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06.07.2025

Wie Russlands Militäroperation und die Eskalation mit Aserbaidschan zusammenhängen

rtnewsde.pro, 6 Juli 2025 06:30 Uhr, Von Geworg Mirsajan

"Es werden Versuche unternommen, neue Fronten gegen Russland zu eröffnen." So erklären Politologen die gegenwärtige Eskalation zwischen Moskau und Baku. Die Geschehnisse hängen nicht nur mit Aktionen des Westens im Kaukasus, sondern auch mit seiner Reaktion auf die Sonderoperation zusammen.


Quelle: Gettyimages.ru © samxmeg


Symbolbild


Proteste von Oppositionsparteien in Serbien. Verfassungswidrige Aktionen der moldawischen Regierung gegen die Chefin von Gagausien. Anhaltende Versuche der georgischen Opposition, die Regierungspartei "Georgischer Traum" zu hintergehen. Angriff des armenischen Ministerpräsidenten Nikol Paschinjan gegen die Armenische Apostolische Kirche. Eine umfassende antirussische Kampagne in Aserbaidschan, bei der russische Staatsbürger zusammengeschlagen und als Geiseln genommen werden.


Krise zwischen Russland und Aserbaidschan: Alijew fühlt sich ertappt und schlägt wild um sich




Analyse

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All diese Ereignisse haben unter anderem innenpolitische Gründe in den jeweiligen Ländern – von Korruptionsfaktoren bis hin zum banalen Machtkampf. Doch sie alle einen zwei Faktoren: Bei jedem dieser Vorkommnisse ist ein Einfluss von Drittstaaten zu sehen – und das Endziel dieses Einflusses ist eine Einwirkung auf Russland. Nikita Mendkowitsch, Leiter des Eurasischen analytischen Clubs, erklärt gegenüber der Zeitung Wsgljad:

"Es werden Versuche unternommen, neue Spannungspunkte – faktisch neue Fronten gegen Russland – zu schaffen. Ich denke, dass gegenwärtig diese Initiativen vor allem von Großbritannien, als dessen jüngerer Partner die Türkei agiert, sowie von Frankreich ausgehen. Und natürlich auch von der EU-Führung."

Die eigentliche Idee, Spannungspunkte um eine Großmacht zu schaffen, ist nicht neu und wird von alters her eingesetzt. Ihr Sinn besteht darin, dass die Großmacht ihre Aufmerksamkeit auf diese Punkte hinlenkt und menschliche, zeitliche, militärische und wirtschaftliche Ressourcen verbraucht, um sie zu stabilisieren.

Darüber hinaus schaffen diese Punkte Instabilität an den Grenzen der Großmacht und beeinträchtigen ihre innere Entwicklung. Die wichtigste Qualität eines Spannungspunkts ist die Schwierigkeit, ihn zu beseitigen – einfacher gesprochen, das Land kann dieses Problem aus unterschiedlichen Gründen nicht schnell lösen.

In den 1990er Jahren war der Kaukasus ein solcher Punkt für Russland. Faktisch wütete dort ein Bürgerkrieg, der von NATO-Ländern, vor allem der Türkei, und einigen südkaukasischen Ländern genährt wurde. Nachdem es dem Präsidenten Wladimir Putin nach seinem Regierungsantritt gelungen war, dieses Problem zu lösen, machte der Westen die Ukraine zu einer neuen Quelle der Instabilität. In der Folge war Moskau gezwungen, die Sonderoperation einzuleiten.


Nach Einstellung der Waffenlieferungen: Ukrainisches Außenministerium bestellt US-Diplomaten ein





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Doch heute sieht der Westen, dass sich die ukrainische Front faktisch erschöpft hat. Nicht umsonst behaupten Analytiker bereits, dass sich die USA vom Konflikt in der Ukraine "distanzieren". So interpretieren sie die Entscheidung des Pentagons, die US-Waffenlieferungen an das Kiewer Regime in den kommenden Monaten teilweise einzustellen. Auch der Generalsekretär der NATO räumt ein, dass sich das Kiewer Regime ohne die Unterstützung des Westens nicht halten werde.

Verhandlungen sind im Gange, während Russland in der Ukraine allmählich immer weiter vordringt und täglich neue Gebiete befreit. Die Ukraine läuft Gefahr, Sumy zu verlieren, die russischen Truppen verstärken ihre Offensive im Gebiet Dnjepropetrowsk und haben die Lugansker Volksrepublik vollständig befreit.

Folglich sind die ausländischen Strategen von der Ukraine enttäuscht und setzen zunehmend auf eine Destabilisierung anderer Regionen und Länder, die an Russland grenzen oder mit Moskau verbündet sind. Sie haben Berührungspunkte zwischen den eigenen Interessen und den Interessen jener Kräfte gefunden, die jetzt ihre Agenda umsetzen.

So ist das Ziel der europäischen Union in Serbien etwa eine öffentliche Bestrafung des Präsidenten Aleksandar Vučić, der trotz seiner Multi-Vektor-Politik Brüssels Drohungen verschmäht und sich zur Siegesparade nach Moskau begeben hat, der trotz aller Sanktionsdrohungen von Seiten der EU die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Moskau fortsetzt. Gleichzeitig wollte der Westen durch die Organisation einer neuen Farbrevolution ein Zeichen für andere Länder setzen, die mit Russland zusammenarbeiten.

Zu Letzteren gehört etwa Ungarn. Der ungarische Außenminister Péter Szijjártó erklärte:

"Wir sehen, dass sie versuchen, mithilfe von aus dem Ausland gesteuerten Aktionen Regierungen in Ländern Mitteleuropas abzusetzen, wo souveräne Regierungen an der Macht sind."

Daher unterstützte Brüssel aktiv die Proteste in Serbien. Die EU-Kommission behauptete dazu:

"Das Recht auf friedliche Demonstrationen soll in Serbien geschützt und respektiert werden."


Schamlos: Wie ein "EU-Beitrittskandidat" seine Opponenten inhaftiert und zum Schweigen bringt




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In Moldawien unterstützt der Westen sämtliche Aktionen der Präsidentin Maia Sandu gegen jene Kräfte, die für eine Zusammenarbeit mit Russland eintreten. So wurde ein rechtliches Verfahren gegen Evghenia Guțul, die Chefin der autonomen Region Gagausien, eingeleitet. Doch all das sind nur Vorbereitungen vor dem Hauptakt dieses Schauspiels. Nach der Unterdrückung der inländischen Opposition wird Sandu freien Spielraum gegen Transnistrien haben – eine selbstproklamierte Republik, wo Hunderttausende Bürger der Russischen Föderation leben.

In Georgien hatten es sich die EU und die Administration von Joe Biden einst zum Ziel gesetzt, einen vollwertigen Krieg gegen die Staaten Südossetien und Abchasien zu entfachen – einfacher gesagt, eine klassische zweite Front zu eröffnen. Gerade deswegen unterstützten Brüssel und Washington die georgische Opposition, als diese die Wahlergebnisse im Oktober 2024 nicht anerkannte, und führten sogar Sanktionen gegen die regierende Partei "Georgischer Traum" ein.

Doch zum Leidwesen des Westens erwiesen sich die georgischen Träumer gleichzeitig als Pragmatiker und weigerten sich entschieden, in einen weiteren Krieg gegen Russland zu ziehen. Und sie tun dies immer noch. Georgiens Parlament bringt Washingtons unfreundliche Aktionen gegen Tiflis direkt mit dessen Weigerung, eine "zweite Front" gegen Russland zu eröffnen, in Verbindung.

In anderen kaukasischen Staaten haben sich die Regierungen allerdings als weniger weise erwiesen. Mendkowitsch erklärt:

"So destabilisiert etwa Frankreich Armenien durch feste Verbindungen zur Regierung von Nikol Paschinjan."

Der armenische Ministerpräsident trat vom Anfang seiner Karriere für einen Abzug der russischen Integrationsstrukturen aus dem Land ein. Jetzt gewährt ihm Paris dafür alle Instrumente – Versprechen von Investitionen, alte Waffen, die es Armenien angeblich ermöglichen sollen, auf die Zusammenarbeit mit Moskau im Bereich Verteidigung zu verzichten, sowie informationelle und politische Unterstützung zur Säuberung des politischen Raums. Betroffen davon sind sowohl prorussische als auch proarmenische Kräfte. So setzt Paschinjan nicht loyale Geschäftsleute und selbst Geistliche der Armenischen Apostolischen Kirche ab, also alle, die zum Kristallisationspunkt aller Unzufriedenen werden können.


Aserbaidschan misshandelt russische Journalisten – Russland nimmt weitere Bandenmitglieder fest



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Nun ist Aserbaidschan an der Reihe, auch wenn dort etwas andere, doch trotzdem westliche Kräfte am Werk sind. Mendkowitsch erklärt:

"Großbritannien stachelt über die Türkei Aserbaidschans aggressives Verhalten an. Doch Paris und London sind nicht am Kaukasus an sich interessiert, sondern an der Schaffung einer neuen Front gegen Russland und der Verlangsamung der Befreiung der Ukraine."

Der Experte bringt die Eskalation zwischen Moskau und Baku mit den gegenwärtigen Erfolgen der russischen Armee im Gebiet der Sonderoperation in Verbindung.

Aus diesem Grund provoziere der Westen Baku zu einem Konflikt mit Moskau. Dabei könnte es sich nicht nur um Geiselnahmen oder eine antirussische Hysterie in aserbaidschanischen Medien handeln. Mendkowitsch führt aus:

"Eine der möglichen Varianten der Entwicklung der Ereignisse im Interesse von Paris und London ist die Entfachung eines neuen armenisch-aserbaidschanischen Krieges. Moskau wird gezwungen sein, dorthin Ressourcen umzuleiten."

Nikol Paschinjan, der Bruder im Geiste des aserbaidschanischen Präsidenten Ilham Alijew, was die Schaffung von Spannungspunkten angeht, tut seinerseits alles Mögliche dafür und stellt dabei ebenfalls die Interessen der westlichen Strategen über die nationalen Interessen des eigenen Staates.

Es ist nicht auszuschließen, dass die westlichen Strategen neben diesen fünf Spannungspunkten auch versuchen werden, neue zu schaffen, etwa in Zentralasien. Mendkowitsch vermutet:

"Ich würde nicht ausschließen, dass innerhalb eines Jahres versucht wird, die politische Lage in Kasachstan, Kirgisien und Tadschikistan zu destabilisieren. Im letzteren Fall bestehen die Risiken darin, dass in der Republik seit langem die Frage über einen Machttransfer vom Präsidenten Rachmon an seinen Sohn diskutiert wird. Sollte dieser in nächster Zeit stattfinden, wird der Westen die Zeit der unvermeidlichen Umstellungen nutzen, um die Republik zu destabilisieren und den Bürgerkrieg der 1990er Jahre zu wiederholen."


Erdoğan: Türkei beobachtet Spannungen zwischen Russland und Aserbaidschan aufmerksam





Erdoğan: Türkei beobachtet Spannungen zwischen Russland und Aserbaidschan aufmerksam





Das einzige Gegenmittel zu dieser Strategie ist, den lokalen Eliten, die sie umsetzen, jegliche Motivation zu nehmen, sich an diesen Schemata zu beteiligen. Ihnen muss deutlich gemacht werden, dass der Westen die Interessen ihrer Länder auf dem Altar der eigenen Wünsche und der antirussischen Agenda opfert. Der Ukraine-Konflikt wird zu Ende gehen, und Russland wird als Großmacht und Nachbar bleiben – ebenso wie die Erinnerung daran, was diese Länder getan haben, als sich Moskau bemühte, die Ziele der Sonderoperation zu erreichen.

Übersetzt aus dem Russischen. Zuerst erschienen am 3. Juli bei der Zeitung "Wsgljad".

Geworg Mirsajan ist außerordentlicher Professor an der Finanzuniversität der Regierung der Russischen Föderation, Politikwissenschaftler und eine Persönlichkeit des öffentlichen Lebens. Geboren 1984 in Taschkent, erwarb er seinen Abschluss an der Staatlichen Universität des Kubangebiets und promovierte in Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt USA. Er war von 2005 bis 2016 Forscher am Institut für die Vereinigten Staaten und Kanada an der Russischen Akademie der Wissenschaften.


Mehr zum Thema - Krise zwischen Russland und Aserbaidschan: Alijew fühlt sich ertappt und schlägt wild um sich


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06.07.2025

"240 Euro pro getötetem Russen – das ist günstig"

aus e-mail von Doris Pumphrey, 6. Juli 2025, 22:02 Uhr


_RTDE 6.7.2025


_*"240 Euro pro getötetem Russen – das ist günstig" –

Deutschland strebt neue alte "Effizienz" an


*/Von Platon Gontscharow/


Jeden Tag werden die antirussischen Aussagen im deutschen

medial-politischen Raum unsäglicher. Die Entmenschlichung der Russen

scheint abgeschlossen zu sein, nun tritt die reine Mordlust zutage.

Rüstungsbranche, Hightech-Startups, NGOs, Thinktanks und Medien ziehen

mit dem neuen Techno-Faschismus an einem Strang.


Vilnius, der 5. Juni: Die Live-Übertragung läuft. Die politische

Stiftung der aus dem Deutschen Bundestag herausgeflogenen FDP, die

Friedrich-Naumann-Stiftung für Freiheit (FNF), hat hier eine

Veranstaltung <https://www.youtube.com/watch?v=aiDgeIPnNvw&t=9115s

organisiert. Sie heißt "Jenseits von Artikel 5: Wiederaufbau wirksamer

Abschreckung und Verteidigung". Es ist die erste große Veranstaltung des

Baltic Center, der neuen FNF-Niederlassung in dieser Region. Es scheint

so, dass die Stiftung das politische Erbe ihres Namensgebers Friedrich

Naumann nun neu denkt: Er gilt als Urheber des geostrategischen Konzepts

von Mitteleuropa, einer Region, die von Deutschland dominiert und

geprägt sein soll.


Die Stiftung arbeitet mit den drei NATO-Staaten im Baltikum als

antirussischen Frontstaaten zusammen. Alles auf der Veranstaltung dreht

sich um einen angeblich bevorstehenden Angriff Russlands auf die NATO,

der militärisch und gesellschaftspolitisch abgewehrt werden muss. Nach

einer Reihe militärnaher Redner hat Jonas Oehman das Wort. Er ist der

Gründer und langjährige Chef der litauischen NGO Blue/Yellow

<https://blue-yellow.lt/en/>, einer angeblichen NGO. Sie beliefert die

Ukraine mit Rüstungsgütern, allen voran Killer-Drohnen. Sie liefert im

großen Stil und tut dies in einer rechtlichen Grauzone. Eigenen Angaben

zufolge

<https://www.facebook.com/blueyellowforukraine/videos/1252085733310839/?__cft__%5b0%5d=AZVQYTa7RhIQ83nFZvFKR7Hh6GFWuFJMhpHrZAR8RRrud9oLcyIP0PK7tASvp7XKN-Jqf5_mrXiyrZNao9u8a4Wx9G-NBNSE-tUbuCqKs6AxZ0smq6VavnsU-NK_UAtRrIIN6Ld6ka67CbaRMq4TS2seayrYyZda3L1c-4kKrvz17MSbvNf730fm6meMwdfdFVug7-1rl7xjSaFMnIldYtAu&__tn__=%2CO%2CP-R

hat Blue/Yellow bereits Waren im Wert von 100 Millionen Euro in die

Ukraine geliefert – mit mehr als einhundert Sponsoren

<https://blue-yellow.lt/en/#supporters> offenbar keine unmögliche Leistung.


Als Erstes sagt Oehman, er sei nun Mitarbeiter des deutschen

Rüstungsunternehmens Helsing. Helsing ist eine Software-Firma mit Sitz

in München, die KI-gestützte Kampfdrohnen entwickelt – "zum Schutze

unserer Demokratien", wie sie auf seiner Webseite stolz verkündet.

<https://helsing.ai/de> Wofür er als ehemaliger Militärangehöriger und

Mitglied einer schwedischen Aufklärungseinheit in der IT-Firma benötigt

wird, liegt auf der Hand: Er pflegt sehr gute Kontakte zu ukrainischen

Front-Offizieren und den Geheimdiensten und weiß aus erster Hand, wie

die neuen Waffensysteme im Kampf funktionieren.


Oehman ist alles andere als rhetorisch begabt und seine Rede

<https://youtu.be/aiDgeIPnNvw?t=9126> ist wirr. Man kann ihm schwer

folgen. Doch seine Hauptgedanken bringt er verständlich genug zum

Ausdruck. Seine wichtigste Aufgabe sei es, "Vampire zu jagen". Der Name

Helsing ist offenbar nicht zufällig gewählt und spielt auf eine

imaginäre Figur an, den Vampirjäger von Helsing

<https://www.t-online.de/nachrichten/panorama/wissen/geschichte/id_100071356/vampirjaeger-van-helsing-dieser-mann-war-das-vorbild-fuer-den-schrecken-der-blutsauger.html

aus den Dracula-Romanen. Oehman fordert: "Die Gesellschaft muss wach

werden und denken: Wie kann man diesen Vampir jagen?" Dass mit den

"Vampiren" die Russen gemeint sind, ist jedem Anwesenden klar.


Noch deutlicher drückt sich der recht düster wirkende

Militär-Spendensammler aus, als er von seinem Einsatz in der Ukraine

berichtet. Wortwörtlich sagt er Folgendes:


/"Und ich bin in der Ukraine, um Russen zu töten, so sagen die Ukrainer

zurzeit. Und alles, was wir Europäer machen können, ist, ebendiese

Kapazität der Ukraine, diese Möglichkeit der Ukraine, sich zu

verteidigen und die Russen zu töten, zu ermöglichen."/


"Russen zu töten" ist also seine Berufung im Leben. Wilde Gesten und

rollende Augen verleihen seiner Aussage zusätzlichen Ausdruck. Der

Moderator, der langjährige FNF-Funktionär Julius von

Freytag-Loringhoven, hört dem Redner geduldig zu, ohne einzugreifen.


Dieser freundlich wirkende Mann ist wie ein Lackmustest für den Wandel,

den die deutsche Außen- und Verteidigungspolitik in den vergangenen vier

Jahren vollzogen hat. Früher noch ein gemäßigter und gesprächsoffener

Experte, der bei jeder Gelegenheit mit charmantem Lächeln die "liberalen

Werte" pries, hat sich von Freytag-Loringhoven zu einem Falken

gewandelt, der Deutschland auf eine "Feuertaufe" einstimmt

<https://www.freiheit.org/de/mitteleuropa-und-baltische-staaten/bundeswehr-brigade-litauen-die-echte-feuertaufe-steht-merz-noch>.


Am Ende seines Redebeitrags wird Oehman mit Applaus gedankt. Nach

wenigen Minuten fragt der Moderator den "Vampirjäger" noch einmal: "Was

kann Deutschland noch machen"? Oehman hat keine Lust mehr, noch lange zu

reden – er fordert nur: "Unterstützen Sie diese Vampirjäger!"


In wenigen Wochen bekommt er noch einmal eine Bühne geboten. Diesmal

steht er im Zentrum einer am 30. Juni veröffentlichten Reportage des

Journalistennetzwerks /IPPEN.Media. /Das, was er über die Effizienz des

Tötens sagt, wird zur Schlagzeile

<https://www.soester-anzeiger.de/politik/hilfe-bis-an-die-front-im-ukraine-krieg-ngo-gruender-gibt-einblick-240-euro-pro-getoetetem-russen-zr-93807205.html>: 

"NGO-Gründer gibt Einblick – '240 Euro pro getötetem Russen'". Über die

Details erfährt man in dem Artikel:


/"'Mittlerweile ist es vielleicht etwas mehr, aber an einem Punkt waren

wir bei 240 Dollar pro getötetem Russen angelangt – das ist günstig.'

Das möge zynisch klingen, räumt Öhman ein. 'Aber das ist

Kriegseffizienz.' Mithilfe von KI etwa könnten bald kleine Gruppen von

Kämpfenden 'extrem tödlich' sein./


Wie wir bereits wissen, ist der Mann bei einer deutschen KI-Firma

beschäftigt. Die Deutschen versuchen also wieder, ihre Feinde möglichst

effizient zu /töten/. 27 Millionen getötete Sowjetbürger waren ihnen

nicht genug? So lesen sich diese Zeilen aus der russischen Perspektive.

Wie naiv! Habt ihr wirklich geglaubt, was die Deutschen nach dem von der

Wehrmacht, der SS und ihren lokalen Helfern begangenen Genozid an den

Russen, Weißrussen und anderen Einwohnern der Sowjetunion sagten: "Nie

wieder werden unsere Waffen gegen Euch gerichtet werden"?


Natürlich ist es schlimm und geschmacklos, pauschal von "den Deutschen"

zu reden. Aber all diese Leute, ob sie von Softwareentwicklern wie

Helsing kommen, von politischen Stiftungen, aus den Medien oder

Thinktanks – sie reden mittlerweile in völligem Einklang mit den

Politikern, die das Morden als

unvermeidliche "Drecksarbeit" rechtfertigen. Noch einmal: Ein

Mitarbeiter der Deutschen will so viele Russen wie möglich so günstig

wie möglich töten. Sich selbst sieht er als einen edlen Ritter, denn er

fechtet im Kampf der Zivilisation gegen die Barbarei, erklärt

<https://www.facebook.com/blueyellowforukraine/posts/pfbid02iZXi4a5XieRc6nKPPyGw2oWZvdxW9tY6ZFzqjwn4WTJsrENEbbZjVJcr4mfaZXQPl?__tn__=%2CO*F

er auf Facebook.


Als ich von Oehman erfahre, frage ich bei Jegor, einem russischen

freiwilligen Fronthelfer, den ich kenne, noch einmal nach, was denn

seine Motivation sei. Auch er sammelt Spenden und liefert seinen

Freunden gezielt Drohnen und sonstige an der Front benötigte Technik. Er

tut es privat, sammelt zielgerichtet nach einer Bestellliste und bringt

alles selbst an die Front. Jegor war schon siebzehnmal im Kriegsgebiet

und hat Hunderte Drohnen geliefert. Meistens sind es sogenannte Mavics,

die für Aufklärungszwecke benötigt werden.


"Ich tue es, um die Leben meiner Kameraden zu schützen." – "Willst du,

dass so viele Ukrainer wie möglich getötet werden?" – "Nein, daran denke

ich gar nicht. Ist es normal, jemandem überhaupt den Tod zu wünschen?"

Auch von den anderen Freiwilligen, die den Soldaten mit allem Nötigen

helfen, habe ich nichts Derartiges gehört. Obwohl ich Pathos eigentlich

vermeide, stimmt es möglicherweise, dass in der Ukraine ein Kampf

zwischen der Zivilisation und der Barbarei ausgefochten wird. Nur

anders, nicht so, wie es sich der Helsing-Mitarbeiter und "Vampirjäger"

Oehmann einbildet

<https://www.facebook.com/photo/?fbid=1124428243056975&set=a.639620664871071&locale=de_DE>.



Nachtrag: Am Sonntag traf sich der Bundespräsident Frank-Walter

Steinmeier mit dem litauischen Präsidenten Gitanas Nausėda in Vilnius

und lobte die deutsche militärische Unterstützung Litauens in den

höchsten Tönen. Am selben Tag bekam

<https://www.facebook.com/photo?fbid=1143832964449836&set=a.639620661537738

Jonas Oehman aus den Händen von Nausėda einen litauischen

Verdienstorden. Der Mann, der sein Gesicht in den Farben der

faschistischen OUN bemalt

<https://www.facebook.com/photo/?fbid=1124428243056975&set=a.639620664871071&locale=de_DE

und der Russen mit deutschem Know-how "sehr günstig" tötet, ist damit

nicht nur in der Ukraine, sondern auch in Deutschland und Litauen die

höchste Autorität.


unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

06.07.2025

Spätestens
Wenn der Iran sich nicht mit Russland und China verbündet, wird er sterben.

theduran.com, von 6. Juli 2025 19 Ansichten 5 Kommentar, (übersetzt aus dem Englischen mit beta, unkorrigiert)


Die in dieser Kolumne geäußerten Aussagen, Ansichten und Meinungen sind ausschließlich die des Autors und stellen nicht unbedingt die dieser Seite dar. Diese Seite gibt keine finanziellen, Investitionen oder medizinischen Rat.


5. Juli 2025, von Eric Zuesse. (Alle meine letzten Artikel sind hier zu sehen.)

Am 5. Juli macht Mark Sleboda dies deutlich - dass der Iran die Angebote Russlands und Chinas annehmen muss, um den Iran gegen das US-Imperium zu unterstützen, die entschlossen sind, den Iran als Teil des US-Imperiums zurückzubekommen:

https://www.youtube.com/watch? v-WUPKVghUp54

Dies bestätigt, was ich am 1. Juli gesagt hatte ( dasselbe, was passiert), als er die Überschrift : „Damit der Iran ... die russisch-chinesischen Angebote akzeptieren würde, Änderungen in der iranischen Verfassung erfordern würde. Dies ist die Entscheidungszeit im Iran, die ihm wegen Trumps Entscheidung, Israel zu unterstützen, zu 100% für einen Regimewechsel im Iran aufgezwungen wurde. ... Ich verzichte daher diese Option [die Alternative - Kapitulation vor Amerika und Israel - effektiv Regimewechsel im Iran], unabhängig davon, ob einige Iraner sie wirklich unterstützen.“ Mit anderen Worten: Unabhängig davon, ob die iranische Regierung dies tun will oder nicht (einschließlich der Änderung ihrer Verfassung - die ein Bündnis mit einem fremden Land verhindert), wäre die Alternative für den Iran als sewelke Nation der Tod - Absorption zurück in das US-Imperium (wie es während der Zeit des US-Banems der Fall war, der den Iran 1979 über den Iran stürzte). Die Iraner, nachdem Trump den Iran am 12. Juni bombardiert hatte, sind jetzt mehr denn je vereint gegen die Rückkehr zurück, um von Washington aus kontrolliert zu werden. Und die einzige einzige Art und Weise, wie der Iran dieses Schicksal vermeiden kann, ist, dass der Iran sich dem Bündnis mit Russland und China anschließt. Trumps Bombardement gegen den Iran am 12. Juni macht das deutlich.

Während Mercouris mehrdeutig darüber war, welchen Weg der Iran einschlagen sollte, ist Sleboda nicht, und ich stimme seiner Ansicht zu, dass der Iran entweder mit Amerika und Israel verbündet werden muss, oder dass der Iran sich mit Amerika und Israel verbünden würde, während der Iran den Tod des Irans beschließen würde, während der Verbündete mit Russland und China fast alle, die sich mit Russland und China verbünden würden.

Sleboda macht deutlich, dass Amerikas Iran-Politik unter Trump im Grunde die gleiche ist wie Amerikas Iran-Politik unter Biden, aber dass Trumps Bombardierung des Iran am 12. Juni den Iranern bewiesen hat, dass es keine Möglichkeit gibt, dass die Iraner kein Vertrauen in das haben können, was die USA. Die Regierung sagt, und dass, wenn der Iran sich NICHT mit Russland und China verbünden wird, die USA und Israel ihr Ziel erreichen werden, den Iran zu erobern. Es wird entweder ein Bündnis mit Russland und China sein, oder der Tod des Iran. Ich stimme Sleboda zu: Der Iran ist nun gezwungen, eine Wahl zu treffen.

Amerika ist ein Might-Makes-right-Land (und das seit dem 25. Juli 1945); und schließlich, in Trumps zweiter Amtszeit, welche Nationen auch immer in der Lage sein könnten, das Gleichgewicht zu kippen, werden die Seiten wählen müssen. Amerika und Israel werden ihren Völkermord an den Bewohnern des Gazastreifens vollenden; nichts ist oder wird getan werden, um es zu stoppen; aber einzelne Nationen, die sich noch nicht im US-Imperium befinden, müssen diese endgültige Entscheidung für sich selbst treffen; und wenn der Iran nicht wählt, dann werden Amerika und Israel es zu einem nstead of Iran machen, und der Iran wird sterben.

-

Investigatives Historiker Eric Zuesse's neuestes Buch, AMERIKA’S EMPIRE OF EVIL: Hitlers posthumer Sieg und Warum die Sozialwissenschaften notwendig werden müssen, geht darum, wie Amerika die Welt nach dem Zweiten Weltkrieg erobert hat, um es mit US- und verbündeten Milliardären zu versklaven. Ihre Kartelle ziehen den Reichtum der Welt durch die Kontrolle nicht nur ihrer "Nachrichten"-Medien, sondern auch der sozialen "Wissenschaft" "die Öffentlichkeit überfallen.

Bericht

Die in dieser Kolumne geäußerten Aussagen, Ansichten und Meinungen sind ausschließlich die des Autors und stellen nicht unbedingt die dieser Seite dar. Diese Seite gibt keine finanziellen, Investitionen oder medizinischen Rat.

Iran


5 Kommentare


6. Juli 2025

Die Iraner wissen genau, was sie tun, als sie die Lektion gelernt haben, die Baschar al-Assad nie öffentlich anerkannt hat.
Die Russen schlossen einen Deal mit dem damaligen syrischen Präsidenten Bashar al-Assad, um russische Luftverteidigungssysteme in Syrien zu stationieren und die syrischen Luftverteidigungssysteme vollständig zu verschmelzen, in das fortgeschrittenere russische System, unter der Bedingung, dass die Syrer nur ankommende israelische Raketen und Raketen abschießen würden und nicht die israelischen Jagdflugzeuge, die die Raketen abfeuern würden.


Antwort auf  Krass 6. Juli 2025

Dieser Vertrag war analog zu einem Pakt mit dem Teufel, und ein heimtückischer Todeskuss für den Staat Syrien, da die russischen Luftverteidigungssysteme in der Lage waren, abzuschießen, 90-95% der ankommenden israelischen Raketen, aber mit der Klausel, dass sie die Raketen nicht ins Visier nehmen konnten, würden die Syrer 5 -10% des israelischen Angriffs auf Israel verlieren.


Antwort auf  Krass 6. Juli 2025

Der größte Teil der Zeit, in der die Israelis syrische Ziele angriffen, warb, dass sie ihre Raketen aus dem Libanon oder sogar dem israelischen Luftraum abfeuerten, aber die israelischen Flugzeuge hätten über dem Libanon und dem Nordisrael abgeschossen werden können, mit Syriens sowjetischem S-200-Langstrecken-Flugabwehrraketensystem, und viele Male flogen die Israelis in den syrischen Luftraum, um die syrischen Flugzeuge zu bombardieren.


Antwort auf  Krass 6. Juli 2025

Diese Vorgehensweise, die Syrien mit Russland vereinbarte, würde sich in einen heimtückischen Zermürbungskrieg verwandeln, der im Laufe der Zeit nur einen Gewinner haben könnte, da die Israel/US-Milliarden-Dollar-Flugzeuge niemals abgeschossen werden würden, und die israelischen Raketen, die abgeschossen wurden, waren ein Bruchteil der Kosten der israelischen Kampfjets und viel einfacher.

Zuletzt bearbeitete 56 Minuten her von Crass


Antwort auf  Krass 6. Juli 2025

Der rotgefädige jüdische Kabbalah-Talisman trägt Wladimir Putin, verraten Bashar al-Assad, für "The Greater Israel Project" und die Iraner werden nicht auf solche Verrat von Wladimir Putin hereinfallen!


Info: https://theduran.com/if-iran-wont-ally-with-russia-china-it-will-die/


unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

06.07.2025

Für unser Land souverän und neutral!

aus e-mail von Irene Eckert, 6. Juli 2025, 10:30 Uhr


Ein souveränes und neutrales Deutschland als Friedenskraft


*Glück und Frieden sei beschieden Deutschland, unserm Vaterland. Alle Welt

sehnt sich nach Frieden. Reicht den Völkern eure Hand! Wenn wir brüderlich

uns einen, schlagen wir des Volkes Feind. Lasst das Licht des Friedens

scheinen, dass nie eine Mutter mehr ihren Sohn beweint. 


Aus der Nationalhymne der Deutschen Demokratischen Republik 1949. Text: Johannes R.

Becher*


Liebe Leserinnen und Leser


*Nicht nur in der Schweiz gibt es eine Bewegung

<https://list.mailexpress.com/links/FM6Byy01Lg~399/rXb4S01BKE~399/CgplwruBgj~399/lEg8-90d79>

für

die Neutralität,* die im Fall der Alpenrepublik deren Neutralität des

Landes bewahren und stärken will. Auch in Deutschland sind zunehmend

Stimmen zu vernehmen, die für die Zukunft des Landes nicht nur «Raus aus

der NATO!» fordern, sondern einen neutralen Status als Möglichkeit sehen,

um statt «Kriegstüchtigkeit» die «Friedensfähigkeit» Deutschlands zu

stärken.


*Deutschland als neutrales Land – diese Idee hatte nach dem Zweiten

Weltkrieg* viele Anhänger, aber auch viele Gegner. Es wäre eine Möglichkeit

gewesen, die Einheit des Landes zu bewahren anstatt die vom Westen gewollte

und begonnene Spaltung zu vertiefen. Ausgerechnet aus der Sowjetunion waren

nach dem Sieg über den deutschen Faschismus entsprechende Signale gekommen.


*Schon auf der Siegesparade in Moskau am 24. Juni 1945 hatte Jossif

Stalin* sich

klar für die deutsche Einheit ausgesprochen und Mitte 1947 einen

Friedensvertrag mit einem vereinten Deutschland vorgeschlagen. Und dann kam

aus Moskau am 10. März 1952 die sogenannte Stalin-Note, die sich für einen

Friedensvertrag mit einem bewaffneten, aber bündnislosen vereinigten

«demokratischen und friedliebenden» Deutschland aussprach.


*Doch die westliche Antwort auf den Vorschlag aus Moskau,* über dessen

Motive bis heute diskutiert wird, kam schnell: Ein einheitliches, aber

neutrales Deutschland war nicht gewollt. Es hätte die nach dem Zweiten

Weltkrieg errungene Position der USA im Herzen Europas geschwächt und «die

Aufrechterhaltung der amerikanischen Präsenz in Europa auf längere Sicht

fraglich» werden lassen, wie es der Historiker Gerhard Wettig in seinem Buch

<https://list.mailexpress.com/links/FM6Byy01Lg~399/rXb4S01BKE~399/CgplwruBgj~399/S6TtkJCEuV>

 über die Stalin-Note beschrieb.


*Alles Weitere ist Geschichte – aber dass die Idee eines neutralen

Deutschlands heute wieder* und immer öfter öffentlich benannt und

diskutiert wird, hat wie vor mehr als 70 Jahren mit der fortgesetzten

US-Präsenz in diesem Land und den Folgen zu tun. Sevim Dagdelen,

langjährige Bundestagsabgeordnete und Außenpolitikerin der Partei Bündnis

Sarah Wagenknecht (BSW) am Montag in Berlin gesagt, eine mit der UN-Charta

vereinbaren Politik auch in Deutschland nur über Neutralität und

demokratische Souveränität zu erreichen sei.


*Nur so sei es möglich, «friedlich, demokratisch und auch souverän» zu

sein,* sagte sie auf einer BSW-Veranstaltung. Sie plädierte für eine

«demokratische Erneuerungsbewegung, die sich für ein bezahlbares,

friedliches, aber auch neutrales Deutschland» einsetzt. Dieser Newsletter

macht Sie auf meinen Bericht

<https://list.mailexpress.com/links/FM6Byy01Lg~399/rXb4S01BKE~399/CgplwruBgj~399/1VfbO8GgkG>

 dazu aufmerksam, der in Verbindung steht mit dem Beitrag

<https://list.mailexpress.com/links/FM6Byy01Lg~399/rXb4S01BKE~399/CgplwruBgj~399/AGY1AHrU5V>

 über die Aussagen des ehemaligen UNO-Diplomaten Michael von der

Schulenburg auf derselben Veranstaltung.


*In Deutschland gibt es seit einiger Zeit die Kampagne

<https://list.mailexpress.com/links/FM6Byy01Lg~399/rXb4S01BKE~399/CgplwruBgj~399/cPOGudLPDt>

«Für

ein neutrales Deutschland»,*initiiert von der AG Frieden der Partei

DieBasis Köln und unterstützt von zahlreichen Organisationen aus

Deutschland, Österreich und der Schweiz. In ihrem Aufruf heißt es:


«Wir erklären: Deutschland soll neutral werden – nach dem Grundgedanken von

Schweiz und Österreich.

• Dann wird sich Deutschland nicht mehr in Kriege im Ausland einmischen.

• Dann wird Deutschland keinen Bündnissen mehr angehören, über die es in

Kriege hineingezogen werden kann.

• Dann wird es auf deutschem Boden keine ausländischen, der Kriegführung

dienenden Militäreinrichtungen mehr geben.

• Dann werden in Deutschland keine Atomwaffen und keine Mittel- und

Langstreckenraketen stationiert sein.

• Dann wird Deutschland kein Kriegsmaterial mehr ins Ausland liefern.

• Dann wird die Bundeswehr nur der Landesverteidigung dienen.

• Dann wird von deutschem Boden Frieden ausgehen und sich Deutschland als

aktiver Friedensvermittler verstehen.

Nur so gewinnen wir auf Dauer Sicherheit.»


*Wir werden das weiter beobachten, so wie Daniel Funk immer wieder* über

die Scheizer Neutralitätsinitiative berichtet

<https://list.mailexpress.com/links/FM6Byy01Lg~399/rXb4S01BKE~399/CgplwruBgj~399/PST_-vzBdD>.

Unterdessen verteidigen die USA weiter ihre Hegemonie und Dominanz in

Europa und anderswo auf der Welt und die bundesdeutsche Regierung folgt ihr

vasallentreu wie seit mehr als 75 Jahren. Auch darüber berichten wir.


*Ich wünsche Ihnen erneut trotz alledem ein friedvolles und auch ein gutes

Wochenende*sowie Lesefreude und Wissensgewinn mit den Beiträgen auf *Transition

News*.


Herzliche Grüße

Tilo Gräser


unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

06.07.2025

Bruch in der Klimapolitik, Dänemark übernimmt – und Gipfel in Moldau

lostineu.eu, vom 5. Juli 2025

Die Watchlist EUropa vom 05. Juli 2025 – heute mit der Wochenchronik.

Die vergangene Woche markiert einen Bruch in der europäischen Klimapolitik. Zwar will die EU-Kommission an starren Klimazielen festhalten – bis 2040 sollen 90 Prozent CO2 gegenüber 1990 eingespart werden, so die Ansage aus Brüssel.

Doch erstmals wird ein Teil der Anstrengung – bis zu drei Prozent – ins Ausland ausgelagert. Damit räumt die EU ein, dass sie ihr Endziel – Klimaneutralität bis 2050 – nicht aus eigener Kraft schaffen wird.

Der eigentliche Bruch vollzieht sich aber hinter den Kulissen. Deutschland, Frankreich und Polen ziehen nicht mit. Berlin will nur 88 Prozent sparen. Paris und Warschau wollten kein neues Klimaziel; nun werden sie es aufweichen.

Offenbarungseid im November?

Bei der internationalen Klimakonferenz COP30 im November in Brasilien droht der Offenbarungseid. Dort ist ein Klimaziel für 2035 gefordert. Doch bisher können sich die 27 EU-Staaten nicht einmal auf eine Position für 2040 einigen…

Auch die Wirtschaft steigt aus. “Wie die CO2-Emissionen bis zum Jahr 2040 europaweit um 90 Prozent reduziert werden können, ist (…) aktuell nicht erkennbar”, erklärte die Präsidentin des Verbandes der Automobilindustrie.

Kurz nachdem die Kommission ihren Plan beschlossen hatte – nicht ohne Probleme, zumindest ein Kommissar sagte Nein – empfing Behördenchefin von der Leyen elf Konzernchefs, die sich über ihren Dirigismus beschwerten.

Anpassung? Fehlanzeige!

Doch nicht nur die Wirtschaft ist unzufrieden. Klimaschützern geht das Ganze nicht weit genug. Und Praktiker beklagen – völlig zu Recht – das die EU immer noch einen Plan zur Anpassung an die Klimakrise schuldig geblieben ist.

Brüssel ächzte unter einer Hitzewelle mit 35 Grad, als von der Leyen & Co. ihre Pläne für 2040 vorstellten. Wie wir hier und jetzt mit Hitze, Dürre, Waldbränden etc. umgehen sollen, wollte die Kommission aber nicht verraten.

Sie leistet zwar Nothilfe, etwa bei Waldbränden. Doch um die Bürger hat sie sich bisher kaum gekümmert. In der letzten Woche haben sich viele Hitzegeplagte auf die Schnelle um eine Klimaanlage fürs Homeoffice bemüht.

Doch die Nachfrage war größer als das Angebot, auch der Autor dieses Blogs ist leer ausgegangen…

Siehe auch “Der Klimaschutz wird ausgelagert”

Was war noch?

  • Dänemark übernimmt den EU-Vorsitz. Zum Auftakt der sechsmonatigen Ratspräsidentschaft hat die dänische Regierungschefin Frederiksen der Ukraine die Treue geschworen, mehr Waffen und Sanktionen versprochen und gelobt, den EU-Beitritt voranzubringen. Mögliche Widerstände aus Ungarn will sie übergehen – zur Not sogar, in dem Ungarn das Stimmrecht entzogen wird. – Frage: Warum stellt sich ausgerechnet Dänemark so sehr in den Dienst der Ukraine, wo die größte Gefahr doch in den USA lauert (wg. Grönland)?Siehe auch Frediksen hat Angst
  • Erster EU-Gipfel in Moldau.  Beim ersten Moldau-Gipfel hat Kommissionspräsidentin von der Leyen die Vorteile eines Beitritts des kleinen osteuropäischen Landes zur EU hervorgehoben. “Wenn Moldau der Europäischen Union beitritt, werden wir alle sicherer, widerstandsfähiger und geeinter sein”, sagte von der Leyen. – Wie kommt sie darauf? Moldau ist das ärmste Land Europas, selbst unter seinen Bürgern gilt es als “failed state” – weshalb sie massenhaft in die EU auswandern…
  • Eiszeit zwischen Brüssel und Peking. Seit einem Besuch des chinesischen Außenministers Wang Yi in Brüssel haben sich die Beziehungen der EU zu Peking empfindlich abgekühlt. Nun eskaliert auch noch der Handelsstreit. – Schlechtes Timing, denn auch der Zollstreit mit den USA eskaliert. Wenige Tage vor dem Ablauf der Deadline am 9. Juli ist immer noch kein Deal in Sicht…Mehr im Blog

Mehr Newsletter hier.

Die meistgelesenen Beiträge der Woche:

20241219 145445
Jetzt führt Selenskyj die EU (meinen die Dänen) 3. Juli 2025

Es wird immer verrückter: Zum offiziellen Auftakt der dänischen EU-Ratspräsidentschaft war der ukrainische Präsident Selenskyj nicht nur nach Aarhus eingeladen. Er spielte beim Treffen mit der EU-Spitze auch eine Hauptrolle.

Mehr

Merz-Rutte

Warum die Militarisierung in EUropa fatal ist 30. Juni 2025

Vom Friedensprojekt zum Sicherheitsprojekt: So beschreibt die niederländische Zeitung „de Volkskrant“ die wundersame Verwandlung der EU. Klingt gut – wer könnte schon gegen mehr Sicherheit in EUropa sein?

Mehr

Merz von der Leyen

Hat Merz das abgenickt? US-Konzerne werden von Steuern befreit 29. Juni 2025

Die G7-Staaten haben sich offenbar darauf geeinigt, große US-Konzerne von der globalen Mindeststeuer auszunehmen, die Schlupflöcher schließen und eine gerechtere Besteuerung ermöglichen sollte.

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‹ Neues aus dem Leserforum: Der Fall Hüseyin Doğru & mehr

3 Comments

  1. Arthur Dent
    5. Juli 2025 @ 17:44

    Nach erreichen der Klimaneutralität im Jahr 2050 haben wir dann von Skandinavien bis Gibraltar im Sommer eine garantierte Wohlfühltemperatur von sagen wir
    höchstens 28 Grad Celsius? Im Winter nicht zu kalt und mit Schnee zu Weihnachten in Deutschland?
    Bislang läuft Klimaneutralität in etwa so: Man setzt sich ein Ziel (2050) und
    rechnet nun rückwärts (Excel), was bis dahin alles zu geschehen hat. Sozioökonomische Belange oder technische Machbarkeit spielen keine Rolle. Es kommt z.B. gar nicht darauf an, ob wir 2030 oder 2038 aus der Kohle aussteigen, es kommt darauf an, möglichst wenig Kohle zu verbrennen. Wir hätten Kernkraft- und Kohlekraftwerke in Reserve nehmen können, die im Jahr nur einige hundert Stunden laufen, stattdessen schaltet man alles ab und will neue Gaskraftwerke bauen. Die veranschlagten 10 GW sind aber nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, man braucht vermutlich 4 – 5 mal soviele, und die müssten praktisch alle gleichzeitig gebaut werden. Wie bitte soll das gehen?
    (Ich vermisse immer noch die von der jetzigen Raumfahrtministerin prognostizierten Lufttaxis, als sie noch Digitalministerin war). Wo ist denn der Wasserstoffhochlauf der EU?
    Wie geht Landwirtschaft ohne Dünger? Schon mal einen E-Trecker gesehen, einen batteriebetriebenen Mähdrescher oder Airbus? Australien macht schon seit den 1950er Jahren Home-Schooling, in Deutschland ist das unmöglich.

Antworten

  • ebo
    5. Juli 2025 @ 19:31

    Wir sind ja jetzt schon fast bei den 1,5 Grad Erwärmung, die eigentlich nicht überschritten werden sollten. Die Klimaneutralität 2050 wird (selbst wenn wir sie erreichen) daran nichts mehr ändern. Ich würde daraus allerdings nicht schließen, dass man gar nichts mehr machen sollte. Vordringlich ist jetzt aber nicht mehr die Dekarbonisierung, sondern die Anpassung an die neuen Realitäten. Beides sollte Hand in Hand gehen, ohne starre Vorgaben aus dem 25-Jahres-Plan

    Antworten

  • Michael
    5. Juli 2025 @ 14:40

    Ist es nicht die EU selbst die Korruption in Moldau massiv forciert!?

    Antworten

  • Was sagen Sie dazu?

    Info: https://lostineu.eu/bruch-in-der-klimapolitik-daenemark-uebernimmt-und-gipfel-in-moldau/?utm_campaign=Lost%20in%20EUrope%20Update&utm_content=Lost%20in%20EUrope%20Update&utm_medium=email&utm_source=getresponse


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    06.07.2025

    Nachrichten von Pressenza: Ein Plädoyer gegen die sexuelle Revolution

    aus e-mail von  <newsletter@pressenza.com>, 6. Juli 2025, 7:30 Uhr


    Nachrichten von Pressenza - 06.07.2025


    Ein Plädoyer gegen die sexuelle Revolution


    Rezension des Buches «The Case against the sexual revolution» von Louise Perry von Anne Burger Louise Perrys Buch war ein Überraschungserfolg in England. Dass ihre Hauptaussage, wonach die sexuelle Revolution – möglich geworden durch die Pille &#8211; unendlich viele Nachteile&hellip;

    https://www.pressenza.net/?l=de&track=2025/07/ein-plaedoyer-gegen-die-sexuelle-revolution/


     -----------------------


    Die Pille hat Geburtstag


    Es war ein weiter Weg mit vielen Opfern, bis die Pille auf den Markt kam. Auch die Nazis hatten ihre Finger im Spiel. Bernd Hontschik für die Online-Zeitung INFOsperber Wir schreiben das Jahr 1960. 15 Jahre nach dem Ende des&hellip;

    https://www.pressenza.net/?l=de&track=2025/07/die-pille-hat-geburtstag/


     -----------------------


    Pressenza - ist eine internationale Presseagentur, die sich auf Nachrichten zu den Themen Frieden und Gewaltfreiheit spezialisiert hat, mit Vertretungen in Athen, Barcelona, Berlin, Bordeaux, Brüssel, Budapest, Buenos Aires, Florenz, Lima, London, Madrid, Mailand, Manila, Mar del Plata, Montreal, München, New York, Paris, Porto, Quito, Rom, Santiago, Sao Paulo, Turin, Valencia und Wien.


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    05.07.2025

    Trump lockert Russland-Sanktionen - EU will sich weiter strangulieren

    aus e-mail von Doris Pumphrey, 5. Juli 2025, 18:47 Uhr


    _RTDE 5.7.2025


    _*Trump lockert Russland-Sanktionen – aber die EU will sich weiter

    strangulieren


    *Washington hat die Beschränkungen für ein von Moskau durchgeführtes

    Projekt in Ungarn aufgehoben, aber Brüssel ist entschlossen, sich selbst

    auszuhungern. Die Folgen der Gassanktionen sind offenkundig noch nicht

    genug, um den Masochismus zu befriedigen.


    /Von Rachel Marsden/


    Sieht aus, als wolle Washington der EU das Frühstücksbrot klauen. Schon

    wieder.


    Die Trump-Regierung hat eben Sanktionen gegen ein russisch geführtes

    Atomprojekt in Ungarn aufgehoben, genauer gesagt eines, das von dem

    Moskauer Atomenergiegiganten Rosatom betrieben wird.


    /"Die Regierung von Präsident Trump hat diese Sanktionen aufgehoben. Das

    ermöglicht es, die Sicherheit der ungarischen Energieversorgung

    langfristig zu garantieren. Endlich gibt es in den Vereinigten Staaten

    eine Art von Präsidialverwaltung, die die Wirklichkeiten auf der Karte

    respektiert, sie berücksichtigt"/, sagte der ungarische Außenminister

    Péter Szijjártó.


    /"Wir sind kein Land mit einer großen Menge an Öl- und Erdgasfabriken,

    die von trockenem Land umgeben sind. Daher kann unsere nachhaltige,

    billige und sichere Stromversorgung nur durch Atomenergie geliefert

    werden."/


    /"Hört zu, ihr koffeinberauschten Brüsseler Bürokraten, die ihr dieses

    Gruppenprojekt aus der Hölle betreibt. Wir sind ganz gut mit russischem

    Öl und Gas gefahren, bis ihr es uns weggenommen habt wie einem Kleinkind

    den Schnuller. Und jetzt beschimpft ihr uns, weil wir keine neue Energie

    aus der Luft zaubern? Gut. Dann greifen wir zu Atom. Mit Russland."/


    Der Bau des Atomreaktors Paks 2 unter der Führung von Rosatom war durch

    die Sanktionen der Biden-Regierung eingefroren worden. Jetzt, da Trump

    zurück ist, gibt Ungarn bei dem Projekt wieder Gas.


    Ungarns erster Paks-Reaktor liefert bereits die Hälfte der Elektrizität

    des Landes. Paks 2 wird den Anteil in den 2030er Jahren auf 70 Prozent

    erhöhen und jedes Jahr 3,5 Milliarden Kubikmeter Gas ersetzen – genug,

    um Brüssels Generatoren der zur Schau gestellten Tugend und der

    moralischen Empörung eine Woche lang zu betreiben. Er wird auch Ungarns

    CO₂-Emissionen um 17 Millionen Tonnen senken, was Ungarntheoretisch ein

    goldenes Klimasternchen aus Brüssel einbringen müsste.


    Aber vor einigen Wochen bemerkte Ungarn, dass in Brüssel eine neue üble

    Idee gebraut wurde. Diesmal Sanktionen gegen nuklearen Brennstoff. Denn

    wenn man schon mit einer selbst verursachten Gaskrise zu tun hat, ist

    der nächste logische Schritt offensichtlich, seinen atomaren Optionen

    auch noch ins Knie zu schießen.


    /"Wenn die Europäische Kommission und Brüssel den zentraleuropäischen

    Ländern, darunter Ungarn, verbieten, Brennstoff in Russland zu kaufen,

    hätte das tragische Konsequenzen nicht nur für Ungarn, sondern für den

    gesamten europäischen Energiemarkt"/, warnte

    <https://en.iz.ru/en/1893100/2025-05-26/szijjarto-criticized-eus-plan-abandon-russian-energy-resources

    Szijjártó im Mai vor dem schrägen Blick auf den Atombrennstoff.


    Währenddessen waren in Brüssel die EU-Führer schwer damit beschäftigt,

    die 18. – richtig, die 18. – Runde an Russland-Sanktionen zu erarbeiten.

    Diese Sanktionen haben inzwischen mehr Fortsetzungen als die Filmreihe

    Fast & Furious. Bei dieser Geschwindigkeit sollte jemand anfangen, eine

    Achterbahn und einen Vergnügungspark mit Sanktionsthemen zu bauen. Der

    könnte dann geschlossen bleiben, mit der Begründung, die Energie dafür

    sei zu teuer.


    Und während die EU-Politiker auf der Weltbühne ihre besten Monologe der

    moralischen Überlegenheit aufführen, schleichen die europäischen Firmen

    hinter den Kulissen herum, um trotzdem Nuklearverträge mit Russland zu

    schließen. Das Rudel wird von Frankreichs Framatome angeführt, das mit

    Rosatom bei ebendiesem Projekt Paks 2 zusammenarbeitet

    <https://www.ladepeche.fr/2024/07/30/guerre-en-ukraine-lentreprise-francaise-framatome-sassocie-a-rosatom-geant-russe-du-nucleaire-on-vous-explique-la-polemique-12110523.php>.


    Framatomes Rolle ist tatsächlich gewachsen, da sich Deutschland selbst

    vom Spielbrett genommen hat, wie es das derzeit generell zu tun pflegt.

    Die Grünen in der vorhergehenden Regierung blockierten die Beteiligung

    von Siemens Energy. Genau das brauchte die deutsche Industrie – eine

    weitere Selbstverstümmelung. Und Framatome liefert für Rosatom nicht nur

    die Prozesskontrollsysteme. Die beiden haben auch einen Vertrag

    geschlossen, um Nuklearbrennstoff zu produzieren – in Deutschland.

    Ruiniere das nicht, Berlin! Spoileralarm: Die Chancen sind ziemlich gut,

    dass es genau das tun wird.


    Wenn die EU-Sanktionen diese franko-russische Partnerschaft töten, ist

    es Deutschland, das den nächsten Schlag einsteckt.


    Man muss sich ohnehin wundern, warum ausgerechnet Washington der EU hier

    einen Gefallen tun sollte. Die USA sehen Europa als Konkurrenten auf der

    Bühne der Weltwirtschaft. Vielleicht ist die Aufhebung der Sanktionen

    gegen das russisch geführte Projekt Paks 2 ein strategischer Schritt,

    damit der US-Atomgigant Westinghouse Europas Frühstück stehlen kann,

    gerade so, wie das passierte, als die EU angestachelt wurde, ihre eigene

    Versorgung mit russischem Gas zu sanktionieren – und es mit US-LNG zu

    ersetzen.


    Damals im März traf sich Szijjártó mit US-Außenminister Marco Rubio.

    Beide "diskutierten die Möglichkeiten einer Energiekooperation zwischen

    Ungarn und den USA, mit Atomenergie als Hauptinteressensfeld", schrieb

    <https://www.facebook.com/szijjarto.peter.official/posts/1166706694922622?ref=embed_post

    Szijjártó auf Facebook. "Wir sind daran interessiert, diese Technologie

    in einer Partnerschaft mit Westinghouse zu entwickeln", fügte er hinzu.


    Vielleicht geht es beim Fallenlassen der Sanktionen gegen Paks 2 also

    weniger um Ungarn und vielmehr darum, es wiedergutzumachen, mit Russland

    auszugehen – sodass Washington einlaufen und Europas Verabredung für den

    Schulball stehlen kann.


    Aber man wüsste nichts von all dem, wenn man den EU-Trotteln zuhört, die

    die ganze Show betreiben. Amerika wirft ein Auge auf ein europäisches

    Industrievermögen, und Brüssels Reaktion ist anscheinend, den Rückzug in

    ein Kloster antirussischer moralischer Reinheit zu betreiben, damit

    Washington bekommt, was es will.


    /"Die Europäische Union soll zudem in den nächsten Tagen ein 18.

    Sanktionspaket annehmen. Nie dagewesen in seinen Ambitionen und den

    darin enthaltenen Maßnahmen für den Finanz- und Energiesektor"/, sagte

    <https://x.com/Gerashchenko_en/status/1938582670264688709> der

    französische Präsident Emmanuel Macron Ende Juni.


    Hallo Kumpel, verstehst du, dass, wenn sich diese Sanktionen auf

    Atombrennstoff erstrecken – eine ernsthafte Überlegung, wenn man nach

    der Schlagzeile

    <https://www.ft.com/content/817fcc7a-ce50-4e4f-b85b-a27acc74a8cf> der

    /Financial Times/ vom 15. Juni geht: "Die EU will die nuklearen

    Verbindungen nach Russland kappen" –, also auch die Atomindustrie deines

    eigenen Landes über Framatome betroffen sein wird?


    /"Politisch müssen wir den Druck auf Russland aufrechterhalten,

    ernsthafte Gespräche zu beginnen, angefangen mit einem wirklichen

    Waffenstillstand. Und daher zielt unser 18. Sanktionspaket darauf ab.

    Wir sollten in der Position sein, bald ein abgestimmtes Paket zu

    haben"/, sagte

    <https://ec.europa.eu/commission/presscorner/detail/en/statement_25_1649

    Ursula von der Leyen, die Präsidentin der EU-Kommission und faktische

    Königin der EU.


    Klingt, als hätte die EU das Gewehr präzise auf den eigenen Fuß

    gerichtet. Ihr Finger zuckt ein wenig am Abzug. Anscheinend kämpft sie

    mit dem Beschluss, Atombrennstoff in die letzten Sanktionen einzubeziehen.


    Königin Ursula hat das Stück irgendwie nicht verstanden. Vielleicht,

    weil sie in einem Raum in der Nähe ihres Büros lebt

    <https://www.dw.com/en/ursula-von-der-leyen-to-live-in-brussels-office/a-50692266> –

    Verzeihung, in ihren königlichen Gemächern – und keine Stromrechnung

    zahlen muss wie jeder andere in der EU, der zwischen Lebensmitteln und

    Heizung wählen muss.


    Ungarn und die Slowakei haben ein weiteres Mal versucht, diesen letzten

    Geniestreich der EU zur Erhöhung der Lebenskosten zu blockieren. Denn

    irgendwer muss das tun, wenn der Rest zu sehr damit beschäftigt ist,

    sich vor den Hoheiten zu verbeugen.


    Jetzt also die eigentliche Frage: Schafft es die EU, die Spur zu

    wechseln und Washingtons Führung in ein Tauwetter bei den Beziehungen

    mit Russland zu folgen? Oder wird sie einfach weiter über ihre eigenen

    Schnürsenkel fallen und dabei vorgeben, ein brillant choreographiertes

    Ballett zu tanzen, und einen "swan dive" [plötzlicher Kurssturz] als

    Szene aus "Schwanensee" auszugeben?


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    05.07.2025

    Medien Interner Aufstand bei der BBC: Offener Brief wirft Sender „pro-israelische Einseitigkeit“ vor

    berliner-zeitung.de, 05.07.2025 , 14:26 Uhr, 

    Mehr als 100 Journalisten der britischen BBC erheben schwere Vorwürfe gegen ihre Vorgesetzten: Die Zensur einer Gaza-Dokumentation sei politisch motiviert, die Berichterstattung einseitig.


    Laut BBC-Journalisten herrscht im Sender ein „Angstzustand“, sobald es um Kritik an der israelischen Regierung geht.Anadolu Agency/Imago


    Die BBC wird derzeit von einem internen Aufstand erschüttert: In einem offenen Brief wenden sich mehr als 100 Journalisten des britischen öffentlich-rechtlichen Senders gegen die eigene Führung. In dem Schreiben an Generaldirektor Tim Davie kritisieren sie die einseitige Berichterstattung über den Gazakrieg und werfen der BBC vor, zum „Sprachrohr“ der israelischen Regierung geworden zu sein.

    „Antipalästinensischer Rassismus“ und politische Einflussnahme

    Auslöser des Protests war die Entscheidung der BBC, die investigative Dokumentation „Gaza: Medics Under Fire“, in der gezielte Angriffe der israelischen Armee auf medizinisches Personal in der palästinensischen Enklave thematisiert werden, nicht auszustrahlen, obwohl die Dokumentation gemäß den eigenen Richtlinien redaktionell freigegeben worden war. In dem Brief werfen die Unterzeichner der BBC vor, die Entscheidung sei „politisch motiviert“ gewesen und Ausdruck eines „Angstzustands“ innerhalb der BBC, sobald es um Kritik an Israel gehe.


    Haaretz-Herausgeber über Israels Krieg in Gaza: „Wenn das kein Genozid ist, was dann?“

    Haaretz-Herausgeber über Israels Krieg in Gaza: „Wenn das kein Genozid ist, was dann?“

    USA

    14.06.2025


    Trump fordert: „Macht einen Deal im Gazastreifen!“ – wachsende Rolle der Türkei

    Trump fordert: „Macht einen Deal im Gazastreifen!“ – wachsende Rolle der Türkei

    Internationales

    01.07.2025


    „Die BBC handelt nicht mehr ‚ohne Furcht oder Gefälligkeit‘, wie es ihre journalistischen Grundsätze verlangen“, heißt es in dem Brief, der von 112 BBC-Mitarbeitern, die anonym bleiben wollen, sowie mehr als 300 weiteren Medienschaffenden aus Großbritannien unterzeichnet wurde. Zu den Unterzeichnern zählen bekannte Namen wie die Schauspielerin Miriam Margolyes, der Regisseur Mike Leigh und der Guardian-Kolumnist und Autor Owen Jones.

    Besonders brisant: Die BBC-Belegschaft erhebt den Vorwurf des strukturellen „antipalästinensischen Rassismus“. Die Berichterstattung der BBC zum Krieg in Gaza seit Oktober 2023 falle „weit hinter unsere eigenen redaktionellen Standards zurück“, schreiben die Autoren des offenen Briefes. Während unabhängige Menschenrechtsorganisationen, die UN und Reporter vor Ort die katastrophalen Zustände in Gaza dokumentieren, scheine die BBC vor allem PR-Arbeit für das israelische Militär zu leisten.

    Der Brief stellt zudem einen Zusammenhang zwischen personellen Verflechtungen innerhalb der BBC und der einseitigen Berichterstattung her. Besonders kritisiert wird der konservative Medienberater und BBC-Vorstand Sir Robbie Gibb. Ihm wird vorgeworfen, durch seine enge Verbindung zum Jewish Chronicle – einem Medium, das wiederholt antipalästinensisch und rassistisch berichtet habe – Einfluss auf redaktionelle Entscheidungen genommen zu haben. Seine Rolle im Editorial Standards Committee sei „untragbar“, so die Unterzeichner.


    UN-Bericht: Unternehmen tragen Mitschuld an Gazakrieg – „Lukrativer Völkermord“

    UN-Bericht: Unternehmen tragen Mitschuld an Gazakrieg – „Lukrativer Völkermord“

    Internationales

    02.07.2025


    Über 1000 Gesundheitsbeschäftigte warnen vor Gaza-Katastrophe – Kurswechsel bei Israel gefordert

    Über 1000 Gesundheitsbeschäftigte warnen vor Gaza-Katastrophe – Kurswechsel bei Israel gefordert

    Bundesregierung

    03.06.2025


    Die BBC wies die Vorwürfe zurück. In einer Stellungnahme betonte der Sender, dass „robuste redaktionelle Diskussionen“ Teil des normalen Prozesses seien. Man bekenne sich weiterhin zur „unparteiischen Berichterstattung“. Die BBC verwies auf ihre preisgekrönten Produktionen wie „Life and Death in Gaza“.

    Gleichzeitig räumte die BBC ein, dass das Klima innerhalb des Hauses angespannt sei. Bei einer internen Online-Versammlung wurde Generaldirektor Davie von mehreren Mitarbeitern direkt zur Nichtausstrahlung der Mediziner-Dokumentation befragt. In einer anonym gestellten Frage hieß es: „Ich liebe meinen Job, aber manchmal schäme ich mich, sagen zu müssen, dass ich bei der BBC arbeite.“

    Channel 4 übernimmt Gaza-Dokumentation

    Die zensierte Dokumentation „Gaza: Medics Under Fire“ wurde inzwischen von Channel 4 übernommen und ausgestrahlt – ein symbolträchtiger Schritt. Für viele BBC-Mitarbeiter zeigt dies: Die Glaubwürdigkeit des öffentlich-rechtlichen Senders steht auf dem Spiel.

    In dem offenen Brief heißt es abschließend: „Wir wurden gezwungen, zu dem Schluss zu kommen, dass redaktionelle Entscheidungen getroffen werden, um einer politischen Agenda zu dienen – und nicht dem Publikum.“


    Lesen Sie mehr zum Thema

    InternationalesTV & MedienGazaBBCBerichterstattung


    Info: https://www.berliner-zeitung.de/politik-gesellschaft/geopolitik/bbc-aufstand-gaza-israel-zensur-li.2338755


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    05.07.2025

    Odessa feiert

    Quelle: Pixabay


    overton-magazin.de, vom 4. Juli 2025 39 Kommentare


    Champagnerlaune in Odessa. Aber nur für diejenigen, die Geld besitzen und nicht an der Front ums Überleben kämpfen.

    Am letzten Wochenende fand in Odessa, der ukrainischen Stadt am Schwarzen Meer, ein für den Sommer völlig gewöhnliches Ereignis statt: In einem Nachtclub gab es eine Party, bei der die goldene Jugend eine ganze Badewanne voller Moët & Chandon-Champagner bestellte. Der Preis pro Flasche ist für ein kriegführendes Land empörend – 170 Euro! Das Durchschnittsgehalt des Landes liegt unwesentlich höher. In die Nachtclubs von Odessa kommen ständig Geschäftsleute, Kinder von Politikern oder einfach bloß reiche Ukrainer und hinterlassen oft Rechnungen um die Zehntausende von Euro.

    Es hat sich heute einfach eine ganze Klasse von Geschäftsleuten im Land gebildet, die ihr Geld mit Waffenlieferungen, Militärkorruption und schlichtweg mit Finanzhilfen aus Europa verdient. Laut dem bekannten ukrainischen Journalisten Jurij Butusov wurden mehr als eine Milliarde Euro, die für Befestigungsanlagen gedacht waren, veruntreut. Eine große Zahl ukrainischer Soldaten bleibt damit ungeschützt, weil das Geld als Korruptionseinkommen verwendet wird.

    Einkommen macht sicher

    Am letzten Wochenende war der Höhepunkt im feiernden Odessa das Unterhaltungsprogramm von Verka Serduchka. Das ist der ukrainische Sänger Andrij Danylko, der 2007 beim Eurovision Song Contest den zweiten Platz belegte. Damals trug er den skandalträchtigen Song „Lasha Tumbai“ vor. Der Titel hat keine Bedeutung, klingt aber wie „Russia Goodbye“. Dieses Mal kritisierte der Künstler die „Sprach-Ombudsmänner“. Das sind Beamte, die durch Hotels, Restaurants, Schulen und Universitäten gehen und Menschen bestrafen, weil sie Russisch sprechen. Andrij Danylko berichtete von seinem Konflikt mit diesen Vertretern der Regierung Selenskyj: „Man hat mich zwei Tage lang so beschimpft (dafür, dass ich Lieder auf Russisch im Repertoire habe), dass ich vergaß, dass ein Krieg zwischen Israel und dem Iran stattfindet!“

    Der letzte große Skandal betraf die Sängerin Alchim. Man bat sie, auf Ukrainisch zu singen, aber sie antwortete nicht, sondern rollte nur mädchenhaft die Augen. Nun wurde gegen sie ein Strafverfahren wegen Landesverrats eröffnet, und ihr drohen bis zu 15 Jahre Haft. Aber in solchen Skandalen werden diejenigen, die Geld haben und die mit dem Kurs der Regierung einverstanden sind, ihr Einkommen mit den richtigen Leuten teilen und ihre Geschäfte fortsetzen, gar nicht erst verwickelt. Leute, die nicht zahlen können, landen hingegen schon mal im Gefängnis. Oder sie werden an die Front geschickt, wie ein Fitnesstrainer aus Odessa, der im letzten August vom Geheimdienst entführt, vergewaltigt und gezwungen wurde, ein Video aufzunehmen, in dem er nach den Schlägen an einen Baum gebunden war und erklärte, dass er gerne an die Front gehe.

    Geld für Champagner

    Man kann ohne Übertreibung sagen, dass sich die ukrainische Gesellschaft in zwei Teile gespalten hat. Auf der einen Seite: Gewöhnliche Menschen, die auf der Straße aufgegriffen und mit Gewalt zum Kämpfen gezwungen werden. Und dann noch die Elite, Menschen, die es geschafft haben, Geschäftsmodelle aufzubauen, um am Krieg zu verdienen.

    Der ehemalige Wehrkommissar von Odessa, ein Mann namens Borisow, der für die Einberufung und Versendung von Menschen an die Front zuständig war, hat beispielsweise nach weniger als einem Jahr Krieg eine Villa in Spanien erworben. Das wird allerdings derzeit in einem Strafverfahren verfolgt. Betrachtet man nüchtern die Statistiken, so wurden allein im ersten Kriegsjahr offiziell Strafverfahren im Wert von mehr als eine Milliarde Euro eingeleitet.

    Das US-Verteidigungsministerium hört allmählich auf, Waffen in die Ukraine zu schicken. Vielleicht sollte Deutschland dem Beispiel dieses NATO-Verbündeten folgen. Oder zumindest jedes Mal, wenn Geld für Waffen für die Ukraine bereitgestellt wird, daran denken, dass ein Teil dieses Geldes für Champagner in einem der vielen Nachtclubs von Odessa draufgehen wird.


    Maksim Korsun ist Ukrainer und wohnt jetzt in Brandenburg. Früher hat er in der Ukraine, Russland und Moldawien gewohnt. Als der Krieg in seiner Heimat begann, meldete er sich freiwillig für die Lebensmittelversorgung. Er kam 2024 nach Deutschland.
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    39 Kommentare

    1. Geid tür Champagner ist da, denn der Krieg wird ja vom Ausland mit Waffen und Söldnern geführt. Denn ein Land das die Hälfte der Bevölkerung und einen großen Teil der Industrie verloren hat, kann gar keinen Krieg führen. Die Ukraine steht schlechter da, als Deutschland nach dem 2.WK

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  • Das erinnert an die letzten Tage im Reich.

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  • Führerbunker wird nicht akzeptiert

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  • …dann sollte Deutschland direkt Champagner in die Ukraine liefern. Ich meine, nicht daß er noch knapp wird.

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  • Wir sollten Champagner in die Ukraine liefern. Und zwar nur Champagner.
    Das ist die kostengünstigste Art diesen Scheiß-Krieg zu beenden.

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  • Im Krieg ist sowas wie Revolte schwer zu machen. Aber die vollkommene Schamlosigkeit der Parasiten und Diebe, die sich die Ukraine gleich nach der Unabhängigkeit zur Beute machten, gab es schon von Anfang an. Sie haben alles gestohlen, was verfügbar war und dazu die Staatsmacht, um deren Besitz sich verschiedene Fraktionen der Kleptokraten stehts stritten, eingesetzt. Dass die sich mal mehr, mal weniger nach Osten oder Westen orientierten, machte für die Bevölkerung nie einen Unterschied. Aber revoltiert wurde nie. Die Ukrainer sind uns dann doch sehr ähnlich und lassen verdammt viel mit sich machen.

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  • Ich höre Sie schon blöken: „Wir brauchen einen Europaweiten Solidaritätszuschlag für unsere Brüder und Schwestern aus der Ukraine!“

    Währenddessen bei GMX. Gott wie ich dieses Schundblatt hasse.

    https://www.gmx.net/magazine/politik/russland-krieg-ukraine/kiew-putin-zeigt-voellige-verachtung-usa-41146654

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  • Immerhin Schämmpäihn, bestimmt mit besten Grüßen aus dem Wertewesten nebst Dankesworten für erwiesene Drecksarbeiten. Man stelle sich vor, den Haderlumpen aus dem Kreml, den skrupellosen Oberschurken hätte es 2014 nicht schon gegeben, dann müssten die Herrschaften immer noch miesen Krim-Sekt saufen, Nicht auszudenken!

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  • „Im Krieg ist sowas wie Revolte schwer zu machen“ schreibt hier ein geschätzter Kommentator.
    Ja, in der Tat ist das so, in jeden Staat der Welt, und zwar nicht nur dann, wenn ein Krieg gegen einen anderen Staat angesagt ist. Eine praktische Kriegserklärung („Revolte“) gegen die „eigene“ Staatsgewalt, ob im Krieg oder im Frieden, ist grundsätzlich eine hochgradig lebensgefährliche Tätigkeit, die oftmals vor einem Erschießungskommando ihr Ende findet.

    Wer davor verständlicherweise zurückschreckt, dem bleibt nur die Hoffnung auf die Beschleunigung stattfindender Korruptions- und Fäulnisprozesse, innerhalb des herrschenden Gewaltapparates. Wie die oben im Beitrag beklagte(?) Veruntreuung von Geldern, welche auf diese Weise militärischer Verwendung entzogen werden, und sich destruktiv auf den angestrebten Kriegsverlauf auswirken.

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  • Ist ja toll, dass in Odessa Abschiedsfeten gefeiert werden, meine aber, dass es durchaus auch angebracht erschiene, auch mal wieder anderweitige Verteilstationen von veritablen Notrationen – so eine andere Art von Drecksarbeit – in den Fokus zu rücken. Gerade jetzt, wo doch unser allseits geschätzter Termolo uns abhanden gekommen scheint. Da will ich doch besser mal einspringen, nicht dass der Eindruck entstehen könnte – hier beim Publikum oder gar im ganzen Land – andere Baustellen hätten sich erledigt, in ein Wohlgefallen aufgelöst. Dem ist – leicht süffisant-sarkastisch formuliert – leider kaum so.

    Ein gewiß auch sonst kaum Hamas-freundlicher Herausgeber aus god’s own land, sieht sich irgendwie und warum auch immer gezwungen, heute am Feiertag des Independence Day statt seiner regelmäßigen Freitagskolumne ein Pamphlet abzudrücken über die aktuelle Party-season im Freizeitpark Mar-al-Gaza. Nein, um Schampus bis zum Abwinken geht es – Überraschung – hier nicht. Die headline könnte ich mir eigentlich sparen, wer versteht die schon: Wenn die helfende Hand eine Maschine hält! Den Untertitel unter das ‚nichtssagende Eingangsfoto‘ keinesfalls, der lautet nämlich ‚vielsagend‘ Folgendes: „Palästinenser an einem GHF-Hilfsverteilungsstandort in Gaza werden von amerikanischen „Sicherheitsunternehmern“ beschossen. Standbild eines Videos, das von einem Auftragnehmer aufgenommen und der Associated Press übergeben wurde.“

    Die ersten vier Absätzchen des Artikels seien mir erlaubt zu zitieren. Ergo, ich zitiere also:

    Es gibt keine genaue Zahl, wie viele Palästinenser durch Israels Embargo gegen Lebensmittel im Gazastreifen zu Tode verhungert wurden. Aber es gibt eine Zahl dafür, wie viele Palästinenser getötet wurden, die versucht haben, an Lebensmittelverteilungsstellen nicht zu verhungern, viele von ihnen durch israelisches Waffen- oder Mörserfeuer: 549, wobei jeden Tag 5 bis 10 weitere Palästinenser getötet werden. Mehr als 4.000 wurden verletzt.

    Diese Morde waren keine Unfälle. Sie wurden nicht provoziert. Sie kamen nicht als Versuch zustande, Unruhen zu unterdrücken. Die getöteten Menschen waren keine Kollateralschäden bei Versuchen, Hamas-Kämpfer zu töten. Die Schießereien waren keine Vergeltung für jegliche Gewalt der Palästinenser. Israelische Truppen wurden angewiesen, auf Palästinenser zu feuern, die von den christlichen Fundamentalisten und Söldnern, die die von Trump und Netanjahu eingerichteten Lebensmittelverteilungsstellen betreiben, Essensreste verteilt bekommen. Wiederholen wir das: Israelische Truppen wurden befohlen, hungernde, unbewaffnete Zivilisten zu töten, die versuchten, Lebensmittel für ihre Familien zu bekommen.Diese Morde sind für niemanden neu, der auf Berichte von Journalisten aus Gaza, Augenzeugen von Überlebenden der Anschläge und Ärzten, die die Verletzten behandelt und die Leichen der Toten untersucht haben, aus Gaza geachtet hat.

    Die Nachricht ist, dass die israelische Zeitung Haaretz israelische Soldaten dazu gebracht hat, zu beschreiben, wie ihre Vorgesetzten ihnen befahlen, auf Menschenmengen zu feuern, die an Hilfsverteilungsstellen, die Israel selbst ausgewiesen hatte, nach Nahrung suchen. Diese Stätten sind zu den neuesten Tötungsgebieten für palästinensische Zivilisten geworden. „An dem Ort, an dem ich war, wurden jeden Tag zwischen einem und fünf Menschen getötet“, sagte ein IDF-Soldat gegenüber Haaretz. „Sie werden beschossen, als wären sie eine Angriffskraft: Es werden keine Methoden zur Zerstreuung von Menschenmengen verwendet, kein Tränengas – sie schießen mit allem, was man sich vorstellen kann: schwere Maschinengewehre, Granatenmaschinengewehre, Mörser.“

    Fast ganz Gaza steht seit der ersten Märzwoche, als Israel sein jüngstes Embargo für humanitäre Hilfe in Gaza verhängte, am Rande der Hungersnot. Als der globale Druck gegen Israel zunahm, den Palästinensern in Gaza eine Massenverhungerungspolitik aufzuerlegen, wandte sich die Netanyahu-Regierung an ein neu gegründetes Unternehmen mit der Unterstützung von Trump, die Gaza Humanitarian Foundation, die jetzt von Johnnie Moore, Jr. geleitet wird. Moore ist ein evangelischer Christ mit engen Verbindungen zu Trump. Moore hatte Trumps Plan, die Kontrolle über Gaza zu übernehmen, begrüßt und gesagt: „Die USA werden die volle Verantwortung für die Zukunft von Gaza übernehmen und allen Hoffnung und eine Zukunft geben.“

    Zitierung ausgesetzt! Das ganze Traktat hier einzustellen, verstehe vollkommen, viel zu lang. Deswegen nur noch eine kurze (?) Auflistung der diesbezüglichen Vorkommnissen an fast übermenschlichen Hilfsaktionen – wohl in gewohnt übliche Drecksarbeit mutierend. Vorausschicken will und muß ich, dass der Autor auch weiterhin – unverschämterweise (!) – versäumt, die Schrecken des 7. Oktober 2023 auch nur zu erwähnen. Könnte ja durchaus von Bedeutung sein, auch und gerade um die Relationen der diesbezüglichen Selbstverteidigungsmaßnahmen richtig einordnen zu können. Nachfolgende Ereignisse haben zwanzig Monate nach dem vorgenannten Datum stattgefunden. Was in der Zwischenzeit so abzugehen hatte, darüber kann man sich ja anderweitig informieren. Zitierung wird fortgesetzt und beendet!

    „Die erste GHF-Hilfsstation wurde am 25. Mai eröffnet und wurde sofort mit Gewalt getroffen, bei der drei Palästinenser getötet und Dutzende verletzt wurden. Dies steht als das tägliche Muster fest, bei dem das Versprechen von Lebensmitteln als Köder diente, um ahnungslose palästinensische Zivilisten zu fangen und zu töten.

    Am 1. Juni wurden 32 Palästinenser in der Nähe der Rafah-Hilfsstation getötet und mehr als 250 verwundet, was als „Witkoff-Massaker“ bekannt wurde, nach Trumps Gesandtem im Nahen Osten, Steve Witkoff.
    Am 3. Juni wurden mindestens 27 Palästinenser durch einen israelischen Luftangriff auf der Straße, die zum Verteilungszentrum Rafah führte, getötet und 184 verletzt.
    Am 8. Juni wurden 13 Palästinenser getötet und 173 verwundet, als israelische Streitkräfte auf Menschenmengen am Rafah-Hilfsgelände schossen.
    Am 9. Juni wurden 14 Palästinenser an einem anderen GHF-Standort getötet und 207 verletzt.
    Am 10. Juni wurden 36 Palästinenser in einer Hilfsstätte in der Nähe von Deir al-Balah getötet und 207 verwundet.
    Am 11. Juni wurden 25 Palästinenser nachts getötet, als sie in der Nähe einer GHF-Verteilungsstelle lagerten, und weitere 14 wurden tagsüber getötet, als sie Schlange standen, um Kisten mit Lebensmitteln zu erhalten.
    Am 12. Juni wurden 26 Palästinenser durch einen israelischen Drohnenangriff auf eine Menschenmenge in der Nähe einer Hilfsstelle getötet.
    Am 14. Juni wurden 29 Palästinenser, die Hilfe suchten, getötet und mehr als 380 bei separaten Angriffen auf Hilfsverteilungsstellen verletzt.
    Am 16. Juni wurden 23 Palästinenser getötet und 200 verletzt, die vor dem Hilfsort Rafah verletzt wurden.
    Am 17. Juni wurden 59 Palästinenser getötet und 221 verletzt, als israelische Drohnen, Panzer und Truppen auf eine Menschenmenge am Khan Yunis-Hilfsplatz schossen.
    Am 18. Juni wurden 12 Palästinenser durch israelische Schüsse und Mörser getötet und 72 verletzt, während sie darauf warteten, dass Lebensmittelwagen am Hilfsort Deir al-Balah eintrafen.
    Am 19. Juni wurden 12 Palästinenser getötet und 60 wurden am Hilfsort im Netzarim-Korridor verletzt.
    Am 20. Juni wurden 23 Palästinenser durch israelisches Drohnen- und Panzerfeuer auf der Hilfsstätte im zentralen Gazastreifen getötet und mehr als 100 verletzt.
    Am 21. Juni wurden 8 Palästinenser getötet und mehr als ein Dutzend wurden durch israelische Schüsse in einem GHF-Hilfszentrum verletzt.
    Am 22. Juni wurden 6 Palästinenser getötet und mehr als 20 von israelischen Truppen an einer Hilfsstelle im Zentrum von Gaza verletzt.
    Am 24. Juni wurden mindestens 40 Palästinenser durch israelische Drohnen und Schüsse auf dem GHF-Standort im südlichen Rafah getötet.
    Am 25. Juni wurden 25 Palästinenser getötet und 30 von israelischen Streitkräften an der Hilfsstelle in der Nähe des Netzarim-Kontrollpunkts verletzt.
    Am 27. Juni wurden 18 Palästinenser durch einen israelischen Drohnenangriff getötet, als sie sich versammelten, um Mehl von einem GHF-Standort außerhalb von Deir al-Balah zu holen.
    Die meisten Massaker haben am Morgen stattgefunden, als Palästinenser vor den Hilfsstellen Schlange stehen, bevor sich die Tore öffnen, obwohl, wie ein israelischer Soldat sagte, es „keine Gefahr für die Streitkräfte gab. Es gibt keinen Feind, keine Waffen.“

    Den ganzen Text findet man gerne hier: https://www.counterpunch.org/2025/07/04/when-the-helping-hand-holds-a-machine/print/. Dort findet sich übrigens am Ende folgender Hinweis: „This is an expanded version of a piece that ran in the June 28 edition of Gaza Diary.“ Man höre und staune, dort – overseas – gibt es sogar sowas wie einen Liveticker? Ja klar, sowas gab es ja auch mal auf dem eNTenkanal, allerdings nur wenige Monate ab TenSeven, dann war wieder Schluss mit lustig, als die gaaaanz wenigen Schmutzeleien einzusetzen pflegten. Den Liveticker zum unprovozierten Agressionskrieg an der noch inoffiziellen NATO-Ostflanke, doch natürlich – den gibt es auch heute noch drei Jahre nach Start. Von Schampusorgien habe ich dort zwar noch nie was lesen können, dafür regelnäßig – täglich bis stündlich – allerlei Transscriptierungen feuchter Träume alternativ solcher des Grauens, je nach Stimmungslage eben. Von Komikern wie auch allerlei Experten und Kriegsberichterstattern, NGO’s gesponsort wenn nicht geliefert. Stopp, jetzt höre ich doch besser mal auf? Nicht, bevor ich auch noch erwähnen durfte, dass der urplötzlich notwendig gewordene Liveticker zum präventiv und präemptiv erfolgten Selbstverteidigungs-Fast-Atomschlag Israel (very gudd) vs. Iran (fürchterlich beese) gleich nach Verkündigung der ‚Mission accomplished‘ vom Trumpelstilz beendet werden konnte. Na denn!

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  • „Man kann ohne Übertreibung sagen, dass sich die ukrainische Gesellschaft in zwei Teile gespalten hat. Auf der einen Seite: Gewöhnliche Menschen, die auf der Straße aufgegriffen und mit Gewalt zum Kämpfen gezwungen werden. Und dann noch die Elite, Menschen, die es geschafft haben, Geschäftsmodelle aufzubauen, um am Krieg zu verdienen.“
    Da kann man doch statt „ukrainische Gesellschaft“ auch „deutsche Gesellschaft“ einsetzen. Sterben müssen im Krieg die Bürgergeldempfänger. Die „Elite“ hat aus „Gewissensgründen“ (*prust*) den Kriegsdienst verweigert und bangt jetzt allenfalls um ihre Rheinmetallaktien.

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  • DIE HERRSCHENDE KLASSE FEIERT UND PINKELN UNS AN, WÄHREND SIE UNS ERZÄHLT DAS ES REGNET!

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  • Wirklich ein Skandal der hier aufgedeckt wurde. Dafür soll die ganze Ukraine brennen. Alle Ukrainer.
    Schuldig dem Luxus nachzugeben.

    Gleichzeitig spannt der Möchtegerndiktator mit Erbsenhirn im Weißen Haus, dass Putin überhaupt kein Frieden möchte. Wow, was für eine lange Leitung.

    Derweil setzten die Russen inzwischen generell Giftgas bei ihren Angriffe an der Front ein. Zugegeben, Alkohol ist auch ein NervenGIFT, dass hier über die Parties der Neureichen statt über Kriegsverbrechen berichtet wird, liegt aber eher am Publikum, dass bedient werden möchte.
    Ich kann‘s verstehen, auch die Schreiberlinge müssen ihre Miete bezahlen.

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    6 Antworten auf diesen Kommentar anzeigen ▼

  • „Das US-Verteidigungsministerium hört allmählich auf, Waffen in die Ukraine zu schicken. Vielleicht sollte Deutschland dem Beispiel dieses NATO-Verbündeten folgen. Oder zumindest jedes Mal, wenn Geld für Waffen für die Ukraine bereitgestellt wird, daran denken, dass ein Teil dieses Geldes für Champagner in einem der vielen Nachtclubs von Odessa draufgehen wird.“

    Seit Monaten treibt die Entwicklung auf diesen Kulminationspunkt zu. Die Ukraine verballert die NATO-Waffen und die Rüstungsindustrie kommt nicht mehr mit. Egal, wer gerade US-Präsident ist, die NATO-Arsenale sind leer, aber die Ukrainer arbeiten schon fleißig an einer Lösung.

    Europa hat Geld und, so der geniale Plan, soll die Waffen bei den Amerikanern kaufen und für lau an die Ukrainer weitergeben. Offenbar leben die Ukrainer im Cargo-Kult und wissen nicht, dass man Waffen erst herstellen muss, wenn, wer auch immer, diese kaufen soll. Nicht vorhandene Waffen kann man nicht kaufen.

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  • „Das US-Verteidigungsministerium hört allmählich auf, Waffen in die Ukraine zu schicken.“
    Das ist genau der Humor, den ich mag. Mal im ernst, das glauben sie doch selber nicht ?

    Im Übrigen genau, diese Partys und die Leute die da feiern. Das ist es was Krieg so attraktiv macht.
    100% Gewinn- 0% Regeln und Kontrolle, Quasi der Idealzustand des Kapitalismus.
    Krieg ist das Aufatmen der Völker von den Erstickungsanfällen der Zivilisation – schrieb schon im Jahre 1904 Willibald Hentschel

    Antworten

  • So etwas erinnert mich an die „Goldfasane der NSDAP“ . . .

    . . . die haben auch ständig vom „Endsieg“ gefaselt und im Dauersuff von „Durchhalten“ gelallt . . .

    Nach dem sie mit absoluter Akrebie ihren Schwarzmarkt-Geschäften nachgegangen sind und es abzusehen war, dass das 3.Reich den Bach runtergeht, haben sie noch schnell Junge und Alte verheizen lassen.
    Wer sich dagegen wandte und den Wahnsinn beenden wollte, wurde als Vaterlandsverräter an Laternen aufgehängt oder erschossen.
    Aber Nobel geht die Welt zugrunde . . . mit Champus und Cognac im Gepäck setzten sich die NS-Eliten gen Westen ab.
    Und liefen zu den Anglo-Amerikaner über !
    In den Aktentaschen Unterlagen für ihre Neuen Dienstherren ( der SS-Offizier Werner von Braun z.B. oder
    ein Nazi namens Gehlen von Fremde Heere -Ost, später BND )!
    Was in Odessa geschieht ist das Spiegelbild des Faschisten-Klüngels um den NATO-Papagei Selenskij.
    Drei Villen in Florida und eine in Großbritannien . . .heißt es sei sein Lohn.
    Dabei Mitverdienen am Verramschen von NATO -Waffen und Munition an die verschiedenen Ethnischen Mafien.
    Andere dürfen krepieren oder sich auf den Veteranentag freuen.
    Die Verarschung ganzer Völker funktioniert so . . .
    Bei den einen knallen die Sektkorken, bei den anderen
    die Sargdeckel . . .

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  • So etwas erinnert mich an die „Goldfasane der NSDAP“ . . .

    . . . die haben auch ständig vom „Endsieg“ gefaselt und im Dauersuff von „Durchhalten“ gelallt . . .

    Nach dem sie mit absoluter Akrebie ihren Schwarzmarkt-Geschäften nachgegangen sind und es abzusehen war, dass das 3.Reich den Bach runtergeht, haben sie noch schnell Junge und Alte verheizen lassen.
    Wer sich dagegen wandte und den Wahnsinn beenden wollte, wurde als Vaterlandsverräter an Laternen aufgehängt oder erschossen.
    Aber Nobel geht die Welt zugrunde . . . mit Champus und Cognac im Gepäck setzten sich die NS-Eliten gen Westen ab.
    Und liefen zu den Anglo-Amerikaner über !
    In den Aktentaschen Unterlagen für ihre Neuen Dienstherren ( der SS-Offizier Werner von Braun z.B. oder
    ein Nazi namens Gehlen von Fremde Heere -Ost, später BND )!
    Was in Odessa geschieht ist das Spiegelbild des Faschisten-Klüngels um den NATO-Papagei Selenskij.
    Drei Villen in Florida und eine in Großbritannien . . .
    Dabei Mitverdienen am Verramschen von NATO -Waffen und Munition an die verschiedenen Ethnischen Mafien.
    Andere dürfen krepieren oder sich auf den Veteranentag freuen.
    Die Verarschung ganzer Völker funktioniert so . . .
    Bei den einen knallen die Sektkorken, bei den anderen
    die Sargdeckel . . .

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  • Info: https://overton-magazin.de/hintergrund/gesellschaft/odessa-feiert/


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    05.07.2025

    Ukraine: Der »Asow« Nazikriegskoloss

    aus e-mail von Doris Pumphrey, 5. Juli 2025, 12:54 Uhr


    junge Welt 5.7.2025

    <https://www.jungewelt.de/artikel/503362.ukraine-nazikriegskoloss.html>


    *Nazikriegskoloss

    *Das »Asow«-Militärimperium expandiert und vernetzt sich mit der NATO

    /Von Susann Witt-Stahl


    /Der »Asow«-Killerkrake wachsen neue Arme. Mit der nach dem ersten

    Führer der Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN) benannten

    Konowalez-Militärschule und der kürzlich eingeweihten

    Unteroffiziersschule unterhält sie eigene Militärakademien. Mittlerweile

    hat sie aber auch einige Start-Up-Unternehmen hervorgebracht.


    »Killhouse Academy« – so heißt die kommerzielle FPV-Drohnenflugschule,

    die ihre 3. Separate Sturmbrigade in der ukrainischen Armee 2024 in Kiew

    eröffnet hat und in der auch Zivilisten ausgebildet werden. »Den Feind

    mit Technologie zu zerstören ist jetzt ein Nationalsport«, heißt es in

    der Werbung. »Sie haben sogar Drohnen, die Panzer angreifen können«,

    vermeldet der deutsche /CNN/-Reporter Frederik Pleitgen euphorisch in

    einem Video, das in der Übungshalle aufgenommen wurde und sich auf dem

    »Killhouse«-Instagram-Kanal findet. Rund 30 Prozent der mittlerweile

    einige tausend frisch ausgebildeten Operatoren sollen nach dem

    neuntägigen Lehrgang in den Krieg ziehen, die anderen auf einen späteren

    Fronteinsatz vorbereitet sein. Ende Juni wurde die »Akademie« um eine

    »Schule für Operatoren von Bodenrobotersystemen« erweitert, mit »eigenem

    Trainingsgelände, einer Flotte von Kampfrobotern und einem Simulationsraum«.


    Jüngst hat »Asow« mit »AB3 Tech« ein Unternehmen für die Entwicklung von

    Militärtechnologie gegründet. Es bietet an, Waffen unter realen

    Schlachtfeldbedingungen zu testen. Solche Firmen ermöglichen dem

    Nazikriegskoloss auch eine intensivere Vernetzung mit dem

    militärisch-industriellen Komplex der USA, Deutschlands und anderer

    NATO-Länder.

    Diese ist laut Recherchen des US-amerikanischen Publizisten Moss Robeson

    bereits weit fortgeschritten: Vertreter der 3. »Asow«-Armeebrigade

    nahmen an einem die Münchner »Sicherheitskonferenz« begleitenden

    »Hackathon« des European Defense Tech Hub teil. Mit dem in Kiew

    ansässigen »Snake Island Institute«, das von Wladislaw Sobolewskij,

    einem Vizekommandeur von »AB3« und Führer der »Asow«-Partei »Nationales

    Korps«, geleitet wird, gibt es seit Frühling 2025 auch eine Denkfabrik,

    die sich nach eigenen Angaben »der Stärkung der strategischen

    Partnerschaft zwischen der Ukraine und den Vereinigten Staaten widmet«.


    Austausch zwischen »Asow«-Militärs und den US-Streitkräften findet

    zunehmend häufig statt. Der /BBC/-Journalist Leonid Ragozin berichtet,

    dass Dmitro Kuchartschuk, Kommandeur des 2. »AB3«-Bataillons, sogar an

    »Arbeitstreffen« im US-Verteidigungsministerium teilnahm (wie Robeson

    dokumentiert, unterhält dieser in Tscherkassi ein Gym, auf dessen

    Hallenboden sich wie in Heinrich Himmlers Wewelsburg eine riesige

    »Schwarze Sonne« findet). Wiederholt wurden »Asow«-Delegationen von

    Senatoren und Abgeordneten des Repräsentantenhauses im Kapitol in

    Washington, D. C., und in US-Denkfabriken empfangen, die dem Pentagon

    nahestehen. Das Emblem des Hauptquartiers der »Asow«-Brigade in der

    Nationalgarde, Kernverband von deren 1. Korps, ziert bereits das etwas

    modifizierte Windrosensymbol der NATO.



    junge Welt 5.7.2025

    <https://www.jungewelt.de/artikel/503361.ukraine-totale-militarisierung.html>


    *Totale Militarisierung

    *Die »Asow«-Bewegung kolonisiert die ukrainische Gesellschaft mit

    neonazistischer Kriegsideologie

    /Von Susann Witt-Stahl


    /Die »Asow«-Führung agiert seit Jahren als Avantgarde der faschistischen

    Neuordnung der Ukraine. Sie will Staat und Nation zu einer »organischen

    Einheit« formen. An der Spitze der Bewegung zur Durchsetzung ihrer

    »nationalen Idee« als Staatsräson steht die 3. Separate

    »Asow«-Sturmbrigade der Armee, die gegenwärtig zum Korps ausgebaut wird.

    Olexij »Konsul« Reins, Leiter ihres Zentrums für ideologische Schulung

    und ihres Rainshouse-Verlags, propagiert den Krieg als Ausdruck eines

    »natürlichen Bedürfnisses nach Expansion« mit dem Ziel der Errichtung

    einer »Großukraine« unter der Herrschaft des Militärs. Folglich feiert

    er das faschistische Massaker vom 2. Mai 2014 im Gewerkschaftshaus von

    Odessa mit »verbrannten Watniks« als »Tag der Reinigung«.


    Rainshouse publiziert Schriften von Mikola Krawtschenko, dem im März

    2022 durch russischen Beschuss ums Leben gekommenen »Asow«-Philosophen

    und einstigen Mitgründer ihrer paramilitärischen Basisorganisation

    »Patriot der Ukraine« sowie ihres heutigen ideologischen Rückgrats

    »Centuria«, ein Jugend- und Kampfverband. Ebenso »Ostfront«- und

    Veteranenlyrik über den »Willen zum Sieg« bei der »Maidan«-Revolte

    2013/14 und der nachfolgenden »Antiterroroperation« gegen die

    aufständische Bevölkerung im Donbass, auch Comics mit

    Kriegsheldengeschichten. Vor allem werden Schlüsseltexte von Führern der

    faschistischen Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN) neu

    aufgelegt – etwa von Stepan Bandera und dessen Nachfolger Jaroslaw

    Stezko sowie Dmitro Donzow, Übersetzer von »Mein Kampf«, der den

    Hitler-Staat als Modell für eine unabhängige Ukraine und integralen

    Nationalismus als Lebensweise begriffen hatte.


    Nach diesem Vorbild betrachtet sich »Asow«, ähnlich wie die SS im

    »Dritten Reich«, nicht nur als Kriegerelite und Speerspitze des

    ukrainischen Imperialismus, sondern auch als ideologischer, politischer

    und kultureller Leitstern der Nation.


    »AB3« – das Kürzel der 3. Sturmbrigade – und die »Asow«-Wolfsangel

    prangen heute auf Tausenden Produkten: Bekleidung, Haushaltswaren,

    Spielzeug, Lebensmittel etc. Die Einheit gibt eine eigene

    Briefmarkenedition mit Frontkämpferporträts heraus. Neuerdings geht das

    sozialdarwinistische Nazilebensprinzip auch durch den Magen: In Kiew hat

    sie unter dem Slogan »Der Stärkste wird überleben« einen

    »postapokalyptischen AB3-Army-Foodspot« eröffnet, der Döner, Hamburger

    und Wraps anbietet. »Asow« hat sich längst zu einer Topsellermarke

    gemausert. Sie unterhält einen Kulturindustriekomplex mit eigenen

    Medien, PR-Agenturen, Mode- und Musiklabels, Filmproduktionsfirmen, die

    beispielsweise Battle-Action-Videos produzieren. »Asow« organisiert auch

    Militärfeste, inklusive HipHop-, Techno- und Rock-Konzerten mit

    populären Bands wie Hatespeech oder PVNCH, die als Megafone des

    ukrainischen Nationalismus fungieren. Seit 2024 ist »AB3« mit einer

    eigenen Theaterperformance auf Tournee. In dem Ein-Mann-Stück

    »Ненароджені для війни« (Nicht für den Krieg geboren) mit einem echten

    »Asow«-Krieger als Darsteller geht es um wahre Waffenbrüderschaft,

    Einsamkeit und Gefahren in den Schützengräben.


    Während deutsche und andere westliche Politiker, Medien und Denkfabriken

    weiterhin die Lüge von der »Depolitisierung« der »Asow«-Truppen

    ventilieren, treiben diese die totale Militarisierung der ukrainischen

    Gesellschaft unter Hochdruck voran. Heute dürfte bereits ein Großteil

    der Jugendlichen das »Gebet eines Nationalisten« mit der Lobpreisung der

    faschistischen Ahnen und den Dekalog der OUN (»Räche dich für den Tod

    der großen Ritter«) aufsagen können – für »Asow« die heiligen »Symbole

    für Kampf, Glauben und Ehre«. Zur Vorbereitung des Eintritts in die

    Reihen ihrer Krieger sorgt »Centuria« für die Stählung von Geist und

    Körper mit Weltanschauungsschulungen und professionellem

    Wehrsporttraining. Kinder werden bereits seit zehn Jahren in Feriencamps

    zu »Asowets« gedrillt, an Kalaschnikows und anderen Waffen ausgebildet.

    Die 3. Sturmbrigade gibt jetzt auch eine Märchenbuchreihe heraus, die

    den Kleinen die »Realität des Krieges« beibringen und »Illusionen über

    den historischen Hauptfeind« austreiben soll. Russenhass ist eine Säule

    der mit den Heldenabenteuergeschichten angestrebten »Erziehung eines

    Kinderführers, Führers, Führer des Landes«. Der erste Band »Jurchik –

    der Schlangentöter« ist bereits im »AB3«-Shop erhältlich.


    Dass Präsident Wolodimir Selenskij die Asowisierung der Ukraine

    unterstützt, zeigt allein schon die Ernennung von Olexander Alforow,

    Exoffizier der 3. Sturmbrigade, Bewunderer von Adolf Hitler und Experte

    für »Entrussifizierung«, zum Präsidenten des Ukrainischen Instituts für

    Nationale Erinnerung – ein phänomenaler Triumph für die Neonazibewegung,

    die damit nahezu vollständige Hoheit über die Geschichtsnarrative

    erlangt haben dürfte. Das könnte auch die offizielle Rehabilitierung der

    Kollaborateure Nazideutschlands beim Holocaust und Vernichtungskrieg

    gegen die Sowjetunion bedeuten, etwa der SS-Division »Galizien«, die bis

    heute von der »Asow«-Führung »kompromisslos« als »diejenigen«

    glorifiziert wird, die »für eine ukrainische Ukraine zu den Waffen griffen«.


    Es gibt praktisch keine »Asow«-freien Räume mehr in der ukrainischen

    Gesellschaft. Im Juni präsentierte »Konsul«, der als Nachfolger von

    Krawtschenko gilt, voller Stolz ein Video aus seiner »rechtsextremen

    Stadt« Kiew von einem Metrozug, gestaltet im martialischen

    »Asow«-Design. »Die universelle Durchdringung unserer Ästhetik erfreut

    das Auge. Die Ukrainer gewöhnen sich allmählich daran, dass es den

    ukrainischen Nationalisten um Stil, Stärke, Heldentum geht«, lässt

    »Konsul« keine Missverständnisse über die Machtverhältnisse aufkommen.

    »Sie gewöhnen sich daran, dass dieses Land unser Land ist.«

    -----------------------s

    *Hintergrund: Vorbild Waffen-SS

    *Die »Asow«-Bewegung orientiert sich bis heute an der Ästhetik, Symbolik

    und Namensgebung des »Dritten Reichs«. Bereits in Truppenkennzeichen

    ihres ersten Kampfverbands, eines Bataillons, das am 5. Mai 2014 in

    Mariupol gegründet worden, vier Monate später zum Regiment erweitert und

    in die Nationalgarde eingegliedert worden war, finden sich die »Schwarze

    Sonne« und die Wolfsangel der Waffen-SS. Vor allem letzteres Symbol wird

    heute meist in abstrahierter Form weiter für Embleme von »Asow«-Truppen

    verwendet, beispielsweise vom 1. Korps der Nationalgarde, das seit April

    2025 besteht.


    Der 1. Zug des 2. Bataillons der 3. Separaten Sturmbrigade von »Asow« in

    der ukrainischen Armee ist nach der SS-Grenadierdivision »Galizien«

    benannt und hat von dieser auch in leichter Abwandlung das Abzeichen mit

    dem ruthenischen Löwen übernommen. Die 1943 gebildete Einheit

    rekrutierte sich vorwiegend aus ukrainischen Freiwilligen, wurde für die

    Partisanenbekämpfung eingesetzt und verübte Massaker an polnischen

    Zivilisten. Das Wappen der 3. Kompanie desselben »Asow«-Bataillons ist

    nach dem Verbandskennzeichen des von Heinrich Himmler aufgestellten

    SS-Sonderkommandos »Dirlewanger« mit gekreuzten Stabhandgranaten

    gestaltet. Diese Truppe hat in Belarus Menschen lebendig in ihren

    Häusern verbrannt, Massenvergewaltigungen und andere schwere

    Kriegsverbrechen begangen. Andere Einheiten der »Asow«-Brigade tragen

    Namen wie »Wolfrudel« und »Stahlwolf«.


    Das Emblem der »Asow«-Infanterieeinheit »Kraken« des ukrainischen

    Militärgeheimdienstes enthält die Kampfrune, die von den

    Reichsführerschulen und der SS-Grenadierdivision »30. Januar« verwendet

    wurde. Das Motto der mittlerweile einer Marinebrigade angehörenden

    »Wedmedi SS«-»Asow«-Einheit lautet »Meine Ehre heißt Treue«. Einige

    »Asow«-Krieger tragen Totenkopfpatches mit dem Kennzeichen der

    Panzerdivision »Leibstandarte SS Adolf Hitler«. (sws)


    Info: https://www.jungewelt.de/artikel/503362.ukraine-nazikriegskoloss.html


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    05.07.2025

    Dossier 20
    Robert Jungk zum Widerstand gegen Atomrüstung, Krieg und Gewalt und für eine humane Zukunft „Der Aufstand gegen das Unerträgliche“    (I von II)

    wissenschaft-und-frieden.de, von Hans Holzinger und Robert Jungk (Seite bes. am 5. Juli 2025)

    In Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis Atomwaffenfreies Europa und der Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen


    Hans Holzinger: Vorwort

    „Wer lange lebt, hat oft genug erfahren, daß sich zwar nicht alles, aber doch vieles mit der Zeit zum Besseren wenden kann. Das eigene Ende ist unvermeidlich, aber von jedem kreativen, aktiven Menschen geht ein Anstoß aus, der auf unvorhersehbare Weise in die Zukunft weitergeleitet wird.“ Mit diesen Sätzen beendet Robert Jungk seine Autobiographie »Trotzdem. Mein Leben für die Zukunft« (Hanser 1993). Sie lassen vielleicht erahnen, woraus der Ermutiger die Kraft für sein lebenslanges Engagement geschöpft hat.

    Zu warnen vor dem blinden »Fortschritts«-Glauben des naturwissenschaftlich - technischen Zeitalters, das im Irrsinn des nuklearen Wettrüstens wohl seine (bislang) gefährlichste Zuspitzung erfahren hat; zu bekräftigen, daß Friede und Abrüstung »von unten«, von den vielen Menschen, die sich einmischen und wehren, erreicht werden müssen; sowie drittens die feste Überzeugung, daß das »Nein« immer auch ein »Ja« brauche, also die Suche nach einer humanen, von den Menschen selbst gestalteten und bestimmten Gesellschaft – so lassen sich die drei großen Ziele in Robert Jungks Wirken festmachen.

    Es war schwierig und faszinierend zugleich, aus dem umfangreichen Werk, das Jungk uns hinterlassen hat, Textpassagen auszuwählen, die Aufschluß geben über sein Friedens-, Politik- und Zukunftsverständnis und seine Biographie als Autor, Wissenschaftskritiker und Mitstreiter der Friedens- und Anti-Atom-Bewegung widerspiegeln. Ich hoffe, daß der vorliegende Band seinem Ziel gerecht und seine Leserinnen und Leser finden wird. Die ausgewählten Texte bleiben notgedrungen fragmentarisch. Sie sollen nicht zuletzt jene, die Jungks Bücher noch nicht kennen, auf diese neugierig machen, und jene, die sie kennen, zum erneuten Lesen anregen. Es lohnt sich allemal.

    »Der Aufstand gegen das Unerträgliche« – so lautet der Untertitel jenes Buches »Menschenbeben«, in dem Robert Jungk die weltweite Friedensbewegung der 80er Jahre gegen den Irrsinn des nuklearen Wettrüstens als Beteiligter und engagierter Beobachter sehr eindrucksvoll beschrieben hat. Er sei dieser Textsammlung als Motto vorangestellt.

    Zu danken bleibt dem »Arbeitskreis Atomwaffenfreies Europa« für die Idee zu diesem Projekt und den aufgebrachten Mitteln zu seiner Realisierung.

    Hans Holzinger, Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen
    Salzburg, September 1995

    Einleitung

    Wir wollen Robert Jungk nicht vergessen. Als uns im letzten Jahr die Nachricht von seinem Tode erreichte, beschlossen wir im Arbeitskreis, durch eine Auswahl aus seinen wichtigsten friedenspolitischen Texten für unsere Mitglieder und die Leserinnen und Leser von W&F sein Andenken lebendig zu erhalten.

    Und dies ist mehr als eine bloße Totenehrung. Lest, und ihr werdet seine vielfältig gegenwärtige Bedeutung erkennen. Auch dort, wo wir uns mit Jungk rückbesinnen auf die Anfänge der ungeheuerlichen atomaren Gefahr, hilft es uns, das Ausmaß und die Etappen des Kampfes uns wieder voll zu vergegenwärtigen – jenes Kampfes, denen auch unser Arbeitskreis seinen Namen und sein Wirken verdankt – jenes Kampfes, der durch die größenwahnsinnigen Atomtests des Herrn Chirac gerade in unseren Tagen sich leider wieder als noch völlig aktuell erweist.

    Robert Jungk bleibt ein großes Vorbild der Friedensbewegung. Warum? Weil er in schlechthin vorbildlicher Weise die Arbeit des Forschers und des Publizisten mit dem unmittelbaren persönlichen Einsatz des Friedensbewegten verband. Wir haben auch in der Friedensbewegung nämlich viele, die nur lesen, reden und schreiben oder nur an Aktionen interessiert sind. Aber gerade heute, wo die Sachverhalte und die Lösungen komplizierter werden (siehe Jugoslawien!), wo Friedensarbeit mehr denn je mühsame Kleinarbeit ist und selbst Demos meist keine »Massendemonstrationen« mehr sind, ist von uns allen intellektuelle UND Aktionsarbeit gefordert – von jedem/r nach ihren/seinen Kräften.

    Und deshalb bleibt Robert Jungk unser großes Vorbild. Er war immer mit dabei, ist immer und immer wieder an der Spitze unserer Demonstrationen mitgegangen, hat uns »einfachen« Bürgerinnen und Bürgern Mut gemacht durch sein Dabeisein, seine mutmachenden Reden, bei denen er kein Blatt vor den Mund nahm, sondern die Herrschaftsverhältnisse, die Rüstungsinteressen, die ideologischen Verharmlosungen des atomaren Abschreckungsdenkens beim Namen nannte.

    Dabei war seine größte Leistung, die ihn von den meisten nur-kritischen Linken unterschied, daß er immer auch Wege nach vorn, Auswege, Fortschritte, positive Alternativen und Ansätze aufzeigte. Tief philosophisch verankert war sein Wissen: das bloße Aufzeigen der Misere, der destruktiven Mächte stumpft zuletzt ab, treibt in die Resignation; nur wenn wir auch den Blick und unsere Aktivität auf Ansätze einer humaneren Ordnung richten, bleiben wir wirksam, überzeugen auch andere. Daher erfand er die Methode der »Zukunftswerkstätten«, in denen Menschen sich systematisch bemühen, von der Kritik des Bestehenden zum Entwurf und Inangriffnehmen positiver Alternativen zu gelangen. (Und schon in seiner Emigrationszeit, in den USA, gründete er eine Zeitung, die »good news« verbreitete und damit dem fatalen Trend der Profitpresse entgegenzuwirken suchte, die von der Attraktivität der Horrormeldungen lebt und daher nach dem Prinzip handelt: »bad news are good news and good news are bad news!«)

    Heute hätte er mit Emphase auf den weltweiten – nie zuvor so verbreiteten – Widerstand gegen die französischen Atomtests verwiesen und uns zugerufen: Seht den Pyrrussieg Chiracs – er ist in Wahrheit eine große internationale Niederlage Frankreichs!

    Fritz Vilmar, Arbeitskreis Atomwaffenfreies Europa

    Die Zukunft hat schon begonnen (1952)

    Das reiche publizistische Schaffen und politische Wirken von Robert Jungk ist bestimmt vom »Anschreiben« gegen die nukleare Bedrohung sowie gegen die unbedachten Risiken des naturwissenschaftlich-technischen Fortschritts generell. Wenn Günther Anders als »der Philosoph des Atomzeitalters« zu bezeichnen ist, so war Jungk dessen engagiertester und kritischster Berichterstatter. Die Warnungen vor dem nuklearen Wettrüsten leiten auch Jungks Welterfolg als Autor ein. 1952 erscheint das erste Buch »Die Zukunft hat schon begonnen«. Diese Berichte aus amerikanischen Rüstungslaboratorien, über geheime Atomanlagen und Atombombentests erregen Aufsehen weit über den deutschen Sprachraum hinaus. Doch nicht nur der »Griff nach dem Atom«, sondern auch jener nach der Natur, dem Menschen und dem Weltraum ist Gegenstand dieser Abhandlungen, die vor den Gefahren blinder Technikgläubigkeit warnen, und die der Autor insbesondere im »Nachkriegsamerika« ausmacht.

    So ist zur Zeit in den Vereinigten Staaten eine Welt im Entstehen, wie es sie nie zuvor gab. Es ist die von Menschen entworfene, im Höchstmaß vorausgeplante, kontrollierte und je nach dem Fortschrittsstand immer wieder »verbesserte« Schöpfung. Sie besitzt ihre besondere Art von Schönheit und von Schrecken. Denn obwohl die menschlichen Schöpfer sich bemüht haben, aus ihrer Kreation Schicksal, Zufall, Katastrophen, Unglück und Tod zu verbannen, so treten die Fortgewiesenen nun verkleidet nur noch viel eindringlicher auf: Kalkulationsfehler der Planstatistiker, Versagen der technischen Apparatur, Unfälle und Explosionen bringen ein Vielfaches an Leid.

    Sogar die alten dunklen Mythen vom verschleierten Bild, dessen Vorhang niemand heben darf, von Geistern, Dämonen und verwunschenen Regionen, ja von der Hölle selbst, kommen in dieser scheinbar so genau ausgerechneten, rational entstandenen Welt zu neuer Geltung. Denn der Durchschnittsmensch bewegt sich in der zweiten, künstlich aus der Retorte gewonnenen Natur genauso unsicher wie seine prähistorischen Vorfahren in der primären Natur, weil nur die Spezialisten – und oft nicht einmal sie – die Wesen und Kräfte begreifen, die sie in die Welt gesetzt haben.

    Diese »neueste Welt« ist keine ferne Utopie, kein Geschehen aus dem Jahre 1984 oder einem noch ferneren Jahrhundert. Wir sind nicht wie in den Zukunftsromanen von Wells, Huxley und Orwell durch den breiten Graben der Zeit von dem reißenden Tier Zukunft getrennt. Das Neue, Andere, Erschreckende lebt schon mitten unter uns. So ist es, wie alle historische Erfahrung zeigt, immer gewesen. Das Morgen ist schon im Heute vorhanden, aber es maskiert sich noch als harmlos, es tarnt und entlarvt sich hinter dem Gewohnten. Die Zukunft ist keine sauber von der jeweiligen Gegenwart abgelöste Utopie: Die Zukunft hat schon begonnen. Aber noch kann sie, wenn rechtzeitig erkannt, verändert werden.

    In dieser zukunftsbezogenen »neuesten Welt« haben die Grenzen von Tag und Nacht, von Licht und Finsternis keine Gültigkeit mehr. Die Tat des ersten biblischen Schöpfungstages wird von den späten Nachkommen des Prometheus annulliert. Damit der moderne Produktionsprozeß keine Unterbrechung erleide, brennen in den Fabriken von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang die künstlichen »Sonnen« der elektrischen Scheinwerfer. In fast allen großen Städten Amerikas gibt es Markthallen und Drugstores, die verkünden: WIR SCHLIESSEN NIE! Es ist nur noch ein kurzer Schritt zu dem Augenblick, da der bereits in einem kalifornischen Laboratorium entwickelte künstliche »Nordlichteffekt« dem Himmel für immer sein Nachtgewand herunterreißt.

    Und so geht es mit jedem einzelnen im heiligen Buche beschriebenen Schöpfungsakt. Der Mensch schafft künstliche Materie, er baut eigene Himmelskörper und bemüht sich dann, sie am Firmament über uns aufgehen zu lassen, er kreiert neue Pflanzen- und Tierarten, er setzt eigene, mit übermenschlichen Sinnesorganen ausgestattete mechanische Wesen, die Roboter, in die Welt.

    Nur eines kann er nicht. Es ist ihm nicht gegeben, mit den Worten der Bibel auszurufen: „Und siehe da, es war sehr gut.“ Er darf niemals die Hände in den Schoß legen und sagen, daß seine Schöpfung vollendet sei. Rastlosigkeit und Unzufriedenheit bleiben mit ihm. „Denn hinter jeder Tür, die wir öffnen, liegt ein Gang mit vielen anderen Türen, die wir abermals aufschließen müssen, nur um dort dann wieder hinter jedem einzelnen Zugang weitere Pforten zu abermals neuen Toren zu finden“, sagte ein chemischer Forscher zu mir, einer der gottgleichen Schöpfer des künstlichen Universums. (…)

    Es scheint, als sei hinfort der Sinn all dieses Schaffens nur wieder neues Schaffen. Produktion ruft nach immer mehr Produktion, jede Erfindung nach weiteren Erfindungen, die vor den Folgen der vorhergehenden Neuschöpfung schützen sollen. Der Mensch kommt nicht mehr zum Genuß der Welt. Er verzehrt sich in Angst und Sorge um sie. Kein Glücksgefühl und kein »Hosianna« begleiten den neuen Schöpfungsakt.

    Diese Unzufriedenheit mit der menschengeschaffenen »neuesten Welt«, die heute in den Vereinigten Staaten oft schon so deutlich empfunden wird, daß sie zu einem Schwelgen in Furcht- und Untergangsphantasien ausartet, scheint mir eines der hoffnungsvollsten Zeichen für die Zukunft Amerikas. Zivilisationspessimismus ist nicht mehr nur die modische Pose eines kleinen Kreises von Künstlern und Intellektuellen, sondern der weitverbreitete Ausdruck tiefer Besorgnis und überall erwachender Kritik geworden.

    Noch lebt allerdings dieser Zweifel meist in der gleichen Brust dicht neben dem alten maßlosen Geist eines übermütigen, vieles wagenden und alles erhoffenden Tätertums. Aber je lauter die Glückspropaganda wird, je provokanter das Lächeln der Zufriedenheit und der betonte Stolz auf den »höchsten Lebensstandard der Welt«, desto quälender werden auch die Bedenken.

    Es gibt viele, die sich einfach ins Amüsement, in die Sexualität, den Alkohol oder die Neurose flüchten, um mit dem Unbehagen fertig zu werden, die sogenannten »escapists«. Es gibt andere, die resignieren, und einige wenige, die bewußt gegen die Entwicklung zu einem totalitären, inhumanen, technisierten Massenleben ankämpfen. Bestrebungen zur Vermenschlichung der Arbeit, zur Anpassung der Maschinen an die menschliche Psyche, zur Dezentralisierung und Humanisierung der großen Städte sind im Gang.

    Aber all das hat vorläufig noch einen spielerischen oder sektiererischen Zug. Die große Geistesänderung, die sich durch Wiederanerkennung menschlicher Begrenzung und das Wiederfinden des Maßes ausdrücken müßte, ist bisher ausgeblieben. Da hilft kein messianisches Predigen, keine Ungeduld. Diese Wandlung kann wohl nur aus bitterster Erfahrung kommen. Erst wenn der krampfhafte Griff nach der Allmacht sich einmal löst, wenn die Hybris zusammenbricht und der Bescheidenheit Platz macht, dann wird Amerika von dem wiederentdeckt werden, den es vertrieben hat: Von Gott.

    Aus: Die Zukunft hat schon begonnen. Amerikas Allmacht und Ohnmacht. Hier zit. n. Heyne-Neuausgabe, München 1990, S. 24-27.

    Abdankung der Kultur (1955)

    In seiner Kritik am naturwissenschaftlich-technischen Fortschrittsglauben war Robert Jungk wesentlich vom Denken Albert Schweitzers beeinflußt, über den er 1955 – was nur wenige wissen – eine Biographie verfaßte. Aufgrund der vertraglichen Bindung an den Verlag des ersten Bucherfolges »Die Zukunft hat schon begonnen« mußte diese unter Pseudonym – Jungk wählte den Namen Jean Pierhal – erscheinen. Im Vorwort, das er unter seinem richtigen Namen verfassen durfte, hebt Jungk Schweitzers Kritik am „Versagen der Philosophie“ und der „Abdankung der Kultur“ im naturwissenschaftlichen Zeitalter hervor, eine Kritik, die das Weltbild des Schweitzer-Biographen wohl nachhaltig geprägt hat.

    (…) Um die Mitte des neunzehnten Jahrhunderts, so stellt Schweitzer fest, habe die Abdankung der Kultur gegenüber der Wirklichkeit begonnen. Kampflos und lautlos habe sich dieses schicksalsschwere Ereignis vollzogen, und die meisten Zeitgenossen hätten es nicht einmal bemerkt. „Wie ging dies zu?“ fragt Schweitzer. Seine Anklage lautet klipp und klar: „Das Entscheidende war das Versagen der Philosophie.“

    Nie hätte ich gedacht, daß der freundliche Professor mit dem etwas wirren vollen Haar und dem spitzbübischen Augenzwinkern eine so scharfe Klinge schlagen könnte. Schon um die Jahrhundertwende hatte er dem gedankenlosen Optimismus seiner Zeitgenossen nicht getraut, sondern tief beunruhigt die klaren Vorzeichen kommenden Unheils bemerkt. Der Erste Weltkrieg überraschte ihn darum nicht, sondern schien ihm nur die nun jedermann sichtbare Folge des fortschreitenden Kulturverfalls zu sein. Unmittelbar nach dem Kriege kündigte Schweitzer warnend eine zweite Katastrophe an. Die Selbstvernichtung der Kultur gehe weiter, erklärte er. Das, was von ihr noch stehe, sei nicht mehr sicher, ein neuer Erdrutsch könne es mitnehmen.

    Und über drei Jahrzehnte später, als auch die zweite schmerzliche Prophezeiung sich erfüllt hat, stößt Albert Schweitzer dann zum dritten Male seine Warnung aus. Er steht, nun fast achtzig Jahre alt, schon sehr müde, aber doch immer noch aufrechterhalten vom Gefühl der Verantwortung für seine Mitmenschen, in der Aula der Universität Oslo und ruft aus:

    „Wagen wir es, der Situation ins Gesicht zu sehen! Der Mensch ist zum Übermenschen geworden. Er ist nicht nur deshalb ein Übermensch, weil er über angeborene physische Kräfte verfügt, sondern weil er darüber hinaus, dank der Errungenschaften der Wissenschaft und Technik, die in der Natur schlummernden Kräfte beherrscht und zu nutzen versteht … Aber der Übermensch … hat sich nicht auf das Niveau übermenschlicher Vernunft erhoben, die dem Besitz übermenschlicher Kraft entsprechen sollte … Der Übermensch wird, im gleichen Maße wie seine Macht sich vergrößert, mehr und mehr ein armer, armer Mensch. Um sich nicht der Zerstörung, die von oben auf ihn herunterprasselt, völlig auszusetzen, muß er sich unter die Erde eingraben wie die Tiere des Feldes … Die wesentliche Tatsache, die unser Gewissen aufrütteln muß und der wir schon seit langer Zeit eingedenk sein sollten, ist, daß wir um so unmenschlicher werden, je mehr wir zu Übermenschen emporwachsen.“

    Die Größe Albert Schweitzers zeigt sich nun darin, daß es ihm nicht genügte, seit Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts besorgt zu beobachten und zu diagnostizieren, sondern auch intensiv über Mittel zu ihrer Heilung nachzudenken. Woran lag es denn, daß die Philosophie des neunzehnten Jahrhunderts ihre führende kulturgründende Stellung eingebüßt hatte? Wie hatte es kommen können, daß die Naturwissenschaften mit ihrem Riesenkind Technik unmenschlich wurden? Schweitzer glaubte die Ursache des Leidens in einer wichtigen Mangelerscheinung gefunden zu haben: dem Fehlen ethischer Ideen, ohne die keine lebensbejahende, lebenserhaltende und lebensfördernde Kultur gedeihen könne. Aus der Erkenntnis der Welt, wie sie wirklich ist – und um diese Erkenntnis haben sich bisher Philosophie wie Naturwissenschaften hauptsächlich bemüht – sei allerdings keine ethische Weltanschauung zu gewinnen. (…)

    Aus: Vorwort zu: Albert Schweitzer. Biographie. Hier zit. n. Neuausgabe 1979, S.8f.

    Heller als tausend Sonnen (1956)

    Wohl als erster hat Robert Jungk die Geschichte der Atombombe und ihrer Träger beschrieben. Die aus intensiven Recherchen und zahlreichen persönlichen Gesprächen mit Atomforschern zusammengetragenen, 1956 unter dem Titel »Heller als tausend Sonnen« erschienenen Reportagen mach(t)en deutlich, daß sich NaturwissenschaftlerInnen nicht länger auf ihre »Grundlagenforschung« berufen können, sondern Verantwortung zu tragen haben für die technischen, sozialen und politischen Folgen ihres Tuns. »Heller als tausend Sonnen« schildert detailreich den Werdegang der Atomforschung von den ersten Kernspaltungsversuchen über den Bau der ersten Atombombe bis hin zur Entwicklung der amerikanischen Wasserstoffbombe, zu der Präsident Truman 1950 den Startschuß gab.

    Drei Widerstände waren es, die ich in fast allen diesen Unterhaltungen zu überwinden hatte. Erstens die Befürchtung des Befragten, durch seine Äußerungen einen oder mehrere seiner noch lebenden Kollegen zu verletzen. (…) Ein zweiter Einwand, den ich hörte, war der, daß ich als jemand, der selbst der »Familie der Atomphysiker« nicht angehörte, unmöglich ihre wahre Geschichte erfassen könnte. Das mochte am Anfang meiner Recherchen wirklich so sein. Je weiter ich aber in die Materie eindrang, desto klarer wurden mir die persönlichen und historischen Bezogenheiten dieser Menschen, ja es stellte sich heraus, daß ich schließlich mehr Übersicht über den Gesamtablauf dieses Schicksals einer besonders wichtigen und einflußreichen Gruppe besaß als die meisten einzelnen, die mir ihre Erlebnisse und Ansichten anvertrauten. Denn sie hatten ja – abgesehen von ganz wenigen Ausnahmen – nur den eigenen Abschnitt des Geschehens sehen können, während der Chronist aus seiner Kenntnis zahlloser Einzelheiten die Verknüpfung der Ergebnisse und ihre, den Handelnden selbst meist unbekannte, wechselseitige Einwirkung aufeinander übersah. Oft blieb es daher nicht nur bei einer Unterhaltung mit den Befragten. Ich mußte, geleitet durch die Angaben eines zweiten und dritten, wieder zu meinem ersten Unterredner zurück, um Klarheit über gewisse Punkte zu erhalten, die er selbst aus seiner mangelnden Kenntnis des Gesamtbildes für unwichtig gehalten und daher gar nicht erwähnt hatte.

    Eine dritte Schwierigkeit, der ich begegnete, war die bei zahllosen Wissenschaftlern vorherrschende Einstellung, die private, die menschliche Geschichte der Wissenschaftler sei doch unwichtig. Was zähle, sei nur ihre objektive Leistung. Hier zeigte sich eine Haltung, die recht eigentlich viele der in diesem Buche beschriebenen Gewissensqualen und Tragödien heraufbeschworen hat. Der Wissenschaftler, der meint, daß er – oder seine Kollegen – nichts anderes sei als ein »Werkzeug der Erkenntnis«, dessen persönlicher Charakter, dessen Ambitionen, Hoffnungen und Zweifel »nichts bedeuteten«, denkt in Wahrheit unwissenschaftlich. Denn er ignoriert einen wichtigen, vielleicht den ausschlaggebenden Teil des wissenschaftlichen Experimentes, nämlich sich selbst, oder glaubt, ihn willkürlich ausschalten zu können. Nur durch diese künstliche, erzwungene und unnatürliche Loslösung der wissenschaftlichen Forschungsarbeit von der Wirklichkeit des einzelnen Menschen konnten ja überhaupt Monstren wie die Atom- und Wasserstoffbomben entstehen. (…)

    Viele Forscher denken heute nicht mehr so. Sie wissen, daß sie nicht nur »Gehirne«, sondern ganze Menschen mit ihren Schwächen, ihrer Größe und ihrer Verantwortung sind. Dieser großen Gewissenskrise in ihrer Entstehung, im Versuch ihrer Meisterung nachzuforschen und sie dann trotz vieler einander widersprechender Aussagen so wahrheitsgetreu wie möglich aufzuschreiben, das war mein Bemühen.

    Aus: Heller als tausend Sonnen. Das Schicksal der Atomforscher. Hier zit. nach Heyne-Neuausgabe, München 1990, S. 20-22.

    In einer Neuauflage dieses Buches in den 60er Jahren würdigt Jungk insbesondere auch jene, die sich nicht nur sehr bald von der militärischen Nutzung der Atomspaltung distanzierten, sondern vor deren Gefahren auch öffentlich warnten, etwa im Zusammenschluß der von Albert Einstein und Bertrand Russel gegründeten Pugwash-Bewegung.

    Im Juli 1957 trafen also hier in diesem altertümlichen Nest an der Meeresenge von Northumberland zweiundzwanzig »Männer guten Willens aus Ost und West« ein, um unter sich, ohne zu starren Stundenplan und vor allem ohne Einsichtnahme der Öffentlichkeit, also ohne Furcht vor Beobachtung, alle möglichen Wege für eine Atomabrüstung zu debattieren. Ähnliche Konferenzen finden seither jährlich ein- bis zweimal statt. Es gab Treffen in Kanada, England, Österreich, aber auch in der Sowjetunion, in Jugoslawien und den USA. Allen war die verhältnismäßig kleine Anzahl von Eingeladenen und die bewußte Ausschaltung von Presseberichterstattern gemeinsam.

    An den »Pugwash-Treffen« nahmen aber nicht nur Atomphysiker, sondern auch Biologen, Völkerrechtler, Militärwissenschaftler, Soziologen, Historiker teil. Auf diese Weise werden bei diesen Veranstaltungen nicht nur Brücken von der »offenen Welt des freien Westens« zu der »geschlossenen und dirigierten Welt des Ostens« geschlagen, sondern auch wichtige und fruchtbare Verbindungen zwischen hochspezialisierten Wissensgebieten. Ohne besondere Absicht dienen diese Veranstaltungen damit dem heute überall spürbar werdenden Zug zu einem neuen Universalismus, der den »Fachmann« nur noch als eine besonders überentwickelte Seite des »ganzen Menschen« gelten läßt.

    Die Referate und ein Teil der Debatten werden jeweils in einem Band gesammelt, der jedoch nicht in Buchform veröffentlicht, sondern nur als vertrauliches Zirkular an die Regierungen der mit Atomfragen beschäftigten Länder gesandt wird. Dies mag manchen Leuten als ein etwas mageres Resultat erscheinen. Aber geistige Erleuchtung kann nun einmal nicht so geschwind »angeknipst« werden wie elektrisches Licht. Neue Gedanken, die der durch die Kernspaltung und ihre Konsequenzen geschaffenen »radikal veränderten Wirklichkeit« gerecht werden, können nur allmählich entstehen. Auch sie müssen erst sorgfältig auf dem Versuchsfeld der Diskussion »getestet« werden, auch sie haben erst durch eine lange Reihe von Experimenten zu gehen, ehe sich ihre Richtigkeit erweist.

    Noch langsamer vielleicht bewegt sich der »Strom«, der in solchen geistigen Zentralen erzeugt wird, durch die »Drähte« der Mitteilung in Zeitung, Zeitschrift, Buch und Gespräch. Ganz allmählich und auf kaum wahrnehmbare Weise dringen Ideen überall ein, werden Allgemeingut, bestimmen die Handlungsweise derer, die an der Macht sind.

    Man hat oft ein wenig mitleidig, ja geradezu spöttisch über die Bemühungen der Wissenschaftler gesprochen, die versuchten, den in ihren Laboratorien geborenen Dämon »Atomwaffe« wieder zu zähmen. Aber versuchen wir uns einmal vorzustellen, was geschehen wäre, wenn die Atomwissenschaftler nach 1945 über die erschütternde Natur ihrer Erfindung geschwiegen hätten oder wenn sie gar auf diese ihre Leistung stolz gewesen wären. Dann hätte die Öffentlichkeit vielleicht den Untergang von Hiroshima fast ebenso schnell vergessen wie den Untergang von Coventry, Hamburg und Dresden. Das Publikum hätte nicht einmal geahnt, in welch neue Ära der unerhörten Gefahren es eingetreten war. Dies aber hätte bedeuten können, daß die Regierungen, ungehindert durch eine erschreckte und daher vorsichtig gewordene öffentliche Meinung, der Versuchung, gewisse »gordische Knoten« der Politik mit atomaren Schwertstreichen zu durchschlagen, nachgegeben hätten. Gewiß, die Atomforscher haben ihr Ziel einer wirklichen Kriegsächtung nicht erreicht. Aber sie haben doch durch ihre wiederholten Warnungen mehr als einmal fatale Ereignisse, die in einen neuen großen Krieg hineinzuführen scheinen, bremsen helfen.

    Aus: Heller als tausend Sonnen. Das Schicksal der Atomforscher. Hier zit. nach Heyne-Neuausgabe, München 1990, S. 376f.

    Strahlen aus der Asche (1958)

    „Strahlen aus der Asche«, der 1958 erschienene, in viele Sprachen übersetzte Bericht Robert Jungks über die Folgen der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki wird zum mahnenden Zeugnis wider den Irrsinn des nuklearen Wettrüstens. Über zahlreiche Gespräche mit Überlebenden, den »hibakusha«, rekonstruiert der Autor das von der US-Army lange Zeit beschönigte Ausmaß der Zerstörung und schildert insbesondere die Langzeitfolgen der radioaktiven Verstrahlung. Drei kurze Textausschnitte sollen Einblick geben in dieses wichtige, im Grunde – so ist aus der Autobiographie Jungks zu erfahren – als Beitrag gegen die Mitte der 50er Jahre einsetzenden Atomwaffenaspirationen Westdeutschlands und das »kollektive Wegschauen« der Bürger verfaßte Buch (Trotzdem, S. 305f.). Der ungeschminkten Beschreibung der »Katastrophe« folgen Reflexionen über die Bedeutung von »Hiroshima« für die Anti-Kriegsbewegung sowie für Jungks weiteres politisches Engagement.

    (…) Fotoreporter Haruo Hioshyi von Hiroshimas bedeutendster Lokalzeitung »Chugoku Shimbun« ist damals mit seiner Kamera kreuz und quer durch die verwüstete Stadt gezogen, aber auf den Auslöser drückte er nur ganz selten. „Ich schämte mich, im Bilde festzuhalten, was meine Augen da sehen mußten“, hat er mir später erklärt.

    Hätte er seine edle Scheu nur überwunden! Der Nachwelt wäre dann eine zutreffendere Vorstellung von der Wirkung der »neuen Waffe« vermittelt worden, als es jene vielverbreiteten Fotos vermögen, die das Hiroshima nach der Katastrophe fast immer als menschenleere Trümmerwüste zeigen. Denn es war kein schneller, kein totaler Tod, kein Massenherzschlag, kein plötzliches Ende mit Schrecken, dem diese Stadt verfiel. Solch gnadenvoll geschwindes Auslöschen, wie es selbst gemeinen Verbrechern zuteil wird, ist den Männern, Frauen und Kindern von Hiroshima nicht gewährt worden. Sie waren zu qualvoller Agonie, zu Verstümmelung, zu endlosem Siechtum verurteilt. Nein, Hiroshima war während der ersten Stunden und auch noch Tage »danach« kein stiller Friedhof, nicht stumme Anklage nur, wie es die irreführenden Ruinenbilder vermuten lassen, sondern eine Stätte hunderttausendfacher Bewegung, millionenfacher Marter, morgens, mittags, abends erfüllt von Geheul, Geschrei, Gewimmer und verstümmeltem Gewimmel. Alle, die noch laufen, gehen, humpeln oder auch nur kriechen konnten, suchten nach irgend etwas: nach ein paar Tropfen Wasser, nach etwas Nahrung, nach Medizin, nach einem Arzt, nach den jämmerlichen Resten ihrer Habe, nach einem Unterschlupf. Und nach den Unzähligen, die nun nicht mehr leiden mußten, nach den Toten. (…)

    (…) Viele Bewohner von Hiroshima können jetzt von sich sagen, ihre »Taschen seien warm« vom frischverdienten Geld. Fast jeden Abend gehen die großen Flutlichtlampen über dem diamantförmigen neuen Baseballstadion strahlend auf, und dennoch sind die Tribünen bei Nachtspielen fast immer ausverkauft. Hiroshima ist mit seinen 51 Lichtspieltheatern die Stadt mit der zweitgrößten »Kinodichte« Japans.

    Sollte man, so fragen sich einige der eifrigsten Förderer des »neuen Hiroshima«, nun nicht einmal einen Strich unter die Vergangenheit ziehen und versuchen, »jenen Tag« endlich ganz zu vergessen? Sie würden am liebsten sogar das Symbol des »Pikadon«, das kahle Gerüst der »Atomkuppel« (die bisher nicht unter Denkmalschutz steht) abreißen, damit der Anblick dieser Ruine die zukunftsfreudigen Neubürger Hiroshimas nicht länger auf traurige Gedanken bringe.

    Doch eine solche »Zerstörung der Zerstörung« würde gerade in Hiroshima ihren beruhigenden Zweck nicht erreichen. Überall sonst auf der Welt können sie vielleicht so tun, als sei der letzte Krieg schon ein Stück Geschichte, und daher sogar die Möglichkeit eines neuen Krieges in ihre Kalküle einbeziehen. Aber hier in Hiroshima hat die Vergangenheit noch nicht aufgehört, hier bringt sie sich unaufhörlich, mit jedem Strahlenkranken, dessen Leiden nach jahrelanger Gnadenfrist neu aufflackert, wieder in Erinnerung.

    Hiroshima mahnt zum Frieden, nicht etwa, weil es das Wort »Heiwa« (Frieden) wie ein Reklameetikett auf alles und jedes klebt, sondern weil es eine ganz schwache Ahnung davon gibt, wie diese unsere Erde nach einem Atomkrieg aussehen würde. Es bliebe vermutlich keine völlig ausgestorbene, menschenleere Wüste zurück, sondern ein einziges, riesiges Spital, eine Welt der Kranken und Versehrten. Noch Jahrzehnte, Jahrhunderte nach dem letzten Schuß müßten die Überlebenden an einem Streit zugrunde gehen, dessen Ursachen sie oder ihre Nachkommen dann vermutlich schon längst vergessen haben.

    Nicht die monumentalen Repräsentationsbauten sind Hiroshimas Mahnmale, sondern die Überlebenden, in deren Haut, Blut und Keimzellen die Erinnerung an »jenen Tag« eingebrannt ist. Sie sind die ersten Opfer einer ganz neuen Art von Krieg, der niemals durch Waffenstillstands- oder Friedensverträge abgeschlossen werden kann, des »Krieges ohne Ende«, der, über seine Gegenwart hinausgreifend, auch die Zukunft in den Kreis der Zerstörung hineinzieht. (…)

    (…) Der Autor muß bekennen, daß die Bemühung, die Nachkriegsgeschichte Hiroshimas kennenzulernen und aufzuschreiben, auch seinem eigenen Leben einen neuen Sinn gegeben hat. Als ich nach Hiroshima reiste, kam ich als Reporter, der die interessante Geschichte einer fremden Stadt aufschreiben wollte. Aber je länger ich mich mit dieser Story beschäftigte, um so klarer wurde mir, daß ich nicht außerhalb und über ihr stand, sondern ein Teil von ihr war.

    Auch ich bin nämlich ein »Überlebender«, der, wenn es das Schicksal nicht zufällig anders gewollt hätte, in einem der Massenvernichtungslager des Dritten Reiches umgekommen wäre. Und nun suchte ich am anderen Ende der Welt, am Rande Ostasiens, Antwort auf eine Frage, die mir mein eigenes Leben gestellt hatte. Diese Frage heißt: „Was haben wir, die Überlebenden des Zweiten Weltkriegs, bisher getan, um unsere Rettung zu rechtfertigen?“ Ich hatte die Tatsache, verschont geblieben zu sein, jahrelang genauso gedankenlos hingenommen wie viele andere. Dann aber traf ich die Atomopfer von Hiroshima und erhielt durch sie eine Vorahnung des neuen Unheils, das auf uns zukommt. Seither weiß ich, daß wir, die Generation derer, die »noch einmal davongekommen sind«, unsere ganze Kraft darauf verwenden müssen, daß unsere Kinder nicht nur so zufällig überleben wie wir. Finde jeder seinen Weg, für die Bewahrung des Lebens zu kämpfen. Nur ernst muß es ihm sein.

    Aus: Strahlen aus der Asche. Geschichte einer Wiedergeburt. Hier zit. nach Heyne-Neuausgabe München 1990, S. 30f., S.312f., S. 317.

    Drei Kräfte im Kampf gegen die atomare Gefahr (1961)

    Immer weniger hält es Jungk am Schreibtisch. Er beteiligt sich an Demonstrationen und Kundgebungen, etwa an der Ostermarsch-Bewegung gegen die Atomrüstung. In unzähligen Versammlungen warnt er vor der atomaren Gefahr und ruft zum Widerstand auf. Der folgende Textausschnitt, der einer in einer JUSO-Broschüre festgehaltenen Rede aus dem Jahr 1960 entnommen ist, argumentiert an einem Beispiel gegen die Resignation der BürgerInnen gegenüber den Herrschenden und ihrer Militärtechnokratie, ein Anliegen, das immer stärker Jungks Äußerungen bestimmt und bereits den »Zukunftsdenker« andeutet. Als die »drei Kräfte im Kampf gegen die atomare Gefahr« benennt er Wissen, Kritik und Widerstand sowie die Gestaltung von Zukunftsentwürfen.

    Liebe Freunde, vor allen Dingen auch liebe Freunde aus dem Ausland!

    Manchmal kommt man sich sehr alleine vor und dann geschieht so etwas wie heute Abend hier. Das ist einmal, daß Freunde aus dem Ausland hier mit einem sitzen und daß man merkt, daß man nicht so allein ist, daß man Teil eines Freundschaftskreises ist, eines Kreises von Menschen, die es in der ganzen Welt heute gibt, die vernünftig sind und die es wagen, gegen zwei Dinge anzugehen : Einmal gegen die Regierungen, die sie verketzern, zum zweiten aber, und das scheint mir das Wichtigere, gegen die Resignation. Ich glaube, mehr noch als die Atombombe gefährdet uns heute die Resignation. Die Resignation, die uns einflüstert, es hat doch alles keinen Zweck. Die Zukunft entwickelt sich mechanisch, sie entwickelt sich, ohne daß wir etwas dazu tun können, um sie zu gestalten. Sie geht, sie treibt wie ein führerloses, jedenfalls nicht von uns gelenktes Schiff, wie ein Zug, der ins Dunkle rast, einem Ende zu, und wir haben gar keine Macht darüber, wir können nichts tun.

    Der Anti-Atomkampf ist erfolgreich

    Ich stehe nun hier, weil ich glaube, wir können etwas tun. Es ist nicht einfach, aber wir müssen es versuchen. Und es ist keineswegs so, wie viele Leute glauben, daß die Anti-Atombewegung bisher keine Erfolge hatte. Gäbe es die Anti-Atombewegung in der ganzen Welt nicht, so wären die Dinge heute schon viel weiter auf die Spitze getrieben, so wären wir vielleicht heute schon nicht mehr am Leben. Das klingt wie eine Behauptung nur, und ich möchte Ihnen dazu eine Geschichte erzählen, ein historisches Ereignis, das viel zu wenig bekannt ist. Ich selbst verdanke diese Information dem englischen Nobelpreisträger Philipp Noel-Baker. Er hat sie mir vor zwei Jahren auf der sogenannten Pugwash-Konferenz in Kitzbühel erzählt. (…)

    Im Indochchina-Krieg war die Festung Dien-Bhien-Phu von Kommunisten belagert, die französische Besatzung war eingeschlossen und stand vor der Kapitulation. Damals hieß es in der ganzen Welt, wenn diese Festung fällt, dann fällt ganz Süd-Ostasien an den Kommunismus. Man sprach davon (in der Zeitschrift »Times« z.B. ), daß diese Festung wie ein Pfropfen in einem bereits unter schwerem Wasserdruck stehenden Damm steckt und daß man alles tun müsse, um zu verhindern, daß dieser Pfropfen herausspringe. Denn dann würde der ganze Damm gegen den Kommunismus zerstört und die Kommunistische Flut würde sich über ganz Asien ergießen. (Das ist nicht der Fall gewesen. Man spricht heute von ähnlichen Dingen im Zusammenhang mit Berlin. Man möchte immer gern übertreiben und behaupten, diese eine Sache hätte den Untergang der freien Welt zur Folge.)

    Ein Atomkrieg wurde verhindert

    In dieser, von der eigenen Propaganda hochgespielten Situation, in dieser psychologischen Lage, verlangte der französische Oberbefehlshaber, General Ely, von den Amerikanern eine taktische Atombombe zur Entlastung der belagerten Festung. Er wollte sie einsetzen, um dann in die Bresche hineinzuspringen und die Front wieder herzustellen und die Kommunisten wieder zu vertreiben. Sein Vorgesetzter in der Befehlslinie war Admiral Redford, der Chief of Joint Staff. Dieser amerikanische Admiral, ein Heißporn, hat damals von sich aus gleichfalls den Einsatz der taktischen Atombombe empfohlen. Er mußte sich aber glücklicherweise an Präsident Eisenhower wenden, und Eisenhower, an dem man viel kritisieren kann, hat doch in diesem einen Fall gezeigt, daß er ein überlegender Mensch ist. Ich bin nicht sicher, daß Truman so ruhig geblieben wäre. Er war jemand, der zu sehr brüsken Entschlüssen fähig war und manchmal sehr unvernünftige Entscheidungen getroffen hatte. Eisenhower hat sich diese Sache überlegt und sich gesagt, ich muß fairerweise zunächst einmal meine englischen Verbündeten konsultieren. Er hat Eden gefragt, ob die Engländer einverstanden wären, daß eine solche taktische Atombombe in Indochina eingesetzt würde. Und jetzt kommt der Punkt, auf den ich hinaus will. Jetzt kommt das, wovon ich sprechen möchte und weshalb bereits Erfolge der Anti-Atombewegung erzielt worden sind. Eden hat damals dem Präsidenten Eisenhower erklärt: „Selbst wenn der Einsatz dieser taktischen Bombe unsere Situation in Asien retten würde, kann ich den Einsatz dieser Bombe vom englischen Standpunkt aus nicht erlauben. Unsere öffentliche Meinung würde den Einsatz dieser Waffe nicht gutheißen können, und ich kann infolgedessen meine Zustimmung nicht geben.“

    Ich erzähle Ihnen das, um Ihnen zu zeigen, daß die Atomgegner durch ihren Protest, durch ihren sichtbaren Widerstand gegen die Atomrüstung erreicht haben, daß ein konservativer, also ein ihnen parteimäßig entgegengesetzter Ministerpräsident, nicht wagen konnte, im Namen des englischen Volkes dem Einsatz einer Atomwaffe zuzustimmen. Hätte Eden sich damals einverstanden erklärt, wäre diese Bombe geworfen worden, und wir wären sofort in den Atomkrieg hineingeschlittert.

    Aus: Robert Jungk / Fritz Vilmar: In der Todeskurve. Eigenverlag, Frankfurt 1961, S. 5-7.

    Den Frieden antizipieren (1970)

    Unter Hinwendung zu der in den 60er Jahren an Bedeutung gewinnenden Zukunftsforschung – 1965 gründet Robert Jungk sein erstes Institut für Zukunftsfragen in Wien – fordert der unermüdliche Mahner vor den Gefahren des nuklearen Wettrüstens zivile Lookout-Institutionen und Zukunftsprogramme zur Sicherung des Weltfriedens. „Wer den Frieden will, muß den Frieden vorbereiten und nicht den Krieg“, heißt es in einem 1970 erscheinenden Aufsatz, in dem Jungk sechs, sein Politikverständnis treffend widerspiegelnde Prioritäten für eine weltweite Friedensgestaltung anführt und einen »aktiven Pazifismus« einfordert.

    (…) Wer den Frieden will, muß den Frieden vorbereiten und nicht den Krieg. Das heißt, der Mensch hat die Reihenfolge der Prioritäten, in denen er auf Grund seiner neuen Weltkenntnis handeln könnte, zu verändern und antizipatorisch Zielmodelle einer besseren Welt sowie Strategien, die zu ihrer Verwirklichung führen können, zu entwickeln: nicht nur mit konstruktiver Phantasie, sondern auch mit einem mit Datendichte, Konkretheit und Präzision befähigten Apparat. Nur wenn derartige konkrete, wahrscheinliche, mögliche, durch Fakten gestützte Modelle als Gegenstücke zu den Modellen der Denkfabriken wie Rand u.a.m. von friedlichen Denkfabriken entwickelt werden, wird es möglich sein, die Vorherrschaft des militärisch-industriellen Denkens wirksam zu bekämpfen. Vergessen wir eines nicht: nur derjenige, der Modelle formt, der sie so genau, so präzise und mit einem solchen Maß an Wissen und Brillianz zu formulieren versteht, wie es die Wirtschafts- und Militärstäbe heute können, deren Fähigkeiten man gar nicht hoch genug einschätzen kann, wird Einfluß gewinnen können. Heute ist es so, daß auf der einen Seite hochentwickelte, in der Technik außerordentlich brilliante und vorwärtsweisende Arbeit getan wird und auf der anderen dem nichts vergleichbares gegenübersteht; dadurch ist es beinahe unausweichlich, daß die Welt in eine große Kaserne verwandelt wird, daß die Welt nichts anderes mehr antizipieren kann als Konflikte (…). Es fragt sich nur: Wo sind die Gegenmodelle, wo die Gegenauffassungen?

    Ich möchte hier nur anführen, welche Modelle, welche Zielvorstellungen von zivilen Institutionen von der Art, wie ich sie vorschlage, zuerst erarbeitet werden müßten. Dabei möchte ich eine andere Reihenfolge der Prioritäten anführen, als sie bis jetzt gültig ist.

    1. Die Beseitigung der Armut und des Hungers in der Welt.
    2. Die Weiterentwicklung der dritten Welt.
    3. Die Fragen der wirtschaftlichen und politischen Mitbestimmung weiter Kreise.
    4. Die Möglichkeit einer Hebung des Bildungsniveaus und damit eine Hebung der Entscheidungsfähigkeit vieler.
    5. Die Entwicklung sinnvoller Arbeitsmöglichkeiten in einer Epoche der Automation.
    6. Die Erfindung neuer Methoden der internationalen Zusammenarbeit zur friedlichen Lösung von Interessenkonflikten.

    Zu allen diesen Vorschlägen, die von friedlichen Denkgruppen erarbeitet werden sollten, ließen sich ganz konkrete Gedanken äußern. Gewiß wurde darüber schon viel gesprochen, doch was ich vorschlage, ist eine neue Methode, und zwar in folgender Richtung:

    1. Die Debatte über diese Themen muß auf einem höheren Niveau der Informiertheit erfolgen als bisher; sie müßte durch Institutionen unterstützt werden, die wie die Planungsstäbe von Industrie und Militär über eigene Möglichkeiten der selbständigen Datenaufnahme und Datenverarbeitung verfügen. Derartige »Lookout«-Institutionen, die ausschließlich nicht-kriegerischen Aufgaben zu dienen hätten, sind die unentbehrliche Voraussetzung konkreter Friedensplanung; sie sind längst überfällig.

    2. Bei der Vorbereitung solcher Friedensmodelle und Friedensstrategien dürfte sich die Phantasie nicht von der Fülle der Fakten erdrücken lassen. Das Abhängigkeitsverhältnis des sozialen Erfinders von den Fakten wäre mit der des Bildhauers von seinem Material zu vergleichen, aber nur bis zu einem gewissen Punkt: denn durch die Herausarbeitung, durch die Erfindung neuer Konzepte könnte sich Material zur Verwertung erst anbieten, das bisher überhaupt nicht betrachtet wurde. Ich meine, daß z.B. gewisse psychologische Probleme und psychische Fakten heute von denen, die sich mit der Zukunft befassen, nicht als Fakten anerkannt werden, das ist ihnen zu »luftig«, das nehmen sie noch nicht wahr, und sie sehen nicht, daß sie diese psychologischen Gegebenheiten in ihre Modelle hineinnehmen müßten.

    Gerade bei diesem Erfinden, bei dieser Kombination von Phantasie und Fakten bietet sich die Möglichkeit an, radikale, interessante, wenn man will, auch »verrückte« Ideen durchzuspielen mit diesem neuen Apparat, mit all diesen neuen Techniken, mit denen man versucht, zukünftige Situationen heute schon im Spiel, im Studium oder mit Hilfe von neuen Geräten faktisch und nah vorzustellen.

    (…)

    Aus: Antizipation des Friedens. In: Oskar Schatz (Hg.): Der Friede im nuklearen Zeitalter. Eine Kontroverse zwischen Realisten und Utopisten. München 1970, S. 188-190.

    Der Atomstaat (1977)

    Die Erkenntnis, daß friedliche und militärische Nutzung der Atomenergie nicht von einander zu trennen sind, macht Jungk zum Fürsprecher auch jener Bewegung, die sich Mitte der 70er Jahre mit dem Widerstand gegen neue Atomkraftwerke in der BRD bildet und unter dem Motto »Atomkraft – Nein danke« den generellen Ausstieg aus der Atomindustrie fordert. Das 1977 erscheinende Buch »Der Atomstaat« – es wurde 1994 übrigens ins Tschechische übersetzt – thematisiert die Risiken von Atomkraftwerken, Wiederaufbereitungsanlagen und Uranlagerstätten sowie die Auswirkungen der notwendigen »Schutzmaßnahmen« auf die demokratische Gesellschaftsordnung. »Atome für den Frieden« unterscheiden sich prinzipiell nicht von »Atomen für den Krieg« heißt es im Vorwort zu diesem Buch, das nicht nur durch die sich häufenden Fälle des Schmuggels von waffenfähigem Plutonium seine Aktualität behalten hat.

    Mit der technischen Nutzbarmachung der Kernspaltung wurde der Sprung in eine ganz neue Dimension der Gewalt gewagt. Zuerst richtete sie sich nur gegen militärische Gegner. Heute gefährdet sie die eigenen Bürger. Denn »Atome für den Frieden« unterscheiden sich prinzipiell nicht von »Atomen für den Krieg«. Die erklärte Absicht, sie nur zu konstruktiven Zwecken zu benutzen, ändert nichts an dem lebensfeindlichen Charakter der neuen Energie. Die Bemühungen, diese Risiken zu beherrschen, können die Gefährdungen nur zu einem Teil steuern. Selbst die Befürworter müssen zugeben, daß es niemals gelingen wird, sie ganz auszuschließen. Der je nach Einstellung als kleiner oder größer anzusehende Rest von Unsicherheit birgt unter Umständen solch immenses Unheil, daß jeder bis dahin vielleicht gewonnene Nutzen daneben verblassen muß.

    Nicht nur würde eine durch technisches Versagen, menschliche Unzulänglichkeit oder böswillige Einwirkung hervorgerufene Atomkatastrophe unmittelbar größten Schaden stiften, sondern über Jahrzehnte, Jahrhunderte, unter Umständen sogar Jahrtausende weiterwirken. Dieser Griff in die Zukunft, die Angst vor den Folgeschäden der außer Kontrolle geratenen Kernkraft, wird zur größten denkbaren Belastung der Menschheit, sei es als Giftspur, die unauslöschlich bleibt, sei es auch nur als Schatten einer Sorge, die niemals weichen wird.

    Solch dunkle Möglichkeiten müssen auch den Befürwortern der Atomindustrie bekannt sein. Sie sind allerdings überzeugt, sich und ihre Mitbürger schützen zu können, indem sie Sicherheitsmaßnahmen einführen, wie sie es nie zuvor gab. Müßte dieser Schutz nur technischer Natur sein, dann wäre er vor allem ein Problem der Ingenieure und – wegen seiner besonders hohen Kosten – der Ökonomen. Aber diese Erfindung der Menschen muß ja zudem so streng wie keine andere vor den Menschen selbst bewahrt werden: vor ihren Irrtümern, ihren Schwächen, ihrem Ärger, ihrer List, ihrer Machtgier, ihrem Haß. Wollte man versuchen, die Kernkraftanlagen dagegen völlig immun zu machen, so wäre die unausweichliche Folge ein Leben voll Verboten, Überprüfungen und Zwängen, die in der Größe der unbedingt zu vermeidenden Gefahren ihre Rechtfertigung suchen würden.

    Diese Konsequenzen klarzustellen und über sie nachzudenken, ist sowohl für die Gesellschaft wie für jeden einzelnen dringlich, da die sozialen und politischen Wirkungen der Kernkraft bisher hinter dem Studium der biologischen und ökologischen Effekte zurückstanden. Die folgende Schrift will dazu den Anstoß geben. Sie ist in Angst und Zorn geschrieben. In Angst um den drohenden Verlust von Freiheit und Menschlichkeit. In Zorn gegen jene, die bereit sind, diese höchsten Güter für Gewinn und Konsum aufzugeben. Man wird mit Sicherheit den Einwand erheben, über diese Problematik müsse ohne Emotionen geschrieben und gesprochen werden. Das ist die heutige Version der biedermeierlichen Beschwichtigung: „Ruhe ist die erste Bürgerpflicht.“ Wer den Ungeheuerlichkeiten, die der Eintritt in die Plutoniumzukunft mit sich bringen muß, nur mit kühlem Verstand, ohne Mitgefühl, Furcht und Erregung begegnet, wirkt an ihrer Verharmlosung mit. Es gibt Situationen, in denen die Kraft der Gefühle mithelfen muß, eine Entwicklung zu steuern und das zu verhindern, was nüchterne, aber falsche Berechnung in Gang gesetzt hat.

    Auf solch einer irrigen Kalkulation beruhte die Vorstellung, daß die zerstörerische Wirkung der Atombombe – wenn überhaupt – nur in Auseinandersetzungen zwischen Staaten ins Spiel gebracht würde. Seit kurzem aber müssen wir auf Grund eingehender Untersuchungen annehmen, daß auch innergesellschaftliche Konflikte die gefürchtete »nukleare Schwelle« einmal überschreiten könnten. Atomsabotage und Atomterror können nicht mehr ausgeschlossen werden, sobald die Menge der bei der Kernkraftproduktion anfallenden Spaltstoffe immer größer wird. Und das wird schon sehr bald der Fall sein. Besonders erschreckend ist die Einsicht, daß Gangster, Putschisten oder Terroristen mit einer solchen Waffe, wenn sie einmal in ihre Hände geriete, vermutlich viel skrupelloser umgehen würden als Staatsmänner und Generalstäbler. Die radikale Atomabrüstung, die unmittelbar nach den Schreckensstunden von Hiroshima und Nagasaki verlangt wurde, müßte daher jetzt, da die Ausweitung der »friedlichen Kernkraft« das Risiko von Atom-Bürgerkriegen näherbringt, mit noch weitaus berechtigterer Sorge gefordert werden.

    Nur wer sich Illusionen über die nukleare Zukunft hingibt, kann alle Gefahren des Mißbrauchs ausschließen. Die Vision von der perfekten inneren Sicherheit ist ein pures Wunschgebilde. (…)

    Aus: Der Atomstaat. Vom Fortschritt in die Unmenschlichkeit. Hier zit. nach rororo-TB-Ausgabe, Hamburg 1979, S. 9-11.

    Die Sehnsucht nach Frieden (1981)

    Frieden kann nur von unten geschaffen werden. Diese tiefe Überzeugung bezieht Robert Jungk insbesondere auf die Entspannung zwischen Ost und West sowie die Überwindung des Kalten Krieges. „Wenn es in den letzten 25 Jahren doch wenigsten Ansätze zu einer Entspannung und erste, wenn auch ganz ungenügende Kontroll- und Begrenzungsabkommen gegeben hat“, so führt er in einem von Stefan Hermlin einberufenen Treffen deutscher SchriftstellerInnen aus Ost und West im Jahr 1981 aus, „dann war dies weitgehend eine Folge all jener Kontakte, Initiativen, Gespräche und Konzepte, die von – und das ist wichtig – Nichtdiplomaten, von politischen Amateuren eingeleitet und fortgeführt wurden“. In seiner Rede bei diesem Treffen, das zu den Geburtsstunden der neuen Friedensbewegung der 80er Jahre zählt, weist Jungk auf die Notwendigkeit einer kritischen Gegenöffentlichkeit in Ost und West hin, er scheut dabei nicht, auch Kritik am Gastgeberland DDR zu üben. Im zweiten hier ausgewählten Ausschnitt der Rede warnt Jungk die Friedensbewegung davor, sich auf die Irrlogik des Raketenzählens der »Westentaschenstrategen« einzulassen.

    (…) Die Menschen sind aufmerksamer geworden, sie sind klüger geworden, sie lassen sich nicht mehr irreleiten. Sie wissen, was geschieht, und sie haben Erfahrungen. Und es gibt heute fast niemanden mehr, der das nicht wüßte, der nicht erfahren hätte, daß ein Krieg, wenn er heute stattfinden würde, ein Krieg wäre, der nicht wie die früheren Kriege einmal wieder überwunden werden könnte, sondern dessen Folgen Jahrhunderte, Jahrtausende dauern, ja vielleicht das Ende der Geschichte bedeuten würde. All das wissen die Menschen heute. Und weshalb wissen sie es? Ich glaube, sie wissen es, weil doch in den letzten zehn, zwanzig Jahren eine ganze Reihe von Kommunikationsnetzen über die Erde gespannt worden sind. Es gibt die offiziellen Kommunikationsnetze des Radios und des Fernsehens, es gibt aber auch, und das halte ich für so wichtig, die vielen inoffiziellen Kommunikationsnetze. Es gibt die Kommunikationsnetze der Freunde in Ost und West, es gibt die unsichtbaren Kommunikationsnetze von einem Land zum anderen, in denen man sich zuflüstert, wie es wirklich aussieht.

    Es hat sich im Westen – ich kann das nicht in bezug auf Ihr Land beurteilen, aber es wäre gut, wenn es das auch hier geben könnte – so etwas wie eine Gegenöffentlichkeit zu entwickeln begonnen, die dadurch, daß sie das sagt, was die offiziellen Kommunikationsnetze nicht wagen zu sagen, echtes Vertrauen bildet, weil sie die unterschlagene Wahrheit bekanntmacht. Wenn ich nämlich das Wort »Vertrauen« höre und gleichzeitig weiß, daß schon ein kritisches Wort bestraft werden kann, dann habe ich zu denjenigen, die ein solches kritisches Wort bestrafen, kein Vertrauen mehr, und das ist doch wohl verständlich. (…)

    (…) Ich meine aber, wir würden zu wenig tun, wenn wir hier diese strategischen Spiele weiterspielen würden, wenn wir uns als Westentaschenstrategen verstehen würden. Ich meine, was wir hier entwickeln sollten, wäre doch etwas, was uns immanent fehlt. Es wäre humanistische Phantasie, und es wäre etwas, was in Diskussionen fast überhaupt nicht mehr vorkommt, nämlich Menschlichkeit. Menschlichkeit steckt nicht in Zahlen und Statistiken und Aufrechnungen, die man der einen oder anderen Seite macht. Menschlichkeit bedeutet Mitleid, bedeutet Zärtlichkeit, bedeutet die Beobachtung des Gesichts des Menschen, das bedeutet in der Vorstellung die Vorausnahme des schrecklichen Schicksals der Menschen, wenn wir diese Menschen aus Fleisch und Blut über den Waffen und über dem strategischen Kalkül vergessen. Im Mittelpunkt dieser Veranstaltung sollte der Mensch, sollten die Menschen und ihre Aktionen stehen. Und es tut mir eigentlich leid, daß in einem Land wie der DDR – bei diesem Treffen – es nicht auch zu einer Begegnung mit durchschnittlichen Menschen kommen kann, mit diesen Menschen, mit diesem Volk, das die schwersten Opfer tragen muß, wenn es zu einem Krieg kommt, mit diesem Volk, dessen Sehnsucht nach Frieden so stark ist und dessen Sehnsucht so wachsen muß, daß der Krieg vielleicht verhindert werden kann. (…)

    Aus: Berliner Begegnungen zur Friedensförderung. Protokolle des Schriftstellertreffens vom 13./14. Dezember 1981. Hier zit. nach Zukunft zwischen Angst und Hoffnung. Heyne, München 1990, S. 246-249.

    Menschenbeben (1983)

    Vorne mit dabei ist Robert Jungk auch, als sich der Widerstand gegen die geplante Stationierung neuer atomarer »Mittelstreckenraketen« in ganz Westeuropa zur breiten Massenbewegung formiert. Er setzt große Hoffnungen in diese »Überlebensbewegung«, die sich in den Demonstrationen Hunderttausender in vielen europäischen Städten ebenso manifestiert wie in den gewaltfreien Blockadeaktionen an den Stationierungsorten wie Mutlangen, Greenham Common oder Comiso. »Menschenbeben« lautet der Titel jenes Buches, in dem Jungk sehr ergreifend diesen Widerstand als Beteiligter und engagierter Beobachter dokumentiert. In der Einleitung zu »Menschenbeben« weist Jungk auf das allmähliche Wanken der alten Festungen der Militärtechnokratien hin und hofft insbesondere auf die Abspringer, Umkehrer und Umdenker innerhalb der Herrschaftssysteme.

    (…) Ich habe mich auf die Suche gemacht nach all jenen Orten, an denen sich der Protest am eindrucksvollsten manifestierte, wollte Menschen finden, die sich von den scheinbar erstarkten politischen und technischen Machtsystemen nicht länger einschüchtern ließen, hoffte, deutliche Anzeichen für eine mögliche Rettung aus der großen Not zu entdecken.

    Jetzt, da ich diesen Erfahrungsbericht niederschreibe, bin ich trotz mancher Enttäuschungen zuversichtlicher als zu Beginn meiner »Expedition«. Die sich so stark geben, sind in Wahrheit schwächer als sie auftreten, und diejenigen, die meinen, sie seien zur Ohnmacht verurteilt, sind stärker als sie vermuten. Die Mächtigen von heute sind geplagt von inneren Widersprüchen, verwirrt durch Irrtümer, tief verunsichert von nagenden Zweifeln. Sie können keine anziehenden, glaubhaften Zukunftsbilder mehr entwerfen, weil sie nur noch so tun, als glaubten sie an ihre Schlagworte vom unversiegbaren Reichtum, an ihre Versprechung demokratischer Freiheit, die sie selber ständig verletzen.

    Diese innere Gefährdung der Herrschaftsysteme nimmt in dem Maße zu, wie das tägliche Umfeld, in dem sie leben, ihnen feindlicher wird. Die zunehmende Ablehnung der Bevölkerung genügt zwar noch nicht, die Organisationen und Installationen, durch die sie sich gefährdet sieht, zu beseitigen. Aber sie reicht jetzt schon aus, die »weichen Bestandteile« dieser harten Apparate, nämlich ihre denkenden und manchmal auch fühlenden Mitarbeiter, zunehmend zu beeinflussen. Die Ministerien, Verwaltungsgebäude, Kasernen, Kraftwerke, Chemiefabriken, Startbahnen, Manövergelände, Arsenale, Testanlagen, Raketenstellungen, Sende- und Lauscheinrichtungen, Laboratorien und Deponien werden physisch immer stärker befestigt und isoliert. Doch die Insassen dieser heutigen Festungen und Sperrkreise können nicht so vollständig abgeschirmt werden, daß jeder Einfluß von ihnen ferngehalten wird.

    Im Brüsseler Hauptquartier der NATO sah ich auffällige Warnplakate angeschlagen, in denen für einen zum internen Gebrauch hergestellten Walt-Disney-Film geworben wurde. Sein Thema: die eindringlichste Warnung an das Personal vor schädlichen Außeneinflüssen. Dieser Isolierungsversuch und viele andere sind ziemlich aussichtslos. Man kann Menschen vielleicht gegen feindliche Ideologien immun machen. Aber ihren Lebensinstinkt wird man nicht dauerhaft betäuben, ihren Überlebenswillen nicht für immer brechen können. (…)

    „Eine von uns, die sich kompromißlos für den Frieden einsetzen kann, hat das Gewicht von mindestens zehntausend anderen Frauen, die nicht so weit gehen wollen“, sagte mir eine der Engländerinnen, die seit vielen Monaten den amerikanischen Luftstützpunkt Greenham Common belagern. Das klingt überheblich, aber sie brachte es mit so ruhiger Selbstverständlichkeit hervor, daß ich tief beeindruckt war.

    Nicht nur Zerstörer leben unter uns, sondern auch Lebensretter. Wüchse ihre Zahl so sehr, daß sie die künftige Entwicklung entscheidend beeinflussen, dann könnte ihnen glücken, was Revolutionen bisher noch nie gelang: die Besserung der Verhältnisse durch die Besserung der Menschen. Ein großes Beben geht durch die ganze Welt. In immer neuen Stößen erschüttert es das Bestehende. Und wenn es auch vorübergehend zu verebben scheint, irgendwo und irgendwann hebt sich der Boden abermals. Die Angst, der Zorn und die Hoffnung der Bedrohten schaffen unaufhörlich Unruhe. Das ist ein andauerndes und weit umfassenderes Phänomen als die bisherigen Revolutionen. Ich nenne es »Menschenbeben«.

    Aus: Menschenbeben. Der Aufstand gegen das Unerträgliche. Bertelsmann, München 1983, S. 12-14.

    Es geht auch ohne Waffenproduktion (1984)

    Die Verquickung von Rüstung und Wirtschaftsinteressen sind mehrfach Thema in Robert Jungks Stellungnahmen. So setzt er Hoffnungen in Rüstungskonversionsinitiativen, die nur durch die Einbindung der Arbeiterschaft und Gewerkschaften in die Friedensbewegung gelingen könnte. In einem Beitrag für den Fischer Öko-Almanach berichtet Jungk von ersten, konkreten Konversionsprojekten, zeigt aber auch die Schwierigkeiten der Umsetzung auf. Die Konversion der Waffen könne nur erfolgreich sein, wenn es zugleich zu einer grundlegenden »geistigen Konversion« komme, so der Tenor des folgenden Textausschnitts.

    Es geht also bei der »Friedens-Konversion« um mehr als um Abrüstung. Auch um mehr als um wirtschaftliche Umverteilung, nämlich um eine viel umfassendere »Bekehrung« von einem harten an Quantität, Erfolg und Machtzuwachs orientierten Wirtschafts-(und Lebens-)stil zu einer allmählichen Verbesserung der Lebensqualität, die auf einer grundlegend anderen Haltung und Zielsetzung basierend einen Frieden anstrebt, in dem der Krieg des Menschen gegen die Natur, die Aggression des Stärkeren gegen den Schwächeren, die Macht der Wenigen über die Vielen abgebaut wird.


    05.07.2025

    Dossier 20
    Robert Jungk zum Widerstand gegen Atomrüstung, Krieg und Gewalt und für eine humane Zukunft „Der Aufstand gegen das Unerträgliche“    (II von II)


    Rüstung wird in diesem Zusammenhang als die unaufhörlich weitergehende Zuspitzung eines in permanenter Unruhe lebenden Systems verstanden, das ohne Drohung, Druck und Zerstörung nicht existieren zu können meint. Solange diese periodisch wiederkehrenden Vernichtungsperioden noch neue Prosperität vorbereiteten und nachfolgende Epochen des Aufbaus und der Regeneration ermöglichten, wurden sie weitgehend hingenommen und nur von Minderheiten bekämpft. Die ganz andere neue und einzigartige Situation im Atom- und Raketenzeitalter ist darin zu sehen, daß nun bei einem größeren Konflikt mit großer Wahrscheinlichkeit unumkehrbare, nie wiedergutzumachende Schädigungen entstehen, so daß das gewohnte Wechselspiel von Krieg und Frieden dann nicht mehr weitergehen kann.

    Diese besondere Lage muß bedacht werden, wenn man über die konkreten und praktischen Möglichkeiten der Rüstungskonversion spricht. Sie ist – darüber soll man sich nicht täuschen, darüber auch nicht verzweifeln – bisher noch nicht mehr als zweidimensionale »Wirklichkeit«. Denn sie existiert zwar in Entwürfen und Plänen, im Druck und auf Papier, als Vorstellung und immer häufiger auch als Wille. Wer aber nach greifbaren Resultaten Ausschau hält, das heißt nach einstigen Waffenschmieden, in denen tatsächlich schon Pflugscharen statt Schwerter hergestellt werden, der sucht vergeblich. All die hoffnungserregenden Konversionsmodelle, die in den Büchern, Artikeln und Debatten vorgestellt werden, sind bisher »Luftschlösser« geblieben. Es fehlte zu ihrer Verwirklichung an Geldmitteln, an entschlossenen Promotoren, an weitsichtigen Förderern, an opferbereiten Mitarbeitern. (…)

    Ist »Rüstungskonversion« also vielleicht nichts anderes als eine der vielen utopischen Ideen, die an der Praxis scheitern müssen? Das könnte so ausgehen, muß aber nicht. Denn hier kommt den Vorkämpfern dieses Gedankens vielleicht nun die außerordentliche Weltsituation (…) zu Hilfe und zeitigt außergewöhnliche Entwicklungen. Denn die Aufklärungsarbeit der Friedensbewegung hat inzwischen sowohl Arbeitnehmer wie Arbeitgeber erfaßt. Die einen wie die anderen beginnen sich darüber klar zu werden, daß entweder die durch Rüstung, Nachrüstung, Nachnachrüstung, Nachnachnachrüstung usw. enorm gesteigerte Verschwendung von Geldmitteln und Ressourcen oder ein Versagen der Kontrollen zur Beherrschung der immer komplexeren und potenteren Waffensysteme uns alle – auch die Entscheidungsträger! – in Katastrophen von unerhörter Dimension und praktisch unbegrenzten Nachwirkungen hineinführen müssen. In dem Maße, wie diese dunklen Möglichkeiten immer wahrscheinlicher werden, setzt eine Konversion ganz anderer Art in den großen Herrschaftsapparaten der Arbeitnehmer wie der Arbeitgeber ein. Es handelt sich um eine geistige Konversion, wie sie oft bei einzelnen in besonders kritischen Situationen bei Todeskrankheit oder Todesgefahr plötzlich eintreten kann.

    Eine solche »Umkehr« der Machteliten wäre so gut wie sicher, sobald das Furchtbare tatsächlich eintrete. Nur käme sie dann zu spät. Die Hoffnung, daß Einsichtige die Katastrophe antizipierend die »Sachzwänge«, in deren Griff sie zu sein meinen, plötzlich abschütteln, und mit ihren bisherigen Gewohnheiten brechend einen radikal anderen Weg einschlagen, darf nicht in routinierter Skepsis einfach als »unwahrscheinlich« abgetan werden. Vielmehr sollten diejenigen, die schon jetzt erkannt haben, daß es »unmöglich weitergehen kann«, sich besonders um die scheinbar Unbelehrbaren bemühen, wissend, daß auch in vielen von diesen äußerlich so sicher auftretenden heute schon Zweifel rumoren. Davon können ihre Psychiater berichten, weil sie gelegentlich Einsicht in das haben, was »hinter der Maske« vorgeht.

    Eine Art Schrittmacherfunktion im Konversionsprozeß hat heute schon die Wirtschaftskrise. Sachverständige bei Unternehmern wie bei Arbeitgebern beginnen zu erkennen, daß Rüstung nicht Arbeitsplätze schafft, sondern vernichtet, weil sie einen wachsenden Teil des finanziellen und geistigen Kapitals der Gesellschaften der Wirtschaft und allen sozialen oder humanisierenden Bemühungen entzieht, um sie an eine letztlich unproduktive Aufgabe zu verschwenden. Wachsende Rationalisierung, die besonders in der Rüstungsindustrie vorangetrieben wird, ist eine der Folgen des Kapitalmangels und führt zu immer unerträglicher werdender struktureller Arbeitslosigkeit. Da die Mittel zur Unterstützung der gewaltig wachsenden Zahl von »Unproduktiven« auf die Dauer nicht ausreichen werden, muß dann endlich ernsthaft über neue »sozial nützliche« Arbeitsbeschaffung nachgedacht werden.

    (…)

    Eine »Garantie« dafür, daß ein solcher Umschlag tatsächlich eintritt, gibt es selbstverständlich nicht. Denkbar, ja sogar wahrscheinlicher ist die »erprobte Lösung« der Diktatur kleiner Machteliten, die mit der Verelendung und vielleicht sogar dem Untergang zahlloser Menschen in allen Teilen der Welt (UNO-Prognosen sprechen von einer Milliarde Arbeitslosen im Jahre 2000!) bezahlt werden müßte. Ein solcher »Technofaschismus« (im Westen wie im Osten) ist aufgrund der »Verbesserung« der nach innen gerichteten Waffen der Unterdrückung der »inneren Nachrüstung« also durchaus möglich und eine Weile haltbar. Nur dürfte er – wenn geschichtliche Erfahrungen und sozialpsychologische Erkenntnisse richtig sind – durch Konflikte an der Spitze sich dann doch früher oder später selbst ruinieren.

    Damit es zu einer solchen Entwicklung nicht erst kommt, wird das von einer Friedensbewegung sich zu einer Überlebensbewegung und Erneuerungsbewegung hin entwickelnde »Menschenbeben« eine Stärke und Dauer entwickeln müssen, die der Größe und Einzigartigkeit der alle heute und in Zukunft Lebenden bedrängenden Gefahren entsprechen sollte. Auch hier müßte eine »Konversion« eintreten, die resignierte, passiv gewordene, verwöhnte, egoistisch, kurzfristig denkende Zeitgenossen so wandelt, daß sie die Prüfungen der Zukunft nicht nur ertragen lernen, sondern hoffend auf Geburtswehen einer menschlicheren Gesellschaft verstehen und durchstehen.

    Aus: Es geht auch ohne Waffenproduktion. In: Fischer Öko-Almanach 84/85. Frankfurt 1984, S. 353-359.

    40 Jahre Hiroshima (1985)

    Mit Recht wird Robert Jungk als Mitbegründer des kritischen Wissenschaftsjournalismus im deutschsprachigen Raum bezeichnet. Einen eindrucksvollen Eindruck in sein Denken geben die Kolumnen, die er seit 1972 regelmäßig für die Zeitschrift »bild der wissenschaft« verfaßt, bis ihm 1987 aufgrund seiner kritischen Beiträge auch gegen die sogenannte »friedliche« Nutzung der Atomenergie die Zusammenarbeit aufgekündigt wird. Stellvertretend für die vielen, unter dem Titel »Und Wasser bricht den Stein« 1986 gesammelt herausgegebenen Berichte und Kommentare, die immer wieder auch zu Rüstungsfragen Stellung nehmen, sind Ausschnitte aus seinen Reflexionen zu »40 Jahre Hiroshima« vorgestellt, in denen Jungk u.a. die sozialpsychologischen Aspekte der Atombombe und ihrer Erbauer analysiert und zugleich eine neue, lebensbejahende Forschung und Technik einfordert.

    (…) Von den zahlreichen Büchern, die sich mit den Atomphysikern beschäftigt haben, hat mir das Werk des an der University of Sussex lehrenden Physikers und Psychologen Brian Easlea mit dem Titel »Fathering the Unthinkable« die überraschendste Aufklärung vermittelt. Der Autor, dessen Arbeit von seinen Berufskollegen als »peinlich« verketzert wurde, versucht darin nachzuweisen, daß die Atombombe das Endprodukt des Männlichkeitswahns sei, der sich aus Neid und Schwäche die weibliche Natur unterwerfen wolle. Er zeigt an der Ausdruckswiese der Forscher, die voller sexueller Anspielungen ist, wie sehr ihre ganz privaten Probleme zur Antriebskraft ihrer grandiosen und zugleich monströsen Leistungen wurden.

    So ist es für ihn kein Zufall, daß Oppenheimer und Teller als die »Väter« der Atom- und Wasserstoffbombe bezeichnet werden, daß die Hiroshimabombe »Little Boy« getauft wurde und Teller auch die erste erfolgreiche Zündung der H-Bombe mit dem Jubeltelegramm „It's a boy“ („Es ist ein Knabe“) meldete.

    Es war also eine Art Geburtstagsfest, das vor vierzig Jahren in Los Alamos gefeiert wurde, und nur wenige unter den Teilnehmern ahnten damals schon, daß letztlich auch sie selber Opfer ihrer ohne weibliche Hilfe zustandegekommenen »Geschöpfe« werden würden. Zunächst allerdings durften sie ihren Triumph, ihren frischen Ruhm, ihre neugewonnene Stellung in der Gesellschaft genießen. Sie wurden gefeiert, umworben, als Angehörige des plötzlich wichtigsten, einflußreichsten Berufsstandes beneidet. Erst nach und nach entdeckten sie, daß man sie auch fürchtete, ja sogar haßte, und daß man ihnen nur schmeichelte, um sich ihrer zu bedienen.

    Die Vorstellung einiger der hervorragendsten Rüstungsforscher, daß sie nun nach dieser kriegerischen Episode wieder zu ihrer ruhigen selbstbestimmten Wahrheitssuche zurückkehren könnten, erwies sich sehr schnell als Illusion. Denn der so erfolgreiche neue Forschungsstil, den sie geschaffen hatten, nahm ihnen die alte Freiheit. Individuelle Forschung mit »Wachs und Bindfaden« – das war nicht mehr »in« und nun kaum mehr möglich. Die in den Rüstungslaboratorien entstandenen »Projektwissenschaften« mit ihrem Teamwork, ihren kostspieligen Instrumenten, ihrer straffen Organisation waren ohne staatliche Mittel nicht lebensfähig. Damit aber mußte der Einfluß von Instanzen wachsen, denen es in erster Linie nicht um Wahrheit, sondern um Macht ging, nicht um Erkenntnisse, sondern Erzeugnisse. Für die Freiheit angetreten, hatten die Forscher ihre Freiheit verloren.

    Das »Manhattan Project«, dessen erfolgreicher Abschluß die meilenhohen Rauchpilze und Menschenhetakomben von Hiroshima und Nagasaki waren, hatte gezeigt, daß bei gezieltem Einsatz von genügend intelligenten Köpfen, Instrumenten und Geldmitteln Erfindungen in beschleunigtem Tempo erzwungen werden konnten. Diese Einsicht war fast so wichtig – manche meinten, sogar noch wichtiger – wie das Produkt, die neue Superwaffe. Denn diese Entwicklung schien zu verheißen, daß der wissenschaftlich-technische Fortschritt in Zukunft keinem glücklichen Zufall mehr überlassen werden müsse, sondern systematisch erzeugbar sei.

    In einer Gesellschaft, deren Entscheidungsträger gewillt wären, diese neue gesellschaftliche Antriebskraft für lebenserhaltende Ziele einzusetzen, könne eine solche geplante und organisierte Kollektivforschung allgemeinen Wohlstand und Frieden bringen – so sah der Traum der Projektforscher in West und Ost aus. Aber sie rechneten in ihrer politischen Unerfahrenheit nicht damit, daß diese perfektionierten »Fortschrittsmaschinen« in ganz andere Richtungen gelenkt würden, nämlich zu jenen Bestimmungen, denen sie ihr Entstehen und ihre ersten Bewährungsproben verdankten: der Herstellung von militärischer, staatlicher, wirtschaftlicher Macht.

    So ist vierzig Jahre nach Hiroshima die große Mehrheit derer, die sich der Forschung und Entwicklung widmen, unmittelbar auch in zahlreichen mittleren oder kleineren aus öffentlichen oder industriellen Quellen unterstützten Laboratorien, zu Mitarbeitern an Vorhaben geworden, die sie persönlich nicht gutheißen können. Aber es bleibt ihnen, wenn sie nicht »Aussteiger« oder »Eigenbrötler« werden wollen, nichts anderes übrig, als an Arbeiten mitzuwirken, auf deren Nutzung sie wenig oder gar keinen Einfluß haben, ja deren Zielsetzung sie oft nicht einmal kennen. (…)

    Der nukleare Rüstungswettlauf, dessen dröhnendes Startsignal die Katastrophe vom 6. August 1945 war, hat inzwischen ungleich weitergreifende, noch radikaler wirkende Massenzerstörungsmittel hervorgebracht als den »kleinen Jungen« von damals: bösartige Riesen, reißende Ungeheuer, Heuschreckenschwärme und Vernichtung. (…)

    Die »Bombe« – und das ist wohl ihre tiefste Wirkung – hat die Menschen so sehr verunsichert wie nichts zuvor. Die Zukunft – seit jeher als Zeit der Hoffnung empfunden – ist nun mit Furcht und Schrecken besetzt. Diese dunkle Wolke am Horizont einer jeden bewußten Existenz kann, ja muß immer wieder zeitweilig vergessen werden. Verschwinden könnte sie nur, wenn etwas ähnlich Einmaliges und Unerhörtes geschähe wie die Entdeckung der Atomkernspaltung und die dann daraus folgende Entwicklung von »endgültigen Waffen«.

    Es ist aus solcher Überlegung heraus in Forscherkreisen immer häufiger von einem großen »Projekt« die Rede, das durch eine Zusammenführung von Wissenschaftlern vieler Disziplinen und Nationen in einem »crash program« überzeugende Lösungen zur Verhütung des atomaren Holocaust entwickeln sollte.

    Doch halt: Ist dies nicht einmal mehr der Ausdruck jenes Geistes, der alles für machbar hält? Kommt da nicht wiederum jener typisch maskuline Hochmut zum Ausdruck, den Brian Easlea als eine Art »Erbsünde« der neuzeitlichen Wissenschaft ansieht? Ein solches »Anti-Hiroshima-Programm« wird trotz derartiger Bedenken vermutlich nicht in allzu ferner Zukunft versucht werden. Es entspricht eben einer Mentalität, die Mitte des siebzehnten Jahrhunderts begonnen hat. Und sie hat in der Tat erstaunliche, im letzten halben Jahrhundert allerdings auch immer öfter abscheuliche Resultate gezeitigt.

    Kann man denn Geschichte »machen«? Ist das Schicksal beherrschbar? Wird man es beeinflussen, ja sogar steuern können? Ganz auszuschließen ist das nicht. Und wenn die vielfachen Krisen, die unsere »p.h. (post Hiroshima) Welt« erschüttern, als Folge verantwortungslosen Drauflosforschens und ungenügend durchdachten technischen Handelns sich noch weiter verschärfen, werden für einen globalen Krisenstab vielleicht auch die notwendigen Mittel und Vollmachten erteilt.

    Wichtiger und wohl letztlich erfolgversprechender wäre es, wenn die zu erwartenden vertieften und vermehrten Krisen nicht nur wissenschaftliche Superprojekte und gewaltige Aktionsprogramme gebären würden, sondern ein grundsätzlich anderes Denken.

    Ansätze dazu sind heute schon hier und dort zu finden. Die »Ökophilosophie« des Norwegers Arne Naess (Oslo) und des aus Polen stammenden Engländers Henryk Skolimovski (Oxford) weist, ähnlich wie schon Erich Fromm und vor ihm bereits Albert Schweitzer, darauf hin, daß nur eine ganz entschiedene Abkehr von allen Formen todbringenden Denkens und Handelns Rettung bringen kann.

    Es wird das dringendste Projekt einer neuen Generation von Denkern und Forschern sein, solche Ideen im Kontext der heutigen Möglichkeiten weiterzudenken und in Zusammenarbeit mit ihren Zeitgenossen zu konkretisieren. Welch faszinierende Aufgabe! Neben ihr löst sich die »süße Technik« der Gewalt, von deren Verführungskraft Oppenheimer sprach, in eine stinkende, giftige Wolke auf, die dann auf immer verschwinden sollte.

    Aus: bild der wissenschaft, Juli 1985; hier zit. nach Und Wasser bricht den Stein. Freiburg 1986, S. 220-223.

    Die innere Aufrüstung (1987)

    Scharfe Töne gegen die Rüstungsforscher schlägt Jungk angesichts des Bekanntwerdens des Star-War-Programms SDI an, das nicht nur für ihn eine weitere, gefährliche Eskalation des Wettrüstens bedeutet. In einem Vortrag an der Technischen Hochschule in Zürich prangert er die »Todeswissenschaften« und ihre Helfershelfer an, warnt aber zugleich vor der »inneren Aufrüstung« gegen jene, die Widerstand leisten. Der ausgewählte Textabschnitt endet – einmal mehr – mit der Aufforderung, dem »Nein« ein »Ja« folgen zu lassen. Mit seinem Freund Hans-Peter Dürr spricht Robert Jungk von einer »World Peace Initiative« (WPI), die dem SDI-Programm entgegengestetzt werden sollte.

    Es ist heute so, daß die Militärs bis in die Grundlagenforschung hinein immer mehr Kontrolle zugestanden bekommen, sie immer mehr benutzen. Auch die offene internationale Grundlagenforschung wird mittlerweile für militärische Zwecke, meist ohne Wissen der Wissenschaftler benutzt. (…)

    Wir sollten hier nicht nur über Megatonnen sprechen, nicht nur über die mögliche Zerstörungsstärke, sondern auch fragen: Welche ökonomischen, welche machtpolitischen und welche karrierepsychologischen Motive und Personen treiben den Rüstungswettlauf an? Es wird meiner Ansicht nach zuwenig gefragt: „Wer steckt dahinter, wer will da die Geschäfte machen, welche machtpolitischen Ziele werden damit verfolgt?“ Es ist ja nicht so, daß Herr Reagan oder Herr Gorbatschow wirklich wollen, daß diese Bomben wirklich explodieren, daß ihre Waffen wirklich angewendet werden. Sondern man will das Geschäft immer weiter machen, weil es nichts gibt, was schneller veraltet als diese kostspieligen Waffen, weil es nichts gibt, womit man so schnell und sicher so viel Geld verdienen kann. Und das ist es, was sie wirklich wollen: Sie wollen machtpsychologisch auf diese Art und Weise Druck ausüben auf den Rest der Welt.

    Sie rüsten aber nicht nur nach außen, sondern auch nach innen auf. Es wird viel zu wenig gesehen, daß als Parallelentwicklung zur äußeren Aufrüstung in unseren Gesellschaften eine immer stärkere innere Aufrüstung auftritt: Daß man (um die Unbequemen, die diesen Kurs nicht mitmachen wollen, zu überwachen und um diese Leute jederzeit im Griff zu haben), eine ganz neue Technologieentwicklung in Gang bringt. Das eröffnet der Industrie wiederum einen neuen Markt und kann nur gestoppt werden, wenn man das ganze Wettrennen als Fehler erkennt, als Fehlentwicklung der Geschichte. Wenn man fordert, daß das alles endlich aufhört.

    Nun meine ich, es genügt nicht nur, nein zu sagen. Der zweite unentbehrliche Schritt ist der Kampf für ein »ja« zu einer ganz anderen Zukunft. Wir müßten einen Wettlauf in die andere Richtung starten, nämlich einen Wettlauf auf eine menschlichere, umweltfreundlichere Welt hin. Man sollte sich zusammensetzen, um unter Mitwirkung von Wissenschaftlern und Technikern große, konstruktive Gegenprojekte zu beginnen und sich zu überlegen: Welches sind die vierzig, fünfzig Probleme der Menschheit, die in die größte Krise der Geschichte geraten ist (z. B. Hunger, Umwelt, menschliche Beziehungen)? Da muß gemeinsame Forschungsarbeit auf nationaler wie internationaler Ebene geleistet werden, um dem SDI eine WPI – eine (»World Peace Initiative«) entgegenzusetzen. Oder zumindest eine EPI – eine »European Peace Initiative«. Denn ich frage mich, wie viele meiner Freunde in Frankreich, Italien, Skandinavien usw., ob es sinnvoll ist, daß Europa den Amerikanern und Japanern weiterhin hinterherläuft, anstatt einen eigenen Weg mit Hilfe einer umwelt- und menschenfreundlicheren Wissenschaft und Technologie zu gehen?

    Ich meine also, man sollte nicht ausschließlich von Waffen und ihren Wirkungen sprechen, sondern auch vom Herzen oder vom Gehirn und von der Frage, ob das Herz oder das Gehirn unter den gegenwärtigen gesellschaftlichen Systemen und Zwängen überhaupt noch so funktionieren können. Denn was geschieht mit denen, die sich dem Rüstungswahnsinn entziehen wollen, die noch ein Herz, die noch einen Kopf haben? Sie werden einfach hineingezwungen in die Drohsysteme, sie müssen entweder schizophren sein, indem sie sagen: „Ich mach in diesem System zwar äußerlich mit, versuche aber dennoch im Geheimen oder privat, meinen eigenen Weg zu gehen“, oder aber sie resignieren und machen ganz im System mit. Ich meine, sie sollten Widerstand riskieren und keine Kompromisse machen. Denn die führen nicht weit: Wir haben seit vierzig Jahren gesehen, daß all die kleinen Versuche, die Welt ein bißchen besser zu machen, gar nicht dazu führten, sondern von denjenigen, die die alte Richtung weiter verfolgen, als Entschuldigung benutzt wurden mit dem Argument: „Wir erlauben das ja auch, wir erlauben so ein bißchen Widerstand, wir erlauben so ein bißchen Dissidenz. Wir sind frei, wir sind offen.“ Und so können die Promotoren der Großtechnologie und der Machttechnologie ihr System weiter vorantreiben. Ich bitte alle: Lassen Sie es nicht bei den Worten, sondern handeln Sie!

    Aus: Die innere Aufrüstung. In: Paul Feyerabend u.a. (Hg.): Leben mit den acht Todsünden der zivilisierten Menschen? Verlag der Fachvereine, Zürich 1987, S. 207-212.

    Zukunftsbezogene Friedensarbeit (1989)

    In einem Vortrag vor Mitgliedern der Deutschen Friedensgesellschaft/Vereinigte Kriegsdienstgegner aus dem Jahr 1989 betont Jungk ebenfalls die Notwendigkeit, der Friedensbewegung eine »Zukunftspolitik« zur Seite zu stellen.

    Wir sollten ruhig ein bißchen stolz auf unsere heutigen Erfolge sein und uns nicht immer selber einreden, was wir gemacht haben, sei unwichtig. Wir haben Sand in die Maschinerie geworfen. Wir haben Bewußtsein verändert. Das ist wichtig genug.

    Aber noch ist die Friedensbewegung eine Bewegung, die keine Horizonte eröffnet und Zukunftsperspektive gibt, sondern bestenfalls die Perspektive, wir wollen etwas verhindern. Wir wollen etwas aufhalten. Das genügt nicht mehr. Nein, es geht eigentlich um viel mehr. Das ist eben anders als seinerzeit, als ich 1929 mit 16 Jahren Pazifist geworden bin. Da konnte man nur gegen Krieg sein. Heute geht es darum: Haben wir eine Zukunft oder haben wir keine Zukunft? Und wie soll diese Zukunft aussehen?

    Das ist die Grundfrage: Wie können wir neben unserem Nein, das so stark sein soll wie immer und sich noch verstärken soll, auch ein Ja entwickeln? Wie können wir erreichen, daß die friedliche Welt so anziehend ist wie das, womit junge Menschen sich heute beschäftigen und begeistern? Zum Beispiel wie Weltraumfahrt, Fußball, technische Spielereien und Computer.

    Wir müssen es fertigbringen, den Militaristen und ihren stillschweigenden Anhängern das Monopol auf den Enthusiasmus, das Monopol auf die Zukunftsfreude und die Zukunftsplanung zu nehmen. Wir müssen ganz konkret eine Zukunftspolitik entwickeln. (…)

    Wo, wie, was wären die konkreten Ziele einer zukunftsbezogenen Friedensarbeit? Da wäre die Frage nach der Architektur, nach den Ansätzen einer sanften, statt der gigantischen, brutalen Technik; die Versuche Energie zu schaffen, die der Umwelt und den Menschen nicht schadet; andere Energietechnik, Solartechnik, Windtechnik und Biomasse. Das sind gemeinsame Versuche, wo man miteinander arbeiten und basteln kann. In Dänemark können Arbeitslose, die sich für die Entwicklung der Windenergieprogramme einsetzen wollen, zu ihrer Arbeitslosenunterstützung zusätzlich etwas verdienen, weil sie als Pioniere neuer Energieformen nicht mehr als »Rest der Gesellschaft« behandelt werden.

    Ich frage mich, ob wir diejenigen, denen man die Arbeit genommen hat, nicht einfach als Reservearmee des Kapitalismus versorgen, sondern als Pioniere in Experimenten neuer Art einsetzten sollten. Ich könnte mir vorstellen, daß aus Arbeitslosen Andersarbeitende werden könnten. Vorläufer einer anderen, humaneren Gesellschaft. Auch das ist eine Frage, mit der sich die Friedensbewegung beschäftigen muß.

    Schließlich meine ich, daß die Friedensbewegung in einer ganz anderen Weise als bisher versuchen müßte, auf die Medien Einfluß zu nehmen. Nun werden manche sagen: wir kommen nicht an die Rundfunkanstalten ran und können nicht mit unseren Vorstellungen in die Medienwelt eindringen. Ich glaube, daß das eine Entschuldigung, eine Ausrede ist. Es gibt heute den Anfang von nichtstaatlichem Rundfunk, der bisher ausschließlich vom Kommerz genutzt wird. Es muß möglich sein, daß man in »Offenen Kanälen« mit eigenen Sendern, mit eigenen Videoproduktionen Friedensthemen an die Öffentlichkeit bringt. Wir müssen die Medienfrage ernst nehmen (…).

    Wir müssen hier eine Art von Pionierstellung haben. Die Sorge um die Zukunft der Welt besteht auch darin, daß wir Lehrer werden für die, die nicht wissen, wohin sie sich wenden sollen. Das ist eine große und wichtige Aufgabe und nicht etwa Arroganz und Anmaßung, wenn wir das versuchen. Es sind einfach zuwenig Menschen, die das tun. (…)

    Aus: Damit wir nicht untergehen. Texte von Robert Jungk, ausgewählt von Matthias Reichl. Edition Sandkorn, Linz 1991, S. 40-42.

    Hoffnung auf Volksdiplomatie (1990)

    In einem gemeinsam mit der Bibliothek für Zukunftsfragen herausgegebenen »Katalog der Hoffnung« begrüßt Jungk die beginnenden Reformbestrebungen in den staatssozialistischen Ländern als großen Schritt in Richtung Überwindung des Kalten Krieges, plädiert aber zugleich für die Intensivierung der »Volksdiplomatie«, die allein den Entspannungsprozeß unumkehrbar machen könne.

    In einigen Ländern des Ostens haben politische Entwicklungen begonnen, die man vor kurzer Zeit noch für undenkbar gehalten hätte. Die Reformen von oben, wie sie in der UdSSR, in Polen, in Ungarn und nun auch in der DDR begonnen haben, beschleunigen die sozialen Bewegungen in diesen Ländern, vor allem auch in den Teilrepubliken der Sowjetunion, und es will scheinen, als habe die jeweilige Staats- und Zentralmacht alle Mühe, diesen Bewegungen hinterherzukommen. Der Prozeß ist völlig offen, was heute zu beschreiben und zu analysieren ist, kann morgen schon überholt sein, im Guten wie im Bösen. Dennoch erfüllen die Vorgänge Menschen in aller Welt mit Hoffnungen. Dabei scheint uns die Frage, ob das große Zukunftsmodell des Sozialismus »am Ende« ist und »abgewirtschaftet« hat, gar nicht die entscheidende zu sein. Wichtiger ist wohl, daß sich die Reformbewegung »von oben« gar nicht anders erklären läßt, als im Wechselspiel mit den Bewegungen »von unten« – allerdings wissen wir von diesen Bewegungen viel zu wenig. Man kann (und konnte) das Leben auf der anderen Seite des »Eisernen Vorhangs« nicht wirklich kennenlernen durch Urlaubsreisen und während einer Einkaufsfahrt, wie sie über die östereichisch-ungarische Grenze seit einiger Zeit möglich ist. Es sind persönliche Begegnungen notwendig, Aufenthalte in Familien, Schüleraustausch, Begegnungen von Sportlern, Studenten, Schriftstellern und Künstlern, von Pfarrgemeinden oder Betriebsgruppen. Erst solche Begegnungen ermöglichen es, die Vorgänge in den sozialistischen Ländern wirklich zu beurteilen und genauer zu erfahren, welche Triebkräfte und welche Gefährdungen in den gegenwärtigen Öffnungs- und Entspannungsprozessen wirksam sind. Und hinzu kommt, daß nur solche Begegnungen es erlauben, wechselseitige Feindbilder abzubauen, Vorurteile und falsche Vorstellungen über das Leben und die Menschen im jeweils anderen Teil der Welt zu korrigieren. Daran läßt sich die Hoffnung knüpfen, daß auch im Prozeß der globalen »Entspannung« zwischen den Machtblöcken ein Wechselspiel zwischen offiziell-diplomatischen Prozessen und einer sozialen Bewegung in den jeweiligen Völkern entsteht, das die immer wieder stockenden, immer von Stillstand und Abbruch bedrohten Verhandlungsrunden der Diplomaten und Minister, der Militärs und Bürokraten vorantreibt. Hoffnung besteht auch, daß in solchen direkten Begegnungen der »Volksdiplomatie« etwas Bleibendes geschaffen wird, Erfahrungen, die eine Neu- und Wiederauflage des »Kalten Krieges« zumindest erschweren werden, sollten die Reformprozesse umschlagen.

    Begriffe wie »Volksdiplomatie« und »Entspannung von unten« sind zunächst in bezug auf die Ost-West-Beziehungen geprägt worden. Doch gibt es tief eingefressene Feindbilder auch bei Menschen, die im gleichen Land leben, die einander täglich begegnen können: bei Juden und Arabern in Israel, bei Katholiken und Protestanten in Irland, bei Weißen und Schwarzen in Südafrika. Auch da ist »Entspannung von unten« bitter notwendig; und es gibt Initiativen, die hier Zeichen setzen.

    Aus: Katalog der Hoffnung. 51 Modelle für die Zukunft. Luchterhand, Berlin 1990, S. 143f.

    Rede gegen den Krieg. Stellungnahme zum Golfkrieg (1991)

    Der Golfkrieg war für Robert Jungk die »bisher gefährlichste Episode« im Konflikt zwischen reichem Norden und armem Süden. Während andere über die Rechtmäßigkeit der Militärintervention gegen den Irak debattierten, erinnerte er die Friedensbewegungen daran, sich des größeren Zieles eines weltweiten Verbots der Rüstungsproduktion sowie des Engagements für konstruktive Friedensideen zu besinnen. Die im folgenden wiedergegebene Rede hielt Jungk am 2. Februar 1991 in Wien. Ihr angeschlossen ist eine nachdenkliche Tagebuchnotiz des 78-Jährigen über das Dilemma des ständigen »Zupät-Kommens« von Antikriegsbewegungen wie jener gegen den Golfkrieg.

    Acht Thesen

    Erste These: Ein hundertjähriger weltweiter Konflikt hat begonnen.

    Der Golfkrieg ist die bisher gefährlichste Episode in einem fünfzig-, vielleicht sogar hundertjährigen Konflikt zwischen der armen Mehrheit und der reichen Minderheit einer rapide anwachsenden Weltbevölkerung.

    Zweite These: Geduld und politische Phantasie gegen sture Gewalt.

    Nur mit sehr viel Geduld, Scharfsinn und politischer Phantasie kann diese weltweite Auseinandersetzung zwischen Süden und Norden gedämpft und einer großen Anzahl von notwendigen Lösungen nähergebracht werden.

    Dritte These: Die Friedensbewegung als »dritte Macht“.

    In der Friedensbewegung findet sowohl die Angst der Völker wie ihre Sehnsucht nach einer humanen Zukunft ihren Ausdruck. Sie ist nicht nur eine »Anti«-Bewegung, sondern auch eine »Pro«-Bewegung. »Wir sind das Volk« – mit dieser Parole protestierten Millionen.

    Vierte These: Waffen und Heere können keinen Frieden gründen.

    Nach zwei Weltkriegen, in denen Millionen starben, sind wir nun in den dritten großen Krieg hineingeraten. Solange es Waffen und Streitkräfte gibt, wird eine gute Zukunft nicht möglich sein. Daher ist das Verbot der Rüstungsproduktion und die Kontrolle aller Rüstungen das erste und dringendste Ziel der Friedensbewegungen.

    Fünfte These: 1991 ist nicht 1939.

    Gegen Hitler hatte der Einsatz von Waffen noch einen politischen Sinn. Aber in den seither vergangenen fünf Jahrzehnten haben sich die Waffen zu Massenvernichtungsmitteln entwickelt, die einen »Sieg« unmöglich machen, sondern eskalierend zu einer Bedrohung der Menschheit und ihrer natürlichen Lebensgrundlagen werden müssen.

    Sechste These: Die Friedensbewegten als Verteidiger der Zukunft.

    Die neuen sozialen Bewegungen (Ökobewegung, Frauenbewegung, Bürgerinitiativen und Friedensbewegung) fühlen sich durch ihre Regierungen nicht mehr vertreten. Sie nehmen ihr Schicksal mehr und mehr in die eigenen Hände. Allein in der Dritten Welt gibt es seit Anfang der siebziger Jahre tausende regionale und lokale Bewegungen, die sich von den zentralen, meist militärisch dirigierten Gewalten ihrer Länder losgesagt haben. Immer mehr Menschen in allen fünf Erdteilen erleben sich als Gestalter einer anderen, lebensfreundlicheren Gegenwart und als Bewahrer der Zukunft.

    Siebente These: Österreichs Rolle als Friedensstifter.

    In diesen großen Konflikt haben Gemeinden, Regionen und kleine Länder eine besondere Rolle zu spielen. Ihre größere Menschennähe und Überschaubarkeit kann bewirken, daß sie die wirklichen Bedürfnisse und Wünsche der Menschen besser kennen als die Großmächte. Österreich, das sich wie andere westliche Nationen durch Waffenexporte mitschuldig am Ausbruch des Golfkrieges gemacht hat, muß durch Rückkehr zur integralen Neutralität und das Setzen immer neuer Friedensbeispiele die Schuld seiner skrupellosen Wirtschaftsverbrecher wiedergutzumachen versuchen.

    Achte These: Das neue Jahrtausend wird eine neue Zivilisation gründen.

    Wir – besonders die jungen Menschen – brauchen begeisternde Ziele. Wir sollten heute schon im Zusammenwirken vieler Bürger und aller Völker gedanklich und experimentell eine neue Zivilisation vorbereiten, die auf Solidarität, Humanität und Kreativität gegründet ist. Dieser Traum kann der Wirklichkeit näherkommen, wenn wir nicht resignieren, wenn wir nicht aufgeben.

    Mit „Gebt nicht, gebt niemals auf!“ enden meine Ausführungen.

    Tagebuchaufzeichnung 4. Februar l99l:

    Die Friedensbewegung ist wieder da, das war der entscheidende Satz der Rede, die ich eine Woche vor Ablauf des Ultimatums vor Tausenden Demonstrationsteilnehmern am Marienplatz vor dem Münchner Rathaus wagte.

    Daß diese Behauptung stimmt, haben seither Hunderte Ereignisse in allen Städten der »ersten Welt« bewiesen. Aber die vorgestrige »Großveranstaltung« am Heldenplatz in Wien war nur durchschnittlich besucht. Und fast überall beginnt der spontane Protest wieder abzuflauen.

    Wie kann der Einfluß der vielen, die entsetzt sind über die unintelligente Gewaltpolitik ihrer Regierungen, zu einem stetigeren und verläßlicheren Faktor werden? Oder soll man die Gangart des sporadischen empörten Aufwallens als die echtere, weil nicht gesteuerte Antwort akzeptieren? Mit dieser Frage habe ich mich in der vergangenen Nacht herumgequält und noch keine Antwort gefunden. Da sind auf der einen Seite die »professionals« des Verderbens, die festangestellt unermüdlich »ihre Pflicht tun«. Auf der anderen Seite die vielen Betroffenen, die – fast immer schon zu spät – auf die Straße gehen und dann nach ein paar Wochen schon fast alle zu Hause bleiben. Können sie, können wir diesen Konflikt je für uns entscheiden?

    Rede bei einer Veranstaltung in Wien, Heldenplatz, 2.2.1991. Aus: Ich will reden von der Angst meines Herzens. Autorinnen und Autoren zum Golfkrieg. Luchterhand-Literaturverlag, Frankfurt 1991.

    Schafft Friedensinseln, schafft Friedensschauplätze (1991)

    Vielleicht wie eine Antwort auf die Ohnmacht der Proteste gegen den Golfkrieg zu lesen ist der folgende, die Utopie einer weltweiten Arbeit für den Frieden formulierende Text, den Jungk für die Schweizer Zeitschrift »Constructiv« verfaßt hat. Er belegt einmal mehr die Überzeugung des Zukunftsdenkers, daß wir es uns nicht leisten können, im Kritisieren zu verharren, sondern daß es gilt, konstruktive Ideen zu entwickeln und für diese Verbündete zu suchen.

    Wir werden überschüttet mit verfälschten Berichten von Kriegsschauplätzen im Nahen Osten. Was können wir gegen Verzweiflung und Resignation setzen? Wie gelingt es uns mit unserer Ohnmacht fertigzuwerden? Mit Protest! Gewiß, aber genügt das? Jetzt schon bereiten sie einen »Frieden« vor, der wiederum auf Waffen und die langdauernde Präsenz fremder Truppenverbände gegründet sein soll.

    Wir sollten uns, wo immer es geht, zusammenfinden und als Gegengewicht jetzt schon Umrisse künftiger friedlicher Zusammenarbeit mit den Menschen im Nahen Osten und darüber hinaus in anderen Ländern der Dritten Welt entwerfen. Von solchen Friedensschauplätzen müßten wir Nachrichten an die vielen Menschen schicken, die nur noch Verbrechen und Unheil von der Zukunft erwarten.

    Wir stehen erst am Anfang eines Konfliktes, der Jahrzehnte, vielleicht sogar ein Jahrhundert dauern kann. Konflikt muß aber nicht Krieg bedeuten, sondern kann eine gemeinsame Anstrengung sein, die Gerechtigkeit anstrebt und im Geiste einer Schicksalsgemeinschaft vor sich geht, die weiß, daß die Eskalation der Gewalt den Untergang aller bedeuten muß.

    Unter uns und mit uns leben viele Menschen aus anderen Ländern und Erdteilen. Wir sollten sie nicht als Last ansehen, sondern als Helfer zum Verständnis einer kommenden Zeit, in der die Zahl der Afrikaner, Asiaten und Lateinamerikaner die der Europäer und Amerikaner um ein Vielfaches übersteigen wird.Mit ihnen sollten wir auf unseren Friedensinseln möglichst konkrete Konzepte entwerfen:

    • für Zukünfte ohne Hunger und Entbehrungen;
    • für Zukünfte, in denen wir unsere Kräfte zur Regeneration der zerstörten Landschaften und Siedlungen zusammenspannen, statt uns gegenseitig aufzureiben;
    • für Zukünfte, in denen nicht nur einige Wenige, sondern möglichst viele mitbestimmen können;
    • für Zukünfte, die dem Leben und der Gesundheit gewidmet, nicht länger von Untergangsangst überschattet sind.

    Auch wenn wir mitten in düsterer Gegenwart das zunächst nur sagen und aufschreiben, können doch von solcher friedlicher auf eine gute Zukunft gerichteten gedanklichen Zusammenarbeit Einflüsse ausgehen, die das Handeln vieler, die jetzt noch passiv bleiben, beeinflussen und derart radikal andere Wirklichkeiten vorbereiten.

    Solche »Friedensinseln« sind Experimente, die Hoffnung schaffen und damit erste Schritte in eine neue Welt von morgen wagen. Es lohnt sich, gemeinsam diese Versuche zu beginnen, statt in Traurigkeit zu versinken oder sich in ohnmächtiger Wut zu verzehren.

    Aus: Damit wir nicht untergehen. Texte von Robert Jungk. Ausgewählt von Matthias Reichl. Edition Sandkorn, Linz 1991, S. 48f.

    Gemütsfaschismus und Technofaschismus (1991)

    Den gefallenen Mauern zwischen Ost und West folgten neue. Wachsende Ausländerfeindlichkeit, zunehmender Rassismus, verschärfte Asylgesetze – und zuletzt – Mordanschläge auf Ausländer und Asylwerber sind traurige Facetten des kalten Friedens nach der großen Wende. In einer Analyse der neuen rechtspopulistischen Bewegungen mit Führern wie Schönhuber oder Le Pen stellt Robert Jungk Bezüge her zwischen unserer kalten, der einseitigen Rationalität verpflichteten Gesellschaft, in der alle »funktionieren« müssen, und einem neuen – sozusagen als Ventil fungierenden – »Gemütsfaschismus«, der von den neuen Rechten salonfähig gemacht werde. Wirksamer Antifaschismus müsse daher, so Jungks Warnung, die Gefühle und Sehnsüchte der Menschen ernst nehmen und diesen konstruktive Artikulationsmöglichkeiten schaffen.

    Es ist eines der großen Verdienste des Seelenforschers Wilhelm Reich, daß er 1934 angesichts der Machtergreifung des Nationalsozialismus nicht nur wirtschaftliche und nationale Bedrängnisse für den Erfolg des »Führers« verantwortlich machte, sondern auch seelische Defizite, die der »Retter« Adolf Hitler auszugleichen versprach.

    Wenn heute im Zeichen ökonomischer Hochkonjunktur Vertreter faschistischer oder faschistisch beeinflußter Programme Zulauf erhalten, dann sollte man sich an diese – vor allem von der Linken – zu wenig beachteten Erkenntnisse über die »Massenpychologie des Faschismus« erinnern. Weiter verbreitet noch als die durch Rationalisierung und rücksichtslose Strukturveränderungen bewirkte materielle Arbeitslosigkeit ist meiner Ansicht nach die »seelische Arbeitslosigkeit« von Millionen, die in der von Technokraten verwalteten Konsumgesellschaft weder Lebenssinn noch Möglichkeiten eines sie erfüllenden Engagements entdecken. Desillusion und Resignation beherrschen die Stunde. Wer auf überzeugende Weise dem entgegenarbeitet, indem er an Selbstbewußtsein, unterdrückte Wut und so etwas wie einen Gemeinschaftsgeist appelliert, gewinnt Anhänger. Sie brauchen Begeisterung, sei sie auch irregeleitet, dringender als Brot. (…)

    Wer je eine Versammlung der Anhänger Le Pens, eine der biergeschwängerten Massenversammlungen zu Füßen von Franz Josef Strauß oder dem »neuen Franz« Schönhuber erlebt hat, weiß, wie hoch da die Gefühle gingen und gehen. Da fühlt sich niemand mehr einsam, unterdrückt, zum vernünftigen Tun vergattert, sondern als Teil einer singenden, brüllenden, klatschenden Gemeinschaft von Patrioten, die ihren »Mann« stellen und von einer weisungsgebenden Figur auf den Heilsweg geführt werden.

    Und am nächsten Tag? Da werden sie wieder zu grauen Mäusen, zu gehorsamen Bürokraten, folgsamen Angestellten, fleißigen Lohnbeziehern. Genau wie das Management sich seine Hand- und Kopflanger wünscht. Der Gemütsfaschismus, den die Neuen Rechten zum politisch ernstzunehmenden Faktor gemacht haben, korrespondiert exakt mit dem Technofaschismus der Industriegesellschaft, indem er kompensatorisch befriedigt, was im kalten, rationalen, entfremdeten Alltag der Produktionsuntertanen und ihrer anonymen Manager vernachlässigt wird. (…)

    Gegen diese Entwicklung, die dem einzelnen immer weniger Möglichkeit gibt, seine individuelle Persönlichkeit durchzusetzen, und ihn zum Mitmacher, ja zum Mitschuldigen an einer auf künftige Katastrophen hinsteuernden Entwicklung macht, haben die neuen sozialen Bewegungen der letzten zwanzig Jahre gekämpft und zunehmend Anhänger gewonnen. Ihre zunehmend techno-kritische, antikapitalistische Haltung muß den Technokraten Sorgen bereiten. Nachdem sie die Arbeiterbewegung durch Beteiligung an der ökologischen und imperialistischen Ausbeutung der Welt korrumpiert und weitgehend ruhiggestellt hatten, mußten sie gegen die Herausforderungen der Studentenbewegung, Ökobewegung, Friedensbewegung, Frauenbewegung, Arbeitslosenbewegung eine politische Bewegung finden, die nicht nur den Wirtschaftsinteressen nutzen, sondern auch die Gemüter der von Zweifeln, Angst, Unsicherheit Bedrängten gefangennehmen könnte.

    In den neuen faschistischen Bewegungen haben sie nun so etwas entdeckt, und es steht zu erwarten, daß die Mächtigen nach anfänglichen Zweifeln (wie sie übrigens zunächst auch gegen die Nazis bestanden) den neuen »Führern« genügende Finanzmittel zur Verfügung stellen werden, damit sie die vom Technofaschismus um ihre Persönlichkeitskräfte Gebrachten über den Gemütsfaschismus erneut gleichschalten. Während sie selbst, die wahren »Führer«, anonym bleiben, dürfen populäre Massenredner und Agitatoren deutlich hervortreten, Sympathien gewinnen und die Bürger von ihren wirklichen Interessen ablenken.

    Ein wirksamer Kampf gegen den Gemütsfaschismus verlangt die kritische Aufdeckung der Macht, die der Technofaschismus heute schon in Arbeits- und Konsumwelt übt. Doch dazu müßte noch etwas Wichtigeres kommen: Die Gegner des Technofaschismus, die Grünen und die Linken, müssen sich darum bemühen, den Bürgern nicht nur materielle oder ökologische Verbesserungen anzubieten, sondern die Visionen einer humanen Gesellschaft, für die sich die Menschen begeistern können. Mit „Brüder, zur Sonne, zur Freiheit“ hat die Arbeiterbewegung Millionen in Bewegung gebracht. Mit Tarif- und Lohnkämpfen allein können die Herzen der Menschen nicht gewonnen werden. Wer den »Wärmestrom« des Sozialismus versiegen läßt, kann nicht hoffen, denen, die mit der »heißen Luft« eines verquasten Patriotismus falsche Wärme vortäuschen, erfolgreich Widerstand zu leisten.

    Erfolgversprechender Antifaschismus darf die Emotionen der Menschen nicht vernachlässigen. Sie auf ernstzunehmende und ehrliche Weise anzusprechen und politisch einzusetzen, ist die Aufgabe einer nicht nur soziologisch, sondern auch psychologisch denkenden neuen politischen Generation, die lesen und diskutieren, aber auch zuhören und mit den Menschen sprechen kann. Nur so werden wir dem neuen Faschismus widerstehen und ihn überwinden.

    Aus: Martin Kirfel und Walter Oswalt (Hg.): Die Rückkehr der Führer. Modernisierter Rechtsradikalismus in Westeuropa. Europa-Verlag, Wien 1991, S. 6-7.

    Ausgewählt und kommentiert von M.A. Hans Holzinger.
    Er ist wiss. Mitarbeiter der Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen (Imbergstr. 2, A-5020 Salzburg. Tel. (00 43-06 62) 87 32 06, Fax: 87 12 96) und seit vielen Jahren in der Friedensbewegung engagiert.


    Info: https://wissenschaft-und-frieden.de/dossier/der-aufstand-gegen-das-unertraegliche/


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    05.07.2025

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    05.07.2025

    Pepe Escobar: Der Engel der Geschichte als Symbol des Widerstands

    seniora.org, 2. Juli 2025, 30. Juni 2025 Von Pepe Escobar - übernommen von strategic-culture.su

    Der gnadenlose Krieg wird lang und blutig sein. Doch der Engel der Geschichte scheint neuen Schwung bekommen zu haben.


    Screenshot_2025_07_05_at_19_31_33_Seniora.org_Pepe_Escobar_Der_Engel_der_Geschichte_als_Symbol_des_Widerstands

    Pepe Escobar - Independent geopolitical analyst, writer and journalist


    (Red.) Der unübertroffene Pepe Escobar, der von uns allen hoch geschätzt wird, hat sich hier in dem Durcheinander von Hobbes und Locke wohl etwas verheddert. Er spricht von einer "zweifelhaften 'natürlichen Güte' der Menschheit", die zum Ziel "ein sehr privates 'Streben zum Glück' und zum allgemeinen Wohl habe, hergestellt durch "das Wirken einer unsichtbaren Hand" - diese Locke'sche Weltsicht habe sich mit Hobbes "Leviathan" "fröhlich vereint", um mit diesem Irrtum/Märchen die Köpfe der Menschen für die nächsten 300 Jahre zu verwirren. Zugegeben: die gegenwärtige Weltlage spricht auf den ersten Blick nicht für ein positives Menschenbild. Aber es lohnt sich, noch einmal einen Blick in das Buch "Der Mensch ist gut" von Leonhard Frank zu werfen. Die Sozialnatur des Menschen ist eine evolutionäre Tatsache. Daran kommen wir nicht vorbei - allerdings genauso wenig wie an den katastrophalen Erziehungsfehlern, die leider immer noch dazu führen, dass die Menschen noch nicht "Gemeinschaftsgefühl leben wie atmen" (frei nach Alfred Adler). Auf den Seiten von Seniora.org finden sich zahlreiche Quellen, die dieses Thema gründlich vertiefen.(am)


    Screenshot_2025_07_05_at_19_30_49_Seniora.org_Pepe_Escobar_Der_Engel_der_Geschichte_als_Symbol_des_Widerstands© Photo: Public domain

    Es ist eine der faszinierendsten Passagen der Geistesgeschichte. In der 9. seiner Thesen zur Philosophie der Geschichte analysiert Walter Benjamin   – Jude, tragische Figur, einsames Genie   – Paul Klees eindringliches Gemälde Angelus Novus und erklärt der Nachwelt anschaulich das Drama, mit dem der Engel der Geschichte konfrontiert ist:

    „Sein Gesicht ist der Vergangenheit zugewandt. Wo wir eine Kette von Ereignissen sehen, sieht er eine einzige Katastrophe, die immer neue Trümmer aufwirbelt und vor seine Füße schleudert. Der Engel möchte bleiben, die Toten wecken und das Zerbrochene zusammenfügen. Aber ein Sturm weht vom Paradies her, der sich mit solcher Gewalt in seinen Flügeln verfängt, dass er sie nicht mehr schließen kann. Der Sturm treibt ihn in eine Zukunft, der er den Rücken zukehrt   – während der Trümmerhaufen vor ihm immer höher wird. Dieser Sturm ist das, was man Fortschritt nennt.“

    Es ist an der Zeit, über diese sehr apokalyptische christliche Parallele zwischen Göttlichkeit und gewaltsamer Vergeltung hinauszugehen. Wie Alastair Crooke in seinem erstaunlich scharfsinnigen Buch „Resistance: The Essence of the Islamist Revolution“ (2010) ausführlich darlegte, war es die Notwendigkeit, die Wut „göttlich inspirierter“ Gewalt zu zügeln, die Hobbes dazu veranlasste, „Leviathan“ zu konzipieren, in dem er einen Gesellschaftsvertrag zwischen dem Individuum und einer notwendigerweise starken, unerbittlichen Regierung forderte.

    Darüber hinaus war es die Hobbes'sche Version eines Gesellschaftsvertrags, die John Locke die Grundlage lieferte, um eine zweifelhafte „natürliche Güte” der Menschheit zu behaupten, komplett mit einem   – sehr privaten   – „Streben nach Glück” und dem allgemeinen Wohl, das sich durch das Wirken einer unsichtbaren Hand fröhlich vereinte.

    Dieser Irrtum/dieses Märchen prägte das westliche Denken für die nächsten 300 Jahre.

    Jetzt ist es ein völlig anderes Spiel. Wir waren zu lange Gefangene von Hobbes und Locke: ein verführerischer Pole-Dance der Legitimität, um den sich die westlich konzipierten Nationalstaaten gruppierten, um sich selbst und ihre Plünderung des Rests der Welt zu schützen und zu legitimieren.

    In jüngster Zeit wurde das zeitgenössische Schreckgespenst der „göttlichen Gewalt“ allen von Afrika bis Asien als bewaffneter islamistischer Widerstand verkauft. Aber nun ist auch diese Maske gefallen. Das „neue“ Syrien zeigt allen, dass „Al-Qaida R Us“ ist   – und immer war.*

    Schutz vor dem   – ultimativen   – Sturm

    Es ist auch an der Zeit, die Lage des Engels der Geschichte neu zu bewerten. Nein, er ist nicht von „göttlicher“ Wut gelähmt; diese ist vielmehr von Menschenhand geschaffen. Was ihn unterdessen weiter vorantreibt   – selbst wenn er seinen Blick in die Vergangenheit richtet („der rückwärts gerichtete halbe Blick über die Schulter, hin zum primitiven Schrecken“, wie T. S. Eliot es so eindrucksvoll formulierte)   – ist der Wind des säkularen, darwinistischen, technologischen „Fortschritts“   – eine einzige, einheitliche Katastrophe, die weit mehr ist als eine Kette historischer Ereignisse.

    Ja, er denkt weiterhin über die Tragödie nach; er möchte die Menschheit unbedingt für das Ausmaß der Katastrophe sensibilisieren; aber der Rausch des aktuellen technologischen „Fortschritts“, der von KI geprägt ist, reißt ihn unweigerlich mit.

    Der globale Süden scheint nun eine kristallklare Perspektive auf die neuen Konturen der Katastrophe zu haben, die dem Engel der Geschichte zu Füßen liegt.

    Die beiden wichtigsten zeitgenössischen Akteure der Katastrophe sind eindeutig identifiziert: ein psychopathologischer, genozidaler Todeskult, der sich aus Elementen eines selbsternannten auserwählten Stammes zusammensetzt, und die posthistorischen Eliten eines schwindenden Imperiums. Die tödlichste Umarmung die es jemals gab.

    Doch nun sind sie auf ein unerschütterliches Symbol des Widerstands gestoßen. Und sie mussten zurückweichen. Zum Erstaunen des Engels der Geschichte selbst.

    Der oberste Führer des Iran, Ayatollah Khamenei, brachte es in wenigen Sätzen auf den Punkt:

    „Der wichtigste Punkt, den ich in meiner Rede hervorheben möchte, ist, dass der Präsident der Vereinigten Staaten in einer seiner Äußerungen erklärt hat, der Iran müsse kapitulieren. Kapitulieren! Es geht nicht mehr um die Anreicherung oder die Atomindustrie. Es geht um die Kapitulation des Iran.“

    Das ist die Stimme eines alten Zivilisationsstaates   – im Gegensatz zur postmodernen, außer Kontrolle geratenen Barbarei: „Unser kultureller und zivilisatorischer Reichtum ist hundertmal größer als der der USA und anderer ähnlicher Länder (…) Das iranische Volk ist edel und wird edel bleiben.“

    Ein irrationaler und sicherlich nicht „göttlicher“ Sturm zielt nun darauf ab, den Engel der Geschichte vollständig zu lähmen   – und dem Narrativ seine überarbeitete, aber ebenso kitschige Vorstellung vom „Ende der Geschichte“ auf den begrenzten Raum Westasiens anzuwenden.

    Und das bringt uns zu der Frage, wie der Widerstand sich intensiv mit den praktischen Aspekten der Abschreckung und Verteidigung auseinandersetzen muss, damit der Engel der Geschichte sich neu erfinden kann.

    Sprung zu den jemenitischen Streitkräften   – dieser Bastion der Rechtschaffenheit, einer militärischen Organisation, die von spiritueller Kraft geleitet wird: „Die Waffenruhe der USA und der zionistischen Entität mit dem Iran macht deutlich, dass militärische Gewalt die einzige Sprache ist, die sie verstehen.“

    Hinzu kommt die wichtigste Lehre aus dem 12-tägigen Krieg: Wer den Himmel kontrolliert, kontrolliert letztlich auch das Land.

    Die iranische Führung als Dreh- und Angelpunkt des Widerstands steht vor einigen schwerwiegenden Entscheidungen. Die wichtigste davon betrifft die von den Houthis formulierte „Sprachfrage“: Sie muss Russland vertrauen, dass es ihr hilft, ein umfassendes, mehrschichtiges Offensiv-/Defensivsystem aufzubauen, komplett mit Hardware, Kampf- und Kontrollzentren, Langstreckenradarstationen, elektronischer Kriegsausrüstung und knallharten Kampfjets.

    Wie Kreml-Sprecher Dmitri Peskow vor dem Treffen zwischen Präsident Putin und dem iranischen Außenminister Abbas Araghchi vor einer Woche deutlich machte: „Es hängt alles davon ab, was der Iran gerade braucht.“

    Sie brauchen ernsthafte Unterstützung. Der Majlis   – das iranische Parlament   – hatte die Ratifizierung der umfassenden strategischen Partnerschaft mit Russland seinerzeit um über einen Monat verschoben, nachdem die Duma bereits Ende Mai zugestimmt hatte. Diese umfasst Waffenverkäufe, militärische Zusammenarbeit und einen intensiven Informationsaustausch   – auch wenn sie keine vollständige Militärallianz beinhaltet.

    Der ehemalige iranische Präsident Ebrahim Raisi hatte eindeutig den Blick für das große Ganze. Er setzte voll und ganz auf „Look East“   – also auf die Integration in Eurasien. Die derzeitige, zurückhaltende Präsidentschaft unter Pezeshkian versuchte einen „Look West“   – in der naiven Hoffnung, dass das Imperium des Chaos tatsächlich Diplomatie betreiben würde. Sie wurden eines Besseren belehrt.

    Der gnadenlose Krieg wird lang und blutig sein. Dies ist erst der Anfang   – die derzeitige Pause eingeschlossen. Doch der Engel der Geschichte scheint neuen Wind bekommen zu haben. Es sieht so aus, als hätte die überwiegende Mehrheit der Länder des Globalen Südens seine Warnungen vor der Katastrophe endlich verstanden. Während wir die Trümmer durchforsten, steht der Widerstand vor der Tür   – und schützt uns vor dem ultimativen Sturm.

    ___________________

    * Anmerkung des Übersetzers: „Al-Qaida R Us“ ist ein Wortspiel mit „Toys ‘R’ Us“ (die bekannte amerikanische Spielzeugladenkette). Wörtlich soll es wohl bedeuten: „Al-Qaida sind wir.“ Mit anderen Worten: Al-Qaida sei nicht einfach nur eine unabhängige islamistische Terrororganisation, sondern ein Werkzeug westlicher, vor allem US-amerikanischer oder verbündeter Geheimdienste und Regierungen.


    Quelle: Strategic-Culture - Mit freundlicher Genehmigung übernommen - Die Übersetzung besorgte Andreas Mylaeus

    https://strategic-culture.su/news/2025/06/30/angel-history-symbol-resistance/



    Info: https://seniora.org/index.php?option=com_acym&ctrl=fronturl&task=click&urlid=205&userid=3998&mailid=2783


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    05.07.2025

    Neues aus dem Leserforum: Der Fall Hüseyin Doğru & mehr

    lostineu.eu, vom 4. Juli 2025

    Seit einiger Zeit haben wir ein Leserforum bei “Lost in EUrope”. Dort gibt es spannende neue Themen – jenseits des Blogs und der Europapolitik im engeren Sinne.

    Neu hinzugekommen ist das Ressort “Wirtschaft und Finanzen” mit Themenblöcken zum Euro und zur EZB sowie zu den Wirtschaftskriegen. Damit ist auch der Zoll- und Handelskrieg unter Trump gemeint!

    Ebenfalls neu sind Beiträge zu den Themen “Zensur auf dem Umweg über EU-Sanktionen” (der Fall Hüseyin Doğru) sowie “Weitreichende Waffen für die Ukraine” (eine Stellungnahme des IPPNW zu deutschen Plänen).

    Wir würden uns über Reaktionen und Kommentare freuen! Aber nicht nur dazu – grundsätzlich haben alle Mitglieder des Forums die Möglichkeit, selbst neue Themen anzumelden und Artikel zu schreiben.

    Die Idee dahinter ist, über den Blog und die EU in Brüssel hinauszugehen. Der Fall Hüseyin Doğru zum Beispiel spielt in Deutschland, doch weder Berlin noch Brüssel fühlen sich für die Folgen verantwortlich.

    Ich kann mir aber auch gut vorstellen, Themen aus dem Forum im Blog aufzugreifen. Dazu muß aber noch mehr los sein. Das Forum hat schon zwei Dutzend Mitglieder – wer hat noch nicht, wer will noch mal?

    Zum Forum geht’s hier, zur Neu-Anmeldung hier

    P.S. Profi-Tipp: Jedes neue Thema hat einen eigenen Link. Den kann man verschicken, etwa per Mail, oder auf auf X oder bei Facebook posten. So lässt sich der Kreis noch erweitern…

    ‹ Kallas und China: Konfrontation statt Diplomatie

    Was sagen Sie dazu?



    Info: https://lostineu.eu/neues-aus-dem-leserforum/?utm_campaign=Lost%20in%20EUrope%20Update&utm_content=Lost%20in%20EUrope%20Update&utm_medium=email&utm_source=getresponse


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    Weiteres: 




    Kallas und China: Konfrontation statt Diplomatie


    Screenshot_2025_07_05_at_12_39_56_Lost_in_EUrope_Update

    Quelle


    lostineu.eu, vom 4. Juli 2025

    Seit einem Besuch des chinesischen Außenministers Wang Yi in Brüssel haben sich die Beziehungen der EU zu Peking empfindlich abgekühlt. Nun eskaliert auch noch der Handelsstreit.

    “Maximal konfrontativ” sei das Treffen zwischen Wang Yi und der EU-Außenbeauftragten Kallas verlaufen, berichtete die “FAZ”. Die Schuld daran trägt wohl vor allem Kallas.

    Die bekannte Russland-Hasserin aus Estland hatte schon vor der Begegnung eine Erklärung herausgegeben, in der sie alle antichinesischen Klischees aufzählte:

    „Chinesische Unternehmen sind Moskaus Lebensader, um seinen Krieg gegen die Ukraine aufrechtzuerhalten“, hieß es da. „Peking führt Cyberangriffe durch, mischt sich in unsere Demokratien ein und betreibt unfairen Handel.“

    Gezielt durchgestochen

    Nach dem Treffen stach sie dann angebliche Äußerungen ihres chinesischen Amtskollegen durch. Wang Yi habe in dem vierständigen Treffen erklärt, dass China keinen Sieg der Ukraine gegen Russland wolle.

    Denn danach werde sich der “Fokus” der USA auf Peking verlagern. Das ist allerdings jetzt schon der Fall. Man darf wohl davon ausgehen, dass Kallas die Worte ihres Gesprächspartner nicht ganz richtig wiedergeben hat.

    Denn sie und die EU haben ein ganz eigenes Interesse: China von jeder Unterstützung Russlands abzubringen. Für dieses Ziel nutzt Kallas wilde Anschuldigungen – wie oben zitiert. Die Diplomatie bleibt dabei auf der Strecke.

    Handelsstreit eskaliert

    Als wenn das nicht alles schon mehr als genug wäre, eskaliert nun auch noch der Handelsstreit. Wegen angeblichem Dumpung erhebt China ab Samstag wieder Zölle auf Weinbrand, vorwiegend aus Frankreich.

    Damit ist die Eiszeit zwischen Brüssel und Peking perfekt – und das kurz vor einem EU-China-Gipfel in zwei Wochen…

    Siehe auch Nun will sich die EU auch noch mit China anlegen Mehr zu China hier

    ‹ Deal mit Trump: Die EU wird immer bescheidener › Neues aus dem Leserforum: Der Fall Hüseyin Doğru & mehr

    7 Comments

    1. Andreas Mathys
      5. Juli 2025 @ 11:05

      Diplomatie statt nur Anschwärzung der EU nicht genehmer Staaten, ist bei der katastrophalen Fehlbesetzung des Aussenbeauftragtenpostens mit einer Kallas leider nur Wunschdenken. Die EU ist wahrlich im Niedergang begriffen.

    Antworten

  • KK
    4. Juli 2025 @ 14:58

    Laut online-Duden sind Synonyme zu „Diplomatie“: Gewandtheit, Klugheit, Taktik, Verhandlungsgeschick, Verhandlungskunst.
    Angesichts dessen, was in der EU und deren Mitgliedsstaaten in den letzten Jahren für sog. „Chefdiplomaten“ herumeiern, sollte der Duden dringend andere, genau den o.g. entgegengesetzte Synonyme benennen. Und diese noch um eines ergänzen: Kriegshetzerei!

    Antworten

    • umbhaki
      4. Juli 2025 @ 20:46

      Nee, andersrum: Wir sollten aufhören, die betreffenden Gestalten als „Diplomaten“ zu bezeichnen. Denn, wie Sie richtig ausführen, üben diese eiernden Persönlichkeiten keinerlei Diplomatie aus.

      (Vielleicht haben die im Gegensatz zu Ihnen ja einfach noch nirgends nachgeschlagen, was Diplomatie bedeutet.)

      Antworten

      • KK
        4. Juli 2025 @ 22:44

        „Nee, andersrum: Wir sollten aufhören, die betreffenden Gestalten als „Diplomaten“ zu bezeichnen.“

        Die von mir vorgegebene Richtung war allerdings genau so beabsichtigt,
        denn so entspricht es der inzwischen von Politik und Medien gern praktizierten Methode, für die George Orwell mal den Begriff „Newspeak“ (oder in der Übersetzung: „Neusprech“) geprägt hat!

    • Michael
      5. Juli 2025 @ 10:37

      Sie sagen es doch selbst: das Antonym für „Diplomatie“ ist „Kallas“!

      Antworten

  • european
    4. Juli 2025 @ 14:23

    Truemmerlotte auf Erfolgskurs. ????

    Die Chinesen werden sich bestimmt zutiefst beeindruckt und dementsprechend kooperativ verhalten. Ich meine, wenn Kallas droht, dann gibt es kein Entrinnen mehr auf diesem Planeten. Schliesslich kommt sie kurz hinter Gott.

    Leider wird es am Montag keine Verbesserung geben. Auf das Misstrauensvotum braucht man nicht zu hoffen. Wir werden also dieser politischen Farce weiter zusehen muessen, immer in der Hoffnung, dass unsere Fuesse heil bleiben, wenn der ganze Laden auf sie faellt.

    Antworten

  • Erneuerung
    4. Juli 2025 @ 14:09

    Man sollte langsam mal anfangen, ein Register der Totengräber der EU zu erstellen. Die Namen und Konterfeis könnten dann auf zukünftigen Denkmälern, die nach dem Neuaufbau der EU errichtet werden, zu sehen und zu lesen sein. Da der selbstverschuldete Komplettabsturz nicht mehr weit entfernt scheint, dürfte sich auch die Anzahl der “Untergangs-Katalysator.innen” soweit in Grenzen halten, dass die Denkmäler überschaubar bleiben. Derzeit erscheinen auf der Liste der Verantwortlichen vorwiegend äußerlich als weiblich zu definierende Personen. Aber man könnte auch noch eine Rückseite planen, für Ähnliches betreffs NATO, dort sind die Kandidaten männlich. Ich wünsche BRICS+ und vor allem China, dass es sich weiter erfolgreich entwickelt, zum Trotz der Störfeuer ungebildeter Personen des Wertewestens.

    Antworten

  • Was sagen Sie dazu?


    Info: https://lostineu.eu/diplomatie-a-la-kallas-eiszeit-zwischen-bruessel-und-peking/?utm_campaign=Lost%20in%20EUrope%20Update&utm_content=Lost%20in%20EUrope%20Update&utm_medium=email&utm_source=getresponse


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    Weiteres: 




    Deal mit Trump: Die EU wird immer bescheidener


    Screenshot_2025_07_05_at_12_51_34_Lost_in_EUrope_Update

    Quelle


    lostineu.eu, vom 4. Juli 2025

    Am 9. Juli läuft die Frist für einen Handelsdeal mit den USA ab. Die EU hat sich von Präsident Trump erpressen lassen – nun wird sie bescheiden und will sogar pauschale Zölle schlucken.

    Nach Last-Minute-Gesprächen in Washington lobte EU-Handelskommissar Sefcovic eine “produktive Arbeitswoche”. Es sei gut gewesen, sich mit der US-Administration zu treffen.

    “Unser Ziel ist unverändert: ein gutes und ehrgeiziges transatlantisches Handelsabkommen”, fügte Sefcovic hinzu.

    In Wahrheit ist ein gutes Abkommen nicht in Sicht, und der Ehrgeiz hat auch spürbar nachgelassen. Mittlerweile wäre die EU schon froh, wenn statt der von Trump angedrohten 50 Prozent nur ein pauschaler Zoll von 10 Prozent kommt.

    Im Gegenzug verlangt die EU jedoch Zusagen zur Senkung der US-Zölle in Schlüsselbranchen wie Auto, Pharma, Halbleiter und Verkehrsflugzeugen. Doch die zeichnen sich bisher nicht ab.

    Der Grund: In den G-7-Verhandlungen zur globalen Mindeststeuer hat Trump gesehen, wie leicht sich die EU erpressen lässt. Kanzler Merz & Co. haben eingewilligt, dass große US-Konzerne von der Steuer ausgenommen werden!

    Das ermuntert Trump, auch im Zollstreit nachzukarten und sachfremde Themen wie die EU-Internetgesetze aufzuwerfen. Während die Amerikaner immer mehr fordern, werden die EUropäer auf den letzten Metern immer bescheidener…

    Siehe auch Deal mit Trump: EU-Chef wirbt für Waffenkäufe in den USA und meine Kolumne im Makroskop zur G-7

    P.S. Gebremst wird die EU auch von Konzernen wie Mercedes-Benz und LVMH. Sie fordern einen schnellen Deal und warnen vor einer harten Vergeltung, falls Trump hohe Zölle erlassen sollte. Damit schwächen sie die europäische Verhandlungsposition weiter…

    ‹ Jetzt führt Selenskyj die EU (meinen die Dänen) › Kallas und China: Konfrontation statt Diplomatie

    6 Comments

    1. Arthur Dent
      4. Juli 2025 @ 13:47

      “Produktive Arbeitswoche” war sicherlich gut für Sefcovic – man kommt mal vor die Tür, sieht andere Länder und Leute…
      @european
      Wenn Merz immer nur das Geld verteilen kann, was er hat, dann dürfte man ja keine Schulden machen. In einer offenen Volkswirtschaft geschieht aber immer alles simultan – investieren, produzieren, verkaufen, sparen…

    Antworten

  • european
    4. Juli 2025 @ 09:33

    Und zuhause wird erzaehlt, dass wir jetzt alle wieder sparen muessen und fuer die Senkung der Stromsteuer kein Geld da ist. Und dann erst das Buergergeld, diese Plage der Nation.

    Same old shit. Die Mottenkiste der Textbausteine ist unerschoepflich. Es ist nichts dabei, was wir nicht schon mehrfach gehoert haben. Wir „Können nur das Geld ausgeben, das wir haben“, sagt Merz. Gleichzeitig kann die Bundesregierung Milliarden in der Ukraine verballern ohne mit der Wimper zu zucken. Und natuerlich werden wir 5% des BIP fuer die Ruestung ausgeben. Unser Portemonnaie scheint diesbezueglich so unerschoepflich wie die Tasche von Mary Poppins.

    Dies ist die Regierung der Luegenbarone, die mit Pinocchio-Nase andere auf der Kanonenkugel fliegen lassen wollen. Man darf gespannt sein, wie lange sie haelt. Die SPD ist weiter auf dem Sinkflug und hat gerade die 13 Prozent erreicht.

    Wem wird eigentlich nicht schlecht dabei?

    Antworten

    • Guido B.
      4. Juli 2025 @ 10:49

      Mary Poppins, Pinocchio, Baron Münchhausen – solche Assoziationen sind bei diesen Eliten unvermeidlich. Man muss aber fair bleiben: Unseren Eliten fehlt der Unterhaltungswert. Sie sind einfach nur langweilige Lügen auf krummen Beinen. Eher geeignet als Brechmittel.

      Antworten

    • KK
      4. Juli 2025 @ 14:46

      „Die SPD ist weiter auf dem Sinkflug und hat gerade die 13 Prozent erreicht.“

      Waaaas, die SPD ist immer noch zweistellig?

      Antworten

      • Arthur Dent
        4. Juli 2025 @ 22:36

        @KK
        ja – und hat immer noch den beliebtesten Politiker (aller Zeiten)
        ???? bruhahaha

      • KK
        5. Juli 2025 @ 00:47

        Ein elendes Siechtum… aber ein verdientes!

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    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    05.07.2025

    !!!!! Bundesregierung rechtfertigt Kranzschändung in Dachau

    aus e-mail von Doris Pumphrey, 5. Juli 2025, 12:24 Uhr


    _RTDE 5.7.2025


    _*Benimmstunde für Opfernachfahren: Kulturstaatsminister Weimer

    rechtfertigt Kranzschändung von Dachau


    *Die Bundesregierung rechtfertigt die Kranzschändung in Dachau. Die

    Entfernung russischer und weißrussischer Kranzschleifen auf dem

    ehemaligen SS-Schießplatz Hebertshausen sei "nachvollziehbar und

    angemessen". Laut Gedenkstättenleitung erschweren Russland und

    Weißrussland selbst die Versöhnung mit den Deutschen.


    Im Anschluss an eine Gedenkzeremonie an die 4.000 ermordeten Rotarmisten

    auf dem ehemaligen SS-Schießplatz Hebertshausen hatte die

    Gedenkstättenleitung im Mai dieses Jahres die Entfernung der

    weißrussischen und russischen Kranzschleifen angeordnet

    (/RT DE/ berichtete). Die Begründung: Auf dem Gedenkstättengelände

    herrsche ein Verbot der Verwendung staatlicher Symbole der Russischen

    Föderation und der Republik Weißrussland. Man zeige damit "Respekt vor

    den Opfern des völkerrechtswidrigen russischen Angriffskriegs". Dieses

    Vorgehen deutscher Gedenkstättenfunktionäre sorgte für große Empörung.


    Das Bonner Generalkonsulat der Russischen Föderation reagierte

    <https://t.me/RusBotschaft/13496?single> und stellte bei den deutschen

    Strafverfolgungsbehörden einen Antrag auf Einleitung eines

    Strafverfahrens wegen Vandalismus und Beleidigung von Staatssymbolen.

    Mittlerweile wurde aus Medienberichten bekannt, dass die verantwortliche

    Staatsanwaltschaft München II die Strafanzeige nicht weiterverfolgt. Es

    liege kein zureichender Anfangsverdacht vor.


    In einer Antwort auf eine Anfrage des AfD-Bundestagsabgeordneten Götz

    Frömming ließ Wolfram Weimer, seines Zeichens Beauftragter der

    Bundesregierung für Kultur und Medien, am 13. Juni erkennen, dass das

    rabiate Vorgehen der Dachauer Gedenkstättenleitung von der

    Bundesregierung gutgeheißen wird (Drucksache 21/469). Die russischen und

    weißrussischen Diplomaten hätten die Vorgaben der Gedenkstättenleitung

    missachtet, auch indem sie "großformatige Sankt-Georgs-Bänder" am Revers

    getragen hätten. Die Entfernung der Schleifen in den Landesfarben sei

    "vorsichtig" und "ohne die Kränze zu beschädigen" vonstattengegangen.

    Bei Gedenkveranstaltungen achte man darauf, dass der russischen und

    weißrussischen Opfer des KZ Dachau in neutralen Farben, ohne nationalen

    Bezug, gedacht werde.


    Das Auswärtige Amt wiederum stellt sich hinter die Stellungnahme

    Weimers. Es tritt somit auch unter der Leitung von CDU-Außenminister

    Johann Wadephul in die Tradition des sogenannten "Baerbock-Erlasses",

    der die Nichtzulassung und gegebenenfalls Entfernung russischer und

    weißrussischer Offizieller bei Gedenkveranstaltungen zum 80. Jahrestag

    des Kriegsendes empfohlen hatte. Hintergrund der Handreichung war die

    Unterstellung, die Diplomaten könnten das Gedenken "zu

    propagandistischen Zwecken" instrumentalisieren.


    Die/Süddeutsche Zeitung/ ließ anschließend in einem ausführlichen

    Artikel

    <https://www.sueddeutsche.de/muenchen/dachau/kz-gedenkstaette-dachau-russische-botschaft-hebertshausen-kraenze-li.3274263

    die Stellungnahmen der deutschen Behörden zitieren. Russische und

    weißrussische diplomatische Delegationen, die getreu dem Protokoll ihrer

    Länder für Gedenkveranstaltungen vorgehen, stellte die Zeitung als Täter

    dar, die die Vorgaben der deutschen Ämter "missachteten". Nach

    Einschätzung der Gedenkstättenleitung seien es sie, die mit ihrem

    Benehmen die historische Versöhnung mit den Deutschen "derzeit erschweren".


    Da somit die Bundesregierung das Abschneiden der Kränze billigt und die

    Staatsanwaltschaft das Einleiten eines Verfahrens verweigert, bleibt nur

    noch die Möglichkeit der Ahndung durch russische oder weißrussische

    Behörden. Die russische Botschaft ließ bereits im Mai verkünden, dass

    die Strafverfolgungsbehörden der Russischen Föderation informiert worden

    seien.


    Währenddessen lassen es sich mitfühlende Menschen nicht nehmen, der

    Ermordeten von Hebertshausen zu gedenken, zuletzt am 22. Juni, dem

    84. Jahrestags des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion. Nun eben mit

    einer Sowjetflagge <https://t.me/RusBotschaft/13682>.


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    05.07.2025

    Nazi-Deutschland /BRD: Kontinuitäten

    aus e-mail von Doris Pumphrey, 5. Juli 2025, 121:54 Uhr


    /Interessant hierzu auch der Artikel im FOCUS (erschienen am 31. März 2012)

    /*Braune Flecken auf grünen Idealen

    <https://www.focus.de/digital/multimedia/schon-die-gruenen-hatten-ein-nazi-problem-debatte-bei-der-piratenpartei_id_2363620.html>* 

    /(nicht nur in der Geschichte der Grünen sondern auch der großen

    Umweltverbände)/


    _

    RTDE 5.7.2025


    _*Der barbarische Russe:

    Wenn der noch fruchtbare Schoß wieder kreißt

    */Von Gert Ewen Ungar/


    Merz hat angekündigt, Deutschland wieder zur größten Militärmacht in

    Europa machen zu wollen. Die Narrative in den großen deutschen Medien

    sind gleichgeschaltet, die Beiträge zu Russland und zum Ukraine-Krieg

    sind über die Breite der deutschen Medienlandschaft bis in die Wortwahl

    identisch. Es wird durch eine breite Angebotspalette an Zeitungen,

    Magazinen und Sendeformaten eine Vielfalt der Meinungen und der

    journalistischen Pluralität vorgetäuscht, die in Deutschland de facto

    nicht existiert. Verstärkt wird diese Narrativ-Gleichschaltung durch

    Zensur und Repression gegenüber unabhängigen Journalisten. Der deutsche

    Informationsraum ist wieder hermetisch abgeriegelt. Presse- und

    Meinungsfreiheit wird in Deutschland nur noch simuliert.


    Deutsche Politik sieht in Russland wieder den Erzfeind und wittert an

    jeder Ecke russische Bedrohungen. Der Feindbildaufbau in Politik und

    Medien läuft auf Hochtouren. Dabei wird auf tief in der deutschen

    Gesellschaft verankerte Klischees und Vorurteile zurückgegriffen, die

    sich leicht aktivieren lassen. Der barbarische Russe, der vergewaltigt,

    brandschatzt und nur die Sprache der Gewalt versteht, hat wieder seinen

    festen Platz in der Berichterstattung deutscher Medien und in den

    Schilderungen deutscher Politiker. Der slawische Untermensch ist als

    rassistische Figur wieder fester Bestandteil der deutschen Erzählung

    über Russland.


    Deutschland rüstet sich für einen Krieg mit Russland, das gar keine

    Kriegsabsichten gegenüber Deutschland hegt. Gleichzeitig unterstützt

    deutsche Politik mit der Ukraine und Israel gleich zwei rechte

    Regime. Deutschland liefert Waffen für Genozid und Kriegsverbrechen.

    Deutsche Politik unternimmt nichts, um Konflikte auf diplomatischem Weg

    zu lösen, dafür aber alles, um seine imperialistischen Interessen

    kompromisslos durchzusetzen. Man ist sich entweder mit Deutschland

    einig, oder man ist nicht mit Deutschland, ist das kompromisslose Motto

    deutscher Außenpolitik. Deutschland wiederholt nun zum dritten Mal, was

    bei Versuch eins und zwei zum Glück für die Welt gescheitert ist.


    Die Frage ist, wie es trotz all der Nie-Wieder-Beteuerungen nach 1945

    dazu kommen konnte? Woher kommt die fehlende Resilienz? In Russland hat

    eine Diskussion an Fahrt aufgenommen, in der es um die

    Nazi-Vergangenheit der Vorfahren der aktuellen Politikerkaste geht.

    Namentlich genannt werden dabei regelmäßig Kanzler Merz (CDU), die

    ehemalige Außenministerin Baerbock und der ehemalige Wirtschaftsminister

    Robert Habeck (beide Bündnis 90/Die Grünen).


    Nun halte ich persönlich diesen persönlichen Ansatz für schwierig. Es

    gibt wohl kaum jemanden deutscher Herkunft, in dessen Ahnenreihe sich

    nicht Bewunderer und Unterstützer des Nationalsozialismus finden lassen.

    Damit lässt sich auch der Wiederholungszwang, dem die deutsche

    Gesellschaft unterliegt, nicht befriedigend erklären.


    Die Erklärung, warum Deutschland seine historisch gemachten Fehler wie

    im Zwang wiederholt, wenn es nicht unter Aufsicht gestellt ist, liegt

    nicht an einzelnen Personen, sondern an den institutionellen und

    strukturellen Kontinuitäten in Deutschland. In Westdeutschland hat eine

    Entnazifizierung, die diesen Namen verdient, nie stattgefunden.


    In Ostdeutschland ist die Situation anders, allerdings wurden nach der

    Wiedervereinigung Ostdeutsche von allen Posten der Macht ferngehalten.

    Es gibt im Osten der Republik eine höhere Sensibilität gegenüber

    Totalitarismus und Faschismus, die allerdings aufgrund des fehlenden

    Einflusses auf Gesamtdeutschland ins Leere läuft. In Westdeutschland

    dagegen gab es fließende Übergänge. Hohe Nazifunktionäre schafften es

    wieder in hohe Positionen und gestalteten den Aufbau der Institutionen

    der Bundesrepublik aktiv mit.


    Die CDU nahm bedenkenlos ehemalige Mitglieder der NSDAP auf. So konnte

    1966 mit Kurt Kiesinger ein ehemaliges NSDAP-Mitglied Bundeskanzler

    werden. Dass dies möglich wurde, deutet auf ein gesellschaftliches

    Klima, in dem bewusst weggeschaut wurde. Aber es war eben mehr als nur

    betretenes Wegsehen. Die alten Nazikader führten kein verstecktes

    Dasein, sie hatten in der jungen BRD Gestaltungsmacht. Sie konnten ihre

    Saat säen, und die Saat geht nun auf. Einige Beispiele.


    Der deutsche Auslandsgeheimdienst BND hat seine Wurzeln in der

    Organisation Gehlen. Ihr Gründer, Reinhard Gehlen, war während der

    NS-Zeit Leiter der Militäraufklärung Fremde Heere Ost. Es waren die USA,

    die Gehlen beim Aufbau eines deutschen Geheimdienstes unterstützten und

    zunächst auch finanzierten. Vor diesem Hintergrund ist es wenig

    verwunderlich, dass der BND zwar überall russische Aktivitäten wittert,

    zum großen Abhören durch die USA aber schweigt.


    Nachdem Edward Snowden 2013 das Ausmaß der Spionagetätigkeit der

    US-Geheimdienste aufgedeckt hatte, blieb es in Deutschland unangemessen

    still. Darüber, dass die USA diese Praktik aufgegeben haben, den

    kompletten Datenverkehr weltweit zu überwachen, ist nichts bekannt.

    Während die großen US-Tech-Giganten wie Google, Microsoft und Facebook

    mit US-Geheimdiensten kooperieren und dabei nicht nur Daten zugänglich

    machen, sondern auch Hintertüren zur Überwachung in Apps und Software

    einbauen, bleibt der Blick des BND streng nach Osten gerichtet. Da stand

    und steht für ihn und seine Vorgängerorganisationen der Feind.


    Ebenfalls Mitglied des Nachrichtendienstes Fremde Heere Ost und

    Gründungsmitglied der Organisation Gehlen war Klaus Ritter. Auf einer

    Reise in die USA im Jahr 1959 wurde Ritter mit der Arbeit von

    Think-Tanks vertraut gemacht. Ritter gründete daraufhin im Jahr 1962 die

    Stiftung Wissenschaft und Politik, die deutsche Politik und Medien zu

    außenpolitischen Themen berät. Gern stellt die Stiftung auch

    Interview-Partner zur Verfügung. Claudia Major, die aus den Sesseln

    deutscher Talkshows unermüdlich für eine Eskalation gegenüber Russland

    die Werbetrommel rührt, ist dafür ein Beispiel. Damit erklärt sich auch,

    warum Claudia Majors Ausführung zu Russland so ähnlich wie

    der Generalplan Ost der Nazis klingt. Sie stammen schlicht von dort. Das

    Dossier

    <https://www.swp-berlin.org/themen/dossiers/russlands-krieg-gegen-die-ukraine

    zum Ukraine-Krieg auf der Seite der Stiftung lässt wenig Zweifel an der

    Kontinuität von vor 1945 bis heute aufkommen. Unter anderem von dort

    beziehen die deutschen Medien ihr Wording und werden darüber ideologisch

    gleichgeschaltet.


    Der Faschismus bleibt eng mit der deutschen Politik verwoben. Das gilt

    selbstverständlich auch für die Grünen. Zu deren Gründervätern zählten

    gleich mehrere ehemalige Nazis. Jürgen Trittin sprach vor einigen Jahren

    bereits von "erheblichen Schnittmengen" und "zahlreichen

    Berührungspunkten" zwischen grüner Umwelt- und Nazi-Ideologie. Der

    Eindruck, die Grünen streben nach einer faschistischen Öko-Diktatur,

    kommt nicht von ungefähr. Es ist einfach so. Die totalitäre Ideologie

    ist in die Tiefen ihrer politischen DNA eingeschrieben.


    Was für Politik und hohe Bundesämter gilt, gilt natürlich auch für die

    Medien. Für nahezu alle großen Blätter, für die /Zeit/, den /Spiegel/

    und die /Welt/ schrieb unter unterschiedlichen Pseudonymen Paul Schmidt,

    der während der NS-Herrschaft Pressechef von Außenminister von

    Ribbentrop war. Hans Abich, in den Siebzigern Programmdirektor bei der

    /ARD,/ lernte sein Handwerk im Reichsministerium für Volksaufklärung und

    Propaganda. Wer sich mit diesem Wissen heute die /Tagesschau/ ansieht,

    den wundert nichts mehr. Der antirussische Spin der deutschen Journaille

    wurde früh angestoßen.


    Das ist natürlich nur eine kleine Auswahl, allerdings ließe sich die

    Liste der Kontinuitäten zwischen Nazi-Deutschland und der späteren

    Bundesrepublik noch lange fortsetzen. Klar ist, dass es einen echten

    Bruch nie gegeben hat, und er von den Alliierten, allen voran den USA

    auch nie gewünscht war. Deutschland sollte Bollwerk gegen die

    Sowjetunion und später gegen Russland bleiben. Dafür war man bereit, den

    Pakt mit deutschen Faschisten einzugehen. Sie sahen darin eine

    Einladung, ihre Arbeit auch nach 1945 fortzusetzen.


    Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch, warnte Bertolt Brecht

    und behielt rückblickend recht. Heute kreißt dieser Schoß wieder.

    Gewährt man Deutschland Freiraum, werden die Strukturen aktiv, die der

    Bundesrepublik in ihren Anfangsjahren von alten Nazikadern eingepflanzt

    wurden. Deutschland kann gar nicht anders, als seine Geschichte zu

    wiederholen, denn die Weichen wurden nie anders gestellt. Es soll auch

    nicht anders. Deutschland soll als Antirussland wirken, auch wenn das

    bedeutet, dass dadurch Europa wieder in Schutt und Asche gelegt werden

    könnte. Die sich für die Zeit danach stellende Schuldfrage ist damit

    allerdings auch geklärt.


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    05.07.2025

    Screenshot_2025_07_06_at_11_32_45_Na_ja_weil_es_eben_der_Russe_ist

    nachdenkseiten.de, vom 03. Juli 2025 um 12:00 Eine Glosse von Rolf Krug

    Wenn es nach unserem Verteidigungsminister Boris Pistorius geht – dem Dealer der Kriegss(t)üchtigkeit – dann greift der Russe ab 2029 ein. Oder an. Was genau, das weiß man nicht. Wo? Auch nicht. Und warum? Na ja … weil es eben der Russe ist. Wir Deutschen können uns endlich wieder gemütlich in unser Moralzimmer zurückziehen und uns dort ausruhen. Schließlich haben wir diesmal nicht angefangen. 


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    Im Grunde genommen ist der Russe aber freundlich. Er weiß, dass wir jetzt schon alle möglichen Ecken auskratzen müssen, um der Ukraine überhaupt noch irgendeine Waffe liefern zu können – weil die eigenen Bestände aussehen, als hätte eine Horde Mäuse darin genächtigt, bewacht von einer arthritischen Katze.

    Und was macht er, der nette Russe?

    Er wartet. Bis 2029.

    Das ist doch wirklich ein entgegenkommender Zug: Er lässt dem Gegner Zeit, wieder zu Kräften zu kommen – damit der überhaupt noch eine Chance hat.

    Da soll noch einer behaupten, der Russe sei bösartig.

    Anscheinend ist er nur artig – oder blöd – was ihn aber nicht bösartiger, sondern höchstens blödartiger macht.

    Oder einfach ein fairer Kampfgenosse, der wartet, bis der Gegner auch wieder aufsteht.

    Nun – letztlich ist es egal.

    Eins ist jedenfalls sicher: **Der Russe steht vor der Tür!**

    Man braucht nur Carlo Masala in die Glaskugel schauen zu lassen – oder bei Agnes, der Besorgten und jetzt Entsorgten, nachzufragen – und schon ist nochmal klar: **Der Russe steht immer noch vor der Tür!**

    Gut, beide interessiert es wenig, dass der Amerikaner währenddessen den kompletten Kühlschrank leer frisst, es sich im Haus bequem gemacht hat und auch schon die Schmuckschatulle geleert hat – noch bevor es für Merz Herbst wird und einer fürs Sozialgebimbel einen silbernen Teelöffel opfert.

    Und wenn der Russe nicht kommt, liegt es nicht daran, dass er nicht gewollt hätte. Nein, wir haben ihn abgeschreckt. (Es lebe das Präventionsparadoxon.) Mit einem unlustigen Russen ist der Wahnsinn von 500 Milliarden Militärausgaben und 5 Prozent vom BIP für die NATO ja auch nicht zu verkaufen.

    Und für die Folgen unserer Klimaversauung – deren weitere Abwehr – ist dann erst recht kein Geld mehr übrig.

    Ob der Klimawandel uns tötet, ist ja unsicher. Dass der Iwan uns überrollen wird: Fest gesetzt!

    Da müssen die Klimakleber in 2029 aufpassen, dass sie schnell von der Straße kommen. Fürs Klima Kleben und durch Sergejs Panzer in den Asphalt Eingearbeitet Werden – nicht gerade ruhmvoll.

    Aber vielleicht hat der Russe ja auch gar keine Lust zu kommen.

    Das wäre fatal. Schon allein wegen all der Mühe – und dem großangelegten Abverkauf an Nebelkerzen, um dem Volk Verzicht als Tugend anzudrehen.

    Wenn der Russe lesen kann – und einige können es ja, wie man so behauptet –, dann schaut er sich einmal die Verspätungszeiten der Deutschen Bahn an, die vielen Löcher im Mobilfunknetz, den Zustand der Schulen, und dass es bei uns Rentner gibt, die nach 40 Jahren Arbeit in Mülltonnen herumwühlen.

    Manche Städte sehen aus, als wäre er schon dagewesen – und warum sollte er sich dann die Mühe machen, gleich nochmal zu kommen?

    Elend kennt das russische Volk ja selbst schon genug – da braucht es Deutschland nicht erst zu erobern.

    Aber jetzt genug gejammert.

    Von der Regierungskanzel wird gepredigt: „Wir müssen jetzt alle an einem Strang ziehen“.

    Den hat man uns allerdings um den Hals gelegt …


    Titelbild: Shutterstock


    Rubriken: Außen- und Sicherheitspolitik Audio-Podcast Kampagnen/Tarnworte/Neusprech


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    Info: https://www.nachdenkseiten.de/?p=135474


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    05.07.2025

    Screenshot_2025_07_06_at_11_18_58_Merz_Wir_m_ssen_uns_gegen_Russland_wehren_nein_das_m_ssen_wir_nicht

    nachdenkseiten.de, 04. Juli 2025 um 12:30 Ein Kommentar von Marcus Klöckner

    „Russland greift uns an. Dagegen müssen wir uns wehren“ – das sagte Friedrich Merz vor einem Millionenpublikum in der Sendung „Maischberger“. In einem Tweet auf der Plattform X wiederholte er die Aussage. Das ist nichts anderes als Feindbildaufbau. Der deutschen Bevölkerung wird Angst vor Russland gemacht. Ein Deutschland, das sich gegen Russland „wehren“ soll? Das klingt wie ein historischer Albtraum. 


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    Russland greift uns nicht an. Und wir müssen uns auch nicht gegen Russland wehren. Friedrich Merz sieht das aber anders. Bei Maischberger sagte der Bundeskanzler das Folgende: „Wir werden ausspioniert, wir haben Sabotageakte und massive Falschmeldungen. Russland greift uns an. Dagegen müssen wir uns wehren.“

    So, so. Ist das so? Gibt es da Gerichtsfestes? Oder bewegen sich die Anschuldigungen auf der Qualitätsebene der Medienberichterstattung? Im Februar berichtete etwa der Spiegel „exklusiv“ von aus Russland gesteuerten Angriffen auf deutsche Autos – mit, Achtung: Bauschaum. Ja, richtig: Bauschaum. Ich bezeichne das als billige Propaganda. Warum sollte die Atommacht Russland des deutschen liebstes Kind, das Auto, mit Bauschaum angreifen?

    Ja, ja, schon klar: Weil Russland eben „böse“ ist. Und dumm wohl noch obendrauf. Dumm deshalb, weil das Land auf diese Weise selbst dafür sorgen würde, dass die deutsche Bevölkerung Wut gegen Russland entwickelt. Warum aber sollte Russland das wollen? Ein Interesse daran, die Bevölkerung gegen Russland aufzustacheln, haben der Logik nach jene Kreise, die unbedingt das Feindbild Russland in Deutschland und anderen NATO-Staaten aufbauen wollen. Doch die Logik ist bekanntlich der Feind der Propaganda.

    Da Merz von Angriffen gesprochen hat: Wie sieht es überhaupt mit Nord Stream aus? Der schwerste Anschlag auf die Energieinfrastruktur seit dem Bestehen der Republik. Gibt es nun endlich Beweise, dass Russland verantwortlich ist? Da ist die Politik erstaunlich schmallippig geworden. Und das, wo doch US-Präsident Joe Biden auf einer Pressekonferenz gesagt hat, es werde Mittel und Wege geben, Nord Stream zu einem Ende zu bringen. Zu den Äußerungen Bidens sagte Merz nichts. Und wie war das, als bekannt wurde, dass die USA Deutschland abhörten? Sprach Merz damals auch von einem Angriff? Damals hat die deutsche Politik allenfalls mit Watte geworfen.

    Die Aussage, „Russland greift uns an“, zeugt gerade auch im Hinblick auf das Vorhaben „Kriegstüchtigkeit“ von bemerkenswerter politischer Verantwortungslosigkeit. Da wird der Krieg plötzlich zum Greifen nah. Hatte Merz keine andere Formulierung zur Hand, als von „greift uns an“ zu sprechen? Merkel formulierte damals beim Abhörskandal so: „Ausspähen unter Freunden geht gar nicht.“ Der Unterschied sollte jedem auffallen. Einmal sanfte Zurückhaltung, einmal eine Sprache, die die Eskalation bedingt.

    Beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk gehen aber Aussagen dieser Art problemlos durch. Ein Millionenpublikum hört unwidersprochen und ohne kritische journalistische Einordnung anti-russische Stimmungsmache. Maischberger sitzt da und nickt zustimmend bei den Ausführungen von Merz. Ein Deutschland, das sich gegen Russland wehren soll – das klingt wie ein historischer Albtraum!


    Titelbild: Screenshot maischberger


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    05.07.2025

    Gaza: Hilfe als Hinterhalt

    aus e-mail von Doris Pumphrey, 5. Juli 2025, 11:16 Uhr


    _RTDE 5.7.2025


    _*Hilfe als Hinterhalt: Das grausame neue Gesicht von Israels Gaza-Krieg


    *Die israelische Armee hat die UNO ausgeschaltet und eine eigene Gruppe

    mit Verbindungen zum IS eingesetzt, die Lebensmittel an die hungernden

    Palästinenser im Gazastreifen verteilt. Doch statt Lebensmittel erwarten

    die Hungernden nur allzu oft tödliche Kugeln.


    /Von Eva Bartlett/


    Seit 630 Tagen sieht die Welt zu, wie Israel die Palästinenser im

    Gazastreifen abschlachtet, vor allem durch Bombardierung, Scharfschützen

    und Aushungern. Abseits der Kamera haben wir von der Vergewaltigung und

    Folter palästinensischer Geiseln gelesen, einschließlich der Folterung

    zu Tode von drei Ärzten aus der Enklave.


    Die ungezählten Opfer von Gaza: Warum Hunderttausende sterben und sterben


    In den letzten 100 Tagen hat Israel die Blockade des Gazastreifens

    verschärft, sodass die hungernden Palästinenser keine Lebensmittel, kein

    Trinkwasser, keine Medikamente und keinen Treibstoff mehr erhalten.

    Deshalb können auch Krankenwagen nicht mehr fahren. Dies alles folgte

    auf frühere Blockaden, die im vorigen Jahr sowie die Gesamtblockade des

    Gazastreifens, die seit über 17 Jahren andauert.


    Seit Ende Mai sehen wir grausame Videoaufnahmen

    <https://x.com/translatingpal/status/1932106661197431076> von

    Palästinensern, die einem Skelett gleichen und die in der Hoffnung auf

    Nahrungsmittelhilfe von US-Söldnern und israelischen Soldaten

    niedergeschossen werden.


    Israel hat ununterbrochen Palästinenser bombardiert, Krankenhäuser

    zerstört und Ärzte und Patienten entführt. Es hat Kirchen, Schulen,

    UN-Zentren und Zelte bombardiert, in denen vertriebene Palästinenser

    untergebracht waren – in vermeintlich "sicheren Zonen", in die sie auf

    Befehl der israelischen Armee fliehen mussten. Israel hat über 200

    Journalisten getötet und gezielt Mediziner angegriffen. Für diejenigen,

    die das Geschehen erst seit letzter Zeit verfolgen: Diese Verbrechen

    reichen Jahrzehnte zurück und erstrecken sich auch auf die Verbrechen

    der israelischen Armee und der illegalen Siedler gegen die

    palästinensische Zivilbevölkerung, einschließlich der Kinder, im

    Westjordanland. Hinzu kommen die jahrelangen israelischen

    Bombardierungen ziviler Gebiete im Libanon und in Syrien sowie die

    jüngsten unprovozierten Bombenangriffe Israels auf Iran.


    Es genügt zu sagen, dass, als Israel unter den Beschuss iranischer

    Vergeltungsraketen geriet, Berichte über etwa 30 israelische Zivilisten

    <https://x.com/AjAqrabawi/status/1936010342712377396>, die unter

    Panikattacken litten, wenig Sympathie

    <https://x.com/papel_em_branco/status/1936010693506937241> hervorriefen.


    Wer das Geschehen länger als zwei Jahre mitverfolgt hat, wird sich auch

    an frühere israelische Kriege gegen den Gazastreifen erinnern, wie im

    Jahr 2014, als sich Israelis mit Getränken und Snacks auf Hügeln

    versammelten <https://x.com/EvaKBartlett/status/1933798472391483626>, um

    die Bombardierung der Enklave zu feiern, oder an die T-Shirts

    <https://x.com/EvaKBartlett/status/1933798703849967767> aus dem Jahr

    2009, auf denen Scharfschützen, die schwangere Frauen töteten, mit dem

    Spruch "ein Schuss, zwei Tote" gefeiert wurden.


    Als ich 2010 über einen traumatisierten 10-Jährigen schrieb

    <https://ingaza.wordpress.com/2010/01/06/tragic-smile/>, der nach dem

    Beschuss seines Hauses durch israelische Panzer nicht mehr normal gehen

    und sprechen konnte, zitierte ich eine Studie des Gaza Community Mental

    Health Programme <https://www.gcmhp.org/>, in der festgestellt wurde,

    dass "91,4 Prozent der Kinder im Gazastreifen Symptome einer

    mittelschweren bis sehr schweren Posttraumatischen Belastungsstörung

    (PTBS) aufwiesen". Das ist fünfzehn Jahre und zahlreiche israelische

    Kriege in Gaza her.


    *Die US-israelischen "humanitären" Todesfallen*


    Das Töten der Palästinenser im Gazastreifen hat nicht aufgehört, als

    Israel Iran angriff. Die heimtückischste neue Erfindung ist die kürzlich

    gegründete US-amerikanisch-israelische "Hilfs"-Gruppe

    <https://www.timesofisrael.com/liveblog_entry/in-blow-to-israeli-backed-aid-effort-ceo-of-group-supposed-to-manage-it-resigns/>,

    die Gaza Humanitarian Foundation (GHF). Die israelischen Behörden

    beschuldigen die Hamas, Hilfsgüter zu stehlen, und haben auf der

    Grundlage dieser unbewiesenen Anschuldigung entschieden, dass die

    alteingesessenen UN-Hilfsorganisationen nicht mehr im Gazastreifen tätig

    sein können. Sie bestehen stattdessen darauf, dass eine Gruppe mit

    bewaffneten Kampfveteranen (Söldner wäre ein besseres Wort) besser dafür

    geeignet ist, sicherzustellen, dass die Lebensmittel die hungernden

    Palästinenser erreichen.


    Es ist empörend, dass Israel trotz einiger Medienberichte monatelang

    (eigentlich seit über einem Jahr) die Einfahrt von Tausenden Lieferwagen

    mit Hilfsgütern, die sich außerhalb des Gazastreifens angesammelt haben,

    blockieren durfte, nur um dann zu diktieren, dass angeheuerte Bewaffnete

    für die "Verteilung der Hilfsgüter" zuständig seien.


    Die große Ironie und Doppelzüngigkeit besteht darin, dass sogar

    israelische und westliche Medien über diejenigen berichtet

    <https://threadreaderapp.com/thread/1928535665194709237.html> haben, die

    tatsächlich Hilfsgüter in Gaza stehlen: nicht die Hamas, sondern eine

    mit dem IS ("Islamischer Staat") verbundene Gruppe, die unter dem Schutz

    der israelischen Armee steht.


    Wie das unabhängige Medienportal /The Cradle/ berichtete

    <https://x.com/TheCradleMedia/status/1926339007136285093>, ist der

    Anführer der Gruppe, Yasser Abu Shabab, "ein bekannter Anführer

    bewaffneter Banden, die mit dem IS in Verbindung stehen und an der

    Plünderung von Hilfsgütern unter israelischem Schutz beteiligt sind […]

    mehrere Berichte, unter anderem von /Haaretz/ und der /Washington Post/,

    bestätigen, dass diese Banden beim Plündern vor den Augen der

    israelischen Streitkräfte gesehen wurden, die weder eingreifen noch den

    Diebstahl verhindern."


    In einem weiteren Beitrag zitierte

    <https://x.com/TheCradleMedia/status/1930598795118539035> /The Cradle/

    den israelischen Armeerundfunk mit einer Meldung: "Israel hat Waffen an

    Mitglieder der Miliz geliefert […] die Miliz operiert hauptsächlich in

    der Gegend von Rafah, die die israelische Armee besetzt und geräumt hat.

    Zu den Aufgaben der Miliz gehört es, humanitäre Hilfe an der Zufahrt

    nach Gaza zu hindern und die Hamas zu bekämpfen."


    Offensichtlich werden die ausgehungerten Palästinenser, nachdem sie

    viele Kilometer zu den Verteilungsstellen gelaufen sind, in enge Gehege

    gepfercht und von den "Hilfs"-Söldnern beschossen

    <https://x.com/M_shebrawy3/status/1929089949229302117>.


    Jonathan Whittall, der Leiter des UN-Büros für die Koordinierung

    humanitärer Angelegenheiten in den besetzten palästinensischen Gebieten

    (OCHA), beschrieb die Situation als "Bedingungen, die geschaffen wurden,

    um zu töten, ein Gemetzel, Hunger als Waffe, ein Todesurteil für

    Menschen, die nur versuchen zu überleben".


    In einem am 23. Juni veröffentlichten Videoclip

    <https://x.com/UNOCHA/status/1937064440416919802> sagte Whittall:


    /"Die israelischen Behörden hindern uns daran, die Hilfsgüter über die

    Systeme zu verteilen, die wir eingerichtet haben und von denen wir

    wissen, dass sie funktionieren. Wir könnten jede Familie im Gazastreifen

    erreichen, wie wir es in der Vergangenheit getan haben, aber wir werden

    auf Schritt und Tritt daran gehindert."/


    Kürzlich schloss sich UN-Generalsekretär António Guterres den Worten von

    Whittall an: "Jede Operation, die verzweifelte Zivilisten in

    militarisierte Zonen bringt, ist von Natur aus unsicher. Es werden

    Menschen getötet. Menschen werden getötet, nur weil sie versuchen, sich

    und ihre Familien zu ernähren. Die Suche nach Nahrung darf niemals ein

    Todesurteil sein." Die humanitären Bemühungen der UNO würden von Israel

    "stranguliert", sagte er, und sogar die Helfer selbst hungerten.


    Berichten zufolge wurde den Hilfe suchenden Zivilisten in den Kopf und

    in die Brust geschossen

    <https://x.com/Mohammed_awed12/status/1937438029024580029>, was eher

    nach einer Hinrichtung als nach "Warnschüssen" oder "Kontrolle der

    Menge" aussieht.


    Zu den Opfern gehört auch ein 18 Monate altes Mädchen, dessen

    Röntgenbild eine Kugel in der Brust zeigt. Nach Angaben

    <https://x.com/RamAbdu/status/1937597358923301102> von Ramy Abdu, dem

    Vorsitzenden der gemeinnützigen Organisation Euro-Med Human Rights

    Monitor, wurde das Mädchen in den Armen seiner Mutter auf dem Weg zu

    einem GHF-Hilfszentrum erschossen.


    Bereits im Juli letzten Jahres warnte ein Artikel

    <https://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(24)01169-3/fulltext

    in /The Lancet/, dass die Gesamtzahl der palästinensischen Zivilisten,

    die seit Oktober 2023 direkt oder indirekt durch israelische Angriffe

    ums Leben gekommen sind, "bis zu 186.000 oder sogar noch mehr" betragen

    könnte. Andere Schätzungen fielen noch düsterer aus, darunter die des

    Norwegers Dr. Mads Gilbert, der im Laufe der Jahre ausgiebig im

    Gazastreifen gearbeitet hat. Er sagte, dass die Zahl der Toten oder

    derjenigen, die bald sterben werden, über 500.000 betragen könnte.


    Ein aktueller Bericht

    <https://dataverse.harvard.edu/file.xhtml?fileId=11584799&version=1.0

    von Yaakov Garb von der Ben-Gurion-Universität, der über das /Harvard

    Dataverse/ veröffentlicht wurde, zeigt dies deutlich. Darin wird die

    falsche Verteilung von Hilfsgütern wie folgt beschrieben: "Alle befinden

    sich in der Nähe von israelischen Militäreinrichtungen und sind mit

    bewaffneten Kampfveteranen besetzt, die von israelischen Soldaten

    unterstützt werden. Das Design schafft einen 'chokepoint' oder 'fatal

    funnel' –  einen vorhersehbaren Bewegungspfad von einem einzigen Eingang

    zu einem einzigen Ausgang ohne Deckung oder Versteck."


    Es ist die Grafik auf Seite fünf, die die Aufmerksamkeit der Menschen

    auf sich zog. Von 2,2 Millionen Einwohnern vor dem Völkermord sind in

    der Grafik nur 1,85 Millionen erfasst, sodass sich viele fragen: Wo sind

    die restlichen 350.000 Menschen? Dies macht die vor einem Jahr

    geäußerten Bedenken noch berechtigter.


    In seinem Bericht schrieb Yaakov Garb: "Das israelische Militär hat als

    Besatzungsmacht im Gazastreifen die Pflicht, die Bevölkerung mit

    humanitärer Hilfe zu versorgen […] wenn ein Angreifer nicht in der Lage

    ist, eine hungernde Bevölkerung nach einer von ihm verursachten

    Katastrophe angemessen und neutral zu versorgen, ist er verpflichtet,

    dies anderen humanitären Organisationen zu ermöglichen."


    Aber stattdessen sehen wir jeden Tag neue Schrecken von ausgemergelten

    palästinensischen Zivilisten, die verzweifelt dem Tod trotzen, in der

    Hoffnung, Nahrung für ihre Familien zu bekommen – und von der

    israelischen Armee und den von ihr unterstützten Söldnern

    niedergeschossen werden.


    Zumindest scheint es so, als würden diese Taten Israel endlich einholen,

    was bedeutet, dass es dem Staat und seinen Vertretern an Unterstützung

    und Vertrauen fehlt und dass weltweit Gerechtigkeit für die

    Palästinenser gefordert wird.


    Um Craig Mokhiber

    <https://www.craigmokhiber.org/archives/portfolio-archive/2023-10-28>,

    einen Menschenrechtsanwalt und ehemaligen hochrangigen

    UN-Menschenrechtsbeauftragten,zu zitieren, der kürzlich auf X sagte

    <https://x.com/CraigMokhiber/status/1937616704726790370>:


    /"Das (israelische) Regime ist wegen Völkermordes angeklagt. Seine

    Führer sind wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt. Israel

    ist isoliert. Das Regime wird jetzt fast überall verachtet, so wie die

    Nazi- und Apartheid-Regime verachtet wurden. Die Menschen in der ganzen

    Welt stehen mit überwältigender Mehrheit auf der Seite Palästinas. Von

    Apartheid und Völkermord kommt man nicht mehr zurück."

    ------------------------------------/


    */Eva Bartlett /*/ist eine unabhängige kanadische Journalistin. Sie hat

    viele Jahre lang aus den Konfliktgebieten des Nahen Ostens berichtet,

    insbesondere aus Syrien und Palästina (wo sie fast vier Jahre lang

    gelebt hat)./


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

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