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05.07.2025

Ukraine: Der »Asow« Nazikriegskoloss

aus e-mail von Doris Pumphrey, 5. Juli 2025, 12:54 Uhr


junge Welt 5.7.2025

<https://www.jungewelt.de/artikel/503362.ukraine-nazikriegskoloss.html>


*Nazikriegskoloss

*Das »Asow«-Militärimperium expandiert und vernetzt sich mit der NATO

/Von Susann Witt-Stahl


/Der »Asow«-Killerkrake wachsen neue Arme. Mit der nach dem ersten

Führer der Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN) benannten

Konowalez-Militärschule und der kürzlich eingeweihten

Unteroffiziersschule unterhält sie eigene Militärakademien. Mittlerweile

hat sie aber auch einige Start-Up-Unternehmen hervorgebracht.


»Killhouse Academy« – so heißt die kommerzielle FPV-Drohnenflugschule,

die ihre 3. Separate Sturmbrigade in der ukrainischen Armee 2024 in Kiew

eröffnet hat und in der auch Zivilisten ausgebildet werden. »Den Feind

mit Technologie zu zerstören ist jetzt ein Nationalsport«, heißt es in

der Werbung. »Sie haben sogar Drohnen, die Panzer angreifen können«,

vermeldet der deutsche /CNN/-Reporter Frederik Pleitgen euphorisch in

einem Video, das in der Übungshalle aufgenommen wurde und sich auf dem

»Killhouse«-Instagram-Kanal findet. Rund 30 Prozent der mittlerweile

einige tausend frisch ausgebildeten Operatoren sollen nach dem

neuntägigen Lehrgang in den Krieg ziehen, die anderen auf einen späteren

Fronteinsatz vorbereitet sein. Ende Juni wurde die »Akademie« um eine

»Schule für Operatoren von Bodenrobotersystemen« erweitert, mit »eigenem

Trainingsgelände, einer Flotte von Kampfrobotern und einem Simulationsraum«.


Jüngst hat »Asow« mit »AB3 Tech« ein Unternehmen für die Entwicklung von

Militärtechnologie gegründet. Es bietet an, Waffen unter realen

Schlachtfeldbedingungen zu testen. Solche Firmen ermöglichen dem

Nazikriegskoloss auch eine intensivere Vernetzung mit dem

militärisch-industriellen Komplex der USA, Deutschlands und anderer

NATO-Länder.

Diese ist laut Recherchen des US-amerikanischen Publizisten Moss Robeson

bereits weit fortgeschritten: Vertreter der 3. »Asow«-Armeebrigade

nahmen an einem die Münchner »Sicherheitskonferenz« begleitenden

»Hackathon« des European Defense Tech Hub teil. Mit dem in Kiew

ansässigen »Snake Island Institute«, das von Wladislaw Sobolewskij,

einem Vizekommandeur von »AB3« und Führer der »Asow«-Partei »Nationales

Korps«, geleitet wird, gibt es seit Frühling 2025 auch eine Denkfabrik,

die sich nach eigenen Angaben »der Stärkung der strategischen

Partnerschaft zwischen der Ukraine und den Vereinigten Staaten widmet«.


Austausch zwischen »Asow«-Militärs und den US-Streitkräften findet

zunehmend häufig statt. Der /BBC/-Journalist Leonid Ragozin berichtet,

dass Dmitro Kuchartschuk, Kommandeur des 2. »AB3«-Bataillons, sogar an

»Arbeitstreffen« im US-Verteidigungsministerium teilnahm (wie Robeson

dokumentiert, unterhält dieser in Tscherkassi ein Gym, auf dessen

Hallenboden sich wie in Heinrich Himmlers Wewelsburg eine riesige

»Schwarze Sonne« findet). Wiederholt wurden »Asow«-Delegationen von

Senatoren und Abgeordneten des Repräsentantenhauses im Kapitol in

Washington, D. C., und in US-Denkfabriken empfangen, die dem Pentagon

nahestehen. Das Emblem des Hauptquartiers der »Asow«-Brigade in der

Nationalgarde, Kernverband von deren 1. Korps, ziert bereits das etwas

modifizierte Windrosensymbol der NATO.



junge Welt 5.7.2025

<https://www.jungewelt.de/artikel/503361.ukraine-totale-militarisierung.html>


*Totale Militarisierung

*Die »Asow«-Bewegung kolonisiert die ukrainische Gesellschaft mit

neonazistischer Kriegsideologie

/Von Susann Witt-Stahl


/Die »Asow«-Führung agiert seit Jahren als Avantgarde der faschistischen

Neuordnung der Ukraine. Sie will Staat und Nation zu einer »organischen

Einheit« formen. An der Spitze der Bewegung zur Durchsetzung ihrer

»nationalen Idee« als Staatsräson steht die 3. Separate

»Asow«-Sturmbrigade der Armee, die gegenwärtig zum Korps ausgebaut wird.

Olexij »Konsul« Reins, Leiter ihres Zentrums für ideologische Schulung

und ihres Rainshouse-Verlags, propagiert den Krieg als Ausdruck eines

»natürlichen Bedürfnisses nach Expansion« mit dem Ziel der Errichtung

einer »Großukraine« unter der Herrschaft des Militärs. Folglich feiert

er das faschistische Massaker vom 2. Mai 2014 im Gewerkschaftshaus von

Odessa mit »verbrannten Watniks« als »Tag der Reinigung«.


Rainshouse publiziert Schriften von Mikola Krawtschenko, dem im März

2022 durch russischen Beschuss ums Leben gekommenen »Asow«-Philosophen

und einstigen Mitgründer ihrer paramilitärischen Basisorganisation

»Patriot der Ukraine« sowie ihres heutigen ideologischen Rückgrats

»Centuria«, ein Jugend- und Kampfverband. Ebenso »Ostfront«- und

Veteranenlyrik über den »Willen zum Sieg« bei der »Maidan«-Revolte

2013/14 und der nachfolgenden »Antiterroroperation« gegen die

aufständische Bevölkerung im Donbass, auch Comics mit

Kriegsheldengeschichten. Vor allem werden Schlüsseltexte von Führern der

faschistischen Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN) neu

aufgelegt – etwa von Stepan Bandera und dessen Nachfolger Jaroslaw

Stezko sowie Dmitro Donzow, Übersetzer von »Mein Kampf«, der den

Hitler-Staat als Modell für eine unabhängige Ukraine und integralen

Nationalismus als Lebensweise begriffen hatte.


Nach diesem Vorbild betrachtet sich »Asow«, ähnlich wie die SS im

»Dritten Reich«, nicht nur als Kriegerelite und Speerspitze des

ukrainischen Imperialismus, sondern auch als ideologischer, politischer

und kultureller Leitstern der Nation.


»AB3« – das Kürzel der 3. Sturmbrigade – und die »Asow«-Wolfsangel

prangen heute auf Tausenden Produkten: Bekleidung, Haushaltswaren,

Spielzeug, Lebensmittel etc. Die Einheit gibt eine eigene

Briefmarkenedition mit Frontkämpferporträts heraus. Neuerdings geht das

sozialdarwinistische Nazilebensprinzip auch durch den Magen: In Kiew hat

sie unter dem Slogan »Der Stärkste wird überleben« einen

»postapokalyptischen AB3-Army-Foodspot« eröffnet, der Döner, Hamburger

und Wraps anbietet. »Asow« hat sich längst zu einer Topsellermarke

gemausert. Sie unterhält einen Kulturindustriekomplex mit eigenen

Medien, PR-Agenturen, Mode- und Musiklabels, Filmproduktionsfirmen, die

beispielsweise Battle-Action-Videos produzieren. »Asow« organisiert auch

Militärfeste, inklusive HipHop-, Techno- und Rock-Konzerten mit

populären Bands wie Hatespeech oder PVNCH, die als Megafone des

ukrainischen Nationalismus fungieren. Seit 2024 ist »AB3« mit einer

eigenen Theaterperformance auf Tournee. In dem Ein-Mann-Stück

»Ненароджені для війни« (Nicht für den Krieg geboren) mit einem echten

»Asow«-Krieger als Darsteller geht es um wahre Waffenbrüderschaft,

Einsamkeit und Gefahren in den Schützengräben.


Während deutsche und andere westliche Politiker, Medien und Denkfabriken

weiterhin die Lüge von der »Depolitisierung« der »Asow«-Truppen

ventilieren, treiben diese die totale Militarisierung der ukrainischen

Gesellschaft unter Hochdruck voran. Heute dürfte bereits ein Großteil

der Jugendlichen das »Gebet eines Nationalisten« mit der Lobpreisung der

faschistischen Ahnen und den Dekalog der OUN (»Räche dich für den Tod

der großen Ritter«) aufsagen können – für »Asow« die heiligen »Symbole

für Kampf, Glauben und Ehre«. Zur Vorbereitung des Eintritts in die

Reihen ihrer Krieger sorgt »Centuria« für die Stählung von Geist und

Körper mit Weltanschauungsschulungen und professionellem

Wehrsporttraining. Kinder werden bereits seit zehn Jahren in Feriencamps

zu »Asowets« gedrillt, an Kalaschnikows und anderen Waffen ausgebildet.

Die 3. Sturmbrigade gibt jetzt auch eine Märchenbuchreihe heraus, die

den Kleinen die »Realität des Krieges« beibringen und »Illusionen über

den historischen Hauptfeind« austreiben soll. Russenhass ist eine Säule

der mit den Heldenabenteuergeschichten angestrebten »Erziehung eines

Kinderführers, Führers, Führer des Landes«. Der erste Band »Jurchik –

der Schlangentöter« ist bereits im »AB3«-Shop erhältlich.


Dass Präsident Wolodimir Selenskij die Asowisierung der Ukraine

unterstützt, zeigt allein schon die Ernennung von Olexander Alforow,

Exoffizier der 3. Sturmbrigade, Bewunderer von Adolf Hitler und Experte

für »Entrussifizierung«, zum Präsidenten des Ukrainischen Instituts für

Nationale Erinnerung – ein phänomenaler Triumph für die Neonazibewegung,

die damit nahezu vollständige Hoheit über die Geschichtsnarrative

erlangt haben dürfte. Das könnte auch die offizielle Rehabilitierung der

Kollaborateure Nazideutschlands beim Holocaust und Vernichtungskrieg

gegen die Sowjetunion bedeuten, etwa der SS-Division »Galizien«, die bis

heute von der »Asow«-Führung »kompromisslos« als »diejenigen«

glorifiziert wird, die »für eine ukrainische Ukraine zu den Waffen griffen«.


Es gibt praktisch keine »Asow«-freien Räume mehr in der ukrainischen

Gesellschaft. Im Juni präsentierte »Konsul«, der als Nachfolger von

Krawtschenko gilt, voller Stolz ein Video aus seiner »rechtsextremen

Stadt« Kiew von einem Metrozug, gestaltet im martialischen

»Asow«-Design. »Die universelle Durchdringung unserer Ästhetik erfreut

das Auge. Die Ukrainer gewöhnen sich allmählich daran, dass es den

ukrainischen Nationalisten um Stil, Stärke, Heldentum geht«, lässt

»Konsul« keine Missverständnisse über die Machtverhältnisse aufkommen.

»Sie gewöhnen sich daran, dass dieses Land unser Land ist.«

-----------------------s

*Hintergrund: Vorbild Waffen-SS

*Die »Asow«-Bewegung orientiert sich bis heute an der Ästhetik, Symbolik

und Namensgebung des »Dritten Reichs«. Bereits in Truppenkennzeichen

ihres ersten Kampfverbands, eines Bataillons, das am 5. Mai 2014 in

Mariupol gegründet worden, vier Monate später zum Regiment erweitert und

in die Nationalgarde eingegliedert worden war, finden sich die »Schwarze

Sonne« und die Wolfsangel der Waffen-SS. Vor allem letzteres Symbol wird

heute meist in abstrahierter Form weiter für Embleme von »Asow«-Truppen

verwendet, beispielsweise vom 1. Korps der Nationalgarde, das seit April

2025 besteht.


Der 1. Zug des 2. Bataillons der 3. Separaten Sturmbrigade von »Asow« in

der ukrainischen Armee ist nach der SS-Grenadierdivision »Galizien«

benannt und hat von dieser auch in leichter Abwandlung das Abzeichen mit

dem ruthenischen Löwen übernommen. Die 1943 gebildete Einheit

rekrutierte sich vorwiegend aus ukrainischen Freiwilligen, wurde für die

Partisanenbekämpfung eingesetzt und verübte Massaker an polnischen

Zivilisten. Das Wappen der 3. Kompanie desselben »Asow«-Bataillons ist

nach dem Verbandskennzeichen des von Heinrich Himmler aufgestellten

SS-Sonderkommandos »Dirlewanger« mit gekreuzten Stabhandgranaten

gestaltet. Diese Truppe hat in Belarus Menschen lebendig in ihren

Häusern verbrannt, Massenvergewaltigungen und andere schwere

Kriegsverbrechen begangen. Andere Einheiten der »Asow«-Brigade tragen

Namen wie »Wolfrudel« und »Stahlwolf«.


Das Emblem der »Asow«-Infanterieeinheit »Kraken« des ukrainischen

Militärgeheimdienstes enthält die Kampfrune, die von den

Reichsführerschulen und der SS-Grenadierdivision »30. Januar« verwendet

wurde. Das Motto der mittlerweile einer Marinebrigade angehörenden

»Wedmedi SS«-»Asow«-Einheit lautet »Meine Ehre heißt Treue«. Einige

»Asow«-Krieger tragen Totenkopfpatches mit dem Kennzeichen der

Panzerdivision »Leibstandarte SS Adolf Hitler«. (sws)


Info: https://www.jungewelt.de/artikel/503362.ukraine-nazikriegskoloss.html


unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

05.07.2025

Dossier 20
Robert Jungk zum Widerstand gegen Atomrüstung, Krieg und Gewalt und für eine humane Zukunft „Der Aufstand gegen das Unerträgliche“    (I von II)

wissenschaft-und-frieden.de, von Hans Holzinger und Robert Jungk (Seite bes. am 5. Juli 2025)

In Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis Atomwaffenfreies Europa und der Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen


Hans Holzinger: Vorwort

„Wer lange lebt, hat oft genug erfahren, daß sich zwar nicht alles, aber doch vieles mit der Zeit zum Besseren wenden kann. Das eigene Ende ist unvermeidlich, aber von jedem kreativen, aktiven Menschen geht ein Anstoß aus, der auf unvorhersehbare Weise in die Zukunft weitergeleitet wird.“ Mit diesen Sätzen beendet Robert Jungk seine Autobiographie »Trotzdem. Mein Leben für die Zukunft« (Hanser 1993). Sie lassen vielleicht erahnen, woraus der Ermutiger die Kraft für sein lebenslanges Engagement geschöpft hat.

Zu warnen vor dem blinden »Fortschritts«-Glauben des naturwissenschaftlich - technischen Zeitalters, das im Irrsinn des nuklearen Wettrüstens wohl seine (bislang) gefährlichste Zuspitzung erfahren hat; zu bekräftigen, daß Friede und Abrüstung »von unten«, von den vielen Menschen, die sich einmischen und wehren, erreicht werden müssen; sowie drittens die feste Überzeugung, daß das »Nein« immer auch ein »Ja« brauche, also die Suche nach einer humanen, von den Menschen selbst gestalteten und bestimmten Gesellschaft – so lassen sich die drei großen Ziele in Robert Jungks Wirken festmachen.

Es war schwierig und faszinierend zugleich, aus dem umfangreichen Werk, das Jungk uns hinterlassen hat, Textpassagen auszuwählen, die Aufschluß geben über sein Friedens-, Politik- und Zukunftsverständnis und seine Biographie als Autor, Wissenschaftskritiker und Mitstreiter der Friedens- und Anti-Atom-Bewegung widerspiegeln. Ich hoffe, daß der vorliegende Band seinem Ziel gerecht und seine Leserinnen und Leser finden wird. Die ausgewählten Texte bleiben notgedrungen fragmentarisch. Sie sollen nicht zuletzt jene, die Jungks Bücher noch nicht kennen, auf diese neugierig machen, und jene, die sie kennen, zum erneuten Lesen anregen. Es lohnt sich allemal.

»Der Aufstand gegen das Unerträgliche« – so lautet der Untertitel jenes Buches »Menschenbeben«, in dem Robert Jungk die weltweite Friedensbewegung der 80er Jahre gegen den Irrsinn des nuklearen Wettrüstens als Beteiligter und engagierter Beobachter sehr eindrucksvoll beschrieben hat. Er sei dieser Textsammlung als Motto vorangestellt.

Zu danken bleibt dem »Arbeitskreis Atomwaffenfreies Europa« für die Idee zu diesem Projekt und den aufgebrachten Mitteln zu seiner Realisierung.

Hans Holzinger, Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen
Salzburg, September 1995

Einleitung

Wir wollen Robert Jungk nicht vergessen. Als uns im letzten Jahr die Nachricht von seinem Tode erreichte, beschlossen wir im Arbeitskreis, durch eine Auswahl aus seinen wichtigsten friedenspolitischen Texten für unsere Mitglieder und die Leserinnen und Leser von W&F sein Andenken lebendig zu erhalten.

Und dies ist mehr als eine bloße Totenehrung. Lest, und ihr werdet seine vielfältig gegenwärtige Bedeutung erkennen. Auch dort, wo wir uns mit Jungk rückbesinnen auf die Anfänge der ungeheuerlichen atomaren Gefahr, hilft es uns, das Ausmaß und die Etappen des Kampfes uns wieder voll zu vergegenwärtigen – jenes Kampfes, denen auch unser Arbeitskreis seinen Namen und sein Wirken verdankt – jenes Kampfes, der durch die größenwahnsinnigen Atomtests des Herrn Chirac gerade in unseren Tagen sich leider wieder als noch völlig aktuell erweist.

Robert Jungk bleibt ein großes Vorbild der Friedensbewegung. Warum? Weil er in schlechthin vorbildlicher Weise die Arbeit des Forschers und des Publizisten mit dem unmittelbaren persönlichen Einsatz des Friedensbewegten verband. Wir haben auch in der Friedensbewegung nämlich viele, die nur lesen, reden und schreiben oder nur an Aktionen interessiert sind. Aber gerade heute, wo die Sachverhalte und die Lösungen komplizierter werden (siehe Jugoslawien!), wo Friedensarbeit mehr denn je mühsame Kleinarbeit ist und selbst Demos meist keine »Massendemonstrationen« mehr sind, ist von uns allen intellektuelle UND Aktionsarbeit gefordert – von jedem/r nach ihren/seinen Kräften.

Und deshalb bleibt Robert Jungk unser großes Vorbild. Er war immer mit dabei, ist immer und immer wieder an der Spitze unserer Demonstrationen mitgegangen, hat uns »einfachen« Bürgerinnen und Bürgern Mut gemacht durch sein Dabeisein, seine mutmachenden Reden, bei denen er kein Blatt vor den Mund nahm, sondern die Herrschaftsverhältnisse, die Rüstungsinteressen, die ideologischen Verharmlosungen des atomaren Abschreckungsdenkens beim Namen nannte.

Dabei war seine größte Leistung, die ihn von den meisten nur-kritischen Linken unterschied, daß er immer auch Wege nach vorn, Auswege, Fortschritte, positive Alternativen und Ansätze aufzeigte. Tief philosophisch verankert war sein Wissen: das bloße Aufzeigen der Misere, der destruktiven Mächte stumpft zuletzt ab, treibt in die Resignation; nur wenn wir auch den Blick und unsere Aktivität auf Ansätze einer humaneren Ordnung richten, bleiben wir wirksam, überzeugen auch andere. Daher erfand er die Methode der »Zukunftswerkstätten«, in denen Menschen sich systematisch bemühen, von der Kritik des Bestehenden zum Entwurf und Inangriffnehmen positiver Alternativen zu gelangen. (Und schon in seiner Emigrationszeit, in den USA, gründete er eine Zeitung, die »good news« verbreitete und damit dem fatalen Trend der Profitpresse entgegenzuwirken suchte, die von der Attraktivität der Horrormeldungen lebt und daher nach dem Prinzip handelt: »bad news are good news and good news are bad news!«)

Heute hätte er mit Emphase auf den weltweiten – nie zuvor so verbreiteten – Widerstand gegen die französischen Atomtests verwiesen und uns zugerufen: Seht den Pyrrussieg Chiracs – er ist in Wahrheit eine große internationale Niederlage Frankreichs!

Fritz Vilmar, Arbeitskreis Atomwaffenfreies Europa

Die Zukunft hat schon begonnen (1952)

Das reiche publizistische Schaffen und politische Wirken von Robert Jungk ist bestimmt vom »Anschreiben« gegen die nukleare Bedrohung sowie gegen die unbedachten Risiken des naturwissenschaftlich-technischen Fortschritts generell. Wenn Günther Anders als »der Philosoph des Atomzeitalters« zu bezeichnen ist, so war Jungk dessen engagiertester und kritischster Berichterstatter. Die Warnungen vor dem nuklearen Wettrüsten leiten auch Jungks Welterfolg als Autor ein. 1952 erscheint das erste Buch »Die Zukunft hat schon begonnen«. Diese Berichte aus amerikanischen Rüstungslaboratorien, über geheime Atomanlagen und Atombombentests erregen Aufsehen weit über den deutschen Sprachraum hinaus. Doch nicht nur der »Griff nach dem Atom«, sondern auch jener nach der Natur, dem Menschen und dem Weltraum ist Gegenstand dieser Abhandlungen, die vor den Gefahren blinder Technikgläubigkeit warnen, und die der Autor insbesondere im »Nachkriegsamerika« ausmacht.

So ist zur Zeit in den Vereinigten Staaten eine Welt im Entstehen, wie es sie nie zuvor gab. Es ist die von Menschen entworfene, im Höchstmaß vorausgeplante, kontrollierte und je nach dem Fortschrittsstand immer wieder »verbesserte« Schöpfung. Sie besitzt ihre besondere Art von Schönheit und von Schrecken. Denn obwohl die menschlichen Schöpfer sich bemüht haben, aus ihrer Kreation Schicksal, Zufall, Katastrophen, Unglück und Tod zu verbannen, so treten die Fortgewiesenen nun verkleidet nur noch viel eindringlicher auf: Kalkulationsfehler der Planstatistiker, Versagen der technischen Apparatur, Unfälle und Explosionen bringen ein Vielfaches an Leid.

Sogar die alten dunklen Mythen vom verschleierten Bild, dessen Vorhang niemand heben darf, von Geistern, Dämonen und verwunschenen Regionen, ja von der Hölle selbst, kommen in dieser scheinbar so genau ausgerechneten, rational entstandenen Welt zu neuer Geltung. Denn der Durchschnittsmensch bewegt sich in der zweiten, künstlich aus der Retorte gewonnenen Natur genauso unsicher wie seine prähistorischen Vorfahren in der primären Natur, weil nur die Spezialisten – und oft nicht einmal sie – die Wesen und Kräfte begreifen, die sie in die Welt gesetzt haben.

Diese »neueste Welt« ist keine ferne Utopie, kein Geschehen aus dem Jahre 1984 oder einem noch ferneren Jahrhundert. Wir sind nicht wie in den Zukunftsromanen von Wells, Huxley und Orwell durch den breiten Graben der Zeit von dem reißenden Tier Zukunft getrennt. Das Neue, Andere, Erschreckende lebt schon mitten unter uns. So ist es, wie alle historische Erfahrung zeigt, immer gewesen. Das Morgen ist schon im Heute vorhanden, aber es maskiert sich noch als harmlos, es tarnt und entlarvt sich hinter dem Gewohnten. Die Zukunft ist keine sauber von der jeweiligen Gegenwart abgelöste Utopie: Die Zukunft hat schon begonnen. Aber noch kann sie, wenn rechtzeitig erkannt, verändert werden.

In dieser zukunftsbezogenen »neuesten Welt« haben die Grenzen von Tag und Nacht, von Licht und Finsternis keine Gültigkeit mehr. Die Tat des ersten biblischen Schöpfungstages wird von den späten Nachkommen des Prometheus annulliert. Damit der moderne Produktionsprozeß keine Unterbrechung erleide, brennen in den Fabriken von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang die künstlichen »Sonnen« der elektrischen Scheinwerfer. In fast allen großen Städten Amerikas gibt es Markthallen und Drugstores, die verkünden: WIR SCHLIESSEN NIE! Es ist nur noch ein kurzer Schritt zu dem Augenblick, da der bereits in einem kalifornischen Laboratorium entwickelte künstliche »Nordlichteffekt« dem Himmel für immer sein Nachtgewand herunterreißt.

Und so geht es mit jedem einzelnen im heiligen Buche beschriebenen Schöpfungsakt. Der Mensch schafft künstliche Materie, er baut eigene Himmelskörper und bemüht sich dann, sie am Firmament über uns aufgehen zu lassen, er kreiert neue Pflanzen- und Tierarten, er setzt eigene, mit übermenschlichen Sinnesorganen ausgestattete mechanische Wesen, die Roboter, in die Welt.

Nur eines kann er nicht. Es ist ihm nicht gegeben, mit den Worten der Bibel auszurufen: „Und siehe da, es war sehr gut.“ Er darf niemals die Hände in den Schoß legen und sagen, daß seine Schöpfung vollendet sei. Rastlosigkeit und Unzufriedenheit bleiben mit ihm. „Denn hinter jeder Tür, die wir öffnen, liegt ein Gang mit vielen anderen Türen, die wir abermals aufschließen müssen, nur um dort dann wieder hinter jedem einzelnen Zugang weitere Pforten zu abermals neuen Toren zu finden“, sagte ein chemischer Forscher zu mir, einer der gottgleichen Schöpfer des künstlichen Universums. (…)

Es scheint, als sei hinfort der Sinn all dieses Schaffens nur wieder neues Schaffen. Produktion ruft nach immer mehr Produktion, jede Erfindung nach weiteren Erfindungen, die vor den Folgen der vorhergehenden Neuschöpfung schützen sollen. Der Mensch kommt nicht mehr zum Genuß der Welt. Er verzehrt sich in Angst und Sorge um sie. Kein Glücksgefühl und kein »Hosianna« begleiten den neuen Schöpfungsakt.

Diese Unzufriedenheit mit der menschengeschaffenen »neuesten Welt«, die heute in den Vereinigten Staaten oft schon so deutlich empfunden wird, daß sie zu einem Schwelgen in Furcht- und Untergangsphantasien ausartet, scheint mir eines der hoffnungsvollsten Zeichen für die Zukunft Amerikas. Zivilisationspessimismus ist nicht mehr nur die modische Pose eines kleinen Kreises von Künstlern und Intellektuellen, sondern der weitverbreitete Ausdruck tiefer Besorgnis und überall erwachender Kritik geworden.

Noch lebt allerdings dieser Zweifel meist in der gleichen Brust dicht neben dem alten maßlosen Geist eines übermütigen, vieles wagenden und alles erhoffenden Tätertums. Aber je lauter die Glückspropaganda wird, je provokanter das Lächeln der Zufriedenheit und der betonte Stolz auf den »höchsten Lebensstandard der Welt«, desto quälender werden auch die Bedenken.

Es gibt viele, die sich einfach ins Amüsement, in die Sexualität, den Alkohol oder die Neurose flüchten, um mit dem Unbehagen fertig zu werden, die sogenannten »escapists«. Es gibt andere, die resignieren, und einige wenige, die bewußt gegen die Entwicklung zu einem totalitären, inhumanen, technisierten Massenleben ankämpfen. Bestrebungen zur Vermenschlichung der Arbeit, zur Anpassung der Maschinen an die menschliche Psyche, zur Dezentralisierung und Humanisierung der großen Städte sind im Gang.

Aber all das hat vorläufig noch einen spielerischen oder sektiererischen Zug. Die große Geistesänderung, die sich durch Wiederanerkennung menschlicher Begrenzung und das Wiederfinden des Maßes ausdrücken müßte, ist bisher ausgeblieben. Da hilft kein messianisches Predigen, keine Ungeduld. Diese Wandlung kann wohl nur aus bitterster Erfahrung kommen. Erst wenn der krampfhafte Griff nach der Allmacht sich einmal löst, wenn die Hybris zusammenbricht und der Bescheidenheit Platz macht, dann wird Amerika von dem wiederentdeckt werden, den es vertrieben hat: Von Gott.

Aus: Die Zukunft hat schon begonnen. Amerikas Allmacht und Ohnmacht. Hier zit. n. Heyne-Neuausgabe, München 1990, S. 24-27.

Abdankung der Kultur (1955)

In seiner Kritik am naturwissenschaftlich-technischen Fortschrittsglauben war Robert Jungk wesentlich vom Denken Albert Schweitzers beeinflußt, über den er 1955 – was nur wenige wissen – eine Biographie verfaßte. Aufgrund der vertraglichen Bindung an den Verlag des ersten Bucherfolges »Die Zukunft hat schon begonnen« mußte diese unter Pseudonym – Jungk wählte den Namen Jean Pierhal – erscheinen. Im Vorwort, das er unter seinem richtigen Namen verfassen durfte, hebt Jungk Schweitzers Kritik am „Versagen der Philosophie“ und der „Abdankung der Kultur“ im naturwissenschaftlichen Zeitalter hervor, eine Kritik, die das Weltbild des Schweitzer-Biographen wohl nachhaltig geprägt hat.

(…) Um die Mitte des neunzehnten Jahrhunderts, so stellt Schweitzer fest, habe die Abdankung der Kultur gegenüber der Wirklichkeit begonnen. Kampflos und lautlos habe sich dieses schicksalsschwere Ereignis vollzogen, und die meisten Zeitgenossen hätten es nicht einmal bemerkt. „Wie ging dies zu?“ fragt Schweitzer. Seine Anklage lautet klipp und klar: „Das Entscheidende war das Versagen der Philosophie.“

Nie hätte ich gedacht, daß der freundliche Professor mit dem etwas wirren vollen Haar und dem spitzbübischen Augenzwinkern eine so scharfe Klinge schlagen könnte. Schon um die Jahrhundertwende hatte er dem gedankenlosen Optimismus seiner Zeitgenossen nicht getraut, sondern tief beunruhigt die klaren Vorzeichen kommenden Unheils bemerkt. Der Erste Weltkrieg überraschte ihn darum nicht, sondern schien ihm nur die nun jedermann sichtbare Folge des fortschreitenden Kulturverfalls zu sein. Unmittelbar nach dem Kriege kündigte Schweitzer warnend eine zweite Katastrophe an. Die Selbstvernichtung der Kultur gehe weiter, erklärte er. Das, was von ihr noch stehe, sei nicht mehr sicher, ein neuer Erdrutsch könne es mitnehmen.

Und über drei Jahrzehnte später, als auch die zweite schmerzliche Prophezeiung sich erfüllt hat, stößt Albert Schweitzer dann zum dritten Male seine Warnung aus. Er steht, nun fast achtzig Jahre alt, schon sehr müde, aber doch immer noch aufrechterhalten vom Gefühl der Verantwortung für seine Mitmenschen, in der Aula der Universität Oslo und ruft aus:

„Wagen wir es, der Situation ins Gesicht zu sehen! Der Mensch ist zum Übermenschen geworden. Er ist nicht nur deshalb ein Übermensch, weil er über angeborene physische Kräfte verfügt, sondern weil er darüber hinaus, dank der Errungenschaften der Wissenschaft und Technik, die in der Natur schlummernden Kräfte beherrscht und zu nutzen versteht … Aber der Übermensch … hat sich nicht auf das Niveau übermenschlicher Vernunft erhoben, die dem Besitz übermenschlicher Kraft entsprechen sollte … Der Übermensch wird, im gleichen Maße wie seine Macht sich vergrößert, mehr und mehr ein armer, armer Mensch. Um sich nicht der Zerstörung, die von oben auf ihn herunterprasselt, völlig auszusetzen, muß er sich unter die Erde eingraben wie die Tiere des Feldes … Die wesentliche Tatsache, die unser Gewissen aufrütteln muß und der wir schon seit langer Zeit eingedenk sein sollten, ist, daß wir um so unmenschlicher werden, je mehr wir zu Übermenschen emporwachsen.“

Die Größe Albert Schweitzers zeigt sich nun darin, daß es ihm nicht genügte, seit Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts besorgt zu beobachten und zu diagnostizieren, sondern auch intensiv über Mittel zu ihrer Heilung nachzudenken. Woran lag es denn, daß die Philosophie des neunzehnten Jahrhunderts ihre führende kulturgründende Stellung eingebüßt hatte? Wie hatte es kommen können, daß die Naturwissenschaften mit ihrem Riesenkind Technik unmenschlich wurden? Schweitzer glaubte die Ursache des Leidens in einer wichtigen Mangelerscheinung gefunden zu haben: dem Fehlen ethischer Ideen, ohne die keine lebensbejahende, lebenserhaltende und lebensfördernde Kultur gedeihen könne. Aus der Erkenntnis der Welt, wie sie wirklich ist – und um diese Erkenntnis haben sich bisher Philosophie wie Naturwissenschaften hauptsächlich bemüht – sei allerdings keine ethische Weltanschauung zu gewinnen. (…)

Aus: Vorwort zu: Albert Schweitzer. Biographie. Hier zit. n. Neuausgabe 1979, S.8f.

Heller als tausend Sonnen (1956)

Wohl als erster hat Robert Jungk die Geschichte der Atombombe und ihrer Träger beschrieben. Die aus intensiven Recherchen und zahlreichen persönlichen Gesprächen mit Atomforschern zusammengetragenen, 1956 unter dem Titel »Heller als tausend Sonnen« erschienenen Reportagen mach(t)en deutlich, daß sich NaturwissenschaftlerInnen nicht länger auf ihre »Grundlagenforschung« berufen können, sondern Verantwortung zu tragen haben für die technischen, sozialen und politischen Folgen ihres Tuns. »Heller als tausend Sonnen« schildert detailreich den Werdegang der Atomforschung von den ersten Kernspaltungsversuchen über den Bau der ersten Atombombe bis hin zur Entwicklung der amerikanischen Wasserstoffbombe, zu der Präsident Truman 1950 den Startschuß gab.

Drei Widerstände waren es, die ich in fast allen diesen Unterhaltungen zu überwinden hatte. Erstens die Befürchtung des Befragten, durch seine Äußerungen einen oder mehrere seiner noch lebenden Kollegen zu verletzen. (…) Ein zweiter Einwand, den ich hörte, war der, daß ich als jemand, der selbst der »Familie der Atomphysiker« nicht angehörte, unmöglich ihre wahre Geschichte erfassen könnte. Das mochte am Anfang meiner Recherchen wirklich so sein. Je weiter ich aber in die Materie eindrang, desto klarer wurden mir die persönlichen und historischen Bezogenheiten dieser Menschen, ja es stellte sich heraus, daß ich schließlich mehr Übersicht über den Gesamtablauf dieses Schicksals einer besonders wichtigen und einflußreichen Gruppe besaß als die meisten einzelnen, die mir ihre Erlebnisse und Ansichten anvertrauten. Denn sie hatten ja – abgesehen von ganz wenigen Ausnahmen – nur den eigenen Abschnitt des Geschehens sehen können, während der Chronist aus seiner Kenntnis zahlloser Einzelheiten die Verknüpfung der Ergebnisse und ihre, den Handelnden selbst meist unbekannte, wechselseitige Einwirkung aufeinander übersah. Oft blieb es daher nicht nur bei einer Unterhaltung mit den Befragten. Ich mußte, geleitet durch die Angaben eines zweiten und dritten, wieder zu meinem ersten Unterredner zurück, um Klarheit über gewisse Punkte zu erhalten, die er selbst aus seiner mangelnden Kenntnis des Gesamtbildes für unwichtig gehalten und daher gar nicht erwähnt hatte.

Eine dritte Schwierigkeit, der ich begegnete, war die bei zahllosen Wissenschaftlern vorherrschende Einstellung, die private, die menschliche Geschichte der Wissenschaftler sei doch unwichtig. Was zähle, sei nur ihre objektive Leistung. Hier zeigte sich eine Haltung, die recht eigentlich viele der in diesem Buche beschriebenen Gewissensqualen und Tragödien heraufbeschworen hat. Der Wissenschaftler, der meint, daß er – oder seine Kollegen – nichts anderes sei als ein »Werkzeug der Erkenntnis«, dessen persönlicher Charakter, dessen Ambitionen, Hoffnungen und Zweifel »nichts bedeuteten«, denkt in Wahrheit unwissenschaftlich. Denn er ignoriert einen wichtigen, vielleicht den ausschlaggebenden Teil des wissenschaftlichen Experimentes, nämlich sich selbst, oder glaubt, ihn willkürlich ausschalten zu können. Nur durch diese künstliche, erzwungene und unnatürliche Loslösung der wissenschaftlichen Forschungsarbeit von der Wirklichkeit des einzelnen Menschen konnten ja überhaupt Monstren wie die Atom- und Wasserstoffbomben entstehen. (…)

Viele Forscher denken heute nicht mehr so. Sie wissen, daß sie nicht nur »Gehirne«, sondern ganze Menschen mit ihren Schwächen, ihrer Größe und ihrer Verantwortung sind. Dieser großen Gewissenskrise in ihrer Entstehung, im Versuch ihrer Meisterung nachzuforschen und sie dann trotz vieler einander widersprechender Aussagen so wahrheitsgetreu wie möglich aufzuschreiben, das war mein Bemühen.

Aus: Heller als tausend Sonnen. Das Schicksal der Atomforscher. Hier zit. nach Heyne-Neuausgabe, München 1990, S. 20-22.

In einer Neuauflage dieses Buches in den 60er Jahren würdigt Jungk insbesondere auch jene, die sich nicht nur sehr bald von der militärischen Nutzung der Atomspaltung distanzierten, sondern vor deren Gefahren auch öffentlich warnten, etwa im Zusammenschluß der von Albert Einstein und Bertrand Russel gegründeten Pugwash-Bewegung.

Im Juli 1957 trafen also hier in diesem altertümlichen Nest an der Meeresenge von Northumberland zweiundzwanzig »Männer guten Willens aus Ost und West« ein, um unter sich, ohne zu starren Stundenplan und vor allem ohne Einsichtnahme der Öffentlichkeit, also ohne Furcht vor Beobachtung, alle möglichen Wege für eine Atomabrüstung zu debattieren. Ähnliche Konferenzen finden seither jährlich ein- bis zweimal statt. Es gab Treffen in Kanada, England, Österreich, aber auch in der Sowjetunion, in Jugoslawien und den USA. Allen war die verhältnismäßig kleine Anzahl von Eingeladenen und die bewußte Ausschaltung von Presseberichterstattern gemeinsam.

An den »Pugwash-Treffen« nahmen aber nicht nur Atomphysiker, sondern auch Biologen, Völkerrechtler, Militärwissenschaftler, Soziologen, Historiker teil. Auf diese Weise werden bei diesen Veranstaltungen nicht nur Brücken von der »offenen Welt des freien Westens« zu der »geschlossenen und dirigierten Welt des Ostens« geschlagen, sondern auch wichtige und fruchtbare Verbindungen zwischen hochspezialisierten Wissensgebieten. Ohne besondere Absicht dienen diese Veranstaltungen damit dem heute überall spürbar werdenden Zug zu einem neuen Universalismus, der den »Fachmann« nur noch als eine besonders überentwickelte Seite des »ganzen Menschen« gelten läßt.

Die Referate und ein Teil der Debatten werden jeweils in einem Band gesammelt, der jedoch nicht in Buchform veröffentlicht, sondern nur als vertrauliches Zirkular an die Regierungen der mit Atomfragen beschäftigten Länder gesandt wird. Dies mag manchen Leuten als ein etwas mageres Resultat erscheinen. Aber geistige Erleuchtung kann nun einmal nicht so geschwind »angeknipst« werden wie elektrisches Licht. Neue Gedanken, die der durch die Kernspaltung und ihre Konsequenzen geschaffenen »radikal veränderten Wirklichkeit« gerecht werden, können nur allmählich entstehen. Auch sie müssen erst sorgfältig auf dem Versuchsfeld der Diskussion »getestet« werden, auch sie haben erst durch eine lange Reihe von Experimenten zu gehen, ehe sich ihre Richtigkeit erweist.

Noch langsamer vielleicht bewegt sich der »Strom«, der in solchen geistigen Zentralen erzeugt wird, durch die »Drähte« der Mitteilung in Zeitung, Zeitschrift, Buch und Gespräch. Ganz allmählich und auf kaum wahrnehmbare Weise dringen Ideen überall ein, werden Allgemeingut, bestimmen die Handlungsweise derer, die an der Macht sind.

Man hat oft ein wenig mitleidig, ja geradezu spöttisch über die Bemühungen der Wissenschaftler gesprochen, die versuchten, den in ihren Laboratorien geborenen Dämon »Atomwaffe« wieder zu zähmen. Aber versuchen wir uns einmal vorzustellen, was geschehen wäre, wenn die Atomwissenschaftler nach 1945 über die erschütternde Natur ihrer Erfindung geschwiegen hätten oder wenn sie gar auf diese ihre Leistung stolz gewesen wären. Dann hätte die Öffentlichkeit vielleicht den Untergang von Hiroshima fast ebenso schnell vergessen wie den Untergang von Coventry, Hamburg und Dresden. Das Publikum hätte nicht einmal geahnt, in welch neue Ära der unerhörten Gefahren es eingetreten war. Dies aber hätte bedeuten können, daß die Regierungen, ungehindert durch eine erschreckte und daher vorsichtig gewordene öffentliche Meinung, der Versuchung, gewisse »gordische Knoten« der Politik mit atomaren Schwertstreichen zu durchschlagen, nachgegeben hätten. Gewiß, die Atomforscher haben ihr Ziel einer wirklichen Kriegsächtung nicht erreicht. Aber sie haben doch durch ihre wiederholten Warnungen mehr als einmal fatale Ereignisse, die in einen neuen großen Krieg hineinzuführen scheinen, bremsen helfen.

Aus: Heller als tausend Sonnen. Das Schicksal der Atomforscher. Hier zit. nach Heyne-Neuausgabe, München 1990, S. 376f.

Strahlen aus der Asche (1958)

„Strahlen aus der Asche«, der 1958 erschienene, in viele Sprachen übersetzte Bericht Robert Jungks über die Folgen der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki wird zum mahnenden Zeugnis wider den Irrsinn des nuklearen Wettrüstens. Über zahlreiche Gespräche mit Überlebenden, den »hibakusha«, rekonstruiert der Autor das von der US-Army lange Zeit beschönigte Ausmaß der Zerstörung und schildert insbesondere die Langzeitfolgen der radioaktiven Verstrahlung. Drei kurze Textausschnitte sollen Einblick geben in dieses wichtige, im Grunde – so ist aus der Autobiographie Jungks zu erfahren – als Beitrag gegen die Mitte der 50er Jahre einsetzenden Atomwaffenaspirationen Westdeutschlands und das »kollektive Wegschauen« der Bürger verfaßte Buch (Trotzdem, S. 305f.). Der ungeschminkten Beschreibung der »Katastrophe« folgen Reflexionen über die Bedeutung von »Hiroshima« für die Anti-Kriegsbewegung sowie für Jungks weiteres politisches Engagement.

(…) Fotoreporter Haruo Hioshyi von Hiroshimas bedeutendster Lokalzeitung »Chugoku Shimbun« ist damals mit seiner Kamera kreuz und quer durch die verwüstete Stadt gezogen, aber auf den Auslöser drückte er nur ganz selten. „Ich schämte mich, im Bilde festzuhalten, was meine Augen da sehen mußten“, hat er mir später erklärt.

Hätte er seine edle Scheu nur überwunden! Der Nachwelt wäre dann eine zutreffendere Vorstellung von der Wirkung der »neuen Waffe« vermittelt worden, als es jene vielverbreiteten Fotos vermögen, die das Hiroshima nach der Katastrophe fast immer als menschenleere Trümmerwüste zeigen. Denn es war kein schneller, kein totaler Tod, kein Massenherzschlag, kein plötzliches Ende mit Schrecken, dem diese Stadt verfiel. Solch gnadenvoll geschwindes Auslöschen, wie es selbst gemeinen Verbrechern zuteil wird, ist den Männern, Frauen und Kindern von Hiroshima nicht gewährt worden. Sie waren zu qualvoller Agonie, zu Verstümmelung, zu endlosem Siechtum verurteilt. Nein, Hiroshima war während der ersten Stunden und auch noch Tage »danach« kein stiller Friedhof, nicht stumme Anklage nur, wie es die irreführenden Ruinenbilder vermuten lassen, sondern eine Stätte hunderttausendfacher Bewegung, millionenfacher Marter, morgens, mittags, abends erfüllt von Geheul, Geschrei, Gewimmer und verstümmeltem Gewimmel. Alle, die noch laufen, gehen, humpeln oder auch nur kriechen konnten, suchten nach irgend etwas: nach ein paar Tropfen Wasser, nach etwas Nahrung, nach Medizin, nach einem Arzt, nach den jämmerlichen Resten ihrer Habe, nach einem Unterschlupf. Und nach den Unzähligen, die nun nicht mehr leiden mußten, nach den Toten. (…)

(…) Viele Bewohner von Hiroshima können jetzt von sich sagen, ihre »Taschen seien warm« vom frischverdienten Geld. Fast jeden Abend gehen die großen Flutlichtlampen über dem diamantförmigen neuen Baseballstadion strahlend auf, und dennoch sind die Tribünen bei Nachtspielen fast immer ausverkauft. Hiroshima ist mit seinen 51 Lichtspieltheatern die Stadt mit der zweitgrößten »Kinodichte« Japans.

Sollte man, so fragen sich einige der eifrigsten Förderer des »neuen Hiroshima«, nun nicht einmal einen Strich unter die Vergangenheit ziehen und versuchen, »jenen Tag« endlich ganz zu vergessen? Sie würden am liebsten sogar das Symbol des »Pikadon«, das kahle Gerüst der »Atomkuppel« (die bisher nicht unter Denkmalschutz steht) abreißen, damit der Anblick dieser Ruine die zukunftsfreudigen Neubürger Hiroshimas nicht länger auf traurige Gedanken bringe.

Doch eine solche »Zerstörung der Zerstörung« würde gerade in Hiroshima ihren beruhigenden Zweck nicht erreichen. Überall sonst auf der Welt können sie vielleicht so tun, als sei der letzte Krieg schon ein Stück Geschichte, und daher sogar die Möglichkeit eines neuen Krieges in ihre Kalküle einbeziehen. Aber hier in Hiroshima hat die Vergangenheit noch nicht aufgehört, hier bringt sie sich unaufhörlich, mit jedem Strahlenkranken, dessen Leiden nach jahrelanger Gnadenfrist neu aufflackert, wieder in Erinnerung.

Hiroshima mahnt zum Frieden, nicht etwa, weil es das Wort »Heiwa« (Frieden) wie ein Reklameetikett auf alles und jedes klebt, sondern weil es eine ganz schwache Ahnung davon gibt, wie diese unsere Erde nach einem Atomkrieg aussehen würde. Es bliebe vermutlich keine völlig ausgestorbene, menschenleere Wüste zurück, sondern ein einziges, riesiges Spital, eine Welt der Kranken und Versehrten. Noch Jahrzehnte, Jahrhunderte nach dem letzten Schuß müßten die Überlebenden an einem Streit zugrunde gehen, dessen Ursachen sie oder ihre Nachkommen dann vermutlich schon längst vergessen haben.

Nicht die monumentalen Repräsentationsbauten sind Hiroshimas Mahnmale, sondern die Überlebenden, in deren Haut, Blut und Keimzellen die Erinnerung an »jenen Tag« eingebrannt ist. Sie sind die ersten Opfer einer ganz neuen Art von Krieg, der niemals durch Waffenstillstands- oder Friedensverträge abgeschlossen werden kann, des »Krieges ohne Ende«, der, über seine Gegenwart hinausgreifend, auch die Zukunft in den Kreis der Zerstörung hineinzieht. (…)

(…) Der Autor muß bekennen, daß die Bemühung, die Nachkriegsgeschichte Hiroshimas kennenzulernen und aufzuschreiben, auch seinem eigenen Leben einen neuen Sinn gegeben hat. Als ich nach Hiroshima reiste, kam ich als Reporter, der die interessante Geschichte einer fremden Stadt aufschreiben wollte. Aber je länger ich mich mit dieser Story beschäftigte, um so klarer wurde mir, daß ich nicht außerhalb und über ihr stand, sondern ein Teil von ihr war.

Auch ich bin nämlich ein »Überlebender«, der, wenn es das Schicksal nicht zufällig anders gewollt hätte, in einem der Massenvernichtungslager des Dritten Reiches umgekommen wäre. Und nun suchte ich am anderen Ende der Welt, am Rande Ostasiens, Antwort auf eine Frage, die mir mein eigenes Leben gestellt hatte. Diese Frage heißt: „Was haben wir, die Überlebenden des Zweiten Weltkriegs, bisher getan, um unsere Rettung zu rechtfertigen?“ Ich hatte die Tatsache, verschont geblieben zu sein, jahrelang genauso gedankenlos hingenommen wie viele andere. Dann aber traf ich die Atomopfer von Hiroshima und erhielt durch sie eine Vorahnung des neuen Unheils, das auf uns zukommt. Seither weiß ich, daß wir, die Generation derer, die »noch einmal davongekommen sind«, unsere ganze Kraft darauf verwenden müssen, daß unsere Kinder nicht nur so zufällig überleben wie wir. Finde jeder seinen Weg, für die Bewahrung des Lebens zu kämpfen. Nur ernst muß es ihm sein.

Aus: Strahlen aus der Asche. Geschichte einer Wiedergeburt. Hier zit. nach Heyne-Neuausgabe München 1990, S. 30f., S.312f., S. 317.

Drei Kräfte im Kampf gegen die atomare Gefahr (1961)

Immer weniger hält es Jungk am Schreibtisch. Er beteiligt sich an Demonstrationen und Kundgebungen, etwa an der Ostermarsch-Bewegung gegen die Atomrüstung. In unzähligen Versammlungen warnt er vor der atomaren Gefahr und ruft zum Widerstand auf. Der folgende Textausschnitt, der einer in einer JUSO-Broschüre festgehaltenen Rede aus dem Jahr 1960 entnommen ist, argumentiert an einem Beispiel gegen die Resignation der BürgerInnen gegenüber den Herrschenden und ihrer Militärtechnokratie, ein Anliegen, das immer stärker Jungks Äußerungen bestimmt und bereits den »Zukunftsdenker« andeutet. Als die »drei Kräfte im Kampf gegen die atomare Gefahr« benennt er Wissen, Kritik und Widerstand sowie die Gestaltung von Zukunftsentwürfen.

Liebe Freunde, vor allen Dingen auch liebe Freunde aus dem Ausland!

Manchmal kommt man sich sehr alleine vor und dann geschieht so etwas wie heute Abend hier. Das ist einmal, daß Freunde aus dem Ausland hier mit einem sitzen und daß man merkt, daß man nicht so allein ist, daß man Teil eines Freundschaftskreises ist, eines Kreises von Menschen, die es in der ganzen Welt heute gibt, die vernünftig sind und die es wagen, gegen zwei Dinge anzugehen : Einmal gegen die Regierungen, die sie verketzern, zum zweiten aber, und das scheint mir das Wichtigere, gegen die Resignation. Ich glaube, mehr noch als die Atombombe gefährdet uns heute die Resignation. Die Resignation, die uns einflüstert, es hat doch alles keinen Zweck. Die Zukunft entwickelt sich mechanisch, sie entwickelt sich, ohne daß wir etwas dazu tun können, um sie zu gestalten. Sie geht, sie treibt wie ein führerloses, jedenfalls nicht von uns gelenktes Schiff, wie ein Zug, der ins Dunkle rast, einem Ende zu, und wir haben gar keine Macht darüber, wir können nichts tun.

Der Anti-Atomkampf ist erfolgreich

Ich stehe nun hier, weil ich glaube, wir können etwas tun. Es ist nicht einfach, aber wir müssen es versuchen. Und es ist keineswegs so, wie viele Leute glauben, daß die Anti-Atombewegung bisher keine Erfolge hatte. Gäbe es die Anti-Atombewegung in der ganzen Welt nicht, so wären die Dinge heute schon viel weiter auf die Spitze getrieben, so wären wir vielleicht heute schon nicht mehr am Leben. Das klingt wie eine Behauptung nur, und ich möchte Ihnen dazu eine Geschichte erzählen, ein historisches Ereignis, das viel zu wenig bekannt ist. Ich selbst verdanke diese Information dem englischen Nobelpreisträger Philipp Noel-Baker. Er hat sie mir vor zwei Jahren auf der sogenannten Pugwash-Konferenz in Kitzbühel erzählt. (…)

Im Indochchina-Krieg war die Festung Dien-Bhien-Phu von Kommunisten belagert, die französische Besatzung war eingeschlossen und stand vor der Kapitulation. Damals hieß es in der ganzen Welt, wenn diese Festung fällt, dann fällt ganz Süd-Ostasien an den Kommunismus. Man sprach davon (in der Zeitschrift »Times« z.B. ), daß diese Festung wie ein Pfropfen in einem bereits unter schwerem Wasserdruck stehenden Damm steckt und daß man alles tun müsse, um zu verhindern, daß dieser Pfropfen herausspringe. Denn dann würde der ganze Damm gegen den Kommunismus zerstört und die Kommunistische Flut würde sich über ganz Asien ergießen. (Das ist nicht der Fall gewesen. Man spricht heute von ähnlichen Dingen im Zusammenhang mit Berlin. Man möchte immer gern übertreiben und behaupten, diese eine Sache hätte den Untergang der freien Welt zur Folge.)

Ein Atomkrieg wurde verhindert

In dieser, von der eigenen Propaganda hochgespielten Situation, in dieser psychologischen Lage, verlangte der französische Oberbefehlshaber, General Ely, von den Amerikanern eine taktische Atombombe zur Entlastung der belagerten Festung. Er wollte sie einsetzen, um dann in die Bresche hineinzuspringen und die Front wieder herzustellen und die Kommunisten wieder zu vertreiben. Sein Vorgesetzter in der Befehlslinie war Admiral Redford, der Chief of Joint Staff. Dieser amerikanische Admiral, ein Heißporn, hat damals von sich aus gleichfalls den Einsatz der taktischen Atombombe empfohlen. Er mußte sich aber glücklicherweise an Präsident Eisenhower wenden, und Eisenhower, an dem man viel kritisieren kann, hat doch in diesem einen Fall gezeigt, daß er ein überlegender Mensch ist. Ich bin nicht sicher, daß Truman so ruhig geblieben wäre. Er war jemand, der zu sehr brüsken Entschlüssen fähig war und manchmal sehr unvernünftige Entscheidungen getroffen hatte. Eisenhower hat sich diese Sache überlegt und sich gesagt, ich muß fairerweise zunächst einmal meine englischen Verbündeten konsultieren. Er hat Eden gefragt, ob die Engländer einverstanden wären, daß eine solche taktische Atombombe in Indochina eingesetzt würde. Und jetzt kommt der Punkt, auf den ich hinaus will. Jetzt kommt das, wovon ich sprechen möchte und weshalb bereits Erfolge der Anti-Atombewegung erzielt worden sind. Eden hat damals dem Präsidenten Eisenhower erklärt: „Selbst wenn der Einsatz dieser taktischen Bombe unsere Situation in Asien retten würde, kann ich den Einsatz dieser Bombe vom englischen Standpunkt aus nicht erlauben. Unsere öffentliche Meinung würde den Einsatz dieser Waffe nicht gutheißen können, und ich kann infolgedessen meine Zustimmung nicht geben.“

Ich erzähle Ihnen das, um Ihnen zu zeigen, daß die Atomgegner durch ihren Protest, durch ihren sichtbaren Widerstand gegen die Atomrüstung erreicht haben, daß ein konservativer, also ein ihnen parteimäßig entgegengesetzter Ministerpräsident, nicht wagen konnte, im Namen des englischen Volkes dem Einsatz einer Atomwaffe zuzustimmen. Hätte Eden sich damals einverstanden erklärt, wäre diese Bombe geworfen worden, und wir wären sofort in den Atomkrieg hineingeschlittert.

Aus: Robert Jungk / Fritz Vilmar: In der Todeskurve. Eigenverlag, Frankfurt 1961, S. 5-7.

Den Frieden antizipieren (1970)

Unter Hinwendung zu der in den 60er Jahren an Bedeutung gewinnenden Zukunftsforschung – 1965 gründet Robert Jungk sein erstes Institut für Zukunftsfragen in Wien – fordert der unermüdliche Mahner vor den Gefahren des nuklearen Wettrüstens zivile Lookout-Institutionen und Zukunftsprogramme zur Sicherung des Weltfriedens. „Wer den Frieden will, muß den Frieden vorbereiten und nicht den Krieg“, heißt es in einem 1970 erscheinenden Aufsatz, in dem Jungk sechs, sein Politikverständnis treffend widerspiegelnde Prioritäten für eine weltweite Friedensgestaltung anführt und einen »aktiven Pazifismus« einfordert.

(…) Wer den Frieden will, muß den Frieden vorbereiten und nicht den Krieg. Das heißt, der Mensch hat die Reihenfolge der Prioritäten, in denen er auf Grund seiner neuen Weltkenntnis handeln könnte, zu verändern und antizipatorisch Zielmodelle einer besseren Welt sowie Strategien, die zu ihrer Verwirklichung führen können, zu entwickeln: nicht nur mit konstruktiver Phantasie, sondern auch mit einem mit Datendichte, Konkretheit und Präzision befähigten Apparat. Nur wenn derartige konkrete, wahrscheinliche, mögliche, durch Fakten gestützte Modelle als Gegenstücke zu den Modellen der Denkfabriken wie Rand u.a.m. von friedlichen Denkfabriken entwickelt werden, wird es möglich sein, die Vorherrschaft des militärisch-industriellen Denkens wirksam zu bekämpfen. Vergessen wir eines nicht: nur derjenige, der Modelle formt, der sie so genau, so präzise und mit einem solchen Maß an Wissen und Brillianz zu formulieren versteht, wie es die Wirtschafts- und Militärstäbe heute können, deren Fähigkeiten man gar nicht hoch genug einschätzen kann, wird Einfluß gewinnen können. Heute ist es so, daß auf der einen Seite hochentwickelte, in der Technik außerordentlich brilliante und vorwärtsweisende Arbeit getan wird und auf der anderen dem nichts vergleichbares gegenübersteht; dadurch ist es beinahe unausweichlich, daß die Welt in eine große Kaserne verwandelt wird, daß die Welt nichts anderes mehr antizipieren kann als Konflikte (…). Es fragt sich nur: Wo sind die Gegenmodelle, wo die Gegenauffassungen?

Ich möchte hier nur anführen, welche Modelle, welche Zielvorstellungen von zivilen Institutionen von der Art, wie ich sie vorschlage, zuerst erarbeitet werden müßten. Dabei möchte ich eine andere Reihenfolge der Prioritäten anführen, als sie bis jetzt gültig ist.

  1. Die Beseitigung der Armut und des Hungers in der Welt.
  2. Die Weiterentwicklung der dritten Welt.
  3. Die Fragen der wirtschaftlichen und politischen Mitbestimmung weiter Kreise.
  4. Die Möglichkeit einer Hebung des Bildungsniveaus und damit eine Hebung der Entscheidungsfähigkeit vieler.
  5. Die Entwicklung sinnvoller Arbeitsmöglichkeiten in einer Epoche der Automation.
  6. Die Erfindung neuer Methoden der internationalen Zusammenarbeit zur friedlichen Lösung von Interessenkonflikten.

Zu allen diesen Vorschlägen, die von friedlichen Denkgruppen erarbeitet werden sollten, ließen sich ganz konkrete Gedanken äußern. Gewiß wurde darüber schon viel gesprochen, doch was ich vorschlage, ist eine neue Methode, und zwar in folgender Richtung:

1. Die Debatte über diese Themen muß auf einem höheren Niveau der Informiertheit erfolgen als bisher; sie müßte durch Institutionen unterstützt werden, die wie die Planungsstäbe von Industrie und Militär über eigene Möglichkeiten der selbständigen Datenaufnahme und Datenverarbeitung verfügen. Derartige »Lookout«-Institutionen, die ausschließlich nicht-kriegerischen Aufgaben zu dienen hätten, sind die unentbehrliche Voraussetzung konkreter Friedensplanung; sie sind längst überfällig.

2. Bei der Vorbereitung solcher Friedensmodelle und Friedensstrategien dürfte sich die Phantasie nicht von der Fülle der Fakten erdrücken lassen. Das Abhängigkeitsverhältnis des sozialen Erfinders von den Fakten wäre mit der des Bildhauers von seinem Material zu vergleichen, aber nur bis zu einem gewissen Punkt: denn durch die Herausarbeitung, durch die Erfindung neuer Konzepte könnte sich Material zur Verwertung erst anbieten, das bisher überhaupt nicht betrachtet wurde. Ich meine, daß z.B. gewisse psychologische Probleme und psychische Fakten heute von denen, die sich mit der Zukunft befassen, nicht als Fakten anerkannt werden, das ist ihnen zu »luftig«, das nehmen sie noch nicht wahr, und sie sehen nicht, daß sie diese psychologischen Gegebenheiten in ihre Modelle hineinnehmen müßten.

Gerade bei diesem Erfinden, bei dieser Kombination von Phantasie und Fakten bietet sich die Möglichkeit an, radikale, interessante, wenn man will, auch »verrückte« Ideen durchzuspielen mit diesem neuen Apparat, mit all diesen neuen Techniken, mit denen man versucht, zukünftige Situationen heute schon im Spiel, im Studium oder mit Hilfe von neuen Geräten faktisch und nah vorzustellen.

(…)

Aus: Antizipation des Friedens. In: Oskar Schatz (Hg.): Der Friede im nuklearen Zeitalter. Eine Kontroverse zwischen Realisten und Utopisten. München 1970, S. 188-190.

Der Atomstaat (1977)

Die Erkenntnis, daß friedliche und militärische Nutzung der Atomenergie nicht von einander zu trennen sind, macht Jungk zum Fürsprecher auch jener Bewegung, die sich Mitte der 70er Jahre mit dem Widerstand gegen neue Atomkraftwerke in der BRD bildet und unter dem Motto »Atomkraft – Nein danke« den generellen Ausstieg aus der Atomindustrie fordert. Das 1977 erscheinende Buch »Der Atomstaat« – es wurde 1994 übrigens ins Tschechische übersetzt – thematisiert die Risiken von Atomkraftwerken, Wiederaufbereitungsanlagen und Uranlagerstätten sowie die Auswirkungen der notwendigen »Schutzmaßnahmen« auf die demokratische Gesellschaftsordnung. »Atome für den Frieden« unterscheiden sich prinzipiell nicht von »Atomen für den Krieg« heißt es im Vorwort zu diesem Buch, das nicht nur durch die sich häufenden Fälle des Schmuggels von waffenfähigem Plutonium seine Aktualität behalten hat.

Mit der technischen Nutzbarmachung der Kernspaltung wurde der Sprung in eine ganz neue Dimension der Gewalt gewagt. Zuerst richtete sie sich nur gegen militärische Gegner. Heute gefährdet sie die eigenen Bürger. Denn »Atome für den Frieden« unterscheiden sich prinzipiell nicht von »Atomen für den Krieg«. Die erklärte Absicht, sie nur zu konstruktiven Zwecken zu benutzen, ändert nichts an dem lebensfeindlichen Charakter der neuen Energie. Die Bemühungen, diese Risiken zu beherrschen, können die Gefährdungen nur zu einem Teil steuern. Selbst die Befürworter müssen zugeben, daß es niemals gelingen wird, sie ganz auszuschließen. Der je nach Einstellung als kleiner oder größer anzusehende Rest von Unsicherheit birgt unter Umständen solch immenses Unheil, daß jeder bis dahin vielleicht gewonnene Nutzen daneben verblassen muß.

Nicht nur würde eine durch technisches Versagen, menschliche Unzulänglichkeit oder böswillige Einwirkung hervorgerufene Atomkatastrophe unmittelbar größten Schaden stiften, sondern über Jahrzehnte, Jahrhunderte, unter Umständen sogar Jahrtausende weiterwirken. Dieser Griff in die Zukunft, die Angst vor den Folgeschäden der außer Kontrolle geratenen Kernkraft, wird zur größten denkbaren Belastung der Menschheit, sei es als Giftspur, die unauslöschlich bleibt, sei es auch nur als Schatten einer Sorge, die niemals weichen wird.

Solch dunkle Möglichkeiten müssen auch den Befürwortern der Atomindustrie bekannt sein. Sie sind allerdings überzeugt, sich und ihre Mitbürger schützen zu können, indem sie Sicherheitsmaßnahmen einführen, wie sie es nie zuvor gab. Müßte dieser Schutz nur technischer Natur sein, dann wäre er vor allem ein Problem der Ingenieure und – wegen seiner besonders hohen Kosten – der Ökonomen. Aber diese Erfindung der Menschen muß ja zudem so streng wie keine andere vor den Menschen selbst bewahrt werden: vor ihren Irrtümern, ihren Schwächen, ihrem Ärger, ihrer List, ihrer Machtgier, ihrem Haß. Wollte man versuchen, die Kernkraftanlagen dagegen völlig immun zu machen, so wäre die unausweichliche Folge ein Leben voll Verboten, Überprüfungen und Zwängen, die in der Größe der unbedingt zu vermeidenden Gefahren ihre Rechtfertigung suchen würden.

Diese Konsequenzen klarzustellen und über sie nachzudenken, ist sowohl für die Gesellschaft wie für jeden einzelnen dringlich, da die sozialen und politischen Wirkungen der Kernkraft bisher hinter dem Studium der biologischen und ökologischen Effekte zurückstanden. Die folgende Schrift will dazu den Anstoß geben. Sie ist in Angst und Zorn geschrieben. In Angst um den drohenden Verlust von Freiheit und Menschlichkeit. In Zorn gegen jene, die bereit sind, diese höchsten Güter für Gewinn und Konsum aufzugeben. Man wird mit Sicherheit den Einwand erheben, über diese Problematik müsse ohne Emotionen geschrieben und gesprochen werden. Das ist die heutige Version der biedermeierlichen Beschwichtigung: „Ruhe ist die erste Bürgerpflicht.“ Wer den Ungeheuerlichkeiten, die der Eintritt in die Plutoniumzukunft mit sich bringen muß, nur mit kühlem Verstand, ohne Mitgefühl, Furcht und Erregung begegnet, wirkt an ihrer Verharmlosung mit. Es gibt Situationen, in denen die Kraft der Gefühle mithelfen muß, eine Entwicklung zu steuern und das zu verhindern, was nüchterne, aber falsche Berechnung in Gang gesetzt hat.

Auf solch einer irrigen Kalkulation beruhte die Vorstellung, daß die zerstörerische Wirkung der Atombombe – wenn überhaupt – nur in Auseinandersetzungen zwischen Staaten ins Spiel gebracht würde. Seit kurzem aber müssen wir auf Grund eingehender Untersuchungen annehmen, daß auch innergesellschaftliche Konflikte die gefürchtete »nukleare Schwelle« einmal überschreiten könnten. Atomsabotage und Atomterror können nicht mehr ausgeschlossen werden, sobald die Menge der bei der Kernkraftproduktion anfallenden Spaltstoffe immer größer wird. Und das wird schon sehr bald der Fall sein. Besonders erschreckend ist die Einsicht, daß Gangster, Putschisten oder Terroristen mit einer solchen Waffe, wenn sie einmal in ihre Hände geriete, vermutlich viel skrupelloser umgehen würden als Staatsmänner und Generalstäbler. Die radikale Atomabrüstung, die unmittelbar nach den Schreckensstunden von Hiroshima und Nagasaki verlangt wurde, müßte daher jetzt, da die Ausweitung der »friedlichen Kernkraft« das Risiko von Atom-Bürgerkriegen näherbringt, mit noch weitaus berechtigterer Sorge gefordert werden.

Nur wer sich Illusionen über die nukleare Zukunft hingibt, kann alle Gefahren des Mißbrauchs ausschließen. Die Vision von der perfekten inneren Sicherheit ist ein pures Wunschgebilde. (…)

Aus: Der Atomstaat. Vom Fortschritt in die Unmenschlichkeit. Hier zit. nach rororo-TB-Ausgabe, Hamburg 1979, S. 9-11.

Die Sehnsucht nach Frieden (1981)

Frieden kann nur von unten geschaffen werden. Diese tiefe Überzeugung bezieht Robert Jungk insbesondere auf die Entspannung zwischen Ost und West sowie die Überwindung des Kalten Krieges. „Wenn es in den letzten 25 Jahren doch wenigsten Ansätze zu einer Entspannung und erste, wenn auch ganz ungenügende Kontroll- und Begrenzungsabkommen gegeben hat“, so führt er in einem von Stefan Hermlin einberufenen Treffen deutscher SchriftstellerInnen aus Ost und West im Jahr 1981 aus, „dann war dies weitgehend eine Folge all jener Kontakte, Initiativen, Gespräche und Konzepte, die von – und das ist wichtig – Nichtdiplomaten, von politischen Amateuren eingeleitet und fortgeführt wurden“. In seiner Rede bei diesem Treffen, das zu den Geburtsstunden der neuen Friedensbewegung der 80er Jahre zählt, weist Jungk auf die Notwendigkeit einer kritischen Gegenöffentlichkeit in Ost und West hin, er scheut dabei nicht, auch Kritik am Gastgeberland DDR zu üben. Im zweiten hier ausgewählten Ausschnitt der Rede warnt Jungk die Friedensbewegung davor, sich auf die Irrlogik des Raketenzählens der »Westentaschenstrategen« einzulassen.

(…) Die Menschen sind aufmerksamer geworden, sie sind klüger geworden, sie lassen sich nicht mehr irreleiten. Sie wissen, was geschieht, und sie haben Erfahrungen. Und es gibt heute fast niemanden mehr, der das nicht wüßte, der nicht erfahren hätte, daß ein Krieg, wenn er heute stattfinden würde, ein Krieg wäre, der nicht wie die früheren Kriege einmal wieder überwunden werden könnte, sondern dessen Folgen Jahrhunderte, Jahrtausende dauern, ja vielleicht das Ende der Geschichte bedeuten würde. All das wissen die Menschen heute. Und weshalb wissen sie es? Ich glaube, sie wissen es, weil doch in den letzten zehn, zwanzig Jahren eine ganze Reihe von Kommunikationsnetzen über die Erde gespannt worden sind. Es gibt die offiziellen Kommunikationsnetze des Radios und des Fernsehens, es gibt aber auch, und das halte ich für so wichtig, die vielen inoffiziellen Kommunikationsnetze. Es gibt die Kommunikationsnetze der Freunde in Ost und West, es gibt die unsichtbaren Kommunikationsnetze von einem Land zum anderen, in denen man sich zuflüstert, wie es wirklich aussieht.

Es hat sich im Westen – ich kann das nicht in bezug auf Ihr Land beurteilen, aber es wäre gut, wenn es das auch hier geben könnte – so etwas wie eine Gegenöffentlichkeit zu entwickeln begonnen, die dadurch, daß sie das sagt, was die offiziellen Kommunikationsnetze nicht wagen zu sagen, echtes Vertrauen bildet, weil sie die unterschlagene Wahrheit bekanntmacht. Wenn ich nämlich das Wort »Vertrauen« höre und gleichzeitig weiß, daß schon ein kritisches Wort bestraft werden kann, dann habe ich zu denjenigen, die ein solches kritisches Wort bestrafen, kein Vertrauen mehr, und das ist doch wohl verständlich. (…)

(…) Ich meine aber, wir würden zu wenig tun, wenn wir hier diese strategischen Spiele weiterspielen würden, wenn wir uns als Westentaschenstrategen verstehen würden. Ich meine, was wir hier entwickeln sollten, wäre doch etwas, was uns immanent fehlt. Es wäre humanistische Phantasie, und es wäre etwas, was in Diskussionen fast überhaupt nicht mehr vorkommt, nämlich Menschlichkeit. Menschlichkeit steckt nicht in Zahlen und Statistiken und Aufrechnungen, die man der einen oder anderen Seite macht. Menschlichkeit bedeutet Mitleid, bedeutet Zärtlichkeit, bedeutet die Beobachtung des Gesichts des Menschen, das bedeutet in der Vorstellung die Vorausnahme des schrecklichen Schicksals der Menschen, wenn wir diese Menschen aus Fleisch und Blut über den Waffen und über dem strategischen Kalkül vergessen. Im Mittelpunkt dieser Veranstaltung sollte der Mensch, sollten die Menschen und ihre Aktionen stehen. Und es tut mir eigentlich leid, daß in einem Land wie der DDR – bei diesem Treffen – es nicht auch zu einer Begegnung mit durchschnittlichen Menschen kommen kann, mit diesen Menschen, mit diesem Volk, das die schwersten Opfer tragen muß, wenn es zu einem Krieg kommt, mit diesem Volk, dessen Sehnsucht nach Frieden so stark ist und dessen Sehnsucht so wachsen muß, daß der Krieg vielleicht verhindert werden kann. (…)

Aus: Berliner Begegnungen zur Friedensförderung. Protokolle des Schriftstellertreffens vom 13./14. Dezember 1981. Hier zit. nach Zukunft zwischen Angst und Hoffnung. Heyne, München 1990, S. 246-249.

Menschenbeben (1983)

Vorne mit dabei ist Robert Jungk auch, als sich der Widerstand gegen die geplante Stationierung neuer atomarer »Mittelstreckenraketen« in ganz Westeuropa zur breiten Massenbewegung formiert. Er setzt große Hoffnungen in diese »Überlebensbewegung«, die sich in den Demonstrationen Hunderttausender in vielen europäischen Städten ebenso manifestiert wie in den gewaltfreien Blockadeaktionen an den Stationierungsorten wie Mutlangen, Greenham Common oder Comiso. »Menschenbeben« lautet der Titel jenes Buches, in dem Jungk sehr ergreifend diesen Widerstand als Beteiligter und engagierter Beobachter dokumentiert. In der Einleitung zu »Menschenbeben« weist Jungk auf das allmähliche Wanken der alten Festungen der Militärtechnokratien hin und hofft insbesondere auf die Abspringer, Umkehrer und Umdenker innerhalb der Herrschaftssysteme.

(…) Ich habe mich auf die Suche gemacht nach all jenen Orten, an denen sich der Protest am eindrucksvollsten manifestierte, wollte Menschen finden, die sich von den scheinbar erstarkten politischen und technischen Machtsystemen nicht länger einschüchtern ließen, hoffte, deutliche Anzeichen für eine mögliche Rettung aus der großen Not zu entdecken.

Jetzt, da ich diesen Erfahrungsbericht niederschreibe, bin ich trotz mancher Enttäuschungen zuversichtlicher als zu Beginn meiner »Expedition«. Die sich so stark geben, sind in Wahrheit schwächer als sie auftreten, und diejenigen, die meinen, sie seien zur Ohnmacht verurteilt, sind stärker als sie vermuten. Die Mächtigen von heute sind geplagt von inneren Widersprüchen, verwirrt durch Irrtümer, tief verunsichert von nagenden Zweifeln. Sie können keine anziehenden, glaubhaften Zukunftsbilder mehr entwerfen, weil sie nur noch so tun, als glaubten sie an ihre Schlagworte vom unversiegbaren Reichtum, an ihre Versprechung demokratischer Freiheit, die sie selber ständig verletzen.

Diese innere Gefährdung der Herrschaftsysteme nimmt in dem Maße zu, wie das tägliche Umfeld, in dem sie leben, ihnen feindlicher wird. Die zunehmende Ablehnung der Bevölkerung genügt zwar noch nicht, die Organisationen und Installationen, durch die sie sich gefährdet sieht, zu beseitigen. Aber sie reicht jetzt schon aus, die »weichen Bestandteile« dieser harten Apparate, nämlich ihre denkenden und manchmal auch fühlenden Mitarbeiter, zunehmend zu beeinflussen. Die Ministerien, Verwaltungsgebäude, Kasernen, Kraftwerke, Chemiefabriken, Startbahnen, Manövergelände, Arsenale, Testanlagen, Raketenstellungen, Sende- und Lauscheinrichtungen, Laboratorien und Deponien werden physisch immer stärker befestigt und isoliert. Doch die Insassen dieser heutigen Festungen und Sperrkreise können nicht so vollständig abgeschirmt werden, daß jeder Einfluß von ihnen ferngehalten wird.

Im Brüsseler Hauptquartier der NATO sah ich auffällige Warnplakate angeschlagen, in denen für einen zum internen Gebrauch hergestellten Walt-Disney-Film geworben wurde. Sein Thema: die eindringlichste Warnung an das Personal vor schädlichen Außeneinflüssen. Dieser Isolierungsversuch und viele andere sind ziemlich aussichtslos. Man kann Menschen vielleicht gegen feindliche Ideologien immun machen. Aber ihren Lebensinstinkt wird man nicht dauerhaft betäuben, ihren Überlebenswillen nicht für immer brechen können. (…)

„Eine von uns, die sich kompromißlos für den Frieden einsetzen kann, hat das Gewicht von mindestens zehntausend anderen Frauen, die nicht so weit gehen wollen“, sagte mir eine der Engländerinnen, die seit vielen Monaten den amerikanischen Luftstützpunkt Greenham Common belagern. Das klingt überheblich, aber sie brachte es mit so ruhiger Selbstverständlichkeit hervor, daß ich tief beeindruckt war.

Nicht nur Zerstörer leben unter uns, sondern auch Lebensretter. Wüchse ihre Zahl so sehr, daß sie die künftige Entwicklung entscheidend beeinflussen, dann könnte ihnen glücken, was Revolutionen bisher noch nie gelang: die Besserung der Verhältnisse durch die Besserung der Menschen. Ein großes Beben geht durch die ganze Welt. In immer neuen Stößen erschüttert es das Bestehende. Und wenn es auch vorübergehend zu verebben scheint, irgendwo und irgendwann hebt sich der Boden abermals. Die Angst, der Zorn und die Hoffnung der Bedrohten schaffen unaufhörlich Unruhe. Das ist ein andauerndes und weit umfassenderes Phänomen als die bisherigen Revolutionen. Ich nenne es »Menschenbeben«.

Aus: Menschenbeben. Der Aufstand gegen das Unerträgliche. Bertelsmann, München 1983, S. 12-14.

Es geht auch ohne Waffenproduktion (1984)

Die Verquickung von Rüstung und Wirtschaftsinteressen sind mehrfach Thema in Robert Jungks Stellungnahmen. So setzt er Hoffnungen in Rüstungskonversionsinitiativen, die nur durch die Einbindung der Arbeiterschaft und Gewerkschaften in die Friedensbewegung gelingen könnte. In einem Beitrag für den Fischer Öko-Almanach berichtet Jungk von ersten, konkreten Konversionsprojekten, zeigt aber auch die Schwierigkeiten der Umsetzung auf. Die Konversion der Waffen könne nur erfolgreich sein, wenn es zugleich zu einer grundlegenden »geistigen Konversion« komme, so der Tenor des folgenden Textausschnitts.

Es geht also bei der »Friedens-Konversion« um mehr als um Abrüstung. Auch um mehr als um wirtschaftliche Umverteilung, nämlich um eine viel umfassendere »Bekehrung« von einem harten an Quantität, Erfolg und Machtzuwachs orientierten Wirtschafts-(und Lebens-)stil zu einer allmählichen Verbesserung der Lebensqualität, die auf einer grundlegend anderen Haltung und Zielsetzung basierend einen Frieden anstrebt, in dem der Krieg des Menschen gegen die Natur, die Aggression des Stärkeren gegen den Schwächeren, die Macht der Wenigen über die Vielen abgebaut wird.


05.07.2025

Dossier 20
Robert Jungk zum Widerstand gegen Atomrüstung, Krieg und Gewalt und für eine humane Zukunft „Der Aufstand gegen das Unerträgliche“    (II von II)


Rüstung wird in diesem Zusammenhang als die unaufhörlich weitergehende Zuspitzung eines in permanenter Unruhe lebenden Systems verstanden, das ohne Drohung, Druck und Zerstörung nicht existieren zu können meint. Solange diese periodisch wiederkehrenden Vernichtungsperioden noch neue Prosperität vorbereiteten und nachfolgende Epochen des Aufbaus und der Regeneration ermöglichten, wurden sie weitgehend hingenommen und nur von Minderheiten bekämpft. Die ganz andere neue und einzigartige Situation im Atom- und Raketenzeitalter ist darin zu sehen, daß nun bei einem größeren Konflikt mit großer Wahrscheinlichkeit unumkehrbare, nie wiedergutzumachende Schädigungen entstehen, so daß das gewohnte Wechselspiel von Krieg und Frieden dann nicht mehr weitergehen kann.

Diese besondere Lage muß bedacht werden, wenn man über die konkreten und praktischen Möglichkeiten der Rüstungskonversion spricht. Sie ist – darüber soll man sich nicht täuschen, darüber auch nicht verzweifeln – bisher noch nicht mehr als zweidimensionale »Wirklichkeit«. Denn sie existiert zwar in Entwürfen und Plänen, im Druck und auf Papier, als Vorstellung und immer häufiger auch als Wille. Wer aber nach greifbaren Resultaten Ausschau hält, das heißt nach einstigen Waffenschmieden, in denen tatsächlich schon Pflugscharen statt Schwerter hergestellt werden, der sucht vergeblich. All die hoffnungserregenden Konversionsmodelle, die in den Büchern, Artikeln und Debatten vorgestellt werden, sind bisher »Luftschlösser« geblieben. Es fehlte zu ihrer Verwirklichung an Geldmitteln, an entschlossenen Promotoren, an weitsichtigen Förderern, an opferbereiten Mitarbeitern. (…)

Ist »Rüstungskonversion« also vielleicht nichts anderes als eine der vielen utopischen Ideen, die an der Praxis scheitern müssen? Das könnte so ausgehen, muß aber nicht. Denn hier kommt den Vorkämpfern dieses Gedankens vielleicht nun die außerordentliche Weltsituation (…) zu Hilfe und zeitigt außergewöhnliche Entwicklungen. Denn die Aufklärungsarbeit der Friedensbewegung hat inzwischen sowohl Arbeitnehmer wie Arbeitgeber erfaßt. Die einen wie die anderen beginnen sich darüber klar zu werden, daß entweder die durch Rüstung, Nachrüstung, Nachnachrüstung, Nachnachnachrüstung usw. enorm gesteigerte Verschwendung von Geldmitteln und Ressourcen oder ein Versagen der Kontrollen zur Beherrschung der immer komplexeren und potenteren Waffensysteme uns alle – auch die Entscheidungsträger! – in Katastrophen von unerhörter Dimension und praktisch unbegrenzten Nachwirkungen hineinführen müssen. In dem Maße, wie diese dunklen Möglichkeiten immer wahrscheinlicher werden, setzt eine Konversion ganz anderer Art in den großen Herrschaftsapparaten der Arbeitnehmer wie der Arbeitgeber ein. Es handelt sich um eine geistige Konversion, wie sie oft bei einzelnen in besonders kritischen Situationen bei Todeskrankheit oder Todesgefahr plötzlich eintreten kann.

Eine solche »Umkehr« der Machteliten wäre so gut wie sicher, sobald das Furchtbare tatsächlich eintrete. Nur käme sie dann zu spät. Die Hoffnung, daß Einsichtige die Katastrophe antizipierend die »Sachzwänge«, in deren Griff sie zu sein meinen, plötzlich abschütteln, und mit ihren bisherigen Gewohnheiten brechend einen radikal anderen Weg einschlagen, darf nicht in routinierter Skepsis einfach als »unwahrscheinlich« abgetan werden. Vielmehr sollten diejenigen, die schon jetzt erkannt haben, daß es »unmöglich weitergehen kann«, sich besonders um die scheinbar Unbelehrbaren bemühen, wissend, daß auch in vielen von diesen äußerlich so sicher auftretenden heute schon Zweifel rumoren. Davon können ihre Psychiater berichten, weil sie gelegentlich Einsicht in das haben, was »hinter der Maske« vorgeht.

Eine Art Schrittmacherfunktion im Konversionsprozeß hat heute schon die Wirtschaftskrise. Sachverständige bei Unternehmern wie bei Arbeitgebern beginnen zu erkennen, daß Rüstung nicht Arbeitsplätze schafft, sondern vernichtet, weil sie einen wachsenden Teil des finanziellen und geistigen Kapitals der Gesellschaften der Wirtschaft und allen sozialen oder humanisierenden Bemühungen entzieht, um sie an eine letztlich unproduktive Aufgabe zu verschwenden. Wachsende Rationalisierung, die besonders in der Rüstungsindustrie vorangetrieben wird, ist eine der Folgen des Kapitalmangels und führt zu immer unerträglicher werdender struktureller Arbeitslosigkeit. Da die Mittel zur Unterstützung der gewaltig wachsenden Zahl von »Unproduktiven« auf die Dauer nicht ausreichen werden, muß dann endlich ernsthaft über neue »sozial nützliche« Arbeitsbeschaffung nachgedacht werden.

(…)

Eine »Garantie« dafür, daß ein solcher Umschlag tatsächlich eintritt, gibt es selbstverständlich nicht. Denkbar, ja sogar wahrscheinlicher ist die »erprobte Lösung« der Diktatur kleiner Machteliten, die mit der Verelendung und vielleicht sogar dem Untergang zahlloser Menschen in allen Teilen der Welt (UNO-Prognosen sprechen von einer Milliarde Arbeitslosen im Jahre 2000!) bezahlt werden müßte. Ein solcher »Technofaschismus« (im Westen wie im Osten) ist aufgrund der »Verbesserung« der nach innen gerichteten Waffen der Unterdrückung der »inneren Nachrüstung« also durchaus möglich und eine Weile haltbar. Nur dürfte er – wenn geschichtliche Erfahrungen und sozialpsychologische Erkenntnisse richtig sind – durch Konflikte an der Spitze sich dann doch früher oder später selbst ruinieren.

Damit es zu einer solchen Entwicklung nicht erst kommt, wird das von einer Friedensbewegung sich zu einer Überlebensbewegung und Erneuerungsbewegung hin entwickelnde »Menschenbeben« eine Stärke und Dauer entwickeln müssen, die der Größe und Einzigartigkeit der alle heute und in Zukunft Lebenden bedrängenden Gefahren entsprechen sollte. Auch hier müßte eine »Konversion« eintreten, die resignierte, passiv gewordene, verwöhnte, egoistisch, kurzfristig denkende Zeitgenossen so wandelt, daß sie die Prüfungen der Zukunft nicht nur ertragen lernen, sondern hoffend auf Geburtswehen einer menschlicheren Gesellschaft verstehen und durchstehen.

Aus: Es geht auch ohne Waffenproduktion. In: Fischer Öko-Almanach 84/85. Frankfurt 1984, S. 353-359.

40 Jahre Hiroshima (1985)

Mit Recht wird Robert Jungk als Mitbegründer des kritischen Wissenschaftsjournalismus im deutschsprachigen Raum bezeichnet. Einen eindrucksvollen Eindruck in sein Denken geben die Kolumnen, die er seit 1972 regelmäßig für die Zeitschrift »bild der wissenschaft« verfaßt, bis ihm 1987 aufgrund seiner kritischen Beiträge auch gegen die sogenannte »friedliche« Nutzung der Atomenergie die Zusammenarbeit aufgekündigt wird. Stellvertretend für die vielen, unter dem Titel »Und Wasser bricht den Stein« 1986 gesammelt herausgegebenen Berichte und Kommentare, die immer wieder auch zu Rüstungsfragen Stellung nehmen, sind Ausschnitte aus seinen Reflexionen zu »40 Jahre Hiroshima« vorgestellt, in denen Jungk u.a. die sozialpsychologischen Aspekte der Atombombe und ihrer Erbauer analysiert und zugleich eine neue, lebensbejahende Forschung und Technik einfordert.

(…) Von den zahlreichen Büchern, die sich mit den Atomphysikern beschäftigt haben, hat mir das Werk des an der University of Sussex lehrenden Physikers und Psychologen Brian Easlea mit dem Titel »Fathering the Unthinkable« die überraschendste Aufklärung vermittelt. Der Autor, dessen Arbeit von seinen Berufskollegen als »peinlich« verketzert wurde, versucht darin nachzuweisen, daß die Atombombe das Endprodukt des Männlichkeitswahns sei, der sich aus Neid und Schwäche die weibliche Natur unterwerfen wolle. Er zeigt an der Ausdruckswiese der Forscher, die voller sexueller Anspielungen ist, wie sehr ihre ganz privaten Probleme zur Antriebskraft ihrer grandiosen und zugleich monströsen Leistungen wurden.

So ist es für ihn kein Zufall, daß Oppenheimer und Teller als die »Väter« der Atom- und Wasserstoffbombe bezeichnet werden, daß die Hiroshimabombe »Little Boy« getauft wurde und Teller auch die erste erfolgreiche Zündung der H-Bombe mit dem Jubeltelegramm „It's a boy“ („Es ist ein Knabe“) meldete.

Es war also eine Art Geburtstagsfest, das vor vierzig Jahren in Los Alamos gefeiert wurde, und nur wenige unter den Teilnehmern ahnten damals schon, daß letztlich auch sie selber Opfer ihrer ohne weibliche Hilfe zustandegekommenen »Geschöpfe« werden würden. Zunächst allerdings durften sie ihren Triumph, ihren frischen Ruhm, ihre neugewonnene Stellung in der Gesellschaft genießen. Sie wurden gefeiert, umworben, als Angehörige des plötzlich wichtigsten, einflußreichsten Berufsstandes beneidet. Erst nach und nach entdeckten sie, daß man sie auch fürchtete, ja sogar haßte, und daß man ihnen nur schmeichelte, um sich ihrer zu bedienen.

Die Vorstellung einiger der hervorragendsten Rüstungsforscher, daß sie nun nach dieser kriegerischen Episode wieder zu ihrer ruhigen selbstbestimmten Wahrheitssuche zurückkehren könnten, erwies sich sehr schnell als Illusion. Denn der so erfolgreiche neue Forschungsstil, den sie geschaffen hatten, nahm ihnen die alte Freiheit. Individuelle Forschung mit »Wachs und Bindfaden« – das war nicht mehr »in« und nun kaum mehr möglich. Die in den Rüstungslaboratorien entstandenen »Projektwissenschaften« mit ihrem Teamwork, ihren kostspieligen Instrumenten, ihrer straffen Organisation waren ohne staatliche Mittel nicht lebensfähig. Damit aber mußte der Einfluß von Instanzen wachsen, denen es in erster Linie nicht um Wahrheit, sondern um Macht ging, nicht um Erkenntnisse, sondern Erzeugnisse. Für die Freiheit angetreten, hatten die Forscher ihre Freiheit verloren.

Das »Manhattan Project«, dessen erfolgreicher Abschluß die meilenhohen Rauchpilze und Menschenhetakomben von Hiroshima und Nagasaki waren, hatte gezeigt, daß bei gezieltem Einsatz von genügend intelligenten Köpfen, Instrumenten und Geldmitteln Erfindungen in beschleunigtem Tempo erzwungen werden konnten. Diese Einsicht war fast so wichtig – manche meinten, sogar noch wichtiger – wie das Produkt, die neue Superwaffe. Denn diese Entwicklung schien zu verheißen, daß der wissenschaftlich-technische Fortschritt in Zukunft keinem glücklichen Zufall mehr überlassen werden müsse, sondern systematisch erzeugbar sei.

In einer Gesellschaft, deren Entscheidungsträger gewillt wären, diese neue gesellschaftliche Antriebskraft für lebenserhaltende Ziele einzusetzen, könne eine solche geplante und organisierte Kollektivforschung allgemeinen Wohlstand und Frieden bringen – so sah der Traum der Projektforscher in West und Ost aus. Aber sie rechneten in ihrer politischen Unerfahrenheit nicht damit, daß diese perfektionierten »Fortschrittsmaschinen« in ganz andere Richtungen gelenkt würden, nämlich zu jenen Bestimmungen, denen sie ihr Entstehen und ihre ersten Bewährungsproben verdankten: der Herstellung von militärischer, staatlicher, wirtschaftlicher Macht.

So ist vierzig Jahre nach Hiroshima die große Mehrheit derer, die sich der Forschung und Entwicklung widmen, unmittelbar auch in zahlreichen mittleren oder kleineren aus öffentlichen oder industriellen Quellen unterstützten Laboratorien, zu Mitarbeitern an Vorhaben geworden, die sie persönlich nicht gutheißen können. Aber es bleibt ihnen, wenn sie nicht »Aussteiger« oder »Eigenbrötler« werden wollen, nichts anderes übrig, als an Arbeiten mitzuwirken, auf deren Nutzung sie wenig oder gar keinen Einfluß haben, ja deren Zielsetzung sie oft nicht einmal kennen. (…)

Der nukleare Rüstungswettlauf, dessen dröhnendes Startsignal die Katastrophe vom 6. August 1945 war, hat inzwischen ungleich weitergreifende, noch radikaler wirkende Massenzerstörungsmittel hervorgebracht als den »kleinen Jungen« von damals: bösartige Riesen, reißende Ungeheuer, Heuschreckenschwärme und Vernichtung. (…)

Die »Bombe« – und das ist wohl ihre tiefste Wirkung – hat die Menschen so sehr verunsichert wie nichts zuvor. Die Zukunft – seit jeher als Zeit der Hoffnung empfunden – ist nun mit Furcht und Schrecken besetzt. Diese dunkle Wolke am Horizont einer jeden bewußten Existenz kann, ja muß immer wieder zeitweilig vergessen werden. Verschwinden könnte sie nur, wenn etwas ähnlich Einmaliges und Unerhörtes geschähe wie die Entdeckung der Atomkernspaltung und die dann daraus folgende Entwicklung von »endgültigen Waffen«.

Es ist aus solcher Überlegung heraus in Forscherkreisen immer häufiger von einem großen »Projekt« die Rede, das durch eine Zusammenführung von Wissenschaftlern vieler Disziplinen und Nationen in einem »crash program« überzeugende Lösungen zur Verhütung des atomaren Holocaust entwickeln sollte.

Doch halt: Ist dies nicht einmal mehr der Ausdruck jenes Geistes, der alles für machbar hält? Kommt da nicht wiederum jener typisch maskuline Hochmut zum Ausdruck, den Brian Easlea als eine Art »Erbsünde« der neuzeitlichen Wissenschaft ansieht? Ein solches »Anti-Hiroshima-Programm« wird trotz derartiger Bedenken vermutlich nicht in allzu ferner Zukunft versucht werden. Es entspricht eben einer Mentalität, die Mitte des siebzehnten Jahrhunderts begonnen hat. Und sie hat in der Tat erstaunliche, im letzten halben Jahrhundert allerdings auch immer öfter abscheuliche Resultate gezeitigt.

Kann man denn Geschichte »machen«? Ist das Schicksal beherrschbar? Wird man es beeinflussen, ja sogar steuern können? Ganz auszuschließen ist das nicht. Und wenn die vielfachen Krisen, die unsere »p.h. (post Hiroshima) Welt« erschüttern, als Folge verantwortungslosen Drauflosforschens und ungenügend durchdachten technischen Handelns sich noch weiter verschärfen, werden für einen globalen Krisenstab vielleicht auch die notwendigen Mittel und Vollmachten erteilt.

Wichtiger und wohl letztlich erfolgversprechender wäre es, wenn die zu erwartenden vertieften und vermehrten Krisen nicht nur wissenschaftliche Superprojekte und gewaltige Aktionsprogramme gebären würden, sondern ein grundsätzlich anderes Denken.

Ansätze dazu sind heute schon hier und dort zu finden. Die »Ökophilosophie« des Norwegers Arne Naess (Oslo) und des aus Polen stammenden Engländers Henryk Skolimovski (Oxford) weist, ähnlich wie schon Erich Fromm und vor ihm bereits Albert Schweitzer, darauf hin, daß nur eine ganz entschiedene Abkehr von allen Formen todbringenden Denkens und Handelns Rettung bringen kann.

Es wird das dringendste Projekt einer neuen Generation von Denkern und Forschern sein, solche Ideen im Kontext der heutigen Möglichkeiten weiterzudenken und in Zusammenarbeit mit ihren Zeitgenossen zu konkretisieren. Welch faszinierende Aufgabe! Neben ihr löst sich die »süße Technik« der Gewalt, von deren Verführungskraft Oppenheimer sprach, in eine stinkende, giftige Wolke auf, die dann auf immer verschwinden sollte.

Aus: bild der wissenschaft, Juli 1985; hier zit. nach Und Wasser bricht den Stein. Freiburg 1986, S. 220-223.

Die innere Aufrüstung (1987)

Scharfe Töne gegen die Rüstungsforscher schlägt Jungk angesichts des Bekanntwerdens des Star-War-Programms SDI an, das nicht nur für ihn eine weitere, gefährliche Eskalation des Wettrüstens bedeutet. In einem Vortrag an der Technischen Hochschule in Zürich prangert er die »Todeswissenschaften« und ihre Helfershelfer an, warnt aber zugleich vor der »inneren Aufrüstung« gegen jene, die Widerstand leisten. Der ausgewählte Textabschnitt endet – einmal mehr – mit der Aufforderung, dem »Nein« ein »Ja« folgen zu lassen. Mit seinem Freund Hans-Peter Dürr spricht Robert Jungk von einer »World Peace Initiative« (WPI), die dem SDI-Programm entgegengestetzt werden sollte.

Es ist heute so, daß die Militärs bis in die Grundlagenforschung hinein immer mehr Kontrolle zugestanden bekommen, sie immer mehr benutzen. Auch die offene internationale Grundlagenforschung wird mittlerweile für militärische Zwecke, meist ohne Wissen der Wissenschaftler benutzt. (…)

Wir sollten hier nicht nur über Megatonnen sprechen, nicht nur über die mögliche Zerstörungsstärke, sondern auch fragen: Welche ökonomischen, welche machtpolitischen und welche karrierepsychologischen Motive und Personen treiben den Rüstungswettlauf an? Es wird meiner Ansicht nach zuwenig gefragt: „Wer steckt dahinter, wer will da die Geschäfte machen, welche machtpolitischen Ziele werden damit verfolgt?“ Es ist ja nicht so, daß Herr Reagan oder Herr Gorbatschow wirklich wollen, daß diese Bomben wirklich explodieren, daß ihre Waffen wirklich angewendet werden. Sondern man will das Geschäft immer weiter machen, weil es nichts gibt, was schneller veraltet als diese kostspieligen Waffen, weil es nichts gibt, womit man so schnell und sicher so viel Geld verdienen kann. Und das ist es, was sie wirklich wollen: Sie wollen machtpsychologisch auf diese Art und Weise Druck ausüben auf den Rest der Welt.

Sie rüsten aber nicht nur nach außen, sondern auch nach innen auf. Es wird viel zu wenig gesehen, daß als Parallelentwicklung zur äußeren Aufrüstung in unseren Gesellschaften eine immer stärkere innere Aufrüstung auftritt: Daß man (um die Unbequemen, die diesen Kurs nicht mitmachen wollen, zu überwachen und um diese Leute jederzeit im Griff zu haben), eine ganz neue Technologieentwicklung in Gang bringt. Das eröffnet der Industrie wiederum einen neuen Markt und kann nur gestoppt werden, wenn man das ganze Wettrennen als Fehler erkennt, als Fehlentwicklung der Geschichte. Wenn man fordert, daß das alles endlich aufhört.

Nun meine ich, es genügt nicht nur, nein zu sagen. Der zweite unentbehrliche Schritt ist der Kampf für ein »ja« zu einer ganz anderen Zukunft. Wir müßten einen Wettlauf in die andere Richtung starten, nämlich einen Wettlauf auf eine menschlichere, umweltfreundlichere Welt hin. Man sollte sich zusammensetzen, um unter Mitwirkung von Wissenschaftlern und Technikern große, konstruktive Gegenprojekte zu beginnen und sich zu überlegen: Welches sind die vierzig, fünfzig Probleme der Menschheit, die in die größte Krise der Geschichte geraten ist (z. B. Hunger, Umwelt, menschliche Beziehungen)? Da muß gemeinsame Forschungsarbeit auf nationaler wie internationaler Ebene geleistet werden, um dem SDI eine WPI – eine (»World Peace Initiative«) entgegenzusetzen. Oder zumindest eine EPI – eine »European Peace Initiative«. Denn ich frage mich, wie viele meiner Freunde in Frankreich, Italien, Skandinavien usw., ob es sinnvoll ist, daß Europa den Amerikanern und Japanern weiterhin hinterherläuft, anstatt einen eigenen Weg mit Hilfe einer umwelt- und menschenfreundlicheren Wissenschaft und Technologie zu gehen?

Ich meine also, man sollte nicht ausschließlich von Waffen und ihren Wirkungen sprechen, sondern auch vom Herzen oder vom Gehirn und von der Frage, ob das Herz oder das Gehirn unter den gegenwärtigen gesellschaftlichen Systemen und Zwängen überhaupt noch so funktionieren können. Denn was geschieht mit denen, die sich dem Rüstungswahnsinn entziehen wollen, die noch ein Herz, die noch einen Kopf haben? Sie werden einfach hineingezwungen in die Drohsysteme, sie müssen entweder schizophren sein, indem sie sagen: „Ich mach in diesem System zwar äußerlich mit, versuche aber dennoch im Geheimen oder privat, meinen eigenen Weg zu gehen“, oder aber sie resignieren und machen ganz im System mit. Ich meine, sie sollten Widerstand riskieren und keine Kompromisse machen. Denn die führen nicht weit: Wir haben seit vierzig Jahren gesehen, daß all die kleinen Versuche, die Welt ein bißchen besser zu machen, gar nicht dazu führten, sondern von denjenigen, die die alte Richtung weiter verfolgen, als Entschuldigung benutzt wurden mit dem Argument: „Wir erlauben das ja auch, wir erlauben so ein bißchen Widerstand, wir erlauben so ein bißchen Dissidenz. Wir sind frei, wir sind offen.“ Und so können die Promotoren der Großtechnologie und der Machttechnologie ihr System weiter vorantreiben. Ich bitte alle: Lassen Sie es nicht bei den Worten, sondern handeln Sie!

Aus: Die innere Aufrüstung. In: Paul Feyerabend u.a. (Hg.): Leben mit den acht Todsünden der zivilisierten Menschen? Verlag der Fachvereine, Zürich 1987, S. 207-212.

Zukunftsbezogene Friedensarbeit (1989)

In einem Vortrag vor Mitgliedern der Deutschen Friedensgesellschaft/Vereinigte Kriegsdienstgegner aus dem Jahr 1989 betont Jungk ebenfalls die Notwendigkeit, der Friedensbewegung eine »Zukunftspolitik« zur Seite zu stellen.

Wir sollten ruhig ein bißchen stolz auf unsere heutigen Erfolge sein und uns nicht immer selber einreden, was wir gemacht haben, sei unwichtig. Wir haben Sand in die Maschinerie geworfen. Wir haben Bewußtsein verändert. Das ist wichtig genug.

Aber noch ist die Friedensbewegung eine Bewegung, die keine Horizonte eröffnet und Zukunftsperspektive gibt, sondern bestenfalls die Perspektive, wir wollen etwas verhindern. Wir wollen etwas aufhalten. Das genügt nicht mehr. Nein, es geht eigentlich um viel mehr. Das ist eben anders als seinerzeit, als ich 1929 mit 16 Jahren Pazifist geworden bin. Da konnte man nur gegen Krieg sein. Heute geht es darum: Haben wir eine Zukunft oder haben wir keine Zukunft? Und wie soll diese Zukunft aussehen?

Das ist die Grundfrage: Wie können wir neben unserem Nein, das so stark sein soll wie immer und sich noch verstärken soll, auch ein Ja entwickeln? Wie können wir erreichen, daß die friedliche Welt so anziehend ist wie das, womit junge Menschen sich heute beschäftigen und begeistern? Zum Beispiel wie Weltraumfahrt, Fußball, technische Spielereien und Computer.

Wir müssen es fertigbringen, den Militaristen und ihren stillschweigenden Anhängern das Monopol auf den Enthusiasmus, das Monopol auf die Zukunftsfreude und die Zukunftsplanung zu nehmen. Wir müssen ganz konkret eine Zukunftspolitik entwickeln. (…)

Wo, wie, was wären die konkreten Ziele einer zukunftsbezogenen Friedensarbeit? Da wäre die Frage nach der Architektur, nach den Ansätzen einer sanften, statt der gigantischen, brutalen Technik; die Versuche Energie zu schaffen, die der Umwelt und den Menschen nicht schadet; andere Energietechnik, Solartechnik, Windtechnik und Biomasse. Das sind gemeinsame Versuche, wo man miteinander arbeiten und basteln kann. In Dänemark können Arbeitslose, die sich für die Entwicklung der Windenergieprogramme einsetzen wollen, zu ihrer Arbeitslosenunterstützung zusätzlich etwas verdienen, weil sie als Pioniere neuer Energieformen nicht mehr als »Rest der Gesellschaft« behandelt werden.

Ich frage mich, ob wir diejenigen, denen man die Arbeit genommen hat, nicht einfach als Reservearmee des Kapitalismus versorgen, sondern als Pioniere in Experimenten neuer Art einsetzten sollten. Ich könnte mir vorstellen, daß aus Arbeitslosen Andersarbeitende werden könnten. Vorläufer einer anderen, humaneren Gesellschaft. Auch das ist eine Frage, mit der sich die Friedensbewegung beschäftigen muß.

Schließlich meine ich, daß die Friedensbewegung in einer ganz anderen Weise als bisher versuchen müßte, auf die Medien Einfluß zu nehmen. Nun werden manche sagen: wir kommen nicht an die Rundfunkanstalten ran und können nicht mit unseren Vorstellungen in die Medienwelt eindringen. Ich glaube, daß das eine Entschuldigung, eine Ausrede ist. Es gibt heute den Anfang von nichtstaatlichem Rundfunk, der bisher ausschließlich vom Kommerz genutzt wird. Es muß möglich sein, daß man in »Offenen Kanälen« mit eigenen Sendern, mit eigenen Videoproduktionen Friedensthemen an die Öffentlichkeit bringt. Wir müssen die Medienfrage ernst nehmen (…).

Wir müssen hier eine Art von Pionierstellung haben. Die Sorge um die Zukunft der Welt besteht auch darin, daß wir Lehrer werden für die, die nicht wissen, wohin sie sich wenden sollen. Das ist eine große und wichtige Aufgabe und nicht etwa Arroganz und Anmaßung, wenn wir das versuchen. Es sind einfach zuwenig Menschen, die das tun. (…)

Aus: Damit wir nicht untergehen. Texte von Robert Jungk, ausgewählt von Matthias Reichl. Edition Sandkorn, Linz 1991, S. 40-42.

Hoffnung auf Volksdiplomatie (1990)

In einem gemeinsam mit der Bibliothek für Zukunftsfragen herausgegebenen »Katalog der Hoffnung« begrüßt Jungk die beginnenden Reformbestrebungen in den staatssozialistischen Ländern als großen Schritt in Richtung Überwindung des Kalten Krieges, plädiert aber zugleich für die Intensivierung der »Volksdiplomatie«, die allein den Entspannungsprozeß unumkehrbar machen könne.

In einigen Ländern des Ostens haben politische Entwicklungen begonnen, die man vor kurzer Zeit noch für undenkbar gehalten hätte. Die Reformen von oben, wie sie in der UdSSR, in Polen, in Ungarn und nun auch in der DDR begonnen haben, beschleunigen die sozialen Bewegungen in diesen Ländern, vor allem auch in den Teilrepubliken der Sowjetunion, und es will scheinen, als habe die jeweilige Staats- und Zentralmacht alle Mühe, diesen Bewegungen hinterherzukommen. Der Prozeß ist völlig offen, was heute zu beschreiben und zu analysieren ist, kann morgen schon überholt sein, im Guten wie im Bösen. Dennoch erfüllen die Vorgänge Menschen in aller Welt mit Hoffnungen. Dabei scheint uns die Frage, ob das große Zukunftsmodell des Sozialismus »am Ende« ist und »abgewirtschaftet« hat, gar nicht die entscheidende zu sein. Wichtiger ist wohl, daß sich die Reformbewegung »von oben« gar nicht anders erklären läßt, als im Wechselspiel mit den Bewegungen »von unten« – allerdings wissen wir von diesen Bewegungen viel zu wenig. Man kann (und konnte) das Leben auf der anderen Seite des »Eisernen Vorhangs« nicht wirklich kennenlernen durch Urlaubsreisen und während einer Einkaufsfahrt, wie sie über die östereichisch-ungarische Grenze seit einiger Zeit möglich ist. Es sind persönliche Begegnungen notwendig, Aufenthalte in Familien, Schüleraustausch, Begegnungen von Sportlern, Studenten, Schriftstellern und Künstlern, von Pfarrgemeinden oder Betriebsgruppen. Erst solche Begegnungen ermöglichen es, die Vorgänge in den sozialistischen Ländern wirklich zu beurteilen und genauer zu erfahren, welche Triebkräfte und welche Gefährdungen in den gegenwärtigen Öffnungs- und Entspannungsprozessen wirksam sind. Und hinzu kommt, daß nur solche Begegnungen es erlauben, wechselseitige Feindbilder abzubauen, Vorurteile und falsche Vorstellungen über das Leben und die Menschen im jeweils anderen Teil der Welt zu korrigieren. Daran läßt sich die Hoffnung knüpfen, daß auch im Prozeß der globalen »Entspannung« zwischen den Machtblöcken ein Wechselspiel zwischen offiziell-diplomatischen Prozessen und einer sozialen Bewegung in den jeweiligen Völkern entsteht, das die immer wieder stockenden, immer von Stillstand und Abbruch bedrohten Verhandlungsrunden der Diplomaten und Minister, der Militärs und Bürokraten vorantreibt. Hoffnung besteht auch, daß in solchen direkten Begegnungen der »Volksdiplomatie« etwas Bleibendes geschaffen wird, Erfahrungen, die eine Neu- und Wiederauflage des »Kalten Krieges« zumindest erschweren werden, sollten die Reformprozesse umschlagen.

Begriffe wie »Volksdiplomatie« und »Entspannung von unten« sind zunächst in bezug auf die Ost-West-Beziehungen geprägt worden. Doch gibt es tief eingefressene Feindbilder auch bei Menschen, die im gleichen Land leben, die einander täglich begegnen können: bei Juden und Arabern in Israel, bei Katholiken und Protestanten in Irland, bei Weißen und Schwarzen in Südafrika. Auch da ist »Entspannung von unten« bitter notwendig; und es gibt Initiativen, die hier Zeichen setzen.

Aus: Katalog der Hoffnung. 51 Modelle für die Zukunft. Luchterhand, Berlin 1990, S. 143f.

Rede gegen den Krieg. Stellungnahme zum Golfkrieg (1991)

Der Golfkrieg war für Robert Jungk die »bisher gefährlichste Episode« im Konflikt zwischen reichem Norden und armem Süden. Während andere über die Rechtmäßigkeit der Militärintervention gegen den Irak debattierten, erinnerte er die Friedensbewegungen daran, sich des größeren Zieles eines weltweiten Verbots der Rüstungsproduktion sowie des Engagements für konstruktive Friedensideen zu besinnen. Die im folgenden wiedergegebene Rede hielt Jungk am 2. Februar 1991 in Wien. Ihr angeschlossen ist eine nachdenkliche Tagebuchnotiz des 78-Jährigen über das Dilemma des ständigen »Zupät-Kommens« von Antikriegsbewegungen wie jener gegen den Golfkrieg.

Acht Thesen

Erste These: Ein hundertjähriger weltweiter Konflikt hat begonnen.

Der Golfkrieg ist die bisher gefährlichste Episode in einem fünfzig-, vielleicht sogar hundertjährigen Konflikt zwischen der armen Mehrheit und der reichen Minderheit einer rapide anwachsenden Weltbevölkerung.

Zweite These: Geduld und politische Phantasie gegen sture Gewalt.

Nur mit sehr viel Geduld, Scharfsinn und politischer Phantasie kann diese weltweite Auseinandersetzung zwischen Süden und Norden gedämpft und einer großen Anzahl von notwendigen Lösungen nähergebracht werden.

Dritte These: Die Friedensbewegung als »dritte Macht“.

In der Friedensbewegung findet sowohl die Angst der Völker wie ihre Sehnsucht nach einer humanen Zukunft ihren Ausdruck. Sie ist nicht nur eine »Anti«-Bewegung, sondern auch eine »Pro«-Bewegung. »Wir sind das Volk« – mit dieser Parole protestierten Millionen.

Vierte These: Waffen und Heere können keinen Frieden gründen.

Nach zwei Weltkriegen, in denen Millionen starben, sind wir nun in den dritten großen Krieg hineingeraten. Solange es Waffen und Streitkräfte gibt, wird eine gute Zukunft nicht möglich sein. Daher ist das Verbot der Rüstungsproduktion und die Kontrolle aller Rüstungen das erste und dringendste Ziel der Friedensbewegungen.

Fünfte These: 1991 ist nicht 1939.

Gegen Hitler hatte der Einsatz von Waffen noch einen politischen Sinn. Aber in den seither vergangenen fünf Jahrzehnten haben sich die Waffen zu Massenvernichtungsmitteln entwickelt, die einen »Sieg« unmöglich machen, sondern eskalierend zu einer Bedrohung der Menschheit und ihrer natürlichen Lebensgrundlagen werden müssen.

Sechste These: Die Friedensbewegten als Verteidiger der Zukunft.

Die neuen sozialen Bewegungen (Ökobewegung, Frauenbewegung, Bürgerinitiativen und Friedensbewegung) fühlen sich durch ihre Regierungen nicht mehr vertreten. Sie nehmen ihr Schicksal mehr und mehr in die eigenen Hände. Allein in der Dritten Welt gibt es seit Anfang der siebziger Jahre tausende regionale und lokale Bewegungen, die sich von den zentralen, meist militärisch dirigierten Gewalten ihrer Länder losgesagt haben. Immer mehr Menschen in allen fünf Erdteilen erleben sich als Gestalter einer anderen, lebensfreundlicheren Gegenwart und als Bewahrer der Zukunft.

Siebente These: Österreichs Rolle als Friedensstifter.

In diesen großen Konflikt haben Gemeinden, Regionen und kleine Länder eine besondere Rolle zu spielen. Ihre größere Menschennähe und Überschaubarkeit kann bewirken, daß sie die wirklichen Bedürfnisse und Wünsche der Menschen besser kennen als die Großmächte. Österreich, das sich wie andere westliche Nationen durch Waffenexporte mitschuldig am Ausbruch des Golfkrieges gemacht hat, muß durch Rückkehr zur integralen Neutralität und das Setzen immer neuer Friedensbeispiele die Schuld seiner skrupellosen Wirtschaftsverbrecher wiedergutzumachen versuchen.

Achte These: Das neue Jahrtausend wird eine neue Zivilisation gründen.

Wir – besonders die jungen Menschen – brauchen begeisternde Ziele. Wir sollten heute schon im Zusammenwirken vieler Bürger und aller Völker gedanklich und experimentell eine neue Zivilisation vorbereiten, die auf Solidarität, Humanität und Kreativität gegründet ist. Dieser Traum kann der Wirklichkeit näherkommen, wenn wir nicht resignieren, wenn wir nicht aufgeben.

Mit „Gebt nicht, gebt niemals auf!“ enden meine Ausführungen.

Tagebuchaufzeichnung 4. Februar l99l:

Die Friedensbewegung ist wieder da, das war der entscheidende Satz der Rede, die ich eine Woche vor Ablauf des Ultimatums vor Tausenden Demonstrationsteilnehmern am Marienplatz vor dem Münchner Rathaus wagte.

Daß diese Behauptung stimmt, haben seither Hunderte Ereignisse in allen Städten der »ersten Welt« bewiesen. Aber die vorgestrige »Großveranstaltung« am Heldenplatz in Wien war nur durchschnittlich besucht. Und fast überall beginnt der spontane Protest wieder abzuflauen.

Wie kann der Einfluß der vielen, die entsetzt sind über die unintelligente Gewaltpolitik ihrer Regierungen, zu einem stetigeren und verläßlicheren Faktor werden? Oder soll man die Gangart des sporadischen empörten Aufwallens als die echtere, weil nicht gesteuerte Antwort akzeptieren? Mit dieser Frage habe ich mich in der vergangenen Nacht herumgequält und noch keine Antwort gefunden. Da sind auf der einen Seite die »professionals« des Verderbens, die festangestellt unermüdlich »ihre Pflicht tun«. Auf der anderen Seite die vielen Betroffenen, die – fast immer schon zu spät – auf die Straße gehen und dann nach ein paar Wochen schon fast alle zu Hause bleiben. Können sie, können wir diesen Konflikt je für uns entscheiden?

Rede bei einer Veranstaltung in Wien, Heldenplatz, 2.2.1991. Aus: Ich will reden von der Angst meines Herzens. Autorinnen und Autoren zum Golfkrieg. Luchterhand-Literaturverlag, Frankfurt 1991.

Schafft Friedensinseln, schafft Friedensschauplätze (1991)

Vielleicht wie eine Antwort auf die Ohnmacht der Proteste gegen den Golfkrieg zu lesen ist der folgende, die Utopie einer weltweiten Arbeit für den Frieden formulierende Text, den Jungk für die Schweizer Zeitschrift »Constructiv« verfaßt hat. Er belegt einmal mehr die Überzeugung des Zukunftsdenkers, daß wir es uns nicht leisten können, im Kritisieren zu verharren, sondern daß es gilt, konstruktive Ideen zu entwickeln und für diese Verbündete zu suchen.

Wir werden überschüttet mit verfälschten Berichten von Kriegsschauplätzen im Nahen Osten. Was können wir gegen Verzweiflung und Resignation setzen? Wie gelingt es uns mit unserer Ohnmacht fertigzuwerden? Mit Protest! Gewiß, aber genügt das? Jetzt schon bereiten sie einen »Frieden« vor, der wiederum auf Waffen und die langdauernde Präsenz fremder Truppenverbände gegründet sein soll.

Wir sollten uns, wo immer es geht, zusammenfinden und als Gegengewicht jetzt schon Umrisse künftiger friedlicher Zusammenarbeit mit den Menschen im Nahen Osten und darüber hinaus in anderen Ländern der Dritten Welt entwerfen. Von solchen Friedensschauplätzen müßten wir Nachrichten an die vielen Menschen schicken, die nur noch Verbrechen und Unheil von der Zukunft erwarten.

Wir stehen erst am Anfang eines Konfliktes, der Jahrzehnte, vielleicht sogar ein Jahrhundert dauern kann. Konflikt muß aber nicht Krieg bedeuten, sondern kann eine gemeinsame Anstrengung sein, die Gerechtigkeit anstrebt und im Geiste einer Schicksalsgemeinschaft vor sich geht, die weiß, daß die Eskalation der Gewalt den Untergang aller bedeuten muß.

Unter uns und mit uns leben viele Menschen aus anderen Ländern und Erdteilen. Wir sollten sie nicht als Last ansehen, sondern als Helfer zum Verständnis einer kommenden Zeit, in der die Zahl der Afrikaner, Asiaten und Lateinamerikaner die der Europäer und Amerikaner um ein Vielfaches übersteigen wird.Mit ihnen sollten wir auf unseren Friedensinseln möglichst konkrete Konzepte entwerfen:

  • für Zukünfte ohne Hunger und Entbehrungen;
  • für Zukünfte, in denen wir unsere Kräfte zur Regeneration der zerstörten Landschaften und Siedlungen zusammenspannen, statt uns gegenseitig aufzureiben;
  • für Zukünfte, in denen nicht nur einige Wenige, sondern möglichst viele mitbestimmen können;
  • für Zukünfte, die dem Leben und der Gesundheit gewidmet, nicht länger von Untergangsangst überschattet sind.

Auch wenn wir mitten in düsterer Gegenwart das zunächst nur sagen und aufschreiben, können doch von solcher friedlicher auf eine gute Zukunft gerichteten gedanklichen Zusammenarbeit Einflüsse ausgehen, die das Handeln vieler, die jetzt noch passiv bleiben, beeinflussen und derart radikal andere Wirklichkeiten vorbereiten.

Solche »Friedensinseln« sind Experimente, die Hoffnung schaffen und damit erste Schritte in eine neue Welt von morgen wagen. Es lohnt sich, gemeinsam diese Versuche zu beginnen, statt in Traurigkeit zu versinken oder sich in ohnmächtiger Wut zu verzehren.

Aus: Damit wir nicht untergehen. Texte von Robert Jungk. Ausgewählt von Matthias Reichl. Edition Sandkorn, Linz 1991, S. 48f.

Gemütsfaschismus und Technofaschismus (1991)

Den gefallenen Mauern zwischen Ost und West folgten neue. Wachsende Ausländerfeindlichkeit, zunehmender Rassismus, verschärfte Asylgesetze – und zuletzt – Mordanschläge auf Ausländer und Asylwerber sind traurige Facetten des kalten Friedens nach der großen Wende. In einer Analyse der neuen rechtspopulistischen Bewegungen mit Führern wie Schönhuber oder Le Pen stellt Robert Jungk Bezüge her zwischen unserer kalten, der einseitigen Rationalität verpflichteten Gesellschaft, in der alle »funktionieren« müssen, und einem neuen – sozusagen als Ventil fungierenden – »Gemütsfaschismus«, der von den neuen Rechten salonfähig gemacht werde. Wirksamer Antifaschismus müsse daher, so Jungks Warnung, die Gefühle und Sehnsüchte der Menschen ernst nehmen und diesen konstruktive Artikulationsmöglichkeiten schaffen.

Es ist eines der großen Verdienste des Seelenforschers Wilhelm Reich, daß er 1934 angesichts der Machtergreifung des Nationalsozialismus nicht nur wirtschaftliche und nationale Bedrängnisse für den Erfolg des »Führers« verantwortlich machte, sondern auch seelische Defizite, die der »Retter« Adolf Hitler auszugleichen versprach.

Wenn heute im Zeichen ökonomischer Hochkonjunktur Vertreter faschistischer oder faschistisch beeinflußter Programme Zulauf erhalten, dann sollte man sich an diese – vor allem von der Linken – zu wenig beachteten Erkenntnisse über die »Massenpychologie des Faschismus« erinnern. Weiter verbreitet noch als die durch Rationalisierung und rücksichtslose Strukturveränderungen bewirkte materielle Arbeitslosigkeit ist meiner Ansicht nach die »seelische Arbeitslosigkeit« von Millionen, die in der von Technokraten verwalteten Konsumgesellschaft weder Lebenssinn noch Möglichkeiten eines sie erfüllenden Engagements entdecken. Desillusion und Resignation beherrschen die Stunde. Wer auf überzeugende Weise dem entgegenarbeitet, indem er an Selbstbewußtsein, unterdrückte Wut und so etwas wie einen Gemeinschaftsgeist appelliert, gewinnt Anhänger. Sie brauchen Begeisterung, sei sie auch irregeleitet, dringender als Brot. (…)

Wer je eine Versammlung der Anhänger Le Pens, eine der biergeschwängerten Massenversammlungen zu Füßen von Franz Josef Strauß oder dem »neuen Franz« Schönhuber erlebt hat, weiß, wie hoch da die Gefühle gingen und gehen. Da fühlt sich niemand mehr einsam, unterdrückt, zum vernünftigen Tun vergattert, sondern als Teil einer singenden, brüllenden, klatschenden Gemeinschaft von Patrioten, die ihren »Mann« stellen und von einer weisungsgebenden Figur auf den Heilsweg geführt werden.

Und am nächsten Tag? Da werden sie wieder zu grauen Mäusen, zu gehorsamen Bürokraten, folgsamen Angestellten, fleißigen Lohnbeziehern. Genau wie das Management sich seine Hand- und Kopflanger wünscht. Der Gemütsfaschismus, den die Neuen Rechten zum politisch ernstzunehmenden Faktor gemacht haben, korrespondiert exakt mit dem Technofaschismus der Industriegesellschaft, indem er kompensatorisch befriedigt, was im kalten, rationalen, entfremdeten Alltag der Produktionsuntertanen und ihrer anonymen Manager vernachlässigt wird. (…)

Gegen diese Entwicklung, die dem einzelnen immer weniger Möglichkeit gibt, seine individuelle Persönlichkeit durchzusetzen, und ihn zum Mitmacher, ja zum Mitschuldigen an einer auf künftige Katastrophen hinsteuernden Entwicklung macht, haben die neuen sozialen Bewegungen der letzten zwanzig Jahre gekämpft und zunehmend Anhänger gewonnen. Ihre zunehmend techno-kritische, antikapitalistische Haltung muß den Technokraten Sorgen bereiten. Nachdem sie die Arbeiterbewegung durch Beteiligung an der ökologischen und imperialistischen Ausbeutung der Welt korrumpiert und weitgehend ruhiggestellt hatten, mußten sie gegen die Herausforderungen der Studentenbewegung, Ökobewegung, Friedensbewegung, Frauenbewegung, Arbeitslosenbewegung eine politische Bewegung finden, die nicht nur den Wirtschaftsinteressen nutzen, sondern auch die Gemüter der von Zweifeln, Angst, Unsicherheit Bedrängten gefangennehmen könnte.

In den neuen faschistischen Bewegungen haben sie nun so etwas entdeckt, und es steht zu erwarten, daß die Mächtigen nach anfänglichen Zweifeln (wie sie übrigens zunächst auch gegen die Nazis bestanden) den neuen »Führern« genügende Finanzmittel zur Verfügung stellen werden, damit sie die vom Technofaschismus um ihre Persönlichkeitskräfte Gebrachten über den Gemütsfaschismus erneut gleichschalten. Während sie selbst, die wahren »Führer«, anonym bleiben, dürfen populäre Massenredner und Agitatoren deutlich hervortreten, Sympathien gewinnen und die Bürger von ihren wirklichen Interessen ablenken.

Ein wirksamer Kampf gegen den Gemütsfaschismus verlangt die kritische Aufdeckung der Macht, die der Technofaschismus heute schon in Arbeits- und Konsumwelt übt. Doch dazu müßte noch etwas Wichtigeres kommen: Die Gegner des Technofaschismus, die Grünen und die Linken, müssen sich darum bemühen, den Bürgern nicht nur materielle oder ökologische Verbesserungen anzubieten, sondern die Visionen einer humanen Gesellschaft, für die sich die Menschen begeistern können. Mit „Brüder, zur Sonne, zur Freiheit“ hat die Arbeiterbewegung Millionen in Bewegung gebracht. Mit Tarif- und Lohnkämpfen allein können die Herzen der Menschen nicht gewonnen werden. Wer den »Wärmestrom« des Sozialismus versiegen läßt, kann nicht hoffen, denen, die mit der »heißen Luft« eines verquasten Patriotismus falsche Wärme vortäuschen, erfolgreich Widerstand zu leisten.

Erfolgversprechender Antifaschismus darf die Emotionen der Menschen nicht vernachlässigen. Sie auf ernstzunehmende und ehrliche Weise anzusprechen und politisch einzusetzen, ist die Aufgabe einer nicht nur soziologisch, sondern auch psychologisch denkenden neuen politischen Generation, die lesen und diskutieren, aber auch zuhören und mit den Menschen sprechen kann. Nur so werden wir dem neuen Faschismus widerstehen und ihn überwinden.

Aus: Martin Kirfel und Walter Oswalt (Hg.): Die Rückkehr der Führer. Modernisierter Rechtsradikalismus in Westeuropa. Europa-Verlag, Wien 1991, S. 6-7.

Ausgewählt und kommentiert von M.A. Hans Holzinger.
Er ist wiss. Mitarbeiter der Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen (Imbergstr. 2, A-5020 Salzburg. Tel. (00 43-06 62) 87 32 06, Fax: 87 12 96) und seit vielen Jahren in der Friedensbewegung engagiert.


Info: https://wissenschaft-und-frieden.de/dossier/der-aufstand-gegen-das-unertraegliche/


unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

05.07.2025

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05.07.2025

Pepe Escobar: Der Engel der Geschichte als Symbol des Widerstands

seniora.org, 2. Juli 2025, 30. Juni 2025 Von Pepe Escobar - übernommen von strategic-culture.su

Der gnadenlose Krieg wird lang und blutig sein. Doch der Engel der Geschichte scheint neuen Schwung bekommen zu haben.


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Pepe Escobar - Independent geopolitical analyst, writer and journalist


(Red.) Der unübertroffene Pepe Escobar, der von uns allen hoch geschätzt wird, hat sich hier in dem Durcheinander von Hobbes und Locke wohl etwas verheddert. Er spricht von einer "zweifelhaften 'natürlichen Güte' der Menschheit", die zum Ziel "ein sehr privates 'Streben zum Glück' und zum allgemeinen Wohl habe, hergestellt durch "das Wirken einer unsichtbaren Hand" - diese Locke'sche Weltsicht habe sich mit Hobbes "Leviathan" "fröhlich vereint", um mit diesem Irrtum/Märchen die Köpfe der Menschen für die nächsten 300 Jahre zu verwirren. Zugegeben: die gegenwärtige Weltlage spricht auf den ersten Blick nicht für ein positives Menschenbild. Aber es lohnt sich, noch einmal einen Blick in das Buch "Der Mensch ist gut" von Leonhard Frank zu werfen. Die Sozialnatur des Menschen ist eine evolutionäre Tatsache. Daran kommen wir nicht vorbei - allerdings genauso wenig wie an den katastrophalen Erziehungsfehlern, die leider immer noch dazu führen, dass die Menschen noch nicht "Gemeinschaftsgefühl leben wie atmen" (frei nach Alfred Adler). Auf den Seiten von Seniora.org finden sich zahlreiche Quellen, die dieses Thema gründlich vertiefen.(am)


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Es ist eine der faszinierendsten Passagen der Geistesgeschichte. In der 9. seiner Thesen zur Philosophie der Geschichte analysiert Walter Benjamin   – Jude, tragische Figur, einsames Genie   – Paul Klees eindringliches Gemälde Angelus Novus und erklärt der Nachwelt anschaulich das Drama, mit dem der Engel der Geschichte konfrontiert ist:

„Sein Gesicht ist der Vergangenheit zugewandt. Wo wir eine Kette von Ereignissen sehen, sieht er eine einzige Katastrophe, die immer neue Trümmer aufwirbelt und vor seine Füße schleudert. Der Engel möchte bleiben, die Toten wecken und das Zerbrochene zusammenfügen. Aber ein Sturm weht vom Paradies her, der sich mit solcher Gewalt in seinen Flügeln verfängt, dass er sie nicht mehr schließen kann. Der Sturm treibt ihn in eine Zukunft, der er den Rücken zukehrt   – während der Trümmerhaufen vor ihm immer höher wird. Dieser Sturm ist das, was man Fortschritt nennt.“

Es ist an der Zeit, über diese sehr apokalyptische christliche Parallele zwischen Göttlichkeit und gewaltsamer Vergeltung hinauszugehen. Wie Alastair Crooke in seinem erstaunlich scharfsinnigen Buch „Resistance: The Essence of the Islamist Revolution“ (2010) ausführlich darlegte, war es die Notwendigkeit, die Wut „göttlich inspirierter“ Gewalt zu zügeln, die Hobbes dazu veranlasste, „Leviathan“ zu konzipieren, in dem er einen Gesellschaftsvertrag zwischen dem Individuum und einer notwendigerweise starken, unerbittlichen Regierung forderte.

Darüber hinaus war es die Hobbes'sche Version eines Gesellschaftsvertrags, die John Locke die Grundlage lieferte, um eine zweifelhafte „natürliche Güte” der Menschheit zu behaupten, komplett mit einem   – sehr privaten   – „Streben nach Glück” und dem allgemeinen Wohl, das sich durch das Wirken einer unsichtbaren Hand fröhlich vereinte.

Dieser Irrtum/dieses Märchen prägte das westliche Denken für die nächsten 300 Jahre.

Jetzt ist es ein völlig anderes Spiel. Wir waren zu lange Gefangene von Hobbes und Locke: ein verführerischer Pole-Dance der Legitimität, um den sich die westlich konzipierten Nationalstaaten gruppierten, um sich selbst und ihre Plünderung des Rests der Welt zu schützen und zu legitimieren.

In jüngster Zeit wurde das zeitgenössische Schreckgespenst der „göttlichen Gewalt“ allen von Afrika bis Asien als bewaffneter islamistischer Widerstand verkauft. Aber nun ist auch diese Maske gefallen. Das „neue“ Syrien zeigt allen, dass „Al-Qaida R Us“ ist   – und immer war.*

Schutz vor dem   – ultimativen   – Sturm

Es ist auch an der Zeit, die Lage des Engels der Geschichte neu zu bewerten. Nein, er ist nicht von „göttlicher“ Wut gelähmt; diese ist vielmehr von Menschenhand geschaffen. Was ihn unterdessen weiter vorantreibt   – selbst wenn er seinen Blick in die Vergangenheit richtet („der rückwärts gerichtete halbe Blick über die Schulter, hin zum primitiven Schrecken“, wie T. S. Eliot es so eindrucksvoll formulierte)   – ist der Wind des säkularen, darwinistischen, technologischen „Fortschritts“   – eine einzige, einheitliche Katastrophe, die weit mehr ist als eine Kette historischer Ereignisse.

Ja, er denkt weiterhin über die Tragödie nach; er möchte die Menschheit unbedingt für das Ausmaß der Katastrophe sensibilisieren; aber der Rausch des aktuellen technologischen „Fortschritts“, der von KI geprägt ist, reißt ihn unweigerlich mit.

Der globale Süden scheint nun eine kristallklare Perspektive auf die neuen Konturen der Katastrophe zu haben, die dem Engel der Geschichte zu Füßen liegt.

Die beiden wichtigsten zeitgenössischen Akteure der Katastrophe sind eindeutig identifiziert: ein psychopathologischer, genozidaler Todeskult, der sich aus Elementen eines selbsternannten auserwählten Stammes zusammensetzt, und die posthistorischen Eliten eines schwindenden Imperiums. Die tödlichste Umarmung die es jemals gab.

Doch nun sind sie auf ein unerschütterliches Symbol des Widerstands gestoßen. Und sie mussten zurückweichen. Zum Erstaunen des Engels der Geschichte selbst.

Der oberste Führer des Iran, Ayatollah Khamenei, brachte es in wenigen Sätzen auf den Punkt:

„Der wichtigste Punkt, den ich in meiner Rede hervorheben möchte, ist, dass der Präsident der Vereinigten Staaten in einer seiner Äußerungen erklärt hat, der Iran müsse kapitulieren. Kapitulieren! Es geht nicht mehr um die Anreicherung oder die Atomindustrie. Es geht um die Kapitulation des Iran.“

Das ist die Stimme eines alten Zivilisationsstaates   – im Gegensatz zur postmodernen, außer Kontrolle geratenen Barbarei: „Unser kultureller und zivilisatorischer Reichtum ist hundertmal größer als der der USA und anderer ähnlicher Länder (…) Das iranische Volk ist edel und wird edel bleiben.“

Ein irrationaler und sicherlich nicht „göttlicher“ Sturm zielt nun darauf ab, den Engel der Geschichte vollständig zu lähmen   – und dem Narrativ seine überarbeitete, aber ebenso kitschige Vorstellung vom „Ende der Geschichte“ auf den begrenzten Raum Westasiens anzuwenden.

Und das bringt uns zu der Frage, wie der Widerstand sich intensiv mit den praktischen Aspekten der Abschreckung und Verteidigung auseinandersetzen muss, damit der Engel der Geschichte sich neu erfinden kann.

Sprung zu den jemenitischen Streitkräften   – dieser Bastion der Rechtschaffenheit, einer militärischen Organisation, die von spiritueller Kraft geleitet wird: „Die Waffenruhe der USA und der zionistischen Entität mit dem Iran macht deutlich, dass militärische Gewalt die einzige Sprache ist, die sie verstehen.“

Hinzu kommt die wichtigste Lehre aus dem 12-tägigen Krieg: Wer den Himmel kontrolliert, kontrolliert letztlich auch das Land.

Die iranische Führung als Dreh- und Angelpunkt des Widerstands steht vor einigen schwerwiegenden Entscheidungen. Die wichtigste davon betrifft die von den Houthis formulierte „Sprachfrage“: Sie muss Russland vertrauen, dass es ihr hilft, ein umfassendes, mehrschichtiges Offensiv-/Defensivsystem aufzubauen, komplett mit Hardware, Kampf- und Kontrollzentren, Langstreckenradarstationen, elektronischer Kriegsausrüstung und knallharten Kampfjets.

Wie Kreml-Sprecher Dmitri Peskow vor dem Treffen zwischen Präsident Putin und dem iranischen Außenminister Abbas Araghchi vor einer Woche deutlich machte: „Es hängt alles davon ab, was der Iran gerade braucht.“

Sie brauchen ernsthafte Unterstützung. Der Majlis   – das iranische Parlament   – hatte die Ratifizierung der umfassenden strategischen Partnerschaft mit Russland seinerzeit um über einen Monat verschoben, nachdem die Duma bereits Ende Mai zugestimmt hatte. Diese umfasst Waffenverkäufe, militärische Zusammenarbeit und einen intensiven Informationsaustausch   – auch wenn sie keine vollständige Militärallianz beinhaltet.

Der ehemalige iranische Präsident Ebrahim Raisi hatte eindeutig den Blick für das große Ganze. Er setzte voll und ganz auf „Look East“   – also auf die Integration in Eurasien. Die derzeitige, zurückhaltende Präsidentschaft unter Pezeshkian versuchte einen „Look West“   – in der naiven Hoffnung, dass das Imperium des Chaos tatsächlich Diplomatie betreiben würde. Sie wurden eines Besseren belehrt.

Der gnadenlose Krieg wird lang und blutig sein. Dies ist erst der Anfang   – die derzeitige Pause eingeschlossen. Doch der Engel der Geschichte scheint neuen Wind bekommen zu haben. Es sieht so aus, als hätte die überwiegende Mehrheit der Länder des Globalen Südens seine Warnungen vor der Katastrophe endlich verstanden. Während wir die Trümmer durchforsten, steht der Widerstand vor der Tür   – und schützt uns vor dem ultimativen Sturm.

___________________

* Anmerkung des Übersetzers: „Al-Qaida R Us“ ist ein Wortspiel mit „Toys ‘R’ Us“ (die bekannte amerikanische Spielzeugladenkette). Wörtlich soll es wohl bedeuten: „Al-Qaida sind wir.“ Mit anderen Worten: Al-Qaida sei nicht einfach nur eine unabhängige islamistische Terrororganisation, sondern ein Werkzeug westlicher, vor allem US-amerikanischer oder verbündeter Geheimdienste und Regierungen.


Quelle: Strategic-Culture - Mit freundlicher Genehmigung übernommen - Die Übersetzung besorgte Andreas Mylaeus

https://strategic-culture.su/news/2025/06/30/angel-history-symbol-resistance/



Info: https://seniora.org/index.php?option=com_acym&ctrl=fronturl&task=click&urlid=205&userid=3998&mailid=2783


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05.07.2025

Neues aus dem Leserforum: Der Fall Hüseyin Doğru & mehr

lostineu.eu, vom 4. Juli 2025

Seit einiger Zeit haben wir ein Leserforum bei “Lost in EUrope”. Dort gibt es spannende neue Themen – jenseits des Blogs und der Europapolitik im engeren Sinne.

Neu hinzugekommen ist das Ressort “Wirtschaft und Finanzen” mit Themenblöcken zum Euro und zur EZB sowie zu den Wirtschaftskriegen. Damit ist auch der Zoll- und Handelskrieg unter Trump gemeint!

Ebenfalls neu sind Beiträge zu den Themen “Zensur auf dem Umweg über EU-Sanktionen” (der Fall Hüseyin Doğru) sowie “Weitreichende Waffen für die Ukraine” (eine Stellungnahme des IPPNW zu deutschen Plänen).

Wir würden uns über Reaktionen und Kommentare freuen! Aber nicht nur dazu – grundsätzlich haben alle Mitglieder des Forums die Möglichkeit, selbst neue Themen anzumelden und Artikel zu schreiben.

Die Idee dahinter ist, über den Blog und die EU in Brüssel hinauszugehen. Der Fall Hüseyin Doğru zum Beispiel spielt in Deutschland, doch weder Berlin noch Brüssel fühlen sich für die Folgen verantwortlich.

Ich kann mir aber auch gut vorstellen, Themen aus dem Forum im Blog aufzugreifen. Dazu muß aber noch mehr los sein. Das Forum hat schon zwei Dutzend Mitglieder – wer hat noch nicht, wer will noch mal?

Zum Forum geht’s hier, zur Neu-Anmeldung hier

P.S. Profi-Tipp: Jedes neue Thema hat einen eigenen Link. Den kann man verschicken, etwa per Mail, oder auf auf X oder bei Facebook posten. So lässt sich der Kreis noch erweitern…

‹ Kallas und China: Konfrontation statt Diplomatie

Was sagen Sie dazu?



Info: https://lostineu.eu/neues-aus-dem-leserforum/?utm_campaign=Lost%20in%20EUrope%20Update&utm_content=Lost%20in%20EUrope%20Update&utm_medium=email&utm_source=getresponse


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Weiteres: 




Kallas und China: Konfrontation statt Diplomatie


Screenshot_2025_07_05_at_12_39_56_Lost_in_EUrope_Update

Quelle


lostineu.eu, vom 4. Juli 2025

Seit einem Besuch des chinesischen Außenministers Wang Yi in Brüssel haben sich die Beziehungen der EU zu Peking empfindlich abgekühlt. Nun eskaliert auch noch der Handelsstreit.

“Maximal konfrontativ” sei das Treffen zwischen Wang Yi und der EU-Außenbeauftragten Kallas verlaufen, berichtete die “FAZ”. Die Schuld daran trägt wohl vor allem Kallas.

Die bekannte Russland-Hasserin aus Estland hatte schon vor der Begegnung eine Erklärung herausgegeben, in der sie alle antichinesischen Klischees aufzählte:

„Chinesische Unternehmen sind Moskaus Lebensader, um seinen Krieg gegen die Ukraine aufrechtzuerhalten“, hieß es da. „Peking führt Cyberangriffe durch, mischt sich in unsere Demokratien ein und betreibt unfairen Handel.“

Gezielt durchgestochen

Nach dem Treffen stach sie dann angebliche Äußerungen ihres chinesischen Amtskollegen durch. Wang Yi habe in dem vierständigen Treffen erklärt, dass China keinen Sieg der Ukraine gegen Russland wolle.

Denn danach werde sich der “Fokus” der USA auf Peking verlagern. Das ist allerdings jetzt schon der Fall. Man darf wohl davon ausgehen, dass Kallas die Worte ihres Gesprächspartner nicht ganz richtig wiedergeben hat.

Denn sie und die EU haben ein ganz eigenes Interesse: China von jeder Unterstützung Russlands abzubringen. Für dieses Ziel nutzt Kallas wilde Anschuldigungen – wie oben zitiert. Die Diplomatie bleibt dabei auf der Strecke.

Handelsstreit eskaliert

Als wenn das nicht alles schon mehr als genug wäre, eskaliert nun auch noch der Handelsstreit. Wegen angeblichem Dumpung erhebt China ab Samstag wieder Zölle auf Weinbrand, vorwiegend aus Frankreich.

Damit ist die Eiszeit zwischen Brüssel und Peking perfekt – und das kurz vor einem EU-China-Gipfel in zwei Wochen…

Siehe auch Nun will sich die EU auch noch mit China anlegen Mehr zu China hier

‹ Deal mit Trump: Die EU wird immer bescheidener › Neues aus dem Leserforum: Der Fall Hüseyin Doğru & mehr

7 Comments

  1. Andreas Mathys
    5. Juli 2025 @ 11:05

    Diplomatie statt nur Anschwärzung der EU nicht genehmer Staaten, ist bei der katastrophalen Fehlbesetzung des Aussenbeauftragtenpostens mit einer Kallas leider nur Wunschdenken. Die EU ist wahrlich im Niedergang begriffen.

Antworten

  • KK
    4. Juli 2025 @ 14:58

    Laut online-Duden sind Synonyme zu „Diplomatie“: Gewandtheit, Klugheit, Taktik, Verhandlungsgeschick, Verhandlungskunst.
    Angesichts dessen, was in der EU und deren Mitgliedsstaaten in den letzten Jahren für sog. „Chefdiplomaten“ herumeiern, sollte der Duden dringend andere, genau den o.g. entgegengesetzte Synonyme benennen. Und diese noch um eines ergänzen: Kriegshetzerei!

    Antworten

    • umbhaki
      4. Juli 2025 @ 20:46

      Nee, andersrum: Wir sollten aufhören, die betreffenden Gestalten als „Diplomaten“ zu bezeichnen. Denn, wie Sie richtig ausführen, üben diese eiernden Persönlichkeiten keinerlei Diplomatie aus.

      (Vielleicht haben die im Gegensatz zu Ihnen ja einfach noch nirgends nachgeschlagen, was Diplomatie bedeutet.)

      Antworten

      • KK
        4. Juli 2025 @ 22:44

        „Nee, andersrum: Wir sollten aufhören, die betreffenden Gestalten als „Diplomaten“ zu bezeichnen.“

        Die von mir vorgegebene Richtung war allerdings genau so beabsichtigt,
        denn so entspricht es der inzwischen von Politik und Medien gern praktizierten Methode, für die George Orwell mal den Begriff „Newspeak“ (oder in der Übersetzung: „Neusprech“) geprägt hat!

    • Michael
      5. Juli 2025 @ 10:37

      Sie sagen es doch selbst: das Antonym für „Diplomatie“ ist „Kallas“!

      Antworten

  • european
    4. Juli 2025 @ 14:23

    Truemmerlotte auf Erfolgskurs. ????

    Die Chinesen werden sich bestimmt zutiefst beeindruckt und dementsprechend kooperativ verhalten. Ich meine, wenn Kallas droht, dann gibt es kein Entrinnen mehr auf diesem Planeten. Schliesslich kommt sie kurz hinter Gott.

    Leider wird es am Montag keine Verbesserung geben. Auf das Misstrauensvotum braucht man nicht zu hoffen. Wir werden also dieser politischen Farce weiter zusehen muessen, immer in der Hoffnung, dass unsere Fuesse heil bleiben, wenn der ganze Laden auf sie faellt.

    Antworten

  • Erneuerung
    4. Juli 2025 @ 14:09

    Man sollte langsam mal anfangen, ein Register der Totengräber der EU zu erstellen. Die Namen und Konterfeis könnten dann auf zukünftigen Denkmälern, die nach dem Neuaufbau der EU errichtet werden, zu sehen und zu lesen sein. Da der selbstverschuldete Komplettabsturz nicht mehr weit entfernt scheint, dürfte sich auch die Anzahl der “Untergangs-Katalysator.innen” soweit in Grenzen halten, dass die Denkmäler überschaubar bleiben. Derzeit erscheinen auf der Liste der Verantwortlichen vorwiegend äußerlich als weiblich zu definierende Personen. Aber man könnte auch noch eine Rückseite planen, für Ähnliches betreffs NATO, dort sind die Kandidaten männlich. Ich wünsche BRICS+ und vor allem China, dass es sich weiter erfolgreich entwickelt, zum Trotz der Störfeuer ungebildeter Personen des Wertewestens.

    Antworten

  • Was sagen Sie dazu?


    Info: https://lostineu.eu/diplomatie-a-la-kallas-eiszeit-zwischen-bruessel-und-peking/?utm_campaign=Lost%20in%20EUrope%20Update&utm_content=Lost%20in%20EUrope%20Update&utm_medium=email&utm_source=getresponse


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    Weiteres: 




    Deal mit Trump: Die EU wird immer bescheidener


    Screenshot_2025_07_05_at_12_51_34_Lost_in_EUrope_Update

    Quelle


    lostineu.eu, vom 4. Juli 2025

    Am 9. Juli läuft die Frist für einen Handelsdeal mit den USA ab. Die EU hat sich von Präsident Trump erpressen lassen – nun wird sie bescheiden und will sogar pauschale Zölle schlucken.

    Nach Last-Minute-Gesprächen in Washington lobte EU-Handelskommissar Sefcovic eine “produktive Arbeitswoche”. Es sei gut gewesen, sich mit der US-Administration zu treffen.

    “Unser Ziel ist unverändert: ein gutes und ehrgeiziges transatlantisches Handelsabkommen”, fügte Sefcovic hinzu.

    In Wahrheit ist ein gutes Abkommen nicht in Sicht, und der Ehrgeiz hat auch spürbar nachgelassen. Mittlerweile wäre die EU schon froh, wenn statt der von Trump angedrohten 50 Prozent nur ein pauschaler Zoll von 10 Prozent kommt.

    Im Gegenzug verlangt die EU jedoch Zusagen zur Senkung der US-Zölle in Schlüsselbranchen wie Auto, Pharma, Halbleiter und Verkehrsflugzeugen. Doch die zeichnen sich bisher nicht ab.

    Der Grund: In den G-7-Verhandlungen zur globalen Mindeststeuer hat Trump gesehen, wie leicht sich die EU erpressen lässt. Kanzler Merz & Co. haben eingewilligt, dass große US-Konzerne von der Steuer ausgenommen werden!

    Das ermuntert Trump, auch im Zollstreit nachzukarten und sachfremde Themen wie die EU-Internetgesetze aufzuwerfen. Während die Amerikaner immer mehr fordern, werden die EUropäer auf den letzten Metern immer bescheidener…

    Siehe auch Deal mit Trump: EU-Chef wirbt für Waffenkäufe in den USA und meine Kolumne im Makroskop zur G-7

    P.S. Gebremst wird die EU auch von Konzernen wie Mercedes-Benz und LVMH. Sie fordern einen schnellen Deal und warnen vor einer harten Vergeltung, falls Trump hohe Zölle erlassen sollte. Damit schwächen sie die europäische Verhandlungsposition weiter…

    ‹ Jetzt führt Selenskyj die EU (meinen die Dänen) › Kallas und China: Konfrontation statt Diplomatie

    6 Comments

    1. Arthur Dent
      4. Juli 2025 @ 13:47

      “Produktive Arbeitswoche” war sicherlich gut für Sefcovic – man kommt mal vor die Tür, sieht andere Länder und Leute…
      @european
      Wenn Merz immer nur das Geld verteilen kann, was er hat, dann dürfte man ja keine Schulden machen. In einer offenen Volkswirtschaft geschieht aber immer alles simultan – investieren, produzieren, verkaufen, sparen…

    Antworten

  • european
    4. Juli 2025 @ 09:33

    Und zuhause wird erzaehlt, dass wir jetzt alle wieder sparen muessen und fuer die Senkung der Stromsteuer kein Geld da ist. Und dann erst das Buergergeld, diese Plage der Nation.

    Same old shit. Die Mottenkiste der Textbausteine ist unerschoepflich. Es ist nichts dabei, was wir nicht schon mehrfach gehoert haben. Wir „Können nur das Geld ausgeben, das wir haben“, sagt Merz. Gleichzeitig kann die Bundesregierung Milliarden in der Ukraine verballern ohne mit der Wimper zu zucken. Und natuerlich werden wir 5% des BIP fuer die Ruestung ausgeben. Unser Portemonnaie scheint diesbezueglich so unerschoepflich wie die Tasche von Mary Poppins.

    Dies ist die Regierung der Luegenbarone, die mit Pinocchio-Nase andere auf der Kanonenkugel fliegen lassen wollen. Man darf gespannt sein, wie lange sie haelt. Die SPD ist weiter auf dem Sinkflug und hat gerade die 13 Prozent erreicht.

    Wem wird eigentlich nicht schlecht dabei?

    Antworten

    • Guido B.
      4. Juli 2025 @ 10:49

      Mary Poppins, Pinocchio, Baron Münchhausen – solche Assoziationen sind bei diesen Eliten unvermeidlich. Man muss aber fair bleiben: Unseren Eliten fehlt der Unterhaltungswert. Sie sind einfach nur langweilige Lügen auf krummen Beinen. Eher geeignet als Brechmittel.

      Antworten

    • KK
      4. Juli 2025 @ 14:46

      „Die SPD ist weiter auf dem Sinkflug und hat gerade die 13 Prozent erreicht.“

      Waaaas, die SPD ist immer noch zweistellig?

      Antworten

      • Arthur Dent
        4. Juli 2025 @ 22:36

        @KK
        ja – und hat immer noch den beliebtesten Politiker (aller Zeiten)
        ???? bruhahaha

      • KK
        5. Juli 2025 @ 00:47

        Ein elendes Siechtum… aber ein verdientes!

  • Was sagen Sie dazu?


    Info: https://lostineu.eu/deal-mit-trump-die-eu-wird-immer-bescheidener/?utm_campaign=Lost%20in%20EUrope%20Update&utm_content=Lost%20in%20EUrope%20Update&utm_medium=email&utm_source=getresponse


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    05.07.2025

    !!!!! Bundesregierung rechtfertigt Kranzschändung in Dachau

    aus e-mail von Doris Pumphrey, 5. Juli 2025, 12:24 Uhr


    _RTDE 5.7.2025


    _*Benimmstunde für Opfernachfahren: Kulturstaatsminister Weimer

    rechtfertigt Kranzschändung von Dachau


    *Die Bundesregierung rechtfertigt die Kranzschändung in Dachau. Die

    Entfernung russischer und weißrussischer Kranzschleifen auf dem

    ehemaligen SS-Schießplatz Hebertshausen sei "nachvollziehbar und

    angemessen". Laut Gedenkstättenleitung erschweren Russland und

    Weißrussland selbst die Versöhnung mit den Deutschen.


    Im Anschluss an eine Gedenkzeremonie an die 4.000 ermordeten Rotarmisten

    auf dem ehemaligen SS-Schießplatz Hebertshausen hatte die

    Gedenkstättenleitung im Mai dieses Jahres die Entfernung der

    weißrussischen und russischen Kranzschleifen angeordnet

    (/RT DE/ berichtete). Die Begründung: Auf dem Gedenkstättengelände

    herrsche ein Verbot der Verwendung staatlicher Symbole der Russischen

    Föderation und der Republik Weißrussland. Man zeige damit "Respekt vor

    den Opfern des völkerrechtswidrigen russischen Angriffskriegs". Dieses

    Vorgehen deutscher Gedenkstättenfunktionäre sorgte für große Empörung.


    Das Bonner Generalkonsulat der Russischen Föderation reagierte

    <https://t.me/RusBotschaft/13496?single> und stellte bei den deutschen

    Strafverfolgungsbehörden einen Antrag auf Einleitung eines

    Strafverfahrens wegen Vandalismus und Beleidigung von Staatssymbolen.

    Mittlerweile wurde aus Medienberichten bekannt, dass die verantwortliche

    Staatsanwaltschaft München II die Strafanzeige nicht weiterverfolgt. Es

    liege kein zureichender Anfangsverdacht vor.


    In einer Antwort auf eine Anfrage des AfD-Bundestagsabgeordneten Götz

    Frömming ließ Wolfram Weimer, seines Zeichens Beauftragter der

    Bundesregierung für Kultur und Medien, am 13. Juni erkennen, dass das

    rabiate Vorgehen der Dachauer Gedenkstättenleitung von der

    Bundesregierung gutgeheißen wird (Drucksache 21/469). Die russischen und

    weißrussischen Diplomaten hätten die Vorgaben der Gedenkstättenleitung

    missachtet, auch indem sie "großformatige Sankt-Georgs-Bänder" am Revers

    getragen hätten. Die Entfernung der Schleifen in den Landesfarben sei

    "vorsichtig" und "ohne die Kränze zu beschädigen" vonstattengegangen.

    Bei Gedenkveranstaltungen achte man darauf, dass der russischen und

    weißrussischen Opfer des KZ Dachau in neutralen Farben, ohne nationalen

    Bezug, gedacht werde.


    Das Auswärtige Amt wiederum stellt sich hinter die Stellungnahme

    Weimers. Es tritt somit auch unter der Leitung von CDU-Außenminister

    Johann Wadephul in die Tradition des sogenannten "Baerbock-Erlasses",

    der die Nichtzulassung und gegebenenfalls Entfernung russischer und

    weißrussischer Offizieller bei Gedenkveranstaltungen zum 80. Jahrestag

    des Kriegsendes empfohlen hatte. Hintergrund der Handreichung war die

    Unterstellung, die Diplomaten könnten das Gedenken "zu

    propagandistischen Zwecken" instrumentalisieren.


    Die/Süddeutsche Zeitung/ ließ anschließend in einem ausführlichen

    Artikel

    <https://www.sueddeutsche.de/muenchen/dachau/kz-gedenkstaette-dachau-russische-botschaft-hebertshausen-kraenze-li.3274263

    die Stellungnahmen der deutschen Behörden zitieren. Russische und

    weißrussische diplomatische Delegationen, die getreu dem Protokoll ihrer

    Länder für Gedenkveranstaltungen vorgehen, stellte die Zeitung als Täter

    dar, die die Vorgaben der deutschen Ämter "missachteten". Nach

    Einschätzung der Gedenkstättenleitung seien es sie, die mit ihrem

    Benehmen die historische Versöhnung mit den Deutschen "derzeit erschweren".


    Da somit die Bundesregierung das Abschneiden der Kränze billigt und die

    Staatsanwaltschaft das Einleiten eines Verfahrens verweigert, bleibt nur

    noch die Möglichkeit der Ahndung durch russische oder weißrussische

    Behörden. Die russische Botschaft ließ bereits im Mai verkünden, dass

    die Strafverfolgungsbehörden der Russischen Föderation informiert worden

    seien.


    Währenddessen lassen es sich mitfühlende Menschen nicht nehmen, der

    Ermordeten von Hebertshausen zu gedenken, zuletzt am 22. Juni, dem

    84. Jahrestags des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion. Nun eben mit

    einer Sowjetflagge <https://t.me/RusBotschaft/13682>.


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    05.07.2025

    Nazi-Deutschland /BRD: Kontinuitäten

    aus e-mail von Doris Pumphrey, 5. Juli 2025, 121:54 Uhr


    /Interessant hierzu auch der Artikel im FOCUS (erschienen am 31. März 2012)

    /*Braune Flecken auf grünen Idealen

    <https://www.focus.de/digital/multimedia/schon-die-gruenen-hatten-ein-nazi-problem-debatte-bei-der-piratenpartei_id_2363620.html>* 

    /(nicht nur in der Geschichte der Grünen sondern auch der großen

    Umweltverbände)/


    _

    RTDE 5.7.2025


    _*Der barbarische Russe:

    Wenn der noch fruchtbare Schoß wieder kreißt

    */Von Gert Ewen Ungar/


    Merz hat angekündigt, Deutschland wieder zur größten Militärmacht in

    Europa machen zu wollen. Die Narrative in den großen deutschen Medien

    sind gleichgeschaltet, die Beiträge zu Russland und zum Ukraine-Krieg

    sind über die Breite der deutschen Medienlandschaft bis in die Wortwahl

    identisch. Es wird durch eine breite Angebotspalette an Zeitungen,

    Magazinen und Sendeformaten eine Vielfalt der Meinungen und der

    journalistischen Pluralität vorgetäuscht, die in Deutschland de facto

    nicht existiert. Verstärkt wird diese Narrativ-Gleichschaltung durch

    Zensur und Repression gegenüber unabhängigen Journalisten. Der deutsche

    Informationsraum ist wieder hermetisch abgeriegelt. Presse- und

    Meinungsfreiheit wird in Deutschland nur noch simuliert.


    Deutsche Politik sieht in Russland wieder den Erzfeind und wittert an

    jeder Ecke russische Bedrohungen. Der Feindbildaufbau in Politik und

    Medien läuft auf Hochtouren. Dabei wird auf tief in der deutschen

    Gesellschaft verankerte Klischees und Vorurteile zurückgegriffen, die

    sich leicht aktivieren lassen. Der barbarische Russe, der vergewaltigt,

    brandschatzt und nur die Sprache der Gewalt versteht, hat wieder seinen

    festen Platz in der Berichterstattung deutscher Medien und in den

    Schilderungen deutscher Politiker. Der slawische Untermensch ist als

    rassistische Figur wieder fester Bestandteil der deutschen Erzählung

    über Russland.


    Deutschland rüstet sich für einen Krieg mit Russland, das gar keine

    Kriegsabsichten gegenüber Deutschland hegt. Gleichzeitig unterstützt

    deutsche Politik mit der Ukraine und Israel gleich zwei rechte

    Regime. Deutschland liefert Waffen für Genozid und Kriegsverbrechen.

    Deutsche Politik unternimmt nichts, um Konflikte auf diplomatischem Weg

    zu lösen, dafür aber alles, um seine imperialistischen Interessen

    kompromisslos durchzusetzen. Man ist sich entweder mit Deutschland

    einig, oder man ist nicht mit Deutschland, ist das kompromisslose Motto

    deutscher Außenpolitik. Deutschland wiederholt nun zum dritten Mal, was

    bei Versuch eins und zwei zum Glück für die Welt gescheitert ist.


    Die Frage ist, wie es trotz all der Nie-Wieder-Beteuerungen nach 1945

    dazu kommen konnte? Woher kommt die fehlende Resilienz? In Russland hat

    eine Diskussion an Fahrt aufgenommen, in der es um die

    Nazi-Vergangenheit der Vorfahren der aktuellen Politikerkaste geht.

    Namentlich genannt werden dabei regelmäßig Kanzler Merz (CDU), die

    ehemalige Außenministerin Baerbock und der ehemalige Wirtschaftsminister

    Robert Habeck (beide Bündnis 90/Die Grünen).


    Nun halte ich persönlich diesen persönlichen Ansatz für schwierig. Es

    gibt wohl kaum jemanden deutscher Herkunft, in dessen Ahnenreihe sich

    nicht Bewunderer und Unterstützer des Nationalsozialismus finden lassen.

    Damit lässt sich auch der Wiederholungszwang, dem die deutsche

    Gesellschaft unterliegt, nicht befriedigend erklären.


    Die Erklärung, warum Deutschland seine historisch gemachten Fehler wie

    im Zwang wiederholt, wenn es nicht unter Aufsicht gestellt ist, liegt

    nicht an einzelnen Personen, sondern an den institutionellen und

    strukturellen Kontinuitäten in Deutschland. In Westdeutschland hat eine

    Entnazifizierung, die diesen Namen verdient, nie stattgefunden.


    In Ostdeutschland ist die Situation anders, allerdings wurden nach der

    Wiedervereinigung Ostdeutsche von allen Posten der Macht ferngehalten.

    Es gibt im Osten der Republik eine höhere Sensibilität gegenüber

    Totalitarismus und Faschismus, die allerdings aufgrund des fehlenden

    Einflusses auf Gesamtdeutschland ins Leere läuft. In Westdeutschland

    dagegen gab es fließende Übergänge. Hohe Nazifunktionäre schafften es

    wieder in hohe Positionen und gestalteten den Aufbau der Institutionen

    der Bundesrepublik aktiv mit.


    Die CDU nahm bedenkenlos ehemalige Mitglieder der NSDAP auf. So konnte

    1966 mit Kurt Kiesinger ein ehemaliges NSDAP-Mitglied Bundeskanzler

    werden. Dass dies möglich wurde, deutet auf ein gesellschaftliches

    Klima, in dem bewusst weggeschaut wurde. Aber es war eben mehr als nur

    betretenes Wegsehen. Die alten Nazikader führten kein verstecktes

    Dasein, sie hatten in der jungen BRD Gestaltungsmacht. Sie konnten ihre

    Saat säen, und die Saat geht nun auf. Einige Beispiele.


    Der deutsche Auslandsgeheimdienst BND hat seine Wurzeln in der

    Organisation Gehlen. Ihr Gründer, Reinhard Gehlen, war während der

    NS-Zeit Leiter der Militäraufklärung Fremde Heere Ost. Es waren die USA,

    die Gehlen beim Aufbau eines deutschen Geheimdienstes unterstützten und

    zunächst auch finanzierten. Vor diesem Hintergrund ist es wenig

    verwunderlich, dass der BND zwar überall russische Aktivitäten wittert,

    zum großen Abhören durch die USA aber schweigt.


    Nachdem Edward Snowden 2013 das Ausmaß der Spionagetätigkeit der

    US-Geheimdienste aufgedeckt hatte, blieb es in Deutschland unangemessen

    still. Darüber, dass die USA diese Praktik aufgegeben haben, den

    kompletten Datenverkehr weltweit zu überwachen, ist nichts bekannt.

    Während die großen US-Tech-Giganten wie Google, Microsoft und Facebook

    mit US-Geheimdiensten kooperieren und dabei nicht nur Daten zugänglich

    machen, sondern auch Hintertüren zur Überwachung in Apps und Software

    einbauen, bleibt der Blick des BND streng nach Osten gerichtet. Da stand

    und steht für ihn und seine Vorgängerorganisationen der Feind.


    Ebenfalls Mitglied des Nachrichtendienstes Fremde Heere Ost und

    Gründungsmitglied der Organisation Gehlen war Klaus Ritter. Auf einer

    Reise in die USA im Jahr 1959 wurde Ritter mit der Arbeit von

    Think-Tanks vertraut gemacht. Ritter gründete daraufhin im Jahr 1962 die

    Stiftung Wissenschaft und Politik, die deutsche Politik und Medien zu

    außenpolitischen Themen berät. Gern stellt die Stiftung auch

    Interview-Partner zur Verfügung. Claudia Major, die aus den Sesseln

    deutscher Talkshows unermüdlich für eine Eskalation gegenüber Russland

    die Werbetrommel rührt, ist dafür ein Beispiel. Damit erklärt sich auch,

    warum Claudia Majors Ausführung zu Russland so ähnlich wie

    der Generalplan Ost der Nazis klingt. Sie stammen schlicht von dort. Das

    Dossier

    <https://www.swp-berlin.org/themen/dossiers/russlands-krieg-gegen-die-ukraine

    zum Ukraine-Krieg auf der Seite der Stiftung lässt wenig Zweifel an der

    Kontinuität von vor 1945 bis heute aufkommen. Unter anderem von dort

    beziehen die deutschen Medien ihr Wording und werden darüber ideologisch

    gleichgeschaltet.


    Der Faschismus bleibt eng mit der deutschen Politik verwoben. Das gilt

    selbstverständlich auch für die Grünen. Zu deren Gründervätern zählten

    gleich mehrere ehemalige Nazis. Jürgen Trittin sprach vor einigen Jahren

    bereits von "erheblichen Schnittmengen" und "zahlreichen

    Berührungspunkten" zwischen grüner Umwelt- und Nazi-Ideologie. Der

    Eindruck, die Grünen streben nach einer faschistischen Öko-Diktatur,

    kommt nicht von ungefähr. Es ist einfach so. Die totalitäre Ideologie

    ist in die Tiefen ihrer politischen DNA eingeschrieben.


    Was für Politik und hohe Bundesämter gilt, gilt natürlich auch für die

    Medien. Für nahezu alle großen Blätter, für die /Zeit/, den /Spiegel/

    und die /Welt/ schrieb unter unterschiedlichen Pseudonymen Paul Schmidt,

    der während der NS-Herrschaft Pressechef von Außenminister von

    Ribbentrop war. Hans Abich, in den Siebzigern Programmdirektor bei der

    /ARD,/ lernte sein Handwerk im Reichsministerium für Volksaufklärung und

    Propaganda. Wer sich mit diesem Wissen heute die /Tagesschau/ ansieht,

    den wundert nichts mehr. Der antirussische Spin der deutschen Journaille

    wurde früh angestoßen.


    Das ist natürlich nur eine kleine Auswahl, allerdings ließe sich die

    Liste der Kontinuitäten zwischen Nazi-Deutschland und der späteren

    Bundesrepublik noch lange fortsetzen. Klar ist, dass es einen echten

    Bruch nie gegeben hat, und er von den Alliierten, allen voran den USA

    auch nie gewünscht war. Deutschland sollte Bollwerk gegen die

    Sowjetunion und später gegen Russland bleiben. Dafür war man bereit, den

    Pakt mit deutschen Faschisten einzugehen. Sie sahen darin eine

    Einladung, ihre Arbeit auch nach 1945 fortzusetzen.


    Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch, warnte Bertolt Brecht

    und behielt rückblickend recht. Heute kreißt dieser Schoß wieder.

    Gewährt man Deutschland Freiraum, werden die Strukturen aktiv, die der

    Bundesrepublik in ihren Anfangsjahren von alten Nazikadern eingepflanzt

    wurden. Deutschland kann gar nicht anders, als seine Geschichte zu

    wiederholen, denn die Weichen wurden nie anders gestellt. Es soll auch

    nicht anders. Deutschland soll als Antirussland wirken, auch wenn das

    bedeutet, dass dadurch Europa wieder in Schutt und Asche gelegt werden

    könnte. Die sich für die Zeit danach stellende Schuldfrage ist damit

    allerdings auch geklärt.


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    05.07.2025

    Screenshot_2025_07_06_at_11_32_45_Na_ja_weil_es_eben_der_Russe_ist

    nachdenkseiten.de, vom 03. Juli 2025 um 12:00 Eine Glosse von Rolf Krug

    Wenn es nach unserem Verteidigungsminister Boris Pistorius geht – dem Dealer der Kriegss(t)üchtigkeit – dann greift der Russe ab 2029 ein. Oder an. Was genau, das weiß man nicht. Wo? Auch nicht. Und warum? Na ja … weil es eben der Russe ist. Wir Deutschen können uns endlich wieder gemütlich in unser Moralzimmer zurückziehen und uns dort ausruhen. Schließlich haben wir diesmal nicht angefangen. 


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    Im Grunde genommen ist der Russe aber freundlich. Er weiß, dass wir jetzt schon alle möglichen Ecken auskratzen müssen, um der Ukraine überhaupt noch irgendeine Waffe liefern zu können – weil die eigenen Bestände aussehen, als hätte eine Horde Mäuse darin genächtigt, bewacht von einer arthritischen Katze.

    Und was macht er, der nette Russe?

    Er wartet. Bis 2029.

    Das ist doch wirklich ein entgegenkommender Zug: Er lässt dem Gegner Zeit, wieder zu Kräften zu kommen – damit der überhaupt noch eine Chance hat.

    Da soll noch einer behaupten, der Russe sei bösartig.

    Anscheinend ist er nur artig – oder blöd – was ihn aber nicht bösartiger, sondern höchstens blödartiger macht.

    Oder einfach ein fairer Kampfgenosse, der wartet, bis der Gegner auch wieder aufsteht.

    Nun – letztlich ist es egal.

    Eins ist jedenfalls sicher: **Der Russe steht vor der Tür!**

    Man braucht nur Carlo Masala in die Glaskugel schauen zu lassen – oder bei Agnes, der Besorgten und jetzt Entsorgten, nachzufragen – und schon ist nochmal klar: **Der Russe steht immer noch vor der Tür!**

    Gut, beide interessiert es wenig, dass der Amerikaner währenddessen den kompletten Kühlschrank leer frisst, es sich im Haus bequem gemacht hat und auch schon die Schmuckschatulle geleert hat – noch bevor es für Merz Herbst wird und einer fürs Sozialgebimbel einen silbernen Teelöffel opfert.

    Und wenn der Russe nicht kommt, liegt es nicht daran, dass er nicht gewollt hätte. Nein, wir haben ihn abgeschreckt. (Es lebe das Präventionsparadoxon.) Mit einem unlustigen Russen ist der Wahnsinn von 500 Milliarden Militärausgaben und 5 Prozent vom BIP für die NATO ja auch nicht zu verkaufen.

    Und für die Folgen unserer Klimaversauung – deren weitere Abwehr – ist dann erst recht kein Geld mehr übrig.

    Ob der Klimawandel uns tötet, ist ja unsicher. Dass der Iwan uns überrollen wird: Fest gesetzt!

    Da müssen die Klimakleber in 2029 aufpassen, dass sie schnell von der Straße kommen. Fürs Klima Kleben und durch Sergejs Panzer in den Asphalt Eingearbeitet Werden – nicht gerade ruhmvoll.

    Aber vielleicht hat der Russe ja auch gar keine Lust zu kommen.

    Das wäre fatal. Schon allein wegen all der Mühe – und dem großangelegten Abverkauf an Nebelkerzen, um dem Volk Verzicht als Tugend anzudrehen.

    Wenn der Russe lesen kann – und einige können es ja, wie man so behauptet –, dann schaut er sich einmal die Verspätungszeiten der Deutschen Bahn an, die vielen Löcher im Mobilfunknetz, den Zustand der Schulen, und dass es bei uns Rentner gibt, die nach 40 Jahren Arbeit in Mülltonnen herumwühlen.

    Manche Städte sehen aus, als wäre er schon dagewesen – und warum sollte er sich dann die Mühe machen, gleich nochmal zu kommen?

    Elend kennt das russische Volk ja selbst schon genug – da braucht es Deutschland nicht erst zu erobern.

    Aber jetzt genug gejammert.

    Von der Regierungskanzel wird gepredigt: „Wir müssen jetzt alle an einem Strang ziehen“.

    Den hat man uns allerdings um den Hals gelegt …


    Titelbild: Shutterstock


    Rubriken: Außen- und Sicherheitspolitik Audio-Podcast Kampagnen/Tarnworte/Neusprech


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    Info: https://www.nachdenkseiten.de/?p=135474


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    05.07.2025

    Screenshot_2025_07_06_at_11_18_58_Merz_Wir_m_ssen_uns_gegen_Russland_wehren_nein_das_m_ssen_wir_nicht

    nachdenkseiten.de, 04. Juli 2025 um 12:30 Ein Kommentar von Marcus Klöckner

    „Russland greift uns an. Dagegen müssen wir uns wehren“ – das sagte Friedrich Merz vor einem Millionenpublikum in der Sendung „Maischberger“. In einem Tweet auf der Plattform X wiederholte er die Aussage. Das ist nichts anderes als Feindbildaufbau. Der deutschen Bevölkerung wird Angst vor Russland gemacht. Ein Deutschland, das sich gegen Russland „wehren“ soll? Das klingt wie ein historischer Albtraum. 


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    Russland greift uns nicht an. Und wir müssen uns auch nicht gegen Russland wehren. Friedrich Merz sieht das aber anders. Bei Maischberger sagte der Bundeskanzler das Folgende: „Wir werden ausspioniert, wir haben Sabotageakte und massive Falschmeldungen. Russland greift uns an. Dagegen müssen wir uns wehren.“

    So, so. Ist das so? Gibt es da Gerichtsfestes? Oder bewegen sich die Anschuldigungen auf der Qualitätsebene der Medienberichterstattung? Im Februar berichtete etwa der Spiegel „exklusiv“ von aus Russland gesteuerten Angriffen auf deutsche Autos – mit, Achtung: Bauschaum. Ja, richtig: Bauschaum. Ich bezeichne das als billige Propaganda. Warum sollte die Atommacht Russland des deutschen liebstes Kind, das Auto, mit Bauschaum angreifen?

    Ja, ja, schon klar: Weil Russland eben „böse“ ist. Und dumm wohl noch obendrauf. Dumm deshalb, weil das Land auf diese Weise selbst dafür sorgen würde, dass die deutsche Bevölkerung Wut gegen Russland entwickelt. Warum aber sollte Russland das wollen? Ein Interesse daran, die Bevölkerung gegen Russland aufzustacheln, haben der Logik nach jene Kreise, die unbedingt das Feindbild Russland in Deutschland und anderen NATO-Staaten aufbauen wollen. Doch die Logik ist bekanntlich der Feind der Propaganda.

    Da Merz von Angriffen gesprochen hat: Wie sieht es überhaupt mit Nord Stream aus? Der schwerste Anschlag auf die Energieinfrastruktur seit dem Bestehen der Republik. Gibt es nun endlich Beweise, dass Russland verantwortlich ist? Da ist die Politik erstaunlich schmallippig geworden. Und das, wo doch US-Präsident Joe Biden auf einer Pressekonferenz gesagt hat, es werde Mittel und Wege geben, Nord Stream zu einem Ende zu bringen. Zu den Äußerungen Bidens sagte Merz nichts. Und wie war das, als bekannt wurde, dass die USA Deutschland abhörten? Sprach Merz damals auch von einem Angriff? Damals hat die deutsche Politik allenfalls mit Watte geworfen.

    Die Aussage, „Russland greift uns an“, zeugt gerade auch im Hinblick auf das Vorhaben „Kriegstüchtigkeit“ von bemerkenswerter politischer Verantwortungslosigkeit. Da wird der Krieg plötzlich zum Greifen nah. Hatte Merz keine andere Formulierung zur Hand, als von „greift uns an“ zu sprechen? Merkel formulierte damals beim Abhörskandal so: „Ausspähen unter Freunden geht gar nicht.“ Der Unterschied sollte jedem auffallen. Einmal sanfte Zurückhaltung, einmal eine Sprache, die die Eskalation bedingt.

    Beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk gehen aber Aussagen dieser Art problemlos durch. Ein Millionenpublikum hört unwidersprochen und ohne kritische journalistische Einordnung anti-russische Stimmungsmache. Maischberger sitzt da und nickt zustimmend bei den Ausführungen von Merz. Ein Deutschland, das sich gegen Russland wehren soll – das klingt wie ein historischer Albtraum!


    Titelbild: Screenshot maischberger


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    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    05.07.2025

    Gaza: Hilfe als Hinterhalt

    aus e-mail von Doris Pumphrey, 5. Juli 2025, 11:16 Uhr


    _RTDE 5.7.2025


    _*Hilfe als Hinterhalt: Das grausame neue Gesicht von Israels Gaza-Krieg


    *Die israelische Armee hat die UNO ausgeschaltet und eine eigene Gruppe

    mit Verbindungen zum IS eingesetzt, die Lebensmittel an die hungernden

    Palästinenser im Gazastreifen verteilt. Doch statt Lebensmittel erwarten

    die Hungernden nur allzu oft tödliche Kugeln.


    /Von Eva Bartlett/


    Seit 630 Tagen sieht die Welt zu, wie Israel die Palästinenser im

    Gazastreifen abschlachtet, vor allem durch Bombardierung, Scharfschützen

    und Aushungern. Abseits der Kamera haben wir von der Vergewaltigung und

    Folter palästinensischer Geiseln gelesen, einschließlich der Folterung

    zu Tode von drei Ärzten aus der Enklave.


    Die ungezählten Opfer von Gaza: Warum Hunderttausende sterben und sterben


    In den letzten 100 Tagen hat Israel die Blockade des Gazastreifens

    verschärft, sodass die hungernden Palästinenser keine Lebensmittel, kein

    Trinkwasser, keine Medikamente und keinen Treibstoff mehr erhalten.

    Deshalb können auch Krankenwagen nicht mehr fahren. Dies alles folgte

    auf frühere Blockaden, die im vorigen Jahr sowie die Gesamtblockade des

    Gazastreifens, die seit über 17 Jahren andauert.


    Seit Ende Mai sehen wir grausame Videoaufnahmen

    <https://x.com/translatingpal/status/1932106661197431076> von

    Palästinensern, die einem Skelett gleichen und die in der Hoffnung auf

    Nahrungsmittelhilfe von US-Söldnern und israelischen Soldaten

    niedergeschossen werden.


    Israel hat ununterbrochen Palästinenser bombardiert, Krankenhäuser

    zerstört und Ärzte und Patienten entführt. Es hat Kirchen, Schulen,

    UN-Zentren und Zelte bombardiert, in denen vertriebene Palästinenser

    untergebracht waren – in vermeintlich "sicheren Zonen", in die sie auf

    Befehl der israelischen Armee fliehen mussten. Israel hat über 200

    Journalisten getötet und gezielt Mediziner angegriffen. Für diejenigen,

    die das Geschehen erst seit letzter Zeit verfolgen: Diese Verbrechen

    reichen Jahrzehnte zurück und erstrecken sich auch auf die Verbrechen

    der israelischen Armee und der illegalen Siedler gegen die

    palästinensische Zivilbevölkerung, einschließlich der Kinder, im

    Westjordanland. Hinzu kommen die jahrelangen israelischen

    Bombardierungen ziviler Gebiete im Libanon und in Syrien sowie die

    jüngsten unprovozierten Bombenangriffe Israels auf Iran.


    Es genügt zu sagen, dass, als Israel unter den Beschuss iranischer

    Vergeltungsraketen geriet, Berichte über etwa 30 israelische Zivilisten

    <https://x.com/AjAqrabawi/status/1936010342712377396>, die unter

    Panikattacken litten, wenig Sympathie

    <https://x.com/papel_em_branco/status/1936010693506937241> hervorriefen.


    Wer das Geschehen länger als zwei Jahre mitverfolgt hat, wird sich auch

    an frühere israelische Kriege gegen den Gazastreifen erinnern, wie im

    Jahr 2014, als sich Israelis mit Getränken und Snacks auf Hügeln

    versammelten <https://x.com/EvaKBartlett/status/1933798472391483626>, um

    die Bombardierung der Enklave zu feiern, oder an die T-Shirts

    <https://x.com/EvaKBartlett/status/1933798703849967767> aus dem Jahr

    2009, auf denen Scharfschützen, die schwangere Frauen töteten, mit dem

    Spruch "ein Schuss, zwei Tote" gefeiert wurden.


    Als ich 2010 über einen traumatisierten 10-Jährigen schrieb

    <https://ingaza.wordpress.com/2010/01/06/tragic-smile/>, der nach dem

    Beschuss seines Hauses durch israelische Panzer nicht mehr normal gehen

    und sprechen konnte, zitierte ich eine Studie des Gaza Community Mental

    Health Programme <https://www.gcmhp.org/>, in der festgestellt wurde,

    dass "91,4 Prozent der Kinder im Gazastreifen Symptome einer

    mittelschweren bis sehr schweren Posttraumatischen Belastungsstörung

    (PTBS) aufwiesen". Das ist fünfzehn Jahre und zahlreiche israelische

    Kriege in Gaza her.


    *Die US-israelischen "humanitären" Todesfallen*


    Das Töten der Palästinenser im Gazastreifen hat nicht aufgehört, als

    Israel Iran angriff. Die heimtückischste neue Erfindung ist die kürzlich

    gegründete US-amerikanisch-israelische "Hilfs"-Gruppe

    <https://www.timesofisrael.com/liveblog_entry/in-blow-to-israeli-backed-aid-effort-ceo-of-group-supposed-to-manage-it-resigns/>,

    die Gaza Humanitarian Foundation (GHF). Die israelischen Behörden

    beschuldigen die Hamas, Hilfsgüter zu stehlen, und haben auf der

    Grundlage dieser unbewiesenen Anschuldigung entschieden, dass die

    alteingesessenen UN-Hilfsorganisationen nicht mehr im Gazastreifen tätig

    sein können. Sie bestehen stattdessen darauf, dass eine Gruppe mit

    bewaffneten Kampfveteranen (Söldner wäre ein besseres Wort) besser dafür

    geeignet ist, sicherzustellen, dass die Lebensmittel die hungernden

    Palästinenser erreichen.


    Es ist empörend, dass Israel trotz einiger Medienberichte monatelang

    (eigentlich seit über einem Jahr) die Einfahrt von Tausenden Lieferwagen

    mit Hilfsgütern, die sich außerhalb des Gazastreifens angesammelt haben,

    blockieren durfte, nur um dann zu diktieren, dass angeheuerte Bewaffnete

    für die "Verteilung der Hilfsgüter" zuständig seien.


    Die große Ironie und Doppelzüngigkeit besteht darin, dass sogar

    israelische und westliche Medien über diejenigen berichtet

    <https://threadreaderapp.com/thread/1928535665194709237.html> haben, die

    tatsächlich Hilfsgüter in Gaza stehlen: nicht die Hamas, sondern eine

    mit dem IS ("Islamischer Staat") verbundene Gruppe, die unter dem Schutz

    der israelischen Armee steht.


    Wie das unabhängige Medienportal /The Cradle/ berichtete

    <https://x.com/TheCradleMedia/status/1926339007136285093>, ist der

    Anführer der Gruppe, Yasser Abu Shabab, "ein bekannter Anführer

    bewaffneter Banden, die mit dem IS in Verbindung stehen und an der

    Plünderung von Hilfsgütern unter israelischem Schutz beteiligt sind […]

    mehrere Berichte, unter anderem von /Haaretz/ und der /Washington Post/,

    bestätigen, dass diese Banden beim Plündern vor den Augen der

    israelischen Streitkräfte gesehen wurden, die weder eingreifen noch den

    Diebstahl verhindern."


    In einem weiteren Beitrag zitierte

    <https://x.com/TheCradleMedia/status/1930598795118539035> /The Cradle/

    den israelischen Armeerundfunk mit einer Meldung: "Israel hat Waffen an

    Mitglieder der Miliz geliefert […] die Miliz operiert hauptsächlich in

    der Gegend von Rafah, die die israelische Armee besetzt und geräumt hat.

    Zu den Aufgaben der Miliz gehört es, humanitäre Hilfe an der Zufahrt

    nach Gaza zu hindern und die Hamas zu bekämpfen."


    Offensichtlich werden die ausgehungerten Palästinenser, nachdem sie

    viele Kilometer zu den Verteilungsstellen gelaufen sind, in enge Gehege

    gepfercht und von den "Hilfs"-Söldnern beschossen

    <https://x.com/M_shebrawy3/status/1929089949229302117>.


    Jonathan Whittall, der Leiter des UN-Büros für die Koordinierung

    humanitärer Angelegenheiten in den besetzten palästinensischen Gebieten

    (OCHA), beschrieb die Situation als "Bedingungen, die geschaffen wurden,

    um zu töten, ein Gemetzel, Hunger als Waffe, ein Todesurteil für

    Menschen, die nur versuchen zu überleben".


    In einem am 23. Juni veröffentlichten Videoclip

    <https://x.com/UNOCHA/status/1937064440416919802> sagte Whittall:


    /"Die israelischen Behörden hindern uns daran, die Hilfsgüter über die

    Systeme zu verteilen, die wir eingerichtet haben und von denen wir

    wissen, dass sie funktionieren. Wir könnten jede Familie im Gazastreifen

    erreichen, wie wir es in der Vergangenheit getan haben, aber wir werden

    auf Schritt und Tritt daran gehindert."/


    Kürzlich schloss sich UN-Generalsekretär António Guterres den Worten von

    Whittall an: "Jede Operation, die verzweifelte Zivilisten in

    militarisierte Zonen bringt, ist von Natur aus unsicher. Es werden

    Menschen getötet. Menschen werden getötet, nur weil sie versuchen, sich

    und ihre Familien zu ernähren. Die Suche nach Nahrung darf niemals ein

    Todesurteil sein." Die humanitären Bemühungen der UNO würden von Israel

    "stranguliert", sagte er, und sogar die Helfer selbst hungerten.


    Berichten zufolge wurde den Hilfe suchenden Zivilisten in den Kopf und

    in die Brust geschossen

    <https://x.com/Mohammed_awed12/status/1937438029024580029>, was eher

    nach einer Hinrichtung als nach "Warnschüssen" oder "Kontrolle der

    Menge" aussieht.


    Zu den Opfern gehört auch ein 18 Monate altes Mädchen, dessen

    Röntgenbild eine Kugel in der Brust zeigt. Nach Angaben

    <https://x.com/RamAbdu/status/1937597358923301102> von Ramy Abdu, dem

    Vorsitzenden der gemeinnützigen Organisation Euro-Med Human Rights

    Monitor, wurde das Mädchen in den Armen seiner Mutter auf dem Weg zu

    einem GHF-Hilfszentrum erschossen.


    Bereits im Juli letzten Jahres warnte ein Artikel

    <https://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(24)01169-3/fulltext

    in /The Lancet/, dass die Gesamtzahl der palästinensischen Zivilisten,

    die seit Oktober 2023 direkt oder indirekt durch israelische Angriffe

    ums Leben gekommen sind, "bis zu 186.000 oder sogar noch mehr" betragen

    könnte. Andere Schätzungen fielen noch düsterer aus, darunter die des

    Norwegers Dr. Mads Gilbert, der im Laufe der Jahre ausgiebig im

    Gazastreifen gearbeitet hat. Er sagte, dass die Zahl der Toten oder

    derjenigen, die bald sterben werden, über 500.000 betragen könnte.


    Ein aktueller Bericht

    <https://dataverse.harvard.edu/file.xhtml?fileId=11584799&version=1.0

    von Yaakov Garb von der Ben-Gurion-Universität, der über das /Harvard

    Dataverse/ veröffentlicht wurde, zeigt dies deutlich. Darin wird die

    falsche Verteilung von Hilfsgütern wie folgt beschrieben: "Alle befinden

    sich in der Nähe von israelischen Militäreinrichtungen und sind mit

    bewaffneten Kampfveteranen besetzt, die von israelischen Soldaten

    unterstützt werden. Das Design schafft einen 'chokepoint' oder 'fatal

    funnel' –  einen vorhersehbaren Bewegungspfad von einem einzigen Eingang

    zu einem einzigen Ausgang ohne Deckung oder Versteck."


    Es ist die Grafik auf Seite fünf, die die Aufmerksamkeit der Menschen

    auf sich zog. Von 2,2 Millionen Einwohnern vor dem Völkermord sind in

    der Grafik nur 1,85 Millionen erfasst, sodass sich viele fragen: Wo sind

    die restlichen 350.000 Menschen? Dies macht die vor einem Jahr

    geäußerten Bedenken noch berechtigter.


    In seinem Bericht schrieb Yaakov Garb: "Das israelische Militär hat als

    Besatzungsmacht im Gazastreifen die Pflicht, die Bevölkerung mit

    humanitärer Hilfe zu versorgen […] wenn ein Angreifer nicht in der Lage

    ist, eine hungernde Bevölkerung nach einer von ihm verursachten

    Katastrophe angemessen und neutral zu versorgen, ist er verpflichtet,

    dies anderen humanitären Organisationen zu ermöglichen."


    Aber stattdessen sehen wir jeden Tag neue Schrecken von ausgemergelten

    palästinensischen Zivilisten, die verzweifelt dem Tod trotzen, in der

    Hoffnung, Nahrung für ihre Familien zu bekommen – und von der

    israelischen Armee und den von ihr unterstützten Söldnern

    niedergeschossen werden.


    Zumindest scheint es so, als würden diese Taten Israel endlich einholen,

    was bedeutet, dass es dem Staat und seinen Vertretern an Unterstützung

    und Vertrauen fehlt und dass weltweit Gerechtigkeit für die

    Palästinenser gefordert wird.


    Um Craig Mokhiber

    <https://www.craigmokhiber.org/archives/portfolio-archive/2023-10-28>,

    einen Menschenrechtsanwalt und ehemaligen hochrangigen

    UN-Menschenrechtsbeauftragten,zu zitieren, der kürzlich auf X sagte

    <https://x.com/CraigMokhiber/status/1937616704726790370>:


    /"Das (israelische) Regime ist wegen Völkermordes angeklagt. Seine

    Führer sind wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt. Israel

    ist isoliert. Das Regime wird jetzt fast überall verachtet, so wie die

    Nazi- und Apartheid-Regime verachtet wurden. Die Menschen in der ganzen

    Welt stehen mit überwältigender Mehrheit auf der Seite Palästinas. Von

    Apartheid und Völkermord kommt man nicht mehr zurück."

    ------------------------------------/


    */Eva Bartlett /*/ist eine unabhängige kanadische Journalistin. Sie hat

    viele Jahre lang aus den Konfliktgebieten des Nahen Ostens berichtet,

    insbesondere aus Syrien und Palästina (wo sie fast vier Jahre lang

    gelebt hat)./


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    04.07.2025

    Das erste Buch Mose 6:1-22             hier  ausgewählt Zitate:  1. Moses 6,
                                                                                                                                Vers 5-7

    jw.org, Seite besucht am 4. Juli 2025, 21:05 Uhr


     Da sah Jehova, dass die Menschen auf der Erde sehr schlecht waren und die Gedanken in ihrem Herzen immer nur zum Bösen neigten.d  Jehova bedauerte*, dass er Menschen auf der Erde gemacht hatte, und es tat ihm im Herzen weh.e  Also sagte Jehova: „Ich werde die Menschen, die ich erschaffen habe, von der Erdoberfläche wegwischen – die Menschen zusammen mit den Haustieren, den kriechenden Tieren auf der Erde und den Tieren, die am Himmel fliegen. Denn ich bedauere, dass ich sie gemacht habe.“


    Info: https://www.jw.org/de/bibliothek/bibel/studienbibel/buecher/1-mose/6/


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.


    unser Kommentar: "Die ernsthaft Interessierten finden, was sie suchen."




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    Politische Unruhen vor dem Hintergrund biblischer Prophezeiungen


    jw.org, Seite besucht am 4. Juli 2025, 21:10 Uhr


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    Duration -:-

     Viele sind heute in politischen Fragen gespalten. Staatsbürger sind sich nicht einig über die Gesetze, die erlassen werden, und bringen ihre politischen Meinungen vehement zum Ausdruck. Auch Gesetzgeber und andere Regierungs­vertreter nehmen oft gegensätzliche Positionen ein und sind nicht bereit nachzugeben. Solche Differenzen führen zu politischen Unruhen, die Regierungen in ihrer Handlungsfähigkeit einschränken können.

     Die politischen Unruhen in den Vereinigten Staaten und Großbritannien sind allerdings von besonderer Bedeutung. Warum? Weil die Bibel vorausgesagt hat, dass diese beiden Nationen mit derartigen Unruhen zu kämpfen hätten – genau in der Zeit, in der eine von Gott eingesetzte himmlische Regierung in die Angelegenheiten der Menschen eingreifen würde.

    Politische Unruhen „am Ende der Tage“

     Im Bibelbuch Daniel ist eine erstaunliche Prophezeiung aufgezeichnet. In der Prophezeiung offenbarte Gott, „was am Ende der Tage geschehen wird“ (Daniel 2:28). Damals bezog sich diese Beschreibung auf einen wichtigen, in der Zukunft liegenden Zeitpunkt der menschlichen Geschichte.

    Diese biblische Prophezeiung teilte Gott dem König von Babylon in einem Traum mit. In dem Traum sah der König eine riesige Statue, die aus verschiedenen Metallen geschmiedet war. Später erklärte ihm der Prophet Daniel, dass die Statue vom Kopf bis hinunter zu den Füßen Weltmächte darstellt, die im Lauf der Geschichte nacheinander aufsteigen und fallen würden. a Schließlich würde die Statue von einem Stein getroffen werden, der Gottes Königreich oder Regierung darstellt, und vollständig zerstört werden (Daniel 2:36-45).

     Wie aus der Prophezeiung hervorgeht, wird Gottes Königreich alle menschlichen Regierungen ersetzen. Von diesem Reich sprach auch Jesus, als er seine Jünger beten lehrte: „Lass dein Königreich kommen“ (Matthäus 6:10).

     Aber an welcher Stelle der Prophezeiung werden politische Unruhen vorausgesagt? Interessant ist, dass die Füße der Statue „teils aus Eisen und teils aus Ton“ bestanden (Daniel 2:33). Diese Mischung unterschied sich von den festen Metallen, aus denen der Rest der Statue zusammengesetzt war, was darauf hindeutet, dass es eine Weltmacht geben würde, die sich von den anderen unterscheiden würde. In welcher Hinsicht? In Daniels Prophezeiung heißt es:

     „Und du hast gesehen, dass die Füße und die Zehen teils aus Töpferton und teils aus Eisen bestanden. Genauso wird das Königreich geteilt sein, aber dennoch etwas von der Härte des Eisens in sich haben. Denn wie du ja gesehen hast, war das Eisen mit weichem Ton vermischt. Und so, wie die Fußzehen teils aus Eisen und teils aus Ton waren, so wird das Königreich teils stark und teils zerbrechlich sein. So, wie du Eisen mit weichem Ton vermischt gesehen hast, so werden sie mit dem Volk vermischt sein, aber nicht aneinander haften, das eine am anderen, genauso wenig, wie sich Eisen mit Ton vermischt“ (Daniel 2:41-43).

     Gemäß der Prophezeiung würde die Weltmacht, die durch die Füße der Statue dargestellt wird, mit politischen Unruhen konfrontiert werden. Sie würde von innen heraus geschwächt werden – durch ihr eigenes Volk.

    Wie sich Daniels Prophezeiung heute erfüllt

     Die Füße der Statue stehen für die heute dominierende Weltmacht, die Allianz zwischen den Vereinigten Staaten und Großbritannien. Wie stützen aktuelle Entwicklungen diese Schlussfolgerung?

     Die Füße der Statue sind „teils aus Eisen und teils aus Ton“, eine Verbindung, die von Natur aus schwach ist (Daniel 2:42). Heute werden sowohl die Macht der Vereinigten Staaten als auch die Macht Großbritanniens durch ihre eigene Gesellschaft geschwächt. Zum Beispiel gibt es in beiden Ländern Konflikte innerhalb der Bevölkerung. Bürger protestieren gewaltsam für ihre Rechte. Ihre gewählten Vertreter können nur selten Mehrheitsbeschlüsse fassen. Da die Bevölkerung so gespalten ist, sind beide Regierungen manchmal nicht in der Lage, ihre Ziele erfolgreich umzusetzen.

     Hier einige weitere Details der Prophezeiung Daniels. Was bedeuten sie und wie erfüllen sie sich heute?

     Prophezeiung: „Das Königreich [wird] geteilt sein, aber dennoch etwas von der Härte des Eisens in sich haben“ (Daniel 2:41).

     Bedeutung: Obwohl die Vereinigten Staaten und Großbritannien mit internen politischen Spaltungen zu kämpfen haben, verfügen sie über starke Streitkräfte. Das verschafft ihnen eine Autorität und Durchsetzungskraft, die der Stärke von Eisen gleicht.

     Erfüllung

     Im Jahr 2023 investierte die Allianz der Vereinigten Staaten und des Vereinigten Königreichs mehr in ihre Streitkräfte als die zwölf nächstgrößten Geldgeber zusammengenommen (Stockholmer Friedens­forschungs­institut Sipri).

     „Die Zusammenarbeit zwischen dem Vereinigten Königreich und den USA in der Verteidigung … hat sich zur solidesten, tiefgreifendsten und fortschrittlichsten Partnerschaft zweier Länder entwickelt. … Wir arbeiten zusammen, wir stehen zusammen, wir kämpfen zusammen“ (Strategic Command, Verteidigungs­ministerium des Vereinigten Königreichs, April 2024).

     Prophezeiung: „So, wie die Fußzehen teils aus Eisen und teils aus Ton waren, so wird das Königreich teils stark und teils zerbrechlich sein“ (Daniel 2:42).

     Bedeutung: Trotz ihrer militärischen Stärke sind die Vereinigten Staaten und Großbritannien durch die Gestaltung ihres politischen Systems eingeschränkt. Ohne die Zustimmung einer klaren Mehrheit fällt es ihnen schwer, ihre Pläne zu verwirklichen.

     Erfüllung

     „Spaltungen innerhalb der amerikanischen Politik schränken nach Ansicht einiger politischer Analysten auch … [die] Fähigkeit [der Vereinigten Staaten] ein, auf der globalen Bühne etwas zu bewegen, von Sicherheit bis Handel“ (The Wall Street Journal).

     „Noch nie da gewesene politische Unruhen … haben Politiker abgelenkt und so die Behörden darin behindert, die Reformagenda der [britischen] Regierung voranzutreiben“ (Institute for Government).

     Prophezeiung: „So werden sie [das Königreich] mit dem Volk vermischt sein, aber nicht aneinander haften“ (Daniel 2:43).

     Bedeutung: Die Bürger haben vielleicht ein gewisses politisches Mitspracherecht, aber die Ergebnisse sind weder für die Regierung noch für die Wähler zufrieden­stellend.

     Erfüllung

     „Derzeit sind die Ansichten von US-Bürgern über Politik und gewählte Regierungs­vertreter durchweg negativ“ (Pew Research Center).

     „Das Vertrauen der Menschen in Regierungen und Politiker und das Vertrauen in ihre Regierungssysteme war in den letzten fünfzig Jahren noch nie so gering wie heute“ (National Centre for Social Research).

    Wie sich Daniels Prophezeiung in der Zukunft erfüllt

     Wie die Prophezeiung Daniels deutlich macht, wird die Allianz zwischen den Vereinigten Staaten und Großbritannien die dominierende Weltmacht sein, wenn Gottes Königreich alle menschlichen Regierungen ablöst (Daniel 2:44).

     Das Bibelbuch Offenbarung enthält eine Prophezeiung, die sich auf die gleiche Zeitperiode bezieht. Dort wird gesagt, dass sich „die Könige der ganzen bewohnten Erde“ zum Krieg von Armageddon, dem „Krieg des großen Tages Gottes, des Allmächtigen“, versammeln, um sich gegen Jehova b Gott aufzulehnen (Offenbarung 16:14, 16; 19:19-21). In diesem Krieg wird Jehova alle menschlichen Regierungen vernichten und dabei auch alle Spuren der Weltmächte auslöschen, die durch die Statue in Daniels Prophezeiung dargestellt werden.

     Mehr dazu enthält der Artikel „Was ist die Schlacht von Armageddon?“.

    Warum man sich mit Daniels Prophezeiung beschäftigen sollte

     Die Bibel hat die politischen Unruhen, die wir heute in den Vereinigten Staaten und in Großbritannien beobachten, genau vorhergesagt. Sich mit diesen Vorhersagen zu befassen, eröffnet einen neuen Blick auf die aktuellen Ereignisse.

    •   Man versteht, warum Jesus wollte, dass seine Nachfolger sich in politischen Angelegenheiten neutral verhalten (Johannes 17:16). Und es wird klar, warum Jesus, den Gott als König für sein Reich eingesetzt hat, sagte: „Mein Königreich ist kein Teil dieser Welt“ (Johannes 18:36).

    •   Es macht Mut zu wissen, dass Gottes Königreich schon bald eingreift und den Menschen die Segnungen bringt, die Gott versprochen hat (Offenbarung 21:3, 4).

    •   Man schaut zuversichtlich in die Zukunft in dem Wissen, dass internationale Konflikte nicht dazu führen werden, dass die Erde zerstört wird (Psalm 37:11, 29).

     Daniels Prophezeiung zeigt, dass die Allianz zwischen den Vereinigten Staaten und Großbritannien, die durch die Füße der Statue dargestellt wird, die letzte menschliche Weltmacht sein wird. Diese Weltmacht wird von einer vollkommenen Regierung abgelöst, die vom Himmel aus regiert – Gottes Königreich!

     Was wird Gottes Königreich für die Menschheit tun? Sehen Sie sich dazu das Video Was ist das Reich Gottes? an.

    Video https://cfp2.jw-cdn.org/a/59d7cf/3/o/502017850_X_cnt_1_r720P.mp4 Dauer 3:06 Min.


    a Siehe den Kasten „ Welche Weltmächte werden in der Prophezeiung Daniels beschrieben?“.

    b Jehova ist der Name Gottes (Psalm 83:18). Siehe den Artikel „Wer ist Jehova?“.


    Info: https://www.jw.org/de/bibliothek/artikelserien/weitere-themen/politische-unruhen-und-biblische-prophezeiungen/


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.



    unser weiterer Kommentar: Zitat: Die politischen Unruhen in den Vereinigten Staaten und Großbritannien sind allerdings von besonderer Bedeutung. Warum? Weil die Bibel vorausgesagt hat, dass diese beiden Nationen mit derartigen Unruhen zu kämpfen hätten – genau in der Zeit, in der eine von Gott eingesetzte himmlische Regierung in die Angelegenheiten der Menschen eingreifen würde. Zitatende

    Leider teilt sich solch vergleichbarer Glauben auch über den weltanschaulichen Unterbau weiterer  Hauptreligionen mit und schaltet diese, auch in Sachen des menschenbetriebenen Endzeitwahns, gleich.




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    Was ist die Schlacht von Armageddon?


    jw.org, Seite besucht am 4. Juli 2025, 21:15 Uhr


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    Die Antwort der Bibel  Der Ausdruck „Schlacht von Armageddon“ bezeichnet den Schlusskampf zwischen Gott und den Regierungen hier auf der Erde. Diese Regierungen und ihre Anhänger erkennen das Reich Gottes (die Regierung Gottes) bis heute nicht an und stellen sich damit gegen Gott (Psalm 2:2). Die Schlacht von Armageddon wird allen von Menschen gebildeten Regierungen ein Ende machen (Daniel 2:44).

     Das Wort „Armageddon“ kommt nur ein Mal in der Bibel vor, in Offenbarung 16:16. Dort wird prophetisch davon gesprochen, dass die „Könige der ganzen bewohnten Erde ... zum Krieg des großen Tages Gottes, des Allmächtigen“ versammelt werden, und zwar an dem „Ort, der auf Hebräisch Armageddon genannt wird“ (Offenbarung 16:14).

     Wer wird in der Schlacht von Armageddon kämpfen? Jesus Christus wird eine große Armee im Himmel befehligen und sie zum Sieg gegen Gottes Feinde anführen (Offenbarung 19:11-16, 19-21). Zu diesen Feinden zählen alle, die sich gegen Gott stellen oder die ihn verachten (Hesekiel 39:7).

     Wird die Schlacht von Armageddon im Nahen Osten ausgetragen? Nein. Die Schlacht von Armageddon wird nicht nur in einem bestimmten Gebiet stattfinden, sondern die ganze Erde betreffen (Jeremia 25:32-34; Hesekiel 39:17-20).

     Armageddon, auch bekannt unter dem Namen „Harmagedon“ (Hebräisch: Har Meghiddṓn), bedeutet wörtlich „Berg von Megiddo“. Megiddo war eine Stadt im alten Israel. Die Geschichte berichtet von entscheidenden Schlachten, die in der Umgebung dieser Stadt ausgetragen wurden; manche davon werden auch in der Bibel erwähnt (Richter 5:19, 20; 2. Könige 9:27; 23:29). Allerdings kann sich Armageddon nicht auf das geografische Gebiet in der Nähe von Megiddo beziehen. Denn zum einen gibt es dort keinen großen Berg, und zum anderen würden selbst in der nahe gelegenen Tiefebene Jesreel nicht alle Platz finden, die gegen Gott kämpfen werden. Stattdessen ist Armageddon übertragen zu verstehen: Es bezeichnet die Weltlage, in der sich die politischen Mächte ein letztes Mal vereint gegen Gottes Herrschaft stellen werden.

     Wie wird die Schlacht von Armageddon ablaufen? Man kann nicht genau wissen, wie Gott seine Macht einsetzen wird. Aber ihm steht für diesen Krieg ein Waffenarsenal zur Verfügung, auf das er auch schon in alter Zeit zurückgegriffen hat: Hagel, Erdbeben, sintflutartige Regenfälle, Feuer und Schwefel, Blitze und auch Krankheiten (Hiob 38:22, 23; Hesekiel 38:19, 22; Habakuk 3:10, 11; Sacharja 14:12). Vor lauter Verwirrung werden sich zumindest einige Feinde Gottes auch gegenseitig umbringen. Doch sie werden vor ihrem Tod erkannt haben, dass es Gott war, der gegen sie gekämpft hat (Hesekiel 38:21, 23; Sacharja 14:13).

     Ist Armageddon der Weltuntergang? Armageddon wird nicht der Untergang unseres Planeten sein, denn die Bibel sagt, dass die Erde für immer das Zuhause der Menschen bleiben wird (Psalm 37:29; 96:10; Prediger 1:4). In der Schlacht von Armageddon wird auch nicht die Menschheit ausgelöscht. Im Gegenteil: „Eine große Volksmenge“ wird überleben – alles Menschen, die Gott dienen (Offenbarung 7:9, 14; Psalm 37:34).

     Wenn die Bibel davon spricht, dass „die Welt vergeht“, ist mit „Welt“ nicht die Erde gemeint, sondern die menschliche Gesellschaft, die sich gegen Gott stellt (1. Johannes 2:15-17). In diesem Sinn wird Armageddon also tatsächlich „das Ende der Welt“ sein – das Ende für gottlose Menschen (Matthäus 24:3, Lutherbibel).

     Wann wird die Schlacht von Armageddon stattfinden? Die Schlacht von Armageddon wird der Höhepunkt der „großen Drangsal“ sein, von der Jesus sprach. Über den Zeitpunkt sagte er: „Den Tag und die Stunde kennt niemand, weder die Engel im Himmel noch der Sohn, sondern nur der Vater“ (Matthäus 24:21, 36). Die Bibel macht also keine genaue Zeitangabe. Sie zeigt aber, dass Armageddon während der Zeitspanne stattfinden wird, in der Jesus als König im Himmel regiert. Und diese Zeitspanne begann 1914 (Matthäus 24:37-39).

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    „Endzeit-Prophezeiungen“ zufolge steht der Menschheit die schlimmste Zeit bevor, die es jemals geben wird. Was wird wirklich passieren?


    Info: https://www.jw.org/de/biblische-lehren/fragen/schlacht-von-armageddon/


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.


    unser Kommentar: Mögen sich die Endzeitgläubigen, für ihre gemeinsame Prophetie, einen eigenen Planeten suchen!

    04.07.2025

    China EU: Eklat nach Europareise

    aus e-mail von Doris Pumphrey, 4. Juli 2025, 19:36 Uhr


    Berliner Zeitung 4.7.2025

    <https://www.berliner-zeitung.de/politik-gesellschaft/geopolitik/eklat-nach-besuch-des-chinesischen-aussenministers-in-europa-china-sagt-eu-wirtschaftstreffen-ab-li.2338746>


    *Eklat nach Europareise: China sagt EU-Wirtschaftstreffen ab –

    Vergeltung für Sanktionen?


    *Chinas Außenminister Wang Yi soll in Gesprächen mit Kaja Kallas

    erstaunlich deutliche Worte gefunden haben. Wut über EU-Sanktionen gegen

    chinesische Banken.


    /Von Simon Zeise


    /Hinter den Kulissen soll es gehörig zur Sache gegangen sein. Chinas

    Außenminister Wang Yi war auf seiner fünftägigen Europareise unter

    anderem zu Gast in Brüssel und Berlin. Insbesondere im Gespräch mit der

    EU-Außenbeauftragten Kaja Kallas soll Wang überraschend deutliche und

    nur wenig diplomatische Worte gefunden haben.


    Wang soll in dem vier Stunden dauernden Gespräch mit Kallas am Mittwoch

    erklärt haben, dass Peking keine Niederlage Russlands in der Ukraine

    dulden werde, weil es befürchte, die USA würden dann ihre ganze

    Aufmerksamkeit auf Peking richten. Das berichtet die South China Morning

    Post (SCMP) unter Verweis auf mehrere mit dem Gespräch vertraute Personen.


    *China weist EU-Vorwurf von sich, Russlands Krieg zu unterstützen


    *Die EU-Vertreter seien von Wangs Äußerungen überrascht gewesen, da

    diese im Widerspruch zu Chinas öffentlichen Äußerungen stehen. Das

    Außenministerium betont regelmäßig, China sei „keine Kriegspartei“ im

    Ukrainekonflikt. Allerdings soll Wang auch in Brüssel erneut den Vorwurf

    zurückgewiesen haben, China würde Russlands Kriegsanstrengungen

    finanziell oder militärisch unterstützen. Er soll betont haben, wenn

    dies der Fall wäre, wäre der Konflikt schon lange beendet. Auch im

    Gespräch mit Deutschlands Außenminister Johann Wadephul (CDU) am

    Donnerstagabend in Berlin hatte Wang diese Position bekräftigt. „Nach

    unserer Kenntnis stammen viele russische Komponenten aus dem Westen,

    nicht aus China“, sagte Wang. China sei ein „stabilisierender Faktor“

    auf der Welt, betreibe keine geopolitischen Konflikte und habe „noch nie

    aktiv an Kriegen teilgenommen“.


    Einige EU-Vertreter sollen laut SCMP den Eindruck gewonnen haben, Wang

    habe Kallas eine Lektion in Sachen Realpolitik erteilen wollen. Chinas

    Außenminister habe seiner europäischen Amtskollegin die chinesische

    Überzeugung dargelegt, dass die USA schon bald  ihre ganze

    Aufmerksamkeit auf China richten werden.


    *Peking kündigt Vergeltung an, falls EU Sanktionen gegen Chinas Banken

    verhängt


    *An den Gesprächen beteiligte Vertreter der EU seien von der harten

    Botschaft Wangs überrascht gewesen, heißt es in dem Medienbericht. Nur

    drei Wochen vor dem wichtigen EU-China-Gipfel in Peking herrscht

    zunehmend Eiszeit. Auf Wunsch der chinesischen Regierung soll der

    zweitägige Gipfel, der auf den 24. und 25. Juli angesetzt ist, um einen

    Tag verkürzt werden. Das für den zweiten Gipfeltag geplante

    Wirtschaftstreffen im zentralchinesischen Hefei werde abgesagt,

    berichtet die Wirtschaftsnachrichtenagentur Bloomberg.


    Wang habe Kallas mitgeteilt, dass der zweitägige Gipfel verkürzt werden

    könnte. In Peking steigt die Unzufriedenheit mit der EU. Die Union wird

    im Rahmen ihres 18. Sanktionspakets gegen Russland, das noch von den 27

    Mitgliedsstaaten endgültig genehmigt werden muss, zwei kleine

    chinesische Banken wegen Missachtung der Russland-Sanktionen auf die

    schwarze Liste setzen. Wang kündigte wiederholt Vergeltungsmaßnahmen an,

    sollten die Banken letztlich auf die schwarze Liste gesetzt werden.


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    04.07.2025

    Streitkräfte Pistorius plant 114.000 neue Wehrdienstleistende bis 2029 – wie?

    berliner-zeitung.de, 04.07.2025 , 18:22 Uhr,  

    Verteidigungsminister Boris Pistorius plant 114.000 neue Wehrdienstleistende bis 2029 – wie?

    Die Bundeswehr soll um Zehntausende Soldaten wachsen. Laut einem Bericht soll das so gelingen.


    Das Wachbataillon der Bundeswehr vor dem Bundeskanzleramt.: Katharina Kausche/dpa


    Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) will nach einem Medienbericht bis Ende 2029 rund 114.000 Wehrdienstleistende rekrutieren. Dieses Ziel habe Pistorius bei einer Information von Abgeordneten von Union und SPD im Bundestag zu seinen Plänen für einen neuen Wehrdienst genannt, berichtete der Spiegel am Freitag. Demnach will er den Gesetzentwurf für den vorerst freiwilligen Wehrdienst Ende August in das Bundeskabinett einbringen.

    Das Gesetz soll laut Bundesverteidigungsministerium möglichst bis Januar in Kraft treten, damit der neue Wehrdienst 2026 schnellstmöglich starten kann. Eine Rückkehr zur Wehrpflicht soll den Angaben zufolge zwar möglich gemacht werden, allerdings mit Bedingungen versehen werden.

    Laut Bericht kann Pistorius dabei dem Kabinett die Rückkehr zur Wehrpflicht vorschlagen, wenn der Personalbedarf der Bundeswehr nicht gedeckt ist oder sich die sicherheitspolitische Lage entscheidend verändert. Nach einem entsprechenden Votum des Kabinetts könnte der Bundestag den Wiedereinstieg in die Wehrpflicht dann mit einfacher Mehrheit beschließen.


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    04.07.2025


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    Internationales

    04.07.2025

    Wehrdienst: Fragebogen soll versandt werdenDer SPD-Parteitag hatte am Wochenende die Forderung nach einer Freiwilligkeit des Wehrdienstes bekräftigt. Die Sozialdemokraten hatten sich dabei gegen eine „aktivierbare gesetzliche Möglichkeit zur Heranziehung Wehrpflichtiger“ ausgesprochen, „bevor nicht alle Maßnahmen zur freiwilligen Steigerung ausgeschöpft sind“.

    Pistorius' Pläne für den neuen Wehrdienst sehen vor, dass zunächst an alle jungen Männer und Frauen ein Fragebogen versandt wird. Männer müssen ihn ausfüllen, für Frauen ist das freiwillig. Geeignete Kandidaten werden dann zur Musterung eingeladen.

    Im Konfliktfall bräuchte die Bundeswehr vor dem Hintergrund von Nato-Vorgaben eine Gesamtstärke von 460.000 Soldatinnen und Soldaten. Derzeit gibt es nur gut 182.000 aktive Soldaten sowie gut 49.000 aktive Reservisten. Pistorius strebt nun 250.000 bis 260.000 aktive Soldaten an und 200.000 Reservisten an.

    Zahl an Soldaten soll kontinuierlich steigen

    Der neue Wehrdienst soll helfen, diese Ziele zu erreichen. Einerseits besteht die Hoffnung darin, dass sich Wehrdienstleistende als aktive Soldaten länger verpflichten. Andererseits würde der neue Wehrdienst auch bei der Aufstockung der Reservistenzahlen helfen.

    Pistorius wolle im kommenden Jahr deshalb bereits rund 15.000 neue Wehrdienstleistende ausbilden, berichtete der Spiegel weiter. In den Jahren danach soll die Zahl kontinuierlich steigen, damit bis Ende 2029 insgesamt 114.000 Rekruten den neuen Wehrdienst durchlaufen hätten.

    Ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums wollte diese Zahl nicht bestätigen. Er verwies darauf, dass der Gesetzentwurf noch nicht fertig sei. Das Ministerium arbeite aber „mit Hochdruck“ daran, die Voraussetzung für den neuen Wehrdienst zu schaffen.

    Um den neuen Wehrdienst attraktiver zu machen, sollten neue Rekruten auch deutlich besser bezahlt werden als beim bereits existierenden Freiwilligen Wehrdienst (FWDL). Der Spiegel berichtete von angedachten Steigerungen um die 80 Prozent, womit der Sold dann bei über 2000 Euro netto liegen würde.


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    Info: https://www.berliner-zeitung.de/news/verteidigungsminister-boris-pistorius-plant-114000-neue-wehrdienstleistende-bis-2029-wie-li.2338770


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    04.07.2025

    Radikal und missachtet, aber weiter gültig: Die UNO-Charta

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    Michael von der Schulenburg am 30. Juni in Berlin (Foto: Tilo Gräser)


    Radikal und missachtet, aber weiter gültig: Die UNO-Charta

    Die Welt hat eine Chance auf Frieden und die Grundlage dafür ist die UNO-Charta. So sieht es der ehemalige UNO-Diplomat und heutige BSW-Abgeordnete im EU-Parlament Michael von der Schulenburg. In Berlin hat er begründet, warum das 80 Jahre alte Dokument immer noch aktuell ist. Tilo Gräser war dabei


    transition-news.org, 4. Juli 2025 von TG. Lesedauer: 10 Minuten. PDF herunterladen Drucken


    Vor fast genau 80 Jahren, am 26. Juni 1945, wurde die Charta der Vereinten Nationen, der UNO, verabschiedet. Die UNO-Charta hat eine Hauptbotschaft: «Nie wieder Krieg!» Sie wurde damals als Gründungstext der Vereinten Nationen auf einer Konferenz in San Francisco von 50 Staaten unterschrieben und trat am 24. Oktober als wichtigstes Dokument des Völkerrechts in Kraft.

    Noch immer ist sie gültig, aber sie scheint in den 80 Jahren öfter ignoriert worden zu sein, als dass sich die Staaten an ihre Vorgaben hielten. Und immer weniger Menschen wissen, um was es dabei eigentlich geht, wenn in den Nachrichten im Zusammenhang mit Konflikten und Kriegen gemeldet wird, dass ein weiteres Mal gegen die UNO-Charta verstoßen werde.

    Fakt bleibt: Kein Staat und keine Staatengruppe hat die UNO-Charta seit ihrer Verabschiedung vor 80 Jahren so oft verletzt wie die USA und die mit ihnen verbündeten westlichen Staaten. Davon künden die zahlreichen Kriege und Interventionen, die verdeckten Operationen und bezahlten Putsche etwa in Lateinamerika und Vietnam, beim Krieg gegen den Irak und bei der Zerstörung Libyens und Syriens sowie bei den jüngsten Angriffen auf den Iran.

    Darauf machte am Montag in Berlin Michael von der Schulenburg aufmerksam, der für das Bündnis Sarah Wagenknecht (BSW) als parteiloser Abgeordneter im EU-Parlament sitzt. Zuvor war er bei den Vereinten Nationen im Rang eines UN Assistant Secretary-General tätig. Mehr als 34 Jahre arbeitete von der Schulenburg in Friedens- und Entwicklungsmissionen der Vereinten Nationen und der OSZE in vielen Ländern, die durch Kriege und Konflikte mit bewaffneten nichtstaatlichen Akteuren oder durch ausländische Militärinterventionen geschwächt und zerrissen waren.

    Seit 1992 war er in leitender Funktion dieser Friedensmissionen tätig. Dazu gehörten langfristige Einsätze in Haiti, Pakistan, Afghanistan, Iran, Irak und Sierra Leone sowie kürzere Einsätze in Syrien, in Somalia, auf dem Balkan, in der Sahelzone und in Zentralasien. Er weiß also, von was er spricht.

    Radikales Dokument

    Von der Schulenburg sprach in Berlin auf einer BSW-Veranstaltung neben der ehemaligen Bundestagsabgeordneten und heutigen BSW-Außenpolitikerin Sevim Dagdelen sowie dem Friedensaktivisten Reiner Braun. Anlass waren die Verabschiedung der UNO-Charta vor 80 Jahren und die heutigen Kriege und Kriegsgefahren.

    Der ehemalige UNO-Diplomat stellte klar, es gebe keine «regelbasierte Ordnung», wie immer erklärt werde, sondern «nur ein internationales Recht, das auf der UNO-Charta beruht, und das muss auch so bleiben». Das vor 80 Jahren verabschiedete Dokument sei eine «Geburt des Krieges» gewesen und erinnere an die beiden Weltkriege mit etwa 80 Millionen Toten innerhalb von 30 Jahren.

    Nach dieser «unglaublichen Tragödie» sei in San Francisco die UNO-Charta entstanden, geschrieben von einigen wenigen Menschen, hauptsächlich Männern. «Und wenn man sich das Dokument heute ansieht – wir wären heute gar nicht in der Lage, das zu schreiben», fügte der erfahrene Konfliktlöser und Friedensdiplomat hinzu.

    «Das war ein sehr radikales Dokument, das unter dem Eindruck dieser 30 Jahre Krieg geschrieben worden ist. Dieses Dokument kann man zusammenfassen mit ‹Nie wieder Krieg!›. Man wollte keinen Krieg mehr. Man hatte sich hingesetzt und gefragt: Wie können wir verhindern, dass es jemals wieder zu einem Krieg kommt.»

    Artikel 51 mit dem Recht auf Selbstverteidigung sei erst später hinzugekommen, sagte von der Schulenburg. Und er erklärte:

    «Der Kerngedanke der UNO-Charta ist das Wort, zu reden, zu verhandeln, zu vermitteln, Schiedsgerichte anzusprechen. Es ist im Grunde genommen die Bedeutung des Wortes zwischen den Menschen, um zu sagen: Wir müssen miteinander reden, um das zu verhindern. Das ist das Wichtigste.»

    Der BSW-Parlamentarier ging auf die Fälle Ukraine-Krieg und Israels Vernichtungskrieg in Palästina sowie den Angriff auf den Iran ein, bei denen gefragt werde, wie Schutz vor einem völkerrechtswidrigen Angriff möglich sei. Er sieht in diesen aktuellen Fällen einen Völkerrechtsverstoß, machte aber im Laufe der Veranstaltung den Unterschied deutlich, dass Russland zumindest bereit sei, zu verhandeln, und das schon frühzeitig, nämlich im Frühjahr 2022, gezeigt habe.

    Die Pflicht, zu verhandeln, um Konflikte zu lösen, gehöre zu den Verpflichtungen der Staaten, die die UNO-Charta ratifiziert haben. Dennoch habe der Westen keinerlei entsprechende Initiativen im Ukraine-Krieg gezeigt, um diesen zu beenden, sondern bewirke mit den Waffenlieferungen das Gegenteil. Das zeige sich ebenso im Nahen Osten.

    Unerfüllte Vorgaben

    Keines der Länder, die 1945 die UNO-Charta unterschrieben haben, hätte deren Vorgaben danach erfüllt, erinnerte von der Schulenburg vor etwa 400 Zuhörern im Willy-Brandt-Saal des Rathauses von Berlin-Schöneberg. Dennoch habe es sich vor 80 Jahren um eine «Revolution» gehandelt, als erklärt wurde, dass alle Menschen gleich seien – und das sei zu einem Zeitpunkt passiert, als beispielsweise die USA noch ein Apartheidstaat waren. Das wäre schon kurze Zeit später nicht mehr möglich gewesen.

    «Und deshalb sollten wir das bewahren, weil es eine Sternstunde der Menschheit ist, dass wir so ein Dokument haben.»

    Doch nur wenige Wochen nach der Konferenz in San Francisco, auf der der Versuch unternommen worden sei, mit der UNO-Charta endgültig Kriege zu verhindern, indem miteinander geredet wird, seien auf Hiroshima und Nagasaki die beiden US-Atombomben geworfen worden.

    «Die Atombombe bedeutet natürlich etwas völlig anderes. In der Atombombe gehen wir davon aus, dass der Mensch schlecht ist, dass er eine Gefahr ist, dass wir uns bewaffnen müssen, dass wir stärker sein müssen als die anderen. Wir müssen eine Überbewaffnung haben, um überhaupt Frieden zu haben.»

    Die Idee, dass Frieden nur durch Waffen und gegenseitige Abschreckung geschaffen werden könne, folge einer «unglaublich zerstörerischen Logik», stellte von der Schulenburg klar. Dem Frieden durch Reden stehe die vermeintliche Sicherheit durch eine Überbewaffnung mit Atomwaffen gegenüber.

    Es habe Versuche gegeben, eine Brücke zwischen beiden Positionen zu bauen: durch die Abrüstungs- und Rüstungskontrollabkommen, vor allem zwischen der Sowjetunion/Russland und den USA. Doch diese und der von ihr geführte Westen hätten diese Brücke inzwischen alle wieder abgebrochen, seien aus den Abkommen ausgetreten oder hätten sie erst gar nicht ratifiziert.

    Enorme Gefahr

    Was vor allem den sogenannten Kalten Krieg bis 1989/90 prägte, setzt sich aus seiner Sicht heute wieder durch. Davon würden die aktuellen NATO-Beschlüsse künden. Die vereinbarte Erhöhung der Rüstungshaushalte der NATO-Staaten auf fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) würde bedeuten, dass sich die Militärausgaben der NATO de facto verdoppeln.

    Bereits heute beträgt der Anteil der NATO an den weltweiten Militärausgaben 55 Prozent. Damit gibt die NATO mehr für Rüstung und Militär aus als alle anderen Staaten. Dabei würden die NATO-Staaten nur zehn Prozent der Weltbevölkerung ausmachen, erinnerte von der Schulenburg.

    «Das heißt also, hier nehmen sich zehn Prozent der Weltbevölkerung, hauptsächlich weiße Leute, das Recht heraus, zu sagen: Wir müssen so stark übermäßig Waffen produzieren, dass wir die anderen im Grunde genommen klein halten.»

    Das solle jetzt sogar noch verdoppelt werden, was angesichts der Folgen nicht akzeptabel sei, wie der ehemalige UNO-Diplomat betonte. Zur Frage nach den Gründen dafür verwies er auf eine Aussage der EU-Außenbeauftragten Kaja Kallas kürzlich im EU-Parlament. Sie habe erklärt, dass der Westen mehr Geld für Waffen ausgeben müsse, da Russland aufrüste, weil es Krieg führen wolle:

    «Man gibt nicht so viel für das Militär aus, wenn man nicht plant, es einzusetzen.»

    Ihr sei anscheinend nicht klar, «dass wir aufrüsten», so von der Schulenburg, der hinzufügte:

    «Bedeutet das auch, dass wir Krieg haben wollen?»

    Er kritisierte, dass die bundesdeutsche Politik nur noch in der «Kriegssprache» rede. Wenn Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) verkünde, Deutschland müsse die größte Armee Europas haben, dann sei das eine «alte Sprache». Wenn Außenminister Johann Wadephul erkläre, «Russland wird immer ein Feind und eine Gefahr für unsere europäische Sicherheit sein», dann handele es sich um die Sprache des Krieges.

    Auch die Reden von der «Drecksarbeit» und den «Schurkenstaaten» seien eine «unglaubliche Sprache, die wir führen». Von der Schulenburg stellte klar:

    «Das ist die Logik und die Sprache des Krieges, kurz davor, dass wir wirklich Krieg führen.»

    Diese Entwicklung beeindrucke ihn, sagte er als «jemand, der so viele Kriege gesehen hat». Kriege hätten nie etwas Heldenhaftes, «das ist nichts, das wir haben wollen», was auch in der Ukraine zu sehen sei. Zudem seien Kriege unberechenbar und hätten immer ganz andere Ergebnisse gebracht, als vorher erhofft worden sei.

    Aktuelles Dokument

    Der ehemalige UNO-Diplomat und heutige BSW-Abgeordnete setzt trotz allem darauf, dass die UNO-Charta auch nach 80 Jahren voller Verstöße gegen sie das Mittel sein kann, um der Welt mehr Frieden zu bringen. Das begründete er mit vier Aspekten, die das Dokument auch heute noch bedeutsam und gültig machten.

    Dabei verwies er zuerst darauf, dass die modernen Waffensysteme so komplex und schnell geworden seien, dass Menschen sie nur noch mit Hilfe der sogenannten Künstlichen Intelligenz bedienen könnten. Das mache sie zunehmend unberechenbarer und Reaktionen auf ihren Einsatz zunehmend unmöglich.

    «Das können wir dann im Grunde genommen nicht mehr selber beherrschen, weil es im Grunde genommen alles eine Entscheidung von Sekunden ist», stellte er klar. Die Menschheit habe sich durch die Waffenentwicklung seit der Atombombe in eine Situation hineinmanövriert, in der es keinen Schutz mehr für irgendjemanden gebe. Die Logik, mit immer mehr Waffen Schutz und Sicherheit zu erreichen, sei am Ende.

    Der zweite Aspekt, der für die UNO-Charta spricht, ist laut von der Schulenburg, dass es nur im Westen Europas eine solche Kriegshetze wie gegen Russland gebe. Er warnte davor, dass es sich um eine selbsterfüllende Prophezeiung handeln könne, während im Rest der Welt und selbst in den USA niemand von einem drohenden russischen Angriff spreche. Die Rede von der drohenden russischen Gefahr sei «unverantwortlich», betonte er und fragte:

    «Warum sind wir so verrückt nach Krieg?»

    Wenn sich die EU und Deutschland wie die BRICS-Staaten für die UNO-Charta und ihr Friedensgebot einsetzen würden, hätten sie die Mehrheit der Welt auf ihrer Seite. Ein weiterer Aspekt ist für ihn, dass Kriege sich nie bezahlt gemacht hätten. Von der Schulenburg verwies auf eine Studie des US-Kongresses, der zufolge allein die USA von 1991 bis 2022 251 Mal offen militärisch interveniert oder Krieg geführt haben.

    Die Stellvertreterkriege und Waffenlieferungen würden dabei nicht einmal mitgezählt. Die davon betroffenen Länder würden das nicht mehr wollen und sich deshalb in Richtung Russland und China orientieren.

    «Das Entscheidende ist, dass ich kein einziges Land wüsste, wo das stattgefunden hat, wo am Ende Demokratie rausgekommen ist, Rechtsstaatlichkeit oder ein stärkstes Wirtschaftswachstum. Kein einziges. Das heißt also, diese enormen Ausgaben für Militär haben nur Chaos, Anarchie und Unglück gebracht und viele Tote.»

    Auch der US-geführte «Krieg gegen den Terror» seit 2001 habe Untersuchungen zufolge 4,5 Millionen Tote verursacht und dazu weltweit für 38 Millionen Flüchtlinge gesorgt, erinnerte der frühere UNO-Diplomat. Kein anderes Land, keine der bekämpften Terrororganisationen sei für «so viele Tote in so kurzer Zeit verantwortlich». «Das sind wir», fügte er hinzu und ergänzte:

    «Und wir denken immer noch selbstgerecht, dass wir das für das Gute der Welt tun. Das tun wir nicht!»

    Die westlichen Medien würden falsch informieren, indem sie ständig behaupten «Wir sind die Guten, wir tun da was Gutes, wir befreien die Leute.» Doch sie würden nicht befreit:

    «Wir bringen sie um und danach lassen wir sie dann fallen, genauso wie wir jetzt die Ukraine fallen lassen.»

    Großes Potenzial

    Als viertes Argument für die Aktualität der UNO-Charta nannte er die Menschlichkeit, weil doch alle Menschen seien, egal, wo sie leben. Wenn jemand sage, nur mit Reden lasse sich nichts durchsetzen, gibt von der Schulenburg nach eigener Aussage zu bedenken: «Wir können bald nichts mehr durchsetzen, weil die Waffen so gefährlich geworden sind. Also müssen wir doch wieder zum Reden kommen.»

    Die Entscheidung, ob der Weg der Atombombe weitergegangen wird oder der Weg, friedlich miteinander auszukommen, die könnten alle Menschen treffen. Deshalb sei die UNO-Charta so wichtig, denn sie sage nicht nur «Nie wieder Krieg!», sondern entwickle auch ein Bild, «wie wir miteinander friedlich leben sollten». Deshalb gebe es keinen anderen Weg als zurück zur UNO-Charta, hinter der ganz viele Menschen stünden, da 193 Staaten das Dokument unterzeichnet haben.

    «Also in allen diesen Ländern ist es eigentlich Gesetz, auch in Deutschland. Wir werden uns vielleicht daran nicht halten, aber die anderen werden sich doch daran halten. Die Brasilianer, die Afrikaner, die Asiaten, das sind doch ganz viele Menschen und Potenzial. Das sind unsere Brüder und Schwestern, wenn wir für Frieden sind.»

    Der internationale Austausch für Frieden müsse mehr ausgebaut werden, wünschte sich von der Schulenburg und betonte zum Schluss:

    «Wir haben eine gemeinsame Sprache, wir haben ein gemeinsames Dokument dafür, das uns zusammenbringen kann, und das ist die UNO-Charta.»



    Kommentare

    5. Juli, 19:31

    Ich bin dieser westlichen Heuchelei überdrüssig.
     Vonder Leyen sagt: wir sind die Guten und müssen uns gegen die bösen Russen verteildigen.
     Schulenberg sagt: früher haben wirs gut gemeint, aber komischerweise nicht eingehalten, aber JETZT ...
    Wo soll denn eigentlich die ganze Gutheit plötzlich herkommen, wenn sie doch evident seit Hunderten von Jahren voller Blut und Ausbeutung NOCH NIE in der Praxis zu bestaunen war??!
    Es ist reines Geschwätz.
    Und an dem Tag, an dem man sich das WIRKLICH eingesteht, ist der erste Schritt getan.
    Nein, der Westen ist nicht gut, er war es nie ...
    cUGPA

    4. Juli, 09:41, von lisa de stefani

    Dafür hätten unsere alten Verfassungen schon ausgereicht, bevor die EU-Verträge ihre demokratische Seele geschwächt hätten. Die UNO ist das Hauptinstrument der berüchtigten Agenda 2030. Tatsächlich verbergen sich hinter den Worten und Phrasen Konzepte. Die Konzepte von Gleichheit, Freiheit, kritischem Denken, Arbeitnehmerrechten, Umweltschutz, ja sogar das Wort „Menschen“ wurden an den Rand gedrängt und unterdrückt. Nach und nach entstehen gegensätzliche Praktiken, unterschiedliche Diskurse, während dieselben Wörter verdunkelt und nicht mehr ausgesprochen werden. Sie erhalten sogar eine fast verdächtige Bedeutung. Man versteht, dass man sie nicht mehr aussprechen sollte, sie sind nun Teil der Archäologie und nicht der Geschichte.

    Ich erinnere daran, dass es der mollige António Guterres war, der 2019 ein UN-Abkommen mit dem Weltwirtschaftsforum unterzeichnete, das multinationalen Konzernen in Fragen der globalen Governance einen Einfluss über einzelne Staaten hinaus verlieh. Das Abkommen heißt Memorandum of Understanding (MOU).
    Es gibt nicht viel zu sagen, außer dass wir, das Volk, die Rechte verteidigen müssen, die wir uns erarbeitet haben, selbst
    unsere fragile Verfassungen aus dem 20. Jahrhundert, die sehr jung sind im Vergleich zu einer jahrtausendealten Geschichte, in der stets das Recht des Stärkeren gegolten hat.

    https://www.weforum.org/press/2019/06/world-economic-forum-and-un-sign-strategic-partnership-framework/?fbclid=IwY2xjawLUXqJleHRuA2FlbQIxMABicmlkETBpVWNmSm15M1NVaTRiNTV6AR77TkAhvKWVE6kdqZnEqj_UCnxLDc4pZxwO_Dt666tK1Iza_ISvn6pO9cQE2A_aem_dEy1RjOjqIep6AVunUVm3Q

    https://www.opendemocracy.net/en/oureconomy/un-being-turned-public-private-partnership-interview-harris-gleckman/?fbclid=IwY2xjawLUYxZleHRuA2FlbQIxMABicmlkETBpVWNmSm15M1NVaTRiNTV6AR4jqN5QK3b7qgeaLut309t8b2nOE_0kuEjPbmQkRkGW6MeY_kXJ0TayxH3RZA_aem_xZATpyMh7b2-J6sedsv_8Q

    4. Juli, 08:16

    Es ist sehr heilsam, wenn man nicht wie Schulenberg die Ideologieschulung der UN hinter sich hat, sondern auf eigene Faust die Geschichte der UN und ihrer Charta recherchiert.
    Kann ich nur empfehlen ...

    Info: https://transition-news.org/radikal-und-missachtet-aber-weiter-gultig-die-uno-charta


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    04.07.2025

    Albanese, Iran zum Völkermord in Gaza / Saudi-Arabien und Teheran

    aus e-mail von Doris Pumphrey, 4. Juli 2025, 18:20 Uhr


    *Albanese: "Israel ist für einen der grausamsten Völkermorde der

    modernen Geschichte verantwortlich"


    *Bei einer Sitzung des UN-Menschenrechtsrats in Genf am Donnerstag hat

    die UN-Sonderberichterstatterin für Palästina, Francesca Albanese,

    schwere Vorwürfe gegen Israel erhoben. Die Menschenrechtsaktivistin warf

    dem Land den "grausamsten Völkermord der modernen Geschichte" vor.

    Darüber hinaus forderte sie alle Länder der Welt auf, ihre

    Handelsbeziehungen zu Israel abzubrechen und ein vollständiges

    Waffenembargo zu verhängen.

    /Siehe kurzes

    Video:/https://odysee.com/@RTDE:e/Albanese---Israel-ist-f%C3%BCr-einen-der-grausamsten-V%C3%B6lkermorde-der-modernen-Geschichte-verantwortlich-:3 Dauer 2:24 Uhr


    (Screenshots daraus)

    Screenshot_2025_07_06_at_09_54_54_Albanese_Israel_ist_f_r_einen_der_grausamsten_V_lkermorde_der_modernen_Geschichte_verantwortlich


    Screenshot_2025_07_06_at_09_55_27_Albanese_Israel_ist_f_r_einen_der_grausamsten_V_lkermorde_der_modernen_Geschichte_verantwortlich


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    Nahostkonflikt

    Gaza: UN meldet 613 Tote bei Hilfsgüterverteilung – Jungen laut WHO gezielt erschossen


    berliner-zeitung.de

    Seit Ende Mai sind im Gazastreifen laut UN Hunderte Menschen bei Hilfsgüterverteilungen getötet worden – viele durch Schüsse. Die WHO spricht von gezielten Angriffen auf Jungen.



    Palästinenser kommen von einem Hilfsverteilungspunkt der Gaza Humanitarian Foundation.Eyad Baba/AFP


    Seit Ende Mai sind nach Angaben der Vereinten Nationen mindestens 613 Menschen im Zusammenhang mit der Verteilung von Hilfsgütern im Gazastreifen getötet worden. 509 dieser Todesfälle ereigneten sich demnach direkt an oder in der Nähe von Verteilstationen der Gaza Humanitarian Foundation (GHF), wie UN-Menschenrechtssprecherin Ravina Shamdasani am Freitag in Genf mitteilte.

    Die Stiftung hatte ihre Arbeit erst Ende Mai aufgenommen, nachdem Israel über Monate Hilfslieferungen blockiert hatte. UN-Organisationen arbeiten nicht mit der GHF zusammen und kritisieren unter anderem eine unzureichende Zahl an Verteilzentren sowie das hohe Risiko für Hilfesuchende. Nach Angaben palästinensischer Behörden ist das israelische Militär für viele der tödlichen Zwischenfälle verantwortlich.

    WHO berichtet von gezielten Schüssen auf Jungen – Vorwürfe gegen Israel

    Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schlägt Alarm. „Die meisten Opfer sind Jungen, die für ihre Familien Hilfe holen wollten“, sagte WHO-Vertreter Rik Peeperkorn. Sie seien mit Schüssen „in den Kopf, Hals, Bauch oder die Knie“ getroffen worden. Die Informationen stammten von Ärzten und Angehörigen der Getöteten.

    Bereits vergangene Woche hatte die israelische Zeitung Haaretz unter Berufung auf Soldaten berichtet, dass die israelische Armee den Befehl erhalten habe, gezielt auf unbewaffnete Zivilisten in der Nähe von Hilfsverteilungsstellen zu schießen – selbst wenn keine unmittelbare Bedrohung bestanden habe. In dem Bericht war von einem „Schlachthaus“ die Rede. Die israelische Regierung wies die Vorwürfe als „Blutlüge“ zurück.


    Gaza: Eine palästinesische Frau sackt auf einem Eselskarren zusammen, nachdem sie nach Angaben der GHF bei der Verteilung von Lebensmitteln von einem Teil einer Blendgranate am Kopf getroffen wurde.AP/dpa

    Tumulte und Panik bei Menschenansammlungen

    Die Hilfszentren der GHF wurden Ende Mai eingerichtet, nachdem Israel zuvor monatelang Hilfslieferungen blockiert hatte. Die Stiftung entstand mit Unterstützung der israelischen Regierung sowie US-amerikanischer evangelikaler Kreise. In Gaza betreibt sie vier sogenannte „schnelle Verteilzentren“, die aus der Ferne von israelischen Truppen überwacht werden. Mitarbeitende vor Ort stammen aus den USA und den Palästinensischen Gebieten.


    Rund um die Verteilzentren herrschen offenbar chaotische Zustände. Immer wieder kommt es zu panikartigen Menschenansammlungen – oft schon vor Beginn der Hilfsausgabe. Nach Informationen von Haaretz soll die israelische Armee deshalb auch nachts oder in den frühen Morgenstunden das Feuer eröffnet haben – sowohl zur Abschreckung als auch zur Absicherung. Ein beteiligter Offizier bezeichnete das Vorgehen der Truppen gegenüber unbewaffneten Zivilisten als „ethisch höchst fragwürdig“. (mit dpa)


    Tausende hungernde Palästinenser in Gaza strömen zum Hilfsverteilungszentrum.Saeed Jaras/Anadolu Gaza City Gaza/imago


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    Info: https://www.berliner-zeitung.de/news/gaza-un-ueber-600-tote-bei-hilfsgueterverteilung-li.2338789


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

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    04.07.2025

    Stellvertreterkrieg Israels gegen BRICS (Teil 2)

    Screenshot_2025_07_06_at_08_17_54_Seniora.org_Mylaeus_Stellvertreterkrieg_Israels_gegen_BRICS_Teil_2


    forumgeopolitica.com, Fr. 04 Jul 2025, Andreas Mylaeus

    Dieser Krieg ist aufgrund der derzeitigen «Waffenruhe» keineswegs beendet – es ändern sich lediglich die eingesetzten Mittel. Nach wie vor geht es einerseits um die geographischen/geopolitischen Ziele. Andererseits geht es aber vor allem auch darum, den Niedergang bzw. die Beendigung des amerikanischen Finanz-Imperiums zu verhindern.


    Einleitung

    Im ersten Teil dieser Serie (https://forumgeopolitica.com/de/artikel/stellvertreterkrieg-israels-gegen-brics-1427) ging es um die geographisch/geopolitischen Zusammenhänge. In diesem zweiten Teil wird die Strategie des Finanz-Imperiums durch King Dollar untersucht, die durch BRICS & Co. in Gefahr gerät.

    Der hybride Krieg der USA mit Hilfe ihres Stellvertreters Israel dient neben der Verhinderung der geostrategischen Integration Eurasiens vor allem auch dem Ziel, den Niedergang des Finanz-Imperiums mit dem Dollar-Primat nach Möglichkeit aufzuhalten oder gar zurückzudrehen, das das eigentliche Fundament der Herrschaft der „einzigen Weltmacht“ darstellt. Der Iran steht dabei im Focus, weil allein seine Existenz als souveräner Staat, den die USA nicht kontrollieren kann, für die USA eine Bedrohung darstellt. Er ist nämlich auch wirtschaftlich ein Schlüssel zur Kontrolle des gesamten Nahen Ostens und des gesamten Handelsbilanzüberschusses, den das Öl aus dem Nahen Osten dem westlichen Finanzsystem einbringt.

    Die USA versuchen, den Nahen Osten zu einer Klientelwirtschaft zu machen, so wie sie dies bei den lateinamerikanischen Volkswirtschaften so viele Jahre lang gemacht haben. Dabei geht es nicht allein um die Kontrolle des Rohstoffs Öl. Noch wichtiger ist aber die Rolle, die die ölproduzierenden Länder Westasiens im dollarbasierten westlichen Finanzsystem spielen, auf dem das amerikanische Imperium gegründet ist.

    Vorbereitung der Dollardominanz nach dem Ersten Weltkrieg

    Die Wurzeln für die Schaffung eines amerikanischen Finanz-Imperiums finden sich am Ende des Ersten Weltkriegs. Die USA hatten Grossbritannien und Frankreich für diesen Krieg umfangreiche Kredite eingeräumt. Noch nach den Napoleonischen Kriegen war es üblich gewesen, dass sich die Verbündeten gegenseitig ihre Schulden für die Versorgung der Armeen und die Bereitstellung der finanziellen Mittel dafür erlassen. Aber dieses Mal lehnten die Vereinigten Staaten dieses Ansinnen ab mit der Begründung, sie seien vor dem Eintritt in den Krieg ein neutraler Staat gewesen und diese Schulden müssten zurückgezahlt werden.

    Weil aber Grossbritannien und Frankreich bankrott waren, wurde Deutschland mit Hilfe der Reparationen zur Kasse gebeten. Wie im Versailler Vertrag vereinbart, wurde 1921 seitens der Alliierten Reparationskommission die Gesamtsumme der Reparationsschulden Deutschlands auf 132 Milliarden Goldmark festgesetzt. Diese Summe entsprach etwa dem zweifachen des damaligen deutschen Bruttoinlandsprodukts. Die letzten Zinszahlungen aus dem Ersten Weltkrieg leistete Deutschland noch am 3. Oktober 2010. All dieses Geld landete schliesslich über die sogenannte „transatlantische Schuldenkette“ im amerikanischen Finanzsystem.

    Im Zeitraum zwischen den beiden Weltkriegen wurde die USA trotz der Weltwirtschaftskrise mit einer damals noch vorhandenen robusten, technologisch und industriell gegründeten Realwirtschaft zur weltweit führenden Industrienation und zum weltweit dominanten Gläubiger. Der damals noch geltende Goldstandard verhalf den USA so zur Anhäufung enormer Goldvorräte. Laut Schätzungen des Tenth Annual Report of the Bank for International Settlements for the Year 1 April 1939 – 31 March 1940 hielten die USA zu Beginn des Zweiten Weltkriegs etwa 70 % der weltweiten Goldreserven (weltweiter Goldbestand (monetär): rund 30.000 Tonnen, US-Goldreserven: ca. 19.500–20.000 Tonnen).

    Dollardominanz nach dem Zweiten Weltkrieg

    Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs sicherte sich die USA durch diese riesigen Goldbestände und eine damals nach wie vor vorhandene hohe Industrieproduktion eine beispiellose finanzielle Vormachtstellung. Diese „Golddominanz“ war die Grundlage der Dollarhegemonie. Zudem hatten während des Krieges viele Länder Gold in die USA transferiert, um es vor den Kriegswirren zu schützen oder ihren Handel zu finanzieren. Länder, die Dollar anhäuften, konnten diese bei der US-Notenbank gegen Gold eintauschen.

    Das System Bretton Woods

    Im Juli 1944 zitierten die USA die Delegierten aus 44 Ländern ins Hotel Mount Washington in Bretton Woods, New Hampshire, USA. Dort „einigte“ man sich auf feste, aber anpassbare Wechselkurse (keine willkürlichen Abwertungen mehr) und den US-Dollar als Leitwährung, direkt an Gold gebunden (35 Dollar pro Feinunze Gold). Alle anderen Währungen waren somit über feste Wechselkurse an den Dollar gekoppelt.

    Der Gegenvorschlag von John Maynard Keynes wurde damals in Bretton Woods zwar diskutiert, aber abgelehnt. Hier flammt heute etwas wieder auf, was jetzt im Zentrum des hybriden Krieges der USA gegen die Dedollarisierung von BRICS und der Globalen Mehrheit steht. Daher sei dies kurz dargestellt:

    John Maynard Keynes erkannte schon in den 1930er-Jahren, dass ein Goldstandard allein nicht genügt, um eine stabile Weltwirtschaft zu sichern. Sein Vorschlag war eine internationale Verrechnungseinheit als supranationale Währung. Der Bancor sollte nicht als Bargeld zirkulieren, sondern als Buchwährung für den Handel zwischen Staaten dienen. Alle Länder hätten ihre Ex- und Importe über ein internationales Clearinghaus abgerechnet, die International Clearing Union (ICU). Exportüberschüsse und -defizite wären in Bancor verbucht worden. Kein Land hätte riesige Devisenreserven in Gold oder Dollar horten müssen.

    Keynes’ Modell sollte sicherstellen, dass nicht nur Defizitländer (mit Handelsdefiziten) unter Druck geraten. Auch Überschussländer (mit riesigen Exportgewinnen, z. B. damals die USA) hätten Ausgleichsmaßnahmen treffen müssen, etwa in Form von einer Aufwertung ihrer Währung oder von mehr Importen. Das Ziel wäre ein automatischer Mechanismus gewesen, der globale Ungleichgewichte abbaut.

    Die USA waren 1944 aber die mit Abstand größte Gläubigermacht und Exportnation. Ein System, das sie dazu gezwungen hätte, ihre Handelsbilanzüberschüsse abzubauen, lag nicht in ihrem Interesse, sondern sie verfolgten den Plan, andere Länder dazu zu zwingen, den Dollar als Reservewährung zu halten.

    So setzte sich angesichts dieser Machtverhältnisse Harry Dexter White mit dem Dollar-Gold-System durch – Keynes’ Bancor blieb nur eine Vision. Allerdings taucht dieses „Gespenst“ immer wieder einmal auf. Wie Marx und Engels im Kommunistischen Manifest von 1848 davon sprachen, „Ein Gespenst geht um in Europa – das Gespenst des Kommunismus“, hätte die Umsetzung von Keynes’ damaliger Vision für das heutige Finanz-Imperium eine ähnliche das System sprengende Wirkung.

    Der IWF hatte mit den Sonderziehungsrechten (SDRs) eine Art Mini-Bancor eingeführt – aber nicht in der Rolle, die Keynes ursprünglich wollte. Auch in der Eurokrise wurde darüber diskutiert. Letzthin hat Donald Trump allerdings China und jedem anderen Land der Welt mit ernsten Konsequenzen gedroht, wenn sie diese Idee der Dedollarisierung weiterverfolgen oder gar umsetzen würden.

    Eine Randbemerkung: Bei der vorgenannten Richtungsentscheidung in Bretton Woods über das zukünftige Finanzsystem war John Maynard Keynes machtpolitisch eine Randfigur. Er war ein brillianter Theoretiker, aber „nur“ ein reiner Akademiker ohne politische oder wirtschaftliche Machtbasis. Deshalb hat er dieses gedankliche Ringen, bei dem er unterlegen ist, lebend überstanden. Andere, die ähnliche Gedanken und Pläne hatten und die für deren Umsetzung auf eine relevante Machtbasis hätten zurückgreifen können, hatten da weniger Glück – man denke etwa an John F. Kennedy, den 35. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, oder an Alfred Herrhausen, Vorstandssprecher der Deutschen Bank und damit Chef der „Deutschland AG“ und wirtschafts- und geopolitischer Berater von Helmut Kohl.

    1944 war die Machtstellung der USA noch so überwältigend, dass Keynes’ Modell noch ohne Kriegshandlungen, handgreifliche geheimdienstliche Aktivitäten oder Androhung von Wirtschaftssanktionen abgelehnt werden konnte.

    Somit war forthin der Dollar so gut wie Gold, was die Vormachtstellung der USA zementierte. Diese wurde weiter durch die Installierung des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank unterfüttert.

    Die eigentliche Geburt der amerikanischen Finanz-Weltordnung

    Dies verschaffte der USA zwar eine weltweite Vorrangstellung, aber es machte Amerika noch nicht zu einem wirklichen Finanz-Imperium, denn in den 1960er Jahren geriet das System unter Druck und drohte zu kollabieren.

    Die Krise begann 1950/51 mit dem Koreakrieg. Die Kosten dieses Krieges führten erstmals für die USA zu einem nachhaltigen Zahlungsbilanzdefizit. Die Lieferanten und Kreditgeber der USA erhielten als Gegenleistung Dollars, die sie anschliessend in Gold eintauschten.

    Diese Krise setzte sich in den 1950er und 1960er Jahren im Krieg in Vietnam, Kambodscha und Laos fort. Bereits 1963 warnten daher Stimmen, dass die massiv steigenden Ausgaben die Golddeckung des Dollars gefährden würden (Seymour Melman, A Strategy for American Security, Saturday Review, 1963). Hier ein Zitat daraus:

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    Die Kriegsbefürworter hatten das Problem, dass man sich das Gold als das „friedliche Metall“ vorstellen muss. Denn wenn Länder ihre Zahlungsbilanzdefizite in Gold bezahlen müssen, wird jedes Land, das hohe Militärausgaben tätigt und einen Krieg führt, immer mit hohen Defiziten konfrontiert sein. Es wird irgendwann kein Gold mehr haben und in einem auf Gold basierenden System seine Macht verlieren. Genau dies passierte der USA 1971 als sie vom weltweit grössten Gläubiger zum weltweit grössten Schuldner wurde. Es regten sich begründete Zweifel, ob die USA weiterhin fundamentale ökonomische Entscheidungen für die restliche Welt würde diktieren können.

    Vor dem Hintergrund, dass die USA aber keinesfalls auf das Kriegführen verzichten wollte, kündigte Präsident Nixon am 15. August 1971 in einer landesweit ausgestrahlten Fernsehansprache an, dass die USA „vorübergehend“ (de facto: dauerhaft) die Einlösung von US-Dollar in Gold für ausländische Zentralbanken aussetzt. Er schloss, wie man sagt, „das Goldfenster“. Das US-Finanzministerium und die Federal Reserve tauschten keine Dollar mehr in Gold.

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    Die Tresore in Fort Knox und anderswo blieben verschlossen und die physischen Goldtransfers ins Ausland wurden eingestellt.


    Dieser Schritt wurde weithin als eine Niederlage des amerikanischen Finanzsystems angesehen, weil es so aussah, als erkläre sich die USA quasi als zahlungsunfähig, zumindest stecke sie in einer echten Währungskrise. Das Versprechen der USA im Bretton-Woods-System war ja gewesen: Stabilität durch feste Wechselkurse, garantiert durch den „gold-backed Dollar“. Mit der Schließung des Goldfensters hat die USA dieses zentrale Versprechen einseitig gebrochen. Das Vertrauen in die USA als Hüter der Währungsstabilität erlitt einen gewaltigen Schock. Viele Länder fühlten sich betrogen, weil sie Dollar-Reserven hielten, die plötzlich nicht mehr in Gold eingelöst werden konnten. Der Dollarkurs sackte ab.

    Im Ergebnis entpuppte sich dieser „Befreiungsschlag“ dann aber als die Geburtsstunde des eigentlichen Finanz-Imperiums der USA. Der Dollar blieb nämlich auch ohne Golddeckung dominant, weil er 1971 noch durch die wirtschaftliche, militärische und geopolitische Macht der USA gedeckt war. Die Zentralbanken der restlichen Welt waren jetzt gezwungen, anstelle des Goldes, das sie von den USA nicht mehr bekommen konnten, ihre Exportüberschüsse und Währungsreserven in kurz- und langfristigen US-Staatsanleihen (US-Treasuries) anzulegen. Diese Wertpapiere (IOUs – Schuldverschreibungen) wurden zum neuen „Sicherheitsanker“ des Weltfinanzsystems.

    Zum einen konnten die USA damit fortan theoretisch unbegrenzt Dollars drucken (Fiat Money), um Haushaltsdefizite zu finanzieren.

    Zum anderen schafften die USA damit das, was Michael Hudson den „Treasury-Bill-Standard der internationalen Finanzwelt“ nennt (vgl. Michael Hudson, Finanzimperialismus. Die USA und ihre Strategie des globalen Kapitalismus, Klett-Cotta, 2018).

    So lieferte das amerikanische Zahlungsbilanzdefizit im Ergebnis mit Hilfe der weltweiten Zentralbanken die Dollar, mit denen die Haushaltsdefizite der USA und deren Kreditschöpfung finanziert wurden.

    Damit wurden die USA zum Finanz-Imperium, denn die anderen Länder wurden zwangsweise – mangels Alternative – in dieses gesamte Finanzsystem und damit auch in sein Steuersystem, sein Fiskalsystem und seine Geldschöpfung integriert, das im Wesentlichen vom US-Finanzministerium gelenkt wird. Damit wurden und werden die Kosten finanziert, die Amerika für die Bedürfnisse seines Imperiums beansprucht, nämlich etwa die Schaffung von über 800 Militärstützpunkten auf der ganzen Welt und die Kriege, die es seit den 1970er Jahren führt.

    Die Zentralbanken der Welt sind damit die Kreditbank des Finanz-Imperiums USA.

    Wie weiland schon John Maynard Keynes gesagt haben soll:

    Wenn Du der Bank 1.000 Dollar schuldest, hast Du ein Problem;
    wenn Du der Bank 1 Milliarde Dollar schuldest, hat die Bank ein Problem.

    Mit anderen Worten: Die Zentralbanken der Welt haben ein Problem – nicht der Schuldner USA, weil der Schuldner USA die Zentralbanken der Welt mit seiner eigenen Zahlungsunfähigkeit erpressen kann. Wenn nämlich die USA tatsächlich ihre Schulden als „nicht existent“ erklären würde, könnten die weltweiten Zentralbanken und alle anderen Halter von US-Treasuries diese getrost verbrennen. Dies würde umgehend zum Zusammenbruch des weltweiten Finanzsystems führen und eine Weltwirtschaftskrise auslösen. Um dies zu verhindern, tun die Zentralbanken der Welt alles in ihrer Macht Stehende, diesen Staatskonkurs der USA abzuwenden, indem sie die Kreditline des Erpressers unendlich in seiner Höhe und Laufzeit anpassen.

    Heute, mit dem Haushalt, den Präsident Trump und die Republikaner dem US-Kongress vorgelegt haben, ist die amerikanische Verschuldung so hoch, dass die ausländischen Zentralbanken und die ausländischen Investoren, darunter private quasi-staatliche Fonds wie Saudi-Arabien und Norwegen, erkannt haben, dass die Auslandsverschuldung, die eigentlich so gut wie Gold und die sicherste Anlage sein sollte, nicht zurückgezahlt werden kann. Es gibt keine Möglichkeit, dass die Vereinigten Staaten die Geldbeträge, die andere Länder als Kredite an die Vereinigten Staaten halten – hauptsächlich US-Treasuries, aber auch Anlagen von US-Behörden wie etwa Fannie Mae (Federal National Mortgage Association) – irgendwie zurückgezahlt werden; es besteht auch überhaupt keine Absicht, dies zu tun.

    Fällige Rück- und Zinszahlungen auf die Schulden werden nicht geleistet, sondern einfach im Wege der Umschuldung als zusätzliche Schulden dem bestehenden Berg an Schulden hinzugefügt.

    Es ist unmöglich, dass Amerika diese Schulden durch Exporte begleichen könnte, da es deindustrialisiert ist und keine Exportüberschüsse mehr erzielt. Auch ein Verkauf seiner Industrie an ausländische Käufer ist ausgeschlossen.

    Bildlich gesprochen ist das so, als ob Sie in den Supermarkt gehen und mit einem Schuldschein bezahlen wollen und der Supermarkt sagt: „Nun, Sie haben in der letzten Woche eine ziemliche Rechnung angehäuft, Sie müssen jetzt bezahlen.“ Und der Kunde sagt: „Ich kann und will nicht bezahlen. Aber Sie können doch meinen Schuldschein anderweitig verwenden. Geben Sie ihn an den Bauern weiter, der Ihnen die Eier, die Milchprodukte oder das Gemüse liefert, die Sie im Supermarkt verkaufen.“ Wenn dieser Schuldschein, der an sich eine Forderung gegenüber dem Kunden darstellt, irgendwie in Umlauf gebracht werden kann, dann wären das nur noch „technisch gesehen“ Schulden. Praktisch wären diese Schulden wie Geld (Fiat Money). (Das Beispiel ist von Michael Hudson.)

    Ein Großteil des weltweiten Finanzsystems basiert heute auf dieser Art von Schulden, die nicht zurückgezahlt werden können, und das ist der Schlüssel zum amerikanischen Imperium geworden, denn es ist der Schlüssel zu Amerikas Fähigkeit, im Ausland Geld auszugeben und als erste Nation in der Geschichte keine Kriegsschulden oder andere Schulden gegenüber anderen Ländern zu haben, die zurückgezahlt werden müssen.

    Der ehemalige französische Finanzminister Valéry Giscard d’Estaing sprach schon von diesem „exorbitanten Privileg“ der USA.

    Das ist die Doppelmoral, die Amerika erreichen konnte, um sich als die „unverzichtbare Nation“ zu etablieren: Während alle anderen Länder ihre Staatshaushalte kürzen, um die Tribute an die USA begleichen zu können (Beispiel Rüstungsausgaben Europas nach dem jüngsten NATO-Gipfel am 24./25. Juni 2025), weigern sich die USA ihre Schulden zu zahlen.

    Andere Länder versuchen, diesem System zu entkommen, indem sie Gold kaufen, was zum Anstieg des Goldpreises führt, und sie suchen fieberhaft nach einer Möglichkeit, eine alternative Weltwährung zu schaffen.

    Die weltweite Suche nach Alternativen

    Der Treasury-Bill-Standard funktioniert bisher, weil die ganze Welt nach wie vor – vor allem mangels echter Alternativen – US-Staatsanleihen kauft, wenn auch in immer geringeren Mengen.

    Reuters: „Während die Debatte um die ‚Entdollarisierung‘ und die weltweite Nachfrage nach auf US-Dollar lautenden Vermögenswerten tobt, scheint eine wichtige Gruppe ausländischer Investoren still und leise aus US-Wertpapieren auszusteigen: die Zentralbanken.

    Zu diesem Schluss kommen die jüngsten „Custody“-Daten der New Yorker Fed, die einen stetigen Rückgang des Wertes von US-Staatsanleihen und anderen US-Wertpapieren zeigen, die im Auftrag ausländischer Zentralbanken gehalten werden.“

    Zwar kaufen praktisch alle Zentralbanken soviel Gold, wie sie bekommen können. Dies ist aber keine echte Alternative, weil die weltweite Geldmenge dafür schlicht nicht ausreicht. Die weltweiten Goldreserven wachsen nur sehr langsam (2–3 % pro Jahr). Die Weltwirtschaft und der globaler Handel wachsen aber exponentiell.

    Die meisten aktuellen Diskussionen über die Veränderung der internationalen Wirtschaft konzentrieren sich daher verständlicherweise und zu Recht auf die Versuche der BRICS-Staaten und anderer Länder, sich durch die Entdollarisierung ihres Handels und ihrer Investitionen der Kontrolle der USA zu entziehen.

    Bisher sind zwar alternative Zahlungssysteme in Erprobung, wie etwa das Projekt mBridge (Multiple CBDC Bridge). Es wurde 2021 vom BIS Innovation Hub Hong Kong initiiert, zusammen mit den Zentralbanken von China (PBC Digital Currency Institute), Hong Kong MA, Thailand und den VAE. Im Juni 2024 trat Saudi-Arabien als vollwertiges Mitglied bei. Über 26 weitere Zentralbanken und Institutionen beteiligen sich als Beobachter (z. B. Fed New York, IMF, EZB). Die bekanntesten Mitglieder von mBridge sind die Bank von Israel, die Bank von Namibia, die Bank von Frankreich, die Zentralbank von Bahrain, die Zentralbank von Ägypten, die Zentralbank von Jordanien, die Europäische Zentralbank, der Internationale Währungsfonds, die Federal Reserve Bank of New York, die Reserve Bank of Australia und die Weltbank.

    Es handelt sich um ein Projekt, das eine von mehreren Zentralbanken und Geschäftsbanken gemeinsam genutzte Plattform für digitale Währungen (CBDC – Central Bank Digital Currency – auf Deutsch: digitale Zentralbankwährung) untersucht. Sie basiert auf der Distributed-Ledger-Technologie (DLT), um sofortige grenzüberschreitende Zahlungsabwicklungen und Devisentransaktionen zu ermöglichen. Die Verwendung von mBridge CBDC für Ölzahlungen könnte mehrere Vorteile für Saudi-Arabien und andere OPEC Staaten bieten wie z.B. schnellere Transaktionszeiten, geringere Kosten und mehr Transparenz. Der wohl grösste Vorteil liegt aber in der Umgehung des Swift-Systems und entgeht damit amerikanischen und europäischen Sanktionsmöglichkeiten.

    Im Jahr 2022 wurde ein Pilotprojekt mit Echtgeldtransaktionen durchgeführt. Seitdem hat das mBridge-Projektteam untersucht, ob die Prototyp-Plattform zu einem Minimum Viable Product (MVP) weiterentwickelt werden könnte – ein Stadium, das nun erreicht ist.

    China das eigene System CIPS (Cross-Border Interbank Payment System) entwickelt. Es wurde 2015 eingeführt und dient dem Zweck der internationalen Zahlungsabwicklung in Renminbi (RMB, Yuan) als Alternative oder Ergänzung zu SWIFT. Damit wird die Internationalisierung des Yuan gefördert. CIPS arbeitet mit ca. 1.400 (2024) ausländischen Banken zusammen. Damit werden die westlichen Sanktionen wirksam umgangen.

    Auch Russland hat als Antwort auf den SWIFT Boykott und die westlichen Sanktionen ein eigenes System entwickelt. SPFS steht für System for Transfer of Financial Messages (Система передачи финансовых сообщений). Es überträgt Finanznachrichten zwischen Banken – also Zahlungsanweisungen, Kontoinformationen usw. – genau wie SWIFT und es wird vorrangig für den Inlandsverkehr, aber zunehmend auch für grenzüberschreitende Zahlungen mit befreundeten Ländern genutzt. Teilnehmer sind über 400 russische Banken, dazu auch Banken in Belarus, Kasachstan, Armenien, Kirgisistan und anderen EAWU-Staaten. Im Inland deckt es heute fast 100 % des SWIFT-Bedarfs Russlands ab.

    Russland und China haben SPFS und CIPS teilweise verbunden, damit Banken Nachrichten austauschen können, ohne SWIFT zu nutzen. So können russische und chinesische Banken Zahlungen abwickeln – typischerweise in Rubel oder Yuan, was besonders für Energieexporte wichtig ist. Russland liefert Gas und Öl an China, bezahlt wird zunehmend in Rubel und Yuan.

    Für den Ausgleich der Zahlungsbilanzüberschüsse gibt es verschiedene Überlegungen.

    Aber wirklich tragfähige rohstoffbasierte Währungen oder Ähnliches nach der oben erwähnten Vision von John Maynard Keynes aus den 1930er-Jahren (eine internationale Verrechnungseinheit als supranationale Währung wie der Bancor) ist dabei noch nicht in Sicht.

    Der Krieg gegen den Iran dient auch dem Ziel, ein alternatives Finanzsystem zu verhindern

    Mit einem zerschlagenen Iran und seinen Teilstaaten, die zu einer Reihe von Oligarchien geworden wären, hätte die USA das gesamte Öl und die daraus erwachsenden Finanzströme des Nahen Ostens kontrollieren können. Die Kontrolle über das Öl ist seit einem Jahrhundert ein Eckpfeiler der internationalen Wirtschaftsmacht der USA. Die international tätigen US-Ölkonzerne (die nicht nur als inländische Öl- und Gasproduzenten tätig sind) und die Überweisung der aus dem Ausland erzielten wirtschaftlichen Erlöse leisten einen wesentlichen Beitrag zur Zahlungsbilanz der USA. Diese Kontrolle im Nahen Osten ermöglicht auch die Dollar-Diplomatie, in deren Rahmen Saudi-Arabien und andere OPEC-Länder ihre Öleinnahmen in die US-Wirtschaft investieren, indem sie riesige Bestände an US-Staatsanleihen und Investitionen im privaten Sektor anhäufen.

    Die Vereinigten Staaten halten die OPEC-Länder durch diese Investitionen in die US-Wirtschaft (und in andere westliche Volkswirtschaften) in Geiselhaft, die ebenso enteignet werden können, wie die Vereinigten Staaten 2022 Russlands Geldreserven in Höhe von 300 Milliarden Dollar im Westen beschlagnahmt haben. Dies erklärt weitgehend, warum sich diese Länder nach wie vor scheuen, in den aktuellen Konflikten für die Palästinenser oder den Iran einzutreten.

    Für die USA macht all dies den Iran zu einem zentralen Dreh- und Angelpunkt, auf dem die nationalen Interessen der USA beruhen, nämlich die Schaffung eines Zwangsimperiums aus Vasallenstaaten, die sich durch die Einhaltung des dollarbasierten internationalen Finanzsystems der Dollar-Hegemonie unterwerfen.

    Die Ironie der Geschichte

    Die Ironie dabei ist natürlich, dass die Versuche der USA, ihr schwindendes Finanz- und Wirtschaftsimperium aufrechtzuerhalten, selbstzerstörerisch sind. Das Ziel ist es, andere Nationen durch die Androhung von wirtschaftlichem Chaos zu kontrollieren. Aber gerade diese Drohung der USA treibt andere Nationen dazu, nach Alternativen zu suchen. Und ein Ziel ist keine Strategie, wie Michael Hudson zu Recht feststellt.

    Der Plan, Netanjahu in Israel als Pendant zu Selensky in der Ukraine einzusetzen und mit seiner Bereitschaft, „bis zum letzten Israeli“ zu kämpfen, ähnlich wie die USA/NATO „bis zum letzten Ukrainer“ kämpfen, ist eine Taktik, die ganz offensichtlich auf Kosten der eigenen Strategie geht.

    Dies ist eine Warnung an die ganze Welt, einen Ausweg zu finden. Wie die Handels- und Finanzsanktionen der USA, die andere Länder von den US-Märkten und einem dollarbasierten internationalen Finanzsystem abhängig halten sollen, ist auch der Versuch, ein militärisches Imperium von Mitteleuropa bis zum Nahen Osten zu errichten, militärisch, wirtschaftlich und politisch selbstzerstörerisch. Er macht die bereits bestehende Spaltung zwischen der US-zentrierten neoliberalen Ordnung und der globalen Mehrheit sowohl aus moralischen Gründen als auch aus Gründen der einfachen Selbsterhaltung und des wirtschaftlichen Eigeninteresses unumkehrbar.


    Analyse Hudson, Michael Keynes, John Maynard Israel Russland USA Nixon, Richard Iran IMF


    16 Kommentare zu
    «Stellvertreterkrieg Israels gegen BRICS»


    Furor Teutonicus Fr. 04 Jul 2025, 12:43

    Der Würgegriff der anglo-amerikanischen Finanz-Verbrecher zerbröselt und der Niedergang ist nicht mehr aufzuhalten. Die Macht-Triade der Geldwechsler kann auch mit einem US-Kurz-Krieg gegen Iran nicht überleben. Es gilt, den großen Crash des $-Pyramidensystems so lange wie nur möglich hinauszuzögern. Weltbank und IWF werden von den afrikanischen Ländern ausgewiesen, der globale Süden begreift sich als neue Kraft und streift die Korruption des Westens ab. Ich halte die Analyse insgesamt für Blendwerk und typische MSM-Vernebelung der Realität, beginnend mit der Verblödungs-Erklärung von Versailles.

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    Robert Murphy Fr. 04 Jul 2025, 13:09

    Until now, I had only seen negative comments about JM Keynes. This brings him out as merely a minor influence at Bretton Woods, but a major later excuse for inflating the dollar.

    Bis jetzt hatte ich nur negative Kommentare über JM Keynes gelesen. Dies zeigt, dass er in Bretton Woods nur einen geringen Einfluss hatte, später aber ein wichtiger Vorwand für die Aufblähung des Dollars war. 

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    johann strempfl Fr. 04 Jul 2025, 13:27

    Vorab, bin weder ,,Banker,, noch ,,Finanzexperte,, - jedoch soviel, - die USA haben es bisher vorzüglich verstanden, - ,,AUF KOSTEN ANDERER ZU LEBEN,, und die BRICS+ STAATEN haben gegen dieses System ,,AUF KOSTEN ANDERER,, etwas dagegen, daher existieren die vom Westen unter der Regie der ,,USA,, angezettelten Konflikte wie - UKRAINE / INDIEN - PAKISTAN / SYRIEN / ISRAEL - IRAN / in Vorbereitung USA - CHINA & Co ! ! !
    RESÜMEE: Meine Hoffnung liegt in den ,,diplomatischen BRICS+ Händen,, -
    vorwiegend unter der Federführung ,,RU / CHINA,, ! !
    Hier noch zu erwähnen, mit dem (meine Meinung) Drehbuch und Vorspiel 9/11, dies war der Auslöser für die Gründung von ,,BRICS+,, ! !

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    Antwort auf J.Blumer Fr. 04 Jul 2025, 15:46

    Ja , auch Finanzspezialisten haben sehr oft gegenteilige Meinungen .
    Fazit aber : Geld regiert die Welt ! vor allem leider bei Politikern am meisten der Fall , nicht das Wohl des jeweiligen Volkes , leider. Das wird sich auch nicht ändern , sogar wenn der Papst Staatspräsident der USA wäre .

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    J.Blumer Fr. 04 Jul 2025, 13:59

    Meine Frage : Was wird sich ändern , wenn die Brics-Staaten , trotz dem Versuch eines anderen Geldsystems, unabhängig vom Dollar , auf den Handel, der Staaten wie den USA und ihren Vasallen , die mit dem Dollar arbeiten , angewiesen sind ?
    Was nützt es wenn die Sanktionen der USA gegen mehrere Staaten , das ist ihre Hauptwaffe , nichts nützen würden , diese USA ihre Meinung mit militärischer Gewalt einfordern ? Wer hat den längeren Atem ? Ich vermute die Gewaltherrschaft der USA mit momentan noch der grössten Armee . Es sind wohl etwas einfache Fragen , aber die meisten Kriege finden doch genau wegen Geschäften statt , nicht etwa wie wir von " Demokratie " überzeugten glauben um das Wohl des eigenen Volkes !
    Deshalb kann ich nicht verstehen wie Russland und China , bewusst und öffentlich von den USA bekanntgegeben , Geschäfte wichtiger sind als dem Agressor endlich eine Stopplinie bekannt zu geben . Schluss mit den Krtiegs-und Sanktionsdrohungen der USA oder wir werden gemeinsam , der grosse Teil der freien Welt , gegen euch militärisch vorgehen .
    Etwas naiv , ich weiss . Aber es wäre doch schön .

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    Antwort auf Longdongsilver Sa. 05 Jul 2025, 0:46

    Ich für meinen Teil bin ja dankbar, daß diese Länder nicht kriegslüstern agieren. Okay, Putin hat es gemacht, aber ich glaube kaum, daß er Interesse an weiteren Kriegen hat. Und wohin sollte eine solche Strategie führen? Atomkrieg? Da es aber Strategie des Imperiums zu sein scheint, überall, wo es möglich ist, zu destabilisieren, werden Kriege vermutlich weiterhin nicht ausbleiben. Nachdem Trump Mittel für subversive Tätigkeiten gestrichen hat, sind ja die Europäer eingesprungen und finanzieren jetzt Voice of America.
    BRICS ist in erster Linie ein ökonomisches Projekt und das wird stetig und schrittweise vorangetrieben. Man darf auch nicht vergessen, daß diese Staaten unterschiedliche Interessen haben bzw. manch sogar Rivalen sind. Sie betonen aber die gemeinsamen Interessen, um sich von den ökonomischen Zwängen und der politischen Bevormundung durch die USA zu befreien. Das macht auf mich einen soliden Eindruck. Und sollte Herr Mylaeus recht haben, das es ein wesentliches Kriegsziel war, BRICS zu verhindern, sieht das Imperium das wohl genau so.

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    Antwort auf J.Blumer Sa. 05 Jul 2025, 15:03

    Ja , schon Ihrem 1. Satz kann ich zustimmen . Aber es ist ja offensichtlich : von den USA wird natürlich immer nur ein Staat nach dem andern " besetzt" . das Resultat , je mehr Militärstützpunkte diese istallieren ( momentan etwa 700 ) je geringer ist es sie zu stoppen . Wie bei der Mafia , wenn sie zu gross geworden ist wird das Eingreifen immer unwahrscheinlicher , gut zu beobachten in Italien .

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    CPL Antero Rokka Fr. 04 Jul 2025, 14:34

    In HS German Class #101, we learned a valuable lesson: "Der Kunde hat immer Recht." The customer is always right.

    And so it will be as the global shenanigans play out. Trumpets resound from Imperial Washington, D.C. issuing its proclamations to be heard and to be obeyed worldwide. Yet--the "emperor" has neither clothes nor Varus' Legions to enforce said decrees.

    Back to basics: "THE CUSTOMER IS ALWAYS RIGHT!"

    And if customers prefer to exchange goods and services for yuan, Rubles, riyal, rupees, or whatever--SO BE IT!

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    Ruth Fr. 04 Jul 2025, 19:29

    Auch wenn es ein wichtiges Thema ist oder verständlich aufbereitet: Ich habe kein gutes Gefühl, insgesamt nicht. Zum einen: „... dass es einen kollektiven Westen in seiner Endphase gibt, der bereit ist, alles zu tun, um die ganze Welt sterben zu sehen.“ (Lorenzo Maria Pacini).
    Und dann hat es doch auch eine gewisse Uneinigkeit bei den BRICS-Staaten. Sie sind zu sehr ökonomisch mit dem Westen bzw. USA verwoben oder mit jenen zu Instrumenten der westlichen Vorherrschaft verkommenen Institutionen wie UNO, IWF, Weltbank, WHO usw.
    Überall ist es das Geld, die „Ökonomie“, die Menschen selbst spielen überhaupt keine Rolle. Bei dem Thema klinke ich mich mittlerweile tatsächlich komplett aus. Wenn der Mensch sich nicht wieder besinnt, was Leben eigentlich ist, sehe ich für seine Zukunft düster.

    Das große Thema sind Werte!

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    Antwort auf J.Blumer Fr. 04 Jul 2025, 21:37

    So ist es leider . Ich bin auch am Überlegen mich rauszuhalten , auf deutsch gesagt , aufgeben . Alles dreht sich noch um die Geschäfte , bei allen Regieungen . Auf der Stecke bleiben wir " gewöhnliche " . Dann wenn die Geschäfte gefährdet sind wird auf Krieg umgeschaltet . Wenn es nicht nur um Geschäfte ginge würde wohl China mit den USA nicht mehr über Witschaftsverträge verhandeln , im Wissen , dass die USA gegen sie einen Krieg planen .

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    Antwort auf Michel Mortier Sa. 05 Jul 2025, 8:48

    Nicht aufgeben, Leute! Wenn jeder und jede von uns, die diesen Artikel gelesen haben, den Link an zwei andere schicken, mit der Bitte, das Gleiche zu tun,nämlich für den militärisch-industriellen Komplex der USA (wie bei I und II) der einfachste und lukrativste Weg aus dem Finanzproblem der USA und damit für die menschenverachtende Politiker unwiderstehlich. Die gegenwärtige Aufrüstungshysterie ist ein ernstzunehmendes Symptom, aber wir sind nicht mehr im Mittelalter und haben den Kommunikationsweg, um alle über die Gefahr zu informieren und damit demokratisch zu handeln. Im Gegensatz zu den anderen Lebewesen haben wir Menschen die Fähigkeit der Vernunft . Nutzen wir sie!

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    Antwort auf Carsten Gems Sa. 05 Jul 2025, 9:12

    Aber wir gewöhnlichen sind doch die Merheit.Kein Vertrauen mehr ,dann haben SIE auch keine Macht mehr.

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    Antwort auf beat schaller Sa. 05 Jul 2025, 10:19

    Ruth, da ist einiges dran, an diesem kurzen Kommentar. Für jene, welch es ebenso sehen ist wohl eine persönliche "Ruhezeit" von diesem ganzen Wahnsinn in der Tat hilfreich.
    Gruss. b.schaller

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    Antwort auf Ruth Sa. 05 Jul 2025, 17:19

    Seit einiger Zeit suche ich bewußt nach dem Wesentlichen des Lebens (und da ist die Natur selbst, nicht als reiner „Nutzen“ das Vorbild) und begann mit den eigenen Werten. Und das machen um mich herum, fiel mir auf, zwischenzeitlich nicht mal wenige Leute. Da sind viele dieser „Moderne“ müde geworden. Vor allem ja die Älteren, die noch ganz andere Zeiten kennen. Aber auch Jüngere hats schon „erwischt“. ;)

    Im eigenen Umfeld die alten Werte leben. Respekt, eine gewissen Bescheidenheit (ich sag Normalität dazu), auch Dankbarkeit für so viele Dinge, denn es hat viele. Sie werden nur zur Gewohnheit und oft nicht mal noch bemerkt. Mal von sich selbst in diesem Ego ein wenig abrücken, gleichwohl sich wertschätzen und achten. Klappt nicht immer, manchmal zieht's einen wieder, wird aber immer besser. :)
    Danke und ein schönes Wochenende!

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    Antwort auf Maggie Sa. 05 Jul 2025, 22:27

    @Ruth
    Optimistisch bleiben ist z.Zt. wirklich schwer. Überblick zu behalten über die weltweite Lage, ob Wirtschafts- oder Beute-Krieg (Rohstoffe) ist uns auch als nicht Mainstreamlesern fast unmöglich geworden.
    Wenn man dann noch die Verzagtheit liest "Putin sei kriegslüstern", dann möchte man fast aufgeben.

    Du hast hier von uns Menschen geschrieben, die fast keine Rolle mehr spielen. Ja, das ist wohl war. Seit der weltweiten Panikmache mit einem "Fauci-Virus", das kann man wohl heute sagen dürfen nach den massenhaften Veröffentlichungen aus den USA Kongress etc., frage ich mich ernsthaft, wie über 180 Staaten mitgemacht haben bei Covid.
    Mit Klima ist da schon weniger Konsenz sichtbar. Gut so.
    Nun liest man aber auch von KI, die im Silicon Valley schon bei etlichen Firmen zu einer Entlassungswelle bis zu 85% der MA geführt hat. (Quelle Weltwoche).
    Wenn man dann noch Bill Gates hört, der in Interviews meinte, 1 Milliarde Menschen wären genug für die Welt, dann stellt sich mir die Frage nach dem Sinn der Menschheit.
    Dass ist fatal. Aber das Szenario BRICS vs "Wertewesten" ist im vollen Gange und das BRICS die KI nicht einsetzt, glaube ich nicht. Also rette sich wer kann? Es wird da evtl. für die Masse der Menschheit keinen Raum mehr geben, der nicht vom jeweiligen oder obsiegendem System kontrolliert werden wird.
    KI ist damit zu einer Waffe geworden, die schlimmer als eine A-B.. wirken wird.

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    Hodl Sa. 05 Jul 2025, 13:22

    Ich finde es erstaunlich, dass von Herrn Mylaeus nicht auf die Rolle von Bitcoin eingegangen wird. BTC hat genau die gewünschten Funktionen und wird zunehmend für staatliche Reserven genutzt oder zumindest geplant.

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    Info: https://forumgeopolitica.com/de/artikel/stellvertreterkrieg-israels-gegen-brics


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    04.07.2025

    Das strategische Ziel war ein Reinfall: Das „Kartenhaus“ ist nicht zusammengebrochen

    seniora.org, 4. Juli 2025, von Alastair Crooke 03.07.2025  – übernommen von conflictsforum.substack.com

    „Das Land der Leistungen“: Trump wollte einen perfekten Krieg, eine Schlagzeile, die alle anderen in den Schatten stellt

    (Red.) Wenn wir die von Alastair Crooke dargestellte Schlagzeilen-Erhascher-Politik auf die skurrile Person Donald Trump reduzieren, greifen wir deutlich zu kurz. Hinter dieser Strategie steht eine ganze Spin-Doktor-Industrie, deren Sprechpuppe Trump ist. Die Analyse der psychischen Verfassung dieser Sprechpuppe führt zu nichts. An ihren Taten sollt ihr sie erkennen. Seymour Hersh hat am 19. Juni 2025 in einem Aufsatz mit dem Titel „WHAT I HAVE BEEN TOLD IS COMING IN IRAN   – The initial battle plan for a new war“ dargestellt, dass die US-Geheimdienst-Community und das amerikanische Militär überwiegend überzeugt waren, dass der Angriff auf den Iran zu einem Regimewechsel führen würde. „Dies ist eine Chance, dieses Regime ein für alle Mal zu beseitigen“, sagte „ein informierter Beamter“ zu Seymour Hersh, „and so we might as well go big.“ (also können wir es ruhig richtig krachen lassen). Wie sie jetzt auf den offensichtlichen Realitätsschock reagieren werden, bleibt abzuwarten. (am)


    „Je nachdem, wen man fragt, war das US-Bombardement der iranischen Atomanlagen in Fordow, Natanz und Isfahan entweder ein voller Erfolg, der Teherans Atomprogramm schwer beschädigt hat, oder eine spektakuläre Show, deren Ergebnisse hinter den Erwartungen zurückblieben … Im Großen und Ganzen ist das alles nur Theater“.

    Das große Thema   – gleich nach „Wie geht es weiter im Iran?“ und „Wie könnte die Reaktion aussehen?“   – ist laut Michael Wolff (der vier Bücher über Trump geschrieben hat) „wie die MAGA-Basis reagieren wird“:

    „Und ich glaube, er [Trump] ist wirklich besorgt [betont Wolff]. Und ich glaube, er sollte besorgt sein. Diese Koalition basiert auf zwei grundlegenden Elementen   – Einwanderung und Krieg. Alles andere ist austauschbar und kann kompromissfähig sein. Es ist jedoch nicht sicher, ob diese beiden Elemente kompromissfähig sind.“

    Das Signal von Hegseth („Wir befinden uns nicht im Krieg mit dem iranischen Volk   – nur mit seinem Atomprogramm“) spiegelt deutlich eine Botschaft wider, die angesichts des Widerstands der MAGA-Anhänger bedeutet, „wir krebsen zurück“: „Beachtet diese Sache nicht. Wir führen keinen wirklichen Krieg“, wollte Hegseth damit sagen.

    Wie geht es nun weiter? Grundsätzlich gibt es vier Möglichkeiten: Erstens könnten die Iraner sagen: „Okay, wir geben auf“, aber das wird nicht passieren. Die zweite Option ist ein langwieriger Krieg zwischen dem Iran und Israel, in dem Israel weiterhin auf eine Weise angegriffen wird, wie es noch nie zuvor angegriffen wurde. Und drittens gibt es den Versuch eines Regimewechsels   – obwohl dies allein durch Luftangriffe noch nie erfolgreich erreicht wurde. Historisch gesehen gingen Amerika‘s Regimewechsel immer mit Massakern, jahrelanger Instabilität, Terrorismus und Chaos einher.

    Schließlich gibt es noch diejenigen, die davor warnen, dass ein nuklearer Weltuntergang mit dem Ziel der Zerstörung des Iran bevorsteht. Das wäre jedoch Selbstmord, da es wahrscheinlich auch Trumps Weltuntergang wäre   – bei den Zwischenwahlen.

    „Lassen Sie mich das erklären“, sagt Wolff.

    „Ich habe viele Telefonate geführt   – daher glaube ich, dass ich ein Gespür dafür habe, wie Trump uns an diesen Punkt gebracht hat [mit den Angriffen auf den Iran]. Telefonate sind eine meiner wichtigsten Methoden, um herauszufinden, was er denkt (ich verwende den Begriff „denken” hier im erweiterten Sinn).

    Ich spreche mit Leuten, mit denen Trump telefoniert hat. Ich meine, Trumps gesamte interne Denkweise ist extern und äußert sich in einer Reihe von ständigen Telefonaten. Das ist ziemlich leicht zu verfolgen, weil er allen das Gleiche sagt. Es ist also eine ständige Wiederholung ...

    Als die Israelis den Iran angegriffen haben, war er also sehr aufgeregt   – und seine Anrufe drehten sich alle um ein Thema: Werden sie gewinnen? Ist das ein Sieg? Ist das Spiel vorbei? Sie [die Israelis] sind so gut! Das ist wirklich ein Knüller.

    Wir befinden uns also wieder einmal im Land der Performance. Das ist eine Bühne, und am Tag vor unserem Angriff auf den Iran wiederholte er in seinen Anrufen ständig: Wenn wir das tun, muss es perfekt sein. Es muss ein Sieg sein. Es muss perfekt aussehen. Niemand darf sterben.

    Trump sagt seinen Gesprächspartnern immer wieder: „Wir gehen ‚in-boom-out‘: Der große Tag. Wir wollen einen großen Tag. Wir wollen (wartet darauf, sagt Wolff) einen perfekten Krieg.“ Und dann verkündet Trump aus heiterem Himmel einen Waffenstillstand, was laut Wolff „das Ende von Trumps perfektem Krieg“ bedeutet.

    Und so, plötzlich   – wobei offenbar sowohl Israel als auch der Iran bei der Inszenierung dieser „perfekten Kriegsschlagzeile“ mitgespielt haben   – „ärgert er sich, dass es nicht perfekt läuft“.

    Wolff fährt fort:

    Trump hatte zu diesem Zeitpunkt bereits die Rolle übernommen, dass ‚dies sein Krieg‘ sei. Sein perfekter Krieg. Fernsehdrama auf höchstem Niveau: Krieg, um eine Schlagzeile zu schaffen. Und die Schlagzeile lautet ‚WIR HABEN GEWONNEN‘. Ich habe jetzt das Sagen, und alle werden tun, was ich ihnen sage. Was wir anschließend sahen, war seine Frustration über die Zerstörung einer hervorragenden Schlagzeile: Sie tun nicht, was er ihnen sagt.“

    Was sind die weiterreichenden Auswirkungen dieser kleinen Episode? Nun, Wolff glaubt jedenfalls, dass Trump sich kaum in einen langen, komplexen Krieg hineinziehen lassen wird. Warum? „Weil Trump einfach nicht die nötige Aufmerksamkeit dafür aufbringen kann. Das war's. Er ist fertig: In-Boom-Out.“

    Ein grundlegender Punkt muss in Wolffs Analyse hinsichtlich ihrer weiterreichenden strategischen Bedeutung verstanden werden: Trump sehnt sich nach Aufmerksamkeit. Er denkt in Schlagzeilen   – jeden Tag, jeden Tag, aber nicht unbedingt in politischen Maßnahmen, die sich aus diesen Schlagzeilen ergeben. Er strebt nach täglicher Schlagzeilenhoheit, und dafür will er die Schlagzeilen durch eine rhetorische Haltung definieren   – indem er die „Realität“ so formt, dass sie seine eigene spektakuläre Trump'sche „Sichtweise“ widerspiegelt.

    Schlagzeilen werden sozusagen zu einer Art politischer Dominanz, die sich anschließend in Politik verwandeln kann   – oder auch nicht.

    Dennoch wird es für Trump nicht ganz so einfach sein, wie Wolff suggeriert, einfach „das Rampenlicht vom Iran wegzulenken“   – auch wenn Trump ein Meister darin ist, neue Streitpunkte zu finden. Denn im Grunde hat sich Trump auf die Nebenschlagzeile „Der Iran wird niemals eine Bombe haben“ festgelegt. Beachten Sie, dass er dies nicht in politischen Begriffen definiert, sondern sich Spielraum für einen möglichen späteren Sieg schafft.

    Es gibt jedoch noch einen weiteren grundlegenden Punkt: Der israelische Angriff auf den Iran am 13. Juni sollte den Iran wie ein Kartenhaus zusammenbrechen lassen. Das war es, was Israel erwartet hatte   – und was Trump ganz offensichtlich auch erwartet hatte: „[Trumps Telefonate am Vorabend des israelischen Überraschungsangriffs] drehten sich alle um ein Thema: Würden sie gewinnen? Ist das ein Sieg? Ist das Spiel vorbei? [Die Israelis] sind so gut! Das ist wirklich ein Knüller.“ Trump sah den möglichen Zusammenbruch des iranischen Staates voraus.

    Nun ja ... es war nicht „Game Over“. Die Israelis umarmen sich vielleicht aufgeregt wegen des Pièce de Théâtre des Mossad am 13. Juni, über die „Professionalität“ der vom Mossad angeführten Enthauptungen, die Ermordungen von Wissenschaftlern, die Cyber- und Sabotageangriffe. Der Mossad wird von vielen in Israel gefeiert   – doch all das waren taktische Erfolge.

    Das strategische Ziel   – das „A und O“   – war ein Reinfall: Das „Kartenhaus“ ist nicht zusammengebrochen. Vielmehr hat es sich kraftvoll erholt. Anstatt den Iran zu schwächen, hat der Angriff die schiitische und iranische nationale Identität angefacht. Er hat eine weitgehend schlummernde nationale Leidenschaft entfacht. Der Iran wird in Zukunft noch entschlossener auftreten.

    Wenn also der israelische Angriff vom 13. Juni nicht erfolgreich war, warum sollte der Plan dann beim zweiten Anlauf besser funktionieren, zumal der Iran nun bestens vorbereitet ist? Ein langer Zermürbungskrieg mit dem Iran mag Netanjahus Wunschvorstellung sein, um seine erhoffte Schlagzeile „Großer Sieg“ zu erreichen. Aber Netanjahu kann solche Illusionen nicht weiter verfolgen (und Israel kann einen Zermürbungskrieg nicht überleben)   – ohne substanzielle Hilfe der USA (die möglicherweise nicht kommen wird).

    Obwohl Trumps offensichtliche Unruhe (wie sie von Wolffs Gesprächspartnern beschrieben wird) darüber, ob der israelische Überraschungsangriff ein schneller Sieg sein würde oder nicht, auf Trumps inneres Temperament hindeutet: „Ist das ein Sieg? Ist das Spiel vorbei? Es muss ein Sieg sein: Es muss perfekt aussehen: In-Boom-Out”.

    Diese wiederholten Fragen an seine Umgebung zeugen eher von einem Mangel an Selbstvertrauen als davon, dass er einen langwierigen Schlagabtausch ohne klaren „Game Over“-Moment will   – oder dass (er) die Aufmerksamkeitsspanne dafür hätte.

    Außerdem wird er zu Recht die Auswirkungen eines langen Krieges auf seine MAGA-Basis sowie auf junge Trump-Wähler fürchten (die sich bereits von Trump abzuwenden beginnen   – wie Fokusgruppenumfragen nahelegen). Trumps Mehrheiten in beiden Kammern sind unglaublich prekär. 300 Millionen Dollar könnten den Ausschlag in die eine oder andere Richtung geben.

    Erinnern Sie sich auch an den zweiten grundlegend wichtigen Punkt: Israel wurde auf eine Weise angegriffen, wie es noch nie zuvor angegriffen wurde. Israel verschweigt nach wie vor das Ausmaß der durch iranische Raketen verursachten Schäden, aber selbst hochrangige israelische Sicherheitsbeobachter ziehen angesichts der nach und nach bekannt werdenden Schäden die bittere Lehre, dass das iranische „Programm” möglicherweise nicht mit militärischen Mitteln zerstört werden kann. Wenn überhaupt, dann nur durch eine diplomatische Einigung.

    Auch ein Regimewechsel hat sich als Chimäre erwiesen. Der Iran war noch nie so geeint und standhaft wie heute. Die Drohung, den Obersten Führer zu töten, ist ebenfalls völlig nach hinten losgegangen. Vier führende schiitische religiöse Autoritäten (Marja’iyya), darunter der berühmte Großajatollah Sistani im Irak, haben erklärt, dass jeder Angriff auf den Obersten Führer eine Dschihad-Fatwa auslösen würde, die die gesamte Umma (Gemeinschaft) zur Teilnahme am Heiligen Krieg gegen Amerika und Israel verpflichtet.

    Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran, die zu einem Einvernehmen führen, scheinen in weiter Ferne zu liegen. Die IAEA hat sich selbst zu einem wesentlichen Teil des Problems gemacht, anstatt einen Beitrag zur Lösung zu leisten. Trumps Aufmerksamkeit für den „Waffenstillstand“ in der Ukraine scheint nachzulassen   – und dies könnte möglicherweise auch das Endergebnis im Fall des Iran sein. Lange Verhandlungen führen zu nichts, während der Iran still und leise sein Anreicherungsprogramm wieder aufnimmt. Und vermutlich wird Israel weitere Angriffe auf den Iran starten, was zu einer unvermeidlichen Reaktion des Iran und einer Eskalation führen wird.


    Quelle: Conflicts Forum

    https://conflictsforum.substack.com/p/the-land-of-performance-trump-wanted?publication_id=3393451&post_id=167463419&isFreemail=false&r=1y536l&triedRedirect=true

    Mit freundlicher Genehmigung übernommen

    Die Übersetzung besorgte Andreas Mylaeus



    Info: https://seniora.org/index.php?option=com_acym&ctrl=fronturl&task=click&urlid=208&userid=3998&mailid=2787


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    04.07.2025

    Der F-35-Skandal braucht ein Opfer

    https://seniora.org, 4. Juli 2025, 02.07.2025 Von Peter Bodenmann - übernommen von weltwoche.ch

    Vor fünf Jahren haben sämtliche Bundesräte das Volk nach Strich und Faden belogen.


    F-35 Tarnkappen-Bomber (Lockheed Martin)


    Alle wollen die Schweizer Ex-Bundesrätin Viola Amherd zum alleinigen Sündenbock machen. Weil sie uns vor fünf Jahren im Abstimmungskampf einen Festpreis von 6 ​Milliarden Dollar für den F-35 versprach. Das ist unfair. Neben der Oberwalliserin sassen damals folgende Damen und Herren im Bundesrat: Ignazio Cassis, Karin Keller-Sutter, Guy Parmelin, Simonetta Sommaruga, Alain Berset und Ueli Maurer, der Finanzminister.

    Sie alle   – oder zumindest ihre Mitarbeiter   – kannten das Gutachten der eidgenössischen Finanzverwaltung, das festhielt, der angebliche Festpreis sei in Wirklichkeit kein Festpreis. Wenn nur eine Bundesrätin oder nur ein Bundesrat öffentlich Zweifel an diesem Geschäft geäussert hätte, wäre die Vorlage abgelehnt worden. Fehlanzeige! Klar ist auch: Die Yankees können jederzeit digital per Knopfdruck entscheiden, ob die Maschinen starten dürfen oder eben nicht.

    Der Dollar wird auf 70 ​Rappen sinken.

    Letzte Woche sank der Kurs des Dollars erstmals unter 80 ​Rappen. Trump erhöht den Druck auf die Fed, damit der Kurs noch weiter sinkt. Trump wird sich gegen die Fed durchsetzen. Der Dollar wird auf 70 ​Rappen sinken. Wer amerikanische Staatsanleihen im Depot hat, wird bluten   – wie unsere Nationalbank. Diese müsste sofort aussteigen, damit der Schaden nicht laufend grösser wird. Im Vertrag garantiert die Schweiz den USA einen festen Wechselkurs. Nur schon im Rahmen dieses Geschäfts ist die zweite Milliarde futsch. Gesamthaft   – Depot der Nationalbank inklusive   – sind es währungsseitig mehr als 25 ​Milliarden.

    Wer Kompensationen verlangt, kauft teurer ein. In der Regel ohne dauerhafte Vorteile für die heimische Industrie. Genau das hat die Schweiz gemacht. Dritte Milliarde futsch.

    Trump wird mit der Schweiz Katz und Maus spielen. Weil wir kein Rückgrat haben.

    Und wer ein Auto auf Raten kauft, beginnt mit den Ratenzahlungen erst, wenn der Wagen in seiner Garage steht. Anders ist es bei diesem Ratenvertrag: Wir zahlen absehbar 4 ​Milliarden Dollar, bevor der erste atomwaffenfähige Bomber F-35 in Payerne landet. Der Kaufpreis wird bei 8 ​Milliarden Dollar zu liegen kommen. Und danach werden uns die Amerikaner bei Wartung, Unterhalt und Ersatzteilen erst richtig abzocken. Dies umso mehr, als die Amis die Flieger ohne wirksame Waffen liefern.

    Wie viel hat der Bund jenen Juristen bezahlt, die ihm bestätigten, der Vertrag sehe eine Festpreisgarantie vor? Geht der Bund gegen diese Gefälligkeitsgutachter zivilrechtlich vor? Schweigen im Walde.

    Offenbar sind die Tarnkappenbomber gar nicht so unsichtbar wie behauptet. So soll die weitgehend inexistente iranische Luftabwehr zwei von ihnen abgeschossen haben.

    Wenn es nach Annahme der Bilateralen 3 bei Vertragsinterpretationen eine Differenz mit der EU geben sollte, sehen die Verträge ein unheimlich langes und kompliziertes Verfahren vor. Anders hier: Es gibt gar kein Verfahren bei Meinungsdifferenzen.

    Was unternimmt die rechtsnational-bürgerliche Mehrheit im Parlament? Darf das Volk nach dem Einsturz des ganzen Lügengebäudes von SVP, FDP und Mitte wenigstens über die Frage «Lieber ein Ende mit Schrecken oder ein Schrecken ohne Ende?» abstimmen? Die SVP wird eine Volksabstimmung verhindern.

    Denn Trump ist brutal und zurzeit leider auch brutal erfolgreich unterwegs.


    Screenshot_2025_07_06_at_00_43_25_Seniora.org_Der_F_35_Skandal_braucht_ein_Opfer
    Nach seinem Dafürhalten wollen alle seinen Arsch küssen.(Bildquelle: Globalbridge)

    Er wird mit der Schweiz wie mit fast allen Staaten   – China ausgenommen   – Katz und Maus spielen. Weil wir kein Rückgrat haben.


    Ist Trump unberechenbar? Das glaube ich nicht. Er wird folgende Punkte durchsetzen: Erstens Zölle von mindestens 10 Prozent auf alle Schweizer Exporte, weil wir Angst haben vor zollfreien amerikanischen Steaks und Chlor-Poulets. Zweitens Senkung der stark überteuerten Medikamentenpreise in den USA, damit Trumps unsoziale Reformen weniger hart durchschlagen. Drittens Kauf der F-35-Kampfjets ohne Festpreisgarantie. Viertens keine Gegenzölle auf digitale Dienstleistungen.

    Alte Bauernregel: Jeder Skandal braucht ein Opfer, damit alles so bleibt, wie es schon immer war. Viola Amherd ist das Opfer. Der Gipfel der Frechheit: Die Mittäterin Karin Keller-Sutter lässt sich bereits als Aufräumerin feiern. Bananenrepublik Schweiz, gesteuert von Spindoktoren. Die Trump-Kuscherin wird uns ein Loch von 50 bis 70 ​Milliarden einfahren. Zwanzig Mal mehr als Viola Amherd. Leider.


    Peter Bodenmann OIP 2385923321Der Autor Peter Bodenmann ist Hotelier in Brig und ehemaliger Präsident der SP Schweiz.

    Bilder, Titel und Hervorhebungen seniora.org





    Quelle: WELTWOCHE - Mit freundlicher Genehmigung übernommen

    https://weltwoche.ch/story/der-f-35-skandal-braucht-ein-opfer/



    Info: https://seniora.org/index.php?option=com_acym&ctrl=fronturl&task=click&urlid=207&userid=3998&mailid=2786


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    04.07.2025

    Screenshot_2025_07_06_at_01_01_53_Friedrich_allein_zu_Haus

    nachdenkseiten.de, 04. Juli 2025 um 11:30 Ein Artikel von: Jens Berger

    Mehrere Ereignisse und Meldungen aus dieser Woche zeigen: Der Krieg zwischen Russland und der Ukraine geht seinen vierten Sommer und die Unterstützung der Ukraine durch ihre westlichen Partner bröckelt zusehends. Die Zeiten, in denen der „kollektive Westen“ unverbrüchlich hinter der Ukraine stand und sie in ihrem Abnutzungskrieg gegen Russland unterstützte, sind vorbei. Nur in Deutschland scheint sich dies noch nicht herumgesprochen zu haben. So könnte es durchaus sein, dass schon bald Deutschland der einzige nennenswerte Staat ist, der den Krieg der Ukraine weiterhin voll unterstützt.


    Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar.

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    Zugegeben – neben dem Wetter an der Nordsee gibt es kaum etwas, das wechselhafter ist als die Aussagen der US-Regierung. Dennoch sollte eine Meldung von Politico den Falken in der Bundesregierung zu denken geben. Demnach hat das Pentagon bei einer Inventur festgestellt, dass die Waffenlieferungen in die Ukraine mittlerweile die eigenen Bestände derart aufgezehrt haben, sodass man mit sofortiger Wirkung einen Lieferstopp beschlossen habe. Dies betrifft offenbar neben verschiedenen Luftabwehrsystemen auch die für die Ukraine im Fronteinsatz so wichtige Artilleriemunition. Nach Informationen des britischen Economist haben die USA diese Lieferungen mit sofortiger Wirkung gestoppt und es ist unklar, ob und wann sie wieder fortgesetzt werden.

    Generell lässt sich dazu sagen, dass die USA ihre materielle Unterstützung der Ukraine seit der Amtsübernahme Trumps deutlich verringert, aber nicht vollkommen gestoppt haben. Man hielt sich an die noch unter Präsident Biden versprochenen Lieferungen, jedoch wurde in der Amtszeit Trumps keine einzige neue Hilfsleistung gleich welcher Art beschlossen; auch die in dieser Woche verabschiedete „Big Beautiful Bill“ – ein 3,4 Billionen Dollar schwerer Budgetplan für die nächsten zehn Jahre – enthält keinen einzigen Cent für die Ukraine. Mit dem jüngsten Lieferstopp sind erstmals versprochene Lieferungen aus der Biden-Zeit betroffen. Doch selbst wenn dieser Lieferstopp revidiert wird, laufen diese „Alt-Verträge“ Stück für Stück aus und spätestens 2028 erhält die Ukraine gar keine Leistungen mehr aus den USA.

    Die dadurch entstehende Lücke wollten eigentlich die Europäer unter der Führung von Deutschland, Frankreich und Großbritannien schließen. Konkrete Versprechungen dazu gibt es jedoch nicht und sowohl in Paris als auch in London mehren sich die kritischen Stimmen. Das hat vor allem innenpolitische Gründe. Als Keir Starmer im Juli 2024 gewählt wurde, konnte Labour noch 34 Prozent der Stimmen holen und dies war damals schon weniger Labour selbst, sondern mehr der vollkommen derangierten politischen Konkurrenz der Tories zu verdanken. In aktuellen Umfragen steht Labour nur noch bei 24 Prozent und Nigel Farages rechte Reform UK führt die Umfragen mit 28 Prozent an. Wie Sky News berichtet, wächst der Widerstand gegen Starmer in der Labour-Partei und es gibt bereits Drohungen, dass man Starmer zurückziehen wolle, wenn Labour im kommenden Mai bei den Wahlen in Wales, Schottland und London schlecht abschneiden würde. Die Zustimmungswerte von Starmer liegen zurzeit bei mageren 23 Prozent. Es läuft nicht rund und an allen Ecken fehlt der britischen Regierung das Geld. Es ist daher wenig wahrscheinlich, dass Starmer nun in die Bresche springt und den US-Anteil der Ukrainehilfen übernimmt. Wahrscheinlicher ist, dass er selbst bereits an einer Exit-Strategie arbeitet, die Labour und ihm dabei helfen kann, an der Macht zu bleiben.

    Ganz ähnlich sieht es in Frankreich aus. Auch Emmanuel Macron kommt nur auf einen katastrophalen Zustimmungswert von 23 Prozent, hat aber – anders als Starmer – zumindest das zweifelhafte Glück, dass er selbst nicht wiedergewählt werden kann. Aktuelle Umfragen deuten eher darauf hin, dass Jordan Bardella von Marine Le Pens Rassemblement National die besten Chancen auf Macrons Nachfolge haben wird. Auch in Frankreich erkennt die politische Mitte mittlerweile, dass noch höhere materielle und finanzielle Hilfsleistungen für die Ukraine am Ende vor allem der politischen Rechten nutzen. Macron ist zudem bemüht, nicht als schwächster Präsident der Fünften Republik in die Geschichte einzugehen. Daher will er außenpolitische Akzente setzen und untergräbt damit die „gemeinsame Strategie“ der EU, Russland wirtschaftlich und diplomatisch zu isolieren.

    So telefonierte Macron in dieser Woche – offenbar ohne vorherige Abstimmung mit anderen europäischen Regierungen – zum ersten Mal seit drei Jahren mit dem russischen Präsidenten Putin. Es ging vor allem um den Iran, aber man hat auch bilateral über die Ukraine gesprochen. Das US-Medium Bloomberg wertet dieses Gespräch als Abkehr Macrons von der „gemeinsamen Linie“ der Europäer und als Paradigmenwechsel in der geopolitischen Ausrichtung. Der einzige größere Akteur, der in der Ukraine-Frage weiterhin kompromisslos die Kampflinie fährt, sei, so Bloomberg, der deutsche Kanzler Merz.

    Selbst auf europäischer Ebene verlief die letzte Woche für die Falken schlecht. Der chinesische Außenminister Wang Yi war in Brüssel zu Gast und führte offenbar ein ganze vier Stunden langes „Marathon-Gespräch“ mit der EU-Außenbeauftragten Kaja Kallas, wie es die South China Morning Post in Erfahrung gebracht hat. Dabei habe er, so berichten EU-Quellen, der Estin eine ausführliche Lektion in Sachen Geschichtsunterricht erteilt. China verfolge beim Ukrainekrieg andere Interessen als die EU und es sei nicht im chinesischen Interesse, dass Russland diesen Krieg verliert. Ein Krieg in Europa, der die USA materiell und personell bindet und von einem erweiterten Engagement in Ostasien abhalte, sei hingegen im chinesischen Interesse, so Wang Yi laut SCMP. Das ist realpolitisch korrekt und lässt sowohl die Hoffnungen der EU auf eine Isolation Russlands als auch die Hoffnungen auf eine produktive Vermittlerrolle Chinas bei Waffenstillstands- oder Friedensgesprächen verpuffen.

    Diese Woche hat gezeigt: Nicht Russland, sondern Deutschland ist mehr und mehr isoliert. Mit dem Wegbröckeln der US-Unterstützung und der schwindenden Begeisterung der Briten und Franzosen für eine stärkere Unterstützung der Ukraine ist Deutschland zusehends allein im Klub der Falken. Wer hätte sich vor ein paar Jahren noch vorstellen können, dass ausgerechnet Deutschland nun drauf und dran ist, seinen eigenen Stellvertreterkrieg gegen Russland zu führen?


    Titelbild: OpenAI – Das Titelfoto ist ein mit künstlicher Intelligenz erstelltes Symbolbild


    Rubriken: Außen- und Sicherheitspolitik Audio-Podcast Aufrüstung Demoskopie/Umfragen


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    Info: https://www.nachdenkseiten.de/?p=135529


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