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31.07.2025

Es ist klar – Israel hat nun einen Plan zur ethnischen Säuberung der Palästinenser aus Gaza



"Entweder verhindert die Revolution den Krieg oder der Krieg wird die Revolution bringen" - Mao Tsetung

   
 antikrieg.com, Seite besucht am 31. Juli 2025, 15:35 Uhr
Jemand hatte ihn sich ausgedacht, es gab Diskussionen über Vor- und Nachteile, Alternativen wurden vorgeschlagen – und das alles in klimatisierten Konferenzräumen. Zum ersten Mal seit Beginn des Rachekriegs in Gaza ist klar, dass Israel einen Plan hat – und zwar einen weitreichenden.


Gideon Levy   


Adolf Eichmann begann seine Nazi-Karriere als Leiter der Zentralstelle für jüdische Auswanderung des Sicherheitsdienstes, der mit dem Schutz des Reiches beauftragt war. Joseph Brunner, der Vater von Mossad-Chef David Barnea, war drei Jahre alt, als er mit seinen Eltern aus Nazi-Deutschland floh, bevor der Evakuierungsplan in Kraft trat.
Letzte Woche besuchte Barnea, der Enkel, Washington, um die „Evakuierung“ der Bevölkerung des Gazastreifens zu besprechen. Barak Ravid berichtete auf Channel 12 News, Barnea habe seinen Gesprächspartnern mitgeteilt, Israel habe bereits Gespräche mit drei Ländern zu diesem Thema aufgenommen, und die Ironie der Geschichte habe ihr Gesicht vor Scham verborgen. Der Enkel eines Flüchtlings in Deutschland, der vor ethnischen Säuberungen geflohen ist, spricht über ethnische Säuberungen, doch von einer Erinnerung an jene ist keine Rede. Um zwei Millionen Menschen aus ihrem Land zu „evakuieren“, braucht man einen Plan. Israel arbeitet bereits an einem solchen. Der erste Schritt sieht die Überstellung eines Großteils der Bevölkerung in ein Konzentrationslager vor, um eine effiziente Deportation zu ermöglichen. Letzte Woche veröffentlichte die BBC einen investigativen Bericht auf Grundlage von Satellitenfotos, der die systematische Zerstörung durch die israelische Armee im Gazastreifen zeigt. Ein Dorf nach dem anderen wird vom Erdboden getilgt und für den Bau des Konzentrationslagers dem Erdboden gleichgemacht, sodass ein Leben in Gaza nicht mehr möglich ist. Die Vorbereitungen für das erste israelische Konzentrationslager laufen auf Hochtouren. Die systematische Zerstörung der gesamten Enklave schreitet voran, sodass es keinen anderen Ort als das Konzentrationslager gibt, an den man zurückkehren kann. Für diese Arbeiten werden Bulldozer benötigt. Die BBC veröffentlichte zwei Stellenanzeigen. Eine Anzeige beschrieb: „Ein Projekt zum Abriss von Gebäuden in Gaza erfordert (40-Tonnen-)Bulldozerfahrer. Der Auftrag umfasst 1.200 Schekel (357 US-Dollar) pro Tag inklusive Verpflegung und Unterkunft mit der Option auf ein Privatfahrzeug.“ In der zweiten Anzeige hieß es: „Die Arbeitszeiten sind Sonntag bis Donnerstag, von 7:00 bis 16:45 Uhr, unter hervorragenden Arbeitsbedingungen.“ Israel begeht still und heimlich ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Nicht ein Haus hier und ein Haus dort, keine „operativen Notwendigkeiten“, sondern die systematische Beseitigung jeglicher Überlebenschance, während gleichzeitig die Infrastruktur für die Konzentration der Menschen in einer „humanitären“ Stadt vorbereitet wird, die als Durchgangslager dienen soll – vor der Deportation nach Libyen, Äthiopien und Indonesien, den von Barnea laut Channel 12 genannten Zielen. Das ist der Plan für die ethnische Säuberung des Gazastreifens. Jemand hatte es sich ausgedacht, es gab Diskussionen über Vor- und Nachteile, Alternativen wurden vorgeschlagen, Optionen für eine vollständige Säuberung oder schrittweise Säuberung – und all das geschah in klimatisierten Konferenzräumen, mit Protokollen und Entscheidungen. Zum ersten Mal seit Beginn des Rachekriegs in Gaza ist klar, dass Israel einen Plan hat – und zwar einen weitreichenden. Dies ist kein rollender Krieg mehr. Man kann Benjamin Netanjahu nicht länger vorwerfen, einen Krieg ohne Zweck zu führen. Dieser Krieg hat einen Zweck, und zwar einen kriminellen. Man kann Armeekommandanten nicht länger sagen, ihre Soldaten sterben grundlos: Sie sterben in einem Krieg der ethnischen Säuberung. Der Boden ist bereitet, die Verlegung der Menschen kann beginnen, die Stellenanzeigen sind unterwegs. Nachdem die Umsiedlung der Bevölkerung abgeschlossen ist und die Bewohner der humanitären Stadt zwischen den Ruinen, Hunger, Krankheiten und Bombenangriffen ihr Leben zu verlieren beginnen, kann die letzte Phase eingeleitet werden: die Zwangsverfrachtung in Lastwagen und Flugzeuge auf dem Weg in die neue, ersehnte Heimat – Libyen, Indonesien oder Äthiopien. Hat die humanitäre Hilfe Hunderte von Menschenleben gekostet, werden die Deportationen Zehntausende Menschenleben kosten. Doch nichts wird Israel auf seinem Weg zur Verwirklichung seines Plans aufhalten. Ja, es gibt einen Plan, und er ist teuflischer, als er scheint. Irgendwann haben sich Menschen zusammengesetzt und diesen Plan ausgeheckt. Es wäre naiv zu glauben, dass all dies von selbst geschah. In 50 Jahren werden die Protokolle veröffentlicht, und wir werden erfahren, wer diesen Plan befürwortete und wer ihn ablehnte. Wer vielleicht daran dachte, ein Krankenhaus intakt zu lassen. Neben den Beamten und Politikern waren auch Ingenieure, Architekten, Demografen und Mitarbeiter der Haushaltsabteilung anwesend. Vielleicht waren auch Vertreter des Gesundheitsministeriums dabei. Wir werden es in 50 Jahren herausfinden. Inzwischen hat der Chef der Zentralen Agentur für palästinensische Auswanderung, David Barnea, einen weiteren Schritt getan. Er ist ein gehorsamer hoher Beamter, der nie Reibereien mit seinen Vorgesetzten verursacht hat. Kommt Ihnen das bekannt vor? Er ist der Held der Kampagne für Massenamputationen per Walkie-Talkie. Wenn man ihn schickt, um Geiseln zu retten, geht er. Wenn man ihn schickt, um die Deportation von Millionen Menschen vorzubereiten? Kein Problem für ihn. Schließlich befolgt er nur Befehle.
 
   
 erschienen am 20. Juli 2025 auf <https://www.haaretz.com/> Artikel

 

Archiv > Artikel von Gideon Levy auf antikrieg.com


Info: https://www.antikrieg.com/aktuell/2025_07_28_esistklarisrael.htm


unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

31.07.2025

Muntere deutsche Rüstungsgeschäfte – mit Israel

30 Juli 2025 22:21 Uhr


Ist es nun Airbus oder doch das Verteidigungsministerium, das da Raketenabwehrsysteme für den Airbus A400 bei einer israelischen Firma bestellt hat? Die Umstände legen nahe, dass diese Vergabe nicht ganz regelgemäß erfolgt ist …


Muntere deutsche Rüstungsgeschäfte – mit Israel© Peng Chen, CC BY-SA 4.0 , via 

Wikimedia Commons


Airbus A400M der Luftwaffe


Während in der EU die Debatte um den Umgang mit dem israelischen Genozid in Gaza tobt, zwanzig EU-Staaten ein sofortiges Ende des Gaza-Kriegs forderten, Frankreich die Anerkennung Palästinas angekündigt sowie Großbritannien damit gedroht hat und sogar die EU-Kommission inzwischen Sanktionen gegen Israel überlegt, schließt Airbus ein großes Rüstungsgeschäft mit dem israelischen Rüstungsunternehmen Elbit Systems ab.

Für 239 Millionen Euro sollen in den nächsten Jahren die A400-Transportflugzeuge der Bundeswehr mit einem Raketenabwehrsystem ausgerüstet werden, das die Steuerung dieser Raketen ausschaltet. Der Haushaltsausschuss des Bundestags hatte diese Beschaffung am 4. Juni abgesegnet, unter Tagesordnungspunkt 43: "Beschaffung und Integration von 23 Direct Infrared Countermeasures (DIRCM)-Systemen in 23 Luftfahrzeuge des Typs A400 M". Der Einzelpreis eines dieser Systeme liegt also bei 10 Millionen Euro. Das interessante Detail: Diese Beschaffung wurde nicht ausgeschrieben. Auf der Ausschreibungswebseite der EU ist sie nicht zu finden.


Israel/Gaza: Es brodelt im Auswärtigen Amt






Israel/Gaza: Es brodelt im Auswärtigen Amt






Ein Indiz dafür ist auch, dass der Vertrag offiziell gar nicht zwischen der Bundeswehr bzw. dem Bundesministerium der Verteidigung und der israelischen Firma geschlossen wurde, sondern zwischen dieser Firma und Airbus. Ein eigenartiges Verfahren, wenn doch der Haushaltsausschuss diesen Vertrag beschlossen hat, und ein Ablauf, der darauf hindeutet, dass die Entscheidung darüber, welches System erworben wird, womöglich nicht technischen oder finanziellen Kriterien gefolgt ist.

Der Kurs der Aktien von Elbit Systems näherte sich nach Bekanntwerden dieses Vertrags jedenfalls einem Rekordhoch. "Nach Angaben israelischer Medien", so das Neue Deutschland in seinem Bericht über diesen Abschluss, "entfielen 2024 rund 54 Prozent aller Rüstungsexporte des Landes auf europäische Staaten – ein signifikanter Anstieg im Vergleich zum Vorjahr". Israel ist nach Angaben des Stockholmer Sipri-Instituts der achtgrößte Rüstungsexporteur weltweit; zehn bis fünfzehn Prozent der Arbeitsplätze liefert die Rüstungsindustrie, ihr Anteil am Bruttoinlandsprodukt ist jedoch noch weit höher.

"Der Elektronikkonzern Elbit Systems aus Haifa, der ein Spektrum von Spionagesoftware bis zu Panzern offeriert und eine Niederlassung in Halle besitzt, hatte 2004 Telefunken Rakoms in Ulm übernommen", schrieb die FAZ 2023. Die Rüstungskooperation – gerade aus Deutschland – mit Israel endet nicht bei der Lieferung der U-Boote, die derzeit in Deutschland gebaut werden; auch die israelischen Merkava-Panzer, die derzeit im Gazastreifen eingesetzt werden, laufen mit Motoren von MTU und einem Getriebe der Augsburger Renk AG. Der Auftrag an Elbit Systems ist ein Beispiel dafür, dass auch israelische Rüstungsgüter von Deutschland erworben werden.

Wurde dieser Vertrag unter Umgehung der üblichen Ausschreibungsbedingungen geschlossen? Und müssten nicht Verträge über den Kauf israelischer Waffen ebenso auf den Prüfstand gestellt werden wie Verträge über den Verkauf deutscher Rüstungsgüter nach Israel? Normalerweise müssten das Themen für parlamentarische Anfragen sein.


Mehr zum Thema – Hungerkatastrophe in Gaza: EU-Kommission schlägt Maßnahme gegen Israel vor

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Video https://rumble.com/v6wpbh8-macrons-anerkennung-palstinas-sorgt-fr-spannungen-mit-dem-westen.html Dauer 8:45 Min. 


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Info: https://freedert.online/inland/251986-muntere-deutsche-ruestungsgeschaefte-mit-israel/


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31.07.2025

Screenshot_2025_08_01_at_15_17_51_Nach_Rum_nien_nun_wieder_Wahleinmischung_der_EU_in_Moldawien

nachdenkseiten.de, 31. Juli 2025 um 12:00 Ein Artikel von Armin Langer

Im September 2025 wählt Moldawien ein neues Parlament. Nach der Präsidentschaftswahl im November 2024 wird diese Abstimmung den außenpolitischen Kurs des Landes auf Jahre festlegen. Dabei ist Moldawien politisch tief gespalten und das nächste Ziel der Brüsseler Bürokraten zur Erweiterung ihres EU-Imperiums. Nach dem fragwürdigen Sieg des Pro-EU-Kandidaten in Rumänien wird nun versucht, über diesen Staat die Wahl im Nachbarland zu beeinflussen.


Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar.

Podcast: Play in new window | Download


Was geschah bei der Präsidentschaftswahl in Rumänien?

Zur Erinnerung: Die rumänische Präsidentschaftswahl fand am 24. November 2024 statt, wurde jedoch am 6. Dezember 2024 vom Verfassungsgericht Rumäniens annulliert. Grundlage dieser Entscheidung waren Vorwürfe russischer Wahleinmischung zur Unterstützung des EU-kritischen Wahlsiegers Calin Georgescu. Die Wahlkommission verbot Georgescu daraufhin sogar die erneute Kandidatur und bei der Wahlwiederholung am 18. Mai gewann der Pro-EU-Kandidat Nicusor Dan mit 53,6 Prozent.

Das Gericht bezog sich in seinem Urteil intransparent und vage auf Geheimdienstinformationen, wonach Russland die Wahl über eine TikTok-Kampagne manipuliert haben soll. Diese Informationen wurden am 4. Dezember 2024 durch den amtierenden Präsidenten Klaus Iohannis freigegeben. Iohannis gehört zur deutschen Minderheit Rumäniens und hat beste Beziehungen nach Berlin und Brüssel. Um seine politische Positionierung zu verstehen, reicht ein Blick auf seine Auszeichnungen. Darunter 2014 das Bundesverdienstkreuz und vor allem 2021 der Karlspreis für „bedeutende Verdienste um die Rechtsstaatlichkeit und die Unabhängigkeit der Justiz“, was in diesem Zusammenhang eine gewisse Ironie hat.


Kleiner Exkurs: Beim Karlspreis handelt es sich um Selbstbeweihräucherung der EU- und vor allem BRD-Elite. Zu den Preisträgern gehörten 1999 Tony Blair – für die Bombardierung Jugoslawiens, 2002 „Der Euro“, 2008 Angela Merkel, 2015 Martin Schulz und 2018 Emmanuel Macron. 2023 erhielt der ukrainische Präsident den Preis mit der Begründung: „Das ukrainische Volk verteidigt unter der Führung seines Präsidenten Wolodymyr Selenskyj … auch Europa und die europäischen Werte.“ In diesem Jahr wurde die allseits beliebte Ursula von der Leyen ausgezeichnet, für „die Eindämmung der Pandemie, die Geschlossenheit des Verteidigungswillens gegen Russland und die Impulse zum Green Deal.“

Einmischung von EU und BRD in Rumänien?

Frau von der Leyen positionierte sich, als oberste Vertreterin der EU, gegen den Willen der rumänischen Wähler und äußerte im Dezember 2024: „Die Integrität demokratischer Wahlen ist nicht verhandelbar. Die Mitgliedstaaten müssen entschlossene Maßnahmen gegen ausländische Einmischung ergreifen, um den Wählerwillen zu schützen. Die EU ist bereit, Rumänien bei der Sicherung seiner demokratischen Prozesse zu unterstützen.“ (Quelle: Europäische Kommission)

Auch die feministische Völkerrechtlerin Annalena Baerbock bewies wieder diplomatisches Fingerspitzengefühl und verkündete als amtierende deutsche Außenministerin: „Wir würdigen den entschlossenen Einsatz der rumänischen Institutionen zum Schutz der Demokratie vor böswilligen Akteuren. Die EU muss geschlossen gegen Desinformationskampagnen auftreten, die unsere gemeinsamen Werte untergraben.“ (Quelle: Auswärtiges Amt)

So ähnlich und weitestgehend einseitig äußerten sich auch die großen Medien von Deutsche Welle bis Euronews.

Handfeste Beweise für die Behauptung einer Wahlmanipulation zum Vorteil des Kandidaten Georgescu wurden bis heute nicht geliefert und eine transparente Veröffentlichung der angeblichen Geheimdienstinformationen hat nicht stattgefunden. Vielmehr stellt sich die Frage, ob die wahre Wahlmanipulation mit Unterstützung der EU stattgefunden hat, um einen EU-kritischen Präsidenten zu verhindern.

Der rumänische Einfluss auf Moldawien

Die Vorgänge in Rumänien sind aber nicht auf dieses Land beschränkt. Der Einfluss der EU in Rumänien wird genutzt, um auch darüber auf das Nachbarland Moldawien einzuwirken. So wird die Praxis der vereinfachten Vergabe rumänischer Pässe in Moldawien weiter fortgesetzt und sogar ausgeweitet. Der Wert dieses Passes liegt natürlich darin, dass er den Zugang zur EU ermöglicht, aber viele dieser Vorgänge sind illegal und basieren auf Korruption.

Es hat sich in Moldawien deshalb ein Markt für rumänische EU-Pässe gebildet, dessen Angebot bei weitem nicht nur Bürger Moldawiens nutzen, sondern jeder, der den Kaufpreis zahlen kann und damit dann direkt nach Westeuropa weiterreist. Diese Politik der Einflussnahme auf das Nachbarland hat somit Folgen für die gesamte EU. Sie fördert die illegale Migration, vor allem in wohlhabende Mitgliedsstaaten wie Italien und Deutschland, und wird damit zum Problem für die Bürger dieser Länder. Ob dies in Brüssel aber als Problem gesehen wird oder als weiterer Vorteil, ist eine andere Frage. In jedem Fall ist dieses Problem groß genug, dass einige Regierungen eine solche Vergabe von EU-Pässen überprüfen und stoppen wollen.

Das Problem der liberalen Korruption in Moldawien

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass ein großer Teil der liberalen politischen Elite Moldawiens bereits rumänische Pässe besitzt. Vermögen und Familie werden teilweise auch sicher im Westen aufbewahrt. Im Gegenteil: Ein EU-Beitritt ist für diese Personen sogar nachteilig, denn dann wäre Moldawien gezwungen, EU-Gesetze und Maßnahmen gegen die massive Korruption im Land umzusetzen. Von dieser Korruption profitieren sie aber direkt und sehen Moldawien als Ort, wo Geld verdient werden kann, welches dann ins Ausland gebracht wird. So lautet jedenfalls der Vorwurf linker politischer Kräfte im Land in Richtung kosmopolitischer liberaler Kreise.

Seit dem Amtsantritt der liberalen Präsidentin Maia Sandu 2020 sei kaum etwas passiert und im Gegenteil werde der Kampf gegen die Korruption vor allem als Instrument gegen politische Gegner genutzt. Sogar der Bürgermeister der Hauptstadt Chisinau, Ion Ceban, welcher sich ebenso wie Sandu und ihre Partei aktiv für einen EU-Beitritt Moldawiens einsetzt, äußerte deutliche Kritik. Er sprach im Mai 2025 öffentlich über die angebliche Veruntreuung von über 2 Millionen USD der amerikanischen Organisation USAID durch die amtierende Präsidentin Sandu.

Auch deshalb gehen viele Experten davon aus, dass die liberalen Kräfte in Moldawien den knappen Sieg bei der Präsidentschaftswahl 2024 zur Parlamentswahl im September 2025 nicht wiederholen können und ein Erfolg der Opposition fast sicher ist.

Aktuelle Wahlumfragen bestätigen dies. Das moldawische Meinungsforschungsunternehmen IMAS hat bei einer aktuellen Umfrage im Juli folgende Resultate erhalten: Nur 30 Prozent der Wähler wollen für die Regierungspartei PAS stimmen und 48 Prozent äußerten sich explizit gegen eine Stimmabgabe für diese Partei. Die linke Wahlkoalition mit Sozialisten und Kommunisten liegt als Favorit bei fast 35 Prozent.


Titelbild: Shutterstock / Dan Morar


Mehr zum Thema: Karlspreis: Gegründet von einem elitären Zirkel ehemaliger NSDAP- und SA-Mitglieder, und als Namensgeber dient „der Sachsenschlächter“

Wie unsere „Super-Demokraten“ den Skandal von Rumänien verniedlichen

„Räuberpistolen“ – Annullierung der Präsidentschaftswahl in Rumänien als Blaupause für die anstehende Bundestagswahl?

Interview mit Scott Horton zu den vergessenen Stellvertreterkriegen zwischen dem Westen und Russland


Rubriken: Audio-Podcast Erosion der Demokratie Lobbyismus und politische Korruption Wahlen


Schlagwörter: 


Info: https://www.nachdenkseiten.de/?p=136724


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31.07.2025

Bürgermeister von Hiddensee: "Gemeinsam für Frieden und unsere Heimat"

aus e-mail von doris Pumphrey, 31. Juli 2025, 8:54 Uhr


_RTDE 30.7.2025


_*Für Frieden und eine gerechte Kommunalpolitik – Bürgermeister von

Hiddensee schreibt Offenen Brief


*Am letzten Wochenende ging er mit einer Erklärung an die

Öffentlichkeit: Schluss mit Milliarden für Krieg und Militär, dafür

Investitionen in Schulen, Wohnungen, die Feuerwehr und Pflege. Der

Bürgermeister von Hiddensee scheint mit seinem Appell einen Nerv

getroffen zu haben.


"So geht's jedenfalls nicht weiter …" – Diese Worte stehen über dem

Aufruf und "Offenen Brief: Gemeinsam für Frieden und unsere Heimat", den

Thomas Gens <https://thomasgens.de/>, der Bürgermeister der Ostseeinsel

Hiddensee, am Sonntag veröffentlicht hat. Darin wendet sich der

Kommunalpolitiker an den Bundeskanzler und die Abgeordneten des

Bundestages. Sein Anliegen: eine offene Erklärung für Frieden – und eine

gerechte Kommunalpolitik.


Gens beschreibt in seinem Aufruf an den Kanzler und die Abgeordneten

eingangs die aktuelle Lage, wie sie sich ihm darstellt:


/"Während Sie und viele Abgeordnete auf Panzer und Raketen zählen,

zählen wir in Städten und Gemeinden jeden Euro zweimal. Während Sie

Milliarden über Milliarden in Rüstung, Aufrüstung und Auslandseinsätze

pumpen, kämpfen wir vor Ort ums Überleben unserer sozialen und

kommunalen Infrastruktur – ja, unserer Heimat und unseres Wohlstands."/


*Dringende Aufgaben bleiben liegen*


Auf Hiddensee wolle man Wohnungen bauen, die Schule sanieren und

digitalisieren sowie "endlich eine eigene Schulsporthalle errichten".

Weiter zählt der Inselbürgermeister auf, was alles getan werden müsse:

"Unsere Häfen brauchen neue Molen, und in den Hochwasserschutz muss

dringend investiert werden. Genauso in unsere Feuerwehren und

Infrastruktur für Insulaner und Gäste. Doch dafür, heißt es, fehle das

Geld." Für alle diese sinnvollen, notwendigen und dringenden Vorhaben

seien angeblich keine Mittel vorhanden.


Verbittert greift Gens die Schlagworte der Berliner Politik auf: "Keine

'Sondervermögen', keine 'Zeitenwende', kein 'Bündnis für unsere Heimat'.

Stattdessen: Haushaltssperren, Bürokratie, Kürzungspläne und Prüfaufträge."


Zwar habe man in Mecklenburg-Vorpommern gerade einen

"Investitionsgipfel" veranstaltet ("mit großem Tamtam gefeiert"), doch

die in Aussicht gestellten 1,92 Milliarden Euro würden auf zehn Jahre

gestreckt, was dann pro Jahr und für das gesamte Bundesland 192

Millionen Euro ausmache.


Daher fragt Gens rhetorisch:


/"Doch wie viel davon kommt tatsächlich bei den Kommunen an? Wer

entscheidet, welches Projekt gefördert wird – und wer leer ausgeht? Und

wie sollen davon über 700 Städte und Gemeinden im Land ernsthaft

profitieren, wenn allein auf Hiddensee bereits Millioneninvestitionen

für Schule, Wohnungsbau und Küstenschutz notwendig wären?/"


*Alles fürs Militär*


Der Ärger des Kommunalpolitikers entzündet sich aber nicht nur an der

Größenordnung der Beträge, sondern auch daran, wofür die Milliarden

verwendet werden:


/"Während für alle Kommunen in MV 1,92 Milliarden Euro für 10 Jahre

bereitstehen, stellt der Bund allein im Jahr 2025 rund 7 Milliarden Euro

für Waffenlieferungen und militärische Unterstützung der Ukraine bereit

– Jahr für Jahr mehr, ohne öffentliche Debatte über Prioritäten./"


Hinzurechnen müsse man noch die 100 Milliarden Euro "Sondervermögen"für

die Bundeswehr, die unter Scholz beschlossen wurden, sowie den

Militärhaushalt, der jährlich mit über 70 Milliaden Euro zu Buche

schlage – "mit steigender Tendenz". Weiter führt Gens die

Zwei-Prozent-Vorgaben der NATO an, weshalb Deutschland bald jährlich

mehr als 100 Milliarden Euro für das Militär ausgeben dürfte, und zwar

auf Dauer (auf ihrem letzten Gipfel Ende Juni in Den Haag hatte die NATO

den Wunsch des US-Präsidenten erfüllt und sich sogar auf fünf Prozent

des BIP fürs Militär verständigt; /RT DE/ berichtete).


In wenigen Jahren werde Deutschland, so Gens, "für das Militär mehr

ausgeben als für Bildung, Gesundheit oder Wohnungsbau zusammen." Auch

stehe bereits fest, wer dafür aufkommen müsse:


/"Nicht Rheinmetall. Nicht Lockheed Martin. Nicht General Dynamics.

Nicht die USA, die jüngst Patriot-Raketen versprechen und liefern."/


Sondern zahlen müssten das alles die Bürger. Die Städte und Gemeinden

müssten mit ansehen, wie der Sozialstaat – und mit ihm unsere Heimat –

schleichend ausgeblutet" werde. Die Folgen dieser Politik schildert der

Bürgermeister der Ostseeinsel so:


/"Während Milliarden für Kampfjets, Leopard-Panzer und Raketen

freigemacht werden, fehlt uns das Geld für Schulen, Lehrerstellen,

Feuerwehren, Gesundheitsversorgung, Rentnerinnen und Rentner,

Wohnungsbau und Katastrophenschutz."/


Die Schulden für diese Politik bürde die Regierung den kommenden

Generationen auf, die noch dafür zahlen würden, so Gens, "wenn über

Panzer hoffentlich längst nicht mehr geredet wird."


*Forderung nach "konsequentem Umsteuern" – Ausgaben für Ziviles statt

Militär*


Gens vertritt die Ansicht, dass die öffentlichen Investitionen in

Schulen, Wohnungen, Krankenhäuser, die Pflege und den ÖPNV geleitet

werden sollten "statt in Kriegsgerät". Man müsse sich auf das

"Friedensgebot des Grundgesetzes" zurückbesinnen, ebenso auf das

Gewaltverbot der Charta der Vereinten Nationen. Und falls man neue

Schulden aufnehme – ein sogenanntes "Sondervermögen" –, dann "für den

sozialen Zusammenhalt, für unsere Heimat und für den Frieden". Das Land

brauche "keine Panzerpatenschaften – es braucht eine Sozialdividende".

Außerdem plädiert Gens für eine "Bildungsoffensive und ein echtes

Infrastrukturpaket".


Entschieden wendet sich der Bürgermeister von Hiddensee gegen Aufrüstung

und die allseits eingeforderte neue Kriegstüchtigkeit. Er schließt mit

der Feststellung, das Land brauche "den politischen Mut, sich dem

Rüstungswahn zu widersetzen". Denn der Krieg werde "nicht auf dem

Schlachtfeld gewonnen – sondern in der Schule, in bezahlbaren Wohnungen,

im Miteinander unserer Gemeinden und auf dem Spielplatz".


*Aufruf zum Mitmachen*


Der Appell richtet sich nicht nur an die Politiker-Kollegen, sondern an

"alle, die hier zuhause sind". Gens hofft, dass viele "diese Einsicht

teilen" und sich seinem Aufruf anschließen werden.


Diese Hoffnung ist anscheinend nicht unbegründet. Denn wie Gens per

Facebook

<https://www.facebook.com/story.php?story_fbid=24424053567231474&id=100001605093616&rdid=owoTTMb463cGC3Vs

mitteilte, habe er innerhalb weniger Tage nach Veröffentlichung des

Appells eine überwältigende Welle von Reaktionen erhalten: "Hunderte

Rückmeldungen aus dem ganzen Land – von Bürgermeistern, Künstlern,

Gemeinderäten, Politikern, Organisationen und vielen engagierten

Bürgerinnen und Bürgern. Bundesweit." In dieser Zeit zählte der Offene

Brief allein bei Facebook 1,2 Millionen Aufrufe und sei mindestens

11.600 Mal "geteilt" worden. Am 30. Juli hatte die Petition bereits die

Marke von 2.000 Unterschriften erreicht

<https://www.openpetition.de/petition/online/offener-brief-gemeinsam-fuer-frieden-und-unsere-heimat>.


unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.




Weiteres: 




Thomas Gens - Bürgermeister der Insel Hiddensee
Tel. 038300/64233 - Email bueroleitung@seebad-hiddensee.de


Friedrich Merz MdB
Platz der Republik 1
11011 Berlin


22.07.2025


Offener Brief an den Deutschen Bundestag und den Bundeskanzler


Sehr geehrter Herr Bundeskanzler Merz,
sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete,


während Sie und viele Abgeordnete auf Panzer und Raketen zählen, zählen wir in
Städten und Gemeinden jeden Euro zweimal. Während Sie Milliarden über
Milliarden in Rüstung, Aufrüstung und Auslandseinsätze pumpen, kämpfen wir vor
Ort ums Überleben unserer sozialen und kommunalen Infrastruktur – ja, unserer
Heimat und unseres Wohlstands.


Offener Brief an den Deutschen Bundestag und den Bundeskanzler


Wir auf Hiddensee wollen Wohnungen bauen, unsere Schule sanieren und
digitalisieren – und endlich eine eigene Schulsporthalle errichten. Unsere Häfen
brauchen neue Molen, und in den Hochwasserschutz muss dringend investiert
werden. Genauso in unsere Feuerwehren und Infrastruktur für Insulaner und Gäste.
Doch dafür, heißt es, fehle das Geld. Keine „Sondervermögen“, keine
„Zeitenwende“, kein „Bündnis für unsere Heimat“. Stattdessen: Haushaltssperren,
Bürokratie, Kürzungspläne und Prüfaufträge.


Nun wird in Mecklenburg-Vorpommern ein „Investitionsgipfel“ mit großem Tamtam
gefeiert – 1,92 Milliarden Euro aus einem Sondervermögen für das ganze Land.
Klingt nach viel, doch in Wahrheit verteilt sich die Summe auf zehn Jahre – also
rund 192 Millionen! Euro jährlich für das gesamte Bundesland.


Doch wie viel davon kommt tatsächlich bei den Kommunen an? Wer entscheidet,
welches Projekt gefördert wird – und wer leer ausgeht? Und wie sollen davon über
700 Städte und Gemeinden im Land ernsthaft profitieren, wenn allein auf
Hiddensee bereits Millioneninvestitionen für Schule, Wohnungsbau und
Küstenschutz notwendig wären?


Was uns fehlt, sind keine Überschriften mit Milliardenbeträgen – sondern
verlässliche Mittelzuweisungen, Planungssicherheit und eine gerechte Beteiligung
auch kleiner Gemeinden.


Besonders absurd wird die Lage im Vergleich zu anderen Ausgaben:
Während für alle Kommunen in MV 1,92 Milliarden Euro für 10 Jahre bereitstehen,
stellt der Bund allein im Jahr 2025 rund 7 Milliarden Euro für Waffenlieferungen und
militärische Unterstützung der Ukraine bereit – Jahr für Jahr mehr, ohne öffentliche
Debatte über Prioritäten.
Dazu kommen rund 100 Milliarden Euro Sondervermögen für die Bundeswehr
sowie mehr als 70 Milliarden Euro Verteidigungsetat jährlich – mit steigender
Tendenz.


Und die NATO-Vorgabe von 2 % des BIP bedeutet für Deutschland bald über 100
Milliarden Euro pro Jahr – dauerhaft.


In wenigen Jahren wird Deutschland für das Militär mehr ausgeben als für Bildung,
Gesundheit oder Wohnungsbau zusammen.
Und wer bezahlt das? Nicht Rheinmetall. Nicht Lockheed Martin. Nicht General
Dynamics. Nicht die USA, die jüngst Patriot-Raketen versprechen und liefern.
Sondern wir – die Bürgerinnen und Bürger.


Wir, die Kommunen, Städte und Gemeinden, sehen, wie der Sozialstaat – und mit
ihm unsere Heimat – schleichend ausgeblutet wird. Während Milliarden für
Kampfjets, Leopard-Panzer und Raketen freigemacht werden, fehlt uns das Geld
für Schulen, Lehrerstellen, Feuerwehren, Gesundheitsversorgung, Rentnerinnen
und Rentner, Wohnungsbau und Katastrophenschutz.


Die Bundesregierung hat sich offenbar entschieden: Für Aufrüstung, für Schulden,
für Kriegstüchtigkeit – und gegen soziale Gerechtigkeit, gegen kommunale
Handlungsfähigkeit, gegen Vernunft.


Dass Sie all das noch mit „Verantwortung für kommende Generationen“
rechtfertigen, ist schwer zu verstehen. Diese Generationen werden die Schulden
bezahlen – wenn über Panzer hoffentlich längst nicht mehr geredet wird.


Es braucht jetzt ein konsequentes Umsteuern zugunsten der Kommunen und
unserer Heimat:
– Investitionen in z. Bsp. in Schulen, Wohnungen, Krankenhäuser, Feuerwehren,
ÖPNV und Pflege statt in Kriegsgerät.
– Eine Rückbesinnung auf das Friedensgebot des Grundgesetzes und das
Gewaltverbot der UN-Charta.
– Und wenn, dann endlich Sondervermögen für den sozialen Zusammenhalt, für
unsere Heimat und für den Frieden – nicht nur für militärische Abenteuer.


Unser Land braucht keine Panzerpatenschaften – es braucht eine Sozialdividende,
eine Bildungsoffensive und ein echtes Infrastrukturpaket. Und es braucht den
politischen Mut, sich dem Rüstungswahn zu widersetzen.


Denn Frieden wird nicht auf dem Schlachtfeld gewonnen – sondern in der Schule,
in bezahlbaren Wohnungen, im Miteinander unserer Gemeinden und auf dem
Spielplatz.


Ich hoffe sehr, dass viele Kolleginnen und Kollegen in der Politik – aber auch alle,
die hier zuhause sind – diese Einsicht teilen und sich anschließen.


Mit nachdrücklichen Grüßen
Thomas Gens


(Unterschrift)


Bürgermeister der Insel Hiddensee


Download https://thomasgens.de/wp-content/uploads/2025/08/Offener-Brief-von-Thomas-Gens-Buergermeister-Insel-Hiddensee.pdf




Weiteres: 





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So geht`s jedenfalls nicht weiter. Offene Erklärung für Frieden – Schluss mit Milliarden für Rüstung, Krieg und Militärhilfen. Für eine faire Politik- für unsere Heimat.


Begründung


Sehr geehrter Herr Bundeskanzler Merz,
sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete,

während Sie und viele Abgeordnete auf Panzer und Raketen zählen, zählen wir in Städten und Gemeinden jeden Euro zweimal. Während Sie Milliarden über Milliarden in Rüstung, Aufrüstung und Auslandseinsätze pumpen, kämpfen wir vor Ort ums Überleben unserer sozialen und kommunalen Infrastruktur – ja, unserer Heimat und unseres Wohlstands.


???? Offener Brief an den Deutschen Bundestag und den Bundeskanzler
Wir auf Hiddensee wollen Wohnungen bauen, unsere Schule sanieren und digitalisieren – und endlich eine eigene Schulsporthalle errichten. Unsere Häfen brauchen neue Molen, und in den Hochwasserschutz muss dringend investiert werden. Genauso in unsere Feuerwehren und Infrastruktur für Insulaner und Gäste. Doch dafür, heißt es, fehle das Geld. Keine „Sondervermögen“, keine „Zeitenwende“, kein „Bündnis für unsere Heimat“. Stattdessen: Haushaltssperren, Bürokratie, Kürzungspläne und Prüfaufträge.


Nun wird in Mecklenburg-Vorpommern ein „Investitionsgipfel“ mit großem Tamtam gefeiert – 1,92 Milliarden Euro aus einem Sondervermögen für das ganze Land. Klingt nach viel, doch in Wahrheit verteilt sich die Summe auf zehn Jahre – also rund 192 Millionen Euro jährlich für das gesamte Bundesland.


Doch wie viel davon kommt tatsächlich bei den Kommunen an? Wer entscheidet, welches Projekt gefördert wird – und wer leer ausgeht? Und wie sollen davon über 700 Städte und Gemeinden im Land ernsthaft profitieren, wenn allein auf Hiddensee bereits Millioneninvestitionen für Schule, Wohnungsbau und Küstenschutz notwendig wären?

Was uns fehlt, sind keine Überschriften mit Milliardenbeträgen – sondern verlässliche Mittelzuweisungen, Planungssicherheit und eine gerechte Beteiligung auch kleiner Gemeinden.

Besonders absurd wird die Lage im Vergleich zu anderen Ausgaben:
Während für alle Kommunen in MV 1,92 Milliarden Euro für 10 Jahre bereitstehen, stellt der Bund allein im Jahr 2025 rund 7 Milliarden Euro für Waffenlieferungen und militärische Unterstützung der Ukraine bereit – Jahr für Jahr mehr, ohne öffentliche Debatte über Prioritäten.
Dazu kommen rund 100 Milliarden Euro Sondervermögen für die Bundeswehr sowie mehr als 70 Milliarden Euro Verteidigungsetat jährlich – mit steigender Tendenz.

Und die NATO-Vorgabe von 2 % des BIP bedeutet für Deutschland bald über 100 Milliarden Euro pro Jahr – dauerhaft.

In wenigen Jahren wird Deutschland für das Militär mehr ausgeben als für Bildung, Gesundheit oder Wohnungsbau zusammen.
Und wer bezahlt das? Nicht Rheinmetall. Nicht Lockheed Martin. Nicht General Dynamics. Nicht die USA, die jüngst Patriot-Raketen versprechen und liefern.


Sondern wir – die Bürgerinnen und Bürger.

Wir, die Kommunen, Städte und Gemeinden, sehen, wie der Sozialstaat – und mit ihm unsere Heimat – schleichend ausgeblutet wird. Während Milliarden für Kampfjets, Leopard-Panzer und Raketen freigemacht werden, fehlt uns das Geld für Schulen, Lehrerstellen, Feuerwehren, Gesundheitsversorgung, Rentnerinnen und Rentner, Wohnungsbau und Katastrophenschutz.

Die Bundesregierung hat sich offenbar entschieden: Für Aufrüstung, für Schulden, für Kriegstüchtigkeit – und gegen soziale Gerechtigkeit, gegen kommunale Handlungsfähigkeit, gegen Vernunft.

Dass Sie all das noch mit „Verantwortung für kommende Generationen“ rechtfertigen, ist schwer zu verstehen. Diese Generationen werden die Schulden bezahlen – wenn über Panzer hoffentlich längst nicht mehr geredet wird.


Es braucht jetzt ein konsequentes Umsteuern zugunsten der Kommunen und unserer Heimat:
– Investitionen in z. Bsp. in Schulen, Wohnungen, Krankenhäuser, Feuerwehren, ÖPNV und Pflege statt in Kriegsgerät.
– Eine Rückbesinnung auf das Friedensgebot des Grundgesetzes und das Gewaltverbot der UN-Charta.
– Und wenn, dann endlich Sondervermögen für den sozialen Zusammenhalt, für unsere Heimat und für den Frieden – nicht nur für militärische Abenteuer.

Unser Land braucht keine Panzerpatenschaften – es braucht eine Sozialdividende, eine Bildungsoffensive und ein echtes Infrastrukturpaket. Und es braucht den politischen Mut, sich dem Rüstungswahn zu widersetzen.

Denn Frieden wird nicht auf dem Schlachtfeld gewonnen – sondern in der Schule, in bezahlbaren Wohnungen, im Miteinander unserer Gemeinden und auf dem Spielplatz.


Ich hoffe sehr, dass viele Kolleginnen und Kollegen in der Politik – aber auch alle, die hier zuhause sind – diese Einsicht teilen und sich anschließen.


Mit nachdrücklichen Grüßen

Thomas Gens
Bürgermeister der Insel Hiddensee


Info: www.openpetition.de/petition/online/offener-brief-gemeinsam-fuer-frieden-und-unsere-heimat


(https://thomasgens.de/)


unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

31.07.2025

Zeitenwende
Der Wille zum Frieden

jungewelt.de,  Ausgabe vom 31.07.2025, Seite 11 / Feuilleton, Von Werner Fritz Winkler

Über den Wert des »Nie wieder« und die Zurichtung zum Krieg. Gedanken zum 99. Geburtstag von Erika Schirmer, der Autorin der »Kleinen weißen Friedenstaube«

Screenshot_2025_08_01_at_14_21_26_Zeitenwende_Der_Wille_zum_Frieden_Tageszeitung_junge_Welt_31.07.2025Michael Reichel/dpa-Zentralbild/dpa (Screenshot)

Gemeinsam nein sagen: Erika Schirmer (2022)


In den DDR-Schulen wurde man zum Humanismus erzogen. Das ist die Antwort von Egon Krenz auf die Frage, warum die Staats- und Parteiführung im Herbst 1989 keine Gewalt anwenden wollte. Wenn Krenz damit richtig liegt, dann ist diese Erziehung wohl ein entscheidender Faktor, warum der Osten Deutschlands immer noch anders tickt als der Westen. Zahlen des ZDF-Politbarometers von Ende Juni 2025 zeigen das deutlich. Während 68 Prozent der Westdeutschen für eine Erhöhung der Rüstungsausgaben sind, liegt die Zustimmung in den »neuen Bundesländern« nur bei 48 Prozent. Im Osten ist der humanistische Wert Frieden tief verwurzelt. Nicht nur wegen der DDR-Verfassung, in welcher der Begriff Humanismus verankert war. Bereits vor der Gründung der DDR war »Nie wieder Krieg« vielen Überzeugung und Haltung zugleich.

Exemplarisch dafür steht das Lied »Kleine weiße Friedenstaube«. Es begleitete ganze Generationen von Vorwendekindern. Man kann es als »DDR-Volkslied« bezeichnen. Sein Entstehungshintergrund verdeutlicht sowohl das Geschichts- als auch Frauenbild in Ostdeutschland nach 1945. Das Friedenslied wurde im Frühjahr 1949 von der damals 22jährigen Kindergärtnerin Erika Schirmer verfasst, die später Grundschullehrerin und Sonderpädagogin wurde. Sie und ihre Mutter hatten aus Schlesien fliehen müssen. 1948 fand sie im thüringischen Nordhausen eine neue Heimat. In der vom Krieg noch schwer gezeichneten Stadt sah sie eines Tages im notdürftig reparierten Schaufenster eines Einzelhändlers ein Plakat hängen. Es zeigte die Friedenstaube, Picassos »La Colombe«, die für den Weltfriedenskongress 1949 in Paris warb. Die junge Pädagogin war in­spiriert. Sie dichtete: »Du sollst fliegen, Friedenstaube, allen sag es hier, dass nie wieder Krieg wir wollen, Frieden wollen wir«. Bis zum Ende der DDR waren die vier Strophen der »Kleinen weißen Friedenstaube« fester Bestandteil der für den Musikunterricht vom Verlag Volk und Wissen herausgegebenen verbindlichen Liederbücher. Heute ist es in keinem deutschen Schulbuch mehr enthalten. Schirmer wird am 31. Juli 99 Jahre alt und lebt noch immer in Nordhausen.

Die von ihr mitgeprägte Haltung vieler Ostdeutscher zur Befreiung vom Faschismus und zur Friedensfrage wird schon lange ignoriert. Spätestens seit der Annexion der Krim durch Russland werden in der medialen Öffentlichkeit nur noch Meinungen gelten gelassen, die den »westlichen Werten« entsprechen. Die Berichterstattung ist in der Regel geschichtsvergessen und undifferenziert. Doch ohne Differenzierung keine Wahrheit. Zu der gehört: Auch die DDR hatte eine Armee, die NVA. Diese hatte Panzer und Raketen, und im Politunterricht wurden die Feindbilder NATO, USA und BRD vermittelt. Es gab die Grenztruppen der DDR, an der Grenze wurde geschossen, an der Berliner Mauer kamen wohl etwa 140 Menschen zu Tode. Das darf nicht unter den Tisch fallen. Aber zur Wahrheit gehört auch: Die DDR war nie an einem Krieg beteiligt, und ihre Soldaten haben nie ein anderes Land besetzt. Sie hat sich konsequent für die Lösung internationaler Konflikte mit Diplomatie eingesetzt, etwa im Rahmen der UNO und im KSZE-Format. Und sie praktiziert internationale Solidarität. Als am 11. September 1973 General Augusto Pinochet mit Hilfe der CIA in Chile eine Militärdiktatur errichtete und Tausende fliehen mussten, gewährte die DDR etwa 2.000 von ihnen Asyl. Das war nicht verordnet. Es entsprach dem Wunsch der Bevölkerungsmehrheit nach Frieden und Gerechtigkeit.


Auch die über 70.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Berliner Friedenslaufes vom 6. Juni 1985 kamen freiwillig. Sie kamen, weil sich in Europa die NATO und der Warschauer Pakt mit Atomraketen gegenüberstanden, die zu jeder Zeit die Menschheit hätten auslöschen können. Der Lauf für den Frieden wurde vom damaligen Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Juan Antonio Samaranch, in der Karl-Marx-Allee gestartet. In der Hauptstadt der DDR fand vom 3. bis 5. Juni die 90. IOC-Session statt. Der Wille zum Frieden und zur Bewahrung der olympischen Idee bestimmte in diesen Wochen und Monaten von der Insel Rügen bis zum Fichtelberg Tausende weitere große und kleine Friedensläufe. Menschen aller Altersgruppen und sozialen Schichten, aller Überzeugungen und Glaubensrichtungen nahmen teil. Sie verband der Wunsch nach Erhalt des Friedens.

Heute wird in Permanenz über Kriege und ihre Folgen berichtet. Was macht das mit den Menschen? Das Militärische hat das Primat. Diplomatie ist zur Randerscheinung verkommen. Zumindest medial. Wer sie dennoch einfordert, wird als Naivling abgekanzelt. Selbst eine Angela Merkel wird angegriffen, wenn sie Friedenstüchtigkeit statt Kriegstüchtigkeit fordert. Die Grenzen der Meinungsfreiheit. Die Sprache wird kriegerischer und aggressiver. All das soll zur Kriegstüchtigkeit beitragen. Der Friedensforscher Wolfgang Wette sagte jüngst auf der Heidelberger Friedenskonferenz: »Nicht nur die Militärs, auch die Bevölkerung sollte wissen: Ohne ihre Zustimmung sind kein Krieg, keine Aufrüstung und keine Waffenlieferungen möglich – daher liegt es an uns, gemeinsam ›nein‹ zu sagen.«



Info:  https://www.jungewelt.de/artikel/505173.zeitenwende-der-wille-zum-frieden.html


unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.



Weiteres:



Kleine weiße Friedenstaube

1. Kleine weiße Friedenstaube, fliege übers Land,
allen Menschen, groß und kleinen, bist du wohlbekannt.

2. Du sollst fliegen, Friedenstaube, allen sage es hier,
daß nie wieder Krieg wir wollen, Frieden wollen wir.

3. Fliege übers große Wasser, über Berg und Tal,
bringe allen Menschen Frieden, grüße sie tausendmal.

4. Und wir wünschen für die Reise Freude und viel Glück,
kleine weiße Friedenstaube, komm recht bald zurück!


Info: https://www.ddr.center/lied/kleine_wei%C3%9Fe_friedenstaube-pid_1.html


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31.07.2025

Neues vom Wirtschaftskrieg (275): Trump-Deal wackelt schon wieder

lostineu.eu, 31. Juli 2025

Trump bestraft Indien für Handel mit Russland. China lehnt  US-Ultimatum ab. Und der Deal mit der EU wackelt schon wieder.

  • Trump-Deal mit von der Leyen wackelt schon wieder. The European Commission and the White House are making contradictory claims about the content and scope of the EU-US trade deal. -The trade deal between the European Union and the United States is off to a rocky start. The preliminary agreement, announced at the end of a face-to-face meeting of Ursula von der Leyen and Donald Trump in Scotland, has prompted a massive wave of criticism over its heavily lopsided nature in favour of American interests. (Euronews) 
  • Die Europäische Kommission und das Weiße Haus machen widersprüchliche Angaben zum Inhalt und Umfang des Handelsabkommens zwischen der EU und den USA. -Das Handelsabkommen zwischen der Europäischen Union und den Vereinigten Staaten hat einen holprigen Start hingelegt. Die vorläufige Vereinbarung, die am Ende eines persönlichen Treffens zwischen Ursula von der Leyen und Donald Trump in Schottland bekannt gegeben wurde, hat eine massive Welle der Kritik ausgelöst, da sie stark zugunsten amerikanischer Interessen ausgerichtet ist. (Euronews) übersetzt mit Deepl., unkorrigiert

    Übersetzt mit DeepL.com (kostenlose Version)– Der politische Deal ist nicht rechtsverbindlich, heißt es in Brüssel. Über Details werde weiter verhandelt. Damit ist unklar, ob alle Vereinbarungen wie geplant am 1. August in Kraft treten können.
  • China lehnt Trumps Ultimatum zu Russland ab: “China will always ensure its energy supply in ways that serve our national interests. Tariff wars have no winners. Coercion and pressuring will not achieve anything. China will firmly defend its sovereignty, security and development interests.“ (Chinese Foreign Ministry) Das Ultimatum war zuletzt verkürzt worden. Es soll all jene treffen, die weiter russisches Öl kaufen oder verkaufen. Neben China sind auch Indien und die Türkei betroffen.
  • Trump bestraft Indien für Handel mit Russland. Kurz vor Ablauf der Frist für Zollverhandlungen ist Indiens Versuch, eine Einigung zu erzielen, gescheitert. Die USA werden nun ab 1. August einen Zoll in Höhe von 25 Prozent auf Waren aus Indien einführen. Das kündigte Trump auf seiner Plattform Truth Social an. Zusätzlich wolle er eine Strafe für Indiens Energie- und Rüstungsgeschäfte mit Russland erheben. (Handelsblatt) – Die EU will Indien zum strategischen Partner machen. Gegen Trump hilft dies offenbar auch nicht…

Mehr zum Wirtschaftskrieg hier

‹ Drei (schlechte) Gründe für die Kapitulation vor Trump › Sommerserie: Letzte Chance in der europäischen Klimapolitik

13 Comments

  1. Arthur Dent
    31. Juli 2025 @ 23:03

    Allgemein: Staatsverschuldung (außer im alleräußersten Not- oder Krisenfall) ist der Verzicht auf eine sach- und leistungsfähigkeitsrechte Besteuerung. Man hofiert das Kapital. Zunahme der Polarisierung durch „unterlassene Besteuerung“: Den Schuldenbergen entsprechen centgenau riesige, rechtsverbindlich vereinbarte staatliche Umverteilungsprozesse –von unten nach oben. Dauernd auf riesige Verschuldung zu setzen ist Voodoo-Ökonomie, Deutschlands Wirtschaft müsste bei der Rekordverschuldung nicht um 1 % sondern vermutlich um 5 – 10 Prozent wachsen, um die Zinslast zu tragen. Völlig gaga.

Antworten

  • KK
    1. August 2025 @ 12:37

    ts, ts, ts… “StaatsVERSCHULDUNG”… die gibts doch gar nicht mehr, das heisst jetzt “SonderVERMÖGEN”! ????

    Antworten

    • Monika
      1. August 2025 @ 13:49

      Klaro, niemand wird VERMÖGEN die Zeche zu bezahlen :)))

  • Arthur Dent
    31. Juli 2025 @ 14:07

    Deutsche Wirtschaft leicht geschrumpft, dabei sollte es im Sommer einen Stimmungswechsel geben. Der Finanzminister sucht seine Milliarden. Wirtschaftsministerium will Rente erst nach Ableben. Es muss gespart werden: Bei Rente, Pflege, Gesundheit, Bildung, Bürgergeld, Kultur und überhaupt. Wenn interessieren die Amerikaner?

    Antworten

    • KK
      31. Juli 2025 @ 15:41

      „Der Finanzminister sucht seine Milliarden.“
      Bei den ganzen „Sondervermögen“ kann man schon mal den Überblick verlieren…

      Wo nicht gespart werden muss: Abgeordnetendiäten und Militär!

      Antworten

  • hg
    31. Juli 2025 @ 09:28

    “ Die Dummheit von Politikern sollte niemals unterschätzt werden.“ Helmut Schmidt
    Mal seh n, wie lange das mit älteste Kulturvolk im Osten noch Geduld hat, mit den Nachkommen der brutalen wie räuberischen Kolonialmächte, unter denen u.a. es sehr gelitten hatte. Helmt Schmidt hatte das mal richtig nachvollziehbar eingeordnet, Formosa/Taiwan, als einer von Uncle Sam s bedrohlichster Stützpunkt vor der Haustüre ist in greifbarer Nähe. BtW, das Völkerrecht spielte für seine Interessen nur eine unterordnen Rolle! Es bleibt spannend!

    Antworten

  • Monika
    31. Juli 2025 @ 08:52

    Trump bringt es noch so weit, dass niemand im „Rest der Welt“ Amerika noch als Gesprächs- oder gar Vertrags-„Partner“ am Tisch haben will.
    Vergleichbar den neuen Gepflogenheiten europäischen „Umgangs“ mit Russland, verlässt dann der „Rest der Welt“ die Säle, wenn ein Amerikaner, ein Europäer oder ein Israeli die „Bühne“ betritt. Mit den selben „Begründungen“, die jetzt eine Frau Klöckner veröffentlichen ließ, anlässlich ihrer Demonstration zu Gunsten der WW (soll „Wertewestliche Welt“ bedeuten, nicht etwa WaschWeiber…).
    Wenn nur nicht die Gefahr bestünde, dass die USA aus gekränktem Ego heraus und purem „weil wir es uns wert sind“, wild mit Atomraketen um sich wirft.

    Antworten

  • Thomas Damrau
    31. Juli 2025 @ 08:29

    Welcher Deal? Eine mittelmäßig begabte Politik-Darstellerin trifft sich mit dem lautesten im Augenblick verfügbaren Politik-Darsteller und zollt ihm ihren Respekt (ich habe vor kurzem mal wieder Der Pate, Teil 1, von Coppola angeschaut). Im Laufe des Respekts-Zollens macht sie ihm Versprechungen, für die sie nicht autorisiert ist, um die Gunst des Patens zu erschmeicheln.

    Auf der einen Seite eine Politik-Farce, auf der anderen Seite ein Indiz dafür, wie weit sich die EU inzwischen von demokratischen Gepflogenheiten entfernt hat: Frau von den Laien führt sich wie eine Feudalherrin auf, die ohne irgendwelche Rückfragen im Namen ihres Fürstentums Verpflichtungen eingeht.

    Antworten

  • Helmut Hoeft
    31. Juli 2025 @ 08:02

    Der Deal zwischen dem Trio-Infernal (Röschen+Mopedrocker+Exportismus) und Donald John wackelt? * freu * (man wird ja noch mal träumen dürfen, gelle). Wann immer man eine Diskussionen zum US/EU-Deal verfolgt, egal in welchem Kanal/Medium, an dem ein Politnik aus der GröMöKoa oder ein Funktionsmöbel aus (rüstungs-)industrienahen Kreisen beteiligt ist kommt das Totschlagargument: „Abhängigkeit durch Sicherheit“! Was reden diese Clowns sich selbst und uns da ein?

    gibt es gegenseitige Abhängigkeiten, 2. gibt es da die Unmöglichkeit eines „Überfalls“ RUS auf die EU – tausendundein Gründe, darf aber nicht gedacht geschweige denn diskutiert werden – 3. was würde Donald John sagen, käme die €U mit folgendem „Deal“ um die Ecke: „Au fein, wir konzidieren merkantilistisches Handeln unsererseits (v. a. Deutschland) in der Vergangenheit, das wird korrigiert; dafür werden wir aber auch unsere Dienstleistungsbilanz mit euch bereinigen …(jaja, wir reden über BigTech, Internet und KI-Regulierung!!). Mindeststeuer der US-Konzerne, nachweislich abgeführt, ist Bedingung – und, btw. du kannst Büchel, Ramstein, Stuttgart-Vaihingen https://de.wikipedia.org/wiki/United_States_European_Command und Wiesbaden https://de.wikipedia.org/wiki/United_States_Army_Europe_and_Africa schon mal freimachen, das brauchen wir alles selber! Die Kohle die du dafür sparst kannst du dann in den USA zur Verteidigung deiner Nord- und Südfront ausgeben (aka deinen Oligarchen in die Tasche schieben). Deal? Komm her schlag ein!“

    Antworten

  • Erneuerung
    31. Juli 2025 @ 07:18

    War nicht Indien das bevölkerungsreichste Land der Welt, nach China? Und wo bitte finden derzeit die meisten technologischen Fortschritte statt? Trump gegen Indien, Trump gegen China, Trump gegen Russland, die EU gegen Russland, China und Trump. Das ist alles sehr „erfolgversprechend“, während BRICS andere Wege gehen.

    Antworten

    • Karl
      31. Juli 2025 @ 08:43

      Ganz klar: China hat 1 Milliarde Menschen aus der Armut geholt. Die USA haben 70% ihrer Einwohner in prekäre Existenz und Aberglauben gestürzt – und wollen jetzt mit ihren Vasallen (uns!) weitermachen.

      Antworten

      • Helmut Hoeft
        31. Juli 2025 @ 08:12

        @Karl
        BINGO! Geiler Kommentar! (habe Verbindungen nach USA, kenne mich da etwas aus, v. a. das mit dem Aberglauben … Du glaubst ja nicht, wie recht Du hast!)

  • Was sagen Sie dazu?


    Info: https://lostineu.eu/neues-vom-wirtschaftskrieg-trump-deal-wackelt-schon-wieder/?utm_campaign=Lost%20in%20EUrope%20Update&utm_content=Lost%20in%20EUrope%20Update&utm_medium=email&utm_source=getresponse


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    31.07.2025

    Nachrichten von Pressenza: Gegen Krieg und Besatzung: 18-Jährige Israelis verweigern israelischen Militärdienst

    aus e-mail von  <newsletter@pressenza.com>, 31. Juli 2025, 7:15 Uhr


    Nachrichten von Pressenza - 31.07.2025


    Gegen Krieg und Besatzung: 18-Jährige Israelis verweigern israelischen Militärdienst


    Am Donnerstag, dem 31. Juli, um 10:00 Uhr, veranstalten Aktivist:innen des Netzwerks Mesarvot eine Demonstration vor dem Militärstützpunkt Tel HaShomer. Anlass ist die Wehrdienstverweigerung der 18-jährigen Ayana Gerstmann aus Ramat Gan. Sie weigert sich, den Dienst in der israelischen Armee&hellip;

    https://www.pressenza.net/?l=de&track=2025/07/gegen-krieg-und-besatzung-18-jaehrige-israelis-verweigern-israelischen-militaerdienst/


     -----------------------


    Wettern der Woche: Legaler Diebstahl


    Manchmal helfen ja auch 5.000 Euro, damit man genauer hinhört. Das Bürgerprojekt &#8222;Die AnStifter&#8220; aus Stuttgart hat soeben eine exzellente Wahl getroffen: Anne Brorhilker erhält den FriedensPreis 2025. Und das nicht für lauwarme Worte oder meditative Stille – sondern weil&hellip;

    https://www.pressenza.net/?l=de&track=2025/07/wettern-der-woche-legaler-diebstahl/


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    Pressenza - ist eine internationale Presseagentur, die sich auf Nachrichten zu den Themen Frieden und Gewaltfreiheit spezialisiert hat, mit Vertretungen in Athen, Barcelona, Berlin, Bordeaux, Brüssel, Budapest, Buenos Aires, Florenz, Lima, London, Madrid, Mailand, Manila, Mar del Plata, Montreal, München, New York, Paris, Porto, Quito, Rom, Santiago, Sao Paulo, Turin, Valencia und Wien.


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    30.07.2025

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    30.07.2025

    Ein Leben für die Musik und Griechenland –                                                        100 Jahre Mikis Theodorakis

    Komponist Mikis Theodorakis während eines Konzertes in Hamburg (1971)

    Ikone des freien Griechenlands






    swr.de, 29.7.2025, 11:24 Uhr, Von Autor/in Dominic Konrad, Sebastian Kiefl


    In seiner griechischen Heimat gilt der 2021 verstorbene Mikis Theodorakis als moderner Volksheld. Wie kaum ein anderer Künstler prägte der Komponist das griechische Selbstverständnis: sowohl durch seine Musik als auch als Widerstandskämpfer, Ikone des Protests und Parlamentsabgeordneter. Eine Ehrung zum 100. Geburtstag.


    Zum 100. Geburtstag von Mikis Theodorakis

    07:31 Min. Download https://pdodswr-a.akamaihd.net/swr/swrkultur/treffpunkt-klassik/musik-klassik/2256474.mp3


    Die Arme emporgereckt, dann: ein Schritt nach rechts, links überkreuzt, ein weiterer Schritt nach rechts, der linke Fuß über den rechten geschwungen. Dazu der immer schneller werdende Klang der Bouzouki, der griechischen Laute.

    Für Ausländer klingt wohl kaum etwas mehr nach Griechenland als der Sirtaki, den Mikis Theodorakis für den 1964 erschienen Film „Alexis Sorbas“ schrieb. Am Ende des Films tanzen Sorbas und sein Freund Basil gemeinsam am Strand. Der Volkstanz, den die beiden vollführen – er wurde für den Film erfunden.

    Auch wenn es nur vermeintliche griechische Tradition ist, die im Film zu sehen und zu hören ist – die Klänge, die Mikis Theodorakis für diesen Tanz ersonnen hat, erscheinen so selbstverständlich griechisch, dass sie heute zum Inbegriff griechischer Folklore geworden sind.


    Anfang der 1970er-Jahre ist Mikis Theodorakis als Musiker und Politiker in Griechenland zum Symbol des Widerstands geworden.


    Komponist Mikis Theodorakis beim Dirigieren (1973)

    Der Gesang der Mutter beflügelt den jungen Theodorakis

    Geboren wird Mikis Theodorakis am 29. Juli 1925 auf der griechischen Insel Chios. Sein Vater ist ein Anwalt aus dem kretischen Dorf Galatas, seine Mutter stammt aus der kleinasiatischen Stadt Çeşme, etwa 80 Kilometer von Izmir. Als verfolgte Griechin flüchtet sie 1922 vor den Osmanen auf die Insel.

    Es ist kein hochmusikalisches Elternhaus, in dem Mikis Theodorakis aufwächst. Es gibt keine Instrumente, aber seine Mutter singt, und der Junge begeistert sich schnell für Chöre. Das Musizieren und Komponieren bringt er sich zunächst autodidaktisch bei.

    Im Alter von 17 Jahren spielt Theodorakis sein erstes Konzert. Ein Jahr später schreibt er sich am Konservatorium von Athen ein. Um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, arbeitet er im Hafen von Piräus.


    Das griechische Volkslied begeistert Mikis Theodorakis seit seiner Kindheit. In den 1960er-Jahren macht er es in seiner Heimat populär, auch gegen Widerstände aus akademischen Kreisen.


    Komponist Mikis Theodorakis in einem Club in Athen, nur wenige Wochen nach dem Sturz der Militärdiktatur.

    Kämpfer für ein kommunistisches Griechenland

    Seit dem Balkanfeldzug 1941 ist Griechenland durch die deutsche Wehrmacht okkupiert. Theodorakis schließt sich der Griechischen Volksbefreiungsarmee ELAS an. Er kämpft im Untergrund gegen die Besatzer und für ein kommunistisch regiertes Griechenland.

    Auch nach dem Ende der deutschen Besatzung bleibt Theodorakis politisch aktiv. Im Griechischen Bürgerkrieg kämpft der junge Mann weiter auf der Seite der Kommunisten für eine neue Gesellschaftsordnung.

    Er wird gefangen genommen, auf die Insel Ikaria verbannt und später ins Konzentrationslager von Makronisos verlegt. Hier erlebt Theodorakis Folter und wird zweimal lebendig begraben. Nur knapp überlebt er das Lager. Schließlich schafft es sein Vater, den Sohn zu befreien und nach Kreta zu holen.

    Hier widmet sich Theodorakis wieder der Musik: Er macht sich mit der rhythmischen Vielfalt der Insel vertraut und gründet sein erstes eigenes Orchester.

    Suite No. 1 for Piano and Orchestra: Allegro - Poco meno

    https://youtu.be/5WVNmmQlW00?si=pCfEJb_F0CybbdRb


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    Studium in Paris und internationale Anerkennung

    Im Frühjahr 1953 heiratet Mikis Theodorakis die spätere Ärztin Myrto Altinoglou, mit der er seit Mitte der 1940er-Jahre liiert ist. Ein Jahr später ziehen beide als Stipendiaten nach Paris. Am Pariser Konservatorium studiert Theodorakis unter anderem unter Olivier Messiaen, der ihn in Musikanalyse unterrichtet.

    In Paris komponiert Theodorakis 1955 die Suite Nr. 1 für Klavier und Orchester. Selbst wenn sie heute nicht zu seinen bedeutendsten Kompositionen zählt, hat sie einen gewissen Stellenwert in seinem Leben.

    Die Komposition wird 1957 im Rahmen des Musikfests in Moskau mit einer Goldmedaille ausgezeichnet. In der Jury sitzen unter anderem Hanns Eisler und Dmitri Schostakowitsch. Gemeinsam mit Leonard Bernstein und weiteren Komponisten werden sie 1970 seine Freilassung aus dem Gefängnis erwirken.

    Pou Petaxe T'Agori Mou? (Remaster 2017)

    https://www.youtube.com/watch?v=bdx2axmAX_A


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    Griechische Volksmusik als zeitgenössische Komposition

    Das elitäre Gehabe der Pariser Musikszene stört Theodorakis zunehmend. Er sehnt sich nach griechischer Musik, gespielt auf griechischen Instrumenten. So entdeckt Theodorakis in den 1960er-Jahren das Volkslied für sich. Mit dem musikalischen Handwerkzeug aus dem Pariser Konservatorium erhebt er die griechische Volksmusik zur zeitgenössischen Komposition.

    So vertont Theodorakis die Texte bedeutender zeitgenössischer Dichter seines Landes in der Art des Volkslieds, darunter den Gedichtzyklus „Epitaphios“ des kommunistischen Lyrikers Giannis Ritsos. Sie erscheinen 1960 erstmals auf Schallplatte, gesungen von Nana Mouskouri.

    Für Theodorakis orientiert sich die Aufnahme zu stark am westlichen Musikgeschmack. Er lässt sie mit dem Volkssänger Grigoris Bithikotsis neu einspielen.

    Da Theodorakis zunächst ausschließlich die Texte griechischer Lyriker vertont, gelingt es ihm, dass viele Griechen bis heute die Texte ihrer großen Dichter kennen. Die Poesie als Volksmusik – so vereint Mikis Theodorakis seinen Patriotismus mit seinem Kompositionsgenie.


    Bis ins hohe Alter bleibt Mikis Theodorakis politisch aktiv. Mit 85 Jahren engagiert er sich 2011 infolge der griechischen Wirtschaftskrise für die Protestbewegung Spitha.


    Komponist Mikis Theodorakis bei einem Protestmarsch der Bewegung Spitha

    Unter der Militärjunta ist Theodorakis' Musik tabu

    Als im Jahr 1967 das griechische Militär gegen die Regierung des konservativen Georgios Papadopoulos putscht, flieht Theodorakis in den Untergrund. Der Komponist wird zum Symbol des antimilitaristischen Widerstands.

    Die neue Militärregierung verbannt seine Musik. Sie zu spielen und selbst sie zu hören steht fortan unter Strafe. Im August 1968 wird Theodorakis gefangen und inhaftiert, später jedoch auf internationalen Druck freigelassen. Er geht 1970 mit seiner Familie ins französische Exil.

    Brisant Theodorakis im Exil (1970)

    Auch in Paris bleibt Theodorakis neben der Schauspielerin Melina Mercouri eines der prominentesten Gesichter des griechischen Widerstands.

    Er verschafft sich Gehör bei den bedeutendsten Politikern seiner Zeit und schließt Freundschaft mit Staatenlenkern wie Willy Brandt und François Mitterand. Auf Einladung Salvador Allendes bereist er Chile, wo er das Werk Pablo Nerudas kennenlernt, das er 1973 im Oratorium „Canto General“ musikalisch verarbeitet.

    Mikis Theodorakis: Neruda Requiem Eternam (CANTO GENERAL)

    https://youtu.be/rep1qPNOjrQ?si=r82tGfz3e5l7feoP

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    Rückkehr nach Griechenland als Volksheld

    Nach sieben Jahren fällt die Militärjunta 1974 in sich zusammen. Gleich am Tag nach dem Ende des Regimes kehrt Mikis Theodorakis in seine Heimat zurück. Er will ein neues Griechenland mitgestalten. Die Griechen feiern ihn als Volkshelden.

    In den 1980er-Jahren gehört Theodorakis – wie bereits in den 1960er-Jahren – dem Parlament an. Seine politische Karriere gipfelt 1990 in einem Ministeramt unter dem konservativen Konstantinos Mitsotakis.

    Johanna Krumin - Medea Aria (Mikis Theodorakis Birthday Event 2020)

    https://youtu.be/s7haeGZYQZM?si=hYD9ngUGhVO4MZob

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    In seinem kompositorischen Spätwerk wendet sich der große Liedermacher wieder der symphonischen Musik zu – und der Oper. Vor allem die Heldinnen und Antiheldinnen der griechischen Dramen faszinieren ihn zum Ende seiner Karriere: Elektra, Antigone, Medea und Lysistrata.


    Griechenland erinnert sich an Mikis Theodorakis als entschiedenen Kämpfer für die Freiheit des griechischen Volkes.


    Mikis Theodorakis hält am 31.05.2009 eine Rede vor der Nationalen und Kapodistrias Universität von Athen.

    Tod mit 96 Jahren

    Vom Komponieren verabschiedet sich Mikis Theodorakis nach der Jahrtausendwende. Doch er bleibt politisch aktiv und mitunter kontrovers: 2011 engagiert sich der 85-Jährige infolge der Wirtschaftskrise Griechenlands in der Protestbewegung Spitha.

    Später gerät er mit antisemitischen und amerikafeindlichen Äußerungen in die Kritik, unter anderem spricht er von einer „zionistischen Übermacht“ in der internationalen Musikbranche.

    Am 2. September 2021 stirbt Theodorakis im Alter von 96 Jahren in Athen. Seine letzte Ruhe findet er in Galatas, dem kleinen Heimatort seines Vaters auf Kreta.


    Zum Tod von Mikis Theodorakis: Der Komponist, Schriftsteller und Politiker

    1:05:19 h, Download https://pdodswr-a.akamaihd.net/swr/swr2/musik-klassik/zur-person/202007/26-mikis-theodorakis-zur-person-swr2.m.mp3


    Mehr über Mikis Theodorakis


    Mikis Theodorakis bei einem Konzert in Berlin (1990)

    Griechischer Nationalheld Zum 100. Geburtstag von Mikis Theodorakis

    https://www.swr.de/swrkultur/musik-klassik/griechischer-nationalheld-zum-100-geburtstag-von-mikis-theodorakis-100.html





    Musikstück der Woche Mikis Theodorakis: 11 Präludien für Klavier, gespielt von Danae Dörken

    https://www.swr.de/swrkultur/musik-klassik/musikstueck-der-woche/danae-doerken-spielt-mikis-theodorakis-11-praeludien-fuer-klavier-swr2-musikstueck-100.html


    Mikis Theodorakis im Rollstuhl winkt in die Kamera.


    Musikgespräch Zum Tod von Mikis Theodorakis: Der Komponist, Schriftsteller und Politiker

    https://www.swr.de/swrkultur/musik-klassik/der-komponist-schriftsteller-und-politiker-mikis-theodorakis-100.html




    SWR2 Zur Person Die Sängerin Maria Farantouri – die starke Stimme Griechenlands

    Musikstunde Song of America (8/10) – 

    https://www.swr.de/swrkultur/musik-klassik/song-of-america-8-10-charles-ives-100.html




    Info: https://www.swr.de/swrkultur/musik-klassik/mikis-theodorakis-100-jahre-ein-leben-fuer-griechenland-und-die-musik-100.html?utm_source=firefox-newtab-de-de


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    30.07.2025

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    (WiBiLex)
    Das wissenschaftliche Bibellexikon im
    Internet
    Amalek / Amalekiter
    Hans Andreas Tanner
    erstellt: Mai 2008
    Permanenter Link zum Artikel:

    https://bibelwissenschaft.de/stichwort/13085/


    Auszug:


    Über die Amalekiter lässt sich historisch wenig sagen. Im Alten Testament gelten
    sie als räuberisches Nomadenvolk im Süden Palästinas und Erbfeind Israels (Ex
    17,16: „Krieg hat Jahwe mit Amalek von Geschlecht zu Geschlecht!“).
    1. Name1. Name
    Die Bedeutung des Namens Amalek / Amalekiter ( ֲעָמֵלִקי / ֲעָמֵלק ), der nur aus
    der hebräischen Bibel bekannt ist, ist nicht geklärt. Nach Knauf verweist er
    möglicherweise auf protoarabische Herkunft (< *
    ‘Amā
    liq).
    2. Biblische Überlieferung2. Biblische Überlieferung
    2.1. Amalek, der Enkel Esaus2.1. Amalek, der Enkel Esaus
    In der Geschlechterliste → Esaus, des Stammvaters der Edomiter, erscheint
    Amalek als Enkel Esaus und Sohn von Elifas und seiner Nebenfrau Timna (Gen
    36,12; Parallelstelle: 1Chr 1,36) . Gen 36,16 listet ihn unter den Häuptlingen →
    Edoms auf. Dem entspricht 1Chr 4,43, wo ein Rest Amaleks im Gebirge Seïr, also
    im Bereich Edoms, lokalisiert wird.
    2.2. Lebensweise2.2. Lebensweise
    Gesichertes lässt sich über die Lebensweise wenig sagen. Meist wird vermutet,
    Amalek habe als nomadisierender Stamm den Negeb bewohnt. Nach Ri 6,3-5;
    1Sam 15,3; 1Sam 30,17 sind die Amalekiter Kamelbesitzer. Die Erzählung 1Sam
    30 und die Erwähnungen in Ri 6,3.33; Ri 7,12 zeichnen Amalek als räuberisches
    Volk. Nach 1Sam 15,5 bewohnt Amalek eine Stadt mit einem König namens
    Agag an der Spitze (1Sam 15,8.9.20.32.33), was das Nomadentum Amaleks
    fraglich erscheinen lässt.
    2.3. Erbfeind Israels2.3. Erbfeind Israels
    2.3.1. Das Amalekitergesetz
    Im Buch → Deuteronomium gebietet Gott Israel – unter Verweis auf den Überfall
    Amalek / Amalekiter
    Hans Andreas Tanner
    WiBiLex | Amalek / Amalekiter 1
    der Amalekiter nach dem Auszug aus Ägypten (Ex 17,8-16) – das Volk der
    Amalekiter auszurotten, sobald man nach der Landgabe Frieden gefunden hat
    (Dtn 25,17-19). Die Missachtung dieses Gebots begründet später die Verwerfung
    Sauls (1Sam 15,18f).
    2.3.2. Kriegserzählungen
    Abgesehen von der kurzen Notiz in Gen 14,7, die von der Verwüstung des
    Gebiets der Amalekiter durch eine Koalition von vier Königen weiß, spielen die
    Amalekiter erst in Ex 17,8-16 eine Rolle. Sie haben die Israeliten auf der →
    Wüstenwanderung angegriPen, doch → Mose schickt → Josua gegen sie in den
    Kampf. Israel erringt den Sieg, da Mose die Arme von → Aaron und → Hur
    gestützt zum Gebet erhoben halten kann. Die Erzählung, die in der göttlichen
    Zusage der Vernichtung der Amalekiter gipfelt, begründet die Erzfeindschaft
    zwischen Amalek und Israel und zeigt als theologische Lehrerzählung die Kraft
    des Gebets (Schmitt).
    Num 14,39-45 liest sich als negatives Gegenstück zu Ex 17,8-16: Der
    eigenmächtige, gegen den ausdrücklichen Willen Jahwes unternommene
    Kriegszug gegen Amalek endet mit Israels Niederlage.
    Ri 3,13 lässt die Amalekiter und → Ammoniter unter → Moabs Führung an einem
    Eroberungszug gegen Israel teilnehmen. Nach Ri 6,3.33; Ri 7,12 beteiligt sich
    Amalek im Gefolge → Midians an Beutezügen. In Ri 10,12 erscheint Amalek in
    einer Reihe von Völkern, die Israel in der vorstaatlichen Zeit bedrängten.
    Die Notiz 1Sam 14,48 berichtet von → Sauls Schlag gegen Amalek und schaPt so
    den Übergang zu 1Sam 15. Zwölf Mal werden hier Amalek bzw. die Amalekiter
    genannt (zehn Mal עמלק , zwei Mal עמלקי ). Nach dem Amalekitergesetz (s.o.) hat
    Saul den vollständigen → Bann an Amalek zu vollziehen. Da er den Befehl nicht
    korrekt ausführt, wird er verworfen. 1Sam 28,18 begründet mit dem nicht ganz
    vollstreckten Bann den Verlust von Sauls Königtum.
    1Sam 27,8 nennt Amalek als Ziel von Überfällen, die → David von → Ziklag aus
    unternimmt. Die Notiz bereitet die große Erzählung 1Sam 30 vor, wo eine
    amalekitische Räuberbande Davids Residenzstadt Ziklag ausplündert, was einen
    Rachefeldzug Davids zur Folge hat. In 2Sam 1,1-16 wird der Amalekiter, der
    David die Königsinsignien Sauls überbringt, niedergestochen, weil er vorgibt,
    Saul getötet zu haben. In 2Sam 8,12 (Parallele 1Chr 18,11) erscheint Amalek
    unter Fremdvölkern, die David besiegt und geplündert hat.
    Ps 83,7f nennt Amalek in einer Reihe transjordanischer Völker. Diese
    WiBiLex | Amalek / Amalekiter2
    repräsentieren die feindliche Völkerwelt, ja die Chaosmächte (Hossfeld /
    Zenger), die Israel derart zu vernichten beabsichtigen, dass niemand mehr des
    Namens Israels gedenken wird (Ps 83,5).


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    Weitere Darstellung und Weiteres:




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    Hans Andreas Tanner

    (erstellt: Mai 2008)

    Artikel als PDF

    Permanenter Link zum Artikel: https://bibelwissenschaft.de/stichwort/13085/


    Inhalt

    2. Biblische Überlieferung 

    2.1. Amalek, der Enkel Esaus 

    2.2. Lebensweise 

    2.3. Erbfeind Israels 

    2.3.1. Das Amalekitergesetz 

    2.3.2. Kriegserzählungen 

    3. Lokalisierung 

    4. Geschichte Literaturverzeichnis 

    1. Lexikonartikel 

    2. Weitere Literatur PDF-Archiv


    Über die Amalekiter lässt sich historisch wenig sagen. Im Alten Testament gelten sie als räuberisches Nomadenvolk im Süden Palästinas und Erbfeind Israels (Ex 17,16

    : „Krieg hat Jahwe mit Amalek von Geschlecht zu Geschlecht!“).


    1. Name

    Die Bedeutung des Namens Amalek / Amalekiter (עֲמָלֵק / עֲמָלֵקִי), der nur aus der hebräischen Bibel bekannt ist, ist nicht geklärt. Nach Knauf verweist er möglicherweise auf protoarabische Herkunft (< *‘Amāliq).


    2. Biblische Überlieferung

    2.1. Amalek, der Enkel Esaus

    In der Geschlechterliste → Esaus

    , des Stammvaters der Edomiter, erscheint Amalek als Enkel Esaus und Sohn von Elifas und seiner Nebenfrau Timna (Gen 36,12; Parallelstelle: 1Chr 1,36). Gen 36,16 listet ihn unter den Häuptlingen → Edoms auf. Dem entspricht 1Chr 4,43

    , wo ein Rest Amaleks im Gebirge Seïr, also im Bereich Edoms, lokalisiert wird.

    2.2. Lebensweise

    Gesichertes lässt sich über die Lebensweise wenig sagen. Meist wird vermutet, Amalek habe als nomadisierender Stamm den Negeb bewohnt. Nach Ri 6,3-5

    ; 1Sam 15,3; 1Sam 30,17 sind die Amalekiter Kamelbesitzer. Die Erzählung 1Sam 30 und die Erwähnungen in Ri 6,3.33; Ri 7,12 zeichnen Amalek als räuberisches Volk. Nach 1Sam 15,5 bewohnt Amalek eine Stadt mit einem König namens Agag an der Spitze (1Sam 15,8.9.20.32.33

    ), was das Nomadentum Amaleks fraglich erscheinen lässt.

    2.3. Erbfeind Israels

    2.3.1. Das Amalekitergesetz

    Im Buch → Deuteronomium

    gebietet Gott Israel – unter Verweis auf den Überfall der Amalekiter nach dem Auszug aus Ägypten (Ex 17,8-16) – das Volk der Amalekiter auszurotten, sobald man nach der Landgabe Frieden gefunden hat (Dtn 25,17-19). Die Missachtung dieses Gebots begründet später die Verwerfung Sauls (1Sam 15,18f

    ).

    2.3.2. Kriegserzählungen

    Abgesehen von der kurzen Notiz in Gen 14,7

    , die von der Verwüstung des Gebiets der Amalekiter durch eine Koalition von vier Königen weiß, spielen die Amalekiter erst in Ex 17,8-16 eine Rolle. Sie haben die Israeliten auf der → Wüstenwanderung angegriffen, doch → Mose schickt → Josua gegen sie in den Kampf. Israel erringt den Sieg, da Mose die Arme von → Aaron und → Hur

    gestützt zum Gebet erhoben halten kann. Die Erzählung, die in der göttlichen Zusage der Vernichtung der Amalekiter gipfelt, begründet die Erzfeindschaft zwischen Amalek und Israel und zeigt als theologische Lehrerzählung die Kraft des Gebets (Schmitt).

    Num 14,39-45

    liest sich als negatives Gegenstück zu Ex 17,8-16

    : Der eigenmächtige, gegen den ausdrücklichen Willen Jahwes unternommene Kriegszug gegen Amalek endet mit Israels Niederlage.

    Ri 3,13

    lässt die Amalekiter und → Ammoniter unter → Moabs Führung an einem Eroberungszug gegen Israel teilnehmen. Nach Ri 6,3.33; Ri 7,12 beteiligt sich Amalek im Gefolge → Midians an Beutezügen. In Ri 10,12

    erscheint Amalek in einer Reihe von Völkern, die Israel in der vorstaatlichen Zeit bedrängten.

    Die Notiz 1Sam 14,48

    berichtet von → Sauls Schlag gegen Amalek und schafft so den Übergang zu 1Sam 15. Zwölf Mal werden hier Amalek bzw. die Amalekiter genannt (zehn Mal עמלק, zwei Mal עמלקי). Nach dem Amalekitergesetz (s.o.) hat Saul den vollständigen → Bann an Amalek zu vollziehen. Da er den Befehl nicht korrekt ausführt, wird er verworfen. 1Sam 28,18

    begründet mit dem nicht ganz vollstreckten Bann den Verlust von Sauls Königtum.

    1Sam 27,8

    nennt Amalek als Ziel von Überfällen, die → David von → Ziklag aus unternimmt. Die Notiz bereitet die große Erzählung 1Sam 30 vor, wo eine amalekitische Räuberbande Davids Residenzstadt Ziklag ausplündert, was einen Rachefeldzug Davids zur Folge hat. In 2Sam 1,1-16 wird der Amalekiter, der David die Königsinsignien Sauls überbringt, niedergestochen, weil er vorgibt, Saul getötet zu haben. In 2Sam 8,12 (Parallele 1Chr 18,11

    ) erscheint Amalek unter Fremdvölkern, die David besiegt und geplündert hat.

    Ps 83,7f

    nennt Amalek in einer Reihe transjordanischer Völker. Diese repräsentieren die feindliche Völkerwelt, ja die Chaosmächte (Hossfeld / Zenger), die Israel derart zu vernichten beabsichtigen, dass niemand mehr des Namens Israels gedenken wird (Ps 83,5).


    3. Lokalisierung

    Amalek kann nicht eindeutig lokalisiert werden. Zum einen fehlen archäologische Zeugnisse, zum andern sind die biblischen Angaben nicht eindeutig. Nach Num 14,25

    besiedelt Amalek zusammen mit → Kanaan die Ebene, Num 14,39-45 siedelt die beiden dagegen im Gebirge an. Num 13,29 weist Amalek als Bewohner des → Negevs aus, wo auch die → Keniter lokalisiert werden. Nach einer plausiblen Konjektur sieht Ri 1,16 Amalekiter und Keniter als Nachbarn, was auch in 1Sam 15,6 vorausgesetzt ist. Ebenso könnte der Umstand, dass der wohl alte Völkerspruch über Amalek demjenigen über die Keniter unmittelbar vorangeht (Num 24,20f), ein Hinweis auf diese Nachbarschaft sein. Die Erwähnung Amaleks in der Geschlechterliste → Esaus (Gen 36,12; Parallelstelle: 1Chr 1,36), sowie in der Liste der Häuptlinge → Edoms (Gen 36,16) legt die Anwesenheit von Amalekitern in edomitischem Gebiet nahe. Ps 83,7f. sieht Amalek inmitten transjordanischer Völker. Ri 5,14 und Ri 12,15

    zeugen von einer Erinnerung an Amalek sogar in Ephraim.

    4. Geschichte

    Eine Geschichte Amaleks kann kaum rekonstruiert werden, da ein historischer Kern aus Ex 17,8-16

    ; 1Sam 15 und 1Sam 30

    nicht mit genügender Sicherheit isoliert werden kann. Die Erzählungen dienen dazu, Amalek als Feind schlechthin darzustellen, an dem ein vollständiger Bann zu vollziehen ist. Keine Bannforderung geht so weit wie die gegen Amalek.

    Die übrigen Erwähnungen Amaleks ergeben kein klares Bild. Es kann aber vermutet werden, dass Amalek in vorstaatlicher Zeit Israels ein hartnäckiger Feind an Judas Südgrenze war, mit dem es immer wieder zu Konflikten um Weide- und Quellenrechte gekommen sein mag. In späterer Zeit blieben nur noch rudimentäre Erinnerungen an einen nicht mehr existierenden Feind. Amalek konnte so zur Chiffre für jede Feindschaft gegen Israel werden.


    Literaturverzeichnis

    1. Lexikonartikel

    • Die Religion in Geschichte und Gegenwart, 3. Aufl., Tübingen 1957-1965
    • Encyclopaedia Judaica, Jerusalem 1971-1996
    • Neues Bibel-Lexikon, Zürich u.a. 1991-2001
    • The Anchor Bible Dictionary, New York 1992
    • Religion in Geschichte und Gegenwart, 4. Aufl., Tübingen 1998-2007
    • Calwer Bibellexikon, Stuttgart 2003
    • Neues Lexikon des Judentums, München 1992

    2. Weitere Literatur

    • Dietrich, W., 1992, David, Saul und die Propheten (BWANT 122), Stuttgart
    • Dietrich, W., 1997, Die frühe Königszeit in Israel. 10. Jahrhundert v. Chr. (BE 3), Stuttgart / Berlin / Köln
    • Dietzfelbinger, R., 1995, Ex 17,8-16 und Dt 25,17-19 beim Wort genommen, Sef 55/1, 41-60
    • Knauf, A., 1983, Zum Text von Ri 5,14, Bib. 64, 428f.
    • Nöldecke, Th., 1864, Über die Amalekiter und einige andere Nachbarvölker der Israeliten, Göttingen
    • Schmitt, H.-Ch., 1990, Die Geschichte vom Sieg der Amalekiter Ex 17,8-16 als theologische Lehrerzählung, ZAW 102, 335-345
    • Tanner, H.A., 2005, Amalek. Der Feind Israels und der Feind Jahwes, Zürich
    • Hossfeld, F.-L. / Zenger, E., 2000, Psalmen 51-100, Freiburg


    PDF-Archiv

    Alle Fassungen dieses Artikels ab Oktober 2017 als PDF-Archiv zum Download:

  • Version des Artikels vom 10.10.2017

  • Info: https://www.die-bibel.de/ressourcen/wibilex/altes-testament/amalek-amalekiter


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    30.07.2025

    Benjamin Netanjahus KriegsrhetorikUneindeutigkeit als Taktik

    taz.de, vom 29.10.2023 20:12 UhrKommentar von Lisa Schneider

    In seiner Rede referiert Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu über das biblische Volk Amalek. Daraus kann jeder lesen, was er will.


    Bibelfest: Israels Premierminister Benjamin Netanjahu während seiner Pressekonferenz am Samstagabend Foto: Bernadette Baum/Reuters


    E s ist eine Rede mit viel Pathos. Samstagabend verkündet Pre­mier­minister Benjamin Netanjahu vor der Öffentlichkeit, dass Israel in eine neue Phase des Krieges trete. Er redet von den „Hallen des Bösen“, in denen sich die Bodentruppen Israels nun befinden. Auch eine biblische Referenz webt er ein: „Ihr müsst euch erinnern, was Amelek euch angetan hat, sagt unsere heilige Schrift.“

    Diese Aufforderung ist ein wörtliches Zitat aus dem fünften Buch Mose. Gott verweist darin auf den Überfall des Volks Amaleks auf die Juden, als diese geschwächt und ausgehungert aus Ägypten ausziehen. Und er gebietet dem Volk Israel, die Amalekiter auszurotten, sobald sie Sicherheit gefunden haben auf dem Land, das Gott ihnen geschenkt hat. „Vergesst das nicht“, so die Aufforderung.

    Netanjahus beabsichtigte Stoßrichtung scheint klar: Wer Grausamkeit erlitten hat, darf grausam zurückschlagen. In seinem großen Werk über das jüdische Rechtssystem schreibt der Philosoph und Theologe Maimonides im 12. Jahrhundert: Der Befehl, die Amalekiter auszulöschen, falle so harsch aus, weil sie sich weigerten, Frieden zu schließen.

    Oder will Netanjahu auf einen anderen Aspekt der biblischen Erzählung hinaus: Wer keinen Frieden schließen will, muss von der Erde verschwinden? Will er betonen, dass die Hamas Israel in dem Moment attackierte, als es kurz Schwäche zeigte – so wie einst das Volk Amalek?

    Interpretationsoffene Bilder

    Maimonides schreibt: Frieden zu schließen bedeute, die sieben Gesetze Noahs anzuerkennen, die unter anderem das Morden verbieten – ein früher, universeller Menschenrechtsstandard. Will Netanjahu das noch einmal betonen? Dass die Hamas eine solche Ethik ablehnt, ein Frieden also niemals möglich sein wird?

    Historische und religiöse Referenzen sind immer offen für Interpreta­tionen. Das ist praktisch für Netanjahu. Er bewahrt sich eine gewisse Uneindeutigkeit und bestätigt gleichzeitig jedem, was er hören möchte. Eine praktische Taktik für einen angeschlagenen Anführer unter hohem Druck

    Info:  https://taz.de/Benjamin-Netanjahus-Kriegsrhetorik/!5964144/


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    30.07.2025

    DIE THEOLOGISCHE BEDEUTUNG VON AMALEK IM KONTEXT DES MODERNEN ATHEISMUS…

     

    sukkatshalom-bneinoach.com22. Februar 2024, by












    בס”ד

    … Und westliche Feindseligkeit gegenüber Israel

    Amalek gilt als Personifikation eines jeden Atheisten, insbesondere derjenigen, die sich offen mit religiösen Menschen auseinandersetzen, und war während des Auszugs aus Ägypten die Verkörperung des Bösen, das Israel und damit den Gott Israels angriff. Törichte und aggressive Menschen, die, obwohl sie Zeuge aller Wunder in Ägypten waren, glauben, sie könnten Israel und den Gott Israels besiegen.

    Chazal beschreibt Amalek jedoch eher als rücksichtslos als als verrückt oder dumm. Er war kein Atheist, sondern jemand, der an Gott glaubte und sich bewusst am Kampf beteiligte. Woher wissen wir, dass Amalek an G-tt glaubte? Er glaubte, dass diese Prophezeiung wahr werden würde, wenn G-tt Abraham sagte, dass seine Nachkommen als Sklaven in Ägypten dienen würden. Amalek entschied sich bewusst dafür, nicht gegen die Kinder Jakobs zu kämpfen, weil er glaubte, dass diese Prophezeiung dann auf ihn (als Nachkommen Esaus) und seine Nachkommen übertragen würde. Aber er wusste auch, dass G-tt Abraham das Land Israel versprochen hatte, und dass das Volk nun, da es Ägypten verließ, seiner Meinung nach der perfekte Zeitpunkt war, es zu vernichten, denn dann war das Versprechen, das G-tt Abraham gegeben hatte, es zu erben, gekommen das Land Israel würde für ihn und seine Nachkommen gelten.

    Warum war Amalek rücksichtslos? Wie können wir sagen, dass er es nicht war? Die Welt war Zeuge all der Wunder und Zeichen, die Gott zur Befreiung seines Volkes vollbracht hatte. Wie könnte irgendjemand, der bei klarem Verstand ist, denken, er könne sich auf einen solchen Kampf einlassen und glauben, dass er gewinnen könnte? Raschi erklärt in Deuteronomium 25:18:

    Raschi über Deuteronomium 25:18

    Wie er dir unterwegs begegnete: Hebr. קָרְךָ, ein Ausdruck, der ein zufälliges Ereignis bezeichnet (מִקְרֶה)… Noch eine andere Erklärung: ein Ausdruck, der Hitze und Kälte bezeichnet (קוֹר). Er kühlte dich ab und ließ dich lau erscheinen, nachdem du kochend heiß warst, denn die Nationen hatten Angst, mit dir zu kämpfen, [so wie die Menschen Angst haben, etwas Kochendes zu berühren, was heiß ist]. Aber dieser [dh Amalek] trat vor und machte sich auf den Weg und zeigte anderen den Weg. Dies kann mit einer Badewanne mit kochendem Wasser verglichen werden, in die kein Lebewesen hineinsteigen könnte. Da kam ein verantwortungsloser Mann und sprang kopfüber hinein! Obwohl er sich selbst verbrannte, gelang es ihm, andere denken zu lassen, dass es cooler sei, als es wirklich war. – [Tanchuma 9]

    Das ganze Problem mit Amalek bestand darin, dass er keine Angst vor G-tt hatte. So wie kein vernünftiger Mensch in ein heißes Bad springt, hat jeder Mensch eine natürliche Angst vor Gott. Aber das Beispiel Amaleks führt dazu, dass die Menschen falsche Gedanken haben und bereitwillig dem Beispiel Amaleks folgen, ihre Angst vor Gott verringern und bewusst gegen seinen Willen verstoßen. Die Angst vor Gott kann bei Menschen so stark abnehmen, dass sie nicht einmal wissen, was Gott will, sondern sich nur auf ihren eigenen Willen und ihre eigene erfundene Wahrheit konzentrieren.

    Das sehen wir heute. Amalek war ein Nachkomme Esaus, und die Nachkommen Esaus werden innerhalb der jüdischen Tradition mit dem Christentum in Verbindung gebracht. Ich möchte dies auf die westliche Welt von heute ausweiten. Die westliche Welt ist mit den Wundern und Geschichten aus dem Tanach vertraut, mit dem Gott Israels und mit den Versprechen, die Gott seinem Volk gegeben hat. Dennoch tobt die westliche Welt gegen Israel in seinem Kampf gegen das Böse, das von der Hamas begangen wird. Es leugnet das Leid und verschließt die Augen vor allen Beweisen, die Israel über die Hamas und die UNRWA (einen Teil der Vereinten Nationen) liefert, und zwar hinsichtlich ihres Wunsches, ganz Israel und alle Juden auf der Welt zu vernichten, ähnlich wie Amalek. Die westliche Welt hegt einen tiefen Hass gegen Israel, fast so, als ob es in ihrer DNA verankert wäre, es zu zerstören. Schließlich sieht sich die christliche Welt mit ihrer Ersatztheologie als Volk Gottes und will an dessen Stelle treten, so wie Amalek an die Stelle des Volkes Gottes treten und das verheißene Land betreten wollte. Die Tatsache, dass sie das Land nicht einmal selbst betreten, sondern es dem Islam opfern, ist eine Selbstverständlichkeit, die sie übersehen.

    Lernpunkte

    • Achtlosigkeit versus Rationalität: Obwohl Amalek Zeuge göttlicher Wunder war, wird er bei seinem Angriff auf Israel als rücksichtslos beschrieben. Dies steht im Gegensatz zu der Rationalität, die von Menschen erwartet wird, die Realität Gottes anzuerkennen und seinem Willen zu gehorchen.
    • Angst vor Gott und seinem Verlust: Der Text betont die Bedeutung einer gesunden Gottesfurcht als grundlegenden Aspekt des religiösen Bewusstseins. Es wird darauf hingewiesen, dass der Einfluss von Persönlichkeiten wie Amalek dazu führen kann, dass Menschen diese Angst verlieren und sich vom Willen Gottes abwenden.
    • Moderne Parallelen: Der Text zieht Parallelen zwischen Amalek und modernen Herausforderungen, insbesondere der Feindseligkeit bestimmter Teile der westlichen Welt gegenüber Israel. Diese Parallelen dienen als Warnung vor dem Verlust des Respekts vor Gott und seinen Versprechen, selbst in zeitgenössischen Kontexten.


    Von Angelique Sijbolts


    Quellen:

    Esau, der Vorfahr Roms
    Purim: Seine Wunder und Mitzvos von HaRav Chaim Pinchas Scheinberg und Shlomo Furst, Teil Eins: Amalek – ihr Verbrechen und ihre Strafe

    Texte Sefaria

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    30.07.2025

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    nachdenkseiten.de, 30. Juli 2025 um 10:00 Ein Kommentar von: Tobias Riegel

    Die Propaganda durch Preisverleihungen geht weiter. Nach Anne Applebaum oder Serhij Zhadan wird mit dem Historiker Karl Schlögel nun ein weiterer „Kronzeuge“ für die militaristische Zeitenwende mit dem „Friedenspreis“ ausgezeichnet. Unvergessen sind auch die Karlspreise für Selenski oder Ursula von der Leyen. Viele Kulturschaffende und ihre Institutionen stellen sich in abzulehnender Weise in den Dienst der „Kriegstüchtigkeit“.

    Der Historiker und Essayist Karl Schlögel erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2025, wie die „Tagesschau“ berichtet. Schlögel sei einer der profiliertesten Kenner der russischen und osteuropäischen Geschichte, teilte der Börsenverein mit. Die Auszeichnung wird am 19. Oktober zum Abschluss der Frankfurter Buchmesse in der Frankfurter Paulskirche überreicht. Der Preis sei mit 25.000 Euro dotiert und zähle zu den bedeutendsten Kulturpreisen in Deutschland. Vergeben wird er vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels.

    Schlögels Bücher würden historische Fakten mit persönlichen Erlebnissen verbinden, schreibt T-Online. Der Börsenverein würdigt ihn als Autor, der „Maßstäbe für eine anschauliche, lebendige Geschichtsschreibung gesetzt“ habe. Besonders hervorgehoben werden seine Werke „Terror und Traum“ (2008) und „Das sowjetische Jahrhundert“ (2017).

    Kronzeugen der militaristischen Zeitenwende

    Inzwischen hat sich Schlögel bei zahlreichen Gelegenheiten als Kronzeuge der militaristischen Zeitenwende positioniert. Er muss als einer jener „Experten“ eingeordnet werden, die versuchen, die aktuelle zerstörerische Politik aus Wirtschaftskrieg, Waffenlieferungen und Aufrüstung „historisch“ zu unterfüttern. Gleichzeitig wird vonseiten vieler Militaristen aber tunlichst vermieden, sich seriös mit der ukrainischen Geschichte seit dem gewaltsamen Umsturz 2014 zu befassen.

    Zitate von Schlögel folgen weiter unten. Dass er nun eine als „Friedenspreis“ betitelte Auszeichnung erhält, ist in meinen Augen absurd – einerseits. Andererseits passt der Historiker hervorragend in die ideologische Stoßrichtung, die die Jury (nicht nur) des „Friedenspreises des deutschen Buchhandels“ inzwischen eingeschlagen hat: Beispielsweise wurde der „Friedenspreis“ 2022 an Serhij Zhadan verliehen – darauf sind wir damals im Artikel „Die Russen sind ‘Unrat’: Pamphlet erhält den ‘Friedenspreis’ des Buchhandels“ eingegangen. Und 2024 erhielt die Publizistin Anne Applebaum den „Friedenspreis“, darauf sind wir damals im Artikel „Alle Friedenspreise erobert!“ eingegangen.

    Diese Preisträger widersprechen meiner Meinung nach dem Gedanken eines „Friedenspreises“, aber sie fügen sich ein in die im folgenden Artikel beschriebene Sichtweise: „Kapiert es endlich: Frieden ist jetzt Krieg! Und links ist jetzt rechts!“ sowie in das schon seit langem betriebene Prinzip der „Kulturpropaganda durch Preisverleihungen“. Als solche müssen auch die in jüngerer Vergangenheit verliehenen Preise an „Correctiv“ oder an Alena Buyx oder an Sarah Bosetti bezeichnet werden. Natürlich müssen in dem Zusammenhang auch die Karlspreise für Selenski und für Ursula von der Leyen erwähnt werden. Allgemeiner wird in diesem Artikel beschrieben, wie aktuell der Eindruck erweckt werden soll, dass „anerkannte Kulturträger und Wissenschaftler“ das Anliegen der Militaristen unterstützen würden.

    „Russland ist der Feind“

    Die Jury urteilt nun aktuell über Schlögel: „Nach der Annexion der Krim durch Russland hat Karl Schlögel seinen und unseren Blick auf die Ukraine geschärft und sich aufrichtig mit den blinden Flecken der deutschen Wahrnehmung auseinandergesetzt.“ Als einer der Ersten habe er vor der aggressiven Expansionspolitik Wladimir Putins gewarnt. „Seine Mahnung an uns: Ohne eine freie Ukraine kann es keinen Frieden in Europa geben.“ Weitere Infos finden sich auf der Webseite des Börsenvereins.

    Zur inhaltlichen Beurteilung Schlögels kann ein Gespräch des Historikers mit dem Spiegel von November 2024 unter dem Titel „Russland ist der Feind“ hilfreich sein. Dort sagt er unter anderem:

    „Wir sind ja schon in einer Kriegssituation“, sagt Schlögel. „Ein Krieg fängt ja nicht von heute auf morgen an, sondern es gibt Vorstufen.“ Russland versuche, „die EU zu zerlegen“ und Fluchtbewegungen auszulösen. Acht Millionen Ukrainer seien durch den russischen Angriffskrieg vertrieben worden. „Es gibt fortwährend Versuche der Einmischung, Sabotageakte, Versuche, die politischen Parteien zu instrumentalisieren, also die AfD und das Bündnis Sahra Wagenknecht“, sagt Schlögel. „Russland testet, wie weit es gehen kann.

    Und deswegen finde ich die Lieferung von Waffen, die auf die Ausgangspunkte dieser Aggressionen abzielen, längst überfällig und dringend notwendig.“ Schlögel spielt damit auf die Lieferung weitreichender Waffen an.“

    Da sich der „Friedenspreis“ sich auch irgendwie als „Kulturpreis“ versteht, sind die folgenden, höchst fragwürdigen Äußerungen Schlögels zur russischen Geschichte und zu „der“ russischen Kultur ebenfalls aufschlussreich:

    Schlögel äußert sich skeptisch, ob sich Russland nach der Ära Putin zu einem freiheitlichen oder reformorientierten Land entwickeln kann. Im 20. Jahrhundert seien die zivilen Kräfte und Eliten in Russland durch Revolution und Bürgerkrieg, Hungersnöte, den Stalinschen Terror und die zwei Weltkriege stark dezimiert worden. Er habe den Eindruck, dass dieser Prozess immer wieder von vorn beginne. „Dieser Eindruck, dass Russland sich im Kreise dreht und es eigentlich keinen Fortschritt gibt, der hat sich auch jetzt wieder eingestellt.“

    Auch die russische Kultur muss nach Ansicht Schlögels im neuen Kontext gesehen werden. „Man kann nicht dem Krieg zugucken und gleichzeitig sagen: Es gibt ja die große russische Kultur.“ Auch russische Kulturschaffende würden „von dem Aggressor“ eingesetzt. „Es wird furchtbar lange dauern, bis die russische Kultur nach dem Ende des Krieges sich von dieser Kontaminierung und Instrumentalisierung durch den Krieg erholen wird – wenn überhaupt.“

    Fazit: Das Wirken des Preisträgers Schlögel in jüngerer Vergangenheit ist meiner Meinung nach eines Friedenspreises nicht würdig. Andererseits ist die Auswahl Schlögels innerhalb der Praxis der Kulturpropaganda durch Preisverleihungen wiederum stimmig.


    Titelbild: Kastoluza / Shutterstock


    Karlspreis für das Kriegs-Maskottchen (und noch mehr Preis-Propaganda …)

    Kulturpropaganda und Preisverleihungen

    Karlspreis für Ursula von der Leyen – Gratulation!

    Die Russen sind „Unrat“: Pamphlet erhält den „Friedenspreis“ des Buchhandels

    „Kriegstüchtigkeit“: Medien, Politiker und „Experten“ wie im Rausch

    Kriegspropaganda – Prinzip Nr. 8: „Anerkannte Kulturträger und Wissenschaftler unterstützen unser Anliegen“


    Rubriken: Kampagnen/Tarnworte/Neusprech Strategien der Meinungsmache


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    Info: https://www.nachdenkseiten.de/?p=136675


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    30.07.2025

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    nachdenkseiten.de, vom 28. Juli 2025 um 11:00 Ein Artikel von Éva Péli

    Das Sankt Petersburger Wirtschaftsforum (SPIEF) ist weit mehr als nur ein Treffen von Ökonomen und Geschäftsleuten. In einer Zeit tiefgreifender geopolitischer Umbrüche und verhärteter Fronten bietet es auch eine seltene Plattform für den Dialog – und für einen Blick auf Russlands Sicht der sich neu formierenden Weltordnung. Christoph Polajner von der Eurasien Gesellschaft nimmt seit 2022 regelmäßig an diesem Forum teil, um genau diese Perspektiven zu erkunden und Gesprächskanäle offenzuhalten, die anderswo längst geschlossen sind. Im zweiteiligen Interview spricht er über seine Eindrücke vom diesjährigen SPIEF, die Verschiebungen in der internationalen Wirtschaft und Diplomatie und die entscheidende Frage, wie eine stabile europäische Sicherheitsarchitektur in einer multipolaren Welt wiederhergestellt werden kann. Das Interview mit Christoph Polajner führte Éva Péli am 14. Juli 2025.


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    Éva Péli: Herr Polajner, Sie nehmen seit 2022 regelmäßig als Vertreter der Eurasien Gesellschaft am SPIEF teil und waren auch im Juni dort. Was motiviert Sie zu dieser kontinuierlichen Präsenz, besonders in der aktuellen Zeit?

    Christoph Polajner: Das stimmt. Ich bin seit 2014 regelmäßig in der Region und habe zwischen 2015 und 2017 in der Ukraine und Russland zum Ukraine-Konflikt gearbeitet. Gesprächskanäle aus dieser Zeit habe ich, wo immer es ging, gepflegt und ausgebaut. In der Eurasien Gesellschaft haben wir entschieden, dass ich dies auch in meiner Funktion als stellvertretender Vorsitzender der Gesellschaft tue, da wir uns als eine Plattform verstehen, die Menschen zusammenbringt, die sich für eine friedliche Koexistenz und kooperative Beziehungen der Länder Europas und Asiens einsetzen. Ich nehme an verschiedenen Konferenzen in Russland teil und seit 2022 auch am SPIEF.

    Was mich vor allem bewegt, ist die Zukunft Deutschlands, Europas und der internationalen Ordnung. In meiner früheren Tätigkeit bei einer humanitären Organisation bin ich in verschiedenen Konfliktregionen gewesen und habe dort die Spannungsrisse in der internationalen Ordnung gesehen. Ordnungsvorstellungen in unterschiedlichen Teilen der Welt gehen immer weiter auseinander und werden zunehmend ausgekämpft. Meine große Befürchtung ist, dass das 21. Jahrhundert wenigstens so blutig wie das 20. wird, wenn es uns nicht gelingt, uns durch Verhandlungen auf eine neue und stabile internationale Ordnung zu verständigen. Mit den heutigen Waffen wäre das noch verheerender als in der Vergangenheit.

    Wir verlieren im Moment viel Zeit. Auf russischer Seite gibt es viele Gesprächspartner, und wir hätten die letzten Jahre dringend nutzen müssen, um mehr Gespräche zu führen und Lösungen zu erarbeiten. Ziel ist es, den Krieg in der Ukraine schnell zu beenden, das Sterben zu stoppen, die Gräben in Europa nicht noch tiefer werden zu lassen und einen einheitlichen europäischen Raum mit Russland zu schaffen. Als Europäer sind wir, selbst mit den Russen, nicht einmal mehr zehn Prozent der Weltbevölkerung und fallen nicht nur demographisch immer weiter zurück, sondern gegenüber Asien und den USA auch technologisch. Ich bin überzeugt, dass die beste Lösung darin besteht, den Konflikt zu beenden, wieder aufeinander zuzugehen und eine stabile europäische Ordnung zu etablieren. Die Eurasien Gesellschaft möchte dabei einen kleinen Beitrag leisten, indem wir Fachleute zusammenbringen und erste Gespräche in diese Richtung führen. Mit der Wahl Donald Trumps sind nun auch die USA wieder im Dialog mit Russland und damit fast die ganze Welt – mit Ausnahme der meisten EU-Staaten.

    Es zeigt sich, dass man entgegen der hiesigen Berichterstattung viele Menschen treffen kann, die sich intensiv mit der Entstehung des Konflikts, seinen Ursachen und möglichen Lösungen auseinandersetzen. Die Meinungen in Russland im Hinblick auf Lösungsmöglichkeiten für den Konflikt und das Potenzial der Wiederannäherung unserer Länder sind tatsächlich vielfältig. Der persönliche Austausch hilft, diese unterschiedlichen Perspektiven zu verstehen, und kann auch dazu beitragen, Zerr- und Feindbilder abzubauen und Vertrauen wiederaufzubauen.

    Für diejenigen, die es nicht kennen: Können Sie das Sankt Petersburger Wirtschaftsforum kurz vorstellen und seine internationale Bedeutung, auch jenseits der Wirtschaft, umreißen?

    Ja, das St. Petersburg International Economic Forum, kurz SPIEF, wurde 1997 ins Leben gerufen und hat sich seitdem zu einer sehr wichtigen Wirtschaftskonferenz entwickelt – nicht nur in Russland, sondern auch international. Es entstand in einer schwierigen wirtschaftlichen Phase für Russland, als die Wirtschaft nach der Schocktherapie zusammengebrochen war und das Land deindustrialisiert wurde. Über die Jahre ist es zu einer Konferenz herangewachsen, die auch international auf großes Interesse stieß. Bis 2021 kamen die größten Delegationen aus den USA, Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien. Im Laufe der Zeit gewann natürlich auch China an Bedeutung für Russland, und dementsprechend nahmen auch immer mehr chinesische Delegationen teil.

    Das Interessante am SPIEF ist, dass neben rein wirtschaftlichen Fragen auch viele Fragen der internationalen Ordnung besprochen werden. Das hat es für mich persönlich besonders attraktiv gemacht. Ich bin nicht primär mit wirtschaftlichem Interesse angereist, sondern um zu verstehen, wie Russland auf Fragen der internationalen Ordnung und die Veränderungen im globalen System blickt. Gleichzeitig bin ich davon überzeugt, dass auch mit wirtschaftlicher Vernunft argumentiert werden muss, um diesen Krieg zu beenden, da humanitäre Argumente und die Risiken einer weiteren Eskalation bisher offensichtlich nicht ausgereicht haben, hier zu einem notwendigen Umdenken zu gelangen.

    Welchen Gesamteindruck haben Sie vom diesjährigen SPIEF gewonnen, und welche Schwerpunktthemen – insbesondere im Hinblick auf die internationale Ordnung – waren prägend?

    Ich habe insgesamt einen sehr positiven Eindruck von der Veranstaltung. Das liegt daran, dass eine Vielzahl von Themen besprochen wurde, die ich momentan für äußerst relevant halte. Man kann hier eine klare Linie ziehen, die sich von den Inhalten des Jahres 2022, als ich erstmals dort war, über die folgenden Jahre bis hin zum diesjährigen Forum im Juni durchzieht.

    Gerade 2022 wurde intensiv über die Veränderung der internationalen Ordnung gesprochen. Für mich war dabei besonders interessant zu sehen, dass der Diskurs in Russland ein völlig anderer war als in Deutschland. Hier hatten wir den Eindruck, dass das westeuropäische beziehungsweise US-amerikanische Modell letztlich das einzig erfolgreiche sei. Es war unser System, das wir exportieren und für das wir werben wollten. Im Kern ging es um die Kontinuität der internationalen Strukturen: die Ausdehnung von NATO und EU und nur marginale Anpassungen bei Organisationen wie den Vereinten Nationen, der Weltbank oder dem IWF. Damals, 2022, betrachteten wir den Ukraine-Konflikt vor allem als eine regionale Angelegenheit, die auf russisches Expansionsstreben zurückzuführen ist.

    Auf dem SPIEF hingegen wurde, sowohl 2022 als auch in den Folgejahren, eine andere Perspektive eingenommen. Man hat dort die Ansicht vertreten, dass die gesamte internationale Ordnung im Umbruch sei, dass das System von Jalta und Potsdam und die unipolare Welt, die wir seit dem Ende des Kalten Krieges hatten, nun aufbricht. Die Wahrnehmung war bereits 2022, dass eine neue, multipolare Ordnung entsteht und neue Organisationen an Bedeutung gewinnen würden. Dies wurde sehr intensiv diskutiert, sowohl von russischer Seite als auch von den zahlreichen Teilnehmern aus Ländern des sogenannten Globalen Südens.

    Apropos Teilnehmer: Hat sich die Zusammensetzung des Forums im Vergleich zu den Jahren vor 2022 signifikant verändert, und welche Trends sind hierbei besonders auffällig?

    Die Zusammensetzung hat sich sehr stark verändert. Bis einschließlich 2021 gab es hochrangige Delegationen aus Deutschland, verschiedenen anderen europäischen Staaten und den USA. Insbesondere 2022, aber auch in den Folgejahren war die Anzahl der Teilnehmer aus der Europäischen Union sehr überschaubar. Auffällig war die durchgehende US-Präsenz seit 2022. In diesem Jahr war ich Zuhörer bei einem bemerkenswerten Panel zur Zukunft der US-amerikanisch-russischen Beziehungen mit Teilnehmern aus beiden Staaten, dort wurden Möglichkeiten zur wirtschaftlichen Wiederannäherung diskutiert. Hier zeigte sich ein deutlicher Unterschied: Die US-Teilnehmer agierten wesentlich pragmatischer als viele politische und wirtschaftliche Akteure aus der EU.

    Wie erklären Sie die bemerkenswerte US-Präsenz, besonders im Vergleich zur Zurückhaltung europäischer Delegationen, obwohl die USA traditionell als Treiber der Konfrontation gelten?

    Ich glaube, die US-Amerikaner waren schon immer pragmatischer als wir. Was bei der aktuellen US-Administration auffällt, ist, dass sie wesentlich weniger ideologisch ist als die vorangegangene. Der Konflikt mit Russland wird nicht mehr als Kampf zwischen Gut und Böse betrachtet, sondern als ein Konflikt unterschiedlicher Akteure mit unterschiedlichen Interessen. Diese versucht man zu verstehen, um darüber zu verhandeln und letztendlich Kompromisse zu finden.

    Die Interessen Washingtons werden teilweise öffentlich kommuniziert: sowohl der Zugang zu natürlichen Ressourcen in der Ukraine und Russland als auch eine verstärkte Präsenz US-amerikanischer Firmen auf dem russischen Markt. Als deutscher Staatsbürger habe ich mit einigen Bedenken den Rückzug vieler deutscher Unternehmen vom russischen Markt und die zum Teil zu Ramschpreisen erfolgte Veräußerung des dortigen Geschäfts an unterschiedliche Investoren beobachtet. Das geschah teils in sanktionierten Bereichen, wo sie nicht mehr arbeiten konnten, teils aber auch in anderen Sektoren, wo die Entscheidung zum Rückzug aufgrund von politischem oder öffentlichem Druck oder aus anderen Gründen getroffen wurde.

    Meiner Wahrnehmung nach haben sich die US-Amerikaner wesentlich weniger zurückgezogen. Sie durften zwar aufgrund der Sanktionen ihrer Regierung nicht mehr neu in Russland investieren, aber viele betreiben das etablierte Geschäft weiter, pflegen deutlich mehr Kontakte und denken vorausschauend an die Zeit nach dem Konflikt, um bei einer möglichen Wiederaufnahme von Aktivitäten gut vorbereitet zu sein.

    Ein gutes Beispiel sind hier die Bemühungen der US-Handelskammer in Russland in den letzten Monaten. Sie möchte russische Individuen von der Sanktionsliste streichen, um ihnen die Reise in die USA zu ermöglichen und so verschiedene Gesprächskanäle wieder zu eröffnen. Sie wirbt auch – übrigens gemeinsam mit der französischen Handelskammer – dafür, die Sanktionen gegen die zivile Luftfahrt in Russland abzubauen, um – neben sicherlich auch vorhandenen wirtschaftlichen Interessen – die Sicherheit des Luftverkehrs nicht weiter zu gefährden. Dass Passagiermaschinen vom Himmel stürzen, kann sich niemand wünschen (Anm. d. Red.: Wie nun, nachdem das Interview geführt wurde, mit einer Maschine des Herstellers Antonov leider passiert ist), und welche Reputationsrisiken damit für die Hersteller unabhängig von der Ursache verbunden sind, muss Boeing gerade erleben. Airbus würde es nicht anders gehen, und das kann nicht in unserem Interesse sein. In China arbeiten die Firmen COMAC und AVIC daran, den bisherigen Platzhirschen Boeing und Airbus Konkurrenz zu machen, in Russland UAC, und in Brasilien stellt Embraer gute Regionalflugzeuge her.

    Mehrfach war bei Gesprächen am Rande des Forums zu hören, dass zwischen US-Amerikanern und Russen über die Wiederaufnahme von direkten Flugverbindungen noch in diesem Jahr gesprochen wird. Mir ist nicht bekannt, dass zwischen der EU und Russland überlegt wird, die jeweiligen Lufträume auch nur für Überflüge wieder zu öffnen. Die Lufthansa verliert dadurch Marktanteile an asiatische Fluglinien, die den kurzen und kostengünstigen Weg über Russland nehmen, während die Lufthansa das meidet.

    Insgesamt ist auf dem Forum eine deutliche Zunahme der Teilnehmer aus dem sogenannten Globalen Süden erkennbar. Dies war in all den Jahren sichtbar und ging Hand in Hand mit einer stärkeren Präsenz der Firmen aus diesen Ländern in Russland. Nehmen wir den Automobilbereich: Deutsche Firmen waren dort früher sehr gut vertreten. Was einem bei regelmäßigen Reisen nach Russland gleich auffällt, ist, wie stark sich das Bild auf den Straßen verändert. Mit jedem Jahr, in dem ich dort war, gab es mehr chinesische Autos. Das liegt natürlich daran, dass die gegen Russland verhängten Sanktionen keine globalen UN-Sanktionen sind, sondern Sanktionen der EU und der USA. Andere Staaten sind daran nicht gebunden. Die Chinesen haben das für sich genutzt und ihre Autos verstärkt nach Russland exportiert und dort auch zum Teil montiert, wodurch sie deutlich an Marktanteilen gewonnen haben. Dies lief nicht ohne Probleme ab, da man in kurzer Zeit kein großes Händler- und Ersatzteilnetz aufbauen oder umbauen kann, wo die Händlernetze von europäischen Firmen übernommen wurden. Aber auch diese Schwierigkeiten werden nach und nach angegangen.

    Welche Rolle spielte das Verhältnis zum Westen, insbesondere zu Westeuropa und Deutschland, in den Diskussionen auf dem Forum? Wie zeigte sich die russische Haltung dazu?

    Das Verhältnis zum Westen spielte tatsächlich eine sehr große Rolle, geprägt von einer tiefen Enttäuschung auf russischer Seite. Besonders im Hinblick auf Deutschland herrscht das Gefühl vor, dass man den Deutschen in der Vergangenheit entgegengekommen sei. Man verweist auf die jahrzehntelange erfolgreiche Aussöhnung nach dem Zweiten Weltkrieg, die maßgebliche Unterstützung der deutschen Wiedervereinigung – inklusive des berühmten Gesprächs zwischen Michail Gorbatschow und Helmut Kohl in Strickjacken im Kaukasus vor genau 35 Jahren – und den Abzug der Roten Armee aus Ostdeutschland. Russland habe Deutschland, den Europäern und US-Amerikanern damals viel Vertrauen entgegengebracht.

    Viel wurde auch über die NATO-Erweiterung diskutiert. Hierzulande wird oft argumentiert, es gäbe keine schriftlichen Vereinbarungen darüber, die NATO nicht auszudehnen. Die russische Seite hält dem entgegen, dass man den mündlichen Zusagen damals vertraut habe. Viele wichtige Abkommen, auch während des Kalten Krieges oder der Kuba-Krise 1962, seien nicht als völkerrechtliche Verträge, sondern als „Gentleman’s Agreements“ getroffen und eingehalten worden. Es wurde sehr deutlich, dass auf russischer Seite ein starkes Gefühl vorherrscht, immer wieder einen Vertrauensvorschuss gegeben und enttäuscht worden zu sein.

    Diese Enttäuschung manifestierte sich in mehreren Punkten: der NATO-Erweiterung, der russischen Wahrnehmung einer gezielten Organisation der Maidan-Demonstrationen und der aus russischer Sicht nicht eingehaltenen Zusage für Neuwahlen danach. Auch die Minsker Abkommen und die Aussage der ehemaligen Bundeskanzlerin, diese seien lediglich geschlossen worden, um Zeit zu gewinnen, wurden als eklatanter Vertrauensbruch wahrgenommen. Diese tiefsitzende Enttäuschung führte zu dem klaren Entschluss, Konsequenzen zu ziehen. Russland, so die Sichtweise dort, habe lange versucht, Teil Europas zu werden, sei aber an den EU-Staaten und den USA gescheitert. Folglich will man nun mit neuen Partnern, insbesondere den BRICS-Staaten und der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ), eine neue internationale Ordnung aufbauen.

    Zudem besteht Russland für eine Beendigung des Krieges darauf, dass die Ukraine weder Teil der NATO noch eines anderen gegen Russland gerichteten Bündnisses und auch kein Stationierungsraum für ausländische Truppen oder Offensivwaffen wird. Dass sich die Position der US-amerikanischen Administration hierzu geändert hat und im Abschlussdokument des letzten NATO-Gipfels nicht mehr die Rede davon ist, dass „die Zukunft der Ukraine in der NATO liegt“ und man die Ukraine auf ihrem „unumkehrbaren Weg zur euro-atlantischen Integration unterstützen wolle“, wie es noch auf dem NATO-Gipfel 2024 formuliert worden war, wird als positiv wahrgenommen. Aber, wie mir mehrere Gesprächspartner sagten: „Niemand ist bereit, uns das zu garantieren.“

    Auf persönlicher Ebene waren die Gespräche überwiegend freundlich. Dennoch spürt man über die Jahre, dass sich ein leichter „Schleier“ über manche Themen und Begegnungen gelegt hat; es ist nicht mehr so unbeschwert wie noch vor zehn Jahren. Dies ist eine Folge der verhärteten Positionen und der zunehmenden Kriegstoten auch auf russischer Seite. Hinzu kommt die Wahrnehmung, dass manche Firmen, die sich aus Russland zurückzogen, über das Notwendige hinaus agierten, um russischen Partnern die Geschäftsfortführung maximal zu erschweren, und auch die Bundesregierung in der nationalen Umsetzung von Sanktionen eifriger ist als manch anderer europäischer Staat.

    Lesen Sie im zweiten Teil dieses Interviews mehr über die Rolle des Ukraine-Kriegs, die Resilienz der russischen Wirtschaft und die langfristigen strategischen Neuausrichtungen Russlands.


    Über den Interviewpartner: Christoph Polajner berät in den Schnittpunkten von Geopolitik, Geoökonomie, Außenpolitik und Wirtschaft und ist Gründungsmitglied und Stellvertretender Vorsitzender der Eurasien Gesellschaft mit Sitz in Berlin. Seine geographischen Schwerpunkte sind China und Russland, inhaltlich sind es Eurasien, die BRICS, die Shanghai Cooperation Organization, der Ukrainekonflikt und die chinesisch-russischen Beziehungen. Er war lange Jahre weltweit tätig: in Lateinamerika, Afrika, Südostasien, Zentralasien, der Ukraine, China und Russland, den Großteil der Zeit für eine humanitäre Organisation. Er hat einen Master-Abschluss in Chinese Studies mit den Schwerpunkten chinesischer Außenpolitik und Wirtschaft.


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    Titelbild: Quelle: Christoph Polajner


    Rubriken: Außen- und Sicherheitspolitik Audio-Podcast Interviews Veranstaltungshinweise/Veranstaltungen Wirtschaftspolitik und Konjunktur


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    Info: https://www.nachdenkseiten.de/?p=136481 -1


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    nachdenkseiten.de, vom 29. Juli 2025 um 14:33 Ein Artikel von Éva Péli

    Im ersten Teil unseres Interviews mit Christoph Polajner von der Eurasien Gesellschaft haben wir über Russlands Sicht auf die sich wandelnde Weltordnung und die veränderten Beziehungen zum Westen gesprochen, wie sie auf dem Sankt Petersburger Wirtschaftsforum (SPIEF) diskutiert wurden. Im folgenden zweiten Teil beleuchtet Polajner die Rolle des Ukraine-Kriegs, die Resilienz der russischen Wirtschaft angesichts der Sanktionen und Russlands langfristige strategische Neuausrichtungen. Das Interview führte Éva Péli am 14. Juli 2025.


    Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar.

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    Éva Péli: Herr Polajner, war der Ukraine-Krieg ein dominantes Thema auf dem Forum, und welche Facetten des Konflikts wurden dabei von russischer Seite diskutiert?

    Christoph Polajner: Ja, selbstverständlich, in den vergangenen und auch in diesem Jahr war der Konflikt ein großes Thema, sowohl seine Ursachen als auch seine Auswirkungen auf Russland und die internationale Sicherheit und Ordnung. Es gab Diskussionen darüber, wie man Rückkehrer aus den Kämpfen – also demobilisierte Soldaten oder Verwundete – wieder in die russische Gesellschaft und Wirtschaft integrieren kann. Es wurden auch die Probleme für die russische Wirtschaft angesprochen – wie weggebrochene Lieferketten oder die hohen Zinsen, die vielen Firmen die Kreditaufnahme erschweren – als auch die aus den Sanktionen resultierenden Vorteile. Ich habe eine ganze Reihe von Personen getroffen, die sagten, die Sanktionen seien unterm Strich gut für die russische Wirtschaft gewesen. Nach der Deindustrialisierung in den 90er-Jahren hatte Russland seine Wirtschaft stark auf den Export von Rohstoffen und den Import vieler benötigter Güter ausgerichtet. Mehrere Teilnehmer äußerten, dass die EU und die USA Russland durch die Sanktionen gezwungen hätten, „die Ärmel hochzukrempeln“ und die Dinge selbst herzustellen.

    Ich glaube, das ist eine wesentliche Lehre, die die Russen aus den Sanktionen gezogen haben: Sie müssen in vielen wesentlichen Wirtschaftsbereichen weitestgehend souverän werden. Das bedeutet, eine eigene industrielle Basis aufzubauen und viele Dinge auch im Bereich der Hochtechnologie selbst herzustellen, wie zum Beispiel eine eigene russische Cloud. Ziel ist es, nie wieder in die Abhängigkeit zu geraten, in der man sich zwischenzeitlich befand.

    Wie beurteilen Sie den Zustand der russischen Wirtschaft? Welche Resilienz und welche Herausforderungen wurden dabei sichtbar?

    Ich kann den Zustand der russischen Wirtschaft nur auf Basis meiner Eindrücke und der Diskussionen vor Ort bewerten. Doch generell, und das hat sich mittlerweile auch hierzulande herumgesprochen, war die russische Wirtschaft in den letzten Jahren wesentlich resilienter als viele vermuteten. 2022 herrschte hier die weit verbreitete Annahme, die russische Wirtschaft würde kollabieren und dies zu politischen Veränderungen in Russland führen. Dies ist erkennbar nicht eingetreten; Russland verzeichnete in den vergangenen beiden Jahren Wirtschaftswachstumszahlen von über vier Prozent. In diesem Jahr geht die Regierung von 2,5 Prozent aus.

    Auf den ersten Blick sind kaum Auswirkungen der Sanktionen erkennbar. Bei genauerer Betrachtung gibt es jedoch in Teilbereichen Probleme: Nicht alles kann substituiert werden, oder nur zu hohen Preisen. Gewisse Investitionen konnten zwar einige Jahre aufgeschoben werden, doch wie bei einem Gummiband, das man nicht beliebig weit dehnen kann, gibt es auch hier Grenzen. Die Auswirkungen der hohen Zinsen sind klar spürbar. Der Leitzins der Zentralbank hat sich seit Anfang 2022 auf zwischenzeitlich 21 Prozent fast verdreifacht und wurde kürzlich auf 20 Prozent gesenkt (Anm. d. Red.: In der Zeit zwischen dem Interview und der Veröffentlichung wurde der Leitzins um weitere zwei Prozentpunkte auf 18 Prozent gesenkt. Die grundsätzliche Problematik bleibt bestehen).

    Für Unternehmen bedeutet das, dass sie rund 25 Prozent Zinsen für neue Kredite bezahlen. Kaum eine Firma kann dies erwirtschaften, besonders in kapitalintensiven Branchen oder bei mehrjährigen Projekten. Dies führt zu Problemen in bestimmten Sektoren und hemmt die Investitionsbereitschaft. Auch wenn das Eigenkapital vorhanden ist, braucht es eine außergewöhnlich gute Geschäftsidee, um das Risiko einer Investition einzugehen und noch höhere Erträge zu erzielen, wenn man das Geld auch zu 20 Prozent Verzinsung bei der Bank anlegen kann. Dies ist sehr deutlich wahrnehmbar. Der Staat versucht, die hohen Zinsen mit Instrumenten wie Förderkreditprogrammen oder Innovationsförderprogrammen teilweise abzufedern. Gleichzeitig ermöglicht die Situation vielen Menschen, sich mit guten Geschäftsideen selbstständig zu machen, oder bestehenden Unternehmen, ihre Geschäftsfelder auszudehnen. Dies geschieht oft in einem temporären „Schutzraum“, da ein Teil der ausländischen Konkurrenz den Markt verlassen hat.

    Welche langfristigen Zukunftsperspektiven und strategischen Neuausrichtungen Russlands wurden auf dem Forum diskutiert?

    Wir haben bereits einige Punkte angesprochen. Erstens, die unumkehrbare Veränderung des internationalen Systems. Russland ist überzeugt, dass eine Rückkehr zur Ordnung von 2021 ausgeschlossen ist; die Weltordnung der nahen und mittleren Zukunft wird eine andere sein. Präsident Putin betonte bereits 2022 auf dem Forum, dass Russland diese neue Ordnung aktiv mitgestalten müsse, um seine staatliche Souveränität zu bewahren. Diese Souveränität sei unteilbar und müsse in allen Bereichen vorangetrieben werden. Abzuwarten und die Dinge geschehen zu lassen, wäre das Gefährlichste.

    Zweitens: Russland hat dafür eine Reihe von Partnern identifiziert und baut diese Beziehungen intensiv aus, allen voran mit China, aber auch mit vielen Staaten aus Zentral- und Südostasien, Afrika, der arabischen Welt und Lateinamerika, dem sogenannten Globalen Süden. Diese Formate entwickeln sich erst mit der Zeit. Ich habe 2022 sehr deutlich wahrgenommen, dass es noch ein großer Findungsprozess war. Das Forum im Juni 2022 war von der Notwendigkeit geprägt, zu analysieren, was in den Monaten zuvor geschehen war, wie es einzuordnen ist und welche Möglichkeiten bestehen.

    Einiges ist in den letzten Jahren sicherlich besser gelungen, als viele damals dachten, manches aber auch schlechter. Ich habe beispielsweise eine gewisse Enttäuschung wahrgenommen: Trotz der vielen Partner, die Russland gefunden hat, ist der Zugang zu den Finanzmärkten schwierig geblieben, da viele Staaten Angst vor US-amerikanischen oder europäischen Sekundärsanktionen haben.

    Bereits 2022 wurde intensiv darüber diskutiert, Alternativen zum US-Dollar als Reserve- und Handelswährung zu etablieren und den Handel zwischen einzelnen Staaten verstärkt in nationalen Währungen abzuwickeln. Auch die Suche nach Alternativen zum SWIFT-System, von dem viele russische Banken ausgeschlossen wurden, war ein zentrales Thema. Solche Entwicklungen geschehen nicht über Nacht. Es gab Diskussionen innerhalb der BRICS-Staaten, wo es durchaus unterschiedliche Positionen dazu gibt. Mein Eindruck ist jedoch, dass gerade die massiven Sanktionen der EU und der USA einen Katalysator-Effekt hatten und diese Prozesse, die vielleicht ohnehin stattgefunden hätten, deutlich beschleunigt haben.

    Was waren die Schlüsselthemen, die für die zukünftigen deutsch-russischen und europäischen Wirtschaftsbeziehungen von besonderer Relevanz waren, und welche grundlegenden Veränderungen zeichnen sich hier ab?

    Ein ganz klares Schlüsselthema war die deutliche Abwendung Russlands von der Europäischen Union. Mein Eindruck ist, dass Russland von den späten 1980ern bis in die 2000er-Jahre hinein stark daran interessiert war, Teil eines gemeinsamen europäischen Raums zu werden. Das war auch in den Anfängen der Amtszeit von Präsident Putin deutlich erkennbar. Dies hat im Laufe der Zeit etwas abgenommen, wie auch an seiner Rede auf der Münchner Sicherheitskonferenz 2007 deutlich wurde.

    2014 markierten die Annexion der Krim sowie die darauffolgenden Sanktionen der EU und der USA gegen Russland einen weiteren deutlichen Einschnitt und eine klare Zuwendung Russlands zu China. Auch hier hatten die Sanktionen einen Katalysatoreffekt. Der Bau der Pipeline „Kraft Sibiriens 1“ zum Transport von Gas aus Russland nach China war lange Jahre zwischen beiden Staaten verhandelt worden. Erst unter dem Druck der Sanktionen kam es 2014 zum Durchbruch in den Verhandlungen und zur Unterzeichnung eines Vertrags mit 30-jähriger Laufzeit.

    2022 hat sich die geopolitische Neuorientierung Russlands nochmals verstärkt: Russland hat, teils erzwungen, teils aus eigenem Antrieb, die Entscheidung getroffen, sich dem Globalen Süden zuzuwenden. Das hat strukturelle Konsequenzen für die Entwicklung von Organisationen wie den BRICS oder der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ) und auch für die Infrastruktur. Es gibt vermehrte Investitionen im Fernen Osten und eine Zusammenarbeit auf allen Ebenen mit der Volksrepublik China. Auch hierzu gab es in diesem Jahr eine interessante Podiumsdiskussion.

    Ein zweiter wichtiger Punkt war der Abzug europäischer Unternehmen aus Russland. Die russische Position hierzu ist klar: Man habe die Firmen nicht zum Verlassen des Landes gezwungen. Insbesondere seit der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten wird in Russland und den USA zunehmend darüber diskutiert, unter welchen Bedingungen Firmen aus der EU oder den Vereinigten Staaten nach Russland zurückkehren könnten. Es gibt hierzu regelmäßige Diskussionen und verschiedene Vorschläge, wobei die Positionen sehr unterschiedlich sind. Einige wirtschaftlich erfolgreiche Russen wünschen keine europäische oder US-amerikanische Konkurrenz mehr. Präsident Putin selbst vertritt die Position, dass Konkurrenz für die russische Wirtschaft wichtig sei und eine Rückkehr der Firmen prinzipiell erlaubt werden solle. Man wolle jedoch prüfen, wie sich die Firmen in der Vergangenheit positioniert haben, wie wichtig sie für den russischen Markt seien, und dann über die Bedingungen einer Rückkehr sprechen.

    Auch hier ist mein Eindruck, dass eine Rückkehr zur Situation von 2021 nicht möglich sein wird. Wie in den 1990er-Jahren muss man sich jetzt erst wieder neu finden und neu verhandeln, unter welchen Regeln man auf welchen Ebenen miteinander umgeht. Ich sehe hier, vielleicht auch aufgrund meiner früheren Arbeit in China, eine Tendenz Russlands zu einem kontrollierten Öffnungsmodell des Marktes, ähnlich dem chinesischen Modell. Der Marktzugang würde dann unter ganz anderen Bedingungen erfolgen als in den 1990er-Jahren. Wir hatten zu Beginn von der Entstehung des SPIEF in den Jahren nach der Schocktherapie gesprochen. Die Sanktionen sind eine zweite Schocktherapie für die russische Wirtschaft, aber dieses Mal vielleicht in Teilen heilsamer.

    Lesen Sie auch den ersten Teil des Interviews: „Ein Blick hinter die Kulissen des SPIEF: Russlands Perspektive auf eine sich wandelnde Weltordnung“

    Über den Interviewpartner: Christoph Polajner berät in den Schnittpunkten von Geopolitik, Geoökonomie, Außenpolitik und Wirtschaft und ist Gründungsmitglied und Stellvertretender Vorsitzender der Eurasien Gesellschaft mit Sitz in Berlin. Seine geographischen Schwerpunkte sind China und Russland, inhaltlich sind es Eurasien, die BRICS, die Shanghai Cooperation Organization, der Ukrainekonflikt und die chinesisch-russischen Beziehungen. Er war lange Jahre weltweit tätig: in Lateinamerika, Afrika, Südostasien, Zentralasien, der Ukraine, China und Russland, den Großteil der Zeit für eine humanitäre Organisation. Er hat einen Master-Abschluss in Chinese Studies mit den Schwerpunkten chinesischer Außenpolitik und Wirtschaft.


    Titelbild: Christoph Polajner


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    nachdenkseiten.de, 30. Juli 2025 um 12:00 Ein Artikel von Éva Péli

    Die Idee eines gemeinsamen europäischen Hauses scheint verblasst. In einer Welt im Umbruch fordert Christoph Polajner, stellvertretender Vorsitzender der Eurasien Gesellschaft, eindringlich eine Rückkehr zum Dialog und die Überwindung der tiefen Gräben, die Europa spalten. Er nimmt regelmäßig am Sankt Petersburger Wirtschaftsforum teil und plädiert für eine Abkehr von Konfrontation zugunsten einer positiven Zukunftsvision und des Aufbaus neuer Sicherheitsarchitekturen. Mit Christoph Polajner sprach Éva Péli.

    Éva Péli: Herr Polajner, was genau unternimmt die Eurasien Gesellschaft, um die noch vorhandenen Brücken zwischen Europa und Eurasien zu stärken?

    Christoph Polajner: Das ist ein erklärtes Ziel unserer Gesellschaft, auch wenn wir natürlich sehr klein sind und unsere Möglichkeiten bescheiden einschätzen müssen. Unser Hauptanliegen ist es, Menschen zusammenzubringen, die sich für eine friedliche Koexistenz der Länder Europas und Asiens einsetzen und das Potenzial der Zusammenarbeit erkennen. Diesen Fokus auf das Kooperationspotenzial vermisse ich oft im hiesigen Diskurs.

    Vor diesem Hintergrund war das Wirtschaftsforum in Sankt Petersburg sehr inspirierend. Dort wurden viele Ideen diskutiert, mit denen ich mich seit Langem beschäftige, wie beispielsweise die Veränderung der internationalen Ordnung und der internationalen Institutionen, Weltreservewährungen, Konnektivität sowohl im Hinblick auf den Ausbau der Landverbindungen zwischen Europa und Asien als auch auf die Nordostpassage, also den Seeweg von der Nordsee entlang der russischen Küste nach Asien. Was ich meinerseits dort immer wieder in Gespräche eingebracht habe, ist die Wiederbelebung der Idee eines gemeinsamen Wirtschaftsraums von Lissabon bis Wladiwostok.

    Unsere Rolle sehen wir darin, Gesprächskanäle aufrechtzuerhalten, gerade in einer Zeit, in der es zwischen Russland und den EU-Staaten kaum noch Austausch zu Themen wie dem Krieg in der Ukraine, europäischer Sicherheit, der internationalen Ordnung und der Wiederherstellung der bilateralen Beziehungen gibt. Wir möchten auch vermitteln, dass es hier nach wie vor Personen gibt, die an einen geeinten und friedlichen europäischen Raum glauben. Ich persönlich erinnere mich gern an die Stimmung der frühen 90er-Jahre. In der Charta von Paris von 1990 heißt es „Das Zeitalter der Konfrontation und der Teilung Europas ist zu Ende gegangen.“ Wir hatten das Ziel, ein „gemeinsames europäisches Haus“ zu bauen. Leider ist diese Idee auf beiden Seiten des geteilten Europas – sowohl in der EU als auch in Russland – über drei Jahrzehnte hinweg verblasst. Aber ich bin froh, dass es auch auf russischer Seite noch Menschen gibt, die daran glauben. Ich bin der festen Überzeugung, dass wir als Europäer nur dann eine gute Zukunft haben, wenn wir diese Teilung des europäischen Raumes überwinden.

    Wie beurteilen Sie die aktuellen Chancen Europas, diese Spaltung zu überwinden?

    Im Moment erleben wir, dass sich die Welt rasant neu ordnet. Russland hat dies wesentlich früher erkannt als wir, aus ganz unterschiedlichen Gründen. Hierzulande hat man sich sehr in der jahrhundertelangen europäischen Vorherrschaft eingerichtet und in dem Gefühl, den Kalten Krieg gewonnen zu haben. Es gab zwar einzelne Dialogformate mit Russland und auch einige Konzepte für eine engere Zusammenarbeit, aber am Potenzial der Beziehungen gemessen war das viel zu wenig. Das lag sicherlich auch daran, dass viele bei uns das Land – außer vielleicht als Lieferant von Rohstoffen – als wenig relevant betrachteten.

    Jetzt befinden wir uns in der für Europa sehr schlechten Situation, dass sich die Welt neu sortiert, der europäische Raum aber geteilt ist. Zwischen uns Europäern – also den Russen und Belarussen auf der einen Seite und den EU-Staaten auf der anderen Seite – fehlt die Diskussion darüber, welchen Platz wir in dieser neuen Welt einnehmen möchten. Das ist in fast allen anderen Teilen der Welt anders: Die US-Amerikaner, Chinesen, BRICS-Staaten, Afrikaner und Lateinamerikaner denken intensiv darüber nach. Aber wir als Europäer tun es nicht beziehungsweise wir definieren uns gegenseitig nur in Abgrenzung zum jeweils anderen Teil des europäischen Kulturraums und bemühen uns, uns durch Waffen, Munition und Sanktionen gegenseitig möglichst großen Schaden zuzufügen. Dadurch fällt Europa als Ganzes zurück, und so viel ist klar: Der Rest der Welt wartet nicht auf uns.

    Russland organisiert das Wirtschaftsforum in St. Petersburg, sie laden ein, und selbst wir als kleine Organisation können hinreisen. Man wird freundlich empfangen und kommt mit vielen Menschen ins Gespräch. Das ist eine gute Gelegenheit, die vorangehend genannten Fragen zu diskutieren – aber es nehmen sehr wenige Personen aus der EU teil. Auf der anderen Seite gibt es, wenn auch mit etwas Verspätung, ähnliche Diskussionen hier in Deutschland, beispielsweise auf der Münchner Sicherheitskonferenz, die zuletzt ebenfalls den Titel „Multipolarität“ trug – aber wir laden keine Menschen aus Russland mehr ein. Das bedeutet, dass wir keine Plattformen haben, auf denen wir als Europäer gemeinsam darüber sprechen könnten, wie der Krieg beendet wird, wie wir eine europäische Sicherheitsarchitektur aufbauen, welchen Platz wir in einer sich neu ordnenden Welt einnehmen möchten, wie wir wirtschaftlich oder auch als Menschen wieder zusammenfinden möchten.

    Der ungarische Außen- und Handelsminister Péter Szijjártó ist auch zum Forum gereist. Welche Bedeutung messen Sie der Haltung Ungarns bei?

    Es war meiner Ansicht nach sehr gut, dass Herr Szijjártó persönlich an der Konferenz teilgenommen hat. Mir gefiel besonders die relativ konstruktive ungarische Position. Er wiederholte das Angebot, dass Ungarn als Verhandlungsort für eine Lösung des Ukrainekriegs dienen könne – ein Vorschlag, den er bereits Ende Februar 2022 gemacht hatte. Der Außenminister hob auch klar hervor, dass sein Land natürlich daran interessiert sei, die Beziehungen zu Russland auszubauen – auch die wirtschaftlichen; genauso, wie Ungarn auch sehr erfolgreich die Beziehungen zu China ausbaut.

    Ungarn ist für mich innerhalb der EU ein positives Beispiel dafür, wie ein Land die Veränderungen in der internationalen Ordnung richtig analysiert und konstruktiv darauf reagiert, statt in ideologisch verhärteten Positionen zu verharren. Ich würde mich sehr freuen, wenn es gelänge, Menschen aus Russland und der Europäischen Union, auch die US-Amerikaner, in Ungarn zusammenzubringen, um diese Sonderstellung Ungarns und das daraus resultierende Potenzial zu nutzen, um wieder Frieden in Europa zu schaffen.

    Inwiefern teilt die Eurasien Gesellschaft diese Einschätzung Ungarns, und welche konkreten Initiativen verfolgen Sie, um den Dialog voranzutreiben?

    In den letzten Jahren sprach ich mit vielen Personen in Deutschland und einigen anderen EU-Ländern, die auch davon überzeugt sind, dass wir einen Dialog mit Russland zu diesen Themen brauchen, die es aber aufgrund des medialen und politischen Klimas hier als zu riskant erachten, selbst nach Russland zu reisen. Ähnlich ist es auf russischer Seite. Dort kommt hinzu, dass manche davon ausgehen, für viele EU-Staaten kein Visum zu bekommen. Wir versuchen, die Gesprächskanäle zwischen diesen Personen aufrechtzuerhalten und ganz konkrete Ideen auf beide Seiten zu tragen: Zum Beispiel, was genau die russische Position zur Beendigung des Krieges in der Ukraine ist oder wie erste Elemente für eine neue europäische Sicherheitsarchitektur aussehen könnten, erste Gespräche für Vorgespräche zu einer wirtschaftlichen Wiederannäherung, oder für die Idee einer Wiederaufnahme von Schüler- und Städtepartnerschaften zu werben.

    Das ist natürlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Wir hätten uns sehr gewünscht, größere Gesprächsformate zu organisieren, in denen wir Fachleute von beiden Seiten zusammenbringen. Das haben wir die vergangenen Jahre mehrfach versucht, vorwiegend in Drittstaaten. Auch Ungarn wurde hierbei sowohl von mehreren Personen aus Russland als auch aus der EU als Staat genannt, in dem sie an einer solchen Veranstaltung teilnehmen könnten.

    Bisher scheiterte das Vorhaben aus verschiedenen Gründen. Bedenken potenzieller Teilnehmer hinsichtlich eines steigenden Risikos medialer Angriffe oder mangelnde Finanzierung stehen hier sicherlich ganz oben auf der Liste. Beide Punkte haben mir zu denken gegeben. Man trifft hier viele Personen, die im Gespräch unter vier Augen wie wir der Meinung sind, dass wir diesen Krieg schnellstmöglich beenden und mit Russland wieder zusammenfinden müssen. Sie möchten sich aber nicht öffentlich in diese Richtung äußern oder konkrete Schritte in diese Richtung unternehmen. „Wenn selbst Gerhard Schröder und Papst Franziskus für ihre Friedensbemühungen so massiv angegriffen werden, was glauben Sie, wie es mir dann erst ergeht?“ Der Tenor der medialen Berichterstattung zu einzelnen Initiativen, die andere in diese Richtung ergriffen haben und die öffentlich bekannt geworden sind, zeigt ja auch, dass solche Befürchtungen nicht ganz unbegründet sind. Man muss sich aber fragen, was das über das Debattenklima in unserem Land aussagt.

    Es verwundert mich auch sehr, dass wir in einer Situation mit dem größten Konflikt in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg, wahrscheinlich Hunderten von Opfern pro Tag, gewaltigen wirtschaftlichen Schäden durch Sanktionen und dem Risiko einer Eskalation zu einem großen europäischen Krieg keine Ressourcen bereitstellen, um Fachleute zumindest auf Arbeitsebene zusammenzubringen und Auswege aus diesem Konflikt zu suchen. Für die von uns angedachten Formate sind relativ kleine Beträge von nur wenigen Zehntausend Euro erforderlich. Wenn man bedenkt, was eine Artilleriegranate in der Herstellung kostet, ist das der Preis von ein paar Granaten, um über Auswege aus dem Konflikt zu sprechen. Das ist meiner Meinung nach dringend erforderlich, da die Antworten auf viele dieser Fragen nicht einfach sind. Wir haben leider den Zerfall eines Großteils der Sicherheits- und Rüstungskontrollarchitektur erlebt: Mit dem KSE-Vertrag von 1990 (Vertrag über konventionelle Streitkräfte in Europa) haben wir ein sicheres und stabiles Gleichgewicht der konventionellen Streitkräfte auf niedrigerem Niveau umgesetzt. Inzwischen rüsten wir auf beiden Seiten des europäischen Raums wieder massiv auf. Der INF-Vertrag zu den Mittelstreckenwaffen und „Open Skies“ (Vertrag über den Offenen Himmel) sind aufgekündigt, New-START ist ausgesetzt, Formate wie der NATO-Russland-Rat haben seit Jahren nicht stattgefunden.

    Wir können die alten Verträge nicht einfach wiederbeleben. Wir müssen uns Gedanken machen, wie wir Sicherheit in Europa, eine neue europäische Sicherheitsarchitektur unter den aktuellen Bedingungen wiederherstellen können. Dafür braucht es viele und lange Gespräche von Fachleuten. Dasselbe gilt für die Frage, wie konkret ein Ende der Kampfhandlungen in der Ukraine aussieht.

    Ausländische Diplomaten sagten mir auf verschiedenen Veranstaltungen, dass sie erstaunt über die Beschwerden der Europäer seien, dass die Trump-Administration mit den Russen verhandele, während die Vertreter der EU nicht einmal einen Platz am „Katzentisch“ hätten. Sie fragten mich dann aber auch: Wo waren denn die Initiativen der EU der letzten Jahre? Wo haben denn die Franzosen mit den Deutschen, Italienern und Polen beispielsweise wirklich eine Konferenz ins Leben gerufen, um diesen Konflikt zu beenden? Das ist auch die große Gefahr, die ich sehe: dass die neue internationale Ordnung ohne uns gestaltet wird und die Interessen der EU dabei nicht berücksichtigt werden; und dass wir ein großes Risiko eingehen, dass dieser Konflikt entweder noch sehr lange andauert – mit einer blutigen Trennungslinie durch den europäischen Raum – oder dass er zu einem großen europäischen Krieg eskaliert. Wir verschenken seit Jahren Zeit, die wir dringend bräuchten, um den Konflikt in Europa zu beenden und eine Rolle für Europa in einer sich neu herausbildenden Welt zu finden.

    Angesichts dieser Herausforderungen: Welche konkreten Schritte oder Veränderungen sind aus Ihrer Sicht notwendig, um die aktuelle Situation in Europa zu verbessern?

    Das Wichtigste ist, dass wir den Krieg in der Ukraine beenden. Die Gelegenheiten hierzu, die sich zum Beispiel mit den Verhandlungen in Istanbul 2022 ergeben haben, sind leider nicht genutzt worden. Ich glaube, dass die Präsidentschaft Donald Trumps ein Verhandlungsfenster geöffnet hat. Das gilt es jetzt zu nutzen, bevor es sich wieder schließt, und die EU-Staaten müssten die Bemühungen der USA in diese Richtung unterstützten und nicht konterkarieren.

    Wir brauchen wieder eine positive Zukunftsvision für Europa. Momentan sind die beherrschenden Themen: Rekordschulden, Aufrüstung, Munition, Wehrpflicht, lange Konfrontation und ein Europa, in dem – wie es Außenminister Wadephul formulierte –Russland für immer unser Feind bleiben wird.

    Anfang der 1990er-Jahre, mit der Wiedervereinigung, hatten wir die Vorstellung, dass die Konfrontation in Europa überwunden sei und wir gemeinsam ein europäisches Haus bauen könnten. Diese Vision, dieser „Wind of Change“, hat viele Menschen begeistert. Wir waren damals mehrheitlich überzeugt, dass das die richtige Richtung war und dass wir in einem solchen Europa leben wollten – lieber als in dem, das wir vorher hatten, und ich glaube auch lieber als in dem, das wir jetzt haben. Diese Idee ist leider verblasst, nicht erst 2022, sondern über Jahrzehnte. Bei der Suche nach den Ursachen kann man nicht nur mit dem Finger auf Russland zeigen. Das liegt auch an den handelnden Akteuren bei uns, und das bringt mich zum dritten Punkt.

    Helmut Kohl hat die historische Gelegenheit zur Wiedervereinigung genutzt. Die Chance, die Teilung Europas zu überwinden, wurde hingegen verspielt. Neben einem Mangel an geopolitischem Denken liegt das an der hier lange und bei einigen immer noch verbreiteten Überzeugung, dass unser System das Beste sei und wir nichts von anderen lernen könnten, außerdem müsse der Rest der Welt so werden wie wir. Diese Einstellung hat sich bereits im Rahmen der Wiedervereinigung gezeigt. Von dem Erhaltenswerten, was es in der DDR gab, ist fast nichts in den gemeinsamen deutschen Staat überführt worden. Die Einstellung zeigte sich auch im Umgang mit Russland als dem Verlierer des Kalten Krieges und gegenüber dem Rest der Welt.

    Als ich nach langer Auslandszeit nach Deutschland zurückkam und hier Erfahrungen zu Themen wie Multipolarität, BRICS oder der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit in verschiedene Formate eingebracht habe, fiel mir auf: Diese Themen waren hier manchem gar nicht bekannt, erschienen als unbedeutend oder als ein kurioses Hobby von mir; manchem waren sie gar unheimlich. 2022 hatte ich den Eindruck, dass manch einer froh war, wieder ein vertrautes Koordinatensystem zu haben: Gut gegen Böse, Ost gegen West. Im Oktober desselben Jahres sagte der damalige Hohe Vertreter für Außen- und Sicherheitspolitik der EU, Josep Borrell, Europa sei ein Garten und den Großteil der restlichen Welt ein Dschungel.

    Welche Rolle spielt dabei die deutsche Politik und welche müsste sie spielen?

    Die deutsche Politik ist in ihrem Aufbau häufig sehr provinziell, vieles versinkt selbst in einer epochalen Umbruchphase wie dieser im parteipolitischen Kleinklein. Viel zu häufig dominieren die Eigeninteressen einzelner Personen oder Parteien. Die eigene Wiederwahl steht in der Zielhierarchie bei vielen im Zweifelsfall an erster Stelle. Es gibt folglich ein feines Gespür für die Grenzen des Korridors des politisch Korrekten und ein Verständnis für innerparteiliche Machtstrukturen, aber wenig Gespür für andere Kulturräume und wenig Verständnis für die Veränderungen in der internationalen Ordnung. Längere internationale Erfahrung, intensive Beschäftigung mit anderen Kulturen und selbst gute Kenntnis von Fremdsprachen sind unter deutschen Politikern leider nach wie vor die Ausnahme. Folglich fehlt es am Erfahrungshorizont, um manche Entwicklungen einzuordnen.

    In vielen Ländern außerhalb der EU nehme ich da eine ganz andere Mentalität wahr: Der Bedeutungszuwachs des Globalen Südens, die neuen Formate, das wird allen voran als Chance auf mehr Mitsprache in internationalen Angelegenheiten und neue und erfolgreichere Entwicklungsmodelle gesehen.

    Die Welt ändert sich rasant; demographisch, technologisch, wirtschaftlich. Und da die unterschiedlichen Vorstellungen nicht in einem Verhandlungsprozess in Einklang gebracht werden, geraten wir in sehr unruhiges Fahrwasser. Ich frage mich manchmal, ob wir die richtigen Personen auf der Brücke haben, um das Land durch diese Stürme hindurchzusteuern, wenn es schon innerhalb des eigenen Landes (gesellschaftliche Polarisierung, Wiedervereinigung) und des eigenen Kulturraums (Russland) nicht gelingt, wie soll dann die Verständigung mit einem asiatischen Raum gelingen, in dem heute doppelt so viele Menschen Leben wie im Rest der Welt zusammen, oder mit einem Afrika aus über 50 Staaten, das bis zur Mitte des Jahrhunderts nochmal um eine Milliarde Menschen anwächst? Dass Bundeskanzler Merz kürzlich im Hinblick auf Russland erklärte, die Mittel der Diplomatie seien ausgeschöpft, macht mich da nicht zuversichtlicher.

    Die meisten Menschen hier wünschen sich Frieden und Stabilität, Glück für ihre Familien und wirtschaftliche Sicherheit – und nicht die Ausdehnung der NATO um jeden Preis. Es ist, glaube ich, an der Zeit, dass bei uns verstärkt Menschen Verantwortung übernehmen, die Erfahrungen in anderen Teilen der Welt haben, respektvoll gegenüber anderen Ländern und Kulturen sind, diese aus sich heraus zu verstehen versuchen und im Austausch mit ihnen an einer internationalen Ordnung arbeiten, in der wir alle unseren Platz finden.

    Lesen Sie die ersten beiden Teile des Gesprächs zu Christoph Polajners Teilnahme am SPIEF hier:


    Titelbild: Die chinesische und russische Flagge auf einem Gebäude in St. Petersburg während des SPIEF 2025 – Quelle: Christoph Polajner


    Mehr zum Thema: Mit dem Zug durch Eurasien – Eindrücke eines Deutschen auf einer Reise von Porto nach Wladiwostok

    Der Eurasienkomplex: Warum und wie dem Westen die Zukunft entgleitet

    Vortrag von Vizeadmiral a. D. Schönbach: Zeitenwende in Eurasien und die Interessen Deutschlands

    „Die Zeitenwende auf der Münchner SiKo“ – Eine Lageeinschätzung der Eurasien-Gesellschaft


    Rubriken: Außen- und Sicherheitspolitik Interviews Veranstaltungshinweise/Veranstaltungen


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    30.07.2025

    Artikel zum Atomwaffen-Standort Büchel

    aus e-mail von Marion Küpker, 30. Juli 2025, 15:14 Uhr


    Zur Info ein paar aktuelle Artikel zum Atomwaffenstandort Büchel,

    Gruß,

    Marion:


    Kosten von rund zwei Milliarden Euro


    Fliegerhorst Büchel: So viel teurer wird der Umbau für die neuen

    Kampfjets


    Stand 25.7.2025, 9:39 Uhr


    https://www.swr.de/swraktuell/rheinland-pfalz/koblenz/fliegerhorst-buechel-kosten-sind-explodiert-100.html


    https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/nato-flugplatz-buechel-100.html


    https://www.n-tv.de/politik/Umbau-fuer-F-35-Stationierung-wird-wesentlich-teurer-article25856954.html


    Lieben Gruß,

    Marion

    >

    https://www.deutschlandfunkkultur.de/fliegerhorst-buechel-wo-angeblich-atombomben-lagern-laenderreport-100.html

    --

    Marion Küpker


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