut weckt. 
    Und das alles beim niedrigsten Energiepegel, den ich je gekannt habe.
    Unter solchen Bedingungen ist das Schreiben kein Akt des Widerstands mehr – es wird zum Akt der Unmöglichkeit. Mein Körper stützt mich nicht. Es dreht sich alles in meinem Gehirn. Ich versuche, einen ersten Satz zu schreiben, doch mein Kopf ist so leer wie die Regale der Stadt. Keine Idee, kein Antrieb, keine innere Stimme zieht mich voran. In mir ist nichts mehr da. Der Hunger hat die Muttererde hinweggefegt, aus der einst meine Worte wuchsen.   
    Das Schlimmste am Hunger: Er entfremdet dich von dir selbst. Du verlierst deine Einfühlung. Du wirst taub. Du schrumpfst. Du betrachtest dein Leben, als wärst du ihm ein Fremder. Du fürchtest dich und fürchtest um dich. Nahrung wird zum existentiellen Begriff, zum mythischen Phantom. Du erinnerst dich an Geschmäcker, die du vergessen hattest. Dein Lieblingsgericht ändert sich. Eine Dose Tunfisch wird nun zum Gipfel deiner Träume. Und kochst du ihn mit einem Stück Kartoffel und etwas Tahini, dann feierst du, als wäre das die beste Mahlzeit der Welt.
     
    ZERLEGUNG DES SELBST
    Dieses Stück ist nicht nur eine Tragödie. Es handelt auch von Nacktheit, davon, dass der Hunger dir alles raubt außer deinem fragilen Selbst, dem abgeschwächten Körper, der abwesenden Sprache. Vom Gefühl, dass du für die Welt unsichtbar bist, unhörbar – und bist nicht einmal sicher, ob es jemanden interessiert, ob du lebst oder stirbst. 
    Während eines Genozids ist Hunger mehr als körperliche Entbehrung. Es bedeutet das: Zerlegung des Selbst. Eine langsame Auslöschung deines Lebenswillens. 
    Du beginnst dich zu fragen:
    Was nützt das Schreiben, wenn ich mich nicht satt fühlen kann?
    Was nützt das Gedächtnis, wenn ich dazu keinen Zugang finde?
    Was nützt Leben, wenn jeder Tag nur der gescheiterte Versuch ist, Essen zu beschaffen, das mit Lebensmitteln keine Ähnlichkeit hat. 
    Wenn ich mich heute zum Schreiben hinsetze, ist es, als würde ich von einem Ort aus schreiben, der außerhalb meines Körpers ist. Es sind nicht meine Wörter, sondern Überbleibsel von demjenigen, der ich einmal war.
    Ich schreibe, weil ich etwas tun muss, um zu vergessen, dass ich hungere.
    Schreiben wurde zu einer Zeit der Erschöpfung – es verlangt von mir eine körperliche und psychische Anstrengung, die ich mir nicht leisten kann.
    Hunger raubt dir die Sprache, genauso wie er dir Schlaf, Ruhe und Hoffnung raubt. 
    Und das Schlimmste von allem:
    Die Welt schweigt.
    Sagt gar nichts.
    Als ob der Hunger, der mich umbringt, nicht gehört, nicht gesehen werden kann, als ob er keinem was bedeutet.
    Ich bin Schriftsteller.
    Oder war.
    Aber ich kann jetzt nicht mehr schreiben.
    Ich hungere. Und Hunger ist mächtiger als Worte. Mächtiger als das Gedächtnis. Mächtiger als Erkenntnis. Mächtiger als mein Bedürfnis zu dokumentieren. 
    Das hier ist kein Rückzug vom Schreiben. Es ist eine vollständige Lähmung.
    Es fehlt mir inzwischen das Werkzeug, um mich auszudrücken.
    Ich habe nicht mehr den Körper zum Sitzen.
    Ich habe den Verstand nicht mehr, um einen ganzen Satz zu bilden.
    Ich habe Angst, dass ich sterben werde, bevor ich meinen Tod schreiben kann.
    Ich habe Angst, dass die Sprache in mir eingesperrt bleibt und nie einen Weg nach draußen finden wird. 
    Hunger fürchte ich mehr als den Tod, denn er packt dich in langsamen, dich verschlingenden Wellen, bis nur ein sich auflösender Schatten bleibt, der nicht einmal schreien kann.
    Wird jemand das lesen?
    Wird jemand glauben, dass ein Schriftsteller nicht länger schreiben konnte, weil er nichts zu essen hatte?
    Wird sich jemand dafür interessieren, dass Menschen in irgendeinem Winkel der Welt dermaßen hungern, dass ihre Seelen zum Schweigen gebracht werden. 
    Vielleicht nicht.
    Doch ich habe dies geschrieben – trotz alledem.
    Um zu sagen, dass Schreiben möglich ist.
    Aber nur wenn der Körper überleben darf.

Antworten

  • Mensch Moshe ich kann gar nicht zu Ende lesen, sonst kommt mir das Frühstück wieder
    hoch. Es ist eine Katastrophe, dass solche Menschen meinen sie wären die „Erlöser“,
    in Wirklichkeit sind sie die Totengräber eines jeden Volkes.

    Antworten

    1 Antwort auf diesen Kommentar anzeigen ▼

  • Wo nicht weiser Rat ist; da geht das Volk unter; wo aber viele Ratgeber sind, findet sich Hilfe❓

    Ziemlich übergeschnappt zu behaupten das Zahal mehr als Teppichklopfen im Iran erreicht hat. Das tatsächliche Ergebnis ist das der Iran bald über Nuklearwaffen verfügt und sämtliche Verhandlungen darüber entscheiden ablehnt. Israels Raketen Schirm „Kipat Barzel“ ist nicht mehr, als eine teure Hybris die gegen die Iranische Vergeltung NIX gebracht hat.

    Schin Bet, Aman und Mossad haben auch die Vorbereitungen der Hamastanis für den 7. Oktober 23 nicht mitbekommen.

    Am Israel Chai

    Antworten

    2 Antworten auf diesen Kommentar anzeigen ▼

  • Und jetzt erinnern wir uns mal daran, weshalb 2018 der Karikaturist Dieter Hanitzsch von der Süddeutschen gefeuert wurde:

    https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/medien/suddeutsche-zeitung-trennt-sich-von-dieter-hanitzsch-3953395.html

    Von „antisemitischen Klischees“ war die Rede, von „unüberbrückbaren Differenzen“ (Hanitzsch war lange Jahre für die SZ tätig!!), gar von einer „Verweiblichung“ des Dargestellten als „Stilmittel des Antisemitismus“ wurde gesprochen, um den Träger des Bundesverdienstkreuzes loszuwerden.

    Hintergrund des „Skandals“ im Stile der „Documenta“-Nummer war daß eine dumme dicke, aber „woke“ Israelin den ESC gewonnen hatte, und daß der Massenmörder Netanjahu diesen Sieg in der Presse mit der klar religiösen Formel „Und nächstes Jahr in Jerusalem!“ feierte.

    Antworten

  • Wenn „das Volk Israel … durch den 7. Oktober gerettet worden“ [ist], dann hätten sie den selbst veranstalten müssen, wenn die Hamas nicht so nett gewesen wäre. Wie 9/11 – den seinen gibt‘s der Herr im Schlaf …

    Antworten

  • Mich interessiert nur, wann endlich der Rest dieser jämmerlichen Welt diese Kriminellen endlich zur Verantwortung zieht und aufhört Komplize zu sein!
    Ich habe längst nichts mehr als abgrundtiefe Abscheu vor dem „Wertewesten“, der sich an den Verbrechen mittels Waffenlieferungen auch noch bereichert und das „Staatsraison“ nennt. Was für ein perverses Denken!
    Ekel und Abscheu, nichts weiter, ganz besonders gegenüber Deutschland!

    Antworten

    2 Antworten auf diesen Kommentar anzeigen ▼

  • Vielleicht jetzt, dachte ich. Zuckermann musste ja in den Luftschutzkeller, um sich vor Raketen zu schützen, die alle iranischer Fabrikation waren. Was ihm keinerlei Reflexion entlockte. Aber jetzt? Wieder nicht.
    Der zehnmal größere Iran hat 46 Jahre alle Ressourcen in Terror und Waffen gesteckt, in Kauf nehmend, dass das eigene Volk Not leidet. Um Israel von der Landkarte zu tilgen. Jetzt hat Israel das alles zerdeppert. Der biblische König David kann mit Ähnlichem nicht aufwarten, der ist da eine Nummer kleiner. Es ist keine Eroberung, wohl aber eine Aufforderung an die Iraner, den alten Nazi zu den Jungfrauen zu schicken. Denen braucht man das nicht zu sagen. Die Mullahs regieren nur noch mit äußerster Gewalt. Natürlich kein Thema.

    Und was zu dem Thema, dass Israel in einen koordinierten 7-Frontenkrieg verwickelt werden sollte? Natürlich war das der Plan und dann wäre es auch für Zuckermann sehr ungemütlich geworden. Aber warum ist Sinwar ausgeschert und hat vorher angegriffen? Dafür gibt es jetzt eine sehr plausible Erklärung: er fürchtete den Iron Beam, die israelische Laserwaffe, die Raketen für 2 Euro vom Himmel holt, statt 50.000 mit Patriot. Da hatte er recht, die Waffe ist seit Frühjahr 2024 erfolgreich im Einsatz.

    Völlig sinnlos laut Zuckermann die Bombardierung des Libanon. Was ist da jetzt? Die Bedrohung mit 150.000 Raketen ist weg. Es ist eine Regierung ohne Hisbollah gebildet worden. General Aoun hat schon 500(!) Militärstützpunkte der Hisbollah stillgelegt. Er wird wohl zur endgültigen Entwaffnung der Hisbollah übergehen. Das war ohnehin in der UNO-Resolution 1701 von 2006 gefordert worden. Israel hat sich daran gehalten und ist abgezogen, aber die Hisbollah hat natürlich keine Patrone abgegeben. Ein Bruch des Völkerrechts, das Zuckermann natürlich niemals erwähnen wird.
    Da im Libanon sieht es jetzt so aus, als ob Frieden einkehrt. Ich weiß, ich bin der Einzige, den das freut. Ich freue mich trotzdem.

    Israel hat alle durchgeimpft ohne Proteste. Warum gibt es dort keine Querdenker? Die haben da eben eine Klagemauer.

    Antworten

    6 Antworten auf diesen Kommentar anzeigen ▼

  • Trump hat die Atomanlagen des Iran aus eigenem Interesse bombardiert. Ausserdem hat er einen Gegenschlag gegen Israel ausgelöst, den einzig wirksamen bisher. Ein Doppelwumms sozusagen, da die USA mit der Politik Israels aus innen und außenpolitischen Gründen nicht einverstanden sein können. Ich sehe einen Zusammenhang, wenn Trump nun vom nahen Frieden in Gaza spricht. Gut gelungen finde ich.

    Antworten

    1 Antwort auf diesen Kommentar anzeigen ▼

  • IDF:

    https://freeassange.tech/der-nahe-osten/249233-gazastreifen-haaretz-bestaetigt-befehle-zur-ermordung-palaestinensischer-nahrungsmittelempfaenger/

    Antworten

  • Ehrlich gesagt, die innerisraelischen Befindlichkeiten interessieren mich nicht mehr! Ich stelle nur fest, die Mehrheit dort schein völlig durchgeknallt zu sein.

    Wegen der Militärzensur auf beiden Seiten kann man sich als Außenstehende kein klares Bild machen ob die Behauptung über das iranische Nuklearprogrammm stimmen und wie groß die Schäden in Israel sind.

    Völlig vergessen wird dabei wieder einmal der Völkermord in Gaza. Das palästinensische Volk scheint der Welt egal zu sein.

    In Deutschland stellt sich die Rechte, vom transatlantischen Flügel der AfD, der CDU, Grüne etc. unerschütterlich hinter Israel, weil die ja die Drecksarbeit für uns machen, wie der Kanzler meint. Auch Teile der Linkspartei diffamieren die Palästinasolidarität, unterstützen Israel. Selbst in der alternativen Presse bemüht man sich den Völkermord in Gaza zu beschweigen.

    Es ist hoffnungslos!
    Wer soll die Welt denn retten?
    Ich schwanke zwischen Wut und Hoffnungslosigkeit!

    Antworten

    2 Antworten auf diesen Kommentar anzeigen ▼

  • Dem F. W. Steinmeier ist in Japan eingefallen, dass es ein Völkerrecht gibt, das mutmaßlich von irgendeinem irgendwo „…mit leichter Hand… verächtlich gemacht wird“. Dann ist doch alles in Ordnung.

    Antworten

  • @ Artur
    „Der zehnmal größere Iran hat 46 Jahre alle Ressourcen in Terror und Waffen gesteckt, in Kauf nehmend, dass das eigene Volk Not leidet.“

    Mann Artur, hätte der Iran solche Sponsoren
    wie USA, Deutschland ……dann wären die Iraner bestimmt genauso „glücklich“ wie die Israelis.
    Sie bräuchten sich nicht vor durchgeknallten Zionisten zu schützen und die Israelis vor
    (noch nicht) durchgeknallten Mullahs.
    Die Innenpolitik geht Israel nichts an….!
    Und die iranischen Raketen waren eine Reaktion auf die Aktionen der Israelis…nur nochmal zum Verständnis wer hier wen attackiert.

    Antworten

  • „Politisierung des Religiösen“

    Der Zionismus hat doch von Anfang an das Religiöse (und Mythische) politisiert. Warum wurde Israel denn nicht in Sibirien, Kanada oder Alaska gegründet, da wo noch viel freier Platz war? Sondern in Palestina, das schon von Arabern bevölkert war, die man vertreiben musste. Und die Vertreibung hält bis heute an, wie man in Gaza und im Westjordanland sehen kann.

    Antworten

    3 Antworten auf diesen Kommentar anzeigen ▼

  • Des Kanzlers Kammerjäger (anm.: Netanjahu)
    Friedrich Merz lobte Israel dafür, im Namen des ganzen Westens „die Drecksarbeit“ getan zu haben — damit verlieh er Mord und Völkerrechtsbruch die höchsten politischen Weihen.
    https://www.manova.news/artikel/des-kanzlers-kammerjager

    Haaretz bestätigt Befehle zur Ermordung palästinensischer Nahrungshilfeempfänger
    https://archive.ph/AQQNZ

    Gaza: Israelische Soldaten berichten von normalisierten Kriegsverbrechen
    https://www.jungewelt.de/artikel/502866.krieg-gegen-pal%C3%A4stinenser-massaker-als-standardpraxis.html

    Is Berlin planning a strike on Moscow? Merz wrote the justification – just ask Iran
    Kant is spinning in his grave, while Friedrich Merz is devising maxims from hell
    https://swentr.site/news/620438-germany-iran-israel-kant/

    Antworten

  • Die Äußerungen solcher Psychos wie Netanyahoo.com und etlicher im wertdreck Westen sind für mich nicht mehr lesbar.
    DAS IST DIE REINSTE KLAPSMÜHLE.
    Da ist nichts beschönigt, oder übertrieben. Es sind pathologisch WAHNVORSTELLUNGEN!
    Eines noch konkret. Ich kann das zwar verstehen, aber Herr Zuckermann scheint offensichtlich die Unterlegenheit in diesem Krieg des Militärs und die massiven Zerstörungen in Israel zu ignorieren.
    Israel ist am Ende!

    Antworten

    3 Antworten auf diesen Kommentar anzeigen ▼

  • Hier ein Text von Petra Erler.
    https://petraerler.substack.com/p/uber-vorfalle-die-deutlich-fragen
    „Aufgrund dieser Studie, die auf Harvard-Dataverse erschien, gab es mediale Berichte über mutmaßlich hundertausende Tote im Gaza-Streifen. France 24 sprach darüber mit dem Studien-Autor. Dieser wird seine Zahlen, die er auf Berichte der israelischen Armee stützte, einschließlich eines Zahlendrehers, korrigieren. Denn dadurch „verschwanden“ etwa 377.000 Menschen in Gaza.

    https://www.france24.com/en/middle-east/20250625-harvard-report-gaza-missing-misinterpreted-number-israel

    Die mediale Aufmerksamkeit für die hohe Zahl der mutmaßlich Toten (Lancet sprach zuletzt über etwa 180.00 Tote) verdeckte die zwei wesentlichen Befunde der Studie von Garb.
    Erstens: Rund 1 Million Palästinenser, die aktuell in Gaza City sind, haben überhaupt keinen Zugang zu den fünf israelischen „Ausgabepunkten“ für die „humanitäre“ Versorgung der Menschen im Gaza-Streifen.
    Laut jüngstem Bericht der FAO und des Welternährungsprogramm sind alle in Gaza, also 2,1 Millionen Menschen, längst mindestens im Zustand „akuten Hungers“, darunter eine Million in einer extremen humanitären Notsituation (Phase 4). Knapp eine halbe Million ist in der schlimmsten Phase, der Katastrophe der Hungersnot, gefangen. (…)
    Die genaue Beschreibung, wie solche israelischen „Ausgabepunkte“ angelegt sind.
    So sieht der Weg zur Ausgabestelle aus, und ich lade Sie ein, ihn heute mit mir zu gehen, in Solidarität mit den vom Krieg geschundenen, den Hungrigen und Verhungernden in Gaza.
    Wir laufen. Es gibt keine Straße, keine Gleise.
    Wir laufen über Gelände, wo früher Siedlungen standen. Nun ist es Schutt und Geröll, möglicherweise etwas eingeebnet.
    Wir kommen zu Einzäunungen, die uns in eine bestimmte Spur zwingen (vgl. Bild 3).
    So wie man auf Flughäfen Menschen „kanalisiert“. Nur statt der Hinsteller, die man wegnehmen kann, treffen wir auf Zäune, auf Stacheldraht.
    Überall sind Scheinwerfer. Alles ist eingezäunt, verrammelt, verbarrikadiert. Vier bewaffnete Wachposten säumen das Gelände.
    Auch die Ausgeber sind bewaffnet.
    Nirgendwo ist ein Baum. Nirgendwo findet sich Schatten. Der Sommer ist heiß.
    Es gibt keine Toiletten, keine Wasserspender.“

    Antworten

  • Israel wurde das „1 mal vor der Weltöffentlichkeit“ so herabgesetzt wie diese das verdienen.
    Ein grosser Schlag gegen die Zionisten, aber auch ein relativer Schlag gegen gutgläubige Juden.
    Diese Inszenierung wird von D bezahlt, wegen der deklarierten Staatsraison für Israel …
    Diese Inszenierung muß anhalten bis die multipolare Ordnung einigermaßen steht und solange wird Geld transferiert aus dem Westen bis diese steht.
    Euer Leid ist des anderen Freud, aber die Initiatoren vom Exceptionalismus bleiben unbehelligt.
    Das ist das Wort für Demokratie und vergesse nicht die Simulation vom und für das Kapital.

    Antworten

  • Allein dieses Bild mit Netanjahu an der Klagemauer und seinem Zitat vom 22.6.: „Ein Volk hat sich erhoben wie ein Löwe. Wir werden weiterhin Wunder tun, um die Ewigkeit Israels über Generationen hinweg zu sichern.“

    Der Typ ist doch ein gemeingefährlicher, geisteskranker Psychopath und ich glaube, dass ich wegen des Bildes jetzt mal ’ne Runde kotzen gehen muss.

    Antworten

    1 Antwort auf diesen Kommentar anzeigen ▼

  • Mit Verlaub mal wieder, ja, auch ich habe neulich mal diesen aktuellen Oberschurken als finalen – endlich ist er da – ‚Messias‘ bezeichnet. Als das letzte Mal die ‚Mutmaßung‘ um sich griff, dass da ein außerehelich gezeugter Zimmermannsbastard sich als der schon allzu lange Erwartete endlich als Messias aufzuspielen vermochte, dauerte es allerdings nicht mehr lange, dass sich anderweitig orientierte Machthaber wie auch deren zu Dank verpflichteten Eliten nebst zuarbeitenden Imperiumsvertretern mit ähnlichen Intentionen gefährdet erachteten. Da hatte dann wohl einer die Rechnung ohne den Wirt gemacht! Gefahr erkannt, Gefahr gebannt! Aufgeknüpft ist dann schnell, drei rostige Nägel eingeschlagen auch! Ratzfatz!

    Ob es dieses Mal mt dem Messias auch so ausgehen sollte wie damals? Wer weiß! Wie hieß es dazu sogar dieser Tage? Der ‚Kaiser von Rom Trumpus maximus‘ sei mal ausnahmsweise über BiNRI überhaupt nicht ‚amused‘ gewesen und hätte deshalb höchstselbst eingreifen müssen. Und das, wo doch der sich längst mindestens als Nebenkaiser Wähnende von Ost-Rom 2.0 – Friedericus minimus – glaubte, sich mit einer gänzlich anderen, konträren Einschätzung der Welt gegenüber outen zu müssen? Hoppla, Thekla! Wenn das mal nicht entlarvend ist, sein O-Ton „„Das ist die Drecksarbeit, die Israel macht für uns alle“! Für uns alle? Aha, verstehe – da heißt es aber dieser Putztruppe wahrlich dankbar zu sein, oder?

    Wir alle, die aus Drecksarbeit wohl exzessiv Nektar Ziehenden, wir dürfen uns also ‚frei‘ von irgendwelchen Aufgaben wenn nicht Bedrohungen fühlen, sonst gäbe die höchst vasallenfürstliche Verlautbarung ja keinen Sinn. Der gut von allzuvielen erinnerlichte Slogan von dereinst – immer gut sichtbar über speziellen Toren angebracht, der von „****** macht frei“ seit wenigen Jahren soll ja zwischenzeitlich höchstjustiziabel sein und somit als ober-bäh zu meiden. Man höre und staune, sogar eine einfache Google-Suchanfrage dazu vermeldet postwendend: „Unsere Systeme haben ungewöhnlichen Datenverkehr aus Ihrem Computernetzwerk festgestellt.“ Man soll sich doch tunlichst erst einmal als Nicht-Roboter offenbaren. Nachtigall, ick hör dir … Gewiß, die Digitalisierung schreitet voran.

    War Kierkegard ein Nazi? Offensichtlich, stammt doch die hier verlautbarte Mutmaßung von ihm „Gerade durch die Arbeit macht der Mensch sich frei, durch die Arbeit wird er ein Herr der Erde, durch die Arbeit endlich beweist er es, dass er über der Natur steht.“ Jedenfalls scheint sich der Suchservice für des Gehens mächtige Enten sich dem unbändigen deutschen Rechtsstaat nicht besonders verpflichtet zu fühlen. Und dennoch, frage mich ernsthaft: ist der einzig auf Basis wohl unfehlbarer Äußerungen (s.o.) eines Kanzlers mit Weisungsrecht erzeugte Slogan „Drecksarbeit macht frei“ jetzt verwendungsfähig oder nicht? Wo doch diese uns alle freimachende ‚Drecksarbeit‘ ausgerechnet von denjenigen freundlicherweise verrichtet worden sein soll, deren Altvordere zuhauf einst unter dem ähnlich lautenden, heuer verbotttenen Konvolut zu leiden hatten? Wer ist denn jetzt ein Antis…. ? Und wer überhaupt …? Fragen über Fragen!

    Könnte es jetzt dabei belassen. Muß aber dann doch noch wenigstens einen anderen Gedanken, der sich mir geradezu aufdrängt, hier anbringen. Nein, mit dem eindeutig benannten, neuen Messias direkt hat es nichts zu tun, mit Bibistan unter anderem eher schon. Zugegeben, darauf gebracht hat mich ein MacArthur, seine irgendwie gespaltene Persönlichkeit (contra Wlad, pro Bibi) brachte mich schon des längeren zum grübeln. Nun, mir als Badener ist das schon irgendwie eingängig – Gott erhalte mich und meine Vorurteile: bei einem Schwaben ist das nicht verwunderlich.

    Aber was ich eigentlich sagen wollte: Mit seinem oben zitierten Dankeswort hat unser aller Kanzler, mit ihrer Staatsräson und auch Selbstverteidigung hat seine Vorgängerin wie auch deren Nachfolger, haben auch viele, viele Andere z.B. auch vom Völkerrecht her Kommende oder einst zu einer anderen Putztruppe angehörende eigentlich offenbart: Es wuchs wohl zwischenzeitlich endlich zusammen, was schließlich zusammen zu gehören hatte. Ja doch, das Eisberg-Syndrom eben! Übertragen bedeutet es bekanntlich, das was wir wissen ist gerademal ein Fünftel von dem was wir wissen sollten, könnten, müßten. Der ganze ‚Schmutz, der von unterhalb der Wasserkante im Dunkeln, der da also zu wabern hat, ihre Offenbarung, ihre Entsorgung – eine Drecksarbeit ohnegleichen.

    Antworten

  • Ganz viele Verbrechen auf der Welt, gersde gegen die Menschlchkeit, oder auch Vergewaltigungen und viele andere kriminelle Delikte, sind wegen falscher Konditionierung der Protagonisten religiös motiviert.

    Antworten

  • Ich bin für die Wiedervereinigung.
    Die Wiedervereinigung Netanjahus mit seinem Bruder.
    Am Besten in Entebbe.

    Antworten

    1 Antwort auf diesen Kommentar anzeigen ▼

  • Israel verliert langfristig, der Zionismus ist bereits am Ende, nur dauert es in der Regel bis der Volkssturm, aka Zentralrat, es merkt.

    Antworten

  • „Israel hat alle durchgeimpft ohne Proteste. “
    Das erklärt natürlich vieles…..

    Aber auch ohne Impfung schon vorher nachdenklich stimmend dieses Völkchen.
    Da hatten sie den gescheiterten Versuch der Deutschen sie auszurotten kaum hinter sich.
    Jeder der solches hinter sich hat sollte doch wissen was das für Leid bedeutet, Demütig sein, und das keinem anderen wünschen. Aber nein was machen die ? Kaum dem Tod von der Schippe gesprungen fangen sie das ganze Spiel in Palästina selber an, und zwar gegen unschuldige Schwächere nicht etwa gegen ihre
    ehemaligen Peiniger, jetzt dicke Freunde.
    Mag jeder selber urteilen, was er von solchem Verhalten denken soll.

    Antworten

  • Wieseo „neuer“ Messias?

    Schon in den 1980ern wurde Netanjahu vom Chabad-Lubawitscher Rabbi Menachem Mendel Schneerson aufgefordert, die Rolle des „Moshiach ben Yosef“ zu übernehmen, also die Rolle des Vor-Messias, der nach der Vernichtung Amaleks dem „Moshiach ben David“ das Szepter übergibt.

    Antworten

  • Der neue Messias hat gute Chancen, das es doch noch mit dem Knast klappt.
    Die wirtschaftlichen Probleme sind ja nicht weg, sondern haben sich vermehrt.
    Und, das kleine Problem mit dem Gaza und inzwischen über hunderttausend Toten ist ja nicht weg.

    Antworten

  • „Es ist unabweisbar, dass die iranische Nuklearisierung einen heftigen Schlag erlitten hat und vorerst aufgehalten worden ist.“

    Das ist Unsinn. Der Satz zeigt, dass Zuckermann im israelischen Saft schmort, nicht die genügende Distanz hat, um nüchtern zu urteilen. Stattdessen wiederholt er zitierend den ganzen Propagandaschrott, statt sich den Schäden zuzuwenden, die iranische Raketen verursacht haben. Kaum eine militärische Zentrale, die nicht mindestens einmal getroffen wurde. Der einzige Grund, dass die Iraner nicht noch viel heftiger reagiert haben, liegt darin begründet, dass sie auf keinen Fall eskalieren wollten, da ihnen bewusst ist, dass einem geschwächten Israel der ganze Westen, namentlich die usa zu Hilfe käme und, egal wies schliesslich ausginge, gigantische Schäden auch im Iran unvermeidlich einträten.

    Die Vorräte an Flugabwehrkanonen wären schnell zur Neige gegangen, die Quote der iranischen Raketen, die ihr Ziel erreichten nahm schon laufend zu. Zuckermann denkt nicht in militärischen Kategorien und schätzt daher die Lage falsch ein. Spätestens wenn klar wird, dass die Iraner punkto Atomprogramm, nun wohl komplett opak, nicht nachgeben, wird es zu den nächsten Verwerfungen kommen, das ist allenfalls Monate entfernt. Die Zeit wird kaum reichen, die schwer geschädigte israelische Wirtschaft zu flicken, zumal in Gaza weitergemordet wird.

    Antworten

    1. In Israel gibt es eine Militärzensur.
      Ich würde da nicht zu hart mit Herrn Zuckermann ins Gericht gehen.
      Würde hier der Verteidigungsfall ausgerufen, gäbe es sofort noch weniger Infos.
      Das auf russischer Seite praktisch alles fast live im Internet landet ist ein Novum.
      Damit wäre dort aber auch sofort Schluss, würde sich die Situation für die russischen Streitkräfte nachhaltig verschlechtern.

    Antworten


  • Info: https://overton-magazin.de/top-story/der-neue-messias/


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    28.06.2025

    Wurde, wie Trump behauptet, die Anreicherungsanlage Fordo zerstört?

    Screenshot_2025_06_29_at_00_38_18_Wurde_wie_Trump_behauptet_die_Anreicherungsanlage_Fordo_zerst_rt_Overton_Magazin

    Pentagon-Darstellung des Angriffs auf die unterirdische, in einem Berg gelegene Urananreicherungsanlage Fordo.


    overton-magazin.de28. Juni 2025 25 Kommentare

    Nachdem ein vorläufiger US-Geheimdienstbericht, der an NYT und CNN geleakt wurde, zu dem Schluss gekommen sein soll, dass die Bombardierung der tief in einem Berg befindlichen Anreicherungsanlage Fordo nur geringen Schaden verursacht hat, ist die Propagandamaschine des Weißen Hauses angelaufen. Es geht um die Rettung eines angeblich „historischen“ Angriffs, der das angebliche Atomwaffenprogramm Irans in Fordo, Natanz und Isfahan völlig zerstört haben soll, wie das Präsident Trump behauptet hatte. Deswegen sei auch kein neues Atomabkommen mehr notwendig.


    Trump hatte schon in seiner ersten Präsidentschaft Schwierigkeiten mit den Geheimdiensten. Jetzt hatte er Tulsi Gabbard als Chefin der obersten Geheimdienstbehörde DNI eingesetzt, die im März dem Kongress den Sicherheitsbericht aller Geheimdienste vorgestellt hat. Sie sagte, der Iran verfolge kein Atomwaffenprogramm. Das blieb zunächst unwidersprochen, bis Israel, vielleicht schon mit Einverständnis von Washington, den Iran angriff, der angeblich wie schon seit 20 Jahren immer wieder unmittelbar vor Fertigstellung der Atomwaffe sein sollte,  und Trump in Vorbereitung des geplanten und schon lange vorbereiteten amerikanischen Militärschlags die Aussagen seiner Geheimdienstchefin und der Geheimdienste beiseite wischte.

    Trump wollte den Erfolg seines Wumms-Angriffs, der zudem dank des weitsichtigen Handelns des US-Präsidenten zu einem Waffenstillstand zwischen Iran und Israel führte. Er erklärte, israelische Geheimdienstagenten hätten vor Ort seine Behauptung bestätigt, was in Israel aber bestritten wurde. Überdies behauptete er, dass kein angereichertes Uran vor dem Angriff entfernt wurde. Er beschuldigte demokratische Politiker, den Geheimdienstbericht über den „perfekten Flug zu den iranischen Atomanlagen“ geleakt zu haben. Sie müssten strafrechtlich verfolgt werden, schrieb er. Die verantwortlichen Journalisten sollten entlassen werden.

    Dass der iranische Außenminister Trump beistand und erklärte, dass die iranischen Atomanlagen schwer beschädigt  wurden, kann nicht wirklich eine Bestätigung sein, sondern könnte schlicht die Intention gehabt haben, die USA und Israel von weiteren Angriffen abzuhalten. Araqchi machte keine Angaben, ob die Beschädigungen nur die an der Oberfläche befindlichen Anlagen oder auch die unterirdischen.

    Vizepräsident Vance pries denn auch die angeblich erfolgreiche „Trump-Doktrin“ an: „Nr. 1: Man artikuliert ein klares amerikanisches Interesse, und das ist in diesem Fall, dass der Iran keine Atomwaffe haben darf. Nr. 2, man versucht, dieses Problem auf aggressive Weise diplomatisch zu lösen. Und Nr. 3, wenn man es nicht diplomatisch lösen kann, setzt man überwältigende militärische Macht ein, um es zu lösen, und dann verschwindet man von dort, bevor es zu einem langwierigen Konflikt kommt.“

    Im Pentagon wurde die Operation Mitternachtshammer noch einmal ausführlich geschildert, um die perfekt arbeitende Militärmaschine und den angeblichen Erfolg der Angriffe zu feiern. Am Donnerstag gaben Verteidigungsminister Pete Hegseth und Luftwaffenkommandeur Dan Caine eine Pressekonferenz, in der sie über die „historisch erfolgreiche“ Bombardierung der unterirdischen iranischen Anreicherungsanlage in Fordor berichteten und natürlich Trump lobten: „Durch entschlossenes militärisches Handeln hat Präsident Trump die Voraussetzungen für die Beendigung des Krieges geschaffen und gleichzeitig die nuklearen Fähigkeiten des Irans dezimiert – wählen Sie Ihr Wort – ausgelöscht, vernichtet.“ Da bleibt man doch vager als Trump.

    Caine sagte, das Pentagon sei zuständig für das korrekte Ablaufen der Operation, nicht für die Bewertung der Schäden. Hegseth versicherte, der Geheimdienstbericht der DIA sei vorläufig und wenig vertrauenswürdig, die erforderliche Bewertung benötige Zeit. Zudem hätten andere Organisationen wie die Israelische Atomenergiekommission, die IAEA oder die DNI-Chefin Gabbard, nach denen die Infrastruktur zerstört und die Anreicherungsanlage arbeitsunfähig gemacht worden sei. Hegseth kritisiert die Einseitigkeit der Medien, die, einschließlich Foxnews, gegen Trump sei und so vorgehe: „Nehmen wir Halbwahrheiten, verdrehte Informationen, durchgesickerte Informationen und drehen wir sie, drehen wir sie auf jede erdenkliche Weise, um Zweifel zu wecken und die Meinung zu manipulieren – die Meinung der Öffentlichkeit darüber, ob unsere tapferen Piloten erfolgreich waren oder nicht.“

    Wichtig scheint gewesen zu sein, dass die Vorbereitungen schon seit 15 Jahren gelaufen und dass die eingesetzten bunkerbrechenden GBU-57-Bomben (massive ordnance penetrator MOP) eigens dafür entwickelt worden seien. Angeblich hatte das Pentagon schon 2009 Kenntnis von der Anlage in Fordor. Zwei Mitarbeiter der Defense Threat Reduction Agency hätten sich darum gekümmert und gesehen, dass mit den vorhandenen Bomben nichts zu machen sei und hätten sich dann um die Entwicklung der GBU-57 gekümmert, um zu zerstören, was sich in dem Berg befindet. Es wurden zahlreiche Tests durchgeführt. Alles sei darauf ausgerichtet gewesen, „dieses Ziel zu einem Zeitpunkt und an einem Ort unserer Wahl zu töten“. Für die geheime Entwicklung und Simulation habe das MOP-Programm die meiste Supercomputer-Zeit der USA verwendet.

    Angezielt wurden nach Caine zwei Lüftungsschächte, die die Iraner mit Betonkappen zu schützen suchten. Alles war angeblich Präzisionsarbeit: „Der Deckel wurde von der ersten Bombe gewaltsam entfernt und der Hauptschacht freigelegt. Die Bomben zwei, drei, vier und fünf hatten den Auftrag, in den Hauptschacht einzudringen, sich mit mehr als 1.000 Fuß pro Sekunde in den Komplex einzudringen und im Missionsraum zu explodieren. Die Bombe Nummer sechs war auf jeder Seite vorgesehen – es gab also sechs auf jeder Seite. Waffe Nummer sechs war als flexible Waffe konzipiert, um uns eine Deckung zu ermöglichen, falls einer der vorgehenden Jets oder eine der vorangegangenen Bomben nicht funktionierte.“ Man sehe keine Einschlagskrater, weil die Bomben erst in die Tiefe vordringen und dann explodieren. Rätselhaft bleibt nach der Schilderung, warum auf den Satellitenbildern nach dem Angriff jeweils drei Einschlaglöcher zu sehen sind und warum nicht dennoch die Explosionen in den verschiedenen Tiefen einen größeren Auswurf verursacht haben, was nach den Videos von Tests, die zum Beleg der Wirksamkeit vom Weißen Haus gezeigt werden, durchaus der Fall ist.

    Hier klicken, um den Inhalt von X anzuzeigen.



    Erfahre mehr in der Datenschutzerklärung von X.

    Tweet direkt öffnen



    Völlig unklar ist, wo sich die 400 kg auf 60 Prozent angereichertes Uran befinden, aus denen sich angeblich schnell atomwaffenfähiges Material machen lässt. Trump behauptete, das angereicherte Uran sei nicht entfernt worden und durch die Bombardierung von Fordo unzugänglich geworden. Aber es ist unbekannt, ob es wirklich in Fordo war und nicht in Natanz oder Isfahan, wo es nach der IAEA sein sollte – oder woanders. Womöglich gibt es eine geheime, bislang unbekannte Anlage, wo auch Zentrifugen sind, um das Uran weiter anzureichern.

    Nachdem Ajatollah Ali Khamenei ziemlich irreal den Sieg im Krieg erklärt hat, wurde Trump sauer und wiederholte erneut, dass die drei „bösen“ Atomanlagen Fordo, Natanz und Isfahan vernichtet worden seien: „Als ein Mann mit großem Glauben sollte er nicht lügen. Sein Land wurde dezimiert, seine drei bösen Atomanlagen wurden vernichtet, und ich wusste GENAU, wo er sich versteckt hielt, und wollte nicht zulassen, dass Israel oder die US-Streitkräfte, die bei weitem die größten und mächtigsten der Welt sind, sein Leben auslöschen. Ich habe ihn vor einem sehr hässlichen und unbedeutenden Tod gerettet, und er muss nicht sagen: ‚DANKE, PRÄSIDENT TRUMP!‘“ Er wollte angeblich die Sanktionen beenden, jetzt aber nicht mehr.

    Auf einer Presskonferenz sagte Trump, dass er vom Iran die Herausgabe des angereicherten Urans verlangen könnte. Und weiter: „Ich würde nicht zögern, den Iran erneut anzugreifen, wenn sich herausstellen sollte, dass der Iran über ausreichend angereichertes Uran verfügt, um eine Bombe zu bauen.“ Aber letztlich ist gerade die „One, Big, Beautiful Bill“ und das Urteil des Supreme Court wichtiger, das die Möglichkeiten der Bundesgerichte einschränkte, Trumps Dekrete auszusetzen.


    Florian RötzerFlorian Rötzer, geboren 1953, hat nach dem Studium der Philosophie als freier Autor und Publizist mit dem Schwerpunkt Medientheorie und -ästhetik in München und als Organisator zahlreicher internationaler Symposien gearbeitet. Von 1996 bis 2020 war er Chefredakteur des Online-Magazins Telepolis. Von ihm erschienen sind u.a. „Denken, das an der Zeit ist“ (Suhrkamp 1988), „Die Telepolis“ (1995), „Vom Wildwerden der Städte“ (Birkhäuser 2006), „Smart Cities im Cyberwar“ (Westend 2015), „Sein und Wohnen“ (Westend 2020) oder „Lesen im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz“ (Bielefeld 2023)
    Mehr Beiträge von Florian Rötzer →

    Ähnliche Beiträge:


    Schlagwörter: , , , , ,


    25 Kommentare


    1. Und morgen erfahren wir, wie genial die USA die Nordstream-Pipelines in die Luft gejagt haben. Dass sie den deutschen Mainstream dazu gebracht haben, für diese Zerstörung sogar dankbar zu sein, wissen wir ja schon.

    Antworten

    1 Antwort auf diesen Kommentar anzeigen ▼

  • Da sind bei Trump jetzt wohl alle wichtigen Synapsen durchgeknallt. Es wäre für den
    Iran jetzt lebenswichtig so schnell wie möglich einen ersten Atombombertest zu machen.
    Idealerweise schon mit einer Hyperschallrakete als Träger der Bombe. Nur wenn die
    Terrorstaaten Israel und USA wissen, dass sich der Iran wirklich wehren kann, werden sie
    ihn endlich in Ruhe lassen. Alle Verhandlungen und alles Vertrauen auf ein friedliches
    Miteinander haben bei den Terrorstaaten nur für Übermut gesorgt. Wie bei RT zu lesen
    ist, kann dieser Überfall auf den Iran wohl auch ein Probelauf für einen Angriff auf
    Russland gesehen werden. Das die Bunkerbrecher nur für die Atomverstecke des Iran
    konzipiert wurden ist kaum zu glauben. Es ist wirklich krank wie sich Israel und die USA
    / Trump aufspielen.

    Antworten

  • Fast täglich nun tröstende Worte von Herrn Rötzer an die Leserschaft, die es nicht verdauen könnte, dass diese 400 Kilogramm nicht mehr existieren. Wie fürsorglich. Nur ist das nur eine Nebensache. Die Hauptsache ist die Zerstörung der Trägersysteme und die ist wohl gelungen. Das ist nicht nur ein Sieg für Israel, sondern beispielsweise auch für die 11 Anrainer des Jemen. Dort haben die Iraner ihre Terroristen hineingesetzt, die sich mit rein militärischer Gewalt an der Macht halten. Und diese haben die Anrainer mit iranischen Waffen beschossen. Dröhnchen hier, Raketchen dort. Jetzt ist Dröhnchen futsch und Raketchen fort. Die feiern das, wenn auch nur insgeheim.
    Die Atomsanreicherung diente vorwiegend dazu, mit dem Westen Jojo zu spielen. Nazis wissen, dass die immer versuchen werden, mit Appeasement etwas zu erreichen. Der oberste der Appeaser, Barack Obama, hat sich widerstandslos über den Tisch ziehen lassen. Dass der Iran unter großem Geschrei die Inspektion seiner militärischen Anlagen verweigerte, störte ihn nicht. Aber da ist noch etwas: die DEA war der Hisbollah auf der Spur, der größten Verbrecherorganisation des Planeten. Sie waren drauf und dran, den Laden hochgehen zu lassen. Aber dann kam von Obama das Aus für die Aktion. Um nur ja nicht die Mullahs zu verärgern.

    https://www.politico.com/interactives/2017/obama-hezbollah-drug-trafficking-investigation/

    Die Mullahs haben sicher Tränen gelacht. Die trinken keinen Alkohol, aber das ist unter diesen Umständen auch unnötig. Die dummen Westler sorgen für ausreichend Heiterkeit.

    Antworten

    6 Antworten auf diesen Kommentar anzeigen ▼

  • Wann würde es eigentlich Usus im Journalismus die Leser zu befragen

    und nicht andere zum Beispiel sich selber.

    ?

    Antworten

  • Sollte nicht erhöhte Radioaktivität auffällig werden, wenn man das Zeug pulverisiert hat?
    Die Show, mit der Trump die beste Nuklearanlagen-Zerstörung promotet, macht skeptisch.
    Niemand spricht ausserdem über das Kriegsverbrechen…
    Irgendwie stinkt die ganze Sache zum Himmel. Der Zionist schweigt auffallend, der Iran hält sich auch vergleichsweise bedeckt.. und die Geheimdienste sagen etwas anderes als der Orange.
    Hat jemand das Video von Trump gesehen, mit der er die Bombardierung feiert? So krank.

    Antworten

    1 Antwort auf diesen Kommentar anzeigen ▼

  • Ach, Iran wurde doch vorher angerufen, um den Großteil des kostbaren Stoffes zu sichern. Danach wurden die USA vom Iran angerufen, wobei den Amis mitgeteilt wurde, wann und wo ihre Militärbasen angegriffen werden, damit nichts ernsthaftes passiert. The show must go on, das Bedrohungsszenario soll weiterhin vorhanden sein.

    Jedoch: Das Spiel wird langsam zum alten Hut. Aber lasst euch deswegen bloß nichts neues einfallen, sondern geht den friedliebenden Menschen endlich aus der Sonne, ihr Global Psychos.

    BTW: Mit Hilfe des Overton-Magazins könnte man exemplarisch die Über-Fixierung der Linken nach ’68 auf das Ausland, bzw. exotische Länder belegen. Das wirkt auch zunehmend angestaubt, insbesondere wenn die Probleme und Konflikte im Inland jeden Tag größer werden.

    Antworten

  • Das nennt sich „gesichtswahrende“ Propaganda ☺️
    Wer jedoch das Spiel, bzw. die Zusammenhänge nicht durchschaut, bleibt mittlerweile ziemlich
    ratlos auf der Strecke. ????

    Thomas Röper vom Anti-Spiegel hat darüber einen sehr schönen Artikel geschrieben.

    Trumps Trick und Irans Sieg?
    https://odysee.com/@apolut:a/cZ58q1doN35n3Wg2sFGwCJ:9

    Antworten

  • Man stelle sich mal vor Russland hätte irgendwo eine Bombe auf atomares Material geworfen, was dann in den Medien los wäre, man wäre kurz davor den 3. WK auszurufen. Stattdessen wird das im MS nonchalant abgehandelt als wäre das nur irgendein minderer Klacks. Da komm ich noch nicht drüber weg. Nicht nur das das völkerrechtswidrig war, man hat in Kauf genommen Teile der Erde und darauf wohnender Bevölkerung atomar zu verseuchen.

    Antworten

    2 Antworten auf diesen Kommentar anzeigen ▼

  • Zitat aus dem Artikel:
    “ 2, man versucht, dieses Problem auf aggressive Weise diplomatisch zu lösen.“

    Kann mir jemand erklären was das bedeuten soll?

    Antworten

    1 Antwort auf diesen Kommentar anzeigen ▼

  • Die Darstellungen auf der Fotocollage sehen zwar nett aus. Es fehlen mir aber z.B. Darstellungen des unterirdischen Tunnelsystems, wobei ich letztens gelesen habe, dass dieses „multi-layered“ wäre (also mehrere Ebenen hätte). Damit könnte man dann eher abschätzen, ob nur irgendwelche Druckwellen gewisse Teile im Tunnel-/Höhlen-System in Mitleideschaft gezogen haben (und was da selbst im Explosionsradius war).

    Die Zielgenauigkeit der Bombardierung war darüber hinaus natürlich mindestens genauso gut, wie die Zielgenauigkeit von Luke Skywalker beim Ausschalten des Todessterns, und das nicht mit nur einem Schuss (wie Luke) sondern mit jeder der abgeworfenen Bomben.

    Noch wichtiger ist natürlich, dass man sich hier von Seiten der Presse (und der offiziellen Stellen) jetzt nun nur auf Fordow (oder Fordo) konzentriert und die beiden anderen (von den Divided States angegriffenen) Anlagen eher vernachlässigt. Einer Aussage zufolge, welche ich in einem Ticker auf CNN gelesen habe, wurde eine der Anlagen (in Isfahan) nicht mit den „Bunker-Buster-Bombs“ bombardiert, da die unterirdischen Anlage da zu tief gewesen wären, weshalb man diese eben nur großflächig (an der Oberfläche) mit Tomahawks eingedeckt hätte.

    Genauere Wortlaut:
    „The US military did not use bunker-buster bombs on one of Iran’s largest nuclear sites last weekend because the site is so deep that the bombs likely would not have been effective, the US’ top general told senators during a briefing on Thursday.“

    In „Other News“: Der Iran wird wohl erstmal die Kooperation mit dem IAEA aussetzen.

    Antworten

  • Red Herring,
    oder Geschichten aus dem Brutkasten und solange keiner eine Uran-Plutonium Tablette* vor der UNO Vollversammlung in die Kamera’s hält glaube ich überhaupt NIX!

    *Colin Powell zeigt eine Ampulle Killefit

    Antworten

  • „Caine sagte, das Pentagon sei zuständig für das korrekte Ablaufen der Operation, nicht für die Bewertung der Schäden.“ Das ist mal vollendeter Schwachsinn. Wenn man einen Angriff plant, Waffen einsetzt und dann nicht verifizieren kann, ob der Einsatz erfolgreich war, kann man es gleich lassen. In so einem Fall kann man dann nur den Erfolg vermelden, ohne zu wissen, was wirklich passiert ist.

    Und es stellt sich die Frage, warum angeblich israelische Stellen die Übergabe des verbliebenen angereicherten Urans verlangen, wenn Mr. Trump doch alles zerstört haben will.

    Antworten

  • Donald ist Luke Skywalker beim Ausschalten des iranischen Todessterns. Das ist die unumstößliche Wahrheit im unnachlässigen Kampf der USA gegen das Böse. Aber wie in jedem Horrorfilm muss in der Schlussszene noch einmal der Zweifel geweckt werden. Lebt das Monster noch? Mit der Frage nach der kompletten Zerstörung der Bunker und dem Verbleib des Urans, arbeitet man jetzt schon an der Fortsetzungsgeschichte.

    Mit dem Uranabkommen hatte man die atomare Rüstung des Iran unter internationale Kontrolle gestellt. Aber das wollte Trump nicht. Trump kündige das Abkommen 2018 einseitig auf um die wirtschaftliche Entwicklung des Irans mit Sanktionen blockieren zu können und wohl auch um jederzeit einen Grund zu haben, militärisch intervenieren zu können.

    Es geht bei dieser Geschichte nicht um Uran und unterirdische Bunker, es geht um die Zerschlagung des Irans als eigenständigen Machtfaktor und Trump hat mit dieser spektakulären aber insgesamt doch recht sinnlosen Aktion bewiesen, dass er zu militärischen Schritten bereit ist.

    Noch gelingt es Trump sich bei seiner Anhängerschaft als „peacemaker“ zu präsentieren. Bei Lichte betrachte ist aber ausgerechnet er der Präsident, der bereit ist, die seit Jahrzehnten geschmiedeten Pläne für den nächsten Weltkrieg auch in die Tat zu setzten.

    Die US Bomben auf die iranischen Nuklearanlagen waren nur die Ouvertüre des 3. Aktes eines miesen und brutalen Stücks das noch lange nicht an seinen Höhepunkt gekommen ist.

    Antworten

  • „Nachdem Ajatollah Ali Khamenei ziemlich irreal den Sieg im Krieg erklärt hat“

    Wieso irreal? Beim Boxen würde man sagen: Der Iran liegt nach Punkten leicht vorne.

    Wie wir ja mittlerweile wissen, ging es Israel überhaupt nicht um die Atomanlagen sondern um einen Regime Change. Die Aktion hieß nicht umsonst „Rising Lion“ in Anspielung auf das Logo der Shah-Familie. … und nicht umsonst stand auf dem Zettel, den Netanjahu vor Beginn des völkerrechtswidrigen Angriffs in die Klagemauer steckte: „Siehe, das Volk wird sich erheben wie ein großer Löwe“. – Prinzip Hoffnung.

    Der Regime Change funktionierte nicht und der Iran hatte angefangen, Israel in einen Abnutzungskrieg zu ziehen, was die nicht lange überlebt hätten. Die Abfangquote sank von Welle zu Welle. Beim letzten Angriff des Irans kurz vor dem Waffenstillstand lag sie schon bei unter 50%. Raffinerien, die Mossad-Zentrale, das Kriegsministerium und eigentlich alle größeren militärisch-industriellen Komplexe wurden getroffen. Sieht man im „Westen“ natürlich nicht so. Aber, wie sagte eine ARD-Korrespondentin:
    „Israel only allowed us to show damages to residual buildings. Complete censorship about Iran strikes on military bases made people think Iran only targeted cities.“
    https://nitter.poast.org/MonitorX99800/status/1937513245436461349#m

    Insofern hat Trump mit seiner Aktion lediglich Israel den Arsch gerettet.

    Antworten


  • Info: https://overton-magazin.de/top-story/wurde-wie-trump-behauptet-die-anreicherungsanlage-fordo-zerstoert/


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    28.06.2025

    Entlarvende Offenbarung

    Screenshot_2025_06_29_at_00_32_10_Entlarvende_Offenbarung_Overton_Magazin
    Marines from Arlington, VA, United States, Public domain, via Wikimedia Commons


    overton-magazin.de28. Juni 2025 43 Kommentare

    Der deutsche Bundeskanzler dankt Israel, dass es für uns die Drecksarbeit macht. Auch die Ukraine verteidigt mit dem Blut ihrer Bürger unsere Freiheit. Was aber sagen solche Sichtweisen aus über das Denken der westlichen Führungen und den Zustand ihrer Gesellschaften?

    Es war ein Satz, den Merz so dahingesagt hatte, ohne sich anscheinend seiner tieferen Bedeutung bewusst zu sein. Teile der Öffentlichkeit reagierten darauf mit der gewohnten moralischen Empörung. Wieder andere stellten sich voll hinter diese Aussage des Kanzlers. Endlich werde einmal aufgeräumt mit den Mullahs und der Bedrohung, die sie nach westlicher Meinung darstellen. Auch Trump glaubt anscheinend, dass der Angriff auf den Iran so etwas wie die Endlösung der Konflikte im Nahen Osten bringt. Aber welche Einstellungen bringen solche Aussagen wie die von Merz und auch anderen zum Vorschein?

    Keine Drecksarbeit ohne Dreck

    Wo Drecksarbeit geleistet wird, muss auch Dreck sein. So tief scheinen Merzens Gedankengänge nicht gegangen zu sein, sonst hätte er so etwas Entlarvendes vermutlich nicht gesagt. Denn bei genauerem Hinsehen werden Abgründe offenbar, in die er der Weltöffentlichkeit sicherlich nicht gerne Einblick gegeben haben dürfte. Aber gesagt, ist gesagt. Aber was sagen uns diese Worte? Sie sagen: „Israels Armee beseitigt Dreck.“ Gilt das nur für die iranische Führung oder nicht doch auch für das iranische Volk und die Menschen im Gaza-Streifen? Sogar die Israel eng verbundene Frankfurter Allgemeine Zeitung stellt fest, dass inzwischen „der Kampf gegen die Hamas immer stärker überlagert wird von den Bestrebungen der Siedlerfraktion in der Regierung, die Palästinenser zu vertreiben“ (1).

    Soll auch hier der Dreck weggeräumt werden, der diesen Plänen im Wege steht? Trump hatte ja schon Vorstellungen von einer neuen Riviera im Nahen Osten entworfen und den Reichen der Welt goldene Zeiten in Aussicht gestellt an den Stränden des östlichen Mittelmeers. Welche Rolle soll in diesen Plänen den Palästinenser zuteilwerden? Sind sie dann die billigen Servicekräfte in den Häusern der neuen Herren? Die Vorstellungen des amerikanischen Präsidenten gehen ja schon so weit, den unbrauchbaren Rest auf die arabischen Nachbarstaaten zu verteilen, notfalls auch unter Zwang.

    Jordanien jedenfalls scheint diese Pläne so ernst zu nehmen, dass es bereits Protest dagegen erhoben hat. Drohen nun auch ihm die unausweichlichen Vernichtungsphantasien des Chefs im Weißen Haus, entweder durch Zölle oder durch die „großartigen“ Produkte amerikanischer Rüstungsunternehmen? Ob solche Phantasien auch wirklich umgesetzt werden können, ist noch etwas ganz anderes. Aber gesagt, ist gesagt, wenn auch Trump sich wenig Gedanken macht über die Verwirklichung solcher Pläne. Denn die Berücksichtigung von Gegebenheiten ist sein Ding nicht und die Erkenntnis, dass die meisten seiner vollmundigen Ankündigungen bisher an der Wirklichkeit scheiterten, hat sich bisher beim ihm nicht eingestellt.

    Aber sowohl in Trumps Phantasien, Merzens Äußerung und der Politik Israels gegenüber den Palästinensern und seinen Nachbarstaaten entpuppt sich ein Denken, das nach dem Faschismus lange als überwunden galt: Der Glaube an die eigene Besonderheit, der Vorrang der eigenen Interessen, die höheren Rechte gegenüber denen der anderen Völker dank der Überlegenheit der eigenen Werte. Ist das der Dreck, der beseitigt werden muss? Ist der Begriff „Dreck“ nun nur ein anderer, neuer Ausdruck für das höhere eigene Lebensrecht gegenüber dem Unrat, den andere Völker darstellen?

    Verdeckte Schwäche

    Verachtung nicht nur für die Rechte und Interessen anderer wird in solchen Aussagen deutlich, sondern auch Verachtung gegenüber diesen Menschen selbst. Sie scheinen für Leute wie Merz und viele anderen in den europäischen Führungen nichts weiter als Dreck zu sein. Das kommt normalerweise in den gefilterten und entschlackten Erklärungen sonst nicht so deutlich zum Ausdruck. Aber ihre tatsächlichen Entscheidungen und Handlungen sprechen eine ganz andere Sprache. Besonders die derzeitigen Kriege in der Ukraine und dem Nahen Osten offenbaren die Doppelmoral westlicher Politik und Werteorientierung.

    Aber es zeigt sich auch etwas anderes in solchen Äußerungen und den vollmundigen Drohungen aus dem Weißen Haus. Dass die Israelis die Drecksarbeit erledigen und die Ukraine unsere Freiheit verteidigt, macht deutlich, dass der politische Westen selbst dazu nicht mehr in der Lage ist. Man kann sich selbst nicht mehr den nötigen Respekt verschaffen, der den eigenen Vorstellungen entspricht. Dafür braucht es andere, die diese Drecksarbeit erledigen. Die Vorstellung der eigenen Überlegenheit, die sich besonders im westlichen Denken eingenistet hat, wird durch die Entwicklungen in der Welt immer mehr in Frage gestellt. Russland stellt diesen Anspruch militärisch infrage und China wirtschaftlich.

    Der politische Westen zeigt sich immer mehr als ein aufgeblasener Popanz, der von seiner Vergangenheit lebt, aber keine Perspektive für die Zukunft hat, nicht für sich selbst und schon gar nicht für andere Völker. Deutlich wird dieses Missverhältnis zwischen Vorstellungen und Möglichkeiten in solchen Verlautbarungen, dass Putin den Krieg in der Ukraine nicht gewinnen und der Iran niemals Atomwaffen haben darf. Dass China sich an die regelbasierte Ordnung halten muss. Und so genannte Schurkenstaaten haben sich nach den westlichen Werten zu richten und Demokratie westlichen Zuschnitts gilt als der Standard, nach dem alle anderen Gesellschaften und Staaten gemessen und gemaßregelt werden.


    Aber entgegen westlichen Befehlen gewinnt Russland den Krieg in der Ukraine. Wollen Staaten, die vor Atomwaffen strotzen, festlegen, wer außer ihnen welche besitzen darf? Das hat bei Nord-Korea schon nicht funktioniert, und wie lange man den Iran noch daran hindern kann, wird sich zeigen. Denn über die Mittel zu ihrer Herstellung verfügen immer mehr Staaten. Wieso soll sich China an eine regelbasierte Ordnung halten, über die andere Staaten ohne Beteiligung Chinas entschieden haben? Zumal jene westlichen Staaten, die immer wieder auf ihre Anwendung pochen, sie selbst nur dort respektieren, wo es ihren eigenen Interessen dient.

    Die westlichen Staaten jedenfalls sind nicht in der Lage, all diese von ihnen aufgestellten Verbote, Gebote und Forderungen gegenüber anderen durchzusetzen. Das weltweite Geflecht amerikanischer Bündnisse und Stützpunkte ist teuer. Aber es schafft keine Abschreckung mehr, nur noch Bedrohungen, die Spannungen erzeugen, ohne in der Lage zu sein, unerwünschte Entwicklungen zu verhindern. Nach den verlustreichen und teuren Kriegen im Irak und Afghanistan beschränken sich amerikanische Militäroperationen inzwischen weitgehend auf die Beherrschung des Luftraums, denn die Entsendung eigener Truppen traut man sich nicht mehr zu. Damit alleine aber sind keine Kriege zu gewinnen, wie die Ukraine und der Iran zeigen. Dauerhafte Veränderungen von Kräfteverhältnissen finden am Boden statt.

    Verfall westlichen Denkens

    Merzens Äußerung über die Drecksarbeit widerspiegelt nicht nur diese physische Schwäche des politischen Westens sondern auch den Verfall seines Denkens und seiner Moral. Der Anspruch auf moralische Überlegenheit kann im Ansehen außerhalb der westlichen Welt nicht mehr aufrechterhalten werden. Man selbst will es noch nicht wahrhaben, dass die Felle davon schwimmen. Der Rest der Welt aber wendet sich ab. Der Glanz, den einmal der american way of life versprühte, ist inzwischen sehr matt geworden. Die USA sind für die meisten Menschen nur noch wirtschaftlich interessant; eine politische oder gar moralische Orientierung bieten sie immer weniger, geschweige denn dass sie noch ein erstrebenswertes Vorbild wären.

    Die Welt verweigert sich immer öfter den Aufforderungen, Geboten und Verboten des politischen Westens. Auch wenn er der Meinung ist, dass Russland diesen Krieg in der Ukraine nicht gewinnen darf, so sieht es doch danach aus, dass es ihn gewinnt – trotz aller westlichen Beschwörungen und Wutausbrüche. Auch China richtet sich nicht nach den Regeln einer Ordnung, an deren Verfassung es selbst nicht beteiligt war. Die Regeln und Verordnungen, die der politische Westen aufzustellen über Jahrzehnte gewohnt war, werden immer seltener befolgt. Das westliche Denken ist nicht mehr in der Lage, die Welt zu erfassen, denn es geht von Voraussetzungen aus, die nicht mehr bestehen.

    Dieses Denken ist geprägt vom Idealismus der europäischen Aufklärung. Sie hatte die Menschen befreit aus der Beschränktheit des Gottesglaubens und Verwirrung der Gottesurteile. Der Mensch trat in den Mittelpunkt der Entwicklung, seine Intelligenz, sein Urteilsvermögen, seine Vernunft. Sie drückten sich aus im: „Cogito, ergo sum! Ich denke, also bin ich!“. In diesem Selbstverständnis war nur noch wenig Platz für einen Gott und seine unergründlichen Wege und Entscheidungen. Der Mensch selbst war Herr über sein Leben geworden; er hing nicht weiter an den Fäden unerforschlicher Pläne eines launischen Gottes.

    Die Aufklärung war ein Schritt der Befreiung in der Entwicklungsgeschichte der Menschheit. Das selbständige Denken wurde Waffe und Werkzeug für die Gestaltung der Welt. Den bestehenden Verhältnissen, die als unvollständig empfunden wurden, stellte es eigenständige Welten entgegen, erschuf ideale Welten. In diese Errichtung von Gedankenwelten flossen all die Wünsche ein, die besonders die neue Klasse der Städtebürger mit ihrer kapitalistischen Produktionsweise als Grundlage ansahen für eine erstrebenswerte neue Gesellschaft.

    Das idealistische Denken erschuf Wunschwelten für die Interessen, Fähigkeiten und das Drängen dieser neuen Klasse nach Freiheit. Gegenentwurf zu sein zur bestehenden Wirklichkeit, war Wesensmerkmal dieses Denkens mit den eigenen Wünschen als Kern, nach denen sich die Veränderung der Welt ausrichten sollen, und das ist es immer noch. Wie Pippi Langstrumpf es so einfach auf den Punkt brachte: „Ich mache mir die Welt, wie sie mir gefällt“. Aber die Welt besteht nicht nur aus Wünschen, sondern auch aus den Gegebenheiten der Natur und den Umständen, die sich im Laufe der Menschheitsgeschichte entwickelt haben.

    Materialistisches Denken siegt

    Aus dieser seiner Wunschorientierung hat sich das westliche Denken, vielmehr das Denken der westlichen Machthaber und Meinungsmacher, nie gelöst. Es ist zur bestimmenden Herangehensweise an die Entwicklungen in der Welt geworden. Hieß es in den Zeiten der Gottesgläubigkeit noch: „Dein Wille geschehe“, so ist das im westlichen Denken zu „Mein Wille geschehe“ geworden. Das gilt vom Stammtisch über die alternativen Foren bis in die große Politik. Der eigene Wille ist der Nabel der Welt, und das eigene Weltbild ist das einzig wahre.

    Was nicht dem eigenen Wunschbild von der Welt entspricht, darf nicht sein. Deshalb darf auch Russland seinen Krieg nicht gewinnen, China muss sich an die westliche regelbasierte Ordnung halten und Iran darf keine Atomwaffen haben nach der Meinung der großen Atommächte. Aber trotz aller wirtschaftlichen und militärischen Macht des Westens gewinnt Russland den Krieg und trotz der Nichtbeachtung der westlichen Regeln hat China einen bisher nie gesehenen Erfolg. Die Welt richtet sich immer weniger nach westlichem Willen.

    Das ist nicht zuletzt Ergebnis eines überlegenen Denkens. China und Russland stehen in der Tradition des materialistischen Denkens, das wesentlicher Bestandteil des Marxismus ist. Auch wenn in Russland die kommunistische Partei nicht mehr die Geschicke der Gesellschaft bestimmt, so steht diese Gesellschaft immer noch unter dem Einfluss des Materialismus. Dessen Weltbild ist nicht bestimmt von den eigenen Wunschvorstellungen, sondern von der Einordnung der eigenen Wünsche und Interessen in die Gegebenheiten der Welt und den in ihr erkennbaren Entwicklungen.

    Auch die materialistisch denkenden Marxisten haben Wünsche an die Zukunft und Vorstellungen von der Verwirklichung ihrer Interessen. Aber sie sehen auch die Bedingungen, die für deren Umsetzung vorliegen beziehungsweise vorliegen müssen. Wenn die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Verwirklichung nicht gegeben sind, dann muss man entweder günstige Bedingungen schaffen oder aber die Verwirklichung der eigenen Pläne verschieben, notfalls sogar ganz absagen. Oder aber man geht den westlichen Weg, man geht mit dem Kopf durch die Wand. Dazu braucht es aber dann gelegentlich auch jemanden, der die Drecksarbeit macht.

     

    Fußnoten

    (1) Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 18.6.2025: Israels Sicherheitspolitik und Ideologie

    Rüdiger Rauls ist Reprofotograf und Buchautor. Er betreibt den Blog Politische Analyse.


    Rüdiger RaulsRüdiger Rauls
    Erlernter Reprofotograf und Lernsystemlektor, später selbständig als Betreiber von Nachhilfe- und Sprachinstituten in Rheinland-Pfalz und im angrenzenden Luxemburg. Neben zahlreichen Artikeln zu gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Themen auf meinem eigenen Blog „Politische Analyse“ sowie namhaften Foren und Zeitschriften habe ich seit 2012 mehrere Sachbücher und Romane veröffentlicht.
    Mehr Beiträge von Rüdiger Rauls →

    Ähnliche Beiträge:


    Schlagwörter: , ,

    43 Kommentare

    1. Wie immer „Kapitalismus“ halt…gähn
      So lange die Systemfrage nicht gestellt wird, schießen alle Erklärungsversuche ins Leere.

    Antworten

    6 Antworten auf diesen Kommentar anzeigen ▼

  • Es soll sich doch keiner Illusionen darüber machen, dass die europäischen Völker für die westlichen sog. „Eliten“ mehr Stellenwert hätten als Palästinenser oder Iraner. Als sich Grünenpolitiker auf Wahlplakaten für Bienen einsetzten, kalauerte ich immer, dass ich leider leider keine Biene bin.

    Die deutsche Poltik hat sich NS2 unter dem Hintern wegsprengen lassen und erst die Tage konnte man lesen, dass die Gas-Speicher ziemlich leer wären und damit die Versorgung für den Winter 25/26 nicht gesichert. Die Hälfte aller deutschen Haushalte nutzt Gas. Mit anderen Worten: Die Hälfte der deutschen Bevölkerung (auch ich) hat keine Sicherheit, im Winter 25/26 noch warm duschen oder heizen zu können. Was bedeutet das, wenn der Winter ordentlich kalt wird?

    Derzeit wird wegen der Hitze herumgejault. Es sterben aber 10mal mehr Menschen an Kälte als an Hitze.

    Interessiert das hier wen?

    Ehrlich: Ich habe nicht den Eindruck.

    Was mir auch immer zu kurz kommt: Viele sog. Linke reden unglaublich viel über die Kolonialisierung. Für diese machen sie alle weißen Menschen verantwortlich.

    Nicht geredet wird über das Massenelend im 19. Jahrhundert in (!!) Europa, als der sog. „Manchesterkapitalismus“ wütete und sich z.B. deshalb (!!) sowohl Sozialdemokratie als auch die sog. Soziale Arbeit gründeten.

    Heutige sog. „Sozialwissenschaftler“ sind aber offenbar der Ansicht, dass die Bettgeher des 19. Jahrhunderts (das waren die, die sich nichtmal ein eigenes Bett leisten konnten, sondern sich jedes Nacht für ein paar Stunden eines mieten mussten) böse Kolonalisten und Kolonialherren waren. Und die Nachkommen der großen Masse an Elenden, der großen Masse der Kinderarbeitern in Europa haftbar zu machen wären, weil sie genauso schlimme Ausbeuter wären, wie die, die sie damals ausgebeutet hatten. Sog. „Sozialwissenschaftler“ erkennen Sklaverei halt offenbar nicht, wenn sie nicht auf einem Baumwollfeld in Kentucky stattfindet. Da heißt es dann: „Check your privilegs“, auch wenn das einzige „Privileg“ für die meisten Erwachsenen im 19. Jahrhundert auch in Deutschland war, nicht schon im Kindesalter zu verrecken. Wobei man sich fragen könnte, ob es wirklich ein Privileg war, das ganze Elend im Erwachsenenalter durchmachen zu müssen.

    Lange Rede kurzer Sinn: Die heutige Linke hat keinen blassen Dunst mehr, was ihre Wurzeln sind. Diese Leute kotzen mich täglich mehr an. Diese Leute ermöglichen Menschen wie Friedrich Merz überhaupt erst diese Politik, weil sie keinerlei Ahnung haben, was eigentlich ihre ureigene Klientel wäre.

    Antworten

    6 Antworten auf diesen Kommentar anzeigen ▼

  • Vielen Dank für die interessanten Denkanstöße, insbesondere den Hinweis auf die materialistische Denktradition Russlands und Chinas. Man könnte es so auf den Punkt bringen: es stehen sich Idealismus (Westen) und Realismus (Nicht-Westen) gegenüber. Eine Symbiose wäre gut: idealistischer Realismus oder realistischer Idealismus?

    Antworten

  • Man kann das auch zerreden. Da ist eine Bande skrupelloser Kriegstreiber an der Regierung. Mit der Aufklärung haben die nichts mehr zu tun, im Gegenteil, das ist Gegenaufklärung. Für Geld tun die alles. Das sind die westlichen Werte.

    Antworten

    1 Antwort auf diesen Kommentar anzeigen ▼

  • Für das Drecksarbeit Statement wäre ein Rücktritt Merzens fällig gewesen, da es menschenverachtend ist! Ich habe manchmal noch Träume und Hoffnungen dass es nach einer solchen Äußerung zu Massenprotesten
    kommt.

    Antworten

    4 Antworten auf diesen Kommentar anzeigen ▼

  • Ohne jeglichen Kommentar

    28.06.2025 ntv.de
    Ukraine-Krieg im Liveticker
    +++ 16:54 Spahn fordert Atomwaffen-Zugriff für Deutschland +++

    Unionsfraktionschef Jens Spahn fordert angesichts der Bedrohung durch Russland einen europäischen Atomschutzschirm – notfalls mit deutscher Beteiligung. Zwar lagern bereits US-Atombomben in Deutschland, doch das reiche nicht aus, so Spahn gegenüber der „Welt am Sonntag“. Deutschland solle Zugang zu den Atomwaffen Frankreichs und Großbritanniens bekommen – oder ein eigenes europäisches Abschreckungssystem aufbauen. „Wer Schutz will, muss ihn eben auch finanzieren“, sagt er. „Wer nicht nuklear abschrecken kann, wird zum Spielball der Weltpolitik“, so Spahn. Der CDU-Politiker mahnt zudem, Deutschland sollte zur Verteidigung bereit sein: „Wir Deutsche sollten uns an den Gedanken gewöhnen, dass wir gefordert sind, wenn Nato-Territorium angegriffen wird. Wir müssen im Ernstfall bereit sein, jeden Quadratmeter Litauens zu verteidigen.

    Zitatende

    Antworten

    5 Antworten auf diesen Kommentar anzeigen ▼

  • Rüdiger Rauls‘ Frage: „Der deutsche Bundeskanzler dankt Israel, dass es für uns die Drecksarbeit macht. Auch die Ukraine verteidigt mit dem Blut ihrer Bürger unsere Freiheit. Was aber sagen solche Sichtweisen aus über das Denken der westlichen Führungen und den Zustand ihrer Gesellschaften?“

    Meine Antwort dazu: Diese Sichtweisen zeugen mittlerweile von kompletter geistiger Umnachtung sowie intellektueller Verwahrlosung, gepaart mit selbstherrlichem Größenwahn und purer krimineller Energie.

    Antworten

  • Natürlich das Nazrgeschwätz von Merz gleich auf Trump ummünzen. Schon mal am Mittelmeer gewesen? Da sind, egal in welchem Land, solche Ferieneinrichtungen und die Leute leben davon. Und im Migrationszeitalter Migration mit Deportation gleich zu setzen grenzt an Schwachsinn!

    Antworten

  • „Drecksarbeit“

    Es war ein Satz, den Merz so dahingesagt hatte, ohne sich anscheinend seiner tieferen Bedeutung bewusst zu sein.

    Es war ein Satz, der Rauls so dahingeschrieben hatte, ohne zu merken, dass er im Widerspruch zum Folgenden steht.

    Endlich werde einmal aufgeräumt mit den Mullahs und der Bedrohung, die sie nach westlicher Meinung darstellen. Auch Trump glaubt anscheinend, dass der Angriff auf den Iran so etwas wie die Endlösung der Konflikte im Nahen Osten bringt.

    Merz hat die Vokabel, die ihm angeboten wurde, dankbar aufgegriffen, explizit verwendet und auch später nicht zurückgenommen. Teile der Regierung teilen seine Ansicht, dass Israel mit dem völkerrechtwidrigen Angriff einen wertvollen Beitrag zur Stärkung des Westens vollbracht hat, indem es die anstehende Arbeit – die Drecksarbeit – erledigt hat.
    „Drecksarbeit“ bzw. „Dreck“ bezieht sich weder auf das iranische Volk, noch auf dessen Führung, sondern auf die Umstand, dass der militärische Schlag notwendig aber eben auch etwas am Völkerrecht vorbei durchgeführt wurde. Eher so in der Art von Dirty Harry, der sich auch schon mal über das Gesetz stellt, um dem letztlich zu seiner Durchsetzung zu verhelfen.

    Antworten

    2 Antworten auf diesen Kommentar anzeigen ▼

  • Aber es zeigt sich auch etwas anderes in solchen Äußerungen und den vollmundigen Drohungen aus dem Weißen Haus. Dass die Israelis die Drecksarbeit erledigen und die Ukraine unsere Freiheit verteidigt, macht deutlich, dass der politische Westen selbst dazu nicht mehr in der Lage ist.

    Wie kommt man zu einem solchen verqueren Schluss? Die Ukraine ist das Verbrauchsmaterial des „politischen Westens“, der seinen Krieg eben auf diese doch recht bequeme Weise führt. Israel verfolgt eigene Interessen und ist deswegen für die USA recht funktional. Und wie man an dem Schlag der USA gegen den Iran sieht, ist der Westen durchaus in der Lage seine Interessen machtvoll zu vertreten.

    Der politische Westen zeigt sich immer mehr als ein aufgeblasener Popanz, der von seiner Vergangenheit lebt, aber keine Perspektive für die Zukunft hat, nicht für sich selbst und schon gar nicht für andere Völker.

    Ein eigentümlicher Befund, wird doch die Perspektive gleich im Anschluss vorgestellt:

    Deutlich wird dieses Missverhältnis zwischen Vorstellungen und Möglichkeiten in solchen Verlautbarungen, dass Putin den Krieg in der Ukraine nicht gewinnen und der Iran niemals Atomwaffen haben darf. Dass China sich an die regelbasierte Ordnung halten muss. Und so genannte Schurkenstaaten haben sich nach den westlichen Werten zu richten und Demokratie westlichen Zuschnitts gilt als der Standard, nach dem alle anderen Gesellschaften und Staaten gemessen und gemaßregelt werden

    Das ist die Perspektive, die der Westen als Forderung an den Rest der Welt stellt. Ob Russland den Krieg in der Ukraine gewinnen kann, wird sich zeigen. Dass die russische Armee vorrückt und die Ukraine den Krieg immer schlechter aushält, ist zwar richtig, ist aber ganz offensichtlich kein Grund für die Europäer in ihren Bemühungen nachzulassen.
    Für Russland ist dieser Krieg sehr teuer und es ist fraglich, wer da länger durchhalten kann. Die Europäer trauen es sich jedenfalls zu Russland Paroli zu bieten.

    Antworten

  • Um die Sache mal vom Kopf auf die Füße zu stellen:

    Was Merz, Trump und Co zu Protokoll geben ist ihre Definition von Völkerrecht, bzw. regelbasierter Ordnung. Den ewigen(!) Vorwurf der „Doppelmoral“ kann man sich sparen.

    Trump ist kein Freund von internationalen Vereinbarungen. Der möchte lieber bilateral verhandeln, und dem jeweiligen Interesse der USA gemäß die Druckmittel anwenden, die er für nötig hält: Zölle ebenso wie Bombardierungen.
    Trump hält sich nicht groß mit Fragen der Rechtmäßigkeit auf, nationale Interessen werden durchgesetzt. Punkt!
    Und Trump geht auch davon aus, dass die USA über die Macht verfügen, ihre Interessen durchzusetzen. Das unterscheidet die USA vom Rest des Westens, der ohne die USA nicht viel Druck ausüben kann. Weder mit Sanktionen, noch gar militärisch.
    Deswegen machen sich die Europäer daran, diese „Fähigkeitslücke“ zu schließen. Das trauen sie sich zu, dafür strapazieren sie ihren Nationalkredit. Man wird sehen, wie sich das entwickelt, und ob die EU zerbricht, aktiv in den Krieg mit Russland eintritt, oder der Euro abschifft.

    Antworten

    1 Antwort auf diesen Kommentar anzeigen ▼

  • Die Antipathie gegenüber der konservativen USA und der deutschen CDU war aufgrund der historischen Ereignisse der 60er/70er ein Dogma der deutschen Linken, welches man erstmal abhaken musste, um in den Club zu kommen. Von dieser Grundüberzeugung konnte man sich im späteren Leben entweder nicht mehr lösen, oder man war schon von Anfang an amerikanischer Einflussagent – siehe Grüne (hehe).

    Der Autor spricht wiederholt – und vollkommen zu Recht – das Überlegenheitsgefühl des „Westens“ an. Kulturhistorisch spielen dabei Glaubensrichtungen des Protestantismus, etwa der Calvinismus (Prädestinationslehre), eine Rolle, welche dann in die „Manifest Destiny“ der USA mündeten.

    Warum schreibe ich das? Weil ich glaube, dass an genau diesem Punkt, bei den nachrückenden Generationen, die weniger Kämpfe mit dem US-kapitalistischen „Schweinesystem“ (nicht meine Worte!) auszufechten hatten, ein Bruch stattfand. Denn einerseits die materialistischen, popkulturellen Erzeugnisse Amerikas in vollen Zügen genießen, andererseits den großen Bruder jenseits des Atlantiks verteufeln, das ging nicht mehr – wollte man sich nicht etwas vormachen. (Übrigens, die heutige Jugend kann diese Popkultur nicht mehr genießen, da sie an Qualität mittlerweile schwer eingebüßt hat, und Russland und China sind hier nicht nachgerückt und werden es auch nie.)

    Als ich also zum ersten Mal von der „Manifest Destiny“ hörte, wollte ich deshalb diese Idee nachvollziehen: 1) Was wäre wenn Amerika tatsächlich das neue, „auserwählte Volk“ (spinnerte Idee, aber so what) wäre? Was, wenn Calvin recht gehabt hätte? 2) Doch viel wichtiger: Was ist der „Outcome“ oder materielle „Output“ dieser Idee? Und hoppla, hier muss man sagen, der Erfolg der USA (der materielle als auch der kulturelle) gibt diesem spinnerten Denken ein Stück weit recht, oder etwa nicht? Eine Art Self fulfilling prophecy, sozusagen.

    Und was nun mit den USA passiert, wer weiß das schon? Aber ist ein Untergang des Westens sozusagen als verdiente Strafe zu verstehen, da er sich zu lange überlegen fühlte? Ich denke nicht. Zu diesem Überlegenheitsgefühl gehören nämlich auch die kulturellen und gänzlich unkriegerischen Errungenschaften des Abendlandes. Vielen geht es doch nur noch darum, diese in eine neue Zeit hinüberzuretten und sie fürchten das Chaos, sollten diese Leitsterne verglühen. Für den ein oder anderen 68er bot Chaos noch Verheißung, vielleicht die ersehnte klassenlose Gesellschaft. Mittlerweile ist das Chaos hier fast perfekt, also schlägt das Pendel wieder in die andere Richtung aus.

    Zu Merz: Er wird entsprechend gebrieft von der NATO, was denn sonst? Und was ein deutscher Politiker sagt, spielt in Deutschland keine Rolle mehr, wenn die Boomerbespaßer ARD und ZDF es nicht zum großen Thema machen.

    Sorry für den langen Text, ich möchte nur diese widersprüchlichen 68er verstehen…

    Antworten

    1 Antwort auf diesen Kommentar anzeigen ▼

  • Guter Beitrag.
    Bloß das hier,

    „Es war ein Satz, den Merz so dahingesagt hatte, ohne sich anscheinend seiner tieferen Bedeutung bewusst zu sein“

    halte ich für eine Fehleinschätzung, was ja oben in der Kommentierung von ivg schon angedeutet wurde.
    Das betreffende Wort wurde ihm tatsächlich „in den Mund gelegt“. Aber gewiss nicht beiläufig. Genauso wenig beiläufig oder selbstvergessen die Antwort vom Regimechef. Alles in diesem Fakeinterview wirkt wohl choreografiert und einstudiert. Unter Betrachtung dieses Aspektes, lohnt die abermalige Betrachtung dieser widerwärtigen TV-Show allemal, auch wenns Überwindung kostet.

    Antworten

  • Der Kampf geht gegen uns…denn der Krieg heißt ja auch wie schon immer „Reich gegen Arm“!

    Antworten

  • Diese „Drecksarbeit“ gibt es genauso wenig wie den Kampf für unsere Freiheit in der Ukraine und am Hindukusch. Was Israel veranstaltet, ist gar keine Arbeit, und schon gar nicht wird irgend welcher Dreck weggeräumt. Es ist Barbarei und Großmannssucht, die nur mit Hitlerdeutschland vergleichbar ist.
    Aber wenn die umliegenden arabischen Länder inclusive der Türkei mitspielen, was sollen wir dann noch tun? Die haben noch nicht begriffen, dass sie als nächstes dran sind und vertrauen dem nach Menschenblut stinkenden Z.- geld.

    Antworten

  • „Wo Drecksarbeit geleistet wird, muss auch Dreck sein.“

    Wer den Begriff „Drecksarbeit“ benutzt, der bekennt sich m.E. zum Regelbruch, zur Tabuverletzung, zu unzivilisierten Handlungen. Der Dreck besteht darin, sich einen Dreck um Völkerrecht und Kriegs- oder Zivilrecht zu scheren – und genau das machen die Israelis.

    Antworten

  • Zitat: „Auch die Ukraine verteidigt mit dem Blut ihrer Bürger unsere Freiheit.“
    Dieser Satz disqualifizert den Autoren nachhaltig. Entweder hat er nichts begriffen, oder er liefert systemtreue Floskeln, um andernorts nicht unangnehm aufzufallen und eventuelle Reputationen nicht zu verspielen. Kniefall vor dem System.
    Mit diesem Satz im Kleinhirn möge er doch bitte mal exemplarisch die Nordstream2-Sabotage wahrheitsgemäß erklären. Wäre spannend, was da rauskommt.
    Eigentlich hatte er mit dem nachfolgenden Satz fast die richtige Richtung vorgegeben: „Was aber sagen solche Sichtweisen aus über das Denken der westlichen Führungen und den Zustand ihrer Gesellschaften“. Er kommt nur nicht auf die richtige Antwort trotz der quälend vielen Worte, die sein Artikel verströmt.


  • Info: https://overton-magazin.de/hintergrund/politik/merz-und-seine-drecksarbeit-entlarvende-offenbarung/


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    28.06.2025

    Geopolitik und Krieg
    Die neuen Schlafwandler: Rüsten wir uns in den Weltkrieg? Ex-CIA-Experte hat „Angst um Deutschland“

    berliner-zeitung.de, vom 27.06.2025 , 21:55 Uhr, Raphael SchmellerSimon Zeise

    Europa rüstet auf und macht sich für die außenpolitischen Abenteuer der USA erpressbar. Mündet die einseitige Strategie in der Katastrophe? Eine Analyse.


    Die Gefahr eines Weltkriegs steigt: Wer kann die neuen Schlafwandler aufhalten?Fotoillustration: Uroš Pajović/Berliner Zeitung am Wochenende. Fotos: Imago (2), PA (7)


    Droht in naher Zukunft ein neuer Weltkrieg? Viele Beobachter denken: Ja. Eine aktuelle Umfrage der amerikanischen Denkfabrik Atlantic Council unter Politikexperten aus 47 Ländern zeigt, dass 40 Prozent einen globalen Konflikt innerhalb der nächsten zehn Jahre für wahrscheinlich halten. Das Atlantic Council bezeichnet diesen Befund als „alarmierend“.

    Tatsächlich ist Krieg heute in den Köpfen der Politiker so präsent wie lange nicht mehr – nicht als Schrecken, sondern als Option. Wer heute von Frieden spricht, meint kaum mehr Diplomatie, sondern Rüstungsbudgets, Wehrpflicht und Truppenstärke. Für viele scheint das Völkerrecht keine Rolle mehr zu spielen.

    Diese Verschiebung politischer Maßstäbe bleibt nicht folgenlos. „In einer derart demonstrativen Nachlässigkeit grundsätzliche Werte der europäischen Zivilisation, aber auch mühsam erarbeitete schmerzhafte Lehren aus der europäischen Geschichte zu verklappen, zeugt von Geschichtsvergessenheit, der Priorisierung nichteuropäischer Interessen, letztlich auch von fehlender Eignung für staatspolitische Ämter“, warnt Roland Popp von der Militärakademie an der ETH Zürich im Gespräch mit der Berliner Zeitung.


    „Strategie der Unterwürfigkeit“: Europa folgt Trump beim Nato-Gipfel bedingungslos

    „Strategie der Unterwürfigkeit“: Europa folgt Trump beim Nato-Gipfel bedingungslos

    Internationales

    25.06.2025


    Türkischer Ex-General über Aufrüstung in Europa: „Ich halte diesen Schritt für nicht gerechtfertigt“

    Türkischer Ex-General über Aufrüstung in Europa: „Ich halte diesen Schritt für nicht gerechtfertigt“

    Geopolitik

    23.06.2025


    Es sind neue Schlafwandler am Werk – diesmal keine monarchischen Herrscher mit Pickelhauben, sondern gewählte Vertreter, die sich mit Technokratenworten wie „Kriegstüchtigkeit“ und „Readiness 2030“ in Stellung bringen. Deutschland steht dabei wieder im Zentrum – und verhält sich, als hätte es aus seiner Geschichte nichts gelernt.

    Führungsfantasien in Berlin


    Bundeskanzler Friedrich Merz und Verteidigungsminister Boris Pistorius wollen Deutschland wieder „kriegstüchtig” machen.PA (2)


    Bundeskanzler Friedrich Merz hat die größte Aufrüstung in der Geschichte der Bundesrepublik durchgesetzt, indem er die Schuldenbremse für Rüstungsausgaben abschaffte. Die Bundeswehr soll nach seinem Willen zur „stärksten Armee Europas“ werden. Nach dem Nato-Gipfel in dieser Woche, bei dem sich die Mitgliedstaaten auf das Ziel von fünf Prozent des BIP für Verteidigung verständigten, präsentierte sich Merz als Europas neuer Anführer: „Wir haben mit dieser Entscheidung auch eine gewisse Führungsrolle übernommen, der andere gefolgt sind.“

    Deutschland also wieder als Führungsmacht. Dazu passt, dass Verteidigungsminister Boris Pistorius die Bundeswehr „kriegstüchtig“ machen will und über die Wiedereinführung der Wehrpflicht nachdenkt.

    Der deutsche Verteidigungshaushalt soll bis 2029 auf jährlich 162 Milliarden Euro steigen. Zum Vergleich: Der diesjährige Etat beträgt inklusive Sondervermögen rund 115 Milliarden. Und die Planungen gehen weiter: Bis 2035 soll die Fünf-Prozent-Marke erreicht werden – das wären 225 Milliarden Euro jährlich, fast die Hälfte des heutigen Bundeshaushalts.

    Dabei ist Deutschland keineswegs allein. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen ruft zur „Wiederaufrüstung Europas“ auf – im Sinne ihres „Readiness 2030“-Plans, der die EU bis Ende des Jahrzehnts gegen Russland kriegsbereit machen soll. 800 Milliarden Euro will sie dafür europaweit mobilisieren.


    Rüstungseuphorie statt Diplomatie

    Die neue europäische Logik folgt einer alten Devise: Si vis pacem, para bellum – Wenn du Frieden willst, bereite dich auf den Krieg vor. Doch wer in diese Richtung marschiert, sollte sich über das Ziel nicht täuschen. Der Historiker Christopher Clark hat in seinem Werk „Die Schlafwandler“ eindrucksvoll beschrieben, wie Europas Eliten 1914 blind in die Katastrophe stolperten – überzeugt von der eigenen Notwendigkeit, bereit zur Konfrontation, unfähig zur Deeskalation.

    Heute verhalten sich europäische Spitzenpolitiker nicht wesentlich anders. Der Strategiehistoriker und -analyst Popp warnt eindringlich vor dem Verlust europäischer Grundwerte und der völligen Preisgabe des Völkerrechts: „Für mich ist diese geradezu gedankenlose Aufgabe einer völkerrechtlich abgestützten internationalen Ordnung ein Sakrileg. Sie verrät im Kern alles, wofür Europa steht, und gibt diese Errungenschaft praktisch ohne Widerstand auf. Wir Europäer sollten die Letzten sein, die eine ‚Dschungelordnung‘ in der Weltpolitik begrüßen – denn wir können nur verlieren.“



    Sie hören gerne auf Washington: EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Nato-Chef Mark Rutte.PA

    Gefährliche Gewinne

    Doch der militärisch-industrielle Komplex macht Druck. Durch staatliche Aufrüstungsprogramme erwirtschaftet die Rüstungsindustrie Milliarden. Das sei auch der Grund, warum Donald Trump während seiner ersten Amtszeit aus dem INF-Vertrag ausgestiegen sei, sagt der frühere CIA-Analyst Ray McGovern im Gespräch mit der Berliner Zeitung. Der Abrüstungsvertrag über atomare Mittelstreckenraketen mit Russland hatte von 1987 bis 2014 Bestand und wurde von Trump einseitig aufgekündigt. „Es war zwar ein Gleichgewicht des Schreckens, aber immerhin war es ein Gleichgewicht“, sagt McGovern, der bei dem amerikanischen Auslandsgeheimdienst für das tägliche Briefing der US-Präsidenten zuständig war. „Es war eine erfolgreiche Entspannungspolitik“, sagt er. „Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit wurde eine ganze Klasse von Raketen mit Nuklearfähigkeit zerstört. Die Pershing-Raketen in Deutschland und die SS-20-Raketen in der Sowjetunion.“


    China-Experte rechnet mit Westen ab: „Die Nato hat chinesisches Blut an den Händen“

    China-Experte rechnet mit Westen ab: „Die Nato hat chinesisches Blut an den Händen“

    Internationales

    24.06.2025


    Meinung: Israel eskaliert den Krieg im Nahen Osten – Wie lange will Merz noch Waffen liefern?

    Meinung: Israels nächster Krieg – wer stoppt Netanjahu?

    USA

    13.06.2025


    Nun hat die Bundesregierung der Stationierung amerikanischer nuklearfähiger Mittelstreckenraketen in Deutschland zugestimmt. Beim Nato-Gipfel im vergangenen Jahr in Washington vereinbarten Scholz und Biden ein bilaterales Abkommen, das nicht Teil eines Nato-Abkommens ist. Die Raketen sollen zur Abschreckung Russlands dienen. Doch wenn Atomraketen auf Moskau zielen, wird Russland dies als aggressiven Akt wahrnehmen. Die atomare Bedrohung wächst. „Ich habe wirklich Angst um Deutschland“, sagt McGovern.

    Eskalation im Nahen Osten

    Im Nahen Osten haben die USA einen Krieg begonnen, den sie eigentlich nicht führen wollten. Washington unterstützt Israel als seinen wichtigsten Verbündeten in der Region. Dafür nimmt Trump und nahm sein Amtsvorgänger Joe Biden billigend den Genozid in Gaza in Kauf, dem seit Oktober 2023 mehr als 56.000 Menschen zum Opfer gefallen sind.

    Doch die Militärstrategie der Trump-Regierung ist eigentlich auf China ausgerichtet. Eine Eskalation im Nahen Osten droht Trumps Wählerschaft zu zerreißen. Denn die militärische Logistik stünde nicht für eine Verlagerung in den Indopazifik bereit. Zudem drohen steigende Ölpreise und damit hohe Verbraucherpreise in den USA. Auch das Verhältnis zu Wladimir Putin würde sich durch einen Angriff auf den Iran – Russlands wichtigster Verbündeter in der Region – verschlechtern, was wiederum die Ukraine-Friedensverhandlungen beeinträchtigen würde.

    Israels Premierminister Benjamin Netanjahu habe Druck auf die US-Regierung ausgeübt, sagt McGovern. Eine völkerrechtliche Rechtfertigung für den israelischen und den amerikanischen Angriffskrieg gab es nicht. „Seit 2007 hat der amerikanische Geheimdienst erklärt, dass der Iran Ende 2003 die Arbeit an einer Atomwaffe eingestellt und diese Arbeit nicht wieder aufgenommen hat“, sagt McGovern. „16 Geheimdienste haben es einstimmig erklärt. Sie haben es jedes Jahr wiederholt, auch im März dieses Jahres.“ Zuletzt hatte die Direktorin der nationalen Geheimdienste, Tulsi Gabbard, kurz vor den US-Angriffen auf den Iran erklärt, dass der Iran nicht kurz vor dem Bau einer Atombombe stehe. Sie fügte sogar hinzu, dass sie nicht davon ausgehe, dass Chamenei den Bau einer Atombombe anstrebe.

    Dennoch flogen amerikanische B2-Bomber Angriffe mit bunkerbrechenden Bomben auf iranische Atomanlagen. „Trump hat sich von seinen neokonservativen Beratern einreden lassen, die Israelis würden den Luftraum über Teheran kontrollieren und ein Sieg über den Iran sei möglich“, erklärt McGovern. „Doch dann wurde seinen Gefolgsleuten klar, dass die Israelis eine Niederlage einstecken würden. Haifa wurde bombardiert, Flugplätze, das israelische Verteidigungsministerium und die Zentrale des Mossad. Die Patriot-Raketen waren nicht in der Lage, die iranischen Hyperschallraketen abzufangen. Und der Iran hat eine Menge davon“, sagt der frühere CIA-Analyst. „Trump wollte einen Waffenstillstand vereinbaren, bevor Israel handlungsunfähig wird.“ Die Iraner hätten offenbar unter dem Druck von Russland und China zugestimmt. In Peking und Moskau sei man sehr besorgt gewesen, dass die Straße von Hormus abgeriegelt werde.

    Die Nato und das amerikanische Interesse

    Es sind gravierende Fehleinschätzungen wie diese, die schnell in einen heißen Krieg münden können. Europa ist nicht gut beraten, sich blind auf die Einschätzungen aus Washington zu verlassen. Doch die Nato wirkt mittlerweile endgültig wie ein Bündnis ohne Gegengewicht zu den USA. Mark Rutte, der Generalsekretär des Militärbündnisses, gilt als proamerikanischer Hardliner. Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni fordert mehr Mittel für die „Nato-Südflanke“, und der britische Premier Keir Starmer will Großbritannien als Militärmacht zurück ins europäische Zentrum führen.


    Der britische Premier Keir Starmer will Großbritannien als Militärmacht zurück ins europäische Zentrum führen.PA


    Für Roland Popp ist klar: Die aktuelle Aufrüstung führt nicht zu mehr Sicherheit, sondern ins strategische Desaster: „Die hohen Militärausgaben der Amerikaner haben sehr wenig mit der Verteidigung Europas zu tun, viel mehr mit den globalen Ambitionen der USA und seinen verschwenderischen Kriegen im Nahen Osten. Die ganze Geschichte ist eine einzige Milchmädchenrechnung.“

    Europa, so Popp, sei heute „Gefangener der Fehlentscheidungen vor dem Ukrainekrieg“. Wer heute von „Führung“ spreche, meine in Wahrheit blinden Gehorsam gegenüber Washington – und gebe damit jede europäische Eigenständigkeit auf. Besonders dramatisch: Europa habe die Fähigkeit zur klassischen Diplomatie verloren, so Popp. Und dabei sei gerade sie der einzige Weg, den man noch gehen könne, um einen neuen Weltkrieg zu verhindern.

    Europa im freien Fall

    „Trump hat sich durchgesetzt, das ist das Entscheidende“, sagt der frühere CIA-Analyst McGovern. Selbst die Europäer bestünden mittlerweile nicht mehr darauf, dass der Weg der Ukraine unumkehrbar in die Nato führe. „Für die USA ist der Fall klar. Wenn die Europäer glauben, der Ukraine helfen zu müssen, dann sollen sie es selber tun und ihre nationalen Verteidigungsbudgets auf fünf Prozent erhöhen“, sagt McGovern. „Wenn sie den Profiteuren ihrer Rüstungsindustrie dienen wollen, ist das ihre Sache.“

    Die Europäer wiederum sind gespalten. Spanien lehnt die Nato-Aufrüstungsziele ab, osteuropäische Staaten wie Ungarn sind für eine Annäherung an Russland. Doch die transatlantischen Europäer wollen die Nato unbedingt zusammenhalten. „Sie haben sich regelrecht unterwürfig gegenüber Trump präsentiert, damit die USA die Beistandsgarantie nach Artikel fünf bekräftigen“, sagt McGovern. Nato-Generalsekretär Rutte schrieb Trump eine SMS voll des Lobes für den Einsatz der USA im Nahen Osten und nannte den US-Präsidenten während einer Pressekonferenz auf dem jüngsten Nato-Gipfel sogar „Daddy“.

    Doch ob die Unterwürfigkeit der Europäer hilft? „Trotz der Schmeicheleien hat sich Trump nicht darauf eingelassen“, sagt McGovern. „Die Nato bricht auseinander. Die meisten Europäer werden nicht in der Lage sein, fünf Prozent ihres BIP für Militär auszugeben. Der Widerstand gegen Sozialabbau wird zu groß sein.“


    Haaretz-Herausgeber über Israels Krieg in Gaza: „Wenn das kein Genozid ist, was dann?“

    Haaretz-Herausgeber über Israels Krieg in Gaza: „Wenn das kein Genozid ist, was dann?“

    USA

    14.06.2025


    Gefährden die neuen US-Raketen in Deutschland das nukleare Gleichgewicht?

    Gefährden die neuen US-Raketen in Deutschland das nukleare Gleichgewicht?

    USA

    26.12.2024


    So ist die Zukunft des europäischen Verteidigungsbündnisses ungewiss. Frankreich, Deutschland, Großbritannien und Polen haben eine „Koalition der Willigen“ gegründet, mit der sie der Ukraine und Wolodymyr Selenskyj zur Seite stehen wollen. Sogar Bodentruppen zur Friedenssicherung haben Merz, Macron, Starmer und Tusk ins Spiel gebracht. McGovern hält das für unwahrscheinlich. Noch vor wenigen Jahren hat Emmanuel Macron die Nato als hirntot beschimpft, weil sie nicht in der Lage sei, ohne die Amerikaner für Sicherheit in Europa zu sorgen. Treffender wäre es daher, den Militärpakt der vier Staaten als „Koalition der Hirntoten“ zu bezeichnen.

    „Eine der großen Ironien dabei ist die Tatsache, dass Russland heute viel mächtiger ist als 2022“, sagt McGovern. Die Armee ist erneuert und kampferprobt und sie haben moderne Mittelstreckenraketen wie die Oreschnik, denen der Westen kaum etwas entgegensetzen kann.“



    Die neuen Nato-Rüstungsziele wurden von Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron mitgetragen.PA


    Als „Strategie“ bleibt ein extremer Aufrüstungskurs, gepaart mit der Bereitschaft, sich amerikanischen Sicherheitsinteressen unterzuordnen. Auch zum Preis dafür, Deutschland als Hauptziel einer atomaren Eskalation auszusetzen.

    Kriegstüchtig in die Katastrophe

    Der Wahnsinn liegt in der Wiederholung: Eine neue Schlafwandlergeneration marschiert auf. Entscheidet sich Europa heute, die Rüstungslogik der Vergangenheit zu kopieren, wird es am Ende erneut zum Ort der Verwüstung. Die Worte Leo Tolstois aus seinem Werk „Krieg und Frieden“ gelten wieder: „Krieg ist ein Zustand, bei welchem die niedrigsten und lasterhaftesten Menschen Macht und Ruhm erlangen.“

    Die Frage ist: Wer stoppt sie?

    Haben Sie Feedback? Schreiben Sie uns! briefe@berliner-zeitung.de


    Lesen Sie mehr zum Thema

    PolitikUSAIranDonald TrumpRusslandUkraineEuropaEUFriedrich MerzKonflikt


    Info: https://www.berliner-zeitung.de/politik-gesellschaft/geopolitik/die-neuen-schlafwandler-ruesten-wir-uns-in-den-weltkrieg-ex-cia-experte-hat-angst-um-deutschland-li.2337156


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.




    Weiteres: 




    Donald Trump

    Teaser image





     

    Im Jahr 1946 als Nachkomme deutscher Einwanderer geboren, gehört Donald John Trump zu den bekanntesten Unternehmern der USA. Seine Popularität verdankte Trump in erster Linie verschiedenen Auftritten in Filmen und Reality-Soaps. Am 16. Juni 2015 nutzte Trump seine Bekanntheit, um für das Amt des US-Präsidenten zu kandidieren.

    In einer engen Wahl setzte er sich im November 2016 gegen seine Konkurrentin Hillary Clinton durch. Allerdings wurde die Wahl durch den Vorwurf, Trump habe sich auf geheime Absprachen mit russischen Behörden eingelassen, erschüttert. Gleichzeitig wurden nach dem Sturm auf das Kapitol in Washington D.C. (2021) Ermittlungen gegen Trump aufgenommen.


    Info: https://www.berliner-zeitung.de/topics/donald-trump


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    28.06.2025

    Gibt es einen US-Plan zur Lösung der Palästina-Frage?

    freedert.online, 28 Juni 2025 21:09 Uhr, Von Abbas Djuma

    Haben sich die USA, Israel und mehrere arabische Länder tatsächlich auf einen Friedensplan für Palästina verständigt? Das hat zumindest eine israelische Tageszeitung behauptet. Der Journalist Abbas Djuma ist für RT diesem Thema nachgegangen.


    Quelle: Gettyimages.ru © Alex Wong/Getty Images


    US-Präsident Donald Trump und Israels Premierminister Benjamin Netanjahu am 7. April 2025 in Washington, D.C.


    Trump und Netanjahu haben sich auf einen Plan zur Beendigung der Feindseligkeiten im Gaza-Streifen innerhalb von zwei Wochen geeinigt. Dies behauptet die Zeitung Israel Hayom (Israel Heute) in ihrer Donnerstags-Ausgabe. Demnach liegen dem Blatt Informationen über Telefongespräche vor, die unmittelbar nach dem US-Angriff auf Iran zwischen US-Präsident Donald Trump, US-Außenminister Marco Rubio, Israels Premierminister Benjamin Netanjahu und dem israelischen Minister für strategische Planung Ron Dermer stattgefunden haben.

    Der Text ist, wie man sagen muss, sehr interessant. Und er sollte so ernst wie möglich genommen werden. Schließlich unterhalten die Zeitung Israel Hayom und der israelische Premierminister langjährige und enge Kontakte, vor allem durch ihren Gründer und Sponsor, den amerikanischen Milliardär Sheldon Adelson.

    Dem in der Zeitung beschriebenen Plan zufolge, der angeblich von den Staats- und Regierungschefs Israels und der Vereinigten Staaten erörtert wurde, sollen die Kämpfe im Gaza-Streifen innerhalb von zwei Wochen beendet werden. Vier arabische Staaten, darunter Ägypten und die Vereinigten Arabischen Emirate, sollen dabei als Garantiestaaten auftreten. Die Hamas wird vertrieben und die Geiseln werden freigelassen. Weiter heißt es, dass zahlreiche Bewohner von Gaza, die auswandern wollen, von verschiedenen Ländern aufgenommen werden.


    Macron trotzt Washington erneut: Anerkennung Palästinas durch Frankreich





    Analyse

    Macron trotzt Washington erneut: Anerkennung Palästinas durch Frankreich





    Die Erweiterung des Abraham-Abkommens würde es Syrien, Saudi-Arabien und anderen arabischen und islamischen Ländern ermöglichen, Israel anzuerkennen und diplomatische Beziehungen mit Tel Aviv aufzunehmen. Israel würde sich im Gegenzug zu einer künftigen Zweistaatenlösung im Palästinakonflikt bereit erklären, sofern die Palästinenser Reformen durchführen. Die Vereinigten Staaten würden Israels begrenzte Souveränität in Judäa und Samaria anerkennen.

    Ein solcher Plan wäre für Syrien und Saudi-Arabien ideal, deren führende Politiker von einer Liebesaffäre mit Tel Aviv träumen. Der Beinahe-Friedensnobelpreisträger Trump muss auch den palästinensisch-israelischen Konflikt deeskalieren. Zumal schon jetzt jedem klar ist, dass Israel darin feststeckt und nicht in der Lage ist, sich aus eigener Kraft aus diesem Sumpf zu befreien.

    So berichtet Israel Hayom unter Berufung auf Quellen, dass US-Präsident Trump "erheblichen Druck" auf Premierminister Netanjahu ausübt, um das Massaker im Gaza-Streifen zu beenden.

    Trifft dies zu (Netanjahus Büro dementiert bisher alles), wird der israelische Premierminister wahrscheinlich darauf eingehen. Er ist nicht in der Position, ein solches Angebot abzulehnen, das zudem dazu beitragen könnte, Bibis Strafprozess zu beenden. Und nach dem Ende des Zwölf-Tage-Krieges gegen die Islamische Republik haben solche Siedlungspläne in Israel zunehmend Unterstützung gefunden, auch von Staatspräsident Jitzchak Herzog.

    Fairerweise muss man jedoch anmerken, dass eine solche Vereinbarung nichts anderes ist als das Ergebnis der Niederlage Israels im Krieg mit Iran und der Ineffizienz der israelischen Armee in Palästina. Trump hat Israel und Netanjahu in der Tat persönlich gerettet.

    Bleibt noch die palästinensische Seite. Und genau hier könnte es Probleme geben. Es ist unwahrscheinlich, dass die Hamas einfach aufgibt und auf jede politische Rolle in der Zukunft ihres Heimatlandes verzichtet.

    Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel wurde für den Telegramkanal "Exklusiv für RT" verfasst.

    Abbas Djuma ist internationaler Journalist und Autor eines Telegramkanals mit seinem Namen.


    Mehr zum Thema"USA werden Bibi retten" – Trump fordert das Ende von Netanjahus Anklage wegen Bestechung


    Screenshot_2025_06_28_at_23_37_45_Gibt_es_einen_US_Plan_zur_L_sung_der_Pal_stina_Frage_RT_DE

    Video https://rumble.com/v6vcpwd-brasiliens-prsident-trump-sollte-weniger-zeit-im-internet-verbringen.html Dauer 1:26 Min.


    RT DE bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Gastbeiträge und Meinungsartikel müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

    Durch die Sperrung von RT zielt die EU darauf ab, eine kritische, nicht prowestliche Informationsquelle zum Schweigen zu bringen. Und dies nicht nur hinsichtlich des Ukraine-Kriegs. Der Zugang zu unserer Website wurde erschwert, mehrere Soziale Medien haben unsere Accounts blockiert. Es liegt nun an uns allen, ob in Deutschland und der EU auch weiterhin ein Journalismus jenseits der Mainstream-Narrative betrieben werden kann. Wenn Euch unsere Artikel gefallen, teilt sie gern überall, wo Ihr aktiv seid. Das ist möglich, denn die EU hat weder unsere Arbeit noch das Lesen und Teilen unserer Artikel verboten. Anmerkung: Allerdings hat Österreich mit der Änderung des "Audiovisuellen Mediendienst-Gesetzes" am 13. April diesbezüglich eine Änderung eingeführt, die möglicherweise auch Privatpersonen betrifft. Deswegen bitten wir Euch bis zur Klärung des Sachverhalts, in Österreich unsere Beiträge vorerst nicht in den Sozialen Medien zu teilen.

    Info: https://freedert.online/der-nahe-osten/249239-gibt-es-us-plan-zur/


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    28.06.2025

    NYT: Russlands Vorstoß entzieht der Ukraine Ressourcen für US-Deal

    freedert.online, 28 Juni 2025 20:13 Uhr

    Russland hat laut der NYT ein bedeutendes Lithiumvorkommen in der DNR unter seine Kontrolle gebracht – ein Rückschlag für Kiews Rohstoffdeal mit den USA. Je mehr Boden die Ukraine verliert, desto wertloser wird diese Partnerschaft. Auch Titan- und Uranvorkommen sind bedroht.


    Quelle: Sputnik © Stanislaw Krassilnikow


    Ein russischer Soldat (Symbolbild)


    Der Vormarsch der russischen Streitkräfte in der Ostukraine bringt nicht nur militärische, sondern auch wirtschaftliche Folgen mit sich. Wie die New York Times am 27. Juni berichtet, verliert Kiew durch die russische Offensive nach und nach den Zugang zu kritischen Rohstoffen – und damit die Grundlage für eine neue wirtschaftliche Partnerschaft mit den Vereinigten Staaten.


    Medwedew zu ukrainischer Grenze: Heute Pufferzone, morgen schon nicht mehr





    Medwedew zu ukrainischer Grenze: Heute Pufferzone, morgen schon nicht mehr






    Konkret geht es um ein wertvolles Lithiumvorkommen nahe dem Dorf Schewtschenko in der Donezker Volksrepublik (DVR), das kürzlich unter russische Kontrolle geraten ist. Das Vorkommen umfasst laut der NYT rund 40 Hektar und gilt Analysten zufolge wegen seiner hohen Konzentration von Lithium, das in modernen Technologien wie Batterien unentbehrlich ist, als eines der aussichtsreichsten im ganzen Land.

    Dieses Vorkommen war Bestandteil eines strategischen Abkommens über mineralische Ressourcen, das Washington und Kiew im April unterzeichnet hatten.

    Ziel der Vereinbarung war es, amerikanischen Unternehmen direkten Zugang zu ukrainischen Rohstoffen zu verschaffen – im Gegenzug sollen Investitionen zur wirtschaftlichen Erholung in das Land fließen. Doch der russische Vormarsch auf ukrainischem Gebiet gefährdet diese Pläne zunehmend. Die New York Times schreibt dazu:

    "Je mehr Territorium Russland kontrolliert, desto weniger Ressourcen kann Kiew Washington anbieten."

    Dieses Problem betrifft nicht nur Lithium: Die russischen Truppen nähern sich laut dem Bericht auch den Lagerstätten von Titan, Uran und anderen wirtschaftlich relevanten Mineralien.


    Sumy ist aus historischen Gesichtspunkten berechtigt, nach Russland zurückzukehren




    Analyse

    Sumy ist aus historischen Gesichtspunkten berechtigt, nach Russland zurückzukehren






    Auch die französische Zeitung Le Figaro weist auf den Verlust wichtiger Ressourcen hin. Neben der Lagerstätte bei Schewtschenko habe die Ukraine auch die Kontrolle über ein Lithiumvorkommen bei Krutaja Balka im Gebiet Saporoschje eingebüßt. Damit verblieben Kiew nur noch zwei der ursprünglich vier bekannten Lithiumvorkommen auf dem Gebiet der früheren Ukraine.

    Bereits im Februar hatte ein Bericht des "Roskongress" festgestellt, dass die Ukraine durch den Beitritt der Donezker und Lugansker Volksrepubliken sowie der Regionen Saporoschje und Cherson zu Russland den Zugriff auf das Schewtschenkowsker Lithiumfeld mit geschätzten 13,8 Millionen Tonnen Erz verloren habe.

    Der Verlust strategisch wichtiger Rohstoffe hat auch geopolitische Folgen. Michail Schernow, der Direktor des US-Unternehmens Critical Metals Corp, das früher eine Lizenz für das Feld bei Schewtschenko hielt, erklärte gegenüber der New York Times, dass dies die Umsetzung des Deals mit den USA ernsthaft gefährden könnte.

    Neben der militärischen Lage nennt die Zeitung weitere Herausforderungen: Veraltete geologische Daten und langwierige Genehmigungsverfahren behinderten die praktische Umsetzung der Vereinbarung. Die größte Hürde bleibe jedoch das russische Vorrücken, das die gesamte Rohstoffstrategie der USA in der Ukraine infrage stelle.


    "Was ist Kleinrussland?" – Unterhändler Medinski bietet NATO-Chef Rutte Geschichtsunterricht an





    "Was ist Kleinrussland?" – Unterhändler Medinski bietet NATO-Chef Rutte Geschichtsunterricht an





    Offiziellen ukrainischen Angaben zufolge bleibe die Kontrolle über die Rohstoffe weiterhin bei Kiew. Der ukrainische Abgeordnete Jaroslaw Schelesnjak teilte mit, dass die Werchowna Rada das Abkommen mit den USA ratifiziert habe. Es sei zeitlich unbegrenzt gültig und habe Vorrang vor nationalem Recht.

    Anfang Juni informierte Schelesnjak zudem, dass die ukrainische Regierung zwei zusätzliche Vereinbarungen mit den USA zum Thema Bodenschätze geheim halte, die die zentralen Bedingungen für den gemeinsamen Investitionsfonds enthielten.

    Währenddessen kommentierte Wladimir Medinski, der Leiter der russischen Delegation bei den Istanbuler Verhandlungen, dass die USA von einer Partnerschaft mit Russland wirtschaftlich deutlich mehr profitieren könnten als durch ein Abkommen über seltene Erden mit der Ukraine.


    Mehr zum ThemaPutin: "Russen und Ukrainer sind ein Volk – in diesem Sinne ist die ganze Ukraine unser"


    Durch die Sperrung von RT zielt die EU darauf ab, eine kritische, nicht prowestliche Informationsquelle zum Schweigen zu bringen. Und dies nicht nur hinsichtlich des Ukraine-Kriegs. Der Zugang zu unserer Website wurde erschwert, mehrere Soziale Medien haben unsere Accounts blockiert. Es liegt nun an uns allen, ob in Deutschland und der EU auch weiterhin ein Journalismus jenseits der Mainstream-Narrative betrieben werden kann. Wenn Euch unsere Artikel gefallen, teilt sie gern überall, wo Ihr aktiv seid. Das ist möglich, denn die EU hat weder unsere Arbeit noch das Lesen und Teilen unserer Artikel verboten. Anmerkung: Allerdings hat Österreich mit der Änderung des "Audiovisuellen Mediendienst-Gesetzes" am 13. April diesbezüglich eine Änderung eingeführt, die möglicherweise auch Privatpersonen betrifft. Deswegen bitten wir Euch bis zur Klärung des Sachverhalts, in Österreich unsere Beiträge vorerst nicht in den Sozialen Medien zu teilen.

    Info: https://freedert.online/international/249273-nyt-russlands-vorstoss-entzieht-ukraine/


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    28.06.2025

    Der jüngste NATO-Gipfel war der teuerste je organisierte Demütigungsfetisch

    freedert.online, 28 Juni 2025 18:05 Uhr, Von Rachel Marsden

    Mit einigen Beleidigungen und leichter Demütigung überzeugte Trump Europa dennoch, seine Kriegsmaschinerie zu finanzieren – in Höhe von 5 Prozent des BIP.


    Quelle: Gettyimages.ru © Kin Cheung - Pool / Getty Images


    Foto: US-Präsident Donald Trump hört NATO-Generalsekretär Mark Rutte während einer Plenarsitzung des Nordatlantikrats auf dem NATO-Gipfel zu, 25. Juni 2025, Den Haag, Niederlande.


    Nachdem er sowohl Iran als auch Israel wegen der Verletzung des einzigen Waffenstillstands, der jemals ausschließlich über seine Social-Media-Kanäle verkündet worden war, mit der unflätigen "F bomb" bedacht hatte, stieg US-Präsident Donald Trump in seinen Jet und flog direkt zum NATO-Gipfel. Alle rätselten, in welcher Stimmung er nach der Überquerung des Atlantiks landen würde.

    Offenbar wollte NATO-Generalsekretär Mark Rutte kein Risiko eingehen und schrieb ihm im Voraus einen Liebesbrief, in dem er andeutete, dass die gefährlichste Massenvernichtungswaffe für die NATO der Mund des US-Präsidenten sei:


    Spiegel: NATO-Mitgliedschaft der Ukraine für viele Jahre vom Tisch





    Spiegel: NATO-Mitgliedschaft der Ukraine für viele Jahre vom Tisch






    "Sie sind auf dem Weg zu einem weiteren großen Erfolg in Den Haag. Es war nicht leicht, aber wir haben erreicht, dass alle sich auf fünf Prozent geeinigt haben! Donald, Sie haben uns zu einem wirklich, wirklich wichtigen Moment für Amerika, Europa und die ganze Welt geführt", schwärmte Rutte. "Sie werden das erreichen, was KEINEM US-Präsidenten in den letzten Jahrzehnten gelungen ist. Europa wird TIEF in die Tasche greifen müssen – wie es eigentlich sollte – und Sie werden als Sieger hervorgehen."

    Kaum zu glauben, dass dieser Typ einmal Ministerpräsident der Niederlande war. Oh, Präsident Trump, so zahlt man es Europa wirklich heim! Was für eine wunderbare Sache Sie gerade erreicht haben, dass fast ganz Europa den US-Militärindustriekomplex mit 5 Prozent seines BIP subventioniert!

    Als Trump Europa erstmals dazu drängte, 2,5 Prozent seines BIP für Verteidigung auszugeben, verdrehten die europäischen Führer die Augen. Aber nachdem sie ihre eigene energieabhängige Wirtschaft mit ihrer antirussischen und pro-ukrainischen Politik unterminiert hatten, beschlossen sie, diese Idee zu übernehmen, als hätten sie sie selbst erdacht. Es gibt nichts Besseres, als die europäischen Steuerzahler davon zu überzeugen, unter dem Vorwand einer hypothetischen russischen Invasion im Jahr 2030 eine Menge zusätzlicher US-amerikanischer und europäischer Rüstungsgüter zu erwerben. Eine perfekte Ausrede für eine Ausgabenorgie, deren Folgen dann derjenige zu tragen hat, der zu diesem Zeitpunkt im Amt sein wird (also nicht sie).

    Ursprünglich wollte Trump, dass sie sich alle auf ein Ausgabenziel von 2,5 Prozent einigen. Die US-Waffenhändler sollten aber auf keinen Fall den ganzen Kuchen für sich beanspruchen. Auch der europäische militärisch-industrielle Komplex will ein Stück davon abbekommen. Das Ergebnis: 5 Prozent für alle und ein Doppel-Dip am Waffenbuffet.


    Außenministerium in Moskau: NATO bereitet sich auf Konflikt mit Russland vor





    Außenministerium in Moskau: NATO bereitet sich auf Konflikt mit Russland vor






    Trump kreuzte in Den Haag direkt nach einer Demonstration der US-Bomben auf iranischem Boden auf – eine riesige Werbeshow für seine europäischen Kunden. Als er landete, plumpste Rutte praktisch mit dem Gesicht direkt auf Trumps Hinterteil.

    Und wenn Sie der Meinung sind, dass sein Brief an Trump peinlich klingt, dann sollten Sie erst einmal erfahren, was Rutte laut sagte, nachdem Trump Iran für Israel – äh, ich meine, für den Frieden – bombardiert hatte:

    "Sie sind ein Mann der Stärke, aber auch ein Mann des Friedens, und dafür, dass Sie diesen Waffenstillstand zwischen Israel und Iran erreicht haben, möchte ich Ihnen wirklich meine Anerkennung aussprechen", gurrte Rutte. "Ohne Präsident Trump wäre das nicht möglich gewesen. Auf keinen Fall."

    So dankt man einem Brandstifter dafür, dass er seinen eigenen Brand gelöscht hat. Was kommt als Nächstes: die Nominierung zum "Feuerwehrmann des Jahres"? Sogar die Presse war verblüfft und fragte Rutte: "Bro, bist du sicher, du willst, dass er deine Fanpost live im Fernsehen vorliest?" Antwort: "Absolut." "Ich schäme mich nicht", reagierte Rutte.

    Der NATO-Generalsekretär schien so fasziniert von Trump zu sein, dass man sich nur wundern konnte, warum die beiden sich nicht ein Zimmer gebucht hatten. "Daddy muss manchmal kräftige Ausdrücke verwenden", sagte Rutte zu Journalisten und bezog sich dabei auf Trump, wobei sich manche Journalisten möglicherweise in die nächstgelegene Topfpflanze erbrechen mussten.


    Lawrow: Europas Plan zur Erhöhung der Verteidigungsausgaben bedroht nur seine Steuerzahler




    Lawrow: Europas Plan zur Erhöhung der Verteidigungsausgaben bedroht nur seine Steuerzahler






    Zwischen solchen Äußerungen und all der Begeisterung darüber, wie Trump Europa für das Privileg bezahlen lässt, für seinen Schutz erpresst zu werden – dessen Einhaltung Trump selbst nicht einmal zusichern kann –, klang das alles so sadomasochistisch, dass ich langsam das Gefühl bekam, ich sollte vielleicht für solche perversen TV-Inhalte bezahlen. Oder man könnte wohl sagen, dass die europäischen Steuerzahler dies bereits tun – in Höhe von 5 Prozent des BIP.

    Und was die Ausbeutung Europas angeht, so äußerte sich Rutte wie folgt zu den Ländern, die Zahlungsschwierigkeiten haben könnten, wie beispielsweise Spanien, das sich für eine Ausgabenobergrenze von 2 Prozent entschied:

    "Die Länder müssen das Geld auftreiben."

    Für den ehemaligen niederländischen Ministerpräsidenten – und jetzigen, nicht gewählten NATO-Chef – sind solche Aussagen leicht zu treffen, da er keine Wahlen mehr zu fürchten hat.

    Der spanische Premierminister Pedro Sánchez lässt sich nicht so leicht beirren und verspricht, an einem deutlich niedrigeren Ausgabenziel von 2 Prozent festzuhalten. Wie lange wird es dauern, bis auch andere NATO-Staatschefs begreifen, dass sie ebenfalls "Nein" sagen dürfen? Der polnische Präsident Andrzej Duda bezeichnete die 5-Prozent-Zusage bereits als bloßes "Gentleman's Agreement" und betonte, dass es keine Sanktionen für die Nichteinhaltung geben werde.


    Trump erwähnt Russland bei geschlossenem NATO-Treffen nicht





    Trump erwähnt Russland bei geschlossenem NATO-Treffen nicht






    Das erinnert an amerikanische Veranstaltungen zur Besinnung auf den Geist der eigenen Schule (School Spirit Rally), bei denen der Star-Quarterback von allen erwartet, dass sie das große Spiel anfeuern, und dann gehen alle nach Hause und kümmern sich um ihre eigenen Angelegenheiten.

    Übrigens scheint die Ukraine offenbar nicht mehr das Zentrum des Universums zu sein.

    "Die Tatsache, dass Selenskij in keiner offiziellen Form am NATO-Gipfel teilnehmen wird, ist ein klares Zeichen dafür, dass das bisherige Kapitel abgeschlossen ist", meinte der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán. "Die Amerikaner, Türken, Slowaken und wir haben klar zu verstehen gegeben, dass wir nicht mit ihm an einem Tisch sitzen wollen."

    Selenskij tauschte sogar seinen Pizzaboten-Look gegen Leichenbestatter-Chic. Vielleicht passt das besser zur aktuellen Lage seines Landes. Oder vielleicht auch nur zu seinem Ego.

    Was das übliche Gipfel-Gruppenfoto angeht, so sah es so aus, als hätten die Lehrer dafür gesorgt, dass Trump und Selenskij nicht nebeneinander standen, um eine Wiederholung ihres Streits im Weißen Haus zu vermeiden, als Trump Selenskij mit dem rhetorischen Äquivalent eines Tackers ins Gesicht schlug.

    Und ebenso wenig konzentrierte sich der Gipfel auf die Konfrontation mit China. Die Staatschefs der potenziellen NATO-Partner in Asien – Südkorea und Japan – zogen sich lieber zurück, um sich mit den wirtschaftlichen Folgen von Trumps Bombardierung des Nahen Ostens und dem damit verbundenen Anstieg der Ölpreise auseinanderzusetzen.

    Und so stolpert die NATO weiter und beweist, dass Europa auf Trumps Peitschenhiebe mit "Danke, Sir, darf ich noch einen haben?" reagiert.

    Übersetzt aus dem Englischen.

    Rachel Marsden ist eine Kolumnistin, politische Strategin und Moderatorin von unabhängig produzierten Talkshows auf Französisch und Englisch.


    Mehr zum ThemaPlant Berlin einen Angriff auf Moskau? Merz hat Argumente dafür parat – Iran als Beispiel


    Screenshot_2025_06_28_at_22_54_37_Der_j_ngste_NATO_Gipfel_war_der_teuerste_je_organisierte_Dem_tigungsfetisch_RT_DE

    Video https://rumble.com/v6vcn6l-trump-rutte-sagte-es-sehr-liebevoll-zu-mir-daddy-du-bist-mein-daddy.html Dauer  Min.


    RT DE bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Gastbeiträge und Meinungsartikel müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

    Durch die Sperrung von RT zielt die EU darauf ab, eine kritische, nicht prowestliche Informationsquelle zum Schweigen zu bringen. Und dies nicht nur hinsichtlich des Ukraine-Kriegs. Der Zugang zu unserer Website wurde erschwert, mehrere Soziale Medien haben unsere Accounts blockiert. Es liegt nun an uns allen, ob in Deutschland und der EU auch weiterhin ein Journalismus jenseits der Mainstream-Narrative betrieben werden kann. Wenn Euch unsere Artikel gefallen, teilt sie gern überall, wo Ihr aktiv seid. Das ist möglich, denn die EU hat weder unsere Arbeit noch das Lesen und Teilen unserer Artikel verboten. Anmerkung: Allerdings hat Österreich mit der Änderung des "Audiovisuellen Mediendienst-Gesetzes" am 13. April diesbezüglich eine Änderung eingeführt, die möglicherweise auch Privatpersonen betrifft. Deswegen bitten wir Euch bis zur Klärung des Sachverhalts, in Österreich unsere Beiträge vorerst nicht in den Sozialen Medien zu teilen.

    Info: https://freedert.online/meinung/249221-juengste-nato-gipfel-war-teuerste/


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    Seite 247 von 1116

    < 1 2 3 4 .. 10 .. 20 .. 30 .. 100 .. 200 .. 220 .. 230 .. 240 .. 244 245 246 247 248 249 250 .. 260 .. 270 .. 280 .. 300 .. 400 .. 500 ... 800 .. 900 .. 1000 .. 1090 .. 1100 .. 1110 .. 1113 1114 1115 1116 >