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30.04.2025

Informationen zu den Kriegen in der Ukraine und in Westasien - sowie zur Militarisierung in Deutschland.   (I von II)

aus e-mail von Clemens Ronnefeldt, 30. April 2025, 20:12 Uhr


Liebe Friedensinteressierte,


beiliegend sende ich einige Informationen zu den

Kriegen in der Ukraine und in Westasien - sowie

zur Militarisierung in Deutschland.


1. n tv: Ukraine-Krieg im Liveticker


2. FR: Ende des Ukraine-Kriegs: Trump macht offenbar „finales Angebot“


          Ukraine-Krieg: Putin soll Trump Invasions-Stopp angeboten haben


3. RND: Kreml lehnt Selenskyjs Vorschlag zu 30-tägiger Waffenruhe ab


4. Der Spiegel: Russlands Angriffskrieg


    Trump irritiert mit Aussage über angebliche Zugeständnisse Putins


5. FAZ: USA und Europa :  So unterscheiden sich die Friedenspläne

6. IPG: Der Preis des Krieges


7. Sicherheitsbulletin: Die 3 Irrtümer des Johann Wadephul-


    ist das die Strategie der zukünftigen Bundesregierung im Ukrainekrieg?



8. Der Spiegel: Ursachensuche nach Hafenexplosion


   Jede Erklärung lässt Irans Regime schlecht aussehen


9. DLF: Autor Ofer Waldman hofft auf Signalwirkung von Protest


10. IPG: J. Borell: Test für Europas Glaubwürdigkeit



11. ND: Zwei antimilitaristische Erwachsene erhalten zeitweisen Schulverweis


12. IPPNW fordert Abrüstung und Rüstungskontrolle statt Wettrüsten



——


1. n tv: Ukraine-Krieg im Liveticker


https://www.n-tv.de/politik/19-47-Russland-und-Nordkorea-bauen-Grenzbruecke--article23143824.html



30.04.2025

Ukraine-Krieg im Liveticker


18:21 Verzögert sich Rohstoffdeal wegen Zusatzdokumenten?



Die Unterzeichnung eines Rohstoffabkommens zwischen der Ukraine und

den USA könnte noch an diesem Mittwoch stattfinden, wie zwei Insider

der Nachrichtenagentur Reuters sagen.


Eine Quelle weist jedoch auf ein Problem in letzter Minute hin: Die

USA drängen die Ukraine, zwei zusätzliche Dokumente zusammen mit dem

Hauptabkommen zu unterzeichnen. Die Regierung in Kiew sei indes der

Ansicht, dass diese Ergänzungsdokumente noch nicht fertiggestellt

seien.


Ob dies die Unterzeichnung insgesamt verzögern würde, ist bisher unklar.


(…)


21:14 US-Außenminister droht mit Rückzug aus Vermittlungen zwischen Moskau und Kiew


US-Außenminister Marco Rubio droht mit einem Ende der

Vermittlungsbemühungen der US-Regierung im Ukraine-Krieg. Russland und

die Ukraine müssten "konkrete Vorschläge" für ein Ende des Krieges auf

den Tisch legen, sagte Außenministeriumssprecherin Tammy Bruce.


Sollte es weiterhin "keinen Fortschritt" geben, "werden wir uns als

Vermittler in diesem Prozess zurückziehen." Bereits am Sonntag hatte

Rubio gesagt, die Bemühungen um eine Waffenruhe in der Ukraine stünden

vor einer möglicherweise "sehr entscheidenden Woche", und einen

Rückzug aus den Verhandlungen angedeutet.


Die US-Regierung stehe vor einer Entscheidung darüber, "ob dies eine

Bemühung ist, in die wir weiter involviert sein wollen, oder ob es an

der Zeit ist, uns auf andere Themen zu konzentrieren, die genau so

wichtig oder sogar noch wichtiger sind", sagte der Außenminister.



———


2. FR: Ende des Ukraine-Kriegs: Trump macht offenbar „finales Angebot“


          Ukraine-Krieg: Putin soll Trump Invasions-Stopp angeboten haben



Ende des Ukraine-Kriegs: Trump macht offenbar „finales Angebot“



https://www.fr.de/politik/ukraine-news-russland-erfreut-usa-lehnen-nato-beitritt-ab-zr-93692925.html


Ende des Ukraine-Kriegs: Trump macht offenbar „finales Angebot“



Von: Bedrettin Bölükbasi, Simon Schröder, Nail Akkoyun, Sonja

Thomaser, Nils Thomas Hinsberger


Update, 8 Uhr:


Die USA haben der Ukraine offenbar ein „finales Angebot“ mit Blick auf einen

Waffenstillstand mit Russland gemacht.


US-Präsident Donald Trump erwartet wohl eine Antwort der Ukraine noch

am Mittwoch.


Dies berichtet das amerikanische Nachrichtenportal Axios unter

Berufung auf relevante Quellen. Demnach beinhaltet das „Angebot“ der

US-Regierung auf einen Frieden in der Ukraine die offizielle

Anerkennung der Krim als russisches Territorium sowie die inoffizielle

Anerkennung der russischen Kontrolle über die bisher von Russland

besetzten Gebiete in der Ukraine.


Das einseitige Dokument, das ukrainischen Beamten vergangene Woche in

Paris überreicht worden sein soll, wird auf dem Papier selbst

tatsächlich als Trumps „finales Angebot“ bezeichnet.


Für den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj wäre die

Zustimmung zum amerikanischen Angebot ein sehr großes Zugeständnis.

Eine ukrainische Quelle sagte Axios, die Regierung in Kiew halte den

US-Vorschlag für sehr vorteilhaft für Russland: „Der Vorschlag zeigt

sehr deutlich, welche konkreten Vorteile Russland erhält, sagt aber

nur vage und allgemein, was die Ukraine im Gegenzug erhalten wird.“



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https://www.fr.de/politik/ukraine-news-russland-erfreut-usa-lehnen-nato-beitritt-ab-zr-93692925.html#id-pageApi-chapter_heading-0


26.4.2025


(…)

Ukraine-Krieg: Putin soll Trump Invasions-Stopp angeboten haben


Update, 19.58 Uhr:


Kommt nun doch die Waffenruhe im Ukraine-Krieg? Wladimir Putin soll

Donald Trump angeboten haben, seine Invasion in der Ukraine über die

derzeitige Frontlinie hinweg zu stoppen.


Dies berichtet die Financial Times unter Berufung auf

Insider-Informationen. Es wäre der erste Vorschlag, den Putin seit den

ersten Monaten des Kriegs ins Spiel bringen würde.


Trumps Ukraine-Gesandter Steve Witkoff hatte zu Beginn des Monats nach

einem Treffen in St. Petersburg erklärt, dass Russland seine Ansprüche

auf die derzeit annektierten Gebiete in der Ukraine teils aufgeben

könnte – im Gegenzug für andere Zugeständnisse. Weitere Details sind

allerdings noch nicht bekannt.



——


3. RND: Kreml lehnt Selenskyjs Vorschlag zu 30-tägiger Waffenruhe ab



https://www.rnd.de/politik/ukraine-krieg-kreml-lehnt-selenskyjs-vorschlag-zu-30-taegiger-waffenruhe-ab-FM5AORKNX5OVHEWAOSF5T36PPU.html



Putin bleibt bei seinen Bedingungen

Kreml lehnt Selenskyjs Vorschlag zu 30-tägiger Waffenruhe ab


Im Mai gibt es eine dreitägige „humanitäre Waffenruhe” rund um die

Parade zum Weltkriegsgedenken in Russland. Aber das ukrainische

Angebot, die Waffen für einen längeren Zeitraum niederzulegen, lehnt

Moskau ab.


29.04.2025, 13:09 Uhr


Moskau. Der Kreml hat die von Kiew vorgeschlagene Verlängerung der

Waffenruhe auf 30 Tage abgelehnt. Russland habe die Offerte des

ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj gesehen, doch dafür

müssten noch einige Fragen geklärt werden, sagte Kremlsprecher Dmitri

Peskow.


„Ohne Antworten auf diese Fragen ist es schwer, auf eine langfristige

Waffenruhe einzugehen.“ Das sei auch die Position von Präsident

Wladimir Putin.


Putin hatte bereits im März, als US-Präsident Donald Trump die

30-tägige Waffenruhe vorgeschlagen hatte, Bedingungen dafür genannt.

So dürfe die Ukraine den Zeitraum nicht für eine Umgruppierung ihrer

Streitkräfte und zu einer Wiederbewaffnung nutzen.


Die westlichen Rüstungslieferungen an Kiew müssten in der Zeit

eingestellt werden. Über ähnliche Restriktionen für das russische

Militär sprach Putin dabei nicht.


„Humanitäre“ Waffenruhe für reibungslose Siegesparade


Der 72-Jährige hat für die Tage um das Weltkriegsgedenken vom 8. bis

11. Mai eine dreitägige Waffenruhe „aus humanitären Überlegungen“

angeordnet.


In den Zeitraum fällt die von Moskau mit viel Aufwand betriebene

Siegesparade auf dem Roten Platz, zu der auch zahlreiche ausländische

Staatsgäste, darunter Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping,

erwartet werden.


Peskow bezeichnete den Erlass als „Geste guten Willens“, in Kiew

hingegen wurde die dreitägige Feuerpause als Betrugsversuch gewertet,

um Dialogbereitschaft zu simulieren.


Die Ukraine konterte den Vorschlag ihrerseits mit der Forderung nach

einer längerfristigen Waffenruhe. Das sei keine Antwort auf den

russischen Vorschlag, meinte Peskow dazu nun. Es sei immer noch

unklar, ob Kiew bereit sei, darauf einzugehen.



———



4. Der Spiegel: Russlands Angriffskrieg


    Trump irritiert mit Aussage über angebliche Zugeständnisse Putins



https://www.spiegel.de/ausland/ukrainekrieg-donald-trump-irritiert-mit-aussage-ueber-angebliche-zugestaendnisse-wladimir-putins-a-68271a84-185b-4a74-941d-592fa32cd7c7?utm_source=firefox-newtab-de-de


Russlands Angriffskrieg


Trump irritiert mit Aussage über angebliche Zugeständnisse Putins


Mindestens zwölf Menschen sind bei Russlands jüngstem Angriff auf

Kyjiw ums Leben gekommen. Inmitten dieser neuerlichen Aggression

Moskaus lobt der US-Präsident den russischen Staatschef.



25.04.2025, 08.28 Uhr


Im Ringen um ein Ende des Ukrainekriegs sieht US-Präsident Donald

Trump es als ein Zugeständnis des Kreml, dass Russland sein

Nachbarland nicht mehr komplett erobern will. Auf die Frage, welche

Zugeständnisse Moskau in den Verhandlungen mache, sagte Trump: »Den

Krieg zu beenden und nicht das ganze Land einzunehmen? Ein ziemlich

großes Zugeständnis.« (…)


Trump zeigte sich zuversichtlich, dass es bald ein Friedensabkommen

zwischen Russland und der Ukraine geben könnte. »Wir wollen diesen

Krieg beenden, wir wollen ihn schnell beenden.


Und ich denke, wir haben große Fortschritte gemacht, und wir werden

sehen, was in den nächsten Tagen passiert, denn es werden sehr

wichtige Treffen stattfinden«, sagte der Republikaner am Rande eines

Treffens mit dem norwegischen Ministerpräsidenten Jonas Gahr Støre.


Angeblicher Druck der USA auf Russland


Trump betonte, dass er »eine Menge Druck« auf Russland ausübe. Er gehe

davon aus, dass Kremlchef Wladimir Putineinen Deal eingehen wolle.

Aber zum Tango gehörten immer zwei, so Trump. Er sei überzeugt, dass

auch die Ukraine eine Einigung anstrebe. Nachfragen zu Details eines

möglichen Abkommens beantwortete Trump nicht. (…)


US-Medien zufolge kommt ein von den USA vorgelegter Vorschlag für eine

Waffenruhe den russischen Forderungen weit entgegen. Demnach könnten

die USA die russische Besatzung der ostukrainischen Regionen Donezk,

Luhansk, Cherson und Saporischschja faktisch anerkennen, ebenso die

2014 erfolgte Annexion der Halbinsel Krim durch Russland.


Den Berichten zufolge will Washington Moskau zudem garantieren, dass

die Ukraine niemals der Nato beitreten wird. Die Ukraine soll laut

»Axios« eine »robuste Sicherheitsgarantie« unter Beteiligung

europäischer und nicht europäischer Staaten erhalten. Unklar sei aber,

wie ein möglicher friedenssichernder Einsatz konkret organisiert wäre

und ob die USA daran beteiligt wären.


Selenskyj hatte eine Abtretung der Krim mehrfach ausgeschlossen und

betont, dass ein solcher Schritt gegen die ukrainische Verfassung

verstoßen würde. Trump bezeichnete Selenskyjs Haltung als »sehr

schädlich für die Friedensverhandlungen mit Russland«



——



5. FAZ: USA und Europa :  So unterscheiden sich die Friedenspläne


https://www.faz.net/aktuell/politik/ukraine/ukraine-verhandlungen-so-unterscheiden-sich-die-friedensplaene-von-usa-und-europa-110438465.html


USA und Europa :  So unterscheiden sich die Friedenspläne


25.04.2025, 13:47



Wer bürgt für die Sicherheit der Ukraine? Werden russische

Gebietsgewinne anerkannt? Und wann entfallen Sanktionen? Ein Überblick

über die Positionen Amerikas und Europas.


Bei der Zusammenkunft der westlichen Ukraine-Unterstützer in Paris vor

Ostern haben der US-Unterhändler Steve Witkoff und Außenminister Marco

Rubio den „Rahmen“ eines amerikanischen Vorschlags für eine

Friedensvereinbarung zwischen Moskau und Kiew skizziert.


Über die Osterfeiertage sollen sich die Europäer in Rücksprache mit

Kiew auf einen Gegenentwurf geeinigt haben.


In der Hoffnung auf eine Verständigung mit den USA wollen sie ihn als

„Ergänzung“ verstanden wissen, auch wenn er den US-Überlegungen in

vielen Punkten diametral zu widersprechen scheint.


Da Rubio die Teilnahme an einer Konferenz in London am Mittwoch

kurzfristig absagte, wurden diese Vorschläge vor allem Trumps

Ukraine-Sondergesandten Keith Kellogg überbracht, dessen Einfluss in

Washington allerdings nicht sehr hoch eingeschätzt wird. Der

Nachrichtenagentur Reuters liegen nach eigenen Angaben beide Papiere vor.


Worin unterscheiden sie sich?



Waffenruhe



Im amerikanischen Vorschlag heißt es:

• Dauerhafter Waffenstillstand


• Beide Seiten beginnen sofort mit Verhandlungen über die technische Umsetzung.



Im europäischen Entwurf steht:

• Verpflichtung zu einem vollständigen und bedingungslosen Waffenstillstand in der Luft, zu Lande und zu Wasser.


• Beide Seiten nehmen sofort Verhandlungen über die technische Umsetzung unter Beteiligung der USA und europäischer Länder auf.


   Parallel dazu werden die Tagesordnung und die Modalitäten für ein umfassendes Friedensabkommen vorbereitet.


• Überwachung des Waffenstillstands unter der Leitung der USA und mit Unterstützung weiterer Drittländer.


• Russland muss alle deportierten und illegal vertriebenen ukrainischen Kinder bedingungslos zurückgeben. Austausch aller Kriegsgefangenen


  (Prinzip „alle gegen alle“). Russland muss alle „zivilen Gefangenen“ freilassen.



Sicherheitsgarantie für die Ukraine



Im amerikanischen Vorschlag heißt es:

• Die Ukraine bekommt eine starke Sicherheitsgarantie.


• Garantiestaaten sind eine Ad-hoc-Gruppe europäischer und anderer Staaten, die dazu bereit sind.


• Die Ukraine strebt keinen NATO-Beitritt an.


• Die Ukraine kann die EU-Mitgliedschaft anstreben.



Im europäischen Entwurf steht:

• Die Ukraine erhält solide Sicherheitsgarantien, unter anderem von den USA (Vereinbarung ähnlich dem NATO-Artikel 5),


  während unter den Verbündeten kein Konsens über eine NATO-Mitgliedschaft besteht.


• Keine Einschränkungen für die ukrainischen Streitkräfte.


• Die Garantiemächte werden eine Ad-hoc-Gruppe europäischer Länder und bereitwilliger nicht-europäischer Länder sein.


  Keine Einschränkungen der Präsenz, der Waffen und der Operationen befreundeter ausländischer Streitkräfte auf dem Territorium der Ukraine.


• Die Ukraine strebt den Beitritt zur EU <https://www.faz.net/aktuell/politik/thema/europaeische-union> an.



Territorium



Im amerikanischen Vorschlag heißt es:

• Die USA erkennen die Kontrolle Russlands <https://www.faz.net/aktuell/politik/thema/russland> über die Krim de jure an.


• Die USA erkennen die Kontrolle Russlands über Luhansk de facto an.


• Die USA erkennen die von Russland kontrollierten Teile der Gebiete Saporischschja, Donezk und Cherson de facto an.


• Die Ukraine erhält die besetzten Teile des Gebiets Charkiw zurück.


• Die Ukraine bekommt die Kontrolle über das Kernkraftwerk Saporischschja zurück, das aber von den USA kontrolliert und verwaltet wird, wobei der Strom an beide Seiten verteilt wird, ebenso wie den Kachowka-Staudamm.


• Die Ukraine genießt ungehinderte Durchfahrt auf dem Dnipro und die Kontrolle über die Kinburn-Halbinsel.



Im europäischen Entwurf steht:

• Territoriale Fragen werden nach einem vollständigen und bedingungslosen Waffenstillstand diskutiert und gelöst.


• Die Territorialverhandlungen beginnen auf der Grundlage der Kontaktlinie.


• Die Ukraine erhält mithilfe der USA die Kontrolle über das Kernkraftwerk Saporischschja und den Kachowka-Staudamm zurück.


• Die Ukraine genießt ungehinderte Durchfahrt auf dem Dnipro und die Kontrolle über die Kinburn-Halbinsel



Wirtschaft



Im amerikanischen Vorschlag heißt es:

• Die Vereinigten Staaten <https://www.faz.net/aktuell/politik/thema/usa> und die Ukraine werden ein Abkommen über wirtschaftliche Zusammenarbeit und Mineralien abschließen.


• Die Ukraine wird vollständig wiederaufgebaut und finanziell entschädigt.


• Die seit 2014 aufgrund dieses Konflikts verhängten Sanktionen gegen Russland werden aufgehoben.


• Die USA und Russland werden in den Bereichen Energie und anderen Industriezweigen wirtschaftlich zusammenarbeiten.



Im europäischen Entwurf steht:

• Die Vereinigten Staaten und die Ukraine werden ein Abkommen über wirtschaftliche Zusammenarbeit und Mineralien abschließen.


• Die Ukraine wird vollständig wiederaufgebaut und finanziell entschädigt, unter anderem durch russische Staatsvermögen,


  die bis zur Entschädigung der Ukraine durch Russland eingefroren bleiben.


• Die seit 2014 gegen Russland verhängten US-Sanktionen können nach Erreichen eines dauerhaften Friedens schrittweise


  gelockert werden und im Falle eines Verstoßes gegen das Friedensabkommen wieder in Kraft treten.



——

6. IPG: Der Preis des Krieges



https://www.ipg-journal.de/rubriken/aussen-und-sicherheitspolitik/artikel/der-preis-des-krieges-8250/?utm_campaign=de_40_20250430&utm_medium=email&utm_source=newsletter


Außen- und Sicherheitspolitik 30.04.2025 |


Lukas Theinert <https://www.ipg-journal.de/ipg/autorinnen-und-autoren/autor/lukas-theinert/>

Der Preis des Krieges



Die Risiken wachsen – militärisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich.


Warum auch Russland kein Interesse an einem langwierigen Krieg hat.


Lukas Theinert ist Doktorand an der Martin-Luther-Universität

Halle-Wittenberg.


Er promoviert über die revisionistische Außenpolitik von Russland und

der Türkei im Vergleich.


Während die Verhandlungen über einen Waffenstillstand in der Ukraine

auf Hochtouren laufen, streuten die massiven Bombardierungen Russlands

auf Kiew erneut Zweifel an der tatsächlichen Verhandlungsbereitschaft

Wladimir Putins.


Es ist jedoch ein bekanntes Muster: Kurz vor einer vereinbarten

Feuerpause intensivieren sich die Kampfhandlungen nochmal, um die

eigene Position zu verbessern und die militärische Infrastruktur der

Gegenseite zu schwächen.


Ein solch zynisches Vorgehen konnte man auch vor dem Waffenstillstand

im Gaza-Krieg Anfang des Jahres beobachten.


Fest steht: Kriege sind schwer zu beenden, besonders wenn sie schon

länger anhalten und keine Kriegspartei eine Niederlage akzeptiert.

Wenn indes eine Fortführung des Krieges für keine der Seiten mehr

Vorteile verspricht, sondern vielmehr zum beiderseitigen Nachteil

wird, öffnet sich zwangsläufig ein Fenster für Verhandlungen.


Eine solche Situation existiert gerade. Nicht nur Kiew sollte ein

vitales Interesse daran haben, den Krieg zu beenden – so schmerzhaft

die territorialen Eroberungen Russlands auch sein mögen –, aufgrund

eigener Rekrutierungsprobleme und der drohenden Einstellung der

amerikanischen Militärhilfe.


Auch Russland dürfte kein Interesse an einem ewigen Krieg haben: Die

anhaltend hohen personellen und materiellen Verluste, ohne Aussicht

auf einen Regimewechsel in Kiew, unterminieren längerfristig die

Stabilität von Putins Regime.


Zwar könnte der Kreml einen Waffenstillstand nutzen, um sich auf einen

erneuten Großangriff gegen Kiew und womöglich auch gegen europäische

NATO-Staaten vorzubereiten.


Doch es spricht vieles gegen diese Annahme. Man muss sich vor Augen

führen, welche dierussischen Kriegsziele in der Ukraine und darüber

hinaus sind, und über welche Machtressourcen Moskau verfügt, jene

Ziele auch umsetzen zu können.


Das strategische Langzeitziel Russlands seit den 1990er Jahren ist es,

wieder als herausragende Großmacht in einer multipolaren Weltordnung

anerkannt zu werden.


Das strategische Langzeitziel Russlands seit den 1990er Jahren ist es,

wieder als herausragende Großmacht in einer multipolaren Weltordnung

anerkannt zu werden – also in einem System ohne westliche Hegemonie.


Aus seiner Sicht wurde die Stimme Russlands in zentralen Fragen immer

wieder ignoriert – etwa im Kosovo-Krieg oder bei der Erweiterung von

NATO und EU. Konstitutiv für diesen Großmachtanspruch ist das

Reklamieren von exklusiven Einflusssphären sowie der Anspruch, globale

Probleme gemeinsam mit anderen Großmächten zu „lösen“.


Der Krieg gegen die Ukraine steht dabei im Mittelpunkt des russischen

Ringens um den Großmachtstatus. Offiziell spricht der Kreml von einer

„Entnazifizierung“ und „Entmilitarisierung“ der Ukraine. Gemeint ist

damit ein Regimewechsel in Kiew – zugunsten einer prorussischen

Regierungselite.


Moskau betrachtet die Ukraine aus kultureller, geostrategischer und

geoökonomischer Perspektive als unverzichtbaren Bestandteil der

eigenen Einflusszone – sie hat damit einen anderen Stellenwert als

etwa die baltischen Staaten oder Polen.


Die gesamte Ukraine in den russischen Einflussbereich zu zwingen – mit

militärischer Gewalt oder prospektiv mit manipulierten Wahlen –

erscheint zunehmend unrealistisch. Die Ukraine hat sich zu einem

antirussischen Bollwerk entwickelt.


Selbst mit brutalen Repressionsmitteln wie Folter, Entführungen und

willkürlichen Tötungen hat Russland erhebliche Schwierigkeiten, die

besetzten Gebiete im Donbass unter seiner Kontrolle zu halten.


Eine vollständige Unterwerfung des Landes wäre wohl nur mit einer

Generalmobilmachung und der Errichtung eines repressiven Gewaltregimes

denkbar, das jedoch enorme Ressourcen binden würde und für Moskau

keinerlei Vorteile bringen dürfte.


Die Folge wäre eine Massenflucht, eine immense Gegenwehr und aufgrund

des ukrainischen Widerstands eine ökonomisch unproduktive Bevölkerung.


Auch eine Zermürbungstaktik durch Fortsetzung des Angriffskrieges kann

nicht im längerfristigen Interesse Moskaus liegen.


Zwar ist das ukrainische Militär dem russischen in vielen Bereichen

unterlegen, doch hat es sich zu einer kampferprobten und durch eine

eigene Drohnenproduktion auch zu einer technisch versierten

Streitkraft entwickelt, die enge sicherheitspolitische Beziehungen zu

EU- und NATO-Staaten pflegt.


Zugleich wächst in Russland die Unzufriedenheit über die negativen

Folgen des Krieges. Aus dem Ursprungsplan, den ukrainischen Staat

kurzerhand zu usurpieren, ist ein verlustreicher dreijähriger

Stellungs- und Abnutzungskrieg geworden.


Bereits zwei Monate nach der Vollinvasion Ende Februar 2022 zeichnete

sich eine Pattsituation ab. Damals hatte Russland etwa 15 Prozent des

ukrainischen Territoriums besetzt – heute, drei Jahre später, sind es

rund 18 Prozent.


Russland hat zwar sein militärisches Potential nicht ausgeschöpft,

aber Putin ist sich bewusst, dass die großangelegte Offensive gegen

die Ukraine nicht populär ist.


Das unterstreichen nicht zuletzt die vielen Deserteure nach der

Teilmobilmachung im September 2022. Bis heute spricht der Kreml von

einer „militärischen Spezialoperation“ und versucht, die Realität des

Krieges möglichst aus der russischen Öffentlichkeit herauszuhalten.


In diesem Sinne wurden bevorzugt gesellschaftliche Randgruppen

rekrutiert – etwa Gefangene oder einkommensschwache Männer aus

abgelegenen Regionen, die mit hohen Soldzahlungen angeworben wurden.

Um eine Generalmobilmachung zu vermeiden, griff die russische Armee

sogar auf Milizen und Söldner aus Ländern wie Jemen, Kuba, Nepal,

Kasachstan, Kirgisistan und Usbekistan zurück sowie auf etwa 50 000

nordkoreanische Soldaten.


Dennoch lässt sich der Krieg nicht aus der gesellschaftlichen Realität

Russlands verdrängen. Der Krieg hat schwere Verluste gefordert – rund

800 000 militärische Opfer, darunter etwa 170 000 Tote. Zudem sind

etwa die Hälfte der Kampfpanzer (ca. 10 000) und der gepanzerten

Fahrzeuge (ca. 19 000) sowie rund 21 000 Artilleriesysteme und 300

Flugzeuge und Helikopter zerstört worden.


Zwar setzt Russland überwiegend Waffen aus der Sowjet-Zeit ein und

hält modernere Systeme zurück, doch das Ersetzen der zerstörten

Ausrüstung dürfte viele Jahre in Anspruch nehmen.


Russland gerät immer mehr in die Abhängigkeit Chinas, was keinesfalls

in Putins Interesse liegen kann.


Auch der wirtschaftliche Schaden ist erheblich. Zwar konnte Moskau die

westlichen Sanktionen zum Teil abfedern – durch Importsubstitution,

Handel über Drittstaaten sowie den Verkauf von Öl und Gas an China,

Indien und die Türkei.


Dennoch sanken die Exporte fossiler Brennstoffe auf etwa die Hälfte

des Vorkriegsniveaus. Trotz einer beachtlichen Schattenflotte und

vorübergehend erhöhter Ölpreise gingen die Öl-Exporteinnahmen um rund

120 Milliarden Euro zurück.


Nach dem drastischen Einbruch der Erdgas-Exporte nach Europa zahlte

Peking nur etwa die Hälfte dessen, was EU-Staaten zuvor pro Kubikmeter

gezahlt hatten.


Infolgedessen verzeichnete Gasprom 2023 erstmals in seiner Geschichte

einen Verlust. Die Folge: Russland gerät immer mehr in die

Abhängigkeit Chinas, was keinesfalls in Putins Interesse liegen kann.


Dass die russische Wirtschaft trotzdem zwei Jahre nach Beginn der

Vollinvasion wuchs, liegt vor allem an den hohen Investitionen in den

militärisch-industriellen Komplex – ein Phänomen, das als

„Militärkeynesianismus“ bezeichnet wird.


Dies wirkt wie ein Konjunkturprogramm, wovon auch nicht-militärische

Wirtschaftszweige und die breite Gesellschaft direkt oder indirekt

profitierten.


Zur Finanzierung der Ausgaben nahm die russische Regierung Kredite auf

und verbrauchte 67 Prozent der liquiden Reserven des Nationalen

Vermögensfonds.


Ende 2024 waren davon nur noch 33,6 Milliarden Euro übrig; bis Ende

2026 könnte der Fonds vollständig erschöpft sein.


Zwar belebte der erhöhte Verteidigungshaushalt die Wirtschaft – 2024

lag er bei 100 Milliarden Euro; 2025 steigt er auf 130 Milliarden, was

kaufkraftbereinigt rund 300 Milliarden Euro entspricht.


Gleichzeitig hat der Wertverlust des russischen Rubels die Importe

verteuert – auch für sogenannte Dual Use-Güter aus China, die für die

russische Rüstungsindustrie benötigt werden.


Der aktuelle Wirtschaftsaufschwung ist daher nicht nachhaltig, da der

Öl- und Gassektor das Rückgrat des rentenbasierten Wirtschaftssystems

Russlands bleibt.


Laut dem Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche wird

sich das Wirtschaftswachstum, das in den Jahren 2023 bei 3,6 und 2024

bei 3,8 Prozent lag, im Jahr 2025 halbieren und 2026 weiter

schrumpfen.


Die Inflation lag im Jahre 2024 bei zehn Prozent, weshalb die

russische Zentralbank den Leitzins auf 21 Prozent anhob, worunter

wiederum die russischen Unternehmen leiden.


Bereits rund eine Million meist junge, gebildete und wohlhabende

Russinnen und Russen haben seit 2022 ihr Land verlassen. Für eine der

ältesten Gesellschaften der Welt ist das ein großes Problem, das nicht

durch Zuwanderung kompensiert werden kann.


Russland rüstet zwar stark auf, vergrößert und modernisiert seine

Armee, aber es hat mehr Schmerzen, als es zugibt.


Eine Fortführung des Krieges birgt die Gefahr, dass Putins Regime –

das auf dem gesellschaftsvertraglichen Tausch von Freiheitsverzicht

gegen Wohlstand und Sicherheit beruht – instabiler wird und nur noch

mit immer mehr Repressionen aufrechterhalten werden kann. Der Iran

lässt grüßen.



———

30.04.2025

Screenshot_2025_05_01_at_13_57_54_Bildung_statt_Bomben_Sch_ler_protestieren_gegen_Stand_der_Bundeswehr_an_Fachschule_in_Gotha_und_erhalten_Schulverweis

nachdenkseiten, vom 29. April 2025 um 11:00 Ein Kommentar vonMarcus Klöckner

„Bildung statt Bomben“: Schüler protestieren gegen einen Stand der Bundeswehr an ihrer Schule. Ergebnis: Verweis von der Staatlichen Fachschule für Bau, Wirtschaft und Verkehr in Gotha. Begründung: „Der Schulfrieden wurde wiederholt und bewusst gestört“, hieß es vonseiten der Schulleitung. Wie ist das zu verstehen? Wer an der Schule auf unbequeme Weise gegen den Krieg protestiert, stört den Frieden? Orwell hätte seine Freude. Die Entscheidung ist falsch. Gerade in einer Zeit, wo Deutschland kriegstüchtig werden soll, setzen die Verantwortlichen ein von Ignoranz geprägtes Zeichen.

Die Bundeswehr war mit einem Stand an der Staatlichen Fachschule für Bau, Wirtschaft und Verkehr in Gotha zu Besuch. Damit fängt das eigentliche Problem an. Doch für die Verantwortlichen der Schule beginnt offensichtlich nicht damit das Problem, dass die Bundeswehr in Zeiten des politischen Großvorhabens Kriegstüchtigkeit an ihrer Einrichtung um junge Rekruten werben will, sondern dass sich zwei kluge Schüler herausgenommen haben, gegen den Stand zu protestieren. Ist Zivilcourage an der Schule nicht erlaubt? Doch, doch, selbstverständlich – „in angemessener und sachlicher Form und unter vorheriger Absprache und Genehmigung“ sei Protest möglich, zitiert die Thüringer Allgemeine die Schulleiterin Andrea Nette.

Was das bedeutet, lässt sich leicht ableiten. Protest ja – aber so, dass er politisch nicht aus dem Ruder läuft. In dem Artikel heißt es, dass ein Protest außerhalb der Schule erlaubt gewesen sei. Das spricht Bände. Politischer Protest fernab vom Geschehen? Was soll das denn sein? Gelenkter Protest unter dem Banner der Demokratie? Protestieren ja – aber bitte nicht unbequem sein?

Nein, so geht das nicht.

Da sich die beiden Schüler über die Schulanweisungen hinweggesetzt und sich die Freiheit herausgenommen haben, so zu protestieren, wie sie es für richtig empfunden haben, ließen die Schulverantwortlichen nun Konsequenzen walten. Die unbequemen, aber offensichtlich politisch ziemlich kritischen und mündigen Schüler wurden von der Schule entfernt: Schulverweis – für sechs Tage. Und das in einer Zeit, wo Prüfungsklausuren anstehen.

Das ist eine Entscheidung, die von pädagogischer Erbärmlichkeit geprägt ist – gerade unter Vergegenwärtigung der aktuellen Situation, aber auch im Hinblick auf die deutsche Geschichte. Halten wir uns vor Augen: Überall heißt es von Politikern, Russland sei eine Bedrohung und die Gefahr eines Krieges bestehe. Deutschland rüstet massiv auf, das ganze Land soll „kriegstüchtig“ werden. Natürlich weiß jeder, der die verquere Medienwirklichkeit kritisch hinterfragt, dass es sich hierbei um dümmliche Propaganda handelt. Doch gerade unter der Annahme, dass die Kunde von der Kriegsgefahr real sei, ist das Verhalten der Schule umso verwerflicher.

Die Bildungseinrichtung erlaubt einen Stand der Bundeswehr, aber den Protest direkt vor dem Stand verbietet sie. Und damit wären wir in der deutschen Vergangenheit. Wer Erich Maria Remarques Roman „Im Westen nichts Neues“ gelesen hat, weiß: Das Werk ist auch eine Anklage an die Schulen und die Lehrer, die damals in der Zeit des Ersten Weltkrieges ihre Schüler zum Krieg verführt haben. Frühzeitig erfolgt in dem Buch eine Abrechnung mit der Romanfigur Kantorek, einem Lehrer.

Man kann Kantorek natürlich nicht damit in Zusammenhang bringen; – wo bliebe die Welt sonst, wenn man das schon Schuld nennen wollte. Es gab ja Tausende von Kantoreks, die alle überzeugt waren, auf eine für sie bequeme Weise das Beste zu tun. Darin liegt aber gerade für uns ihr Bankrott. Sie sollten uns Achtzehnjährigen Vermittler und Führer zur Welt des Erwachsenseins werden, zur Welt der Arbeit, der Pflicht, der Kultur und des Fortschritts, zur Zukunft. Wir verspotteten sie manchmal und spielten ihnen kleine Streiche, aber im Grunde glaubten wir ihnen. Mit dem Begriff der Autorität, dessen Träger sie waren, verbanden sich in unseren Gedanken größere Einsicht und menschlicheres Wissen. Doch der erste Tote, den wir sahen, zertrümmerte diese Überzeugung. Wir mußten erkennen, daß unser Alter ehrlicher war als das ihre; sie hatten vor uns nur die Phrase und die Geschicklichkeit voraus. Das erste Trommelfeuer zeigte uns unseren Irrtum, und unter ihm stürzte die Weltanschauung zusammen, die sie uns gelehrt hatten. Während sie noch schrieben und redeten, sahen wir Lazarette und Sterbende; – während sie den Dienst am Staate als das Größte bezeichneten, wußten wir bereits, daß die Todesangst stärker ist. Wir wurden darum keine Meuterer, keine Deserteure, keine Feiglinge – alle diese Ausdrücke waren ihnen ja so leicht zur Hand –, wir liebten unsere Heimat genauso wie sie, und wir gingen bei jedem Angriff mutig vor; – aber wir unterschieden jetzt, wir hatten mit einem Male sehen gelernt. Und wir sahen, daß nichts von ihrer Welt übrig blieb.

Haben die Lehrer an der Fachhochschule in Gotha „Im Westen nichts Neues“ gelesen? Aber vor allem: Haben Sie das Werk auch intellektuell durchdrungen? Gewiss: „Im Westen nichts Neues“ mag nicht zum Lesestoff an einer Fachschule gehören – eine Auseinandersetzung mit dem Werk zusammen mit den Schülern wäre dennoch dringend angebracht.

In einer Schule liegt Verantwortung. Lehrer sind ihren Schülern in der Regel aufgrund ihres Alters, ihres Wissens und ihrer Einblicke in die Welt überlegen.

Einer der Schüler kritisiert laut Thüringer Zeitung, dass die Schule vor der Firmenkontaktmesse nicht mit den Schülern über die Präsenz der Bundeswehr ins Gespräch gegangen sei. Wenn dem so ist, dann rundet es das Bild einer Schule ab, die mehr als nur unglücklich agiert.

Wo eine kritische Aufklärung über die Gefahren des Soldatentums von Lehrern ausbleibt, müssen eben weitsichtige Schüler die Aufgabe übernehmen. Dass sie dabei „Grenzen“ überschreiten, die ihnen die Schule setzt: Wer wollte ihnen das wirklich übel nehmen? Oder gilt an der Fachhochschule Gotha die Einsicht des Literaturnobelpreisträgers Hermann Hesse, wonach das Ausbildungsziel einer jeden Schule „der Untertan“ sei? Hoffentlich nicht! Die Schulverantwortlichen sollten ihre Entscheidung schnellstmöglich korrigieren, um sich dann gemeinsam mit den Schülern kritisch mit dem Thema Bundeswehr und Krieg auseinanderzusetzen. Dies zu leisten, kann, darf und muss von einer Schule erwartet werden.

Titelbild: © privat

Marcus Klöckner hat das Buch Kriegstüchtig – Deutschlands Mobilmachung an der Heimatfront verfasst.

Anmerkung der Redaktion: In einem Beitrag des Mediums ND heißt es zu dem Fall:

Bereits im Vorjahr hatte es an der Fachschule in Gotha einen ähnlichen Protest gegeben – dies wird in dem aktuellen Verweis als erschwerend angeführt. Die Schulleiterin Andrea Nette soll damals angedeutet haben, dass Schüler*innen, die mit der Präsenz der Bundeswehr nicht einverstanden seien, sich fragen könnten, »ob dies auch die richtige Schule« für sie sei – eine Formulierung, die als Androhung eines dauerhaften Schulverweises verstanden werden könne. Nette war für eine Stellungnahme für »nd« nicht zu erreichen und antwortete auch nicht auf Mail

Rubriken: Erosion der Demokratie Innen- und Gesellschaftspolitik Strategien der Meinungsmache


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30.04.2025

Nachrichten von Pressenza: FRIEDEN STADT KRIEG – Lesungen und Gespräche in der INSELGALERIE Berlin

aus e-mail von  <newsletter@pressenza.com>, 30. April 2025, 7:15 Uhr


Nachrichten von Pressenza - 30.04.2025


FRIEDEN STADT KRIEG – Lesungen und Gespräche in der INSELGALERIE Berlin


In Berlin, einer Stadt, in der seit 80 Jahren Frieden herrscht, leben heute Menschen aus aller Welt – viele von ihnen mussten ihre Heimat aufgrund von Krieg und Gewalt verlassen. Unter ihnen sind zahlreiche Autor:innen, die in ihren Werken von&hellip;

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Italiens 25. April: erklärt für den Rest der Welt


Vielleicht weiß nicht jeder, dass der 25. April ein wichtiges Datum im italienischen Kalender ist. An diesem Tag wird die Befreiung vom Nazifaschismus im Jahr 1945 gefeiert. Dieses Datum markiert den letzten Aufstand in Mailand, bei dem die Stadt von&hellip;

https://www.pressenza.net/?l=de&track=2025/04/italiens-25-april-erklaert-fuer-den-rest-der-welt/


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Das Wettern der Woche: Kein Deal mit dem Papst


Lebenslang wollte Franziskus einen Deal machen – es klappte nicht, die Kapitalisten machten dem Oberhaupt einen Strich nach dem anderen durch seine Rechnungen. Dabei hatte alles ganz gut begonnen. Vor 12 Jahren – es war der 13. März 2013, die&hellip;

https://www.pressenza.net/?l=de&track=2025/04/das-wettern-der-woche-kein-deal-mit-dem-papst/


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Pressenza - ist eine internationale Presseagentur, die sich auf Nachrichten zu den Themen Frieden und Gewaltfreiheit spezialisiert hat, mit Vertretungen in Athen, Barcelona, Berlin, Bordeaux, Brüssel, Budapest, Buenos Aires, Florenz, Lima, London, Madrid, Mailand, Manila, Mar del Plata, Montreal, München, New York, Paris, Porto, Quito, Rom, Santiago, Sao Paulo, Turin, Valencia und Wien.


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30.04.2025

„Europa als Weltprägemacht“  Designierter Kulturstaatsminister nennt koloniale Welteroberung „zivilisatorische Leistung“, beklagt „kulturelle Selbstvernichtung“ Europas durch „Zuwanderung“ und trauert „Europas“ angeblich verlorener „Expansionskraft“ nach.

german-foreign-policy.com, 30. April 2025

BERLIN (Eigener Bericht) – Der designierte Staatsminister im Bundeskanzleramt für Kultur und Medien, Wolfram Weimer, beklagt einen „erdrutschartige[n] Machtverlust“ Europas durch die Entkolonialisierung und lobt eine angebliche „zivilisatorische Leistung, die in einer Welteroberung steckt“. Die „Bindung an das Christentum“, heißt es außerdem in einem „Konservativen Manifest“, das Weimer im Jahr 2018 veröffentlichte, stelle „einen wichtigen Bestandteil der europäischen Identität dar“: „Der Taufschein ist die Eintrittskarte in die europäische Kultur“. Bereits zuvor hatte der designierte Kulturstaatsminister eine „kulturelle Selbstvernichtung“ beklagt, bei der „mit vielen Döner-Buden, fleißiger Zuwanderung und der Huldigung von Kanak-Deutsch“ versucht werde, „die alten Nationalinstinkte auszutilgen“. Weimer mokiert sich in seinem „Manifest“ auch über „die Gleichstellungsbeauftragten und Integrationsberater“ – „Hohepriester[n] des Gutmenschentums“. Aktuell dringt er darauf, den Forderungen der AfD zur Abwehr von Einwanderung Rechnung zu tragen. Seine Positionen sind geeignet, eine ideologische Grundlage für eine Formierung der EU sowie für eine aggressiv ausgreifende Weltpolitik zu stellen.


Zitat: „Das konservative Manifest“

Zentrale Grundelemente seiner Weltanschauung hat Wolfram Weimer vor einigen Jahren in einem Buch mit dem Titel „Das konservative Manifest“ dargelegt.[1] Darin äußert er positive Bezüge zu klassischen Werten konservativer sowie rechter Milieus – Familie, Heimat, Nation und Tradition –, schreibt dem Christentum tragende Bedeutung zu und lobt alte preußische Tugenden („Fleiß, Treue, Gehorsam, Disziplin“). Weimer klagt, „die deutsche Linke“ habe „die vermeintlich überholten preußischen Erziehungsziele über Bord werfen und durch einen neuen Wertekanon ersetzen“ wollen, darunter „Ziele“ wie zum Beispiel „Gleichberechtigung, Emanzipation und Solidarität“. Zu deren Durchsetzung sei eine „Tugendrepublik“ etabliert worden, die etwa Glücksspiele reglementiere und in bestimmten Bereichen für Frauenquoten plädiere: „Mit Quoten und Verboten kommen sie daher“, schreibt Weimer, „die Verbraucher- und Familienschützer, die Gleichstellungsbeauftragten und Integrationsberater“, ganz „wie Hohepriester des Gutmenschentums“. Gedankliche Parallelen zur aktuellen Politik der Trump-Administration, die im Namen des Kampfs gegen soziale Inklusion (DEI – Diversity, Equality, Inclusion) mit der Gleichstellungspolitik Schluss zu machen sucht, liegen auf der Hand.


„Europas Niedergangssklerose“

„Europa“ definiert der designierte Staatsminister für Kultur und Medien als christliches „Abendland“; so heißt es im „Konservativen Manifest“: „Der Taufschein ist die Eintrittskarte in die europäische Kultur“.[2] Die „Bindung an das Christentum“ stelle „einen wichtigen Bestandteil der europäischen Identität dar“. Entsprechend hätten bereits deutsche Romantiker „den europäischen Kulturraum im Kontrast zum islamisch geprägten Orient“ gesehen. Nun werde aber „das Christentum ... seit einigen Jahrhunderten relativiert, bekämpft, letztlich aufgegeben“, erklärt Weimer: „Mit diesem religiösen Masochismus neutralisiert Europa seine kulturelle Kernkraft.“ „Europa“ leide gar „seit einigen Jahren an einer Niedergangssklerose“; es habe „kapituliert“ – „denn es ahnt, ein Comeback Europas als Weltprägemacht wird es kaum mehr geben“. Schon zuvor hatte Weimer in der damals von ihm publizierten Zeitschrift Cicero eine „kulturelle Selbstvernichtung“ in den „Staaten Mitteleuropas“ moniert; da werde versucht, „mit vielen Döner-Buden, fleißiger Zuwanderung und der Huldigung von Kanak-Deutsch die alten Nationalinstinkte auszutilgen“.[3] „In unseren Großstädten leben Millionen arbeitsloser Muslime in Parallelwelten“, fuhr Weimer fort; er nannte die Lage dort „ein Halloween der Entfremdung“.


„Europas Expansionskraft“

Die Notwendigkeit, dem ein Ende zu setzen, ergibt sich für Weimer auch daraus, dass sich „Europa“ weltpolitisch „als Expansionskraft aufgegeben“ habe und sich zur Zeit „nicht mehr räumlich“ vermehre.[4] „Das Zeitalter der europäischen Expansion“ sei „1945 zu Ende gegangen“, heißt es im „Konservativen Manifest“. „Territorial“ würden „die Räume, die von europäischen Hauptstädten beherrscht“ würden, „immer kleiner“. Als letzte Kolonie sei im Jahr 1999 das portugiesisch kontrollierte Macau an China zurückgegeben worden, äußert der designierte Kulturstaatsminister – insofern inkorrekt, als zahlreiche weitere Territorien vor allem in der Karibik, im Indischen Ozean und im Pazifik nach wie vor von europäischen Staaten als faktische Kolonien gehalten werden (german-foreign-policy.com berichtete [5]). Über die Entkolonialisierung insgesamt heißt es, „dieser erdrutschartige Machtverlust“ sei in Europa „nicht einmal bedauert“ worden. Dabei sei „Europa in nur 60 Jahren als Weltmacht territorial zusammengebrochen“; es habe „das verloren, was binnen 600 Jahren erobert worden war“. „Die eigene Kolonialgeschichte“ werde heute bedauerlicherweise bloß noch „als illegitime Expansion“ eingestuft; „die eigene zivilisatorische Leistung, die in einer Welteroberung steckt“, werde ignoriert.


„Kultureller Protest“

Weimers Positionen sind geeignet, einer straffen inneren Formierung Europas und einer aggressiv neu ausgreifenden Weltpolitik als ideologische Grundlage zu dienen. Zudem sind sie anschlussfähig für die AfD. Deren Erfolg stuft Weimer als „kulturelle[n] Protest“ ein: „Die Leute wollen eine ungezügelte Massenzuwanderung von muslimischen Männern nicht mehr.“[6] „Dieses Thema“ aber hätten „die Parteien der Mitte viel zu lange nicht richtig adressiert“; das müsse „die nächste Bundesregierung“ nun nachholen. Dass der mutmaßlich künftige Bundeskanzler Friedrich Merz grundsätzlich bereit ist, im Kampf gegen Migration zumindest indirekt mit der AfD zu kooperieren, hat er am 29. Januar gezeigt, als er einen Antrag in den Bundestag einbrachte, der – vorab klar absehbar – nur dank der Stimmen der AfD eine Mehrheit erhielt.[7] Weimer hat sich vor der Bundestagswahl mehrmals offen gegen die AfD geäußert, allerdings vor allem wegen der Positionierung der Partei gegen die NATO und die EU. Diese ist freilich nicht unumstößlich. Teile der AfD sprechen sich längst für den Verbleib in der NATO aus.[8] Die Forderung nach dem EU-Austritt hatte die Partei aus ihrem Programm für die Bundestagswahl entfernt.[9] Über den Austritt aus dem Euro, den in der AfD derzeit viele fordern, erklärte Parteichefin Alice Weidel Anfang Februar, für diesen sei es „viel zu spät“.[10]


Die Normalisierung der AfD

Völlig unabhängig von der Person des designierten Staatsministers für Kultur und Medien, von dem es heißt, er sei ein alter Bekannter des künftigen Bundeskanzlers, schreitet in Berlin die Debatte über eine schrittweise Öffnung für die AfD voran. Der designierte Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Jens Spahn, hat kürzlich dafür plädiert, bei der Besetzung von Ausschussposten im Parlament „mit der AfD als Oppositionspartei so umzugehen ... wie mit jeder anderen Oppositionspartei auch“. Öffentlich stieß Spahn damit auf Kritik, vor allem bei SPD und Bündnis 90/Die Grünen; in den Unionsparteien aber fänden den Vorstoß, wie berichtet wurde, intern „die meisten richtig“.[11] Zwar hat Spahn betont, sein Plädoyer lediglich auf die Wahl von Ausschussposten bezogen wissen zu wollen; doch handelt es sich dabei um einen weiteren Schritt, die Akzeptanz der AfD und ihre Normalisierung in der Öffentlichkeit zu erhöhen. Ihm hat beispielsweise auch der designierte Außenminister Johann Wadephul zugestimmt: „AfD-Kandidaten für Ausschussvorsitze“, die „in der Vergangenheit nicht negativ aufgefallen“ seien, sollten gewählt werden, sagte Wadephul [12]; die AfD sei schließlich die zweitgrößte Fraktion im Bundestag – „diese Realität müssen wir anerkennen“.

 

[1], [2] Wolfram Weimer: Das konservative Manifest. Zehn Gebote der neuen Bürgerlichkeit. Kulmbach 2018.

[3] Wolfram Weimer: Die Multi-Kulti-Lüge. Cicero, Dezember 2004.

[4] Wolfram Weimer: Das konservative Manifest. Zehn Gebote der neuen Bürgerlichkeit. Kulmbach 2018.

[5] S. dazu Kolonien im 21. Jahrhundert (I) und Kolonien im 21. Jahrhundert (IV).

[6] „Dann sind wir den Spuk los“: Wirtschafts-Insider warnt und macht Anti-AfD-Vorschlag. focus.de.

[7] S. dazu Der Höhenflug der Rechten.

[8] S. dazu Widersprüchliche Annäherung.

[9] Dietmar Neuerer: Der gefährliche Euro-Irrweg der AfD. handelsblatt.com 12.01.2025.

[10] „Für Austritt aus dem Euro viel zu spät“. tagesschau.de 03.02.2025.

[11] Wulf Schmiese: Warum Spahns Vorschlag kein Streit-Grund ist. zdf.de 16.04.2025.

[12] Alisha Mendgen: Nach Spahn-Forderung: Union ringt um Umgang mit AfD im Bundestag. rnd.de 14.04.2025.


Info: https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/9955


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29.04.2025

"Gute Arbeit" - Ukrainischer Abgeordneter kündigt Terroranschläge für die nächsten Jahrzehnte an

freedert.online, 29 Apr. 2025 17:29 Uhr

Nach dem tödlichen Attentat am Freitag auf den stellvertretenden Chef des russischen Generalstabs, Generalleutnant Jaroslaw Moskalik, kündigte der ukrainische Parlamentsabgeordnete Roman Kostenko an, dass Kiew auch nach einem Ende des Krieges die "gute Arbeit" fortsetzen und über Jahrzehnte Terroranschläge gegen Russen verüben werde.


"Gute Arbeit" - Ukrainischer Abgeordneter kündigt Terroranschläge für die nächsten Jahrzehnte anQuelle: Sputnik © Maksim Blinov


Rettungskräfte arbeiten am Ort des Autobombenanschlags, bei dem Generalleutnant Jaroslaw Moskalik getötet wurde (Balaschicha, 25. April 2025)


Der ukrainische Geheimdienst plane, noch jahrzehntelang russische Beamte und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens zu ermorden, sagte der Abgeordnete Roman Kostenko, Sekretär des Verteidigungsausschusses im ukrainischen Parlament.

In einem Gespräch mit der Zeitung Ukrainskaja Prawda am Sonntag begrüßte der hochrangige Abgeordnete die Ermordung des stellvertretenden Chefs des russischen Generalstabs, Generalleutnant Jaroslaw Moskalik. Laut Kostenko steckt Kiew hinter dem Attentat, bei dem am Freitag auch ein zufälliger Passant getötet wurde.


Autobombe in Moskau: Russischer General stirbt bei Attentat



Autobombe in Moskau: Russischer General stirbt bei Attentat






Vor seiner politischen Karriere diente Kostenko beim ukrainischen Militär sowie dem ukrainischen Geheimdienst SBU und nahm an den ersten Phasen des Konflikts im Donbass teil.

"Ich bin zufrieden. Unsere Spezialdienste haben gute Arbeit geleistet", erklärte Kostenko auf die Frage nach seiner Meinung zur Ermordung des russischen Generals. Der Abgeordnete drohte auch mit einer kontinuierlichen Kampagne von Morden innerhalb Russlands für die nächsten Jahrzehnte.

"Selbst dann, wenn es uns gelingen sollte, den Krieg auf Eis zu legen, wird die Arbeit der Sonderdienste gerade erst beginnen", sagte er und fügte hinzu, dass Angriffe auf russische Beamte und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens "für die nächsten 10, 20 und möglicherweise sogar 30 Jahre" eine Priorität bleiben werden.

Die Äußerungen wurden von Moskau umgehend verurteilt- Die Sprecherin des Außenministeriums, Maria Sacharowa, warf der Ukraine vor, sich bereits in einen vollwertigen terroristischen Staat verwandelt zu haben.

"Das Kiewer Regime ist zu einer echten Terrorzelle geworden, die international mit Waffen und Geld unterstützt wird", erklärte sie.

Moskalik war am frühen Freitag durch eine Autobombe vor seinem Wohnhaus im Moskauer Vorort Balaschicha getötet worden. Kurz nach der Explosion nahm der russische Föderale Sicherheitsdienst (FSB) einen Verdächtigen fest, der als der 42-jährige Ignat Kusin identifiziert wurde.

Der Verdächtige hat gestanden, auf Anweisung ukrainischer Sicherheitsdienste gehandelt zu haben. Ihm sei angeblich eine Zahlung von 18.000 US-Dollar für den Anschlag versprochen worden. Russischen Ermittlern zufolge wurde Kusin ursprünglich im Jahr 2023 vom SBU rekrutiert und zog später nach Russland, um auf "spezifische Anweisungen eines ukrainischen Kontaktmanns" zu warten.

Im vergangenen Dezember tötete eine Bombe, welche die russischen Behörden ebenfalls mit ukrainischen Diensten in Verbindung brachten, Generalleutnant Igor Kirillow, den Kommandeur der russischen radiologischen, chemischen und biologischen Verteidigungskräfte. Er wurde zusammen mit einem Helfer ermordet, als sie ein Gebäude in Moskau verließen, und zwar mit einem in einem Elektroroller versteckten Sprengsatz. Der Tatort war von den Tätern über eine in einem geparkten Auto montierte Kamera überwacht und die Bombe aus der Ferne gezündet worden.


Mehr zum Thema - Anschlag auf General Moskalik: FSB verhaftet ukrainischen Agenten, Zündung erfolgte von Ukraine aus


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Info: https://freedert.online/europa/243697-gute-arbeit-ukrainischer-abgeordneter-kuendigt/


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29.04.2025

Doctorow: Reiseberichte, St. Petersburg: erster Teil


seniora.org, 29. April 2025, Von Gilbert Doctorow 29.04.2025 - übernommen von gilbertdoctorow.com


(Red.) Gilbert Doctorows unverfälschten unmittelbaren Beobachtungen und Eindrücke aus Russland sind unbezahlbar. Für den Analytiker ist sehr wichtig zu wissen, dass es grundverschiedene Ursachen für Inflation geben kann: Im Westen läuft die "Druckmaschine" für "fiat money" auf Hochtouren und treibt die Preise. In Russland scheint das Problem ein wirklich ökonomisches zu sein: Die Löhne steigen und die nachgefragten Warenmengen sind aufgrund des Arbeitskräftemangels nicht in ausreichender Menge vorhanden. Ersteres ist ein Systemfehler, der nur durch einen grundlegenden Politikwechsel zu beheben sein wird. Letzteres wird sich durch höhere Produktivität "organisch" beheben lassen. (am)

In diesem Bericht präsentiere ich Ihnen eine bunte Mischung von Eindrücken von meiner ersten Reise nach Russland seit November letzten Jahres. Einige dieser Kommentare beziehen sich auf reale Veränderungen, die ich in meiner Umgebung wahrgenommen habe. Andere sind lediglich erste Beobachtungen von Aspekten des Lebens, die mir bei meinen letzten Besuchen nicht aufgefallen sind.

Da der Schwerpunkt unserer Community auf internationalen Beziehungen liegt, möchte ich diesen Bericht mit der Beobachtung beginnen, dass die zuvor allgegenwärtigen Plakate zur Rekrutierung für die Armee verschwunden sind!

In den öffentlichen Verkehrsmitteln, also in der U-Bahn, den Straßenbahnen, Bussen und an Bushaltestellen, wo sie noch vor fünf Monaten zuhauf zu sehen waren, gibt es kein einziges Plakat mehr.

Wie lässt sich das erklären?

Man könnte sich vorstellen, dass die lokalen und föderalen Behörden davon ausgehen, dass der Krieg entweder durch eine Verhandlungslösung oder durch die Kapitulation der Ukraine auf dem Schlachtfeld bald beendet sein wird, und dass sie beschlossen haben, dass es sinnlos ist, weiterhin bis zu 35.000 Euro an neue Rekruten zu zahlen, wenn es nach Abschluss ihrer Grundausbildung keinen Krieg mehr zu führen gibt.

Wie üblich bin ich überrascht, dass keiner unserer Journalisten, weder in den Mainstream- noch in den alternativen Medien, diese bemerkenswerte Einstellung der Rekrutierung bemerkt hat, obwohl erst vor wenigen Monaten die Financial Times und andere Medien verspätet darüber berichteten, wie gut neue Rekruten für ihre Unterschrift unter den Vertrag für die „Sonderoperation“ bezahlt wurden.

Eine weitere eindeutig neue Entwicklung ist der überall herrschende Arbeitskräftemangel. Öffentliche Verkehrsbetriebe, Einzelhändler, Dienstleistungsunternehmen   – alle bieten Schulungen und Arbeitsplätze für jedermann an. In Supermärkten verschiedener Einzelhandelsketten sehe ich, dass nur eine von mehreren Kassen besetzt ist und auf dem elektronischen Gerät für Kreditkarten die Telefonnummer steht, unter der man sich über Beschäftigungsmöglichkeiten erkundigen kann.

Zweifellos ist der Arbeitskräftemangel ein Faktor für die Inflationsrate von 10 Prozent. Das Geld in den Taschen der Menschen steigt einfach schneller als das Angebot an Waren und Dienstleistungen.

Bislang ist dieser wachsende Wohlstand nicht wirklich sichtbar, wenn man wie ich am Freitag mit dem Taxi die 290 km von Pskow nach Petersburg gefahren ist. Die Straße ist im Vergleich zu vor einigen Jahren deutlich verbessert worden. Der Asphalt ist in gutem Zustand. Teilweise wurde diese alte Nord-Süd-Verbindung, die als Kiewer Autobahn bezeichnet wird, von zwei auf vier Fahrspuren ausgebaut. Aber die baufälligen kleinen Holzhäuser am Straßenrand sind nach wie vor heruntergekommen, bis man 50 km vor Petersburg kommt, wo die neuen Landhäuser der städtischen Wohlhabenden zum ersten Mal in Sicht kommen. Es scheint auch, dass viele der ärmeren Häuser weiter draußen leer stehen. Diese traurige Realität steht im Kontrast zu den ordentlichen und komfortablen Häusern in den kleinen estnischen Städten im Süden des Landes, die sich von Tartu bis zur russischen Grenze erstrecken und die ich auf meinem Weg hierher durchquert habe.

Was den Verkehr angeht, muss ich ein paar Worte zu den bedeutenden Investitionen sagen, die die Russische Staatsbahn in den Fahrzeugpark und andere Infrastrukturen des Nahverkehrs getätigt hat.

Vor mehr als zehn Jahren hätten die Nahverkehrszüge, die sogenannten „Elektritschki“, als Kulisse für die Eröffnungsszenen von Dostojewskis Roman „Der Idiot“ dienen können, in denen der Held, Fürst Myschkin, in einem Zug der dritten Klasse reist   – auf harten Holzbänken sitzend und ohne Heizung im Winter. In einer ersten Modernisierungswelle hier in Petersburg vor sechs oder acht Jahren wurden die Holzbänke in den Waggons durch einzelne Plastik- und Metallsitze ersetzt. Jetzt, wie ich gestern auf unserer Fahrt vom Stadtzentrum Petersburgs in unseren Vorort Puschkin/Zarskoje Selo festgestellt habe, sind die Sitze besser gepolstert und recht bequem. Sie sind nicht so elegant wie unsere Nahverkehrszüge in Belgien, aber sie sind völlig frei von Graffiti, während fast alle lokalen und viele internationale Züge in Belgien von Vandalen mit hässlichen Sprühfarben verunstaltet sind.

Aber kommen wir zum Härtetest für die Modernisierung des Managements: den öffentlichen Toiletten. Ich war gestern verblüfft, als ich die Herrentoilette im Komplex des Moskauer Bahnhofs neben dem Intercity-Fahrkartenschalter besuchte und feststellte, dass die Anlage in puncto Sauberkeit, moderner Toilettenausstattung, Vorhandensein von Flüssigseife in den Spendern und funktionierenden Händetrocknern so gut war wie in einem 4-Sterne-Hotel, wenn das Personal einen von der Straße hereinlassen würde, um der Natur zu folgen. Und   – die Toiletten im Bahnhof waren kostenlos. Man musste nicht in den Taschen nach Kleingeld suchen oder versuchen, unter der Stange hindurchzukriechen, um sich ohne zu bezahlen hineinzuschleichen. Ich sage „Bravo“ zur РЖД [für die deutschen Leser: Российские железные дороги (Russische Eisenbahnen)].

Was die Intercity-Züge angeht, so ist die Nachfrage nach Hochgeschwindigkeitszügen zwischen Moskau und St. Petersburg besonders in dieser Urlaubszeit sehr hoch. Die Russen haben um den 1. Mai (europäischer Tag der Arbeit) und um den 9. Mai (Tag des Sieges in Europa) lange Wochenenden, und viele nutzen diese Zeit, um eine Brücke zu schlagen, Urlaub zu machen und dem Alltag zu entfliehen.

Eine Reise ist besonders sinnvoll, wenn man bedenkt, dass die Vorbereitungen für die große Parade am 9. Mai bereits laufen und schon jetzt, zwei Wochen vor dem Ereignis, den Stadtverkehr beeinträchtigen. Gestern saßen wir zweimal 20 bis 30 Minuten lang in unserem Taxi fest, weil der Verkehr wegen Proben für den 9. Mai gesperrt war. Als ich nach einem Termin in der Stadt ein Taxi bestellen wollte, funktionierte die Taxi-App (Yandex) nicht, da die Polizei mit den GPS-Signalen spielte und den Taxifahrern falsche Adressen anzeigte.

Am meisten überraschte mich, dass, während wir alle feststeckten und darauf warteten, dass die Ampel an der Kreuzung vor uns auf Grün sprang, kein einziges Auto hupt. Kein einziges Auto versuchte, auf den Grünstreifen zu fahren und zu wenden. Mit einem Wort: Die Geduld um mich herum war eine Offenbarung. Mein Russland der 1990er Jahre war ein chaotischer Ort, an dem sich niemand an die Verkehrsregeln hielt. Die Helden des Tages waren damals die „Dschigits“ (aus der zentralasiatischen Folklore), die systematisch rote Ampeln überfuhren.

Nun scheint das Geschichte zu sein. Aber es ist dennoch erwähnenswert, dass man heute als Fußgänger an Zebrastreifen sicher ist, während man in den 90er Jahren Freiwild für die Draufgänger war, die Fußgänger anfuhren, um sie wie Hühner von der Straße zu jagen.

Da ich bereits meine bevorstehende Reise nach Moskau erwähnt habe, wo ich dieses Wochenende ein paar Tage mit alten Freunden aus der Welt des Journalismus und der Wissenschaft verbringen werde, kann ich noch etwas zu meinen Erfahrungen bei der Buchung meines Hotels auf der Website von Yandex Travel hinzufügen. Nach dem Rückzug von booking.com und anderen westlichen Online-Reisebüros aus dem russischen Markt hat Yandex die Führungsrolle in Russland übernommen. Das Unternehmen ist in diesem Bereich ebenso dominant wie im Taxigeschäft oder im Suchmaschinenbereich.

Als ich die Angebote der vielen, vielen Einzelhotels in der 3- bis 5-Sterne-Kategorie auf Yandex verglichen und mir die Kundenkommentare genauer angesehen habe, wurde mir klar, dass es kaum Preisunterschiede zwischen den Einzelhotels und den Hotels gibt, die zu internationalen Hotelketten wie Mövenpick, Novotel oder Ibis gehören. Aber es gibt offensichtlich einen großen Unterschied in der Managementkompetenz, wenn man die sehr vernichtenden Kommentare der Gäste, die in den No-Name-Hotels übernachtet haben, mit denen der Gäste vergleicht, die in den Hotels internationaler Ketten übernachtet haben. Die Importsubstitution in diesem Bereich hat ihre Grenzen.


Quelle: GilbertDoctorow

Quelle: https://gilbertdoctorow.com/

Mit freundlicher Genehmigung übernommen


Die Übersetzung besorgte Andreas Mylaeus



Info: https://seniora.org/index.php?option=com_acym&ctrl=fronturl&task=click&urlid=125&userid=3998&mailid=2711


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29.04.2025

Alex Krainer: Europas wirtschaftlicher Selbstmord

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youtube.com, 28.04.2025

Alex Krainer ist Marktanalyst, Autor und ehemaliger Hedgefonds-Manager. Krainer beschreibt, wie die EU ihre eigenen wirtschaftlichen, politischen und sicherheitspolitischen Interessen untergraben und dadurch ihre globale Bedeutungslosigkeit gesteigert hat.


Info: Video https://youtu.be/BrnBo-_GjEg /https://www.youtube.com/watch?v=BrnBo-_GjEg Dauer 49:27 min

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29.04.2025

Israels Aufruf zum Völkermord in Gaza wird Mainstream


Palästinenser warten in Beit Lahia im nördlichen Gaza-Streifen am 24. April 2025 auf Essen aus einer Suppenküche. (Bild Mahmoud Issa/Reuters)

globalbridge.ch, 29. April 2025 Von: in Medienkritik, Politik

(Red.) Alle großen Medien im deutschsprachigen Raum berichten zurzeit über das Ableben von Papst Franziskus und über die Verhandlungen zwischen den USA und Russland. Dass die Hilfswerke im Gaza-Streifen seit mehreren Tagen keine Lebensmittel mehr haben, die sie verteilen können, weil Israel deren Einfuhr blockiert, und dass damit zwei Millionen Einwohner des Gaza-Streifens definitiv dem Hungertod ausgesetzt sind, ist kaum irgendwo ein Thema. Und was läuft bei den Medien in Israel selbst? Gideon Levy, einer der Herausgeber der israelischen Tageszeitung Haaretz, stellt fest: Die Forderung, Gaza auszuhungern, ist salonfähig geworden und wird jetzt auch von wichtigen Medien unterstützt. (cm)

Der Likud-Abgeordnete Moshe Saada erklärte im israelischen Fernsehsender Channel 14, er sei daran interessiert, ein ganzes Volk auszuhungern. Und „Ja, ich werde die Bewohner Gazas aushungern, ja, das ist unsere Pflicht“, sagt auch der durchaus beliebte Sänger Kobi Peretz in der Überzeugung, dass ,wir den Auftrag haben‘, [den biblischen Erzfeind] Amalek zu vernichten. ‚Ich habe kein Mitleid mit den Zivilisten in Gaza, egal ob jung oder alt … Ich habe nicht das geringste Mitleid‘, wurde er auf der Titelseite des Wochenmagazins der israelischen Tageszeitung Yedioth Ahronoth zitiert.

Die beiden, Saada und Peretz, sind nur kleine Fische, aber der Teich ist voll von solchen Aussagen, und einige Leute sind daran interessiert, sie hervorzuheben, um der Meinung der Massen zu schmeicheln. Eine Persönlichkeit des öffentlichen Lebens in Europa, sei es ein Gesetzgeber oder ein Sänger, der solche Aussagen macht, würde als Neonazi bezeichnet. Seine Karriere wäre beendet, und von diesem Tag an würde er für immer geächtet bleiben. In Israel aber helfen solche Aussagen, Zeitungen zu verkaufen.

Man sollte dieses Phänomen beim Namen nennen: Es handelt sich um Aufstachelung zum Völkermord. Man könnte Saada und Peretz zugutehalten, dass sie alle Masken fallen gelassen und alle Hemnisse entfernt haben. Was früher in den sozialen Medien zu finden war, ist heute Standard in den großen Medien und die Frage ist nur noch, wer für und wer noch gegen Völkermord ist.

Saada und Peretz befürworten klar Massenmord, während andere nur die „Verhinderung humanitärer Hilfe“ befürworten, was dasselbe ist, nur in einer raffinierteren Formulierung. Es ist dieselbe Grausamkeit, nur in höflicher Form; dieselbe Monstrosität, nur in einer vermeintlich korrekteren Form. (Auszeichnung Red.)

Es ist zwar wichtig, die neo-faschistischen Tendenzen, die sich in der Gesellschaft ausbreiten, aufzudecken und ihnen die Maske herunterzureißen, aber diese Aufdeckung verleiht diesem offensichtlich illegitimen Gerede die Legitimität und Normalität, die ihm bis vor kurzem noch fehlte. Von nun an soll man also sagen: Du sollst morden! Saada und Peretz sagen, dass es sogar ein Gebot ist. Es bleibt nur noch zu diskutieren, wer ermordet und wer verschont werden soll.

Langsam aber sicher wird der langfristige Schaden deutlich, den der Angriff vom 7. Oktober angerichtet hat (der seinerseits aufgrund der Situation in Israel trotz Warnungen von den Regierungstruppen zugelassen wurde. Red.). Abgesehen von den schrecklichen persönlichen und nationalen Tragödien hat dieser Angriff die israelische Gesellschaft völlig aus den Fugen geraten lassen. Er hat, vielleicht für immer, alle Überreste des Lagers für Frieden und Menschlichkeit zerstört und die Barbarei als hohes Gebot legitimiert.

Es gibt kein „erlaubt“ und „verboten“ mehr in Bezug auf Israels Aggressivität gegenüber den Palästinensern. Es ist erlaubt, Dutzende von Gefangenen zu töten und ein ganzes Volk auszuhungern. Früher schämten wir uns für solche Taten; der Verlust der Scham reißt nun alle verbleibenden Barrieren nieder.

Das Schlimmste daran ist vielleicht der Gedanke, dass es sich für ein zynisches und populistisches Medienunternehmen wie Yedioth Ahronoth, das als „die Zeitung des Landes“ bezeichnet wird und immer auf seine Leser ausgerichtet war, sogar auszahlt, diesen Völkermorddiskurs in den Vordergrund zu stellen. Völkermord auf der Titelseite legitimiert ihn nicht nur, das wissen die Redakteure, er gefällt auch den Lesern.

Der Sänger Eyal Golan mag wegen seines sexuellen Fehlverhaltens geächtet sein, aber wer wird den Dschihadisten Kobi Peretz ächten? Schließlich hat er recht. „Sie haben unsere Brüder und Kinder verstümmelt“, sagte er. „Jetzt sind wir an der Reihe, zu verstümmeln.“

Es sind nicht nur Yedioth Ahronoth und Channel 14 TV. Völkermordreden haben sich in allen Fernsehstudios als legitime Reden verbreitet. Ehemalige Oberste, ehemalige Mitglieder des Verteidigungsapparats sitzen in Diskussionsrunden und fordern ohne mit der Wimper zu zucken Völkermord. Sie sind nicht wichtig oder interessant, aber sie prägen die Debatte.

Wenn zukünftige Historiker eines Tages versuchen werden, zu verstehen, was in Israel in diesen Jahren geschehen ist, werden sie diese Stimmen als die Stimme des Volkes wiederfinden. Das wird zu ihrer Erkenntnis beitragen: So war Israel damals. (Auszeichnung Red.)

Diese Legitimierung wird in Tränen enden, den Tränen der Medien, die diesen monströsen Diskurs jetzt fördern. Fragen Sie jeden, der zwei Millionen Menschen hungern lassen will, jeden, der glaubt, dass ein vierjähriges Kleinkind den Tod verdient und dass ein Behinderter im Rollstuhl fairerweise verhungern darf, was er von Pressefreiheit und Meinungsfreiheit hält, und Sie werden feststellen, dass er dafür ist, die meisten Medien zu schließen und die Medien zu knebeln.

Der Höhepunkt dieser Anbiederung der Medien an die extreme Rechte wird sein, dass sich die Dinge wie ein Bumerang umdrehen und auf die Medien zurückfallen, die ein solches Verhalten gefördert haben. Peretz, Saada und ihresgleichen gieren nicht nur nach arabischem Blut. Sie wollen auch, dass wir den Mund halten.

(Red.) Zum Originalbeitrag von Gideon Levy in der englischsprachigen Ausgabe von «Haaretz».


Info: https://globalbridge.ch/israels-aufruf-zum-voelkermord-in-gaza-wird-mainstream/?utm_source_platform=mailpoet


unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

29.04.2025

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nachdenkseiten.de, 29. April 2025 um 12:00 Ein Artikel von: Florian Warweg

Seit zwei Monaten blockiert Israel die Einfuhr von Lebensmitteln sowie anderen Grundgütern in den Gazastreifen und produziert damit laut dem Schweizer UNRWA-Generalkommissar Philippe Lazzarini eine „politisch motivierte Hungersnot“. Ein eklatanter Bruch des humanitären Völkerrechts. Dazu kommen Bombardements von Flüchtlingsunterkünften und Krankenhäusern sowie die nachweisliche gezielte Tötung von Sanitätern im Einsatz durch die israelische Armee. Vor diesem Hintergrund wollten die NachDenkSeiten wissen, ob der geschäftsführende Kanzler seine bisher kommunizierte Haltung, dass Israel sich in Gaza umfassend an das Völkerrecht halte, revidiert hat.


Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar.

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Video  https://www.youtube.com/watch?v=AGxleLrQkxw Dauer 1:29 min


„Eine politisch motivierte Hungersnot“

Der Generalsekretär des UN-Hilfswerks für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten (UNRWA), der Schweizer UN-Diplomat Philippe Lazzarini, erklärte am 22. April bezüglich der anhaltenden Blockade von humanitären Gütern durch Israel und der Tatenlosigkeit der westlichen „Wertegemeinschaft“:

„Wie lange noch, bis leere Worte der Verurteilung in Taten umgesetzt werden, um die Belagerung aufzuheben, einen Waffenstillstand wiederherzustellen und zu retten, was von der Menschlichkeit noch übrig ist? Seit 50 Tagen wird Gaza von den israelischen Behörden belagert. Hunger breitet sich aus und verschärft sich, absichtlich und von Menschen verursacht.

Gaza ist zu einem Land der Verzweiflung geworden. Zwei Millionen Menschen, darunter überwiegend Frauen und Kinder, werden kollektiv bestraft.

Verwundete, Kranke und ältere Menschen werden medizinischer Versorgung und Pflege beraubt.“

How much longer until hollow words of condemnation will translate into action to lift the siege, resume a ceasefire & save whatever is left of humanity?

It’s been 5️⃣0️⃣ days of siege on #Gaza imposed by the Israeli authorities.

Hunger is spreading & deepening, deliberate &…

— Philippe Lazzarini (@UNLazzarini) April 22, 2025

Fünf Tage später sprach er im Namen von UNRWA davon, dass die israelische Regierung bewusst die Einfuhr von Lebensmitteln und anderen Grundgütern blockiert und damit eine „politisch motivierte Hungersnot“ auslöst. Alle Aufforderungen an Israel, Hilfsgüter zu liefern, würden ungehört verhallen:

#Gaza: children are starving.

The Government of Israel continues to block the entry of food and other basics.

A manmade and politically motivated starvation.

Nearly 2 months of siege.

Calls to bring in supplies are going unheeded.”

@UNLazzarini pic.twitter.com/wHMV4BuFLQ

— UNRWA (@UNRWA) April 27, 2025

„… durchschnittlich mehr als 100 palästinensische Kinder pro Tag getötet oder verletzt“

Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF) hatte Anfang April in einer Pressemitteilung mit dem Titel „Gazastreifen: Eine Million Kinder in großer Gefahr“ kritisiert, dass seit der von israelischer Seite aus aufgekündigten Waffenruhe im Gazastreifen „mindestens 322 Kinder aufgrund der erneuten intensiven Angriffe und Bodenoffensive ihr Leben verloren“ und weitere 609 Kinder verletzt wurden.

Weiter heißt es in der UNICEF-Pressemitteilung:

„Dies bedeutet, dass in den vergangenen zehn Tagen durchschnittlich mehr als 100 Kinder pro Tag getötet oder verletzt wurden. Die meisten von ihnen waren Vertriebene, die in behelfsmäßigen Zelten oder beschädigten Häusern Zuflucht gesucht hatten. Die Zahlen umfassen auch Kinder, die Berichten zufolge bei einem Angriff auf die chirurgische Abteilung des Al-Nasser-Krankenhauses im Süden Gazas am 23. März getötet oder verletzt wurden. Die erneute Eskalation der Gewalt und die vollständige Blockade der Hilfslieferungen in den Gazastreifen seit mehr als drei Wochen setzen die humanitäre Hilfe massiv unter Druck und bringen die Zivilbevölkerung – insbesondere die eine Million Kinder – in größte Gefahr.“

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Israelische Armee tötet gezielt 15 Sanitäter im Rettungseinsatz

Am 23. März bombardierte das israelische Militär zunächst die chirurgische Abteilung des Al-Nasser-Krankenhauses im Süden Gazas und tötete dabei zahlreiche Kinder. Am selben Tag kam es zudem zu einem Massaker an 15 Sanitätern und Rettungskräften. Wie unter anderem die englische Tagesszeitung The Guardian berichtete, wurden „einige der Leichen von 15 palästinensischen Sanitätern und Rettungskräften, die von israelischen Streitkräften getötet und in Gaza in einem Massengrab verscharrt wurden, mit gefesselten Händen oder Beinen und Schussverletzungen an Kopf und Brust aufgefunden“.

Was war passiert?

Am 23. März wurden Rettungskräfte des Palästinensischen Roten Halbmonds und des Zivilschutzes in den frühen Morgenstunden an den Schauplatz eines israelischen Luftangriffs im Bezirk al-Hashashin in Rafah, der südlichsten Stadt des Gazastreifens, gerufen. Auf dem Weg dorthin wurde ein erster Krankenwagen von den Israelis unter Feuer genommen. Dabei starben die ersten beiden Sanitäter. Die übrigen 13 Toten befanden sich in einem Konvoi aus Krankenwagen und Zivilschutzfahrzeugen, der ausgesandt worden war, um die Leichen ihrer beiden Kollegen zu bergen. Einer der Toten war ein UN-Mitarbeiter.

Die UN gab an, dass die Krankenwagen und andere Fahrzeuge zusammen mit den Leichen der Toten von Bulldozern im Sand vergraben wurden, was den Anschein erweckt, dass versucht wurde, die Morde zu vertuschen. UN-Videoaufnahmen, die vom Bergungsteam gemacht wurden, zeigen ein zerdrücktes UN-Fahrzeug, Krankenwagen und ein Feuerwehrauto, die vom israelischen Militär plattgewalzt und im Sand vergraben wurden.

Jens Laerke, Sprecher des UN-Büros für die Koordinierung der humanitären Hilfe in Genf, erklärte zu dem Vorfall:

„Dies ist ein schwerer Schlag für uns … Diese Menschen wurden erschossen. Normalerweise fehlen uns nicht die Worte, wir sind Sprecher, aber manchmal fällt es uns schwer, sie zu finden. Dies ist einer dieser Fälle.“

Die Lüge der israelischen Armee

Israel dementierte zunächst den Vorfall und sprach davon, man habe „auf verdächtige Fahrzeuge geschossen und mehrere Terroristen getötet“. Die Fahrzeuge wären nicht als Rettungswagen erkenntlich gewesen. Doch diese Darstellung erwies sich als gelogen.

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Denn am 4. April hatte die New York Times ein verifiziertes Handy-Video veröffentlicht, welches die letzten Minuten der Sanitäter zeigt. Das Video war auf dem Handy eines der durch die IDF getöteten und in einem Massengrab verscharrten Sanitäter gefunden worden. Auf dem Video sind mehrere Krankenwagen und ein Feuerwehrfahrzeug zu sehen, alle deutlich als solche markiert, die sich mit Scheinwerfer- und Blaulicht fortbewegen und dann plötzlich von israelischen Soldaten unter Feuer genommen werden.

???? Video That Exposes the Israeli Occupation’s Lies

The Palestine Red Crescent Society has obtained a video from the family of a martyred EMT, found on his mobile phone after his body was recovered from a mass grave in Gaza. He was among 15 ambulance and relief team members… pic.twitter.com/8iWqULxijC

— PRCS (@PalestineRCS) April 5, 2025

Das der geschäftsführende Kanzler angesichts dieser Faktenlage weiter an seiner Haltung festhält, Israel tue alles, um sich an das Völkerrecht zu halten, lässt einen sprachlos zurück. Halleluja.

Auszug aus dem Wortprotokoll der Regierungspressekonferenz vom 23. April 2025

Frage Jessen (freier Journalist, kooperiert mit jung & naiv)
Herr Fischer, die Außenministerinnen und -minister von Deutschland, Frankreich und Großbritannien haben in einer sehr scharfen Erklärung die israelische Gazapolitik und vor allem die Verhinderung von Hilfslieferungen als inakzeptabel kritisiert. Was ist die juristische Einschätzung? Begeht Israel mit dieser Politik Verbrechen gegen die Menschlichkeit? Sind diese Maßnahmen, die Verteidigungsminister Katz als zulässige Druckmittel bezeichnet hat, mit den Genfer Konventionen vereinbar?

Fischer (AA)
Sie haben gesehen, was wir gefordert haben. Die E3-Außenministerinnen und -Außenminister haben Israel dringend dazu aufgefordert, sofort wieder einen schnellen und ungehinderten Fluss humanitärer Hilfe nach Gaza zuzulassen. Sie haben die Entscheidung zur Blockade humanitärer Hilfe genauso wie die Äußerungen von Verteidigungsminister Katz zur Politisierung humanitärer Hilfe inakzeptabel genannt. In diesem Kontext haben die Außenminister der E3 auch noch einmal ihre Empörung über Angriffe auf humanitäre Helfer und Infrastruktur zum Ausdruck gebracht.

Das Entscheidende ist jetzt doch, dass alle Parteien sofort zu dem Waffenstillstand zurückkehren, dass die Hamas die Geiseln freilässt und dass die humanitäre Hilfe so schnell wie möglich wieder nach Gaza fließen kann.

Zusatzfrage Jessen
Die Positionen haben Sie jetzt wiederholt. Die Frage ist aber nicht beantwortet. Wie ist die rechtliche Einschätzung der Verhinderungsmaßnahmen, die Israel aktuell begeht? Ist das aus Sicht der Bundesregierung mit den Genfer Konventionen vereinbar, oder begeht Israel mit dieser Politik Verbrechen gegen die Menschlichkeit?

Fischer (AA)
Ich werde hier keine juristische Einordnung vornehmen. Für uns ist klar, dass humanitäre Hilfe so schnell wie möglich wieder in den Gazastreifen kommen muss, damit den Menschen, die wirklich Schreckliches erlebt haben und darunter leiden, dass sie nicht genügend Nahrungsmittel, nicht genug Wasser, nicht genug Versorgungsgüter haben, so schnell wie möglich geholfen wird.

Natürlich ist klar, dass sich Israel an die Vorgaben des humanitären Völkerrechts halten muss. Dazu gehört, dass die Zivilbevölkerung geschützt und dass humanitäre Hilfe zugelassen werden muss. Das haben wir in der Erklärung noch einmal in aller Deutlichkeit klargemacht.

Frage Towfigh Nia (freier Journalist)
Herr Fischer, die Vereinten Nationen sprechen von der schlimmsten humanitären Krise seit dem Beginn des Gazakrieges. Ab wann sollten Sanktionen gegen Israel verhängt werden, damit es diese brutale Taktik beendet? Weiterhin sterben in der Region ja Menschen.

Fischer (AA)
Wie gesagt, setzen wir darauf, dass es so schnell wie möglich zu einem erfolgreichen Abschluss der Waffenstillstandsverhandlungen kommt und die Geiseln freigelassen werden, die schon seit dem 7. Oktober vorvergangenen Jahres unter unmenschlichen Bedingungen gefangen gehalten werden, damit humanitäre Hilfe wieder in den Gazastreifen kommt, und zwar so schnell wie möglich. Eines der Instrumente, Herr Towfigh Nia, die wir dafür genutzt haben, ist die Erklärung der drei Außenminister, die heute Morgen veröffentlicht wurde.

Zusatzfrage Towfigh Nia
Die Erklärung ist schön und gut. Noch einmal die Frage: Wie kann auf Israel Druck ausgeübt werden, dass das Töten beendet wird?

Sie erwähnen explizit immer die Geiseln; Sie erwähnen aber nie das Töten. Sie haben nie explizit den Stopp der Tötungen beantragt. Noch einmal meine Frage: Wie kann auf Israel Druck ausgeübt werden?

Fischer (AA)
Ich denke, da missverstehen Sie mich. Ich habe zu einem sofortigen Waffenstillstand aufgerufen.

Frage Nehls (freier Journalist, zuvor WDR-Korespondent)
Beschränkt sich das, wie wir schon oft gehört haben, darauf, an Israel zu appellieren, es vielleicht sogar zu ermahnen – all dies natürlich auch in Richtung der Hamas -, oder ist die künftige maßgebliche Frau an der UNO-Spitze, in der Spitzenabteilung, auch im Gespräch mit arabischen Ländern, wundert sich vielleicht über die Untätigkeit? Jedenfalls hört man wenig von Einschaltungen arabischer Stellen. Spricht sie gar mit ihrem Pendant in Washington? Oder ist der Kreis wirklich diese Dreiergruppe, die ja fleißig ist: Berlin, Tel Aviv, vielleicht manchmal sogar Hamas, zumindest über gewisse Kanäle?

Fischer (AA)
Herr Nehls, Ihre Frage verwundert mich ein wenig. Wenn Sie die Reisetätigkeit der Außenministerin verfolgt haben, dann werden Sie gesehen haben, dass sie seit dem 7. Oktober mehr als zehnmal in der Region war, und zwar nicht allein in Israel, sondern auch in den arabischen Staaten der Region, sei es Ägypten, Jordanien, Saudi-Arabien, Libanon oder Syrien. Sie hat also in einer Reihe von Staaten in der Region Gespräche zu diesem Thema geführt, zudem natürlich auch im Rahmen internationaler Konferenzen. Die Außenministerin selbst hat auf der Münchner Sicherheitskonferenz vor anderthalb Jahren eine Gruppe von fünf westlichen und fünf arabischen Staaten ins Leben gerufen, in der man daran arbeitet, Lösungen für den Gazakonflikt zu finden. Wir sind also auf allen Ebenen tätig und natürlich auch im Gespräch mit der aktuellen US-Administration.

Zusatz Nehls
Die Kollegen haben die prekäre jetzige Situation angesprochen. Diese meinte ich.

Fischer (AA)
Selbstverständlich sind wir auch jetzt mit all den Partnern in Kontakt, ob das auf der Ebene der Außenministerin ist oder auf der Ebene unserer Botschaften von der Zentrale des Auswärtigen Amts aus. Unsere EU-Partner sehen wir regelmäßig in Brüssel und Luxemburg.

Was ich dazu sagen kann, ist: Die Diplomatie ist natürlich weiterhin in vollem Schwunge. Allerdings ist die Situation so, dass wir uns dazu verpflichtet gesehen haben, heute diese E3-Erklärung herauszugeben, weil sich die Dinge nicht in die Richtung bewegen, die wir uns erhofft haben.

Frage Jessen
Herr Fischer, das, worauf Sie bauen, nämlich die Wirksamkeit von Appellen, hat sich in der jüngeren Vergangenheit Israel gegenüber als nicht wirksam erwiesen. Hat in den Gesprächen zwischen den drei Außenministerien auch die Frage eine Rolle gespielt, ob man gemeinsam oder koordiniert materielle Druckmittel wie etwa den Stopp von Waffenlieferungen nutzt? Daran ist ja nicht nur Deutschland beteiligt.

Fischer (AA)
Zu internen Gesprächen werde ich hier keine Auskunft geben, will aber Ihre Annahme, dass die Tätigkeit der verschiedenen Beteiligten keine Auswirkungen gehabt habe, klar zurückweisen. Denken Sie daran, was direkt nach dem 7. Oktober los war. Danach gab es eine Phase, in der keine humanitäre Hilfe nach Gaza gekommen ist. Wir haben gemeinsam mit unseren Partnern darauf gedrängt, dass das wieder möglich wird. Es ist möglich gewesen. Es hat eine erste Waffenstillstandsvereinbarung gegeben, bei der viele Geiseln freigekommen sind. Es hat eine zweite Waffenstillstandsvereinbarung gegeben, bei der viele Geiseln freigekommen sind.

Jetzt hat es furchtbare Rückschläge gegeben. Die Auseinandersetzungen haben in den letzten Wochen eine ganz neue Härte gewonnen. Nichtsdestoweniger arbeiten wir daran, jetzt wieder zu einem Waffenstillstand zu kommen.

Zusatzfrage Jessen
Sie hören ja genau zu. Ihnen wird daher nicht entgangen sein, dass ich gesagt habe, in der jüngeren Vergangenheit hätten die Appelle Israel nicht beeindruckt. Nur so ist zu erklären, was die Vereinten Nationen festgestellt haben, nämlich die schlimmste humanitäre Katastrophe, die man sich vorstellen kann.

Deswegen noch einmal: Ist die Situation nicht eine solche, dass auch die Diskussion und Erwägung materieller Druckmittel über Appelle hinaus jetzt geboten ist?

Fischer (AA)
Herr Jessen, wie gesagt, kann ich Ihnen keine Einblicke in interne Überlegungen und Gespräche mit unseren französischen und britischen Partnern oder auf europäischer Ebene geben. Aber ich erinnere daran, dass es in der Vergangenheit auch Sanktionen zum Beispiel gegen extremistische israelische Siedler gegeben hat.

Frage Warweg
Die Antwort auf die Ausgangsfrage des Kollegen Jessen steht immer noch aus. Nur den letzten Monat betrachtet, sieht die Bundesregierung das Agieren Israels im Gazastreifen, die Zurückhaltung der humanitären Lieferungen, die nachweislich gezielte Tötung von Sanitätern im Einsatz, die Bombardierung von Krankenhäusern, tatsächlich nach wie vor als völkerrechtskonform an? Das ist eine relativ einfache Ja-oder-Nein-Frage.

Fischer (AA)
Ich habe hier schon gesagt, dass Israel sein Vorgehen am humanitären Völkerrecht messen und sich daran halten muss. Das ist unsere Position, die wir auch Israel gegenüber vertreten.

Zusatzfrage Warweg
Herr Hebestreit, der Kanzler hat bisher relativ vehement verneint, dass Israel in seinem Agieren in Gaza Völkerrecht breche. Ist er jetzt, kurz vor Amtsende, vielleicht zu einer anderen Sichtweise gelangt, oder bleibt er bei dieser Haltung?

Hebestreit
Ich habe da keine aktuelle Änderung in seiner Haltung zu erkennen.

Florian Warweg
Halleluja


Titelbild: Screenshot NachDenkSeiten, Bundespressekonferenz 23.04.2025


Mehr zum Thema: Bundeskanzler Scholz zu 36.586 toten Palästinensern: „Israel tut alles, um sich an das Völkerrecht zu halten“

Israel tötet und verletzt derzeit laut UNICEF 100 Kinder pro Tag in Gaza – Warum schweigt die Bundesregierung?

Nach UN-Bericht über „gezielte Hungerkampagne“: Hält sich Israel in Gaza laut Kanzler Scholz noch immer an das Völkerrecht?

Die mutmaßliche Propaganda-Lüge von Bundeskanzler Olaf Scholz

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Rubriken: Audio-Podcast Erosion der Demokratie Militäreinsätze/Kriege


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29.04.2025

Ostermarsch RheinRuhr mit positiver Bilanz

aus e-mail von Karin Gerlich, 29. April 2025, 8:37 Uhr

1
Ostermarsch Rhein Ruhr
c/o DFG-VK NRW Braunschweiger Str.22 44145 Dortmund
dfg-vk.nrw@t-online.de 0231 / 8180 –32 (fon), -31 (fax)
Presseinformation
Ostermarsch Rhein/Ruhr 2025:
Ja zur Diplomatie, Forderung nach
Waffenstillstand in der Ukraine und in Nahost
21. April 2025


Sehr geehrte Damen und Herren,


an drei Tagen sind über Ostern an Rhein und Ruhr knapp 2600 Menschen für ein Ende
der Kriege in der Ukraine und in Nahost und gegen Aufrüstung in Deutschland auf die
Straße gegangen. Das waren deutlich mehr Teilnehmer:innen als im Vorjahr und so
zeigten sich die Organisatoren des Ostermarsches Rhein/Ruhr zufrieden mit der
Beteiligung an den Aktionen. „Wir haben angesichts der ungeheuren Opferzahlen in
Nahost aber vor allem in der Ukraine deutlich unsere Forderung nach einem
Waffenstillstand in beiden Kriegen auf die Straße getragen. Die Verhandlungen müssen
fortgeführt bzw. neu aufgenommen werden. Ebenso haben sich die
Ostermarschierer:innen gegen die weitere Aufrüstung in unserem Land und gegen die
Diskussion um eine neue Wehrpflicht ausgesprochen. so Joachim Schramm vom
Ostermarschkomitee Rhein/Ruhr. 80 Jahre nach der Befreiung von Krieg und
Faschismus hätten sich die Ostermarschierer:innen darüber hinaus deutlich gegen
rechts positioniert, so z.B. am antifaschistischen Mahnmal in Gelsenkirchen.
Verschiedene Redner:innen griffen während der Demonstrationsetappen die aktuellen
Forderungen der Friedensbewegung auf. In Duisburg beklagte der palästinensische
Menschrechtsaktivist Jules El Katib die Doppelstandards, nach denen palästinensische
Tote in Gaza weniger Aufmerksamkeit erhielten als jüdische Opfer. Er stellt sich gegen
Gewalt von beiden Seiten und kritisierte die Haltung der Bundesregierung, die das
israelische Vorgehen in Gaza nicht deutlich verurteile. In Essen betonte Christoph von
Lieven von der Antiatomwaffenorganisation ICAN die aktuelle Gefahr eines
Atomkrieges und verwies angesichts der Debatte um eine europäische Atomstreitmacht
auf die Bedeutung des Atomwaffensperrvertrages, die Verbreitung von Atomwaffen zu
verhindern.
Zum Abschluss in Dortmund kritisierte der ehemaliger Bundesabgeordnete
Andrej Hunko, dass in der öffentlichen Debatte der Friedenswille breiter
Bevölkerungsteile diskreditiert und stattdessen eine Kriegshaltung eingefordert würde.
Auch prangerte er die Haltung der europäischen Staaten an, die Verhandlungsinitiative
der US-Regierung nicht zu unterstützen sondern weiter auf Waffenliefungen zu setzen.

Die Ostermärsche boten eine buntes Bild, sie vereinten christlich motivierte Menschen,
Mitglieder verschiedenen Friedensgruppen, Gewerkschafter:innen, Umweltaktivist:innen
und Anhänger verschiedener Parteien. Sie alle waren sich einig in der Notwendigkeit,
die Kriege in der Ukraine und in Nahost schnellstmöglich durch einen Waffenstillstand
zu beenden. Diese Forderung richtete sich an die jeweiligen Kontrahenten auf beiden
Seiten. Vor allem die EU und die europäischen NATO-Staaten wurde die Verantwortung
zugewiesen, sich konsequent für eine Friedenslösung einzusetzen, statt mit
Waffenlieferungen die Kriege weiter anzuheizen. Der Militarisierung Deutschlands durch
ungebremste Rüstungsausgaben, die Einstellung der ganzen Gesellschaft auf Krieg und
die Debatte um die Wiedereinführung einer Wehrpflicht wurde eine deutliche Absage
erteilt.
Mehr unter: www.ostermarsch-ruhr.de


2
Pressekontakt:
Ostermarsch Rhein-Ruhr, c/o DFG-VK NRW, Joachim Schramm,
Braunschweiger Straße 22, 44145 Dortmund, Telefon: 0231-81 80 32
Email: dfg-vk.nrw@t-online.de


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29.04.2025

Villigst fragt nach:
Chancen und Risiken für einen nachhaltigen Frieden im Nahen Osten

160538.seu2.cleverreach.com, vom 20. Mai 2025 | 17.00 – 18.30 Uhr | Online
EINLADUNG

©Anna_AdobeStock

Guten Tag                     ,
mit dem Angriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 und dem Krieg Israels im Gazastreifen sind die seit Jahrzehnten andauernden Konflikte im Nahen Osten auf massive Weise eskaliert. Der Krieg blieb nicht auf Israel und Palästina beschränkt, schnell weitete er sich auf die gesamte Region aus: vom Westjordanland bis nach Syrien und Irak, über den Libanon bis zu den Huthi-Milizen im Jemen und zu direkten Angriffen zwischen Israel und Iran. Die nicht enden wollende Gewalteskalation im Nahen Osten ist längst zu einer geopolitischen Herausforderung geworden. Seit Anfang 2025 wird auf Vermittlung der USA, der arabischen Kontaktgruppe und auch von deutscher und europäischer Seite über Schritte auf dem Weg zu einer friedlichen Lösung intensiv gerungen. Erzielte Vereinbarungen werden jedoch immer wieder gebrochen, die Gewalt eskaliert aufs Neue. Die Veranstaltung möchte zum einen den Blick auf die historischen und politischen Hintergründe werfen, zum anderen die Frage nach aktuellen Chancen und den Risiken für einen nachhaltigen Frieden im Nahen Osten stellen. Welche Rolle sollten dabei die neue deutsche Bundesregierung und Europa spielen? Ist die neue Trump-Administration eher Motor oder Hindernis? Angesichts düsterer Perspektiven möchten die Evangelische Akademie Villigst und das oikos-Institut Raum geben für eine sachliche Information und einen differenzierten Diskurs. Unsere Expertin und Gesprächspartnerin ist Dr. Muriel Asseburg, Senior Fellow in der Forschungsgruppe Afrika und Mittlerer Osten der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), Berlin. Der Nahost-Konflikt gehört seit vielen Jahren zu ihren Forschungsschwerpunkten. Die Veranstaltung findet in Kooperation mit dem oikos-Institut für Mission und Ökumene der Evangelischen Kirche von Westfalen statt. Mehrfachzusendungen bitten wir zu entschuldigen. Wir laden Sie herzlich ein! Uwe Trittmann, Studienleiter, Evangelische Akademie Villigst


Info: https://160538.seu2.cleverreach.com/m/16145933/671099-e4a8a033ad8486138be73ac36cd8f568f4685cfd14ca12e98cbe5699699f0771ab6e0907bc3ba90c762f882725e9a506


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29.04.2025

50. Jahrestag des Beitritts zum nuklearen Nichtverbreitungsvertrag: Friedensbewegung fordert Abzug der Atomwaffen aus Deutschland

aus e-mail von Heidemarie Dann, 29. April 2025, 14:49 Uhr


-------- Weitergeleitete Nachricht --------

Betreff: [Aktionsbuendnis] 50. Jahrestag des Beitritts zum nuklearen

Nichtverbreitungsvertrag: Friedensbewegung fordert Abzug der Atomwaffen

aus Deutschland

Datum: Tue, 29 Apr 2025 10:57:53 +0200

Von: atomwaffenfrei.jetzt <info@atomwaffenfrei.jetzt>

Antwort an: ab-atomwaffenfrei@listi.jpberlin.de

An: ab-atomwaffenfrei@listi.jpberlin.de



+++*Pressemitteilung des Aktionsbündnisses atomwaffenfrei.jetzt vom

29.04.2025* +++


*50. Jahrestag des Beitritts zum nuklearen Nichtverbreitungsvertrag:

Friedensbewegung fordert Abzug der Atomwaffen aus Deutschland *


Am 2. Mai 1975 trat die Bundesrepublik Deutschland dem nuklearen

Nichtverbreitungsvertrag

<https://www.atomwaffena-z.info/fileadmin/user_upload/pdf/NPT-Vertrag.pdf

(NVV) bei, der fünf Jahre zuvor (am 5. März 1970) in Kraft getreten war.

Artikel II des Vertrages besagt: „Jeder Nichtkernwaffenstaat, der

Vertragspartei ist, verpflichtet sich, Kernwaffen oder sonstige

Kernsprengkörper oder die Verfügungsgewalt darüber von niemandem

unmittelbar oder mittelbar anzunehmen.“


Das Aktionsbündnis „atomwaffenfrei.jetzt“ fordert 50 Jahre nach Beitritt

Deutschlands zum NVV die vollständige Einhaltung des Vertrages durch den

Abzug der Atombomben aus Büchel. Zumindest dem Geist der wesentlichen

Vertragsbestimmung in Art. II widerspricht die aktive Mitwirkung an der

so genannten nuklearen Teilhabe innerhalb der NATO. Bezogen auf

Deutschland bedeutet dies selbst 50 Jahre nach Vertragsbeitritt die

anhaltende Stationierung von US-Atombomben – aktuell vermutlich noch 15

auf dem Fliegerhorst Büchel –, das Vorhalten von Trägerflugzeugen –

aktuell Tornados, in Zukunft F-35-Kampfjets – , das Üben des Einsatzes

der Atombomben durch Piloten der Bundeswehr und die erklärte

Bereitschaft, diese im Ernstfall über einem Ziel abzuwerfen.


Diese Praxis der „nuklearen Teilhabe“ wird regelmäßig von einer Mehrheit

aller UN-Staaten verurteilt, beispielsweise in einem Statement der 120

„Blockfreien Staaten“ bei der NVV-Konferenz 2024 in Genf: „[…] Die

Gruppe bekräftigt erneut ihre tiefe Sorge […] über Praktiken, die den

Prinzipien und Zielen des Vertrags entgegenstehen, wie die anhaltenden

und neu entstehenden Abkommen zur nuklearen Teilhabe und die erweiterte

Abschreckung.“ /(1)/ <#eins>


Martin Singe, Sprecher des bundesweiten Aktionsbündnisses

„atomwaffenfrei.jetzt“, schließt sich dieser Kritik an: „Die

Bundesregierung muss die Bestimmungen des NVV endlich vollständig

erfüllen, den Abzug der US-Atomwaffen veranlassen und jegliche

Beteiligung an der nuklearen Teilhabe aufgeben.“


Die aktuelle Diskussion über die Ausweitung der nuklearen Teilhabe durch

französische Atomwaffen untergräbt die Glaubwürdigkeit Deutschlands

zusätzlich. Welch fatale Folgen dies hat, zeigte das Schweigen der

deutschen Regierung wie der anderen NATO-Staaten, als Russland und

Belarus vor zwei Jahren mitteilten, gleichfalls eine nukleare Teilhabe

aufzubauen (Stationierung russischer Atombomben und Raketen in Belarus

sowie Umrüstung belarusischer Kampfflugzeuge sowie Training

belarusischer Piloten für den Einsatz der Bomben).


Die nukleare Teilhabe wird ebenso wie die beschleunigte nukleare

Aufrüstung aller Atomwaffenstaaten mit der vermeintlichen

Abschreckungswirkung begründet. Das ist ein Trugschluss: Je

konfrontativer die Atomwaffenpolitik, desto mehr wächst die Gefahr eines

Atomwaffeneinsatzes, und sei es nur aufgrund von Missverständnissen,

Fehlwahrnehmungen oder Computerfehlern. Der aktuelle Stand der Doomsday

Clock bei 89 Sekunden vor 12 ist eine unmissverständliche Warnung, dass

die aktuelle Nuklearwaffenpolitik das Überleben der ganzen Menschheit

gefährdet. /(2)/ <#zwei>


Artikel VI des NVV besagt: „Jede Vertragspartei verpflichtet sich, in

redlicher Absicht Verhandlungen zu führen über wirksame Maßnahmen zur

Beendigung des nuklearen Wettrüstens in naher Zukunft und zur nuklearen

Abrüstung. […].“ Regina Hagen vom Aktionsbündnis „atomwaffenfrei.jetzt“

weist auf die Konsequenz hin: „Diese Vertragsklausel verpflichtet auch

Deutschland zu Maßnahmen zur nuklearen Abrüstung. Der sicherste Weg zur

Erfüllung dieser völkerrechtlichen Pflicht ist der Beitritt Deutschlands

zum 2021 in Kraft getretenen Atomwaffenverbotsvertrag, dem bereits 72

Staaten beigetreten sind.“ /(3)/ <#drei>



_______


^1 Statement der Blockfreien Staaten bei der NVV-Konferenz in Genf,

22.7.2024.

https://reachingcriticalwill.org/images/documents/Disarmament-fora/npt/prepcom24/statements/22July_NAM.pdf

^2 Science and Security Board

<https://web.archive.org/web/20230201023937/https:/thebulletin.org/about-us/science-and-security-board/>,

Bulletin of the Atomic Scientists: Closer than ever: It is now 89

seconds to midnight – 2025 Doomsday Clock Statement; 28.1.2025;

https://thebulletin.org/doomsday-clock/2025-statement/

^3 ICAN: TPNW signature and ratification

status;**https://www.icanw.org/signature_and_ratification_status 

<https://www.icanw.org/signature_and_ratification_status>


*Aktionsbündnis atomwaffenfrei.jetzt

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29.04.2025

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seektruthfromfacts.org, vom 24. April 2025, Seek Truth From Facts Foundation Jeff J Brown

Ist das, wie der Zweite Weltkrieg beginnt ?


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Video https://youtu.be/cgG4ZmTZQww Dauer 1:15:45 h


Info: https://seektruthfromfacts.org/kwan/is-this-how-world-war-iii-starts/?utm_source=substack&utm_medium=email


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29.04.2025

Gaza-Krieg und die Berichterstattung

aus e-mail von Willi Rester, 29. April 2025, 11:12 Uhr


heute in der Frankfurter Rundschau, ein Beitrag von Nicole Gohlke, Cem

Ince, Cansin Koktürk, Lea Reisner, Janine Wissler.

Gruß, Willi

#######################################


Gaza-Krieg und die Berichterstattung: Die falschen Lehren gezogen


Die Berichterstattung über den israelischen Krieg in Gaza zeigt nicht

die ungeheure Gewalt, die dort wütet. Ein Gastbeitrag von Politikern der

Linken. Ein Beitrag von Nicole Gohlke, Cem Ince, Cansin Koktürk, Lea

Reisner, Janine Wissler.


Berlin/Gaza – Der deutsche Gaza-Diskurs: Verzerrt und einseitig: Die

ohnehin brüchige Waffenruhe in Gaza wurde von Israel beendet. Die Folge:

massive Bombardierungen, über 700 getötete Palästinenser in nur drei

Tagen, darunter mehr als 200 Kinder. Wäre eine solche Gewalt in einem

anderen Krieg verübt worden, wäre der Aufschrei in Deutschland gewaltig.

Doch wenn Israel Wohnhäuser und Schulen zerstört und unschuldige

Zivilisten tötet, bleiben die Reaktionen verhalten. Medien und Politik

bedienen sich einer auffallend milden Wortwahl.



Der Kontrast zwischen der Berichterstattung in Deutschland und der in

internationalen sowie israelischen Medien wie der „Haaretz“ ist

gravierend. So titelte The Guardian zu den israelischen Angriffen:

„Israel bricht den Waffenstillstand im Gazastreifen und tötet mehr als

400 Palästinenser bei IDF-Angriffen.“ Deutsche Medien hingegen sprachen

fast ausnahmslos von Angriffen auf Hamas-Stellungen – eine Darstellung,

der von Beobachtern vor Ort widersprochen wird. Tatsächlich wurden

Schulen, Wohnhäuser, Flüchtlingslager und Arztpraxen bombardiert.


Ein weiteres Beispiel: Die Vertreibung von Palästinensern wurde in

Deutschland als „Israel ruft Anwohner der Grenzgebiete in Gaza zur

Flucht auf“ bezeichnet. Tatsächlich handelt es sich um eine gezielte

ethnische Vertreibung mit dem Ziel, diese Gebiete langfristig zu

besetzen. US-Präsident Donald Trump spricht von einer „Riviera des Nahen

Ostens“, die in Gaza geschaffen werden soll, wenn die Bevölkerung

„umgesiedelt“ – also vertrieben – wurde. Diese selektive Wortwahl

beeinflusst die Wahrnehmung der Ereignisse erheblich.


Politische Doppelmoral: Kritik der Bundesregierung zum Vorgehen Israels

bleibt fast gänzlich aus

Während zumindest leichte mediale Kritik an Israels Vorgehen existiert,

bleibt sie seitens der Bundesregierung und der meisten Parteien fast

gänzlich aus. Nachdem der Internationale Strafgerichtshof Haftbefehl

gegen Benjamin Netanjahu erlassen hat, erklärte die Bundesregierung

lediglich, ihren Umgang damit prüfen zu wollen, und Friedrich Merz

machte deutlich, diesen völkerrechtlich bindenden Haftbefehl keinesfalls

umzusetzen.


Die Blockade von Strom und Lebensmitteln durch Russland gegen die

Ukraine wurde in Deutschland einhellig als Kriegsverbrechen verurteilt.

Israel tut im Gazastreifen dasselbe – und Deutschland schweigt und

liefert sogar weiterhin Waffen. In den ersten Monaten des Krieges wurde

die Gewalt noch mit israelischer „Selbstverteidigung“ nach den brutalen

Angriffen, Morden und Geiselnahmen der Hamas am 7. Oktober

gerechtfertigt. Doch je deutlicher das Leid der palästinensischen

Zivilbevölkerung wurde, desto mehr wandelte sich das Narrativ: Nun wird

die „Staatsräson“, ein Begriff der auch in Bundestagsresolutionen bemüht

wurde, um Kritik an Israel zu delegitimieren und die Meinungsfreiheit

einzuengen, als Argument für die bedingungslose Unterstützung Israels

angeführt.



Die deutsche Staatsräson fragwürdig: Ampelparteien, Union und AfD

erkennen Verteidigung Israels an

In Deutschland umfasst die „Staatsräson“ nicht nur die eigene, sondern

auch die Sicherheit eines anderen Staates. Doch was bedeutet es, einen

Staat zu verteidigen, der eine illegale Besatzung aufrechterhält,

Kriegsverbrechen begeht und in dessen Regierung Politiker sitzen, die

offen ethnische Säuberung fordern?



Selbst wenn man diesen speziellen Begriff der Staatsräson akzeptiert,

gibt es unterschiedliche Interpretationsmöglichkeiten. Die

Ampelparteien, sowie die Union und die AfD, sehen ihn als bedingungslose

Verteidigung Israels – egal, welche Politik dessen Regierung verfolgt.

Doch es gäbe eine alternative Interpretation: Wahre Staatsräson müsste

darauf abzielen, eine langfristige Friedenslösung zu finden. Dies würde

bedeuten, Besatzung und Krieg zu beenden, anstatt Waffen zu liefern.

NGOs, die Kriegsverbrechen kritisieren, sollten unterstützt werden –

nicht sanktioniert. Zudem müsste Deutschland sich für die Umsetzung der

vom Internationalen Gerichtshof empfohlenen Maßnahmen gegen die

Besatzung einsetzen und die Haftbefehle des IStGHs umsetzen.


Eine falsche Lehre aus der Geschichte: Bundesregierung steht trotz

radialen Äußerungen hinter Katz

Immer wieder wird die deutsche Geschichte als Argument für die

bedingungslose Unterstützung Israels herangezogen. Doch die Lehren aus

dem Holocaust sollten bedeuten, sich weltweit gegen Rassismus,

Antisemitismus und jede Form der Unterdrückung einzusetzen. Stattdessen

unterstützt Deutschland eine Regierung, in der sich selbsternannte

Faschisten befinden, die einen Krieg führt, den namhafte israelische und

internationale Wissenschaftler als Genozid bezeichnen, und die das

Völkerrecht ignoriert.


Die jüngsten Äußerungen von Verteidigungsminister Israel Katz, der

explizit der Bevölkerung in Gaza mit nie gekannter Gewalt, völliger

Verwüstung und Zerstörung droht, machen deutlich, dass es der

israelischen Regierung nicht um die Befreiung der Geiseln geht. Sie

müssen auch in Deutschland zu einem Aufschrei und zu einem

(Dis)Kurswechsel führen.


Ein Beitrag von Nicole Gohlke, Cem Ince, Cansin Koktürk, Lea Reisner,

Janine Wissler.


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29.04.2025

Deutsche Aufrüstung verstößt auch gegen EU-Schuldenregeln

lostineu.eu, vom 28. April 2025

Deutschland rüstet massiv auf und landet auf Platz vier der Militärmächte weltweit – gleich nach Russland. Doch der Blankoscheck, den sich Berlin selbst ausgestellt hat, verstößt gegen die EU-Schuldenregeln. Nun muß die Regierung in Brüssel betteln.

Die deutschen Rüstungsausgaben schießen ungebremst nach oben, heißt es in einer neuen SIPRI-Studie. Das Institut, das früher mal “Friedensforschung” machte, spricht von einer “Führungsrolle bei der europäischen Verteidigung”.

Das ist durchaus gewollt. Schließlich hat die EU ja gerade erst die “Wiederbewaffnung EUropas” beschlossen. Und der künftige Kanzler Merz will ja unbedingt “führen”, auch bei Panzern und Raketen – siehe Taurus.

Doch es gibt ein Problem: Deutschland ist mit seiner Hochrüstung in Begriff, die EU-Schuldenregeln zu sprengen, die es selbst mit ausgearbeitet hat. Vor allem Ex-Finanzminister Lindner hatte auf harten Regeln bestanden.

Neue Kriegsschuldenregel

Merz hat sich und seiner kleinen Koalition zwar einen Blankoscheck für Rüstungsausgaben ausgestellt. Für Kriegsgerät darf Berlin unbegrenzt Schulden machen. Doch nun gerät er in Konflikt mit den Grenzwerten der EU.

Die deutsche Kommissionschefin von der Leyen will diese Regeln zwar extra für die Aufrüstung aufweichen. Deutschland würde aber auch die gelockerten Latten reißen. Die Folge: Nun muß Berlin in Brüssel um eine Ausnahme betteln!

Ein entsprechender Antrag wurde in der letzten Woche für die Jahre 2025 bis 2028 gestellt, wie die Nachrichtenagentur Reuters mit Verweis auf eine Mail von Bundesfinanzminister Kukies an die EU-Kommission berichtet.

Das ist pikant. Denn damit hil(f)t die alte, abgewählte Regierung der neuen, die noch gar nicht im Amt ist. Die Prüfung obliegt der CDU-Politikerin von der Leyen, die eine Ausnahme für ihren Parteifreund Merz bewilligen soll.

Normalerweise ein “No Go”. Doch da es “für EUropa” und gegen Russland geht, rechne ich mit einem positiven Bescheid. Übrigens ist Deutschland das erste Land, das eine Ausnahme nach der neuen Kriegsschuldenregel (“nationale Ausweichklausel”) beantragt.

Auch hier gilt offenbar “Germany first”

Siehe auch Merz-Koalition schließt neue EU-Schulden aus – Germany first?

P.S. Massive Kritik kommt von F. De Masi (BSW): „Über Jahre haben deutsche Regierungen den deutschen Kapitalstock auf Verschleiß gefahren und in Brüssel eine Reform der Schuldenregeln blockiert. Jetzt nutzt Deutschland als erstes Land die nationale Ausweichklausel – jedoch nur für Militärausgaben. Dabei ist europarechtlich höchst zweifelhaft, ob die Beschränkung der nationalen Ausweichklausel nur auf Rüstung zulässig ist. Wir brauchen endlich eine goldene Regel, die zivile Investitionen von den Schuldenbremsen ausnimmt. Panzer statt Volkswagen und Militärkeynesianismus werden weder die Produktivität erhöhen noch den Wohlstand sichern.“

‹ Trumps Friedensplan steht auf der Kippe › Aufgelesen: Klagen über Trumps Friedensplan sind heuchlerisch

5 Comments

  1. Arthur Dent
    28. April 2025 @ 20:00

    Trump, Macron, Starmer und Selenskyj haben auf der Beerdigung schon mal mit Beratungen begonnen – ohne BRD und Merz. Man braucht also nochen einen Deppen, der am Ende alles zahlt. Warum nicht Deutschland? Da wird es schon eine
    Ausnahmegenehmigung geben.

Antworten

  • Michael
    28. April 2025 @ 16:25

    Was soll’s? Wie bei den Werten so bei den Regeln: im Westen definiert man die Regeln, behält sich die Deutungs- und Geltungs-hoheit vor und folgt ihnen dann – oder auch nicht – nach Lust und Laune! Man nennt das einerseits Doppelmoral, andererseits doppelte Standards

    Antworten

    • KK
      28. April 2025 @ 17:37

      oder: “regelbasiertes Chaos” ????

      Antworten

  • Guido B.
    28. April 2025 @ 15:16

    Der Zweck der Schulden ist die Ermöglichung eines Krieges zwischen Atommächten. Das nennt man dann regelbasierten Weltenbrand. Da bleibt voraussichtlich nichts mehr übrig, auch keine Schulden.

    Antworten

  • KK
    28. April 2025 @ 13:48

    Inzwischen gibt es soviele Ausnahmen vom Legalitätsprinzip, dass man es getrost als überholtes Relikt aus demokatischen Zeiten bezeichnen kann. Der Lissabon-Vertrag sowie die EUropäischen Landesverfassungen sind das Papier nicht mehr wert, auf das sie einst gedruckt wurden.

    Antworten

  • Was sagen Sie dazu?


    Info: https://lostineu.eu/deutsche-aufruestung-verstoesst-auch-gegen-eu-schuldenregeln/?utm_campaign=Lost%20in%20EUrope%20Update&utm_content=Lost%20in%20EUrope%20Update&utm_medium=email&utm_source=getresponse


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    Weiteres:




    Die Watchlist EUropa vom 29. April 2025


    lostineu.eu, 29. April 2025

    Heute mit News und Analysen zum Ringen um Strafmaßnahmen gegen Russland, einem Blackout in Spanien und Portugal und einem denkwürdigen Jahrestag der deutschen Wiederbewaffnung

    Weiterlesen hier (Newsletter).

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    Die Sanktionen wackeln, das Stromnetz wankt & Steinmeier schwört auf die Nato 29. April 2025

    Friedensplan auf der Kippe, Trauer um Papst Franziskus & milde DMA-Strafen 26. April 2025

    Meloni soll es richten, Trump will nicht mehr – und (un)sichere Herkunftsländer 19. April 2025

    Ruinöse Rüstung, Russland-Sanktionen – und Orban verbietet den Regenbogen 15. April 2025

    EU kriegt die Trump-Krise, Waffenschau ohne USA – und Merz ohne Hurra 12. April 2025

    Der heimliche Handelskrieg in der EU, Merz kommt – und KI aus der Fabrik? 10. April 2025

    Freihandel oder Digital-Steuer, Streit um NGOs – und Faeser plant für Krieg 8. April 2025

    Rubio widerlegt Merz, neue Front im Wirtschaftskrieg – und Angriff auf ICC 5. April 2025

    Nato not dead, Pflüge zu Schwertern – und Angst vor dem Trump-Crash 3. April 2025

    EUropas “Demokratieschild”, der Fall Le Pen – und Golf-Diplomatie mit Trump 1. April 2025

    Macrons neue Allianz, Melonis neue Opposition – und die neue Heimatfront 29. März 2025

    Das sind EUropas “Friedenspläne”, Rutte droht Putin & Brüssel im Bunker 27. März 2025

    Kein Frieden mit dieser EU, mehr Geld für EU-Beamte & zu wenig Schießpulver 25. März 2025

    Aufrüstung spaltet die EU, Mißtrauen gegen Merz – und Freibrief für Israel 22. März 2025

    Von der Leyen wird kriegstüchtig, Erdogan wird hofiert & Kallas ist isoliert 20. März 2025

    “Deutschland ist zurück”, EUropa ist ganz klein – und Ungarn ist nicht allein 18. März 2025

    EUropa im Abseits, Grüne helfen Merz – und Handelskrieg 2.0 15. März 2025

    Hundert Tage in der Defensive, Handelskrieg 2.0 – und Holland in Not? 13. März 2025

    Wer zahlt die Zeche, wie standhaft sind die Grünen – und hatte Vance doch recht? 11. März 2025

    Die EU bewaffnet sich, Merz ermächtigt sich – und Kickl kommt doch nicht 8. März 2025


    Info: https://lostineu.eu/die-watchlist-europa-vom-29-april-2025/?utm_campaign=Lost%20in%20EUrope%20Update&utm_content=Lost%20in%20EUrope%20Update&utm_medium=email&utm_source=getresponse


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    29.04.2025

    Liveticker Ukraine-Krieg: Vance warnt vor nuklearer Eskalation im Ukraine-Konflikt

    freedert.online, 29 Apr. 2025 07:21 Uhr

    Russland führt gemeinsam mit den Streitkräften der Donbass-Republiken eine Militäroperation in der Ukraine durch. Der Westen reagiert mit immer neuen Waffenlieferungen an die Ukraine und beispiellosen Sanktionen gegen Russland. Lesen Sie hier die neuesten Entwicklungen.


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    US-Vizepräsident J. D. Vance


    Quelle: Gettyimages.ru © Kenny Holston - Pool/Getty Images (Screenshot)

    • 29.04.2025 07:37 Uhr

    07:37 Uhr

    Russisches Verteidigungsministerium meldet Drohnenangriffe auf mehrere Regionen

    Einheiten der russischen Luftabwehr haben zwischen 20:00 Uhr Moskauer Zeit am 28. April und 6:00 Uhr am 29. April insgesamt 91 ukrainische Drohnen abgeschossen:

    • Gebiet Kursk – 40,
    • Gebiet Orjol – 12,
    • Gebiet Rjasan – 11,
    • Gebiet Nischni Nowgorod – 8,
    • Gewässer des Schwarzen Meeres – 7,
    • Republik Krim – 6,
    • Gebiet Belgorod – 3,
    • Region Moskau – 2,
    • Republik Kaluga – 1,
    • Gebiet Brjansk – 1.
  • 07:15 Uhr

    US-Vizepräsident warnt vor nuklearer Eskalation im Ukraine-Krieg 


    Eine Fortsetzung der Kampfhandlungen in der Ukraine könnte die Gefahr eines Atomkriegs erhöhen, erklärt US-Vizepräsident J.D. Vance in einem Interview mit dem Blogger Charlie Kirk:

    "Die Mainstream-Medien verbreiten die absurde Idee, dass Russland in ein paar Jahren zusammenbricht, die Ukraine ihre Gebiete zurückgewinnt und alles wieder so wird wie vor dem Krieg. Aber das entspricht nicht der Realität."

    Ein lang andauernder Konflikt könne katastrophale Folgen haben, warnt Vance:

    "Wenn der Krieg noch einige Jahre andauert, drohen gesellschaftliche Zusammenbrüche. Es könnte sogar zu einem Atomkrieg kommen."

    Vance räumt ein, dass die Beendigung des Krieges offizielle Politik der US-Regierung sei. Präsident Donald Trump habe sein Team angewiesen, mit allen Mitteln auf ein Ende des Krieges hinzuarbeiten.

    Zuvor hatte Kremlsprecher Dmitri Peskow erklärt, Russland setze seine Militäroperation fort, sei aber weiterhin ohne Vorbedingungen zu Verhandlungen mit Kiew bereit. Moskau habe diese Bereitschaft mehrfach bekräftigt, so Peskow.

  • 28.04.2025 22:00 Uhr

    22:00 Uhr

    Damit beenden wir für heute den Live-Ticker zur Lage im Ukraine-Konflikt. Morgen früh ab 7 Uhr geht es mit der Berichterstattung weiter. Wir wünschen unseren Lesern trotz aller Spannungen in der Welt eine gute Nacht!

  • 21:56 Uhr

    Podoljaka: Pufferzone im Gebiet Sumy und heftige Kämpfe im Donbass

    Nach der Befreiung des russischen Gebietes Kursk verlagern sich die Kampfhandlungen in das angrenzende ukrainische Gebiet Sumy, wo die russischen Streitkräfte eine Pufferzone etablieren wollen. 

    Zugleich gibt es entlang der gesamten Kontaktlinie im Donbass heftige Gefechte, so der ukrainische Blogger und Militäranalyst Juri Podoljaka in seinem Rückblick auf das Geschehen an den Fronten des Ukraine-Krieges.

    Ein Video dazu gibt es hier auf unserer Webseite.

  • 21:44 Uhr

    USA fordern von Griechenland erneut Patriot-Systeme für die Ukraine 

    Die USA drängen Griechenland erneut, Patriot-Flugabwehrsysteme an die Ukraine zu liefern. Die Systeme waren ursprünglich zum Schutz Saudi-Arabiens geliefert worden, berichtet die Zeitung Kathimerini:

    "Während Athen versucht, sich der neuen Stimmung in Washington anzupassen, wo ein Ende des Krieges erwartet wird, übt die US-Regierung Druck aus, damit Kiew die Patriot-Systeme erhält. Auf zwei verschiedenen Ebenen haben die Amerikaner Athen aufgefordert, eine Einheit, die derzeit Saudi-Arabien schützt, in die Ukraine zu verlegen."

    Dabei hätten die Amerikaner argumentiert, dass Europa angesichts der US-Entscheidung, die Unterstützung für die Ukraine zu kürzen, nun mehr Verantwortung für die Waffenhilfe übernehmen müsse.

    Kathimerini betont, dass Athen, das derzeit an einem eigenen mehrstufigen Luftabwehrschild arbeitet, kaum auf solch wertvolle Systeme verzichten könne.

  • 21:30 Uhr

    Widerstand – Präzisionsangriffe vereiteln Durchbruch ukrainischer Truppen aus Gebiet Sumy

    Russland hat Objekte der ukrainischen Streitkräfte, Gebiete, in denen Großgerät konzentriert ist, und provisorische Truppenquartiere im Gebiet Sumy erfolgreich angegriffen. Damit wurden Kiews Pläne torpediert, dort die Front zu durchbrechen, meldet der Widerstand.

    Lesen Sie dazu mehr hier auf unserer Webseite.

  • 21:22 Uhr

    Ukrainische Armee greift Gebiet Brjansk mit Drohnen an 

    Ukrainische Einheiten haben vier Bezirke des Gebiets Brjansk angegriffen. Dabei wurden zahlreiche Fahrzeuge, Wohnhäuser und Industriegebäude beschädigt. Verletzte habe es nicht gegeben, teilt Gouverneur Alexander Bogomas auf Telegram mit.

    Im Dorf Sjornowo im Bezirk Susemski beschädigten Kamikaze-Drohnen acht Fahrzeuge, zwei Häuser, ein Verwaltungsgebäude und einen Mobilfunkmast. Im Dorf Susemka wurden vier Zivilfahrzeuge getroffen.

    Auch im Bezirk Klimowski wurden mehrere Orte von Kamikaze-Drohnen angegriffen. Ein Traktor, ein Auto, ein Verwaltungsgebäude und fünf Häuser wurden beschädigt.

    Im Dorf Nowyje Jurkowitschi brannten zwei Häuser ab. In Choromnoje wurden neun Häuser zerstört und ein spezieller Tiertransporter ging in Flammen auf.

    Im Bezirk Starodubski beschädigten FPV-Drohnen die Dachkonstruktion eines Kartoffellagers erheblich. Drei Wirtschaftsgebäude und ein weiteres Fahrzeug wurden ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen. Im Dorf Podywotje im Bezirk Sewski beschädigte eine FPV-Drohne ein Wohnhaus.

  • 21:13 Uhr

    Macron: Druck auf Russland soll in den nächsten Tagen verstärkt werden

    Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat angekündigt, dass der Druck auf Russland in den kommenden acht bis zehn Tagen erhöht werden soll. Auf die Frage, ob ein Ende der Kämpfe näher sei als je zuvor, antwortete Macron in einem Interview mit dem Magazin Paris Match: 

    "Ich hoffe es. In den nächsten acht bis zehn Tagen werden wir den Druck auf Russland erhöhen. Ich bleibe vorsichtig, denn ein Teil der Lösung liegt in Moskau. Wir müssen geeint sein."

    Macron fügte hinzu, dass die nächsten zwei Wochen entscheidend seien, um einen Waffenstillstand zu erreichen und den internationalen Druck zu verstärken.

    "Ich glaube, ich habe die Amerikaner überzeugt, dass eine Eskalation der Drohungen und gegebenenfalls neue Sanktionen notwendig sein könnten, um Russland zum Einlenken zu bewegen."

    Unterdessen erklärte US-Präsident Donald Trump am Montag, der ukrainische Präsident Wladimir Selenskij habe bei einem Treffen im Vatikan um weitere Waffenlieferungen gebeten. Trump betonte jedoch, er wolle zunächst das Verhalten Russlands im Friedensprozess abwarten.

  • 20:54 Uhr

    Peskow: Kiew kann Einhaltung der Waffenruhe kaum garantieren

    Kremlsprecher Dmitri Peskow hat gegenüber dem Fernsehsender Rossija 1 erklärt, dass das ukrainische Regime nicht die volle Kontrolle über alle seine Einheiten habe und deshalb kaum garantieren könne, dass die ukrainischen Streitkräfte die für den Mai verkündete Waffenruhe einhalten:

    "Wir haben wiederholt gesehen, dass das Kiewer Regime nicht die volle Kontrolle über alle seine Einheiten hat. Deshalb wird es für Kiew schwierig sein, die Einhaltung eines vorübergehenden Waffenstillstands durch die ukrainischen Streitkräfte zu garantieren."

    Peskow betonte, dass das angekündigte Waffenstillstandsangebot ein Akt des guten Willens Russlands sei.

  • 20:45 Uhr

    UNO nimmt Putins Ankündigung einer Waffenruhe zur Kenntnis

    Die Vereinten Nationen haben die Ankündigung einer Waffenruhe durch den russischen Präsidenten Wladimir Putin anlässlich des Jahrestages des Sieges zur Kenntnis genommen. Stéphane Dujarric, Sprecher des UN-Generalsekretärs, sagte bei einer Pressekonferenz:

    "Wir haben die Erklärung zur Kenntnis genommen. Unsere Position ist unverändert: Wir setzen uns für ein Ende des Krieges ein, in Übereinstimmung mit der UN-Charta, dem Völkerrecht und den einschlägigen Resolutionen."

    Zuvor hatte die UNO auch einen von Russland vorgeschlagenen Oster-Waffenstillstand zur Kenntnis genommen.

  • Durch die Sperrung von RT zielt die EU darauf ab, eine kritische, nicht prowestliche Informationsquelle zum Schweigen zu bringen. Und dies nicht nur hinsichtlich des Ukraine-Kriegs. Der Zugang zu unserer Website wurde erschwert, mehrere Soziale Medien haben unsere Accounts blockiert. Es liegt nun an uns allen, ob in Deutschland und der EU auch weiterhin ein Journalismus jenseits der Mainstream-Narrative betrieben werden kann. Wenn Euch unsere Artikel gefallen, teilt sie gern überall, wo Ihr aktiv seid. Das ist möglich, denn die EU hat weder unsere Arbeit noch das Lesen und Teilen unserer Artikel verboten. Anmerkung: Allerdings hat Österreich mit der Änderung des "Audiovisuellen Mediendienst-Gesetzes" am 13. April diesbezüglich eine Änderung eingeführt, die möglicherweise auch Privatpersonen betrifft. Deswegen bitten wir Euch bis zur Klärung des Sachverhalts, in Österreich unsere Beiträge vorerst nicht in den Sozialen Medien zu teilen.

    Am 24. Februar kündigte der russische Präsident Wladimir Putin an, gemeinsam mit den Streitkräften der Donbass-Republiken eine militärische Spezialoperation in der Ukraine zu starten, um die dortige Bevölkerung zu schützen. Die Ziele seien, die Ukraine zu entmilitarisieren und zu entnazifizieren. Die Ukraine spricht von einem Angriffskrieg. Noch am selben Tag rief der ukrainische Präsident Wladimir Selenskij im ganzen Land den Kriegszustand aus.
    Der Westen verurteilte den Angriff, reagierte mit neuen Waffenlieferungen, versprach Hilfe beim Wiederaufbau und verhängte Sanktionen gegen Russland.
    Auf beiden Seiten des Konfliktes sind zahlreiche Soldaten und Zivilisten getötet worden. Moskau und Kiew haben sich gegenseitig verschiedener Kriegsverbrechen beschuldigt. Tausende Ukrainer sind mittlerweile aus ihrer Heimat geflohen.

    Info: https://freedert.online/international/131481-liveticker-ukraine-krieg/


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    29.04.2025

    Die Europäer werden auf einen Krieg mit Russland vorbereitet

    freedert.online, 29 Apr. 2025 06:30 Uhr,Von Igor Pschenitschnikow

    Europa ist sowohl ein Werkzeug der USA als auch der Treibstoff für ihren möglichen Krieg mit Russland. Gleichzeitig tut Washington so, als sei es aus dem Spiel. War die Ukraine früher ein Werkzeug im Kampf gegen Russland, so wird jetzt ganz Europa in den Händen der Globalisten zu einem solchen Instrument.


    © Getty Images / Topuria Design


    Symbolbild


    Die britische Daily Mail hat die Einwohner des nebligen Albion aufgefordert, "ein 72-Stunden-Überlebenspaket vorzubereiten, da Putin plant, Gasleitungen zu sabotieren und massenhafte Stromausfälle zu verursachen". Die Zeitung berichtet, dass britische "Spione" davor gewarnt hätten und rät:

    "Das Paket sollte Wasser, nicht verderbliche Lebensmittel, Medikamente, ein batteriebetriebenes Radio, eine Taschenlampe, Ausweispapiere und ein Schweizer Taschenmesser enthalten."


    Europa vor der Wahl: Freunde Selenskijs oder der USA?





    Meinung

    Europa vor der Wahl: Freunde Selenskijs oder der USA?






    Warum also hat es der "böse Putin" auf die Gaspipelines abgesehen? Tatsache ist, dass nach der Schließung vieler Kohlekraftwerke fast 40 Prozent des im Vereinigten Königreich verbrauchten Gases aus Norwegen importiert werden, ein Großteil davon über die einzige 1.120 Kilometer lange Langeled-Pipeline.

    Anlass zu solchen Befürchtungen der britischen "Spione" gibt es genug. Es stellt sich heraus, dass "Moskau in den letzten zwei Jahren mit einer Reihe von offensichtlichen Sabotageakten in der Ostsee in Verbindung gebracht wurde, die Kabel- und Pipelineverbindungen beeinträchtigten, und auch die Nord-Stream-Pipelines in Deutschland wurden 2022 sabotiert". Nord Stream wurde also von den Russen in die Luft gesprengt, um Europa das Gas vorzuenthalten. Das ist doch vollkommen logisch!

    Eine Woche zuvor schlug Brüssel ebenfalls vor, dass alle Europäer "ein Überlebenspaket für 72 Stunden" zusammenstellen sollten, allerdings ohne jeglichen Hinweis auf "Spione". Europa sei durch die Nachbarschaft des "aggressiven Russlands" in Gefahr. Allein die Formulierung "Überlebenspaket", insbesondere für 72 Stunden, würde jeden europäischen Bürger aufschrecken lassen, der in der Nacht zuvor nicht einmal an Krieg gedacht hat.

    Die Skandinavier waren jedoch die ersten, die schockiert waren. "Om krisen eller kriget kommer" (Wenn eine Krise oder ein Krieg kommt) – lautete der Titel einer Broschüre, die alle Schweden im vergangenen November in ihren Briefkästen fanden. Die Broschüre enthält Informationen darüber, wie man "sein Überleben für mindestens eine Woche sichern" kann. Die Finnen und Norweger erhielten ähnliche Mitteilungen auf elektronischem Wege. Was die Balten betrifft, so müssen sie nicht auf einen Krieg mit Russland vorbereitet werden. Sie haben nämlich schon die letzten hundert Jahre in einem Zustand der Höhlenmenschen-Russophobie gelebt. 

    Im Gegensatz zu den Briten werden die Skandinavier mit anderen Ängsten in Schrecken gehalten. Die gemeinsame europäische Methodik wird dort gemäß den nationalen Gegebenheiten und Mentalitäten vorbereitet. Nachdem die oben erwähnte Broschüre in Schweden verteilt worden war, wurde die Frage, wie man menschliche Exkremente entsorgt, wenn die Schweden auf der Flucht vor den Russen lange Zeit in Kellern sitzen müssen, zum Gegenstand der nationalen Diskussion. All diese Unannehmlichkeiten für Menschen, die an Komfort gewöhnt sind, werden als Nebenwirkungen des Krieges bezeichnet, die den Hass der Skandinavier auf die Russen noch verstärken sollen.       

    Außerdem hat die schwedische lutherische Kirche, die für so eine soziale Frage wie die Bestattung der Toten zuständig ist, Alarm geschlagen, dass Schweden nicht in der Lage sein wird, innerhalb weniger Tage eine halbe Million toter Schweden zu bestatten. So viele Untertanen des schwedischen Königs würden die Russen in den ersten Tagen ihres Angriffs auf Schweden töten, und es gibt keinen Platz auf den Friedhöfen. Wie mir meine schwedischen Freunde berichten, habe der Ausbau der Friedhöfe im ganzen Land auf Kosten von Parks, Wäldern und anderen öffentlichen Flächen begonnen.

    Wenn man sich das alles vor Augen führt, sollte sich ein einfacher Bürger aus Angst erhängen, ohne auf die Russen zu warten.

    Warum sollten die Russen eigentlich Europa erobern wollen? Und wo werden sie zuerst angreifen? Vor einem Monat erstellte die Königlich Schwedische Akademie der Militärwissenschaften einen Bericht, in dem es hieß, dass "Russlands nächstes Ziel nach dem Rückzug der USA aus Europa wahrscheinlich die baltischen Staaten sein werden". Der schwedische General Karlis Neretnieks kommentierte den Bericht in einem Interview mit der Zeitung Göteborgs-Posten mit den Worten:

    "Ende Mai, wenn der Krieg in der Ukraine vorbei ist, wird Russland seine Aufmerksamkeit auf die baltischen Staaten richten, und Schweden wird ebenfalls in der Schusslinie stehen."

    Darüber hinaus hat der schwedische General "vorausgesagt", dass "der offensichtliche Ort, um einen Krieg (Russlands gegen Schweden) zu beginnen, die schwedische Insel Gotland" in der Ostsee sei. Die Schlagzeile zu diesem Material ist einfach und unmissverständlich:

    "Nach der Ukraine wird Russlands nächstes Ziel Schweden sein."

    Das ist ein verständliches Kalkül: Ein großer Teil der Menschen liest nur die Überschrift.

    Den Schweden folgt auch das benachbarte Dänemark. Der dänische Verteidigungsnachrichtendienst (DDIS) hat gerade einen Bericht veröffentlicht, demzufolge Russland seine militärischen Fähigkeiten in einem unglaublichen Tempo ausbaue, um sich auf einen Angriff auf die NATO vorzubereiten:

    "Wenn Russland die NATO sowohl militärisch als auch politisch geschwächt sieht, könnte es Gewalt gegen eins oder mehrere der Bündnisländer anwenden.

    Die Wahrscheinlichkeit eines militärischen Konflikts würde zunehmen, wenn Russland zu dem Schluss kommt, dass die Vereinigten Staaten nicht in der Lage oder nicht willens sind, die europäischen Verbündeten im Falle eines Angriffs zu unterstützen."


    Europa will seinen eigenen Weg gehen ‒ gegen Russland





    Analyse

    Europa will seinen eigenen Weg gehen ‒ gegen Russland






    Die Bevölkerung der Alten Welt wird also auf einen Krieg mit Russland vorbereitet. Die Vorstellung von den bevorstehenden Schwierigkeiten und wahrscheinlich dem Massensterben von Menschen wird den Europäern mit allen Mitteln eingebläut. Dies geschieht allmählich, Schritt für Schritt – damit sich die Menschen an den schweren Gedanken des kommenden Krieges gewöhnen, der "mit Sicherheit wegen der Russen beginnen wird". Den Europäern wird der Gedanke eingeimpft, dass der Krieg unvermeidlich sei. Die Behörden in den skandinavischen und baltischen Ländern sind besonders fanatisch, auch vor dem Hintergrund der Position des französischen Präsidenten Emmanuel Macron und des britischen Premierministers Keir Starmer. Diese beiden sind der Motor der europäischen Mobilisierung für einen Krieg mit Russland, gewissermaßen zum Trotz des US-Präsidenten Donald Trump, den Europa bereits als Abtrünnigen und fast schon als Verräter an der "heiligen Sache der Verteidigung der Demokratie in der Ukraine" bezeichnet.       

    In der Tat scheint es, dass die europäischen Marionetten, die vom amerikanischen liberalen Establishment an die Macht gebracht wurden, die ihnen vorgeschriebene Aufgabe erfüllen, Europa in einen Krieg mit Russland zu verwickeln. Macron, Starmer, von der Leyen sind echte Verräter Europas, die aufrichtig die Befehle ihrer Herren von jenseits des Ozeans ausführen, um sowohl Europa als den wichtigsten wirtschaftlichen Konkurrenten der USA als auch Russland als den wichtigsten geistig-ideologischen Gegenspieler der USA zu zerstören. Und alle Europäer und "sonstige Schweden" werden als nützliche Idioten betrachtet, deren Ressourcen und Leben in den Ofen eines wahrscheinlichen zukünftigen Krieges geworfen werden. 

    Wenn die Ukraine früher das Instrument des Kampfes mit Russland war, so wird jetzt ganz Europa zu einem solchen Instrument in den Händen der Globalisten.

    Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist zuerst am 27. April 2025 auf der Website der Zeitung Wsgljad erschienen.

    Igor Pschenitschnikow ist ein russischer Politikwissenschaftler.


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    29.04.2025

    Nachrichten von Pressenza: Frei und dankbar: Julian Assange ehrt Papst Franziskus

    aus e-mail von  <newsletter@pressenza.com>, 29. April 2025, 7:15 Uhr


    Nachrichten von Pressenza - 29.04.2025


    Frei und dankbar: Julian Assange ehrt Papst Franziskus


    Der WikiLeaks-Gründer Julian Assange hat Papst Franziskus bei dessen Trauerfeier seine tiefe Achtung und Dankbarkeit erwiesen. In einer bewegenden und kraftvollen Geste zeigte sich Assange auf dem Petersplatz – als freier Mensch, der dem Pontifex für sein jahrelanges Engagement in&hellip;

    https://www.pressenza.net/?l=de&track=2025/04/frei-und-dankbar-julian-assange-ehrt-papst-franziskus/


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    Die Londoner Sudan-Konferenz


    Eine von Deutschland mitveranstaltete Konferenz zum Krieg im Sudan wird scharf kritisiert: Auswärtige Interessen hätten im Mittelpunkt gestanden; nichts sei gegen drohende Massaker in Darfur unternommen worden. (Eigener Bericht) – Eine von Deutschland mitveranstaltete Konferenz zum Krieg im Sudan stößt&hellip;

    https://www.pressenza.net/?l=de&track=2025/04/die-londoner-sudan-konferenz/


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    Kein Waffenstillstand mit Russland


    Ukraine-Treffen in London bringt keinen Durchbruch zum Waffenstillstand. Selenskyj und Berlin verweigern Zugeständnisse an Russland, wie sie wachsende Teile der ukrainischen Bevölkerung inzwischen befürworten. Der von Washington erhoffte Durchbruch hin zu einem Waffenstillstand im Ukraine-Krieg ist auf dem gestrigen Ukraine-Treffen&hellip;

    https://www.pressenza.net/?l=de&track=2025/04/kein-waffenstillstand-mit-russland/


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    Der Mut, Zusammenzustehen: Ein Weg hin zu Menschlichkeit


    Es gibt nur wenige Gelegenheiten, bei denen man aufzeigen kann, dass es Menschen gibt, die anders denken als in den üblichen Kategorien, &#8211; wie Israel gegen Palästina und links gegen rechts &#8211; welche unsere Welt in unnötige Spannungen, Unsicherheit und&hellip;

    https://www.pressenza.net/?l=de&track=2025/04/der-mut-zusammenzustehen-ein-weg-hin-zu-menschlichkeit/


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    Die Frauen Österreichs – Von Pionierinnen und Kämpferinnen: Marietta Blau


    Marietta Blau, die Frau, die Teilchen sichtbar machte. Während die Welt sich noch schwer damit tut, Frauen als gleichberechtigte Mitglieder der Wissenschaft anzuerkennen, beginnt ein junges Mädchen aus einem liberal-jüdischen Elternhaus in Wien, die Grundlagen der modernen Teilchenphysik mitzugestalten. Ihr&hellip;

    https://www.pressenza.net/?l=de&track=2025/04/die-frauen-oesterreichs-von-pionierinnen-und-kaempferinnen-marietta-blau/


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    Pressenza - ist eine internationale Presseagentur, die sich auf Nachrichten zu den Themen Frieden und Gewaltfreiheit spezialisiert hat, mit Vertretungen in Athen, Barcelona, Berlin, Bordeaux, Brüssel, Budapest, Buenos Aires, Florenz, Lima, London, Madrid, Mailand, Manila, Mar del Plata, Montreal, München, New York, Paris, Porto, Quito, Rom, Santiago, Sao Paulo, Turin, Valencia und Wien.


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    29.04.2025

    Krieg gegen Russland? Das Schicksal von Iwan Nikolajew ist uns eine Mahnung!   (I von III)


    globalbridge.ch, 26. April 2025 Von: in Geschichte


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    Im Jahr 2017 gab es in Mauthausen noch einen Empfang für Überlebende dieses Konzentrationslagers in der Nähe von Linz. Mittlerweile gibt es wohl keine mehr ... (Bild mauthausen-memorial.org)


    (Red.) Iwan Nikolajew wurde am 26. Februar 1907 im Oblast Rostow in Russland geboren. Er starb am 6. Oktober 1988 um 9:55 Uhr in Samara. Er hat seine Einvernahme durch stalinistische Funktionäre zum Anlass genommen, sein Leben im Zweiten Weltkrieg – im Abwehrkampf der Sowjetunion gegen den Eroberungsfeldzug der deutschen Wehrmacht – zu beschreiben und auf Papier zu bringen, um diese Zeit nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, was heute, 80 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, wichtiger ist als je. René-Burkhard Zittlau hat diese seine Niederschrift für Globalbridge übersetzt, wofür wir ihm unendlich dankbar sind. (cm)


    Ein kurzes Vorwort des Übersetzers René-Burkhard Zittlau

    In wenigen Tagen jährt sich zum 80. Mal der Tag der Befreiung vom deutschen Faschismus. Ja, auch wenn von der Politik und den Medien alle Register der Manipulation gezogen werden: Wir wurden befreit von einer Last, von der wir uns nicht selbst zu befreien vermochten. 

    Die Stimmungslage in den einflussreichen Medien und insbesondere in der Politik erinnert jedoch eher an den Juni und Juli 1914 oder die Sommermonate des Jahres 1939, in denen die Massen auf jede erdenkliche Weise auf die Unvermeidlichkeit eines Krieges konditioniert wurden.

    Ist auch jetzt wieder Vorkriegszeit?

    Anfang des Jahres 2025 erreichte mich aus Russland der vorliegende Text, ein bisher nirgends veröffentlichtes Manuskript. Der Autor war mir völlig unbekannt. Ein Begleitbrief ließ mich aber wissen, dass es sich bei dem Text um einen Ausschnitt aus einem kleinen Buch handelt, in dem der Autor – der Großvater der Absenderin – rückblickend auf sein Leben Zeugnis über die Kriegsjahre vor sich selbst, seinen Nächsten und zugleich vor der Welt ablegt. 

    Im Juni 1941 eingezogen kehrte Iwan Nikolajew erst im Laufe des Jahres 1946 wieder zu seiner Frau und seinen Kindern zurück. In all der Zeit wusste die Familie nichts von seinem Verbleib. 

    Sein Leidensweg durch halb Europa beschreibt die unendlichen und systematischen Grausamkeiten, die ihm von Wehrmacht, SS, Gestapo angetan wurden und somit das, was das System des deutschen Faschismus und Nationalsozialismus für jene bedeutete, auf die es sich gierig stürzte. 

    Seine ruhigen, klaren Worte sind trotz allem zugleich eine Ode an das Leben.

    Möge das Schicksal von Iwan Nikolajew Erinnerung und Mahnung in einem sein, insbesondere für Deutsche und Österreicher. 

    (Die Zwischenüberschriften habe ich als Übersetzer eingesetzt.)

     Und so beginnt der Rückblick …

    Wenn sie in den Ruhestand gehen, schreiben Staatsmänner und Politiker ihre Memoiren, damit diejenigen, die sie lesen, von ihren Irrtümern überzeugt werden. Es gibt nichts Falscheres als ein Geständnis vor der ganzen Nation. Die einfacheren Leute haben keine Gelegenheit, ihr Geständnis zu vervielfältigen, und schreiben deshalb keine Memoiren. Doch wenn schon jemand diese undankbare Arbeit auf sich nimmt, dann macht er das nur für sich selbst, neugierig darauf, wie seine Gedanken auf dem Papier aussehen werden, die jetzt niemandem mehr nützen.

    Vom Schicksal zur Einsamkeit verdammt, ohne einen engen Freund, verspürt der Mensch im Alter ein gewisses körperliches Bedürfnis, mit sich selbst zu sprechen. Dieses Gespräch möchte ich in diesem Notizbuch festhalten.

    Das, was wir heute tun, wird morgen zu gestern, und nur die Erinnerung verfolgt uns durch die Zeit. Das Gedächtnis ist unbarmherzig. Die angenehmen Dinge, an die wir uns gerne immer erinnern würden, verblassen wie ein Traum. Aber das Schlimmste, das Schwerste, das man ertragen musste, bleibt für immer in dir …

    Acht Jahre nach dem Krieg

    Einige Monate nach Stalins Tod 1953 erhielt ich die Aufforderung, mich beim Einberufungsbüro der Armee zu melden. Dort wartete man bereits auf mich. Ich wurde aufgefordert, in den hinteren Teil des Hofes zu gehen, wo ein „Wolga“ stand. Ich begriff, dass sie mich verhaftet hatten. In dem Büro, in das sie mich führten, saß ein Mann mittleren Alters in Zivil an einem Schreibtisch und etwas weiter auf einem Sofa saß ein Mann in den Sechzigern in Militäruniform. Der erste wies sich mir aus: Michailow, Ministerium für Staatssicherheit (MGB), Ermittler. Aus einer voluminösen Aktentasche holte er zwei dicke Ordner mit gehefteten Papieren heraus, bewaffnete sich mit einem leeren Blatt Papier und einem Füllfederhalter.

    – Wie lautet Ihr Nachname, Vorname und Vatersname?

    Ich sagte es ihm.

    – Und wie war Ihr Familienname früher? 

    – Derselbe. Ich habe den Familiennamen nie geändert.

    – Und Nikolajewskij hießen Sie nie?

    Hier erinnerte ich mich, dass ich ihn schon einmal im Korridor des Bauunternehmens gesehen hatte, in dem ich arbeitete.
    – Ich hatte schon vorher von Ihrer Institution keine hohe Meinung. Jetzt sehe ich, dass Sie noch schlimmer sind.

    Michailow lehnte sich in seinem Stuhl zurück und schrie fast:

    – Sie vergessen, wo Sie sind.

    Noch im Wagen, als ich abgeführt wurde, dachte ich, dass man mich einschüchtern würde, dass man versuchen würde, in mir Schwäche und Feigheit zu wecken. Ich beschloss, meine Vermutung zu überprüfen.

    – Nein, das vergesse ich nicht. Aber Ihnen steht es nicht zu, Ihre Stimme gegenüber einem Mann zu erheben, der einige Jahre in der Umarmung des Todes gelebt hat. Wenn ich hier zusammenbreche, können Sie mich nicht mehr aufrichten. Und Sie werden in Schwierigkeiten geraten. Außerdem, was können Sie mir schon antun? Ins Gefängnis stecken? Nun, das ist alles, was ich will. Aber dann verlange ich von Ihnen, dass Sie mir mindestens zehn Jahre garantieren. Auf eine kürzere Strafe lass ich mich nicht ein.

    – Gut. Wir werden Ihre Bitte berücksichtigen, lächelte Michailow schief.

    – Danke.

    – Also, kommen wir zum Wesentlichen. Was habe ich Sie gefragt?

    – Sie sagten Nikolajewskij, fahre ich fort. Die Sache ist die, dass ich, als ich 1946 in Kuibyschew (Samara) ankam, sofort in der Buchhaltungsabteilung des 11. Baubetriebs anfing zu arbeiten. Dort arbeitete auch ein siebzehnjähriges Mädchen, Ljuba Worobjewa. In den acht Jahren, die ich dort arbeitete, fiel mir nichts Besonderes an Ljuba auf. Ein temperamentvolles, etwas einfältiges Mädchen, das war’s. Aber in letzter Zeit hat sie sich plötzlich total verändert. Sie ist irgendwie sehr konzentriert geworden, sehr aufmerksam mir gegenüber. Sie folgt mir wie ein Schatten. Wenn ich mit jemandem spreche, hört sie mit offenem Mund zu. In meiner Abwesenheit wühlt sie in den Papieren auf meinem Schreibtisch. Dasselbe Schicksal ereilt die Innenseite meiner Jacke, wenn ich sie an der Stuhllehne hängen lasse. Es macht ihr übrigens nichts aus, dass andere Mitarbeiter sie dabei erwischen könnten.

    Mir wurde klar, dass man mich gefunden hatte, aber noch nicht festnehmen wollte. Und Ljuba wurde benutzt, um mich im Auge zu behalten. Also beschloss ich, eine Komödie zu spielen. Einmal sagte ich in einem Gespräch mit ihr, im Leben der Dinge passiert alles Mögliche. Zum Beispiel hatte ich früher den Nachnamen Nikolajewskij … Nach diesem Gespräch kramte Ljuba einige Zeit lang in ihrer Schreibtischschublade. Nachdem sie das Büro verlassen hatte, schaute ich hinein und sah, dass auf dem Papier unter dem Puder und dem Make-up mit Bleistift „Nikolajewskij“ stand.

    Michailow und sein älterer Genosse wechselten einen Blick. Ich fuhr fort.

    – Es versteht sich von selbst, dass Ljuba Worobjewa Ihre Strafe nicht verdient hat. Sie hat Ihren Auftrag so gut wie möglich ausgeführt. Aber was denken Sie sich dabei, solch untalentierte Leute einzusetzen? Könnte es sein, dass nach diesem schrecklichen Krieg anständige Menschen sich weigern, Ihnen zu helfen, vor allem, wenn es um den Kampf gegen den Feind geht?

    Sie schwiegen. Dann fragte der Ältere und deutete auf Michailow.

    – Und wie haben Sie herausgefunden, wer er ist?

    – Als Ljuba mir durch ihr Verhalten zu verstehen gab, dass ich beobachtet werde, dachte ich, dass ihr unmittelbarer Vorgesetzter mich auch beobachten will. Eines Tages sah ich ihn auf dem Korridor, erkannte ihn an seinen Augen. Ich ging auf ihn zu und sagte: „Diese Angelegenheit, wegen der Sie gekommen sind, muss jetzt zu Ende gebracht werden.“

    – Was meinen Sie mit „an seinen Augen“?

    – Es ist so. Eure jungen Tschekisten können den Leuten nicht in die Augen sehen. Es ist, als würden sie durch sie hindurchschießen. So ein Blick schmerzt mich hier im Hinterkopf. Am liebsten würde ich zu einer solchen Person auf der Straße gehen und eine Bemerkung machen.

    – Nun ja … Man merkt, Sie haben viel Erfahrung.

    – Sie brauchen nicht zu lachen. Wenn ich die Erfahrung gehabt hätte, wäre ich nicht dort gewesen …, wo ich war.

    Der ältere Mann nahm sich eine Zigarette und begann zu rauchen. Michailow nahm das Verhör wieder auf.

    – Also gut. Erzählen Sie.

    – Was soll ich erzählen?

    – Erzählen Sie uns von sich, seit vom Moment des Kriegsbeginns.

    – Wie erzählen? Ich kann in einer Stunde alles erzählen, ich kann es auch in einem Monat.

    – Kurz und bündig. Wenn nötig, fragen wir nach Details.

    *** 

    Die Zeit vor dem Krieg

    Jetzt, in der Zeit des neunten Fünfjahresplans (1971-1975), ist es für einen jungen Menschen schwer, sich die Vorkriegszeit vorzustellen, die Zeit des Personenkults um Stalin, die Zeit des Generalverdachts und der Angst, die Menschen denunzierten sich gegenseitig, hatten Angst vor den Mauern, hatten Angst vor sich selbst. Man wurde zur GPU (Politische Abteilung der Verwaltung des sowjetischen Volkskommissariats für Innere Angelegenheiten NKWD) vorgeladen und gezwungen, eine Erklärung zu unterschreiben, in der man sich verpflichtete, schriftlich zu berichten, was man gesehen und gehört hatte. Im Falle einer Weigerung bekam man den Stempel eines „Feindes des Sowjetsystems“ aufgedrückt. Es stimmt, auch ohne Unterschrift verlangten sie alle möglichen Informationen über Nachbarn und Kollegen. Ein unbedacht geäußertes Wort konnte durchaus der Grund für die Verhaftung einer Person sein. Dann wurde die verhaftete Person unter Anwendung von Folter verhört. Kein Familienmitglied durfte die verhaftete Person besuchen oder Nachrichten von ihr erhalten. Verurteilte, Verbannte oder Erschossene verschwanden gleichsam aus der Welt der Lebenden. Keiner der Angehörigen wusste, was mit dem „Repressierten“ geschehen war und ob er überhaupt noch lebte. Im Laufe mehrerer tragischer Jahre kamen viele Tausende führende sowjetische Politiker im Gewahrsam des NKWD (damals GPU) um. Insbesondere der Führungsstab der Armee. Der „Große Führer aller Zeiten und Völker“ Stalin konnte triumphieren. Er löschte alle aus, die ihm auch nur ein kleines bisschen als Rivalen in der politischen Führung der Partei und des Landes erschienen. Alle Massenmedien wurden in den Dienst des „Großen Führers“ gestellt. In dieser Zeit griffen Hitlers Horden unser Land an. Und „Generalissimus“ Stalin nahm die Verteidigung selbst in die Hand.

    Wie sich später herausstellte, haben die Dienste Hitlers und des japanischen Militärs hart an der Erfindung von Unwahrheiten gearbeitet, um die bedeutendsten Militärkommandeure in den Augen Stalins zu kompromittieren. Das „Genie“ Stalin erwies sich dafür als fruchtbarer Boden. Tausende großartiger Söhne des Vaterlandes wurden später posthum rehabilitiert: die Marschälle und Generäle Blücher, Eidemann, Tuchatschewski, viele Weggefährten von Lenin ….

    In diesen Jahren der Massaker wurden in jeder Stadt und in jeder Siedlung große und kleine Denkmäler für den „Führer und Lehrer“ errichtet. Am Ufer der Wolga, am Beginn des Wolga-Don-Kanals, wurde ein Denkmal errichtet, das über Dutzende von Kilometern sichtbar war. Nach Chruschtschows Zeugnis unterzeichnete Stalin selbst den Befehl, dreißig Tonnen des damals so knappen Kupfers für diesen Zweck freizugeben.

    Nach seinem Tod wurde Stalins Leiche einbalsamiert und im Mausoleum neben Lenin beigesetzt.

    Bald jedoch begann eine ernsthafte Untersuchung der unter Stalin begangenen Taten. Stalins Henker, Staatssicherheitsminister Beria, wurde verhaftet und dann als Agent des britischen Geheimdienstes erschossen. Aber diejenigen, die all die Jahre in der GPU ihr Unwesen getrieben hatten, blieben entweder in ihren Ämtern oder wurden auf andere Posten in Wirtschafts- oder Parteiorganen versetzt.

    Nach dem Tod Stalins erinnerte man sich an die Verfassung, die Strafprozessordnung, an Gerichte und Juristen. Nach und nach begann man, die Ordnung wiederherzustellen und die Ermittlungsverfahren zu überprüfen. Diejenigen, die noch im Gefängnis und in der Verbannung lebten, wurden nach Hause entlassen, aus dem Strafregister gestrichen, am alten Arbeitsplatz für all die Jahre der Inhaftierung entlohnt und wieder in die Partei aufgenommen.

    Die einbalsamierte Leiche Stalins wurde aus dem Mausoleum entfernt und in der Nähe der Kremlmauer beigesetzt, um damit zu unterstreichen, dass nicht alles an ihm tragisch für das
    russische Volk war. Alle seine Denkmäler wurden zerstört, Bücher wurden aus den Bibliotheken entfernt. Aber die Erinnerung an ihn wird noch viele Jahre lang erhalten bleiben. Es ist schwierig, aus den veröffentlichten Dokumenten die bekannt gewordenen Fakten der Willkür der Vorkriegszeit herauszufiltern. Als die Verteidigung der Westgrenzen absichtlich geschwächt wurde, um Hitler unser Vertrauen in das Abkommen mit ihm zu beweisen. Es war Stalins „genialer“ Plan, Hitler zu zeigen, dass er von Osten nichts zu befürchten hatte. Im Ergebnis wurden die Armeen in der Ukraine und in Weißrussland in den ersten zwei Monaten des Krieges vollständig vernichtet. Der Feind stand vor den Mauern von Moskau und Leningrad. Und im Sommer 1942 unternahm Stalin eine grandiose Offensive im Süden, mit den Kräften der Kadereinheiten verschiedener Bezirke, mit den neu gebildeten, nicht ausgebildeten und schlecht ausgerüsteten Einheiten. Die vorrückenden Armeen erreichten mühelos den Raum Charkow, wo sie aufgehalten, umzingelt und vernichtet wurden. Danach stürmten die Deutschen nach Osten und erreichten Stalingrad (früher Zarizyn, heute Wolgograd).

    Es brauchte also ein ganzes Kriegsjahr mit unkalkulierbaren Verlusten, bis der despotische Stalin begriff, dass es notwendig war, mehr mit den Plänen und Forderungen seiner am Leben gebliebenen Generäle zu arbeiten. Dem sowjetischen Volk mangelte es nicht an der Heimat ergebenen Menschen. Und das Volk fand die Kraft in sich, den Feind aufzuhalten.

    ***

    Die ersten Kriegswochen

    – Also, erzählen Sie.

    – Es war in der Stadt Grosny. Ich arbeitete als Hauptbuchhalter in der regionalen Verwaltung von KOGIZ (Staatliche Vereinigung der Buch- und Zeitschriftenverlage). Die Einberufung zum Militär erhielt ich am zweiten Tag. Am dritten Tag trug ich bereits die Armeeuniform und ließ eine Frau mit zwei Kindern allein, die im siebten Monat mit dem dritten Kind schwanger war. Das 70. separate Bataillon der Versorgungsstation wurde aus Reservisten unterschiedlichen Alters gebildet, die größtenteils nicht ausgebildet waren. Wir wurden vierzehn Tage lang in Grosny trainiert. Ich persönlich hielt mich für recht gut vorbereitet und plauderte mit meinem Zugführer darüber, dass ich ein guter Schütze sei. Ich wurde einem Test unterzogen, die Kommandanten waren mit den Ergebnissen zufrieden und versprachen mir sogar ein Scharfschützengewehr.

    – Wo haben Sie schießen gelernt? fragte Michailow.

    – Während des Bürgerkriegs habe ich als elfjähriger Junge die Waffen von toten Rotgardisten und Offizieren der Weißen Armee aufgesammelt. So hatte ich zwei Lager mit Waffen. Das große Lager wurde von meiner Mutter entdeckt und sie meldete es dem Kommandeur der Roten Armee. Er zog die Waffen ein und schimpfte mich aus, weil ich sie nachlässig gelagert hatte. Das zweite Lager mit mehreren Gewehren und Patronen hatte ich bereits fachgerecht gelagert und über Jahre hinweg Schießen geübt. Später in Pjatigorsk wurde ich Sieger bei einem Schießwettbewerb.

    Nach zwei Wochen in Grosny wurde unser 70. Bataillon an das rechte Ufer der Ukraine (Anm. des Übersetzers: gemeint ist das rechte Dnepr-Ufer) geschickt. Wir irrten lange umher, bis wir die uns zugewiesene Versorgungsstation fanden. Die Station hieß Uman.

    Die Front kam auf uns entgegen; in der Nähe von Uman gerieten wir in einen Strom unserer Einheiten, die sich ungeordnet zurückzogen. Und nach dem ersten Gefecht war von unserem Bataillon nichts mehr übrig. Lange Tage mit unorganisierten Kämpfen zogen sich hin. Tagsüber umzingelten uns die Deutschen und zerschlugen uns, so dass wir gezwungen waren, uns in Sonnenblumenfeldern und den kleinen ukrainischen Wäldern zu verteilen. In der Stille der Nacht sickerte jeder, der konnte und so gut er konnte, nach Osten durch. Wann immer es möglich war, schlossen sich kleine und große Gruppen zusammen und setzten sich zur Wehr, aber die Deutschen griffen erneut an und es wiederholte sich schließlich dasselbe. Wir lebten von Viehfutter. Wir hatten keine Zeit zum Schlafen. Und irgendwo, ein paar Kilometer von Bachtanka entfernt, im Oblast Nikolajew, wurde ich gefangen genommen.

    – Erzählen Sie davon genauer, bat Michailow.

    – Sie liegen nicht weit von der Wahrheit, wenn Sie aufschreiben, dass ich selbst zu den Deutschen ging.

    – Nun, trotzdem genauer …

    – In der Nacht zuvor hatte ich mich mit einer Gruppe von Maschinengewehrschützen einer ziemlich großen Kampfeinheit angeschlossen, die sogar über zwei leichte Geschütze verfügte. Irgendwann gegen Mittag blockierten die Deutschen unseren Rückzug nach Osten. Einige der Soldaten nahmen eine Verteidigungsstellung ein, andere wandten sich nach Süden. Ich war in der Verteidigungsstellung. Wir hielten die Deutschen eine ganze Weile auf Distanz. Nach einer Weile begannen die Deutschen jedoch, uns aus der Luft anzugreifen. Bomben pfiffen. Dann gab es eine Explosion. Ich weiß nicht, was dann geschehen war. Ich weiß nicht, wie ich auf den Grund des Bombenkraters gelangte. Ob mich Kämpfer dorthin geschleppt hatten, weil sie ein Lebenszeichen fanden. Ich kroch aus dem Loch. Mein Kopf, mein Rücken und mein rechtes Bein schmerzten. Rundherum war es still, nur gelegentlicher Geschützdonner irgendwo weit im Süden war zu hören. Aufstehen konnte ich nicht. Ich begann mich umzusehen. Nicht weit entfernt sah ich zwei weitere durch Bomben verursachte Krater und in der Nähe die Leiche eines toten Soldaten. Weder mein Gewehr noch das Gewehr des Soldaten waren dort zu finden. Ich habe nicht danach gesucht, um zu schießen. Ich war zu schwach und betäubt, um daran zu denken. Ich brauchte etwas, auf das ich mich stützen konnte.

    – Wie erklären Sie sich die Tatsache, dass Ihr Gewehr nicht da war, fragte Michailow.

    – Unter dem Druck der Deutschen überquerten wir den Bug bei Wosnesensk, so gut wir konnten. Viele von uns haben ihre Gewehre im Fluss verloren. Auch ich. Aber am nächsten Tag hatte ich bereits wieder eine Waffe, da ich einem gefallenen Soldaten das Gewehr abnahm. Viele Kämpfer blieben jedoch ohne Waffen. Sie zogen trotzdem in den Kampf und verteidigten sich gemeinsam mit allen anderen. Die Waffen der Gefallenen wurden sofort von den Lebenden übernommen.

    Die Sonne ging gerade unter. Ich war unerträglich durstig. Ich war bereit, mir die Hand abzunagen und Blut zu trinken. Ich kroch über die Hirse zum Mais. Ein kräftiger Maisstängel diente mir als Stock. Ich kam auf die Beine. Alles tat weh. Ich ging auf die Straße. In einem Kilometer Entfernung sah ich Telegrafenmasten und ein kleines Haus. Wie ich später herausfand, war es ein Bahnwärterhäuschen. Ich konnte nicht mehr klar denken. Anstatt bis zum Abend im Mais zu lauern, ging ich in Richtung des Häuschens. Ich lief lange, setzte mich hin. Die Sonne war schon untergegangen, aber als ich dieses Haus erreichte und mich an die Wand lehnte, war es noch hell. In diesem Moment kamen zwei deutsche Soldaten um die Ecke: automatische Waffen vor der Brust, die Hände hinter dem Rücken. Offensichtlich hatten sie mich schon seit längerer Zeit beobachtet. Alles in mir zitterte. Ich sank in der Nähe der Mauer auf den Boden. Doch nach einer Minute stand ich ohne jeden Befehl auf. An der Geste eines der Deutschen erkannte ich, dass ich kommen sollte. Unmittelbar hinter der Hütte stand ein gepanzerter Mannschaftstransportwagen. Ein paar Schritte entfernt war ein Brunnen, auf dessen Balken ein Eimer mit Wasser stand. Ich eilte zu ihm und begann gierig zu trinken. Dann riss ich mich gewaltsam von dieser Beschäftigung los.

    In der Nähe des Hauses befand sich ein Vorgarten. Dort saßen und lagen etwa zwanzig gefangene sowjetische Soldaten. Mehrere waren verwundet, irgendwie mit blutigen Tüchern verbunden. Ein Offizier lag auf einem Mantel, kaum noch am Leben, blutüberströmt. Ich setzte mich am Zaun nieder.

    Das war’s. Deshalb sage ich, dass es sich so darstellt, dass ich selbst zu den Deutschen gegangen bin.

    – Ich verstehe, sagte Michailow. Fahren Sie fort.

    – Die schlaflosen Nächte forderten ihren Tribut. Ich schlief ein. Am Morgen weckte mich einer der Gefangenen, damit ich aufstand. Die Deutschen trieben alle aus dem Vorgarten und schafften zwei Lastwagen heran. Wir hoben den verwundeten Offizier auf ein Tuch und legten ihn hinten in den Lastwagen. Auch mir wurde geholfen aufzusteigen. Ich hatte noch Zeit zu bemerken, dass hinter dem Steuer der beiden Wagen Menschen in sowjetischen Uniformen saßen. Jedes Auto wurde von zwei Deutschen begleitet: einer neben dem Fahrer, der andere auf der Ladefläche. Der gepanzerte Mannschaftswagen war nicht mehr da. Wir fuhren in das große Dorf Baschtanka. Das Kriegsgefangenenlager befand sich in einem kleinen Kolchoshof. Über einen Dolmetscher wurde uns befohlen, aus den Fahrzeugen auszusteigen und den schwer verwundeten Offizier nicht anzufassen. Die anderen Verwundeten wurden ebenfalls auf dieses Fahrzeug verladen. Als der Deutsche bemerkte, dass ich einen Stock trug und versuchte, nicht auf meinen rechten Fuß zu treten, kam er auf mich zu und befahl mir über den Dolmetscher, meine Hose herunterzuziehen. Jetzt sah ich zum ersten Mal mein schmerzendes Bein. Direkt über dem Knie war es geschwollen und blau. Wie befohlen, beugte ich mein Bein ein paar Mal am Knie und wurde angewiesen, mich in die Formation zu stellen. Der Wagen mit den Verwundeten fuhr ab (nach Aussage der Einheimischen wurden sie in das örtliche Krankenhaus gebracht).

    Wir wurden in das Hauptlager geführt; dort befanden sich etwa zweitausend Gefangene. Die Wachen (vier Männer mit Gewehren an den Ecken des Lagers) verhielten sich recht ruhig, auch wenn sie manchmal Zivilisten anschrien, die sich dem Zaun einfach so näherten. Die Einheimischen brachten uns, was sie konnten: Essen, alte Kleidung. Die Gefangenen haben
    hier nicht gehungert. Das ging zwei Tage so. Am dritten Tag waren die deutschen Frontsoldaten verschwunden. Stattdessen kamen junge Männer in gelben Uniformen. Keine Menschen, sondern Bestien, obwohl selbst Bestien nicht mit ihnen zu vergleichen sind. Der Bevölkerung wurde strengstens untersagt, sich dem Lager zu nähern. Sollte eine Frau versuchen, sich zu nähern, gibt es einen Schrei und einen Schuss in den Kopf. Und damit kein Zweifel daran bestand, dass es ernst gemeint war, wurde eine Frau zehn Meter vom Zaun entfernt erschossen. Sie durfte nicht abtransportiert werden. Auch innerhalb des Lagers wurden zwei Häftlinge getötet, als sie sich dem Zaun näherten. Am nächsten Tag wurden wir zu einer Kolonne von fünf Mann formiert und durch das Dorf geführt. Alle zehn Meter wurden wir von einem Maschinenpistolenschützen flankiert. Zwanzig Meter hinter der Kolonne folgten zwei weitere Maschinenpistolenschützen. Sie schossen auf diejenigen, die zurückblieben. Als wir durch das Dorf gingen, wagte es eine mutige Frau, sich uns mit einem Eimer Wasser zu nähern, der Deutsche schrie sie an. Aber sie sagte: „Herr, es ist nur Wasser“ und ging weiter. Dann krachte ein Schuss und sie fiel tot um.

    – Ich unterbreche Sie, mischte sich der ältere Mann ein. 

    – Wir haben genug über die Gräueltaten der Faschisten in den Kriegsgefangenenlagern gehört. Es ist unangenehm für uns, das zu hören, und noch unangenehmer für Sie, sich an diese Schrecken zu erinnern. Erzählen Sie uns kurz von Ihren „Reisen“ durch die Lager und im Detail von dem Moment an, als Sie sich außerhalb der Ukraine befanden.

    In der Vorkriegszeit, vor allem in den Jahren, in denen ich Komsomol-Führer war, wurde ich nicht müde zu behaupten – und ich war mir dessen auch sicher –, dass der Mensch sein Schicksal selbst bestimmt. Wie lächerlich kam mir diese Aussage heute vor …

    Man führte und jagte uns zu einem Lager in Krivoy Rog. Hier waren schon mindestens fünftausend Mann vor uns angekommen. Das Lager war bereits eingerichtet. Stacheldraht, Maschinengewehrtürme an den Ecken. Innerhalb des Lagers, drei Meter vom Stacheldraht entfernt, gab es eine Linie, die man nicht überschreiten durfte, sonst würde man ohne Vorwarnung in den Hinterkopf geschossen. Am Rande des Lagers wurde von den Kriegsgefangenen selbst ein Graben ausgehoben. Von einem Ende, je nachdem, wie die Leichen ihn füllten, wurde er wieder mit Erde bedeckt. An medizinische Hilfe war nicht zu denken. Die Deutschen kümmerten sich einfach nicht darum. Und Ärzte aus den Reihen der Kriegsgefangenen konnten oft nicht helfen: Es gab weder Hilfsmittel noch Medikamente.

    Die Wachen trugen keine gelben Hemden mehr, sondern Tarnanzüge. Statt Kokarden auf ihren Mützen trugen sie Totenköpfe auf gekreuzten Knochen.

    Zur Verpflegung gehörte Brot, das viele Monate in deutschen Lagern gelegen hatte. Früher hatte ich nicht einmal geahnt, in was sich Brot nach langer Lagerung verwandeln kann. Im Inneren war es rot und schwarz mit bitterem Geruch und einem Geschmack nach Chinin. Aber diese Bitterkeit nicht zu essen war unmöglich, denn man hatte die Wahl zwischen Leben und Verhungern. Morgens gab es einen Becher „Kaffee“, ebenfalls etwas Ekliges und Bitteres. Mittаgs gab es einen Becher „Balanda“, eine Suppe, in der alle möglichen fauligen Dinge verkocht wurden.

    Am Eingang des Lagers gab es Hunde und Wachen. Auf dem Gelände des Lagers gab es außer einem Wachhäuschen keine Unterkünfte, so dass die Menschen bei Regen im Freien durchnässt wurden. Viele hatten nicht einmal Mäntel, also wurden sie den Toten abgenommen. So kam auch ich an warme Kleidung. Meinen Mantel hatte ich beim Überqueren des Bug versenkt, um hinüberschwimmen zu können.

    An sonnigen, warmen Tagen zogen die Häftlinge ihre Oberkleider aus und zerquetschten Läuse. Auf diese Weise vergingen mehrere Tage. Eines Morgens öffneten die Deutschen die Lagertore, holten alle Kriegsgefangenen heraus und bildeten mit ihnen eine Kolonne zu je fünf Mann. Dann sind wir den ganzen Tag gelaufen. Mindestens fünfzig Kilometer. Es blieben viele Leichen am Wegesrand liegen. Die Nacht verbrachten wir in einer Schlucht, in der bereits Suchscheinwerfer aufgestellt worden waren. Am nächsten Tag erreichte die Kolonne Kirowograd und die Gefangenen wurden in einem noch größeren Lager als in Kriwoj Rog interniert. Die Bedingungen im Lager waren dieselben, nur waren es mehr Menschen, zehntausend. Das Lager füllte sich. Von den neuen Gefangenen erfuhr ich, dass sie am linken Ufer des Dnjepr gefangen genommen worden waren. Das natürliche Hindernis, der Dnjepr, zu dem wir so strebten, hat die Deutschen also nicht aufgehalten. In der Tat wurde am Dnjepr kein einziger Sperrwall für die Deutschen errichtet. Nicht einmal die Brücken wurden gesprengt. Auch wenn lange vor dem Krieg Außenminister Molotow in einer Rede an das Volk sagte, dass der Feind, wenn er unser Land angreifen wolle, auf seinem eigenen Territorium besiegt werden würde. Nun bewegte sich die Front nach Osten, und wir Gefangenen, die wir alle Umstände des ersten Kriegsmonats erlebt hatten, wussten nicht einmal, ob es überhaupt eine Front gab oder ob die Deutschen unser Land, unsere Städte und Dörfer ungehindert besetzten. Alle waren in einem äußerst bedrückten Zustand, und niemand zweifelte daran, dass ihn im Lager der Hungertod erwartete und man ihn hier im Graben begraben werden würde, ohne auch nur seinen Nachnamen zu kennen. Wie die Menschen in Kirowograd und anderen besetzten Städten lebten, wussten wir nicht, denn es war unmöglich, dass irgendwelche Informationen zu uns durchdrangen.

    Eine Lektion – für die Kriegsgefangenen und die Deutschen

    Eines Tages trug die Wache einen Tisch und einen Hocker aus dem Haus. Einer der deutschen Offiziere kletterte auf den Tisch und die Wachen umringten ihn. Wir merkten, dass sie uns etwas sagen wollten und rückten näher heran, um besser zu hören. Als die Leute sich beruhigt hatten, begann der Offizier auf Russisch zu sprechen, wobei er die Worte schlecht aussprach. Er sagte, dass die „bolschewistischen“ Kräfte vernichtet worden seien, dass die deutsche tapfere Armee vor den Mauern Moskaus und Leningrads stehe und dass diese Städte bald kapitulieren würden. Aber die Bolschewiki sammeln ihre letzten Kräfte und leisten verzweifelten Widerstand. Die Deutschen werden das Leben ihrer Soldaten nicht schonen, um das russische Volk endlich von den Bolschewiki zu befreien. Aber es ist notwendig, dass die Russen den Deutschen dabei selbst helfen. Hier in der Ukraine wird eine Befreiungsarmee auf freiwilliger Basis aus Russen und anderen Völkern der Union unter dem Kommando russischer Offiziere aufgebaut. Diejenigen, die sich dieser Armee anschließen, erhalten deutsche Uniformen, Waffen und Verpflegung, wie alle deutschen Soldaten. Wir fordern Sie auf, sich für diese Armee zu melden. Wer bereit ist, einen Schritt vortreten. Aus verschiedenen Teilen des Lagers begannen einzelne vorzutreten. Ich zählte 17 Männer. Die anderen zogen sich zurück und drückten sich mit dem Rücken gegen die, die hinter ihnen standen. Als der Deutsche sah, dass niemand mehr bereit war, schrie er hysterisch:

    – Wer leben will, vortreten!

    Aber es trat niemand vor.

    Die Deutschen gingen, räumten Tisch und Hocker weg und nahmen die siebzehn freiwilligen „Befreier“ mit. Danach gab es viel zum Nachdenken. Von zehntausend Hungernden und Sterbenden siebzehn – das war nichts. Und unter diesen Tausenden von Kriegsgefangenen gab es auch jene, die mit dem sowjetischen System nicht zufrieden waren, deren Eltern oder Verwandte verfolgt wurden. Aber die Waffe eines Fremden zu nehmen und sie gegen die eigenen Landsleute einzusetzen, war unmöglich. Die Menschen zitterten nicht vor dem drohenden Tod und waren nicht bereit, für einen solchen Preis zu leben. Für mich hatte dieser Tag eine enorme Bedeutung. Ich begriff, dass niemand einen Sowjetmenschen in die Knie zwingen kann, egal welche Prüfungen er zu bestehen hat. Ich mag sterben, aber mein Volk wird leben. Aber auch ich wollte leben. Also beschloss ich zu fliehen. Aber wie?

    Flucht

    Eines Tages betrat ein deutscher Soldat das Lager, nahm fünfzehn Gefangene mit und brachte sie weg. Außerhalb des Lagers wurden die Bewacher durch zwei weitere deutsche Soldaten verstärkt. Am Abend kehrte die Gruppe zurück. 

    Später stellte sich heraus, dass sie zur Arbeit in einen Autohof gebracht worden waren, wo sie das Gelände aufräumten. Tagsüber bekamen sie Suppe aus dem üblichen Soldatenkessel und Brotreste. Ich fragte einen von ihnen, ob er nicht versucht habe, zu fliehen. Er antwortete, dass das sehr schwierig sei. Außerdem, wohin sollte man fliehen, überall waren Deutsche. Ich erfuhr auch, dass man sie am nächsten Tag wieder abholen würde. 

    Am nächsten Tag war die ganze Gruppe in der Nähe des Tores bereit. Als sie kamen, um sie zu holen, versuchte ich, mich ihnen anzuschließen, wurde aber weggejagt. Ein weiteres Mal, als sie kamen, Häftlinge für den Transport zusammenzustellen, gelang es mir, mich der Gruppe anzuschließen und ich kam mit einem Schlag mit einem Gummiknüppel auf den Kopf durch einen Lageraufseher davon. Wir, etwa vierzig Mann, wurden auf Autos verladen und zum Flugplatz außerhalb der Stadt gebracht. Dort wurden wir in Gruppen für verschiedene Aufgaben eingeteilt. Ich fand mich mit einer Gruppe von fünf Mann am Rande des Flugplatzes wieder. Unsere Aufgabe bestand darin, die Platten, die dort aufgestapelt waren, an einen anderen Ort zu tragen. Unserer Gruppe war nur eine Wache zugeteilt. Nach einer halben Stunde fragte ich den Wachmann nach der Toilette und gab ihm zu verstehen, dass ich meine Hose ausziehen müsse. Der Wachmann sah sich um und zeigte auf einen nahegelegenen Busch. Ich ging dorthin. Mein Herz war kurz davor, herauszuspringen.

    Gibt es hinter dem Gebüsch Wachposten oder nicht? Etwa zwanzig Meter vor dem Busch hörte ich von hinten: „Halt!“ Ich drehte mich um. Mein Wachmann gab mir zu verstehen, dass ich mich hier hinsetzen solle, ohne hinter das Gebüsch zu gehen. Ich setzte mich hin. Ich beobachtete den Deutschen genau. In diesem Moment lief ein anderer Deutscher auf ihn zu und schrie dabei etwas. Der Deutsche, der uns bewachte, entfernte sich und rannte davon, und der andere nahm seinen Platz ein, ohne mich auch nur im Geringsten zu beachten. 

    Vielleicht hat er mich gar nicht gesehen. Ich rannte los, hinter dem nächsten Busch sah ich mich um, niemand achtete auf mich. Also ging ich weiter. Ich rannte lange Zeit durch Felder, durch Sonnenblumen, und als mich die Kraft verließ, legte ich mich hin und lag da wie ein Toter. Soll werden, was will. Wenn sie mich mit Hunden suchen, werden sie mich finden und dann ist es aus mit mir. Aber niemand kam. Am Ende des Tages ging ich in Richtung Stadt. Am Stadtrand gab es Häuser im ländlichen Stil. Ich suchte mir ein besseres Haus aus, klopfte an und bat um Essen. Mein Aussehen bedurfte keiner Erklärung. Die alte Frau sagte etwas zu einer jungen Frau, und diese begann, für mich aufzutischen. Sie holte Borschtsch aus dem Ofen und schnitt Brot ab. Der Hausherr ging schweigend hinaus. 

    Ich aß gierig. Die junge Frau beobachtete mich und weinte leise. Es verging einige Zeit. Ein junger Mann mit einer weißen Armbinde und einem Gewehr betrat das Haus. Nachdem er die Frauen begrüßt hatte, setzte er sich auf eine Bank nicht weit von mir und schaute zu, wie ich aß. Ich begriff, dass ich wieder in Schwierigkeiten geraten war. Nach einem kurzen Schweigen fragte der Mann (es war ein Polizist):

    – Wer bist Du?

    Ich beschloss, nichts zu verheimlichen.

    – Ich bin von den Deutschen abgehauen. Ich war in Kriegsgefangenschaft. 

    Ich beschloss, den Einfaltspinsel zu spielen.

    – Und Sie? Wer sind Sie?

    – Siehst du die Armbinde nicht?

    – Ich sehe die Armbinde, aber ich weiß nicht, was sie bedeutet. 
    Ich aß auf, erhob mich und bedankte mich bei meinen Gastgebern.

    – Gehen wir, sagte der Polizist.

    Als wir das Haus verließen, schluchzte die junge Frau herzergreifend. Der Hausherr stand im Innenhof und schaute bewusst weg. Nachdem wir etwa dreihundert Meter die Straße entlanggegangen waren, blieben wir in der Nähe einer Gasse stehen. 


    Der Polizist sagte: „Du gehst diesen Weg hinunter Richtung Feld, weg von der Stadt. Versuch, nicht von Leuten wie mir erwischt zu werden. Wenn Du etwas brauchst, such Dir ein ärmeres Haus, sonst triffst Du wieder auf solch einen Mistkerl. Nun denn, ich wünsche Dir eine gute Reise.“

    Ich ging die Landstraße entlang, bereit, mich jeden Moment irgendwo zu verstecken. Als die Dunkelheit hereinbrach, war ich am Rande eines Bauernhofs. Hinter dem Weidezaun sah ich einen kleinen Schober aus altem Stroh. Ich kauerte mich an ihn, fest entschlossen, die Nacht dort zu verbringen.

    – Warum sitzt Du hier rum? Lass uns in die Hütte gehen.

    Ich sprang auf. Ein alter Mann stand vor mir. Was ist los? Gibt es wieder Ärger? Nein, wohl kaum. Der alte Mann ist nicht so einer, und das Haus ist arm. In der Hütte waren eine alte Frau und ein Junge, etwa acht Jahre alt. Bald darauf kam eine junge Frau herein. Wie sich herausstellte, war ihr Mann an der Front. Wir haben uns eine ganze Weile unterhalten. Dann machten sie mir ein Nachtlager auf dem Fußboden neben dem Ofen. Am Morgen ließ mich die alte Frau nirgendwo mehr hin.

    – Wohin willst du denn gehen? Haut und Knochen. Lebe, sammle Kraft!

    Ich blieb zwei Tage bei ihnen. Sie hatten selbst fast nichts. Um mir zu helfen, teilten sie das letzte Stück mit mir.

    Eine Woche später war ich in der Nähe von Krivoy Rog. Ich wurde mutiger und ging vom Stadtrand tiefer in die Stadt hinein, um mich über die Lage zu informieren. Ich hoffte, eine passende Person zu treffen, um Fragen zu stellen. Und ich traf jemanden … Ich wusste nicht einmal, woher sie kamen: ein deutscher Offizier und ein Polizist. Sie nahmen mich fest und brachten mich zur Polizeiwache, die gleich um die Ecke war.

    Ich sagte, dass ich aus Dnepropetrowsk stamme, in der Armee und an der Grenze eingekesselt war. Die Einheit wurde zerschlagen, ich habe mich im Dorf versteckt. Anscheinend glaubte man mir nicht. Auf Befehl des Deutschen verprügelte mich ein Polizist ziemlich heftig. Dann wurde ich in das Lager gebracht, in dem ich bereits gewesen war. Als wir uns dem Lager näherten, ging der Polizist weg. Mir wurde befohlen, am Tor zu warten. Ich dachte, dass die Deutschen wahrscheinlich vor aller Augen eine Exekution durchführen oder mich einfach erschießen wollten.

    Ich beschloss, nicht auf mein Schicksal zu warten. Wenn ich mich unter die Masse der Kriegsgefangenen mischte, war es fast unmöglich, mich von den anderen zu unterscheiden. Nach einer Weile kamen mein Polizist und zwei deutsche Offiziere aus der Baracke, aber ich war nicht mehr da. Es endete damit, dass meine Eskorte beschimpft und aus dem Lager geworfen wurde.

    So, ich bin also wieder im Lager. Neu war für mich hier nichts. Das einzige, was mir auffiel, war, dass viele Kriegsgefangene völlig barfuß waren. Ich brauchte dafür keine Erklärungen. Ich habe selbst miterlebt, wie die deutschen Soldaten jeden Tag nach geeigneten Stiefeln für sich gesucht haben. Sie riefen die Gefangenen zu sich, probierten sie an, und wenn sie passten, gaben sie ihnen ihre abgenutzten. Den barfüßigen Gefangenen blieb nichts anderes übrig, als zu warten, bis einer ihrer Kameraden starb, um die Stiefel des Toten zu übernehmen.

    Die schrecklichen Tage der Gefangenschaft zogen sich hin. Von Krivoy Rog wieder nach Kirovograd. Von dort nach Belaja Zerkov, dann weiter nach Berditschew. Von Kirovograd nach Belaja Zerkow fuhren wir drei Tage lang mit dem Zug. Wir standen mehr, als dass wir fuhren. In offenen Waggons, in denen normalerweise Kohle transportiert wird. Hohe Metallwände ohne Dach. Sie luden so viele Gefangene ein, wie sie im Stehen unterbringen konnten. Beim Verladen erhielt jeder ein halbes Kilogramm Brot, das noch einigermaßen erträglich war. In den nächsten drei Tagen gab es weder Brot noch Wasser. Zum Glück waren die Tage regnerisch. Nachts an den Haltestellen versuchten einige zu fliehen, sie wurden sofort erschossen. In Berditschew trugen mich meine Füße kaum noch. 

    Es war selten, dass man jemanden aus den Lagern zur Arbeit holte, und es war nahezu unmöglich, zu ihnen zu gehören. Die Kontrollen derjenigen, die sie nahmen, waren sehr scharf. Von Berditschew aus wurde ein Teil der Häftlinge nach Deutschland oder in ein anderes westliches Land geschickt.

    Einmal kam ein deutscher Soldat in das Lager Berditschew. Er ging ruhig an den auf dem Boden sitzenden Häftlingen vorbei, blieb stehen, zeigte mit dem Finger auf einige von ihnen und sagte: „Komm!“. Viele drängten sich zu ihm, aber er hielt die anderen mit einer Geste auf. Er nahm fünf Männer mit. Ich war unter ihnen. Ein anderer deutscher Soldat wartete draußen vor dem Tor. Wir wurden durch die Stadt geführt. Wir hätten es riskieren können, wegzulaufen, aber wir hatten nicht einmal die Kraft, einfach zu gehen. Wir wurden zu einem großen Hof geführt, auf dem mehrere Dutzend Autos geparkt waren. Es sah aus wie ein Autohof. Zuerst mussten wir den Hof aufräumen. Zur Mittagszeit bekamen wir Suppe aus einem gewöhnlichen Soldatenkessel und einige Brotreste. Der deutsche Offizier, der uns die ganze Zeit schweigend beobachtete, schien ziemlich grimmig zu sein, aber mit seinen Soldaten war er ziemlich locker. Am Ende des Tages stellten wir uns vor dem offenen Tor auf. Zwei deutsche Soldaten bewachten uns. Dann kam der Offizier heraus. Er sagte etwas zu den Soldaten und sie gingen. Der Offizier schaute uns eine Minute lang schweigend an, dann brüllte er: „Raus!“

    Wir standen da und verstanden nichts. „Raus! Bistro, zu Muttern nach Hause!“. Dann drehte er sich abrupt um und ging ins Haus. Als es uns dämmerte, was von uns verlangt wurde, waren wir wie vom Donner gerührt.

    Was erwartet mich noch an Außergewöhnlichem, solange ich lebe? Ich rannte los, ohne auf die anderen zu achten. Ich erinnere mich an einen Zaun, noch einen, noch einen, Gruben. Über alle Hindernisse stürzte ich, rannte weiter, bis ich auf dem Hof eines Hauses eine alte Frau sah. Und dann schoss mir der Gedanke durch den Kopf: Warum renne ich so? Es wird keine Verfolgung geben! 

    Ich ging auf die Frau zu und sagte kaum atmend, dass ich vor den Deutschen geflohen sei. Sie zog mich am Ärmel ins Haus. Sie fing an, durch das Zimmer zu rennen und hielt sich die Hände an den Kopf: „Oh mein Gott. Man wird mich umbringen.“ Dann packte sie mich am Ärmel und schob mich zum Heu. Dort öffnete sie die Klappe zum Keller. „Steig hinunter, dort ist eine Leiter. Wenn du ein Glas Milch findest, trink es!“. Ich stieg hinunter. Die Klappe ging zu. Ich hörte, wie sie alle möglichen Sachen auf die Klappe warf. Dann knarrte die Tür und sie ging weg. Wieder Ärger, fragte ich mich.

    Ich habe nicht lange überlegt. In der absoluten Dunkelheit fing ich an, das Stroh zu durchwühlen. Ich fand eine Kanne, dann noch eine, eine dritte … In welcher war die Milch? Ich kostete eine – Milch. Und konnte nicht aufhören. Nach einer Weile stellte ich den Krug wieder an seinen Platz, völlig leer. Ich setzte mich auf eine Stufe der Leiter und wartete. Ein oder zwei Stunden später ging die Tür knarrend auf und jemand rüttelte an den Gegenständen auf dem Kellerdeckel. „Hey! Wo bist du da drin? Komm raus!“ Ich kletterte hinaus und ging mit der Hausherrin ins Zimmer. Dort stand ein bärtiger Mann. Meinen Gruß beantwortete er mit einem Kopfnicken. Er schwieg lange, dann fragte er: „Viele Läuse?“ „Reichlich“, antwortete ich.

    „Ich sag dir was, Maria“, sagte der Bärtige, „es wird niemand kommen, um ihn zu holen, hab keine Angst. Koche ihm viel Wasser ab, lass ihn sich waschen. Zieh ihm etwas Sauberes an, und leg alle seine Kleider ins Heu. Morgen früh komme ich ihn abholen.“ Und er ging fort.

    Ein neues, ungewisses Leben hatte begonnen. Ich wusste nicht, was mich erwartete. Maria sagte, der bärtige Mann sei ihr Bruder Ignat. Und dass ich keine Angst vor ihm zu haben brauchte.

    Am Morgen, gegen zehn Uhr, kam Ignat mit einem Jungen von etwa zehn Jahren.

    Warum hast du gestern gesagt, dass du vor den Deutschen geflohen bist? fragte Ignat. Sie haben Dich doch selbst weggejagt, nicht wahr?

    – Ja, das stimmt. Aber es war so unglaublich, dass ich es für einen Scherz hielt und immer wieder mit einer Kugel rechnete.

    – Wie viele wart Ihr?

    – Fünf Männer.

    Ignat nickte mit dem Kopf. Wir unterhielten uns eine ganze Weile. Dann zog ich das an, was er mir mitgebracht hatte: eine schwarze Hose, eine Wattejacke, eine Mütze. Alles außer der Mütze war sehr alt, Flicken auf Flicken. Meine Stiefel hatte ich noch an, Soldatenstiefel, die noch gut waren. Nachdem ich viele Ermahnungen erhalten hatte, ging ich in Begleitung des Jungen los. Wir mussten zehn Kilometer bis zum Chutor (der kleinen Siedlung, dem Weiler) laufen, in dem die Mutter von Ignat, die Großmutter des Jungen Stepa, lebte. Der Chutor war klein, eineinhalb Dutzend Häuser. Die Großmutter war zu Hause. Stepa erzählte ihr alles über mich und gab Ignats Bitte weiter, dass seine Mutter mich bis zu meiner Wiederherstellung bei ihr wohnen lassen sollte. Während Stepa mir das alles erzählte, saß ich auf den Steinen neben der Hütte. Nach zehn Kilometern Fußmarsch hatte ich keine Lust mehr, mich zu bewegen. Der Junge ging gegen Abend fort. Die alte Frau erwies sich als sehr nett und nicht dumm. Sie fütterte mich mit allem, was sie bei sich und ihren Nachbarn finden konnte. Ich kam schnell wieder zu Kräften. Ich begann sogar, ihr im Haus zu helfen. Ich versuchte zu reparieren, was nicht mehr in Ordnung war. Die alte Frau war bereit, mich für eine lange Zeit bei sich wohnen zu lassen. Aber es war schwer, mich zu halten. Meine Seele sehnte sich danach, nach Osten zu gehen. Schließlich beschloss ich aufzubrechen, nachdem die alte Frau ihren grauen Kopf in meinen Schoß gelegt und mich genötigt hatte, Läuse zu suchen und zu bekämpfen.

    Heute, nach 34 Jahren, ist es schwer zu erklären, wie ich durch die Ukraine irrte und nach zweieinhalb Monaten endlich den Dnjepr erreichte. Ich erkannte die tiefe Wahrheit der Aussage, dass der Mensch sich im Unglück zeigt. Ich suchte die Nähe zu den Menschen, ohne zu wissen, wer ein Freund war und wer ein Schurke. Ich schlief in Dorfhütten und im Wald. Ich umging große Siedlungen, um nicht wieder von den Deutschen erwischt zu werden. Was ich in dieser Zeit gesehen und gehört habe, ist schwer zu begreifen. Schon in den Lagern fiel mir auf, dass es unter den Kriegsgefangenen nur wenige Ukrainer gab. Eine Zeit lang dachte ich, dass sie einfach zum Dienst in andere Republiken geschickt wurden. Das war zum Teil richtig. Aber es gab noch eine andere Erklärung. Die zu Beginn des Krieges eilig gebildeten Einheiten auf dem Gebiet der Ukraine leisteten den Deutschen keinen ernsthaften Widerstand. Viele Kämpfer warfen ihre Waffen weg und verstreuten sich in ihre Heimat. Später wurde jede Ortsveränderung in der Ukraine gefährlich. Es ergingen spezielle deutsche Befehle, die es den Anwohnern verboten, jemandem Unterkunft und zu essen zu geben. Bei Zuwiderhandlung waren drakonische Strafen vorgesehen, bis hin zur Erschießung. An dieser Stelle ist es notwendig, vorauszuschicken, dass die Ukrainer beim Vormarsch der sowjetischen Armee aufopferungsvoll in Partisaneneinheiten kämpften. Die Gräueltaten der Faschisten halfen den Menschen zu erkennen, was sie erwartete, falls die Deutschen den Krieg gewinnen würden. Aber das war später. Doch am Anfang …

    In jeder Stadt und jeder größeren Siedlung richteten die Deutschen unmittelbar nach der Besetzung zusätzlich zu ihrer Kommandantur Selbstverwaltungsorgane ein, die unter der Leitung der deutschen Kommandantur agierten. Dies waren der Bürgermeister mit seinem Stab und der Polizeichef mit seinen zahlreichen Polizisten. In kleinen Dörfern und Siedlungen gab es Vorsteher, die Starosta. Freiwillige für den Dienst hatten die Deutschen genug. Aber für Ämter wie Bürgermeister oder Polizeichef setzten die Deutschen bereits zuvor geschulte Leute ein, ihre Agenten, die sich bis zur Ankunft der Deutschen unter den Sowjetbürgern versteckt hielten. Erst der Krieg offenbarte, wie groß und umfangreich die Agenturen der Deutschen auf dem Gebiet der Sowjetunion waren.

    Von den ersten Tagen an begannen Sonderkommandos der deutschen Kommandanturen alle Juden, ob alt oder jung, bis hin zu den Säuglingen, in Lager zusammenzutreiben, vorgeblich zur Umsiedlung. In Wirklichkeit brachten sie sie aus der Stadt hinaus, erschossen und vergruben sie in zuvor ausgehobenen Gräben. Im Gebiet Kiew und in Babi Jar wurden mehr als 40 000 Kiewer Bürger verscharrt. Sieben- bis achttausend wurden an Orten wie Berditschew, Belaja Zerkow und Skwira getötet. 

    Bis zum Überfall der Deutschen auf die Sowjetunion berichtete die Presse – wenn auch diskret, um die Deutschen nicht zu verärgern – darüber, wie die Deutschen mit Juden und Kommunisten zuerst in Deutschland selbst und dann in Polen und anderen besetzten Ländern umgingen. Und während die Kommunisten und ihre Familien aus Angst vor Repressalien evakuiert wurden, als die Deutschen angriffen, glaubten die Juden diesen Berichten nicht. Die meisten von ihnen waren bis zuletzt davon überzeugt, dass eine so kultivierte Nation wie die Deutschen nicht einfach ein anderes Volk ausrotten konnte. Mit den gebliebenen Kommunisten gingen die Deutschen ebenso brutal um und ließen nur diejenigen am Leben, die selbst in die deutsche Kommandantur kamen, um sich zu stellen und ihre Kameraden zu verraten. Es gab solche … 

    Es versteht sich von selbst, dass die Deutschen nicht in der Lage gewesen wären, Juden und Kommunisten so schnell zu identifizieren, wenn die Einheimischen ihnen nicht nach Kräften geholfen hätten. Von den Polizisten einmal abgesehen, gab es so viele Zuträger, dass es für einen Juden praktisch unmöglich war, sich unter den Einheimischen zu verstecken. Damals wurde mir auch klar, warum es in den ukrainischen Dörfern so viele Menschen gab, die den Deutschen gegenüber so wohlwollend eingestellt waren. Die Kollektivierung des Dorfes, die grob und gewaltsam durchgeführt worden war und die Wirtschaft der Dörfer untergrub, hatte viele Bauern gegen die Sowjetmacht aufgebracht.

    Das ukrainische Land ist nicht sehr waldreich. Sich hier zu verstecken ist viel schwieriger als zum Beispiel in Weißrussland. Daher war die Partisanenbewegung in der Ukraine weniger entwickelt als in anderen Gebieten. Partisanengruppen entstanden spontan aus einzelnen sowjetischen Offizieren und Soldaten, die im deutschen Hinterland der Front verblieben waren. Ihnen schlossen sich Geflohene aus städtischen und ländlichen Siedlungen an, denen offensichtlich Repressalien drohten. Diese Partisanengruppen, dürftig bekleidet und bewaffnet, führten anfangs keinerlei Kämpfe gegen die Deutschen. Das kümmerte sie nicht. Neben diesen traten die so genannten falschen Partisanen auf. Einfach ausgedrückt waren das Banden von Räubern, die die Bevölkerung ausraubten. Sie fürchteten sich gleichermaßen vor den Deutschen und den Partisanen. Einzig die Polizisten fürchteten sie nicht. Diesen kamen die Aktivitäten dieser Banditen zugute, da sie die Partisanenbewegung in den Augen der Bevölkerung diskreditierten.

    Einmal, als ich abends an einem abgelegenen Chutor vorbeikam, sprach mich ein Mann mittleren Alters an. Er lud mich ein, in die Hütte zu kommen. Dort saßen drei weitere Männer mit Gewehren. Sie begannen, mich auszufragen: Wer bist Du? Woher kommst Du? Und so weiter. So wie ich es verstand, waren sie Späher einer Partisaneneinheit. Meine Bitte, mich ihnen anschließen zu dürfen, wurde kategorisch abgelehnt. Sie begründeten dies damit, dass mich niemand kannte. Und wem würde ich ohne Waffe nützen? Sie schlugen vor, dass ich mich erst einmal im Dorf niederlassen sollte und wenn sie mich brauchten, würden sie mich holen. 

    Raub und Willkür nahmen in den besetzten Gebieten die hässlichsten Formen an. Frauen mit Kindern, die oft in die Dörfer gingen, um Sachen und allen möglichen Ramsch gegen etwas zu essen einzutauschen, wurden auf den Landstraßen schnell ausgeraubt. Auch die Polizisten waren an solchen Raubüberfällen beteiligt. In den Städten gab die deutsche Kommandantur Lebensmittelkarten und Hungerrationen nur an diejenigen aus, die für sie arbeiteten. Der Rest wurde systematisch ausgehungert.

    Der Herbst kam, und mit ihm häufige Regenfälle und kalte Nächte. Es gab keine Möglichkeit mehr, den Dnjepr zu überqueren, die Brücken waren schwer bewacht. Die Boote waren entweder zerstört oder unter Verschluss. Ich beschloss, dass ich einen Platz für eine längerfristige Unterkunft finden musste. Im Rayon Krynichanskiy im Oblast Dnjepropetrowsk stieß ich auf einen kleinen Chutor namens Dibrowa. Von den Leuten erfuhr ich, dass der – der Vorsteher – dieses Hofes nicht der schlechteste war und bereits zwei Menschen wie mich untergebracht hatte. Ich ging direkt zu ihm in die Verwaltung, die sich in dem Verwaltungsgebäude der Kolchose befand. Ich hatte Glück, der Starosta, der Vorsteher war vor Ort und unterhielt sich mit irgendeinem alten Mann. Als die Reihe an mir war, erzählte ich ihm alles, was ihn interessierte.

    – Was kannst Du bei uns tun?

    – Ich bin auf dem Land geboren und aufgewachsen, später habe ich mich in der Stadt niedergelassen.

    – Und kennst Du den Unterschied zwischen Weizen und Hirse?

    – Weizen und Hirse sind nicht schwer zu unterscheiden, antwortete ich.

    Der Starosta lächelte und schon an den alten Mann gewandt, fragte er:

    – Nun, Großvater Plachotnik, wirst du ihn aufnehmen? 

    So kam ich in das Dorf Dibrowa, wo ich über den Winter bis Juni 1942 verbrachte. Die Hütte von Großvater Plachotnik erwies sich als eine der ärmsten im Dorf, ein Zimmer mit einem Lehmboden. Bei ihm lebten seine Tochter Marfa und ihr Mann Wassili, der aus der Roten Armee desertiert war und damit bei Gelegenheit zu prahlen pflegte. Vom ersten Tag an spürte ich seine Abneigung gegen mich und um unnötige Exzesse zu vermeiden, vermied ich jedes Gespräch mit ihm.

    Die Deutschen bemühten sich vielerorts, die Kolchosen zu erhalten. Es war einfacher, den „Tribut“ von den Kolchosen einzutreiben als von jedem Einzelnen. So wurde auch hier das geschnittene Korn gemeinsam gedroschen. In unserer Brigade waren wir etwa zehn Leute, alles Nichteinheimische. Wir bekamen zweimal am Tag zu essen – ob gut oder schlecht, es war besser als im Lager. Bei der Arbeit in dieser „Kolchose“ musste ich mit vielen Menschen sprechen. Durch Wassilis flinke Zunge bekam ich den Spitznamen „Kommissar“. Die Kinder nannten mich auch so. Einmal kam ein Polizist aus dem großen Nachbardorf zu uns. Als er von meinem Spitznamen erfuhr, beschloss er sofort, mich gründlicher kennenzulernen.

    – Hey, Kommissar!

    Ich sah mich um. Es war ein Polizist. Ich zeigte fragend auf mich. Er nickte.

    – Warum reagieren Sie, wenn man Sie „Kommissar“ nennt?

    – Ich bin daran gewöhnt.

    – Und schon lange?

    – Seit zwei Monaten.

    – Warum haben sie Ihnen diesen Spitznamen gegeben?

    – Keine Ahnung, wahrscheinlich kannten sie einen Kommissar mit so einem langen Schnurrbart.

    – Und gefällt es Ihnen, so genannt zu werden?

    – Manche Leute nennen mich einfach „Iwan“.

    – Und vor dem Krieg?

    – Iwan Gordejewitsch.

    – Und was haben Sie gemacht?

    – Buchhalter.

    – Und in der Armee?

    – Vor dem Krieg habe ich nicht in der Armee gedient. Und als der Krieg begann, war ich Gefreiter.

    – Waren Sie Kommunist?

    – Ich habe noch nie gehört, dass Buchhalter Kommunisten waren.

    Er fragte mich noch dies und das, dann ließ er mich gehen. Dem Starosta, dem Vorsteher, sagte er, er solle das Wort „Kommissar“ verbieten.

    Als er sah, dass ich mich oft mit den Dorfbewohnern unterhielt, bemerkte mein Großvater Plachotnik einmal in Abwesenheit von Wassili mir gegenüber: „Gib nicht zu viel von deiner Seele preis. Sie werden Dich verraten, so wie sie es unter Stalin getan haben.“ 

    Die städtischen Sklavenarbeiter und wir Kriegsgefangenen verlangten nicht einmal bezahlt zu werden. Wir trugen Lumpen und waren dankbar, dass man uns etwas zu essen gab. Wer sollte uns bezahlen? Das gedroschene Getreide wurde zur Eisenbahn gebracht und von dort nach Deutschland. Viele Bauern litten selbst Hunger.

    Im Juni 1942 kam ein Polizist zu mir. Er erklärte mir, dass ich zu denjenigen gehöre, die die Siedlung zur Arbeit in Deutschland eingeteilt hat.

    Insgesamt waren es 10 Personen. Auf dieser Liste standen drei Kriegsgefangene (darunter ich) und sieben Einheimische, natürlich aus den ärmeren Familien. In Begleitung von zwei Deutschen und einem Polizisten wurden wir nach Dneprodzerzhinsk gebracht und in einen Güterzug verladen. Bei der Abfahrt aus Dibrowa waren die Tränen der Mütter herzzerreißend. Der Güterzug wurde so bewacht, wie Verhaftete bewacht werden. Nachts wurden die Wachen durch einfache Soldaten ersetzt, die nach Deutschland in den Urlaub fuhren.

    Der Zug fuhr am Morgen ab. Zwei Tage lang bekamen wir weder zu essen noch zu trinken. Wir aßen, was wir von zu Hause mitgebracht hatten. In letzter Minute brachte Großvater Plachotnik ein Stück Brot. Am dritten Tag wurden wir an einem der Bahnhöfe mit Eimern für Wasser und die Notdurft versorgt. Manchmal bekamen wir auch etwas zu essen. An manchen Stationen durften wir sogar hinausgehen, um Wasser oder etwas zu essen zu besorgen … Die deutschen Soldaten waren nicht sehr streng. Das habe ich ausgenutzt. An einem der Bahnhöfe fuhr der Zug ohne mich weiter …

    Der Kreis schloss sich. Ich war wieder ein Landstreicher, aber schon mit einiger Erfahrung. Doch was hatte sie mir gebracht? 

    Für die Soldaten der zerschlagenen Einheiten, deren Heimat weit jenseits der Grenzen der Ukraine lag, gab es nur zwei Auswege: Entweder sie schlossen sich zusammen und zogen in die Wälder, um einen Partisanenkrieg zu führen (sofern sie Waffen hatten), oder sie ließen sich bei ukrainischen Witwen nieder. Letzteres war nicht schwer. Der Krieg hatte viele Frauen ohne Ehemänner zurückgelassen. Aber das war nichts für mich. In Grosny hatte ich eine Frau und drei Kinder zurückgelassen. Sie fristeten wahrscheinlich ein halbverhungertes Leben. Und ich soll hier meine Seele verkaufen? Selbst wenn es mein Leben rettet, doch das war nicht das, was ich wollte.

    29.04.2025

    Krieg gegen Russland? Das Schicksal von Iwan Nikolajew ist uns eine Mahnung!   (II von III)


    Ich habe versucht, mich als Handwerker zu verdingen. Aber wer braucht schon Handwerker, wenn es keine Reichen gibt? Nachdem ich herausgefunden hatte, dass die Stadt Belaya Zerkow nicht weit entfernt war, wagte ich mich zum ersten Mal in eine große Siedlung, um mich unter das arbeitende Volk zu mischen. Am nächsten Tag geriet ich in eine Razzia und wurde verhaftet. Die Verhafteten wurden schnell überprüft und die Verdächtigsten hinter Schloss und Riegel gebracht. Ich war unter ihnen. Am nächsten Tag wurde ich zum Verhör geholt. Meine Kleidung wurde sorgfältig untersucht, ich wurde befragt, wer ich bin und woher ich kam. Ich hatte Zeit, mir eine ehrlich klingende Geschichte auszudenken. Sie glaubten mir, brachten mich zum Bahnhof und setzten mich in einen Güterzug, der irgendwo in der Nähe von Dnepropetrowsk zusammengestellt worden war, um nach Deutschland geschickt zu werden. Ich fand mich in einem Waggon wieder, der nirgends aufgefüllt wurde und hauptsächlich aus Freiwilligen bestand, die sehr deprimiert darüber waren, wie Gefangene behandelt zu werden. Die Härte der Behandlung war unglaublich. Die Türen waren von außen verschlossen. Bereits in Polen wurden wir in einen anderen Waggon verladen. Es gab eine reale Fluchtmöglichkeit, aber ich bin nicht geflohen. Die endlosen Misserfolge hatten vorübergehend etwas in mir zerbrochen. Es spielte auch die Tatsache eine Rolle, dass wir uns bereits in einem fremden Land befanden.
    Im Folgenden werde ich so weiter berichten, wie ich es bei der Befragung getan habe.

    – Also, fragte Michailow, wo sind Sie danach hingekommen?

    (Red.) Hier endet der erste Teil des Berichts von Iwan Nikolajew. Globalbridge publiziert den zweiten Teil in den nächsten Tagen. Wer ihn jetzt schon lesen will, kann den ganzen Bericht als PDF hier runterladen.

    Und wer den ganzen Bericht lieber in original russischer Sprache liest, kann das PDF der russischen Version hier runterladen.


    Info: https://globalbridge.ch/krieg-gegen-russland-das-schicksal-von-iwan-nikolajew-ist-uns-eine-mahnung/


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.




    Weiteres:




    Zum mittlerweile publizierten zweiten Teil des Berichts von Iwan Nikolajew.


    Screenshot_2025_04_29_at_07_33_35_Krieg_gegen_Russland_Das_Schicksal_von_Iwan_Nikolajew_ist_uns_eine_Mahnung_Teil_2_GlobalBridge
    Ausgehungerte sowjetische Kriegsgefangene der Roten Armee im von den deutschen Nazis betriebenen KZ Mauthausen. Iwan Nikolajew hat das überlebt ... (Bundesarchiv Bild 192-203)

    Krieg gegen Russland? Das Schicksal von Iwan Nikolajew ist uns eine Mahnung! – Teil 2

    27. April 2025 Von: in Geschichte

    (Red.) Iwan Nikolajew wurde am 26. Februar 1907 im Oblast Rostow in Russland geboren. Er starb am 6. Oktober 1988 um 9:55 Uhr in Samara. Er hat seine Einvernahme durch stalinistische Funktionäre zum Anlass genommen, sein Leben im Zweiten Weltkrieg – im Abwehrkampf der Sowjetunion gegen den Eroberungsfeldzug der deutschen Wehrmacht – zu beschreiben und auf Papier zu bringen, um diese Zeit nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, was heute, 80 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, wichtiger ist als je. René-Burkhard Zittlau hat diese seine Niederschrift für Globalbridge übersetzt, wofür wir ihm unendlich dankbar sind. (cm)

    Zum ersten Teil von Iwan Nikolajews Bericht und zum Vorwort des Übersetzers.

    Ab hier der zweite Teil des Berichts von Iwan Nikolajew:

    Kriegsgefangenenlager Neubrandenburg

    Der Zug endete in der deutschen Stadt Neubrandenburg im Norden Deutschlands. Nachdem vier Waggons abgekoppelt worden waren, fuhr er weiter. Ich verblieb in Neubrandenburg. Am Rande der Stadt war ein Lager für uns vorbereitet worden, das bereits weitgehend bewohnt war. Und wie sich herausstellte, waren wir der letzte Neuzugang. Wir wurden alle vorsorglich desinfiziert, einige von uns bekamen sogar andere Kleidung. Ich zum Beispiel erhielt einen abgetragenen Anzug. Mir fiel auf, dass die Kleiderkammer voll mit ähnlichen Sachen war. Wahrscheinlich handelte es sich um die Kleidung von Häftlingen, die in den faschistischen Konzentrationslagern vernichtet worden waren.

    Das Lager war von einer einfachen Reihe Stacheldraht umgeben. Die Wachen standen nur am Tor. Es gab zehn Baracken im Lager: vier für Männer, vier für Frauen, in einer gab es Lagerräume und eine Küche, in einer anderen eine Sanitäranlage und ein Badehaus. Wir arbeiteten in einer Fabrik, in der Kisten für Fliegerbomben hergestellt wurden.

    Eines Tages, bevor wir zur Arbeit gebracht wurden, kam der Lagerkommandant auf mich zu und fragte mich über einen Dolmetscher, was ich von Beruf sei. Ich antwortete ohne zu zögern: Tischler. Nach einiger Zeit wurde ich in eine Werkstatt versetzt und zur Arbeit im Lager eingeteilt. In der Werkstatt gab es viele verschiedene Platten, eine Werkbank und Schreinerwerkzeuge. Meine erste Aufgabe war es, eine Hütte für den Hund des Lagerkommandanten zu bauen. Ich überlegte nicht lange und baute sie in Form einer exakten Kopie der Kapelle, die sich dreihundert Meter von unserem Lager entfernt befand, nur natürlich in „Hundegröße“. Der Hund war meiner Schöpfung gegenüber ziemlich gleichgültig. Die Lagerinsassen lachten leise über mein Werk und fragten sich, vor wem ich buckelte, dem Hund oder dem Lagerkommandanten selbst. Ich wollte nur, dass der Hund ein bisschen besser lebte als sein Herrchen. Doch sein „schönes“ Leben währte nicht lange. Als einmal ein hochrangiger deutscher Beamter unseren Kommandanten besuchte, wurde mir befohlen, meine architektonische Schöpfung sofort zu zerstören und dem Hund einen normalen Wohnsitz zu verschaffen.

    Die Position des Lagerschreiners brachte mir einige Vorteile. Mit einer Werkzeugkiste bewaffnet kam ich überall hin. Mir fiel es leicht, die Leute kennenzulernen. In der Küche konnte ich immer eine Extraportion Suppe bekommen, und aus dem Lager konnte ich ein Dutzend Kartoffeln holen, um sie im Heizraum des Badehauses zu backen und sie an diejenigen zu verteilen, die besondere Unterstützung brauchten.

    Zur Aufrechterhaltung der inneren Ordnung im Lager wurde ein Vorsteher, ein Starosta ernannt. Der stets stirnrunzelnde, unkommunikative Starosta Antonow rief von Anfang an eine besondere Abneigung im Lager hervor. Ab einer gewissen Zeit trug er einen Knüppel bei sich, mit dem er nicht davor zurückschreckte, gelegentlich jemandem auf den Rücken oder den Kopf zu schlagen. 

    Als er mich neben einer Baracke traf, sagte er:

    – Sie müssen alles nur auf meinen Befehl hin tun.

    – Ich habe den Lagerführer anders verstanden, antwortete ich und wandte mich zum Gehen. 

    Antonow erhob seine Stimme: 

    – Wissen Sie, dass ich der Lagerführer bin?

    Ich drehte mich um, trat dicht an ihn heran und sagte leise, aber entschlossen: 

    – Ich rate Ihnen, Ihre Kräfte nicht umsonst zu vergeuden, beschäftigen Sie sich mit den Menschen, die Wirtschaft wird ohne Sie klarkommen.

    Antonow war verblüfft. Er verstand mich genau so, wie ich es wollte; dass ich besondere Vollmachten vom Lagerführer hatte. 

    Dieses Gespräch hatte Folgen. Wenn er mich irgendwo im Lager sah, verbeugte er sich vor mir. Wenn er in eine Baracke ging, um jemanden wegen irgendeiner Lappalie anzuschreien, und mich sah, hielt er sofort den Mund und ging. Andere fingen an, das zu bemerken und fragten mich sogar, was das zu bedeuten habe. Und ich antwortete immer, dass er wahrscheinlich Angst vor meinem Schnurrbart habe. 

    An diesem Punkt unterbrach Michailow meine Erzählung und bat mich, mehr über diejenigen zu erzählen, die ich als „Freiwillige“ bezeichnete.

    Ich fuhr fort: 

    – Antonows Gegenspieler war der Arzt Kowalew. Ein junger Mann in den Dreißigern. Über ihn hieß es im Lager, er sei zu jeder Gemeinheit bereit. Sowohl Antonow als auch Kowaljow rühmten sich damit, dass sie freiwillig nach Deutschland gekommen waren. Doch Kowaljow hatte deutliche Vorteile: Er sprach ein wenig Deutsch und berichtete dem Lagerführer ohne Dolmetscher über die Angelegenheiten des Lagers. Da wurde mir klar, dass Antonow es Kowaljow zu verdanken hatte, dass der Lagerführer ihm gegenüber äußerst unfreundlich war. Ich begriff auch, dass ich vor allem mit Kowaljow nicht scherzen sollte. Einmal, als ich eine Tür im Sanitärbereich reparierte, sprach Kowaljow mich an. Zuerst war er verschlagen, dann begann er, sich immer mehr zu offenbaren. Ganz gleich, wie der Krieg ausginge, meinte er, er habe in Russland nichts mehr zu suchen. Den bolschewistischen Geist der Russen würde man ohnehin nicht besiegen können, aber im Westen könne er die wahre Freiheit finden. Man muss nur das Vertrauen der Deutschen gewinnen. Überhaupt philosophierte Kowaljow gern, sprach oft und lange mit den Kranken. Es dauerte jedoch eine Weile, bis die Lagerinsassen verstanden, dass Kowaljow nur seinen Körper öffnen konnte, nicht aber seine Seele. Diese Entdeckung verdankte das Lager zwei Jugendlichen, die nach ihrer Entlassung aus der Krankenstation direkt in das Konzentrationslager gebracht wurden.

    Ich kannte noch einen anderen „Freiwilligen“. Sein Nachname war Pankratow, etwa zwanzig Jahre älter als ich (ich war damals 36). Auch er nannte sich „Freiwilliger“, war ein ehemaliger Offizier der Weißen Armee und sprach „ein wenig“ Deutsch. Das machte ihn bei den Lagerinsassen nicht gerade beliebt. Mir fiel jedoch auf, dass er die Kommunikation mit den Deutschen vermied und den ihm angebotenen Posten des Starostas – des Vorstehers – ablehnte. Über einen Dolmetscher überzeugte er den Lagerführer, dass er aufgrund seines Alters und seiner Gesundheit dafür nicht geeignet war. 

    Außerdem bemerkte ich, dass er, obwohl er „schlecht“ Deutsch verstand, jeden Abend, wenn er aus der Fabrik kam, eine deutsche Zeitung herausholte und sie an einem abgelegenen Ort las. Wie kann man, dachte ich, ohne die Sprache zu beherrschen, deutsche Zeitungen lesen? Ich begann, ihn zu bearbeiten, und bat ihn dann direkt um die Beantwortung von Fragen, die mich schon lange interessierten.

    – Was wollen Sie von mir? fragte er.

    – Übersetzen Sie mir, was die Deutschen über die Ostfront schreiben.

    Von da an verging kein Tag mehr, an dem wir uns nicht irgendwo im Kesselhaus trafen, um eine Zeitung zu lesen, die er aus der Fabrik mitbrachte. Als er hörte, wie ich die deutschen Berichte von der Ostfront kommentierte, wurde er freundlich, und dann begann er selbst zu kommentieren. Es verging einige Zeit, und auf der Grundlage der Zeitungsberichte stellte ich eine kurze Zusammenfassung der Lage an der Ostfront zusammen. Wir besprachen lange die Idee, diese Zusammenfassungen aufzuschreiben und im Lager zu verteilen. Wir beschlossen: Einmal pro Woche schreibe ich einen Entwurf, Pankratow redigiert ihn so, dass er zwar in verunstaltetem, aber für Russen verständlichem Russisch abgefasst ist. Dann schreibe ich ihn in fünf Exemplaren in einer mit der linken Hand gekritzelten Schrift ab und dann verteilen wir ihn in der Fabrik, in der sich neben Russen auch viele deutsche und französische Arbeiter aufhielten. So kamen diese Zusammenfassungen von der Fabrik ins Lager und gingen hier von Hand zu Hand.

    Der Ermittler Michailow unterbrach mich:
    – Wie hieß diese deutsche Zeitung?

    – Meistens war es das Nazi-Presseorgan „Völkischer Beobachter“.

    Michailow fragte mich: 

    – Und welche Art von Wahrheit konnten Sie dieser Zeitung entnehmen? 

    – Zunächst hatten wir selbst keine Hoffnung, dass wir aus diesem Papier etwas Ähnliches wie die Wahrheit herausholen könnten. Doch als wir später unsere Zusammenfassungen mit den gelegentlichen englischen verglichen, die in unsere Hände gelangten, konnten wir uns davon überzeugen, dass wir nicht weit von der Wahrheit entfernt waren. Wenn die Deutschen schreiben, dass sie, um die Frontlinie zu begradigen, erst die eine und dann die andere Stadt verlassen, ist es in der Tat leicht zu erraten, dass sie sich einfach zurückziehen. Wenn sie schreiben, dass sie in den weißrussischen Wäldern mit mehreren Divisionen erfolgreich „Banditen“-Kommandos vernichten, bedeutet das, dass die Partisanenbewegung in Weißrussland das ganze Land erfasst hat. Ich erinnere mich, dass während der Kämpfe im Kursker Bogen, nachdem die Deutschen Orjol und Belgorod „verlassen“ hatten und in den Tagen zuvor berichtet wurde, dass die „Sowjets“ jeden Tag 2500 bis 3000 Panzer verlieren, plötzlich ein Artikel erschien, der ohne Änderungen und Kommentare unter unseren Leuten verteilt werden konnte. Der Artikel hieß „Woher haben die Sowjets so viele Panzer?“. Es stellte sich heraus, dass bereits in der Zeit des ersten Fünfjahresplans im Ural und in Sibirien große Industriekomplexe für die Herstellung von Traktoren, Mähdreschern und anderen Maschinen gebaut wurden. Und dass die Betriebsleiter schon vor der Inbetriebnahme der Unternehmen geheime Pläne hatten, um im Kriegsfall ohne jedes Aufsehen mit der Produktion bestimmter Rüstungsgüter zu beginnen. An die Front wurden sowohl Panzer als auch leistungsfähige mobile Werkstätten für deren Reparatur geschickt. Deshalb schossen Panzer, die von „tapferen deutschen Truppen“ getroffen wurden, nach einiger Zeit wieder auf die Deutschen. Etwa ein schlechter Artikel?

    – Und haben Sie jemals in Deutschland veröffentlichte Zeitungen in russischer Sprache gelesen?  fragte Michailow.

    – Der Dolmetscher, den ich bereits erwähnt hatte, der Sohn irgendeines russischen Emigranten, arbeitete in der Fabrik und kam nur auf Anforderung ins Lager. Innerhalb eines Jahres brachte er etwa dreimal solche Zeitungen ins Lager, aber wir fanden darin nichts, was unserer Aufmerksamkeit Wert gewesen wäre.

    – Fahren Sie fort, sagte der Chef von Michailow.

    – Unter den Bedingungen des Lagers zog es die Menschen spontan zueinander hin. Es entstanden Gruppen, in denen Neuigkeiten und Meinungen ausgetauscht und Pläne geschmiedet wurden. Oft erfuhren unsere „Fünf“ von diesen Plänen. Und oft lehnten wir sie ab, weil sie schlecht durchdacht und gefährlich waren. Eine Katastrophe konnten wir jedoch nicht verhindern. Eine Frau aus unserem Lager streute Sand in eine Maschine in der Fabrik. Sie wurde schnell entdeckt. Am nächsten Tag wurden sie und vier ihrer Freundinnen aus dem Lager abgeholt. Wie uns offiziell mitgeteilt wurde, in ein Konzentrationslager zur Vernichtung.
    Eines Tages erzählte mir einer von uns Fünf, dass er in der Fabrik einen alten deutschen Mann kennengelernt hatte. Er war während des Ersten Weltkriegs Kriegsgefangener in Russland und konnte ein wenig Russisch. Sein Sohn ist Kommunist und wenn er noch lebt, ist er irgendwo in einem Lager oder Gefängnis. Der alte Mann bot an, zwei Pistolen und ein Dutzend Schuss Munition mitzubringen. Ich riet ihm, die Waffen von dem alten Mann zu nehmen, sie aber nicht direkt ins Lager zu schaffen, da jeder beim Verlassen der Fabrik gründlich durchsucht wird. Ich kannte einen Ort, an dem die Waffen bis dahin versteckt werden konnten. Eine Woche später lagen unsere Pistolen bereits dort. Eine Frau half uns, sie aus der Fabrik zu schaffen. Frauen wurden nicht so rigoros durchsucht. Und mit Hilfe von speziell genähten Taschen trug sie sie problemlos unter ihrem Rock durch das Tor.

    Wenig später taten sich zwei junge Männer zusammen, die an der Front gewesen waren, um eine Flucht zu organisieren. Nach langen Vorbereitungen und Gesprächen mit ihnen teilte ich ihnen mit, dass sie Waffen erhalten werden. Wir sparten Brot (wir aßen es nicht selbst) für die Jungs für unterwegs, ich stahl so viele Kartoffeln, wie ich konnte. Die Jungs durften sich bis Polen in keiner Weise verraten. Eines Abends machte ich ein kleines Loch in den Stacheldraht und die Jungs verschwanden. Danach habe ich nie wieder etwas von ihnen gehört. – Entschuldigen Sie, verliere ich mich nicht zu sehr in den Details des Lagerlebens?

    – Sie werden uns anschließend schriftlich über diejenigen berichten, an die Sie sich gut erinnern, unabhängig davon, wie oder wer sie aus Ihrer Sicht waren, sagte Michailows Chef.  Und nun beantworten Sie die Frage, wann haben Sie das Lager verlassen?

    – 1943, zum Zeitpunkt des Durchbruchs der sowjetischen Truppen in den Kämpfen im Kursker Bogen.

    – Wie nahm man im Lager die Nachricht von der deutschen Niederlage in Stalingrad auf?

    – Fast alle haben sich gefreut, aber für sich. Noch dazu rief die faschistische Regierung Trauer um die gefallene Dreihunderttausender Armee aus. 

    Auch dieser Fall kommt mir in den Sinn. Im Lager arbeiteten ständig zwei Zimmerleute, Deutsche, am Bau verschiedener zusätzlicher Räume. Ich musste mich oft mit ihnen verständigen. Aber das war mit großen Schwierigkeiten verbunden, denn weder ich noch sie beherrschten eine gemeinsame Sprache. Doch eines Tages, es war gerade in den Trauertagen, wurde ich plötzlich von dem Dolmetscher, den ich schon erwähnt habe, in einen dieser unfertigen Räume gebeten. Dort warteten die beiden deutschen Zimmerleute bereits auf mich. Der Dolmetscher teilte mir mit, dass sie meine Einstellung zu den Ereignissen in Stalingrad erfahren wollten. Ich war von dieser unerwarteten Frage verblüfft. Meinerseits fragte ich sie über den Dolmetscher, was sie von Hitlers Partei hielten. Der Dolmetscher lächelte und übersetzte meine Frage. Die Arbeiter sahen sich an und nickten aufmunternd mit dem Kopf. Einer von ihnen sprach lange zu dem Dolmetscher. Der wandte sich an mich:

    – Wir verstehen Ihr Misstrauen, aber glauben Sie mir, wir würden gerne die Wahrheit wissen. Wenn Sie nicht offen sind, lohnt es sich nicht, dieses Gespräch fortzusetzen.

    Nun, dachte ich, es kommt, wie es kommt. Dieses Gespräch hat fast eine Stunde gedauert, vielleicht auch länger. Wahrscheinlich habe ich noch nie so viel über meine Worte nachgedacht wie dieses Mal. Während der Dolmetscher übersetzte, dachte ich intensiv über den nächsten Satz nach. Einer der Arbeiter stand die ganze Zeit über an der angelehnten Tür Wache. Ich weiß nicht, wie lange dieses Gespräch gedauert hätte, wenn der Lagerführer nicht im Lager erschienen wäre. Der Dolmetscher drückte meinen Arm oberhalb des Ellenbogens und ging. Ich ging etwa eine Minute nach ihm. 

    – Nun gut. Jetzt erzählen Sie mir, wie Sie das Lager verlassen haben, bat Michailow.

    – Eines Tages rief mich der Starosta Antonow zu sich. Aus irgendeinem Grund fühlte ich etwas Ungutes. Normalerweise suchte er mich selbst auf. Ich ging zu ihm. Ohne einleitende Worte verkündete mir Antonow: Die Deutschen wollen jemanden nach Hause in die Ukraine schicken. Ein oder zwei Personen aus jedem Lager. Sie organisieren ein Sammellager in Berlin, von wo aus diese Entsendung stattfinden wird. Ich schlage Ihnen diese Reise vor.

    Ich wurde vom Ermittler Michailow unterbrochen:

    – Sagen Sie mir ganz offen, hat man Ihnen angeboten, an Lehrgängen teilzunehmen?

    – Sie reden umsonst so mit mir in diesem Ton, antwortete ich. Ich erzähle Ihnen, was geschah. Und zur Charakterisierung dieses Lagers werde ich selbst kommen.

    – Na, na, wir werden sehen, brummte Michailow.

    – Also. Ich fragte Antonow, was er wisse, außer dem, was er mir bereits gesagt hatte. Aber er versicherte mir, dass er nichts weiter wisse. 

    – Und wenn ich mich weigere? fragte ich.

    Antonow antwortete, dass es viele andere Interessenten geben würde. Fast jeder im Lager würde gerne nach Hause gehen. Ich bat ihn, mir bis morgen Zeit zu geben, um darüber nachzudenken. Am Abend versammelte ich ein paar Männer. Auch der alte Pankratow kam, der noch nie mit jemandem aus dem Lager gesprochen hatte. Wir haben lange darüber nachgedacht, was zu tun ist. Was hat das zu bedeuten? Vielleicht eine Art Sabotageschule? Kaum. Die Hitlerleute sind nicht so dumm, die Auswahl künftiger Spione dem Starosta – dem Vorsteher – eines Lagers für russische Zwangsarbeiter anzuvertrauen. Wahrscheinlich wollen sie wirklich einige Ukrainer in ihr Heimatland schicken. Aber warum? Nach reiflicher Überlegung kamen alle zu einem Schluss. Sie müssen zeigen, dass den Neuankömmlingen in Deutschland nichts droht. Aber so einfach werden die Nazis niemanden losschicken. Also werden in Berlin die Gehirne „gewaschen“. Diese Art von Kursen wird es wahrscheinlich sein. Und in der Ukraine werden sie es nicht dabei belassen, sie werden sie für die Agitationsarbeit nutzen. Was also tun? Fahren oder nicht fahren? Es kam die Frage auf, warum ich ausgewählt wurde. Aber hier gab es keine Unstimmigkeiten. Alle wussten um die angespannten Beziehungen zwischen Antonow und mir und schlossen daraus, dass er mich einfach loswerden wollte. Es gab viele Meinungen zu meinem Weggang. Einer sagte, ich solle auf jeden Fall gehen, es wäre einfacher, den Deutschen zu entkommen, aber es wäre schwierig, an die Partisanen heranzukommen, ich könnte sogar als Spion sterben. Ein anderer stimmte zu, dass es notwendig sei, zu gehen, aber es sei unmöglich, von hier aus vorherzusagen, was man in der Ukraine tun und wohin man gehen müsse. Dort wird man je
    nach den Umständen handeln müssen. Pankratow merkte an, dass man uns vielleicht nicht in die Ukraine schicken wird, weil die Unseren die Ukraine befreien werden, während man sich in Berlin mit uns beschäftigt, und dann wird man uns nirgendwo hinschicken.

    Berlin – Sammellager für Ukraine-Rückkehrer

    Ich wandte mich zum Ermittler Michailow um und sagte:

    – Mir war also klar, dass es sich um Schulungen handeln würde, und dennoch habe ich meine Bereitschaft erklärt, sie zu besuchen. Sind Sie mit dieser Interpretation zufrieden?

    – Vollkommen. Michailow lächelte.

    – Folglich war es nicht mein Verdienst, dass es sich letztlich nicht um Schulungen handelte.

    – Keine Schulungen? Was war es dann?

    – Ich denke, Sie können gut verstehen, dass es mir nicht leichtgefallen ist, eine solche Entscheidung zu treffen. Doch noch schwieriger war es, während des Krieges die Zeit hinter den feindlichen Linien abzusitzen. Und als sich die Möglichkeit bot, in mein Heimatland zu gehen, auch wenn es besetzt war, war es schwer, dort zu bleiben. Andererseits musste ich, wenn ich am Leben blieb, die Tatsache meines Aufenthalts in Deutschland auf jede erdenkliche Weise vor meinen Landsleuten verbergen, und das war nicht einfach. Und falls sie es herausfinden, wirst du nie beweisen können, dass du kein Lump bist. Richtig?

    – Na gut, fahren Sie fort, brummte Michailow.

    – Ich wurde von demselben Fabrikdolmetscher nach Berlin gebracht. Ich weiß heute nicht mehr, welche Straße es war.

    – Und könnten Sie auf der Karte auf diesen Ort zeigen? fragte Chef Michailow.

    – Wahrscheinlich, ja.

    Vor mir wurde ein Stadtplan von Berlin ausgebreitet. Wahrscheinlich war er schon vorbereitet. Sie wussten also mehr über mich, als ich vielleicht über mich selbst wusste. Nachdem ich einige Minuten über der Karte gehockt hatte, wies ich auf den Ort dieser sogenannten Schulungen hin.

    – Das ist richtig … Erzählen Sie mir mehr darüber, bat der Chef Michailow.

    – Durch das Tor betritt man einen geräumigen Innenhof, der auf beiden Seiten von den leeren Wänden der benachbarten dreistöckigen Häuser umgeben ist. In der Mitte des Hofes stand ein kleines Gebäude. Dahinter gab es ein Tor und einen Ausgang zu einer Parallelstraße. In dem Gebäude wurden uns mehrere Räume mit zweistöckigen Holzbetten zugewiesen, wie im Lager. In anderen Räumen befanden sich das Büro, die Kantine und der Abstellraum. Es gab einen weiteren geheimnisvollen Raum mit Stühlen und einem Tisch. Es war logisch anzunehmen, dass hier Vorträge zu antisowjetischen Themen gehalten werden sollten. Doch nichts dergleichen wurde beobachtet. Überhaupt herrschte hier, was die Lektüre betraf, eine große Unklarheit. Alle zehn Tage gab es eine Boulevardzeitung in russischer Sprache, und es gab zwei Bücher, die im Prinzip niemand gelesen hat. Eines davon handelte von Zionisten. Ich habe es nicht einmal durchgeblättert, weil es zu faschistischen Zeiten veröffentlicht wurde. Aber das zweite Buch habe ich von der ersten bis zur letzten Seite gelesen. Es war religiöser Natur und wurde 1923 veröffentlicht. Ich hatte zu meiner Zeit eine Menge solcher Literatur gelesen, einschließlich natürlich der Bibel.

    Im Lager kam ich in der zweiten Tageshälfte an. Zum Abend gab es eine dünne Suppe ohne Brot. Brot gab es überhaupt nur zum Frühstück, 200 Gramm für den ganzen Tag. Morgens Kaffee, mittags Suppe, ein bisschen besser als im Lager. Es waren etwas mehr als fünfzig Leute. Mit uns wurde keinerlei Unterricht abgehalten, die meiste Zeit wussten wir nicht einmal, was wir tun sollten. Die antisowjetische Propaganda bestand nur aus Folgendem: Jeden Tag kam zu uns der Lagerkommandant zum Mittagessen, ein alter Mann in den Sechzigern, von Schreiberg. Er setzte sich an einen exponierten Platz, mampfte genüsslich seine Suppe und hielt danach eine „feurige“ Rede an die Lagerinsassen. Bezeichnenderweise auf Russisch. Im Allgemeinen handelte es sich um die Beschimpfung derjenigen, die vor ihm saßen: nicht richtig saßen, nicht richtig guckten, usw. Am Ende beschimpfte er alle Russen zusammengenommen. „In Russland läuft man sogar in der Stadt mit Lappen herum. Ich habe es selbst gesehen. Und in euren Kolchosen schlafen alle unter einer Decke. Und wer Milch trinken will, geht in den Kuhstall und melkt die Kuh selbst. 

    Jemand erzählte mir, dass dieser von Schreiberg vor der Revolution als Agent in Russland gelebt hatte. Jetzt war er ein seniler alter Mann, der nicht mehr bei Verstand war. Seine zehnminütigen Reden waren so identisch, dass – hätte man eine davon auf eine Grammophonplatte aufgenommen – man sie täglich hätte als Dessert abspielen können, ohne von Schreiberg selbst. Obwohl es im Lager sehr unterschiedliche Menschen gab, darunter auch antisowjetisch gesinnte, nervte dieser nachmittägliche Blödsinn ausnahmslos alle.

    – Woran können Sie sich außer an von Schreibergs „Reden“ noch erinnern?  fragte Michailow.

    – In den zweieinhalb Monaten, die ich in Berlin verbrachte, wurden wir nur von zwei Personen besucht, die von Schreiberg bei seinen Nachmittagsauftritten vertraten. Während dieser zwei Tage war von Schreiberg gezwungen zu schweigen. Nach den fünfzehnminütigen Reden dieser Gäste war keinerlei Diskussion erlaubt. Der erste Gast stellte sich uns als Mitarbeiter des Außenministeriums vor. Er sagte uns, dass Deutschland gezwungen gewesen sei, die Sowjetunion anzugreifen, da die Sowjetunion sonst in Deutschland eingefallen wäre. Der andere war ein Deserteur aus der sowjetischen Armee und erzählte uns von der Lage an der Front. Er erklärte, dass sich die Deutschen zurückziehen mussten, weil sie wegen der verwesenden Leichen der sowjetischen Soldaten keine Luft mehr bekamen. Es war nicht leicht, diese erniedrigende Lüge zu ertragen.

    Ich erwähnte bereits, dass es im Lager freie Zeit im Überfluss gab. Die Menschen fühlten sich zueinander hingezogen, aber die Angst, auf einen Provokateur oder Spitzel zu treffen, war stärker. Diejenigen, die gegen die Sowjetunion eingestellt waren, hatten ebenfalls Angst, denn wir hörten immer mehr Gerüchte, dass die deutsche Armee eine vernichtende Niederlage erlitt. Die beliebtesten Themen drehten sich um alles, was mit Essen zu tun hatte. Die mit nichts beschäftigten Menschen hörten unwillkürlich auf ihren Appetit und den Zustand ihrer Bäuche. 

    Das Lager war nur schwach bewacht. Es gab einen Mann am Tor, der aus den Reihen der Lagerinsassen bestimmt wurde. Die meisten dieser „Wächter“ schenkten den mutigen Männern, die es wagten, in Berlin herumzuwandern, keine Beachtung. Es war unmöglich, etwas zu essen zu besorgen, denn die Geschäfte gaben alles auf Karten aus. Wir hatten weder Karten noch Geld. Man dachte, die Ostarbeiter bekämen Lohn, aber den gab es nur auf dem Papier. Der Betrag, der uns für den Schutz (vor wem?), die Verpflegung und den Aufenthalt im Lager einbehalten wurde, war um ein Vielfaches höher als der Wert der uns ausgezahlten Karten. Mit anderen Worten, wir waren also auch noch Schuldner. 

    Ich erfuhr, dass vor meiner Ankunft dreißig Menschen aus diesem Lager in die Ukraine geschickt worden waren. Abgesehen von den „gigantischen“ Bemühungen dieses Kretins von Schreiberg hatte man mit ihnen keinerlei Vorbereitungen durchgeführt. Nun war nicht mehr die Rede davon, jemanden in die Ukraine zu schicken, denn die Deutschen mussten sich immer weiter zurückziehen. Es stellte sich die Frage: Wohin mit uns? In die Lager zurückschicken, in denen wir vorher waren, oder in ein Lager für die Ostarbeiter.

    Ich lernte die Menschen in diesem bunten Lager immer besser kennen. Nach meinen Beobachtungen erlebten alle einen Zustand völliger Niedergeschlagenheit. Die einen deprimierte es, dass sie nicht in die Ukraine kommen würden, andere sorgten sich um ihre eigene Haut, weil sie Angst vor dem Einmarsch der sowjetischen Truppen in Deutschland hatten. Diese logen sich vor, dass die deutsche Armee unbesiegbar sei. Ich verspürte ein überwältigendes Verlangen, die einen zu unterstützen und die anderen zu verurteilen. Ich vergaß zu oft, dass es unter uns Gestapo-Agenten geben konnte und wahrscheinlich auch gab. Davon konnte ich mich bald aus eigener Erfahrung überzeugen, denn im September 1943 wurde ich von der Geheimpolizei abgeholt und verhaftet.

    Berlin-Alexanderplatz – Gestapogefängnis

    – Alles Weitere über Sie ist uns aus den erbeuteten Gestapo-Archiven und von den Aussagen derer bekannt, mit denen Sie im Gefängnis und im KZ waren. Beantworten Sie dennoch einige unserer Fragen. 

    – Warum haben Sie nicht auf den vernünftigen Rat von Pankratow gehört und sich geweigert, nach Berlin zu gehen? Pankratow hat Sie doch gewarnt, dass der Zeitpunkt nicht mehr fern sei, an dem die Deutschen Sie nicht mehr in die Ukraine schicken konnten?

    – Erstens habe ich schon gesagt, dass es mir schwerfiel, in Neubrandenburg zu sitzen, während im Osten der Krieg herrschte. Zweitens habe ich nicht mit einem so schnellen Zusammenbruch von Hitlers Kriegsmaschine gerechnet und geglaubt, dass ich noch in die Ukraine kommen würde. Ich möchte darauf hinweisen, dass es zu diesem Zeitpunkt noch keine zweite Front gab und die sowjetischen Truppen allein gegen Nazideutschland kämpfen mussten, das das industrielle Potenzial von ganz Europa mobilisiert hatte. Außerdem wartete ich mit Sorge, wie sich die Türkei und Japan verhalten würden, gegen die wir wahrscheinlich beträchtliche Teile unserer Truppen abgezogen hatten. Ich rechnete nicht mit einer vollständigen Niederlage der Nazis vor Ende 1945.

    – Wissen Sie, wer Sie an die Gestapo verraten hat?

    – Ich weiß es nicht. Vielleicht Oparin. Das war so einer. Er stellte sich als Ingenieur vor, Sohn des Akademiemitglieds Oparin. Er hörte oft bei meinen Gesprächen zu, und seine ablehnende Haltung gegenüber allem Sowjetischen war aus einzelnen seiner Äußerungen ersichtlich.

    – Ja, es gab einen solchen Oparin, nur war er weder Ingenieur noch der Sohn eines Akademikers. Er war ein einfacher Handwerker, der übrigens wegen Betrugs im Gefängnis gesessen hatte. Aber nicht er hat Sie verraten. Es war Irschinskij. Erinnern Sie sich an ihn? Er wurde noch vor dem Krieg von der Gestapo rekrutiert.

    – Ja, natürlich erinnere ich mich an Irschinskij. Er sprach nie über seine Weltanschauung, aber er versuchte immer, mich zum Reden zu bringen. Wo ist er jetzt? Im Gefängnis? fragte ich.

    – Nein. Er dient uns und ist im Moment dort, wohin man ihn befohlen hat. Und jetzt sagen Sie mir, welche Fehler, um es milde auszudrücken, haben Sie in dieser Zeit gemacht?

    – Heute ist es leicht, die eigene Vergangenheit zu analysieren. Fehler im Nachhinein zu finden. Aber damals schien es mir, dass ich alles richtig machte. Ich ging zu dem Bahnwärterhäuschen, in dem die Deutschen waren, anstatt bis zum Einbruch der Dunkelheit im Mais zu liegen. Aber wegen meiner Gehirnerschütterung konnte ich nicht klar denken, und das einzige, woran ich dachte, war, an Wasser zu kommen. Und wenn ich mich nachts dieser Hütte genähert hätte, hätten sie mich einfach erschossen, denn weglaufen konnte ich nicht. Um den Deutschen nicht in die Hände zu fallen, hätte ich mich bei einigen alten Leuten in der Ukraine niederlassen können. Es war möglich, nach einer solchen Gelegenheit zu suchen. Aber ich kann mir nicht vorstellen, wie ich zu jener Zeit diese lange Zeit hätte einfach absitzen können. Und überhaupt, obwohl ich nicht an eine Vorbestimmung glaube, fühlte ich mich von Anfang an zum Untergang verurteilt. Nach meiner Verhaftung dachte ich, dass mein Schicksal besiegelt sei, denn ich wusste, dass es nur zwei Wege aus den faschistischen Mauern gab: entweder die Erschießung im Gefängnis oder ein langsamer Tod in einem Konzentrationslager.

    – Warum haben Sie sich in diesen Lagern keine Notizen gemacht, um sie an uns weiterzugeben, falls Sie überleben sollten?

    – Solche Notizen zu behalten, wenn man die Säuberungen in den Gefängnissen und Lagern überstanden hat, war unmöglich. Ich habe einige meiner Notizen einer Frau aus diesem Sammellager gegeben, aber sie enthielten nichts von Bedeutung.

    – Wie lautete der Familienname dieser Frau?

    – Ich weiß es nicht mehr.

    Der Chef von Michailow blätterte in einer Mappe. Dann sagte er:

    – Ihr Familienname ist Krawtschenko. Sie hat auch etwas über Sie geschrieben. Wesentliches stand nicht in ihren Notizen, aber etwas war für uns dennoch nützlich. 

    – Wo ist diese Krawtschenko jetzt? fragte ich.

    – In der Heimat, in der Region Odessa. Wenn Sie sich dafür interessieren, erfahren Sie die genaue Adresse später. Und jetzt, sagen Sie mir, mit wem hatten Sie außerhalb dieser unglückseligen Schulungen noch Kontakt?

    – Mit niemandem.

    – Und zu wem sind Sie so oft gegangen, wenn Sie das Lager verlassen haben?

    – Ach, darum geht es …. Auch das wissen Sie also. Krawtschenko hat Ihnen das bestimmt aufgeschrieben.

    – Nicht nur Krawtschenko.

    – Ja, im Laufe einer Woche habe ich das Lager mehrmals verlassen, wobei ich die Tatsache ausgenutzt habe, dass wir uns selbst bewacht haben. Aber das war keine kluge Idee. Ein paar Häuserblocks von uns entfernt, am Ufer der Spree, befand sich nämlich ein kleines Lager für russische Kriegsgefangene, von dem aus sie jeden Tag in irgendeine Fabrik gebracht wurden. Ich beobachtete dieses Lager mehrere Tage lang von verschiedenen Positionen in dem naiven Glauben, dass ich mit ihnen in Kontakt kommen könnte. Das ging, so lange ich die Aufmerksamkeit nicht auf mich lenkte. Beim letzten Mal folgte mir ein dicklicher Mann in Zivil drei Blocks lang, bis er mich aus den Augen verlor.

    Das Gefängnis im Polizeipräsidium am Alexanderplatz nahm einen ganzen Block mit fünfstöckigen Gebäuden ein. An meinem ersten Tag wurde ich in eine riesige Zelle eingewiesen, in der man nur stehen konnte. Die Luft war stickig, es stank, es gab keine Lüftung. Aber die Tür öffnete und öffnete sich, und unsere Zelle füllte sich mit immer mehr Häftlingen. Bei Einbruch der Dunkelheit, als einige von ihnen zum Verhör vorgeladen wurden, wurde die Zelle etwas leerer. Ich verbrachte die Nacht an der Wand, zusammengerollt auf dem Zementboden. Verschiedensprachige Reden, Flüche und sogar Raufereien machten es mir schwer zu schlafen. Und nachdem ich einen Tritt gegen den Kopf bekommen hatte, verbrachte ich den Rest der Nacht im Sitzen. In der Zelle befanden sich offensichtlich auch Kriminelle.

    Am nächsten Tag wurde ich vom Erdgeschoss in den fünften Stock in eine große Zelle mit zweistöckigen nackten Holzkojen verlegt. Jeden Morgen brachte man einen Korb mit Brot, je nach Anzahl der Häftlinge in Scheiben geschnitten, zu je 150 Gramm, und Ersatzkaffee in die Zelle. Mittags gab es eine dünne Suppe, abends auch. Die lange Zeit in diesem Gefängnis verbrachte ich in verschiedenen Zellen, aber alle glichen einander wie zwei Wassertropfen. Der Zellenchef war in der Regel ein deutscher Krimineller. Er sprach nie mit den Gefangenen. Seine Zunge wurde durch einen Gummiknüppel ersetzt, den er immer unter der linken Achselhöhle hielt. Doch die Häftlinge selbst hinderten ihn daran, von seinem Recht Gebrauch zu machen, ihn zu missbrauchen. Ich war einmal selbst Zeuge eines derartigen Vorfalls. Der Zellenchef wandte sich an einen Jugoslawen, nachdem er ihm zuvor mit dem Knüppel in die Seite gestoßen hatte. Der Jugoslawe überlegte nicht lange, riss dem Aufseher seine „furchtbare“ Waffe aus der Hand und warf sie in eine Ecke der Zelle. Dem Zellenchef blieb nichts anderes übrig, als kleinlaut in die Ecke zu gehen, um seinen Schlagstock zu suchen.

    In diesem Gefängnis, in Zellen wie der unseren, saßen Menschen verschiedener Nationalitäten: aus der Sowjetunion, aus Polen, Jugoslawien, in geringerer Zahl Deutsche und Franzosen, meist Mitglieder der antifaschistischen Bewegung. Ohne Sprachkenntnisse war es sehr schwierig, sich zu verständigen, aber wir wollten uns unterhalten, und so wurde Deutsch die internationale Sprache in unserer Zelle, denn jeder kannte zwei oder drei Dutzend deutsche Wörter. Ein Hofgang wurde uns nie gewährt, wahrscheinlich weil das Gefängnis überfüllt war. Aber jede Woche wurden wir einer sanitären Behandlung unterzogen. Während sie uns zur Dusche brachten, wurden unsere Kleider in eine Gaskammer gesteckt, wonach sie bis zum Brechreiz stanken. Die Wände und Böden der Zelle wurden mit einer Art Lösung zum Ersticken behandelt, die mir Kopf- und Lungenschmerzen bereitete.

    Von Zeit zu Zeit wurden die Häftlinge zu Verhören gerufen, nach denen sie entweder so zerschlagen zurückkehrten, dass sie nicht mehr allein zu den Holzkojen gehen konnten, oder sie kehrten überhaupt nicht mehr zurück. Wohin diese Menschen gebracht wurden, ob zur Erschießung oder in ein Konzentrationslager, wussten wir nicht. Wir hatten so viel über Konzentrationslager gehört, dass es schwer zu sagen war, wovor wir mehr Angst hatten, vor dem Konzentrationslager oder der Erschießung. Aus den Erzählungen der Gefangenen wussten wir, dass es keinen Ausweg aus diesem Gefängnis gab. Aber sie hielten einen auch nicht lange hier fest. Deshalb wartete jeder von uns darauf, dass sein Schicksal von Tag zu Tag entschieden wurde.

    Aber nichts geschah. Einige Gefangene wurden weggebracht, andere, meist Bürger der Sowjetunion, die in Deutschland oder in den okkupierten Gebieten verhaftet worden waren, wurden hierhergebracht. Die Menschen erzählten wenig über sich selbst. Meistens erinnerten sie sich an die Vorkriegszeit.

    Ich hatte noch nie so viel freie Zeit. Ich dachte ständig an die Zeit vor und während des Krieges. Manchmal erschien mir mein Leben sinnlos, ein einziger Fehler. Obwohl, wenn ich es analysierte, bereute ich dennoch nichts: Ich hatte niemanden verletzt, niemandem etwas zuleide getan. Möglicherweise habe ich nichts Herausragendes oder Heldenhaftes getan, aber ich war mir sicher, dass ich es zweifellos getan hätte, wenn die Umstände es erfordert hätten. Sehr oft habe ich auch über die Momente gegrübelt, in denen ich es für möglich hielt, eine Flucht aus Deutschland zu riskieren. Obwohl die Erfahrung derjenigen, die mit mir in derselben Zelle saßen, zeigte, dass eine solche Flucht zum Scheitern verurteilt war. Denn jedes beliebige deutsche Kind konnte einen verraten und sofort losrennen, um den Erwachsenen zu berichten, was es gesehen hatte. Ich dachte auch an meine Familie. Daran, dass meine Frau und meine drei Kinder irgendwo im fernen Grosny lebten. Ich war sicher, dass sie in Sicherheit waren, denn ich wusste, dass die Deutschen die Stadt nicht eingenommen hatten. Es tat mir leid, dass sie nie erfahren würden, was mit ihrem Vater geschehen war. Manchmal dachte ich, dass es so vielleicht am besten war. Immerhin würden sie denken, dass ihr Vater einen tapferen Tod gestorben ist, indem er mehr als ein Dutzend deutsche Invasoren getötet hat.

    Immer häufiger waren die Sirenen für Fliegeralarm zu hören. Es wurde bekannt, dass es sich um britische Aufklärungsflugzeuge handelte. Einer der Neuankömmlinge erzählte uns, dass unzählige Flugzeugstaffeln vier Nächte hintereinander Hamburg bombardiert hätten. Er erzählte uns auch, dass andere Industriestädte im Westen Deutschlands ebenfalls angegriffen worden waren. Alle rechneten damit, dass früher oder später auch Berlin an der Reihe sein würde.

    Nach einiger Zeit begannen regelmäßige Angriffe. Meistens nachts. Wenn es elf Uhr wurde, ertönte der Fliegeralarm. Gefolgt vom Feuer der Flugabwehrkanonen und den Explosionen der von den Flugzeugen abgeworfenen Bomben. Und so ging es jeden Tag: Ein Geschwader zog vorbei, warf seine tödliche Ladung ab und dann war es wieder still. Die Bomben fielen mal weiter mal näher zum Zentrum. Es gab Optimisten, die behaupteten, die Amerikaner wüssten, wo sich das Gefängnis im Polizeipräsidium befand und sie würden uns nicht bombardieren. Die Gefängniswärter begaben sich bei Alarm in den Luftschutzkeller, und die Gefangenen blieben auf allen Etagen in ihren Zellen eingeschlossen.

    Es kam das Gerücht auf, die Briten und Amerikaner hätten in Nordfrankreich eine zweite Front eröffnet. Die Flugzeuge wurden wahrscheinlich auch dort gebraucht, so dass die Angriffe auf Berlin recht selten wurden.

    Eines Tages brachten sie einen Panzertechniker in unsere Zelle. Ein Russe. Er erzählte uns, dass er mit seiner Frau zusammen verschleppt wurde. Sie wurde in demselben Gefängnis als Geisel gehalten. Man habe ihm einen Job in einer Panzerfabrik angeboten und wenn er ablehne, würden er und seine Frau erschossen werden.

    -–„Wollen Sie nicht für sie arbeiten?“ fragte ich.

    – Nein, natürlich nicht.

    – Und gegen sie kämpfen?

    – Und wie?

    – Es ist schwierig für mich, Ihnen etwas zu sagen, solange Sie hinter Gittern sind. Aber unter anderen Bedingungen ist ein Kampf möglich. – Ein paar Tage später wurde er vorgeladen und kam nicht mehr zurück.

    Die dicken Gitterstäbe an den Fenstern hinderten die Luft nicht daran, in die Zelle zu gelangen. Es war sogar möglich, das Fenster zu öffnen. Eines Nachts hörten wir am Fenster, wie eine Frau aus dem Gebäude gegenüber ein russisches Lied wunderschön und wohlklingend sang. Irgendwo heulten Luftschutzsirenen, Bomben explodierten, doch sie sang weiter: „Mein Land, mein Moskau, du bist mein Liebstes“. Sie sang verschiedene, allen Russen bekannte Lieder, bis die Sirenen Entwarnung gaben. Fast alle Insassen unseres Gefängnisses hörten sie. Vier Nächte hintereinander hörten wir ihre Stimme. Und dann sang sie nicht mehr. Wir vermissten sie furchtbar. Selbst in den kältesten Nächten öffneten wir das Fenster in der Hoffnung, ihre Stimme zu hören.

    Die Wachen, die ständig auf dem Korridor waren, wechselten nach ihren Schichten. Eines Tages erschien ein neuer Wärter, ein alter Mann in den Sechzigern. Wenn er die Zelle für diejenigen öffnete, die uns Kaffee oder Brei brachten, schaffte er es, unserem Zellenchef einige Neuigkeiten zuzuflüstern. Von da an waren wir relativ gut über die Lage an der Front informiert und erfuhren von den Ergebnissen der letzten Angriffe auf Berlin.

    Eines Tages erschien ein Mann in Zivil an der Tür unserer Zelle und rief laut: „Nikolaus!“

    Hier!  antwortete ich und ging auf ihn zu. Also war ich nun an der Reihe. Mein Herz krampfte sich zusammen. Noch nie war jemand nicht traumatisiert von einem Verhör zurückgekehrt, moralisch und physisch. Im Handumdrehen hatte mir der Mann in Zivilkleidung Handschellen angelegt. Das war neu. Aus unserer Zelle war noch nie jemand mit solchen Vorsichtsmaßnahmen zum Verhör abgeführt worden. Wir gingen die Treppe hinunter und überquerten den Innenhof. Dann das Büro des Vernehmungsbeamten. Er merkte schnell, dass man ihm versehentlich einen anderen gebracht hatte. Ich wurde in meine Zelle zurückgebracht. Es folgte ein neuer Aufruf: „Mario Nikolaus!!!“

    Ohne ein Wort zu sagen, ging ein großer junger Mann, den wir für einen Franzosen hielten, auf den Ausgang zu. Es wiederholte sich das Anlegen der Handschellen. Der Franzose verabschiedete sich mit einer Geste von uns, und sie gingen. Er kam nicht mehr zu uns zurück. Wer war dieser Nikolaus, der deutsch, französisch, spanisch, englisch und italienisch sprach und mit dem wir eine gemeinsame Sprache fanden, obwohl ich keine dieser Sprachen beherrschte? Später hieß es, er war ein Spanier, der Verbindungen zum deutschen Untergrund hatte. Aber das war später…

    Kurz bevor uns wieder irgendein Gebräu gebracht werden sollte, öffnete sich die Tür und ein Mann wurde mit großer Kraft hineingestoßen. Er stand wieder auf, rannte zur Tür und begann zu fluchen. Doch die Tür wurde vor ihm zugeknallt. Der Zellenchef kam auf ihn zu, packte ihn am Kragen und führte ihn zu einer freien Koje. 

    Plötzlich stürzte mein Kojengenosse, ein Arbeiter aus Charkow, zu mir und flüsterte: „Sie haben einen Provokateur eingeschleust. Ich kenne ihn. Und er kennt mich. Seinetwegen haben viele Menschen gelitten.“ Wir informierten alle in unserer Zelle, auch den Zellenchef. Während des Abendessens kam dieser zu mir und sagte mir, ich solle auch für meinen Nachbarn etwas zu essen holen. In der Zwischenzeit machte der eingeschleuste Provokateur aktiv Bekanntschaft mit einigen Häftlingen und verhielt sich so, als sei sein Aufenthalt in der Zelle für ihn eine ganz normale Sache. Alle schauten sich an und flüsterten miteinander. Die Jugoslawen hatten bereits begonnen, den Zellenchef zu „bearbeiten“. Eine Stunde nach dem Abendessen stand mein Nachbar von der Koje auf und trat ganz nah an den Provokateur heran: „Meine Hochachtung an Kalenom! Dort sind wir uns begegnet, du Widerling!“

    Zuerst sprang er überrascht zurück, dann warf er sich mit aller Kraft gegen die Zellentür. Aber die Jungs waren schon zur Stelle. Sie warfen ihn zu Boden, zerrten ihn in eine entfernte Ecke, und nach einer Weile war er tot. Sie nahmen ihm den Gürtel ab und hängten den „Selbstmörder “ daran auf.

    Diese Nacht war besonders hart. Nach dem Fliegeralarm rollte eine Welle von Flugzeugen nach der anderen über Berlin und den Alexanderplatz. Schon nach wenigen Minuten verstummte die niedergehaltene Flugabwehrartillerie. Die Bomben explodierten erst irgendwo in der Ferne, dann immer näher und näher. Alle lauschten in unglaublicher Spannung dem immer lauter werdenden Heulen. Von Zeit zu Zeit erschütterte ein furchtbares Grollen das ganze Gefängnis. Der an den Gittern des Fensters aufgehängte „Selbstmörder“ schien sich zu bewegen. Gegen Ende der Nacht hörte dieser Totentanz endlich auf. Der Zellenchef rief einen Wärter und zu zweit schleppten sie den Körper des „Selbstmörders“ auf den Korridor hinaus.

    Wenig später erfuhren wir, dass während des nächtlichen Bombardements drei Bomben in einem der Gefängnisgebäude eingeschlagen waren. Es gab viele Tote und Verwundete. Nach einiger Zeit öffnete sich die Tür unserer Zelle und vierzig Häftlinge, die den Bombenangriff überlebt hatten, wurden hereingebracht. Am Ende des Tages wurden sie auf dem Hof in Autos mit geschlossener Ladefläche verladen und irgendwohin gefahren. Gegen Ende der nächsten Nacht, in den frühen Morgenstunden, wurden wir erneut durch Fliegeralarm geweckt. Es gab jedoch keine Bombardierung. Nur einzelne Flugzeuge kreisten hoch am Berliner Himmel. Berlin ging in Rauch und Flammen unter.

    Mein Nachbar, der Arbeiter aus Charkow, fragte mich, was ich von dem „Selbstmord“ des Provokateurs halte. Ich antwortete, dass ich unter den gegebenen Umständen keine andere Möglichkeit sah. Aber an diese Geschichte sollte man sich erinnern. Denn am Ende des Krieges werden die „Heldentaten“ dieses Provokateurs wahrscheinlich bekannt werden. Und wenn es jemandem von uns gelingt, zu überleben … Mein Nachbar dachte darüber nach und sagte: „Ich glaube nicht, dass irgendjemand von uns überleben wird. Wir werden unter den Trümmern dieses Gefängnisses sterben. Bald wird ganz Berlin in Trümmern liegen.“ Er sollte Recht behalten. Mit angehaltenem Atem warteten wir, was uns die neue Nacht bringen würde.

    Um 23.00 Uhr heulte die Sirene erneut, gefolgt von den Schüssen der Flugabwehrkanonen, gefolgt von dem Heulen der Flugzeuge und den Explosionen der abgeworfenen Bomben. Anhand der Geräusche konnten wir die Flugrouten der Geschwader bestimmen. Während der Bombardierung zogen sich alle Einwohner Berlins für die Nacht in die Keller und Bunker zurück. Nur die Gefangenen des Zentralgefängnisses blieben in ihren Zellen und warteten auf ihr Schicksal. Wir hofften, dass die britischen Piloten unseren Standort kannten, aber wahrscheinlich wussten sie, dass sich zwei Blocks von uns entfernt die wichtigsten Einrichtungen der Gestapo befanden. Wir wollten über nichts nachdenken oder reden, denn jeder lebte mit den Eindrücken der vergangenen Nacht und wartete auf die der neuen. Das infernalische Heulen und Pfeifen der herannahenden Bomben machte die Menschen wahnsinnig. Das Gefängnisgebäude bebte, als hätte es kein Fundament mehr. Die Schwächeren warfen sich gegen die Fenstergitter und begannen verzweifelt zu schreien. Nach der Entwarnung hörte man Weinen.

    Nach einer dieser Nächte wurden zwei Personen aus unserer Zelle abgeholt, weil sie offensichtlich den Verstand verloren hatten. Viele wollten sogar, dass man sie zum Verhör vorlud, um eine Hinrichtung an Ort und Stelle zu provozieren, nur um diese nächtliche Folter zu vermeiden.

    Am Ende des Winters 1943/44 wurde Berlin mehrere Nächte lang nicht bombardiert, obwohl dennoch einzelne Flugzeuge auftauchten. Nach dieser kurzen Pause begannen die Bombardierungen allerdings wieder zuzunehmen. Die Flugzeuge zogen Welle um Welle über den südlichen Teil der Stadt und verwandelten alles auf ihrem Weg in Trümmerhaufen. Jetzt waren wir an der Reihe. Die Explosionen erschütterten das Nachbargebäude unseres Gefängnisses, und die Schreie der Eingeschlossenen erfüllten das Viertel. Nach einer Weile wurde auch unsere Zelle durch Explosionen erschüttert. Die Nachbarzelle wurde völlig zerstört, und in unserer Zelle brach die angrenzende Wand heraus. Dann versuchten wir, die Zellentür mit Hilfe der schweren Kojen aufzubrechen. Sie hielt den starken Schlägen nicht stand und brach in sich zusammen. Alle Häftlinge stürmten nach unten. Zu dieser Zeit wurde der Fliegeralarm aufgehoben. Die Häftlinge aus den verschiedenen Zellen drängten sich im Innenhof des Gefängnisses. Zwei Maschinengewehrschützen standen neben dem Metalltor. Zu ihren Füßen lagen bereits mehrere Leichen von Häftlingen, die versucht hatten, die Gefängnistore zu stürmen. Wir konnten das Stöhnen der Verwundeten unter den Trümmern des Gefängnisgebäudes hören. Als der Morgen anbrach, kamen geschlossene Lastwagen, in die alle Gefangenen wahllos hineingeschoben wurden. Wir wurden irgendwohin außerhalb der Stadt gebracht. In einem Wald wurden wir ausgeladen und in ein kasernenartiges Gebäude gebracht. Ich fand mich in einer sehr großen Zelle ohne Kojen wieder. Nur der Boden war mit Stroh ausgelegt. Alle, die aus unserem Gefängnis in diese Zelle gekommen waren, warfen sich auf das schmutzige Stroh, in der Hoffnung, trotz des Hungers, der uns alle quälte, einschlafen zu können.

    In einem Lager außerhalb von Berlin

    Endlich wurden die Nächte ruhig. Nur manchmal erreichten uns entfernte Bombenexplosionen. Wir waren sicher, dass uns hier im Wald, weit weg von Berlin, niemand bombardieren würde. Es kam uns sogar so vor, als hätten uns die Nazis vor dem drohenden Tod unter den Trümmern der Stadt gerettet.

    Der Abtransport der Häftlinge nach der Bombardierung erfolgte so spontan, dass es für die Gestapo praktisch unmöglich war, festzustellen, wer wer war. Später wurde man sich dessen bewusst und begann, die Namen aller Häftlinge aufzuschreiben und zu vermerken, wer in welcher Zelle saß. Das gab einigen die Möglichkeit, nach denjenigen benannt zu werden, die unter den Trümmern des Berliner Gefängnisses starben und deren „Schuld“ vor Hitlers Regime weniger bedeutsam war. Ich lernte neue und interessante Menschen kennen. Näher standen mir diejenigen, die auch unter diesen Bedingungen ihre Geistesgegenwart nicht verloren haben. Aber natürlich erzählte niemand ausführlich von sich. Es war nicht üblich, zu fragen und zu antworten, weswegen man im Gefängnis war, wer man war, ob man Kommunist war. Obwohl ich immer viele Gesprächspartner hatte und es viel zu reden gab, über die Unausweichlichkeit unseres Todes sprach niemand. Ganz im Gegenteil. Wir wollten glauben, dass das deutsche Volk zusammen mit den alliierten Truppen die Kraft finden würde, Hitlers Regime zu stürzen, und dann würden sich die Gefängnistüren öffnen. Aber wir kannten das Innenleben Deutschlands zu gut, um ernsthaft darauf zu hoffen.

    Ich erinnere mich gut an einen Mann in den Vierzigern. Dünn, blondes Haar. Wir nannten ihn Dmitri Iwanowitsch. Irgendwie wurde er plötzlich die Seele aller Häftlinge. Auf seinem Gesicht lag immer ein Lächeln. Wenn er uns etwas erzählte, hörten ihm alle Häftlinge wie gebannt zu. Er erzählte von Dingen, die nichts mit der schrecklichen Realität zu tun hatten, als ob es keinen Krieg gäbe und seine Heimat irgendwo außerhalb der Erde läge. Alle hörten seinen Geschichten und Erzählungen mit großem Interesse zu. Er erzählte von Mut und Geistesstärke und wiederholte immer wieder, dass die Lebenden über das Leben nachdenken sollten. Nach seinen Erzählungen verspürten alle noch stärker den Wunsch zu leben. Seine Märchen wurden nicht immer zu Ende erzählt; man spürte die Phantasie des Erzählers und seine außerordentliche Gelehrsamkeit. Er war etwa sechs Tage lang in der Zelle. Keiner wusste, wer er war und woher er kam. Alle Fragen beantwortete er mit einem Witz oder einer Geschichte. Eines Tages öffnete sich die Tür und ein SS-Offizier kam mit einem Wachmann, um ihn zu holen. Abrupt wandte er sich an die Gefangenen und sagte: „Lebt wohl, Kameraden! Erinnert Euch an einen russischen Menschen.“ Und selbst in diesem Moment lächelte er. Der Wachmann ließ ihn nichts mehr sagen. Wie ein Raubtier stürzte er sich auf seine Beute. Der Gefangene stürzte und erhielt einen schweren Schlag mit dem Stiefel in die Seite.

    Der Offizier wartete, während er sich langsam im Korridor erhob und sich mit der linken Hand krampfhaft an der Wand festhielt. Seine rechte Hand zitterte. Der Wachmann, der aus seiner Starre erwachte, schlug dem der Tür am nächsten stehenden Gefangenen mit dem Gummiknüppel ins Gesicht und knallte die Zellentür krachend zu. Die Stimme dieses „russischen Mannes“ hallte noch lange in den Seelen der Häftlinge nach.

    Ich erinnere mich an eine seiner Erzählungen. Ich hatte sie weder vorher noch nachher irgendwo gehört.

    Es war einmal ein Leibeigener namens Miron. Und er hatte einen Sohn Makar. Makar liebte Dunka, ein Mädchen vom Hof. Makar sagte zu seinem Vater Miron: “ Verheirate mich, Vater, mit Dunka.“ „Warte, mein Sohn“, antwortete Miron. Es liegt nicht in meiner Macht. Mit wem der Herr Dunka verheiraten will, dem wird er sie zur Frau geben. Welche Frau er mit dir verheiraten will, diese Frau wird er Dir geben. Warte, bis wir uns vom Herrn freigekauft haben, dann wirst du heiraten.“

    Und so bat Miron den Herrn um das Lösegeld. Der war einverstanden und setzte den Preis auf 200 Rubel fest. 

    Aber Miron hatte nur 100 Rubel. Der Herr sagte: „Gib mir jetzt 100 Rubel, und in einem Jahr gibst du mir die restlichen 100. Aber wenn du sie in einem Jahr nicht gibst, wirst Du weder frei sein noch diese 100 Rubel haben.“ 

    Miron war einverstanden und sprach zu Makar: „In einem Jahr werden wir frei sein. Wir werden die 100 Rubel irgendwie abarbeiten, wir werden nicht das Pferd, nicht die Kuh und nicht das Haus verkaufen, aber wir werden frei sein.“ 

    Das Jahr ging bald zu Ende, und Miron konnte das Geld nicht verdienen. Und dann stahlen Diebe das Pferd vom Hof, die Kuh verendete, und zum Schluss brannte das Haus ab. Böse Zungen sagten, das sei alles die Tat des Herrn. Aber niemand hat es gesehen. Und damit Miron nicht länger an die Freiheit dachte, gab er Makar für 25 Jahre zu den Soldaten. So starb Makars Hoffnung, Dunka zu heiraten.

    Makar diente Väterchen Zar treu. Er diente ein Jahr um das andere. Und im dritten Jahr war es, dass sie eine kostbare Ikone der Gottesmutter von Kasan nach Kiew transportierten. Und Makar wurde mit der Bewachung dieser Ikone betraut. Einmal saß Makar nachts in einem Dorf in einer Hütte und bewachte die Ikone, ohne zu schlafen, und als er die Ikone ansah, dachte er: „Hier stehst du auf dem Tisch, Mutter Gottes. Du trägst viele kostbare Steine. Und nur einer Deiner Steine ist genug für mich, um meine Freiheit zu bekommen und Dunka zu heiraten.“

    Am Morgen kommt der Natschalnik der Wache in die Hütte und sieht: Auf dem Tisch steht eine Ikone mit zerbrochenem Glas, und Makar kniet vor ihr und betet. Und als er sein Gebet beendet hat, sagt er: „Letzte Nacht ist ein Wunder geschehen, Euer Ehrwürden. Ich sitze hier, betrachte die Ikone und denke bitterlich, dass sie mich für 25 Jahre zu den Soldaten gegeben haben, und jetzt werde ich meine Dunka nie wieder sehen, weil ich kein Geld habe, um mich beim Herrn freizukaufen. Gerade als ich dies dachte, sah ich, wie die Mutter Gottes zum Leben erwachte, das Glas zerbrach und mir einen ihrer Edelsteine reichte. Hier ist er, Euer Ehren. Nehmt ihn.“

    Der Aufseher bekam Angst und begann Makar zu foltern. „Du lügst. Du hast das Glas selbst zerbrochen, und jetzt erfindest Du ein Wunder.“ Aber Makar bekreuzigt sich und sagt immer wieder: Es ist ein Wunder geschehen, mehr nicht.

    Was tun? Es musste dem Generalgouverneur Bericht erstattet werden. Der brachte einen Priester mit. 

    Und wieder wurde Makar verhört: „Gestehe, Sklave Gottes!“ 

    Und egal, wie sehr sie auch auf ihn einredeten, Makar beharrte auf seinen Worten.

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