aus e-mail von Doris Pumphrey, 7. Februar 2025, 13:22 Uhr
Berliner Zeitung 6.2.2025
<https://www.berliner-zeitung.de/wirtschaft-verantwortung/ukraine-plan-geleakt-russland-bekommt-eroberte-gebiete-eu-soll-aufbau-bezahlen-li.2293882>
*Ukraine-Plan geleakt: Russland bekommt eroberte Gebiete, EU soll Aufbau
bezahlen
Ein angeblicher Plan der Trump-Regierung sieht einen Waffenstillstand
zum 20. April vor. Der Plan wurde in London geleakt, ist daher mit
Vorsicht zu genießen.
*Michael Maier
Ein Bericht der britischen Daily Mail hat Spekulationen angeheizt,
wonach US-Präsident Donald Trump dem russischen Präsidenten einen
Friedensplan vorlegen will. Dem Bericht zufolge soll es bereits am 20.
April einen Waffenstillstand geben. Die wichtigsten Elemente des
Trump-Vorschlags: Anerkennung der russischen Souveränität über die vier
von Kiew militärisch bereits weitgehend eroberten Oblasten, das Verbot
eines Nato-Beitritts der Ukraine sowie der Wiederaufbau des Landes durch
EU-Steuergelder. Der Plan soll laut Mail vom ukrainischen Portal Strana
stammen. Allerdings arbeiten die ukrainischen Medien eng mit den Briten
zusammen, weshalb die Quelle dieselbe sein dürfte. Die Briten fordern
unter Premier Keir Starmer eine Fortsetzung des Kriegs bis zum Sieg des
Westens und der Ukraine. Auch der Bericht in der Daily Mail
<https://www.dailymail.co.uk/news/article-14367923/Trump-peace-plan-Ukraine-Putin-ceasefire-Easter-Zelensky-NATO.html>
betont die großen militärischen Erfolge der Ukraine und hebt
insbesondere hervor, dass Kiew erfolgreich sei bei der Entwicklung von
Langstreckendrohnen, die Russland auf eigenem Territorium Schaden
zufügen würden.
Ob das Verbot eines Nato-Beitritts für alle Zeiten gilt ist unklar. Laut
Daily Mail plant Trump die Fortsetzung der amerikanischen Unterstützung
für das ukrainische Militär sowie einen Weg für einen Beitritt des
Landes zur EU bis 2030. Dieser Punkt dürfte für die Russen problematisch
sein, weil der Kreml zuletzt immer wieder darauf hingewiesen hatte, dass
sich die EU zu einem zweiten Militärbündnis entwickelt habe und Moskau
seine Haltung der EU gegenüber daher verändert habe.
Trump hat sich bisher bedeckt gehalten, aber übereinstimmenden
Spekulationen aus Ost und West zufolge könnte ein Gipfeltreffen zwischen
Trump und Putin entweder in den Vereinigten Arabischen Emiraten oder
Saudi-Arabien stattfinden. Anfang dieser Woche sagte der Kreml, es seien
„keine Fortschritte“ bei der Organisation von Friedensgesprächen über
die Ukraine zwischen Moskau und Washington gemacht worden. Trump dagegen
hatte am Montag gesagt, man mache enorme Fortschritte. Das Büro des
ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj hat die Authentizität der
Berichte über alle Friedenspläne bisher vehement bestritten. Andriy
Yermak, sein Bürochef, sagte auf Telegram, es werde keinen Plan ohne die
Mitwirkung der Ukraine geben. Selenskyj hat allerdings das Problem, dass
nach den Russen nun auch die Trump-Regierung Neuwahlen in der Ukraine
fordert. Außerdem machen in Washington Spekulationen die Runde, dass die
US-Regierung einen „Audit“ durchführen wolle: Man wolle wissen, wohin
die 200 Milliarden Dollar der Ukraine-Hilfe gegangen sind. Selenskyj
hatte erst vor wenigen Tagen gesagt, in der Ukraine seien nur 76
Milliarden Dollar angekommen.
*Trump und Putin wollen einen Deal ohne die EU
*Ein Punkt in dem Plan, der tatsächlich Trumps Denken nahekommen könnte,
ist die Forderung, dass die EU für den Wiederaufbau bezahlen müsse. Der
Wiederaufbau würde laut Berechnungen des German Marshall Fund
<https://www.gmfus.org/news/pricing-ukrainian-reconstruction> im
nächsten Jahrzehnt bis zu 486 Milliarden Dollar kosten. Dies käme
US-Unternehmen massiv zugute, die mit EU-Steuergeldern in der Ukraine
den Wiederaufbau voranbringen könnte. Auch die Banken würden
profitieren, vermutlich auch die Russen. Moskau und Washington wollen,
das ist seit Monaten klar, einen Deal ohne die EU
<https://www.berliner-zeitung.de/topics/eu>. Trump hat mehrfach gesagt,
dass die EU mindestens 200 Milliarden Dollar für die Ukraine aufbringen
müsse. Seine jüngst geäußerte Forderung, die Ukraine müsse ihre Seltenen
Erden und „andere Dinge“ als Sicherheiten für allfällige Kredite
stellen, entspricht ebenfalls der Logik von Geopolitik als
Transaktionsgeschäft. Laut Daily Mail die EU „gebeten werden, die
Ukraine bei ihren Wiederaufbaubemühungen unterstützen“ - eine
euphemistische Formulierung, wenn man gesehen hat, dass Trump eher auf
Erpressung als auf Höflichkeit setzt.
Des Weiteren enthält der angebliche Plan die Forderung an die
ukrainischen Truppen, die russische Region Kursk zu verlassen, in der
sie im August eine Gegenoffensive gestartet haben. Ein Kontingent
europäischer Soldaten, darunter möglicherweise auch britische, soll mit
der Überwachung einer entmilitarisierten Zone beauftragt werden.
Amerikanische Truppen werden an diesem Kontingent nicht beteiligt sein.
Diese Forderung klingt nach einer Sollbruchstelle, weil Russland
mehrfach klargemacht hat, unter keinen Umständen ausländische Soldaten
in der Region zu akzeptieren.
Die Gespräche sollen laut Daily Mail mit einem Telefonat zwischen
Selenskyj und Wladimir Putin Anfang Februar beginnen. Danach soll ein
Treffen der beiden Staatschefs Ende Februar bis Anfang März folgen sowie
eine offizielle Waffenstillstandserklärung bis zum 20. April. Auch
dieser Punkt ist fragwürdig: Putin hat mehrfach erklärt, aus
juristischen Gründen nicht mit Selenskyj verhandeln zu können. Dieser
sei nicht mehr legitimer Präsident der Ukraine, seine Unterschrift habe
aus russischer Lesart keine Rechtsverbindlichkeit. Vereinbarungen mit
einem nicht vom Volk legitimierten Vertreter würden die Ukraine nicht
binden und seien daher für Russland wertlos.
Ein weiteres Detail: Bis zum symbolträchtigen Datum des 9. Mai soll dann
eine Erklärung über die vereinbarten Parameter zur Beendigung des
Krieges veröffentlicht werden, wonach Kiew aufgefordert wird, weder das
Kriegsrecht zu verlängern noch Truppen zu mobilisieren.
In den kommenden Tagen wird sich zeigen, wie nahe der angebliche Plan an
der Realität ist. Russland hat jedoch klargemacht, sich in der
militärischen Offensive nicht aufhalten zu lassen. Moskau fürchtet, dass
der Westen einen Waffenstillstand nützen könnte, um die ukrainische
Armee nach vielen schweren Verlusten militärisch wieder auf Vordermann
zu bringen.
unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.