aus e-mail von Clemens Ronnefeldt, 9. Juli 2025, 11:45 Uhr
Liebe Friedensinteressierte,
nachfolgend sende ich Artikel zu den Kriegen in der Ukraine
und in Westasien sowie zum Thema Militarisierung.
1. n tv: Ukraine Ticker
2. DLF: Deserteure im Ukrainekrieg - Flucht vor dem Töten
3. Berl. Z.: Schock vor Ukraine-Wiederaufbaukonferenz: Blackrock stoppt Investorensuche
4. IPG: Der Iran zeigt: Die Verbreitung von Atomwaffen lässt sich nicht mit Militärschlägen bekämpfen
5. IPG: Ein verwundeter Iran ist unberechenbar – und könnte zur Bombe greifen.
Der Westen braucht einen grundlegenden Kurswechsel in seiner Iranpolitik.
6. SZ: Krieg in Nahost - Die Todeszahlen aus Gaza dürften deutlich höher sein
7. SZ: Westjordanland - Gewaltsame Grüße von der „Hügeljugend“
8. FAZ: Protest gegen den Gazakrieg - „Israels Armee ist zu einer Miliz geworden“
9. SZ: Lager in Gaza - Ist das die erste Stufe der Umsiedlung?
10. SZ: Propalästinensische Proteste - „Es gibt diese überbordende Gewalt der Polizei“
11. SZ: Urteil des Verwaltungsgerichtshofs - Personenschützer hetzt gegen Charlotte Knobloch – und darf im Polizeidienst bleiben
12. Manager-Magazin: Waffengeschäfte mit Israel
Norwegens größter Pensionsfonds wirft Thyssenkrupp aus Depot
13. Die Zeit: Nahostpolitik: Ex-Diplomaten fordern härtere Linie gegenüber Israel
14: Die Zeit: Wir appellieren an die Bundesregierung: den Worten müssen Taten folgen!
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1. n tv: Ukraine Ticker
https://www.n-tv.de/politik/10-23-Russland-83-ukrainische-Drohnen-ueber-neun-Regionen-zerstoert--article23143824.html
09:12 Selenskyj fordert nach größtem Drohnenangriff mehr Sanktionen
Der nächtliche Drohnenangriff auf die Ukraine war nach Angaben von
Präsident Wolodymyr Selenskyj der bisher größte im gesamten Krieg.
Selenskyj nimmt die Attacke zum Anlass, um erneut eine härtere Gangart
der Verbündeten gegenüber der Regierung in Moskau zu fordern.
Er verlangt "schmerzhafte" Sanktionen und weitere Strafmaßnahmen gegen
den russischen Rohölhandel. Russland hat nach ukrainischen Angaben in
der Nacht mit 728 Drohnen und 13 Raketen angegriffen. In den
vergangenen Wochen hat die Zahl der von Russland eingesetzten
Geschosse immer mehr zugenommen.
(…)
07:17 CNN: Weißes Haus erfuhr aus der Presse von Hegseths Ukraine-Waffenstopp
Vergangene Woche hieß es noch, dass die USA die Lieferung einiger
bereits zugesagter Waffen - darunter auch Flugabwehrraketen - gestoppt
habe. Der Sender CNN berichtet nun unter Berufung auf fünf mit der
Angelegenheit vertrauten Personen, Verteidigungsminister Pete Hegseth
habe das Weiße Haus nicht informiert, bevor er vergangene Woche die
Unterbrechung der Waffenlieferungen an die Ukraine genehmigt habe.
Die Unterbrechung, die erst nach dem Auftauchen von Medienberichten
bekannt wurde, überraschte demnach Spitzenbeamte in Washington und
Kiew gleichermaßen und zwang die Trump-Administration zu einer
öffentlichen und internen Reaktion.
06:04 Polen: Alarmstart nach russischen Angriffen auf Ukraine
Nach Angaben des polnischen Militärs ist ein Alarmstart von Flugzeugen
Polens und seiner Verbündeten ausgelöst worden. Dies geschehe, um die
Sicherheit des polnischen Luftraums zu gewährleisten, teilt das
Einsatzkommando der polnischen Streitkräfte mit. In großen Teilen der
an Polen grenzenden Westukraine war zuvor Luftalarm wegen russischer
Angriffe ausgelöst worden.
(…)
02:25 Pentagon: USA werden Ukraine weiter unterstützen
Kiew kann nach Aussagen von Pentagon-Sprecherin Tammy Bruce weiterhin
auf Unterstützung der USA zählen. Dass bestimmte Lieferungen
ausgesetzt worden seien, hänge mit der geplanten Überprüfung aller
militärischen Hilfsprorgamme zusammen. Es sei aber kein Kurswechsel,
sagt Bruce auf Nachfrage bei einem Presse-Briefing. US-Präsident Trump
sei demnach "entschlossen", der Ukraine alles zur Verfügung zu
stellen, was sie zur Verteidigung brauche.
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2. DLF: Deserteure im Ukrainekrieg - Flucht vor dem Töten
https://www.deutschlandfunk.de/ukraine-russland-krieg-wehrpflicht-desertion-100.html
Deserteure im Ukrainekrieg
Flucht vor dem Töten
Sie wollen nicht töten und nicht getötet werden. Im Ukrainekrieg
desertieren Tausende – auf russischer und ukrainischer Seite. Manche
fliehen, andere verletzen sich selbst. Die Staaten reagieren hart. Was
bedeutet Kriegsdienstverweigerung heute?
27.06.2025
Wer den Kriegsdienst verweigert, tut das auf unterschiedliche Weise:
Manche fliehen, noch bevor sie eingezogen werden. Andere verweigern
aus Gewissensgründen den Dienst mit der Waffe oder desertieren mitten
im Einsatz, also aus der Armee.
Das hat oft schwerwiegende Folgen: Auch in Deutschland drohen bei
Fahnenflucht bis zu fünf Jahre Haft. Im russischen Angriffskrieg gegen
die Ukraine häufen sich Fälle von Desertion – auf beiden Seiten. Warum
verweigern Menschen den Militärdienst? Wie reagieren Staaten? Und
welche Folgen hat die Desertion?
Warum entziehen sich Menschen dem Kriegsdienst?
Deserteure und Wehrdienstverweigerer entziehen sich staatlicher
Kontrolle, verweigern das Töten und riskieren dafür oft harte Strafen.
Ihre Motive sind vielfältig: Angst vor dem eigenen Tod, der Widerwille
zu töten, politische oder religiöse Überzeugungen – oder einfach der
Wunsch, zu überleben. Schon in früheren Kriegen verweigerten Menschen
den Kriegsdienst, etwa in den napoleonischen Feldzügen, den beiden
Weltkriegen, im Vietnam- oder Irakkrieg.
Auch im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine zeigt sich:
Desertion hat viele Gesichter. Wie in früheren Kriegen geht es oft um
persönliche Überzeugungen und um den Schutz des eigenen Lebens. Das
wichtigste Motiv, so Rudi Friedrich von der Organisation Connection
e.V., die Kriegsdienstverweigerer und Deserteure unterstützt: Viele
wollen nicht gegen Verwandte oder Freunde kämpfen.
„Es gibt ganz viele Verbindungen zwischen der Ukraine und Russland.
Familiäre Verbindungen, freundschaftliche Verbindungen. Die haben zum
Teil in den anderen Ländern studiert“, so Friedrich. Trotzdem zwingt
die Wehrpflicht Menschen in beiden Ländern an die Front.
Wie viele verweigern den Kriegsdienst im Ukrainekrieg?
Wegen des russischen Angriffs verbietet der ukrainische Staat Männern
zwischen 18 und 60 Jahren, das Land zu verlassen. Ab 18 müssen sie
einen Grundwehrdienst ableisten; in den Kriegseinsatz müssen Soldaten
aber erst ab 25. Viele versuchen dennoch, sich dem Kriegsdienst zu
entziehen, oft noch vor der Einberufung. In Russland ist die Lage
ähnlich:
Seit Kriegsbeginn sind mehr als 150.000 Männer im wehrpflichtigen
Alter geflohen. Wer flieht, bevor er eingezogen wird, begeht
Militärdienstentzug. Wer bereits im Dienst ist und sich absetzt,
begeht Desertion.
Deserteure auf russischer und auf ukrainischer Seite
Auf russischer Seite kämpfen vor allem Vertragssoldaten. Seit Herbst
2022 gelten ihre Verträge laut einem Erlass von Präsident Putin bis
zum Ende der sogenannten „Spezialoperation“, also des Krieges – ein
legales Ausscheiden ist also nicht mehr möglich. Laut Recherchen des
Exilmediums iStories haben rund 50.000 russische Soldaten seit
Kriegsbeginn ihre Truppe unerlaubt verlassen. Die Dunkelziffer dürfte
deutlich höher liegen.
Auf der ukrainischen Seite ist die Lage etwas transparenter, da die
Ukraine auf westliche Hilfe angewiesen ist und deshalb auch bei
heiklen Themen wie Desertion offener mit Zahlen umgehen muss: Über
100.000 Verfahren sind demnach wegen Desertion anhängig.
Wie verweigern Menschen in Russland und der Ukraine den Kriegsdienst?
Viele ukrainische Männer versuchen, sich dem Kriegsdienst zu
entziehen, etwa durch illegale Grenzübertritte, gefälschte
Ausnahmegenehmigungen, Bestechung von Grenzbeamten oder in dem sie
untertauchen.
Wie groß die Dimension inzwischen ist, zeigt ein konkreter Vorfall aus
2024. Zahlreiche Soldaten desertierten während ihrer Ausbildung in der
155. Brigade in Frankreich. Später verließen weitere 1.700 Soldaten
derselben Brigade ihre Einheiten, noch bevor sie an der Front zum
Einsatz kamen.
Russische Soldaten versuchen oft während eines Lazarettaufenthalts zu
desertieren, dort ist es leichter, sich abzusetzen. Denn auch viele
Verwundete werden wieder an die Front geschickt. So berichtete etwa
das Exilmedium Meduza von einem russischen Vertragssoldaten, der im
Gebiet Donezk an der linken Hand verletzt wurde. Obwohl er verwundet
war, sollte er wieder an die Front geschickt werden, mit der
Begründung, seine rechte Hand funktioniere ja noch.
Gemeinsam mit einem Kameraden verletzten sie sich daraufhin
gegenseitig an den Beinen, indem sie eine Mischung aus Pulver und
rostigen Nägeln in die Wunden einbrachten. Sie behaupteten, von einer
ukrainischen Drohne getroffen worden zu sein, doch das medizinische
Personal glaubte ihnen nicht.
Selbstverletzung, Atteste, Bestechung
Schließlich gestanden sie die Selbstverletzung. Um sich dennoch der
Front zu entziehen, zahlten sie jeweils 3.500 Euro Bestechungsgeld,
erst auf dem Weg ins Krankenhaus, später nochmals. Insgesamt kostete
Nikolai die Flucht aus dem Militärdienst laut Meduza rund 12.500 Euro.
Meduza beschreibt ein weit verbreitetes Korruptionssystem: Ärzte
manipulieren Verletzungen oder stellen falsche Atteste aus, gegen
Tausende Euro.
Laut Ilja Schumanow von Transparency International Russland existiert
ein regelrechter Markt: Für bis zu 30.000 Euro lassen sich Soldaten
sogar aus der Kaserne herausholen. Mit zunehmender Strafverfolgung
steigen die Preise weiter.
Wie reagieren Russland und die Ukraine auf Kriegsdienstverweigerer und Deserteure?
Sowohl Russland als auch die Ukraine verfolgen Desertion und
Kriegsdienstverweigerung strafrechtlich, mit zum Teil drastischen
Mitteln. In Russland werden Deserteure entweder gleich an die Front
zurückgeschickt oder sie werden angeklagt und bestraft.
Laut Medienberichten gab es allein im ersten Quartal 2025 mehr als 150
Urteile gegen Deserteure, mehr als doppelt so viele wie im
Vorjahreszeitraum. Es gibt lange Haftstrafen und bislang keine
Freisprüche.
Auch die Ukraine geht hart gegen Deserteure und
Kriegsdienstverweigerer vor. Wer sich illegal ins Ausland absetzt,
macht sich laut Gesetz strafbar. Der Leiter der Personalabteilung des
Landstreitkräftekommandos der ukrainischen Streitkräfte, Roman
Gurbach, erklärt:
„Wenn sich herausstellt, dass sie sich illegal ins Ausland begeben
haben, dann haben sie sich ihrer Militärdienstpflicht entzogen. Nach
der geltenden Gesetzgebung werden sie strafrechtlich verfolgt.“ Sie
werden zu hohen Haftstrafen verurteilt.
Ist Kriegsdienstverweigerung völkerrechtlich geschützt?
Völkerrechtlich gilt das Recht auf Kriegsdienstverweigerung als
Menschenrecht. Doch in der Praxis wird es häufig ignoriert oder
eingeschränkt. In Russland existiert zwar formal ein Recht auf
Kriegsdienstverweigerung, allerdings nur für Männer, die noch nicht
eingezogen wurden. Laut Rudi Friedrich von Connection e.V. ist es auch
„formal so eingeschränkt, dass nicht wirklich viele das wahrnehmen
können“.
In der Ukraine wurde das Recht auf Kriegsdienstverweigerung mit
Kriegsbeginn am 24. Februar 2022 vollständig ausgesetzt. Friedrich
kritisiert: „Die Ukraine hält sich nicht an das Menschenrecht auf
Kriegsdienstverweigerung.“
Rund 200.000 ukrainische Männer im wehrfähigen Alter leben derzeit in
Deutschland, über 600.000 in der EU. Ob ihre Kriegsdienstverweigerung
ein Asylgrund ist, bleibt umstritten. Manche betrachten sie als
legitimen Schutzgrund, andere fordern Ausweisung, zum Beispiel bei
Flucht mit gefälschten Papieren oder Bestechung. Russische Verweigerer
haben derzeit kaum Chancen auf Asyl, weil sie meist vor einer
Einberufung fliehen und dies nicht nachweisen können.
Mehrere Organisationen europaweit, darunter auch Connection e.V.
fordern Asyl für Deserteure und alle Menschen, die sich dem
Kriegsdienst verweigern. „Der Europäische Gerichtshof für
Menschenrechte (EGMR) hat klargestellt, dass
Kriegsdienstverweigerer*innen unter bestimmten Bedingungen Schutz
verdienen, insbesondere wenn ihnen Verfolgung oder unverhältnismäßige
Strafen drohen“, schreibt etwa Pro Asyl.
Welche Folgen hat Desertion für Russland und die Ukraine?
Desertion hat direkte militärische Folgen, vor allem, wenn viele
Soldaten fehlen. Die ukrainische Nationalgarde spricht inzwischen von
über einer Million russischer Verluste: Tote, Verwundete oder
Gefangene. Diese hohen Zahlen setzen die russische Armee unter Druck
und verstärken offenbar die Bereitschaft zur Desertion.
Doch auch für die Ukraine ist Desertion ein schwerwiegendes Problem.
Aufgrund der kleineren Bevölkerung wirkt sich jede Flucht deutlich
stärker auf die Verteidigungsfähigkeit des Landes aus. Laut einem
Bericht zur Desertion in Russland und der Ukraine der Organisation
Front Intelligence Insight stellt Desertion langfristig ein noch
größeres Problem für die Ukraine als für Russland dar.
Die Zahlen zeigen aber auch, dass Russland unter einem deutlichen
Schwund an Personal leidet, die Vorstellung unerschöpflicher Reserven
ist laut Experten falsch. Auf beiden Seiten würden die steigenden
Desertionszahlen als Zeichen militärischer Erschöpfung und mangelnder
Aussicht auf entscheidende Durchbrüche deuten.
Über das Militärische hinaus wirft Desertion auch grundsätzliche
politische und ethische Fragen auf: Wenn sich viele Menschen auf ihr
Recht zur Verweigerung berufen, steht auch die Verteidigungsfähigkeit
eines Landes infrage: Ein Dilemma zwischen individueller Freiheit und
kollektiver Sicherheit.
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3. Berl. Z.: Schock vor Ukraine-Wiederaufbaukonferenz: Blackrock stoppt Investorensuche
https://www.berliner-zeitung.de/politik-gesellschaft/geopolitik/schock-vor-ukraine-wiederaufbaukonferenz-blackrock-stoppt-investorensuche-li.2338954
Ukraine
Schock vor Ukraine-Wiederaufbaukonferenz: Blackrock stoppt Investorensuche
Seit mehr als zwei Jahren dauert der Krieg zwischen Ukraine und
Russland an. Nun stellt der weltgrößte Vermögensverwalter die
Investorensuche für die Ukraine ein.
Simon Zeise
07.07.2025 07.07.2025, 11:29 Uhr
In der Ukraine könnten bald die Würfel fallen. Während Russland
schwere Angriffe ausführt, halten die USA wichtige Waffenlieferungen
zurück. Am Donnerstag soll in Rom auf einer Wiederaufbaukonferenz Geld
für die Selenskyj-Regierung gesammelt werden. Doch es droht die
nächste Hiobsbotschaft.
Investoren verlieren das Interesse an der Ukraine
Denn ausgerechnet der weltgrößte Vermögensverwalter Blackrock will
sich aus der Finanzierung der Ukraine zurückziehen. Die amerikanische
Fondsgesellschaft von CEO Larry Fink habe die Suche nach Investoren
für einen milliardenschweren Wiederaufbaufonds bereits Anfang des
Jahres eingestellt, meldet die Wirtschaftsnachrichtenagentur Bloomberg.
Die Europäer hatten große Hoffnung in den Blackrock-Fonds gesetzt.
Deutschland, Italien und Polen hätten bereits Unterstützung für
Investoren signalisiert. Blackrock sei auf dem besten Weg, mindestens
500 Millionen US-Dollar von Ländern, Entwicklungsbanken und anderen
Zuschussgebern sowie zwei Milliarden US-Dollar von privaten Investoren
zu erhalten, hatte Philipp Hildebrand, stellvertretender Vorsitzender
von Blackrock, im vergangenen Jahr mitgeteilt.
Blackrock könne ein Konsortium aus Eigenkapital- und
Fremdkapitalinvestoren zusammenbringen, das mindestens 15 Milliarden
US-Dollar für den Wiederaufbau der Ukraine aufbringen könne, sagte
Hildebrand damals.
Im Januar habe Blackrock jedoch entschieden, die Gespräche mit
institutionellen Anlegern zu unterbrechen, da angesichts der
zunehmenden Unsicherheit über die Zukunft der Ukraine kein Interesse
mehr bestanden habe. Die US-Regierung habe sich bereits im Dezember
nicht mehr an dem Fonds beteiligt.
Europäer können keine Alternative zu Blackrock bieten
Blackrock habe den Fonds eigentlich am Donnerstag in Rom vorstellen
wollen, sagten Insider gegenüber Bloomberg. Daraus wird jetzt nichts.
Frankreich habe an einem alternativen Fondsvorschlag gearbeitet, der
die eingestellte Blackrock-Initiative ersetzen soll, doch sei unklar,
wie wirksam der neue Plan ohne die Unterstützung der USA sein werde,
sagten die Insider gegenüber Bloomberg.
Die Weltbank schätzt die Gesamtkosten für den Wiederaufbau der Ukraine
nach dem russischen Einmarsch im Februar auf mehr als 500 Milliarden
US-Dollar.
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4. IPG: Der Iran zeigt: Die Verbreitung von Atomwaffen lässt sich nicht mit Militärschlägen bekämpfen
https://www.ipg-journal.de/rubriken/aussen-und-sicherheitspolitik/artikel/bombe-um-bombe-8390/?utm_campaign=de_40_20250703&utm_medium=email&utm_source=newsletter
Außen- und Sicherheitspolitik
03.07.2025
Mohamed ElBaradei
Bombe um Bombe
Der Iran zeigt:
Die Verbreitung von Atomwaffen lässt sich nicht mitMilitärschlägen bekämpfen.
Mohamed ElBaradei ist ägyptischer Diplomat. Er ist emeritierter
Generaldirektor der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), mit der
er 2005 den Friedensnobelpreis erhielt.
m Jahr 1966 waren die Vereinigten Staaten, die Sowjetunion, das
Vereinigte Königreich, Frankreich und China nicht nur die einzigen
Länder, die über Atomwaffen verfügten. Sie verfügten auch über
ausreichend Weitsicht, die Gefahren der nuklearen Weiterverbreitung zu
erkennen. Trotz ihrer zahlreichen und tiefgreifenden politischen
Differenzen gelangten sie zu einem Konsens, die weitere Verbreitung
von „Kernwaffen oder sonstigen Kernsprengkörpern“ zu stoppen.
Im Rahmen des daraus resultierenden Atomwaffensperrvertrags von 1970
verpflichteten sich die Nicht-Atomwaffenstaaten, keine Atomwaffen
anzustreben und die Sicherheitsmaßnahmen der Internationalen
Atomenergiebehörde für alle ihre nuklearen Aktivitäten zu akzeptieren.
Im Gegenzug verpflichteten sich die fünf Atomwaffenstaaten, „in
redlicher Absicht über wirksame Maßnahmen zur Beendigung des nuklearen
Wettrüstens … und zur nuklearen Abrüstung zu verhandeln“.
Mit 191 Unterzeichnern ist der Atomwaffensperrvertrag nach der Charta
der Vereinten Nationen das am häufigsten akzeptierte internationale
Abkommen. Die einzigen Länder, die den Vertrag ablehnten, sind Indien,
Pakistan und Israel. Alle drei haben in der Folge Atomwaffen
entwickelt. Nordkorea, das dem Vertrag ursprünglich beigetreten war,
zog sich später wieder zurück, um ein eigenes Atomwaffenarsenal
aufzubauen.
Die fünf ursprünglichen Atomwaffenstaaten haben ihren Teil der
Vereinbarung über Abrüstung nicht eingehalten. Im Gegenteil, sie
setzen KI und andere Technologien zur Modernisierung ihrer Arsenale
ein. Weltweit gibt es mehr als 12 000 Atomsprengköpfe, die zum
wichtigsten Symbol für Macht und Ansehen eines Landes geworden sind.
Man höre sich nur die Äußerungen russischer Spitzenpolitiker an. Seit
Beginn des Krieges gegen die Ukraine verweisen sie auf ihr
Atomwaffenarsenal als Zeichen ihrer Unbesiegbarkeit. Ihnen ist
bewusst, dass die Gefahr eines atomaren Holocausts alle anderen Mächte
davon abhalten wird, sie direkt herauszufordern.
Aus ähnlichen Gründen haben die USA gegenüber Nordkorea, das sich mit
Atomwaffen ausgerüstet hat, einen gemäßigteren Kurs eingeschlagen und
setzen auf Diplomatie und wirtschaftliche Anreize. Im Gegensatz dazu
erklärte sich Muammar al-Gaddafi in Libyen bereit, sein noch junges
Atomprogramm aufzugeben. Er starb nach einem Luftschlag der Nato gegen
sein Regime.
Zu den Lehren, die in den letzten Jahrzehnten gezogen wurden, gehört
etwa, dass Atomwaffenstaaten keine Absichten haben, vollständig
abzurüsten.
Zu den Lehren, die in den letzten Jahrzehnten gezogen wurden, gehört
etwa, dass Atomwaffenstaaten keine Absichten haben, vollständig
abzurüsten. Schlimmer noch: Derzeit gibt es zwischen Russland und den
USA nur noch einen einzigen Atomwaffenkontrollvertrag (New START), und
dieser läuft im kommenden Februar aus. Die mächtigste Abschreckung für
jeden Staat ist der Besitz von Atomwaffen oder die Mitgliedschaft in
einem Bündnis, das einen atomaren Schutzschild bietet (wie die Nato).
Rund 30 Staaten verfügen entweder über Atomwaffen oder genießen einen
derartigen Schutz. Der Rest der Welt muss unterdessen auf das weitere
Wohlverhalten der Atommächte hoffen.
Besonders angespannt präsentiert sich die Lage im Nahen Osten, einer
Region, die von Kriegen, Gewalt, Instabilität und einem Mangel an
einer umfassenden Sicherheitsarchitektur gebeutelt ist. Hinzu kommt,
dass Israel als einziger Staat in der Region bekanntermaßen über
Atomwaffen verfügt. Dieser Umstand verstärkt die chronische
Unsicherheit noch weiter.
Der unberechenbare Faktor im Spiel ist freilich der Iran, ein Land,
das seit den 1950er Jahren – als eine von den USA und Großbritannien
organisierte Revolution die erste demokratisch gewählte Regierung
stürzte – von Gewalt und Unruhen heimgesucht wird. In den 1980er
Jahren marschierte der Irak in den Iran ein, unterstützt von
westlichen Mächten und Nachbarländern, die zur Vernichtung des jungen
islamistischen Regimes entschlossen waren.
Nach acht Jahren brutaler Gewalt, in denen der Irak in großem Stil
chemische Waffen einsetzte, kam die Islamische Republik zu dem
vorhersehbaren Schluss, die Technologie für Atomwaffen beherrschen zu
müssen. Nach Angaben der IAEO, der USA und anderer Geheimdienste wurde
dieses Programm jedoch 2003 im Wesentlichen eingestellt.
In den letzten 20 Jahren bestand die Herausforderung darin, den Iran
zur Offenlegung seiner früheren, nicht deklarierten Aktivitäten zu
bewegen. Nach einer Phase der Sanktionen entschied sich US-Präsident
Barack Obama für den Weg der Diplomatie.
Die Idee war, wirtschaftliche Anreize und verschiedene technische
Maßnahmen zu nutzen, um den Iran an der Entwicklung von Atomwaffen zu
hindern und ihn unter Druck zu setzen, seine früheren, nicht
deklarierten nuklearen Aktivitäten öffentlich zu machen. Dies waren
die Hauptmerkmale des Gemeinsamen Umfassenden Aktionsplans (JCPOA),
den der Iran und die fünf ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrats
(China, Russland, Frankreich, Großbritannien und die USA) sowie
Deutschland und die Europäische Union 2015 unterzeichneten.
Dieser Rahmen funktionierte wie vorgesehen und wurde vom Iran
vollständig eingehalten, bis die USA 2018 unter Präsident Donald Trump
abrupt aus dem Abkommen ausstiegen. Mit der Begründung, der JCPOA sei
nur eine Notlösung, bestand er auf einem Abkommen, das nicht nur das
Atomprogramm des Iran, sondern auch dessen „destruktive“ Aktivitäten
im Nahen Osten kontrollieren sollte (wie die Unterstützung der Hamas,
der Hisbollah und der Huthis im Jemen).
In der Folge weigerte sich der Iran, einige der wichtigsten
Inspektionsmaßnahmen des JCPOA umzusetzen, und begann mit der
Urananreicherung auf fast waffenfähiges Niveau.
Während der Präsidentschaft Joe Bidens versuchten die USA erfolglos,
das JCPOA wiederzubeleben. Als Trump dieses Jahr ins Weiße Haus
zurückkehrte, forderte er vom Iran, sein Recht auf Anreicherung
vollständig aufzugeben. Nach einigen Runden ergebnisloser Gespräche
zwischen den USA und dem Iran starteten Israel und die USA, denen
glaubwürdige Beweise für ein Atomwaffenprogramm fehlten, ihren
illegalen Angriff auf iranische Atom- und Militäranlagen.
Das erklärte Ziel war die Zerstörung aller iranischen Anlagen für den
Kernbrennstoffkreislauf, doch es gab auch Gerüchte über einen ins Auge
gefassten Regimewechsel im Iran – eine offenkundige Erinnerung an die
Begründung für die ebenso illegalen Militärinterventionen im Irak und
in Libyen.
Der Einsatz von Gewalt und Demütigung wird Irans nukleare Ambitionen
jedoch nicht bremsen, sondern seine diesbezügliche Entschlossenheit
wohl noch verstärken.
Der Hauptgrund für die Verbreitung von Atomwaffen ist das Gefühl der
Unsicherheit eines Staates oder sein Streben nach mehr Macht und
Einfluss. Der Fokus des Iran auf Atomwaffen resultiert aus seinem
Wunsch, sich gegen Einmischung von außen zu schützen, seiner
Wahrnehmung des Sicherheitsungleichgewichts in der Region und seinem
Wunsch, als regionale Macht anerkannt zu werden.
Der Einsatz von Gewalt und Demütigung wird seine nuklearen Ambitionen
jedoch nicht bremsen, sondern seine diesbezügliche Entschlossenheit
wohl noch verstärken. Das haben wir im Irak gesehen, nachdem Israel
1981 den Forschungsreaktor des Landes zerstört hatte.
Die einzige Lösung hinsichtlich der Verbreitung von Atomwaffen im
Nahen Osten ist ein Dialog auf der Grundlage gegenseitigen Respekts,
sinnvoller Sicherheitsgarantien (die durch strenge technische
Überprüfungen und Inspektionsprotokolle erreicht werden können) und
wirtschaftlicher Anreize (sei es durch die Androhung von Sanktionen
oder das Versprechen, diese aufzuheben).
Mit anderen Worten: Die Lösung der iranischen Atomfrage erfordert
letztlich die Rückkehr zu einem Abkommen ähnlich dem JCPOA –
allerdings mit unbegrenzter Laufzeit und möglicherweise ergänzt durch
eine Vereinbarung über den Umfang des iranischen Raketenprogramms.
Die Bewältigung der langjährigen Herausforderungen für Frieden und
Sicherheit im gesamten Nahen Osten erfordert letztlich auch ein
umfassendes Abkommen, das sich mit der Palästina-Frage, den Atomwaffen
Israels und den wirtschaftlichen und sozialen Entwicklungsbedürfnissen
befasst.
Ein gerechter Frieden und eine inklusive Sicherheitsarchitektur sind
die besten Abwehrmittel gegen die Verbreitung von Atomwaffen. Da
Wissen nicht „ausgelöscht“ werden kann, wird sich der Versuch, eine
Einigung mit Bomben zu erzwingen, unweigerlich als kontraproduktiv
erweisen und unsere Welt einem nuklearen Armageddon einen Schritt
näher bringen.
Aus dem Englischen von Helga Klinger-Groier
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