zeit.de, vom 10. Juli 2025, Aus der ZEIT Nr. 29/2025, 11:18 Uhr, Von Yassin Musharbash
Persönliche Anmerkungen zur Diskussion über den Nahostkonflikt, nicht ohne Verzweiflung verfasst.
Die Debatte um den Nahostkonflikt ist, jedenfalls in Deutschland, nicht mit anderen Debatten vergleichbar. Und jedes Mal, wenn dramatische Ereignisse, streitbare Wortmeldungen oder wütende Anschuldigungen sie anfachen, wird mir geradezu körperlich unwohl. Ich bin dann hin- und hergerissen zwischen dem Bedürfnis, mich einzumischen – und der Sorge, was geschehen könnte, wenn ich es tue. Manchmal werde ich gebeten, mich einzubringen: Das ist doch dein Thema!
Ja, ist es. Nur: Was habe ich überhaupt beizutragen? Selbstverständlich habe ich Überzeugungen, sogar Informationen, über die ich Auskunft geben kann. Was ich aber nicht habe, ist eine schlagende Idee für die Heilung des offenkundig gestörten Diskurses. Ich wünschte, ich wüsste, wie er sich reparieren und zu einem anständigeren und ehrlicheren Gespräch formen ließe. Stattdessen habe ich mehr Fragen als Antworten. Und wenn schon nicht Angst, dann eben doch Sorge: dass palästinensische und arabische Freunde mich für ein Weichei halten, jüdische und israelische Freunde mich als naiv abstempeln könnten, wenn ich sage, was ich denke. Von jenen Debattenbevölkerern gar nicht erst zu reden, für die es längst eingeübt ist, verbal gegen jeden loszuschlagen, der irgendetwas sagt, das von ihrer Ansicht über den Nahen Osten abweicht. Aber vielleicht muss man dieses Risiko eingehen. Vielleicht gerade jetzt.
Ich bin jedenfalls lieber Teil eines Versuchs, der Debatte ein wenig von ihrer Unerbittlichkeit und Unfairness zu nehmen, als vor mich hin zu verzweifeln. Dieser Versuch kann scheitern. Andererseits ist nicht ausgeschlossen, dass unverbrauchte Gedanken Wirkung entfalten. Das wäre eventuell ein Erfolg.
Ich bin Journalist, und ich habe über die Massaker des 7. Oktober 2023 ebenso geschrieben wie über den Krieg im Gazastreifen. Aber ich bin nicht nur Journalist. Ich habe auch arabische Wurzeln. Und ich bin deutscher Staatsbürger seit Geburt, verwurzelt in der deutschen Tradition, aus der schrecklichen Vergangenheit dieses Landes Lehren zu ziehen. Das ist nicht unkompliziert.
Einmal überprüfte ein israelischer Soldat an einem Checkpoint im Westjordanland meinen Pass und befragte mich. "Du bist halb deutsch und halb arabisch? Da ist ja nicht viel zum Liebhaben", sagte er. Wenn die andere Person ein Gewehr in der Hand hält, ist es schwer zu sagen, ob sie einen Scherz macht. Denkbar. Es schmerzte trotzdem.
Und Anfang 2024 interviewte ich in Berlin-Neukölln eine Gruppe Palästinenser. Ob Proteste geplant seien? Ob sie hingingen? Zunächst war die Unterhaltung entspannt. Dann wurde einer der Männer misstrauisch. Er glaubte mir nicht, dass ich hier aufgewachsen sei und als Journalist arbeitete. Er verdächtigte mich, Undercover-Agent des Mossad zu sein. In diesem Fall eher: kein Scherz.
Viele Menschen haben multiple Identitäten, die sich nicht vollständig in Deckung bringen lassen, weder in ihren eigenen Augen noch in den Augen Dritter. Das ist kein Nachteil. Weil man oft mit einer regelrecht instinktiven Abwehr auf Versuche reagiert, die Welt in Schwarz und Weiß zu malen. Andererseits garantiert eine solche Ausgangsposition ein gewisses Maß an Konfusion, Widersprüchlichkeit, Einsamkeit und Erschöpfung.
Ich habe in meinem Leben mehr Gastfreundschaft durch Palästinenserinnen und Palästinenser erfahren, als ich je werde erwidern können. Aber palästinensischen Freunden zu erklären, wie Israelis und Juden in aller Welt den 7. Oktober 2023 empfunden haben, setzt einige dieser Freundschaften unter Stress. Ich habe mit Israelis in Bunkern Schutz vor Hamas-Raketen gesucht. Aber wenn ich später versuchte, palästinensisches Leid zu beschreiben, entstand im Gespräch mit ihnen eine unangenehme Stille.
Ich erwähne das, um klarzustellen, dass ich hier ausschließlich für mich spreche. Nicht für diese Zeitung, nicht für die arabische oder palästinensische Community, schon gar nicht für die deutsche Gesellschaft. Ich spreche allein für mich, auf der Grundlage meiner Erfahrungen. Ich beharre außerdem auf meinem Recht, nicht alles zu wissen und mir selbst zu widersprechen. Anders kann ich gar nicht über diese Debatte reden. Mit Sicherheit weiß ich sowieso nur eines: Ich bevorzuge Ehrlichkeit gegenüber falschen Gewissheiten.
Denn ich glaube, die sind das Grundübel des Nahostdiskurses in Deutschland. Wie oft haben Sie eine Politikerin oder einen Intellektuellen, einen Talkshowgast oder eine protestierende Studentin sagen hören: "Das weiß ich nicht." Oder: "Darüber muss ich nachdenken." Oder: "Dazu habe ich keine Meinung, ist kompliziert." Nicht oft genug, würde ich sagen. Nicht annähernd oft genug.
Als ob nicht zwei Dinge gleichzeitig wahr sein könnten
Was hingegen passiert: Anstatt sich Zeit zu nehmen, um sich zu informieren, zu reflektieren oder Fragen zu stellen, kann man allzu oft einen Drang beobachten, sich in die angenommene Sicherheit einer bereits etablierten Position zu retten, wo man sich hinter anderen verstecken kann. Und auf diese Weise organisieren wir uns alle nach und nach in Lager. Wer in der Mitte steht oder es wagt, mit beiden Seiten zu sprechen oder einige der Prämissen "seines" Lagers zu hinterfragen, der macht sich: verdächtig.
Die Folgen zeigen sich täglich. Absurde Übervereinfachungen von Aspekten des Nahostkonflikts werden in der Debatte zu Bestandteilen eines umfassenderen Dogmas. Oder wie Zadie Smith es im New Yorker sehr eloquent ausdrückt: "In diesen konstruierten Narrativen gibt es stets eine Reihe von Schibboleths, also Passphrasen, die nicht gesagt werden dürfen, beziehungsweise unbedingt gesagt werden müssen." Das hier sind zwei dieser Schibboleths: (https://de.wikipedia.org/wiki/Schibboleth)
"Israel ist ein kolonialistisches Projekt."
"Die Palästinenser sind gar kein Volk."
Rings um diese Passphrasen werden weitere Glaubenssätze platziert, die spezifischer und mit aktuellen Nachrichten verknüpft sind. Sie funktionieren aber auf ähnliche Art und Weise, insofern nämlich, als es als willkommene Provokation aufgefasst wird, sobald jemand aus dem anderen Lager sie infrage stellt:
"Israel allein ist verantwortlich für die Hungerkatastrophe in Gaza."
"Die Hamas allein ist verantwortlich für die Hungerkatastrophe in Gaza."
"Israel begeht einen Genozid."
"Die Hamas kann den Krieg noch heute durch Kapitulation beenden."
"Alle palästinensischen Ärzte sind Hamas-Mitglieder."
"Israel schert sich nicht um zivile Opfer."
Es ist gar nicht nötig, etwas über die Wahrhaftigkeit dieser Sätze zu sagen, um nachzuvollziehen, wie diese Übervereinfachungen und die Funktion, die ihnen zukommt, dazu führen, dass die Debatte immer weniger die Realität im Nahen Osten zum Gegenstand hat. Stattdessen geht es umso mehr um die Frage, wer was gesagt hat, angeblich gesagt hat oder mutmaßlich sagen wollte – und wie das rechtfertigt, ihn oder sie jeweils unhinterfragbar ins gegnerische Lager einzusortieren.
Als ob es darauf ankäme. Als ob nicht zwei Dinge gleichzeitig wahr sein könnten. Als ob es jemanden zu einem "besseren" Unterstützer Israels macht, wenn er alles abstreitet, was Palästinenser sagen. Als ob es jemanden zu einer "besseren" Unterstützerin der palästinensischen Sache macht, wenn sie alles abstreitet, was Israelis sagen. Als ob es vor Antisemitismus schützt, wenn man Palästinenser entmenschlicht.
Als ob die Welt nicht voller Widersprüche wäre.
2023 war der erste Winter, in dem ich keine Kufija getragen habe. Ein Stück Stoff, das ich mit derselben Selbstverständlichkeit als Schal benutzt habe wie meine Onkel und Großonkel – und das nun von der einen Seite als angebliches Terrorsymbol verunglimpft, von der anderen in einem Akt von cultural appropriation als angebliches Zeichen ihrer Version des Widerstands vereinnahmt wird.
Ich glaube, viele Debattenteilnehmer in Deutschland machen es sich zu leicht. Womöglich fehlt einigen der Mut zuzugeben, dass sie nicht genug wissen. Andere wollen gar nicht fair sein; sie gefallen sich darin, jede Äußerung in Munition zu verwandeln.
Seit dem 7. Oktober 2023 habe ich viel Zeit darauf verwandt, arabischen Freunden im Nahen Osten zu erklären, was Staatsräson bedeutet. Oder bedeuten könnte – es ist ja eher eine Idee als ein Konzept oder gar eine Doktrin. Die Gespräche waren anstrengend, mehr als einmal hielt man mir vor, die Deutschen hätten mir das Hirn gewaschen. Aber oft endeten die Diskussionen auch damit, dass die andere Person konzedierte: "Okay, ich verstehe, ihr Deutschen habt aus eurer Geschichte den Schluss gezogen, dass es eure Verantwortung ist, sicherzustellen, dass Juden in Sicherheit leben und dass deshalb Israel sicher sein muss. Aber hat Deutschland denn gar keine Verantwortung gegenüber den Palästinensern? Verdienen es Palästinenser nicht, in Sicherheit zu leben?"
Wir hören das Schweigen der fehlenden Stimmen nicht mal mehr
Das sind berechtigte Fragen. Ich werde nicht versuchen, sie hier zu beantworten. Ich zitiere sie aus einem anderen Grund: Meiner Meinung nach habe ich mir mit diesen Gesprächen das Recht erarbeitet, darauf hinzuweisen, dass es sich auch deutsche Politikerinnen, Beamte und Institutionen gern zu leicht machen.
Im April 2024 etwa beendete die Polizei in Berlin einen sogenannten Palästina-Kongress. Dem früheren griechischen Finanzminister Yanis Varoufakis wurde die Einreise nach Deutschland verwehrt, er durfte dort nicht reden. Kai Ambos, Jura-Professor an der Universität Göttingen, hat diese und andere administrative Entscheidungen rund um den Kongress analysiert. Er kam zu dem Ergebnis, sie erschienen "überzogen und unverhältnismäßig". Die Auflösung des Kongresses sei vermutlich rechtswidrig gewesen. Zugleich war das Bundesinnenministerium nicht in der Lage, kohärent zu erklären, wie die Entscheidung zustande gekommen war. Genauso wenig die Entscheidungsträger in Berlin. Ich halte das für ein größeres Problem als die Vorstellung, dass Varoufakis Kontroverses hätte sagen können. Deutschland ist eine stabile Demokratie, es überfordert das Land nicht, wenn Aktivisten radikale Statements machen. Wir werden damit fertig. Also bitte: Lasst uns Varoufakis bestrafen – nachdem er sich strafbar gemacht hat und verurteilt wurde. Eine Regierung, eine Verwaltung, die das Recht auf freie Meinungsäußerung aus Angst einschränken, dass sie als unentschieden im Kampf gegen Antisemitismus dastehen könnten, missverstehen ihre Aufgabe.
Ein anderes Beispiel: Als die vormalige Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger über hundert Hochschuldozentinnen und -dozenten pauschal verdächtigte, nicht auf dem Boden des Grundgesetzes zu stehen, nachdem diese einen Polizeieinsatz gegen ein Camp von protestierenden Studenten kritisiert hatten. Die Ministerin tadelte sie, weil sie angeblich Täter zu Opfern machten, anstatt sich gegen Antisemitismus zu wenden. Als wäre es unvorstellbar, ja nicht sogar wahrscheinlicher, dass ein Uni-Dozent gegen Antisemitismus und für das Recht auf friedliche Studentenproteste zugleich ist.
Aufseiten der protestierenden Studierenden kann man übrigens auch ein beunruhigendes Ausmaß falscher Gewissheit finden. An der Berliner Humboldt-Universität etwa nutzten einige Aktivisten die ersten Minuten der Besetzung eines Uni-Gebäudes, um Hamas-Symbolik an die Wände zu schmieren, in Kombination mit Slogans wie "Resistance is justified" und Herzchen für die Kassam-Brigaden, den bewaffneten Arm der Hamas.
Ich werde wütend, wenn jemand zu begründen versucht, die Hamas sei keine Terrororganisation. Zivilisten im Namen einer politischen Agenda zu ermorden und zu entführen, ist die Definition von Terrorismus. Ich weiß, dass längst nicht alle Studierenden gleich denken, die an deutschen Unis gegen die israelische Kriegsführung in Gaza demonstrieren. Es ist den Hamas-Apologeten zuzuschreiben, dass ein berechtigtes Anliegen diskreditiert wurde.
Jedes Mal, wenn die Debatte auf diese Art und Weise scheitert, wenn das Lagerdenken ein differenziertes Gespräch verunmöglicht, verlieren letztlich wir alle. Genau darin liegt die erschreckende Macht der falschen Gewissheiten: Ganz allmählich sorgt sie dafür, dass jene aus der Debatte gedrängt werden oder sie freiwillig verlassen, die eigentlich etwas beizutragen hätten, sich jedoch entweder nicht mehr trauen, teilzunehmen – oder die Hoffnung aufgegeben haben, dass die Debatte zu etwas Fruchtbarem führen könnte.
Wir aber hören das Schweigen der fehlenden Stimmen nicht mal mehr. Das Schweigen derer, die nicht in eine Ecke gedrängt werden wollen. Die Angst haben, dass ihnen das Wort im Mund umgedreht wird, dass sie sowieso missverstanden werden.
Ich kenne viele Palästinenserinnen, denen es so geht. Ich kenne Juden, denen es so geht. Manche reagieren empfindlicher als andere auf diesen subjektiven Druck, und nicht jede(r) hat die Ausstattung, sich dem auszusetzen. Es bleibt die tragische Tatsache, dass wir in unserem öffentlichen Gespräch nicht alle hören, die es verdient hätten.
Ja, auch ich bin wütend und entsetzt über die Art und Weise, wie Israel in Gaza Krieg führt. Aber das schmälert meine Empathie für die israelischen Opfer des 7. Oktober und ihre Familien kein Stück. Es heißt nicht, dass ich nicht die Freilassung aller israelischen Geiseln fordere. Ich sehne mich nach einem Frieden im Nahen Osten, der auf Gerechtigkeit beruht – und nicht nur auf Ruhe, damit der Rest der Welt möglichst unbehelligt von schrecklichen Bildern bleibt. Ich stehe nicht "in der Mitte", was immer das bedeuten soll, aber ich will beide Seiten sehen. Denn für mich ist der Nahostkonflikt keine Partie Risiko, die gewonnen werden könnte; er kann nur, er muss beigelegt werden. Deshalb halte ich antiisraelisch nicht für das zwingende Gegenstück zu propalästinensisch. Und andersherum: Proisraelisch muss nicht bedeuten, antipalästinensisch zu sein. Dieses vermeintliche Gegensatzpaar ist eine Täuschung. Das ist, was ich denke. Wen das stört: Pech gehabt.
Aber zur Ehrlichkeit gehört noch mehr. Ich will das mit zwei Erlebnissen illustrieren, die mich nicht loslassen.
Der Konflikt ist keine Fototapete für unsere Debatten
Acht Wochen nach dem 7. Oktober 2023 reiste ich nach Israel und traf eine Person, die ich sehr schätze. Ein Mensch, der zwar nicht unbedingt ein Friedensaktivist ist, aber pragmatisch, liberal und aufrichtig, sicherlich kein Sympathisant der aktuellen israelischen Regierung. Während wir zusammensaßen, sagte diese Person: "Wo sind wir jetzt angelangt, bei 20.000 toten Palästinensern? Normalerweise wäre ich darüber schockiert. Aber ich sehe morgens in den Spiegel und fühle nichts." Und mir war klar: Da beschrieb jemand eine erschütternde Entdeckung über sich selbst.
Das zweite Erlebnis ereignete sich im Frühjahr 2024. Ich schrieb mit Kollegen an einem Dossier in der ZEIT, in dem es um die humanitäre Katastrophe im Gazastreifen ging, als uns eine Liste mit den Namen der Familien von 26 Kindern erreichte, die laut den Ärzten eines Krankenhauses in Gaza an den Folgen von Unterernährung gestorben waren. Innerhalb weniger Stunden erreichte ich telefonisch mehrere der betroffenen Eltern. Sie bestätigten die Informationen. Aber niemand von ihnen weinte, klagte oder verurteilte Israel. Sie waren alle zu erschöpft dafür.
Warum gerade diese beiden Geschichten?
Mir dienen sie als Erinnerung daran, dass der Konflikt im Nahen Osten real ist. Er ist keine Fototapete für unsere Debatten. Er ist schrecklich, er tötet nicht nur Menschen, er verändert jeden, der betroffen ist. Und das macht die Situation der Menschen nicht nur schmerzhaft, sondern unter Umständen schlicht unverständlich. Der Konflikt wirft Fragen auf, auf die es keine unmittelbaren Antworten gibt. Nicht alles, was wir erfahren, ergibt Sinn. Und es ist in Ordnung, manchmal einfach berührt zu sein. Ohne sofort eine Meinung zu haben.
Der Text beruht auf einer Rede, die der Autor im Juni 2024 in Berlin gehalten hat.
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Kommentare:
Nick Doe
vor 4 Tagen
Der Artikel spricht mir aus dem Herzen❣️
Es ist soo wichtig, gegen die Versuchung der Vereinfachung und Polarisierung die Mitte zu halten und abzuwägen, zu prüfen und die Kraft der gegenseitigen Argumente gelten zu lassen. Wie neulich bereits ein anderer Artikel in der Zeit gefordert hat, Ambivalenzen auszuhalten.
Wir leben jetzt in "interessanten Zeiten", also in konfliktreichen. Eine Zeit für Vereinfacher vom Schlage Trumps und anderer Populisten, die damit das Bedürfnis nach psychischer Entlastung ihrer Wähler kurzfristig befriedigen, aber langfristig vieles in ihrem Weg zerstören.
Umso bewundernswerter, wenn Yassin Musharbash mit seinem Hintergrund nicht einseitig Partei ergreift, sondern Verständnis für alle Seiten aufbringt. Chapeau!
immernochnachdenklich
vor 4 Tagen
Danke für diese offenen persönlichen Worte! Dieser Text hat mich sehr ergriffen. Und viele Punkte angesprochen, in denen auch ich meine Positionen, meine Überzeugungen immer wieder hinterfrage und in Frage stelle, stellen muss. Das Leid so vieler jüdischer und palästinensicher Menschen, Tod, Hunger, Krankheit...und jetzt die Planung eines Ghettos in Gaza. Wer sagt, er hätte "die" Lösung und "den" Weg , kann nur ein Scharlatan sein.
Deshalb macht der Autor hier eine Aussage, die ich für besonders merkenswert halte.
"Ich beharre außerdem auf meinem Recht, nicht alles zu wissen und mir selbst zu widersprechen. Anders kann ich gar nicht über diese Debatte reden. Mit Sicherheit weiß ich sowieso nur eines: Ich bevorzuge Ehrlichkeit gegenüber falschen Gewissheiten."
g
goldi53
vor 4 Tagen
Chapeau für diesen Artikel! Er beschreibt ein gesellschaftliches und damit persönliches politisches Dilemma, das man nicht besser ausdrücken kann.
K
KürbisKürbis
vor 4 Tagen
Danke!
C
ChaosKat
vor 4 Tagen
Vielen Dank für diesen sehr persönlichen, aufrichtigen und sehr mutigen Artikel. Noch vor 10 oder 20 Jahren war diese Art der Berichterstattung, die sich darum bemüht, komplexe Themen von allen Seiten zu beleuchten, noch deutlich verbreiteter. Das Aushalten von Ambivalenz, von Unsicherheit bezüglich des eigenen Standpunkts kommt uns in immer mehr Lebensbereichen zwischen reißerischen Clickbait-Schlagzeilen, Schwarzweißdenken bis hin zur Radikalisierung und zunehmender Egozentrik doch sehr abhanden.
Das Leid der einen Seite negiert nicht das der anderen, Ein Unrecht macht man nicht mit einem anderen wieder gut. Jeder Mensch, der nur aufgrund seiner Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe pauschal abgewertet, gehasst, als nicht so wichtig oder gefährlich abgestempelt, verbal oder körperlich angegriffen oder schlimmstenfalls so weit entmenschlicht wird, dass ihn zu töten legitim scheint, ist einer zu viel!

Inselbanker
vor 4 Tagen
»Als ob nicht zwei Dinge gleichzeitig wahr sein könnten. … Ich stehe nicht "in der Mitte", was immer das bedeuten soll, aber ich will beide Seiten sehen.«
Diese bemerkenswert authentisch ehrliche Rede macht ähnlich wie der Kommentar von Andrea Böhm, „Beziehung zu Israel – Zweierlei Mitgefühl“ (Zeit.de, 9.7.2025), unmissverständlich klar, dass man sich dem Nah-Ost-Konflikt mit dem vorherrschenden Entweder-oder-Lagerdenken in keiner Weise sinnvoll annähern kann.Die Wirklichkeit ist nun einmal vielfältig und jede einseitige Erklärung bzw. Positionierung geht weit an der Realität vorbei und erzeugt „kompromisslose“ Unerbittlichkeit.
Die zeitgemäße, aber für die meisten ungewohnte Denkweise, verlangt tabulose Vielsicht und das Erfassen möglichst vieler relevanter Faktoren. Die dann folgende angemessene Berücksichtigung dieser gelingt nur in einem wirklichkeitsnahen „Sowohl-als-auch-Denken (= Globale Intelligenz).
Bedauerlicherweise lässt sich immer wieder neu feststellen, dass die wenigsten willens bzw. dazu in der Lage sind, sich gar dagegen immens sträuben, ihr gewohntes Denkmuster zu verlassen.
Viele der essentiellen Herausforderungen verharren so in einer selbst verantworteten Sackgasse.
P
Pinova02
vor 4 Tagen
"Als ob es jemanden zu einem "besseren" Unterstützer Israels macht, wenn er alles abstreitet, was Palästinenser sagen."
Dieser Artikel spricht mir aus dem Herzen. Nach dem 7. Oktober 2023 nam ich an der Solidaritätsdemo für Israel vor dem Brandenburger Tor in Berlin teil. Dort sprach auch der israelische Botschafter, Ron Prosor. Er beklagte sich darüber, dass bei vielen deutschen Unterstützerinnen und Unterstützern Israels nach Solidaritätsbekundungen allzu oft ein "Aber" folge. Angesichts der Ungeheuerlichkeit der Hamas-Gewalt erklärte Prosor nun, dass er diesmal kein "Aber" von deutschen Unterstützerinnen und Unterstützern hören möchte. Mich überkam da ein Unbehagen, das schon mein späteres Entsetzen über die Ungeheuerlichkeit der israelischen Gewalt in Gaza vorwegnahm. Was Prosor da forderte, war eine unbedingte, unkritische Solidarität mit Israel. Alles andere war quasi Antisemitismus. Hier kommt mein "Aber": Ich glaube, dass wir in Deutschland keinen ergebnisorientierten Diskurs hinbekommen werden, solange wir nicht anerkennen, dass im Nahen Osten sowohl die Palästinenser als auch die Israelis komplett außer Rand und Band geraten sind. Eine einseitige Parteinahme nur für die Israelis oder nur für die Palästinenser wird nicht dazu beitragen, dass im Nahen Osten eine dauerhafte Lösung gefunden wird.
H
HolyMoley
vor 4 Tagen
Der Author hat einfach Recht. Der ganze populistische Bullshit bringt uns null weiter - aber wehe man kritisiert populistische/vereinfachte Aussagen: sofort wird man auf die eine oder andere Seite gestellt.
Ansonsten treffen natürlich auch Teile des Authors Kritik auch auf mich zu - daher doppelten Dank für diese wirklich gute und auch nahegehende Analyse des Status Quo. Positionen hiervon werden sicherlich im nächsten Gespräch hilfreich sein ????
B
Briock
vor 4 Tagen
Danke für die Einsicht in Ihre ganz subjektiven Gedanken. Sie schreiben mir aus dem Herzen.
Hier noch mal die so einfachen wie wahren Worte der Margot Friedländer: "Es gibt kein jüdisches, kein muslemisches und kein christliches Blut. Es gibt nur menschliches Blut. Drum sei Mensch!"
MR
Maggy Ritz
vor 4 Tagen
Ich danke Herrn Musharbach von Herzen. Fairness braucht Unterstützung, sie schwächselt so sehr. Ich hätte diesen Artikel gerne in alle Himmelsrichtungen geteilt. Leider ist er nur für Abonentinnen und Abonenten.
p
paraplü
vor 4 Tagen
Meinen herzlichen Dank für diesen Artikel, dem man die (gelungene und selten gewordene) Anstrengung anmerkt, vielen Wahrheiten und Realitäten gerecht zu werden.
Knuddel Winzig
vor 4 Tagen
Danke.
So wahr.
So unmöglich eindeutig Partei zu ergreifen.
So erschreckend, wie viele das trotzdem tun.
H
HeinerN
vor 4 Tagen
Danke. Schwer auszuhalten. Aber nur mit dieser Einstellung ließe sich etwas verbessern.
P
PetersZeit1
vor 4 Tagen
Danke, Herr Musharbash.
DR
Duke Raoul
vor 4 Tagen
Toller Artikel. Danke!
Ich bin immer wieder schockiert, wie Leute starr eine Seite einnehmen und vertreten und das auch von allen anderen erwarten. Irgendwo habe ich mal gelesen der Nahostkonflikt sei kein Fußballmatch, bei dem man sich einfach zu einem Fanlager zuordnet und dann die anderen untergehen sehen will. Leider scheint es aber oftmals so.
Die Rhetorik der extremen Lager ist absurd und ekelhaft. Hier wird Israelkritik als anitisemitisch abgestempelt und dort sympathisiert man blindlings mit menschenverachtenden Terroristen.
Di
Darwin ist gegen impfen
vor 4 Tagen
Sorry, aber es gibt m.E. nach keine Mitte zwischen dem einzigen Land in der gesamten Region, dass seine Staatsoberhäupter frei wählt und so etwas wie eine freie Gesellschaft hat auf der einen Seite. Und islamistischen Fundamentalisten die, entweder als Terrororgansiationen oder Allianzen ganzer Länder “Die Juden zurück ins Meer treiben” wollen, auf der anderen Seite.
O
OldSpunk
vor 4 Tagen
Ja. So erlebe ich das auch. Als ob nicht zwei Dinge gleichzeitig wahr sein können. Und die die vielleicht keinem Lager angehören wollen, so wie ich, schweigen immer öfter. Sehr wahr, sehr schade. Das direkt Betroffene so empfinden kann ich gut nachvollziehen. Wenn man z.b ein Familienmitglied verloren hat, kann man vielleicht die andere Seite nicht mehr sehen und verstehen wollen. Ginge mir vielleicht genauso.
Aber alle anderen könnten etwas demütiger und weniger selbstgewiss sein.
Ein sehr guter Artikel.
L
Lemure
vor 4 Tagen
Danke für diese Zeilen. Sie bringen genau die Verzweiflung auf den Punkt, die ich so oft spüre, wenn ich diesem elenden Entweder-Oder, diesem Lagerdenken und der Erbitterung, mit der es aufrechterhalten wird, in Gesprächen begegne. Ich verstumme dann, müde und ratlos. Und gleichzeitig will ich genau das nicht, verstummen. Will weiter den Blick und das Herz offen halten für die Vielschichtigkeit der Welt und das Leben und Leiden der Menschen inmitten dieser Welt. Ich glaube, wenn wir diese Offenheit im Blick und Kopf und Herzen aufgeben, geben wir unsere Menschlichkeit auf, immer ein kleines Stückchen. Und das geht auf gar keinen Fall, denn dann gewinnen die Menschenfeinde auf allen Seiten, die Machthungrigen, die Propagandisten des "Wir gegen die".
Kd
Kind der 80er
vor 4 Tagen
Vielen Dank für diesen wohltuenden Artikel, der zeigt wie komplex und widersprüchlich die Realität ist. Leider wird aber auch hier eine Bubble angesprochen, die sich in ihren Meinungen relativ einig ist. Wir sollten immer das Gespräch mit den Andersdenkenden suchen bzw. versuchen. Dann kann sich vielleicht langsam etwas ändern. Die andere Möglichkeit eine Änderung in Gang zu setzen ist, sich in den politischen Diskurs aktiv einzumischen über das Wahlverhalten, Volksabstimmung oder Petitionen.
RM
Robert Merk
vor 4 Tagen
Danke für diese Meinung!
Ich fürchte die Entmenschlichung im Nah-Ost-Konflikt, die sich im Terror vom 07.10. ausdrückte, die sich aber auch in der Art der Kriegsführung in Gaza ausdrückt, ist nur duch menschliche Begegnung zu heilen. Ich denke dabei an die systematischen Begegnungen zwischen Deutschen und Franzosen nach dem zweiten Weltkrieg, die jetzt, 80 Jahre später, eine deutsch-französiche Freundschaft möglich macht.
Allerdings habe ich die Befürchtung, dass hierfür, aufgrund der weltpolitischen Abläufe - immer mehr rechte Hetze gegen alles was nicht vermeintlich zur jeweils eigenen Gemeinschaft gehört - das Fenster noch sehr lange geschlossen bleiben wird. Das ist nicht nur bedauerlich, sondern wird auf beiden Seiten des Konflikts noch viele, viele Menschenleben kosten - selbst wenn der Konflikt 'beendet' sein sollte, wird er noch in den Seelen der Menschen weiterschwelen, ihre Kommunikation, ihr gegenseitiges Erleben und vielleicht Zusammenleben, massiv und dauerhaft einschränken.
Hoffen wir dennoch, dass sich Menschen, ob israelischer oder palästinensischer Herkunft, ob jüdisch oder muslimisch, als Menschen ansehen, als Menschen begegnen und als Menschen respektieren. Alles andere führt nur zu noch mehr Hass und Vernichtung.
Das entbindet jedoch niemanden von der Verantwortung für eigene begangene Verbrechen - weder auf der einen, noch auf der anderen Seite! Es wäre dabei hilfreich, die eigenen Verbrechen zu betrachten und nicht immer nur auf die der anderen zu zeigen.
K
KattaLemur
vor 4 Tagen
Vielen Dank für diesen wichtigen Artikel! Und für den Mut diesen zu schreiben!

Runkelstoss
vor 4 Tagen
Der frühere Aussenminister Joschka Fischer hat zum sog. Nahost Konflikt mal gesagt, die Tragik sei, dass beide Seiten recht und beide Seiten unrecht hätten.
Das bringt es leider gut auf den Punkt.
S
Senfwasser
vor 4 Tagen
In Mitteleuropa haben wir Mitte des letzten Jahrhunderts festgestellt, dass "Erbfeindschaften" nur zu beenden sind, wenn beide Seiten bereit sind, vergangenes Unrecht zu "vergessen", sich die Hand zu reichen gegenseitige Grenzen anzuerkennen.
Sich gegenseitig Schuld zuzuweisen oder auf Ansprüche aus der Bronzezeit zu bestehen, hilft nicht.
T
Temporalität
vor 4 Tagen
Es ist so, beide Seiten sind nach endlosen Verwundungen polarisiert. Und das ist von seiten der dort gerade Herrschenden gewollt. Das Volk ist denen das Mittel zum Zweck und wir mißbraucht mit den Mitteln Nationalismus, Religion, Rassismus, Gewaltausübung ... die üblichen Werkzeuge, Menschen den Verstand zu vernebeln um sie zu gefügigen Mitläufern und Aktivisten zu machen.
Nur wo ist der Ausweg aus dieser Sackgasse?
Man müßte jedem Bewohner der Region vor Augen führen, dass sie gleichberechtigte Menschen sein könnten, wenn sie sich nicht von ihren Herrschern aufstacheln ließen. Diese schon an sich kaum mögliche soziale und psychologische Arbeit wird zudem von den Herrschern nicht zugelassen, denn es würde ihnen die Macht nehmen - die Hamas würde ihre Existenz verlieren, Netanyahu die Macht.
Also weiter: Nur wo ist der Ausweg aus dieser Sackgasse?
Wer könnte könnte den Gazastreifen kontrollieren, dass er nicht sofort wieder zur Waffen starrenden Festung von Terroristen wird? Die Hamas ist noch immer Herrscher dort, und es gäbe viele Palästinenser, die es in gleicher Weise fortführen wollen.
Nach Jahrzehnten der Kriege sehe ich keine Chance für ein friedliches Fortbestehen des Gazastreifens, so übel es auch ist.
Die Alliierten haben Deutschland vor 90 Jahren bis zur bedingungslosen Kapitulation bomben müssen, die Gewalt im Land übernehmen, 10 Jahre lang als Besatzungmacht agieren, erst 46 Jahre später wirkliche Unabhängigkeit zugelassen um die Nazigesinnung zu kontrollieren.
SN
Schatten_Nike
vor 4 Tagen
Danke für ihre Offenheit und diesen schönen Artikel!
S
Sidosch
vor 4 Tagen
Danke für Ihre Reflexionen und Ihre Offenheit - und für das Teilen Ihrer Verzweiflung...mir geht es auch so...
L
Laschefski
vor 4 Tagen
So zu argumentieren war 11/2 auch hier in den Kommentaren der Zeit unmöglich. Wurde gelöscht oder einfach nicht veröffentlicht.
C2
Cala 2
vor 4 Tagen
Berührend, danke, dennoch ich habe meine Meinug, der Genozid an den Menschen in Gaza muss gestoppt werden. Und die Welt darf nicht weiter dabei zusehen.
h
h2m1
vor 4 Tagen
Vielen Dank für diesen Artikel, er drückt genau das aus was ich versuche zu vermitteln. Wenn das Leiden beider Seiten nicht gesehen wird kann es keinen gerechten Frieden geben.
Ich bin deshalb auch konsequent für eine zwei Staatenlösung und später, wenn dies möglich ist, für eine Haifa Republik mit gleichen Rechten für alle. Und nochmals zu Erinnerung, sowohl Juden als auch Araber sind Semiten.
(Ich bin Albalgerier, jedoch kein Araber sondern Kabyl)
rp
ritorniamo piu forte
vor 4 Tagen
Eine persönliche Sicht und Erfahrung ermöglicht erst die Empathie, die den Toten, an Seele oder Körper Verletzten, die dem Leid auf beiden Seiten auch nur annähernd gerecht werden kann. Nur auf dieser Ebene wird überhaupt Verständigung entstehen können. Dies muß in die Politik und Köpfe der Akteure transportiert werden. Historisierende oder parteipolitische Narrative werden das kaum von alleine leisten können.
Dies sieht man auch in den Diskussionen, die sich weitgehend in politischen und normativen Kategorien erschöpfen, wo die Positionen weitgehend bezogen sind und nur noch, mehr oder weniger zwingend, verteidigt werden und medial befeuert werden.
V
VCihe
vor 4 Tagen
Super Artikel! Leider ist eine so differenzierte Sicht der Dinge für einige Menschen unmöglich und für einen anderen (nicht unerheblich großen) Teil der Menschen zu anstrengend! Dann lieber polarisieren, da muss man nicht so viel selber denken.
T
Temporalität
vor 4 Tagen
Der Autor liefert eine passende Situationsbeschreibung. Ja, "wer in der Mitte steht macht sich verdächtig". Das erinnert doch sehr an "wer nicht für uns ist, ist gegen uns". So schafft man eine Freund-Feind Situation, unüberwindliche Gegensätze, unterbindet Kommunikation und Lösungen.
Diese Beschreibung hebt sich wohltuend ab, von den endlosen Versuchen, den vermeintlich klaren Schuldigen zu benennen, den endlosen Versuchen, die jede friedliche Lösung unmöglich machen.
Leider dominiert sie jedoch, denn sie dient den Herrschenden und wird propagandistisch unterstützt. Ohne Propaganda wären nicht Zehntausende Palästinenser und Unterstützer auf unseren Straßen am protestieren. Ohen Propaganda wäre Netanyahu längst nicht mehr an der Macht.
Leider ist aber das damit betriebene Unterbinden einer friedlichen Lösung seit Jahrzehnten erfolgreich.
Darum ist dieser Artikel, so wohltuend er auch ist, leider nicht in der Lage, die Situation zu verändern. Denn dazu braucht es weit mehr globale Medienmacht. Schön wäre, wenn es ein Anfang sein könnte. Es funktioniert nur im Kleinen, es fehlt die breite Wirksamkeit bis in die hintersten Ecken.
S8
Steffi_83
vor 4 Tagen
Letztens gesehen, Menschen mit palästinensischen Hintergrund, halten Bilder toter jüdischer Kinder hoch und mache so auf ihr Leid aufmerksam und andersrum jüdische Israelis Bilder toter palästinensischer Kinder. Genau so!
vincentvision
vor 4 Tagen
„Wer in der Mitte steht, macht sich verdächtig“
Ich finde, es machen sich bei vielen eher die verdächtig, die es wagen, vor lauter Humanismus die Menschen in Gaza und deren tausendfaches Leid auch nur zu erwähnen.
Denn dann prasseln automatisch und viel zu schnell „Antisemitismus“ und pauschale „Alles Terroristen dort“-Reflexe vom rechten Rand auf sie nieder. Kritik an der israelischen Regierung (nein, nicht „den Juden!“) bedeutet für viele dort sofort ein sofortiges Einstehen für die Hamas, nichts anderes!
Und das ist für mich die viel relevantere Ursache, warum es so schwer ist, über den Nahost-Konflikt zu sprechen.
Melker Melkersson
vor 4 Tagen
"Du bist halb deutsch und halb arabisch? Da ist ja nicht viel zum Liebhaben", sagte er. Wenn die andere Person ein Gewehr in der Hand hält, ist es schwer zu sagen, ob sie einen Scherz macht. Denkbar. Es schmerzte trotzdem.
Ich musste trotzdem sehr lachen.Die Welt wäre ärmer ohne jüdischen Humor.
Maggel
vor 4 Tagen
Das Bild der Fototapete trifft und beschämt mich, es geht nicht um mich und meine Meinung. Vielen Dank!
n
niemanma
vor 4 Tagen
Wenn Kinder in Krankenhäusern und Flüchtlingheime bombadiert werden, es immer noch Menschen gibt, die das relativieren, hört die Kommunikation auf. Mit solchen Menschen spreche ich offensichtlich nicht die selbe Sprache. Erinnert sehr an den Turmbau zu Babel, wir verstehen uns einfach nicht mehr.
M
Medianwähler
vor 4 Tagen
Genau darin liegt die erschreckende Macht der falschen Gewissheiten: Ganz allmählich sorgt sie dafür, dass jene aus der Debatte gedrängt werden oder sie freiwillig verlassen, die eigentlich etwas beizutragen hätten, sich jedoch entweder nicht mehr trauen, teilzunehmen – oder die Hoffnung aufgegeben haben, dass die Debatte zu etwas Fruchtbarem führen könnte.Wir aber hören das Schweigen der fehlenden Stimmen nicht mal mehr. Das Schweigen derer, die nicht in eine Ecke gedrängt werden wollen. Die Angst haben, dass ihnen das Wort im Mund umgedreht wird, dass sie sowieso missverstanden werden.
So ist es.
Man kann sogar mit einigem Recht behaupten, dass es fast niemanden mehr gibt, der überhaupt noch "gefahrlos" hierzu beitragen kann.
Deswegen ist eigentlich nur eins sicher, was diesen Konflikt angeht: dass als allererstes verbal abgerüstet werden muss. Und sogar fast überall auf der Welt, denn es wird fast überall auf der Welt darüber gesprochen. Ganz sicher in Europa und im Nahen Osten selbst und in den USA.
Anders kann es gar nicht gehen. Denn wir sind längst meilenweit jenseits sogar des Punktes, wo es selbst die Wohlwollendsten es nicht mehr schaffen, oder nur noch ganz selten schaffen, hierüber Dinge zu sagen, die nicht sofort wieder Öl ins Feuer gießen.
Dieser Artikel mag eine Ausnahme sein - hat aber natürlich sehr Recht damit, dass er befürchtet, dass das nicht ausreicht.
Sepp1848
vor 3 Tagen
Es ist immer wieder erstaunlich wie im Nahostkonflikt eine Geschichtskittung stattfindet und mit auf die Tränendrüse drückenden Artikeln versucht wird, die Situation zu erklären oder zu verstehen. Es wird von Apartheid und Genozid gesprochen, dass die Golanhöhen und das Westjordanland völkerrechtswidrig von Israel besetzt worden seien. Das sind doch hanebüchene Erzählungen und Fantastereien. So wie die UDSSR Teile des Deutschen Reiches erobert hat, hat Israel in ihren Verteidigungskriegen diese Gebiete von Syrien und dem Königreich Jordanien erobert.
In Israel können arabischstämmige Israelis genauso frei leben wie wir in Deutschland. Sie werden weder politisch verfolgt noch wegen ihrer muslimischen Religion benachteiligt. Die Bewohner des Westjordanland hatten in den vergangenen Jahrhunderten keinen eigenen Staat und waren entweder Teil des osmanischen Reiches, Teil des Commonwealth oder Transjordanien bzw. Königreich Jordaniens. Die Einwohner des Westjordanlands sollen doch froh sein, dass sie Israelis werden können. Das in der zerstrittenen arabischen Welt mit ach so vielen lupenreinen Demokratien dem Islamismus und dem Terrorismus weiterhin nicht abgeschwört wird, macht die Situation nicht besser.
Das es keine Zweistaatenlösung gibt, liegt an der Ablehnung dieser im Jahr 1947. Klar, bin ich hier mit meier proisraelischen Einstellung auf verlorenem Posten. .
h
heldinderarbeit
vor 4 Tagen
Sehr guter Text! Es wäre toll, wenn man ihn teilen könnte...
A
Acamat
vor 4 Tagen
Exzellenter Artikel. Sie sprechen mir auch aus dem Herzen. Danke für Ihren Mut und Ihre Aufrichtigkeit!
0
0815NAS
vor 4 Tagen
Fantastischer Text. Und dennoch: Die Verbrechen der Hamas und die Verbrechen der israelischen Regierung, für beide gilt: das muss laut verurteilt und geahndet werden. wer schweigt, macht sich mitschuldig.
GS
Green-San
vor 4 Tagen
Sehr ehrlicher und aufwühlender Artikel, Danke dafür. Leider ist jedoch gerade die Zeit, die ich früher sehr gern abonniert habe, häufig genug selbst eher aktivistisch als informierend unterwegs. Seitdem abonniere ich sie nicht mehr so gerne. Vor allem seit Covid ist die Tendenz sehr ausgeprägt, unbedingt auf der "richtigen Seite" stehen zu wollen und mit der "Ampel" wurde es noch schlimmer. Ich hoffe, das ändert sich wieder.
T
Tom2009
vor 4 Tagen
Danke! Der Artikel und Reaktionen der Leser:innen die ich gerad gelesen habe zeigt, dass wir mit einem differenzierten "zwischen allen Stühlen " doch nicht so alleine dastehen wie es oft den Anschein hat, macht Mut.

Veganes Hack
vor 4 Tagen
Hallo, Herr Musharbash
I feel you.
Danke, das kann ich alles unterschreiben. Eine differenzierte Diskussion in Grautoenen ist auch hier nur noch in Ausnahmefaellen moeglich.
p
posno
vor 4 Tagen
Danke!
n
noralie
vor 4 Tagen
Wenn wir generell mehr "sowohl als auch" anstatt "entweder oder" denken würden, wäre die Welt ein besserer Ort.
"Entweder-Oder" entsteht aus einem Gefühl des Mangels (entweder wir oder die anderen) und führt zu Gegeneinander, Konkurrenz, Kampf, Ausgrenzung, Unterdrückung, Herrschsucht etc.
"Sowohl als auch" entsteht aus dem Gefühl der Fülle (es ist genug für alle da) und führt zu Kooperation, Empathie, Miteinander, Frieden und Sicherheit.
Danke für den großartigen Artikel! Er spricht mir aus der Seele.
m
madonna64
vor 4 Tagen
Gratulation an die Autorin und die Zeit für den Mut einer differenzierten Stellungnahme.
hoffentlich handelt unsere Regierung auch differenziert.
nichts anderes als unsere Menschlichkeit steht auf dem Spiel.
Gr
Grego_r
vor 4 Tagen
Vielen Dank für diese Einladung zum Dialog. Hier mein Beitrag dazu. Ich bin kein Experte und nicht direkt betroffen.
Noch nie hatte eine palästinensische Führung die friedliche Nachbarschaft eines palästinensischen und eines jüdischen Staates im Sinn. Sie hielt stets Mohammed Al Husseini in Ehren, der alle Juden töten wollte.
Die Zweistaatenlösung war bisher in der palästinensischen Diplomatie ausschließlich Thema in Kombination mit dem "Rückkehrrecht der Flüchtlinge". Dafür müsste Israel den bald sechs Millionen Nachkommen palästinensischer Flüchtlinge auf Wunsch die israelische Staatsbürgerschaft gewähren. Eine so verstandene Zweistaatenlösung wäre nur ein Zwischenschritt vor der Vertreibung aller Juden aus Israel.
Es mussten nicht nur Palästinenser aus Israel fliehen, sondern auch Juden aus den arabischen Ländern. Heute leben in Israel (10 Mio. Einwohner) 2 Millionen rechtlich gleichgestellte Araber, in den arabischen Ländern (400 Mio. Einwohner) nur noch wenige tausend Juden.
Die Hamas will Israel zerstören. Diese Bedrohung in Schach zu halten: Damit hat es Israel lange genug sein lassen. Doch seit dem 7. Oktober tut es mit Hamas-Gaza, was die Alliierten mit Nazi-Deutschland getan haben, und mit demselben Recht. Nur dass Israel die Zivilbevölkerung warnt, bevor es ihre Häuser bombardiert.
Die palästinensische Zivilbevölkerung muss geschont werden. Aber die israelischen Streitkräfte demotivieren? Auf keinen Fall. Siehe Afghanistan.
Info: https://www.zeit.de/2025/29/debatte-nahostkonflikt-israel-gazastreifen-humanitaere-lage?freebie=eca68186
unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.