aus e-mail von Clemens Ronnefeldt, 8. Januar 2025, 19:22 Uhr
Liebe Friedensinteressierte,
ich wünsche ein gutes neues Jahr 2025 -
mit hoffentlich mehr Frieden als 2024 -
und sende einige Informationen zu den
Kriegen in der Ukraine und in Westasien,
Alternativen zu den aktuellen Kriegen
sowie einer Friedensbotschaft am Ende:
1. Die Zeit: Ukrainekrieg: Trump stellt Treffen mit Putin in Aussicht
2. IP: „Wir müssen umdenken als Europa“
3. Initiative „Aufbruch zum Frieden“ - Strategiewechsel jetzt!
4. Pazifismus heute: Ein Gespräch über Alternativen zum Krieg in der Ukraine
5. Tagesschau: Bauvorhaben im Westjordanland - Neue Grenzen durch neue Siedler
6. SZ: Internationale Justiz: „Das hält das Gericht nicht aus“
7. DLF: Israels Krieg in Gaza - Warum der Historiker Bartov von einem Genozid spricht
8. Haaretz: Israeli flieht aus Brasilien, da das Land Ermittlungen gegen ihn
wegen angeblicher Kriegsverbrechen im Gazastreifen anordnet
9. DLF: Israels Krieg in Gaza - Warum der Historiker Bartov von einem Genozid spricht
10. DW: Deutschland streicht Gelder für israelische NGOs
11. DFG-VK: Kundgebung: Für einen Gerechten Frieden in Palästina und Israel
12. taz: Zaghafte Strukturen einer radikalen Demokratie
13. Die Zeit: Islamische Republik Iran: Iran probt Luftverteidigung bei Atomanlage Natans
14. Foxnews: US-Beamte sehen Sturz von Assad als Chance, den iranischen Regimewechsel zu erzwingen
15. Reuters: Irans Pezeshkian besucht Moskau am 17. Januar
16. DBK: Papst Franziskus: Botschaft zur Feier des 58. Weltfriedenstages am 1. Januar 2025
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1. Die Zeit: Ukrainekrieg: Trump stellt Treffen mit Putin in Aussicht
https://www.zeit.de/politik/ausland/2025-01/ukraine-krieg-donald-trump-wladimir-putin-treffen
Ukrainekrieg: Trump stellt Treffen mit Putin in Aussicht
Russlands Präsident wolle sich gerne mit ihm treffen, sagt Donald
Trump. Ein Ende des Ukrainekriegs hält der künftige US-Präsident
binnen eines halben Jahres für möglich.
8. Januar 2025, 7:46 Uhr
Der künftige US-Präsident Donald Trump hat ein baldiges Gespräch mit
Russlands Staatschef Wladimir Putin zur Beendigung des russischen
Angriffskriegs in der Ukraine in Aussicht gestellt.
Ein Treffen könnte nach seiner Amtseinführung stattfinden, sagte Trump
bei einer Pressekonferenz in Florida auf die Frage eines Journalisten,
wann er mit einem Treffen rechne, um die Lage in der Ukraine zu
besprechen. Den genauen Termin könne er nicht sagen. "Aber ich weiß,
dass Putin sich gerne treffen würde."
Trump äußerte zudem die Hoffnung, dass der Krieg mindestens innerhalb
eines halben Jahres beendet sein werde. "Ich hoffe, lange bevor sechs
Monate herum sind", sagte er.
Trump verweist regelmäßig auf seine angeblich guten Kontakte zu Putin.
Im Präsidentschaftswahlkampf hatte er mehrfach behauptet, er könne den
Ukrainekrieg binnen 24 Stunden beenden, möglichst noch vor seinem
Amtsantritt. Wie, sagte er nicht.
Noch sind die USA der wichtigste Unterstützer und größte
Waffenlieferant der Ukraine. In der Ukraine und vielen EU-Staaten wird
allerdings befürchtet, dass Trump eine unausgewogene Regelung für eine
Waffenruhe durchsetzen könnte, die Russland und Putin faktisch als
Sieger des Angriffskriegs dastehen lassen könnte.
——
2. IP: „Wir müssen umdenken als Europa“
https://internationalepolitik.de/de/wir-muessen-umdenken-als-europa
„Wir müssen umdenken als Europa“
Interview mit der ehemaligen deutschen Botschafterin in Washington, Emily Haber
17. Dez. 2024
Dr. Emily Haber war u.a. Politische Direktorin (2009–2011) und
Staatssekretärin im Auswärtigen Amt (2011–2013) sowie im
Innenministerium (2014–2018). Zuletzt war sie deutsche Botschafterin
in Washington (2018–2023), wo die promovierte Historikerin einen
großen Teil der ersten Präsidentschaft Donald Trumps aus der Nähe
verfolgen konnte.
(…)
Jenseits der Ukraine-Politik, auf was sollten sich Deutschland und Europa einstellen?
Die Biden-Regierung hat den Krieg in der Ukraine im Kontext der
globalen Herausforderungen Amerikas gesehen, insbesondere im Hinblick
auf die Machtkonkurrenz mit China.
Die Unterstützung für die Ukraine war Teil der amerikanischen globalen
Abschreckungsfähigkeit und ganz besonders wichtig im Hinblick auf die
Region, die nun einmal für Amerika das Auge des Zyklons ist: China und
der Indo-Pazifik.
Das wird die künftige Regierung nicht tun. Trump hat zu verstehen
gegeben, dass die Herausforderungen auf dem europäischen Kontinent die
Sache Europas seien. Amerika sei dort nicht gefordert, das sei ein
regionaler Konflikt.
Und eine solche Wende in der amerikanischen Politik hat natürlich
viele Folgen: für das Risikokalkül des russischen Präsidenten und die
Art und Weise, wie wir über unsere eigene Verteidigungsfähigkeit,
Sicherheit, Abschreckungsfähigkeit und Resilienz nachdenken müssen.
Welche Rolle wird die China-Politik spielen?
Eine ganz zentrale. Wenn man an den außenpolitisch relevanten
Nominierungen etwas ablesen kann, ist es der klare, konzentrierte
Fokus auf China. Und auch das hat Folgen für uns.
Die Erwartung wird sicherlich sein, dass wir jene Schritte oder
politische Entscheidungen nachvollziehen, von denen die künftige
US-Regierung erwarten muss, dass Nichtvollzug amerikanische
Machtprojektion entweder behindert oder dem Land kompetitive
wirtschaftliche Nachteile beschert. Insofern wird auch im Verhältnis
zu Europa der Umgang mit China von zentraler Bedeutung sein. (…)
——
3. Initiative „Aufbruch zum Frieden“ - Strategiewechsel jetzt!
https://www.aufbruch-zum-frieden.de/aufruf/
Initiative „Aufbruch zum Frieden“ - Strategiewechsel jetzt!
Seit dem Überfall Russlands auf die Ukraine im Februar 2022 tobt ein brutaler Krieg in diesem Land.
Hunderttausende Menschen wurden durch die Angriffe der russischen
Armee verletzt und getötet, Zivilbevölkerung wie auch Soldaten. Teile
des Landes und ganze Städte im Osten sind zerstört. Die ukrainische
Bevölkerung lebt in ständiger Angst. Millionen Menschen flüchteten
innerhalb des Landes oder wurden von ihren Nachbarstaaten als
Kriegsflüchtlinge aufgenommen. In Deutschland fanden über 3 Millionen
Menschen Schutz und Hilfe.
Das Ziel „Siegfrieden“ bedeutet weitere Jahre Krieg
Mit massiver militärischer und wirtschaftlicher Unterstützung durch
die NATO-Staaten, allen voran die USA und Deutschland, konnte sich die
Ukraine verteidigen und den Vormarsch der russischen Armee aufhalten.
Die ukrainische Armee fordert und bekommt immer mehr und immer
modernere Waffensysteme und Munition.
Inzwischen hat sie damit auch russisches Gebiet erobert und
bombardiert militärische Infrastruktur in Russland. Auch die russische
Armee und deren Bewaffnung werden massiv verstärkt. Die Eskalation des
Krieges und der Waffen schreitet wechselseitig voran, scheinbar
unaufhaltsam. Und kein Ende des Krieges oder gar ein Frieden sind in Sicht!
Trotz der Aufrüstung stehen sich Angreifer und Verteidiger inzwischen
in einem verlustreichen Stellungskrieg gegenüber. Tag für Tag sterben
weiter zahllose Soldaten, Familien werden zerstört, auf beiden Seiten.
Darüber wird wenig berichtet.
Beide Seiten scheinen erst verhandeln zu wollen, wenn sie militärisch
stark genug sind. Wo und wann soll das enden? Zu welchem Preis? Noch
hält die NATO an der Politik fest, die Ukraine zu unterstützen, sich
aber nicht in den Krieg hineinziehen zu lassen. Gleichwohl droht eine
weitere Eskalation, wenn die Ukraine mit den Raketen von NATO-Ländern
Moskau bombardieren kann oder wenn neue Langstreckenwaffen in
Deutschland stationiert werden.
Wenn weiter dieser militärischen Logik gefolgt wird, wenn
Verhandlungen zu einem Waffenstillstand und zum Frieden für nicht
machbar gehalten werden, wenn diplomatische Mittel nicht genutzt und
nicht konsequent eingesetzt werden, dann drohen weitere Jahre des
Krieges mit schrecklichen Folgen: Tod, Zerstörung und unermessliche
Kosten – nicht nur für die Ukraine.
Schluss mit der Kriegslogik
Es ist höchste Zeit, einen Strategiewechsel einzuleiten, der verstärkt
auf Verhandlungen setzt. Nicht nur die Ukraine hat ein Recht auf
Frieden, auch die europäischen Nationen und die Länder des Globalen
Südens brauchen Frieden. Anstatt Milliarden an finanziellen Mitteln
mit Kriegen zu verschwenden, müssen endlich die großen
Herausforderungen der Menschheit – Klimaschutz und soziale
Gerechtigkeit – angegangen werden.
Wir können die Zukunft und den Frieden nicht Putin und der
ukrainischen Führung überlassen. Die Vereinten Nationen, Staaten wie
Indien, China, Südafrika, Türkei und Brasilien wie auch die NATO
Staaten, insbesondere die USA und Deutschland, sind mit in der
Verantwortung, für ein Ende des Krieges zu sorgen. Die westlichen
Regierungen, insbesondere die Bundesregierung, sind aufgerufen, einen
Strategiewechsel einzuleiten. Denk- und Diskussionsblockaden müssen
durchbrochen werden.
Denn: Waffenlieferungen und Sanktionen haben nicht zum Erfolg geführt.
Im Gegenteil. Der wirtschaftliche und politische Schaden ist für die
Blockadenationen größer als für Russland. Putin ist militärisch und
wirtschaftlich nicht schwächer, sondern stärker geworden. Und Russland
ist auch international nicht isoliert.
Und deshalb müssen die Kriegsparteien mit allen politischen Mitteln
zum Waffenstillstand und zu Verhandlungen gedrängt werden. Diejenigen,
die dazu eine ernstzunehmende Bereitschaft zeigen, müssen in ihrer
Haltung bestärkt werden.
Der Aufbruch zum Frieden bedeutet Vorbereitung von Verhandlungen
Die Zivilgesellschaft ist gefordert und muss sich einmischen und zur
Kursänderung beitragen. Wir wollen:
Wir wollen:
- dass alles getan wird, in diesem Konflikt die Waffen so schnell wie
möglich zum Schweigen zu bringen, um später einem dauerhaften Frieden
eine Chance zu geben;
- den Rückfall in scheinbar überwundene Militär- und Kriegslogik nicht
hinnehmen;
- uns der Vorstellung widersetzen, dass Deutschland statt wehrhaft
kriegstüchtig werden müsse;
- keine Stationierung neuer Mittelstreckenraketen der USA in
Deutschland;
- dass der neue Rüstungswettlauf weltweit und in unserem Land gestoppt
wird und stattdessen wieder Rüstungskontroll- und
Abrüstungsverhandlungen aufgenommen werden;
- dass eine Entspannungsdiplomatie, die zum Ende der Sowjetunion geführt
und eine Friedensperspektive eröffnet hatte, wieder aufgenommen wird;
- die notwendige gesellschaftliche Debatte nicht Rechtsextremen und
denjenigen überlassen, die Putins Vorgehen hinnehmen.
- dass alles getan wird, in diesem Konflikt die Waffen so schnell wie
möglich zum Schweigen zu bringen, um später einem dauerhaften Frieden
eine Chance zu geben;
Unser Grundgesetz ist zur Frage des Friedens sehr klar: Das
Friedensgebot des Grundgesetzes verpflichtet die Regierung wie die
Bevölkerung dem Frieden in der Welt zu dienen. Dieser verpflichtende
Friedensauftrag muss das konkrete politische Handeln bestimmen.
Den Frieden müssen wir wollen, vorbereiten und leben.
Dazu bedarf es vieler Initiativen im ganzen Land.
Dazu wollen wir einen Anstoß geben.
Dr. Ulrich Bausch, Politikwissenschaftler, SPD
Susanne Büttner, Theologin
Dr. Susanne Edel, Pfarrerin
Winfried Hermann, MdL, Bündnis 90/Die Grünen
Dr. Thomas Nielebock, Friedens- und Konfliktforscher
November 2024
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4. Pazifismus heute: Ein Gespräch über Alternativen zum Krieg in der Ukraine
https://soziale-verteidigung.de/produkt/pazifismus-heute-ein-gespraech-ueber-alternativen-zum-krieg-in-der-ukraine/
Pazifismus heute: Ein Gespräch über Alternativen zum Krieg in der Ukraine,
von Majken Jul Sørensen, aus dem Englischen von Ingrid von
Heiseler, Irene Publishing und Bund für Soziale Verteidigung (Hg),
2024, ISBN 978-91-89926-03-5, 85 Seiten, 10,00 €
„Wie könnt ihr in Zeiten wie diesen noch Pazifisten sein?“, fragt
EIN*E SKEPTIKER*IN. Die Invasion der russischen Armee ist dem
Fragenden frisch im Gedächtnis.
Majken Jul Sørensens erstem Impuls entspricht es, auf diese Frage zu
antworten: „Wie ist es möglich, dass ihr in Zeiten wie diesen keine
Pazifist*innen seid? Bei all dem, was wir über die Folgen moderner
Kriegsführung wissen! Warum werden alle Alternativen zum Krieg
sorgfältig verschwiegen?“
In „Pazifismus heute“ stellt Majken Sørensen ihre Auffassung von
Pazifismus und ihr Engagement für gewaltfreie Aktionen und
unbewaffneten Widerstand gegen den Krieg mit Hilfe zahlreicher
Beispiele dar.
In dieser persönlichen Reflexion darüber, warum sie Pazifistin wurde,
erklärt sie, wie ihr Engagement für den Pazifismus immer stärker
wurde, je mehr sie über die Fähigkeit des Menschen, Konflikte mit
gewaltfreien Mitteln zu lösen, erfuhr.
Die Frage der SKEPTIKER*IN regte Majken dazu an, kurz darzustellen,
dass und auf welche Weise Menschen jede soziale und wirtschaftliche
Zusammenarbeit mit einer Besatzungsmacht verweigern können. Das kann
zum Beispiel durch den Boykott von Schulen und von manipulierten
Wahlen geschehen.
In ihrer Antwort auf die Frage deckt Majken die einzigartige Dynamik
des gewaltfreien Kampfes auf. Sie weist darauf hin, dass Militarismus
auf lange Sicht mehr schadet als nützt, und untersucht, unter welchen
Umständen das russische Volk in der Lage sein könnte, Putin die Macht
zu entziehen.
Die Schrift von Majken Jul Sörensen befasst sich mit den Argumenten
und Dilemmata, denen sich Pazifist*innen angesichts des russischen
Angriffskriegs auf die Ukraine ausgesetzt sehen.
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siehe zum Thema Pazifismus auch:
Ökumenisches Institut für Friedenstheologie
https://friedenstheologie-institut.jimdofree.com/edition-pace-etc/
(Viele Arbeiten sind kostenlos abrufbar)
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5. Tagesschau: Bauvorhaben im Westjordanland - Neue Grenzen durch neue Siedler
https://www.tagesschau.de/ausland/asien/israel-siedlungen-110.html?utm_source=firefox-newtab-de-de
Bauvorhaben im Westjordanland
Neue Grenzen durch neue Siedler
Stand: 20.12.2024 04:43 Uhr
Israels Siedlungen auf besetztem Gebiet im Westjordanland verstoßen gegen das Völkerrecht.
Trotzdem kommen immer mehr Siedler in die sogenannten C-Gebiete.
Sie sehen das Recht auf ihrer Seite.
(…)
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6. SZ: Internationale Justiz: „Das hält das Gericht nicht aus“
https://www.sueddeutsche.de/politik/internationaler-strafgerichtshof-usa-israel-li.3167636
Internationale Justiz:
„Das hält das Gericht nicht aus“
28. Dezember 2024, 11:13 Uhr
Nach dem Haftbefehl gegen Israels Premier Netanjahu sieht sich der
Internationale Strafgerichtshof selbst in seiner Existenz bedroht.
Die US-Republikaner unter Donald Trump bereiten Sanktionen vor, die
diesen Gerichtshof faktisch lahmlegen könnten.
Von Ronen Steinke
(…)
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8. Haaretz: Israeli flieht aus Brasilien, da das Land Ermittlungen gegen ihn
wegen angeblicher Kriegsverbrechen im Gazastreifen anordnet
https://www.haaretz.com/israel-news/2025-01-05/ty-article/.premium/report-brazil-investigating-israeli-tourist-suspected-of-committing-war-crimes-in-gaza/00000194-357f-d39d-a196-b77fd1130000
(in deutscher Übersetzung mit deepl)
Haaretz | Israel News
Israeli flieht aus Brasilien, da das Land Ermittlungen gegen ihn
wegen angeblicher Kriegsverbrechen im Gazastreifen anordnet
Die Untersuchung wurde nach einer Beschwerde einer
pro-palästinensischen Organisation mit Sitz in Belgien eingeleitet.
In den letzten Monaten haben solche Gruppen ihre Bemühungen verstärkt,
weltweit rechtliche Schritte gegen Soldaten zu fördern, die am
Gaza-Krieg teilgenommen haben Liza Rozovsky und Noa Spiegel
5. Januar 2025
Ein 21-jähriger israelischer Reservist, der sich auf einer Reise in
Brasilien befand, floh aus dem Land, nachdem ein brasilianisches
Bundesgericht die Polizei angewiesen hatte, eine Untersuchung der
Vorwürfe einzuleiten, er habe in Gaza Kriegsverbrechen begangen.
Das israelische Außenministerium gab bekannt, dass die
Konsularabteilung und die israelische Botschaft in Brasilien ihn und
seine Familie eskortiert hätten, bis er die Grenze zum Verlassen des
Landes überquert habe.
Der Beschluss folgte auf eine Beschwerde der Hind Rajab Foundation,
einer pro-palästinensischen Organisation mit Sitz in Belgien, die
behauptete, der Soldat habe aktiv zur Zerstörung von Häusern in Gaza
beigetragen.
Sein Vater bestätigte gegenüber dem israelischen Nachrichtensender
Ynet, dass sein Sohn Brasilien verlassen habe und dass die Familie auf
seine Rückkehr nach Israel warte.
In der Anklageschrift gegen den Soldaten heißt es, dass er am 12.
November zusammen mit seinem Freund unmittelbar vor einem Angriff
gefilmt wurde, bei dem Häuser im Flüchtlingslager Nuseirat im Zentrum
von Gaza zerstört wurden.
In dem der Gerichtsakte beigefügten Filmmaterial sind zwei Soldaten
vor einem teilweise zerstörten Gebäude zu sehen, die in die Kamera
lächeln. Einer von ihnen soll der Soldat sein, der bis vor kurzem in
Brasilien war.
In einem anderen Video, das in den sozialen Medien geteilt wurde und
ebenfalls dem Gerichtsantrag beigefügt ist, wird eine kontrollierte
Explosion im Gazastreifen gezeigt, mit dem Lachen von Soldaten im
Hintergrund. Einer der Soldaten ist zu hören, wie er das Lied „The
Final Countdown“ summt.
Nach Angaben des Gerichts stammen beide Aufnahmen vom selben Ort,
wobei die erste einige Zeit vor der zweiten aufgenommen wurde.
Der Vater des gesuchten Reservisten berichtete Haaretz, dass der
Freund seines Sohnes eine Nachricht vom israelischen Konsulat erhalten
habe, in der stand, dass ein Haftbefehl gegen ihn erlassen worden sei.
"Ich habe ihnen gesagt, sie sollen sofort fliehen und nicht eine
Minute länger dort bleiben. Sie haben schnell ihre Sachen gepackt und
waren innerhalb weniger Stunden über die Grenze.“
Der Vater fügte hinzu, dass sich die beiden seitdem nicht mehr
gemeldet haben. „Alles fühlte sich sicher an. Überall waren Israelis
und alle sprachen Hebräisch. Im Handumdrehen wurden sie von Touristen
zu Flüchtlingen.“
Inzwischen gibt es weitere Berichte, dass Hunderte chilenischer
Anwälte die Behörden Brasiliens und Argentiniens kontaktiert haben, um
die Verhaftung eines weiteren israelischen Reservisten zu beantragen,
der Südamerika besucht.
Der Vorsitzende des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten und
Verteidigung der Knesset, Yuli Edelstein, kündigte an, dass aufgrund
des Vorfalls am Montag eine Sitzung zum Thema „Schutz von IDF-Soldaten
vor Strafverfolgung im Ausland“ stattfinden wird.
Seinen Angaben zufolge hat sein Ausschuss „immer wieder davor gewarnt,
dass die falschen Anschuldigungen von ‚Kriegsverbrechen‘, die in der
Strafverfolgung verwendet werden, nicht beim Premierminister und
Verteidigungsminister Halt machen, sondern durchdringen und die
Soldaten der IDF erreichen werden“.
Oppositionsführer Yair Lapid sagte, dass „die Tatsache, dass ein
israelischer Reservist mitten in der Nacht aus Brasilien fliehen
musste, um einer Verhaftung zu entgehen, weil er in Gaza gekämpft hat,
ein diplomatisches Versagen einer verantwortungslosen Regierung ist,
die einfach nicht weiß, wie man arbeitet.“
In seiner Stellungnahme sagte Lapid, dass die Palästinenser auf der
internationalen Bühne besser agieren als die israelische Regierung.
„Eine staatliche Untersuchungskommission, die uns rechtlich schützt,
und ein effizientes und koordiniertes Hasbara-System – das hätte diese
Art von Vorfall verhindert.“
In den letzten Monaten haben pro-palästinensische Organisationen ihre
Bemühungen verstärkt, weltweit rechtliche Schritte gegen Soldaten
einzuleiten, die am Gaza-Krieg teilgenommen haben, und zwar nicht nur
gegen die führenden politischen und sicherheitspolitischen
Persönlichkeiten Israels.
Israelische Beamte befürchten, dass die Kombination dieser Bemühungen
und des ICJ-Falls [Internationaler Gerichtshof], in dem untersucht
wird, ob Israel in Gaza einen Völkermord begeht, möglicherweise
Soldaten und Offiziere gefährden könnte, die am Krieg teilgenommen
haben.
Im Oktober reichte eine propalästinensische Organisation in Belgien
beim Internationalen Strafgerichtshof eine Beschwerde ein, in der sie
die Namen von etwa 1.000 israelischen Soldaten und Offizieren nannte,
die nach ihrer Auffassung gegen das Völkerrecht verstoßen haben. Die
Organisation gab an, der Beschwerde Dokumente dieser Offiziere und
Soldaten beigefügt zu haben, die sie in den sozialen Medien gesammelt
hatte.
Eine israelische Quelle teilte Haaretz mit, dass die Justiz- und
Politikbehörden über das Problem informiert seien. Die Quelle gab
jedoch an, dass Israel die von der Organisation übermittelte
Namensliste und die angeblichen Beweise noch nicht geprüft habe.
In mehreren Ländern drängen lokale propalästinensische Gruppen auf
Gerichtsverfahren gegen israelische Soldaten. In Norwegen hat eine
Menschenrechtsorganisation eine Untersuchung aller Israelis gefordert,
die in ihr Land einreisen, um zu überprüfen, ob sie an
Kriegsverbrechen in Gaza beteiligt waren.
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9. DLF: Israels Krieg in Gaza - Warum der Historiker Bartov von einem Genozid spricht
https://www.deutschlandfunk.de/nach-hrw-bericht-veruebt-israel-in-gaza-einen-genozid-interview-omer-bartov-dlf-7af8f34c-100.html
Israels Krieg in Gaza
Warum der Historiker Bartov von einem Genozid spricht
Der Vorwurf wiegt schwer: Israel begehe im Gazastreifen einen
Völkermord. Davon ist mittlerweile auch der Historiker und
Genozidexperte Omer Bartov überzeugt. Er fordert, dass das
auch Folgen für die deutsche Politik haben muss.
Rohde, Stephanie | 21. Dezember 2024, 07:42 Uhr
(…)
——