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22.05.2025

Schock für Klingbeil? – USA wollen russische Militäroperation nicht als "illegal" bezeichnen

freedert.online, 22 Mai 2025 18:13 Uhr

Die USA sollen sich laut einem Medienbericht dagegen ausgesprochen haben, die russische Militäroperation in der Ukraine in einer gemeinsamen Erklärung der G7-Finanzminister als "illegal" zu bezeichnen. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil hatte sich im Vorfeld des Treffens noch optimistisch gezeigt, das dort ein "glasklares Signale" für die weitere Unterstützung Kiews gesetzt werde.


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Quelle: Gettyimages.ru © Kay Nietfeld/picture alliance via Getty Images



 

Finanzminister Lars Klingbeil zeigt mit dem Finger auf seinen US-amerikanischen Amtskollegen Scott Bessent während des Treffens der G7-Finanzminister in Banff (Kanada, 22. Mai2025)


Laut Medienberichten haben sich die USA beim Treffen der Finanzminister der G7-Staaten gegen Formulierungen in einer gemeinsamen Erklärung ausgesprochen, die die Staaten-Gruppe zu einer weiteren Unterstützung der Ukraine verpflichten würden.


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Wie der Politico-Journalist Gregorio Sorgi unter Berufung auf zwei an den Verhandlungen beteiligten Quellen berichtet, hat Washington Einwände gegen die Aufnahme stärkerer Hilfszusagen für Kiew in den Entwurf des Kommuniqués erhoben. 

Die US-Vertreter sollen sich demnach auch dagegen sträuben, Russlands Militäroperation in der Ukraine in der Endfassung des Textes als "illegal" zu bezeichnen.

Das Treffen der Finanzminister und Zentralbankchefs der G7-Staaten im kanadischen Banff, das noch den ganzen Donnerstag andauert, erfolgt inmitten wachsender Meinungsverschiedenheiten über die Ukraine und der weltweiten Auswirkungen der von der US-Regierung verhängten Handelszölle.

An dem Treffen nehmen Vertreter aus Kanada, Frankreich, Deutschland, Italien, Japan, Großbritannien und den USA teil. Auch der ukrainische Finanzminister Serhii Marchenko ist zugegen. 

Für Lars Klingbeil ist es das erste internationale Treffen seit seiner Amtsübernahme als Bundesfinanzminister. Im Vorfeld des Treffens hatte der SPD-Politiker gesagt, dass in Kanada das "glasklare Signal" gesetzt werden müsse, dass die G7 weiter fest an der Seite der Ukraine stehen.


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"Die notwendige weitere Unterstützung für die Ukraine wird daher ein zentrales Thema sein – auch im Gespräch mit dem ukrainischen Finanzminister, mit dem ich hierüber bereits am Tag meines Amtsantritts beraten habe", erklärte Klingbeil. 

Er zeigte sich mit Blick auf die USA und die Ukraine-Hilfe optimistisch: Zwar gebe es immer wieder Äußerungen aus Washington, die auch in Kiew das Fragezeichen größer werden ließen, wie groß die Unterstützung denn noch sei. "Aber am Ende hat es immer funktioniert, dass die USA an der Seite der Ukraine standen", so der deutsche Finanzminister.

Doch die Hoffnungen von Klingbeil und den Europäern dürften nun enttäuscht worden sein, falls der Bericht von Politico zutrifft. Wirklichen Anlass für Optimismus gab es ohnehin nicht, nachdem US-Präsident Donald Trump im Anschluss an das Telefonat mit seinem russischen Amtskollegen Waldimir Putin am Montag erklärt hatte, dass er keine weiteren Sanktionen gegen Russland verhängen wolle, "weil es eine Chance" auf Fortschritte bei der Beilegung des Ukraine-Konflikts gebe".

Brüssel hatte dagegen am Dienstag sein 17. Sanktionspaket verhängt, das sich erstmals auch gegen EU-Bürger richtet, darunter zwei deutsche Journalisten. Zudem hatte Trump erklärt, dass Russland und die Ukraine die Friedensverhandlungen unter sich ausmachen müssen. 

Deutschlands Außenminister Johann Wadephul hatte nach dem Telefonat von Trump und Putin, in dessen Anschluss der US-Präsident europäische Regierungschefs, darunter Kanzler Friedrich Merz, über den Inhalt des Gesprächs informierte, noch behauptet, die USA würden sich an der Verschärfung der Sanktionen beteiligen. 


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Die Bild-Zeitung sprach am Mittwoch von einem "Rückschlag" für Merz. Der Bundeskanzler "schien sich darauf verlassen zu haben, dass Trump hinter dem Plan stand, als er Russland ein Ultimatum stellte und mit Sanktionen drohte. Nun aber stehen Merz und andere europäische Regierungschefs doch ohne den amerikanischen Präsidenten da." Mit seiner "brutalen Russland-Wende" habe Trump den CDU-Chef "geschockt", so das Springer-Blatt.

Sollte es zutreffen, dass Washington verhindert hat, dass die russische Militäroperation in der Ukraine in der G7-Erklärung als "illegal" bezeichnet wird, dürfte Klingbeil wohl angesichts seines zuvor bekundeten Optimismus ebenso geschockt von seinem ersten Auftritt auf internationaler Bühne zurückkehren.


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unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

22.05.2025

Schlagzeile




22.05.2025 Jürg Altwegg im Weltwoche-Interview mit Emmanuel Todd - übernommen von weltwoche.ch

22. Mai 2025

Emmanuel Todd: «Russland hat den Krieg gewonnen»

«Russophobie ist eine Krankheit unserer Gesellschaften, wie der Antisemitismus.»


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Emmanuel Todd, französischer Anthropologe, Demograf und Historiker.

Emmanuel Todd hat mit Statistiken den Untergang der Sowjetunion vorhergesagt. Jetzt sieht der französische Demograf und Historiker das Ende des Westens kommen. Die Ukraine sei verloren, und die Amerikaner hätten schlechte Karten gegen China. Die grösste Gefahr für Europa gehe von einem hochgerüsteten Deutschland aus.

"Die Aufrüstung und Militarisierung Deutschlands in einem von ihm beherrschten Europa ist für Russland eine Bedrohung. In diesem Fall sieht die russische Doktrin den Einsatz taktischer Atomwaffen vor. Dann haben wir die Wiederholung des Zweiten Weltkriegs".

Als es in Europa um die Einführung des Euro ging, war der Demograf und Historiker Emmanuel Todd für deutsche Medien ein begehrter Interviewpartner. Er kritisierte den Vertrag von Maastricht, die zunehmende Bürokratisierung und Zentralisierung der EU, die Bevormundung der Völker und die gemeinsame Währung, die den Deutschen als Preis für die Wiedervereinigung abverlangt und von Kanzler Helmut Kohl durchgesetzt wurde. Todd erkannte, dass die deutsche Exportwirtschaft am meisten von der neuen Währung profitieren würde und weniger liberale Länder wie Frankreich viel zu verlieren hätten. Als er für einen europäischen Protektionismus plädierte, bröckelte die deutsche Liebe zu Todd. Nach dem Attentat auf die Twin Towers am 11. September 2001 sprach Osama bin Laden, der Drahtzieher des Terrorakts, in einem Video von einem französischen Intellektuellen, der den Zerfall der Sowjetunion vorausgesehen hatte und jetzt das Ende des amerikanischen Imperiums prophezeie. Gemeint war Emmanuel Todd, der kurz zuvor seinen internationalen Bestseller «Weltmacht USA: Ein Nachruf» veröffentlicht hatte.

«Russophobie ist eine Krankheit unserer Gesellschaften, wie der Antisemitismus.»

Zum Ukraine-Konflikt interviewten wir ihn erstmals Anfang 2023 («In diesem Krieg geht es um Deutschland»). Im Jahr darauf publizierte Todd ein Buch, das in zahlreiche Sprachen übersetzt wurde, auch ins Deutsche («Der Westen im Niedergang   – Ökonomie, Kultur und Religion im freien Fall»). Die grösste japanische Zeitung widmete dem französischen Bestsellerautor eine Titelseite, die proeuropäische Repubblica die Titelgeschichte einer Wochenendbeilage. Zur Buchpremiere in Deutschland reiste Emmanuel Todd nach Frankfurt. Rezensionen? Fehlanzeige: «In Deutschland werde ich totgeschwiegen. Kein einziger Journalist der wichtigsten Zeitungen hat mit mir gesprochen. Eine Bleidecke erdrückt das Land. Nach meiner Rückkehr aus Frankfurt wurde ich krank, Deutschland macht mir Angst.» Nach der Regierungserklärung von Friedrich Merz am 14. Mai 2025 kommt auch die historische Angst vor Deutschland wieder hoch.

Weltwoche: Monsieur Todd, vor ein paar Tagen sind Sie aus Moskau zurückgekommen. Was haben Sie in Russland gesehen?

Emmanuel Todd: Ich misstraue schnellen Einschätzungen, ich bin kein Journalist. Mein Vater war es. Ich wurde Wissenschaftler, weil ich gesehen hatte, wie er die ganze Welt bereiste, tolle Reportagen schrieb und Interviews machte. Aber von allem, was er sah, hatte er rein gar nichts begriffen.

Weltwoche: Das stimmt nicht. Ihr Vater Olivier Todd war ein grossartiger und mutiger Journalist. Als Zeitungen wie Le Monde und die Libération in den Jahren des maoistischen Deliriums den Genozid der Roten Khmer ignorierten, hat er die Wahrheit geschrieben. Und dafür einen hohen Preis bezahlt.

Todd: Von den geopolitischen Zusammenhängen hatte er keine Ahnung. Ich misstraue auch meiner eigenen Wahrnehmung. Meine Methode beruht auf Fakten. Mit den Statistiken der Kindersterblichkeit hatte ich den Zusammenbruch der Sowjetunion vorausgesehen, ohne diese je besucht zu haben. In Frankreich, muss ich feststellen, nimmt die Kindersterblichkeit zu. In Russland geht sie zurück und ist tiefer als in Amerika. Aufgrund dieser Beobachtung bin ich der Überzeugung, dass sich Russland seit Putin auf dem Weg der Normalisierung befindet. Trotz seines politischen Systems, das eine autoritäre Demokratie ist. Es war mein erster Besuch in Russland seit 1993.

Weltwoche: Aus welchem Anlass sind Sie nach Moskau gereist?

Todd: Eine Einladung, vier Tage. Ich verkehrte in akademischen Kreisen und hielt einen Vortrag. Oppositionelle traf ich keine. Was ich erlebte, war ein Normalitätsschock: Alles war viel normaler, als ich es mir vorgestellt hatte. Die Menschen starren auf ihre Handys, sie konsumieren und bezahlen mit Kreditkarten, sie benutzen E-Trottinetts wie in Paris. Der grosse Unterschied war, dass alle Rolltreppen und Aufzüge funktionierten. Man kann normal mit den Leuten reden.

Weltwoche: Was haben Sie Ihren Zuhörern erzählt?

Todd: Ich stellte mein neues Buch vor und erläuterte, dass ich schnell begriffen hatte, dass Russland mit Putin das Chaos der Neunziger überwinden würde. Ich sagte, dass sich die Vereinigten Staaten in einem Abgrund ohne Boden befänden. Als Gründe nannte ich die familiären Strukturen, die Kindersterblichkeit, die Zerstörung der religiösen Strukturen. Ich wurde von einer Zeitschrift des Aussenministeriums und vom Fernsehen interviewt.

Weltwoche: Zu Hause wird man Sie als nützlichen Idioten Putins hinstellen.

Todd: Das ist mir gleichgültig. Ich sagte den Zuhörern auch, dass ich in keiner Weise zu den Intellektuellen gehöre, die für Russland und Putin eine reaktionäre ideologische Sympathie empfinden. Ich bin ein Linksliberaler. Meine positive Grundeinstellung gegenüber Russland ist Ausdruck meiner Dankbarkeit für den Sieg im Zweiten Weltkrieg. Russland hat uns vom Nationalsozialismus befreit. Die ersten historischen Bücher, die ich als Sechzehnjähriger las, handelten vom Krieg der Russen   – Stalingrad und so weiter. Im Fernsehen sprach ich auch über die Russenfeindlichkeit, die Russophobie des Westens. Ich halte sie für eine Krankheit unserer Gesellschaften, wie den Antisemitismus. Mit den Zuständen, die ich in Russland vorfand, kann man sie nicht rechtfertigen. Zu dieser Einsicht gelangte ich tatsächlich vor Ort.

Weltwoche: Zuvor waren Sie in Ungarn.

Todd: Ebenfalls für einen Vortrag. Zwei Stunden lang konnte ich mich mit Viktor Orbán austauschen. Ungarn ist für mich konkret, ich besuchte das Land, als ich 25 war. In Ungarn wurde ich zum Antikommunisten, weil ich am Bahnhof von Menschen Abschied nehmen musste, von denen ich nicht wusste, ob ich sie je wiedersehen würde. Aus dem kommunistischen Ungarn kehrte ich damals in die Freiheit und Normalität zurück. Jetzt war es umgekehrt: nach der russischen Normalität die westliche Irrationalität. Auch die Rückkehr war ein Schock. Als ich im Auto von Paris in die Bretagne fuhr, wo ich mich ein paar Tage erholte, hörte ich auf France Culture eine Sendung aus Moskau. Es wurde berichtet, dass in jedem Bahnhof der Metro Jugendliche gejagt würden, die man an die Front in der Ukraine schicke. Im Fernsehen sah ich Keir Starmer, Friedrich Merz und Emmanuel Macron in Kiew und bekam endgültig den Eindruck, dass der Westen jeglichen Realitätsbezug verloren hat.

Weltwoche: Welche Rolle spielt der Krieg im Prozess der russischen Normalisierung?

Todd: Der Westen hat den Krieg verloren, in Moskau ist von ihm nichts zu spüren. Die Sanktionen haben Russland zu Massnahmen gezwungen, die Putin ohne Krieg nicht hätte durchsetzen können. Seit den neunziger Jahren haben die Russen eine grosse Fähigkeit der Anpassung entwickelt und den Handel mit anderen Ländern ausgebaut.

Weltwoche: Habe ich Sie richtig verstanden: Russland hat den Krieg gewonnen?

Todd: Ja. Es ist den USA nicht gelungen, Russland mithilfe der ukrainischen Armee zu schlagen. Deshalb haben sie die Front verlegt und China den Handelskrieg erklärt. Er war innerhalb einer Woche zugunsten Chinas entschieden. Die Amerikaner sind im Begriff, die Kontrolle über die internationalen Finanzsysteme und den Welthandel zu verlieren. Mein Thema ist nicht Russland, sondern die Niederlage des Westens. Am meisten leiden die europäischen Länder, und die Folge ist der Triumph der konservativ-populistischen Parteien. Sie rechtsextrem zu nennen, widerstrebt mir.

Weltwoche: In unserem Interview vor zwei Jahren hatten Sie den Sieg von Donald Trump in der Präsidentschaftswahl von 2016 mit der Zerstörung der amerikanischen Arbeiterklasse durch China erklärt.

Todd: Es geht inzwischen um sehr viel mehr als um den Niedergang der amerikanischen Industrie. Es gibt in Amerika einen seltsamen Willen zur Zerstörung   – auch der Menschen und der Wirklichkeit. Die Ursache dieser Entwicklung ist der Niedergang des Protestantismus. Er hinterlässt eine existenzielle Leere.

Weltwoche: Die man auch in Europa beobachten kann.

Todd: Die Gründungsstaaten der Europäischen Union   – Frankreich, Deutschland, Italien ​  – werden in diesem Krieg, den die Sieger des Zweiten Weltkriegs nach dem Kalten Krieg mit Waffen gegeneinander führen, übergangen. Europa wird unter amerikanischer Vormundschaft neu strukturiert. Die europäischen Länder haben den Krieg verloren, aber sie merken es noch nicht.

Weltwoche: Es gibt im Gegenteil eine erstaunliche Kriegsbereitschaft in Europa, zumindest rhetorisch. Von einer «Koalition der Willigen» ist die Rede. Wie deuten Sie das?

Todd: Ich erkenne darin eine Sehnsucht nach Selbstmord. Das zeigt sich an den Sanktionen, die Europa selbst am meisten schaden. Deutschlands Ausstieg aus der Atomenergie zeugt von suizidären Tendenzen, ebenso die unkontrollierte Masseneinwanderung. Auch der Wille, auf das russische Gas zu verzichten, ist selbstmörderisch. Wir haben es mit einer Krankheit der oberen Schichten zu tun. Auch das ging mir in Moskau auf. Ich befand mich in einer merkwürdigen Verfassung. Ich hatte Lampenfieber vor meinem Vortrag in einem feindlichen Land, gegen das mein Land faktisch Krieg führt. Und unser Feind ist im Begriff, diesen Krieg zu gewinnen. Ich habe Europa von aussen betrachtet und deutlich seinen Irrweg in die Selbstzerstörung gesehen.

Weltwoche: Was ist mit Russland? Der französische Politiker, Journalist und Russland-Kenner Raphaël Glucksmann bezeichnete Putins System in einem Interview mit der Weltwoche als faschistisch.

Todd: Einen russischen Faschismus kann ich nicht erkennen. Russland hat eine funktionierende Marktwirtschaft, es respektiert die Freiheit der Unternehmer. Die Menschen können sich frei bewegen.

Weltwoche: Auch reden? Gibt es keine Dissidenten, die in Lager gesteckt oder im Ausland vergiftet werden?

Todd: Russland ist eine autoritäre Demokratie. Vom Staat geht viel brutale Gewalt aus. Ich will den Umgang mit Oppositionellen nicht beschönigen. Der russische Staat ist stark, er verfügt über die Mittel der Propaganda, der Einschüchterung und der Repression. Putin hat sie gegen die Oligarchen eingesetzt und deren Macht eingeschränkt. Das geschah auf autoritäre, aber auch demokratische Weise: Die russische Bevölkerung unterstützt Putin   – im Kampf gegen die Oligarchen und im Krieg. Die Oligarchen sind nur noch ein Problem des Westens, besonders in Amerika. In Russland hat es Putin gelöst. In intellektueller Hinsicht kann ich verstehen, was Putin macht. Er ist rational. Ich verstehe das russische Verhalten, was nicht bedeutet, dass ich mit allem einverstanden bin. Und ich bin mir stets bewusst, dass meine Sympathie für die Russen aus meiner Dankbarkeit entstand. Ein Rätsel bleibt für mich der Westen.

 Weltwoche: Und für dieses Rätsel gibt es keine Lösung?

Todd: Ich habe sie noch nicht. Aber jeder Vortrag, jedes Interview bringt mich ein paar Schritte weiter. Lange dachte ich, dass es Donald Trumps Aufgabe sein würde, die Niederlage des Westens zu bewältigen. Dann wurde mir bewusst, dass er wegen dieser Niederlage gewählt wurde. Wäre es Biden gelungen, Russland ökonomisch zu besiegen, hätte der Sieg des amerikanischen Imperiums die Wahl eines Demokraten garantiert. Die Revolution Trump kam wie die Russische und andere Revolutionen nach einem verlorenen Krieg.

Weltwoche: Trump verdankt seine Wahl 2024 dem Sieg Russlands in der Ukraine?

Todd: Seit mehr als zwanzig Jahren befasse ich mich mit der Globalisierung. Ich war gegen den Vertrag von Maastricht. Schon bei der Einführung des Euro, den ich ablehnte, plädierte ich für Protektionismus. Später verteidigte ich den Euro, weil er einen europäischen Protektionismus ermöglichen würde. Alles, was ich damals befürchtete, ist eingetreten. Der Krieg in der Ukraine zwingt uns, der Realität endlich ins Auge zu schauen. Wir können die Wirklichkeit nicht mehr verleugnen: Das russische Bruttosozialprodukt beträgt 3 Prozent des westlichen, gleichwohl ist Russland in der Lage, mehr Waffen als der Westen zu produzieren.

Weltwoche: Mit Trump kehrt die Wirklichkeit zurück?

Todd: In Amerika wird Trumps Revolution als Apokalypse gedeutet. Als Zeitenwende und   – im biblischen Sinn   – Enthüllung einer neuen Wahrheit. Diese Einschätzung ist richtig. Aber die Offenbarung verdanken wir nicht der Freiheit und dem Internet. Sondern dem Realitätsschock des Ukraine-Kriegs. In Amerika hat die Apokalypse begonnen, sie enthüllt die Wahrheit, dass der Krieg verloren ist. Die Pläne der Gegenoffensive von 2023 waren vom Pentagon entwickelt worden. Die Bestände in den amerikanischen Arsenalen schrumpfen, die Nachrüstung kommt nicht voran. Amerika will den Krieg beenden, den die Russen gewonnen haben. Nur die Europäer verweigern sich dieser Einsicht. Sie sind in diesem Krieg die Hampelmänner der Ukrainer und der Amerikaner, haben aber noch nicht gemerkt, dass er verloren ist. Sie liefern Waffen und bezahlen, sind aber nicht in die Kriegsführung involviert. Sie träumen davon, den Krieg weiterzuführen. Europa steht die Apokalypse erst noch bevor.

Weltwoche: Und für die Ukraine bedeutet diese Apokalypse das Ende der Welt, den Untergang der Nation?

Todd: Die Ukraine war ein bankrotter und korrupter Staat, im Krieg eroberte sie ihre Existenzberechtigung. Mit Kriegsende droht sie diese zu verlieren.

Weltwoche: Ist ein solches Ende in Sicht?

Todd: Die Russen haben jegliches Vertrauen in den Westen verloren. Es ist für sie unvorstellbar, mit den Amerikanern zu verhandeln. Trump ist sehr nett mit den Russen, aber völlig unberechenbar. Die Russen nehmen ihn nicht ernst. Sie sind überzeugt, dass Verhandlungen mit ihm noch unmöglicher sind als mit Biden.

Weltwoche: Ein Ende des Kriegs wäre doch für alle von Vorteil.

Todd: Russland will seine Ziele erreichen. Es hat einen hohen Preis bezahlt für diesen Krieg und viele Soldaten verloren. Putin muss die Sicherheit seines Landes garantieren. Die Drohnenangriffe auf Sewastopol haben gezeigt, wie verwundbar seine Flotte ist. Um sie zu schützen, muss er Odessa unter seine Herrschaft bringen. Ich denke, dass er Odessa und die östliche Ukraine bis zum Dnjepr erobern will. Auch der am linken Ufer des Flusses liegende Teil von Kiew wird russisch. An vertraglich festgehaltene Sicherheitsgarantien glaubt er nicht. Die Rest-Ukraine wird unter russischen Einfluss geraten oder neutralisiert.

Weltwoche: Und damit auch nicht Mitglied der EU?

Todd: Die Russen sind anders als die Amerikaner: Sie machen, was sie sagen. Sie wollten keinen Nato-Beitritt der Ukraine. Das war der Auslöser des Kriegs. Inzwischen ist es kaum mehr möglich, Nato und EU auseinanderzuhalten. Eine Mitgliedschaft ist unvorstellbar geworden. Russland wird Krieg führen, bis die Ukraine neutralisiert ist.

Weltwoche: Auf der Tagesordnung stehen Verhandlungen.

Todd: Das sind alles Verschleierungsmanöver. Die Amerikaner wollen den Krieg beenden und davon ablenken, dass sie ihn verloren haben. Besonders unangenehm sind Trumps Krokodilstränen, seine Klagen über die Schrecken des Kriegs und die vielen Toten auf beiden Seiten. Man denke nur an die Bomben, die er Israel verkauft und die das Gemetzel in Gaza erst ermöglichen. Es ist kein Genozid, der Hinweis ist mir wichtig. Doch für Gaza ist Trump verantwortlich   – so, wie die USA für den Krieg in der Ukraine verantwortlich sind. Seine Verlogenheit ist unerträglich. Nun sind die Russen höfliche Menschen, sie wollen ihn nicht demütigen und die Dinge zusätzlich verkomplizieren. Also gehen sie auf sein Spiel ein. Aber der Krieg wird an der Front entschieden. Die Frage ist jetzt, ob Putin die zwei neu zusammengestellten, im Nordwesten des Landes stationierten Armeen für die Schlussoffensive in die Ukraine schicken wird. Sie hat den Krieg verloren, ihre Alliierten werden sie aufgeben   – so, wie Amerika schon Vietnam und Afghanistan verraten hat.

Weltwoche: Je deutlicher sich die Niederlage abzeichnet, desto kriegerischer geben sich Grossbritannien, Frankreich und Deutschland.

Todd: Wir leben in einer verkehrten Welt. Es ist wie im Mittelalter, als im Karneval die Armen und die Reichen ihre Rollen tauschten. Das Verhalten der europäischen Regierungschefs zeugt von einer solchen Komik: Sie drohen mit Sanktionen und stellen ein Ultimatum nach dem anderen   – ohne über Armeen zu verfügen, die ihren Worten einen gewissen Nachdruck verschaffen könnten. Manche sind noch nicht einmal zu Hause in der Lage, ihre Interessen durchzusetzen. Die Sabotage von Nord Stream hat zum Beispiel bewiesen, dass Deutschland erneut ein besetztes Land ist.

Weltwoche: Waren es die Amerikaner?

Todd: Das Schweigen der deutschen Medien zu Nord Stream spricht Bände. Deutschland hat seine Unabhängigkeit verloren. Seine Hauptstadt ist Ramstein, wo Amerikas grösster Luftwaffenstützpunkt in Europa liegt.

Weltwoche: Jetzt ist Friedrich Merz neuer Kanzler. In seiner Regierungserklärung hat er angekündigt, Deutschland werde die stärkste Armee Europas aufbauen.

Todd: Damit ist eine neue Dimension der historischen Verantwortungslosigkeit erreicht. Im Gegensatz zu Grossbritannien und Frankreich verfügt Deutschland über ein gewaltiges industrielles Potenzial, das es Merz erlaubt, dieses Ziel zu erreichen. Zu diesem Potenzial zähle ich auch die Schweiz und die früheren Volksrepubliken, die man Satelliten der Sowjetunion nannte: Polen, die Tschechische Republik. Wenn diese Industrie in den Dienst der Aufrüstung gestellt wird, kann das zur Bedrohung für die Russen werden, die gegenwärtig mehr Waffen produzieren als Amerika.

Weltwoche: Krieg oder Frieden   – darüber entscheidet das Verhalten Deutschlands?

Todd: Jedenfalls sehr viel mehr als Grossbritannien und Frankreich. Die britischen Premiers werden immer lächerlicher, aber das hat keinerlei Bedeutung. Macron ist schon lange lächerlich, das spielt keine Rolle. Trumps Wahl aber ist für den Westen eine Revolution. Der Übergang von Scholz zu Merz verändert vieles   – in psychologischer und geopolitischer Hinsicht. Merz ist ein russenfeindlicher Bellizist. Noch als Kandidat hat er sich dafür ausgesprochen, der Ukraine Taurus-Raketen zu liefern. Mit ihnen soll die Brücke zwischen Russland und der Krim zerstört werden. Die Zeitgenossen scheinen die historische und moralische Bedeutung solcher Überlegungen nicht zu begreifen.

Weltwoche: Jetzt reden auch Sie von Moral.

Todd: Ich bin für das Verzeihen historischer Verbrechen, aber nicht für das Vergessen. Deutschland ist für den Tod von 25 Millionen Russen im Zweiten Weltkrieg verantwortlich. Und jetzt will es erneut gegen Russland militärisch aktiv werden. Das ist unvorstellbar. Was ist mit den Deutschen los?

Weltwoche: Haben Sie eine Antwort?

Todd: Ich kenne Deutschland nur schlecht und spreche kein Deutsch. Ein Element ist sicher die überalterte Bevölkerung, das Durchschnittsalter beträgt 46 Jahre. Deutschland ist nicht mehr das Land, das die anderen in Angst und Schrecken versetzt. Es hat sich in seiner Geschichte verloren. Deutschland trifft absurde Entscheidungen, ohne seine Partner zu konsultieren: Atomausstieg, Einwanderung. Darf ich ein Schreckensszenario formulieren?

Weltwoche: Ich bitte Sie darum.

Todd: Als Reaktion auf Trump, von dem es sich verraten fühlt, versucht Europa verzweifelt, den Mythos seiner Gründung zu beleben. Er steht für das Ende der Kriege zwischen den Nationen. Jetzt ist Europa so sehr auf seine pazifistischen und moralischen Werte fixiert, dass es den Krieg in der Ukraine verlängern will. Die jetzt eingeleitete Aufrüstung ist nur in Deutschland möglich, es ist die führende Industriemacht des Kontinents. Nach dem Krieg interessierte sich Deutschland nur für die Wirtschaft. Die europäische Vereinigung war nur möglich, weil es auf eine Armee verzichtete und pazifistisch wurde. In der Griechenland-Krise hat es die Macht in Europa übernommen. Die Europäische Zentralbank ist in Frankfurt, Ursula von der Leyen steht an der Spitze der EU in Brüssel. Wir haben ein zentralistisches Europa mit Deutschland als Machtzentrum. Jetzt will es die stärkste Armee in Europa aufbauen.

Weltwoche: Davon ist die Bundeswehr noch weit entfernt. Die französische Armee verfügt als einzige in Europa über Atomwaffen. In Deutschland sind sie tabu.

Todd: Macron ist bereit, sie zu teilen. Und wenn sich in Deutschland der Wille zur militärischen Aufrüstung durchsetzt, wird Deutschland sein Projekt umsetzen. Gegenwärtig ist in Europa die Angst vor Russland vorherrschend. Putin ist an Hitlers Stelle getreten. Aber Russland ist weit weg und kein Problem, schon gar nicht für Frankreich. Sehr schnell könnte es jedoch so weit sein, dass die Franzosen und die Polen mehr Angst vor den Deutschen als vor den Russen haben.

Weltwoche: Das wäre dann die Apokalypse in Europa. Mit der Rückkehr der Nationen und der Angst vor den Deutschen?

Todd: Die Globalisierung hat die Überzeugung durchgesetzt, dass es keine Nationen mehr gibt und alle Grenzen überwunden werden müssen. Dass die Menschen überall gleich sind und austauschbar. Es gibt keine kulturellen Besonderheiten, und nur der Markt zählt. Diese Welt befindet sich in Auflösung. Überall beobachten wir Gegenbewegungen: der Brexit, Trump, das Rassemblement national, die AfD. Zwischen diesen konservativ-populistischen Bewegungen gibt es eine gewisse Solidarität. Amerikas Vizepräsident J. D. Vance hat in München für deren Meinungsfreiheit plädiert. Wir befinden uns in einer Phase des Übergangs. Wenn der Mythos von der Globalisierung zerfällt und jedes Volk wieder sich selbst sein will, wird man entdecken, dass die Völker sehr verschieden sind. Die Italiener sind Italiener, und die Franzosen sind Franzosen. Auch die Implosion der Globalisierung wird in eine Apokalypse münden, die sehr wohl im Zusammenbruch der EU bestehen könnte.

Weltwoche: Das wird zu neuen Konflikten führen. Kriege, Nationalismus, Faschismus?

Todd: Bezüglich Frankreich habe ich keine Bedenken. Nicht weil die Franzosen bessere Menschen wären. Aber sie sind nicht allzu seriös. Die Deutschen sind es. Und wenn sie etwas anfangen, führen sie es zu Ende. Wenn man von der Gefahr einer «Faschisierung» sprechen darf, vielleicht muss   – ja, dann denkt man an jene Deutschlands. Wobei ich nicht weiss, ob die faschistische Gefahr von der AfD ausgeht oder von jenen, die sie bekämpfen.

Weltwoche: Die AfD ist gegen den Krieg in der Ukraine, aber wohl nicht nur aus ideologisch-reaktionärer Sympathie für Putin.

Todd: In Frankreich ist es ähnlich. Ein Gerichtsurteil verbietet Marine Le Pen die Teilnahme an der Präsidentschaftswahl. Im Vergleich zur AfD steht ihr Rassemblement national weiter links. Die Einstufung der AfD als rechtsextrem hat mich irritiert und entsetzt. Nicht nur die Gerichte, auch die Geheimdienste mischen sich in die Politik ein. Ich habe noch ein Schreckensszenario. Und wenn Sie es übernehmen, bitte nur mit dem Hinweis, dass ich mich im Voraus dafür bei den Deutschen entschuldigen möchte. Und dass Sie es so darstellen, dass ich als vernunftbegabter Historiker erscheine.

Weltwoche: Ich verspreche es.

Todd: Es ist die Vision, dass die Deutschen aus Antifaschismus die angeblichen Rechtsextremisten in ein Konzentrationslager stecken. Mich haben die Zeremonien am 8. Mai zur Erinnerung an das Ende des Zweiten Weltkriegs beelendet. Zu vergessen, gar zu verneinen, dass Russland Nazideutschland niedergemacht hat, ist nicht nur unmoralisch und skandalös, sondern brandgefährlich.

 Weltwoche: Die Russen wurden zuvor schon von den Zeremonien in Auschwitz zur Befreiung des Lagers durch die Rote Armee ausgeschlossen.

Todd: Alle reden vom Erinnern, vom Holocaust. Gleichzeitig vergisst man die Geschichte. Die Deutschen wissen nur zu gut, dass sie von den Russen besiegt wurden. Wenn sich die Vorstellung durchsetzt, dass nicht die Russen gewonnen haben, werden sie sich einbilden, dass sie gar nicht verloren haben. Die Aufrüstung und Militarisierung Deutschlands in einem von ihm beherrschten Europa ist für Russland eine Bedrohung. In diesem Fall sieht die russische Doktrin den Einsatz taktischer Atomwaffen vor. Dann haben wir die Wiederholung des Zweiten Weltkriegs.

Emmanuel Todd: Der Westen im Niedergang. Ökonomie, Kultur und Religion im freien Fall. Westend. 352 S., Fr. 41.90


Quelle: Weltwoche - Mit freundlicher Genehmigung übernommen

Quelle: https://weltwoche.ch/story/russland-hat-den-krieg-gewonnen/

https://weltwoche.ch/abonnemente/



Info: https://seniora.org/index.php?option=com_acym&ctrl=fronturl&task=click&urlid=152&userid=3998&mailid=2736


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22.05.2025


Gemeinsam gehen und Wege zum Leben für Gaza öffnen.

Globales March To Gaza- Team

Dr. Hüseyin Durmaz

Ana Rita

Dr. Hicham El Ghaoui

Saif Abukeshek

Samuel Crettenand

Dr. Yacine Haffaf

Zwelivelile Mandla Mandela

Manuel Tapial

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Ist der Global March To Gaza eine politische Bewegung?

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Ist es Ihr Ziel, gewaltsam in den Gazastreifen einzudringen?




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Weiteres:




Marsch nach Gaza


aus e-mail von Thomas Nauerth, 22. Mai 2025, 11:06 Uhr


Liebe VB- Vernetzte,


weiß jemand hier etwas näheres drüber:


https://marchtogaza.net/ deutsche Gruppe:

https://t.me/s/march_to_gaza_Germany


Die Idee ist ja mehr als naheliegend. Man fragt sich, ob man nicht mit

den wartenden Lastwagen einfach durchbrechen könnte... Oder wo

eigentlich historisch die päpstliche Flotte nach den letzten

Seeschlachten im 17. Jahrhundert ankert.

Wenn diese Aktion stattfindet, und sie seriös ist, wäre es wohl sinnvoll

hierzulande Mahnwachen etc. aufzuziehen, damit die Öffentlichkeit auch

davon erfährt.


pax et bonum


Thomas


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22.05.2025

Zwei Stunden, die die Welt wahrscheinlich nicht erschüttern werden






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Die russische Nachrichten-Plattform RT zeigte in einem Video, dass US-Präsident Donald Trump mit dem Telefongespräch mit Putin zufrieden war und dass er überzeugt ist, dass Putin den Krieg beenden will. (Screenshot aus dem Video von RT)



globalbridge.ch, 21. Mai 2025 Von: in Geschichte, Militär, Politik


(Red.) Wenn der Präsident der stärksten Militärmacht der Welt, Donald Trump, mit dem Präsidenten jenes Staates zwei Stunden telefoniert, dem im Westen die Alleinschuld am Krieg in der Ukraine zugeschoben wird, mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin, dann ist das natürlich auch ein Thema für die Medien. Auch unser Kolumnist aus den USA, Patrick Lawrence, hat sich dazu ein paar Gedanken gemacht. (cm)

Der Telefonanruf, der Telefonanruf: Seit Montagabend europäischer Zeit sind aufmerksame Beobachter in Aufruhr wegen des zweistündigen Gesprächs zwischen Präsident Trump und Präsident Putin über, um es kurz zu fassen, offene Fragen. Wie geht es nun weiter mit dem Stellvertreterkrieg des Westens in der Ukraine? Wird Donald Trump, der 47. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, für eine weltverändernde Erneuerung der Beziehungen des Westens zur Russischen Föderation viele Seiten in den Geschichtsbüchern füllen? 

Sehr gute Fragen. Lassen Sie uns versuchen, sie zu beantworten, so gut es angesichts der äußerst angespannten Beziehungen zwischen den USA, den europäischen Mächten, dem Kiewer Regime und Russland möglich ist. Und angesichts der unaufhörlichen Fehlinformationen und Desinformationen in den westlichen Mainstream-Medien, muss ich hinzufügen. 

Hier ist Trump auf Truth Social, seiner digitalen Medienplattform, um 19:33 Uhr am Montag in Washington, kurz nachdem er und der russische Präsident ihre Telefone aufgelegt hatten:

Zitat:
«Ich habe gerade mein zweistündiges Telefonat mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin beendet. Ich glaube, es ist sehr gut verlaufen. Russland und die Ukraine werden unverzüglich Verhandlungen über einen Waffenstillstand und, was noch wichtiger ist, über ein Ende des Krieges aufnehmen. Die Bedingungen dafür werden zwischen den beiden Parteien ausgehandelt, da nur sie die Details der Verhandlungen kennen, die niemand sonst kennen kann.»
Ende Zitat.

Und hier ist The New York Times in einem Bericht über den Austausch zwischen Trump und Putin in ihrer Dienstagsausgabe:

Zitat:
«Seit Monaten droht Präsident Trump, sich einfach aus den frustrierenden Verhandlungen über einen Waffenstillstand zwischen Russland und der Ukraine zurückzuziehen. Nach einem Telefonat zwischen Trump und dem russischen Präsidenten Wladimir W. Putin am Montag scheint genau das zu geschehen.»
Ende Zitat.

Wenn Sie Schwierigkeiten haben, sich zwischen Trumps kurzer Zusammenfassung seines Gesprächs mit Putin und der Zusammenfassung der Zusammenfassung von Trump durch die Times zurechtzufinden, ist dies hilfreich: Sie haben gerade eine Demonstration der groben Perfidie der westlichen Mainstream-Medien erlebt, wenn sie über Präsident Trump und alles berichten, was mit seiner Sicht auf die Ukraine und Russland zu tun hat.

Nach den von beiden Seiten veröffentlichten Mitschriften des Telefonats zwischen Trump und Putin scheint der Austausch, wenn auch nicht „sehr gut“, so doch zumindest gut verlaufen zu sein. Russland ist weiterhin bereit, die Verhandlungen zwischen der Ukraine und Moskau fortzusetzen, die letzte Woche in Istanbul zum ersten Mal seit drei Jahren wieder aufgenommen wurden. Wie für niemanden überraschend, bestand Putin erneut darauf, dass eine dauerhafte Lösung der Ukraine-Krise auf der Beseitigung der „Grundursachen“ des Konflikts beruhen muss – dies ist derzeit die Lieblingsformulierung in Moskau. Und die Tür bleibt offen – ein gemeinsamer Enthusiasmus – für die Reparatur des destruktiven Bruchs in den bilateralen Beziehungen, der vor elf Jahren mit dem von den USA unterstützten Putsch in Kiew begann.

Wenn Sie in diesen Verlautbarungen irgendwelche Anzeichen dafür finden, dass Trump sich aus der Ukraine-Krise „zurückzieht“, dann sind Sie flexibler im Denken als ich. Nein, das Telefonat am Montag hat endlich verschiedene Dinge klargestellt, ein Rückzug Trumps gehört nicht dazu.

Erstens bleibt Trump einer Verhandlung zur Beendigung des Blutvergießens in der Ukraine verpflichtet. Wie dies erreicht werden kann, ist eine Frage, die sich je nach den sich ändernden Umständen ständig ändert. Zweitens hängt eine erfolgreiche Einigung davon ab, dass Trump und Putin sie überwachen. Sie sind die letztendlichen Entscheidungsträger. Drittens, als logische Folge aus Punkt 2, wurden die Europäer an den Rand gedrängt – ein Punkt, auf den ich gleich noch zurückkommen werde.

Viertens ist die Aufforderung an die Ukraine, Verhandlungen mit den Russen aufzunehmen, lediglich eine Anerkennung der Realität. Das Kiewer Regime hat zwar keine Grundlage, um die Bedingungen für Verhandlungen festzulegen, da es auf dem Schlachtfeld verloren hat, aber Wolodymyr Selenskyj muss an den Verhandlungstisch, schon allein aus praktischen Gründen, um ihn zum Schweigen zu bringen. „Nichts über die Ukraine ohne die Ukraine“ war der ständige Refrain der Biden-Regierung; Selenskyj hat in den letzten drei Jahren auf diesem Prinzip bestanden – auch wenn dieser Gedanke reine Fiktion war. Das ist auch heute noch so, aber es ist dennoch unsinnig zu argumentieren, dass es eine Art Verrat seitens Washingtons sei, Kiew zu Verhandlungen zu drängen. Lesen Sie noch einmal Trumps Beitrag auf Truth Social und achten Sie diesmal auf die Autonomie, zu der er Kiew ermutigt.

Die Fehlinformationen und Desinformationen, die wir seit dem Telefonat zwischen Trump und Putin in der westlichen Presse finden – und ich habe nur einen kleinen Ausschnitt davon wiedergegeben –, spiegeln andere absurde Realitäten wider. Erstens wollen die westlichen Mächte nicht, dass der Krieg in der Ukraine endet, solange Russland unbeschadet und mit territorialen Gewinnen daraus hervorgeht. Zweitens lehnen diese Mächte eine Wiederherstellung der Beziehungen zwischen Washington und Moskau noch vehementer ab. Diese Wählerschaft würde einen Erfolg in beiden Fällen als Misserfolg betrachten. 

Trump ist in beiden Punkten ein Außenseiter. So liest man Beschwerden, dass er Selenskyj im Stich lässt, indem er ihn zu Verhandlungen zwingt, und dann liest man Beschwerden, dass Trump sich anschickt, über Selenskyjs Kopf hinweg ein Abkommen mit Moskau zu schließen. Immer geht es um Verrat oder darum, dass er nachgibt und dem Kreml einen Sieg schenkt. Trump zieht die USA aus dem Konflikt heraus, außer dass er die Lieferung von Waffen und Geheimdienstinformationen fortsetzt; er hat die Idee einer 30-tägigen Waffenruhe fallen gelassen, außer dass er weiterhin darauf drängt, als ersten Schritt zu umfassenderen Vereinbarungen. 
■.
Es ist immer gut, daran zu denken, dass man Donald Trump nicht sofort beim Wort nehmen sollte. Was er heute sagt, muss morgen nicht mehr gelten. In diesem Fall ist es wahr, dass Trump mehrfach seine Ungeduld über den mangelnden Fortschritt bei der Verhandlung einer Lösung des Ukraine-Konflikts zum Ausdruck gebracht hat, was ihn zeitweise zu der Andeutung veranlasste, er sei geneigt, sich aus der Angelegenheit zurückzuziehen. J.D. Vance, sein Vizepräsident, hat dies mehrfach angedeutet. 

Aber weder Trump noch einer seiner diplomatischen Berater hat jemals Anzeichen dafür gezeigt, dass sie die Ukraine-Krise aufgeben wollen. Wie jeder weiß, und ich schließe die oben zitierten Reporter der Times mit ein, neigt Trump dazu, in politischen Fragen maximale Positionen zu vertreten, um akzeptable Kompromisse auszuhandeln. „Ich gehe weg“ ist das Verhandlungsmittel eines New Yorker Immobilienentwicklers, an dem er festhält. 

Es gab letzte Woche einen weiteren Fall von Trumps … wie soll ich es nennen? … improvisierter Staatskunst. Zunächst stellte er sich hinter die Drohung Großbritanniens, Frankreichs und Deutschlands, weitere Sanktionen zu verhängen – die 17. in Europa, wenn man so will –, sollte Moskau nicht innerhalb der nächsten zwei Tage einen 30-tägigen Waffenstillstand akzeptieren. In einer nächtlichen Antwort wenige Stunden später erwähnte Präsident Putin dieses Ultimatum mit keinem Wort – es war allen klar, dass er es niemals umsetzen würde – und brachte die Europäer mit seiner Forderung nach den Gesprächen, die am vergangenen Freitag in Istanbul stattfanden, aus dem Konzept. Als Reaktion auf Putins Vorschlag wandte sich Trump an Truth Social und forderte, wie es seine Art ist, in Großbuchstaben, dass Selenskyj als Präsident der Ukraine den Waffenstillstand vorerst vergessen und „SOFORT!“ Verhandlungen aufnehmen solle.

Unter dem Strich scheinen Waffenstillstandsgespräche in Sicht zu sein, und – was ich besonders begrüße – die Briten, Franzosen und Deutschen sind nun an den Rand gedrängt, nachdem sie sich vor zehn Tagen mit ihren leeren Drohungen mit drastischen Maßnahmen lächerlich gemacht haben. Genau dort will man die Europäer haben, angesichts ihrer Beharrlichkeit, dass der Krieg im Namen des Friedens weitergehen muss.

Am Dienstag, einen Tag nach dem Gespräch zwischen Trump und Putin, kündigten Großbritannien und die Europäische Union neue Sanktionen gegen Russland an, die sich gegen Reedereien und Banken richten, die Russland die weitere Ausfuhr von Erdöl ermöglicht haben. Zum Zeitpunkt der Abfassung dieses Artikels scheinen weder Trump noch der Kreml davon Kenntnis genommen zu haben. 

Mir gefällt die Klarheit, die seit dem Gespräch zwischen Trump und Putin herrscht. Die Verhandlungen mit dem Endziel, den Krieg zu beenden, sind im Gange, sofern alles nach Plan verläuft. Selenskyj wird Anweisungen von Trump entgegennehmen, genau wie er es vom Biden-Regime getan hat, wenn er den russischen Vertretern an einem Verhandlungstisch gegenüber sitzt, der wahrscheinlich in Istanbul stehen wird, dem Ort der Gespräche vom März 2022, bis der damalige britische Premierminister Boris Johnson einflog, um sie zu stören.

Nicht zuletzt – und meiner Meinung nach vor allem – wird eine Einigung in der Ukraine endlich als Teil der Beziehungen zwischen Russland und den USA und damit auch zwischen den übrigen Mitgliedern des Atlantischen Bündnisses verstanden werden. Dies ist bei weitem die größere geopolitische Frage. Wir kommen nun zurück zur zweiten der zuvor gestellten Fragen. Können Trump und Putin die bilateralen Beziehungen so neu gestalten, dass ein historisch bedeutendes neues Kapitel aufgeschlagen wird?

In der westlichen Presse wird dieses Thema kaum erwähnt. Wenn man die Mainstream-Medien liest, geht es Putin um die Beibehaltung der Gebiete, die das russische Militär im Laufe des Krieges erobert hat, um strenge Beschränkungen der Größe der ukrainischen Streitkräfte und um die Forderung nach einer neutralen Ukraine, die nicht in die NATO aufgenommen wird. Dies wird als „schwerwiegende Bedingungen“ und „Forderungen, von denen Putin weiß, dass Selenskyj sie niemals akzeptieren wird“ beschrieben. Es gibt noch andere Stimmen, die sich in diesem Sinne äußern. Eines der erklärten Ziele Moskaus zu Beginn des Krieges war ein Entnazifizierungsprogramm – ein Projekt, das dringend angegangen werden muss. Aber westliche Korrespondenten können dies aus dem einfachen Grund nicht erwähnen, weil es in der Ukraine angeblich keine Neonazis gibt. 

Ich möchte noch einmal eindringlich dazu auffordern, die westlichen Mainstream-Medien mit Vorsicht zu lesen.

Moskau hat sich bei unzähligen Gelegenheiten ganz klar zu den „Grundursachen“ des Konflikts geäußert. Diese reichen mittlerweile drei Jahrzehnte zurück, als die Nachkriegsordnung Gestalt annahm. Die Erweiterung der NATO und der Europäischen Union, die farbigen Revolutionen in den ehemaligen Sowjetrepubliken, die ständigen Militärmanöver und Raketenstellungen an Russlands Westflanke, die Aufkündigung aller Rüstungskontrollverträge bis auf einen: Die Ursache liegt in einem Sicherheitsgefüge, das gegen die Grundregeln solider internationaler Beziehungen verstößt. Keine Nation und keine Nationen können sich erfolgreich auf Kosten der Unsicherheit einer anderen Nation sichern. 

Moskau versuchte, Verhandlungen über eine neue Sicherheitsarchitektur zur Lösung dieser Probleme aufzunehmen, indem es im Dezember 2021 zwei Vertragsentwürfe an Washington und das NATO-Hauptquartier in Brüssel schickte. Die Antwort darauf war, die Russen zu provozieren, indem man Kiew so stark bewaffnete, dass Russland zwei Monate später keine andere Wahl hatte, als zu intervenieren.

Das versteht Moskau jetzt unter den Ursachen des Ukraine-Krieges. So verstanden sind die Themen, die der Westen gerne als vorrangig für Moskau darstellt, nur Nebensächlichkeiten. Die russische Position ist keineswegs belastend, das ergibt sich unmittelbar. Die Gewährleistung der Neutralität der Ukraine ist lediglich eine Dimension einer geopolitischen Struktur, die für alle Beteiligten von Vorteil wäre.

Kann Donald Trump sich in diese Gewässer begeben und Fragen von weltgeschichtlicher Tragweite angehen – indem er eine Einigung nach den Vorstellungen Moskaus ausarbeitet? Das ist unsere Frage in dieser Woche. 

Ich sehe einfach nicht, wie man das positiv bewerten kann. 

Was auch immer man von Präsident Putin halten mag, er ist ein außergewöhnlicher Staatsmann. Das Gleiche würde ich auch von Außenminister Lawrow und Iri Uschakow, Putins außenpolitischem Berater, sagen. Wenn ich Trump, Vizepräsident Vance, Außenminister Rubio oder irgendjemanden anderen aus dem Umfeld des Weißen Hauses neben diese Persönlichkeiten stelle, wird die Realität unserer Zeit deutlich: Es fehlt an Tiefe, an Geschichtsverständnis, an einem tiefen Verständnis dessen, worum es geht. Kurz gesagt, es fehlt an politischer Erfahrung, um dieses sehr wertvolle Projekt zu verwirklichen. 

Und vor allem: Die Amerikaner haben längst ihre Empathie verloren, ihre Fähigkeit, Dinge aus der Perspektive anderer zu sehen. Dies zähle ich zu den unverzichtbaren Voraussetzungen für jede Nation, die im 21. Jahrhundert erfolgreich sein will.

Es zeichnet sich bereits ab, dass Trump sich als überfordert erweisen wird, wenn seine Gespräche mit Moskau – sofern sie denn stattfinden – über die zwei Stunden voller Allgemeinplätze hinausgehen, aus denen das Telefongespräch am vergangenen Montag bestand. Vorläufige Fortschritte in Richtung einer Einstellung der Feindseligkeiten in der Ukraine, eine Art 38. Breitengrad-Regelung wie in Korea, eine Ost-West-Teilung wie in der Nachkriegszeit in Deutschland: Über solche Regelungen wird gesprochen, und sie scheinen möglich. Aber ebenso möglich ist eine unbefristete Fortsetzung der Kämpfe. 

Und meiner Meinung nach ist eine Neugestaltung der Beziehungen Russlands zum Westen noch viel unwahrscheinlicher. Selbst wenn Trump und seine Leute zu diesem Schritt bereit wären, würde der Deep State – die Geheimdienste, der militärisch-industrielle Komplex und alle anderen, die ein Interesse an gefährlich feindseligen Beziehungen haben – Trump dies zulassen?

Diese Interessengruppen haben Trump schon bei der geringsten Andeutung, er wolle während seiner ersten Amtszeit eine neue Entspannung mit Moskau versuchen, blockiert. Darin liegt meiner Meinung nach auch diesmal die Antwort. Der Westen und der Osten brauchen gleichermaßen produktive Beziehungen. Diejenigen, die vorgeben, den Westen anzuführen, und Donald Trump als Ausnahme betrachten, die sie bedroht, scheinen einfach nicht bereit zu sein für eine solche Wende in der Geschichte.

Zum Originalartikel von Patrick Lawrence in US-englischer Sprache.


Info: https://globalbridge.ch/zwei-stunden-die-die-welt-wahrscheinlich-nicht-erschuettern-werden


Warum hält sich der Westen nicht an die Grundsätze der UNO?


Hallo Putin! Ich bin’s, Trump


Kursk zwischen Trotz und Angst


unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

22.05.2025

Sanktionen gegen Deutsche: Die Wiedererfindung der Reichsacht

aus e-mail von Doris Pumphrey, 22. Mai 2025, 8:23 Uhr


(...) Eine deutsche Regierung nutzt die Entscheidungen der EU, um

Schritte beschließen zu lassen, die nach deutschem Recht vollkommen

illegal sind. (...) Feige, wie die regierende Berliner Bande nun einmal

ist, vollzieht sie diesen Zeitsprung zurück nicht auf der eigentlich

dafür vorgesehenen Bühne, dem Bundestag, und gießt ihren Angriff auf die

bürgerliche Freiheit in die Gestalt eines Gesetzes, mit ordentlicher

Debatte und Öffentlichkeit. Nein, sie nutzt eine EU-Verordnung, um ihre

Hände in Unschuld zu waschen, während sie einen Rechtszustand aus

finsterster Vergangenheit wiederbelebt und dabei so tut, als ginge es

gar nicht um Rechte eigener Staatsbürger. (...)


_RTDE 22.5.2025_


*Sanktionen gegen Deutsche: Die Wiedererfindung der Reichsacht *


Je länger man über die Aufnahme von Alina Lipp und Thomas Röper auf die

EU-Sanktionsliste nachdenkt, desto gravierender wird der damit

vollzogene Rechtsbruch. Man muss sich die konkreten Folgen in

Deutschland vorstellen, um die wahre Bedeutung zu erfassen.


/Von Dagmar Henn/


/"So haben wir [...] verordnet und gesetzt, dass der gemeldt Martin

Luther in die Acht und Aberacht des Heiligen Römischen Reichs getan sei,

und dass niemand ihn beherbergen, speisen, tränken, schützen oder helfen

solle, sunder ein jeder, so ihn findet, gefangen nehmen und uns oder

unseren Beamten überantworten solle, bei Verlust aller seiner Güter,

Leib und Lebens." / Wormser Edikt 1521


Deutschland macht sich also wieder mal zum Vorreiter. Das ist das Erste,

was man festhalten muss im Zusammenhang mit den ersten gegen EU-Bürger

verhängten Sanktionen. Denn niemand wird glauben, dass der Antrieb, zwei

deutsche Journalisten auf die Sanktionsliste zu setzen, aus Portugal

oder Griechenland kam. Nein, da war schon das deutsche Außenministerium

der Motor, mit Sicherheit noch unter Annalena Baerbock ausgekocht, aber

eben letztlich beschlossen unter der Ägide des neuen Außenministers

Johann Wadephul.


Genauso muss man das auch sehen. Eine deutsche Regierung nutzt die

Entscheidungen der EU, um Schritte beschließen zu lassen, die nach

deutschem Recht vollkommen illegal sind. Denn was da passiert, ist eine

schrittweise Aufhebung der Staatsbürgerschaft: Der Eingriff in

existenzielle Rechte ist so tief, dass im Grunde nur noch der formale

Entzug des Passes fehlt. Und selbst das wäre nicht ausgeschlossen ‒

schließlich hat schon Frau Faeser ins Passgesetz geschrieben, dass

bereits vergebene Pässe wieder entzogen werden können, und über das

Bundespolizeigesetz dafür gesorgt, dass das auch an der Grenze geschehen

kann, in beide Richtungen.


Der neue Außenminister Wadephul hat auch noch angekündigt, er werde

dafür werben, bei weiteren Sanktionsmöglichkeiten keine Denkverbote zu

haben. Eine Formulierung, über die man nicht weiter nachdenken will,

wenn man sieht, was jetzt bereits vom Stapel gelassen wurde.


Schauen wir einmal genauer an, was diese Sanktionen bedeuten. In der

EU-Verordnung 2024/2642 wird definiert, was alles betroffen ist.

Letztlich betreffen sie alle Finanzmittel und alle Waren und

Dienstleistungen, auch die Fahrkarte für den öffentlichen Nahverkehr

oder eine Semmel beim Bäcker. Jeder, der mit Betroffenen einen Vertrag

schließt, ihnen Geld zukommen lässt oder Leistungen erbringt (wie eine

Hotelübernachtung beispielsweise), macht sich der Sanktionsumgehung

schuldig. Ein Konstrukt, das eigentlich nur noch mit der

mittelalterlichen Acht verglichen werden kann.


Ja, es gibt eine Ausnahme "zur Befriedigung der Grundbedürfnisse".

"Einschließlich für die Bezahlung von Nahrungsmitteln, Mieten oder

Hypotheken, Medikamenten und medizinischer Behandlung, Steuern,

Versicherungsprämien und Gebühren öffentlicher

Verwaltungseinrichtungen". Nur ‒ jede Transaktion muss genehmigt werden.

Und zwar, wenn es um den Zugriff auf Geld geht, vom Servicezentrum

Finanzsanktionen der Deutschen Bundesbank, und wenn es um Güter und

Dienstleistungen geht, vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle

(BAFA).


Die Szene beim Bäcker verliefe also vermutlich so: Röper ruft von seinem

Handy aus beim BAFA an und erklärt, er habe Hunger und wolle ein

belegtes Brot kaufen. Was natürlich voraussetzt, dass er das während der

Arbeitszeiten der Behörde tut. Woraufhin vielleicht der zuständige

Mitarbeiter des BAFA bittet, mit dem Verkäufer reden zu dürfen. Röper

reicht sein Handy weiter, und der Bäckereiverkäuferin wird erklärt, sie

dürfe dieses eine belegte Brot jetzt verkaufen. Aber nur dieses, und

keine weiteren, sonst mache sie sich strafbar. Außerdem müsse sie die

Daten der Transaktion aufzeichnen und an das BAFA schicken.


Oder aber der Mitarbeiter hat schlechte Laune und hält deshalb das

belegte Brot für unnötig. Nach welchen Kriterien entscheidet denn das

BAFA, was nötig ist und was nicht? Entscheidet es darüber, wie teuer ein

gebuchtes Hotel sein darf, oder ob eine Taxifahrt erlaubt ist? Müsste

sich ein derart Sanktionierter dann bei jeder wirtschaftlichen

Transaktion ausweisen, um nicht Gefahr zu laufen, sich strafbar zu

machen? Also, selbst wenn die Sanktionierung nicht bedeutet, dass schon

die Einreise nach Deutschland unmöglich ist, wie soll die Existenz in

Deutschland möglich sein, auch nur für einen begrenzten Zeitraum? In

dauerhafter Begleitung eines Anwalts, der jederzeit bereitsteht, Klage

zu erheben, wenn die Semmel nicht genehmigt wird?


Übrigens finden sich die Regelungen zur Straftat Sanktionsumgehung nicht

im Strafgesetzbuch, sondern im Außenwirtschaftsgesetz ‒ das die

möglichen Geschäftspartner Sanktionierter verpflichtet, die zuständigen

Behörden zu informieren. Und wer die oben beschriebene Szene in der

Bäckerei für überzogen hält ‒ diese Regelungen kennen keine

Geringfügigkeitsgrenze. Strenggenommen müsste ein Bettler auf der Straße

bei der Bundesbank Meldung erstatten und eine Genehmigung erfragen, ehe

er vom oben beschriebenen fiktiven Thomas Röper (der echte wäre kaum

dumm genug, unter diesen Bedingungen nach Deutschland zu reisen) einen

Euro entgegennimmt.


Dies eine Aberkennung der Staatsbürgerschaft zu nennen, ist

untertrieben. Sobald man sich mit der konkreten Umsetzung beschäftigt,

falls einer der Betroffenen das staatsbürgerliche Recht, sich im eigenen

Land aufzuhalten, in Anspruch nähme, ist der Eingriff ins alltägliche

Leben derart weitreichend, dass er nur noch mit der Reichsacht zu

vergleichen ist. Es fehlt nur noch jener Teil der Entrechtung, der mit

"vogelfrei" am passendsten umschrieben ist, nämlich dass der Geächtete

von jedermann straffrei getötet werden darf. Aber der erste Teil der

Acht, das Verbot "zu beherbergen, speisen, tränken, schützen oder

helfen", ist vollumfänglich aus den Bestimmungen herauszulesen.


Nun kann man das bei Martin Luther nachvollziehen, gegen den diese

Reichsacht im zitierten Wormser Edikt verhängt wurde. Die Reformation

war eine der großen Erschütterungen der Frühen Neuzeit, in deren Gefolge

der Deutsche Bauernkrieg von 1525 ebenso steht wie der Dreißigjährige

Krieg von 1618 bis 1648. Man könnte also sagen, die Verhängung der Acht

beruhte auf einer realistischen Einschätzung der möglichen Folgen.

Außerdem war es eine etablierte rechtliche Maßnahme, die in den

Jahrhunderten zuvor öfter zur Anwendung gekommen war, in einem

Rechtssystem, dem bürgerliche Rechte noch fremd waren.


Letzte Reste der Acht finden sich noch im Strafrecht in Gestalt der

Entziehung des aktiven und passiven Wahlrechts und des Rechts,

öffentliche Ämter auszuüben. Zeitlich begrenzt für maximal fünf Jahre.

Alle anderen Formen wurden in der Bundesrepublik mit der

Strafrechtsreform 1969 abgeschafft. Dabei war die Abschaffung des

"bürgerlichen Tods" Bestandteil der Forderung der Revolution von 1848.

Der französische Code Civil enthielt bis 1854 die Möglichkeit, jemandem

das Eigentum und die Geschäftsfähigkeit abzuerkennen.


Feige, wie die regierende Berliner Bande nun einmal ist, vollzieht sie

diesen Zeitsprung zurück nicht auf der eigentlich dafür vorgesehenen

Bühne, dem Bundestag, und gießt ihren Angriff auf die bürgerliche

Freiheit in die Gestalt eines Gesetzes, mit ordentlicher Debatte und

Öffentlichkeit. Nein, sie nutzt eine EU-Verordnung, um ihre Hände in

Unschuld zu waschen, während sie einen Rechtszustand aus finsterster

Vergangenheit wiederbelebt und dabei so tut, als ginge es gar nicht um

Rechte eigener Staatsbürger.


Das sind dieselben, die sich andernorts, etwa im Gutachten des

Bundesamts für Verfassungsschutz über die AfD, so verhalten, als wäre

das Recht, sich ohne jede Beschränkung in Deutschland aufzuhalten, ein

Menschenrecht und kein Staatsbürgerprivileg. Das Ergebnis dieser

Mischung nennt sich Willkür, und das ist womöglich auch das Ziel.

Deutsche Staatsbürger für die Ausübung ihrer bürgerlichen Rechte in

Deutschland in einen Zustand völliger Rechtlosigkeit zu versetzen, also

den Rechtsanspruch eines jeden auf bestenfalls "Schutz" einzudampfen,

eine Angleichung nach unten.


Das Argument, man könne schließlich rechtlich dagegen vorgehen, und die

Sanktionen sähen es ja sogar vor, einen Anwalt bezahlen zu können, ist

eine leere Hülse. Wie viele Anwälte gibt es noch in Deutschland, die es

wagen, Prozesse um die Meinungsfreiheit zu führen und Angeklagte zu

verteidigen, die im Visier der staatlichen Verfolgung stehen? Fünf?

Zehn? Das Risiko ist hoch. Wer solche Fälle annimmt, muss wirtschaftlich

auf festen Beinen stehen. Der Zustand ist inzwischen auch im Bereich des

politischen Rechts so, wie er sich im Sozialrecht in den letzten 20

Jahren entwickelt hat: Theoretisch gibt es einen Anspruch auf einen

Anwalt, praktisch muss man erst einmal einen finden und den dann auch

noch bezahlen können. Im Gegensatz zu Flüchtlingen, die für ihre

Vertretung inzwischen auf ein ganzes Netz an Juristen und

Hilfsorganisationen zurückgreifen können, müssen Verfechter der

Meinungsfreiheit ihre Unterstützung auf dem freien Markt suchen.


/"Soweit nach diesem Grundgesetz ein Grundrecht durch Gesetz oder auf

Grund eines Gesetzes eingeschränkt werden kann, muss das Gesetz

allgemein und nicht nur für den Einzelfall gelten. Außerdem muss das

Gesetz das Grundrecht unter Angabe des Artikels nennen. [...] Wird

jemand durch die öffentliche Gewalt in seinen Rechten verletzt, so steht

ihm der Rechtsweg offen." Das ist Artikel 19 Grundgesetz. Zusammen mit

Artikel 20 (3) ist das die Kernformulierung des Rechtsstaatsgebots: "Die

Gesetzgebung ist an die verfassungsmäßige Ordnung, die vollziehende

Gewalt und die Rechtsprechung sind an Gesetz und Recht gebunden."

/

Das ist der wahre Grund, warum diese wiederbelebte Reichsacht

gewissermaßen exterritorial verhängt wurde. Was in dieser EU-Verordnung

beschlossen wurde, wäre nach deutschem Recht als Umgang mit eigenen

Staatsbürgern nicht legal. Man will Schritte unternehmen, wie sie

zuletzt zwischen 1933 und 1945 üblich waren, aber dabei vorgeben können,

als hätte man nichts damit zu tun. Und die anderen EU-Staaten blicken

auf diese Überschreitung und planen vermutlich bereits, ihr gleichzutun.


Nein, da kann man nicht mehr darüber debattieren, ob das mehr oder

weniger gerechtfertigt ist. Die Neuerfindung der Reichsacht ist mit der

UN-Erklärung der Menschenrechte inkompatibel. Grundsätzlich und für

immer. Das ist Unrecht, das nur als abschreckendes Beispiel für künftige

Juristengenerationen zu gebrauchen ist. Da tritt selbst die Tatsache,

dass die Vorwürfe Lappalien sind, im Verhältnis zum Charakter der

Maßnahme weit in den Hintergrund. Wer auch immer das ausgekocht hat ‒

jedem davon müsste das Recht entzogen werden, je wieder in irgendeiner

Weise mit Rechtsetzung oder Rechtsprechung zu tun zu haben.


unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

22.05.2025

Deutsche Israel-Politik /Israels Armee beschießt Diplomaten

aus e-mail von Doris Pumphrey, 22. Mai 2025, 8:04 Uhr


Berliner Zeitung 21.5.2025


*Gazakrieg: Wie sich Deutschland mit seiner Israel-Politik international

isoliert*


Während eine breite Mehrheit der EU-Staaten für eine Überprüfung des

Abkommens mit Israel stimmt, stellt sich Deutschland quer. Die

Zurückhaltung Berlins sorgt zunehmend für Irritationen.


Raphael Schmeller


Angesichts der sich zuspitzenden humanitären Krise im Gazastreifen

wächst der Druck auf Israel – auch aus der Europäischen Union. Eine

breite Mehrheit der Mitgliedstaaten sprach sich bei einem

Außenministertreffen in Brüssel dafür aus, das Assoziierungsabkommen mit

Israel zu überprüfen. Dieses Abkommen, das seit dem Jahr 2000 die

Zusammenarbeit zwischen der EU und Israel regelt, basiert laut Artikel 2

ausdrücklich auf der Achtung der Menschenrechte und demokratischer

Prinzipien.


*Israel-Politik: Wenig Klarheit aus Berlin*


EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas betonte, dass sich „eine starke

Mehrheit“ der Staaten für eine Prüfung ausgesprochen habe, ob Israel

diesen Grundprinzipien weiterhin gerecht werde. Hintergrund sind vor

allem die massiven Einschränkungen bei der humanitären Hilfe für den

Gazastreifen sowie die anhaltenden militärischen Operationen, die

international zunehmend auf Kritik stoßen. Die Hilfsgüter, die Israel

zuletzt wieder in den Gazastreifen gelassen habe, seien nur ein Tropfen

auf den heißen Stein, so Kallas. Die Lage in Gaza nannte sie „katastrophal“.


Deutschland gehörte zu den wenigen Staaten, die sich gegen eine

Überprüfung des Abkommens stellten. Johann Wadephul stimmte als einer

der wenigen Außenminister gegen den Vorschlag aus den Niederlanden.

Warum, das ließ das Auswärtige Amt auf Anfrage der Berliner Zeitung

unbeantwortet. Stattdessen verwies man auf die Aussagen von

Ministeriumssprecher Christian Wagner in der Regierungspressekonferenz

am Mittwoch.


Dort äußerte sich Wagner aber nur ausweichend: „Auf manches gibt es

einen anderen Blick“, sagte er zu Deutschlands Abstimmungsverhalten. Zur

Situation in Gaza erklärte er lediglich: „Die ersten Lieferungen sind

richtig, aber natürlich, es muss mehr rein, es sind viel zu wenig, das

ist klar.“ Kritik an der israelischen Regierung vermied er.


Auch auf die Aussagen des israelischen Finanzministers Bezalel Smotrich,

der die „Auslöschung“ des Gazastreifens am Montag angekündigt hatte,

reagierte der Sprecher zurückhaltend. Wagner bezeichnete solche

Äußerungen als „nicht hilfreich für den Friedensprozess“ – eine

ausdrückliche Verurteilung blieb jedoch auch auf Nachfrage aus.


Nach Informationen von Euronews stimmten 17 EU-Mitgliedstaaten für die

Überprüfung des EU-Israel-Abkommens. Belgien, Finnland, Frankreich,

Irland, Luxemburg, Portugal, Slowenien, Spanien und Schweden hatten den

Vorschlag der Niederlande bereits vor dem Treffen der Außenminister am

Dienstag öffentlich unterstützt. Auch Dänemark, Estland, Malta, Polen,

Rumänien, Österreich und die Slowakei stimmten dem zu. Neben Deutschland

votierten Bulgarien, Kroatien, Zypern, die Tschechische Republik,

Griechenland, Ungarn, Italien und Litauen dagegen. Lettland enthielt sich.


Die Niederlande kündigten unterdessen an, einer geplanten Verlängerung

des EU-Israel-Aktionsplans um zwei Jahre nicht zuzustimmen, solange

keine Überprüfung stattfindet. Der EU-Israel-Aktionsplan gilt als

Grundlage für die politische und wirtschaftliche Kooperation. Seine

Verlängerung würde Israels Integration in europäische Programme weiter

vertiefen – eine Perspektive, die angesichts der Lage in Gaza derzeit

vielen EU-Staaten problematisch erscheint.


*Großbritannien setzt Gespräche aus – Trump distanziert sich*


Auch außerhalb der EU mehren sich Konsequenzen. Großbritannien setzte

wegen des Gazakriegs die Gespräche über ein Freihandelsabkommen mit

Israel aus. „Das Handeln der Regierung Netanjahu hat das notwendig

gemacht“, erklärte Außenminister David Lammy. Zudem wurde die

israelische Botschafterin einbestellt und neue Sanktionen gegen radikale

Siedler im Westjordanland angekündigt.


Bereits zuvor hatten die Regierungen Großbritanniens, Frankreichs und

Kanadas Israel mit „konkreten Maßnahmen“ gedroht, sollte die Offensive

im Gazastreifen nicht beendet und der Zugang für Hilfslieferungen nicht

deutlich verbessert werden. Auch hier war Deutschland auffallend nicht

dabei.


Selbst aus den USA kommt zunehmend Distanz. Präsident Donald Trump,

eigentlich ein enger Verbündeter von Israels Ministerpräsident Benjamin

Netanjahu, führte zuletzt wichtige Gespräche mit Saudi-Arabien sowie

Verhandlungen über einen Waffenstillstand mit den Huthi-Rebellen ohne

israelische Beteiligung. Auch die derzeit laufenden Atomgespräche mit

dem Iran sollen Medienberichten zufolge ohne Wissen Israels eingefädelt

worden sein. Israelische Medien berichten, Trump habe den direkten Draht

zu Netanjahu abgebrochen, da er sich von diesem instrumentalisiert fühle.


Der Druck auf Israel – und auch auf EU-Staaten wie Deutschland, die eine

klare Position verweigern – wächst. Die humanitäre Katastrophe im

Gazastreifen hat das diplomatische Gleichgewicht in Europa und darüber

hinaus spürbar verschoben.



Berliner Zeitung 21.5.2025


*Westjordanland: Israels Armee beschießt Diplomaten – deutscher

Vertreter betroffen*


Bei einem genehmigten Besuch einer ausländischen Delegation in Dschenin

fallen am Mittwoch Schüsse. Der brisante Vorfall löst Empörung aus.


Sophie Barkey, Alexander Schmalz


Eine Gruppe von Diplomaten aus fast zwei Dutzend Ländern ist am Mittwoch

während einer Reise in die Stadt Dschenin im Westjordanland von Schüssen

der israelischen Soldaten überrascht worden. Videos, die in den sozialen

Medien kursieren, zeigen, wie sie in Deckung gingen, als die Schüsse

fallen. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes gehörte auch ein deutscher

Diplomat der Delegation an. Zudem sei ein Fahrer aus dem Vertretungsbüro

Ramallah vor Ort gewesen. Die Bundesregierung verurteilte „diesen

unprovozierten Beschuss“.


„Wir können von Glück reden, dass nichts Schlimmeres passiert ist“,

erklärte die Sprecherin weiter. Die Diplomatengruppe sei „im Rahmen

ihrer diplomatischen Tätigkeit und in Koordinierung mit der

palästinensischen Behörde und der israelischen Armee im Westjordanland“

unterwegs gewesen.


*Frankreichs Außenminister: Schüsse im Westjordanland „nicht hinnehmbar“*


„Die unabhängige Beobachterrolle der Diplomatinnen und Diplomaten vor

Ort ist unverzichtbar und stellt in keinster Weise eine Bedrohung für

israelische Sicherheitsinteressen dar“, betonte die Sprecherin des

Auswärtigen Amtes. „Die israelische Regierung muss umgehend die Umstände

aufklären und die Unverletzlichkeit von Diplomatinnen und Diplomaten

respektieren.“ Dies wolle Bundesaußenminister Johann Wadephul auch

gegenüber seinem israelischen Amtskollegen zum Ausdruck bringen.


*Israels Armee „bedauert die Unannehmlichkeiten“*


In einem Statement, das die israelische Armee kurz darauf

veröffentlichte, heißt es, die etwa 20-köpfige Gruppe sei von der

genehmigten Route abgewichen, es habe sich um Warnschüsse gehandelt. Man

werde den Vorfall genau untersuchen. „Die IDF bedauern die entstandenen

Unannehmlichkeiten“, hieß es in der Erklärung weiter.


Nach Angaben des Außenministeriums der Palästinensischen

Autonomiebehörde wurden bei der Konfrontation, an der unter anderem

Diplomaten aus Großbritannien, Kanada, Frankreich, China, Russland und

der Europäischen Union beteiligt waren, keine Verletzten gemeldet. Wie

die israelische Times of Israel berichtete, wird erwartet, dass

Militärbeamte Gespräche mit Vertretern der beteiligten Länder führen

werden, um den Vorfall zu klären.


*Verhalten der israelischen Soldaten stößt auf internationale Kritik*


In einer ersten Reaktion bezeichnete die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas

den Vorfall als inakzeptabel. „Wir fordern Israel auf, diesen Vorfall zu

untersuchen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen“, sagte

Kallas weiter gegenüber Reportern in Brüssel, wie die Nachrichtenagentur

AFP berichtet.  Der französische Außenminister Jean-Noël Barrot

bezeichnete das Geschehen als „nicht hinnehmbar“ und kündigte die

Einbestellung des israelischen Botschafters in Frankreich an. Ähnliche

Reaktionen kamen aus Ländern wie Italien, Spanien und Belgien.


So forderte Italiens Außenminister Antonio Tajani im Onlinedienst X

schnelle Aufklärung. Er fügte hinzu, dass es sich bei einem der

Diplomaten um einen Italiener handele, dem es „gut“ gehe. Auch Spaniens

Außenministerium verurteilte den Beschuss auf Diplomaten „scharf“. Ein

spanischer Diplomat habe sich ebenfalls in der Gruppe befunden, ihm gehe

es „gut“. „Wir stehen in Kontakt mit anderen betroffenen Ländern, um

eine gemeinsame Antwort auf das Geschehene zu geben, das wir aufs

Schärfste verurteilen“, teilte das Ministerium der Nachrichtenagentur

AFP mit.


Auch ein belgischer Diplomat befand sich nach Angaben des belgischen

Außenministers Maxime Prévot in der Gruppe von „etwa 20 Diplomaten“, die

für einen offiziellen Besuch in das Westjordanland gereist war. „Diese

Diplomaten absolvierten einen offiziellen Besuch in Dschenin, der jedoch

mit der israelischen Armee koordiniert worden war, in einem Konvoi von

etwa 20 klar identifizierbaren Fahrzeugen“, erklärte Prévot im

Onlinedienst X. (mit AFP)


unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

22.05.2025

„Guter Rat für Rückverteilung"Wie Medien über Reichtum berichten

makronom.de, vom 21. Mai 2025, Hendrik Theine, Carlotta Verita & Moritz Gartiser, Ungleichheit

Die Millionenerbin Marlene Engelhorn gab große Teile ihres Vermögens nicht nur ab, sondern übertrug die Entscheidung darüber an einen Rat. Eine begleitende Analyse zeigt: Während zentrale Botschaften mediale Aufmerksamkeit fanden, blieben systemische Fragen oft unterbelichtet oder wurden delegitimiert.


Als Marlene Engelhorn am 9. Januar 2024 öffentlich verkündete, dass sie den überwiegenden Teil ihres geerbten Vermögens an die Gesellschaft rückverteilen werde, war die mediale wie gesellschaftliche Aufmerksamkeit groß. Außergewöhnlich war der Schritt dabei nicht nur, weil die Millionenerbin den überwiegenden Teil ihres „unverdienten Vermögens“ – 25 Millionen Euro – an die Gesellschaft zurückgeben wollte, sondern auch in Bezug auf die Methode, die sie wählte, um dies umzusetzen: Sie initiierte den „Guten Rat für Rückverteilung“, ein Gremium aus 50 repräsentativ ausgewählten Menschen aus Österreich, die über sechs Wochenenden hinweg über die Verteilung des Geldes entscheiden konnten. Engelhorn schuf so einen selbstorganisierten Bürgerrat, der demokratische Kontrolle über ihr Erbe ausüben sollte.

In einer Zeit wachsenden gesellschaftlichen Bewusstseins über bestehende sozioökonomische Ungleichheiten und der damit zusammenhängenden Beeinträchtigung demokratischer Prinzipien und Institutionen bedeutete der Gute Rat eine einzigartige Möglichkeit – nämlich diese Themen medial und gesellschaftlich (neu) zu verhandeln und Debatten über ein gerechteres Steuer- und Abgabensystem zu führen.

Gleichzeitig bot der Rat auch die Möglichkeit, diesen medialen Prozess wissenschaftlich intensiv zu begleiten. In einem neuen Arbeitspapier (https://www.otto-brenner-stiftung.de/ueber-reichtum-berichten/) haben wir die Kommunikation des Guten Rates sowie dessen Rezeption in der medialen Berichterstattung untersucht. Zu diesem Zweck wurden die Botschaften des Guten Rates anhand von Pressemitteilungen, Social-Media-Posts und anderweitigen Beiträgen analysiert und die wesentlichen Diskurspositionen mittels kritischer Diskursanalyse herausgearbeitet. Parallel haben wir auch die mediale Berichterstattung untersucht: Hierfür wurden 162 Artikel und Beiträge aus 26 deutschsprachigen Medien ausgewertet. Der Fokus unserer Analyse lag dabei auf den Positionen in Bezug auf die (De-)Legitimation von Ungleichheit, die Um- oder Rückverteilung von Vermögen sowie auf verschiedene Dimensionen demokratischer Teilhabe.

Unsere Analyse zeigt, dass der Gute Rat in seiner Kommunikation den Schwerpunkt auf fünf Positionen legte (siehe Abb. 1):

  • Zum Einen wurde Ungleichheit als fundamentales, gesellschaftliches und demokratisches Problem hervorgehoben, welches gesellschaftszersetzende Wirkung entfalten kann (hohe Vermögen sind gesamtgesellschaftlich schädlich).
  • Darüber hinaus wurde der Status quo gesellschaftlicher (Macht-)Asymmetrien als systemisches Versagen von Gesellschaft und Politik gebrandmarkt. Diese hat sich bisher unfähig gezeigt, effektive Gegenmaßnahmen wie etwa Vermögens- oder Erbschaftssteuern zu implementieren, bzw. diese im Verlauf der Jahre sogar abgeschafft (Systemversagen).
  • Auch die grundlegende Kritik am gesellschaftlichen Leitbild der Leistungsgesellschaft wurde durch den Guten Rat betont und als unrealistisch und realitätsfern zurückgewiesen. Vielmehr wurde in der Kommunikation des Guten Rates ein alternatives Leitbild betont, welches die soziale Basis gesellschaftlicher Reichtumsproduktion hervorhebt und eine grundlegende soziale Abhängigkeit jeglicher wirtschaftlicher und sozialer Prozesse voraussetzt (Unterbau gesellschaftlicher Reichtumsproduktion). In dieser Lesart kann individueller Reichtum niemals als ausschließliche Folge persönlicher Leistung verstanden werden, sondern ist vielmehr gesamtgesellschaftlich vorbereitet und abgesichert worden, z.B. durch die gesellschaftliche Bereitstellung von Bildungsmöglichkeiten, Rechtssicherheit, oder notweniger Infrastruktur für wirtschaftliche Entwicklung.
  • Schließlich wird in der Kommunikation des Guten Rates die (Re-)Demokratisierung als Ausweg aus der Verteilungsmisere angeboten: Breite gesellschaftliche Partizipation und Mitbestimmung seien notwendige Voraussetzungen für gesellschaftliche Rückverteilung und Verteilungsgerechtigkeit (Demokratie als Grundlage für Umverteilung).

Relevanz der Diskurspositionen in Außenkommunikation und Medienberichterstattung

Die Kommunikationsstrategie des Guten Rates war darauf ausgelegt, gesellschaftliche Ungleichheit und fortwährende Prozesse von Vermögenskonzentration mit einer grundlegenden Kritik am politischen und ökonomischen System zu verbinden. Widersprüche zwischen gesamtgesellschaftlichen Leitbildern wie demokratischer Repräsentation, Leistungsgerechtigkeit oder Chancengleichheit und der gelebten Realität ungleicher Macht- und Lebensverhältnisse diente so als Ansatzpunkt für fundamentale Kritik am System gesellschaftlicher Organisation.

Gleichzeitig versuchte der Gute Rat, Alternativen zum Status quo aufzuzeigen: Zum einen entwarf er ein kollektives Verständnis gesellschaftlicher und ökonomischer Abläufe von Produktion und Akkumulation als Gegenentwurf zum individualisierten Gesellschafts- und Leistungsbegriff. Weiter bot er aber auch eine demokratische Perspektive durch die Betonung deliberativer und partizipativer Modelle als Alternative zu etablierten, demokratischen Institutionen. Die Blockade herkömmlicher Institutionen in Bezug auf die Probleme wachsender Ungleichheit und Vermögenskonzentration würden so in partizipative Gremien ausgelagert werden. Insgesamt war die Kommunikation des Guten Rates damit nicht nur darauf ausgelegt, kritische und meist randständige Diskurspositionen zum Thema Ungleichheit und Vermögenskonzentration zu stärken, sondern bot auch eine Legitimierungsgrundlage für strukturell ausgerichtete und lösungsorientierte (System-)Alternativen.

Eine breite, aber verkürzte Berichterstattung

In den Medien wurden die Diskurspositionen des Guten Rates durchaus aufgenommen und fanden eine vergleichsweise breite Rezeption. Gleichzeitig jedoch wurden die Positionen inhaltlich oft verkürzt dargestellt, oberflächlich behandelt, argumentativ abgeschwächt sowie durch deutlich kritischere Töne flankiert und delegitimiert. Insgesamt konnte dabei eine allgemeine Tendenz innerhalb des medialen Diskurses identifiziert werden, grundlegendere systemische und strukturelle Fragen von Verteilungsgerechtigkeit, demokratischer Teilhabe und Machtasymmetrien zugunsten von oberflächlichen, machtpolitischen und personalisierten Erwägungen zu vernachlässigen.

Diese Tendenzen innerhalb der medialen Berichterstattung wurden durch zwei weitergehende Diskurspositionen ergänzt: Zum einen spielten systembewahrende Argumente eine kleine, aber signifikante Rolle in der medialen Berichterstattung. Entgegen kritischer Perspektiven auf Reichtum wurden in dieser Diskursposition Vermögen und Vermögende mit Verweis auf individuelles Engagement und die persönliche Leistung Einzelner in ein positives Licht gerückt, Kritik daran als unangemessen zurückgewiesen. So werden unternehmerische Gründergeschichten, gesellschaftliches Engagement und die Spendenbereitschaft einzelner Vermögender als Legimitationsgrundlage gesellschaftlicher Ungleichheiten herangezogen und deren gesellschaftliche Stigmatisierung beklagt.

Neben dieser Position wurde medial auch grundlegende Kritik am Guten Rat selbst geübt. In dieser Diskursposition wurden wahlweise die Person Marlene Engelhorns – ihre Ziele, Charakter und Motive – in Zweifel gezogen, der Prozess des Guten Rates als undemokratisch, unzulänglich oder manipuliert dargestellt und dessen Ergebnisse so delegitimiert. Schließlich wurde der Gute Rat auch in Bezug auf seine Wirkung als PR-Event abgeschrieben: Er sei demnach wenig geeignet, die umfassende gesellschaftlicher Ungleichheit effektiv zu mindern.

Eine weitergehende Auswertung der Ergebnisse nach der politisch-redaktionellen Ausrichtung machte einige Unterschiede zwischen den Medien deutlich. Zum einen zeigte sich eine – wenngleich nur leicht ausgeprägte – Tendenz, wonach konservative und rechte Medien „systembewahrende“ und prozedural kritische Positionen stärker vertraten und damit die Positionen des Guten Rates eher relativierten oder zurückwiesen. Gleichzeitig räumten links-liberale Medien den originären Diskurspositionen des Guten Rates vergleichsweise größeren Raum ein – insbesondere die Betonung demokratischer Prozesse für Umverteilung, die gesellschaftliche Gefahr wachsender Vermögenskonzentration sowie der Fokus auf der grundlegenden Widersprüchlichkeit zwischen dem individuellen Leistungsgedanken und vorherrschenden Prozessen gesellschaftlicher Vermögenskonzentration durch Erbschaft und Zugehörigkeit.

Diskursverteilung nach politisch-redaktioneller Ausrichtung

Abgesehen von dieser Tendenz, erfolgte die Medienberichterstattung überwiegend in Form tatsachenbetonter Nachrichten mit bemüht neutraler Intonation. Dies dürfte dazu beigetragen haben, dass tiefergehende, systemische und strukturelle Fragen weitgehend ausgeblendet wurden, da für solche Betrachtungen eine eingehendere, ausführliche Berichterstattung und Analyse notwendig gewesen wäre. Somit trug auch die journalistische Praxis u.a. durch das gewählte Format der Berichterstattung dazu bei, die Etablierung alternativer Narrative und Interpretationen zu erschweren und leistete so einen Beitrag zur Aufrechterhaltung des Status quo. So fiel auf, dass sich der Großteil der Medienberichterstattung auf die bloße Reproduktion eingehender Zitate einerseits, oder etablierter Inhalte und Argumente sowie oberflächlicher Kommentierung, andererseits, beschränkte. Dies erleichtert zwar die Produktion eingängiger und leicht zu konsumierender Inhalte, steht einer tiefergehenden Auseinandersetzung mit komplexen Themen aber entgegen.

Berichterstattung über den Guten Rat nach journalistischer Form in Prozent

Die Grenzen des Mediensystems

Abschließend zeigte die Analyse der (Medien-)Kommunikation des Guten Rates für Rückverteilung exemplarisch die Möglichkeiten von zivilgesellschaftlichen Initiativen, um das Thema Ungleichheit und Umverteilung in den öffentlichen Diskurs tragen und dieses offensiv und innovativ vertreten zu können. Durch gute Vorbereitung und professionelle Begleitung konnte der Gute Rat eine starke öffentliche Präsenz einnehmen und seine Argumente und Positionen durchaus erfolgreich im Diskurs etablieren.

Gleichzeitig zeigt die Studie aber auch die institutionellen Grenzen des traditionellen Mediensystems als Gatekeeper auf: Besonders systemische und strukturelle Kritikpunkte des Guten Rates wurden in den Medien oft aufgeweicht, stark vereinfacht und relativiert – oder aber zugunsten oberflächlicher, oft personalisierter und auf die Person Marlene Engelhorn fokussierter Berichterstattung vernachlässigt. Während eine abschließende Bewertung über die tatsächliche gesamtgesellschaftliche Wirkung der Öffentlichkeitsarbeit des Guten Rates noch aussteht, kann diese dennoch sowohl in Bezug auf den Umfang der öffentlichen Resonanz und die inhaltliche Etablierung komplexer Problemstellungen im öffentlichen Diskurs als erfolgreich angesehen werden.

 

Zu den Autoren:

Hendrik Theine ist wissenschaftlicher Mitarbeiter (post-doc) am Socio-Ecological Transformation Lab und am Institut für die Gesamtanalyse der Wirtschaft (ICAE) an der Johannes Kepler Universität Linz.

Carlotta Verita ist wissenschaftliche Mitarbeiterin (prae-doc) am Institut für die Gesamtanalyse der Wirtschaft (ICAE) an der Johannes Kepler Universität Linz und arbeitet zu Fragen der sozial-ökologischen Transformation.

Moritz Gartiser hat am Institut für Sozioökonomie der Universität Duisburg-Essen promoviert. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören steuerpolitische Diskurse in den Medien.

Hinweis:

Die vollständige Studie, auf der dieser Beitrag beruht, finden Sie hier (https://www.otto-brenner-stiftung.de/ueber-reichtum-berichten/).


Arbeitspapier downloaden

https://www.otto-brenner-stiftung.de/fileadmin/user_data/stiftung/02_Wissenschaftsportal/03_Publikationen/AP79_Der_gute_Rat.pdf


Kurzfassung downloaden

https://www.otto-brenner-stiftung.de/fileadmin/user_data/stiftung/02_Wissenschaftsportal/03_Publikationen/AP79_Der_Gute_Rat_Vierseiter.pdf



Info: https://lostineu.eu/deutschland-verharrt-in-der-krise/?utm_campaign=Lost%20in%20EUrope%20Update&utm_content=Lost%20in%20EUrope%20Update&utm_medium=email&utm_source=getresponse


unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

22.05.2025

Angriff aufs EU-Budget, Absage an die Lieferkette & Pistorius gegen Trump

lostineu.eu, 22. Mai 2025

Die Watchlist EUropa vom 22. Mai 2025 – Heute mit News und Updates zum Streit über den nächsten Gemeinschaftshaushalt, zur deutsch-französischen Revolte gegen ein EU-Gesetz und zur Verhandlungstaktik von US-Präsident Trump im Ukraine-Krieg.

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Europa ist in einer schrecklichen Lage. Die Wirtschaft schwächelt, Deutschland wirkt verloren, Frankreich geht es nicht wirklich gut. Dies sagte der amerikanische Star-Ökonom Rogoff Ende Januar. An dieser Krise hat sich seitdem nicht viel geändert.

Nun kommt auch noch eine Budgetkrise hinzu. Im Juli will die EU-Kommission ihren Vorschlag zum Rahmenbudget für die nächsten sieben Jahre ab 2028 vorlegen. Was bisher durchgesickert ist, lässt nichts Gutes ahnen. Es ist ein Angriff auf die Subsidiarität.

Die von-der-Leyen-Behörde will einen neuen Superfonds zur Förderung der “Wettbewerbsfähigkeit” schaffen und die beiden bisher größten Posten, Agrar- und Strukturpolitik, nur noch als ein Art „Zuschuss“ an die EU-Staaten zahlen.

Mehr Kontrolle aus Brüssel

Damit würde sie die Kontrolle über die nationale Budgetpolitik massiv ausweiten. Geld soll nur noch gegen Reformen fließen, die von Brüssel überwacht werden. Als Vorbild gilt ausgerechnet der Corona-Aufbaufonds, der laut EU-Rechnungshof gescheitert ist!

Außerdem verlangt die EU-Kommission neue Eigenmittel. Allein für die Rückzahlung der für den Corona-Fonds aufgenommenen gemeinsamen Schulden würden von 2028 an jährlich 25 bis 30 Mrd. Euro fällig, heißt es in einem Papier, aus dem die “FAZ” zitiert.

Das Geld wird knapp, zugleich will die EU massiv aufrüsten und hunderte Milliarden in Waffen und Munition stecken. Da ist Streit programmiert. Nicht nur die Bauern machen sich Sorgen. Auch europäische Regionen und deutsche Bundesländer sind alarmiert.

Keine Mitsprache der Länder?

Die Europaminister der Länder organisieren bereits Widerstand. Am Mittwoch traf sich die Europaministerkonferenz in Brüssel. Ihr Chef, der Thüringer CDU-Politiker Stefan Gruhner, warnte vor massiven Kürzungen und einer Zentralisierung der Geldvergabe.

“Das Wichtigste ist, dass wir die Mitsprache der deutschen Bundesländer beim nächsten EU-Haushalt sichern“, sagte Gruhner. Demgegenüber sieht die EU-Kommission nationale Pläne vor, um die Gelder zu verteilen. Die Länder könnten so entmündigt werden.

Kommissionschefin von der Leyen beteuert zwar, sie werde Rücksicht nehmen. Doch ihr Machtanspruch ist unübersehbar. Am Ende könnte sich ihr Parteifreund Merz gezwungen sehen, ein Machtwort zu sprechen – denn auch in seinem Budget wird das Geld knapp…

Mehr zum EU-Budget hier

P.S. Während man über Millionen für die Bundesländer streitet, wurden am Mittwoch 150 Mrd. Euro für die Aufrüstung bewilligt: Die EU-Staaten haben einen entsprechenden Vorschlag von der Leyens angenommen. Für das sog. SURE-Programm wollen sich die 27 sogar neu verschulden!

News & Updates

  • Lieferketten-Gesetz: Macron pflichtet Merz bei. Frankreichs Staatschef Macron unterstützt den Vorstoß des Kanzlers zur Streichung der europäischen Lieferketten-Richtlinie. „Wir sind absolut im Einklang mit Kanzler Merz und anderen Kollegen, noch weiter zu gehen“, sagte Macron. Die Lieferketten-Richtlinie „und einige andere Regulierungen müssen nicht bloß um ein Jahr aufgeschoben, sondern beseitigt werden“. – Dies ist ein Affront gegen EU-Präsidentin von der Leyen – sie hatte das Gesetz vorgeschlagen und zuletzt die Umsetzung aufgeschoben…
  • Fünf Abgeordnete wegen Huawei am Pranger. Fünf EU-Abgeordneten droht wegen Korruptionsverdachts im Zusammenhang mit dem chinesischen Unternehmen Huawei der Verlust ihrer Immunität. Parlamentspräsidentin Metsola sagte, sie habe den Antrag der zuständigen Behörden in Belgien zur Aufhebung der parlamentarischen Immunität erhalten – also des Schutzes der Abgeordneten vor Strafverfolgung. Der Antrag werde an den Rechtsausschuss verwiesen. – Die Affäre ist mysteriös, Beweise sind Mangelware…
  • EU macht Kehrtwende in der Israelpolitik: Brüssel will das Kooperationsabkommen mit Israel prüfen – angesichts der Notlage in Gaza. Die Bundesregierung wirkt zunehmend isoliert. – Mein Beitrag für die taz. Siehe auch Die deutsche “Führung” scheitert schon beim ersten TestP.S. Bei einer Mission im Westjordanland haben israelische Soldaten Schüsse auf EU-Diplomaten abgefeuert. Angeblich waren es nur Warnschüsse. Dennoch wirkt der Vorfall wie eine Antwort auf die neue EU-Politik…

Das Letzte

Pistorius weiß alles besser. Letzte Hoffnung Trump – so haben wir die (neue) Haltung der EUropäer im Ringen um die Ukraine beschrieben. Doch einer weiß alles besser, sogar besser als Trump: der deutsche Kriegs- – pardon – Verteidigungsminister Pistorius. “Er hat einfach die Verhandlungssituation mit Wladimir Putin nicht richtig eingeschätzt”, sagt der SPD-Politiker. So habe Trump eine Nato-Mitgliedschaft der Ukraine frühzeitig vom Tisch genommen und Gebietsansprüche Russlands akzeptiert. “Das macht man ja eigentlich nicht, bevor man in die Verhandlungen geht.” – Soso, das macht man nicht? Was macht man denn dann nach drei Jahren Krieg, den die Ukraine de facto verloren hat? Unrealistische Forderungen stellen und die Ukrainer bis zum letzten Mann weiterkämpfen lassen? Das ist es offenbar, was Pistorius will. Dabei sollte ein Kriegs- – pardon – Verteidigungsminister doch eigentlich wissen, wie ernst die Lage an der Front ist. Selbst die USA konnten das Ruder nicht herumreißen, auch Ex-Präsident Biden hat nur auf Zeit gespielt...

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‹ Update Rumänien: Simion fordert Annullierung der Wahl

2 Comments

  1. european
    22. Mai 2025 @ 09:40

    Immer wenn ein Machtvakuum entsteht, findet sich jemand, der das fuer sich nutzt.

    Die Laender wissen einfach nicht, was sie tun sollen. Gestern las man in der WELT von bevorstehenden Entlassungswellen. Gleichzeitig liest man von Merz, dass die Deutschen nun alle mehr arbeiten sollen. Da kommt man ins Gruebeln. Weiterhin sehen die Wirtschaftsweisen ihr Heil in weiteren Kuerzungen, natuerlich nicht bei Beamten- oder Politikerpensionen, nein bei der Pflegeversicherung und die Rente ist ihnen sowieso ein Dorn im Auge.

    Der Analyst Acemaxx, ein Schweizer Banker, der sich auch gern auf Flassbeck bezieht, hat in seinem aktuellen Substack Blog dieses Dilemma sehr einleuchtend zusammengefasst. “Germany: More work for what reward?

    https://acemaxxanalytics.substack.com/p/germany-more-work-more-productivity

    Knackig, praezise, lesenswert und er kommt zu folgendem Schluss:

    “In Germany, stagnating real wages have undermined the traditional social contract. Workers are expected to do more, produce more, and remain flexible, but the economic gains are not shared evenly.”

    Was fuer eine bahnbrechende Erkenntnis fuer die deutsche Politik: Eine produzierende Wirtschaft braucht zahlungskraeftige Kunden. Ja, isses denn moeglich? ????

    Daraus folgt auch: Nichtsverdiener zahlen auch nichts in die Sozialkassen ein und brauchen im Alter Zuschuesse vom Staat. Nur mal fuer die, die dauernd plaerren, dass WIR uns die Renten nicht mehr leisten koennen und deshalb Einwanderung brauchen. Mal abgesehen von den vielen versicherungsfremden Leistungen der RV.

    Und nur noch zur Erinnerung, damit das nicht vergessen wird. Die EU genehmigte sich 7 Gehaltserhoehungen in 3 Jahren und hat gerade ihr Spesenbudget um satte 38 Prozent erhoeht. Dazu fallen mir ganz boese und absolut nicht damenhafte Worte ein.

Antworten

  • Guido B.
    22. Mai 2025 @ 08:33

    Die US-Administration hat gemerkt, dass es besser ist, mit der größten Atommacht der Erde und ihrem Präsidenten zu reden und irgendwie zusammenzuarbeiten. Merz, Pistorius und Wadephul haben das noch nicht gemerkt. Sie reden lieber drei Mal täglich mit einem Failed State und seinem halluzinierenden Prädidentendarsteller, der 24 Stunden am Tag auf Betteltour ist und unverschämte Forderungen am Fließband produziert.
    Es wäre für Deutschland und EUropa besser, gute Geschäfte mit Trump und Putin und Xi Jinping zu machen. Selenski ist eine Garantie für bodenlose Verlustgeschäfte. Wo bleibt der Geschäftssinn der Deutschen?

    Antworten

  • Was sagen Sie dazu?

    Info: https://lostineu.eu/angriff-aufs-eu-budget-absage-an-die-lieferkette-pistorius-weiss-alles-besser/?utm_campaign=Lost%20in%20EUrope%20Update&utm_content=Lost%20in%20EUrope%20Update&utm_medium=email&utm_source=getresponse

    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.



    Weiteres:




    Update Rumänien: Simion fordert Annullierung der Wahl


    lostineu.eu, 21. Mai 2025

    George Simion hat beim Verfassungsgericht eine Annullierung des Ergebnisses der Präsidentschaftswahl in Rumänien beantragt. Der 38-Jährige, der dem EU-freundlichen Politiker Nicusor Dan unterlegen war, erklärte, er habe „unwiderlegbare Beweise“, dass sich Frankreich, Moldau und „andere Akteure“ in die Wahl eingemischt hätten. Simion legte diese Beweise zwar zunächst nicht vor. Allerdings kommen ähnliche Vorwürfe von Telegram-Chef Durov. Er ist offenbar sogar bereit, vor dem Verfassungsgericht auszusagen und Beweise vorzulegen. Man darf gespannt sein, wie Bukarest und Brüssel reagieren. Schließlich wiegt der Vorwurf der Einmischung schwer – die EU hat sich sogar selbst zum Wächter erklärt. Allerdings nur, wenn es um Russland geht…

    Mehr zu Rumänien hier

    P.S. Simion erklärte, er werde das Verfassungsgericht darum ersuchen, die erste Runde der Wiederholungswahl im Mai aus denselben Gründen zu annullieren, die das Gericht bei seiner Entscheidung im vergangenen Jahr anführte. Auch damals ging es um ausländische Einmischung – jedoch aus Russland…

    ‹ Deutschland verharrt in der Krise › Angriff aufs EU-Budget, Absage an die Lieferkette & Pistorius gegen Trump

    5 Comments

    1. Erneuerung
      22. Mai 2025 @ 09:47

      Wer es immer noch nicht geschnallt hat, wir leben nicht mehr in der Demokratie, sondern in einer Demokratiesimulation. Auch die DDR bezeichnete sich, schon im Namen, als demokratisch, und Hitler als (national-)sozialistisch. Die einzige Hoffnung besteht darin, dass solche Systeme eine begrenzte Haltbarkeitdauer haben.

    Antworten

  • european
    22. Mai 2025 @ 09:45

    Die beiden Analysten von The Duran haben heute in ihrem podcast noch einen etwas anderen Blick auf die Lage in Rumaenien geworfen. Sie kommen zu dem Schluss, dass Simion nicht Georgescu ist und man den Eindruck gewinnen musste, dass sich unter ihm nicht sehr viel aendern wird.

    https://youtu.be/AGj7JFax91g?feature=shared

    Bezueglich Frankreich sehen sie die Dinge sehr aehnlich und fragen sich, ob die Bezeichnung Macrons als kleiner Napoleon mehr als nur leise Ironie ist.

    Antworten

  • KK
    22. Mai 2025 @ 01:10

    Wenn das rumänische Verfassungsgericht konsequent ist – und nicht politisch motiviert – wird ihm gar keine andere Möglichkeit bleiben, als erneut zu annullieren.

    Dann könnte aber Simion uU das gleiche Schicksal blühen wie Georgescu: strafrechtliche Verfolgung und Ausschluß von der Wahl. Wäre doch gelacht, wenn “die Guten” nicht am Ende den richtigen Mann in Bukarest auf den Thron gehievt bekämen…

    Antworten

  • Arthur Dent
    21. Mai 2025 @ 22:30

    War zufällig ein Herr Roth in der Gegend?

    Antworten

  • Michael
    21. Mai 2025 @ 17:42

    Immerhin gibt Simion‘s potentieller PM einen sehr guten Präzedenzfall ab! Aber mit genügend Geld – auch a la Moldavien – könnte sich die EU hier den erforderlichen Einfluss bestimmt sichern!

    Antworten

  • Was sagen Sie dazu?


    Info: https://lostineu.eu/update-rumaenen-simion-fordert-annullierung-der-wahl/?utm_campaign=Lost%20in%20EUrope%20Update&utm_content=Lost%20in%20EUrope%20Update&utm_medium=email&utm_source=getresponse


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    Weiteres:




    Deutschland verharrt in der Krise


    lostineu.eu, vom 21. Mai 2025

    Nach der EU-Kommission haben auch die Wirtschaftsweisen die Konjunktur-Erwartungen für Deutschland heruntergeschraubt. Sie kassierten die frühere Prognose und erwarten nunmehr 2025 eine Stagnation. “Die deutsche Wirtschaft wird in nächster Zeit maßgeblich von zwei Faktoren beeinflusst: der US-amerikanischen Zollpolitik und dem Finanzpaket”, erläuterte die Sprecherin der “Weisen”, Schnitzer. Die US-Zollpolitik belaste die schwache deutsche Exportwirtschaft zusätzlich. Die Prognose ist ein Dämpfer für die neue Bundesregierung, aber auch für die EU-Kommission. Denn die wehrt sich nicht gegen US-Präsident Trump, sondern hofft auf Verhandlungen. Das Gezerre dürfte bis zum Sommer weitergehen. Bis dahin verharrt Deutschland in der Krise – die EU auch…

    ‹ Die deutsche “Führung” scheitert schon beim ersten Test › Update Rumänien: Simion fordert Annullierung der Wahl

    5 Comments

    1. Arthur Dent
      21. Mai 2025 @ 13:35

      Bis zum 21. Juni ist ja noch etwas Zeit. Dann ist Stimmung, dann ist Rambo-Zambo sacht der Kanzla. Denn bis zum Sommer wird alles besser in Deutschland. Die Wirtschaft wächst, die Nettogehälter auch…. ????

    Antworten

    • ebo
      21. Mai 2025 @ 13:48

      Und dann ist auch sein erster EU-Gipfel ????

      Antworten

      • Michael
        21. Mai 2025 @ 17:21

        … gefolgt von NATO Gipfel am 24.-25.06. wo das 5% Ziel (Minimum?) festgezurrt werden soll!?
        Russlands Wirtschaft wachse nur weil Moskau das Land komplett auf Kriegswirtschaft umgestellt habe – heißt es herablassend im sog. Westen und beschreiten jetzt denselben Pfad!?

    • Skyjumper
      21. Mai 2025 @ 21:08

      Das muß aber noch besser Public gemacht werden. Ich wollte mir letzten Montag einen Kredit bei der Bank holen – schließlich will man ja anständig für die Rambo-Zambo-Party ausgestattet sein. Als ich als Sicherheit die wachsende Wirtschaft und die steigenden Nettogehälter eingetragen habe, haben die aber nur betroffen geguckt und mich gebten ihr Haus doch schnell wieder zu verlassen. Kredit hab ich auch nicht gekriegt. ????

      Antworten

      • KK
        22. Mai 2025 @ 01:03

        Dann müssen Sie es mal bei der EZB versuchen – die drucken Ihnen das benötigte Geld!

    Was sagen Sie dazu?


    Info: https://lostineu.eu/deutschland-verharrt-in-der-krise/?utm_campaign=Lost%20in%20EUrope%20Update&utm_content=Lost%20in%20EUrope%20Update&utm_medium=email&utm_source=getresponse


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    22.05.2025

    Nachrichten von Pressenza: Wettern der Woche: Himmel der Atheisten

    aus e-mail von <newsletter@pressenza.com>, 22. Mai 2025, 7:15 Uhr


    Nachrichten von Pressenza - 22.05.2025


    Wettern der Woche: Himmel der Atheisten


    Zu den grausamen Bildern der letzten Tage – sie werden bleiben – gehören die Hungernden irgendwo in den qualmenden Ruinen von Gaza: Zehntausend Kinder, in den Händen einen leeren Blechnapf, einen Topf, einen Teller, in den Himmel gestreckt voller Hoffnung,&hellip;

    https://www.pressenza.net/?l=de&track=2025/05/wettern-der-woche-himmel-der-atheisten/


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    Über das Buch &#8222;Ukraine, der große Plan&#8220; von Leonidas Vatikiotis


    Am Freitag, den 9. Mai 2025, fand in einem überfüllten Saal der Griechischen Union der Redakteur:innen der Tagespresse die Präsentation des neuen Buches von Leonidas Vatikiotis, &#8222;Ukraine, der große Plan. Selbst wenn es ihn nicht gäbe, müsste er erfunden werden&#8220;,&hellip;

    https://www.pressenza.net/?l=de&track=2025/05/ueber-das-buch-ukraine-der-grosse-plan-von-leonidas-vatikiotis/


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    Pressenza - ist eine internationale Presseagentur, die sich auf Nachrichten zu den Themen Frieden und Gewaltfreiheit spezialisiert hat, mit Vertretungen in Athen, Barcelona, Berlin, Bordeaux, Brüssel, Budapest, Buenos Aires, Florenz, Lima, London, Madrid, Mailand, Manila, Mar del Plata, Montreal, München, New York, Paris, Porto, Quito, Rom, Santiago, Sao Paulo, Turin, Valencia und Wien.


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    22.05.2025

    Geteilte Altlasten   Berlin stationiert kommentarlos deutsche Soldaten der künftigen Litauen-Brigade unweit von Tatort der Judenvernichtung im Zweiten Weltkrieg – ohne jede Bemühung, der Opfer der Shoah und des deutschen Vernichtungskrieges zu gedenken.

    german-foreign-policy.com, 22. Mai 2025

    BERLIN/NEMENČINĖ (Eigener Bericht) – Berlin stationiert einen Teil der künftigen Litauen-Brigade in Nemenčinė nur ungefähr zwei Kilometer entfernt von der Stelle, an der im Herbst 1941 Deutsche und Litauer einen Großteil der jüdischen Bevölkerung des Ortes ermordeten. Das Massaker von Nemenčinė war Teil des systematischen Massenmordes, mit dem Deutsche und ihre litauischen Helfer die Juden der litauischen Provinz vernichteten. Vor dem Einmarsch der Deutschen war Litauen ein überregionales Zentrum jüdischer Kultur gewesen. Wenige Monate danach war es „judenfrei“. Weniger als fünf Prozent der ortsansässigen Juden überlebten die deutsche Besatzung Litauens. Ein Erinnern und Aufarbeiten der gemeinsamen historischen Schuld spielt bei der seit einigen Jahren wieder erstarkenden deutsch-litauischen Kooperation keine Rolle – im Gegenteil: In Vilnius werden Täter bis heute öffentlich geehrt. Berlin unternimmt im Kontext der Stationierung der Litauen-Brigade bis heute keinerlei Bemühungen, etwa anlässlich des Massakers in Nemenčinė an die systematische Ermordung der litauischen Juden zu erinnern. Es trägt durch sein Schweigen zum Verdrängen der Realität des deutschen Vernichtungskrieges gegen die Sowjetunion bei.


    Zitat: Das Massaker von NemenčinėWie Überlebende des Massakers in Nemenčinė berichteten, drangen Deutsche am 20. September 1941 dort früh morgens in Wohnungen von Juden und Jüdinnen ein, um sie unter „Schreien und Schlägen“ in der örtlichen Synagoge zusammenzutreiben und sie dort einzusperren – insgesamt rund 600 Menschen. Sie raubten die Juden aus, zwangen sie, sich in Reihen aufzustellen und zu einem Wald zu marschieren. Ein Überlebender erzählte, „schon von weitem“ seien die „ausgehobenen Gräber“ zu sehen gewesen. Viele versuchten zu fliehen. Viele wurden bei dem Versuch erschossen. Etwa hundert von ihnen gelang dennoch die Flucht. Die anderen wurden von Deutschen und kollaborierenden Litauern über den Gruben getötet. Insgesamt 500 Juden wurden an diesem Tag ermordet, 112 von ihnen Kinder. Der von dem SS-Standartenführer und Kommandeur der Sicherheitspolizei und des SD in Kaunas, Karl Jäger, erstellte „Jäger-Bericht“ protokollierte 403 Opfer. Vor dem Massaker hatten Deutsche und Litauer Juden noch gezwungen, um brennende Torahrollen zu tanzen, hatten sie verprügelt und Männern die Bärte ausgerissen.[1]


    Vernichtung auf dem Land

    Zu Jahresbeginn 1941 lebten in den ländlichen Regionen Litauens laut staatlicher Statistik 104.428 Juden. Im Sommer, gleichzeitig mit dem Angriff der Wehrmacht auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941, begannen die Deutschen mit einer „jede Vorstellungskraft sprengende[n] Mordkampagne“ an den litauischen Juden, wie der Historiker Christoph Dieckmann schreibt, der die deutsche Besatzungspolitik in Litauen umfassend untersucht hat.[2] Zu Jahresende hatten sie, unterstützt durch litauische Kollaborateure, etwa 100.000 Jüdinnen und Juden getötet und damit innerhalb weniger Monate alle ländlichen jüdischen Gemeinden in Litauen ausgelöscht. Die Massenmörder seien in ihrem Vorgehen so „extrem schnell“ gewesen, berichtet Dieckmann, dass für die jüdischen Gemeinschaften Flucht oder organisierter Widerstand „nur ganz vereinzelt“ möglich waren. Die systematischen Morde auf dem Land beging zunächst vor allem das sogenannte Rollkommando Hamann. Die Truppe unter dem Kommando des damals 28-jährigen SS-Obersturmführers Joachim Hamann war mit Fahrzeugen ausgerüstet, die es ihr ermöglichten, in ganz Litauen plötzlich und unerwartet aufzutauchen und Massaker zu begehen. Mit dem Aufbau einer deutschen Zivilverwaltung in Litauen eskalierten die Morde von anfänglichen Pogromen und Massenerschießungen schnell zur systematischen Auslöschung ganzer jüdischer Gemeinden – wie beispielsweise in Nemenčinė. Die Deutschen nahmen dabei die kommandierende Rolle ein und bedienten sich der tatkräftigen Unterstützung litauischer Hilfskräfte.


    Geteiltes Feindbild

    Zuvor war Vilnius seit Jahrhunderten ein überregionales Zentrum jüdischer Kultur gewesen – ein Zentrum nicht nur der litauischen, sondern auch der polnischen, der weißrussischen und der ukrainischen Juden. Der verantwortliche SS-Kommandeur Karl Jäger sprach seine Absicht, Litauen „judenfrei“ zu machen, offen aus.[3] Akribisch notierte er in seinem bereits erwähnten „Jäger-Bericht“ den von ihm organisierten Völkermord, Massaker für Massaker. Wehrmacht, SS, deutsche Zivilverwaltung und die litauischen Kollaborateure ermordeten arbeitsteilig über 95 Prozent der insgesamt rund 200.000 litauischen Juden. Zuvor hatten große Teile der litauischen Gesellschaft die deutschen Besatzer als „Befreier von der Sowjetunion“ empfangen; sie teilten zudem ihr Feindbild vom „jüdischen Bolschewismus“. Die Deutschen standen mit ihren größenwahnsinnigen Eroberungs- und Vernichtungsplänen in Osteuropa vor dem nicht unerheblichen Problem, dass Eroberung und anhaltende Kontrolle der okkupierten Gebiete sehr personalintensiv waren. Auch vor diesem Hintergrund gliederten die Deutschen ihre litauischen Kollaborateure gezielt in ihre Truppenstrukturen ein – und setzten so deutsche Soldaten für den weiteren Vormarsch gen Osten frei.


    Verdrängen der Verbrechen

    In Litauen werden damalige litauische Täter bis heute öffentlich geehrt (german-foreign-policy.com berichtete [4]). Kritik daran wird gern als russische Propaganda diffamiert. Auch aus Berlin kommt Rückenwind für die Geschichtsklitterung: In den vergangenen Jahren verweigerte Deutschland einer UN-Resolution die Zustimmung, die die Verherrlichung des deutschen Faschismus und seiner Kollaborateure verurteilt. In ihrer Begründung beteiligte sich die Bundesregierung an der Umdeutung der baltischen NS-Kollaborateure zu nationalen Befreiungskämpfern gegen die Sowjetunion.[5] Ein Überlebender der Vernichtung der litauischen Juden hatte 2018 die litauische Erinnerungskultur und die Ehrung von Kollaborateuren kommentiert: „Solange sie gegen Russland sind, sind sie Helden“.[6]


    Lautes Schweigen

    Von offiziellen deutschen Stellen in Bundeswehr, Verteidigungsministerium und Außenministerium hört man bezüglich der NS-Verbrechen in Litauen vor allem lautes Schweigen. Exemplarisch ist die Baltikumreise der damaligen deutschen Außenministerin Annalena Baerbock im April 2022, auf der sie ein Denkmal für die „Opfer des Kommunismus“ – nicht wenige von ihnen NS-Kollaborateure – besuchte, ein Gedenken an die Opfer der deutschen Massenverbrechen im Baltikum allerdings explizit nicht einplante. Auch in der Berichterstattung und in der Pressearbeit rund um den Aufbau der deutschen Brigade in Litauen spielt die Erinnerungsarbeit an die deutschen Verbrechen in dem Land keine Rolle. Bis jetzt gibt es etwa keinerlei Berichte darüber, dass deutsche Stellen oder deutsche Soldaten der Opfer des Massakers von Nemenčinė gedacht hätten. Einige deutsche Militärs scheinen in ihrer Erinnerungskultur andere Schwerpunkte zu legen: In Litauen stationierte Soldaten der Bundeswehr hatten 2017 in ihrer litauischen Kaserne ein Geburtstagsständchen für Adolf Hitler gesungen.[7] Während Russlands Kriegsführung in der Ukraine immer wieder als „Vernichtungskrieg“ bezeichnet wird, zeigt sich im Kontext der Debatte um die Litauen-Brigade in Deutschland eine zunehmende Verdrängung und Relativierung des deutschen Vernichtungskrieges gegen die Sowjetunion.

     

    [1], [2] Christoph Dieckmann. Deutsche Besatzungspolitik in Litauen 1941-1944. Göttingen 2016. S. auch unsere Rezension.

    [3] Wolfram Wette: Karl Jäger. Mörder der litauischen Juden. Frankfurt am Main 2011.

    [4] S. dazu Von Tätern, Opfern und Kollaborateuren (III).

    [5] S. dazu Das Gedenken der Wehrhaften.

    [6] S. dazu Von Tätern, Opfern und Kollaborateuren (III).

    [7] S. dazu In der Negativspirale.


    Info: https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/9985


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    22.05.2025

    Schlagzeile






    Info:


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    21.05.2025

    Artikel zu den Kriegen in der Ukraine und in Westasien   (I von II)

    aus e-mail von Clemens Ronnefeldt, 21. Mai 2025, 20:31 Uhr


    Friedensinteressierte,


    nachfolgend sende ich einige

    Artikel zu den Kriegen in der

    Ukraine und in Westasien.



    1. n tv: Ukraine ticker

    2. IPG: Diplomatie auf Zuruf - Europa agiert im Ukraine-Verhandlungsprozess unkoordiniert


    3. Länder-Analyen: Einstellung der ukrainischen Bevölkerung zu Wahlen im Krieg


    4. LMD: Wie real ist die russische Bedrohung?



    5. Tagesschau: liveblog - Krieg im Nahen Osten

    6. ECCHR: Keine deutschen Waffen nach Israel


        Mehrere Eilverfahren vor deutschen Verwaltungsgerichten wegen


        völkerrechtswidrigen Kriegswaffen- und Rüstungsexporten


    7. Zazim: Wie wir eine schwarze Flagge gegen den Krieg in Gaza gehisst haben

    8. Nonviolence-international: 250-Kalorien-Solidaritätsfasten für Gaza


    9. Friedenskooperative: [online] Gaza Krieg vs. Völkerrecht: Möglichkeiten und Grenzen des


        Völkerrechts zu einer Lösung des Konfliktes zwischen Israel und Palästina beizutragen


    10. Medico international: Wir bitten um Spenden unter dem Spendenstichwort: Nothilfe  Gaza



    ----


    1. n tv: Ukraine ticker


    https://www.n-tv.de/politik/19-13-Hardt-Wir-neigen-dazu-Russland-als-staerker-und-maechtiger-anzusehen-als-es-in-Wirklichkeit-ist--article23143824.html



    00:45 Waffenruhe-Gespräche: Meloni dankt dem Papst


    Papst Leo XIV. hat nach Worten der italienischen Ministerpräsidentin

    Giorgia Meloni seine Bereitschaft bekräftigt, Gastgeber für

    Verhandlungen zu einer Beendigung des Ukraine-Kriegs zu sein.


    Meloni berichtet von einem Telefonat mit dem Pontifex, in dem dieser

    die Verfügbarkeit des Vatikans als neutralen Ort für mögliche

    Verhandlungen zwischen dem Aggressor aus Moskau und Kiew bestätigte.


    Meloni teilt mit, dass sie bei einer Telefonkonferenz am Montag unter

    anderem mit US-Präsident Donald Trump und europäischen Staats- und

    Regierungschefs gebeten wurde, nochmal bei Papst Leo nachzufragen.


    Dies habe sie dann schnell getan. Sie danke dem Pontifex für seinen

    Einsatz und seinen Willen, an einem fairen und dauerhaften Frieden in

    der Ukraine mitzuarbeiten, heißt es aus dem Büro der

    Ministerpräsidentin in Rom.



    (…)


    22:22 USA: Erwarten von Russland Liste mit Bedingungen für Waffenruhe


    Nach dem Telefonat zwischen Donald Trump und Wladimir Putin will

    Russland den USA laut US-Außenminister Marco Rubio schriftlich

    mitteilen, welche Bedingungen es für eine Waffenruhe mit der Ukraine stellt.


    Rubio sagt im US-Senat, man warte auf diese Liste, um besser

    einschätzen zu können, was Putin genau plane. Konkrete Fortschritte

    bei einer Feuerpause habe das Gespräch aber nicht gebracht – zur

    Enttäuschung vieler europäischer Partner.




    2. IPG: Diplomatie auf Zuruf - Europa agiert im Ukraine-Verhandlungsprozess unkoordiniert



    https://www.ipg-journal.de/rubriken/aussen-und-sicherheitspolitik/artikel/diplomatie-auf-zuruf-8281/?utm_campaign=de_40_20250515&utm_medium=email&utm_source=newsletter


    Außen- und Sicherheitspolitik 15.05.2025 | Christos Katsioulis <https://www.ipg-journal.de/ipg/autorinnen-und-autoren/autor/christos-katsioulis/>

    Diplomatie auf Zuruf



    Europa agiert im Ukraine-Verhandlungsprozess unkoordiniert.


    Eine erfolgreiche Strategie muss drei zentrale Aspekte klären.



    Christos Katsioulis leitet das Regionalbüro für Zusammenarbeit und

    Frieden der Friedrich-Ebert-Stiftung in Wien. Zuvor leitete er die

    Büros der FES in London, Athen und Brüssel.



    Mehr als 100 Tage internationale Achterbahnfahrt mit Donald Trump als

    US-Präsident – und die europäischen Staaten scheinen immer noch nichts

    gelernt zu haben.


    Das Weimar-Plus-Format, bestehend aus Deutschland, Frankreich, Polen,

    Großbritannien, Italien, Spanien, der EU sowie der Ukraine, hatte

    eigentlich einen klugen Vorschlag auf den Tisch gelegt: eine 30-tägige

    Waffenruhe, die den Auftakt zu Friedensverhandlungen bilden sollte.


    Die Entscheidung zwischen einer Feuerpause mit anschließendem Beginn

    von Verhandlungen oder – bei Ablehnung durch Russland – einer

    abgestimmten Verschärfung des Sanktionsregimes durch Europa und die

    USA brachte Wladimir Putin zunächst in eine echte Zwickmühle.


    Entweder er lässt sich auf den Vorschlag ein und Europa erreicht mit

    der Waffenruhe ein zentrales Ziel. Oder er verweigert sich der Idee

    und Europa und die USA stehen doch wieder gemeinsam gegen Russland.


    Doch Putin gelang es, sich der Zwickmühle geschickt zu entziehen,

    indem er überraschend direkte Verhandlungen mit der Ukraine in

    Aussicht stellte. Das Scheitern der europäischen Initiative zeigt

    einmal mehr, wie unvorbereitet Europa in den seit Monaten andauernden

    Verhandlungsprozess mit Russland hineinstolpert.


    Die Gründung der Weimar-Plus-Gruppe war zwar ein wichtiger erster

    Schritt, nur braucht es jedoch ein paar mehr, um auch erfolgreich zu sein.


    Ein diplomatisches Format zu haben, reicht nämlich nicht aus – nicht,

    wenn Akteure wie Donald Trump und Wladimir Putin involviert sind.

    Beide sind in der Lage – qua Regime oder durch ihre Persönlichkeit –,

    abrupte Kehrtwendungen vorzunehmen und Positionen über Nacht zu räumen

    und damit jede Verhandlungssituation schlagartig zu verändern.


    Genau das ist in dieser Woche geschehen und der europäische Vorschlag

    damit gescheitert. Es zeigt die Schwächen einer Vorgehensweise, die

    bislang fast ausschließlich auf Ad-hoc-Treffen basiert. Europa braucht

    eine langfristige Strategie für die Verhandlungen mit Russland, der

    Ukraine und den USA.


    Wie so oft bedeutet das an erster Stelle einen innereuropäischen

    Dialog, um die eigenen Positionen klar zu ziehen.


    Die Weimar-Plus-Koalition sollte als Format weitergenutzt werden, muss

    sich aber langfristig stabiler aufstellen.


    Eine erfolgreiche Verhandlungsstrategie der Europäer muss drei

    zentrale Aspekte klären, um sich in dem von Donald Trump angestoßenen

    Prozess der Friedensverhandlungen behaupten zu können.


    Erstens braucht es eine gemeinsame Analyse des Konflikts, und zwar

    auf allen relevanten Ebenen.


    Zweitens, und das ist entscheidend:


    Die Staaten des Weimar-Plus-Formats müssen untereinander klären,

    welches europäische Ziel am Ende der Verhandlungen stehen soll.


    Drittens sollte ein gemeinsamer Prozess vereinbart werden, wie in den

    Verhandlungen agiert wird: mit klaren Abstimmungsmechanismen, festen

    Verfahren und der nötigen Kontinuität bei der Umsetzung der Strategie.



    Der alleinige Fokus auf den Krieg Russlands gegen die Ukraine

    versperrt den Blick auf die weiteren Verzweigungen des Konflikts

    Russlands mit dem Westen.


    Hinsichtlich des ersten Schritts, einer gemeinsamen Analyse, hilft es

    Europa, den Blick zu weiten. Der alleinige Fokus auf den Krieg

    Russlands gegen die Ukraine versperrt den Blick auf die weiteren

    Verzweigungen des Konflikts Russlands mit dem Westen.


    Denn darüber liegen zwei weitere Konfliktebenen, einmal zwischen

    Russland und Europa, hier steht die europäische Sicherheitsordnung auf

    der Agenda.


    Zuletzt gibt es auch einen Konflikt zwischen Russland und

    den USA, auch hier spielt europäische Sicherheit eine Rolle,

    allerdings nicht allein, denn hier kommen auch noch Aspekte

    strategischer Stabilität wie nukleare Abschreckung und die globale

    Machtbalance hinzu.


    Die russische Zielsetzung in der Ukraine, aber auch darüber hinaus ist

    in vielerlei Hinsicht problematisch, völkerrechtlich illegitim und

    führt in eine Weltordnung, die für Europa nicht nur unvorstellbar,

    sondern auch äußerst ungemütlich wäre. Gleichwohl ist es sinnvoll, den

    Konflikt Russlands mit dem Westen in drei Ebenen zu strukturieren.


    Diese Herangehensweise hilft nicht nur dabei, eine eigene europäische

    Strategie zu entwickeln, sondern macht auch die Risiken deutlich, die

    eine rein russisch-amerikanische Verhandlung mit sich bringen würde.

    Sie unterstreicht zugleich die realen Einflusschancen Europas auf ein

    Gelingen des Prozesses.


    Die EU kann eine zentrale Rolle darin spielen, den künftigen Platz der

    Ukraine in Europa zu definieren, indem die Beitrittszusage Schritt für

    Schritt mit Inhalt gefüllt wird. Gleichzeitig können die

    europäisch-ukrainischen Bemühungen – zur Stärkung der

    Verteidigungsfähigkeiten und der Rüstungsindustrie – die russischen

    Versuche einer schleichenden Entsouveränisierung der Ukraine

    begrenzen.


    Die Schritte zur Stärkung der europäischen Verteidigung werden eine

    langfristige Wirkung auf die russischen Erwägungen haben. Zuletzt wird

    auch das europäische Sanktionsregime eine wichtige Rolle bei den

    Verhandlungen spielen. Eine Normalisierung der Wirtschaftsbeziehungen

    zwischen den USA und Russland verliert erheblich an Wert, wenn Europa

    sich daran nicht beteiligt – und bleibt für Russland damit deutlich

    weniger attraktiv.


    Zweitens: Aufbauend auf der Analyse der drei Konfliktebenen und den

    identifizierten europäischen Hebeln sollten die Staaten des

    Weimar-Plus-Formats für sich klären, was sie in einem möglichen

    Verhandlungsprozess konkret erreichen wollen.


    Bislang ist die Zielvorstellung Europas und der Ukraine vor allem

    negativ definiert: Man weiß sehr genau, was man nicht will – aber

    deutlich weniger, was man will. Diese strategische Zielsetzung sollte

    nicht öffentlich ausgetragen werden, aber sie muss als belastbare

    Grundlage innerhalb des Formats existieren: als Leitlinie für alle

    diplomatischen Foren, an denen europäische Akteure beteiligt sind.


    Die Fragen, die auf den Tisch gehören, reichen weit über mögliche

    territoriale Kompromisse und deren politische Verpackung hinaus.


    Das bedeutet harte Auseinandersetzungen und schwierige Entscheidungen.

    Die Fragen, die auf den Tisch gehören, reichen weit über mögliche

    territoriale Kompromisse und deren politische Verpackung hinaus. Es

    geht auch um die künftige militärische Stärke der Ukraine, mögliche

    Truppenstationierungen (im Land und in den Nachbarstaaten) sowie den

    Wiederaufbau und seine Säulen – einschließlich des EU-Beitritts und

    der Nutzung eingefrorener russischer Vermögenswerte in Europa.


    Vor dem Hintergrund der aktuellen Lage auf dem Schlachtfeld und der

    volatilen Rolle der USA sollten schon in dieser Debatte unter den

    Europäern potenzielle Kompromisse mitgedacht und gemeinsame rote

    Linien definiert werden. Und da es sich bei allen Beteiligten um

    demokratische Staaten handelt, deren Bevölkerungen diesen Kompromiss

    mittragen müssen, wäre es zudem hilfreich, schon jetzt eine

    entsprechende Kommunikationsstrategie zu entwickeln, um die Ukraine

    auch langfristig europäisch zu stützen.


    Drittens: Die Staats- und Regierungschefs der Weimar-Plus-Staaten

    sollten Sonderbeauftragte oder Sherpas für den Verhandlungsprozess

    benennen. Diese müssten direkten Zugang zu den jeweiligen

    Regierungszentralen haben, für ihre Länder sprechen können und damit

    in der Lage sein, die gemeinsame europäische Verhandlungsstrategie

    kontinuierlich weiterzuentwickeln.


    Denn wie nicht zuletzt die vergangene Woche gezeigt hat, handelt es

    sich nicht um einen klar strukturierten Prozess. Wie zu erwarten war,

    hat die US-Administration eine teils unverbundene Abfolge von

    Verhandlungen mit unterschiedlichen Akteuren und unterschiedlichen

    Agenden angestoßen, ohne sich selbst der Komplexität des Prozesses

    bewusst zu sein.


    Die oben skizzierten drei Ebenen des Konflikts bedeuten, dass

    Teilaspekte in kleineren Formaten zwischen Russland und der Ukraine

    verhandelt werden müssen, während andere Fragen eher zwischen

    Washington und Moskau diskutiert werden. Die Weimar-Plus-Gruppe wird

    nicht an allen Tischen beteiligt sein, kann aber aufgrund der vielen

    beteiligten Staaten zumindest alle zentralen Weichenstellungen

    beeinflussen.


    Dazu braucht es neben der gemeinsamen Zielvorstellung einen Modus

    engmaschiger Koordination. Ein gemeinsamer, ständig aktualisierter

    Informationsstand sollte dabei die Grundlage für Mechanismen der

    Anpassung, der Flexibilität und der Priorisierung darstellen. Der

    Verhandlungsprozess wird dynamisch bleiben. Eine permanente

    europäische Gipfeldiplomatie ist sicher nicht in der Lage, darauf

    schnell und entscheidend genug zu reagieren.


    Die Diversität der europäischen Koalition kann dabei auch eine Stärke

    sein. Im Laufe der Verhandlungen wird es wichtig sein, Vertrauen zu

    den beteiligten Akteuren aufzubauen – und das nicht nur gegenüber den

    russischen Gesprächspartnern. In ähnlichem Maße gilt dies auch für die

    USA sowie für die europäischen Staaten, die weniger intensiv in den

    Verhandlungsprozess eingebunden sind.


    Mit einer solchen innereuropäischen Festigung der eigenen Position ist

    ein Verhandlungserfolg noch keineswegs garantiert. Zu viele

    Unwägbarkeiten stehen im Raum, nicht zuletzt die Frage, ob Russland

    überhaupt zu ernsthaften Verhandlungen bereit ist.


    Aber: Wenn die Weimar-Plus-Gruppe eine maßgebliche Rolle dabei spielen will,

    dass ein künftiger Kompromiss nur auf Basis europäischer und ukrainischer

    Interessen zustande kommt, dann braucht es mehr als den Versuch, einen

    Waffenstillstand mit hohlen Drohungen zu erzwingen.



    ———


    3. Länder-Analyen: Einstellung der ukrainischen Bevölkerung zu Wahlen im Krieg



    https://laender-analysen.de/ukraine-analysen/315/einstellung-der-ukrainischen-bevoelkerung-zu-wahlen-im-krieg/?utm_source=newsletter&utm_medium=email&utm_campaign=Ukraine-Analysen+315&newsletter=Ukraine-Analysen+315


    Ukraine-Analysen <https://laender-analysen.de/ukraine-analysen/>

    Ausgabe 315 (20.05.2025) <https://laender-analysen.de/ukraine-analysen/315/>

    Umfragen

    Einstellung der ukrainischen Bevölkerung zu Wahlen im Krieg


    (…)



    ——



    4. LMD: Wie real ist die russische Bedrohung?



    https://monde-diplomatique.de/artikel/!6069424


    10.04.2025

    Wie real ist die russische Bedrohung?



    Dass man in Lettland oder Polen einen russischen Angriff fürchtet, ist verständlich.


    Weniger logisch ist, wenn in Brüssel und Paris eine Kriegsgefahr für ganz Europa beschworen wird.


    Solcher Alarmismus entspringt einer irrtümlichen Lesart von Putins Expansionsstreben,


    die für Europa teuer werden könnte.



    von Hélène Richard



    Dass man in Lettland oder Polen einen russischen Angriff fürchtet, ist

    verständlich. Weniger logisch ist, wenn in Brüssel und Paris eine

    Kriegsgefahr für ganz Europa beschworen wird.


    Solcher Alarmismus entspringt einer irrtümlichen Lesart von Putins

    Expansionsstreben, die für Europa teuer werden könnte.


    von Hélène Richard



    Am 20. Februar 2025 ließ Frankreichs Präsident Emmanuel Macron die

    Bürgerinnen und Bürger über die sozialen Medien wissen: „Frankreich

    ist keine Insel. Zwischen Straßburg und der Ukraine liegen etwa 1500

    Kilometer. Das ist nicht sehr viel.“


    Kommt nach dem Donbass also das El­sass dran? Macrons überzogenes

    Alarmsignal dürfte sogar sein Verteidigungsminister Sébastien Lecornu

    belächelt haben. Der schließt nämlich, wie die meisten ernsthaften

    Menschen, ein solches Szenario aus: „Als Atommacht befinden wir uns

    logischerweise in einer ganz anderen Position als ein Land, das nicht

    über Atomwaffen verfügt“, befindet Lecornu in einer vor sechs Monaten

    veröffentlichen Analyse.1


    Auf derselben Linie argumentiert Hervé Morin, französischer

    Verteidigungsminister von 2007 bis 2010, der am 9. März in der

    Wochenzeitung Journal du Dimanche die rhetorische Frage formulierte:

    „Ist es nötig, unseren Landsleuten dermaßen Angst zu machen, indem wir

    ihnen mehr oder weniger zu verstehen geben, dass die größte Bedrohung

    an den französischen Grenzen Russland sei?“


    Die gleiche Frage könnte man auch in Deutschland stellen. Oder in

    Spanien und Italien. Aber wie sieht es in Mittelosteuropa und rund um

    die Ostsee aus? Ist inmitten des „alten Kontinents“ mit einem größeren

    Konflikt zu rechnen?


    Maßgebliche Persönlichkeiten und Politiker in ganz Europa beschränken

    sich – mit wenigen Ausnahmen – in ihren Voraussagen nicht mehr auf den

    Konjunktiv. Für sie steht fest, dass die russische Armee bereits

    mobilmacht. Falls es in der Ukraine zu einem dauerhaften

    Waffenstillstand komme, erklärte Präsident Macron am 1. März (in der

    Tageszeitung Le Parisien), werde Russland „Moldau sicher und Rumänien

    vielleicht“ angreifen.


    Sonderfall Ukraine


    Nach einem Bericht in Le Monde vom 22. Februar ist Raphaël Glucksmann,

    eine Führungsfigur der Partei Place Publique (PP), der Überzeugung,

    dass die russischen Truppen in Estland oder Lettland einmarschieren.

    Der Abgeordnete des Europäischen Parlaments greift damit jene Variante

    der Dominotheorie auf, die kurz zuvor auch das französische

    Wochenmagazin L’Express serviert hatte.


    Da hieß es, Putin werde nicht ruhen, bis er die Ukraine in die Knie

    gezwungen hat, um danach Georgien, Moldau oder sogar die baltischen

    Staaten und Polen anzugreifen.


    Aus der Sicht von Brüssel oder Paris erscheint eine diplomatische

    Lösung nicht durchsetzbar, weil man von zwei Gewissheiten ausgeht:

    Erstens verstehe Russland nur die Sprache der Gewalt, und zweitens sei

    Putin sowieso ein Lügner.


    Dieses Misstrauen entspringt einer bestimmten Lesart der

    Konfliktursachen, wonach die Verantwortung für den Krieg einzig und

    allein bei Moskau liegt. Dabei wird das Geschehen der letzten 30 Jahre

    auf die von Russland begonnenen Kriege reduziert: gegen Tschetschenien

    in den 1990er Jahren, gegen Georgien 2008, die Besetzung der Krim und

    der Krieg im Donbass 2014, und schließlich der Großangriff auf die

    Ukraine im Jahr 2022.


    Nach dieser Lesart zeugt die Abfolge dieser Kriege von der Absicht

    Moskaus, die Grenzen der alten Sowjetunion wiederherzustellen, wenn

    nicht sogar eine Einflusszone in Europa zurückzugewinnen, vornehmlich

    mittels manipulierter Wahlen.


    Dabei wertet man die Invasion in der Ukraine – wohlgemerkt nachdem

    sich Russland 2015 zu einer diplomatischen Lösung des Konflikts um die

    separatistischen und prorussischen Republiken im Donbass verpflichtet

    hatte – als Beweis dafür, dass die Regierung im Kreml lediglich auf

    einen Vorwand für eine erneute Offensive gewartet habe.


    Wer sich gegen diese herrschende Lesart stellt, dem wird schnell eine

    propagandistische „Verblendung“ vorgeworfen, oder er sei gar von

    Putins Russland „fasziniert“. Auch der Westen insgesamt habe gegenüber

    dem Moskauer Regime eine sträfliche Schwäche an den Tag gelegt.


    Tatsächlich lag der Irrtum der westlichen Welt nicht so sehr in dem

    Glauben, Putin würde zu seinem Wort stehen, als vielmehr in der

    Annahme, man könne die eigenen Versprechen brechen, ohne dass dies

    Folgen hätte.


    Als Paris und Berlin 2015 die Schirmherrschaft für die Verträge von

    Minsk übernahmen, wollten sie vor allem „Zeit gewinnen, damit die

    Ukraine sich erholen und aufrüsten kann“, wie Ex-Präsident François

    Hollande und Ex-Bundeskanzlerin Angela Merkel später erklärten.2


    Sie ließen zu, dass Kyjiw die Organisation regionaler Wahlen, die nach

    ukrai­nischem Wahlrecht und unter Aufsicht der OSZE erfolgen sollten,

    vom Wiedererlangen der Kontrolle über seine Grenzen abhängig machte.

    Und sie gingen davon aus, der Kreml werde ein Versanden des Konflikts

    hinnehmen.


    Diese Ansicht teilten damals viele Beobachter. Hatte Russland sich in

    der Vergangenheit nicht damit begnügt, vergleichbare separatistische

    Prozesse in Georgien oder Moldau am Köcheln zu halten, damit diese

    Länder wegen „ungelöster Krisen“ nicht der Nato beitreten konnten?


    Darüber hinaus glaubten Frankreich und Deutschland, sie hätten bereits

    ein großes Zugeständnis gemacht, indem sie sich ohne viel Protest mit

    der Annexion der Krim abgefunden hatten. Zudem betrieben beide Länder

    ihre wirtschaftliche Kooperation mit Russland weiter: Frankreich vor

    allem auf dem Gebiet der Nuklearindustrie, Deutschland mit seinen

    Erdgasimporten.


    Doch etwas hat der Westen nicht bedacht: Für Moskau ist die Ukraine

    etwas anderes als Georgien oder Moldau. Seit 1991 sieht Russland

    sowohl Belarus als auch die Ukraine als eng verbundene Länder, also

    weit mehr als nur eine Einflusszone. Das gilt besonders für die

    Ukraine, die während des Zarenreichs als „Herz“ der

    slawisch-orthodoxen Nation galt.3


    Mit der Anne­xion der Krim-Halbinsel sollte dem Westen eine „rote

    Linie“ aufgezeigt und ein offizielles Stoppschild gesetzt werden –

    gegen die weitere Ausdehnung des europäisch-atlantischen Einflusses in

    Richtung Kyjiw. Als das nicht funk­tio­nier­te, hat Moskau wieder eine

    feindselige Haltung bezogen.


    Aus russischer Sicht ist die Ukraine damit ein Sonderfall. Deshalb

    kann man von dem Überfall auf das Nachbarland nicht ohne Weiteres

    schließen, dass es Moskau auch auf andere Länder Osteuropas abgesehen

    hat.


    Geografisch gesehen, liegen die baltischen Staaten oder Polen zwar an

    der russischen Grenze, doch für Moskau haben sie nicht die Bedeutung

    der Ukraine. Die Risiken, die der Kreml in Kauf genommen hat, um Kyjiw

    mit Gewalt in seinen Einflussbereich zu bannen, sind verschwindend

    gering im Vergleich mit den Risiken, die Russland eingehen würde,

    wollte es diesen Einflussbereich auf andere Länder ausdehnen.


    Das gilt auch im Hinblick auf Staaten mit russischsprachigen

    Minderheiten wie Litauen, Lettland oder Estland, die inzwischen der

    Nato angehören. Denn selbst wenn man in Moskau einen unstillbaren

    Hunger auf weitere Territorien verspüren sollte, könnte man diesem

    Drang schwerlich nachgeben.


    Ein militärischer Angriff auf die baltischen Staaten würde eine

    Konfrontation mit einer Nato-Koalition bedeuten, die an die 30

    europäische Staaten umfasst (um einmal von den USA abzusehen).


    Russland ist keineswegs das Deutschland der 1930er Jahre, mit dem es

    pausenlos verglichen wird. Unter dem Stichwort „appeasement“ wird ein

    Geist der Schwäche angeprangert, der angeblich der russischen

    Dampfwalze freie Bahn verschaffe; man zieht eine historische Parallele

    zu 1938, als Frankreich und Großbritannien die Tschechoslowakei im

    Stich ließen.


    Der Blitzkrieg, den Nazideutschland im September 1939 gegen Polen

    begann – unter dem Vorwand, Danzig „heim ins Reich“ zu holen –, hat

    allerdings nur neun Monate später zur Kapitulation von sechs

    europäischen Staaten geführt.


    Zum Vergleich: Heute erobert die russische Armee scheibchenweise

    einige hundert Quadratkilometer im Donbass, obwohl sie nur gegen eine

    einzige Armee kämpft, die allerdings logistische und militärische

    Unterstützung aus dem Westens erhält. Kann man allen Ernstes annehmen,

    dass diese Armee, die es nicht geschafft hat, Kyjiw einzunehmen, ohne

    jeden Grund Estland oder Lettland überfallen wird?


    Ein anderer Fall ist Moldau. Das Land ist verletzlicher und genießt

    keine Sicherheitsgarantie durch die Nato.


    Doch wenn Moskau eine Landverbindung von der Krim bis Transnistrien

    herstellen oder gar bis zur Donaumündung vordringen wollte, müsste es

    zunächst die gesamte Nordwestküste des Schwarzen Meers erobern. Also

    auch Odessa mit einer doppelt so großen Bevölkerung wie Mariupol, das

    im Mai 2022 besetzt und zerstört wurde.


    Allerdings kann man trotz dieser Überlegungen das Szenario eines

    erweiterten Kriegs in Europa nicht ausschließen. Nicht alle Kriege

    beginnen, weil irgendwelche Generalstäbe geheime Eroberungspläne

    ausgearbeitet haben. Der Erste Weltkrieg war Folge des Wettrüstens der

    damaligen Mächte wie auch der vielfältigen Bündnisverpflichtungen, die

    zum Zündmechanismus für den „Weltenbrand“ wurden.


    Derartige kriegstreibende Faktoren sind auch in unserer Gegenwart

    reichlich vorhanden. Dabei geht die Gefahr vermutlich weniger von der

    russischen Militärmacht aus, als vielmehr von deren Wissen um ihre

    eigenen Defizite und Verluste.


    Diese Einschätzung teilen insbesondere auch die Nachbarländer

    Russlands, die selbst militärisch sehr stark von Washington abhängen.


    Der Beginn eines neuen Wettrüstens


    Die russischen Streitkräfte haben seit dem 24. Februar 2022

    hunderttausende Tote und Verletzte zu verzeichnen, dazu den Verlust

    von über 12 000 gepanzerten Fahrzeugen, davon etwa 3800

    Kampf­pan­zer.4 Zwar konnte die Militärführung die Arsenale aus

    sowjetischen Zeiten nutzen, doch dieser Vorteil bei den

    konventionellen Waffen ist größtenteils dahingeschmolzen.


    Bei den Panzerfahrzeugen verfügt die russische Armee heute nur noch

    über Reserven, die je nach Modell zwischen 10 und 50 Prozent der

    Bestände von 2022 ausmachen.5


    Im Ostseeraum ist Russland, was die konventionellen Waffen betrifft,

    ins Hintertreffen geraten, wie der Politikwissenschaftler Pavel Baev

    vom Peace Research Institute Oslo (Prio) erläutert: „Während der

    ersten Phase seiner Invasion in der Ukraine hielt es das russische

    Oberkommando für notwendig, bei den wichtigsten offensiven Operationen

    seine leistungsstärksten Kampftruppen einzusetzen, darunter die

    Luftangriffsdivision und die Marine-Infanteriebrigade. Zugleich hat

    man die amphibischen Einheiten der Ostseeflotte ins Schwarze Meer

    verlegt.“6 Auch aus der sogenannten Festung Kaliningrad seien die

    meisten Streitkräfte abgezogen worden.


    Aufgrund dessen kommt Baev zu dem Schluss: „Wie auch immer der Krieg

    ausgeht, Russland wird weder seine Überlegenheit im Ostseeraum

    wiedererlangen noch auch nur annähernd ein Gleichgewicht mit den

    Nato-Kräften herstellen können.“ Zumal die Nato einen neuen Plan

    umsetzt, um ihre Kräfte entsprechend der neuen Si­tua­tion zu

    verstärken.


    Als Reaktion auf den Sinneswandel von US-Präsident Trump in Sachen

    Ukraine wird nunmehr die europäische Säule des atlantischen Bündnisses

    im Ostseeraum verstärkt. Ende Dezember sind Deutschland und Polen der

    Joint Expeditionary Force (JEF) beigetreten. Diese britische

    Initiative innerhalb der Nato wird damit von zwölf nordeuropäischen

    Staaten getragen, während die USA nicht dazugehören.


    Beim letzten JEF-Gipfeltreffen am 17. Dezember in Tallin beschlossen

    die Mitgliedsländer gemeinsame Maßnahmen gegen die russische

    Schattenflotte von Öltankern. Auch Dänemark, das die Meerengen

    zwischen Nord- und Ostsee und mit diesen den Zugang zum Atlantik

    kontrolliert, schloss sich der Absichtserklärung an.7


    Damit kann der zweitwichtigste russische Wirtschaftsraum um Sankt

    Petersburg, der an den Finnischen Meerbusen grenzt, im Kriegsfall

    durch die fünf Nato-Staaten Polen, Estland, Lettland, Litauen und

    Finnland abgeriegelt werden. Zudem haben alle fünf Länder ihre Absicht

    bekundet, aus dem Ottawa-Abkommen auszusteigen, das den Einsatz von

    Antipersonenminen verbietet.


    Am 5. März hat Emmanuel Ma­cron in einer TV-Ansprache auf die

    Rüstungsziele verwiesen, die Moskau erreichen will. Bei den

    angestrebten Zahlen – Truppenstärke von 1,5 Millionen, 7000

    Kampfpanzer, 1500 Kampfflugzeuge bis 2030 – ist davon auszugehen, dass

    der Kreml die militärischen Entwicklungen an seinen Grenzen

    einkalkuliert, um für eine langfristige Konfrontation gerüstet zu

    sein.


    Doch ehe nun die EU-Mitglieder ihrerseits eine Wiederaufrüstung gegen

    die russische Bedrohung zum Gebot kollektiver Vernunft erklären,

    sollten sie über das fatale „Sicherheitsdilemma“ nachdenken, auf das

    die Strategen verweisen: Wenn es keine internationalen Vereinbarungen

    gibt, interpretieren beide Parteien die Ver­tei­di­gungs­maßnahmen der

    Gegenseite als offensive Aktionen, worauf sie ihre militärischen

    Kapazitäten weiter ausbauen. Dadurch wird das Bedrohungsgefühl beim

    Gegner erneut verstärkt und so weiter.


    Dieses Szenario ist vor allem deshalb besorgniserregend, weil in

    Europa kaum noch Instrumente zur Rüstungskontrolle übrig geblieben

    sind. Der Vertrag über konventionelle Streitkräfte in Europa

    (KSE-Vertrag) von 1990 ist 2007 ausgelaufen; das Wiener Dokument, das

    den Austausch von Informationen über Militärmanöver – jenseits einer

    bestimmten Größenordnung – vorsah, war nur von 1990 bis 2020 in Kraft,

    der Intermediate Range Nuclear Forces ­Trea­ty (INF-Vertrag) von 1987

    bis 2019.


    Die sukzessive Verschrottung dieser friedensbewahrenden Instrumente

    markiert zugleich die Geschichte der letzten Kriege auf dem

    europäischen Kontinent. Die erste Verletzung des KSE-Vertrags ist

    Russland anzulasten, das in den 1990er Jahren seine Streitkräfte aus

    Moldau und Georgien nicht nach dem vereinbarten Zeitplan abzog.


    1999 signalisierte Moskau dann sein Missfallen über die

    Nato-Intervention im Kosovo. Damals hat das westliche Bündnis erstmals

    eine militärische Intervention entgegen seiner Verteidigungsdoktrin

    und ohne Mandat des UN-Sicherheitsrats beschlossen.


    In einer späteren Phase begründete Russland die Missachtung seiner

    Verpflichtungen und die Behauptung seiner konventionellen

    Vormachtstellung in Europa mit dem 2004 erfolgten Nato-Eintritt der

    baltischen Staaten – die dem KSE-Vertrag nicht beitraten –, ­worin es

    eine Destabilisierung seiner Westflanke sah.


    Bei den Verhandlungen über die Aktualisierung des Wiener Dokuments –

    also des Informationsaustauschs über Manöver – formulierte Moskau 2016

    die Bedingung, die Nato müsse „ihre Politik der Eindämmung Russlands“

    aufgeben und stattdessen „die russischen Interessen anerkennen und

    respektieren sowie normale Beziehungen mit der Russischen Föderation

    aufnehmen“.8


    Was die russischen Verstöße gegen den INF-Vertrag betrifft, so wurden

    sie mit der Installation eines US-Raketenschutzschilds in Rumänien und

    Polen gerechtfertigt, auf die Moskau mit der Entwicklung seiner

    Hyperschallraketen reagierte.


    Heute ist die Gefahr eines erneuten unkontrollierten Rüstungswettlaufs

    größer denn je. Er könnte nur abgewendet werden, wenn man die

    Ins­trumente zur Rüstungskontrolle wieder aktiviert, die den Austausch

    von Informationen, Koordination, Begrenzung und Kontrollbesuche

    vorsehen müssten.


    Doch leider stehen wir wieder einmal vor dem großen Paradox: Immer

    dann, wenn solche Instrumente am dringlichsten gebraucht werden, sind

    die Bedingungen für erneute Vereinbarungen über Rüstungsbegrenzung am

    ungünstigsten.


    Das zweite Haupthindernis für eine Deeskalation besteht darin, dass

    Russland weiterhin versucht, die Verschiebung einer internationalen

    Grenze mit militärischer Gewalt durchzusetzen. Das ist einer der

    gravierendsten Verstöße gegen die internationale Ordnung, den die

    Ukraine niemals – oder nur im Fall der Kapitulation – anerkennen kann.


    Das gilt auch für Europa insgesamt. Die meisten Regierungen glauben,

    keine andere Wahl zu haben, als den Krieg weiterzuführen, bis Moskau

    bereit ist, sein Ukraine-Projekt ein für allemal aufzugeben.


    Aber vielleicht könnte man es mit einer erweiterten Perspektive

    versuchen: mit Verhandlungen über eine gesamteuropäische

    Sicherheitsarchitektur. Das würde bedeuten, Moskaus Interesse an einem

    endgültigen Rückzug der USA aus Europa zu sondieren. Mit anderen

    Worten: den Tod des militärischen Transatlantismus zu akzeptieren, den

    Russland seit 1991 fordert.


    Gegen dieses Konzept sind die Staaten, die auf den US-amerikanischen

    Schutzschirm den größten Wert legen, vor allem Polen und die

    baltischen Staaten. Doch Frankreich als das Land, das die Idee einer

    strategischen europäischen Autonomie so lautstark verficht, sollte

    diese Option nicht von vornherein vom Tisch wischen.


    Im Augenblick versucht Paris eher, wie das Vereinigte Königreich, in

    der Konfrontation mit Moskau die Führung zu übernehmen, auf Kosten der

    Arbeit an einer Formel, die Moskau ­offiziell die Kontrolle über einen

    Teil des ukrainischen Territoriums geben würde, ohne neue Grenzen

    anzuerkennen. Das könnte aber ein erster Schritt in Richtung eines

    Friedensvertrags sein.



    1 Sébastien Lecornu, „Vers la guerre? La France face au réarmement du monde“, Paris (Plon) 2024. <https://monde-diplomatique.de/artikel/!6069424#anker1>

    2 So Hollande im März 2023 in einem „Telefonstreich“-Interview mit zwei russischen Satirikern. Siehe Euronews vom 11. April 2023. Ähnlich äußerte sich Ex-Bundeskanzlerin Merkel in: Die Zeit, 7. Dezember 2022. <https://monde-diplomatique.de/artikel/!6069424#anker2>

    3 Siehe Juliette Faure, „Wer sind die russischen Falken?“, Le Monde diplomatique, April 2022, und Jules Sergei Fediunin und Hélène Richard, „Wie imperialistisch ist Putins Russland?“, Le Monde diplomatique, Januar 2024. <https://monde-diplomatique.de/artikel/!6069424#anker3>

    4 „Attack on Europe: Documenting Russian equipment losses during the Russian invasion of Ukraine“, oryxspioenkop.com, 1. April 2025. <https://monde-diplomatique.de/artikel/!6069424#anker4>

    5 Pavel Luzin, „L’industrie et la guerre de Poutine: déconstruire un mythe“, 21. Februar 2024, legrandcontinent.eu. <https://monde-diplomatique.de/artikel/!6069424#anker5>

    6 Pavel Baev, „Russia faces hard strategic reality in the reconfigured baltic/northern european theatre“, Institut français des relations internationales (Ifri), 14. November 2023. <https://monde-diplomatique.de/artikel/!6069424#anker6>

    7 Siehe Charles Perragin und Guillaume Renouard, „Russlands Schattenflotte“, LMd, März 2025. <https://monde-diplomatique.de/artikel/!6069424#anker7>

    8 Zitiert bei Olivier Schmitt, „Maîtrise des armements conventionnels et sécurité européenne: la montée des périls“, Les Champs de Mars, 2018. <https://monde-diplomatique.de/artikel/!6069424#anker8>

    Aus dem Französischen von Heike Maillard



    Hélène Richard ist Redakteurin bei LMd, Paris.



    Le Monde diplomatique vom 10.04.2025, von Hélène Richard



    ———

    21.05.2025

    Artikel zu den Kriegen in der Ukraine und in Westasien   (II von II)

    5. Tagesschau: liveblog - Krieg im Nahen Osten


    https://www.tagesschau.de/newsticker/liveblog-nahost-mittwoch-262.html#Diplomaten


    liveblog

    Krieg im Nahen Osten



    Stand: 21.05.2025 19:04 Uhr



    (…)


    16:52 Uhr Frankreich und Italien bestellen israelische Botschafter ein


    Nach den laut israelischen Angaben "Warnschüssen" auf Diplomaten im

    Westjordanland haben mehrere Länder Konsequenzen angekündigt. Italiens

    Außenminister Antonio Tajani kündigte an, den israelischen Botschafter

    in Rom einzubestellen. Auch sein französischer Amtskollege Jean-Noel

    Barrot kündigte diesen Schritt an. Der Vorfall sei inakzeptabel,

    schrieb er auf der Plattform X. Das spanische Außenministerium

    erklärte: "Wir stehen in Kontakt mit anderen betroffenen Ländern, um

    gemeinsam auf das Geschehene zu reagieren, das wir aufs Schärfste

    verurteilen."


    Das Außenministerium der Palästinensischen Autonomiebehörde erklärte,

    dass "die Delegation eine offizielle Mission unternahm, um die

    humanitäre Lage zu begutachten und zu bewerten sowie die anhaltenden

    Verstöße Israels zu dokumentieren".



    16:44 Uhr Israelische Soldaten schießen im Westjordanland in Richtung von Diplomaten


    Israelische Soldaten haben im Westjordanland Schüsse in Richtung einer

    Gruppe von Diplomaten abgefeuert. Es habe sich um "Warnschüsse"

    gehandelt, weil die Diplomaten von der vorgesehenen Route "abgewichen"

    seien, erklärte die israelische Armee. Sie äußerte zugleich ihr

    "Bedauern" über den Vorfall.


    Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas und mehrere europäische Staaten

    verurteilten den Vorfall und forderten sofortige Aufklärung von

    Israel. "Jegliche Bedrohung des Lebens von Diplomaten ist

    inakzeptabel."



    15:36 Uhr Mehr als 80 Tote bei israelischen Angriffen


    Bei israelischen Angriffen im Gazastreifen sollen seit der Nacht

    mindestens 82 Menschen getötet worden sein. Das berichtet die

    Nachrichtenagentur AP unter Berufung auf lokale Krankenhäuser und das

    von der militant-islamistischen Hamas kontrollierte

    Gesundheitsministerium. Unter den Toten seien Frauen und ein Säugling,

    hieß es. In der südlichen Stadt Chan Junis sollen 24 Menschen getötet

    worden sein.


    Israel hatte in der Stadt neue Evakuierungen angeordnet. Das

    israelische Militär äußerte sich zunächst nicht zu den aus dem

    Küstengebiet gemeldeten Angriffen. Es hat jedoch immer wieder betont,

    dass seine Angriffe Infrastruktur der Hamas zum Ziel hätten. Das

    Militär wirft der Hamas vor, aus dicht besiedelten Gebieten zu

    operieren.


    (…)


    07:13 Uhr Israel: EU-Kurs spiegelt "völliges Fehlverständnis"


    Israel hat empört auf die Entscheidung der Europäischen Union regiert,

    ihr Kooperationsabkommen mit Israel wegen der Situation im

    Gazastreifen zu überprüfen. "Wir lehnen den in der Erklärung

    eingeschlagenen Kurs rundum ab", erklärte der Sprecher des

    israelischen Außenministeriums, Oren Marmorstein, im Onlinedienst X.

    Der Schritt spiegele "ein völliges Fehlverständnis der komplexen

    Realität wider, mit der Israel konfrontiert" sei.


    Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas hatte gestern mitgeteilt, dass die

    "große Mehrheit" der 27 Mitgliedstaaten bei einem Treffen der

    EU-Außenminister die Überprüfung des Kooperationsabkommens mit Israel

    unterstütze. "Das zeigt, dass die Länder die Situation in Gaza als

    unhaltbar ansehen und dass wir den Menschen wirklich helfen wollen und

    die humanitäre Hilfe freigeben wollen, damit sie die Menschen

    erreicht", sagte Kallas.



    ———


    6. ECCHR: Keine deutschen Waffen nach Israel


        Mehrere Eilverfahren vor deutschen Verwaltungsgerichten wegen


        völkerrechtswidrigen Kriegswaffen- und Rüstungsexporten



    https://www.ecchr.eu/fall/keine-deutschen-waffen-nach-israel/


    Keine deutschen Waffen nach Israel


    Mehrere Eilverfahren vor deutschen Verwaltungsgerichten wegen


    völkerrechtswidrigen Kriegswaffen- und Rüstungsexporten



    Das ECCHR hat mehrere Eilanträge gegen deutsche Kriegswaffen- und

    Rüstungsexporte nach Israel gestellt. Dabei geht es explizit und

    ausschließlich um Waffen und Rüstungsgüter, die in Gaza eingesetzt werden.


    Wir haben unsere Eilanträge bei den Verwaltungsgerichten in Berlin und

    Frankfurt am Main im Namen von bis zu fünf palästinensischen Mandanten

    eingereicht, die alle in Gaza leben und bereits ein oder mehrere

    Familienmitglieder durch die israelische Kriegsführung verloren haben.


    Unterstützt werden die Klagen vom Palestinian Center for Human Rights

    (PCHR) und dem Al Mezan Center for Human Rights aus Gaza sowie der

    palästinensischen Menschenrechtsorganisation Al Haq aus Ramallah in

    der Westbank.


    Wir sind der Überzeugung, dass die Bundesregierung aus

    völkerrechtlichen Gründen keine Kriegswaffen und sonstigen

    Rüstungsgüter an Israel liefern darf, die in Gaza eingesetzt werden.


    Unsere Serie von Klagen und Eilanträgen begann am 11. April 2024 vor

    dem Verwaltungsgericht Berlin. Unsere Anträge gegen deutsche

    Kriegswaffenlieferungen nach Israel wurden im Juni in Berlin

    zurückgewiesen. Die Abweisung erfolgte vor allem deshalb, weil die

    Bundesregierung zum damaligen Zeitpunkt angab keine Kriegswaffen nach

    Israel zu liefern.


    Das Gericht hat das rechtliche Gehör unserer palästinensischen

    Mandanten in keiner Weise bestritten. Im Rahmen einer

    Fortsetzungsfeststellungsklage lassen wir aber weiter klären, ob die

    zwischen Oktober 2023 und Februar 2024 erfolgten

    Kriegswaffenlieferungen überhaupt rechtmäßig waren.


    Am 2. Mai haben wir beim VG Berlin einen Eilantrag auf Unterlassung

    weiterer Kriegswaffenexportgenehmigungen gestellt. Dies betrifft 120

    mm Panzermunition sowie Munition und Kleinwaffen, die seit dem 7.

    Oktober 2023 in Gaza eingesetzt werden. Wir haben Eilrechtsschutz für

    die Antragsteller beantragt, die sich derzeit alle im umkämpften Rafah

    im Süden des Gazastreifens und damit in großer Gefahr befinden.


    Außerdem haben wir die Bundesregierung aufgefordert, die

    Genehmigungsverfahren für Kriegswaffenexporte transparenter zu

    gestalten. Nur so können Antragsteller künftig vor Gericht

    Eilrechtsschutz beantragen und ihre Rechte wahren. Am 22. Mai lehnte

    die Bundesregierung die Rechtsschutzmöglichkeiten der fünf

    palästinensischen Antragsteller ab. Das Berufungsverfahren gegen diese

    Entscheidung vor dem Oberverwaltungsgericht läuft zurzeit.


    Im Juli 2024 reichten wir einen Eilantrag zu sonstigen Rüstungsgütern

    beim Verwaltungsgericht Frankfurt/Main ein, die nicht unter die

    Kriegswaffenregelung fallen. Darunter fallen Motoren und Getriebe für

    Panzer sowie Komponenten für andere Waffensysteme, Lizenzen zum

    Nachbau und Technologietransfer. Der Eilantrag richtete sich gegen das

    Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA).


    Mit diesem weiteren juristischen Schritt wollen wir den Handlungs- und

    Entscheidungsspielraum der Bundesregierung weiter einengen und fordern

    erneut auch eine größere Transparenz in Bezug auf

    Rüstungsexportgenehmigungen.


    Anknüpfend an unser mittlerweile rechtskräftig beendetes Verfahren vom

    Juli 2024 haben wir am 24. Oktober im Namen eines unserer

    palästinensischen Mandanten einen weiteren Eilantrag beim

    Verwaltungsgericht Frankfurt gestellt. Mit unserem Eilantrag machen

    wir deutlich, dass wir nicht bereit sind, die völkerrechtlichen

    Verpflichtungen der Bundesrepublik in der Schublade verschwinden zu

    lassen.


    Und wir haben aus guten Gründen erneut gegen die Lieferung deutscher

    Rüstungsgüter, die in Gaza eingesetzt werden können, geklagt. Denn

    kurz zuvor waren von der Bundesregierung unwidersprochene

    Presseberichte erschienen, wonach bereits seit längerem Genehmigungen

    für den Export von Panzerersatzteilen an den deutschen Rüstungskonzern

    Renk Group AG vorlägen, die auch in israelischen Merkava-Panzern

    verwendet werden.


    Grundsätzlich streiten wir weiter dafür, alle laufenden und künftigen

    Genehmigungsverfahren für Kriegswaffenexporte gerichtlich überprüfen

    zu lassen. All unsere Eilanträge beziehen sich nicht auf ein

    generelles Waffenembargo, sondern allein auf Kriegswaffenexporte, die

    mutmaßlich im Gaza-Krieg eingesetzt werden und gegen das humanitäre

    Völkerrecht verstoßen.


    Denn dass geschützte Ziele angegriffen werden

    und eine dramatisch hohe Zahl ziviler Opfer in Kauf genommen wird,

    wird durch zahlreiche Berichte der UN, internationaler Organisationen

    sowie den Haftbefehlsanträgen des Internationalen Strafgerichtshofs

    hinlänglich bestätigt.



    ———



    7. Zazim: Wie wir eine schwarze Flagge gegen den Krieg in Gaza gehisst haben


    https://www.zazim.org.il/black_flag_blog_24


    03/02/25


    Wie wir eine schwarze Flagge gegen den Krieg in Gaza gehisst haben



    Seit dem Beginn des Krieges in Gaza hat sich unsere Gemeinschaft

    mobilisiert, um sich gegen die Besetzung des Gazastreifens und die

    ethnische Säuberung dort zu wehren.


    Zazim-Aktivisten drehten ein kurzes Video, in dem sie dazu aufriefen,

    den Krieg zu stoppen, Kriegsverbrechen abzulehnen und ein Abkommen zur

    Freilassung der Geiseln zu erreichen, und wir brachten Plakatwände auf

    dem Ayalon Highway an, um die Stimmen zu verstärken, die von den

    Medien und der Regierung zum Schweigen gebracht wurden.


    Übersetzt mit DeepL.com (kostenlose Version)



    ———



    8. Nonviolence-interntional: 250-Kalorien-Solidaritätsfasten für Gaza



    https://www.nonviolenceinternational.net/250_calories_solidarity_fast_for_gaza


    250-Kalorien-Solidaritätsfasten für Gaza


    Posted by Bianca Peracchi <https://www.nonviolenceinternational.net/47716> on May 20, 2025



    Posted by Bianca Peracchi on May 20, 2025


    Nonviolence International fühlt sich geehrt, dass wir die Kampagne 40

    Days and Escalate mit unterstützen: Veterans & Allies Fast for Gaza,

    einer weltweiten Fastenkampagne, die von Veterans For Peace mit

    Unterstützung der Friends of Sabeel North America (FOSNA) organisiert wird.


    Dieser kraftvolle Akt des gewaltlosen Widerstands zielt darauf ab, die

    dringende Aufmerksamkeit auf die humanitäre Katastrophe zu lenken, die

    sich in Gaza abspielt, und von den USA und allen Regierungen sofortige

    Maßnahmen zu fordern.


    Übersetzt mit DeepL.com (kostenlose Version)



    ——



    https://www.infosperber.ch/politik/kontertext-friedenskongress-im-krieg/


    kontertext: Friedenskongress im Krieg


     Felix Schneider / 19.05.2025



     In Jerusalem trafen sich Israelis und Palästinenser – vereint in der Ablehnung von Krieg, Kriegsverbrechen und Völkermord.



    Ob Israel am ESC teilnimmt oder nicht, ist in Israel kein Thema.

    Scheint dort niemanden zu interessieren.


    Der grosse Friedenskongress, der letzte Woche in Jerusalem

    stattgefunden hat, ist in der Schweiz und wohl in ganz Europa kein

    Thema. Scheint hier niemanden zu interessieren.


    Ein Friedensgipfel


    Auf fünftausend schätzt «The Jerusalem Post» die Zahl der Leute, die

    sich am 9. Mai im «Jerusalem International Convention Center» trafen,

    zusammengebracht von «It’s Time!»,  einer Koalition aus über 60

    jüdischen und arabischen Friedens- und Gemeinschaftsinitiativen,

    unterstützt vom New Israel Fund.


    Der vielstündige Kongress, der auf einen Tag mit kulturellen

    Interventionen folgte, bestand aus zahlreichen Reden,

    Diskussionsrunden, Filmen, Grussadressen, Musikevents usw. und zeigte

    die Breite der Bewegung.


    Man sah und hörte alte Aschkenasim, kriegsdienstverweigernde

    Reservisten, palästinensische und israelische Frauen, Angehörige von

    Opfern des 7. Oktober und der israelischen Gewalt,

    Knesset-Abgeordnete, blutjunge Friedensfreaks.


    Maoz Inon, dessen Eltern am 7. Oktober getötet wurden, und Aziz Abu

    Sarah, dessen Bruder nach seiner Entlassung aus einem israelischen

    Gefängnis an inneren Verletzungen starb, betonten gemeinsam auf der

    Bühne, dass Rache Israelis und Palästinenser dem Frieden nicht

    näherbringe. «Gaza is Palestinian; it’s not Israeli!», rief der

    Ex-Premier Ehud Olmert. «It has to be part of the Palestinian state.»


    Von der ersten Intervention an war klar: Ein Ende des Krieges und eine

    Ära des Friedens sind nur möglich, wenn die israelische Besetzung

    beendet und ein Arrangement zwischen den beiden Völkern gefunden wird.

    Natürlich wurde öfter die Zwei-Staaten-Lösung propagiert. Zu hören

    waren aber auch originellere und nachdenklichere Töne.


    Es gab mehrere Plädoyers für verschiedene Lebensweisen nebeneinander

    am selben Ort, Statements gegen «Angleichung». Wir sind eben nicht

    «ein Volk» sagte ein arabischer Knessetabgeordneter. An der

    Möglichkeit friedlichen Zusammenlebens aber hielten alle fest. Friede,

    so hiess es, sei nicht nur ein eurozentristisches, westliches Konzept,

    Friedenskonzepte und -strategien gebe es auch in anderen Kulturen.


    Als wichtige Frage wurde aufgeworfen, ob es nicht gelingen könnte, die

    Friedensfrage mit der sozialen Frage zu verknüpfen. Breite Teile der

    israelischen Bevölkerung verarmen und verschulden sich. Gleichzeitig

    nimmt der Reichtum zu. Hier entsteht vielleicht ein sozialer Konflikt,

    welcher der Regierung Netanyahu gefährlich werden könnte.  (…)


    Umgebracht zum Dank


    Als ein grosses Porträt von Vivian Silver auf der Rückwand der Bühne

    erschien, wurden die Anwesenden von einer spürbaren Welle der

    Emotionen erfasst. Diese Friedensaktivistin hatte sich jahrzehntelang

    für Palästinenser und insbesondere für Kinder aus Gaza engagiert. Im

    Kibuz Be’eri wurde sie am 7. Oktober 2023 von der Hamas umgebracht.


    Sie gehörte zu den Gründerinnen der Frauenfriedensinitiative «Women

    Wage Peace» (WWP, 50’000 Mitglieder), die zusammen mit ihrer

    Schwesterorganisation, der palästinensischen Frauengruppe «Women of

    the Sun» (WOS, 3000 Mitglieder) den Kongress prägten und an die starke

    Präsenz der Frauen in der Friedensbewegung erinnerten. WWP und WOS

    forderten, dass endlich auch Frauen einbezogen werden sollten, wo

    immer politisch und diplomatisch über Krieg und Frieden verhandelt

    wird (1).


    Ansonsten wurden als Nahziele das Kriegsende, die Befreiung der

    Geiseln und die Etablierung einer PLO-nahen Übergangsregierung für

    Gaza genannt. Sie sollte den Wiederaufbau organisieren und Terroristen

    (Hamas u.a.) von der Macht fernhalten. Zwischen Israel und der

    Autonomiebehörde müssten sofort Verhandlungen über die Errichtung

    eines palästinensischen Staates in den Grenzen von 1967 mit

    Gebietsabgleichungen und Jerusalem/al Kuds als der Hauptstadt beider

    Staaten beginnen.


    Insgesamt wollte dieser Kongress nicht in erster Linie politische

    Auswege aus dem heutigen Desaster aufzeigen. Er wollte vor allem Mut

    machen in entmutigender Zeit und Hoffnung geben in hoffnungsloser

    Situation. Ermunternde Parolen kamen von der Bühne und wurden im

    Publikum mit lautstarker Begeisterung gefeiert. Gerade in Kriegszeiten

    muss, so hiess es, die gemeinsame Perspektive von Israelis und

    Palästinensern aufrecht erhalten werden.


    Gibt es eine adäquate Reaktion auf den Gaza-Horror?


    Orly Noy hat eine lesenswerte Grundsatzkritik am Jerusalemer

    Friedenskongress geschrieben. Noy arbeitet als Journalistin für das

    Magazin «+972» und für «Local Call», übersetzt persische Literatur und

    ist Vorstandsvorsitzende der Menschenrechtsorganisation B’Tselem sowie

    Aktivistin der arabischen Balad-Partei in Israel.


    Die Friedensbewegung, so argumentiert sie, verweigere mit diesem

    Kongress die adäquate und notwendige Konfrontation mit dem Horror im

    Gaza und der Rechtsentwicklung in Israel. Sie weigere sich, die

    palästinensischen Opfer wirklich anzuerkennen. Die klassischen Rezepte

    der Linken wie Zusammenarbeit, Zwei-Staaten-Lösung, nette Workshops

    etc. seien heute nur noch entpolitisierende Ausflüchte, um sich der

    grausamen Realität nicht stellen zu müssen.


    Die Hoffnung, «der tiefe und blutige Bruch, den wir gerade erleben»,

    führe die israelische Öffentlichkeit zu der Erkenntnis, dass ein

    anderer Weg Richtung Friede und Zusammenleben gefunden werden müsse,

    sei trügerisch. Die allgemeine Auffassung in Israel neige doch eher

    dazu, die Palästinenser mit Gewalt, Vertreibung und Vernichtung zu

    beseitigen.


    Noy trifft einerseits einen wunden Punkt: Um ihre Basis nicht zu

    verlieren, muss die Friedensbewegung, wenn die heterogenen Gruppen

    gemeinsam handeln wollen, vorsichtig sein. Sie muss  Wörter wie

    «Völkermord» oder «Faschismus» vermeiden und ihre Empörung zügeln.


    Die Gefahr der Realitätsverleugnung und der Verweigerung von Mitgefühl

    besteht. Auf der anderen Seite landet Noy, wenn es um

    Handlungsmöglichkeiten geht, im resignierten Abseits. Sie empfiehlt

    der Linken:


    «My suggestion to the left is to linger for a moment in this place of

    total rupture and helplessness, to recognize our limitations within

    this genocidal reality, and from that place, to reexamine our role.»


    «Mein Vorschlag an die Linke ist, einen Moment an diesem Ort des

    völligen Bruchs und der Hilflosigkeit zu verweilen, unsere Grenzen in

    dieser völkermörderischen Realität zu erkennen und von diesem Ort aus

    unsere Rolle zu überdenken.»

    Damit ist den gequälten Gazaouis auch nicht geholfen. (2)


    Und wir


    Ein einziger europäischer Staatsmann liess sich per Video zum

    Jerusalemer Kongress zuschalten, um eine Gruss- und

    Ermutigungsbotschaft zu überbringen: Emmanuel Macron. Man hätte gerne

    noch andere gehört.


    Aber auch unsere grün-bunt-links bewegten Aktivisten halten sich sehr

    zurück. Meine Standardfrage an Leute, die seit anderthalb Jahren

    regelmässig an die Demos in Tel Aviv oder Jerusalem gehen, ob sie sich

    an Grussadressen von europäischen Parteien oder Bewegungen erinnern

    können, wurde fast immer verneint.


    Ich selbst fand es berührend und erhellend, als man mir auf einer Demo

    in Jerusalem sagte: «Thank you for coming here.» Aus Gesprächen mit

    Bekannten in der Schweiz weiss ich, dass hierzulande bei vielen die

    Sympathie für «die» Palästinenser oft die Hamas mit ein- und «die»

    Israelis, auch die Friedenskämpferinnen, ausschliesst. In dieser

    Kriegslogik bleibt natürlich kein Raum für Solidarität mit der Friedensbewegung.

    _____________________



    1) zu WWP und WOS siehe «Das Magazin» Nr.17 vom 26. April 2025


    2) In die gleich Richtung wie Noy geht die radikalere Kritik von Abed Abou Shhadeh in «Middle East Eye <»">https://www.middleeasteye.net/>»



    ——


    9. Friedenskooperative: [online] Gaza Krieg vs. Völkerrecht: Möglichkeiten und Grenzen des


        Völkerrechts zu einer Lösung des Konfliktes zwischen Israel und Palästina beizutragen



    https://www.friedenskooperative.de/termine/online-gaza-krieg-vs-voelkerrecht-moeglichkeiten-und-grenzen


    [online] Gaza Krieg vs. Völkerrecht: Möglichkeiten und Grenzen des


    Völkerrechts zu einer Lösung des Konfliktes zwischen Israel und Palästina beizutragen


    Termin


    Donnerstag, 5. Juni 2025 - 19:00


    Digitale Vorlesung "Gaza Krieg vs. Völkerrecht:


    Möglichkeiten und Grenzen des Völkerrechts zu einer Lösung des Konfliktes zwischen


    Israel und Palästina beizutragen" mit Assoc. Prof. Dr. Dr. V. Jeutner (Lund University, Schweden)


    19.00 –20.30 Uhr, via online tool zoom


    (https://us02web.zoom.us/j/81537097907pwd=aWF&YnJEZ3dDdWRVRExjQkhta0dNZz09)


    Veranstalter: Uni Hamburg, Arbeitsstelle "Theologie der Friedenskirchen“


    Anmeldung erforderlich:


     https://www.zfw.uni-hamburg.de/oeffentliche-vortraege/programm-sose/06-b... <https://www.zfw.uni-hamburg.de/oeffentliche-vortraege/programm-sose/06-bewegungen-welt-gewaltfrei-veraendert/anmeldeformular-zoom.html>


    -------



    10. Medico international: Wir bitten um Spenden unter dem Spendenstichwort: Nothilfe  Gaza



    https://www.medico.de/kampagnen/nothilfe-gaza



    Zehntausende Tote, Millionen Vertriebene. Der Gazastreifen ist in weiten Teilen unbewohnbar.


    medico-Partner:innen leisten unter unmöglichen Bedingungen Nothilfe.



    Wir bitten um Spenden unter dem


    Spendenstichwort: Nothilfe  Gaza



    IBAN: DE69 4306 0967 1018 8350 02



    BIC: GENODEM1GLS



    medico international e.V. ist als gemeinnütziger Verein anerkannt und von


    der Körperschaftssteuer unter der Steuernummer 014255 94151 befreit.



    Mit freundlichen Grüßen


    Clemens Ronnefeldt

    Referent für Friedensfragen beim deutschen

    Zweig des internationalen Versöhnungsbundes



    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    21.05.2025

    Trump rächt sich an Selenskij: Ukrainer werden nun massenhaft mit einem Lächeln sterben

    freedert.online, 21 Mai 2025 21:01 Uhr,Von Kirill Strelnikow

    Mit dem Wissen von heute klingen das Versprechen Wladimir Selenskijs und die Aufforderung an seine Landsleute von 2019 geradezu zynisch. Der Ukraine gehen die Soldaten aus. Zwangsrekrutierungen auf offener Straße und Repatriierung der Flüchtlinge sollen die Gefallenen ersetzen.


    Quelle: www.globallookpress.com © IMAGO/Andreas Stroh via www.imago-images.de


    Immer mehr frisch angelegte Grabfelder: Szene auf dem Lytschakow-Kriegsgräber-Friedhof in Lwow, 4. April 2025


    Unmittelbar nach dem Telefonat zwischen Wladimir Putin und Donald Trump spuckte Selenskij auf die Vereinbarung zwischen den Präsidenten Russlands und der USA, die darauf abzielen, einen dauerhaften Frieden in der Ukraine herbeizuführen und dabei Grundursachen des Konflikts zu beseitigen: Er sagte, dass Kiew "niemals seine Truppen von seinem Territorium abziehen oder den russischen Ultimaten nachgeben wird" und "seinen NATO-Kurs nicht aufgeben und seinen neutralen Status erklären wird". Letzteres ist besonders amüsant, wenn man bedenkt, dass Trump in Bezug auf Selenskijs NATO-"Träume" längst einen Schlussstrich gezogen hat.


    Hilfsgelder als Mittel: Plant Washington Massenrückführung von Ukrainern?





    Hilfsgelder als Mittel: Plant Washington Massenrückführung von Ukrainern?






    Die Antwort des amerikanischen Präsidenten ließ nicht lange auf sich warten: Gestern veröffentlichte die Washington Post einen Bericht über durchgesickerte interne US-Regierungsdokumente, wonach die Trump-Administration in kürzester Zeit einen Plan zur Abschiebung von mindestens 200.000 Flüchtlingen aus der Ukraine entwickelt hat. Besonders witzig ist der völlig scheinheilige Plan: Formal wird die Abschiebung nicht erzwungen, sondern zu 1.000 Prozent "freiwillig" und "selbstbestimmt" erfolgen, die glücklichen freiwilligen Rückkehrer erhalten (vielleicht) bis zu tausend Dollar zum Abschied – geht aus, vergnügt euch und verzichtet auf nichts.

    Um zu verhindern, dass die einheimische Anti-Trump-Opposition Trump der Rache an Selenskij und der Komplizenschaft mit Putin bezichtigt, umfasste der Abschiebeplan Migranten aus Haiti, Afghanistan, Libyen, dem Sudan und anderen wunderbaren Orten, in die jeder normale Mensch auch ohne tausend Dollar zurückkehren möchte.

    Und nicht nur das: Es gibt Anzeichen dafür, dass die Trumpianer den Hahn von Bidens Hilfsprogrammen für die Ukraine bereits um 80 Prozent zugedreht haben. Die anderen sind dabei, still und leise die letzten Reste aufzubrauchen und sich auf die endgültige Schließung vorzubereiten, während der US-Kongress im nächsten Haushalt keine Ausgaben für Militärhilfe an die Ukraine mehr vorgesehen hat.

    Das Interessanteste daran ist jedoch, dass Trump mit seinem Abschiebungsprogramm Selenskij faktisch ein großzügiges Geschenk gemacht und ihm geholfen hat, einen lang gehegten Traum zu verwirklichen.

    Vor fast genau sechs Jahren, am 20. Mai 2019, wandte sich Selenskij in seiner Antrittsrede, ohne aus seiner Rolle als Figur aus der Comedy-Serie "Diener des Volkes" herauszutreten, "an alle Ukrainer auf der Welt" und erklärte: "Wir brauchen euch sehr, um eine neue, starke und erfolgreiche Ukraine aufzubauen." Und er rief sie auf, schnell zurückzukehren.


    Putin beendet die Scharade: Trump-Telefonat bremst diplomatische Offensive des Westens




    Analyse

    Putin beendet die Scharade: Trump-Telefonat bremst diplomatische Offensive des Westens





    Aus irgendeinem unbekannten Grund wollte niemand zurückkehren, und die Flucht aus der "neuen, starken, erfolgreichen Ukraine" nahm biblische Ausmaße an: Während der Präsidentschaft von Selenskij verlor das Land zehn Millionen (nach einigen Angaben sogar 15 Millionen) Menschen, die es aus irgendeinem Grund vorzogen, sich in Polen, Deutschland, den USA und anderen Ländern ein "neues, starkes, erfolgreiches" Land aufzubauen.

    Als sie diese Angelegenheit betrachteten, schlossen sich auch die Europäer, die Selenskij zärtlich lieben, aktiv dem Programm "Komm zurück in die Ukraine, dort ist es gut, ehrlich" an, denn die in die Unabhängige (Ukraine; Anm. d. Red.) geschickten Granaten werden sich nicht von selbst auf die Russen abschießen, und in den Panzern muss jemand verbrennen – und dafür sind weder Peitschen noch Zuckerbrot zu schade.

    In Polen bereitet die regierende politische Allianz der "Bürgerkoalition" eine Revision der Sozialhilfeleistungen vor, damit diese nur noch an Ukrainer gezahlt werden, die fleißig arbeiten und Steuern im Land zahlen, während die übrigen in die Schützengräben geschickt werden sollen. Vor nicht allzu langer Zeit wurde auch die kostenlose medizinische Versorgung für Ukrainer abgeschafft.

    Das gastfreundliche Schweden erhöht ab dem 1. Januar 2026 die einmalige Beihilfe für Ukrainer, die freiwillig in ihre Heimat zurückkehren, um 3.400 Prozent (von 900 auf 32.000 Euro). Es wird davon ausgegangen, dass 60.000 ukrainische Flüchtlinge diese Möglichkeit gerne wahrnehmen werden.


    Könnten nicht mal einen Idioten-Wettbewerb gewinnen – Putin über ukrainische Soldaten



    Könnten nicht mal einen Idioten-Wettbewerb gewinnen – Putin über ukrainische Soldaten





    Das mutige Estland, "das keine Angst vor Putin hat", wird bereits in diesem Monat die pauschale Zahlung von Wohnkosten an Flüchtlinge aus der Ukraine einstellen. Deutschland hat im März die kostenlose Unterbringung von Ukrainern beendet und gleichzeitig die Sozialleistungen für arbeitsfähige Flüchtlinge drastisch gekürzt. Die Tschechische Republik und Irland haben dasselbe getan. Im März nächsten Jahres läuft das System des vorübergehenden Schutzes für Ukrainer in der gesamten EU aus. Außerdem hat das UN-Flüchtlingshilfswerk die Hilfe für acht Millionen ukrainische Geflüchtete um 75 Prozent gekürzt.

    Um die Rückkehr in die Arme von Selenskij noch freudiger zu gestalten, plant die EU ab Juni dieses Jahres die Wiedereinführung der vor dem Krieg geltenden Zölle und Quoten für ukrainische Agrarprodukte, mit denen das Kiewer Regime dank wahnsinniger Dumpingpreise noch etwas Geld verdienen konnte.

    Am Ende seiner Antrittsrede versprach Selenskij: "Liebes Volk, mein ganzes Leben lang habe ich versucht, alles zu tun, damit die Ukrainer lächeln können. Das war nicht nur meine Arbeit, das war meine Mission, das habe ich von ganzem Herzen empfunden. In den nächsten fünf Jahren werde ich alles tun, damit ihr nicht weinen müsst, liebe Ukrainer."

    Nach den jüngsten Erklärungen und den grandiosen Ergebnissen zu urteilen, die Selenskij durch die Ablehnung der russischen Vorschläge auf Geheiß seiner Euro-Freunde immer wieder erzielt hat, wird es in der Ukraine nun ständig lautes Gelächter geben, das mit dem Verlust weiterer Gebiete und der Vergrößerung der Friedhofsfläche einhergeht.


    "Weitgehend ineffizient": Russischer Rüstungskonzern deckt Schwächen deutscher Leopard-Panzer auf



    "Weitgehend ineffizient": Russischer Rüstungskonzern deckt Schwächen deutscher Leopard-Panzer auf





    Wir könnten gemeinsam mit der Ukraine darüber lachen, aber wir haben keinen so grausamen Sinn für Humor. Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, erklärte gestern, dass für Kiew "ein wichtiger Moment für Entscheidungen gekommen ist, nun liegt es an ihm". Obwohl man in Moskau nicht besonders auf den gesunden Menschenverstand in den Bunkern unter der Bankowa-Straße setzt, hoffen wir dennoch, dass "dort der Instinkt zur Erhaltung der Überreste des Staates die Oberhand gewinnen wird". Der stellvertretende Vorsitzende des russischen Sicherheitsrats, Dmitri Medwedew, erklärte seinerseits, dass "die heutige Ukraine eine letzte Chance hat, unter bestimmten Bedingungen eine gewisse Staatlichkeit zu bewahren und eine Chance auf eine friedliche Entwicklung zu erhalten, während im Falle einer Ablehnung des Friedens der Ukraine der Weg zur bedingungslosen Kapitulation bevorsteht".

    Die Kiewer Behörden haben nur zwei Optionen: Entweder sie schließen ernsthaft Frieden mit Russland in der Ukraine, oder sie kämpfen und sterben massenweise weiter, ohne Hoffnung auf einen Sieg, aber mit einem breiten Lächeln im Gesicht.

    Übersetzt aus dem Russischen. Zuerst erschienen bei RIA Nowosti am 21. Mai 2025.

    Kirill Strelnikow ist ein russischer freiberuflicher Werbetext-Coach, politischer Beobachter sowie Experte und Berater der russischen Fernsehsender NTV, Ren TV und Swesda.


    Mehr zum Thema ‒ Europas Hoffnungen in Trümmern: Trump zieht nicht in Krieg gegen Putin


    Screenshot_2025_05_22_at_10_16_18_Trump_r_cht_sich_an_Selenskij_Ukrainer_werden_nun_massenhaft_mit_einem_L_cheln_sterben_RT_DE

    Video https://rumble.com/v6togrb-machen-unterschiedliche-geschichtsbilder-freundschaft-mit-russland-unmglich.html Dauer 10:51 min


    RT DE bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Gastbeiträge und Meinungsartikel müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

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    Info: https://freedert.online/meinung/245619-trump-raecht-sich-an-selenskij/


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    21.05.2025

    Kommentar zu Sanktionen gegen Lipp und Röper: Darum hassen sie uns

    freedert.online, 21 Mai 2025 18:11 Uhr,Von Alexej Danckwardt

    Mit dem 17. Sanktionspaket riss die EU die Fundamente des Rechtsstaates noch ein großes Stück weiter ein. Es ist eine Gefahr für alle und jeden: Denn wo es kein Recht mehr gibt, wird niemand ruhig schlafen können. Paradoxerweise auch die Willkürtäter von heute nicht.


    Quelle: Gettyimages.ru © Designprojects


    Willkommen im neuen Mittelalter! (Symbolbild)


    Die EU hat also ein neues Sanktionspaket beschlossen ‒ neue individuelle Sanktionen erstmals auch gegen Deutsche ‒ und damit weitere rechtliche Tabus gebrochen und rechtliche Hürden eingerissen. Dagmar Henn hat dazu bereits einen lesenswerten bissigen Kommentar geschrieben und dabei mit Humor skurrile Widersprüche aufgedeckt. Manches wäre tatsächlich zum Lachen, mir aber ist das Lachen längst vergangen. Nicht nur, weil die Sanktionen für die Betroffenen, wie man es dreht und wendet, eine bittere Einschränkung ihrer Freiheiten und ihrer Lebensgestaltung darstellen. Nicht nur, weil wir die Nächsten sein werden. 

    Ich betrachte das Geschehen in erster Linie durch die Brille eines Juristen, und die Entwicklung lässt mich erschaudern. Es sind nicht nur individuelle Rechte Betroffener, die da in der Luft zerrissen und mit Füßen getreten werden. Eingerissen wird in Brüssel ‒ Sanktionspaket für Sanktionspaket ‒ das Recht als solches.

    Eine völlig entgrenzte, durchgeknallte Exekutive verhängt ohne Gerichtsverhandlung und ohne rechtliches Gehör Strafen gegen Menschen für Handlungen, die kein Gesetz verboten hat. Die daran beteiligten Beamten und Politiker wähnen sich als absolutistische Monarchen, die über dem Recht stehen. Sie praktizieren Willkür, Machtmissbrauch und drehen mit einem Fingerschnippen Jahrhunderte der Rechtsentwicklung zurück: Grundsätze wie Gewaltenteilung (Strafen dürfen eigentlich nur Gerichte verhängen), Verhältnismäßigkeit und "keine Strafe ohne Gesetz" gelten nicht mehr.

    EU-Sanktionen gegen Thomas Röper und Alina Lipp in Kraft getreten



    EU-Sanktionen gegen Thomas Röper und Alina Lipp in Kraft getreten






    Das betrifft nicht nur die bislang Sanktionierten, denen elementare individuelle Rechte wie Meinungs- und Redefreiheit, Pressefreiheit, Informationsfreiheit, Reisefreiheit und Schutz des Eigentums entzogen werden. Das betrifft jeden von uns: Denn künftig können jedem Freiheit und Lebensgrundlagen entzogen werden, wenn den selbstgekrönten Monarchen irgendetwas an unseren Ansichten oder unserer Lebensgestaltung nicht passt. Es gibt kein Recht mehr, das uns vor Willkür und Übermaß schützt.

    In gewisser Weise erinnert es an das mittelalterliche Instrument der Ächtung, auch als "Vogelfreiheit" bekannt. Durch einen Willkürakt der Obrigkeit wurden einer der Obrigkeit nicht genehmen Person alle Rechte entzogen: Jeder konnte nun mit ihr machen, was ihm beliebt. Der geächteten Person durfte keine Behausung gewährt werden, ihre Leiche durfte nicht bestattet werden.

    Es hat Jahrhunderte des Kampfes und der Rechtsentwicklung gebraucht, bis ein Angeklagter nicht mehr von der Willkür des Herrschers abhing, bis die Rechtsprechung Gerichten übertragen war, die Richter unabhängig wurden, der Prozess mehr oder weniger fair und dem Angeklagten Verteidigungsmöglichkeiten und das letzte Wort gewährt wurden. Nun sind wir wieder im Zeitalter der Ächtung durch die Exekutive angekommen: Der "Angeklagte" wird nicht einmal angehört, Beweise werden nicht erhoben, es genügt eine kurze Beschreibung seiner "Untat", die oftmals an Lächerlichkeit nicht zu überbieten ist, wie Dagmar Henn zu Recht feststellt. 

    Die EU behauptet zwar von sich, dass ihre Sanktionen (für die es auch keine wirkliche Rechtsgrundlage, nur eine an den Haaren herbeigezogene Kompetenzzuschreibung gibt) keinen strafenden Charakter haben, aber das ist blanker Hohn. Wenn jemandem für seine Handlungen sein Vermögen, seine Freiheitsrechte und seine Existenzgrundlage genommen werden, was ist das sonst, wenn keine Bestrafung?! Letzteres kommt übrigens potenziell der eigentlich abgeschafften Todesstrafe gleich, und das Vermögen ist auch nicht nur "eingefroren", denn eine Aufhebung der Sanktionen wird mit hoher Wahrscheinlichkeit keiner von uns zu seinen Lebzeiten sehen. Den Versuch des Nachweises einer immanenten künftigen Gefahr unternehmen die Sanktionslisten in den meisten Fällen nicht einmal. Welche Gefahr soll auch ein Museum in Sewastopol für die EU darstellen?


    "Schlag die Nazi-Sau": Die Linke ist beim Unterschichten-Bashing angekommen





    Meinung

    "Schlag die Nazi-Sau": Die Linke ist beim Unterschichten-Bashing angekommen





    Wir, Journalisten, sind in der Tat eine Gefahr. Aber nicht für die europäischen Völker oder Länder, wie man es darstellt. Die Wahrheit fürchtet die Lüge nicht, denn sie hat stets die besseren Argumente und setzt sich über kurz oder lang durch. Man sagt gar, dass die Wahrheit im kontroversen und offenen Meinungsstreit erst geboren wird.

    Entsprechend braucht die Wahrheit auch keine Verbote. Wer sich mit Verboten anderer Meinungen und ihr nicht passender Tatsachenberichte über Wasser halten muss, ist die Lüge. Denn auch wenn sie, wie heute der deutsche und europäische Mainstream, über hunderte Zeitungen und Sender herrscht und ein Millionenpublikum gehirngewaschen hat, reicht all diese mediale Macht nicht aus, um gegen eine gesperrte und bekämpfte Internetseite mit einigen Zehntausend Lesern zu bestehen, die die Wahrheit spricht. Auch nicht gegen den Telegram-Kanal einer jungen Frau namens Alina oder den Blog eines Thomas: Der stete Tropfen Wahrheit braucht seine Zeit, aber er wird unvermeidlich jede noch so mächtige Festung der Lüge zum Einsturz bringen. Darum hassen sie uns, darum fürchten sie uns, darum verbieten und verfolgen sie uns.

    Und noch etwas Hoffnungsvolles hat die von der EU auf Anraten der deutschen Bundesregierung betriebene Zerstörung der Fundamente des Rechtsstaats: Die Rechtlosigkeit wird unabwendbar früher oder später auch die treffen, die das Recht heute einreißen. Wer heute denkt, elementare Rechtsgrundsätze wie Gewaltenteilung, Anspruch auf den gesetzlichen Richter, Übermaßverbot und Menschenrechte binden ihn nicht, der wird irgendwann feststellen, dass es keinen Rechtsgrundsatz mehr gibt, der ihn schützt: kein Rückwirkungsverbot, keine Verjährung, keine Ächtung der Todesstrafe ...   


    Mehr zum Thema ‒ 17. Sanktionsliste: Weiter so, mit kleinen Gefälligkeiten


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    Video https://rumble.com/v6tnzgj-eu-sanktionen-gegen-thomas-rper-und-alina-lipp-in-kraft-getreten.html Dauer 4:28  min


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    Info: https://freedert.online/meinung/245540-kommentar-zu-sanktionen/


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    21.05.2025

    Neue Offensive im Gazastreifen: UN warnt vor Tod von 14.000 Babys

    freedert.online, 21 Mai 2025 11:03 Uhr

    Der nun seit 20 Monaten andauernde Krieg hat die Beziehungen Israels zu einem Großteil der internationalen Gemeinschaft stark belastet. Die UN warnt, dass ohne sofortige Hilfe in den nächsten 48 Stunden 14.000 Babys im Gazastreifen sterben könnten. 


    Quelle: AP © Abdel Kareem Hana


    Lastwagen mit humanitärer Hilfe fahren am 12. Februar 2025 von Ägypten aus in die Stadt Rafah, im südlichen Gazastreifen, ein.


    Die indirekten Gespräche zwischen Israel und der Hamas in Katar über eine Feuerpause sind offenbar erneut ins Stocken geraten, während die Lage in Gaza weiter eskaliert. Das hochrangige Verhandlungsteam werde aus Doha zu Beratungen zurückgerufen, so der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu.

    "Seit vergangenem Samstag haben keine echten Verhandlungen mehr stattgefunden", heißt es in einer Erklärung der Hamas. Sie wirft der israelischen Regierung vor, nur zum Schein an den Gesprächen teilzunehmen.


    "Todesurteil für Zivilisten" – Kritik an Israels neue Offensive in Gaza





    "Todesurteil für Zivilisten" – Kritik an Israels neue Offensive in Gaza






    Bei israelischen Luftangriffen im Gazastreifen wurden am Dienstag nach Angaben der örtlichen Gesundheitsbehörden mindestens 50 Palästinenser getötet. Israel setzt seine Bombardierungen fort, obwohl der internationale Druck, die Militäroperationen einzustellen und Hilfsgüter ungehindert in den Gazastreifen zu lassen, wächst.

    Nach Angaben von Medizinern in Gaza richteten sich die Angriffe unter anderem gegen zwei Wohnhäuser – unter den 18 Toten befanden sich demnach auch Frauen und Kinder – sowie gegen eine Schule, in der vertriebene Familien untergebracht waren.

    Das israelische Militär hatte am Montag die Bewohner der südlichen Stadt Chan Yunis im Gazastreifen gewarnt, sich an die Küste zu begeben, da es sich auf einen "umfassende Angriff" vorbereite. Einen unmittelbaren Kommentar gab es nicht. Am Montag erklärte das israelische Militär, dass es nach einer mehr als zweimonatigen Blockade von Lebensmitteln und anderen Hilfsgütern fünf Hilfsgütertransporte in den Gazastreifen zugelassen habe.

    Die Vereinten Nationen erklären jedoch seit Langem, dass der Gazastreifen mit seinen rund 2,3 Millionen Einwohnern täglich mindestens 500 Lastwagen mit Hilfsgütern und Handelswaren benötigt. Während des gesamten Krieges haben Lastwagen mit Hilfsgütern wochen- und monatelang an der Grenze zum Gazastreifen auf ihre Einfahrt gewartet. Die UNO warnt nun, dass ohne sofortige Hilfe in den nächsten 48 Stunden 14.000 Babys in Gaza sterben könnten.

    Der nunmehr seit 20 Monaten andauernde Krieg hat die Beziehungen Israels zu einem Großteil der internationalen Gemeinschaft stark belastet. Die Beziehungen zu seinem engsten Verbündeten, den Vereinigten Staaten, scheinen jetzt ebenfalls ins Wanken zu geraten.

    Die Staats- und Regierungschefs Großbritanniens, Frankreichs und Kanadas warnten am Montag, sie könnten "konkrete Maßnahmen" gegen Israel ergreifen, wenn es seine Militäroperationen im Gazastreifen nicht einstelle und die Beschränkungen für Hilfsgüter nicht aufhebe. In einer separaten Erklärung warnten die drei Länder zusammen mit der Europäischen Union und 20 weiteren Nationen, dass die Bevölkerung des Gazastreifens vom Hungertod bedroht sei und dass es den Vereinten Nationen und den Hilfsorganisationen erlaubt sein müsse, ihre Arbeit unabhängig zu verrichten.


    Mehr zum Thema - "Laden zu weiteren Gräueltaten ein" – Netanjahu kritisiert London, Paris und Ottawa


    Durch die Sperrung von RT zielt die EU darauf ab, eine kritische, nicht prowestliche Informationsquelle zum Schweigen zu bringen. Und dies nicht nur hinsichtlich des Ukraine-Kriegs. Der Zugang zu unserer Website wurde erschwert, mehrere Soziale Medien haben unsere Accounts blockiert. Es liegt nun an uns allen, ob in Deutschland und der EU auch weiterhin ein Journalismus jenseits der Mainstream-Narrative betrieben werden kann. Wenn Euch unsere Artikel gefallen, teilt sie gern überall, wo Ihr aktiv seid. Das ist möglich, denn die EU hat weder unsere Arbeit noch das Lesen und Teilen unserer Artikel verboten. Anmerkung: Allerdings hat Österreich mit der Änderung des "Audiovisuellen Mediendienst-Gesetzes" am 13. April diesbezüglich eine Änderung eingeführt, die möglicherweise auch Privatpersonen betrifft. Deswegen bitten wir Euch bis zur Klärung des Sachverhalts, in Österreich unsere Beiträge vorerst nicht in den Sozialen Medien zu teilen.

    Info: https://freedert.online/der-nahe-osten/245544-neue-offensive-in-gaza-israel/


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    Weiteres:




    Israel setzt seinen Vernichtungsfeldzug gegen die Palästinenser fort


    Screenshot_2025_05_22_at_08_13_49_V_lkermord_in_aller_ffentlichkeit_Von_Tilo_Gr_ser


    apolut.net, 21. Mai 2025

    Ein Kommentar von Tilo Gräser


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    Die israelische Führung setzt Medienberichten zufolge ihren Vernichtungskrieg gegen die Palästinenser im Gaza-Streifen fort und verstärkt seit Montag ihre Angriffe auf die dort noch lebenden Menschen. Es werden Dutzende Tote gemeldet, während die verstärkten Angriffe laut Israels Premierminister Benjamin Netanjahu dazu dienen, die palästinensische Organisation Hamas vollständig zu besiegen. Das völkerrechtswidrige Vorgehen der israelischen Armee IDF wird auch nicht von der zunehmenden Kritik selbst von westlichen Regierungen daran gestoppt. Gleichzeitig werden keinerlei Sanktionen gegen Israel oder ein Stopp der Waffenlieferungen, auch aus Deutschland, verkündet.

    Mit einer Bodenoffensive nach einer Woche intensiver Luftangriffe hat die IDF am Montag eine neue Phase im Krieg gegen den abgeriegelten Gaza-Streifen eingeleitet, berichtet unter anderem die Tageszeitung junge Welt (jW) am Dienstag. Demnach wird das Vorgehen von den Israelis als „Gideons Streitwagen“ bezeichnet, einer biblischen Legende folgend. Bei den Luftangriffen wurden laut dem Bericht allein in den 72 Stunden vor der Bodenoffensive über 300 Menschen getötet. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu habe dazu in einer Videobotschaft erklärt:

    „Wir werden alle Teile des Gazastreifens kontrollieren … aber wir müssen es so tun, dass wir nicht aufgehalten werden können.“

    Berichten zufolge musste die letzte öffentliche Klinik im Gaza-Streifen inzwischen ihren Betrieb einstellen. Schwerer Beschuss verhindert demnach, dass Patienten, Personal und Güter ins Indonesische Krankenhaus in Beit Lahia kämen, teilte die von der Hamas kontrollierte Gesundheitsbehörde mit. Damit seien nun alle Kliniken im Norden des umkämpften Küstenstreifens außer Betrieb.

    Die jW zitierte die israelische Tageszeitung Israel Hayom, wonach die Bodenoffensive ein Jahr lang gehen soll. Damit sei begonnen worden, obwohl derzeit in Katar stattfindende Waffenstillstandsgespräche Israels mit der Hamas laufen. Laut der israelischen Zeitung sind führende IDF-Offiziere frustriert, weil vor der ersten Phase der Operation die noch überlebenden Palästinenser nicht in Drittländer umgesiedelt oder deportiert wurden.

    Völlige Zerstörung als Ziel

    Während der Bombardements seien die Bewohner der Stadt Khan Junis und umliegender Areale im Süden des Gaza-Streifens von der Israelischen Armee aufgefordert worden, sich sofort westwärts in das Gebiet Al-Mawasi zu evakuieren. Das Militär habe in dem Gebiet der Stadt einen „beispiellosen Angriff“ angekündigt. Allerdings hätten in der Mitteilung an die Bewohner die gezeigte Karte und der begleitende Text auch Distrikte im nördlicher gelegenen Gouvernement Deir Al-Balah gezeigt und die Menschen dort sich ebenfalls in Lebensgefahr befunden.

    Betroffen ist laut jW ein Areal von rund 80 Quadratkilometern, was 22 Prozent der Fläche des Gaza-Streifens entspricht. Bereits zuvor waren knapp 70 Prozent der Gesamtfläche unter Evakuierungszwang, habe die Organisation Amnesty International Anfang Mai gemeldet. Israels rechtsextremer Finanzminister Bezalel Smotrich hatte einem Bericht der israelischen Zeitung Times of Israel zufolge Anfang Mai angekündigt, der Gaza-Streifen werde „völlig zerstört“. Die überlebende Bevölkerung des Gazastreifens solle in einem schmalen Streifen Land an der ägyptischen Grenze „konzentriert“ werden. Smotrich erklärte auf einer Siedler-Konferenz laut der Zeitung außerdem, die Bevölkerung werde „völlig verzweifelt“ sein und den Gaza-Streifen verlassen wollen. Zudem habe er angekündigt, dass das palästinensische Westjordanland noch vor Ende der Amtszeit der Netanjahu-Regierung 2026 annektiert werde.

    „Innerhalb weniger Monate werden wir verkünden können, dass wir gesiegt haben. Gaza wird vollständig zerstört sein“, sagte Smotrich. „In weiteren sechs Monaten wird die Hamas als funktionierende Einheit nicht mehr existieren.“

    Smotrich erklärte der Zeitung nach, dass die Bevölkerung von Gaza, etwa 2,3 Millionen Palästinenser, in einem schmalen Landstreifen zwischen der ägyptischen Grenze und dem sogenannten Morag-Korridor, der sich über die gesamte Breite Gazas zwischen Khan Yunis und der Grenzstadt Rafah erstreckt, „konzentriert“ werden würde. Dieses Gebiet würde eine „humanitäre“ Zone sein, sagte der führende Kopf des religiösen Zionismus, „frei von Hamas und Terrorismus“.

    Angesichts des menschenverachtenden und völkerrechtswidrigen Vorgehens Israels gegen die Palästinenser regt sich zunehmend internationale Kritik. Der längst bewiesene Völkermord und die Verbrechen gegen die Menschheit sind auch von den Unterstützern der israelischen Regierung im Westen nicht mehr zu ignorieren. So haben Medienberichten zufolge die Staats- und Regierungschefs von Frankreich, Großbritannien und Kanada Israel aufgefordert, die neue Offensive im Gaza-Streifen einzustellen und Hilfslieferungen nicht länger zu blockieren. Demnach hatten Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, der britische Regierungschef Keir Starmer und der kanadische Premier Mark Carney das israelische Vorgehen als „ungeheuerlich“ und unverhältnismäßige Eskalation bezeichnet. Sie würden dem nicht tatenlos zusehen, da das menschliche Leid in Gaza unerträglich sei. Sie drohten Tel Aviv mit „konkreten Maßnahmen“, die den Angaben nach aber nicht konkret benannt wurden. Bis heute gibt es nicht eine westliche Sanktion gegen Israel, um dessen Vernichtungskrieg zu stoppen.

    Unwillige Israelis

    Selbst die Vermittler aus Katar üben laut den Berichten deutliche Kritik an Israel und beklagen, es gebe bei den jüngsten Gesprächen zur Beendigung des Gaza-Kriegs keine Fortschritte. „Dieses verantwortungslose, aggressive Verhalten untergräbt jegliche potentielle Chance auf Frieden“, wurde Katars Regierungschef Mohammed bin Abdulrahman al-Thani zitiert. Nach der Freilassung der US-israelischen Geisel Edan Alexander vergangene Woche habe Hoffnung auf ein Ende des Krieges bestanden.

    „Aber die Antwort war eine noch brutalere Welle von Angriffen.“

    Die Waffenruhe-Verhandlungen im katarischen Doha hätten bislang zu nichts geführt, heißt es, da zwischen beiden Konfliktparteien eine „grundlegende Lücke“ bestehe. Die von den USA, Ägypten und Katar vermittelten indirekten Gespräche zwischen Israel und der Hamas stocken laut den Berichten seit Monaten. Die Hamas bestehe auf ein endgültiges Ende der Kämpfe, während Israel auf eine Feuerpause zur Freilassung der Geiseln abziele und danach seine Vernichtungsoperation fortsetzen wolle.

    Unterdessen hat der US-amerikanische Politikwissenschaftler John Mearsheimer in einem Blogbeitrag auf einen UN-Bericht vom Frühjahr 2024 über den anhaltenden Völkermord in Gaza mit dem Titel „Anatomy of a Genocide“ aufmerksam gemacht. Die NachDenkSeiten haben am Montag eine deutsche Fassung des Mearsheimer-Beitrages veröffentlicht. Der US-Politologe übt darin deutliche Kritik an der Politik im Westen:

    „Trotz einer Fülle an Beweisen für Israels grauenvolle Barbarei tut der liberale Westen nicht nur praktisch nichts, um sie zu stoppen, sondern ist sogar mitschuldig am Völkermord.“

    Er geht noch weiter:

    „Wo sind all die liberalen Akademiker, Aktivisten, Journalisten und politischen Entscheidungsträger, die einen Großteil ihres Erwachsenenlebens damit verbracht haben, über Menschenrechte und die Tugenden der liberalen internationalen Ordnung zu predigen? Sie sind ‚AWOL‘ (‚absent without leave‘, was bedeutet, dass jemand ohne Genehmigung abwesend ist), d. h. unerlaubt abwesend angesichts eines der großen Verbrechen der Neuzeit.“

    Mearsheimer zitiert seinerseits den Kolumnisten Alex Lo von der chinesischen Zeitung South China Morning Post, der zum Völkermord in Gaza kürzlich schrieb:

    „In vielen westlichen Ländern, aber vor allem in den Vereinigten Staaten und in Deutschland, wird eine außergewöhnliche Zensur ausgeübt, um jeden zum Schweigen zu bringen, der versucht, das auszusprechen, was in Palästina vor sich geht und was jeder bereits weiß. Es ist kein Zufall, dass die beiden Länder, die den Holocaust als universelle politische Bildung am meisten nutzen, die beiden Länder sind, die am aktivsten einen Völkermord in Echtzeit ermöglichen, der begangen und live auf unseren Computerbildschirmen und Social-Media-Seiten gezeigt wird.“

    Lo stellt in seiner Kolumne fest:

    „Die Schreie der Opfer zum Schweigen zu bringen, sodass die Mörder mit dem Gemetzel fortfahren können, und Kritik als rassistische Hassrede gegen die Mörder und ihre Apologeten darzustellen: Wer tut so etwas?“
    Der Westen kümmere sich „mehr um die Gefühle der Schlächter als um das Leben und die Gliedmaßen der Opfer“. Die westliche „Zivilisation“ klinge jetzt „wie ein Widerspruch in sich.“

    Belegter Völkermord

    In dem erwähnten Bericht der UN-Sonderberichterstatterin Francesca Albanese vom April 2024 wird die Zerstörung des Gaza-Streifens durch die israelische Armee und die hohe Zahl der Opfer festgestellt. Zigtausende Palästinenser seien getötet oder verstümmelt worden, davon viele Kinder, 70 Prozent der Wohngebiete zerstört und 80 Prozent der Bevölkerung gewaltsam vertrieben. Tausende Familien hätten Angehörige verloren oder seien ausgelöscht worden. Viele hätten ihre Verwandten nicht begraben und um sie trauern können, sondern mussten demnach ihre Leichen in ihren Häusern, auf der Straße oder unter den Trümmern verwesen lassen. Tausende seien festgenommen und systematisch schwer misshandelt worden.

    Aktuellen Angaben zufolge gibt es offiziell 52.000 palästinensische Tote, von denen 20.000 als Hamas-Kämpfer gelten, und darunter etwa 17.000 Kinder. Tausende Menschen werden noch unter den eingestürzten Gebäuden vermisst. Auch unter den mehr als 100.000 Verletzten werden rund ein Drittel Kinder gezählt. Die österreichische Zeitung Kurier zitierte vor einer Woche Laura Leysen von der Organisation Ärzte ohne Grenzen, die sagte:

    „Der Gazastreifen ist zu einem Massengrab geworden.“

    Die Zeitung berichtete auch, dass 60.000 Kinder im Gaza-Streifen bereits unterernährt seien. Internationale Organisationen warnen vor einer Hungersnot in Folge der israelischen Blockade des Gebietes. Alexander Bodmann, Vizepräsident der Caritas Österreich, sprach laut Kurier von einer „menschengemachte Hungerproblematik“ und erklärte: „Im ganzen Gaza-Streifen gibt es keinen einzigen sicheren Ort.“

    In dem UN-Bericht von 2024 heißt es:

    „Das unermessliche kollektive Trauma wird noch Generationen andauern.“

    Der Bericht kam bereits vor einem Jahr durch die Analyse der Gewaltmuster und der israelischen Politik bei ihrem Angriff auf Gaza zu dem Schluss, dass es begründete Anhaltspunkte dafür gebe, dass die Schwelle für einen Völkermord durch Israel überschritten worden sei.

    „Eine der wichtigsten Feststellungen des Berichts ist, dass die israelische Exekutive und Militärführung sowie israelische Soldaten vorsätzlich die Grundsätze des Kriegsrechts verzerrt und deren Schutzfunktion untergraben haben, um die genozidale Gewalt gegen das palästinensische Volk zu legitimieren.“

    Doch trotz aller internationalen Kritik und Verurteilungen setzt die israelische Führung ihren Vernichtungskrieg gegen die Palästinenser fort, dank der westlichen Unterstützung, vor allem aus den USA und Deutschlands. Selbst der ehemalige Hohe Vertreter der EU für Außen- und Sicherheitspolitik sowie Vizepräsident der EU-Kommission Josep Borrell stellte kürzlich in einem Beitrag fest, die EU werde durch ihr Schweigen zu Gaza zur „Komplizin bei den Verbrechen gegen die Menschheit“. Das Geschehen in Palästina sei als Gesprächsthema gegenüber der Debatte um die Zoll-Politik von US-Präsident Donald Trump weitgehend in den Hintergrund getreten.

    „Die bittere Realität ist allerdings, dass in Gaza nicht nur ein Kind oder 100 Kinder oder 1.000 Kinder getötet oder verstümmelt wurden und werden, sondern Tausende. Die Umstände sind grauenhaft. Der Krieg in Gaza ist inzwischen in erster Linie ein Krieg gegen Kinder.“

    Kritik an westlicher Doppelmoral

    Borrell hatte sich einen Namen als antirussischer Hetzer und Antreiber der westlichen Sanktionspolitik gemacht. Im Fall Gaza stellt er fest, er habe während seiner Amtszeit als Hoher Vertreter der EU die Erfahrung gemacht, „dass es trotz zahlreicher UN-Resolutionen und trotz der Entscheidungen des Internationalen Strafgerichtshof nicht möglich ist, den Europäischen Rat und die EU-Kommission zu einer Reaktion auf die massiven und wiederholten Verstöße gegen das Völkerrecht und das humanitäre Recht durch Benjamin Netanjahus Regierung zu zwingen“. Das stehe im krassen Gegensatz zu der „entschlossenen Reaktion der EU auf Wladimir Putins Angriffskrieg gegen die Ukraine“. Er habe beobachtet, „wie sehr dieses Messen mit zweierlei Maß dem Ansehen der EU weltweit schadet – nicht nur in der muslimischen Welt, sondern überall in Afrika, Lateinamerika und Asien“. Der ehemalige hochrangige EU-Vertreter stellt immerhin fest:

    „Bei einigen europäischen Ländern hat die historische Schuld am Holocaust sich offenbar in eine ‚Staatsräson‘ verwandelt, die als Begründung für die bedingungslose Unterstützung Israels dient und die Gefahr in sich birgt, dass die EU sich zur Komplizin bei den Verbrechen gegen die Menschlichkeit macht. Ein Gräuel kann nicht als Rechtfertigung für andere Gräuel dienen.“

    Doch bis auf verbale Kritik unternimmt die westliche Politik weiterhin nichts gegen ihren Schützling in Israel. Dabei ist es gar nicht schwer zu erkennen, was in Gaza und den anderen palästinensischen Gebieten vor sich geht, wie die australische Journalistin Caitlin Johnstone in einem am Montag veröffentlichten Text schreibt.

    „Sie müssen nicht jedes kleine Detail über Israel und Palästina verstehen, um sich gegen den Völkermord in Gaza zu stellen. In dieser Frage können Sie getrost Ihrem Bauchgefühl folgen. Natürlich können und sollten Sie sich mit diesem Thema beschäftigen, aber alles, was Sie erfahren, wird Israel nur noch schlechter dastehen lassen.“

    Israel und seinen Apologeten in der gesamten westlichen Welt würden versuchen, die Vorgänge im Nahen Osten als ein superkomplexes Thema darzustellen, für dessen Verständnis jahrelange Recherchen nötig seien, um alle Nuancen und Details zu verstehen. Doch das sei „völliger Blödsinn“, denn der Völkermord in Gaza „ist genau das, was er auf den ersten Blick zu sein scheint“. Sie habe sich selbst intensiv mit diesem Thema beschäftigt, so die Journalistin.

    „Man muss nicht alles über die Geschichte des modernen Israels wissen, um zu erkennen, dass es falsch ist, eine Zivilbevölkerung absichtlich auszuhungern. Man muss nicht in der Lage sein, seine Position gegenüber aggressiven pro-israelischen Trollen im Internet zu verteidigen, um zu wissen, dass es falsch ist, Journalisten zu ermorden, Krankenhäuser zu bombardieren und Militärsprengstoff auf Gebiete voller Kinder zu werfen. Man braucht keinerlei Qualifikationen, um die schrecklichen Bilder aus Gaza zu sehen und seine Regierung dafür zu verurteilen, dass sie diese Gräueltaten ermöglicht.“

    Widerstand gegen Propaganda

    Israel und seine Unterstützer würden die Macht der Kontrolle über die Narrative „vielleicht besser als jede andere Gruppe da draußen“ verstehen und sie mit Hilfe der „Hasbara“ betreiben. Dabei handele es sich um die Praxis, das öffentliche Image Israels zu verteidigen und seine Verbrechen gegenüber der westlichen Öffentlichkeit zu rechtfertigen. Wer sich in öffentlichen Internet-Foren zu Gaza äußere, treffe wahrscheinlich auf einen Hasbaristen, der versucht, die Betreffenden einzuschüchtern und zum Schweigen zu bringen, indem er ein bisschen mehr über dieses Thema weiß und ein paar Argumente vorbringt, auf die die Kritiker noch nicht ganz vorbereitet sind. Johnstone rät, diese Leute auf keinen Fall zu beachten und den ersten Impuls, sich einschüchtern zu lassen, zu überwinden.

    Die Israel-Apologeten würden versuchen, „mit Bergen von Worten die öffentliche Reaktion auf rohes Videomaterial zu kontern, das eindeutige Misshandlungen in Gaza dokumentiert“, so die Journalistin.

    „Es braucht eine Menge Worte, um Aufnahmen von verstümmelten Kindern als Schuld der Hamas darzustellen oder Fotos von IDF-Soldaten, die sich spöttisch mit den Kleidern toter und vertriebener palästinensischer Frauen verkleiden, als normal und in Ordnung zu verkaufen.“

    Die Hasbaristen würden die Menschen „mit Wänden aus Text, voller Rechtfertigungen und Argumente“ konfrontieren, „um ihren gesunden Menschenverstand und ihr Mitgefühl zu überwältigen, während sie die ungeschminkten Beweise für die Verkommenheit Israels sehen“. Johnstone empfiehlt:

    „Sprechen Sie sich gegen den Holocaust in Gaza aus, auch wenn Sie kein Experte sind und noch nicht jedes Detail verstehen. Recherchieren und informieren Sie sich auf jeden Fall weiter, aber lassen Sie sich nicht einschüchtern und glauben, dass Sie ein Doktor der Philosophie sein müssen, um sich öffentlich gegen den ersten live übertragenen Völkermord der Geschichte zu stellen.“

    In dem Zusammenhang ist noch auf das aktuelle Buch „Völkermord in Gaza“ des Völkerrechtlers Norman Paech und der Politikwissenschaftlerin Helga Baumgarten hinzuweisen. Die beiden Autoren zeigen, wie und warum das israelische Regime diesen Völkermord begonnen hat. Im ersten Teil analysiert Baumgarten den israelischen Siedlerkolonialismus mit seiner zunehmend rassistischen Ausprägung gegen arabische und muslimische Menschen politisch und ökonomisch. In Teil 2 bietet Paech eine in die Tiefe gehende historisch-juristische Analyse der israelischen Politik auf der Basis des internationalen Rechts. Er beschreibt die juristischen Grundlagen dieses Konflikts, der seit dem Ende des 19. Jahrhunderts zwischen zionistischen Siedlern und der palästinensischen Bevölkerung besteht. Das Buch macht deutlich, wie es zur größten Schande der westlichen „Zivilisation“ gekommen ist.

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    Dank an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung dieses Beitrags.

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    Bild: Palästinenserin in der zerstörten Stadt Rafah im Gaza-Streifen
    Bildquelle: Anas-Mohammed / shutterstock


    Info: https://apolut.net/volkermord-in-aller-offentlichkeit-von-tilo-graser/


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    News | Israels Krieg gegen Gaza

    Israelischer Oppositionsführer verurteilt sein Land für "Tötung von Babys als Hobby"

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    (Screenshot)

    Israelische Soldaten gestempelt am 20. Mai 2025 auf einem Militärfahrzeug an Israels Südgrenze zu Gaza (Jack Guez/AFP)


    middleeasteye.net, vom Veröffentlicht Datum: 20 Mai 2025 15:00 BST | Letztes Update: 1 Tag 16 Stunden vor, Von Sally Abou AlJoud

    Ein ehemaliger israelischer General und der Führer der linken Oppositionspartei des Landes sagte, Israel riskiere, ein "Paria-Staat" zu werden und dass ein "sane Land nicht gegen Zivilisten kämpft, Babys nicht als Hobby tötet und sich nicht das Ziel gibt, Bevölkerungsausrichtungen zu vertreiben".


    „Israel ist auf dem Weg, ein Paria-Staat zu werden, wie Südafrika es war, wenn wir nicht wieder so handeln wie ein vernünftiges Land“, sagte Yair Golan, Vorsitzender der Demokraten-Partei, dem israelischen öffentlich-rechtlichen Radio in einem Interview am Dienstag.

    Golans Worte zogen eine hitzige Antwort von Premierminister Benjamin Netanyahu und dem Mitte-Rechts-Oppositionsführer Yair Lapid nach sich, kommen aber zu einer Zeit wachsender internationaler Kritik an Israel, während es seinen Krieg gegen Gaza fortsetzt und die Lieferung humanitärer Hilfe an die palästinensische Enklave blockiert.

    Am Montag drohten Ländern wie GroßbritannienUK, Frankreich und Kanada Israel mit "konkreten Aktionen", es sei denn, es stoppt seine Offensive und hebt seine Blockade von Gaza auf, von der ein UN-Gremium letzte Woche sagte, dass fast eine halbe Million Palästinensern verhungert habe.

    Ein heftiges israelisches Bombardement am Dienstag tötete mehr als 70 Menschen in Gaza in nur wenigen Stunden, da die Vereinten Nationen davor warnten, dass ein Mangel an Hilfe 14.000 Babys in 48 Stunden töten könnte.

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    "Ein vernünftiges Land kämpft nicht gegen Zivilisten, tötet keine Babys als Hobby und gibt sich nicht das Ziel, Bevölkerungsaus zu vertreiben", sagte Golan.

    Als Reaktion darauf beschuldigte Netanjahu den ehemaligen Militäroffizier der "wilden Aufwiegelung" und der Anführungszeichen "der verabscheuungswürdigsten antisemitischen Blutverleumdungen gegen die IDF [Israelische Verteidigungskräfte] Soldaten und den Staat Israel" wiederholt zu haben.

    Mehr als 53.000 Tote in Gaza

    Israel hat seinen Krieg gegen Gaza in den letzten Tagen deutlich eskaliert, die Bodenoperationen intensiviert und weit verbreitete Luftangriffe in der Enklave gestartet. Bei diesen Angriffen seien in den letzten drei Tagen mehr als 300 Menschen ums Leben gekommen, so das palästinensische Gesundheitsministerium.

    Israel hat seit den Hamas-geführten Angriffen vom 7. Oktober 2023 mehr als 53.000 Palästinenser in Gaza, vor allem Zivilisten, getötet.

    Tom Fletcher, der Chef der Vereinten Nationen für humanitäre Angelegenheiten, sagte der BBC am Dienstag, dass bis zu 14.000 Babys innerhalb von 48 Stunden in Gaza sterben könnten, wenn dringende Hilfe sie nicht erreicht.


    Israel tötet über 70, da sich die Gesundheitskrise in Gaza verschärft

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    Am Montag ließ Israel nur fünf Hilfsstrecken in den Gazastreifen, was UN-Beamte als äußerst unzureichend ansahen, zumal zwei Millionen Menschen in Gaza aufgrund der anhaltenden Blockade, die Israel seit Anfang März verhängt hatte, vor einer Hungersnot gegenüberstehen.

    Unterdessen sind die Waffenstillstandsgespräche zwischen den beiden Seiten festgefahren.

    Am Dienstag sagte der katarische Premierminister, Scheich Mohammed bin Abdulrahman al-Thani, dass die in Doha abgehaltenen Verhandlungen aufgrund "grundlegender Differenzen" zwischen Israel und der Hamas keine Fortschritte gemacht haben.

    Katar kritisierte Israels Militäraktionen in Gaza und sagte, sie zeigen auf mangelndes Interesse bei Verhandlungen über einen Waffenstillstand.

    Al-Thani kritisierte auch Israels Hilfsbeschränkungen und sagte: „Es sollte für die internationale Gemeinschaft nicht akzeptabel sein. Doch wir sehen leider, dass die israelische Regierung sie ungestraft ausführt.“

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    21.05.2025

    Repression in der EU Der Preis des Schweigens

    anti-spiegel.ru, 21. Mai 2025 11:00 Uhr, von Anti-Spiegel

    Dass die EU dazu übergeht, abweichende Meinungen mit Sanktionen zu bestrafen und zu versuchen, sie zum Schweigen zu bringen, lässt sehr tief blicken und für die Zukunft nichts Gutes erwarten.

    Screenshot_2025_05_22_at_07_36_01_Der_Preis_des_Schweigens_Anti_Spiegel

    Nach der Nazi-Zeit machte das geflügelte Wort „Wehret den Anfängen“ die Runde. Und es gab auch den Ausspruch:

    „Wenn der Faschismus zurückkommt, wird er nicht sagen „Ich bin der Faschismus“, sondern er wird sagen „Ich bin der Anti-Faschismus“.“

    Das scheint eingetreten zu sein, denn ein zentrales Merkmal des Faschismus war es nun einmal, dass er abweichende Meinungen konsequent unterdrückt und sogar bestraft hat, wobei man es mit den Gesetzen nicht immer allzu genau nahm. Das ist das, was wir mit den Sanktionen, die die EU nun gegen Kritiker ihrer Politik verhängt hat, wieder erleben, denn die Sanktionen sind in keinem Gesetz geregelt und die Vorwürfe gegen mich, die als Vorwand für die Sanktionen herangezogen wurden, enthalten keinen Gesetzesverstoß – und vor allem gab es auch kein Gerichtsurteil.

    Und dass die Leute, die so etwas beschließen, sich als Anti-Faschisten bezeichnen, bestätigt die Warnung, der Faschismus werde eines Tages getarnt als Anti-Faschismus zurückkehren.

    Obwohl es kein Gerichtsurteil gegen mich gibt und ich auch gegen kein Gesetz verstoßen habe, wie die Begründung der Sanktionen gegen mich zeigt, will die EU mein Vermögen einfrieren und stellt es unter Strafe, mir Gelder und andere materielle Hilfe (beispielsweise Spenden) zukommen zu lassen.


    Von Martin Niemöller, der von 1937 bis 1945 im KZ war, stammt der berühmte Ausspruch:

    „Als die Nazis die Kommunisten holten,
    habe ich geschwiegen,
    ich war ja kein Kommunist.
    Als sie die Sozialdemokraten einsperrten,
    habe ich geschwiegen,
    ich war ja kein Sozialdemokrat.
    Als sie die Gewerkschafter holten,
    habe ich geschwiegen,
    ich war ja kein Gewerkschafter.
    Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.“

    Dieser Ausspruch könnte rückblickend auf die heutige Zeit künftig einmal lauten:

    „Als sie den alternativen Medien die Konten kündigten,
    habe ich geschwiegen,
    ich war ja nicht bei alternativen Medien.
    Als sie Portalen die Monetarisierung sperrten,
    habe ich geschwiegen,
    ich hatte ja kein Portal.
    Als sie die Unterstützung regierungskritischer Journalisten unter Strafe stellten,
    habe ich geschwiegen,
    ich war ja kein Journalist.
    Als sie mich für die falsche Meinung bestraften, gab es keine Journalisten mehr, die protestieren konnten.“

    Disclaimer: Die Idee zu diesem Denkanstoß habe ich aus einem der Leserkommentare auf dem Anti-Spiegel.


    Info: https://anti-spiegel.ru/2025/der-preis-des-schweigens/


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    Repression

    Was die Verhängung von Sanktionen gegen Thomas Röper bedeutet


    anti-spiegel.ru, vom 20. Mai 2025 18:05 Uhr, von Anti-Spiegel


    Der 20. Mai markiert das endgültige Ende des sogenannten Rechtsstaats in der EU, denn die Verhängung von Sanktionen gegen einen deutschen Staatsbürger bedeutet die Aufhebung seiner Bürgerrechte ohne Vergehen, Anklage und Gerichtsurteil De facto wurde ein Berufsverbot und eine Enteignung beschlossen.


    Es hat sich bestätigt, dass die EU Thomas Röper (also mich, den Betreiber des Anti-Spiegel) auf die 17. EU-Sanktionsliste gesetzt hat. Diese Sanktionen bedeuten laut dem „BESCHLUSS (GASP) 2024/2643 DES RATES“ der EU erstens, dass ich nicht mehr in EU-Länder einreisen darf. Für die Regelung gibt es eine Ausnahme, die lautet, dass die Bundesrepublik Deutschland selbst entscheiden darf, ob ich noch nach Deutschland einreisen darf. Für alle anderen EU-Staate gilt für mich nun eine Einreisesperre.

    Zweitens bedeutet das für mich laut dem Beschluss:

    „Sämtliche Gelder und wirtschaftlichen Ressourcen, die im Besitz oder im Eigentum (von Thomas Röper) stehen oder von (Thomas Röper) gehalten oder kontrolliert werden, werden eingefroren.“

    Und es bedeutet weiter für alle anderen Menschen:

    „(Thomas Röper) dürfen weder unmittelbar noch mittelbar Gelder oder wirtschaftliche Ressourcen zur Verfügung gestellt werden oder zugutekommen.“

    Im Klartext: Ich darf in die EU nicht mehr einreisen, all mein Vermögen in der EU wird mir entzogen und niemand darf mir Gelder zur Verfügung stellen. Daher hier noch einmal der Hinweis, dass ich allen Spendern dringend rate, mir erst einmal nichts mehr zu spenden, weil sie sich damit der Umgehung von Sanktionen schuldig machen, was laut EU eine Straftat ist, wobei die EU bei Einführung dieser Straftat als Hinweis an die Mitgliedsstaaten, die das in ihre Strafgesetze implementieren müssen, geschrieben hat:

    „Ein vorsätzlicher Verstoß gegen Sanktionen muss jedoch zu einer Freiheitsstrafe als Höchststrafe führen.“

    Willkür und Repression anstatt Rechtsstaat

    Man muss das sacken lassen. Sanktionen sind reine Willkür, denn sie werden gegen Personen wegen deren Tätigkeit oder Meinungen verhängt, obwohl die Tätigkeit und Meinung nicht gegen geltende Gesetze verstößt. Man kann das bei Ausländern vielleicht noch tun, schließlich hat jedes Land das Recht, zu entscheiden, wen es einreisen lassen will. Das Einfrieren von Vermögen hingegen verstößt gegen den in Artikel 14 Grundgesetz verankerten Schutz von Privateigentum. Absatz 1 des Artikels lautet:

    „Das Eigentum und das Erbrecht werden gewährleistet. Inhalt und Schranken werden durch die Gesetze bestimmt.“

    Sanktionen sind aber keine Gesetze, Gesetze werden vom Bundestag erlassen, nicht von den EU-Außenministern, die das 17. Sanktionspaket heute in Kraft gesetzt haben.

    Die Sanktionierung eines Deutschen bedeutet, dass für ihn im Grundgesetz verbriefte Rechte nicht mehr gelten. Und die Grundlage dafür ist in meinem Falle nicht, dass ich gegen ein Gesetz verstoßen habe, dafür angeklagt und von einem Gericht verurteilt wurde, nein, die Grundlage ist ein Beschluss der EU-Bürokratie.

    In der EU – und damit auch in Deutschland – gilt nicht mehr der Rechtsstaat, sondern die EU – und damit auch Deutschland – ist nun ganz offiziell zu einem repressiven Willkürstaat geworden.

    Faktisches Berufsverbot

    Es geht nämlich noch weiter. De facto wurde gegen mich ein Berufsverbot verhängt, natürlich auch ohne dass mir Gesetzesverstoß vorgeworfen wurde, ohne dass ich angeklagt und von einem Gericht verurteilt wurde. In der Presseerklärung der EU zu den neuen Sanktionen klingt das so:

    „Darüber hinaus wird der Rat angesichts der systematischen, internationalen russischen Kampagne der Medienmanipulation und Verdrehung von Tatsachen, die auf die Destabilisierung der Nachbarländer und der EU abzielt, nun die Möglichkeit haben, den russischen Medien, die unter der Kontrolle der russischen Führung stehen, die Sendelizenzen zu entziehen und ihnen die Ausstrahlung ihrer Inhalte in der EU zu verbieten.
    Im Einklang mit der Charta der Grundrechte werden die heute vereinbarten Maßnahmen die betroffenen Medienunternehmen und ihre Mitarbeiter nicht daran hindern, in der EU andere Tätigkeiten als Ausstrahlung auszuüben, beispielsweise: Recherchen und Interviews.“

    Wie soll man das verstehen? Mir wird nun wohl die „Ausstrahlung“ meiner Inhalte verboten. Ob also bald der Anti-Spiegel in der EU gesperrt wird oder ob YouTube demnächst alle Sendungen mit mir löscht, die zusammengenommen wohl schon über 20 Millionen Klicks haben, werden wir sehen. Vielleicht wird auch mein Telegram-Kanal für alle User, die bei Telegram mit europäischen Sim-Karten angemeldet sind, unsichtbar gemacht. Wer meine Inhalte weiterhin lesen und sehen will, sollte sich für alle Fälle im Umgang mit VPN üben.

    Und wie und wozu sollte jemand „Recherchen und Interviews“ machen, wenn er sie danach nicht ausstrahlen kann? Das zeigt, wie absurd es ist, dass die EU ihre Willkür auch noch mit der Charta der Grundrechte zu rechtfertigen versucht.

    Das ist nichts anderes als ein Berufsverbot und Zensur, also genau das, was die EU anderen Ländern vorwirft, oder was es – wie wir in Geschichtsbüchern lernen – angeblich nur in den dunklen Zeiten der deutschen Geschichte gegeben hat. Nein, das gibt es genau jetzt in der EU. Und es wird immer weiter verschärft.

    Übrigens widersprechen sich hier die Dokumente der EU, denn in dem oben genannten Beschluss 2024/2643, nach dem ich sanktioniert wurde, steht nichts von einer Einschränkung der „Ausstrahlung“ meiner Inhalte. Darin wird nur das Einreiseverbot in die EU, das Einfrieren meines Vermögens und das Verbot, mir irgendwelche Mittel zukommen zu lassen erwähnt, während in der Presseerklärung auch das Verbot der Ausstrahlung von Inhalten genannt wird.

    Und das ist reine Willkür, weil mir kein Gesetzesverstoß vorgeworfen wird, weil keine Anklage erhoben wurde und kein Gericht mich für irgendetwas schuldig gesprochen hat. Aber ich wiederhole mich…

    Einreiseverbot in die EU

    Manche freie Medien sprechen von einer regelrechten „Ausbürgerung“, weil mir auch die Einreise in die EU untersagt ist und damit sei auch eine Einreise nach Deutschland gemeint. Das stimmt jedoch nicht ganz. Tatsächlich wurde mir – und allen anderen, die nach diesen Bestimmungen sanktioniert wurden – die Einreise in die EU untersagt. Das steht in Absatz 1 des Beschlusses 2024/2643 des EU-Rates, aber es gibt eine Ausnahme für EU-Bürger, die in Absatz 2 zu finden ist:

    „Absatz 1 verpflichtet die Mitgliedstaaten nicht dazu, ihren eigenen Staatsangehörigen die Einreise in ihr Hoheitsgebiet zu verweigern.“

    Im Klartext: Ich darf wohl nach Deutschland einreisen, aber dabei darf ich nicht durch andere EU-Länder reisen, auch nicht durch deren Luftraum. Nur wie soll ich dann nach Deutschland kommen? Über die Ostsee schwimmen?

    Da ich nicht vorhatte, nach Deutschland zu kommen, ist mir das egal, aber es zeigt, wie absurd die EU-Sanktionen sind.

    Was das für andere Regierungskritiker bedeutet

    Und es zeigt noch etwas: Wenn die EU morgen anfängt, andere Regierungskritiker zu sanktionieren, die in der EU leben, dann haben die ein Problem. Ihre Konten werden eingefroren und sie müssen, so steht es in Beschluss 2024/2643, bei ihrem Heimatland darum betteln, dass ihnen erlaubt wird, einen kleinen Teil ihres eigenen (aber dann von der EU eingefrorenen) Geldes für den Lebensunterhalt nutzen zu dürfen. Das klingt in Artikel 2, Absatz 3 Punkt a des Beschluss 2024/2643 so:

    „(3) Abweichend von den Absätzen 1 und 2 können die zuständigen Behörden der Mitgliedstaaten unter den ihnen angemessen erscheinenden Bedingungen die Freigabe bestimmter eingefrorener Gelder oder wirtschaftlicher Ressourcen oder die Bereitstellung bestimmter Gelder oder wirtschaftlicher Ressourcen genehmigen, nachdem sie festgestellt haben, dass die betreffenden Gelder oder wirtschaftlichen Ressourcen
    a) zur Befriedigung der Grundbedürfnisse der im Anhang aufgeführten Personen und ihren unterhaltsberechtigten Familienangehörigen, einschließlich für die Bezahlung von Nahrungsmitteln, Mieten oder Hypotheken, Medikamenten und medizinischer Behandlung, Steuern, Versicherungsprämien und Gebühren öffentlicher Versorgungseinrichtungen, notwendig sind“

    Im Klartext dürfte jemand, der in der EU lebt und sanktioniert wird, sein Land nicht mehr verlassen, weil er nicht durch andere EU-Staaten reisen darf und auch nicht mit dem Flugzeug über andere EU-Staaten fliegen darf. Wer also beispielsweise in Österreich wohnt, wäre dort gefangen – und müsste bei seiner Regierung darum betteln, mit seinem eigenen Geld zumindest Lebensmittel kaufen zu dürfen.

    Da hätten Deutsche noch Glück, die könnten zumindest versuchen, sich in Norddeutschland auf ein Segelboot zu setzen und ins Nicht-EU-Ausland zu segeln. Und ich bin sicher, dass die EU mit den Sanktionen gegen Alina Lipp und mich nur den ersten Testballon gestartet hat und sehr bald beginnen wird, auch andere Regierungskritiker – wieder ohne jedes Gerichtsverfahren – zu sanktionieren und ihnen damit ihre elementaren Bürgerrechte zu entziehen oder sie zumindest massiv zu beschneiden.

    Die offizielle Begründung

    Lustig finde ich die Begründung, mit der die EU meine Sanktionierung erklärt:

    „Thomas Röper ist ein deutscher Blogger. Durch sein Netzwerk von Online-Kanälen unter der Bezeichnung ‚Anti-Spiegel‘ verbreitet er systematisch Fehlinformationen über den Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine und spricht der ukrainischen Regierung die Legitimation ab, insbesondere im Hinblick auf die Manipulation der öffentlichen Meinung in Deutschland in Bezug auf Unterstützung für die Ukraine.
    Darüber hinaus legitimierte er die illegale Annexion ukrainischer Gebiete durch Russland, indem er als ‚Wahlbeobachter‘ fungierte und an einer Kampagne zur Förderung des illegalen Referendums Russlands über die Abspaltung der von Russland besetzten Gebiete von der Ukraine teilnahm. Außerdem diente er als Sprecher für die Regierung der Russischen Föderation zur Verbreitung russischer Propaganda-Narrative, unter anderem bei VN-Treffen nach der Arria-Formel.
    Thomas Röper ist daher beteiligt am Einsatz von Informationsmanipulation und Einflussnahme und unterstützt diesen, und er erleichtert einen bewaffneten Konflikt in einem Drittland.“

    Mir wird also vorgeworfen, „systematisch Fehlinformationen“ über den Ukraine-Krieg zu verbreiten. Die EU legt fest, was die Wahrheit ist, und wer dazu öffentlich eine andere Meinung vertritt, wird sanktioniert und entrechtet.

    Weiter wird mir vorgeworfen, Beobachter bei den Referenden in den neuen russischen Gebieten gewesen zu sein. Aber gibt es dagegen ein Gesetz? In der Ukraine vielleicht, aber in der EU? Nein.

    Und mir wird vorgeworfen, bei der UNO als Experte und Zeuge für ukrainische Kriegsverbrechen ausgesagt zu haben. Seit wann ist eine Aussage bei der UNO strafbar?

    Man sieht, es gibt keine gesetzliche Grundlage für die von der EU beschlossenen Maßnahmen, sie sind reine Willkür. Und darum kann es morgen auch jeden anderen Regierungskritiker in der EU treffen. Nur hätte das für die weit schlimmere Folgen als für mich, der ich nicht in der EU lebe.


    Willkommen im Europa der willkürlichen Repression Andersdenkender.


    Info: https://anti-spiegel.ru/2025/was-die-verhaengung-von-sanktionen-gegen-thomas-roeper-bedeutet/


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    21.05.2025

    Was will der Staatschef von Burkina Faso erreichen?

    seniora.org, 21. Mai 2025, 21.05.2025 Von Thomas Röper - übernommen von anti-spiegel.ru

    Afrika und die Situation um Burkina Faso, Mali und Niger sind aus dem Fokus der Medien verschwunden, weshalb es interessant ist, einen Blick auf die dortige Entwicklung und die Ziele der neuen, anti-westlichen Regierungen zu werfen.


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    Vor einiger Zeit waren Mail, Burkina Faso und Niger im Blickpunkt der Medien, nachdem dort anti-westliche Regierungen an die Macht gekommen waren, die die ehemalige Kolonialmacht Frankreich aus den Länder geworfen haben. Inzwischen ist es in den Medien um diesen Teil der Welt still geworden.

    Zu den Feierlichkeiten zum 9. Mai ist der Staatschef von Burkina Faso nach Moskau gereist und hat auch den russischen Präsidenten Putin getroffen. Das war für einen Experten anscheinend ein Anlass, einen Blick auf Burkina Faso zu werfen und eine sehr lesenswerte Analyse zu schreiben, die ich übersetzt habe.

    Beginn der Übersetzung:

    Warum Washington und der Westen sich Sorgen wegen eines jungen Revolutionsführers machen

    Burkina Fasos Präsident Ibrahim Traoré gestaltet sein Land um   – und macht sich dabei Feinde im Westen. Seit seiner Machtübernahme im Jahr 2022 hat der junge Militärführer die französischen Truppen des Landes verwiesen, westliche Konzerne hinausgeworfen und sein Land mit Russland, Kuba und Venezuela verbündet.

    von Alan Macleod | Mintpress News

    Ibrahim Traoré setzt sich für eine panafrikanische Einheit und nationale Eigenständigkeit ein   – und überlebte in der jüngsten Vergangenheit mehrere Putschversuche. Er positioniert sich als radikaler Anti-Imperialist und gerät damit ins Fadenkreuz von Washington und Paris.

    Regierungsangaben zufolge entging Traoré im vergangenen Monat nur knapp einem von außen inszenierten Putschversuch. Sicherheitsminister Mahamadou Sana erklärte, die Militärregierung habe am 16. April einen „groß angelegten Komplott“ zur Erstürmung des Präsidentenpalastes vereitelt. Die Verschwörer hätten ihren Sitz in der Elfenbeinküste, einem von Washington unterstützten Nachbarland, in dem die US-Militärpräsenz kürzlich ausgeweitet wurde. Seit seiner Machtübernahme durch einen Militärputsch im September 2022 steht Traoré in der Kritik westlicher Regierungen   – nicht zuletzt der USA.

    Am 3. April trat Generalleutnant Michael Langley, Kommandeur des US-Afrika-Kommandos (AFRICOM), vor dem US-Senat auf und warf dem Staatschef von Burkina Faso Korruption und die Unterstützung Russlands und Chinas „bei der Etablierung ihrer imperialen Macht in Afrika“ vor. AFRICOM, das regionale Kommando des Pentagons für Afrika, koordiniert US-Militäroperationen, Geheimdienstinformationen und Sicherheitspartnerschaften auf dem gesamten Kontinent   – nicht selten unter dem Deckmantel von „Anti-Terror-Operationen“.

    Am Tag des besagten Putschversuchs änderte das US-Außenministerium seine Reisehinweise für Burkina Faso in „nicht reisen“. Berichten zufolge traf sich die CIA in diesem Jahr   – sowohl vor als auch nach dem Putschversuch   – mehrfach mit dem Verteidigungsminister der Elfenbeinküste, Téné Birahima Ouattara.

    Seit seinem Amtsantritt schränkt Traoré den Einfluss westlicher Mächte in seinem Land systematisch ein und bezeichnet dies als eine Frage der nationalen Souveränität. Im Januar 2023 wies er den französischen Botschafter aus und bezeichnete Frankreich als „imperialistischen Staat“.

    Einen Monat später befahl er den französischen Truppen, Burkina Faso zu verlassen. Dies veranlasste weitere westafrikanische Staaten, die ehemals Teil des französischen Kolonialreichs waren, dem Beispiel zu folgen. Inzwischen haben Mali, Tschad, Senegal, Niger und die Elfenbeinküste die französischen Truppen aus ihren Staatsgebieten verbannt. Präsident Emmanuel Macron reagierte darauf, indem er Burkina Faso und den anderen westafrikanischen Staaten „Undankbarkeit“ vorwarf und hinzufügte, diese Länder hätten „vergessen, sich bei Frankreich zu bedanken“.

    Die Regierung von Ibrahim Traoré verbot zudem zahlreiche westliche, staatlich geförderte Medien oder verwies sie des Landes   – und bezeichnete sie als Agenten des Neokolonialismus. Radio France International und France 24 machten dabei den Anfang. 2024 folgten Voice of America, die britische BBC und die Deutsche Welle. Diese Maßnahmen stießen bei westlichen Organisationen auf scharfe Kritik. Human Rights Watch beispielsweise warf der Regierung von Traoré ein „hartes Vorgehen“ gegen Andersdenkende vor.

    Obwohl Burkina Faso seit über einem halben Jahrhundert formal von Frankreich unabhängig ist, behält Paris weiterhin die Kontrolle über seine ehemaligen afrikanischen Kolonien. 14 Länder verwenden den sogenannten CFA-Franc, eine internationale Währung mit festem Wechselkurs zum französischen Franc und später zum Euro. Das bedeutet, dass Importe aus Frankreich und Exporte nach Frankreich   – und infolgedessen auch in die EU   – sehr günstig bleiben, während Exporte in den Rest der Welt unerschwinglich teuer sind. Frankreich behält sich zudem ein Vetorecht bei der Geldpolitik im Zusammenhang mit dem CFA-Franc vor, was dazu führt, dass die afrikanischen Staaten wirtschaftlich von Paris abhängig bleiben.

    Traoré bezeichnete den CFA-Franc als ein Instrument, um „Afrika in der Sklaverei zu halten“, und kündigte die Einführung einer neuen Währung an. Burkina Faso hat sich   – zusammen mit Mali und Niger   – von der vom Westen unterstützten Regionalallianz ECOWAS losgesagt und stattdessen die Allianz der Staaten der Sahelzone gegründet, einen panafrikanischen Staatenverbund, der sich als erster Schritt hin zu einem vereinten, anti-imperialistischen Afrika versteht.


    Das Erbe von Thomas Sankara

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    Thomas Sankara, Vorbild für Ibrahim Traoré

    Das war der Traum des revolutionären Führers von Burkina Faso, Thomas Sankara. Wie Traoré war Sankara ein Militäroffizier, der mit Anfang 30 die Macht im Land übernahm. Innerhalb von nur vier Jahren führte er umfassende Reformen durch, um die Produktivität des Landes zu steigern und die Abhängigkeit von ausländischer Hilfe zu reduzieren. Mit dem Motto „Wer dich ernährt, kontrolliert dich“ förderte er die heimische, kleinbäuerliche Landwirtschaft, um nahrhafte, lokal angebaute Lebensmittel zu produzieren.

    Während viele Politiker der Region öffentliche Gelder veruntreuten, baute die sozialistische Revolution von Thomas Sankara Sozialwohnungen und Gesundheitszentren und bekämpfte den massenhaften Analphabetismus. Als Feminist verbot er Zwangsheirat und die Verstümmelung weiblicher Genitalien und legte Wert darauf, zahlreiche Frauen in hohe Machtpositionen zu berufen. Thomas Sankara wurde 1987 ermordet. Erst nach der Machtübernahme von Ibrahim Traoré wurde sein Mörder, der ehemalige Staatspräsident Blaise Compaoré, in Abwesenheit verurteilt. Compaoré lebt heute im Exil in der Elfenbeinküste.

    Traoré sieht sich selbst als Anhänger von Thomas Sankara und seiner Bewegung. Westliche Analysten sind sich derweil uneinig, ob er wirklich in die Fußstapfen des legendären Führers treten wird. Einige, wie Daniel Eizenga vom Africa Center for Strategic Studies, einer Denkfabrik des Pentagons, behaupten, die Vergleiche beschränkten sich auf die Vorliebe des Führers für Militäruniformen und rote Bérets. Andere, wie das Magazin The Economist, beklagen, dass Traoré „der einzige Entscheider“ sei, eine Entwicklung, die für die Wirtschaft schlechte Nachrichten bringt. Doch kaum jemand kann leugnen, dass Traoré äußerst beliebt ist. John Dramani Mahama, der Präsident von Ghana, bemerkte beispielsweise, dass Traoré bei seiner Amtseinführung im Januar weitaus mehr Jubel erfuhr als alle anderen vor ihm   – einschließlich Mahama selbst.

    Viele der Initiativen von Traoré sind direkt von der Ära Thomas Sankara inspiriert. Die neue Militärregierung legt großen Wert auf die Erreichung von Ernährungssouveränität. Eine neue Initiative im Wert von einer Milliarde Dollar wurde ins Leben gerufen, um die Landwirtschaft zu mechanisieren und die Produktion von Grundnahrungsmitteln wie Reis, Mais und Kartoffeln zu steigern.

    Traoré hat auch Schritte unternommen, um die Bergbauindustrie des Landes zu verstaatlichen. Die Wirtschaft von Burkina Faso dreht sich um Gold. Das Edelmetall macht über 80 Prozent der Exporte aus. Das Land belegt den 13. Platz unter den größten Goldproduzenten der Welt und produziert jährlich rund 100 Tonnen, was etwa einem Gegenwert von sechs Milliarden US-Dollar entspricht. Da ausländische Konzerne die Produktionsmittel besitzen und kontrollieren, profitiert das Land   – und insbesondere seine Bevölkerung   – jedoch kaum von diesem Industriezweig. Tatsächlich beträgt das jährliche BIP von Burkina Faso nur rund 18 Milliarden US-Dollar.

    „Warum bleibt das rohstoffreiche Afrika die ärmste Region der Welt? Die Staatschefs afrikanischer Staaten sollten sich nicht wie Marionetten in den Händen der Imperialisten verhalten,“ sagte Ibrahim Traoré.

    Im August vergangenen Jahres verstaatlichte die Regierung von Burkina Faso daraufhin zwei wichtige Goldminen, die sich bis dahin im Besitz westlicher Konzerne befanden, und zahlte als Entschädigung lediglich 80 Millionen US-Dollar   – ein Bruchteil der 300 Millionen US-Dollar, für die sie Berichten zufolge hätten verkauft werden können. Im darauffolgenden November kündigte die Regierung von Burkina Faso den Bau der ersten Gold-Verarbeitung des Landes an.

    Eine Nation im Krieg

    Burkina Faso befindet sich weiterhin in einer Krise. Das Land   – und weite Teile der Sahelzone   – steht in einem erbitterten Kampf gegen hochgerüstete islamistische Gruppierungen, die nach der NATO-Intervention in Libyen im Jahr 2011 an Macht und Bedeutung gewannen. Libyen ist seit seinem Zusammenbruch nach der Ermordung von Muammar al-Gaddafi zu einem Exporteur islamistischen Extremismus geworden und destabilisiert die gesamte Region. Schätzungen zufolge befinden sich bis zu 40 Prozent des Landes in der Hand von al-Qaida oder dem Islamischen Staat nahestehenden Kräften. Über 1.000 Menschen in Burkina Faso verloren allein im Jahr 2024 ihr Leben durch diese Gruppierungen.

    Aus diesem Grund rechtfertigte Traoré die Verschiebung der Wahlen, die er bei seinem Amtsantritt versprochen hatte   – eine Entscheidung, die vielfach kritisiert wurde. „Wahlen haben keine Priorität. Sicherheit hingegen hat eindeutige Priorität“, entgegnete er. Es bleibt abzuwarten, ob sein Volk diese Entscheidung mittragen wird.

    Die vielleicht fragwürdigste Aktion im Krieg gegen die islamistischen Gruppierungen ereignete sich 2023 im Dorf Karma, wo rund 150 Menschen massakriert wurden. Obwohl das Massaker von der Regierung Burkina Fasos scharf verurteilt wurde, machen Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International sie für die Morde verantwortlich.

    Traoré hat zwar die französischen Truppen, die im Kampf gegen den islamistischen Aufstand im Einsatz waren, ausgewiesen, dafür jedoch russische Militärberater eingeladen. Er flog außerdem nach Moskau, um am 9. Mai an der Siegesparade zum 80. Jahrestag des Sieges über Nazideutschland teilzunehmen. Solche Aktionen sorgten in Washington und Brüssel zwar für großes Aufsehen, doch da sich das US-Militär derzeit auf China und Russland fokussiert und die französische Position in Westafrika zunehmend geschwächt ist, bleibt unklar, ob eine militärische Intervention gegen Burkina Faso überhaupt eine Option darstellt. Ein Putschversuch oder ein Attentat erscheinen in dieser Hinsicht wahrscheinlicher.

    Die Zeit wird zeigen, ob Ibrahim Traoré in Burkina Faso ebenso unauslöschliche Spuren hinterlassen wird wie sein Vorbild Thomas Sankara. Viele afrikanische Staatschefs kamen mit dem Versprechen radikaler Veränderungen an die Macht   – und hielten ihre Versprechen nicht. Doch die Botschaft des Panafrikanismus, des Anti-Imperialismus und der Souveränität, die Traoré vermittelt, trifft in Afrika zweifellos den Nerv der Zeit.

    Traoré redet viel. Jetzt muss er Taten folgen lassen.

    _____________

    Alan Macleod promovierte 2017 und hat seitdem zahlreiche wissenschaftliche Artikel verfasst. Er hat außerdem für FAIR.org, The Guardian, Salon, The Grayzone, Jacobin Magazine und Common Dreams geschrieben. Man kann Alan Macleod auf X unter @AlanRMacLeod folgen.

    Ende der Übersetzung

     

    Quelle: Anti-Spiegel - Mit freundlicher Genehmigung übernommen

    Quelle: https://anti-spiegel.ru/2025/was-will-der-staatschef-von-burkina-faso-erreichen/




    Info: https://seniora.org/politik-wirtschaft/politik/was-will-der-staatschef-von-burkina-faso-erreichen


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    21.05.2025

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    nachdenkseiten.de, 21. Mai 2025 um 9:00 Ein Artikel von Gert-Ewen Ungar

    In der Debatte um kommende Friedensverhandlungen im Ukrainekrieg wird die russische Position meist verkürzt dargestellt oder gleich ganz als „Verweigerung“ diskreditiert. Selbst wenn doch einmal russische Quellen zitiert werden, heißt es nur, man strebe in Moskau eine Friedensordnung an, die „die Ursachen des Ukraine-Konflikts“ dauerhaft beseitigt. Was damit konkret gemeint ist, wird jedoch nicht ausgeführt. Der in Moskau lebende deutsche Journalist Gert-Ewen Ungar ist diesen Fragen für die NachDenkSeiten nachgegangen und skizziert für unsere Leser die russische Position.

    Russische Politik verweist regelmäßig darauf, dass mit einem Friedensschluss die Ursachen für den Ukraine-Konflikt dauerhaft ausgeräumt werden müssen. Was eigentlich eine Binsenweisheit ist, weigert man sich, in Westeuropa zu verstehen. Dabei sind die Kriegsgründe von Russland immer wieder klar benannt worden. Es ist der Wille zur Aufnahme der Ukraine in die NATO und der ethnische Konflikt im Innern. Ist beides gelöst, ist der Krieg vorbei und die Grundlage für dauerhaften Frieden geschaffen.

    Am Montag telefonierten US-Präsident Trump und Russlands Präsident Putin miteinander. Zuvor hatten sich bereits russische und ukrainische Unterhändler in Istanbul zu direkten Gesprächen getroffen. Eine Verhandlungslösung ist wieder in den Bereich des Möglichen gerückt.

    Es ist bereits das zweite Mal, dass sich russische und ukrainische Diplomaten getroffen haben, seit Russland am 24. Februar 2022 in den Krieg eingetreten ist, der im Jahr 2014 unmittelbar nach dem Maidan-Putsch als Bürgerkrieg begann und seitdem eskaliert.

    Russland drängt darauf, dass für eine dauerhafte Friedenslösung die Ursachen für den Krieg ausgeräumt werden müssen. In Deutschland bleibt unklar, was damit gemeint ist, denn es wird nur unvollständig berichtet.

    Dabei hat Wladimir Putin wiederholt deutlich gemacht, dass die russische Seite an einem Einfrieren des Konflikts kein Interesse hat. Russland strebt einen „gerechten, dauerhaften Frieden“ an. Dauerhaften Frieden gibt es dann, wenn die Auslöser des Konflikts dauerhaft verschwunden sind – eigentlich ganz logisch und unmittelbar zu verstehen. Für Russland sind diese Gründe klar, deutsche Politik stellt sich dagegen dumm.

    Einer dieser Konfliktgründe geht auf das Jahr 2008 zurück. Auf dem damals stattfindenden NATO-Gipfel in Bukarest wurde der Ukraine eine Beitrittsperspektive eröffnet. Russland hat damals deutlich gemacht, dass nach all den Osterweiterungsrunden der NATO die Aufnahme der Ukraine in das Militärbündnis für Russland eine rote Linie darstellt. Das hat auch historische Gründe. Napoleon und die deutsche Wehrmacht marschierten durch die ukrainische Ebene in Richtung Russland, denn es gibt dort kaum natürliche Hindernisse.

    Sowohl der Ukraine als auch der NATO und den Ländern des Westens waren die russischen Sorgen allerdings gleichgültig. Die Ukraine nahm im Jahr 2019 den NATO-Beitritt sogar als Staatsziel in ihre Verfassung auf.

    Für einen dauerhaften und gerechten Frieden muss diese Konfliktursache verschwinden, ist die Logik der russischen Argumentation. Geben die Ukraine und der Westen das Ziel auf, die Ukraine in die NATO aufzunehmen, ist der Konflikt gelöst. Es könnte also ganz einfach sein, wenn man denn wollte, allerdings will man nicht. Man will vor allem in Westeuropa nicht, macht der bisherige Verlauf deutlich.

    Bereits im Frühjahr 2022 lag nach mehrwöchigen Verhandlungen zwischen der Ukraine und Russland ein konkretes Verhandlungsergebnis vor. Die Verhandlungen begannen bereits wenige Tage nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine am 28. Februar 2022. Sie fanden zunächst in der weißrussischen Grenzregion Gomel statt und wurden dann in der Türkei fortgesetzt. Auf das substanzielle Ergebnis der damaligen Verhandlungen wird in Russland regelmäßig verwiesen.

    Die Ukraine erklärte sich bereit, auf einen NATO-Beitritt zu verzichten, stimmte Obergrenzen für ihr Militär zu, verzichtete auf atomare Bewaffnung, bekommt dafür Sicherheitsgarantien einer breit aufgestellten Staatenallianz, zu der auch Russland und China gehören. Der Krieg könnte schon längst wieder zu Ende sein, wenn man gewollt hätte. Aber man wollte nicht, denn man hält an seinem Grund fest.

    Angeblich auf Bitten des deutschen Kanzlers Olaf Scholz hat sich Russland als Zeichen des guten Willens im Frühjahr 2022 aus der Region um Kiew zurückgezogen. Kurze Zeit später machten die Bilder von Butscha die Runde. Damit war der mögliche Friedensschluss vom Tisch. In Russland hält man Butscha schon aus diesem Grund für eine Inszenierung, die das Ziel hatte, die Einigung zu hintertreiben. Großbritanniens Premier Boris Johnson soll bei seinem Besuch in Kiew Wolodymyr Selenskyj dazu gedrängt haben, den Krieg weiterzuführen. Der Westen sei noch nicht zum Frieden bereit. Dafür versicherte Johnson der Ukraine die volle westliche Unterstützung. Seitdem hat sich die Situation der Ukraine allerdings drastisch verschlechtert.

    Der Plan Russlands ging nicht auf. Dieser bestand meiner Meinung nach darin, durch den Einmarsch einen Schock auszulösen, sodass die Ukraine Verhandlungen zustimmt, denen sie sich zuvor verweigert hatte. An eine Einnahme der Ukraine war nicht gedacht. Die Truppenstärke von rund 100.000 Mann zu Beginn der militärischen Spezialoperation war viel zu niedrig ausgelegt, um die Ukraine komplett zu besetzen. Es handelte sich um eine Demonstration der Stärke.

    Der eigentliche Krieg begann erst, nachdem sich die Ukraine auf Anraten des Westens aus der ausverhandelten Vereinbarung wieder zurückgezogen hatte. Dann wurden die russischen Truppen aufgestockt, Russland stellte auf Kriegswirtschaft um und machte sich für einen dauerhaften Krieg bereit.

    Auch jetzt ist die Bedingung, an der Russland für einen möglichen Friedensschluss festhält, dass die Ukraine auf einen NATO-Beitritt dauerhaft verzichtet. Der Auslöser des Konflikts muss verschwinden, dann löst er sich von selbst.

    Einer, der diesen Zusammenhang verstanden hat, ist Donald Trump. Er treibt eine Verhandlungslösung voran, die russische Sicherheitsinteressen berücksichtigt. Trump hat unter anderem einem NATO-Beitritt der Ukraine eine Absage erteilt. Allerdings halten die westeuropäischen Staaten weiterhin daran fest, die Ukraine ins Bündnis aufzunehmen. Auch sie reden zwar von einem „gerechten Frieden”, meinen damit aber das Gegenteil von dem, was Russland im Sinn hat. Der Vorschlag, in die Ukraine „Friedenstruppen” entsenden zu wollen und die USA dabei einzubinden, wie er von den willigen Koalitionären Starmer, Merz und Macron ins Spiel gebracht wurde, ist nichts anderes als eine NATO-Präsenz in der Ukraine, die nur nicht so genannt wird.

    Die Europäer wollen weiterhin keinen Frieden, wenn das bedeutet, dass Interessen Russlands berücksichtigt werden. Das wirft auch ein Licht auf die Frage, wer in diesem Konflikt eine imperialistische Agenda vertritt. Russland ist es nicht, Westeuropa will dagegen die Unterwerfung Russlands erzwingen.

    Ausgeräumt werden muss auch der ethnische Konflikt in der Ukraine. Im Vorfeld des Maidan wurde durch westliche Einflussnahme ein ukrainischer Nationalismus aktiv gefördert. In der Folge entstanden tiefe gesellschaftliche Verwerfungen zwischen der Westukraine und den Menschen im Osten, die sich mehrheitlich als Teil der russischen Welt sehen. Dieser vom Westen schon im Vorfeld des Maidan befeuerte Nationalismus und vorsätzlich geschürte Hass führte zum Bürgerkrieg.

    Vertreter der ukrainischen Regierung bekannten sich wiederholt öffentlich zum Ziel der „Vernichtung alles Russischen”. Die zielgerichteten Angriffe auf Zivilisten im Donbass und das extrem grausame Vorgehen der Ukraine in Kursk verdeutlichen, dass es sich bei der geäußerten Genozidabsicht nicht nur um Rhetorik, sondern um gelebte Praxis handelt. Die deutschen Medienkonsumenten werden von diesen brüsken Tatsachen allerdings gut abgeschirmt. Die massenweisen Hinrichtungen von Zivilisten in Kursk beispielsweise finden in den Medien des deutschen Mainstreams faktisch keine Erwähnung.

    Der Versuch, den innerukrainischen ethnischen Konflikt zu befrieden, wurde vom Westen, allen voran von Deutschland sabotiert. Der Versuch hieß Minsk 2. Minsk 2 war ein völkerrechtlich bindendes Abkommen, das in 13 Schritten den Weg zum Frieden und zum Erhalt der territorialen Integrität unter Ausklammerung der Krim sicherstellen sollte. Eine Verfassungsreform sollte dem Donbass Autonomie garantieren. Minsk 2 war der Versuch, eine zentrale Konfliktursache zu befrieden.

    Angela Merkel hat in einem Interview in der Wochenzeitung Die Zeit später zugegeben, dass es ihr sowie den Verhandlungspartnern aus der Ukraine und Frankreich nie um die Herstellung von Frieden, sondern um die Aufrüstung der Ukraine gegangen sei. Sie verfolgte das Ziel, der Ukraine Zeit zu verschaffen, sagte Merkel im Dezember 2022.

    Die Aufteilung der Ukraine ist daher die notwendige Konsequenz, die den zweiten Grund für den Krieg beseitigt: die ethnischen Spannungen. Auch das hat man in den USA deutlich besser verstanden als in der EU und in Deutschland. Dort skandalisiert man die Forderungen nach einem Gebietsabtritt als unzumutbar.

    Obwohl die Menschen im Donbass in gleich mehreren Referenden ihren Willen bekundet haben, sich von der Ukraine lösen zu wollen, besteht man in Westeuropa darauf, diese Willensbekundungen zu ignorieren. „Gerechter Frieden” ist nach westlicher Lesart ein Frieden gegen den Willen dieser Menschen. Die westeuropäischen Ideen, die einen „dauerhaften Frieden” sichern sollen, sind daher schon aus rein logischen Gründen zum Scheitern verurteilt. Eine Ordnung, die den Willen der Menschen im Donbass dauerhaft ignoriert, wird sich nicht dauerhaft installieren lassen können. Man muss es klar sagen: Deutsche Vorstellungen von einem dauerhaften Frieden in der Ukraine führen notwendig zu einer Herrschaft der Gewalt.

    Aber auch in diesem Zusammenhang hat sich die Situation der Ukraine inzwischen deutlich verschlechtert. War in der Vereinbarung vom Frühjahr 2022 noch die Rede davon, dass die Entscheidung über den Donbass später getroffen werden soll, sieht es jetzt danach aus, dass dessen Status für Russland nicht mehr zur Debatte steht. Der Donbass ist russisch.

    Einer der russischen Unterhändler sagte nach dem Treffen in Istanbul, sollte sich die Ukraine nicht mit dem Verlust von vier Regionen abfinden und die Verhandlungen deshalb platzen lassen, wird es in der nächsten Runde nicht mehr um vier, sondern um acht Regionen gehen, die von der Ukraine abzutreten sind. Die Ukraine wird dann unter anderem auch Odessa und den Zugang zum Schwarzen Meer verlieren.

    Klar ist: Wer einen Konflikt lösen will, muss seine Ursachen beseitigen. Russland hat die Ursachen des Ukraine-Konflikts klar benannt. Die USA haben diesen Zusammenhang inzwischen verstanden. Nur in Westeuropa verweigert man sich noch der Einsicht und fabuliert sich eine Geschichte zusammen, der jede Rationalität fehlt. Russland hat weder die Absicht, die gesamte Ukraine einzunehmen, noch will es Länder der EU überfallen.

    Gerade die ersten Tage des Kriegs im Februar 2022 zeigen klar, dass der Ukraine-Krieg aus russischer Sicht als Politik mit anderen Mitteln gedacht war. Es geht Russland seit 2008 und dann verstärkt ab 2014 darum, die Konfliktursachen zu eliminieren. An denen aber will Westeuropa unter allen Umständen festhalten.

    Einem Friedensabkommen, das die Kriegsursachen nicht beseitigt, wird Russland aber nicht zustimmen. Das ist eine gute Nachricht, denn das heißt, dass aus russischer Sicht ein echter, gerechter und dauerhafter Frieden möglich ist. Den Weg dorthin ist Russland bereit zu gehen. Jetzt muss das richtige Verständnis von Gerechtigkeit nur noch in Berlin, Brüssel, London und Paris ankommen.


    Titelbild: vchal/shutterstock.com


    Rubriken: Außen- und Sicherheitspolitik Friedenspolitik Militäreinsätze/Kriege


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    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    21.05.2025

    Warum hält sich der Westen nicht an die Grundsätze der UNO?

    Screenshot_2025_05_21_at_11_38_25_Warum_h_lt_sich_der_Westen_nicht_an_die_Grunds_tze_der_UNO_GlobalBridge
    Vom 4. bis 11. Februar 1945 fand im Liwadija-Palast in Jalta auf der Krim die Konferenz statt, an der die Führer der USA (Franklin D. Roosevelt), Großbritanniens (Winston Churchill) und des Gastgebers Sowjetunion (Josef Stalin) über das Nachkriegseuropa verhandelten. – Heute kann der Liwadija-Palast von Interessierten besucht werden, wo auch die damalige Konferenz gleichsam als Museum nachgestellt ist. (Foto Christian Müller)

    globalbridge.ch, 20. Mai 2025 Von: in Geschichte, Politik

    (Red.) Die in Russland herausgegebene Zeitschrift «Russia in Global Affairs» – zweisprachig Russisch und Englisch – publiziert oft interessante Artikel von namhaften Autoren, die vor allem auch zeigen, dass die Vorstellung, in Russland sei nur eine Meinung geduldet, in den Bereich westlicher Verleumdung gehört. Jetzt hat, nicht zum ersten Mal, «Russia in Global Affairs» auch wieder einen Grundsatzartikel des russischen Außenministers Sergei Lavrov veröffentlicht, der lesenswert ist. Sergei Lavrov erinnert daran, wie die heutige Weltordnung zustande gekommen ist, und zeigt auf, wie sie oft nicht eingehalten wird. (cm)


    Vor achtzig Jahren, am 4. Februar 1945, eröffneten die Führer der Siegermächte des Zweiten Weltkriegs – die Sowjetunion, die Vereinigten Staaten und Großbritannien – die Konferenz von Jalta, um die Konturen der Nachkriegswelt zu bestimmen. Trotz ideologischer Differenzen einigten sie sich darauf, den deutschen Nationalsozialismus und den japanischen Militarismus zu beseitigen. Die auf der Krim getroffenen Vereinbarungen wurden auf der Potsdamer Konferenz im Juli und August 1945 bekräftigt und weiter ausgearbeitet.

    Ein Ergebnis der Verhandlungen war die Gründung der Vereinten Nationen und die Verabschiedung der Charta der Vereinten Nationen, die bis heute die wichtigste Quelle des Völkerrechts ist. Die Charta legte Ziele und Grundsätze für das internationale Verhalten der Staaten fest, die deren friedliche Koexistenz und nachhaltige Entwicklung gewährleisten sollen. Der Grundsatz der souveränen Gleichheit der Staaten legte den Grundstein für das System von Jalta-Potsdam: Niemand darf eine Vorherrschaft beanspruchen, da alle unabhängig von ihrem Territorium, ihrer Bevölkerung, ihren militärischen Fähigkeiten oder anderen Kriterien formal gleich sind.

    Trotz all ihrer Stärken und Schwächen, über die Wissenschaftler noch immer diskutieren, bildet die Ordnung von Jalta-Potsdam seit acht Jahrzehnten den normativ-rechtlichen Rahmen des internationalen Systems. Die auf den Vereinten Nationen basierende Weltordnung erfüllt ihre Hauptaufgabe – alle vor einem neuen Weltkrieg zu schützen. In der Tat „hat uns die UNO nicht ins Paradies geführt, sondern vor der Hölle bewahrt“ [1]. Das in der Charta verankerte Vetorecht – das kein „Privileg“, sondern eine besondere Verantwortung für die Wahrung des Friedens ist – dient als solide Barriere gegen unüberlegte Entscheidungen und bietet Raum für Kompromisse auf der Grundlage eines Interessenausgleichs. Als politischer Kern des Systems von Jalta und Potsdam hat die UNO als einzigartige universelle Plattform für die Entwicklung kollektiver Antworten auf gemeinsame Herausforderungen gedient, sei es im Bereich der internationalen Frieden und Sicherheit oder der sozioökonomischen Entwicklung.

    In der UNO wurde unter maßgeblicher Beteiligung der UdSSR der Grundstein für die multipolare Welt gelegt, die heute vor unseren Augen entsteht. Insbesondere der Entkolonialisierungsprozess wurde durch die Erklärung über die Gewährung der Unabhängigkeit von kolonialen Ländern und Völkern, die 1960 auf Initiative der UdSSR verabschiedet wurde, rechtlich umgesetzt. In dieser Zeit erlangten Dutzende von Völkern, die zuvor von den Kolonialmächten unterdrückt worden waren, erstmals ihre Unabhängigkeit und die Chance auf einen eigenen Staat. Heute können einige dieser ehemaligen Kolonien für sich beanspruchen, Machtzentren in der multipolaren Welt zu sein, während andere supranationalen Bündnissen mit regionaler oder kontinentaler Reichweite angehören.

    Wie russische Wissenschaftler zu Recht feststellen, ist jede internationale Institution in erster Linie „ein Mittel, um den natürlichen Egoismus der Staaten zu begrenzen“[2]. Die UNO mit ihrer im Konsens verabschiedeten Charta bildet da keine Ausnahme.

    Die UNO-zentrierte Ordnung basiert somit auf internationalem – wahrhaft universellem – Recht, aus dem sich ergibt, dass jeder Staat dieses Recht zu achten hat.

    Russland hatte, wie die Mehrheit der Weltgemeinschaft, nie Schwierigkeiten damit. Aber der Westen hat sich nie von seinem Syndrom der Ausnahmestellung befreit und behält seine neokolonialen Gewohnheiten bei, d. h. auf Kosten anderer zu leben. Zwischenstaatliche Beziehungen, die auf der Achtung des Völkerrechts beruhen, waren dem Westen von Anfang an nicht genehm.

    Die ehemalige US-Unterstaatssekretärin Victoria Nuland gab einmal in einem Interview offen zu, dass „Jalta für uns kein guter Deal war, es war kein Deal, den wir hätten abschließen sollen“. Diese Haltung erklärt viel über das internationale Verhalten der USA: 1945 war Washington praktisch gezwungen, widerwillig der Nachkriegsweltordnung zuzustimmen, die von der amerikanischen Elite bereits als Hindernis empfunden wurde und bald revidiert werden sollte. Die Revision begann mit Winston Churchills berüchtigter „Eiserner Vorhang“-Rede in Fulton im Jahr 1946, in der er im Wesentlichen den Kalten Krieg gegen die Sowjetunion erklärte. Die USA und ihre Verbündeten betrachteten die Vereinbarungen von Jalta und Potsdam als taktisches Zugeständnis und haben sich nie an den Grundsatz der souveränen Gleichheit der Staaten aus der Charta der Vereinten Nationen gehalten.

    Der Westen hatte eine schicksalhafte Chance, seinen Kurs zu korrigieren, Besonnenheit und Weitsicht zu zeigen, als die Sowjetunion zusammen mit dem sozialistischen Lager zusammenbrach. Doch egoistische Instinkte überwogen. In seiner Rede vor dem Kongress am 11. September 1990, berauscht vom „Sieg im Kalten Krieg“, verkündete US-Präsident George H. W. Bush die Ankunft einer neuen Weltordnung [3], die amerikanische Strategen als vollständige Vorherrschaft der USA auf der internationalen Bühne verstanden, als Chance, einseitig und ohne Rücksicht auf die in der UN-Charta verankerten rechtlichen Beschränkungen zu handeln.

    Ein Ausdruck dieser „regelbasierten Ordnung“ war Washingtons Politik der geopolitischen Einbindung Osteuropas. Russland war gezwungen, deren explosive Folgen mit der militärischen Sonderoperation zu beseitigen.

    Im Jahr 2025, mit der Rückkehr der republikanischen Regierung unter Donald Trump an die Macht, hat Washingtons Interpretation der internationalen Prozesse seit dem Zweiten Weltkrieg eine neue Dimension angenommen, wie der neue Außenminister Marco Rubio am 15. Januar vor dem Senat anschaulich darlegte: Die Nachkriegsweltordnung ist nicht nur überholt, sondern wurde zu einer Waffe gegen die Interessen der USA [4]. Mit anderen Worten: Nicht nur die Ordnung von Jalta und Potsdam ist unerwünscht, sondern auch die „regelbasierte Ordnung“, die nach dem Kalten Krieg den Egoismus und die Arroganz des von den USA geführten Westens zu verkörpern schien. „America first“ ähnelt in alarmierender Weise dem Hitler-Slogan „Deutschland über alles“, und eine Wette auf „Frieden durch Stärke“ könnte der letzte Schlag für die Diplomatie sein. Ganz zu schweigen davon, dass solche Äußerungen und ideologischen Konstrukte nicht den geringsten Respekt vor den völkerrechtlichen Verpflichtungen Washingtons aus der UN-Charta zeigen.

    Heute ist jedoch nicht 1991 oder sogar 2017, als der amtierende US-Präsident zum ersten Mal das Ruder übernahm. Russische Analysten stellen zu Recht fest, dass „es keine Rückkehr zum früheren Zustand geben wird, den die USA und ihre Verbündeten nach wie vor anstreben, da sich die demografischen, wirtschaftlichen, sozialen und geopolitischen Bedingungen irreversibel verändert haben“ [5]. Wahrscheinlich trifft auch die Vorhersage zu, dass „die Vereinigten Staaten letztendlich verstehen werden, dass sie ihren Verantwortungsbereich in internationalen Angelegenheiten nicht überstrapazieren sollten, und dass sie als einer der führenden Staaten, aber nicht mehr als Hegemon, recht harmonisch leben werden“ [6].

    Die Multipolarität gewinnt an Dynamik, und anstatt sich ihr zu widersetzen, könnten die USA in absehbarer Zukunft zusammen mit Russland, China und anderen Staaten im globalen Süden, Osten, Norden und Westen zu einem verantwortungsbewussten Machtzentrum werden. Vorerst scheint es, als werde die neue US-Regierung mit Cowboy-Raids die Grenzen und die Beständigkeit des bestehenden UN-zentrierten Systems gegenüber amerikanischen Interessen austesten. Ich bin jedoch sicher, dass auch diese Regierung bald verstehen wird, dass die internationale Realität viel komplexer ist als die Karikaturen, die sie vor dem amerikanischen Publikum oder ihren gehorsamen geopolitischen Verbündeten frei entfalten kann.

    Während wir darauf warten, dass die Amerikaner zur Besinnung kommen und dies erkennen, werden wir weiterhin gewissenhaft mit unseren gleichgesinnten Partnern zusammenarbeiten, um die Mechanismen der zwischenstaatlichen Beziehungen an die Multipolarität und an den in der UN-Charta verankerten internationalen Rechtskonsens von Jalta und Potsdam anzupassen. Hervorzuheben ist die BRICS-Erklärung von Kasan vom 23. Oktober 2024, in der die Weltmehrheit ihr gemeinsames „Bekenntnis zum Multilateralismus und zur Wahrung des Völkerrechts, einschließlich der in der Charta der Vereinten Nationen verankerten Ziele und Grundsätze als unverzichtbarer Eckpfeiler und der zentralen Rolle der Vereinten Nationen im internationalen System“ klar bekräftigt [7]. Dieser Ansatz wurde von führenden Staaten formuliert, die die moderne Welt prägen und die Mehrheit ihrer Bevölkerung vertreten. Ja, unsere Partner im Süden und Osten haben durchaus legitime Wünsche hinsichtlich ihrer Beteiligung an der globalen Governance. Im Gegensatz zum Westen sind sie und wir zu ehrlichen und offenen Diskussionen über alle Fragen bereit.

    Unsere Position zur Reform des UN-Sicherheitsrats ist bekannt [8]. Russland strebt eine Demokratisierung dieses Gremiums durch eine stärkere Vertretung der Weltmehrheit an: Asien, Afrika und Lateinamerika. Wir unterstützen die Anträge Brasiliens und Indiens auf ständige Sitze im Sicherheitsrat und setzen uns gleichzeitig dafür ein, die historische Ungerechtigkeit gegenüber dem afrikanischen Kontinent mit von den Afrikanern selbst vereinbarten Mitteln zu korrigieren. Die Zuweisung zusätzlicher Sitze an Länder des kollektiven Westens, die im Sicherheitsrat bereits überrepräsentiert sind, ist kontraproduktiv. Deutschland und Japan, die einen Großteil ihrer Souveränität an ihren Überseepaten delegiert haben und begonnen haben, die Geister des Nationalsozialismus und Militarismus im eigenen Land wiederzubeleben, können nichts Neues in die Arbeit des Sicherheitsrates einbringen.

    Wir bekennen uns nachdrücklich zur Unverletzlichkeit der Vorrechte der ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrates. Angesichts der unberechenbaren Politik der westlichen Minderheit kann nur das Vetorecht gewährleisten, dass die Beschlüsse des Rates die Interessen aller Parteien berücksichtigen.

    Die Personalpolitik des UN-Sekretariats ist nach wie vor eine Beleidigung für die Weltmehrheit, da alle Schlüsselpositionen weiterhin von Westlern dominiert werden. Die Angleichung der UN-Bürokratie an die geopolitische Weltkarte darf nicht weiter verzögert werden, wie in der oben genannten BRICS-Erklärung von Kasan ganz eindeutig festgestellt wurde. Wir werden sehen, wie empfänglich die UN-Verwaltung, die daran gewöhnt ist, den Interessen einer kleinen Gruppe westlicher Länder zu dienen, für diesen Aufruf sein wird.

    Was den normativen Rahmen der UN-Charta betrifft, so bin ich überzeugt, dass er den Anforderungen des multipolaren Zeitalters, in dem alle – nicht nur in Worten, sondern auch in Taten – die Grundsätze der souveränen Gleichheit der Staaten, der Nichteinmischung in ihre inneren Angelegenheiten und andere grundlegende Prinzipien achten müssen, optimal entspricht. Zu diesen Grundsätzen gehört das Selbstbestimmungsrecht der Völker, dessen einvernehmliche Auslegung in der Erklärung der Vereinten Nationen über die Grundsätze des Völkerrechts von 1970 verankert ist: Die territoriale Integrität eines Staates muss respektiert werden, wenn seine Regierung die gesamte Bevölkerung vertritt. Es versteht sich von selbst, dass das Kiewer Regime seit dem Staatsstreich vom Februar 2014 das Volk der Krim, des Donbass oder Noworossija ebensowenig vertritt wie die westlichen Mächte die Völker der von ihnen ausgebeuteten Kolonialgebiete vertraten.

    Unverschämte Versuche, die Welt nach eigenem Interesse neu zu ordnen und dabei die Grundsätze der UNO zu verletzen, können zu Instabilität, Konfrontation und sogar zu Katastrophen führen. Angesichts der derzeitigen internationalen Spannungen wird eine rücksichtslose Ablehnung des Systems von Jalta-Potsdam mit der UNO und der UN-Charta als Kernstück unweigerlich zu Chaos führen.

    Oft hört man, es sei verfrüht, von einer gewünschten Weltordnung zu sprechen, solange wir noch darum kämpfen, die vom Westen unterstützten Kräfte des rassistischen Regimes in Kiew zu unterdrücken. Dies ist unserer Ansicht nach ein verhängnisvoller Ansatz. Die Konturen der Nachkriegsweltordnung und die Kernpunkte der UN-Charta wurden von den Alliierten auf dem Höhepunkt des Zweiten Weltkriegs diskutiert, unter anderem auf der Moskauer Außenministerkonferenz und der Teheraner Konferenz der Staats- und Regierungschefs 1943 sowie bei weiteren Kontakten zwischen den künftigen Siegermächten bis hin zu den Konferenzen von Jalta und Potsdam 1945. Obwohl unsere Verbündeten bereits eine geheime Agenda hatten, schmälerte dies nicht die bleibende Bedeutung der höchsten Prinzipien der Gleichheit, der Nichteinmischung in innere Angelegenheiten, der friedlichen Beilegung von Streitigkeiten und der „Achtung der Menschenrechte und Grundfreiheiten für alle ohne Unterschied der Rasse, des Geschlechts, der Sprache oder der Religion“.

    Der Westen hat sich diesen Grundsätzen offensichtlich nur mit Hintergedanken verschrieben und sie dann in Jugoslawien, im Irak, in Libyen und in der Ukraine grob verletzt, aber das bedeutet nicht, dass wir die Vereinigten Staaten und ihre Satelliten von ihrer moralischen und rechtlichen Verantwortung entbinden oder das einzigartige Erbe der Gründer der Vereinten Nationen, wie es in der Charta der Vereinten Nationen verankert ist, aufgeben sollten [9]. Sollte jemand versuchen, sie umzuschreiben (unter dem Vorwand, das „veraltete“ System von Jalta und Potsdam abschaffen zu wollen), würde die Welt keine gemeinsamen Leitwerte mehr haben.

    Russland ist bereit für eine gemeinsame ehrliche Arbeit, um die Interessen der Parteien auszugleichen und die rechtlichen Grundsätze der internationalen Beziehungen zu stärken.

    Die Initiative von Präsident Wladimir Putin aus dem Jahr 2020 für ein Treffen der Staats- und Regierungschefs der ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrats, die „eine besondere Verantwortung für die Erhaltung der Zivilisation“ tragen [10], zielte auf einen gerechten Dialog über alle diese Fragen ab. Aus bekannten Gründen, die außerhalb der Kontrolle Russlands liegen, kam diese Initiative nicht weiter. Wir geben jedoch die Hoffnung nicht auf, auch wenn die Teilnehmer und das Format solcher Treffen nun anders aussehen mögen. Das Wichtigste ist laut Putin, „das Verständnis dafür wiederzugewinnen, wozu die Vereinten Nationen geschaffen wurden, und den Grundsätzen zu folgen, die in ihren Gründungsdokumenten festgelegt sind“[11]. Dies sollte die oberste Leitlinie für die Regelung der internationalen Beziehungen in der beginnenden multipolaren Ära sein.

    Zum Originalartikel auf «Russia in Global Affairs»


    Hallo Putin! Ich bin’s, Trump


    Kursk zwischen Trotz und Angst


    Jetzt ist er gestorben: Erinnerung an «Pepe Mujica – El Presidente». 


    Info: https://globalbridge.ch/warum-haelt-sich-der-westen-nicht-an-die-grundsaetze-der-uno/


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

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