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30.08.2025

vdLeyen, Merz, Macron: "Putin ist ein Raubtier"

aus e-mail von Doris Pumphrey, 30. August, 12:50 Uhr


*Von der Leyen: "Putin ist ein Raubtier"

*Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit der lettischen

Premierministerin Evika Siliņa warb von der Leyen für die

EU-Aufrüstungspläne und bezeichnete dabei den russischen Präsidenten

Wladimir Putin als "Raubtier". Angesichts der Drohungen Putins und

"seiner Handlanger" müsse die Europäische Union mehr Verantwortung für

die eigene Verteidigung übernehmen, mahnte von der Leyen.

/Siehe im

Video:/https://rumble.com/v6y8eha-von-der-leyen-putin-ist-ein-raubtier.html



Anti-Spiegel 29.8.205

<https://anti-spiegel.ru/2025/merz-behauptet-deutschland-befinde-sei-mit-russland-im-konfliktzustand/>


*Merz behauptet, Deutschland sei mit Russland im Konfliktzustand*

PARIS, 29. August. /TASS/. Deutschland befindet sich laut Bundeskanzler

Friedrich Merz im Konfliktzustand mit Russland. Das erklärte er in einem

Interview mit dem französischen Fernsehsender LCI. „Wir sind bereits im

Konfliktzustand mit Russland“, sagte der deutsche Kanzler.


Diese Situation hängt seiner Meinung nach damit zusammen, dass Russland

angeblich „große Teile“ Deutschlands destabilisiere und über soziale

Netzwerke Operationen zur Einmischung durchführe. Laut Merz berichten

ihm Geheimdienste von täglichen Angriffen auf die Infrastruktur und der

Einflussnahme Russlands auf die öffentliche Meinung. *Merz sagte auch,

dass er „den russischen Präsidenten Wladimir Putin genau so sehe“, als

ihn ein Fernsehjournalist um einen Kommentar zu den Worten des

französischen Präsidenten Emmanuel Macron bat, der den russischen

Präsidenten als „Raubtier vor der Tür“ Europas bezeichnet hatte.


*Maria Sacharowa, die Sprecherin des russischen Außenministeriums, hatte

zuvor erklärt, dass die Äußerungen des französischen Präsidenten

manchmal die Grenzen von Vernunft und Anstand überschreiten und zu

niederträchtigen Beleidigungen Russlands und seines Volkes würden. Sie

wies darauf hin, dass Macrons Äußerungen über ein „Raubtier“ und

„Kannibalen“ in der Person des russischen Präsidenten im Kontext der

Ukraine-Krise erfolgten. Sie betonte, dass die Situation um die Ukraine

in hohem Maße „durch die aktive Beteiligung von Macrons Vorgängern, den

früheren Präsidenten Frankreichs, provoziert“ worden sei. Sacharowa

fügte hinzu, dass Frankreich aktiv am Staatsstreich in der Ukraine

beteiligt gewesen sei und dass diese Politik tatsächlich raubtierhaft sei.


Was die Äußerungen zum Konflikt zwischen Deutschland und Russland

betrifft, so löste eine solche Aussage der ehemaligen Außenministerin

Annalena Baerbock in der Vergangenheit Debatten im Land aus und wurde

später vom Pressedienst des Außenministeriums zurückgewiesen. In einer

Rede vor der Parlamentarischen Versammlung des Europarats in Straßburg

behauptete Baerbock im Januar 2023, die europäischen Länder „führen

einen Krieg gegen Russland, nicht gegeneinander“, und forderte

verstärkte Hilfen für Kiew. Die Ministerin erklärte außerdem:

„Deutschland befindet sich bereits im Krieg mit Russland.“ Wegen mit

dieser Aussage erklärte das deutsche Außenministerium gegenüber der

Bild-Zeitung, dass die Unterstützung Kiews Deutschland nicht zu einer

Konfliktpartei in der Ukraine mache.


unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

30.08.2025

Der US-Rüstungskomplex auf dem Weg der globalen Expansion

freedert.online, vom 29 Aug. 2025 18:44 Uhr, Von Rainer Rupp

Der militärisch-industrielle Komplex der Vereinigten Staaten steht vor einer beispiellosen Phase der globalen Expansion, was zwangsläufig geopolitische Konsequenzen haben wird, insbesondere im Verhältnis zu China und Russland.


Quelle: www.globallookpress.com © Justin Tang


Modell der F-35 am Stand von Lockheed auf der kanadischen Rüstungsmesse CANSEC, 28.05.2025


Während die Nachfrage nach hochentwickelten Waffensystemen aufgrund geopolitischer Spannungen in Europa und Asien steigt, setzt z. B. der US-amerikanische Rüstungsgigant Lockheed Martin auf eine strategische Internationalisierung seiner Produktionskapazitäten, die in den USA kurzfristig nicht erweitert werden können. Deshalb müssen Länder wie Polen oder Deutschland, die dringend US-Waffen wie Patriot-Raketen oder F-35-Kampfjets haben wollen, oft Jahre auf Lieferung warten.

Polen beispielsweise hat 2024 Verhandlungen über den Kauf von bis zu 486 HIMARS-Systemen aufgenommen, doch selbst bei voller Produktionsauslastung der industriellen Kapazitäten in den USA würde die Auslieferung viele Jahre dauern. Die Internationalisierung der Produktion soll diese Verzögerungen abmildern und gleichzeitig europäische Staaten enger an die USA binden.


EU-Länder müssen jahrelang warten, um an Kiew gelieferte Patriot-Systeme zu ersetzen





EU-Länder müssen jahrelang warten, um an Kiew gelieferte Patriot-Systeme zu ersetzen






Der offensichtliche Grund für diese Entwicklung ist, dass in den USA die notwendigen Fachkräfte für die rasche Ausweitung der Produktion komplexer Waffensysteme im Bereich der Hochtechnologie fehlen. Zugleich haben die USA auf dem internationalen Arbeitsmarkt für qualifizierte Techniker, Ingenieure und Wissenschaftler viel von ihrer früheren Anziehungskraft verloren. Um wenigstens mittelfristig genügend technisch und naturwissenschaftlich versierte junge Leute für die Rüstungsindustrie hervorzubringen, müsste erst das gesamte US-Bildungssystem umgestellt werden.

Das sind die Hauptgründe, weshalb angesichts der explosiv gestiegenen Nachfrage für moderne US-Waffen führende US-Rüstungskonzerne darangegangen sind, Teile ihrer Produktion in befreundete Länder in Europa und Asien auszulagern. Das ist zwar nicht im Sinne von Präsident Trump, der sich von dieser von ihm selbst bei den Verbündeten angestachelten Nachfrageerhöhung nach US-Waffen vor allem in den USA einen starken Beschäftigungseffekt mit gut bezahlten Jobs in den verarmten Regionen des Landes erhofft hat. Fakt ist jedoch, dass sich aktuell – von der Herstellung von Patriot-Raketen in Europa bis hin zu neuen militärischen Forschungs- und Entwicklungszentren in Asien – ein klarer Trend abzeichnet: Die USA bauen ihre militärische Präsenz und ihren Einfluss durch industrielle Partnerschaften weltweit aus.

Expansion in Europa: Patriot, Javelin und GMLRS

Lockheed Martin, einer der größten Rüstungskonzerne der Welt, plant, die Produktion des Patriot PAC-3-Raketensystems nach Europa auszuweiten. Bislang wurden diese Raketen ausschließlich in den USA und Japan gefertigt. Nun soll Europa als dritte Produktionsregion hinzukommen, um die wachsende Nachfrage nach diesen Luftabwehrsystemen zu decken, die durch den Krieg in der Ukraine und die Aufrüstung europäischer NATO-Staaten und der Länder im Mittleren Osten angeheizt wird. "Es gibt weltweit genug Arbeit, also suchen wir nach strategischen Partnerschaften, um unsere Mission zu erfüllen", erklärte Jason Reynolds, ein hochrangiger Lockheed-Manager, auf der diesjährigen "Paris Air Show 2025".

Trotz ihres Versagens in der Ukraine gegen die revolutionären russischen Hyperschallraketen mit ihren nicht berechenbaren Flugbahnen bleiben die Patriot-Raketen anscheinend weiterhin ein zentrales Element der westlichen Luftverteidigung. Doch die Produktion der Patriot ist längst an ihre Grenzen gestoßen, insbesondere beim sogenannten "Sucher". Das ist ein entscheidendes Bauteil, das bisher ausschließlich von Boeing geliefert wird. Der US-Armee ist es jedoch ein besonderes Anliegen, einen zweiten Lieferanten für dieses Bauteil zu finden, um im Ernstfall Engpässe zu vermeiden. Diese Maßnahme zeigt beispielhaft, wie dringend die USA in Engpässen ihre Lieferketten diversifizieren wollen, um die steigende Nachfrage zu bewältigen.


Exporte in die Ukraine auf Platz eins – Deutsche Rüstungsexporte auf Rekordhöhe





Exporte in die Ukraine auf Platz eins – Deutsche Rüstungsexporte auf Rekordhöhe






Neben den Patriot-Raketen plant Lockheed, die Produktion anderer Waffensysteme nach Europa zu verlagern. Polen spielt hierbei eine Schlüsselrolle: Das Land hat sich dazu bereit erklärt, als erstes außerhalb der USA die Javelin-Panzerabwehrraketen zu produzieren. Diese Entscheidung ist nicht nur wirtschaftlich, sondern auch strategisch motiviert, da Polen durch seine geografische Nähe zu Russland ein zentraler Akteur in der NATO-Osterweiterung ist, von der sich die Investitionsstrategen der US-Rüstungskonzerne offensichtlich noch mehr Waffenkäufe erwarten.

Auch Deutschland möchten die Amerikaner stärker einbinden. Laut einer aktuellen Meldung der Wirtschaftswoche hat ein Lockheed-Manager Interesse an Rheinmetall bekundet, um dort das Waffensystem ATACMS und Hellfire-Raketen herstellen zu lassen.

Darüber hinaus soll die Produktion von Komponenten für das Guided Multiple Launch Rocket System (GMLRS) (Multiples Werfersystem für lenkbare Artillerieraketen) nach Polen verlagert werden, während in Großbritannien, wo bereits Javelin-Raketen hergestellt werden, die diesbezüglichen Kapazitäten ausgebaut werden sollen. Diese Schritte sind Teil eines größeren Trends, der auch die Verlagerung von heimischen US-Rüstungskapazitäten in asiatische Länder vorsieht.

Lockheeds militärisches R&D-Zentrum in den Philippinen

Parallel zur europäischen Expansion setzt Lockheed Martin auf den asiatisch-pazifischen Raum, um auch in dieser Region seinen Einfluss zu sichern. Ein prominentes Beispiel ist die geplante Errichtung eines Forschungs- und Entwicklungszentrums (R&D) in Manila, der Hauptstadt der Philippinen. Dieses Zentrum wird in Zusammenarbeit mit der Southern Methodist University (SMU) und philippinischen Universitäten sowie privaten Unternehmen betrieben. Es ist Teil von Lockheeds Angebot für das philippinische Multi-Role-Jet-Fighter-Programm, das die Lieferung von 70 F-16-B-Kampfjets umfasst. Jess Koloini, Leiter der Geschäftsentwicklung für das F-16-Programm, beschreibt die Partnerschaft als Investition in "neue technologische Fähigkeiten und geistiges Eigentum", die nicht nur die Verteidigungsfähigkeit der Philippinen stärken, sondern auch wirtschaftliches Wachstum und Arbeitsplätze fördern soll.


Streik bei Boeing – diesmal in der Rüstungssparte





Streik bei Boeing – diesmal in der Rüstungssparte







Doch diese Initiative hat eine geopolitische Dimension, die weit über wirtschaftliche Vorteile hinausgeht. Analysten sehen in dem R&D-Zentrum einen "Soft-Power-Ansatz mit Hard-Power-Effekten", der China aufhorchen lässt. Denn die Philippinen sind ein zentraler Akteur in den territorialen Streitigkeiten mit China im Südchinesischen Meer, der – mit dem Pentagon im Rücken – auch vor antichinesischen Provokationen nicht zurückschreckt. Die Präsenz eines US-Rüstungskonzerns in Manila bindet das Land noch enger in das Sicherheitsgefüge der USA ein und sendet ein klares Signal an Peking. Insbesondere die Modernisierung der philippinischen Streitkräfte durch US-Technologie, etwa die F-16-Jets, wird von westlichen Kommentatoren als natürliche Reaktion auf Chinas wachsende militärische Präsenz in der Region gewertet.

Geopolitische Implikationen

Die globale Expansion des US-amerikanischen Rüstungskomplexes ist nicht nur eine Antwort auf Produktionsengpässe, sondern auch ein strategischer Schachzug, um dem Trend zu einer zunehmend multipolaren Welt entgegenzuwirken. In Europa dient die verstärkte Produktion von Patriot-, Javelin- und GMLRS-Systemen der Stärkung der NATO und der Bedrohung (im NATO-Jargon Abschreckung) Russlands, insbesondere vor dem Hintergrund des Ukraine-Konflikts. Die massive Aufrüstung europäischer Staaten, die mit dem Krieg in der Ukraine gerechtfertigt wird, hat die Nachfrage nach US-Waffen in die Höhe getrieben. Mit Lockheed Martins Verlagerung von Produktionskapazitäten in Länder wie Polen positioniert sich der Konzern geopolitisch optimal für weitere Kriegsgeschäfte.

In Asien wiederum zielt die Expansion darauf ab, den wachsenden Einfluss Chinas zurückzudrängen. Die Stationierung von chinesischen H-6-Bombern auf den Paracel-Inseln, die mit Anti-Schiff-Raketen und Boden-Luft-Marschflugkörpern ausgerüstet sind, und die Modernisierung der chinesischen Marine haben die USA zum Anlass genommen, um die Spannungen im Südchinesischen Meer zu verschärfen. Das R&D-Zentrum in Manila soll daher ein klares Zeichen setzen, dass die USA ihre Verbündeten in der Region militärisch und technologisch aufrüsten wollen, um ein Gegengewicht zu China zu schaffen. Doch diese Strategie birgt Risiken, denn China wird seine Hände nicht in den Schoß legen und dieser Entwicklung tatenlos zusehen.

Kritische Perspektiven: Provokation oder Partnerschaft?

Die Expansion des US-Rüstungskomplexes wirft eine Reihe kritischer Fragen auf. In Deutschland hat die Friedensbewegung begonnen, die Rolle des Westens in globalen Konflikten neu zu bewerten. Organisationen wie die Deutsche Friedensgesellschaft (DFG-VK) und "Rheinmetall entwaffnen" kritisieren die "Aufrüstungsspirale" und die "militärische Doppelmoral" des Westens, die durch Waffenlieferungen Konflikte wie in der Ukraine anheizen. Die Verlagerung von US-Rüstungsproduktion nach Europa könnte als Teil dieser Spirale gesehen werden, die nicht nur Russland, sondern auch andere Akteure wie China provoziert.


Medien: Europa kann Kiew ohne US-Beteiligung nicht helfen





Medien: Europa kann Kiew ohne US-Beteiligung nicht helfen






Zudem besteht die Gefahr, dass die Abhängigkeit europäischer und asiatischer Staaten von US-Waffen ihre strategische Autonomie noch weiter einschränkt. Polen und die Philippinen etwa werden durch die Zusammenarbeit mit Lockheed Martin noch enger an die geopolitischen Interessen der USA gebunden. Dies könnte langfristig Spannungen mit anderen Großmächten verschärfen und die Aussicht auf diplomatische Lösungen erschweren.

Die Expansion des US-amerikanischen Rüstungskomplexes unter der Führung von Lockheed Martin – in Abstimmung mit dem US-Kriegsministerium Pentagon – ist ein komplexes Unterfangen mit weitreichenden Implikationen. In Europa wird dadurch die NATO mit ihren Drohgebärden gegen Russland gestärkt, während Washington damit China in dessen asiatischem Hinterhof provozieren will. Wenn Lockheed Martin trotzdem von einer "Win-win-Situation" für die beteiligten Länder spricht, ist die Antwort auf die Frage, ob diese Expansion Frieden und Stabilität fördert oder neue Konflikte heraufbeschwört, schon jetzt klar!


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Screenshot_2025_08_31_at_18_00_51_Der_US_R_stungskomplex_auf_dem_Weg_der_globalen_Expansion_RT_DE

Video https://rumble.com/v6y88z6-wagenknecht-der-sozialstaat-ist-nicht-mehr-finanzierbar-der-ukraine-krieg-a.html Dauer 4:57 Min.


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30.08.2025

Peskow gibt Details zu Putins bevorstehender Reise nach China bekannt

freedert.online, 29 Aug. 2025 22:00 Uhr

Am Sonntag beginnt Wladimir Putins Arbeitsreise nach China. Es werden umfangreiche bilaterale Gespräche erwartet. Der russische Präsident wird auch am SOZ-Gipfeltreffen und an den Feierlichkeiten zum 80. Jahrestag des Sieges im chinesischen Widerstandskrieg gegen Japan teilnehmen.


Peskow gibt Details zu Putins bevorstehender Reise nach China bekanntQuelle: TASS © Sofja Sandurskaja


Der russische Staatschef Wladimir Putin und der chinesische Präsident Xi Jinping bei einem Treffen im Kreml am 8. Mai 2025.


Das Programm des groß angelegten Besuchs von Präsident Wladimir Putin in China beginnt am Sonntagnachmittag, dem 31. August. Dies gab Kreml-Sprecher Dmitri Peskow am Freitag auf einer Pressekonferenz bekannt. "Was unsere Beziehungen zu China angeht, so handelt es sich um eine besonders privilegierte strategische Partnerschaft, die wir sehr schätzen", betonte Peskow. "Die Bedeutung dieser Beziehungen kann derzeit kaum überschätzt werden." Die beiden Seiten seien sich einig, dass das Potenzial ihrer Beziehungen noch nicht ausgeschöpft sei, fügte Peskow hinzu.

Im Vorfeld seiner Reise hat der russische Staatschef den chinesischen Medien ein Interview gegeben. Der Kreml gehe davon aus, dass das Interview in der Nacht zum Samstag veröffentlicht werde, so Peskow.

Im Rahmen seiner Reise wird der Präsident die Stadt Tianjin besuchen, wo die Gipfeltreffen der Schanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ) und SOZ-Plus stattfinden. 


Xi Jinping schreibt geheimen Brief an indische Behörden






Xi Jinping schreibt geheimen Brief an indische Behörden






Dann reist Putin nach Peking. Laut Juri Uschakow, dem Berater des russischen Präsidenten, würden Putin und der chinesische Präsident Xi Jinping am Dienstag Gespräche führen. Zu dieser Zeit finden die Feierlichkeiten zum 80. Jahrestag des Sieges über Japan statt. "Es wurde nun vereinbart, dass sich die Staats- und Regierungschefs bereits auf chinesischem Boden während des SOZ-Gipfels in Tianjin treffen werden. Dieser findet vom 31. August bis zum 1. September statt. Außerdem werden sie gemeinsam an den Feierlichkeiten und Veranstaltungen zum 80. Jahrestag des Sieges über das militaristische Japan und das Ende des Zweiten Weltkriegs teilnehmen", fügte Uschakow hinzu.

Am Mittwoch, dem 3. August, wird Putin in der chinesischen Hauptstadt an den Feierlichkeiten teilnehmen. Darüber hinaus sind zahlreiche bilaterale Treffen geplant.

Danach fliegt der Präsident nach Wladiwostok, wo er vom 3. bis zum 6. September an der Plenarsitzung des 10. Östlichen Wirtschaftsforums teilnehmen wird.

Putin besuchte China zuletzt am 16. und 17. Mai 2024.

Im Mai besuchte Xi Moskau, um an der Parade zum 80. Jahrestag des Sieges im Großen Vaterländischen Krieg teilzunehmen. Am 8. Mai traf er sich mit Putin. Die Verhandlungen fanden im Kreml statt. Anschließend wurden bilaterale Dokumente unterzeichnet. Die Gespräche dauerten mehr als dreieinhalb Stunden.


Mehr zum Thema – Kim Jong-un nimmt mit Putin an Militärparade in China teil


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29.08.2025

DAILY (29.08.2025)

aus e-mail von Irene Eckert, 29. August 2025, 18:16 Uhr


Heute sehr wichtig, insbesondere zu Gaza und Westjordanland  irene


---------- Forwarded message ---------

Von: E.I.R. Nachrichten <nachrichten@7749263.brevosend.com>

Date: Fr., 29. Aug. 2025, 12:20

Subject: DAILY (29.08.2025)

To: <irene.eckert@gmail.com>



*Im Browser öffnen*

<https://djga3.r.sp1-brevo.net/mk/mr/sh/6rqJ8GoudeITQRcRz4DwV3dj7Rf/Pm7Sg-QRD1s8>

<https://djga3.r.sp1-brevo.net/mk/cl/f/sh/6rqJfgq8dINmO1bKUR0tNfKPPc7/Jdz5Zn4bk8uQ>


E.I.R. Nachrichten (eirna.de)

<https://djga3.r.sp1-brevo.net/mk/cl/f/sh/6rqJfgq8dIPRQTtTykQRJGSL2v9/SzXMWEnfaMpY>

vom 29.08.2025

Chefredakteur: Dr. Wolfgang Lillge

Die erste Septemberwoche


Sollte Präsident Donald Trump anlässlich der Feierlichkeiten zum 80.

Jahrestag des Sieges über den Faschismus am 3. September nach Peking

reisen? Viele, darunter die Gründerin des Schiller-Instituts, Helga

Zepp-LaRouche, haben ihn dazu aufgefordert. Dies ist angemessen und

richtig, da die Feierlichkeiten am 3. September laut dem chinesischen

Außenministerium „auch die Einheit und Entschlossenheit der beiden Länder

symbolisieren, die Errungenschaften des Sieges im Zweiten Weltkrieg zu

verteidigen“.


Die Vorstellung des amerikanischen Präsidenten Franklin D. Roosevelt (FDR)

von einer Welt, die aus den Trümmern des Zweiten Weltkriegs hervorgehen

müsse, wurde durch sein entschlossenes Handeln zur vorherrschenden

politischen Perspektive in der Welt von 1945.


Roosevelt schlug Ende 1941 ein Modell für die Sicherheit der Nachkriegswelt

vor: einen Rat, in dem Russland und China ständige Mitglieder sein sollten.

Neben Großbritannien und den Vereinigten Staaten sollten sie zwei der von

Roosevelt so genannten „vier Polizisten“ sein. Diesen Begriff prägte er

1942, um eine erste Annäherung an das zu beschreiben, was schließlich der

Sicherheitsrat der Vereinten Nationen werden sollte.


Roosevelt hätte nicht zugelassen, dass die Vereinigten Staaten bei der

jüngsten Abstimmung im UN-Sicherheitsrat zu Gaza die einzige Gegenstimme

waren. Die Vereinigten Staaten weigerten sich, die folgende Erklärung zu

unterstützen: „Der Einsatz von Hunger als Kriegswaffe ist nach dem

humanitären Völkerrecht eindeutig verboten. Die Hungersnot in Gaza muss

sofort beendet werden.“ Eine erzwungene Hungersnot verstößt gegen zwei der

vier Freiheiten von FDR: die Freiheit von Not und die Freiheit von Furcht.

Er hätte niemals zugelassen, dass die Vereinigten Staaten so handeln.


In den nächsten Tagen bieten eine Reihe von Treffen eine außergewöhnliche

Gelegenheit für einen Dialog der Zivilisationen: beginnend mit der Shanghai

Cooperation Organization vom 31. August bis 1. September, gefolgt von

Feierlichkeiten in Peking am 3. September und dem Eastern Economic Forum in

Wladiwostok vom 3. bis 6. September. Allein an dem Treffen in Wladiwostok

werden 70 Nationen teilnehmen. Dies sind Nationen, die bereits dazu bereit

und in der Lage sind, eine neue Sicherheits- und Entwicklungsarchitektur in

groben Zügen zu diskutieren – auch mit der Präsidentschaft der Vereinigten

Staaten. Viele Projekte sind unter diesen Nationen bereits im Gange. Ein

Auftakt seitens des Weißen Hauses in Form der Politik der „guten

Nachbarschaft“, wie sie FDR verkörperte, wäre ein willkommener Wandel,

insbesondere weg von den Zollkriegen.


Wie bei dem Treffen, das Trump am 15. August mit Präsident Wladimir Putin

abgehalten hat, gibt es Dinge von enormer Bedeutung für das Schicksal der

Menschheit, die nur durch persönliche Beratungen behandelt werden können,

die man als „dialektischer Natur“ bezeichnen könnte. „Dialektisch“ bezieht

sich hier auf das, was Platon als Methode des sokratischen Strebens nach

Wahrheit bezeichnet hat und in seinen berühmten Dialogen darstellt, nicht

auf das, was der deutsche Philosoph G. W. F. Hegel als „dialektische

Methode“ bezeichnet hat – ein Begriff, der heute von Nachkommen der

Frankfurter Schule wie Alex Karp von Palantir oder Neomarxisten verwendet

wird. Es handelt sich um einen Dialogprozess, der durch einen „Zusammenfall

der Gegensätze“ eine Veränderung der Axiome erzwingt. Auf diese Weise

gelangen wir zu einer höheren Idee, die uns als Individuen oder als

Gesellschaft die Fähigkeit verleiht, nicht nur „so zu sehen, wie andere uns

sehen“, sondern auch den Keimkristall der Zukunft in der Gegenwart zu

erkennen. Dadurch sind wir in der Lage, mitsamt unseren „Gegensätzen“ so zu

handeln, dass diese Zukunft Wirklichkeit wird.


Betrachten wir als Beispiel die moralisch unerträgliche Situation in Gaza,

wo derzeit Zehntausende Kinder unbestreitbar Hunger leiden. Dennoch findet

derzeit in Israel selbst etwas Transformatives statt, das von den

kriminellen Tätern nicht erwartet wurde. Seit Sonntag gab es dort zwei

große Straßendemonstrationen. An der Demonstration am Sonntag nahmen

Berichten zufolge 500.000 Menschen teil. An der Demonstration am Dienstag

nahmen etwa 300.000 Menschen teil.


Die Bevölkerung Israels beträgt etwa 10 Millionen Menschen. Im Vergleich

dazu würden in den Vereinigten Staaten, die 340 Millionen Einwohner zählen,

17,5 Millionen Menschen benötigt, um eine vergleichbar große Demonstration

auf die Beine zu stellen. Der Appell richtete sich nicht an Netanjahu,

sondern an Präsident Donald Trump, dem Töten ein Ende zu setzen.


Die Bevölkerung sowohl in Gaza als auch in Israel befindet sich in Aufruhr.

Die Menschen dort und anderswo spüren, dass ein neues und höheres

Menschenbild erforderlich ist, da sonst die Existenz Israels gefährdet ist

– nicht durch Bomben, sondern durch einen moralischen Niedergang. Unsere

zehn Prinzipien für eine neue Sicherheits- und Entwicklungsarchitektur

enthalten dieses höhere Konzept der Menschlichkeit, das der Ausgangspunkt

für das Ende des Krieges sein muss. Die Nationen der Welt versammeln sich

in Peking, um ihre Entschlossenheit zu bekräftigen, das aufrechtzuerhalten,

was FDR und sie vor 80 Jahren mit der Gründung der Vereinten Nationen

erreicht haben. Wird der Präsident der Vereinigten Staaten die Gelegenheit

der nächsten sieben Tage verpassen oder nutzen?

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Inhalt

NEUES PARADIGMA


   - China: Putins Besuch symbolisiert die Führungsrolle Chinas und der

   UdSSR bei der Niederlage des „Militarismus und Faschismus“ im Zweiten

   Weltkrieg


STRATEGISCHE KRIEGSGEFAHR


   - Erster Schritt zur Wiedereinführung der Wehrpflicht in Deutschland

   - Trump will neues Atomabkommen mit Russland, sagt General der Luftwaffe

   - Medwedew erinnert den Westen an die einzigartige Bedeutung Österreichs

   für Diplomatie und Dialog

   - Netanjahu beschuldigt seine jüdischen Kritiker der „antisemitischen

   Blutschande“


USA UND KANADA


   - Die Hälfte der US-Wähler ist überzeugt, dass Israel Völkermord begeht

   - Die ehemalige USAID-Chefin Samantha Power gab zu, „zig Millionen“ für

   die Einmischung in Moldawien ausgegeben zu haben

   - Zweite Massendemonstration in dieser Woche in Israel mit Appell an

   Trump


ZUSAMMENBRECHENDES IMPERIALES SYSTEM


   - Blair und Kushner bei Treffen im Weißen Haus zu Gaza

   - US-Marine rückt nach Venezuela vor

   - Alle Mitglieder des UN-Sicherheitsrats außer den USA fordern ein Ende

   der Hungersnot in Gaza.

   - Ungarns Szijjarto durchkreuzt Medienkampagne für EU-Mitgliedschaft der

   Ukraine


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NEUES PARADIGMAChina: Putins Besuch symbolisiert die Führungsrolle Chinas

und der UdSSR bei der Niederlage des „Militarismus und Faschismus“ im

Zweiten Weltkrieg


29. August 2025 (EIRNS) – Der stellvertretende chinesische Außenminister Hong

Lei erklärte

<https://djga3.r.sp1-brevo.net/mk/cl/f/sh/6rqJfgq8dIR6SwBdT3pzEraGgEB/wXq3V7iuMraP>

heute ausdrücklich: „Der Besuch des russischen Präsidenten Wladimir Putin

in China zur Teilnahme an den Gedenkveranstaltungen zeigt das hohe Niveau

der umfassenden strategischen Partnerschaft zwischen China und Russland in

der neuen Ära. Er symbolisiert auch die Einheit und Entschlossenheit der

beiden Länder, die Errungenschaften des Sieges im Zweiten Weltkrieg zu

verteidigen.“


China und die Sowjetunion waren vor 80 Jahren die Hauptschauplätze des

Zweiten Weltkriegs in Asien bzw. Europa und stellten die Hauptstütze im

Kampf gegen Militarismus und Faschismus dar. Beide Länder mussten enorme

Opfer bringen. „Die Völker beider Länder kämpften Seite an Seite,

unterstützten sich gegenseitig und retteten ihre Völker vor der

Vernichtung. Dadurch sicherten sie eine bessere Zukunft für die Menschheit

und leisteten einen entscheidenden Beitrag zum Sieg im Zweiten Weltkrieg.“


Lei erinnerte daran, dass in diesem Jahr auch der 80. Jahrestag der

Gründung der Vereinten Nationen begangen wird. Angesichts eines volatilen

und instabilen internationalen Umfelds werden China und Russland als

Gründungsmitglieder der UNO und ständige Mitglieder des Sicherheitsrats

weiterhin die Autorität der Organisation wahren und die internationale

Gerechtigkeit fördern. Sie werden die Zusammenarbeit innerhalb

multilateraler Plattformen wie der UNO, der Shanghai Cooperation

Organization, der BRICS und anderen verstärken. Sie werden echten

Multilateralismus verkörpern und gemeinsam eine bessere Zukunft für die

Menschheit erschließen.“

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STRATEGISCHE KRIEGSGEFAHRErster Schritt zur Wiedereinführung der

Wehrpflicht in Deutschland


29. August 2025 (EIRNS) – Mit Zustimmung der Regierung legt

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius einen Gesetzentwurf zur

Wiedereinführung der Wehrpflicht nach schwedischem Vorbild vor. Der

Gesetzentwurf sieht einen freiwilligen Militärdienst vor, bei dem alle

Schulabgänger einer militärischen Untersuchung unterzogen werden, obwohl

nur einige von ihnen letztendlich in den aktiven Dienst eintreten werden.

Insbesondere führt der Gesetzentwurf die obligatorische Registrierung aller

Männer im Alter von 18 bis 25 Jahren wieder ein. Von ihnen wird verlangt,

ein Formular auszufüllen, in dem sie ihre Bereitschaft zum Militärdienst

erklären.


Der Gesetzentwurf sieht zudem vor, dass im Falle einer „Verschlechterung

der Sicherheitslage“ und einer Bedrohung der nationalen Sicherheit eine

Rückkehr zur vollständigen Wehrpflicht erfolgen würde. Der Vorwand für all

dies ist die „Bedrohung durch Russland“. Der Gesetzentwurf, der noch vom

Bundestag verabschiedet werden muss, ist eine weitere Provokation gegenüber

Russland. So sieht er eine Erhöhung der Gesamtstärke der Streitkräfte auf

260.000 aktive Soldaten plus 200.000 Reservisten vor. Deutschland hätte

damit 460.000 Soldaten, „wenn sich die Sicherheitslage verschlechtert“.


Das „freiwillig“ im Gesetzentwurf ist jedoch nicht wörtlich zu verstehen.

Es wurde lediglich eingeführt, um die Unterstützung der skeptischen

Sozialdemokraten – etwa ein Drittel ihrer Fraktion – zu gewinnen, die sich

gegen eine sofortige Rückkehr zur Wehrpflicht aussprechen. Eine kürzlich

durchgeführte Meinungsumfrage ergab, dass nur 16 % der Bürger bereit sind,

Deutschland mit militärischen Mitteln zu verteidigen.


Begleitend zu diesem Gesetzentwurf wird öffentlich darüber debattiert, ob

die bis zu 300.000 ukrainischen Männer, die als Flüchtlinge in Deutschland

leben und potenziell wehrdiensttauglich sind, in die Ukraine zurückkehren

sollen, um die Streitkräfte zu verstärken und gegen Russland zu kämpfen.

Bislang handelt es sich nur um eine öffentliche Diskussion, die jedoch zu

einer Gesetzesinitiative werden könnte.

Trump will neues Atomabkommen mit Russland, sagt General der Luftwaffe


29. August 2025 (EIRNS) – Präsident Donald Trump möchte ein neues Abkommen

abschließen, das den russisch-amerikanischen New-START-Vertrag ersetzen

soll. Das sagte Generalleutnant Andrew Gebara, stellvertretender Stabschef

der US-Luftwaffe für strategische Abschreckung und nukleare Integration,

gestern im Mitchell Institute for Aerospace Studies in Arlington, Virginia,

als Antwort auf eine Frage der Agentur TASS

<https://djga3.r.sp1-brevo.net/mk/cl/f/sh/6rqJfgq8dISlVOTmxNFXASiCJXD/oyfTVlnix_N7>.

„Der Präsident ist im Kern ein Verhandlungsführer und daran interessiert,

die Welt sicherer zu machen. Ich bin sicher, dass er gerne ein Abkommen

schließen würde, aber dieses Abkommen muss bestimmte Kriterien erfüllen“,

sagte er in einem Kommentar zur Situation rund um den New-START-Vertrag,

der im Februar 2026 auslaufen würde.


„Ich möchte nur sagen, dass es wichtig ist, sich daran zu erinnern, dass

einige der Rüstungskontrollverträge in der Geschichte in den heißesten

Phasen des Kalten Krieges geschlossen wurden. Ich halte es daher für falsch

zu sagen, dass aufgrund der aktuellen internationalen Lage keine Hoffnung

auf Rüstungskontrolle besteht“, merkte der General an.


Gebara fügte hinzu, dass eine weitere Reduzierung der Atomwaffen nur

möglich sei, wenn zwischen den beteiligten Parteien ein Konsens über die

strategische Stabilität erzielt werde. „Zunächst einmal muss man sich

darüber einig sein, wie strategische Stabilität am Ende aussehen soll“,

sagte er. „Zweitens braucht man ein gewisses Maß an Transparenz. Man kann

also nicht wirklich über eine Begrenzung der Zahlen sprechen, wenn man

nicht weiß, wie viele sie haben.“ „Und drittens muss man meiner Meinung

nach überprüfbar sein.“


Laut Gebara

<https://djga3.r.sp1-brevo.net/mk/cl/f/sh/6rqJfgq8dIUQXqlwRgf563q7wqF/-Uk4xm1ej_cC>

müsse man nicht beste Freunde sein, aber man müsse sich darüber einig sein,

wie Stabilität aussehe. „Im Grunde muss man wissen, was sie haben, und dann

überprüfen, ob sie die vereinbarten Zahlen tatsächlich erreicht haben. Wenn

das nicht möglich ist, wird man keine Rüstungskontrolle erreichen.“

Medwedew erinnert den Westen an die einzigartige Bedeutung Österreichs für

Diplomatie und Dialog


29. August 2025 (EIRNS) – Die österreichische Außenministerin Beate

Meinl-Reisinger hat im vergangenen Monat beschlossen, die Tür für eine

Aufhebung des verfassungsmäßigen Verbots des Beitritts zu Militärbündnissen

zu öffnen – auch angesichts massiver Widerstände. Sie erklärte: „Derzeit

gibt es weder im Parlament noch in der Bevölkerung eine Mehrheit für einen

NATO-Beitritt, aber eine solche Debatte könnte dennoch sehr produktiv

sein.“ Es sei darauf hingewiesen, dass die österreichische Verfassung von

1955 eine Neutralitätserklärung enthält, die die Neutralität des Landes

festschreibt und nicht nur den Beitritt zu einem Militärbündnis, sondern

sogar die Unterbringung ausländischer Militärstützpunkte verbietet.


Der stellvertretende Vorsitzende des russischen Sicherheitsrates, Dmitri

Medwedew, veröffentlichte einen ausführlichen Artikel mit dem Titel

„NATO-Anschluss“, offenbar um nicht nur Österreich, sondern ganz Europa an

den Wert internationaler Institutionen für den Dialog zwischen den Ländern

zu erinnern – und an die positive Rolle Österreichs dabei. Wie die TASS

formulierte

<https://djga3.r.sp1-brevo.net/mk/cl/f/sh/6rqJfgq8dIW5aJ45w04d1ey3a9H/7PvgdlGhbQgp>,

warnte Medwedew, dass die Aufgabe der österreichischen Neutralität und ein

Beitritt zur NATO erhebliche diplomatische Kosten nach sich ziehen könnten.

Dazu zähle etwa die mögliche Verlegung der Hauptsitze wichtiger

internationaler Organisationen von Wien in Länder des Globalen Südens und

Ostens. Medwedew betonte, dass Wien derzeit als wichtiger Knotenpunkt für

multilaterale Diplomatie dient und etwa 20 internationale Organisationen

wie die UNO, die IAEO, die OSZE und die OPEC beherbergt. Diese

Konzentration festigt die Position Wiens als zentraler Ort für den globalen

Dialog und ermöglicht die Entwicklung rechtlicher Antworten auf neue

Herausforderungen und Bedrohungen.


In der jüngeren Geschichte hat Wien „eine effektive Plattform für Dialog

und regionale Zusammenarbeit“ geboten. Die Aufgabe dieser Neutralität

zugunsten einer Blockmentalität untergräbt den „Geist Wiens“ und gefährdet

die Fähigkeit Österreichs, ausgewogene Beziehungen zu verschiedenen

internationalen Partnern aufrechtzuerhalten. Diese Veränderung schmälert

die einzigartige Rolle Österreichs als Vermittler und Gastgeber wichtiger

internationaler Institutionen.


Medwedew räumte ein, dass Meinl-Reisingers Partei „Neues Österreich“ mit

weniger als 10 % der Stimmen deutlich in der Minderheit ist, was die

„NATO-Beitrittsdebatte“ betrifft, und dass die Freiheitliche Partei

Österreichs mit 37 % der Stimmen an der Spitze liegt. Diese spricht sich

vehement gegen den Militarismus Brüssels aus. Er wies jedoch auch darauf

hin, dass Brüssel bereits erfolgreich Finnland und Schweden aus ihrer

Neutralität gedrängt habe und die europäischen Länder sich „wie

hypnotisierte Motten, die sich auf die zerstörerische Flamme der NATO

stürzen“ verhielten. Früher hätten die Länder ihre Sicherheit ohne Beitritt

zu Militärbündnissen gewährleistet, doch nun „gibt die Vernunft rasch der

Herdenmentalität nach“.


Österreich täte gut daran, seinen besonderen Charakter zu verteidigen und

zu bekräftigen. Dasselbe gilt für die Vereinigten Staaten, insbesondere

nach dem Dialog zwischen Putin und Trump in Alaska. Nur wenige Tage vor dem

bislang größten Treffen der Shanghai Cooperation Organization in Tianjin,

China, kurz bevor Peking am 3. September die Gedenkfeier zum 80. Jahrestag

des Sieges über den Faschismus im Zweiten Weltkrieg ausrichtet und bevor

Russland sein Östliches Wirtschaftsforum in Wladiwostok abhält, hat

Medwedew beschlossen, eine wichtige strategische Frage klarzustellen. Wenn

Österreich glaubt, dass eine „produktive Debatte“ über den Beitritt zur

NATO möglich wäre, sollte es noch einmal darüber nachdenken. Andernfalls,

so Medwedew, „ist es offensichtlich, dass es an der Zeit ist, die Verlegung

des Hauptsitzes internationaler zwischenstaatlicher Organisationen in

Länder des Globalen Südens und Ostens zu prüfen, wo optimale Bedingungen

für ihre Arbeit gewährleistet werden können“.

Netanjahu beschuldigt seine jüdischen Kritiker der „antisemitischen

Blutschande“


29. August 2025 (EIRNS) – Es begann im April und Mai, als israelische

„Siedler“-Banden, unterstützt von der IDF, das palästinensische Dorf

Al-Mughayyir und seine 4.000 Einwohner ins Visier nahmen. Seitdem kam es zu

Drohungen, Gewalt und Morden. Das gesamte umliegende Land wurde

beschlagnahmt. Im Mai setzten die Banden das Dorf in Brand. Letzte Woche

wurde ein Siedler, der mit seinem Geländewagen über das gestohlene Land

fuhr, durch Schüsse eines Dorfbewohners leicht verletzt.


Der Chef des Zentralkommandos der IDF, Generalmajor Avi Bluth, erklärte

daraufhin, dass das Dorf einen hohen Preis zahlen müsse. Er ordnete an, die

3.100 Bäume in der Gegend zu zerstören, darunter vor allem die wertvollen,

von den Dorfbewohnern gepflegten Olivenbäume. Bluth erklärte, seine

„Umgestaltungsmaßnahmen“ würden bedeuten, dass „jeder abgeschreckt wird,

jedes Dorf, das versucht, die Hand gegen einen der Bewohner zu erheben“ –

das heißt, gegen einen der illegalen Siedler. Das Dorf selbst existiert

seit dem 16. Jahrhundert.


Gideon Levys empörter Kommentar „Der General des Blutvergießens im

Westjordanland ist das Gesicht Israels

<https://djga3.r.sp1-brevo.net/mk/cl/f/sh/6rqJfgq8dIXkclMFQJUAxG5zDSJ/sspcL7B5N0SI>”

erschien heute in Haaretz und löste sofortige Kritik von Premierminister

Benjamin Netanjahu aus. Levy schrieb: „Bluth befahl seinen Soldaten,

kollektive Bestrafungen durchzuführen, was ein Kriegsverbrechen ist. Wenn

dem so ist, dann ist Bluth ein Kriegsverbrecher, der an den Internationalen

Strafgerichtshof in Den Haag ausgeliefert werden sollte … Bluth hat

zugelassen, dass rund um das Dorf zehn illegale Außenposten errichtet

wurden. Er hat gewalttätigen Siedlern erlaubt, die Bewohner in Angst und

Schrecken zu versetzen, sodass sie sich nicht mehr trauen, auf ihre Felder

zu gehen und dort zu arbeiten. Jetzt erlaubt er den Schlägern, illegale

Straßen zu ihren Außenposten zu bauen, um Angriffe auf das Dorf zu

erleichtern. Unter Bluths Befehl endeten zwei Pogrome mit dem Tod von

Palästinensern durch Schüsse der Armee. Niemand wurde dafür vor Gericht

gestellt.“


Levy traf damit einen Nerv. Im Gegensatz zu früheren Chefs des

Zentralkommandos, die „von den Siedlern eingeschüchtert wurden, … ist es

einfacher, wenn der Posten von einem Absolventen der Yeshiva vor dem

Militärdienst besetzt wird“, der selbst in den illegalen Siedlungen

aufgewachsen ist. Bluth lernte dort, dass „Juden die Herren des Landes

sind. Die Siedler dürfen nach Herzenslust niederbrennen, zerstören,

entwurzeln und morden. Die untermenschlichen Palästinenser dürfen nichts

tun: Sie dürfen ihre Dörfer nicht verlassen, nicht in Israel arbeiten,

nicht ihre Oliven ernten – manchmal nicht einmal atmen. Das ist Bluths

Zionismus. Und das ist der Zionismus der Armee, deren Gesicht Bluth ist.“


„Der Nachname Bluth klingt wie das deutsche Wort Blut. Dieser General des

Blutvergießens ist nun das öffentliche Gesicht des Westjordanlands und

repräsentiert die Moral des gesamten Landes. Vielleicht wird er zum

Befehlshaber des nächsten Völkermords in Gaza ernannt.“


Heute verurteilte Netanjahu Haaretz und Levy wegen ihrer „antisemitischen

Blutschande, die für unsere Feinde auf der ganzen Welt charakteristisch

ist“. Innerhalb weniger Stunden veröffentlichte Netanjahus Büro eine

Erklärung: „Der Premierminister bekundet seine volle Unterstützung für

Generalmajor Bluth und die Soldaten der IDF, die Tag für Tag daran

arbeiten, den Terror in Judäa und Samaria [dem Westjordanland] auszurotten.

Sie tun dies mit Entschlossenheit und kompromissloser Moral, und wir alle

zollen ihnen Respekt.“

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USA UND KANADADie Hälfte der US-Wähler ist überzeugt, dass Israel

Völkermord begeht


29. August 2025 (EIRNS) – Die Hälfte der amerikanischen Wähler glaubt, dass

Israel in Gaza Völkermord begeht. Das geht aus einer gestern

veröffentlichten Umfrage der Quinnipiac University hervor. Davon sind 77 %

der Demokraten, 51 % der Unabhängigen und 20 % der Republikaner überzeugt.

Darüber hinaus lehnen sechs von zehn US-Wählern auch weitere Militärhilfen

Washingtons für Israel ab – der höchste Wert seit Beginn der Umfragen durch

Quinnipiac im November 2023.


Zum ersten Mal seit 24 Jahren, in denen diese Frage in der Umfrage gestellt

wird, ist die Sympathie für die Israelis (36 %) geringer als die für die

Palästinenser (37 %). Tim Malloy, Umfrageanalyst an der Quinnipiac

University, sagte in einer Pressemitteilung zur Umfrage: „Die Unterstützung

für die Palästinenser wächst.“

Die ehemalige USAID-Chefin Samantha Power gab zu, „zig Millionen“ für die

Einmischung in Moldawien ausgegeben zu haben


29. August 2025 (EIRNS) – Die ehemalige USAID-Chefin Samantha Power wurde

dabei erwischt, wie sie unbedacht gegenüber den bekannten russischen

Streichespielern Vovan und Lexus mit Washingtons Manipulation Moldawiens

prahlte und erzählte, wie die USA die derzeitige Präsidentin Maia Sandu für

ihre Wahl 2024 finanziell unterstützt hatten. Wie RT berichtete, glaubte

Power, mit westlichen Beamten zu sprechen, und beschrieb ausführlich, wie

USAID unter ihrer Leitung „beispiellose Investitionen“ in Moldawien

getätigt und seine Präsenz dort „massiv“ ausgebaut habe. „Wir haben unsere

[Präsenz] sowohl im Interesse der Ukraine als auch natürlich im Interesse

Moldawiens erheblich ausgebaut.“ Dennoch behauptete sie, dass „Dutzende

Millionen Dollar … in Moldawien viel mehr bewirkt haben als in der Ukraine.“


Nun gefährdet jedoch Trumps Stopp der USAID-Gelder Sandus knappe Mehrheit

in Moldawien. Sandu, Absolventin der Kennedy School of Government der

Harvard University, wurde als „demokratischer Lichtblick“ bezeichnet. In

ihrem Interview erwähnte Power jedoch nicht die Verhaftungen und

Inhaftierungen von Sandus wichtigsten politischen Gegnern, darunter die

siebenjährige Haftstrafe für Evgenia Gutsul, die beliebte Gouverneurin von

Gagausien.


Mit ihrer Forderung an Europa, das Vakuum zu füllen, das US-Präsident

Donald Trump mit der Beendigung der USAID-Operationen hinterlassen hat,

schien Power die Idee der Einmischung in die inneren Angelegenheiten

anderer Länder zu befürworten. Sie sagte: „Solange Trump sich nicht in die

Angelegenheiten Moldawiens einmischt, wird Europa viel wichtiger sein“ –

offenbar, um die Lücke der „Einmischung“ zu schließen.

Zweite Massendemonstration in dieser Woche in Israel mit Appell an Trump


29. August 2025 (EIRNS) – An der Demonstration in Tel Aviv am 26. August

nahmen über 300.000 Menschen teil, weitere Kundgebungen fanden an anderen

Orten in Israel statt. Die Demonstranten versammelten sich vor dem

US-Konsulat und vor den Wohnhäusern von Kabinettsministern. Die Route 1

zwischen Tel Aviv und Jerusalem sowie die Route 2, die Küstenstraße, wurden

blockiert, indem Reifen in Brand gesetzt wurden.


Dies folgte auf Demonstrationen zwei Tage zuvor, am 24. August, bei denen

laut dem Forum für Geiseln und vermisste Familien allein in Tel Aviv etwa

500.000 Menschen auf die Straße gingen. Eine solche Teilnehmerzahl

entspräche in den Vereinigten Staaten 11 bzw. 18 Millionen Menschen. Die

Demonstranten fordern, das Abkommen zu akzeptieren, auf das sich die Hamas

letzte Woche geeinigt hatte, um die verbleibenden Geiseln zu retten und die

Kämpfe einzustellen. Als der israelische Ministerpräsident am 26. August

eine Sitzung des Sicherheitskabinetts einberief, versammelten sich

Demonstranten vor dem Gebäude.


Eine der Rednerinnen am 26. August war Noam Peri, die Tochter der

ehemaligen Geisel Chaim Peri, der in Gefangenschaft ermordet wurde. In

ihrer Ansprache wandte sie sich an die Menge und den US-Präsidenten Donald

Trump. Sie sprach auf Englisch und forderte ihn auf, „all diese Menschen zu

sehen, … und die Bilder aus den Straßen Israels … Das israelische Volk

stimmt mit den Füßen ab: Die Nation will, dass dieser Krieg endet und die

Geiseln nach Hause gebracht werden. Für meinen Vater ist es zu spät, aber

Sie können die anderen Geiseln noch retten und als der Präsident in die

Geschichte eingehen, der Geschichte geschrieben hat.“

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ZUSAMMENBRECHENDES IMPERIALES SYSTEMBlair und Kushner bei Treffen im Weißen

Haus zu Gaza


29. August 2025 (EIRNS) – Das Weiße Haus berief gestern ein Treffen mit

Steve Witkoff, dem Sonderbeauftragten des Weißen Hauses, ein. Laut Reuters

<https://djga3.r.sp1-brevo.net/mk/cl/f/sh/6rqJfgq8dIZPfDeOuctisrDuqlL/qAQahZz5-mAx>

hatte Witkoff das bevorstehende Treffen erst am Vortag in einem Interview

mit Fox News bekannt gegeben. Er sagte, das Weiße Haus werde einen „sehr

umfassenden Plan“ für Gaza ausarbeiten. Axios berichtete

<https://djga3.r.sp1-brevo.net/mk/cl/f/sh/6rqJfgq8dIb4hfwYOwJGoSLqU4N/e0s_rb8bOWjO>

dann gestern Nachmittag, dass sowohl der ehemalige britische

Premierminister Tony Blair als auch Jared Kushner, der Ehemann von

Präsident Donald Trumps Tochter Ivanka, an diesem Treffen teilnehmen

würden. Sie sollten „Präsident Trump Ideen für einen Nachkriegsplan

vorstellen“. Das Treffen sollte auch eine Diskussion darüber umfassen, wie

die Hilfslieferungen nach Gaza erhöht werden können. Laut Axios-Quellen

sollten Blair und Kushner Ideen diskutieren, wie Gaza ohne die Hamas an der

Macht regiert werden könnte.


„Präsident Trump hat deutlich gemacht, dass er ein Ende des Krieges sowie

Frieden und Wohlstand für alle Menschen in der Region wünscht. Das Weiße

Haus hat zum jetzigen Zeitpunkt keine weiteren Informationen zu dem

Treffen“, sagte ein Vertreter des Weißen Hauses.


Blairs Teilnahme an dem Treffen war jedoch kein Einzelfall. Laut den

Quellen von Axios diskutiert Witkoff seit mehreren Monaten mit Kushner und

Blair über einen Nachkriegsplan für den Gazastreifen. Blair traf Witkoff im

Juli im Weißen Haus, am selben Tag, an dem der israelische

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu mit Trump zusammentraf. Einige Tage

später informierte Blair den palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas

über die Vorschläge für den Tag nach dem Krieg für den Gazastreifen und

seine Gespräche in Washington. Anfang des Monats war Kushner ebenfalls in

Israel und traf sich mit Netanjahu, um über den Gazastreifen zu sprechen.

Blair soll enge Beziehungen zu Netanjahu und dessen engstem Berater Ron

Dermer unterhalten, der für die Nachkriegsplanung Israels zuständig ist.


Laut US-Beamten sollte sich Trumps Gaza-Treffen am 27. August auch auf

einen US-Plan für humanitäre Hilfe für Gaza konzentrieren. „Es geht um die

Ausweitung des Lebensmittelhilfsprogramms, die Menge, die

Verteilungsmethode und die Anzahl der Menschen, die versorgt werden

könnten“, sagte ein US-Beamter. Der US-Beamte sagte, Trumps Anweisung

laute: „Bringt das in Ordnung.“


Ein hochrangiger Beamter des Weißen Hauses erklärte später gegenüber Reuters

<https://djga3.r.sp1-brevo.net/mk/cl/f/sh/6rqJfgq8dIcjk8EhtFiok3Tm7NP/vrRbjnO8Q1iA>,

dass Trump, hochrangige Beamte des Weißen Hauses, Blair und Kushner alle

Aspekte der Gaza-Frage diskutiert hätten, darunter die Ausweitung der

Lebensmittelhilfelieferungen, die Geiselkrise, Nachkriegspläne und vieles

mehr. Der Beamte beschrieb die Sitzung als „einfach ein politisches

Treffen“, wie es Trump und sein Team häufig abhalten.


Was Ron Dermer betrifft, so bestätigte die „Times of Israel

<https://djga3.r.sp1-brevo.net/mk/cl/f/sh/SMK1E8tHeFuYwWIky8daHJSMJdKx/rC7egKMO3L_f>“

(ToI) seine Ankunft in Washington gestern, jedoch nicht seine Teilnahme an

der Sitzung im Weißen Haus. „Dermers Anwesenheit in Washington spiegelt die

enge Zusammenarbeit der Trump-Regierung mit Premierminister Benjamin

Netanjahu wider, der den Minister für strategische Angelegenheiten als

engen Vertrauten betrachtet“, so die ToI. Außenminister Gideon Sa‘ar, der

sich gestern mit Rubio im Außenministerium traf, nahm laut seinem Sprecher

nicht an dem Treffen im Weißen Haus teil.

US-Marine rückt nach Venezuela vor


29. August 2025 (EIRNS) – Acht Schiffe der US-Marine befinden sich in der

Karibik, in deren Nähe oder auf dem Weg dorthin, darunter zwei, die derzeit

im Pazifik stationiert sind. Dies ist eine bedeutende Verstärkung für eine

Region, in der selten eine so große Präsenz von US-Militärschiffen zu

beobachten war. Zudem hat dieser Schritt die Spannungen mit dem

benachbarten Venezuela verschärft, wie die Washington Post berichtet

<https://djga3.r.sp1-brevo.net/mk/cl/f/sh/SMK1E8tHeG1QOf7i9In4N8l6HvvD/C07ULJ7vb6um>.

Die Schiffe sind Teil einer „verstärkten Drogenbekämpfungsoperation“ zur

Durchführung von Drogenbekämpfungsmissionen in Lateinamerika, sagte ein

namentlich nicht genannter Verteidigungsbeamter. Insgesamt befinden sich

drei Zerstörer, zwei Landungsschiffe, ein amphibisches Angriffsschiff, ein

Kreuzer und ein Küstenkampfschiff entweder in der Region oder auf dem Weg

dorthin. Die Zerstörer haben jeweils Abteilungen der US-Küstenwache und

Strafverfolgungsbeamte an Bord, die bei Drogenbekämpfungsmaßnahmen

Festnahmen oder Verhaftungen vornehmen würden. Die drei Landungsschiffe

unter der Führung der USS Iwo Jima wurden letzte Woche durch den Hurrikan

„Erin“ in Norfolk aufgehalten und befanden sich am 26. August noch immer

vor der Ostküste der USA.


Die Nachricht von einer möglichen Aufstockung der Kriegsschiffe in der

Region hat laut einem Bericht der Post den Verdacht aufkommen lassen, dass

die USA militärische Maßnahmen gegen Venezuela ergreifen könnten. Venezuela

ist ein Gegner der USA und dessen Präsident Nicolás Maduro wird von der

Trump-Regierung beschuldigt, ein Drogenkartell zu leiten. Die Vereinigten

Staaten haben diesen Monat zum zweiten Mal in diesem Jahr die Belohnung für

die Ergreifung Maduros erhöht – von 25 Millionen auf 50 Millionen Dollar.

Maduro und seine Beamten haben die Mobilisierung von 15.000 Soldaten an der

kolumbianischen Grenze angekündigt, um „den Frieden in der Region zu

sichern“, und die Venezolaner dazu aufgefordert, sich Milizen

anzuschließen, um „das Imperium zu bekämpfen“.


Auf die Frage von Reportern nach einer möglichen Entsendung von Truppen

nach Venezuela erklärte die Pressesprecherin des Weißen Hauses, Karoline

Leavitt, Präsident Trump sei „bereit, alle Mittel der amerikanischen Macht

einzusetzen, um zu verhindern, dass Drogen in unser Land gelangen, und um

die Verantwortlichen vor Gericht zu stellen“.


Leavitt behauptete außerdem: „Das Maduro-Regime ist nicht die legitime

Regierung Venezuelas.“ „Es ist ein Drogenkartell, und Maduro ist nach

Ansicht dieser Regierung kein legitimer Präsident. Er ist ein flüchtiger

Anführer dieses Kartells, der in den Vereinigten Staaten wegen

Drogenhandels angeklagt ist.“


Und dennoch geht das große Geschäft für US-Unternehmen wie gewohnt weiter.

So hat die Trump-Regierung im vergangenen Monat eine Lizenz aus der Zeit

von Präsident Joe Biden an den US-amerikanischen Öl- und Gasriesen Chevron

Corporation neu ausgestellt, um die Ölförderung in Venezuela wieder

aufzunehmen. Venezolanisches Öl wird weiterhin in die USA geliefert.

Außerdem finden etwa zwei Abschiebungsflüge pro Woche aus den USA nach

Venezuela statt. Für diese Flüge ist eine Koordination mit hochrangigen

Regierungsbeamten in Venezuela erforderlich.

Alle Mitglieder des UN-Sicherheitsrats außer den USA fordern ein Ende der

Hungersnot in Gaza.


29. August 2025 (EIRNS) – Der UN-Sicherheitsrat gab gestern eine Erklärung

ab, in der 14 seiner 15 Mitglieder die Hungersnot in Gaza als von Menschen

verursacht bezeichneten. „Die Hungersnot in Gaza muss sofort beendet

werden“, heißt es in der Erklärung, wie Reuters berichtet. „Zeit ist von

entscheidender Bedeutung. Die humanitäre Notlage muss unverzüglich

angegangen werden, und Israel muss seinen Kurs umkehren.“ In der Erklärung

wird darauf hingewiesen, dass die Verwendung von Hunger als Kriegswaffe

nach dem humanitären Völkerrecht verboten ist.

Ungarns Szijjarto durchkreuzt Medienkampagne für EU-Mitgliedschaft der

Ukraine


29. August 2025 (EIRNS) – Der ungarische Außenminister Péter Szijjártó

widerlegte die in den letzten zehn Tagen wiederholt in der Presse

verbreitete Behauptung, Premierminister Viktor Orbán habe dem Druck von

US-Präsident Donald Trump nachgegeben und seine Ablehnung der

EU-Beitrittsbemühungen der Ukraine aufgegeben. Er erklärte gestern:


„Ungarn wird niemals eine beschleunigte EU-Mitgliedschaft der Ukraine

unterstützen. Diese beschleunigte Mitgliedschaft wäre eine Tragödie für

Ungarn und die gesamte EU. Jeder, der vernünftig denkt, wird erkennen,

welche Auswirkungen der Beitritt der Ukraine auf Ungarn und die EU hätte:

Es wäre ein fataler Schlag.“


Er ließ keinen Zweifel an seiner Ablehnung und fügte hinzu, dass ein

EU-Beitritt der benachbarten Ukraine bedeuten würde, dass sich „die

ukrainische Mafia frei in Europa bewegen kann“.



Herausgeber: E.I.R., Bahnstraße 4, 65205 Wiesbaden (Deutschland)


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unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

29.08.2025

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29.08.2025

Leichen von zwei Geiseln geborgen: Israel erklärt größte Stadt im Gazastreifen zur Kampfzone

freedert.online, 29 Aug. 2025 20:47 Uhr

Israel hat am Freitag die größte Stadt im Gazastreifen zur gefährlichen Kampfzone erklärt. Zuvor hatte die israelische Armee die Leichen zweier Hamas-Geiseln geborgen.


Leichen von zwei Geiseln geborgen: Israel erklärt größte Stadt im Gazastreifen zur KampfzoneQuelle: AP © Abir Sultan


Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu spricht während einer Pressekonferenz im Büro des Ministerpräsidenten in Jerusalem, 10. August 2025.


Israel hat am Freitag die größte Stadt im Gazastreifen zur gefährlichen Kampfzone erklärt und mitgeteilt, dass es sich in der "Anfangsphase" einer geplanten Offensive befinde. Diese hat internationale Kritik hervorgerufen. 

Diese Wende kommt wenige Wochen, nachdem Israel erstmals Pläne zur Ausweitung seiner Offensive in Gaza-Stadt angekündigt hatte. Dort haben Hunderttausende Vertriebene Zuflucht gesucht und leiden unter Hunger.

"Wir werden unsere Angriffe verstärken, bis wir alle entführten Geiseln zurückgeholt und die Hamas zerschlagen haben", sagte der Sprecher der israelischen Armee, Avichay Adraee.

Israel teilte am Freitag mit, dass sein Militär die Leichen von zwei Geiseln geborgen habe, darunter ein israelischer Mann, der bei dem Angriff vom 7. Oktober 2023 getötet wurde, der den Krieg ausgelöst hatte. Die Leichen von Ilan Weiss aus dem Kibbuz Be’eri und einer weiteren namentlich nicht genannten Geisel seien nach Israel zurückgebracht worden, teilte das Büro von Premierminister Benjamin Netanjahu mit.

"Die Kampagne zur Rückführung der Geiseln wird kontinuierlich fortgesetzt. Wir werden nicht ruhen oder schweigen, bis wir alle unsere Geiseln nach Hause zurückgebracht haben – sowohl die Lebenden als auch die Toten", so Netanjahu. Von den 251 Geiseln, die vor fast 22 Monaten von militanten Hamas-Kämpfern entführt wurden, befinden sich noch etwa 50 in Gaza, darunter 20, von denen Israel glaubt, dass sie noch am Leben sind.

Das israelische Forum für Geiseln und vermisste Familien, das großangelegte Proteste organisiert hat, um einen Waffenstillstand zur Rückführung der Geiseln zu fordern, trauerte um die Verluste und erklärte, die israelische Führung solle einer Vereinbarung zur Rückführung sowohl der Lebenden als auch der Toten Vorrang einräumen.

Israel hat Gaza-Stadt in der Vergangenheit als Hochburg der Hamas bezeichnet, mit einem Netz von Tunneln, die nach mehreren früheren großangelegten Razzien weiterhin von Militanten genutzt werden.

Die Stadt beherbergt auch einige der wichtigsten Infrastruktur- und Gesundheitseinrichtungen des Gebiets. Die Vereinten Nationen erklärten am Donnerstag, dass der belagerte Gazastreifen die Hälfte seiner Krankenhausbettenkapazität verlieren könnte, wenn Israel wie geplant einmarschiert.


Mehr zum Thema - Antwort auf Netanjahu-Brief: Macron beharrt auf Gründung eines Palästinenserstaates


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Video https://rumble.com/v6y44sg-israel-bombardiert-nasser-klinik-in-gaza-viele-tote-darunter-fnf-journalist.html Dauer 4:52 Min.


Durch die Sperrung von RT zielt die EU darauf ab, eine kritische, nicht prowestliche Informationsquelle zum Schweigen zu bringen. Und dies nicht nur hinsichtlich des Ukraine-Kriegs. Der Zugang zu unserer Website wurde erschwert, mehrere Soziale Medien haben unsere Accounts blockiert. Es liegt nun an uns allen, ob in Deutschland und der EU auch weiterhin ein Journalismus jenseits der Mainstream-Narrative betrieben werden kann. Wenn Euch unsere Artikel gefallen, teilt sie gern überall, wo Ihr aktiv seid. Das ist möglich, denn die EU hat weder unsere Arbeit noch das Lesen und Teilen unserer Artikel verboten. Anmerkung: Allerdings hat Österreich mit der Änderung des "Audiovisuellen Mediendienst-Gesetzes" am 13. April diesbezüglich eine Änderung eingeführt, die möglicherweise auch Privatpersonen betrifft. Deswegen bitten wir Euch bis zur Klärung des Sachverhalts, in Österreich unsere Beiträge vorerst nicht in den Sozialen Medien zu teilen.

Info: https://freedert.online/der-nahe-osten/254597-leichen-von-zwei-geiseln-geborgen/


unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

29.08.2025

Melnyks "Nachruf" auf Habeck: Historisches Zeugnis zum wahren Urheber der "Zeitenwende"

freedert.online, 29 Aug. 2025 18:15 Uhr, Von Wladislaw Sankin

Der Ex-Botschafter Melnyk war stets derjenige, der die deutschen Politiker mit böser Zunge für mehr Ukraine-Hilfen einpeitschte. Den Grünen Robert Habeck hat er dagegen immer gelobt. In ihm sieht er denjenigen, der die Zeitenwende zur Militarisierung Deutschlands ermöglichte.


Quelle: www.globallookpress.com


Damaliger Vizekanzler Robert Habeck hält eine Rede auf der Konferenz zum Wiederaufbau der Ukraine in Berlin am 11. Juni 2024.


Robert Habecks Abschied von der großen Bundespolitik war nicht gut. In Interviews offenbarte sich seine Gekränktheit und es kam auch zu unappetitliche Schlammschlachten (mit Söder als Beispiel). Dieser wenig rühmliche Abgang war allerdings Ehre genug für den Vize-Kanzler einer Versager-Regierung.

Doch im X-Stimmengewirr erschien plötzlich eine Meldung mit einem besonderen Nachrichtenwert. Kein geringerer als der Ex-Botschafter der Ukraine, Andrej Melnyk, meldete sich mit einem Nachruf zu Wort. Melnyk war lange Jahre derjenige, der die Bundespolitik wie ein General-Gouverneur behandelte und das nicht ohne Erfolg.


Melnyk verlangt von Merz 30 Prozent des Bundeswehr-Bestands inklusive "Inferno-Waffen"





Melnyk verlangt von Merz 30 Prozent des Bundeswehr-Bestands inklusive "Inferno-Waffen"





Erinnert sich noch jemand an all seine undiplomatische Häme, die all denen zuteil wurde, die die Ukraine nicht schnell und kräftig genug mit Waffen versorgten? Die wohl bekannteste und lediglich eine von vielen war in diesem Zusammenhang die Bezeichnung "beleidigte Leberwurst" in Bezug auf den ehemaligen Kanzler.

Doch, auf seinen Vize Habeck war und ist der Bandera-Neofaschist Melnyk gut zu sprechen. Und diese wenigen Worte haben im Nachgang sogar etwas Historisches. Auf X verabschiedete Melnyk den Politik-Aussteiger mit dem folgenden "Nachruf":

"Dass Robert Habeck seinen Hut nehmen musste, ist kein gutes Zeugnis für die deutsche Politik. Seine Verbitterung kann ich nur allzu gut nachempfinden. Ohne Habeck hätte es keine Zeitenwende gegeben! Traurig, dass gerade solche ehrlichen Menschen so stark angefeindet werden. Danke." 

Das spricht Bände und könnte für die Historiker, die nach all den Krisen und Kriegen noch kommen werden, ein zitierfähiger Beleg sein für die oft unterschätzte Rolle, die die Politik der einstigen "Öko-Partei" auf dem Weg Europas in ebenjenen Kriegen spielte.


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Da haben die Grünen mal mitregiert und plötzlich war Deutschland beim NATO-Angriff auf Jugoslawien mit von der Partie. Dann haben die Grünen zum zweiten Mal mitregiert und es kam zur "Zeitenwende". Diese erfährt nunmehr dreieinhalb Jahre nach ihrer Bekanntmachung mit dem Operationsplan Deutschland, Kriegskrediten, der Wiedereinführung der Wehrpflicht sowie einer umfassenden militärischen und propagandistischen Unterstützung der Ukraine im Konflikt gegen Russland ihre vollständige Ausgestaltung.


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Es ist natürlich schwer, bei der politischen Klasse Deutschlands eine besondere Partei oder Gruppe festzumachen, die all das allein verantworten würde. Merkel dürfte mit ihrer Klitschko-Aufstellung vor dem Maidan-Umsturz und dem Betrug beim Minsker Abkommen in der Genese der Ukraine-Krise natürlich eine maßgebliche Rolle spielen. Aber die Scharfmacher waren immer die Grünen, die das Talent hatten, ihren Antirussland-Wahn mit Gutmenschen-Gehabe zu verschleiern.

Und war es nicht Habeck, der Meister der Selbstinszenierung, der sich einen Stahlhelm aufsetzte und eine kugelsichere Weste anzog und sich damit nahe Mariupol ablichten ließ? Das war im Mai 2021 und Habeck war "nur" Chef seiner Partei. Aber dieses Bild mit Symbolwert brach Dämme. Damals forderte er als erster deutscher Spitzenpolitiker Waffen für die Ukraine, noch lange vor dem "russischen Angriffskrieg".

Natürlich Defensivwaffen, natürlich für den guten Zweck! Wie gesagt, Gutmensch. "Waffen zur Verteidigung, zur Selbstverteidigung kann man meiner Ansicht nach, Defensivwaffen, der Ukraine schwer verwehren", sagte Habeck damals nach einem Treffen mit Wladimir Selenskij in Kiew.

Folgende Sätze lesen sich in der Chronik einer anderen, längst vergangenen Welt: "Politiker von Union, SPD und Linke kritisierten Habeck am Dienstag dafür scharf. Auch einzelne Grünen-Abgeordnete distanzierten sich von ihrem Parteivorsitzenden", so die Zeit.


Fleischverbot und Russenhass –  Wie sich die Nazi-Wurzeln der Grünen in ihrer Politik widerspiegeln




Meinung

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Und nun wichtig: Die Melnyk-Verbindung gab es schon damals. "Der ukrainische Botschafter Andrej Melnyk begrüßte die Äußerung dagegen und forderte die Bundesregierung auf, ihre Ablehnung von Waffenlieferungen aufzugeben". Sie solle sich in dieser Frage nicht als "Moralapostel" aufspielen, schrieb er in seiner gewohnt lässigen Art. In der Tat können Banderisten riechen, wer gerade ihr bester Freund ist.

Später, nach Februar 2022, nach dem anfänglichen Zögern, waren es ausgerechnet Helme, die als erste militärisch nutzbare Güter in die Ukraine geliefert wurden. Danach wurde die Lieferung von Waffen durchgesetzt, wobei Habeck aufgrund seiner Regierungsbefugnisse zweifellos eine maßgebliche Mitverantwortung trug.

Jetzt wird die Ukraine mit deutschem Kriegsgerät regelrecht zugeschmissen und es sind bereits Allianzen zur gemeinsamen deutsch-ukrainischen Waffenproduktion entstanden. Auch dies ist ein Werk Habecks und des damals von ihm geleiteten Ministeriums. So kam er im April 2024 mit einer großen Delegation der deutschen Waffenhersteller nach Kiew.

Auch damals nahm er seinen Fotografen mit auf die Reise und ließ sich in einem Luftschutzbunker in Kiew bestens in Szene setzen. Der Ukraine und zugleich der deutschen Rüstungsindustrie machte er viele Versprechungen: risikolose Investments, für die der deutsche Steuerzahler haftet. Heute produziert Deutschland bereits Kriegsgerät in der Ukraine, und auch das ist Habecks Nachlass. Und Bandera-Verehrer Melnyk freut sich natürlich darüber.


Botschafter Melnyk leugnet Mitschuld ukrainischer Nationalisten an Massaker an Polen und Juden





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Es wäre falsch zu glauben, dass Habeck mit seiner sanft verklausulierten Sprache ein großer Verführer der Massen ist. Habeck ist grün und grün ist Habeck. Er verkörpert nur eine Position, einen politischen Diskurs. Die grünen Wähler stehen nicht zu ihm, sondern zu dem, was die Resultate grüner Politik sind: Aufrüstung, fanatischer Antirussismus und Ukraine-Verehrung. Kein Zufall, dass ausgerechnet die Anhänger der Grünen die Waffenlieferung in die Ukraine und deren NATO-Mitgliedschaft über alle Umfragen hindurch am konsequentesten unterstützen.

Dabei sind sie auch diejenigen, die keine Sorge gegenüber möglichen Folgen dieser Politik äußern. Wie die letzte Civey-Umfrage zeigt, sind selbst die Wähler der Regierungsparteien mit der Politik des Kabinetts Merz nicht mehr einverstanden, mit einer Politik, die eifrig daran arbeitet, die Bundeswehr endlich als "Sicherheitsgarant" in die Ukraine zu entsenden. Bei der CDU sind es 51 Prozent und bei der SPD 55 Prozent, die Sorge haben, dass Deutschland zur Kriegspartei werden könnte, wenn es Bodentruppen in die Ukraine entsendet. Im Gesamten betrachtet äußern 63 Prozent Besorgnisse, während 29 Prozent diese nicht teilen. Bei den Grünen ist dieses Verhältnis 36 zu 48 – eine stark abweichende Meinung. 

Nun ist Habeck erst einmal raus. Aus der Ferne der US-Westküste wird er aber beobachten können, wie die von ihm angelegte Militarisierung der deutschen Ukraine-Politik ihre vollständige Entfaltung erfährt, bis zum tatsächlichen Einsatz von Truppen. Das dürfte seinen Freund Melnyk sicherlich erfreuen, ohne dass er auf X nochmals sein banderistisches Qualitätssiegel aufdrücken muss.


Mehr zum Thema - Falls Mützenich Außenminister wird: Andrei Melnyk kündigt Selbstmord an


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Video https://rumble.com/v6y783w-merz-bei-der-marine-russland-testet-tglich-unsere-verteidigungsbereitschaft.html Dauer 1:57 Uhr


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29.08.2025

Röper und Lipp klagen gegen EU-Sanktionen

aus e.mail von Doris Pumphrey, 29. August 2025, 20:20 Uhr


_RTDE 29.8.2025


_*Fast-Abschaffung der Pressefreiheit –

Röper und Lipp klagen gegen EU-Sanktionen


*Die Journalisten Thomas Röper und Alina Lipp klagen vor dem

europäischen Gericht gegen die sie betreffenden EU-Sanktionen. Die

Anwälte Dr. Verena Wester und Dr. Christian Knochen erklären die

gesetzlichen Grundlagen der Sanktionen und wie man juristisch dagegen

vorgeht.


/Von Felicitas Rabe/


Die Journalisten Alina Lipp und Thomas Röper wurden im Mai dieses Jahres

als erste europäische Bürger im 17. EU-Sanktionspaket gegen die

Russische Föderation namentlich in der Liste sanktionierter Personen

aufgenommen. Dieser Sanktionsvorschlag der hohen Vertreterin der EU für

Sicherheit, Kaja Kallas, wurde im Frühjahr 2025 von allen 27

EU‑Mitgliedsländern einstimmig beschlossen.


Seitens der EU wird Röper und Lipp vorgeworfen, sie würden einen

russischen Angriffskrieg unterstützen. Als Folge der Sanktionen dürfen

die beiden in Russland lebenden Journalisten nicht mehr in EU-Länder

einreisen, ihre Vermögen in der EU wurden eingefroren und für ihre

journalistische Arbeit darf unter Androhung von Strafe von EU-Bürgern

nicht mehr gespendet werden.


Dagegen klagen Röper und Lipp nun vor dem europäischen Gericht mittels

einer sogenannten Nichtigkeitsklage. Die Rechtsanwältin Dr. Verena

Wester vertritt die Rechte der beiden Sanktionierten mit Unterstützung

und Begleitung der Anwälte für Aufklärung (AFA).


In der Sendung "Tacheles Spezial"

<https://nuoflix.de/tacheles-168-> veröffentlichte das TV Magazin

/Nuoflix/ am vergangenen Freitag ein Interview mit Dr. Verena Wester und

dem Vorstandsmitglied der Anwälte für Aufklärung <https://afaev.eu/>,

Dr. Christian Knoche, über die rechtlichen Grundlagen der Sanktionen und

der Nichtigkeitsklage. Dabei fragte der Journalist und Moderator Robert

Stein die Anwältin zunächst, nach welchen Gesetzen der Europäische Rat

Lipp und Röper auf die Sanktionsliste setzte.


*Rechtsgrundlagen der Sanktionen gegen Röper und Lipp*


Verena Wester zufolge, sei die EU nach Artikel 29 des EU-Vertrags

<https://dejure.org/gesetze/EUV/29.html> grundsätzlich zur

Verabschiedung von Sanktionspaketen berechtigt. In Artikel 23 GG des

deutschen Grundgesetzes

<https://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_23.html> sei wiederum die

Übertragung der Rechtsmacht an die Europäische Union geregelt. Demnach

darf der Bund mit Zustimmung des Bundesrates Hoheitsrechte an die EU

übertragen. Deshalb laute im Fall von Röper und Lipp die juristisch zu

prüfende Frage, ob die beiden Sanktionierten tatbestandlich den Vorwurf

erfüllten, einen angeblich russischen Angriffskrieg zu unterstützen.


Rechtsanwalt Knoche fasste die konkreten Vorwürfe an dieser Stelle noch

einmal zusammen: Der Hauptvorwurf seitens der EU gegenüber den beiden

Journalisten laute demnach "die Verbreitung systematischer

Fehlinformationen aus Russland." Zusätzlich werde Thomas Röper seine

Teilnahme als Wahlbeobachter beim Referendum im Donbass im Jahr 2022 und

sein Bericht über ukrainische Kriegsverbrechen bei einem Treffen der

Vereinten Nationen vorgeworfen. Der erweiterte Vorwurf gegenüber Alina

Lipp beinhalte, dass sie Interviews gegenüber russischen Medien gegeben

habe.


Zum Vorwurf der Verbreitung von Fehlinformationen aus Russland äußerte

sich auch der per Video zugeschaltete Journalist Thomas Röper aus

Petersburg: Er habe bei besagtem UN-Treffen über die russische

Organisation "Gesellschaftliches Tribunal für Kriegsverbrechen"

berichtet, welche ukrainische Kriegsverbrechen dokumentiere. Röper

kommentierte die diesbezüglichen Vorwürfe: "Wenn das illegal sein soll,

kann ich nur jedem raten: Geht nicht mehr zur UNO, das ist gefährlich."


*Rechtliche Bewertung der Vorwürfe*


Ob die beiden Journalisten denn tatsächlich gegen Recht verstoßen

hätten, wollte Moderator Stein dann wissen. Röper und Lipp hätten

keinerlei Straftaten im Sinne der Vorwürfe begangen, erklärte der

AfA-Anwalt Knoche. Dazu führte er aus: "Sie haben als freie Journalisten

aus Russland und aus der Ukraine berichtet. Damit nehmen sie ihre

gesetzlich verankerte Pressefreiheit wahr. Und die Wahrnehmung der

Pressefreiheit kann kein Sanktionskriterium sein. Wir sind der

Auffassung, dass hier ein eklatanter Verstoß gegen die Meinungs- und

Pressefreiheit vorliegt."


Steins wollte wissen, wie es sein könne, dass ein Exekutivorgan wie der

Europäische Rat, solche Repressionen gegen EU-Bürger erlassen könne,

ohne gerichtliche Anhörung. Man müsse sich das vorstellen, wie einen von

deutschen Exekutivorganen angeordneten Führerscheinentzug, so Wester.

Auch dagegen könne man erst nach dem Beschluss Rechtsmittel einlegen.


*Deutsche und europäische Gesetzesgrundlagen für die Klage gegen die

Sanktionen*


Anschließend stellte die Juristin die rechtlichen Grundlagen für die

Nichtigkeitsklage dar. Artikel 5 des Grundgesetzes

<https://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_5.html> und die darin

geregelte Meinungs- und Pressefreiheit seien ein konstituierendes

Element für eine demokratisch freiheitliche Grundordnung. Gemäß diesem

Grundrecht besäßen alle Bürger das Recht auf freie Meinungsäußerung,

unabhängig davon, ob es einem europäischen Staat oder der EU insgesamt

gefalle. In Artikel 5, Absatz 1 steht:


/"(1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei

zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen

ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der

Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine

Zensur findet nicht statt."/


Im Rahmen der EU sei die Pressefreiheit auch durch Artikel 11 der Charta

der Grundrechte der Europäischen Union

<https://dejure.org/gesetze/GRCh/11.html> geschützt. In Artikel 11

"Freiheit der Meinungsäußerung und Informationsfreiheit" heißt es dazu:


/(1) Jede Person hat das Recht auf freie Meinungsäußerung. Dieses Recht

schließt die Meinungsfreiheit und die Freiheit ein, Informationen und

Ideen ohne behördliche Eingriffe und ohne Rücksicht auf Staatsgrenzen zu

empfangen und weiterzugeben.

(2) Die Freiheit der Medien und ihre Pluralität werden geachtet./


Und schließlich regele auch Artikel 10 der Europäischen

Menschenrechtskonvention

<https://presserecht.de/index.php?id=703&option=com_content&task=view

(EMRK) das Recht auf freie Meinungsäußerung ohne Rücksicht auf

Landesgrenzen. Im Absatz 1, erster Satz des Artikel 10 heißt es:

"/1. Jedermann hat Anspruch auf freie Meinungsäußerung. Dieses Recht

schließt die Freiheit der Meinung und die Freiheit zum Empfang und zur

Mitteilung von Nachrichten oder Ideen ohne Eingriffe öffentlicher

Behörden und ohne Rücksicht auf Landesgrenzen ein."/


Ausdrücklich würden auch kritische Berichte unter die Meinungs- und

Pressefreiheit fallen. Rechtsanwalt Knoche ergänzte: "Es darf nicht

sein, dass Journalisten nur im Sinne des jeweiligen Narrativs eines

Landes oder der EU-Doktrin berichten dürften."


Die Anwälte für Aufklärung würden diese Fälle begleiten, weil sie einen

massiven Eingriff in die Pressefreiheit bedeuteten, so massiv, dass es

schon fast einer Aufhebung der Pressefreiheit gleichkäme. Im Jahr 2020

habe sich der AfA-Anwaltsverband gegründet, insbesondere um über das

staatliche Unrecht überwiegend rechtswidriger Coronamaßnahmen

aufzuklären und zu berichten – in Zeiten, in denen die Mainstream-Medien

die Berichterstattung dazu nahezu unterließen.


unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

29.08.2025

Geopolitik Jeffrey Sachs: Europa in der Falle - warum ist Russland eigentlich der Feind?

berliner-zeitung.de, 29.08.2025, 13:05 Uhr, 28.08.2025, Jeffrey Sachs

Deutschland sollte sich nicht Russland und China zum Feind machen, während die USA Europa attackieren und sogar mit einem Krieg um Grönland drohen.


Die Europäer warten in einem Nebenraum, während Trump mit Putin telefoniert.IMAGO/DANIEL TOROK


Unter dem Titel „Eine neue Außenpolitik für Europa“ veröffentlichte der Ökonom und Diplomat Jeffrey Sachs im Horizons Magazine, Sommer 2025, Ausgabe 31, eine grundlegende Analyse des geopolitischen Dilemmas, in dem sich Deutschland und Europa befinden. Wir bringen die Analyse mit freundlicher Genehmigung von Professor Sachs auf Deutsch. 

Die Europäische Union braucht eine neue Außenpolitik, die auf den wahren Wirtschafts- und Sicherheitsinteressen Europas basiert. Europa befindet sich derzeit in einer selbst geschaffenen Wirtschafts- und Sicherheitsfalle, die durch seine gefährliche Feindseligkeit gegenüber Russland, sein gegenseitiges Misstrauen gegenüber China und seine extreme Verwundbarkeit gegenüber den Vereinigten Staaten gekennzeichnet ist.

Die europäische Außenpolitik wird fast vollständig von der Angst vor Russland und China bestimmt – was zu einer sicherheitspolitischen Abhängigkeit von den Vereinigten Staaten geführt hat. Die Unterwürfigkeit Europas gegenüber den USA rührt fast ausschließlich von seiner übergeordneten Angst vor Russland her, einer Angst, die durch die russophoben Staaten Osteuropas und eine falsche Darstellung des Ukraine-Krieges noch verstärkt wurde.

Ausgehend von der Überzeugung, dass Russland ihre größte Sicherheitsbedrohung darstellt, ordnet die EU alle anderen außenpolitischen Fragen – Wirtschaft, Handel, Umwelt, Technologie und Diplomatie – den Vereinigten Staaten unter.

Ironischerweise hält sie eng an Washington fest, obwohl die Vereinigten Staaten in ihrer eigenen Außenpolitik gegenüber der EU schwächer, instabiler, unberechenbarer, irrationaler und gefährlicher geworden sind – sogar so weit gehend, die europäische Souveränität in Grönland offen zu bedrohen. Um eine neue Außenpolitik zu gestalten, muss Europa die falsche Annahme seiner extremen Verwundbarkeit gegenüber Russland überwinden.

Das Narrativ von Brüssel, der NATO und Großbritannien besagt, dass Russland von Natur aus expansionistisch ist und Europa überrennen wird, wenn sich die Gelegenheit bietet. Die sowjetische Besetzung Osteuropas von 1945 bis 1991 soll diese Bedrohung heute verdeutlichen. Dieses falsche Narrativ missversteht das russische Verhalten in Vergangenheit und Gegenwart grundlegend.

Der erste Teil dieses Essays zielt darauf ab, die falsche Annahme zu korrigieren, dass Russland eine ernste Bedrohung für Europa darstellt. Der zweite Teil blickt voraus auf eine neue europäische Außenpolitik, sobald Europa seine irrationale Russophobie überwunden hat.

Die falsche Prämisse des russischen Westimperialismus

Die europäische Außenpolitik basiert auf der angeblichen Sicherheitsbedrohung Europas durch Russland. Doch diese Prämisse ist falsch. Russland wurde in den letzten zwei Jahrhunderten wiederholt von den großen westlichen Mächten (insbesondere Großbritannien, Frankreich, Deutschland und den Vereinigten Staaten) angegriffen und strebt seit langem Sicherheit durch eine Pufferzone zwischen sich und den westlichen Mächten an. Die stark umkämpfte Pufferzone umfasst das heutige Polen, die Ukraine, Finnland und die baltischen Staaten.

Diese Region zwischen den Westmächten und Russland ist für die größten Sicherheitsdilemmata Westeuropas und Russlands verantwortlich.

Kriege des Westens gegen Russland

Zu den wichtigsten westlichen Kriegen gegen Russland seit 1800 zählen: Die französische Invasion Russlands 1812 (Napoleonische Kriege); die britisch-französische Invasion Russlands 1853–1856 (Krimkrieg); die deutsche Kriegserklärung an Russland am 1. August 1914 (Erster Weltkrieg); die Intervention der Alliierten im Russischen Bürgerkrieg 1918–1922 (Russischer Bürgerkrieg); die deutsche Invasion Russlands 1941 (Zweiter Weltkrieg). Jeder dieser Kriege stellte eine existenzielle Bedrohung für Russlands Überleben dar.

Aus russischer Sicht stellen die gescheiterte Entmilitarisierung Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg, die Gründung der NATO, die Eingliederung Westdeutschlands in die NATO 1955, die NATO-Osterweiterung nach 1991 und der anhaltende Ausbau der US-Militärstützpunkte und Raketensysteme in Osteuropa nahe der russischen Grenze die größten Bedrohungen für Russlands nationale Sicherheit seit dem Zweiten Weltkrieg dar.

Russland ist auch mehrfach nach Westen vorgedrungen: Russlands Angriff auf Ostpreußen 1914; der Ribbentrop-Molotow-Pakt 1939, der Polen zwischen Deutschland und der Sowjetunion aufteilte und 1940 die baltischen Staaten annektierte; die Invasion Finnlands im November 1939 (Winterkrieg); die sowjetische Besetzung Osteuropas von 1945 bis 1989; der russische Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022.

Diese russischen Aktionen werden von Europa als objektiver Beweis für Russlands Expansionismus nach Westen gewertet, doch eine solche Sichtweise ist naiv, unhistorisch und propagandistisch. In allen fünf Fällen handelte Russland zum Schutz seiner nationalen Sicherheit – so sah es dies – und betrieb keine Westexpansion um seiner selbst willen.

Diese grundlegende Wahrheit ist der Schlüssel zur Lösung des heutigen Konflikts zwischen Europa und Russland. Russland strebt keine Westexpansion an; Russland strebt seine nationale Sicherheit im Kern an. Doch der Westen erkennt Russlands zentrale nationale Sicherheitsinteressen seit langem nicht an, geschweige denn, sie zu respektieren.

Russlands Kriege gegen den Westen

Betrachten wir diese fünf Fälle von Russlands angeblicher Westexpansion. Der erste Fall, Russlands Angriff auf Ostpreußen 1914, kann sofort beiseite gelegt werden.

Das Deutsche Reich hatte Russland am 1. August 1914 als erstes den Krieg erklärt. Russlands Invasion in Ostpreußen war eine direkte Reaktion auf die deutsche Kriegserklärung.

Der zweite Fall, Sowjetrusslands Abkommen mit Hitlers Drittem Reich zur Teilung Polens im Jahr 1939 und die Annexion der baltischen Staaten 1940, wird im Westen als eindeutiger Beweis russischer Niedertracht angesehen. Auch dies ist eine vereinfachende und falsche Lesart der Geschichte. Wie Historiker wie E. H. Carr, Stephen Kotkin und Michael Jabara Carley sorgfältig dokumentiert haben, schloss Stalin 1939 Kontakt zu Großbritannien und Frankreich, um ein Verteidigungsbündnis gegen Hitler zu bilden, der erklärt hatte, im Osten Krieg gegen Russland führen zu wollen (um Lebensraum, slawische Sklavenarbeit und die Niederlage des Bolschewismus). Stalins Versuch, ein Bündnis mit den Westmächten zu schmieden, wurde entschieden zurückgewiesen. Polen weigerte sich, im Falle eines Krieges mit Deutschland sowjetische Truppen auf polnischem Boden zuzulassen. Der Hass der westlichen Elite auf den sowjetischen Kommunismus war mindestens ebenso groß wie ihre Angst vor Hitler. Tatsächlich lautete ein gängiger Satz unter den britischen rechten Eliten in den späten 1930er Jahren: „Besser Hitlerismus als Kommunismus.“

Da es ihm nicht gelang, ein Verteidigungsbündnis zu schmieden, versuchte Stalin, eine Pufferzone gegen den bevorstehenden deutschen Einmarsch in Russland zu schaffen.

Die Teilung Polens und die Annexion der baltischen Staaten erfolgten aus taktischen Gründen, um Zeit für die bevorstehende Schlacht von Armageddon mit Hitlers Armeen zu gewinnen, die am 22. Juni 1941 mit dem deutschen Einmarsch in die Sowjetunion im Rahmen des Unternehmens Barbarossa eintraf. Die vorangegangene Teilung Polens und die Annexion der baltischen Staaten könnten die Invasion durchaus verzögert und die Sowjetunion vor einer schnellen Niederlage gegen Hitler bewahrt haben.

Finnland und Russland

Der dritte Fall, Russlands Winterkrieg gegen Finnland, wird in Westeuropa (und insbesondere in Finnland) ebenfalls als Beweis für Russlands expansionistischen Charakter angesehen. Doch auch hier war die grundlegende Motivation Russlands defensiv, nicht offensiv. Russland befürchtete, dass die deutsche Invasion teilweise über Finnland erfolgen und Leningrad schnell von Hitler eingenommen werden könnte. Die Sowjetunion schlug Finnland daher einen Gebietstausch mit der Sowjetunion vor (insbesondere die Abtretung der Karelischen Landenge und einiger Inseln im Finnischen Meerbusen im Austausch gegen russische Gebiete), um Russland die Verteidigung Leningrads zu ermöglichen. Finnland lehnte diesen Vorschlag ab und die Sowjetunion marschierte am 30. November 1939 in Finnland ein. Anschließend schloss sich Finnland während des „Fortsetzungskrieges“ von 1941 bis 1944 Hitlers Armeen im Krieg gegen die Sowjetunion an.

Besetzung Osteuropas durch die UdSSR

Der vierte Fall, die sowjetische Besetzung Osteuropas (und die fortgesetzte Annexion der baltischen Staaten) während des Kalten Krieges, wird in Europa als ein weiterer bitterer Beweis für die grundlegende Bedrohung der europäischen Sicherheit durch Russland angesehen. Die sowjetische Besatzung war tatsächlich brutal, aber auch sie hatte defensive Motive, die in der westeuropäischen und amerikanischen Erzählung völlig übersehen werden. Die Sowjetunion trug die Hauptlast des Sieges über Hitler und verlor in dem Krieg unglaubliche 27 Millionen Bürger. Russland hatte nach Kriegsende eine vorrangige Forderung: seine Sicherheitsinteressen sollten durch einen Vertrag abgesichert werden, der es vor künftigen Bedrohungen durch Deutschland und den Westen im Allgemeinen schützte. Der Westen, heute angeführt von den USA, lehnte diese grundlegende Sicherheitsforderung ab. Der Kalte Krieg ist das Ergebnis der Weigerung des Westens, Russlands lebenswichtige Sicherheitsinteressen zu respektieren.

Natürlich ist die Geschichte des Kalten Krieges, wie sie im Westen erzählt wird, genau das Gegenteil: Der Kalte Krieg sei ausschließlich das Ergebnis der kriegerischen Versuche Russlands gewesen, die Welt zu erobern!

Hier ist die wahre Geschichte, die Historikern wohlbekannt, der Öffentlichkeit in den Vereinigten Staaten und Europa jedoch fast völlig unbekannt ist. Am Ende des Krieges strebte die Sowjetunion einen Friedensvertrag an, der ein vereintes, neutrales und entmilitarisiertes Deutschland schaffen sollte.

Westen wollte Teilung Deutschlands, nicht die Entmilitarisierung

Auf der Potsdamer Konferenz im Juli 1945, an der die Staats- und Regierungschefs der Sowjetunion, Großbritanniens und der Vereinigten Staaten teilnahmen, einigten sich die drei Alliierten auf „die vollständige Abrüstung und Entmilitarisierung Deutschlands und die Beseitigung oder Kontrolle der gesamten deutschen Industrie, die für die militärische Produktion genutzt werden könnte“. Deutschland sollte vereint, befriedet und entmilitarisiert werden. All dies sollte durch einen Vertrag zur Beendigung des Krieges abgesichert werden. Tatsächlich arbeiteten die USA und Großbritannien unermüdlich daran, dieses Kernprinzip zu untergraben. Bereits im Mai 1945 beauftragte Winston Churchill seinen militärischen Stabschef mit der Ausarbeitung eines Kriegsplans für einen Überraschungsangriff auf die Sowjetunion Mitte 1945 mit dem Codenamen Operation Unthinkable.

Obwohl die britischen Militärplaner einen solchen Krieg für undurchführbar hielten, setzte sich schnell die Vorstellung durch, dass sich Amerikaner und Briten auf einen bevorstehenden Krieg mit der Sowjetunion vorbereiten sollten. Die Kriegsplaner hielten einen solchen Krieg für wahrscheinlich in den frühen 1950er Jahren. Churchills Ziel war offenbar, zu verhindern, dass Polen und andere osteuropäische Länder in eine sowjetische Einflusssphäre fielen. Auch in den Vereinigten Staaten betrachteten führende Militärplaner die Sowjetunion schon wenige Wochen nach der Kapitulation Deutschlands im Mai 1945 als Amerikas nächsten Feind. Die USA und Großbritannien rekrutierten rasch Nazi-Wissenschaftler und hochrangige Geheimdienstler (wie Reinhard Gehlen, einen Naziführer, der von Washington beim Aufbau des deutschen Nachkriegsgeheimdienstes unterstützt wurde), um mit der Planung des bevorstehenden Krieges gegen die Sowjetunion zu beginnen.

Aufnahme Deutschlands in die Nato

Der Kalte Krieg brach hauptsächlich deshalb aus, weil die Amerikaner und Briten die deutsche Wiedervereinigung und die in Potsdam vereinbarte Entmilitarisierung ablehnten. Stattdessen gaben die Westmächte die deutsche Wiedervereinigung auf und gründeten aus den drei Besatzungszonen der USA, des Vereinigten Königreichs und Frankreichs die Bundesrepublik Deutschland (BRD oder Westdeutschland). Unter amerikanischer Schirmherrschaft sollte die BRD reindustrialisiert und remilitarisiert werden. 1955 wurde Westdeutschland in die NATO aufgenommen.

Während Historiker heftig darüber debattieren, wer die Potsdamer Abkommen eingehalten hat und wer nicht (wobei der Westen beispielsweise auf die Weigerung der Sowjetunion verweist, in Polen eine wirklich repräsentative Regierung zuzulassen, wie in Potsdam vereinbart), besteht kein Zweifel daran, dass die Remilitarisierung der Bundesrepublik Deutschland durch den Westen die Hauptursache des Kalten Krieges war. 1952 schlug Stalin eine Wiedervereinigung Deutschlands auf der Grundlage von Neutralität und Entmilitarisierung vor.

Neutralität Österreichs seit 1955

Dieser Vorschlag wurde von den USA abgelehnt. 1955 vereinbarten die Sowjetunion und Österreich, dass die Sowjetunion ihre Besatzungstruppen aus Österreich abziehen würde, wenn Österreich im Gegenzug dauerhafte Neutralität zusicherte. Der österreichische Staatsvertrag wurde am 15. Mai 1955 von der Sowjetunion, den Vereinigten Staaten, Frankreich und dem Vereinigten Königreich gemeinsam mit Österreich unterzeichnet und führte damit zum Ende der Besatzung. Das Ziel der Sowjetunion bestand nicht nur darin, die Spannungen wegen Österreich beizulegen, sondern den Vereinigten Staaten auch ein erfolgreiches Modell des sowjetischen Rückzugs aus Europa bei gleichzeitiger Neutralität zu zeigen.

Wieder einmal wiesen die Vereinigten Staaten den sowjetischen Appell zurück, den Kalten Krieg auf der Grundlage der Neutralität und Entmilitarisierung Deutschlands zu beenden. Noch 1957 appellierte der amerikanische Doyen in sowjetischen Angelegenheiten, George Kennan, in seiner dritten Reith Lecture für die BBC öffentlich und leidenschaftlich an die Vereinigten Staaten, sich mit der Sowjetunion auf einen gegenseitigen Truppenabzug aus Europa zu einigen. Die Sowjetunion, betonte Kennan, strebe weder eine militärische Invasion Westeuropas an noch sei sie daran interessiert.

Die US-amerikanischen Kalten Krieger unter der Führung von John Foster Dulles wollten davon nichts wissen. Bis zur deutschen Wiedervereinigung 1990 wurde kein Friedensvertrag mit Deutschland zur Beendigung des Zweiten Weltkriegs unterzeichnet.

Es ist hervorzuheben, dass die Sowjetunion nach 1955 die Neutralität Österreichs und auch der anderen neutralen Länder Europas (einschließlich Schwedens, Finnlands, der Schweiz, Irlands, Spaniens und Portugals) respektiert hat. Der finnische Präsident Alexander Stubb erklärte kürzlich, die Ukraine solle aufgrund der negativen Erfahrungen Finnlands die Neutralität ablehnen (die finnische Neutralität endete 2024 mit dem NATO-Beitritt des Landes). Das ist ein bizarrer Gedanke. Finnland blieb unter neutraler Herrschaft friedlich, erreichte bemerkenswerten wirtschaftlichen Wohlstand und erreichte laut World Happiness Report die höchste Zufriedenheitsstufe der Welt.

Ermordung Kennedys, Sturz Nixons

Präsident John F. Kennedy zeigte einen möglichen Weg zur Beendigung des Kalten Krieges auf, der auf gegenseitigem Respekt für die Sicherheitsinteressen aller Seiten beruhte. Kennedy blockierte den Versuch des deutschen Bundeskanzlers Konrad Adenauer, Atomwaffen von Frankreich zu erwerben, und beschwichtigte so die sowjetischen Bedenken hinsichtlich eines atomar bewaffneten Deutschlands. Auf dieser Grundlage handelte JFK erfolgreich den Vertrag über das teilweise Verbot von Atomtests mit seinem sowjetischen Amtskollegen Nikita Chruschtschow aus. Kennedy wurde einige Monate später höchstwahrscheinlich aufgrund seiner Friedensinitiative von einer Gruppe CIA-Agenten ermordet. 2025 veröffentlichte Dokumente bestätigen den seit langem bestehenden Verdacht, dass Lee Harvey Oswald direkt von James Angleton, einem hochrangigen CIA-Mitarbeiter, betreut wurde.

Das nächste US-amerikanische Friedensangebot an die Sowjetunion wurde von Richard Nixon angeführt. Er wurde durch die Watergate-Affäre zu Fall gebracht, die ebenfalls Anzeichen einer nie aufgeklärten CIA-Operation aufweist.

Michail Gorbatschow beendete schließlich den Kalten Krieg, indem er den Warschauer Pakt einseitig auflöste und die Demokratisierung Osteuropas aktiv vorantrieb. Ich war an einigen dieser Ereignisse beteiligt und wurde Zeuge von Gorbatschows Friedensstiftung. Im Sommer 1989 beispielsweise forderte Gorbatschow die kommunistische Führung Polens auf, eine Koalitionsregierung mit den von der Solidarność-Bewegung angeführten Oppositionskräften zu bilden.

Wiedervereinigung und Nato-Osterweiterung

Das Ende des Warschauer Pakts und die von Gorbatschow gesteuerte Demokratisierung Osteuropas führten rasch dazu, dass Bundeskanzler Helmut Kohl die deutsche Wiedervereinigung forderte. Dies führte zu den Wiedervereinigungsverträgen von 1990 zwischen der BRD und der DDR sowie zum sogenannten 2+4-Vertrag zwischen den beiden deutschen Staaten und den vier alliierten Mächten USA, Großbritannien, Frankreich und Sowjetunion.

Die Vereinigten Staaten und Deutschland versprachen Gorbatschow im Februar 1990 klar, dass die NATO im Zusammenhang mit der deutschen Wiedervereinigung „keinen Zentimeter nach Osten“ rücken werde. Diese Tatsache wird heute von den Westmächten weitgehend bestritten, lässt sich aber leicht überprüfen. Dieses zentrale Versprechen, die NATO-Erweiterung nicht fortzusetzen, wurde zwar mehrfach abgegeben, fand aber keinen Eingang in den Text des 2+4-Abkommens, da dieses die deutsche Wiedervereinigung und nicht die NATO-Osterweiterung betraf.

Russlands Invasion in der Ukraine

Der fünfte Fall, Russlands Invasion in der Ukraine im Februar 2022, wird im Westen erneut als Beweis für Russlands unverbesserlichen Westimperialismus angesehen. Das Lieblingswort westlicher Medien, Experten und Propagandisten ist, dass Russlands Invasion „unprovoziert“ war und daher ein Beweis für Putins unerbittliches Streben ist, nicht nur das Russische Reich wiederherzustellen, sondern auch weiter nach Westen vorzudringen, was bedeutet, dass sich Europa auf einen Krieg mit Russland vorbereiten sollte. Dies ist eine absurde Lüge, die jedoch von den Mainstream-Medien so oft wiederholt wird, dass sie in Europa weithin geglaubt wird.

Tatsächlich wurde die russische Invasion im Februar 2022 vom Westen so provoziert, dass man vermuten könnte, es handele sich tatsächlich um einen amerikanischen Plan, die Russen in einen Krieg zu locken, um Russland zu besiegen oder zu schwächen. Diese Behauptung ist glaubwürdig, wie zahlreiche Aussagen zahlreicher US-Beamter bestätigen. Nach der Invasion erklärte US-Verteidigungsminister Lloyd Austin, Washingtons Ziel sei es, „Russland so weit zu schwächen, dass es nicht mehr in der Lage ist, ähnliche Aktionen wie bei der Invasion der Ukraine durchzuführen. Die Ukraine kann gewinnen, wenn sie über die richtige Ausrüstung und die richtige Unterstützung verfügt.“

Die wichtigste Provokation der USA gegenüber Russland bestand darin, entgegen den Versprechen von 1990 die NATO nach Osten zu erweitern.

Russland und China verbündet? No way!

Dabei ging es um ein wichtiges Ziel: Russland mit NATO-Staaten in der Schwarzmeerregion einzukreisen und es Russland so zu unterbinden, seine von der Krim aus stationierte Seemacht im östlichen Mittelmeer und im Nahen Osten einzusetzen. Im Wesentlichen war das Ziel der USA dasselbe wie das Ziel Palmerstons und Napoleons III. im Krimkrieg: die russische Flotte aus dem Schwarzen Meer zu vertreiben. Zu den NATO-Mitgliedern würden die Ukraine, Rumänien, Bulgarien, die Türkei und Georgien gehören, wodurch eine Schlinge gebildet würde, die Russlands Seemacht am Schwarzen Meer erwürgen würde.

Zbigniew Brzezinski beschrieb diese Strategie in seinem 1997 erschienenen Buch „Das große Schachbrett“. Darin behauptete er, Russland werde sich dem Willen des Westens beugen, da es keine andere Wahl habe. Brzezinski wies ausdrücklich die Vorstellung zurück, Russland würde sich jemals mit China gegen Europa verbünden. Die gesamte Zeit nach dem Untergang der Sowjetunion 1991 ist von westlicher Hybris geprägt (so betitelte der Historiker Jonathan Haslam seinen hervorragenden Bericht). In dieser Zeit glaubten die Vereinigten Staaten und Europa, sie könnten NATO- und amerikanische Waffensysteme (wie Aegis-Raketen) ohne Rücksicht auf Russlands nationale Sicherheitsbedenken nach Osten drängen.

Die Liste westlicher Provokationen ist zu lang, um sie hier im Detail wiederzugeben, hier aber eine Zusammenfassung:

Zahlreiche westliche Provokationen

Erstens begannen die Vereinigten Staaten entgegen ihren Versprechen aus dem Jahr 1990 mit der Osterweiterung der NATO, die 1994 mit den Ankündigungen des damaligen Präsidenten Bill Clinton begann. Damals erwog Clintons Verteidigungsminister William Perry angesichts der Rücksichtslosigkeit dieses US-Vorgehens entgegen früheren Versprechen seinen Rücktritt. Die erste Welle der NATO-Erweiterung fand 1999 statt und umfasste Polen, Ungarn und die Tschechische Republik. Im selben Jahr bombardierten NATO-Truppen 78 Tage lang den mit Russland verbündeten Serbien, um das Land zu spalten, und die NATO errichtete rasch einen neuen großen Militärstützpunkt in der abtrünnigen Provinz Kosovo.

Die zweite Welle der NATO-Osterweiterung im Jahr 2004 umfasste sieben Länder, darunter Russlands direkte Nachbarn im Baltikum und zwei Schwarzmeerländer – Bulgarien und Rumänien. 2008 erkannte der Großteil der EU den Kosovo als unabhängigen Staat an, entgegen den europäischen Beteuerungen, die europäischen Grenzen seien unantastbar.

Zweitens kündigten die USA 2002 einseitig den ABM-Vertrag und damit die nukleare Rüstungskontrolle. 2019 kündigten sie in ähnlicher Weise den INF-Vertrag. Trotz Russlands heftiger Einwände begannen die USA mit der Stationierung von ABM-Systemen in Polen und Rumänien und behielten sich im Januar 2022 das Recht vor, solche Systeme in der Ukraine zu stationieren.

Maidan: Gewaltsamer Putsch

Drittens infiltrierten die USA tief in die ukrainische Innenpolitik und gaben Milliarden von Dollar aus, um die öffentliche Meinung zu beeinflussen, Medienkanäle aufzubauen und die ukrainische Innenpolitik zu steuern. Die Wahlen in der Ukraine von 2004–2005 gelten weithin als eine Art amerikanische Farbrevolution, bei der die USA ihren verdeckten und offenen Einfluss sowie ihre Finanzierung nutzten, um die Wahl zugunsten der von den USA unterstützten Kandidaten zu beeinflussen. In den Jahren 2013 und 2014 spielten die USA eine direkte Rolle bei der Finanzierung der Maidan-Proteste und des gewaltsamen Putsches, der den neutralitätsorientierten Präsidenten Viktor Janukowitsch stürzte. Damit ebneten sie den Weg für ein ukrainisches Regime, das die NATO-Mitgliedschaft unterstützt.

Übrigens wurde ich kurz nach dem gewaltsamen Putsch vom 22. Februar 2014, der zu Janukowitschs Sturz führte, zu einem Besuch des Maidan eingeladen. Die Rolle der amerikanischen Finanzierung der Proteste wurde mir von einer US-amerikanischen NGO erklärt, die maßgeblich in die Maidan-Ereignisse involviert war.

Njet heißt Njet

Viertens drängten die USA ab 2008 trotz der Einwände mehrerer europäischer Staats- und Regierungschefs die NATO dazu, sich zur Erweiterung um die Ukraine und Georgien zu verpflichten. Der damalige US-Botschafter in Moskau, William J. Burns, telegrafierte ein inzwischen berüchtigtes Memo mit dem Titel „Njet heißt Njet: Russlands rote Linien bei der NATO-Erweiterung“ nach Washington. Darin erklärte er, die gesamte russische politische Klasse sei entschieden gegen eine NATO-Erweiterung um die Ukraine und befürchte, ein solches Vorhaben könne zu Bürgerkriegen in der Ukraine führen.

Fünftens sagten sich nach dem Putsch auf dem Maidan die russischstämmigen Regionen der Ostukraine (Donbass) von der durch den Putsch eingesetzten neuen westukrainischen Regierung los. Russland und Deutschland einigten sich rasch auf die Minsker Abkommen, denen zufolge die beiden abtrünnigen Regionen (Donezk und Lugansk) Teil der Ukraine bleiben sollten, jedoch mit lokaler Autonomie nach dem Vorbild der deutschstämmigen Region Südtirol in Italien. Minsk II, das vom UN-Sicherheitsrat unterstützt wurde, hätte den Konflikt beenden können, doch die Regierung in Kiew entschied sich mit Unterstützung Washingtons gegen die Umsetzung der Autonomie.

Die gescheiterte Umsetzung von Minsk II vergiftete die Diplomatie zwischen Russland und dem Westen.

Sechstens bauten die Vereinigten Staaten die ukrainische Armee (aktive Armee plus Reserve) bis 2020 kontinuierlich auf rund eine Million Soldaten aus. Die Ukraine und ihre rechtsgerichteten paramilitärischen Bataillone (wie das Asow-Bataillon und der Rechte Sektor) führten wiederholt Angriffe auf die beiden abtrünnigen Regionen, wobei im Donbass Tausende Zivilisten durch ukrainischen Artilleriebeschuss starben.

Siebtens legte Russland Ende 2021 den Entwurf eines russisch-amerikanischen Sicherheitsabkommens vor, das vor allem ein Ende der NATO-Osterweiterung forderte. Die USA lehnten Russlands Forderung nach einem Ende der NATO-Osterweiterung ab und bekräftigten ihre „Politik der offenen Tür“, wonach Drittstaaten wie Russland bei der NATO-Erweiterung kein Mitspracherecht haben. Die USA und europäische Länder bekräftigten wiederholt die mögliche NATO-Mitgliedschaft der Ukraine. Berichten zufolge teilte der US-Außenminister dem russischen Außenminister im Januar 2022 mit, dass die USA trotz russischer Einwände das Recht behielten, Mittelstreckenraketen in der Ukraine zu stationieren.

Kein Friede in Istanbul

Achtens stimmte die Ukraine nach der russischen Invasion am 24. Februar 2022 rasch Friedensverhandlungen auf der Grundlage einer Rückkehr zur Neutralität zu. Diese Verhandlungen fanden unter Vermittlung der Türkei in Istanbul statt. Ende März 2022 veröffentlichten Russland und die Ukraine ein gemeinsames Memorandum, in dem sie über die Fortschritte bei einem Friedensabkommen berichteten. Am 15. April wurde ein Dokument vorgelegt, das einer umfassenden Einigung nahe kam. Zu diesem Zeitpunkt griffen die USA ein und teilten den Ukrainern mit, dass sie das Friedensabkommen nicht unterstützen würden, sondern die Ukraine stattdessen bei der Fortsetzung der Kämpfe unterstützen würden.

Die hohen Kosten einer gescheiterten Außenpolitik Russland hat weder irgendwelche Gebietsansprüche gegenüber westeuropäischen Ländern erhoben, noch hat Russland Westeuropa bedroht, abgesehen von seinem Recht auf Vergeltung für vom Westen unterstützte Raketenangriffe in Russland. Bis zum Maidan-Putsch 2014 erhob Russland keinerlei Gebietsansprüche gegenüber der Ukraine. Nach dem Putsch 2014 und bis Ende 2022 war Russlands einzige Gebietsforderung die Krim, um zu verhindern, dass der russische Marinestützpunkt in Sewastopol in westliche Hände fällt.

Erst nach dem Scheitern des Istanbuler Friedensprozesses – torpediert von den USA – beanspruchte Russland die Annexion der vier ukrainischen Oblaste (Donezk, Lugansk, Cherson und Saporischschja). Russlands erklärte Kriegsziele sind heute nach wie vor begrenzt und umfassen die Neutralität der Ukraine, eine teilweise Entmilitarisierung, einen dauerhaften Austritt aus der NATO sowie die Übertragung der Krim und ihrer vier Oblaste an Russland, die rund 19 Prozent des ukrainischen Territoriums von 1991 ausmachen.

Dies ist kein Beweis für russischen Westimperialismus.

Es handelt sich auch nicht um grundlose Forderungen. Russlands Kriegsziele folgen auf über 30 Jahre russischer Einwände gegen die NATO-Osterweiterung, die Aufrüstung der Ukraine, den amerikanischen Ausstieg aus dem Atomwaffenabkommen und die tiefgreifende Einmischung des Westens in die ukrainische Innenpolitik, einschließlich der Unterstützung eines gewaltsamen Putsches im Jahr 2014, der die NATO und Russland auf direkten Kollisionskurs brachte. Europa interpretiert die Ereignisse der letzten 30 Jahre als Beweis für Russlands unerbittlichen und unverbesserlichen Expansionismus nach Westen – so wie der Westen darauf beharrte, die Sowjetunion sei allein für den Kalten Krieg verantwortlich, während die Sowjetunion in Wirklichkeit durch die Neutralität, die Wiedervereinigung und die Abrüstung Deutschlands wiederholt den Weg zum Frieden gewiesen hatte.

Gegner reden aneinander vorbei

Wie schon im Kalten Krieg provozierte der Westen Russland lieber, als dessen durchaus verständliche Sicherheitsbedenken anzuerkennen. Jede russische Aktion wurde als Zeichen russischer Niedertracht interpretiert, ohne Russlands Standpunkt in der Debatte zu berücksichtigen.

Dies ist ein anschauliches Beispiel für das klassische Sicherheitsdilemma: Gegner reden aneinander vorbei, gehen vom Schlimmsten aus und handeln aggressiv auf der Grundlage ihrer falschen Annahmen. Europas Entscheidung, den Kalten Krieg und die Nachkriegszeit aus dieser stark voreingenommenen Perspektive zu interpretieren, hat Europa enorme Kosten verursacht, und diese Kosten steigen weiter. Vor allem aber sah sich Europa in seiner Sicherheit völlig von den USA abhängig.

Wenn Russland tatsächlich unverbesserlich expansionistisch ist, dann sind die USA Europas notwendiger Retter. Wäre Russlands Verhalten hingegen tatsächlich Ausdruck seiner Sicherheitsbedenken gewesen, hätte der Kalte Krieg nach dem Vorbild der österreichischen Neutralität höchstwahrscheinlich Jahrzehnte früher enden können, und die Nachkriegszeit hätte eine Zeit des Friedens und wachsenden Vertrauens zwischen Russland und Europa sein können.

Kampf um Rohstoffe

Tatsächlich ergänzen sich die Volkswirtschaften Europas und Russlands: Russland ist reich an Rohstoffen (Landwirtschaft, Mineralien, Kohlenwasserstoffe) und Maschinenbau, während Europa energieintensive Industrien und wichtige Hochtechnologien beherbergt. Die USA lehnen die aus dieser natürlichen Komplementarität resultierenden wachsenden Handelsbeziehungen zwischen Europa und Russland seit langem ab. Sie betrachten die russische Energiewirtschaft als Konkurrenten des US-Energiesektors und sehen die engen deutsch-russischen Handels- und Investitionsbeziehungen generell als Bedrohung der politischen und wirtschaftlichen Vorherrschaft der USA in Westeuropa.

Nord Stream Pipelines

Aus diesen Gründen lehnten die USA die Pipelines Nord Stream 1 und 2 schon lange vor dem Ukraine-Konflikt ab. Biden versprach daher ausdrücklich, Nord Stream 2 im Falle einer russischen Invasion in der Ukraine zu stoppen – wie es auch geschah. Die US-amerikanische Opposition gegen Nord Stream und die Schließung der deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen beruhte auf allgemeinen Grundsätzen: Die EU und Russland sollten auf Distanz gehalten werden, damit die USA ihren Einfluss in Europa nicht verlieren. Der Ukraine-Krieg und die Spaltung Europas mit Russland haben der europäischen Wirtschaft großen Schaden zugefügt. Europas Exporte nach Russland sind drastisch zurückgegangen, von rund 90 Milliarden Euro im Jahr 2021 auf nur noch 30 Milliarden Euro im Jahr 2024. Die Energiekosten sind in die Höhe geschossen, da Europa von billigem russischem Pipeline-Erdgas auf mehrfach teureres Flüssigerdgas aus den USA umgestiegen ist. Die deutsche Industrie ist seit 2020 um rund 10 Prozent geschrumpft und sowohl die deutsche Chemiebranche als auch die Automobilindustrie geraten ins Wanken.

Der IWF prognostiziert für die EU ein Wirtschaftswachstum von lediglich einem Prozent im Jahr 2025 und von etwa 1,5 Prozent für den Rest des Jahrzehnts.

Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz hat ein dauerhaftes Verbot der Wiederherstellung der Nord-Stream-Gaslieferungen gefordert, doch für Deutschland kommt dies beinahe einem wirtschaftlichen Selbstmordpakt gleich. Es basiert auf Merz’ Ansicht, Russland strebe einen Krieg mit Deutschland an, doch Tatsache ist, dass Deutschland durch Kriegstreiberei und massive Aufrüstung einen Krieg mit Russland provoziert.

Was will Friedrich Merz?

Merz zufolge ist „eine realistische Sicht auf Russlands imperialistische Bestrebungen erforderlich“. Er erklärt: „Ein Teil unserer Gesellschaft hat eine tief verwurzelte Angst vor Krieg. Ich teile diese nicht, kann sie aber verstehen.“ Besonders alarmierend ist Merz’ Erklärung, „die Mittel der Diplomatie seien erschöpft“, obwohl er seit seinem Machtantritt offenbar nicht einmal versucht hat, mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zu sprechen. Darüber hinaus scheint er den Beinahe-Erfolg der Diplomatie im Istanbul-Prozess im Jahr 2022 – also bevor die USA der Diplomatie ein Ende setzten – bewusst zu ignorieren.

Der westliche Umgang mit China spiegelt seinen Umgang mit Russland wider. Der Westen unterstellt China oft ruchlose Absichten, die in vielerlei Hinsicht nur Projektionen seiner eigenen feindseligen Absichten gegenüber der Volksrepublik sind. Chinas rasanter Aufstieg zur wirtschaftlichen Vormachtstellung zwischen 1980 und 2010 führte dazu, dass amerikanische Politiker und Strategen Chinas weiteren wirtschaftlichen Aufstieg als den US-Interessen zuwiderlaufend betrachteten.

Im Jahr 2015 erklärten die US-Strategen Robert Blackwill und Ashley Tellis klar, dass die große Strategie der USA die amerikanische Hegemonie sei und dass China aufgrund seiner Größe und seines Erfolgs eine Bedrohung für diese Hegemonie darstelle.

Blackwill und Tellis befürworteten eine Reihe von Maßnahmen der USA und ihrer Verbündeten, um Chinas zukünftigen wirtschaftlichen Erfolg zu behindern, wie etwa den Ausschluss Chinas aus neuen Handelsblöcken im asiatisch-pazifischen Raum, die Beschränkung des Exports westlicher Hochtechnologiegüter nach China, die Verhängung von Zöllen und anderen Beschränkungen auf chinesische Exporte sowie weitere antichinesische Maßnahmen. Beachten Sie, dass diese Maßnahmen nicht aufgrund konkreter Verfehlungen Chinas empfohlen wurden, sondern weil Chinas anhaltendes Wirtschaftswachstum laut den Autoren der amerikanischen Vorherrschaft zuwiderlief.

China verspotten

Teil der Außenpolitik gegenüber Russland und China ist ein Medienkrieg, um diese vermeintlichen Feinde des Westens zu diskreditieren. Im Falle Chinas hat der Westen es so dargestellt, als würde es in der Provinz Xinjiang einen Völkermord an der uigurischen Bevölkerung begehen.

Dieser absurde und übertriebene Vorwurf wurde ohne ernsthafte Beweise erhoben, während der Westen den tatsächlichen Völkermord an Zehntausenden Palästinensern im Gazastreifen durch seinen Verbündeten Israel generell ignoriert. Darüber hinaus enthält die westliche Propaganda eine Reihe absurder Behauptungen über die chinesische Wirtschaft. Chinas wertvolle Belt and Road Initiative, die Entwicklungsländern den Aufbau moderner Infrastruktur finanziert, wird als „Schuldenfalle“ verspottet.

Chinas bemerkenswerte Fähigkeit, grüne Technologien wie die weltweit dringend benötigten Solarmodule zu produzieren, wird vom Westen als „Überkapazität“ verspottet, die reduziert oder stillgelegt werden sollte. Militärisch wird das Sicherheitsdilemma gegenüber China, genau wie gegenüber Russland, höchst bedrohlich interpretiert.

Die USA proklamieren seit langem ihre Fähigkeit, Chinas lebenswichtige Seewege zu unterbrechen, bezeichnen China aber als militaristisch, wenn es als Reaktion darauf Schritte zum Aufbau eigener Marinekapazitäten unternimmt. Anstatt Chinas militärischen Aufmarsch als klassisches Sicherheitsdilemma zu betrachten, das diplomatisch gelöst werden sollte, erklärt die US-Marine, sie solle sich bis 2027 auf einen Krieg mit China vorbereiten. Die NATO fordert zunehmend ein aktives Engagement in Ostasien, das sich gegen China richtet. Die europäischen Verbündeten der USA unterstützen im Allgemeinen den aggressiven amerikanischen Ansatz gegenüber China, sowohl im Handel als auch militärisch.

10 Punkte für eine neue Außenpolitik für Europa

Europa hat sich selbst in die Enge getrieben, indem es sich den USA unterordnete, direkte diplomatische Beziehungen zu Russland verweigerte, seinen wirtschaftlichen Vorsprung durch Sanktionen und Krieg einbüßte, sich zu massiven und unfinanzierbaren Erhöhungen der Militärausgaben verpflichtete und langfristige Handels- und Investitionsbeziehungen sowohl zu Russland als auch zu China abbrach. Die Folge sind steigende Schulden, wirtschaftliche Stagnation und ein wachsendes Risiko eines großen Krieges, das Merz offenbar nicht schreckt, uns anderen aber Angst machen sollte.

Der wahrscheinlichste Krieg ist vielleicht nicht mit Russland, sondern mit den USA, die unter Trump mit der Besetzung Grönlands drohten, sollte Dänemark Grönland nicht einfach verkaufen oder unter Washingtons Souveränität überführen. Es ist durchaus möglich, dass Europa irgendwann ohne echte Freunde dasteht: weder Russland noch China, aber auch nicht die USA, die arabischen Staaten (die Europas blindes Augensehen gegenüber dem Völkermord Israels übel nehmen), Afrika (das noch immer unter dem europäischen Kolonialismus und Postkolonialismus leidet) und andere. Es gibt natürlich einen anderen Weg – einen vielversprechenden, wenn europäische Politiker Europas wahre Sicherheitsinteressen und -risiken neu bewerten und die Diplomatie wieder in den Mittelpunkt ihrer Außenpolitik rücken. Ich schlage zehn praktische Schritte für eine Außenpolitik vor, die Europas wahren Bedürfnissen entspricht.

Erstens: Die Aufnahme direkter diplomatischer Kontakte mit Moskau. Europas offensichtliches Versagen, direkte diplomatische Beziehungen zu Russland aufzubauen, ist verheerend. Europa glaubt vielleicht sogar seiner eigenen außenpolitischen Propaganda, da es die zentralen Fragen nicht direkt mit seinem russischen Gegenüber diskutiert.

Zweitens: Vorbereitung eines Verhandlungsfriedens mit Russland in Bezug auf die Ukraine und die Zukunft der europäischen kollektiven Sicherheit. Vor allem sollte Europa mit Russland vereinbaren, dass der Krieg auf der Grundlage einer festen und unwiderruflichen Verpflichtung beendet werden sollte, die NATO nicht auf die Ukraine, Georgien oder andere östliche Gebiete auszuweiten. Darüber hinaus sollte Europa einige pragmatische territoriale Veränderungen in der Ukraine zugunsten Russlands akzeptieren.

Drittens sollte Europa die Militarisierung seiner Beziehungen zu China ablehnen, beispielsweise indem es jede Rolle der NATO in Ostasien ablehnt. China stellt absolut keine Bedrohung für Europas Sicherheit dar, und Europa sollte aufhören, die amerikanischen Hegemonieansprüche in Asien blind zu unterstützen, die auch ohne Europas Unterstützung gefährlich und wahnhaft genug sind. Im Gegenteil, Europa sollte seine Handels-, Investitions- und Klimakooperation mit China verstärken.

Viertens sollte sich Europa für einen vernünftigen institutionellen Diplomatiemodus entscheiden. Der derzeitige Modus ist unbrauchbar. Der Hohe Vertreter der EU für Außen- und Sicherheitspolitik fungiert hauptsächlich als Sprachrohr der Russophobie, während die tatsächliche hochrangige Diplomatie – sofern sie überhaupt existiert – verwirrend und abwechselnd von einzelnen europäischen Staats- und Regierungschefs, dem Hohen Vertreter der EU, dem Präsidenten der Europäischen Kommission, dem Präsidenten des Europäischen Rates oder einer Kombination dieser Personen geführt wird. Kurz gesagt: Niemand spricht klar für Europa, da es überhaupt keine klare EU-Außenpolitik gibt.

Fünftens sollte Europa erkennen, dass die EU-Außenpolitik von der NATO getrennt werden muss. Tatsächlich braucht Europa die NATO nicht, da Russland nicht im Begriff ist, in die EU einzumarschieren. Europa sollte tatsächlich unabhängig von den USA seine eigenen militärischen Kapazitäten aufbauen, allerdings zu weitaus geringeren Kosten als fünf Prozent des BIP – ein absurdes Zahlenziel, das auf der völlig übertriebenen Einschätzung der russischen Bedrohung basiert. Zudem sollte die europäische Verteidigung nicht mit der europäischen Außenpolitik identisch sein, obwohl beide in der jüngeren Vergangenheit völlig miteinander verwechselt wurden.

Sechstens sollten die EU, Russland, Indien und China bei der grünen, digitalen und verkehrstechnischen Modernisierung des eurasischen Raums zusammenarbeiten. Die nachhaltige Entwicklung Eurasiens ist eine Win-Win-Situation für die EU, Russland, Indien und China und kann nur durch friedliche Zusammenarbeit der vier großen eurasischen Mächte erreicht werden.

Siebtens sollte Europas Global Gateway, der Finanzierungsarm für Infrastruktur in Nicht-EU-Ländern, mit Chinas Belt and Road Initiative (BRI) zusammenarbeiten. Derzeit wird das Global Gateway als Konkurrenz zur BRI dargestellt. Tatsächlich sollten beide ihre Kräfte bündeln, um die grüne Energie-, Digital- und Verkehrsinfrastruktur Eurasiens gemeinsam zu finanzieren.

Achtens sollte die Europäische Union ihre Finanzierung des Europäischen Grünen Deals (EGD) aufstocken und so Europas Transformation in eine kohlenstoffarme Zukunft beschleunigen, anstatt fünf Prozent des BIP für Militärausgaben zu verschwenden, die für Europa weder notwendig noch nützlich sind. Höhere Ausgaben für den EGD haben zwei Vorteile: Erstens werden sie regionale und globale Vorteile im Bereich Klimasicherheit bringen. Zweitens wird dies Europas Wettbewerbsfähigkeit bei den grünen und digitalen Technologien der Zukunft stärken und so ein neues, tragfähiges Wachstumsmodell für Europa schaffen.

Neuntens sollte die EU gemeinsam mit der Afrikanischen Union die Bildung und den Aufbau von Kompetenzen in den AU-Mitgliedsstaaten massiv ausbauen. Afrikas wirtschaftliche Zukunft wird tiefgreifende Auswirkungen auf die europäische Wirtschaft haben, da seine Bevölkerung von 1,4 Milliarden bis Mitte des Jahrhunderts auf rund 2,5 Milliarden ansteigen wird (im Vergleich zu rund 450 Millionen Einwohnern der EU). Die beste Hoffnung für afrikanischen Wohlstand liegt im raschen Aufbau höherer Bildung und Kompetenzen.

Zehntens sollten die EU und die BRICS-Staaten den USA klar und deutlich vermitteln, dass die künftige Weltordnung nicht auf Hegemonie, sondern auf Rechtsstaatlichkeit im Rahmen der UN-Charta beruht. Nur so kann Europa und die Welt wirklich sicher sein. Die Abhängigkeit von den USA und der NATO ist eine grausame Illusion, insbesondere angesichts der Instabilität der USA selbst. Eine erneute Bestätigung der UN-Charta hingegen kann Kriege beenden (z. B. durch die Beendigung der Straflosigkeit Israels und die Durchsetzung der IGH-Urteile zur Zweistaatenlösung) und künftige Konflikte verhindern.


Jeffrey D. Sachs ist Universitätsprofessor und Direktor des Center for Sustainable Development an der Columbia University sowie Präsident des Sustainable Development Solutions Network der UN.


Info: https://www.berliner-zeitung.de/politik-gesellschaft/jeffery-sachs-europa-in-der-falle-warum-ist-russland-eigentlich-der-feind-li.2352625


unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

29.08.2025

Eine neue Außenpolitik für Europa

Jeffrey D. Sachs ist Universitätsprofessor und Direktor des Zentrums für nachhaltige Entwicklung an der Columbia University und Präsident des UN Sustainable Development Solutions Network.

Die Europäische Union braucht eine neue Außenpolitik, die auf Europas wahren Wirtschafts- und Sicherheitsinteressen basiert. Europa befindet sich derzeit in einer eigenen Wirtschafts- und Sicherheitsfalle, die sich durch seine gefährliche Feindseligkeit mit Russland, das gegenseitige Misstrauen gegenüber China und die extreme Anfälligkeit für die Vereinigten Staaten auszeichnet. Europas Außenpolitik ist fast ausschließlich von der Angst vor Russland und China getrieben - was zu einer Sicherheitsabhängigkeit von den Vereinigten Staaten geführt hat.





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„Nicht ein Zentimeter nach Osten“: James Baker und Michail Gorbatschow 1991 | Quelle: Guliver Image


Europas Unterwürfigkeit gegenüber den USA rührt fast ausschließlich von ihrer vorherrschenden Angst vor Russland her, einer Angst, die durch die russophoben Staaten Osteuropas und ein falsches Narrativ über den Ukraine-Krieg verstärkt wurde. Basierend auf der Überzeugung, dass seine größte Sicherheitsbedrohung Russland ist, ordnet die EU alle ihre anderen außenpolitischen Fragen - Wirtschaft, Handel, Umwelt, Technologie und Diplomatie - in die Vereinigten Staaten ein. Ironischerweise klammert sie sich an Washington, obwohl die Vereinigten Staaten in ihrer eigenen Außenpolitik gegenüber der EU schwächer, instabil, unberechenbar und gefährlich geworden sind, sogar bis hin zur offensichtlichen Bedrohung der europäischen Souveränität in Grönland.

Um eine neue Außenpolitik zu entwerfen, muss Europa die falsche Prämisse seiner extremen Anfälligkeit für Russland überwinden. Das Brüssel-NATO-Großbritannien-Erzählung besagt, dass Russland an sich expansionistisch ist und Europa überrennen wird, wenn sich die Gelegenheit ergibt. Die sowjetische Besetzung Osteuropas von 1945 bis 1991 soll diese Bedrohung heute beweisen. Diese falsche Erzählung missversteht das russische Verhalten sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart.

Der erste Teil dieses Essays zielt darauf ab, die falsche Prämisse zu korrigieren, dass Russland eine schlimme Bedrohung für Europa darstellt. Der zweite Teil blickt auf eine neue europäische Außenpolitik, sobald Europa über seine irrationale Russophobie hinausgegangen ist.

 

The False Premise of Russia’s Westward Imperialism 

Europas Außenpolitik basiert auf Russlands angeblicher Sicherheitsbedrohung für Europa. Doch diese Prämisse ist falsch. Russland wurde wiederholt von den wichtigsten westlichen Mächten (insbesondere Großbritannien, Frankreich, Deutschland und den Vereinigten Staaten in den letzten zwei Jahrhunderten) überfallen und hat seit langem Sicherheit durch eine Pufferzone zwischen sich und den westlichen Mächten gesucht. Die stark umkämpfte Pufferzone umfasst das heutige Polen, die Ukraine, Finnland und die baltischen Staaten. Diese Region zwischen den Westmächten und Russland erklärt die wichtigsten Sicherheitsmwerken Westeuropas und Russlands.

The major Western wars launched against Russia since 1800 include:

  • The French invasion of Russia in 1812 (Napoleonic Wars)

  • The British and French Invasion of Russia in 1853-1856 (Crimean War)

  • The German declaration of war against Russia on August 1st, 1914 (World War I)

  • The Allied intervention in the Russian Civil War, 1918-1922 (Russian Civil War)

  • The German invasion of Russia in 1941 (World War II)

Jeder dieser Kriege stellte eine existenzielle Bedrohung für das Überleben Russlands dar. Aus russischer Sicht, das Versäumnis, Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg zu entmilitarisieren, die Gründung der NATO, die Einbeziehung der Bundesrepublik in die NATO 1955, die Erweiterung der NATO nach dem Osten nach 1991 und die anhaltende Ausweitung der US-Militärbasen und Raketensysteme in Osteuropa nahe der russischen Grenzen haben die größten Bedrohungen für Russlands nationale Sicherheit seit dem Zweiten Weltkrieg darstellt.

Russland ist auch mehrmals nach Westen eingedrungen:

  • Russia’s attack on East Prussia in 1914

  • The Ribbentrop-Molotov Pact in 1939, dividing Poland between Germany and the Soviet Union and annexing the Baltic States in 1940

  • The invasion of Finland in November 1939 (the Winter War)

  • The Soviet Occupation of Eastern Europe from 1945 to 1989

  • Der russische Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022

Diese russischen Aktionen werden von Europa als objektiver Beweis für Russlands Westexpansionismus ergriffen, aber eine solche Ansicht ist naiv, ahistorisch und propagiert. In allen fünf Fällen handelte Russland, um seine nationale Sicherheit zu schützen - wie es es sah - keinen Expansionismus nach Westen zu seiner selbst willen. Diese grundlegende Wahrheit ist der Schlüssel zur Lösung des Europa-Russland-Konflikts heute. Russland strebt keine Expansion nach Westen an; Russland strebt seine zentrale nationale Sicherheit an. Doch der Westen hat es seit langem versäumt, die zentralen nationalen Sicherheitsinteressen Russlands zu erkennen, geschweige denn zu respektieren.

Betrachten wir diese fünf Fälle der angeblichen Expansion Russlands nach Westen.

Der erste Fall, Russlands Angriff in Ostpreußen 1914, kann sofort beiseite gelegt werden. Das Deutsche Reich hatte sich am 1. August 1914 zum ersten Mal Russland zum Ausdruck gebracht. Russlands Invasion Ostpreußens war eine direkte Reaktion auf Deutschlands Kriegserklärung.

Der zweite Fall, das Abkommen Sowjetrusslands mit Hitlers Drittem Reich, Polen 1939 zu spalten, und die Annexion der baltischen Staaten 1940, wird im Westen als reinster Beweis für russische Perfidie angesehen. Auch dies ist eine einfache und falsche Lektüre der Geschichte. Als Historiker wie E. H. Carr, Stephen Kotkin und Michael Jabara Carley haben sorgfältig dokumentiert, Stalin wandte sich 1939 an Großbritannien und Frankreich, um ein Verteidigungsbündnis gegen Hitler zu bilden, der seine Absicht erklärt hatte, Krieg gegen Russland im Osten zu führen (für die slawische Sklavenarbeit und die Niederlage des Bolschewismus). Stalins Versuch, ein Bündnis mit den westlichen Mächten zu schmieden, wurde völlig zurückgewiesen. Polen weigerte sich, sowjetische Truppen auf polnischem Boden im Falle eines Krieges mit Deutschland zuzulassen. Der Hass der westlichen Elite auf den sowjetischen Kommunismus war mindestens so groß wie ihre Angst vor Hitler. Tatsächlich war ein gebräuchlicher Satz unter den britischen rechten Eliten in den späten 1930er Jahren „besserer Hitlerismus als Kommunismus“.

Angesichts des Scheiterns, ein Verteidigungsbündnis zu gewinnen, zielte Stalin dann darauf ab, eine Pufferzone gegen die bevorstehende deutsche Invasion Russlands zu schaffen. Die Teilung Polens und die Annexion der baltischen Staaten waren taktisch, um Zeit für die kommende Schlacht von Armageddon mit Hitlers Armeen zu gewinnen, die am 22. Juni 1941 mit dem deutschen Einmarsch der Sowjetunion in der Operation Barbarossa eintraf. Die vorstehende Teilung Polens und die Annexion der baltischen Staaten könnten die Invasion verzögert und die Sowjetunion vor einer schnellen Niederlage Hitlers bewahrt haben.

Der dritte Fall, Russlands Winterkrieg mit Finnland, wird in Westeuropa (und vor allem in Finnland) ebenfalls als Beweis für Russlands expansionistischen Charakter angesehen. Doch wieder einmal war die Grundmotivation Russlands defensiv, nicht beleidigend. Russland befürchtete, dass die deutsche Invasion teilweise durch Finnland kommen würde und dass Leningrad schnell von Hitler gefangen genommen werden würde. Die Sowjetunion schlug Finnland daher vor, Territorium mit der Sowjetunion zu tauschen (bemerkenswerterweise die Abtretung des karelientischen Isthmus und einiger Inseln im Finnischen Meeren im Finnischen Meerenguß im Gegenzug für russische Gebiete), um die russische Verteidigung Leningrads zu ermöglichen. Finnland lehnte diesen Vorschlag ab, und die Sowjetunion marschierte am 30. November 1939 in Finnland ein. Anschließend schloss sich Finnland Hitlers Armeen im Krieg gegen die Sowjetunion während des „Fortsetzungskrieges“ zwischen 1941 und 1944 an.

Der vierte Fall, die sowjetische Besetzung Osteuropas (und die weitere Annexion der baltischen Staaten) während des Kalten Krieges, wird in Europa als weiterer bitterer Beweis für Russlands grundlegende Bedrohung der Sicherheit Europas angesehen. Die sowjetische Besatzung war in der Tat brutal, aber auch sie hatte eine defensive Motivation, die im westeuropäischen und amerikanischen Narrativ vollständig übersehen wird. Die Sowjetunion trug die Hauptlast des Siegs gegen Hitler und verlor erstaunliche 27 Millionen Bürger im Krieg. Russland hatte am Ende des Krieges eine vorrangige Forderung: dass seine Sicherheitsinteressen durch einen Vertrag garantiert werden, der ihn vor zukünftigen Bedrohungen aus Deutschland und dem Westen im Allgemeinen schützt. Der Westen, der jetzt von den Vereinigten Staaten angeführt wird, lehnte diese grundlegende Sicherheitsforderung ab. Der Kalte Krieg ist das Ergebnis der Weigerung des Westens, Russlands lebenswichtige Sicherheitsbedenken zu respektieren. Natürlich ist die Geschichte des Kalten Krieges, wie die westliche Erzählung erzählt, genau das Gegenteil - dass der Kalte Krieg ausschließlich aus Russlands kriegerischen Versuchen resultierte, die Welt zu erobern!

Hier ist die eigentliche Geschichte, die Historikern gut bekannt ist, aber der Öffentlichkeit in den Vereinigten Staaten und Europa fast völlig unbekannt ist. Am Ende des Krieges strebte die Sowjetunion einen Friedensvertrag an, der ein vereintes, neutrales und entmilitarisiertes Deutschland etablieren würde. Auf der Potsdamer Konferenz im Juli 1945, an der die Führer der Sowjetunion, des Vereinigten Königreichs und der Vereinigten Staaten teilnahmen, stimmten die drei verbündeten Mächte „der vollständigen Abrüstung und Entmilitarisierung Deutschlands und der Beseitigung oder Kontrolle der gesamten deutschen Industrie, die für die militärische Produktion verwendet werden könnten“ zu. Deutschland würde geeint, befriedet und entmilitarisiert werden. All dies wäre durch einen Vertrag zur Beendigung des Krieges gesichert. In diesem Fall arbeiteten die USA und Großbritannien fleißig daran, dieses Kernprinzip zu untergraben.

Bereits im Mai 1945 beauftragte Winston Churchill seinen Militärstabschef mit der Formulierung eines Kriegsplans, um Mitte 1945 einen Überraschungsangriff gegen die Sowjetunion zu starten, der mit dem Codenamen Operation Unthinkable bezeichnet wird. Während ein solcher Krieg von den britischen Militärplanern als unpraktisch angesehen wurde, setzte sich die Vorstellung, dass sich die Amerikaner und die Briten auf einen kommenden Krieg mit der Sowjetunion vorbereiten sollten, schnell Fuß. Die Kriegsplaner hielten an, dass der wahrscheinliche Zeitpunkt für einen solchen Krieg die frühen 1950er Jahre waren. Churchills Ziel, so scheint es, war es, Polen und andere Länder Osteuropas daran zu hindern, unter einen sowjetischen Einflussbereich zu fallen. Auch in den Vereinigten Staaten sahen sich führende Militärplaner die Sowjetunion innerhalb von Wochen nach der Kapitulation Deutschlands im Mai 1945 als Amerikas nächsten Feind an. Die USA und Großbritannien rekrutierten schnell Nazi-Wissenschaftler und leitende Geheimdienstmitarbeiter (wie Reinhard Gehlen, ein Nazi-Führer, der von Washington unterstützt werden würde, um Deutschlands Nachkriegsgeheimdienst zu gründen), um mit der Planung des kommenden Krieges mit der Sowjetunion zu beginnen.

Der Kalte Krieg brach vor allem aus, weil die Amerikaner und die Briten die deutsche Wiedervereinigung und Entmilitarisierung, wie in Potsdam vereinbart, ablehnten. Stattdessen gaben die Westmächte die deutsche Wiedervereinigung auf, indem sie die Bundesrepublik Deutschland (FRG oder Westdeutschland) aus den drei Besatzungszonen der Vereinigten Staaten, Großbritannien und Frankreich bildeten. Die BRD würde unter der amerikanischen Ägide reindustrialisiert und remilitarisiert. 1955 wurde Westdeutschland in die NATO aufgenommen.

Während Historiker inbrünstig darüber debattieren, wer die Vereinbarungen in Potsdam erfüllt hat und nicht, während der Westen auf die sowjetische Weigerung hinwies, eine wirklich repräsentative Regierung in Polen zuzulassen, wie in Potsdam vereinbart), besteht kein Zweifel, dass die Remilitarisierung der Bundesrepublik Deutschland im Westen die Hauptursache des Kalten Krieges war.

1952 schlug Stalin eine Wiedervereinigung Deutschlands auf Basis von Neutralität und Entmilitarisierung vor. Dieser Vorschlag wurde von den Vereinigten Staaten abgelehnt. 1955 einigten sich die Sowjetunion und Österreich darauf, dass die Sowjetunion ihre Besatzungstruppen aus Österreich abziehen würde, als Gegenleistung für dessen Versprechen der dauerhaften Neutralität. Der österreichische Staatsvertrag wurde am 15. Mai 1955 von der Sowjetunion, den Vereinigten Staaten, Frankreich und dem Vereinigten Königreich zusammen mit Österreich unterzeichnet, was zum Ende der Besatzung führte. Ziel der Sowjetunion war nicht nur, die Spannungen über Österreich zu lösen, sondern auch den Vereinigten Staaten ein erfolgreiches Modell des sowjetischen Rückzugs aus Europa gepaart mit Neutralität zu zeigen. Erneut lehnten die Vereinigten Staaten den sowjetischen Aufruf zur Beendigung des Kalten Krieges auf der Grundlage der Neutralität und Entmilitarisierung Deutschlands ab. Noch 1957 appellierte der amerikanische Doyen der sowjetischen Angelegenheiten, George Kennan, in seiner dritten Reith-Vorlesung für die BBC öffentlich und leidenschaftlich an die Vereinigten Staaten, mit der Sowjetunion über einen gegenseitigen Truppenabzug aus Europa zuzustimmen. Die Sowjetunion, betonte Kennan, sei weder auf eine militärische Invasion Westeuropas ausgerichtet oder daran interessiert gewesen. Die USA Cold Warriors, angeführt von John Foster Dulles, hätte nichts davon. Bis zur deutschen Wiedervereinigung 1990 wurde kein Friedensvertrag mit Deutschland unterzeichnet, um den Zweiten Weltkrieg zu beenden.

Es ist zu unterstreichen, dass die Sowjetunion die Neutralität Österreichs nach 1955 und in der Tat der anderen neutralen Länder Europas (einschließlich Schweden, Finnland, der Schweiz, Irland, Spanien und Portugal) respektierte. Der finnische Präsident Alexander Stubb hat kürzlich erklärt, dass die Ukraine Neutralität aufgrund der negativen Erfahrungen Finnlands ablehnen sollte (mit finnischer Neutralität, die 2024 endete, als das Land der NATO beitrat). Das ist ein bizarrer Gedanke. Finnland, unter Neutralität, blieb in Frieden, erreichte einen bemerkenswerten wirtschaftlichen Wohlstand und schoss in der Glücksspitze (laut dem Weltglücksbericht) an die Spitze der Welt.

Präsident John F. Kennedy zeigte den möglichen Weg, den Kalten Krieg auf der Grundlage des gegenseitigen Respekts für die Sicherheitsinteressen aller Seiten zu beenden. Kennedy blockierte den Versuch von Bundeskanzler Konrad Adenauer, Atomwaffen aus Frankreich zu erwerben, und beschwichtigte damit die sowjetischen Bedenken über ein nuklear bewaffnetes Deutschland. Auf dieser Grundlage verhandelte JFK erfolgreich mit seinem sowjetischen Amtskollegen Nikita Chruschtschow. Kennedy wurde höchstwahrscheinlich einige Monate später von einer Gruppe von CIA-Agenten als Ergebnis seiner Friedensinitiative ermordet. Dokumente, die 2025 veröffentlicht wurden, bestätigen den lang gehegten Verdacht, dass Lee Harvey Oswald direkt von James Angleton, einem hochrangigen CIA-Beamten, behandelt wurde. Die nächste US-Ouvertüre zum Frieden mit der Sowjetunion wurde von Richard Nixon angeführt. Auch er wurde von den Watergate-Ereignissen zu Fall gebracht, die auch Anzeichen einer CIA-Operation haben, die nie geklärt wurde.

Michail Gorbatschow beendete schließlich den Kalten Krieg, indem er einseitig den Warschauer Pakt auflöste und die Demokratisierung Osteuropas aktiv förderte. Ich war Teilnehmer an einigen dieser Veranstaltungen und erlebte einige von Gorbatschows Friedensbemühungen. Im Sommer 1989 zum Beispiel forderte Gorbatschow die kommunistische Führung Polens auf, eine Koalitionsregierung mit den von der Solidarnosc-Bewegung geführten Oppositionskräfte zu bilden. Das Ende des Warschauer Pakts und die Demokratisierung Osteuropas, die alle von Gorbatschow gelenkt wurden, führten schnell zu den Forderungen des Bundeskanzlers Helmut Kohl zur Wiedervereinigung Deutschlands. Dies führte 1990 zu den Wiedervereinigungsverträgen zwischen der BRD und der DDR und zum sogenannten 2+4-Vertrag zwischen den beiden Deutschland und den vier alliierten Mächten: den USA, Großbritannien, Frankreich und der Sowjetunion. Die Vereinigten Staaten und Deutschland versprachen Gorbatschow im Februar 1990 eindeutig, dass die NATO im Rahmen der deutschen Wiedervereinigung „nicht einen Zentimeter nach Osten verschieben würde“, eine Tatsache, die heute von den westlichen Mächten weithin geleugnet wird, die aber leicht verifiziert wird. Dieses zentrale Versprechen, nicht mit der NATO-Erweiterung fortzufahren, wurde mehrmals gemacht, aber es wurde nicht im Text des 2+4-Abkommens enthalten, da dieses Abkommen die deutsche Wiedervereinigung betraf, nicht die Osterweiterung der NATO.

Der fünfte Fall, Russlands Invasion der Ukraine im Februar 2022, wird im Westen erneut als Beweis für Russlands unverbesserlichen Westimperialismus angesehen. Das Lieblingswort westlicher Medien, Experten und Propagandisten ist, dass Russlands Invasion „unprovoziert“ wurde und daher ein Beweis für Putins unerbittliches Bestreben ist, nicht nur das russische Imperium wiederherzustellen, sondern sich weiter nach Westen zu bewegen, was bedeutet, dass Europa sich auf einen Krieg mit Russland vorbereiten sollte. Dies ist eine absurde große Lüge, aber sie wird so oft von den Mainstream-Medien wiederholt, dass sie weithin in Europa geglaubt wird.

Tatsache ist, dass die russische Invasion im Februar 2022 vom Westen so gründlich provoziert wurde, dass man vermutet, dass es in der Tat ein amerikanisches Design war, um Russen in den Krieg zu locken, um Russland zu besiegen oder zu schwächen. Dies ist eine glaubwürdige Behauptung, wie eine lange Reihe von Aussagen zahlreicher US-Beamter bestätigt. Nach der Invasion, USA Verteidigungsminister Lloyd Austin erklärte, dass Washingtons Ziel sei, „zu sehen, wie Russland in dem Maße geschwächt wird, dass es nicht die Art von Dingen tun kann, die es bei der Invasion der Ukraine getan hat. Die Ukraine kann gewinnen, wenn sie die richtige Ausrüstung, die richtige Unterstützung hat.“

Die vorrangige amerikanische Provokation Russlands bestand darin, die NATO im Gegensatz zu den Versprechungen von 1990 mit einem wichtigen Ziel zu erweitern: Russland mit NATO-Staaten in der Schwarzmeerregion zu umgeben, wodurch Russland nicht in der Lage war, seine auf der Krim stationierte Marinemacht in den östlichen Mittelmeerraum und den Nahen Osten zu projizieren. Im Wesentlichen war das US-Ziel das gleiche wie das Ziel von Palmerston und Napoleon III. im Krimkrieg: die russische Flotte vom Schwarzen Meer zu verbannen. Zu den NATO-Mitgliedern gehören die Ukraine, Rumänien, Bulgarien, die Türkei und Georgien, wodurch sie eine Schlinge bilden, um Russlands Seemacht am Schwarzen Meer zu erwürgen. Brzezinski beschrieb diese Strategie 1997 in seinem Buch The Grand Chessboard, in dem er behauptete, dass Russland sich sicherlich dem westlichen Willen beugen würde, da es keine andere Wahl hatte, als dies zu tun. Brzezinski lehnte ausdrücklich die Idee ab, dass Russland sich jemals mit China gegen Europa verbünden würde.

Die gesamte Periode nach dem Untergang der Sowjetunion 1991 ist eine der westlichen Hybris (wie der Historiker Jonathan Haslam seine hervorragende Darstellung betitelte), in der die Vereinigten Staaten und Europa glaubten, dass sie die NATO- und amerikanischen Waffensysteme (wie Aegis-Raketen) nach Osten antreiben könnten, ohne Rücksicht auf Russlands nationale Sicherheitsbedenken zu berücksichtigen. Die Liste der westlichen Provokationen ist zu lang, um sie hier im Detail zu liefern, aber eine Zusammenfassung enthält Folgendes.

Erstens begannen die Vereinigten Staaten entgegen den Versprechungen, die 1990 gemachten Versprechen, die Osterweiterung der NATO mit den Ankündigungen des damaligen Präsidenten Bill Clinton im Jahr 1994 zu verfolgen. Damals erwog Clintons Verteidigungsminister William Perry, im Gegensatz zu früheren Versprechungen, wegen der Rücksichtslosigkeit der US-Aktionen zurückzutreten. Die erste Welle der NATO-Erweiterung fand 1999 statt, darunter Polen, Ungarn und Tschechien. Im selben Jahr bombardierten NATO-Streitkräfte 78 Tage lang Russlands Verbündeten Serbien, um Serbien zu zerschlagen, und die NATO platzierte schnell eine neue große Militärbasis in der abtrünnigen Provinz Kosovo. Im Jahr 2004 umfasste die zweite Welle der NATO-Osterweiterung sieben Länder, darunter Russlands direkte Nachbarn im Baltikum, und zwei Länder am Schwarzen Meer - Bulgarien und Rumänien. Im Jahr 2008 erkannte der größte Teil der EU den Kosovo als unabhängigen Staat an, im Gegensatz zu den europäischen Protesten, dass die europäischen Grenzen sakrosankt sind.

Zweitens haben die Vereinigten Staaten den Rahmen für die nukleare Rüstungskontrolle aufgegeben, indem sie 2002 einseitig den Anti-Ballistic Missile Treaty verlassen haben. Im Jahr 2019 gab Washington in ähnlicher Weise den Vertrag über nukleare Mittelstreckensysteme auf. Trotz der energischen Einwände Russlands begannen die USA, anti-ballistische Raketensysteme in Polen und Rumänien zu platzieren, und im Januar 2022 reservierten sie das Recht, solche Systeme in der Ukraine zu platzieren.

Drittens haben die Vereinigten Staaten die Innenpolitik der Ukraine tief infiltriert und Milliarden von Dollar ausgegeben, um die öffentliche Meinung zu formen, Medien zu schaffen und die Innenpolitik der Ukraine zu steuern. Die Wahlen 2004-2005 in der Ukraine gelten weithin als US-Farbrevolution, in der die Vereinigten Staaten ihren verdeckten und offenen Einfluss und ihre Finanzierung nutzten, um die Wahl zugunsten der von den USA unterstützten Kandidaten zu lenken. In den Jahren 2013-2014 spielten die Vereinigten Staaten eine direkte Rolle bei der Finanzierung der Maidan-Proteste und bei der Unterstützung des gewaltsamen Putsches, der den neutralitätsorientierten Präsidenten Viktor Janukowitsch stürzte und damit den Weg für ein ukrainisches Regime ebnete, das die NATO-Mitgliedschaft unterstützte. Übrigens wurde ich eingeladen, den Maidan kurz nach dem gewalttätigen Putsch vom 22. Februar 2014 zu besuchen, der Janukowitsch stürzte. Die Rolle der amerikanischen Finanzierung der Proteste wurde mir von einem US-Amerikaner erklärt. NGO, die tief in die Maidan-Ereignisse involviert war.

Viertens, beginnend 2008, wegen der Einwände mehrerer europäischer Führer, drängten die Vereinigten Staaten die NATO, sich zu verpflichten, sich der Ukraine und Georgien anzuschließen. Der damalige US-Botschafter in Moskau, William J. Burns, zurück nach Washington ein jetzt berüchtigtes Memo mit dem Titel „Nyet Means Nyet: Russia's NATO Enlargement Redlines“, und erklärt, dass die gesamte russische politische Klasse zutiefst gegen die NATO-Erweiterung zur Ukraine sei und dass sie befürchte, dass solche Bemühungen zu Bürgerkriegen in der Ukraine führen würden.

Fünftens, nach dem Maidan-Putsch, lösten sich die ethnisch-russischen Regionen der Ostukraine (Donbas) von der neuen westukrainischen Regierung, die durch den Putsch eingesetzt wurde. Russland und Deutschland einigten sich schnell auf die Minsker Vereinbarungen, wonach die beiden abtrünnigen Regionen (Donezk und Lugansk) Teil der Ukraine bleiben würden, aber mit lokaler Autonomie, die der lokalen Autonomie der ethnisch-deutschen Region Südtirols, Italien, nachempfunden ist. Minsk II, das vom UN-Sicherheitsrat unterstützt wurde, hätte den Konflikt beenden können, aber die Regierung in Kiew mit Unterstützung Washingtons beschloss, keine Autonomie einzuführen. Das Versäumnis, Minsk II umzusetzen, vergiftete die Diplomatie zwischen Russland und dem Westen.

Sechstens haben die Vereinigten Staaten die ukrainische Armee (aktiv plus Reserve) bis 2020 kontinuierlich auf rund eine Million Soldaten ausgeweitet. Die Ukraine und ihre rechtsgerichteten paramilitärischen Bataillone (wie das Asowsche Bataillon und der rechte Sektor) führten wiederholte Angriffe gegen die beiden abtrünnigen Regionen an, mit Tausenden von zivilen Toten im Donbass durch den Beschuss der Ukraine.

Siebenten, Ende 2021, legte Russland einen Entwurf Russland-USA auf den Tisch. Sicherheitsabkommen, das vor allem ein Ende der NATO-Erweiterung fordert. Die Vereinigten Staaten lehnten Russlands Forderung ab, die Osterweiterung der NATO zu beenden, und verpflichteten sich erneut zur „offenen Tür“ der NATO-Politik, wonach Drittländer wie Russland kein Mitspracherecht in Bezug auf die NATO-Erweiterung hätten. Die USA und die europäischen Länder wiederholt wiederholt wiederholt die endgültige Mitgliedschaft der Ukraine in der NATO. Die USA Außenminister soll dem russischen Außenminister im Januar 2022 auch gesagt haben, dass die Vereinigten Staaten trotz Russlands Einwänden das Recht behielten, Mittelstreckenraketen in der Ukraine zu stationieren.

Achtens, nach der russischen Invasion am 24. Februar 2022, stimmte die Ukraine schnell Friedensverhandlungen auf der Grundlage einer Rückkehr zur Neutralität zu. Diese Verhandlungen fanden in Istanbul mit der Vermittlung von Türkiye statt. Ende März 2022 veröffentlichten Russland und die Ukraine ein gemeinsames Memorandum, in dem sie über Fortschritte in einem Friedensabkommen berichten. Am 15. April wurde ein Abkommensentwurf vorgelegt, der kurz vor einer Gesamtregelung stand. Zu diesem Zeitpunkt intervenierten die Vereinigten Staaten und sagten den Ukrainern, dass sie das Friedensabkommen nicht unterstützen würden, sondern unterstützten stattdessen die Ukraine, um weiter zu kämpfen.

 

Die hohen Kosten einer gescheiterten Außenpolitik

Russland hat keine territorialen Ansprüche gegen westeuropäische Länder erhoben, noch hat Russland Westeuropa außer dem Recht bedroht, sich gegen die vom Westen unterstützten Raketenangriffe innerhalb Russlands zu rächen. Bis zum Maidan-Putsch 2014 machte Russland keine territorialen Ansprüche auf die Ukraine. Nach dem Putsch 2014 und bis Ende 2022 war Russlands einzige territoriale Forderung die Krim, um zu verhindern, dass Russlands Marinestützpunkt in Sewastopol in westliche Hände verfällt. Erst nach dem Scheitern des Istanbuler Friedensprozesses - torpediert von den Vereinigten Staaten - behauptete Russland die Annexion der vier Oblasten der Ukraine (Donezk, Lugansk, Cherson und Zaporizhzhia). Russlands erklärtes Krieg zielt heute noch begrenzt, einschließlich der Neutralität der Ukraine, der teilweisen Entmilitarisierung, der dauerhaften Nicht-NATO-Mitgliedschaft und der Übertragung der Krim und der vier Oblasten nach Russland, die etwa 19 Prozent des Territoriums der Ukraine 1991 ausmachen.

Das ist kein Beweis für den russischen Westimperialismus. Sie sind auch nicht grundierte Forderungen. Russlands Kriegsziele folgen auf mehr als 30 Jahre russischer Einwände gegen die Osterweiterung der NATO, die Bewaffnung der Ukraine, die amerikanische Aufgabe des Atomwaffenrahmens und die tiefe westliche Einmischung in die Innenpolitik der Ukraine, einschließlich der Unterstützung eines gewaltsamen Putsches im Jahr 2014, der die NATO und Russland auf einen direkten Kollisionskurs brachte.

Europa hat beschlossen, die Ereignisse der letzten 30 Jahre als Beweis für Russlands unerbittlichen und unverbesserlichen Expansionismus nach Westen zu interpretieren - so wie der Westen darauf bestand, dass die Sowjetunion allein für den Kalten Krieg verantwortlich sei, obwohl die Sowjetunion tatsächlich wiederholt den Weg zum Frieden durch die Neutralität, Vereinigung und Entrüstung Deutschlands gewiesen habe. Genau wie während des Kalten Krieges entschied sich der Westen, Russland zu provozieren, anstatt die völlig verständlichen Sicherheitsbedenken Russlands anzuerkennen. Jede russische Aktion wurde maximal als Zeichen russischer Perfidie interpretiert und erkennt nie Russlands Seite der Debatte an. Dies ist ein anschauliches Beispiel für das klassische Sicherheitsdilemma, in dem Gegner völlig aneinander vorbeireden, wobei sie das Schlimmste annehmen und aggressiv auf ihre fehlerhaften Annahmen reagieren.

Europas Entscheidung, den Kalten Krieg und den nachkalen Krieg aus dieser stark voreingenommenen Perspektive zu interpretieren, hat Europa enorme Kosten verursacht, und die Kosten steigen weiter. Am wichtigsten ist, dass Europa sich wegen seiner Sicherheit als vollständig von den Vereinigten Staaten abhängig sah. Wenn Russland in der Tat unverbesserlich expansionistisch ist, dann sind die Vereinigten Staaten wirklich Europas notwendiger Retter. Wenn Russlands Verhalten im Gegensatz dazu seine Sicherheitsbedenken widerspiegelte, dann hätte der Kalte Krieg höchstwahrscheinlich Jahrzehnte früher mit dem österreichischen Neutralitätsmodell beenden können, und die Ära nach dem Kalten Krieg hätte eine Zeit des Friedens und des wachsenden Vertrauens zwischen Russland und Europa sein können.

Tatsächlich sind Europa und Russland komplementäre Volkswirtschaften, wobei Russland reich an Primärrohstoffen (Landwirtschaft, Mineralien, Kohlenwasserstoffe) und Maschinenbau ist, und Europa Heimat energieintensiver Industrien und Schlüsseltechnologien. Die Vereinigten Staaten sind seit langem gegen die wachsenden Handelsbeziehungen zwischen Europa und Russland, die aus dieser natürlichen Komplementarität resultieren, Russlands Energiewirtschaft als Konkurrenten des US-Energiesektors angesehen und im Allgemeinen enge deutsch-russische Handels- und Investitionsbeziehungen als Bedrohung für die amerikanische politische und wirtschaftliche Vorherrschaft in Westeuropa angesehen. Aus diesen Gründen waren die Vereinigten Staaten gegen die Nord Stream 1 und 2, lange bevor es einen Konflikt um die Ukraine gab. Aus diesem Grund versprach Biden ausdrücklich, Nord Stream 2 zu beenden - wie es im Falle einer russischen Invasion in der Ukraine geschah. Der Widerstand der USA gegen Nord Stream und die engen deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen standen auf allgemeinen Prinzipien: Die EU und Russland sollten auf Distanz gehalten werden, damit die Vereinigten Staaten ihren Einfluss in Europa nicht verlieren.

Der Ukraine-Krieg und die Spaltung Europas mit Russland haben der europäischen Wirtschaft großen Schaden zugefügt. Europas Exporte nach Russland sind gesunken, von rund 90 Milliarden Euro im Jahr 2021 auf nur 30 Milliarden Euro im Jahr 2024. Die Energiekosten sind in die Höhe geschossen, da sich Europa von kostengünstigem russischem Pipeline-Erdgas zu US-Flüssiggas verlagert hat, das um ein Vielfaches teurer ist. Die deutsche Industrie ist seit 2020 um rund 10 Prozent zurückgegangen, sowohl der deutsche Chemie- als auch der Automobilsektor taumeln. Der IWF prognostiziert ein EU-Wirtschaftswachstum von nur 1 Prozent im Jahr 2025 und rund 1,5 Prozent für den Rest des Jahrzehnts.

Bundeskanzler Friedrich Merz hat ein dauerhaftes Verbot der Wiederherstellung der Nordstrom-Gasflüsse gefordert, aber dies ist fast ein wirtschaftlicher Selbstmordpakt für Deutschland. Es basiert auf Merz' Ansicht, dass Russland einen Krieg mit Deutschland anstrebt, aber Tatsache ist, dass Deutschland einen Krieg mit Russland provoziert, indem es Kriegstreiberei und eine massive militärische Aufrüstung betreibt. Laut Merz „braucht es eine realistische Sicht der imperialistischen Bestrebungen Russlands“. Er sagt: „Ein Teil unserer Gesellschaft hat eine tief verwurzelte Angst vor Krieg. Ich teile es nicht, aber ich kann es verstehen.“ Am alarmierendsten ist, dass Merz erklärt hat, dass „die Mittel der Diplomatie erschöpft sind“, obwohl er anscheinend nicht einmal versucht hat, mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zu sprechen, seit er an die Macht kam. Darüber hinaus scheint er dem nahen Erfolg der Diplomatie im Istanbul-Prozess im Istanbul-Prozess absichtlich blind zu sein - also, bevor die Vereinigten Staaten der Diplomatie ein Ende setzen.

Der westliche Ansatz gegenüber China spiegelt seine Annäherung an Russland wider. Der Westen führt oft schändliche Absichten Chinas zu, die in vielerlei Hinsicht Projektionen seiner eigenen feindlichen Absichten gegenüber der Volksrepublik sind. Chinas rascher Aufstieg zur wirtschaftlichen Vormachtstellung in den Jahren 1980 bis 2010 führte dazu, dass amerikanische Führer und Strategen Chinas weiteren wirtschaftlichen Aufstieg als gegensätzlich gegenüber den US-Interessen betrachteten. Im Jahr 2015 erklärten die US-Strategen Robert Blackwill und Ashley Tellis klar, dass die große Strategie der USA die amerikanische Hegemonie ist und dass China aufgrund von Chinas Größe und Erfolg eine Bedrohung für diese Hegemonie darstellt. Blackwill und Tellis befürworteten eine Reihe von Maßnahmen der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten, um Chinas zukünftigen wirtschaftlichen Erfolg zu verhindern, wie zum Beispiel China von neuen Handelsblöcken im asiatisch-pazifischen Raum auszuschließen, den Export westlicher High-Tech-Waren nach China einzuschränken, Zölle und andere Beschränkungen für Chinas Exporte und andere Anti-China-Maßnahmen zu verhängen. Beachten Sie, dass diese Maßnahmen nicht wegen spezifischem Unrecht, das China begangen hatte, empfohlen wurden, sondern weil Chinas anhaltendes Wirtschaftswachstum nach Ansicht der Autoren dem amerikanischen Primat widersprochen war.

Ein Teil der Außenpolitik gegenüber Russland und China ist ein Medienkrieg, um diese vorgeblichen Feinde des Westens zu diskreditieren. Im Fall Chinas hat der Westen es als Völkermord in der Provinz Xinjiang gegen die uigurische Bevölkerung dargestellt. Diese absurde und gehypte Anschuldigung kam ohne ernsthafte Beweisversuche, während der Westen im Allgemeinen die Augen vor dem tatsächlich anhaltenden Völkermord an Zehntausenden von Palästinensern in Gaza durch seinen Verbündeten Israel verschließt. Darüber hinaus enthält die westliche Propaganda eine Vielzahl absurder Behauptungen über die chinesische Wirtschaft. Chinas höchst wertvolle Belt and Road Initiative, die Entwicklungsländern Finanzierungen für den Bau moderner Infrastruktur bereitstellt, wird als „Schuldenfalle“ verspottet. Chinas bemerkenswerte Fähigkeit, grüne Technologien zu produzieren, wie Solarmodule, die die Welt dringend benötigt, wird vom Westen als „Überkapazitäten“ verspottet, die eingeschränkt oder stillgelegt werden sollten.

Auf militärischer Seite wird das Sicherheitsdilemma gegenüber China auf bedrohlichste Weise interpretiert, genau wie bei Russland. Die Vereinigten Staaten haben seit langem ihre Fähigkeit proklamiert, Chinas lebenswichtige Seewege zu stören, aber dann bezeichnen sie China als militaristisch, wenn sie Schritte unternehmen, um ihre eigene Marinekapazität als Reaktion aufzubauen. Anstatt Chinas militärische Aufrüstung als klassisches Sicherheitsdilemma zu sehen, das durch Diplomatie gelöst werden sollte, die USA. Die Marine erklärt, dass sie sich bis 2027 auf den Krieg mit China vorbereiten sollte. Die NATO fordert zunehmend ein aktives Engagement in Ostasien, das sich gegen China richtet. Die europäischen Verbündeten der Vereinigten Staaten entsprechen im Allgemeinen dem aggressiven amerikanischen Ansatz gegenüber China, sowohl in Bezug auf Handel als auch auf das Militär.

 

Eine neue Außenpolitik für Europa

Europa hat sich in die Enge getrieben, sich den Vereinigten Staaten unterwürfig gemacht, sich der direkten Diplomatie mit Russland widersetzt, seinen wirtschaftlichen Vorsprung durch Sanktionen und Krieg verloren, sich zu massiven und unerschwinglichen Erhöhungen der Militärausgaben verpflichtet und langfristige Handels- und Investitionsbeziehungen sowohl zu Russland als auch zu China kürzt. Das Ergebnis sind steigende Schulden, wirtschaftliche Stagnation und ein wachsendes Risiko eines großen Krieges, der Merz anscheinend nicht erschreckt, sondern den Rest von uns erschrecken sollte. Vielleicht ist der wahrscheinlichste Krieg nicht mit Russland, sondern mit den Vereinigten Staaten, die unter Trump drohten, Grönland zu beschlagnahmen, wenn Dänemark nicht einfach Grönland verkaufen oder an Washingtons Souveränität übertragen würde. Es ist durchaus möglich, dass Europa sich ohne echte Freunde wiederfindet: weder Russland noch China, aber auch nicht die Vereinigten Staaten, die arabischen Staaten (ärgerlich über Europas Augen vor Israels Völkermord), Afrika (immer schlau vor europäischem Kolonialismus und Postkolonialismus) und darüber hinaus.

Es gibt natürlich einen anderen Weg – in der Tat ein vielversprechender Weg, wenn europäische Politiker Europas wahre Sicherheitsinteressen und -risiken neu bewerten und die Diplomatie im Zentrum der europäischen Außenpolitik wiederherstellen. Ich schlage 10 praktische Schritte vor, um eine Außenpolitik zu erreichen, die Europas wahre Bedürfnisse widerspiegelt.

Erstens, offene direkte diplomatische Kommunikation mit Moskau. Europas greifbares Versäumnis, direkte Diplomatie mit Russland zu betreiben, ist verheerend. Europa glaubt vielleicht sogar seine eigene außenpolitische Propaganda, da es die Schlüsselfragen nicht direkt mit seinem russischen Gegenstück diskutiert.

Zweitens bereiten Sie sich auf einen ausgehandelten Frieden mit Russland in Bezug auf die Ukraine und die Zukunft der europäischen kollektiven Sicherheit vor. Am wichtigsten ist, dass Europa mit Russland darin übereinstimmen sollte, dass der Krieg auf einer festen und unwiderruflichen Verpflichtung enden sollte, dass die NATO nicht auf die Ukraine, Georgien oder andere ostwärtseziele erweitert wird. Darüber hinaus sollte Europa einige pragmatische territoriale Veränderungen in der Ukraine zugunsten Russlands akzeptieren.

Drittens sollte Europa die Militarisierung seiner Beziehungen zu China ablehnen, indem es beispielsweise jede Rolle der NATO in Ostasien ablehnt. China ist absolut keine Bedrohung für Europas Sicherheit, und Europa sollte aufhören, die amerikanischen Hegemonie-Ansprüche in Asien blind zu unterstützen, die selbst ohne Europas Unterstützung gefährlich und wahnhaft genug sind. Im Gegenteil, Europa sollte seine Handels-, Investitions- und Klimakooperation mit China stärken.

Viertens sollte Europa über eine vernünftige institutionelle Art der Diplomatie entscheiden. Der aktuelle Modus ist undurchführbar. Die Hohe Vertreterin der EU für Außen- und Sicherheitspolitik dient vor allem als Sprachrohr für Russophobie, während die tatsächliche Diplomatie auf hoher Ebene – in dem Maße, wie sie existiert – verwirrend und alternativ von einzelnen europäischen Staats- und Regierungschefs, dem Hohen Vertreter der EU, dem Präsidenten der Europäischen Kommission, dem Präsidenten des Europäischen Rates oder einer unterschiedlichen Kombination des oben genannten. Kurz gesagt, niemand spricht klar für Europa, da es überhaupt keine klare EU-Außenpolitik gibt.

Fünftens sollte Europa erkennen, dass die EU-Außenpolitik von der NATO getrennt werden muss. Tatsächlich braucht Europa keine NATO, da Russland nicht im Begriff ist, in die EU einzumarschieren. Europa sollte in der Tat seine eigenen militärischen Kapazitäten unabhängig von den Vereinigten Staaten aufbauen, aber zu weit niedrigeren Kosten als 5 Prozent des BIP, was ein absurdes numerisches Ziel ist, das auf der völlig übertriebenen Bewertung der russischen Bedrohung basiert. Darüber hinaus sollte die europäische Verteidigung nicht die gleiche sein wie die europäische Außenpolitik, obwohl die beiden in der jüngsten Vergangenheit völlig verwirrt sind.

Sechstens sollten die EU, Russland, Indien und China gemeinsam an der grünen, digitalen und Verkehrsmodernisierung des eurasischen Raumes arbeiten. Die nachhaltige Entwicklung Eurasiens ist eine Win-Win-Win-Win-Situation für die EU, Russland, Indien und China und kann nicht anders als durch friedliche Zusammenarbeit zwischen den vier großen Eurasischen Mächten stattfinden.

Siebtens sollte Europas Global Gateway, der Finanzierungsarm für Infrastruktur in Nicht-EU-Ländern, mit Chinas Belt and Road Initiative zusammenarbeiten. Derzeit ist das Global Gateway als Konkurrent von BRI. In der Tat sollten sich die beiden zusammentun, um die grüne Energie-, digitale und Verkehrsinfrastruktur für Eurasien mitzufinanzieren.

Achtens sollte die Europäische Union ihre Finanzierung des Europäischen Green Deals (EGD) verstärken und Europas Transformation in eine kohlenstoffarme Zukunft beschleunigen, anstatt 5 Prozent des BIP auf militärische Ausgaben ohne Notwendigkeit oder Nutzen für Europa zu verschwenden. Für die GD sind zwei Vorteile erhöhter Ausgaben. Erstens wird es regionale und globale Vorteile in der Klimasicherheit bringen. Zweitens wird sie Europas Wettbewerbsfähigkeit in den grünen und digitalen Technologien der Zukunft stärken und so ein neues tragfähiges Wachstumsmodell für Europa schaffen.

Neunte sollte die EU mit der Afrikanischen Union bei einer massiven Ausweitung der Bildung und des Qualifikationsaufbaus durch die AU-Mitgliedsstaaten zusammenarbeiten. Mit einem Anstieg von 1,4 Milliarden auf etwa 2,5 Milliarden bis Mitte des Jahrhunderts, verglichen mit der EU-Bevölkerung von rund 450 Millionen, wird Afrikas wirtschaftliche Zukunft die Europas tiefgreifend beeinflussen. Die beste Hoffnung für den afrikanischen Wohlstand ist der rasche Aufbau von Weiterbildung und Fähigkeiten.

Zehntens sollten die EU und die BRICS den Vereinigten Staaten fest und klar sagen, dass die zukünftige Weltordnung nicht auf Hegemonie, sondern auf Rechtsstaatlichkeit gemäß der UN-Charta beruht. Das ist der einzige Weg zur wahren Sicherheit Europas und der Welt. Abhängigkeit von den USA und der NATO ist eine grausame Illusion, insbesondere angesichts der Instabilität der Vereinigten Staaten selbst. Die Bekräftigung der UN-Charta hingegen kann Kriege beenden (z. B. durch Beendigung der Straflosigkeit Israels und Durchsetzung der IGH-Urteile für die Zwei-Staaten-Lösung) und zukünftige Konflikte verhindern.

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Info: https://www.cirsd.org/en/horizons/horizons-summer-2025--issue-no-31/a-new-foreign-policy-for-europe


unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

29.08.2025

"eine Stimme, die in unseren tiefsten jüdischen Werten verwurzelt ist"

aus e-mail von Thomas Nauerth, 29. August 2025, 17:10 Uhr 


Guten Tag,


erst heute entdeckt: 80 Orthodoxe Rabbiner, treueste Freunde Israels

[sie meinen den Staat!] reden in ihrer Verzweifelung plötzlich auch wie

die "Rabbis for Human Right" seit Jahren reden. Sie können nicht mehr

schweigen.


Habe den Text bei www.zenith.org gefunden und ihn übersetzt. Für

Debatten mit hiesigen jüdischen Gemeinden dürfte er wertvoll sein.


pax et bonum


Thomas Nauerth


--

apl. Prof. Dr. theol. Thomas Nauerth


Institut für Katholische Theologie

Universität Osnabrück

tnauerth@uni-osnabrueck.de


www.friedenstheologie.de

www.bibelunddidaktik.uni-osnabrueck.de/



Martin Niemöller-Von den Pflichten gegenüber allen Menschenkindern.In: CuS (78/2025) 28-33


Gewaltfrei in der Banalität des Alltags und kriegstüchtig in der Zeitenwende? In: EB Vierteljahrschrift für Theorie & Praxis der Erwachsenenbildung 71 (1/2025) 16-19


Frieden als leitende Perspektive und Aufgabe christlicher Religionspädagogik. In: Spiegel, Egon/Stroß, Annette M./Lehner-Hartmann, Andrea/Mariański, Janusz (Hg.), Wissenschaft aus Leidenschaft. Persönliche, biografische, wissenschaftliche Aspekte. Aus Anlass des 70. Geburtstages von Cyprian Rogowski (Vechtaer Beiträge zur Theologie 19) Münster 2025, 201-212


וְאֹהֵ֣ב חָמָ֑ס שָֽׂנְאָ֥ה נַפְשֽׁוֹ


„Never before has it been more urgent than it is now for us to become peacemakers

working for the common good, for what is good for all and not just for the few,

who are always the same. To ensure peace and development, understood as the improvement

of the living conditions of populations suffering from hunger, war and poverty, concrete

actions are needed, rooted in serious and far-sighted approaches. We must therefore leave

aside sterile rhetoric and, with firm political will, as Pope Francis said, “resolve conflicts

and thus … foster a climate of reciprocal cooperation and trust for the sake of meeting common

needs”. (Leo XIV)


»Krieg ist zuerst die Hoffnung, dass es einem besser gehen wird,

hierauf die Erwartung, dass es dem anderen schlechter gehen wird,

dann die Genugtuung, dass es dem anderen auch nicht besser geht,

und hiernach die Überraschung, dass es beiden schlechter geht.« (Karl Kraus)


unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.




Weiteres: 




Analysemeinung, Heiliges Land 

Screenshot_2025_08_29_at_20_57_49_Lesen_der_Bibel_nach_der_Zerst_rung_von_Gaza_ZENIT_Englisch

In Palästina wird die Bibel heute verwendet, um Kriege, Besatzung und Diskriminierung zu legitimieren und zu rechtfertigen Foto: Nueva Sociedad 


Lesen der Bibel nach der Zerstörung des Gazastreifens 


zenit.org, agosto 12, 2025 07:39 ZENIT Mitarbeiteranalysemeinung, Heiliger Land WhatsApp Messenger Facebook Twitter Teil Teilen Sie diese Padre David Neuhaus, SJ  (übersetzt aus dem Englischen mit beta, unkorrigiert)

Der derzeitige israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu ist Erbe des Vermächtnisses von Ben-Gurion, die Bibel zu verwenden, um die Besatzung zu legitimieren und weiter zu festigen. 



(ZENIT News / Jerusalem, 12.08.2025).- Ich unterrichte die Bibel in Palästina/Israel seit fünfundzwanzig Jahren, vor allem für arabischsprachige katholische Seminaristen, Ordensmänner und Religionslehrer. Ich habe auch die Bibel in Hebräisch den Juden in Israel, den rabbnischen Studenten, den Reiseführern und den gewöhnlichen Menschen beigebracht, die ihre Ausbildung vertiefen wollen. Es ist eine Mission, für die ich mich besonders dankbar fühle und die mich immer noch mit Angst und Zittern erfüllt. Obwohl ich sehr dankbar bin, in einer Zeit zu leben, in der die Kirche bewusster, sensibler und vorsichtiger ist, wie die Bibel in der christlichen Lehre verwendet werden sollte - zutiefst reumütig für die Art und Weise, wie sie als Waffe gegen Judentum und Juden verwendet wurde -, weiß ich, dass es noch viel Arbeit zu tun gibt, um die biblischen Folgen zu verzerren. 


Das Dringendste für mich, inmitten eines Konflikts, der Israel gegen Palästina in einen blutigen Krieg stellt, der Gaza in Trümmern gelassen und seine Bevölkerung zum Hungertod gebracht hat, ist: Wie soll ich Gottes liebevoller Plan für die Menschheit in der Bibel angehen, ein Plan, der die Wahl Israels, die Gabe des Landes und die Vernichtung der Völker umfasst? Wie kann ich das Wort lesen, das die Christen als das Wort Gottes bejubeln: „Aber in den Städten dieser Völker, die der Herr, dein Gott, dir für ein Erbe gibt, sollst du nichts retten, was atmet, aber du sollst sie, die Hethiter und die Amoriter, die Kanaaniter und die Perzziter, die Heiter und die Jebuiter, die Jehovits, deinen GottDeuteronomy, vernichten. Wäre es nicht besser, die Bibel in einen Schrank zu stecken und andere Ressourcen für die Entwicklung des geistlichen Lebens, des moralischen Verhaltens und der religiösen Führung zu finden? Oder sollten zumindest nicht die problematischsten Teile der Bibel zensiert werden? Es kann und war ein gefährliches Buch, nicht nur für viele im Nahen Osten heute, sondern auch für viele andere im Laufe der Jahrhunderte der Geschichte. 


Am 7. Januar 1937 sprach David Ben-Gurion, Leiter der Jewish Agency im britisch-mandierten Palästina (eine Schattenregierung, die die Schaffung des Staates Israel vorwegnahm), vor der Peel Commission, die versuchte, die Probleme des britischen Mandats in Palästina zu lösen, das im Konflikt zwischen Juden und Arabern verstrickt war. Ben-Gurion stellte das Konzept eines "britischen Mandats für Palästina" in Frage, das nach dem Ersten Weltkrieg gegründet wurde, und erklärte: "Im Namen der Juden sage ich, dass die Bibel unser Mandat ist, die Bibel, die für uns geschrieben wurde, in unserer Sprache, auf Hebräisch, direkt in diesem Land. Das ist unser Mandat. Unser Recht ist so alt wie das jüdische Volk. 1958, zehn Jahre nach der Gründung des Staates Israel, eröffnete Ben-Gurion, damals Premierminister, den ersten Weltbibelwettbewerb in Jerusalem. Kurz darauf richtete er einen regelmäßigen Bibelstudienkreis ein, an dem er häufig teilnahm. Die Gruppe begann ihre Arbeit mit Ben-Gurions Lieblingsbibelbuch Joshua, das er für absolut sachlich hielt. Für ihn war es das historische Modell der Eroberung des Landes der Bibel durch das Volk der Bibel, damals und heute. 


Ben-Gurion war kein religiöser Jude, und sein Glaube an Gott wurde von seinem Glauben an die "jüdische" Nation überschattet, ein Konzept, das von seiner eifriger Bibellektüre abgeleitet wurde. Darüber hinaus wies er ausdrücklich den religiösen Verrat des jüdischen Volkes zurück, der sich im Laufe der Jahrhunderte in den im Talmud gesammelten Rabbiner-Schriften entwickelt hatte. Als "jüdischer" Nationalist betrachtete er die Bibel als den ultimativen und ewigen literarischen und geistlichen Höhepunkt der Juden in ihrer Heimat, während er die rabbinischen Schriften - den Talmud - als eine sekundäre Sammlung betrachtete, die im Exil geschaffen wurde und dazu bestimmt war, im Laufe der Zeit zu verschwinden. Ben-Gurions Biblizismus (eine säkulare Lesart der Bibel, die als Schatzhaus nationalistischer Terminologie und Mythologie verwendet wird) war maßgeblich in der frühen Geschichte der zionistischen Aktivität in Palästina. Obwohl er von religiösen jüdischen Intellektuellen in Israel, wie Martin Buber und Yeshayahu, hart kritisiert wurde - beides, die sich der beunruhigenden Probleme bewusst sind, die von Israels militärischen Eroberungen aufgeworfen wurden, die ethnischen Säuberungen von Palästinensern aus israelischen Gebieten und die tief verwurzelte Diskriminierung arabischer Bürger im Staat Israel - Ben-Gurions Version des Zionismus. 


Der derzeitige israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu ist Erbe des Vermächtnisses von Ben-Gurion, die Bibel zu benutzen, um die Besatzung weiter zu legitimieren und zu festigen. Zu Beginn des Gaza-Krieges am 8. Oktober 2023 beschrieb Netanjahu die israelischen Soldaten als "eifrig, sich an den Mördern für die schrecklichen Taten zu rächen, die gegen unsere Kinder, unsere Frauen, unsere Eltern und unsere Freunde verübt wurden. Sie sind verpflichtet, dieses Übel aus der Welt auszurotten, für unsere Existenz und, ich füge hinzu, um der ganzen Menschheit willen. Alle Menschen und ihre Führer umarmen sie und glauben an sie. "Erinnern Sie sich, was Amalek Ihnen angetan hat." Sein Zitat von Deuteronomium 25:17 war eine erschreckende Erinnerung daran, wie die Bibel verwendet werden kann, um Krieg und Hass zu fördern. Amalek, beschrieben in Exodus 17, ist der archetypische Feind der Israeliten, und ihnen wird befohlen, ihn und seine Nachkommen auszurotten. Netanjahu, seine Verbündeten, die israelische Siedlerbewegung und diejenigen, die Gewalttaten gegen Palästinenser begehen, greifen ständig zu biblischem Vokabular, um ihre Akte und Zerstörung zu rechtfertigen. 


Es gibt nichts Neues in dem ideologischen Missbrauch heiliger Texte. "Mobilisieren" eine Idee von Gott und heilige Erzählungen, die von Gott sprechen, verleiht den menschlichen Ideologien der Herrschaft und Ausgrenzung Autorität. Dies führt dazu, dass die Bibel von denen verpönt wird, die für Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit kämpfen. Für die Christen liefert die Bibel jedoch die Worte, um von Gott, der menschlichen Person, und der Beziehung zwischen den beiden zu sprechen. Es bietet ein Vokabular, eine Grammatik und eine Syntax, durch die Christen versuchen können, Gott auszudrücken. Die biblische Erzählung zeichnet eine Geschichte von Ursprüngen, Relevanz und Hoffnung nach, die die Gläubigen in eine lange Geschichte der Menschheit verortet, in der sie Sinn, Berufung und Mission in einer Welt finden können, die Erlösung sucht. Und wie jeder Schatz birgt die Aneignung Risiken. 


1994 veröffentlichte der lateinische Patriarch von Jerusalem, Michel Sabbah, ein Schlüsselinstrument für die Bibelleser in dieser Zeit des Konflikts in Palästina/Israel: Lesen und Leben die Bibel heute im Land der Bibel (Michel Sabbah, Lateinisches Patriarchat, Jerusalem, 1993). Die Einleitung zu diesem Pastoralbrief ist ein Vers, der einen christlichen hermeneutischen Schlüssel zum Lesen der Bibel darstellt: "Denn Er ist unser Friede, der uns beide zu einem gemacht hat und die Trennwand der Feindseligkeit niedergerissen hat, indem er sie in seinem Fleisch abschafft [...], dass er in sich einen Mann anstelle der beiden schaffen könnte, so dass er Frieden macht und uns mit dem Frieden versöhnen kann. In diesem Brief stellt Sabbah eine ergreifende Frage an diejenigen, die heute die Bibel in Palästina lesen: "Sollten wir Opfer unserer eigenen Heilsgeschichte sein, die das jüdische Volk zu privilegieren scheint und uns zu verurteilen scheint? Ist das wirklich der Wille Gottes, dem wir uns unaufhaltsam, ohne Berufung oder Diskussion unterwerfen sollten, und der uns nicht bitten würde, alles anderen Menschen zu überlassen?» (n. 7c). 


Sabbah wendet sich an diejenigen, die die Bibel wegen der Art und Weise, wie sie gelesen wird, um die Besatzung und Diskriminierung zu rechtfertigen, und sagt: "Durch diese Ablehnung des Wortes Gottes, lieber Gläubige, macht ihr euch zu Komplizen und Opfern derer, die ihr beschuldigen, und nachdem ihr des Landes beraubt wurde, lässt ihr euch auch aus dem Staub machen. 56). Gegen Ende des Briefes schließt Sabbah: "Die Bibel zu lesen und zu leben, heute im Land der Bibel, ist eine Gnade und eine Herausforderung. Eine Gnade, weil wir jeden Tag mit Jesus selbst auf den gleichen Wegen gehen, wie er mit seinen Jüngern als Partner und Freund ging. Eine Herausforderung, weil wir heute in diesem Konfliktkrieg Leiden erleben, die im Mittelpunkt unseres Dialogs mit dem Herrn stehen. Und der Herr, der unser Herz in Brand steckt, wenn er zu uns spricht (vgl. Lukas 24:32) auf dem Weg unseres Pilgers "öffnet unsere Herzen für ein Verständnis der Schrift" und hilft uns, durch ein Verständnis unserer Geschichte den Willen des Vaters zu verstehen." 64). 


Christen müssen sich bewusst sein, dass Begriffe wie "Auserwählte Menschen" und "Gelobtes Land" sehr konkrete existenzielle und moralische Folgen für die Völker des Nahen Ostens haben und nicht nur spekulativ und theologische Übungen sind. Im Einklang mit diesen Bedenken hat der Heilige Stuhl die Bedeutung des Völkerrechts und nicht des biblischen Diskurses betont, um den Konflikt in Palästina und Israel zu verstehen. Christen sind eingeladen, den Konflikt - die jüdische religiöse Verbindung mit dem Land Israel - zu verstehen, der seine Wurzeln in der biblischen Tradition hat, obwohl keine besondere religiöse Interpretation dieser Beziehung angenommen werden sollte. Was die Existenz des Staates Israel und seine politischen Entscheidungen betrifft, muss er in einer Perspektive gesehen werden, die an sich nicht religiös ist, sondern sich auf die gemeinsamen Prinzipien des Völkerrechts bezieht“ (Dicastery zur Förderung der Einheit der Christen, Sussidi per una corretta pesentazione degli ebrei e dell’ebraismo nella pedicazione e nella catechesi della Chiesa cattolica, 1985, VI, 1). 


Letztendlich offenbart sich die Bibel mit Glauben, Liebe und Nächstenliebe als lebendiges Wort Gottes. In Palästina wird die Bibel heute benutzt, um Kriege, Besatzung und Diskriminierung zu legitimieren und zu rechtfertigen. Zusammen mit der Bibel wird der Koran, die von den Muslimen bevorzugte Schrift, in politischen Kämpfen über das Schicksal des Heiligen Landes "mobilisiert" und wer sie regieren soll. Dei Verbum, die Dogmatische Verfassung des II. Vatikanischen Konzils über göttliche Offenbarung, betont jedoch, dass "die Heilige Schrift im Licht desselben Geistes gelesen und interpretiert werden muss, durch den sie geschrieben wurde" (nein. 12). Dieses Geist zu erkennen, auch nach der authentischen Interpretation, die dem Lehramt anvertraut ist (Nr. 10), ist daher ein wesentlicher Teil des Lesens der Bibel. Im Wesentlichen lesen die Bibel, wie das Wort Gottes Gleichheit, Gerechtigkeit und Frieden lehrt, Werte, die im Einklang mit dem Gott stehen, den wir in der Bibellesung der Kirche kennen lernen. 


David Mark Neuhaus, SJ, geboren 1962 in Südafrika als Sohn deutsch-jüdischer Eltern, die vor dem Nationalsozialismus flohen, diente als Oberer der Jesuitengemeinschaft am Päpstlichen Bibelinstitut Jerusalem. Professor für Heilige Schrift am Seminar des Lateinischen Patriarchats von Jerusalem, von 2009 bis 2017 war er Patriarchalvikar für hebräischsprachige Katholiken im lateinischen Patriarchat. 


Übersetzung des italienischen Originals ins Spanische von ZENIT's Editorial 


Direktor und in Englisch von Virginia M. Forrester.

Reading the Bible After the Destruction of Gaza | ZENIT - English


Info: https://zenit.org/2025/08/12/reading-the-bible-after-the-destruction-of-gaza/


unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.



Weiteres:




Heiliges Land, Gerechtigkeit und Frieden


Rabbi Yosef Blau ist einer von denen, die den Appell gefördert und unterschrieben haben. Foto: Asia News 


Dutzende orthodoxe Rabbiner sprechen sich gegen Siedlergewalt und Gazas humanitäre Krise aus 



zenit.org, vom agosto 21, 2025 16:52 ZENIT St. Mitarbeiter Heiliges Land, Gerechtigkeit und Frieden (übersetzt aus dem Englischen mit beta, unkorrigiert)

Achtzig Vertreter der modernen orthodoxen Bewegung unter der Leitung von Rabbi Yosef Blau haben einen Appell gestartet, in dem sie "moralische Klarheit" und "Verantwortung" auf der Grundlage der Werte der jüdischen Tradition fordern. Während sie die Hamas verurteilen, rufen sie zu einer "Antwort" auf die Tragödie in Gaza auf und kritisieren die "beunruhigenden Vorschläge" von Smotrich und Ben Gvir. Für die Rabbiner müssen sie „aussprechen, wenn die Handlungen unserer Regierung den moralischen Zwängen der Tora widersprechen“. Das lateinische Patriarchat warnt vor Evakuierungsbefehlen in Vierteln in der Nähe der katholischen Gemeinde Gazas.  


(ZENIT News– Asia News / Jerusalem, 08.21.2025).- Eine Gruppe von 80 konservativen und orthodoxen Rabbinern rief gestern zu "moralischer Klarheit", "Verantwortung" und einer "Reaktion" heraus, die die israelischen Mainstream-Stimmen widerspiegelt, sich aber von NGOs und Aktivistenrabbern distanziert, die immer kritisch gegenüber der israelischen Regierungspolitik waren. 


Während sie die Hamas verurteilen, ohne den Krieg in Gaza zu kritisieren, fordern sie eine "Antwort" auf die "humanitäre Krise" auf dem palästinensischen Gebiet sowie offen zuschlagen, und dies ist eine neue Entwicklung, die Gewalt von „extremistischen Siedlern“ im Westjordanland, die zu "dem Mord an Zivilisten" und zu einer weiteren Zerstörung der "Palärken" geführt hat. 


Rabbi Yosef Blau ist einer von denen, die den Appell gefördert und unterschrieben haben. Als führende Persönlichkeit des Rabbi Isaac Elchanan Theological Seminary der Yeshiva Universität in New York zog er sich vor kurzem zurück und zog nach Israel. 


„Meine Unterstützung Israels und Zionismus rührt von meinem Engagement für das Judentum her. Eine nicht-kritische Loyalität steht im Widerspruch zur Introspektion, die für das Judentum grundlegend ist“, sagte Blau in einer Erklärung. "Wenn Religion verwendet wird, um eine Machtverehrung zu rechtfertigen, verzerrt dies die grundlegende Moral", fügte er hinzu. 


Weitere Unterzeichner sind der Chef von Yeshivat Maale Gilboa in Israel, die Oberrabbiner von Polen, Dänemark und Norwegen und der ehemalige Oberrabbiner von Irland, David Rosen, eine prominente jüdische Stimme im interreligiösen Dialog; zusammen mit hochrangigen Rabbinern großer orthodoxer Gemeinden in Los Angeles und Washington. 


Die Unterzeichner stammen größtenteils aus dem liberalen Lager der damaligen orthodoxen Bewegung, die traditionell gemäßigt war. 


Die orthodoxen Rabbiner beklagen auch den Aufstieg extremistischer Stimmen in Israel, die Verhärtung der Gefühle gegenüber den Palästinensern und die Explosion der Siedlergewalt in Judäa und Samaria (Westjordanland) und verwenden den hebräischen Namen, um die Verbindung zu dem umstrittenen Land zu betonen. 



Unterdessen untersucht die israelische Regierung die (günstige) Reaktion der Hamas auf den Vorschlag für einen 60-tägigen Waffenstillstand und die Freilassung der Hälfte der noch im Gazastreifen festgehaltenen Geiseln, obwohl eine Quelle wiederholte, dass alle israelischen Gefangenen bis zum Ende des Krieges freigelassen werden müssen.


Die Bemühungen, die Kämpfe zu stoppen, gewannen letzte Woche neue Impulse, nachdem der jüdische Staat Pläne für eine neue Offensive angekündigt hatte, um die Kontrolle über Gaza-Stadt im Herzen der palästinensischen Enklave zu übernehmen. 


Schließlich stellt das lateinische Patriarchat von Jerusalem in einer Erklärung fest, dass es die „schnell entwickelnde Situation in Gaza-Stadt“ genau beobachtet, insbesondere angesichts der Berichte über eine „unmittelbare Invasion“ durch die israelische Armee. 


„Berichte aus unserer Pfarrei der Heiligen Familie deuten darauf hin, dass mehrere Viertel in der Nähe des Geländes nun mit Evakuierungsbefehlen bedient wurden. Unsere Leute vor Ort bezeugen, dass der Klang und die Auswirkungen von Bombardements gefährlich nahe an das Pfarrgelände selbst heranrücken. Kardinal [Pierbattista] Pizzaballa und das gesamte Patriarchat werden weiterhin den Angelegenheiten vor Ort folgen und über alle Entwicklungen informieren. Wir stehen zu unseren Brüdern in Gaza und beten für ein sofortiges Ende dieses Krieges“, heißt es in der Pressemitteilung.


Unten ist der vollständige Text der Rabbiner-Erklärung und die Liste der Unterzeichner: 


Ein Aufruf zur moralischen Klarheit, Verantwortung und einer jüdisch-orthodoxen Reaktion angesichts der humanitären Krise in Gaza 

 

Die humanitäre Krise in Gaza ist eine der schwersten in der jüngeren Geschichte. Während es mit dem schrecklichen Terroranschlag der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 begann - ein brutaler Akt, der zu Recht eine starke militärische Reaktion und Forderung nach der Freilassung der Geiseln forderte - entbindet er Israels Regierung nicht davon, ihren Teil der Verantwortung für das tiefe Leid der Zivilbevölkerung Gazas zu übernehmen. 


Die Aktionen der Hamas haben wiederholt eine zynische Missachtung des Lebens der Menschen gezeigt, die sie angeblich vertritt, indem sie Zivilisten als menschliche Schutzschilde nutzten und Waffenstillstandsvorschläge ablehnten. Israels lange Militärkampagne, die jetzt zwei Jahre näher rückt, hat jedoch Gaza verwüstet. Die Zahl der Todesopfer steigt mit sehr erheblichen Verlusten an Menschenleben, und Israels Begrenzung der humanitären Hilfe, die manchmal den Eintritt von Nahrungsmitteln und medizinischen Gütern vollständig stoppt, hat das Schreckgespenst des kommenden Hungers heraufbeschworen. Wir bekräftigen, dass die Sünden und Verbrechen der Hamas die Regierung Israels nicht von ihren Verpflichtungen befreien, alle notwendigen Anstrengungen zu unternehmen, um Massenhunger zu verhindern. 


Es gab Monate, in denen Israel humanitäre Konvois unter der falschen Prämisse blockierte, dass ein erhöhtes Leid die Kapitulation der Hamas mit sich bringen würde. Stattdessen war das Ergebnis die Vertiefung der Verzweiflung. Die berechtigte Wut auf die Hamas hat sich durch einige Extremisten gefährlich auf das pauschale Misstrauen der gesamten Bevölkerung von Gaza – Kinder eingeschlossen – ausgeweitet, die als zukünftige Terroristen getrübt wurde. In Yehuda und Shomron (Westjordanland) hat die extremistische Siedlergewalt zur Ermordung von Zivilisten geführt und palästinensische Dorfbewohner aus ihren Häusern vertrieben, was die Region weiter destabilisiert hat. 


Inmitten dieser Verwüstung hat das Fehlen einer klaren Nachkriegsvision von Ministerpräsident Netanjahu den extremsten Stimmen in der israelischen Regierung – einschließlich der Minister der religiösen zionistischen Gemeinschaft – ermöglicht, das Vakuum mit beunruhigenden Vorschlägen zu füllen. 


Dazu gehören das erzwungene „freiwillige“ Exil der Palästinenser aus Gaza und das Opfer der verbleibenden israelischen Geiseln bei der Verfolgung eines schwer fassbaren „totalen Sieges“. 

 

Dieser Moment erfordert eine andere Stimme – eine, die auf unseren tiefsten jüdischen Werten basiert und von unserer traumatischen Geschichte, Opfer der Verfolgung zu sein, geprägt ist. 


Das orthodoxe Judentum, als einige der treuesten Unterstützer Israels, trägt eine einzigartige moralische Verantwortung. Wir müssen bekräftigen, dass die Vision des Judentums von Gerechtigkeit und Mitgefühl auf alle Menschen hinausgeht. Unsere Tradition lehrt, dass jeder Mensch entsteht b’tzelem Elokim – im göttlichen Bild. Wir sind die geistlichen Nachkommen von Avraham, die auf dem Weg von Hashem erwählt sind, „um Gerechtigkeit und Gerechtigkeit zu tun“ (Bereshit 18:19). Einem ganzen Volk zu erlauben, zu hungern, steht in krassem Gegensatz zu dieser Lehre. 


Während wir über Tisha B’Av nachdenken, klingen die Worte unserer Propheten mit neuer Dringlichkeit. Die Haftorah von Schabbat Chazon erinnert uns: „Zion wird durch Gerechtigkeit erlöst werden und diejenigen, die durch Rechtschaffenheit zu ihr zurückkehren“ (Yeshayahu 1:27). Und am Morgen von Tisha B'Av hallt die Stimme von Yirmiyahu durch unsere Gebete: „Lasst nicht die Weisen in ihrer Weisheit... sondern in dieser: daß sie Mich verstehen und kennen, dass Ich der Herr bin, der Güte, Gerechtigkeit und Gerechtigkeit auf Erden praktiziert – denn in diesen entzüngst ich" (Yirmiyahu 9:23).


Das sind nicht nur poetische Phrasen. Sie sind die Grundlagen unserer ethischen Verpflichtung – eine Politik zu fordern, die die Menschenwürde aufrechterhält, humanitäre Hilfe leisten, wo immer dies möglich ist, und sich zu äußern, wenn die Handlungen unserer Regierung den moralischen Zwängen der Tora widersprechen, egal wie schmerzhaft dies auch sein mag, um sie zu akzeptieren. 


Die Zukunft Israels hängt nicht nur von seiner militärischen Stärke ab, sondern auch von seiner moralischen Klarheit. Lassen Sie uns klingende Stimmen für Gerechtigkeit, Gerechtigkeit und Frieden für alle Menschen sein – auch und vor allem in den härtesten Zeiten. 


Liste der Unterzeichner: 

Rabbi Yosef Blau Rabbi David Bigman Oberrabbiner Michael Schudrich Oberrabbiner Michael Melchior Oberrabbiner Jair Melchior Rabbi Joav Melchior Oberrabbiner David Rosen (ehemaliger CR) Rabbi Dr. Shmuly Yanklowitz Rabbi Dr. Yitz Greenberg Rabbi Hyim Shafner Rabbi Daniel Landes Rabbi Herzl Hefter Rabbi Shua Mermelstein Rabbi Yoni Zolty Rabbanit Mindy Schwartz Zolty Rabbiner Friedrich L Klein Rabbi Yosef Kanefsky Rabbi Michael Whitman Rabbi Dr. Jeremia Unterman Rabbi Barry Dolinger Rabbi David Silber Rabbi Yonatan Neril Rabbi Ysoscher Katz Rabbi Isaac Landes Rabbi David Polsky Rabbi Baruch Plotkin Rabbi Mikey Stein Rabbi Elliot Kaplowitz Rabbi Ariel Goldberg Rabbi Ben Birkeland Rabbi Ralph Genende Rabbi David Glicksman Rabbi Dr. Donniel Hartman Rabbi Dr. Martin Lockshin Rabbi Dr. Pinchas Giller Rabbi Avidan Freedman Rabbi Daniel Raphael Silverstein Rabbi Dr. Shalom Schlagman Rabbi Dr. Daniel Ross Goodman Rabbi Aaron Levy Rabbi Chaim Seidler-Feller Rabbi Dr. Mel Gottlieb Rabbi Dr. Joshua Feigelson Rabbi Jona Winer Rabbi Dr. Michael Chernick Rabbi Dr. Eugene Korn Rabbi Hanan Schlesinger Rabbi Elhanan Miller Rabbi Joel Hecker Rabbi Michael Gordan R. Sofia Freudenstein Rabbi David Levin-Kruss Rabbanit Myriam Ackermann-Sommer Rabba Ramie Smith R. Shayna Abramson Rabbi Zachary Truboff Rabbi David A. Schwartz Rabbi David Jaffe Rabbi Steve Greenberg Rabbi Gabriel Kretzmer Rabbanit Rachel Keren Rabbi Benyamin Vineburg Rabba Dr. Lindsey Taylor-Guthartz Rabbanit Leah Sarna Rabbi Dr. Wendy Zierler Rabbanit Sarah Segal-Katz Rabbi Shimon Marke Rabba Melissa Scholten-Gutierrez R. Emily Goldberg Winer R.Dr. Erin Leib Smokler Rabba Adina Roth R. Dr. Meesh Hammer-Kosssoy Rabbi Drew Kaplan Rabbi Dina Najman Rabbi Emile Ackermann Rabbi Daniel Geretz Rabbanit Sarah Segal-Katz Rabbanit Tali Schaum Broder Rabbi Max Davis Rabbi Tyson Herberger Rabba Aliza Libman Baronofsky

Dozens of Orthodox rabbis speak out against settler violence and Gaza’s humanitarian crisis | ZENIT - English


Info: https://zenit.org/2025/08/21/dozens-of-orthodox-rabbis-speak-out-against-settler-violence-and-gazas-humanitarian-crisis/


unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

29.08.2025

Ukraine-Verhandlungsprozess: Sergej Lawrow / Donald Trump

aus  e-mail von Doris Pumphrey, 29. August 2025, 16:42 Uhr

*

*https://mailchi.mp/russische-botschaft/newsletter-der-russischen-botschaft-11041994?e=34bdcd87f0


*Sergej Lawrow **zum Ukraine-Verhandlungsprozesses**

*

/*auf der gemeinsamen Pressekonferenz mit dem jordanischen

Vizepremierminister und Minister für Auswärtige Angelegenheiten und

Auswanderer Ayman Safadi in Moskau am 20. August 2025:*/

*

*Der russische Präsident Wladimir Putin hat wiederholt betont, dass wir

zu einer Zusammenarbeit in jedem Format bereit sind – vorausgesetzt, sie

erfolgt aufrichtig und erschöpft sich nicht darin, wie es die führenden

europäischen Staats- und Regierungschefs praktizieren, lediglich

Bedingungen zu schaffen, um die USA erneut in ihre aggressive

Kriegskampagne hineinzuziehen. Diese zielt darauf ab, die Ukraine als

Instrument zur Eindämmung Russlands zu erhalten und zu stärken sowie

einen Krieg gegen unser Land und gegen alles Russische in dieser Region

zu führen – auch auf dem Gebiet der Ukraine.


Nach dem jüngsten Telefonat zwischen dem russischen Präsidenten und dem

US-Präsidenten wurde mitgeteilt, dass Wladimir Putin seine Bereitschaft

bekräftigt hat, die in Istanbul aufgenommenen direkten Verhandlungen

zwischen Russland und der Ukraine fortzusetzen. Dort fanden drei

Gesprächsrunden statt, in deren Verlauf Vereinbarungen zu humanitären

Fragen, zum Gefangenenaustausch und zur Rückführung der Leichname

gefallener Soldaten erzielt wurden. In der dritten Runde schlugen unsere

Verhandlungsführer zudem die Einrichtung von drei Arbeitsgruppen vor,

die sich gezielt mit militärischen, humanitären und politischen Themen

befassen sollten. Bislang hat die Ukraine darauf nicht reagiert.


Der russische Präsident Wladimir Putin regte an, die Gespräche nicht nur

fortzuführen, sondern auch die Möglichkeit zu prüfen, die

Delegationsleiter auf eine höhere Ebene zu heben. Es liegt auf der Hand,

dass die Reaktion der ukrainischen Seite nicht von uns abhängt. Da diese

Initiative jedoch von US-Präsident Trump positiv aufgenommen wurde,

hoffen wir, dass er sie den Vertretern in Kiew nahebringen und erläutern

wird. Dies wäre ein wichtiger Schritt zur Stärkung des

Verhandlungsprozesses, zur Konkretisierung der Agenda und zur Annäherung

an die Prüfung der Schlüsselfragen, die für eine nachhaltige Lösung

notwendig sind.


Wir sind für alle Formate bereit, aber wenn es um Treffen auf höchster

Ebene geht, müssen diese in allen vorangegangenen Phasen sorgfältig

vorbereitet werden, damit die Gipfeltreffen nicht zu einer

Verschlechterung der Lage führen, sondern tatsächlich einen Schlusspunkt

unter die Verhandlungen setzen, die wir fortsetzen wollen.



*/Antworten des Außenministers der Russischen Föderation, Sergej Lawrow,

auf Fragen im Programm „Moskau. Kreml. Putin“, Moskau, 24. August 2025/*/:


/*Frage*: Genau jene westlichen Länder, die noch vor Kurzem sagten, sie

würden keine Verhandlungen mit dem „Putin-Regime“, mit Russland führen,

erklären nun, dass sie, falls die Verhandlungen nicht stattfinden oder

deren Ergebnis ihnen nicht zusagt, wieder Sanktionen gegen Russland

verhängen werden. Wie kommentieren Sie das?


*Sergej Lawrow*: Sie suchen einfach nach einem Vorwand, um Verhandlungen

zu verhindern, und sie wollen, dass dies nicht aufgrund ihres

Verschuldens geschieht, sondrn aufgrund des Verschuldens von Wladimir

Selenskyj, der sich ebenfalls „querstellt“, mit irgendwelchen

Bedingungen kommt und unabhängig von allem sofort ein Treffen mit dem

Präsidenten Russlands, Wladimir Putin, verlangt.


Dies ist ein Versuch, den Prozess zu stören, der vom Präsidenten

Russlands, Wladimir Putin, und vom Präsidenten der USA, Donald Trump,

initiiert wurde und gute Ergebnisse erbracht hat. Wir hoffen, dass diese

Versuche vereitelt werden.


*Frage*: Was ist das für eine Rhetorik, wenn der französische Präsident

E. Macron uns als Kannibalen und Raubtiere bezeichnet?


*Sergej Lawrow*: Weiß ich nicht. Die Menschen sind verschieden. Sie

haben verschiedene Kulturen. Ich werde das nicht einmal kommentieren.

Ich hoffe, dass es ihm nachts selbst unangenehm ist.


*Frage*: Wladimir Selenskyj hat gesagt, dass im Rahmen möglicher

Friedensvereinbarungen nur die ukrainische Sprache bleiben wird und

keine russische.


*Sergej Lawrow*: Nein, er sagte, dass die russische Sprache nicht

staatlich sein wird. Aber im Großen und Ganzen besteht darauf niemand

besonders. Der erste Schritt, der unabhängig von irgendwelchen Wünschen

Wladimir Selenskyjs oder irgendjemandes sonst ist – ist die Aufhebung

aller Gesetze, die in gröbster Verletzung der Charta der Vereinten

Nationen die russische Sprache und die kanonische Ukrainisch-Orthodoxe

Kirche verboten haben. Deshalb versucht er, den Fokus dieses Problems zu

verschieben. Aber das wird ihm nicht gelingen.



_RTDE 28.8.2025


_*Weißes Haus: Trump unzufrieden mit Entwicklungen rund um die Ukraine


*US-Präsident Donald Trump ist mit den Entwicklungen in der Ukraine

unzufrieden, aber nicht überrascht. Dies teilte die Pressesprecherin des

Weißen Hauses, Karoline Leavitt, im Hinblick auf die jüngsten Angriffe

der russischen Armee auf Kiew mit.

"Er war unzufrieden mit diesen Nachrichten, aber auch nicht überrascht",

sagte sie bei einer regelmäßigen Pressekonferenz und wies darauf hin,

dass "die Ukraine kürzlich einen Schlag gegen russische Ölraffinerien

geführt hat".


Leavitt fügte hinzu, dass Trump "die Situation weiterhin aufmerksam

verfolgt". "Aber möglicherweise sind beide Seiten dieses Krieges nicht

bereit, ihn eigenständig zu beenden. Der [US-]Präsident möchte, dass er

endet, aber die Staatschefs dieser beiden Länder müssen dies ebenfalls

wollen und darauf hinarbeiten", erklärte die Pressesprecherin. Sie

merkte außerdem an, dass der amerikanische Staatschef "später einige

zusätzliche Erklärungen zu diesem Thema abgeben wird".


unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

29.08.2025

Screenshot_2025_08_29_at_19_57_49_Musik_statt_Krieg_Ein_Festival_der_Hoffnung_auf_dem_Vier_Winde_Hof

nachdenkseiten.de, 29. August 2025 um 15:00 Ein Artikel von Éva Péli

Stimmen von „Musik statt Krieg“ – Ein Festival für Menschen im Gegenwind
Der Vier-Winde-Hof im mecklenburgischen Plath ist mehr als nur ein Konzertort – er ist ein lebendiger Treffpunkt, der Hoffnung atmet. Die Reportage von Éva Péli taucht in die einzigartige Atmosphäre und die Stimmen einer Veranstaltung ein, die sich mit Musik und Kunst der gesellschaftlichen Spaltung entgegenstellt.

Zum 23. Mal lud Tino Eisbrenner, der in der DDR mit seiner Band Jessica und dem Song „Ich beobachte dich“ bekannt wurde, zum Hoffest „Musik statt Krieg“ ein. Hunderte strömten auf sein Gelände, um dem entgegenzuwirken, was Musiker Michael Seidel als „kriegstüchtiges Geschwätz“ bezeichnet. Trotz der angespannten politischen Lage zog das Festival ein vielfältiges Publikum aus der Nachbarschaft und aus ganz Deutschland an, von Berlin über Thüringen bis zum fernen Nürnberg. Sogar aus China waren zwei junge Musiker aus Peking als Überraschungsgäste angereist.


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Der Friedenstreffpunkt bot ein Kaleidoskop musikalischer, künstlerischer und menschlicher Begegnungen und zeugte von der verbindenden Kraft der Musik über Kontinente hinweg.

Statt eines lauschigen Sommerabends malte der Tag eine raue, windige und kühle Kulisse. Die Wettergötter lieferten sich einen epischen Kampf, der sich in heftigen Schauern mit erbsengroßen Hagelkörnern entlud. Zwar blitzte zwischendurch die Sonne durch die grauen Wolkenfetzen, doch bei gerade einmal 14 Grad blieb es durchgehend kalt. Der Wind pfiff über das Gelände und zerrte an den bunten Regenschirmen der Künstlerin Ute-Bella-Donner, (https://ute-bella-donner.weebly.com/) wie trotzige Farbtupfer gegen das ungemütliche Wetter wirkten. Einige scherzten, das Problem mit Crushed Ice habe sich von selbst gelöst, während andere sich lieber einen Glühwein statt eines kalten Biers gewünscht hatten


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Doch genau diese unwirtliche Stimmung verlieh dem Festival eine besondere, fast dramatische Note. Die unberechenbare Kulisse wurde so selbst zum Teil des musikalischen Spektakels und lieferte die perfekte Bühne für eine Veranstaltung, die sich dem Kampf gegen den Strom verschrieben hat. In dieser Atmosphäre der Gemeinschaft, gestärkt durch die Kraft der Kunst, konnten die Gäste bei Leckereien vom Grill und russischem Zupfkuchen den Alltag vergessen. Sie atmeten auf, tankten neue Energie und erfreuten sich an den Klängen der Musik sowie den Begegnungen mit Gleichgesinnten.

Unterstützt von rund 20 Freiwilligen, die auf dem gesamten Hof im Einsatz waren, behielt Hofherr Tino Eisbrenner die Zügel in der Hand. Die Helfer leisteten dem Wetterspektakel mit eisernem Willen Widerstand, ob am Grill, am Empfang oder auf dem Campingplatz, und zeigten ihr tiefes Engagement, indem sie sogar den vollen Eintrittspreis bezahlten.

Am Samstag trat Eisbrenner selbst mit der „Dresden Bigband“ unter Leitung von Michael Winkler auf und spielte mit dieser den bereits erwähnte DDR-Hit „Ich beobachte Dich“ ebenso wie andere Jessica- und Solosongs sowie Lieder seines Vorbildes Sting, aber auch das Lied von „Mackie Messer“ aus Bertolt Brechts „Dreigroschenoper“. Für die Bigband wurde extra die Bühne in der Hofscheune vergrößert, unter deren Dach das Festival Schutz vor dem Gewitter fand.

Ein Treffpunkt für Gleichgesinnte

Was treibt die Menschen an, die hierher kommen? Die Antworten der Besucher und Musiker offenbaren eine tiefe Sehnsucht nach Austausch und Frieden.

Für den chilenischen Musiker Alejandro Soto Lacoste ist das Festival seit 15 Jahren ein fester Teil seines Lebens. Er brachte es treffend auf den Punkt: „Ich gehöre quasi zum Inventar.“ Er lobte die besondere Atmosphäre und die Gemeinschaft: „Es ist eine gute Gelegenheit, sich zu treffen.“

Catrin aus Nürnberg, die den weiten Weg auf sich nahm, war zum ersten Mal dabei und zeigte sich „total begeistert“. Sie schwärmte von der „wunderbaren Atmosphäre“ und den „hochinteressanten Musikern“ und betonte, wie toll es sei, „mit diesen Menschen zusammenzukommen“. Catrin sieht das Hoffest als Quelle positiver Energie, die die Besucher in die Welt tragen müssten, „um dem Wahnsinn entgegenzutreten und einen Krieg zu verhindern.“ Sie drückte die kollektive Hoffnung so aus: „Wir müssen mehr werden“, um diese „positive Energie in einem großen Bogen durch die Welt zu schicken“.

Selbst in ländlichen Gebieten Mecklenburg-Vorpommerns ist die Bedeutung des Hoffestes bekannt. Isolde und Uwe Deutschmann, die in einem 100-Einwohner-Dorf leben, wissen das. „Man kennt viele vom Sehen“, sagte Uwe Deutschmann. „Es sind im Prinzip fast immer die gleichen Leute hier, aber es kommen immer ein paar neue Gesichter dazu“, so der Mann. Seine Frau ergänzte: „Die Menschen horchen allmählich auf.“

Musiker Michael Seidel beschrieb die Atmosphäre als „angenehm“. Die Besucher teilten „eine Gemeinsamkeit und kommen bewusst dorthin, um sich für Musik und gegen den Krieg auszusprechen“, beobachtete er.

Hoffnung gegen Kriegshetze und Appell zum Handeln

Die Besucher der Veranstaltung diskutierten die Rolle der Kunst und wie man aktiv für den Frieden eintreten kann.


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Catrin aus Nürnberg betonte, man müsse „mehr werden“, um dem „Wahnsinn“ entgegenzutreten, der von der Regierung forciert werde. Sie verwies dabei auf Tino Eisbrenners Lied „Der Welt ein liebes Lied“ und zog eine Parallele zu dem bekannten sowjetischen Lied „Schurawli“ (Kraniche), das Eisbrenner mit der russischen Sängerin Zara im Kremlpalast gesungen hatte. Das Bild der Kraniche als Seelenträger gefallener Soldaten ist ein starkes Symbol in der russischen Kultur. Es ist eine zutiefst bewegende Vorstellung, dass die Seelen der Verstorbenen vom Schlachtfeld aufsteigen, um mit den Kranichen davonzuziehen. Catrin verdeutlichte damit die dringende Hoffnung, dass es gar nicht erst zu einem Krieg kommt, bei dem Menschen sterben müssen.

Michael Seidel, der sich selbst als „Lumpenpazifist“ bezeichnet, trat auf, weil ihn das Thema Frieden persönlich berührt. Er lehnt das „kriegstüchtige Geschwätz“ der Medien ab und kann es kaum ertragen, wenn Kampfflugzeuge über seine Heimat donnern. Für ihn hat Kunst eine klare Aufgabe: Optimismus und Hoffnung zu stiften, um den Mut nicht zu verlieren. Seidel sieht Musik als ein „Angebot“, das Menschen für Themen sensibilisieren kann, da Lieder „direkt in uns eindringen“. Angesichts der „Zeitenwende“ hat das Motto „Musik statt Krieg“ für ihn eine besondere Bedeutung gewonnen, die ihn motiviere, einen „kleinen Beitrag zu leisten, auch wenn drei Lieder allein keinen Frieden schaffen können“.

Auch Sabine Geschke aus Berlin teilt diese Ansicht. Die 78-Jährige hofft, dass Lieder „ein paar Leute zum Nachdenken bringen“ und zu „Gedanken abseits des Mainstreams“ anregen können, auch wenn sie „sicher nicht die Welt umstürzen“ werden.

Soto Lacoste sieht die Musik in einer Zeit, in der die Mächtigen „wollen, dass wir immer nur kaufen und die Augen schließen“, als essenziell an. Musikalische Aktionen seien wichtig, um Menschen zusammenzubringen. Zu Sotos Repertoire am Samstag gehörte auch das Lied „El Derecho de Vivir en Paz“ („Das Recht, in Frieden zu leben“) des chilenischen Sängers Victor Jara.

Die junge Generation der Musiker, wie Xiao Zhang aus Peking, der auf der Fingerstyle-Gitarre eine „One-Man-Band“ imitierte, unterstrich die universelle Kraft der Musik. „Musik verbindet sofort“, sagte er über seine spontane Begegnung mit dem ebenfalls aus Peking stammenden Musiker Ike, mit dem er kurz darauf gemeinsam auftrat.

Tino Eisbrenner, der das Festival mit spirituellen Botschaften seiner Partnerin Sofia Eisbrenner – die den Neumond im Sternbild Jungfrau als „Kampf zwischen hell und dunkel“ deutete – und pragmatischen Hinweisen eröffnete, betonte, dass die Zusammenkunft nicht nur den großen Kriegen entgegenwirken will, sondern auch den „inneren Kriegen“, wie Wut und Depression. Musiker müssten aus seiner Sicht die besten Friedensbotschafter der Welt sein, weil sie „Harmoniebotschafter sind“.

Gegen den Strom: Kritik an der Gesellschaft

Die Gespräche auf dem Hof waren ein lebendiges Spiegelbild der gesellschaftlichen Spannungen.

Holger Kalaus, ein ehemaliger NVA-Offizier, empfindet die „Sessel-Rhetorik“ von Politikern als unerträglich. Er weiß aus erster Hand, was Krieg bedeutet, und betonte, dass „Kriege immer durch Verhandlungen enden“. Er beklagte, dass man in Deutschland kaum noch offen über Frieden sprechen könne, ohne sofort in eine Schublade gesteckt zu werden. Sein Appell: „Immer mehr müssen aufstehen.“ Passend dazu trug Kalaus ein T-Shirt, auf dessen Rückseite ein Zitat von Leo Trotzki stand: „Vielleicht interessierst Du Dich nicht für den Krieg, aber der Krieg interessiert sich für Dich.“

Michael Seidel, der die Folgen der „Cancel Culture“ selbst erlebt hat, kritisierte die schnelle Einordnung von Künstlern. „Ich habe Angst vor so einer humorlosen Gesellschaft“, sagte er. Für ihn sollte es bei Kunst einzig darum gehen, ob sie gefällt oder nicht. Er zog Parallelen zur DDR, betonte aber die Unterschiede: „In der DDR wurdest du aussortiert, selbst wenn du idealistisch für den Staat gekämpft hast. So weit sind wir noch nicht – Wir können immerhin noch singen.“

Eisbrenner stellte auch andere „widerständige Künstler“ wie André Kunze, einen bekannten Produzenten der ostdeutschen Musikszene, und Felix Lauschus, einen Multi-Instrumentalisten mit einem „riesigen Herzen“, vor, die alle das Engagement für die Kunst und den Frieden teilen. Auch die Thüringer Liedermacherin Corinna Gehre trug ihren Teil bei, mit lebensbejahenden Liedern und dem Anti-Kriegslied „Es ist an der Zeit“ von Hannes Wader.

Brücken bauen über Grenzen hinweg

Tino Eisbrenner baut bewusst Brücken über deutsche Grenzen hinweg. Seine Reisen nach Russland sollen zeigen, „dass nicht alle Deutschen so denken, wie es die Politik vorgibt“. Diese Haltung brachte ihm im Ausland höchste Auszeichnungen ein, wie die Puschkin-Medaille oder den Kunst- und Kulturpreis „Master“, die in Deutschland kaum Beachtung fanden – als erster Ausländer überhaupt. Er sieht dies als „große Geste“ der Russen gegenüber einem Deutschen und betont, wie wichtig es sei, Brücken zu bauen und nicht nur Feindbilder zu kultivieren. Im Gegenzug erhielt er die Ehre, drei solcher Medaillen aus Russland an verdiente Friedensaktivisten wie Roswitha Kluver und Helga Hohbohm weiterzugeben – eine „große Geste“ des Vertrauens.

Tobias Morgenstern begleitet den „Friedensberichterstatter“ deutschlandweit im „Pushkin-Programm“ auf dem Akkordeon, um „der von ihnen wahrgenommenen „Russophobie“ und den russlandfeindlichen Gefühlen entgegenzuwirken“. Der Musiker und Mitbegründer des Theaters am Rand berichtete bei dem Fest von einer Verschiebung in der Kulturlandschaft: „Es gibt eine Reihe von Veranstaltern, da spiele ich eigentlich nicht mehr.“ Gleichzeitig bemerkte er jedoch, dass es „eine Reihe von kleinen, neuen Veranstaltungen, Initiativen“ gebe, die gerade deswegen ein Interesse hätten, sie einzuladen“. Auch Isolde Deutschmanns private Russlandreisen zeugen von diesem Bestreben, persönliche Verbindungen aufrechtzuerhalten und Klischees zu durchbrechen.

Morgenstern ist überzeugt, dass Musik die Kluft zwischen Andersdenkenden überbrücken kann. Er führt die enge Beziehung zu seinem Bassisten, der seine politischen Ansichten nicht teilt, als Beweis dafür an. „Wir haben eigentlich genau dasselbe Verhältnis wie immer,“ erklärt er, „weil uns die Musik verbindet, und das ist viel stärker“. Für Morgenstern ist Musik ein Medium, das Spaltungen überwindet: „Wer gemeinsam musiziert, verbindet sich auf einer tieferen, menschlichen Ebene – der wohl menschlichsten, die es überhaupt gibt.“


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Alejandro Soto Lacoste bekräftigte diese Brückenbauer-Rolle: Tino sei ein „sehr offener Mensch“, der „Brücken zwischen Kulturen bauen wolle – sei es mit Lateinamerika oder Russland.“ Soto Lacostes Weg nach Deutschland begann vor 20 Jahren durch die Zusammenarbeit mit der spanischen Sängerin Aurora Lacasa in Berlin. Davor begegnete er bereits Tino Eisbrenner in Chile, wo sie „mitten an einem lauen Sommerabend von einer musikalischen Zusammenarbeit in Deutschland träumten“.

Brücken bauen über Grenzen hinweg

Tino Eisbrenner baut bewusst Brücken über deutsche Grenzen hinweg. Seine Reisen nach Russland sollen zeigen, „dass nicht alle Deutschen so denken, wie es die Politik vorgibt“. Diese Haltung brachte ihm im Ausland höchste Auszeichnungen ein, die in Deutschland kaum Beachtung fanden. Im Gegenzug erhielt er die Ehre, drei solcher Medaillen aus Russland an verdiente Friedensaktivisten weiterzugeben – eine „große Geste“ des Vertrauens.

Tobias Morgenstern, der Tino Eisbrenner auf dem Akkordeon im „Puschkin-Programm“ begleitet, bemerkte eine Verschiebung in der Kulturlandschaft: Während einige Veranstalter sie meiden, gebe es zunehmend „kleine, neue Veranstaltungen“, die sie gerade deshalb einladen. Morgenstern ist überzeugt, dass Musik die Kluft zwischen Andersdenkenden überwinden kann. Seine enge Beziehung zu seinem Bassisten, der seine politischen Ansichten nicht teilt, beweist das. „Uns verbindet die Musik, und das ist viel stärker.“

Alejandro Soto Lacoste bekräftigte diese Haltung: Tino sei ein „sehr offener Mensch“, der „Brücken zwischen Kulturen bauen will“. Mit sichtlicher Freude begrüßte der Gastgeber die beiden jungen Musiker aus Peking. Mit einem Augenzwinkern spielte er auf gängige Klischees über China an: „Uns wird immer erzählt, das sei der Feind, aber fast alles, was wir in die Hand nehmen, kommt von dort.“

Frieden, Gemeinschaft, positive Energie – diese Sehnsucht verbindet die Besucher, die aus allen Himmelsrichtungen angereist sind. Diese Veranstaltung präge seit immer eine „Internationalität, also eine Umarmung der Welt mit Musik, die unterschiedlichen Sprachen“. Eisbrenner blickt optimistisch auf die nächsten Jahre: „Die 25 Festivals machen wir auf jeden Fall voll.“ Ihm gehe es darum, „am liebsten über die Musik, über die Kunst denen, die das ganze Jahr über in den politisch dreckigen Winden stehen“, einen Ausgleich, ein Aufatmen zu organisieren“.


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Titelbild und weitere Bilder: Éva Péli


Rubriken: Friedenspolitik Kultur und Kulturpolitik Veranstaltungshinweise/Veranstaltungen


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unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

29.08.2025

Kriegsertüchtiger des Tages: Bodo Ramelow


Karina Hessland/REUTERS

Bodo Ramelow (26.9.2024)


jungewelt.de29.08.2025, Porträt, Von Hagen Bonn

Es sind grandiose Zeiten! Herrlich. Alles gärt, alles kommt in Wallung. Endlich spüren wir sie: die Zeitenwende. Ole Scholz, Kanzler a. D. (sprich: ade), verkündete sie vor Jahren wie Caesar vom Hügel. Hurtig folgte seine Ministerin für Äußerlichkeiten, also die Annalena, die säuselte mit unterdrücktem Gähnen: »Wir sind heute in einer anderen Welt aufgewacht.« Immerhin ist sie aufgewacht. Oder wurde sie geweckt? Auf ihrem Ponyhof kräht es morgens sicher heftig.

Auch schon ausgeschlafen hat der Vizepräsident des Bundestages: Bodo Ramelow. Der war einst Operettenfürst in Thüringen und hinterließ das Trümmerfeld, für das er weit genug war. Die Wahlquittung 2024: 87 Prozent der Thüringer sagten: »Bodo? Nein, danke.« Aber nun ist er wieder da. Und er ruft wie Caesar vom Hügel: »Ich persönlich bin für die Ausweitung der Schulpflicht um ein soziales Jahr …« Ich übersetze das mal: Leute, ran an die Bettpfannen! Und das als Pflicht, also Zwang, will sagen Frondienst, Sklaverei. In den Konzernetagen der Kliniken und Altenheime knallen die Sektkorken: Das Gehalt von 300.000 ausländischen Pflegekräften in Deutschland kann endlich in den Profit einfließen.

Dabei wissen wir doch alle, dass der »Sozialdienst« der Oheim des Kriegsdienstes ist. Bei den Zwillingen geht es allein um den staatlichen Zugriff auf die Jugend. Jeder muss erfasst und eingebunden werden in den Logarithmus des Krieges. Es geht um die Erstellung der »Heimatfront«. Ohne die, keine Kriegsfront.

Mit seiner Forderung nach einem sozialen Pflichtjahr ordnet sich Ramelow stramm ins Glied der Scharfmacher und Einpeitscher der Kriegstüchtigkeit ein. Ramelow brabbelte außerdem noch etwas von »Gemeinschaftsgefühl«. Und als nächstes fordert er dann die »Volksgemeinschaft«?


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29.08.2025

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nachdenkseiten.de, 29. August 2025 um 10:00 Ein Kommentar von: Tobias Riegel

Mit dem NATO-Generalsekretär Mark Rutte und dem militärischen NATO-Oberbefehlshaber in Europa (Saceur), dem US-General Alexus G. Grynkewich, waren in den letzten Tagen höchste NATO-Vertreter bei deutschen Regierungsgesprächen anwesend. Ein sehr bemerkenswerter Vorgang!

Das Bundesverteidigungsministerium teilt auf der Homepage mit (Heraushebungen von mir):

Verteidigungsminister Boris Pistorius hat seine Kolleginnen und Kollegen aus dem Kabinett am 27. August 2025 im Berliner Bendlerblock empfangen. Um verteidigungspolitische Grundsatzthemen und die aktuelle Bedrohungslage zu diskutieren, trafen sich die Kabinettsmitglieder im sogenannten U-Boot – einem abhörsicheren Konferenzraum im Verteidigungsministerium. (…) Mit im „U-Boot“ waren neben Bundeskanzler Friedrich Merz und seinen Kabinettsmitgliedern auch der Alliierte Oberkommandierende in Europa (SACEUR Supreme Allied Commander Europe), General Alexus G. Grynkewich, und der Generalinspekteur der Bundeswehr, General Carsten Breuer – beide mit Redebeiträgen zur internationalen beziehungsweise nationalen Sicherheitslage.

Unter diesem Link findet sich ein Ausschnitt des WDR, in dem die Zusammenkunft von Kanzler Merz, Ministern und Anderen mit dem NATO-US-General Alexus G. Grynkewich zu sehen ist. Das Titelbild ist ein Screenshot aus diesem Bericht, es zeigt Grynkewich links neben Kanzler Merz.

Außerdem berichtet die „Tagesschau“ darüber, dass NATO-Generalsekretär Mark Rutte bei der gemeinsamen Klausur der Fraktionsspitzen von SPD und CDU in Würzburg zugegen war:

Zunächst steht ein Besuch von NATO-Generalsekretär Mark Rutte an, der Gast in Würzburg ist. (…) Und Rutte warnte bei seinem Besuch vor hybriden Angriffen Russlands: ‚Das können Attentatsversuche sein, es können Störsignale des zivilen Luftverkehrs sein, auch versuchte Cyberangriffe gegen ein großes NATO-Land.‘ Aber er wisse, dass Deutschland hier nicht naiv sei.

Das sind, wie gesagt, höchst fragwürdige Vorgänge, die einiges über die Souveränität der deutschen Regierungsarbeit aussagen. Zum einen soll durch den hohen NATO-Besuch bei deutschen Regierungsgesprächen wohl allgemein die Propaganda der zerstörerischen militaristischen „Zeitenwende“ gestützt werden. Ich vermute als Motiv für die Besuche zum jetzigen Zeitpunkt aber auch Einschüchterung und „Disziplinierung“ der deutschen Politik.


Titelbild: Screenshot/W


Rubriken: Außen- und Sicherheitspolitik Bundesregierung


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29.08.2025

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nachdenkseiten.de, 29. August 2025 um 11:00 Ein Artikel von: Jens Berger

Als am Mittwoch die neue Artilleriemunitions-Produktionsline des Rheinmetall-Werks im niedersächsischen Unterlüß in Betrieb genommen wurde, war viel Prominenz angereist. Neben dem NATO-Generalsekretär Mark Rutte stellten sich auch zwei niedersächsische SPD-Granden dem Blitzlichtgewitter: Parteichef und Vizekanzler Lars Klingbeil und Verteidigungsminister Boris Pistorius. Niedersachsen steht wie wohl kaum ein anderes Bundesland für die von Olaf Scholz ausgerufene „Zeitenwende“: Das einstige „Autoland“ soll nun, da es mit den Autos nicht mehr so gut läuft, zum „Rüstungsland“ werden – wenn es das nicht ohnehin schon ist. Diese Strategie ist brandgefährlich, kann sie doch nur aufgehen, wenn Deutschland dauerhaft gigantische Mengen an Rüstungsgütern abnimmt und dabei noch gigantischere Mengen von Steuergeldern in die Rüstungsindustrie fließen. Es ist zu befürchten, dass dies das neue Standortkonzept der SPD ist. Armes Niedersachsen, armes Deutschland.


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Für Deutschlands Militaristen war der vergangene Mittwoch zweifelsohne ein guter Tag. Nach Jahren, ja Jahrzehnten der schlechten, teils gehässigen Kommentare über deutsche Rüstungsgüter gab es endlich Superlative zu feiern. Gerade einmal anderthalb Jahre nach dem Spatenstich nahm nun die erste Produktionslinie für Artilleriegranaten im niedersächsischen Unterlüß ihren Betrieb auf. Noch in diesem Jahr will Rheinmetall dort 25.000 Schuss produzieren, bis 2027 sollen es jährlich 350.000 werden. Zusammen mit anderen Werken will Rheinmetall in den nächsten zwei Jahren den Ausstoß an Artilleriegranaten auf sagenhafte 1,5 Millionen Geschosse pro Jahr hochfahren. Die „Tagesschau“ meldet dazu vollkommen unkritisch, dass Rheinmetall damit „seine Position als stärkster Hersteller von 155-Millimeter-Geschossen in der westlichen Welt festigen“ würde.

Und das soll zumindest nach den Vorstellungen von Rheinmetall auch noch lange nicht das Ende der Fahnenstange sein. Nun will man in andere Länder expandieren und dort ebenfalls Munitionswerke nach dem Konzept von Unterlüß errichten. Genannt werden dabei Litauen und Großbritannien, wo es bereits konkrete Projekte gebe – aber auch Staaten wie Rumänien, Lettland und die Ukraine, die laut Rheinmetall-Chef Papperger „noch entschlossener in die Lage versetzt werden muss, die dringend benötigten Schutz- und Verteidigungsgüter im eigenen Land zu produzieren“. Wofür allein Deutschland 1,5 Millionen Artilleriegeschosse pro Jahr braucht und was mit den Werken passiert, wenn es – Gott bewahre – in der Ukraine zu einem Waffenstillstand oder gar Frieden kommt, fragt das Schlachtschiff des öffentlich-rechtlichen Journalismus lieber nicht.

Das hat System. Deutschland befindet sich im Strukturwandel. Doch leider sprechen wir nicht über den Wandel einer exportgetriebenen Volkswirtschaft, deren Produktportfolio in die Tage gekommen ist, zu einer zukunftsfesten innovativen und nachhaltigen Volkswirtschaft. Statt auf regenerative Energien, KI-Technologie, die Mobilitätswende oder auch nur die bessere Verzahnung von Universitäten, Forschung und Start-ups zu setzen, soll Deutschlands wirtschaftliches Rückgrat ausgerechnet die Rüstungsindustrie werden. Einen ähnlichen Strukturwandel gab es schon in der spätwilhelminischen Zeit und im Dritten Reich, und wir wissen, wohin das geführt hat. In Niedersachsen lässt sich diese Entwicklung wie unter einem Brennglas betrachten.

Niedersachsens rüstungsindustrielles Ökosystem

In Niedersachsen gibt es die „Großen“, wie Airbus mit zwei Standorten oder halt Rheinmetall mit dem größten Rüstungsstandort Deutschlands in der sonst beschaulichen Lüneburger Heide. Dann gibt es noch die „Hidden Champions“, Firmen wie die Werft Abeking & Rasmussen in Lemwerder, die neben Luxusyachten auch als Weltmarktführer Minensuchboote herstellt. Schon heute gibt es in Niedersachsen aber auch ein komplettes Ökosystem mit militärischen Zulieferern wie beispielsweise das Unternehmen Vincorion aus Wedel, das Energiesysteme für Panzer herstellt. Ähnlich wie bei der Autoindustrie ist die Produktion von militärischen Großgeräten heute ein Projekt, das zu großen Teilen auf unzählige Zulieferbetriebe ausgegliedert wurde. Die Unternehmensberatung McKinsey schätzt, dass am Bau eines Panzers mindestens 150 mittelständige Unternehmen beteiligt sind.

So stammen die Getriebe der meisten von Rheinmetall hergestellten Panzer vom Augsburger Unternehmen Renk AG, die sie jedoch in ihrem Werk in der niedersächsischen Landeshauptstadt Hannover fertigen lässt. Früher gehörte Renk übrigens zu MAN und war bis 2020 im Besitz der Volkswagen AG. Aber das war ja vor der Zeitenwende, als man meinte, mit Autos mehr Geld als mit Panzern verdienen zu können. Volkswagen nahm damals 530 Millionen Euro mit dem Verkauf von Renk ein, heute weist das Unternehmen eine Marktkapitalisierung von mehr als sechs Milliarden Euro auf – die Zeitenwende hat sich für Renk und seine neuen Besitzer gelohnt; dazu zählt übrigens vor allem das schwedische Private-Equity-Unternehmen Triton, an dem unter anderem die Familie des IKEA-Gründers Ingvar Kamprad beteiligt ist. So fließt mit jedem niedersächsischen Panzer Geld in die Kassen schwedischer Multimilliardäre, die ihr Geld steueroptimiert in einer niederländischen Stiftung verwalten lassen. Für Niedersachsen springen immerhin einige wenige Jobs heraus. Wie viel Prozent der Steuergelder, die für derartige Rüstungsgüter ausgegeben werden, nun an die Arbeitnehmer vor Ort und wie viel an milliardenschwere Investoren im Ausland gehen, ist nicht seriös zu schätzen, Zahlen dazu sind Verschlusssache. Man kann aber durchaus vermuten, dass es sich bei den Löhnen eher um die Krumen vom Tisch der Reichen handelt und der große Verlierer am Ende einmal mehr der Steuerzahler ist.

Rheinmetall – Rüstungschampion seit Kaisers Zeiten

Ein großer Gewinner der Zeitenwende ist zweifelsohne das Unternehmen Rheinmetall, der größte Rüstungskonzern Deutschlands. Heute weist der Konzern eine Marktkapitalisierung in Höhe von 75 Milliarden Euro auf – mehr als 50 Prozent so viel wie der Volkswagen-Konzerns, der zweitgrößte Automobilbauer der Welt. Vor Olaf Scholz’ Zeitenwende-Rede war Rheinmetall übrigens nur vier Milliarden Euro wert. Auf Kosten des Steuerzahlers hat sich der Wert des Unternehmens somit fast verzwanzigfacht. Aber wen wundert das? Es gibt wohl keinen Konzern, der ein so umfangreiches Polit-Lobbying betreibt wie Rheinmetall. Konzernchef Papperger ist ein Duz-Freund von Boris Pistorius und auch mit dem Ex-Kanzler Olaf Scholz ist er auf freundschaftlicher Ebene verbunden. Wenn es um Rheinmetall geht, lässt auch die Bundespolitik gerne mal „Viere gerade sein“ und nimmt es mit den eigenen Vergaberichtlinien nicht so genau.

In Unterlüß in der Lüneburger Heide wird von Rheinmetall unter anderem die Großkalibermunition für nahezu alle Panzer und Artilleriesysteme produziert, die in Deutschland im Einsatz sind. Hier arbeiten 2.800 Menschen, 600 wurden erst nach der Zeitenwende eingestellt, und aktuell suchen die Rüstungsbauer mindestens 200 weitere Mitarbeiter, Tendenz stark steigend. Einige Waffensysteme fertigt Rheinmetall in Eigenregie, andere in Kooperation – so werden in Unterlüß beispielsweise in einem Joint-Venture mit der VW-Tochter MAN die LKW der Bundeswehr produziert. MAN liefert die zivilen, Rheinmetall die militärischen Komponenten.

Wenn Medien wie der NDR über Rheinmetall berichten, so sucht man Kritik meist vergebens. Selbst die „125-jährige Firmengeschichte“ wird in Beiträgen des NDR wie von magischer Hand durch Weglassen der „düsteren Perioden“ geschönt. Bereits im Ersten Weltkrieg lieferte die „Rheinische Metallwaren- und Maschinenfabrik Aktiengesellschaft“ von Unterlüß aus – auch mit französischen Zwangsarbeitern – die Munition, mit der die kaiserlichen Truppen ihr tödliches Handwerk verrichten konnten. In der Nazizeit wurde das Werk dann verstaatlicht und vom fusionierten Staatsbetrieb Rheinmetall-Borsig betrieben, der später in die Reichswerke Hermann Göring eingegliedert wurde.

Ab 1939 wurden dort polnische, ab 1942 russische Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene eingesetzt, die in mehreren dafür gebauten Lagern in der Nähe des Werkes untergebracht wurden. 1944 folgte schließlich noch ein Außenlager des KZs Bergen-Belsen, in dem vornehmlich ungarische Jüdinnen, die aus Auschwitz überstellt wurden, unter kaum vorstellbaren Bedingungen arbeiteten. 1945 wurden das Werk Unterlüß und seine zu diesem Zeitpunkt 5.000 Zwangsarbeiter schließlich von den Briten befreit.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Rheinmetall-Borsig wieder reprivatisiert und produzierte in Unterlüß zunächst Textilmaschinen. Als die Briten dann jedoch abzogen und die junge Bundesrepublik ihre Bundeswehr gründete, brauchte man auch wieder Waffen und Munition aus Unterlüß. 1955 war das unfreiwillige zehnjährige Intermezzo vorbei, und der Standort Unterlüß wurde wieder zur Waffen- und Munitionsschmiede der Republik.

All dies scheint der NDR zu vergessen, wenn er stolz vom „125-jährigen Standortjubiläum“ schreibt – aber ja, der NDR gehört ja auch zum niedersächsischen Komplex, und auch das zum NDR-Reich gehörende Schleswig-Holstein gehört vor allem mit dem Marine- und Werftenstützpunkt Kiel zu den großen „Gewinnern“ der Rüstungsprogramme. Da erwähnt man lieber, wie viel Geld Rheinmetall doch der Gemeinde an Gewerbesteuern einbringt und dass der Steuergeldregen durch die Munitionsfabrik nun der Gemeinde ermögliche, das Schwimmbad und das Bürgerhaus zu sanieren und anzubauen. „Rheinmetall braucht Unterlüß und Unterlüß braucht Rheinmetall“, so der NDR ganz nonchalant. Und auch hier mache sich die Zeitenwende bemerkbar, schließlich habe Rheinmetall zahlreichen ehemaligen Mitarbeitern des Automobilzulieferers Continental eine neue, zukunftssichere Arbeit gegeben.

Die Zeitenwende hat Rheinmetall zum „weißen Ritter“ einer sterbenden Region gemacht. Erst vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass der Rüstungskonzern nun im nahen Braunschweig auch die Betriebsstätte des schwer angeschlagenen Luftfahrt-Start-ups Leichtwerk übernommen hat. Wo früher zivile Leichtflugzeuge entworfen und hergestellt wurden, werden künftig militärische Drohnen gebaut. Protest? Bedenken? Immerhin „rettet“ Rheinmetall damit 40 hochqualifizierte Arbeitsplätze, das gefällt der lokalen Politik.

Panzer statt Autos – Das VW-Werk in Osnabrück

Der Strukturwandel, der sich derzeit in Niedersachsen vollzieht, ist vor allem in der Automobilbranche zu bemerken. Über Jahrzehnte hinweg war Niedersachsen – im Verhältnis zu anderen Wirtschaftszweigen – das Autoland schlechthin. Rund um die Werke des VW-Konzerns hat sich ein sehr umfangreiches System von Zulieferern aus dem „Automotive-Bereich“ in Niedersachsen niedergelassen. Doch mit Autos made in Germany läuft es bekanntlich seit einigen Jahren nicht mehr so gut. Es heißt, man habe am Markt vorbei entwickelt, die Zeichen der Zeit verschlafen. Wie dem auch sei, in der Branche und in der Landes- und Regionalpolitik herrscht jedenfalls Katerstimmung. So mancher denkt nun bereits offen darüber nach, „Panzer statt Autos“ zu produzieren.

Auch hier nimmt die Rüstungsindustrie in ihrer Öffentlichkeitsarbeit die Rolle des „weißen Ritters“ ein und die Politik spielt dieses Spiel oft nur allzu gerne mit. Das jüngste Beispiel dafür ist das VW-Werk in Osnabrück. Dieses Werk kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. 1901 begann hier der Kutschenbauer Wilhelm Karmann, die ersten Karosserien für Autos zu bauen. Später wurden in Osnabrück zunächst in Eigenregie und später in Auftragsfertigung Cabrios gebaut. 2011 übernahm dann VW das Werk, doch die Auftragslage ist bescheiden und 2027 laufen die letzten Baureihen von Porsche und VW in Osnabrück aus. Vor Ort will man eine Werksschließung verhindern. Doch wie?

Einmal mehr tauchte Rheinmetall als angeblicher Retter in der Not auf. Man könne sich gut vorstellen, in Osnabrück künftig zusammen mit VW Militärfahrzeuge zu produzieren, und damit den Fortbestand des Standortes sichern, verlautbarte Rheinmetall im März. Schnell wurde seitens Politik und VW zumindest öffentlich zurückgerudert. An den Spekulationen sei nichts dran, so hieß es. Glaubhaft waren diese Dementis aber nie.

Schon länger gibt es eine Kooperation zwischen der VW-Nutzfahrzeugsparte MAN und Rheinmetall bei Militärfahrzeugen. Und hinter den Kulissen sind sich Rheinmetall und VW auf der Chefetage wohl auch schon einig. Man müsse aber eine sichere Auftragslage durch den Bund haben und brauche dafür einen Rahmenvertrag über zehn Jahre.

Nach anfänglicher Kritik hat sich nun auch die IG Metall für die militärische Lösung geöffnet. Anfang dieser Woche sagte Thorsten Gröger von der IG Metall, er ließe sich diese Option offen: „Wenn ein Werk morgen etwas anderes produziert als heute, ist das keine Schließung. Entscheidend ist: Von guter in gute Arbeit ist immer besser als in Arbeitslosigkeit.“ Die Rolle der IG Metall ist bei dieser Entscheidung wichtig. Durch das VW-Gesetz haben die Belegschaft und das Land Niedersachsen eine Mehrheit im Aufsichtsrat. Für Rheinmetall ist dies eine Win-Win-Situation – das Land Niedersachsen sorgt im Aufsichtsrat für einen positiven Beschluss und lässt via SPD seinen Einfluss spielen, dass es den nötigen Rahmenvertrag gibt, der das Geschäft für Rheinmetall vergoldet.

Dabei gäbe es für das VW-Werk in Osnabrück durchaus denkbare Alternativen, wie es der Brancheninsider Stephan Krull in einem lesenswerten Artikel zum Thema analysiert. (https://stephankrull.info/2025/08/10/vw-werk-osnabrueck-vor-der-entscheidung-panzer-oder-kleinbus/) Das Problem: Politik und Medien stellen den Strukturwandel hin zur Rüstungsindustrie heute genauso als alternativlos dar, wie sie es vor wenigen Jahren noch mit der Energiewende oder der Mobilitätswende getan haben. Rüstung liegt voll im Zeitgeist und die Weichen scheinen bereits gestellt zu sein. So wird es niemanden ernsthaft wundern, wenn demnächst in der „Friedensstadt“ Osnabrück Militärfahrzeuge vom Band laufen.

Ein Land im Strukturwandel

Hätte es das Dritte Reich nicht gegeben, sähe Niedersachen heute auch wirtschaftlich anders aus. Das ist keine steile These, sondern ein simpler, in Niedersachsen nicht gerne gehörter Fakt. Die heutigen Wirtschaftszentren, die vor allem den Süden des Bundeslandes dominieren, sind die Auto- und die Stahl- bzw. metallverarbeitende Industrie. Wo 1938 noch plattes Weideland rund um das Dorf Fallersleben war, steht heute die Großstadt Wolfsburg mit ihrem Stammwerk der VW AG, das rund 62.000 Menschen direkt und Hunderttausende Menschen in der Region indirekt beschäftigt und bis vor Kurzem auch flächenmäßig die größte Fabrikanlage der Welt war. Wenige Kilometer südlich findet sich die Stadt Salzgitter mit ihrem riesigen Stahlwerk der Salzgitter AG – gegründet 1937 als Reichswerke Hermann Göring; wie das damalige KdF-Werk in Wolfsburg eine Reißbrettplanung mitten im Nirgendwo. Heute ist Salzgitter – wenn auch nur durch Eingemeindungen – eine Großstadt. In den 1930ern war Salzgitter-Bad noch ein 3.000-Seelen-Dorf im Landkreis Goslar.

Stahl und Autos – die Produkte, die die Region über Jahrzehnte hinweg wohlgenährt haben und unzählige Zuliefererbetriebe angezogen haben, sind heute Auslaufmodelle. Die Salzgitter AG schreibt seit Jahren tiefrote Zahlen, die Energiekosten und Umweltauflagen haben die Stahlherstellung in Deutschland international abgehängt. Wofür braucht man auch Stahl? Gebaut wird kaum noch, deutsche Autos verkaufen sich schlecht. Etwas Hoffnung brachte die erzwungene Umstellung der Gasversorgung. Erst verdiente man gut am Bau der Nord-Stream-Pipelines, dann verdiente man gut am Bau der neuen Gasleitungen, die nötig sind, um die LNG-Terminals ans Verteilnetz zu nehmen. Aber auch das ist irgendwann geschehen, und ohne das preiswerte Nord-Stream-Gas zerfiel auch das Zukunftsmodell der Salzgitter Stahl, in Deutschland grünen Stahl zu produzieren, in sich selbst.

Nun setzt man auf grünen Stahl aus Wasserstoff-Strom – nur dass der ohne gigantische Subventionen so teuer ist, dass er in der Privatwirtschaft keine Kunden finden würde – außer in der staatlich subventionierten Rüstungswirtschaft, bei der die Controller nicht so genau auf die Zahlen schauen. So sieht die Salzgitter Stahl AG nun auch ihre wirtschaftliche Zukunft als Zulieferer der Rüstungsindustrie. Unternehmensintern hat man nun eine „Task Force Verteidigung“ gegründet. Ein guter Freund von mir, der bei dem Unternehmen tätig war, reichte an diesem Tag die Kündigung ein. Aber nicht jeder hat den Luxus, in dieser wirtschaftlich angespannten Zeit einen neuen Job zu finden. So kommt es, dass das von den Nazis zur Rüstungsproduktion gegründete Stahlwerk bald wieder für die Rüstungsproduktion arbeitet – welch bittere Pointe.

Ähnlich dürfte es den Mitarbeitern der Meyer Werft in Papenburg gehen. Dort wurden bis vor Kurzem Kreuzfahrtschiffe gebaut, doch die Coronazeit brachte die Branche in Schieflage, Aufträge wurden storniert oder verschoben, das Land Niedersachsen stieg mit 80 Prozent bei der Werft ein. Die Begründung dafür muss man sich auf der Zunge zergehen lassen – Papenburg liegt außerhalb der Reichweite russischer Kurzstreckenraketen aus dem Oblast Kaliningrad und sei daher von hoher strategischer Bedeutung, „um im Falle zunehmender sicherheitspolitischer Spannungen Marineschiffe bauen zu können“. Genau das soll jetzt auch geschehen. Laut einem Restrukturierungsplan sollen künftig nicht mehr Kreuzfahrtschiffe, sondern Fregatten in Papenburg vom Stapel laufen. Natürlich – mit dem Land Niedersachsen als Mehrheitseigner ist man ein politisches Unternehmen, und staatliche Aufträge wird es dank der Zeitenwende schon ausreichend geben.

Niedersachsen und die SPD – ein ideales Umfeld für die Rüstungsindustrie

Die niedersächsische SPD stand schon immer der Rüstungsindustrie und ihrer Lobby sehr nahe, und seit vielen Jahren haben die Niedersachsen in der SPD die Deutungshoheit gewonnen. Der heutige Parteichef und Vizekanzler Lars Klingbeil wuchs als Sohn eines Soldaten in der Bundeswehrstadt Munster auf und gehörte seit 2017 den Präsidien der Lobbyvereine Deutsche Gesellschaft für Wehrtechnik und Förderkreis Deutsches Heer an. Politisch machte er sich schon lange vor der Zeitenwende für eine massive Erhöhung der Rüstungsausgaben stark. Ob aus Überzeugung oder aus Opportunismus, ist nicht bekannt – sein Wahlkreis grenzt jedenfalls an den Rheinmetall-Standort Unterlüß.

Fest an seiner Seite steht dabei Boris Pistorius, seines Zeichens Verteidigungsminister, der zum „Kanzler der Herzen“ hochgeschrieben wurde. Auch Pistorius ist Niedersachse, und für einen SPD-Politiker ist seine Karriere wohl auch nur in Niedersachsen so denkbar. Protegiert wurde er über Jahre hinweg von Sigmar Gabriel, Goslarer, Niedersachse und Freund der Rüstungsindustrie, und Stephan Weil, Hannoveraner, Niedersachse und ebenfalls Freund der Rüstungsindustrie, der kurz vor seinem Abtritt als niedersächsischer Ministerpräsident noch verkündete, er wolle die Rüstungsindustrie in Niedersachsen noch weiter stärken, da diese ein „absoluter Wachstumsbereich“ sei. Dass sein Amtsnachfolger Olaf Lies, der den rüstungsindustriefördernden Kurs Weils in zwei Kabinetten als Wirtschaftsminister exekutiert hat, das anders sieht, ist auszuschließen.

Es war der SPD-Kanzler Olaf Scholz, zwar in Niedersachsen geboren, aber politisch ein Hamburger, der die Zeitenwende ausrief und die ersten 100 Milliarden Euro für die Aufrüstung bereitgestellt hat. Boris Pistorius war später der größte Lobbyist für die Fünf-Prozent-Regelung bei den Rüstungsausgaben, die dann sein Parteichef Lars Klingbeil als Finanzminister auch umgesetzt hat. Sie haben den Rahmen geschaffen, aber nicht nur das. Immer dann, wenn es um die Ansiedlung und Stärkung der Rüstungsindustrie, insbesondere durch Konzerne wie Rheinmetall, ging, hat in Niedersachsen die SPD dabei eine signifikante Rolle gespielt. Scholz, Pistorius und Weil haben den Bau der neuen Munitionsfabrik von Rheinmetall in Unterlüß aktiv unterstützt.

Auch bezüglich des Einflusses auf die Bundes-SPD und Lobbying in der Bundespolitik gibt es klare Verbindungen: Die niedersächsische SPD nutzt ihre Position, um bundespolitische Entscheidungen zu beeinflussen, etwa durch die Förderung von Aufrüstungsprogrammen wie dem 100-Milliarden-Sondervermögen für die Bundeswehr. Stephan Weil hat sich öffentlich für mehr Rüstungsinvestitionen eingesetzt und Kritik an Abrüstung geäußert, was mit der Linie der SPD-Bundesführung um Scholz und Pistorius übereinstimmt.

Diese Strategie führt entweder in eine Sackgasse oder in den Krieg

Über die makroökonomische Sinnlosigkeit der Aufrüstung hatte ich bereits im Artikel „Vom „Green New Deal“ zum „olivgrünen Wirtschaftswunder“ – der Irrsinn regiert“ ausführlich geschrieben. Schauen wir uns heute zunächst einmal die betriebswirtschaftliche Perspektive an. Um es klar zu sagen: Kurzfristig mag es für ein Unternehmen durchaus sinnvoll erscheinen, militärische anstatt ziviler Güter zu produzieren. Spätestens seit der Ära „Lopez“ stehen die Zulieferer der Automobilindustrie unter einem riesigen Kostendruck. Einkäufer und Controller der Automobilhersteller sind gnadenlos und will man überhaupt im Geschäft bestehen, muss man schon mit einem sehr spitzen Bleistift kalkulieren. Das ist in der Rüstungsindustrie gänzlich anders. Hier hat der Staat ein Nachfrageoligopol und das Beschaffungssystem der Bundeswehr ist ja bekannt für seine Nachlässigkeit. Das ist gut für die Margen. Problematisch für die Anbieter ist dabei jedoch, dass die Nachfrage – anders als bei zivilen Gütern – politisch reguliert ist.

Zugespitzt könnte man sagen: Wenn der Frieden ausbricht, sind die positiven Geschäftsaussichten der Rüstungsindustrie samt ihrer Zulieferer dahin. Irgendwann sind die Arsenale voll und in Manövern kann auch die Bundeswehr nicht Millionen und Abermillionen Artilleriegeschosse pro Jahr verschießen. Zwar mag es in bestimmten High-Tech-Bereichen auch hier „Innovationszyklen“ geben, sodass z.B. veraltete Drohnen durch neue Modelle ersetzt werden, aber für die große Masse militärischer Produkte gibt es nun mal eine natürliche Obergrenze.

Das lässt zwei Alternativen offen: Man fährt die Beschaffungsausgaben runter, wenn die Arsenale voll sind oder man sorgt dafür, dass die militärischen Güter verbraucht werden; vulgo, man führt einen Krieg. Ersteres wäre aus rein ökonomischer Perspektive schlecht für den Wirtschaftsstandort; dann müssten die nun gebauten Werke wieder geschlossen werden. Letzteres wäre aus allen denkbaren Perspektiven katastrophal. Aber eine andere Alternative gibt es für dieses Szenario nicht. Tertium non datur. Man kann nur hoffen, dass sich diese simple Wahrheit auch irgendwann bei der Politik und in den Medien herumspricht; nicht nur in Niedersachsen.


Titelbild: Screenshot NDR


Rubriken: Audio-Podcast Aufrüstung SPD Strategien der Meinungsmache Wirtschaftspolitik und Konjunktur


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VW-Werk Osnabrück vor der Entscheidung: Panzer oder Kleinbus?


















stephankrull.info, vom August 10, 2025Autor StephanKrull und Mario Candeias

Im Volkswagen-Werk in Osnabrück entscheidet sich die industrielle Zukunft Deutschlands. Weist sie in Richtung Rüstungsproduktion oder sozial-ökologische Mobilität? Eine Auseinandersetzung mit Signalwirkung – für Klima, Frieden und Klassenpolitik.


Stephan Soldanski, der Chef der IG Metall in Osnabrück, ist in Sorge: „Es wäre kurzsichtig, sich einseitig auf die Rüstungsindustrie zu konzentrieren“, sagte jüngst der Gewerkschafter.

Worum es geht: Der VW-Konzern will ab 2027 in der niedersächsischen Stadt keine Autos mehr bauen. Armin Papperger, der Vorstandschef des Rüstungskonzerns Rheinmetall, hatte das Werk zugleich als gut geeignet für die Herstellung militärischer Fahrzeuge bezeichnet. VW kann sich eine Kooperation vorstellen. Gewerkschafter Soldanksi sieht das kritisch. Er betont: Die Belegschaft sei in der Lage, auch für andere Branchen zu produzieren. Tatsächlich werden in Osnabrück bereits jetzt Kleinbusse für den öffentlichen Personennahverkehr in Hamburg und Hannover gebaut. Daran könnte man anschließen, wenn man wollte. Doch wer will das – und wer nicht?

Im Osnabrücker VW-Werk mit seinem wellenförmigen Eingang, dem weithin sichtbaren Turm und rund 2300 Beschäftigten, zeigt sich aktuell wie im Brennglas der Kampf um die Art der Industriekonversion in Deutschland: hin zu Militär und Gewalt – oder hin zu einer sozial-ökologischen Zukunft.

Die Zukunft ist ungewiss – VW zieht sich zurück

Wie ist es zu dieser verfahrenen Situation gekommen? Im Herbst 2024 kündigte der Vorstand von Volkswagen mehrere Tarifverträge, unter anderem den zur Beschäftigungssicherung. Das erklärte Ziel: Personalabbau durch betriebsbedingte Entlassungen. Von 30.000 überflüssigen Arbeitsplätzen war die Rede, außerdem von mehreren Standorten, die geschlossen werden sollen.

Ein Tabubruch – denn der Verzicht auf Entlassungen war stets durch Lohnverzicht der Belegschaft erkauft worden. Brisant war es auch deshalb, weil in der VW-Satzung und sinngemäß im VW-Gesetz festgelegt ist, dass der Aufsichtsrat bei solchen Entscheidungen zustimmen muss. Belegschaftsvertreter und das Land Niedersachsen verfügen über eine Mehrheit im Aufsichtsrat.

Es gab neue Verhandlungen. Im Ergebnis wurden, neben Lohnsenkungen und Arbeitszeitverlängerung, der Ausschluss betriebsbedingter Entlassungen bis 2030 zugesagt – für alle Werke, außer in Dresden und Osnabrück.

Im niedersächsischen Werk läuft die Produktion vom T-Roc Cabrio und vom Porsche 718 nur noch bis September 2027. Die Zukunft danach ist höchst unsicher. Aus der Landesregierung und aus Kreisen des Betriebsrates kommt die rhetorische Frage, was man denn machen könne, wenn es doch keine Aufträge gäbe. Rheinmetall hat in dieser Situation Interesse angekündigt, die Fabrik zur Produktion von Militärfahrzeugen zu übernehmen.

Flexible Busfahrten: VW hat Erfahrung mit Ride-Pooling-Diensten

VW hat dabei längst gezeigt, dass es auch anders geht: 2019 startete der Ride-Pooling-Dienst des Konzerns in Hamburg. Die Idee ist ein bedarfsorientiertes öffentliches System, das Passagiere auf Anfrage flexibel zwischen Haltepunkten hin und her befördert. Der damalige Chef des verantwortlichen VW-Subunternehmens MOIA erklärte, dass Ziel sei, „bis 2025 die Städte Europas und der USA um eine Million Fahrzeuge zu entlasten“.

Eingesetzt werden bei diesem Verkehrssystem E-Fahrzeuge auf der Basis des VW-Crafter, die in Osnabrück entwickelt und gebaut wurden. Vom kleinen, smarten Elektro-Bus Pluto fertigte die Belegschaft einige hundert Stück – exklusiv für Ride-Pooling-Dienste.

Der Bus hat eine maximale Geschwindigkeit von 90 km/h und kann in 30 Minuten auf 80 Prozent Kapazität geladen werden. Neben dem Fahrer bietet er Platz für sechs Fahrgäste. Die Routen werden durch eine KI optimal berechnet und angefahren. „Dass wir in nur zehn Monaten ein neues, konsequent auf diesen Zweck konzipiertes Fahrzeug bauen konnten, macht uns stolz“, sagte Eckhard Scholz, Vorstand von Volkswagen Nutzfahrzeuge.

Ist mittlerweile die Euphorie verflogen? Das Fahrzeug wurde letztlich nur in kleiner Stückzahl und mit opulenter Innenausstattung gebaut – dadurch war es sehr teuer. Der Fahrservice von VW hat bisher mehrere hundert Millionen Euro gekostet und – trotz steigender Preise – keinen Gewinn eingebracht.

Bedarfsorientiert und flexibel: Eine Perspektive für die Zukunft

Das müsste nicht so sein: Bundesweit leben in ländlichen Regionen etwa 30 Millionen Menschen. Große Busse mit festem Fahrplan und festen Haltestellen taugen noch für den Schülerverkehr, sind ansonsten aber nicht mehr zeitgemäß. In vielen Orten werden dagegen schon heute kleinere Dorfbusse, Bürgerbusse oder Rufbusse als private oder nachbarschaftliche Hilfe eingesetzt – meist, weil es keine besseren Lösungen gibt. Das Konzept von MOIA, Bedarfsverkehrsfahrzeuge anzubieten und die Zeiten und Routen optimal zu steuern, wäre für diese Menschen gut geeignet.

Knut Ringat, der Geschäftsführer des Rhein-Main-Verkehrsverbunds, sieht die Vorteile solcher Shuttles. „Wenn fahrerlose, flexibel buchbare Kleinbusse 24/7 da unterwegs sind, wo heute Linienbusse nur eine Handvoll Mal am Tag fahren, dann wird ÖPNV für alle verfügbar und deutlich attraktiver“, sagte er. Aktuell plant das Unternehmen, in den 2030er Jahre mit autonomen On-Demand-Shuttles das öffentliche Verkehrsangebot zu ergänzen und vor allem im ländlichen Raum auszubauen.

Wenn nun die Kommunen und Verkehrsverbünde ausreichend finanziert wären, um solche Dienste flächendeckend anzubieten – in einigen Jahren vielleicht sogar als autonom fahrende Shuttles – dann entstünde ein Bedarf von mehreren zehntausend Fahrzeugen – allein in Deutschland. Im Ausland wächst ebenfalls der Bedarf. In afrikanischen, asiatischen und lateinamerikanischen Ländern prägen bereits heute Kleinbusse den öffentlichen Personennahverkehr.

Die Fähigkeiten liegen in Osnabrück vor – Wie könnte es klappen?

Die Belegschaft in Osnabrück kann solche Shuttles technisch entwickeln und produzieren. Der Umbau des VW-Werks dafür wäre sogar preisgünstiger und weniger aufwändig als der Umbau für Militärfahrzeuge. Wenn 60 Fahrzeuge pro Tag produziert werden, wäre das Werk ausgelastet, eine Jahresproduktion von 15.000 Fahrzeugen müsste zu einem Preis von etwa 60.000 Euro global absetzbar sein.

Natürlich wäre zunächst der VW-Konzern in der Verantwortung, solch ein Projekt umzusetzen. Auch das Land Niedersachsen und die „Friedensstadt“ Osnabrück stehen aber in der Pflicht: Sie müssen zivile Produktion sichern und industrielle Arbeitsplätze erhalten. Sollte Volkswagen seiner Verantwortung nicht gerecht werden, könnte von Betriebsrat, Gewerkschaft und Politik die Gründung einer gemeinnützigen GmbH oder einer Genossenschaft geprüft werden. Dafür könnte man sich vom Genossenschaftsverband und Genossenschaftsbanken beraten lassen.

Um eine Nachfrage für den Start zu sichern, wäre ein Kommunalverbund niedersächsischer Gemeinden, einschließlich Hannover, und der beiden Hansestädte Bremen und Hamburg – im letzteren werden MOIA-Fahrzeuge bereits eingesetzt – anzustreben.

Solch eine Transformation könnte durch Mittel der Landesregierungen als auch aus Mitteln des Infrastrukturfonds der Bundesregierung unterstützt werden. Das Beispiel der Konversion hin zu Rüstungsgütern zeigt: Wenn die Nachfrage staatlicherseits abgesichert wird, kann die Produktion eine andere Richtung einschlagen. Die Entscheidung über das Osnabrücker Werk steht sinnbildlich für eine Kreuzung: Links Richtung Zukunft, rechts Richtung Panzer.

Was droht dem VW-Werk in Osnabrück mit Rheinmetall?

Sollten solche Überlegungen zu einer sozialökologischen Wende nicht weiterverfolgt werden, droht der Umbau zur Rüstungsschmiede. Die Folgen: Rheinmetall hat in den vergangenen Jahren immer wieder Waffen an autoritäre Regime und in Krisenregionen geliefert. Etwa Bomben, Munition und Radarsysteme an Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate, die im Jemen-Krieg für schwere Kriegsverbrechen verantwortlich gemacht werden. Weitere Empfänger sind Venezuela, Kuwait, Katar, Jordanien, Indonesien und Pakistan.

Rheinmetall verfolgt zugleich eine aggressive Internationalisierungsstrategie. Besonders problematisch ist die Expansion nach Südafrika, wo der Konzern über ein Joint Venture komplette Munitionsfabriken an autoritäre Regime liefert. Anstatt Verantwortung für die Folgen seiner Produkte zu übernehmen, verlagert Rheinmetall damit die Risiken bewusst ins Ausland. Nicht zuletzt beteiligt sich Rheinmetall an der Fertigung des Rumpfmittelteils für die Tarnkappenbomber, die künftig als Trägersysteme für die modernisierten US-Atombomben am Standort Büchel dienen sollen.

Der Rüstungskonzern nutzt zugleich seine wachsende Macht, um auch politisch Einfluss zu nehmen. Im Bundestagswahlkampf hat die Rheinmetall-Tochter Blackned Spenden an Bundestagsabgeordnete des Haushalts- und Verteidigungsausschusses geleistet – jene Gremien also, die über die Vergabe von Milliarden aus dem Sondervermögen für die Bundeswehr entscheiden.

Weichen werden gestellt: Die Chance für eine ökologische Klassenpolitik

Sind die politischen Entscheidungsträger trotzdem in der Lage, sich für eine sozialökologische Wende einzusetzen? Der Bedarf für die Mobilitätswende ist da. Für den Ausbau des öffentlichen Verkehrs braucht es die Produktion von Schienenfahrzeugen, E-Bussen, Straßenbahnen, E-Bikes und mehr. Das Beispiel Osnabrück zeigt: Die dafür notwendige Konversion kann funktionieren, wenn der Staat eine stabile Nachfrage erzeugt, die Planungssicherheit verschafft. Stephan Soldanski, der Erste Bevollmächtigte der IG Metall in der Stadt, plädiert so auch dafür, „alternative Wirtschaftszweige und zukunftsweisende Konzepte aktiv voranzutreiben“.

In Osnabrück entscheidet sich so nicht weniger als die Zukunft: Wird das Ende der sozial-ökologischen Transformation beschlossen, bevor sie begonnen hat – oder geht es doch anders?

Klar ist: Der Kampf um das Werk in Osnabrück ist eine gute Möglichkeit für konkrete ökologische Klassenpolitik. Eine breite Allianz wäre möglich: Beschäftigte, Gewerkschaften, Umwelt- und Mobilitätsinitiativen, Antimilitaristen, Kirchen und Linke – sie alle könnten gemeinsam für eine zivile und ökologische Zukunft streiten.

Es wäre ein positives Beispiel, das auch andernorts Kämpfe inspiriert – und das dringend wird, bevor die Weichen endgültig Richtung Aufrüstung gestellt werden.

Foto: Robin Wood; Veröffentlicht: https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/volkswagen-in-osnabrueck-vor-grundsatzentscheidung-panzer-oder-kleinbus

Ein ergänzender Link (15.8.2025): VW-Aufsichtsratsmitglied Julia Willie Hamburg (Kultusministerin in Niedersachsen) äußert sich zu VW in Osnabrück zurückhaltend: https://www.n-tv.de/regionales/niedersachsen-und-bremen/Ministerin-will-nach-Landtagswahl-im-VW-Aufsichtsrat-bleiben-article25955904.html



Info: https://stephankrull.info/2025/08/10/vw-werk-osnabrueck-vor-der-entscheidung-panzer-oder-kleinbus/


unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

29.08.2025

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nachdenkseiten.de, 29. August 2025 um 9:00 Ein Artikel von: Maike Gosch

Die Proteste beim Konzern Microsoft gegen seine mögliche Beteiligung an den Kriegsverbrechen Israels reißen nicht ab
Die Protestgruppe „No Azure for Apartheid“, bestehend aus ehemaligen und gegenwärtigen Microsoft-Mitarbeitern, hat am Dienstag das Büro des Microsoft-Präsidenten Brad Smith kurzzeitig besetzt, um gegen die mögliche Beteiligung an israelischen Kriegsverbrechen ihres Arbeitgebers zu protestieren. Dies führte zu Festnahmen und Kündigungen. 


Die Aktivisten von „No Azure for Apartheid“ (Kein Azure für Apartheid) protestieren seit Jahren gegen die Rolle des Konzerns Microsoft im Gazakrieg. Azure ist die wichtigste Cloud-Computing-Plattform von Microsoft, die von den israelischen Streitkräften genutzt wird, um Telefonverbindungsdaten zu speichern, die durch die Massenüberwachung von Palästinensern im Gazastreifen und im Westjordanland gewonnen werden. Journalistische Recherchen des britischen Guardian und israelisch-palästinensischer Magazine hatten ergeben, das die Erkenntnisse aus der Auswertung dieser riesigen Datensätze, die in dieser Cloud gespeichert wurden, von Israel genutzt wurden, um Ziele für seine Bombardierungen in Gaza zu recherchieren und zu identifizieren.

Eine Petition von „No Azure for Apartheid“, die insbesondere die Beendigung aller Verträge und jeglicher Zusammenarbeit zwischen Microsoft und dem israelischen Militär und der israelischen Regierung forderte, wurde bereits von über 2.000 Microsoft-Mitarbeitern unterschrieben. Die Aktivisten sind überwiegend ehemalige und aktuelle Microsoft-Mitarbeiter.

Aber auch bei anderen IT-Firmen gab es bereits massive Proteste: Im April 2024 entließ der Konzern Google 28 Mitarbeiter nach ihren Protesten gegen Verträge des Unternehmens zur Bereitstellung von Cloud-Computing- und KI-Diensten für die israelische Regierung und das Militär. Einen Tag vorher hatte Google bereits neun Mitarbeiter entlassen, weil diese ein „Sit-in“ in den Google-Büros in New York und Kalifornien organisiert hatten und auch im Büro des Google-Cloud-Geschäftsführers Thomas Kurian protestiert hatten. Diese Proteste wurden von der Gruppe „No Tech For Apartheid“ organisiert, die sich gegen das „Projekt Nimbus“ richtet – ein Vertrag über 1,2 Milliarden US-Dollar mit Google und Amazon, die dafür der israelischen Regierung und dem israelischen Militär Cloud-Computing-Dienste bereitstellen, darunter KI-Anwendungen, Rechenzentren und andere Cloud-Infrastrukturen.

Aber auch „No Azure for Apartheid“ hat in diesem Jahr schon eine Reihe von Aktionen durchgeführt. So unterbrachen die Aktivisten eine Entwicklerkonferenz von Microsoft im Mai dieses Jahres und warfen Sarah Bird, der Leiterin für verantwortungsbewusste KI bei Microsoft, vor, die Verbrechen von Microsoft in Palästina zu beschönigen.

Auch bei einer Feier zum 50-jährigen Jubiläum des Unternehmens gab es Proteste, die wiederum zur Kündigung von Mitarbeitern führten. Microsoft schaltete schließlich sogar das FBI ein , um Hilfe bei der Verfolgung der Aktivisten, und damit auch seiner eigenen Angestellten, zu bekommen.

In einem Blogpost vom 15. Mai 2025 hatte Microsoft jegliche Mitschuld an internationalen Verbrechen in Gaza zurückgewiesen und gleichzeitig eingeräumt, dass der Konzern „keinen Einblick darin hat, wie Kunden unsere Software auf ihren eigenen Servern oder anderen Geräten verwenden“.

Am 1. Juli 2025 reichten daraufhin mindestens 60 Microsoft-Aktionäre, die zusammen MSFT-Aktien im Wert von über 80 Millionen US-Dollar vertreten, einen Aktionärsantrag bei der Microsoft Corporation ein . Der Antrag wurde von den Ordensschwestern vom Heiligen Herzen Mariens eingebracht und fordert Microsoft auf, einen Bericht zu veröffentlichen, in dem die Wirksamkeit der Sorgfaltspflichten des Unternehmens im Bereich der Menschenrechte bewertet wird. Konkret wird Microsoft aufgefordert, zu prüfen, ob seine KI- und Cloud-Technologien von Kunden, wie beispielsweise militärischen Einrichtungen, missbraucht werden, um Menschenrechtsverletzungen oder Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht zu begehen.

Das American Friends Service Committee (AFSC), eine humanitäre Organisation, die sich für Frieden, soziale Gerechtigkeit und Menschenrechte einsetzt und humanitäre Hilfe leistet, schreibt in seinem Bericht zu der Aktion der Investoren Folgendes:

Gemäß den Leitprinzipien der Vereinten Nationen für Wirtschaft und Menschenrechte wird von Unternehmen erwartet, dass sie alle angemessenen Maßnahmen ergreifen, um sicherzustellen, dass ihre Produkte und Dienstleistungen – einschließlich des Einsatzes solcher Technologien durch Kunden – nicht zur Verletzung von Menschenrechten genutzt werden. Die UN-Sonderberichterstatterin für die besetzten palästinensischen Gebiete hat kürzlich einen neuen Bericht veröffentlicht, in dem beschrieben wird, wie Technologie-, Waffen- und Cloud-Anbieter von Unternehmen tief in das verstrickt sind, was der Bericht als „Wirtschaft des Völkermords” bezeichnet. Der Bericht hebt hervor, wie die Azure-Cloud und die KI-Infrastruktur von Microsoft die militärischen Entscheidungsprozesse, die Überwachung und die Datenverarbeitung Israels verbessert haben, wobei ein israelischer Oberst die Cloud-Technologie als „Waffe im wahrsten Sinne des Wortes“ bezeichnet.“

Durch eine gemeinsame investigative Recherche des israelisch-palästinensischen Magazins +972, des hebräischsprachigen Nachrichtenportals Local Call und der britischen Zeitung Guardian wurden weitere Details der Unterstützung des Vorgehens der israelischen Armee durch Microsoft und dessen Cloud-Computing-Plattform „Azure“ öffentlich. Mithilfe von Insiderquellen und Einsicht in Dokumente konnten die Journalisten herausfinden, dass die Einheit 8200, der „Hightech-Geheimdienst“ der israelischen Armee, einen speziell angepassten und separaten Bereich innerhalb von Azure nutzte, um Aufzeichnungen von Millionen von Anrufen zu speichern, die täglich in Gaza und im Westjordanland getätigt wurden.

In Folge der massiven Kritik, insbesondere der Berichterstattung durch den Guardian, verkündete Microsoft am 15. August in einem Update zu seinem Blogpost vom 15. Mai, dass der Konzern nun eine „dringende“ externe Untersuchung zu diesen Vorwürfen eingeleitet hätte.

Dies genügte den Microsoft-Mitarbeitern und den anderen Aktivisten von „No Azure for Apartheid“ aber scheinbar nicht. Die Proteste gingen weiter. In der letzten Woche fanden Proteste auf dem Campus der Firma statt, die zu 20 Festnahmen durch die Polizei führten.

Eine Woche später, am 26. August, fand eine weitere Protestkundgebung am Microsoft-Hauptsitz in Redmond (im Bundesstaat Washington, USA) statt. Die Aktivisten besetzten auch kurzfristig das Büro von Microsoft-Präsident Brad Smith. Sie wurden daraufhin von hinzugerufenen Polizeikräften entfernt. Heute wurde bekannt, dass Microsoft zwei der Aktivisten, Riki Fameli und Anna Hattle, nun ebenfalls gekündigt hat. „Zwei Mitarbeiter wurden heute aufgrund schwerwiegender Verstöße gegen die Unternehmensrichtlinien und unseren Verhaltenskodex entlassen“, erklärte ein Microsoft-Sprecher in einer Stellungnahme und verwies dabei auf unrechtmäßige Einbrüche in die Büros der Geschäftsleitung.

In ihrer Rede am 21. August im Rahmen der Proteste der letzten Woche hatte Anna Hattle ihren Widerstand folgendermaßen begründet:

Als Arbeiter haben wir das Recht und die Pflicht, einzugreifen. Wir, die Arbeiter, sind es, die dieses Unternehmen am Laufen halten. Es ist unsere Arbeitskraft, die von diesem Unternehmen missbraucht wird, um Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu begehen.

Obwohl wir jedes Recht haben, mitzubestimmen, wie unsere Arbeitskraft eingesetzt wird, mussten wir erkennen, dass Microsoft lieber seine eigenen Arbeiter und Mitglieder seiner Gemeinschaft brutal behandelt, als sich nicht mehr an der Ermordung von Hunderttausenden Palästinensern zu beteiligen. Lassen Sie mich das noch einmal wiederholen: Vor die Wahl gestellt, weiterhin seine Hände mit dem Blut Tausender Palästinenser und seiner Arbeiter und Gemeindemitglieder hier in Seattle zu beflecken, hat sich Microsoft weiterhin für Blut und Gewalt entschieden.“

Kurz danach wurde sie nach Aussagen der Gruppe unter Anwendung von übermäßiger Gewalt und dem Einsatz von chemischen Waffen festgenommen, mit Kabelbindern gefesselt und über sechs Stunden in Fesseln und ohne Zugang zu Essen, Wasser oder Zugang zu einer Toilette festgehalten.

Es scheint, als ob die Protestwelle, die auf den US-amerikanischen Universitätsgeländen in den letzten Jahren losbrach und von der Polizei, den Universitätsverwaltungen und in letzter Zeit durch das rabiate Vorgehen der Trump-Regierung mühsam unterdrückt wurde, nun auch im Kontext von Tech-Konzernen Fahrt aufnimmt. Das liegt sicher auch daran, dass viele dieser Firmen eine junge, idealistische, engagierte und internationale Belegschaft haben, die viele Schnittmengen mit den pro-palästinensischen Menschenrechtsaktivisten aufweist. Und es liegt sicher auch daran, dass viele dieser Firmen in ihren Leitbildern und Missionsbeschreibungen Werte und Moral versprechen, die durch die Verstrickung dieser Konzerne und dieser Branche mit dem militärisch-industriellen Komplex nicht eingehalten werden und vielleicht auch nicht einzuhalten sind.

Auch diese Maske – wie so viele – fällt in diesen Zeiten.


Quelle: No Azure for Apartheid


Rubriken: Außen- und Sicherheitspolitik Wertedebatte


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Info: https://www.nachdenkseiten.de/?p=138110


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Gaza - Programmierer aller Länder, vereinigt euch!



aus e-mail von Doris Pumphrey, 29. August 2025, 10:55 Uhr


*Nahost: Israel bombardiert ununterbrochen den Norden des Gazastreifens


*Im Gazastreifen sind nach Angaben lokaler Behörden in den vergangenen

Tagen mindestens 76 Palästinenser bei israelischen Angriffen getötet

worden. Der Norden der Enklave wird weiterhin ununterbrochen

bombardiert.Im Internet kursieren Videos, die massive Angriffe auf

Dschabalia zeigen. Die israelische Armee intensiviert ihre Operationen

gegen Gaza-Stadt und dringt tiefer in das Gebiet vor. Dabei werden nach

Behördenangaben weitere Zivilisten getötet und vertrieben. Ein Sprecher

des Zivilschutzes in Gaza schildert das Ausmaß der Zerstörungen.

/Zum

Videobericht:/https://rumble.com/v6y74ma-israel-bombardiert-ununterbrochen-den-norden-des-gazastreifens.html



https://www.nachdenkseiten.de/?p=138110

29.8.2025


*Programmierer aller Länder, vereinigt euch!


Die Proteste beim Konzern Microsoft gegen seine mögliche Beteiligung an

den Kriegsverbrechen Israels reißen nicht ab*

Die Protestgruppe „No Azure for Apartheid“, bestehend aus ehemaligen und

gegenwärtigen Microsoft-Mitarbeitern, hat am Dienstag das Büro des

Microsoft-Präsidenten Brad Smith kurzzeitig besetzt, um gegen die

mögliche Beteiligung an israelischen Kriegsverbrechen ihres Arbeitgebers

zu protestieren. Dies führte zu Festnahmen und Kündigungen. Ein Artikel

von *Maike Gosch*.


Die Aktivisten von „No Azure for Apartheid“

<https://noazureforapartheid.com/>(Kein Azure für Apartheid)

protestieren seit Jahren gegen die Rolle des Konzerns Microsoft im

Gazakrieg. Azure ist die wichtigste Cloud-Computing-Plattform von

Microsoft, die von den israelischen Streitkräften genutzt wird, um

Telefonverbindungsdaten zu speichern, die durch die Massenüberwachung

von Palästinensern im Gazastreifen und im Westjordanland gewonnen

werden. Journalistische Recherchen

<https://www.theguardian.com/world/2025/aug/06/microsoft-israeli-military-palestinian-phone-calls-cloud>des 

britischen /Guardian/ und israelisch-palästinensischer Magazine hatten

ergeben, das die Erkenntnisse aus der Auswertung dieser riesigen

Datensätze, die in dieser Cloud gespeichert wurden, von Israel genutzt

wurden, um Ziele für seine Bombardierungen in Gaza zu recherchieren und

zu identifizieren.


Eine Petition <https://noazureforapartheid.com/petition/#signatures> von

„No Azure for Apartheid“, die insbesondere die Beendigung aller Verträge

und jeglicher Zusammenarbeit zwischen Microsoft und dem israelischen

Militär und der israelischen Regierung forderte, wurde bereits von über

2.000 Microsoft-Mitarbeitern unterschrieben. Die Aktivisten sind

überwiegend ehemalige und aktuelle Microsoft-Mitarbeiter.


Aber auch bei anderen IT-Firmen gab es bereits massive Proteste: Im

April 2024 entließ der Konzern Google 28 Mitarbeiter

<https://www.cnbc.com/2024/04/18/google-terminates-28-employees-after-series-of-protests-read-the-memo.html

nach ihren Protesten gegen Verträge des Unternehmens zur Bereitstellung

von Cloud-Computing- und KI-Diensten für die israelische Regierung und

das Militär. Einen Tag vorher hatte Google bereits neun Mitarbeiter

entlassen, weil diese ein „Sit-in“ in den Google-Büros in New York und

Kalifornien organisiert hatten und auch im Büro des

Google-Cloud-Geschäftsführers Thomas Kurian protestiert hatten. Diese

Proteste wurden von der Gruppe „No Tech For Apartheid“

<https://www.notechforapartheid.com/>organisiert, die sich gegen das

„Projekt Nimbus“ richtet – ein Vertrag über 1,2 Milliarden US-Dollar mit

Google und Amazon, die dafür der israelischen Regierung und dem

israelischen Militär Cloud-Computing-Dienste bereitstellen, darunter

KI-Anwendungen, Rechenzentren und andere Cloud-Infrastrukturen.


Aber auch „No Azure for Apartheid“ hat in diesem Jahr schon eine Reihe

von Aktionen durchgeführt. So unterbrachen die Aktivisten

<https://www.cnbc.com/2025/05/21/microsoft-ai-walmart.html>eine 

Entwicklerkonferenz von Microsoft im Mai dieses Jahres und warfen Sarah

Bird, der Leiterin für verantwortungsbewusste KI bei Microsoft, vor, die

Verbrechen von Microsoft in Palästina zu beschönigen.

Auch bei einer Feier zum 50-jährigen Jubiläum des Unternehmens gab es

Proteste, die wiederum zur Kündigung von Mitarbeitern

<https://www.cnbc.com/2025/04/07/microsoft-fires-engineers-who-protested-during-anniversary-celebration.html

führten. Microsoft schaltete schließlich sogar das FBI ein

<https://www.rf-news.de/2025/kw35/no-azure-for-apartheid-aktivisten-protestieren-gegen-microsoft>,

um Hilfe bei der Verfolgung der Aktivisten, und damit auch seiner

eigenen Angestellten, zu bekommen.


In einem Blogpost vom 15. Mai 2025

<https://blogs.microsoft.com/on-the-issues/2025/05/15/statement-technology-israel-gaza/

hatte Microsoft jegliche Mitschuld an internationalen Verbrechen in Gaza

zurückgewiesen und gleichzeitig eingeräumt, dass der Konzern „keinen

Einblick darin hat, wie Kunden unsere Software auf ihren eigenen Servern

oder anderen Geräten verwenden“.


Am 1. Juli 2025 reichten daraufhin mindestens 60 Microsoft-Aktionäre,

die zusammen MSFT-Aktien im Wert von über 80 Millionen US-Dollar

vertreten, einen Aktionärsantrag bei der Microsoft Corporation ein

<https://investment-international.com/News/microsoft-shareholders-take-action-on-reported-links-to-gaza-conflict/>.

Der Antrag wurde von den Ordensschwestern vom Heiligen Herzen Mariens

eingebracht und fordert Microsoft auf, einen Bericht zu veröffentlichen,

in dem die Wirksamkeit der Sorgfaltspflichten des Unternehmens im

Bereich der Menschenrechte bewertet wird. Konkret wird Microsoft

aufgefordert, zu prüfen, ob seine KI- und Cloud-Technologien von Kunden,

wie beispielsweise militärischen Einrichtungen, missbraucht werden, um

Menschenrechtsverletzungen oder Verstöße gegen das humanitäre

Völkerrecht zu begehen.


Das American Friends Service Committee (AFSC), eine humanitäre

Organisation, die sich für Frieden, soziale Gerechtigkeit und

Menschenrechte einsetzt und humanitäre Hilfe leistet, schreibt in seinem

Bericht zu der Aktion der Investoren

<https://afsc.org/newsroom/unprecedented-investor-action-demands-microsoft-answer-reported-involvement-gaza-genocide>Folgendes:

„/Gemäß den Leitprinzipien der Vereinten Nationen für Wirtschaft und

Menschenrechte wird von Unternehmen erwartet, dass sie alle angemessenen

Maßnahmen ergreifen, um sicherzustellen, dass ihre Produkte und

Dienstleistungen – einschließlich des Einsatzes solcher Technologien

durch Kunden – nicht zur Verletzung von Menschenrechten genutzt werden.

Die UN-Sonderberichterstatterin für die besetzten palästinensischen

Gebiete hat kürzlich einen neuen Bericht

<https://www.ohchr.org/en/documents/country-reports/ahrc5923-economy-occupation-economy-genocide-report-special-rapporteur

veröffentlicht, in dem beschrieben wird, wie Technologie-, Waffen- und

Cloud-Anbieter von Unternehmen tief in das verstrickt sind, was der

Bericht als „Wirtschaft des Völkermords” bezeichnet. Der Bericht hebt

hervor, wie die Azure-Cloud und die KI-Infrastruktur von Microsoft die

militärischen Entscheidungsprozesse, die Überwachung und die

Datenverarbeitung Israels verbessert haben, wobei ein israelischer

Oberst die Cloud-Technologie als „Waffe im wahrsten Sinne des Wortes“

bezeichnet.“/


Durch eine gemeinsame investigative Recherche

<https://www.theguardian.com/world/2025/aug/06/microsoft-israeli-military-palestinian-phone-calls-cloud>des 

israelisch-palästinensischen Magazins /+972/, des hebräischsprachigen

Nachrichtenportals /Local Call/ und der britischen Zeitung /Guardian/

wurden weitere Details der Unterstützung des Vorgehens der israelischen

Armee durch Microsoft und dessen Cloud-Computing-Plattform „Azure“

öffentlich. Mithilfe von Insiderquellen und Einsicht in Dokumente

konnten die Journalisten herausfinden, dass die Einheit 8200, der

„Hightech-Geheimdienst“ der israelischen Armee, einen speziell

angepassten und separaten Bereich innerhalb von Azure nutzte, um

Aufzeichnungen von Millionen von Anrufen zu speichern, die täglich in

Gaza und im Westjordanland getätigt wurden.


In Folge der massiven Kritik, insbesondere der Berichterstattung durch

den /Guardian/, verkündete Microsoft am 15. August in einem Update zu

seinem Blogpost

<https://blogs.microsoft.com/on-the-issues/2025/05/15/statement-technology-israel-gaza/>vom 

15. Mai, dass der Konzern nun eine „dringende“ externe Untersuchung zu

diesen Vorwürfen eingeleitet hätte.


Dies genügte den Microsoft-Mitarbeitern und den anderen Aktivisten von

„No Azure for Apartheid“ aber scheinbar nicht. Die Proteste gingen

weiter. In der letzten Woche fanden Proteste auf dem Campus der Firma

statt, die zu 20 Festnahmen durch die Polizei führten.


Eine Woche später, am 26. August, fand eine weitere Protestkundgebung am

Microsoft-Hauptsitz in Redmond (im Bundesstaat Washington, USA) statt.

Die Aktivisten besetzten auch kurzfristig das Büro von

Microsoft-Präsident Brad Smith

<https://www.cnbc.com/2025/08/26/microsoft-removed-protesters-who-stormed-office-israel-military-work.html>.

Sie wurden daraufhin von hinzugerufenen Polizeikräften entfernt. Heute

wurde bekannt, dass Microsoft zwei der Aktivisten, Riki Fameli und Anna

Hattle, nun ebenfalls gekündigt hat

<https://www.cnbc.com/2025/08/28/microsoft-fires-two-employees-over-breaking-into-protests-at-its-presidents-office.html>.

„Zwei Mitarbeiter wurden heute aufgrund schwerwiegender Verstöße gegen

die Unternehmensrichtlinien und unseren Verhaltenskodex entlassen“,

erklärte ein Microsoft-Sprecher in einer Stellungnahme und verwies dabei

auf unrechtmäßige Einbrüche in die Büros der Geschäftsleitung.


In ihrer Rede am 21. August

<https://medium.com/@noazureforapartheid/microsoft-militarized-its-campus-to-harass-attack-and-violently-arrest-its-own-workers-former-0ee8b6323e80

im Rahmen der Proteste der letzten Woche hatte Anna Hattle ihren

Widerstand folgendermaßen begründet: „/Als Arbeiter haben wir das Recht

und die Pflicht, einzugreifen. Wir, die Arbeiter, sind es, die dieses

Unternehmen am Laufen halten. Es ist unsere Arbeitskraft, die von diesem

Unternehmen missbraucht wird, um Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu

begehen./

/Obwohl wir jedes Recht haben, mitzubestimmen, wie unsere Arbeitskraft

eingesetzt wird, mussten wir erkennen, dass Microsoft lieber seine

eigenen Arbeiter und Mitglieder seiner Gemeinschaft brutal behandelt,

als sich nicht mehr an der Ermordung von Hunderttausenden Palästinensern

zu beteiligen. Lassen Sie mich das noch einmal wiederholen: Vor die Wahl

gestellt, weiterhin seine Hände mit dem Blut Tausender Palästinenser und

seiner Arbeiter und Gemeindemitglieder hier in Seattle zu beflecken, hat

sich Microsoft weiterhin für Blut und Gewalt entschieden.“/


Kurz danach wurde sie nach Aussagen der Gruppe

<https://medium.com/@noazureforapartheid/microsoft-militarized-its-campus-to-harass-attack-and-violently-arrest-its-own-workers-former-0ee8b6323e80>unter 

Anwendung von übermäßiger Gewalt und dem Einsatz von chemischen Waffen

festgenommen, mit Kabelbindern gefesselt und über sechs Stunden in

Fesseln und ohne Zugang zu Essen, Wasser oder Zugang zu einer Toilette

festgehalten.


Es scheint, als ob die Protestwelle, die auf den US-amerikanischen

Universitätsgeländen in den letzten Jahren losbrach und von der Polizei,

den Universitätsverwaltungen und in letzter Zeit durch das rabiate

Vorgehen der Trump-Regierung mühsam unterdrückt wurde, nun auch im

Kontext von Tech-Konzernen Fahrt aufnimmt. Das liegt sicher auch daran,

dass viele dieser Firmen eine junge, idealistische, engagierte und

internationale Belegschaft haben, die viele Schnittmengen mit den

pro-palästinensischen Menschenrechtsaktivisten aufweist. Und es liegt

sicher auch daran, dass viele dieser Firmen in ihren Leitbildern und

Missionsbeschreibungen Werte und Moral versprechen, die durch die

Verstrickung dieser Konzerne und dieser Branche mit dem

militärisch-industriellen Komplex nicht eingehalten werden und

vielleicht auch nicht einzuhalten sind.


Auch diese Maske – wie so viele – fällt in diesen Zeiten.


/Quelle: No Azure for Apartheid

<https://x.com/NoAz4Apartheid/status/1958009331720630369>////


unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.


29.08.2025

Nord Stream Rätsel

aus e-mail von Doris Pumphrey, 29. August 2025, 10:39 Uhr

/In dem Video werden auch die technischen Voraussetzungen für eine

Sprengung der Pipeline demonstriert,

die die Geschichte um eine Rolle der „Andromeda» ad absurdum führt*


*/*InfraRot: Nord Stream Rätsel*


Screenshot_2025_08_29_at_13_36_38_Nord_Stream_R_tsel_YouTube

(Abbildung hinzugefügt)


Ivan Rodionov

Video https://youtu.be/bqT0q1VfrSs Dauer  12:10 Min.

28.08.2025, ca 12 Minuten


Ein ehemaliger Agent des ukrainischen Geheimdienstes SBU Sergej Kusnezow

wird in Italien festgenommen. Den deutschen Ermittlungsbehörden zufolge

soll er der Kopf der Sabotagegruppe sein, die den Anschlag auf die

Gaspipelines Nord Stream 1 und 2 vor 3 Jahren verübt hat. Dies, so die

großen Staats- und Konzernmedien, sei der große Durchbruch in den

Ermittlungen, die in den 3 Jahren zuvor nie geruht hätten. Parallel

werden Details über den Verdächtigen gestreut, die eigentlich wenig zur

Sache beitragen. Wer ist der Ex-Geheimdienstler Kusnezow, was bleibt in

den Mainstreammedien unerwähnt und was hat es mit dem Verdacht auf sich,

seine Gruppe hätte auf eigene Faust die Rohre auf dem Meeresboden

gesprengt – damit befasst sich unser InfraRot-Kommentar.


unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

29.08.2025

Datenlöschung in den USA: Ein Back-up der Realität

zeit.de, Aus der ZEIT Nr. 37/2025 27. August 2025, Von

Die US-Regierung tilgt großflächig Informationen aus dem Internet, die nicht ins MAGA-Weltbild passen. Ein junger Mann aus Köln versucht, schneller zu sichern, als Trump löschen kann.


10 Kommentare


Je mehr Wissen verfügbar ist, desto gesünder ist eine Gesellschaft", sagt Sebastian Majstorovic, der Daten von US-Servern kopiert. © Jann Höfer für DIE ZEIT (l.); Christie Hemm Klok/​NYT/​Redux/​Laif (Bild)
Ein Back-up der Realität – Seite 1

Dieser Artikel ist Teil von ZEIT am Wochenende, Ausgabe 35/2025. 

Seit wann er sich für Geschichte interessiert, für das kollektive Gedächtnis der Menschheit also, weiß Sebastian Majstorovic nicht mehr genau. Jedenfalls vertiefte er sich schon als Grundschüler in ein Buch über das 20. Jahrhundert. Er las von der Ermordung Franz Ferdinands und dem Boxeraufstand in China.

Wann ihm erstmals bewusst wurde, wie leicht kollektive Erinnerungen verloren gehen können, weiß Sebastian Majstorovic hingegen noch sehr genau: Es war der 3. März 2009, Majstorovic saß gerade im Informatikunterricht, 12. Klasse, und sah durch das Schulfenster ein Gebäude einstürzen – das Kölner Stadtarchiv. Wegen Fehlern bei Bauarbeiten an einem U-Bahn-Tunnel war das Archiv unterspült worden, 27 Regalkilometer Dokumente wurden verschüttet.


Nach einem Geschichtsstudium in London und Florenz ist Majstorovic, heute 34 Jahre alt, zurück in Köln – und sieht, diesmal am Bildschirm, wie wieder Wissen verschwindet. Zum Beispiel, weil es nicht ins Weltbild von Donald Trump passt und der US-Präsident dessen Löschung verfügt. Seit seiner Amtseinführung im Januar ist das bereits tausendfach geschehen. Die Trumpisten löschen nicht einfach ein paar Zahlenreihen von den Servern. Sie wollen die Geschichte umschreiben und die Gegenwart zurechtbiegen, egal, ob es dabei um den Klimawandel, das Erbe der Sklaverei oder die Liebe geht. "Es wird eine neue Version der Wahrheit geschaffen, und ich denke, das ist die tiefgreifendste Gefahr, der wir als Land jemals ausgesetzt waren", sagt der emeritierte Verfassungsrechtler Laurence H. Tribe aus Harvard in der New York Times.

Majstorovic will das nicht hinnehmen und rettet nun in seiner Freizeit Daten. "Je mehr Wissen verfügbar und zugänglich ist, desto gesünder ist eine Gesellschaft", sagt er. Er ist überzeugt: "In 200 Jahren wird irgendjemand diese Informationen suchen. Ich kann es nicht verantworten, die Daten nicht zu retten." Von einem Co-Working-Space im Westen Kölns aus stellt sich Majstorovic also gegen den vielleicht mächtigsten Mann der Welt – zusammen mit etwa 800 Aktivisten, die sich im Data Rescue Project zusammengeschlossen haben. Die meisten leben in den USA, viele arbeiten an einer Universität, andere machen das rein privat. Majstorovic verdient sein Geld bei einem Forschungsinstitut für künstliche Intelligenz, die Datenrettung betreibt er nebenher. In einem Chatsystem sammeln die Freiwilligen Hinweise auf Datensätze, die gelöscht zu werden drohen. Ein paar Beispiele, was bisher geschah:

Die Nationale Ozean- und Atmosphärenbehörde (NOAA) schreibt eine Datenbank zu den Schäden durch Naturkatastrophen wie Tornados und Waldbrände nicht fort. Solche Katastrophen treten durch den Klimawandel häufiger und heftiger auf.

Die Nasa soll zwei Satelliten außer Betrieb nehmen, die die CO₂-Konzentration in der Atmosphäre messen.


Das Pentagon löschte Tausende Fotos von seinen Webseiten, darunter das Porträt eines schwarzen Veteranen aus dem Zweiten Weltkrieg, der mit der Medal of Honor ausgezeichnet wurde. Auch das Bild des Flugzeugs, das die Atombombe auf Hiroshima warf, wurde getilgt. Der Pilot hatte der Maschine den Namen seiner Mutter gegeben, Enola Gay – da "gay" auch schwul heißt, fiel das Bild offenbar einem Filter für LGBT-Begriffe zum Opfer.

Die Gesundheitsbehörde CDC löschte unter anderem Befragungsdaten zu Long Covid.


"Wo ist die Gefahr am größten?"

Mit Auflösung der Entwicklungshilfebehörde USAID verschwand unter anderem ein weltweit führendes Frühwarnsystem für Hungersnöte aus dem Netz.

Einige der Daten gingen nach einer gewissen Zeit ganz oder teilweise wieder online, oft weil Gerichte die Regierung dazu verpflichteten. Teils waren sie aber verändert worden. Das Wort "gender" etwa, das den Geschlechtsbegriff sozial fasst, wurde durch das biologisch definierte "sex" ersetzt.


Info: 
https://www.zeit.de/2025/37/datenloeschung-usa-archivierung-wissenschaft-datenrettung/komplettansicht


unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

29.08.2025

Russische Besatzung in Berdjansk: Wehe, wenn sie falsch "Danke" sagen

zeit.de, Aus der ZEIT Nr. 37/2025 Aktualisiert am 30. August 2025, 9:08 Uhr, Von , , und 128 Kommentare

Der Krankenwagen nimmt nur noch Patienten mit russischem Pass mit. Im Supermarkt werden Chats auf dem Smartphone kontrolliert. Kinder müssen für Putins Soldaten beten. Stimmen aus der besetzten Stadt Berdjansk.


Wehe, wenn sie falsch "Danke" sagen – Seite 1

Dieser Artikel ist Teil von ZEIT am Wochenende, Ausgabe 35/2025. 

Es dringen nicht viele Nachrichten nach draußen, die vom Leben in der besetzten Stadt erzählen. Seitdem russische Soldaten Ende Februar 2022 in Berdjansk einmarschierten, hat sich die Stadt am Meer verschlossen wie eine Muschel. Manchmal, durch einen kleinen Schlitz, kann man einen Blick ins Innere der Muschel werfen.

Den Pädagogik-Professor Ihor Bohdanow, 58, erreichen Neuigkeiten aus seiner Heimatstadt Berdjansk in der 175 Kilometer entfernten ukrainischen Großstadt Saporischschja, wohin er geflohen ist. Er erzählt: "Mein Nachbar hat mich angerufen. Er sagte, dass sie die Tür zu meiner Wohnung aufgebrochen und alles mitgenommen haben, was sie wollten. Dann haben sie die Tür verschweißt. Sechs Monate später das Gleiche noch mal."

Tetjana Tipakowa, Aktivistin und Leiterin einer Hilfsorganisation, Anfang 50, die heute ebenfalls in Saporischschja lebt und noch mit vielen Menschen in Berdjansk vernetzt ist, sagt: "Die Frauen werden mit Strom gefoltert, alle hören die gleichen Sätze: dass es keine unabhängige Ukraine mehr gibt, dass sie Huren sind, die keine Kinder gebären sollen."

Sofija Tymoschenko*, 40, die von Tallinn aus Kontakt zu ihren Freunden und Verwandten in Berdjansk hält, weiß: "Im Supermarkt kann es passieren, dass auf einmal der Eingang zugesperrt wird und es heißt: Alle Telefone her! Deshalb löschen die Leute meine Telegram-Nachrichten auf ihren Handys immer sofort. Hauptsache, da steht nichts auf Ukrainisch."


Die krebskranke Iryna Kowaltschuk*, eine Frau in ihren Vierzigern, die nach Kyjiw floh, erinnert sich: "Durch die dünnen Wände konnte ich hören, wie mein Nachbar am Telefon Informationen an die Besatzer weitergab. Er sagte Dinge wie: 'Da steht eine Bank, auf der liegt ein seltsames Päckchen, gehen Sie mal hin und sehen nach', oder: 'In die Wohnung ist jemand neu eingezogen, wir müssen ihn überprüfen.'"


Und dann gibt es Antonina Bojko*, die noch drin ist, in der Muschel. Eine verheiratete Frau mittleren Alters, die sich traut, mit der ZEIT zu telefonieren und zu beschreiben, was sich in Berdjansk tut. Ihre Identität darf niemand erfahren, für sie eine Überlebensfrage. Sie sagt: "Es werden Leute verhaftet, die sich entweder unvorsichtig verhalten oder irgendwo einen Kommentar geschrieben haben. Manche haben auch etwas gelikt. Das reicht schon aus."

Berdjansk ist ein Kurort am Asowschen Meer, 70 Kilometer entfernt von Mariupol. Eine Stadt, die vor dem Krieg gut 110.000 Einwohner hatte. Bis 2014 konnte man mit dem Nachtzug von Moskau direkt hierherfahren. Jedes Jahr kamen Hunderttausende Menschen, um mit Schlammbädern ihre schmerzenden Gelenke zu behandeln, das Seeklima ist gut für die Atemwege.

Kurgäste, Urlauber und Einheimische bevölkerten die Strände, sie gingen ins Restaurant Katran, das ein nach Hausrezept gebrautes Bier ausschenkte, oder ins Village, das es in eine populäre Fernsehsendung schaffte. Es gab ein Delfinarium und einen Aquapark mit Wasserrutschen. An der Hafenpromenade: ein "Stuhl der Wünsche", auf den man sich setzte, um sich etwas herbeizuträumen.


Die Promenade des Kurortes Berdjansk im Frühling. © Alexander Polegenko/​TASS/​Imago


Das Katran, das Village und viele andere Restaurants gibt es nicht mehr, die Inhaber wurden enteignet. Die Hälfte der Berdjansker Geschäfte sind geschlossen, genau wie das Delfinarium.

Seit Kriegsbeginn sind geschätzt 60 Prozent der ursprünglichen Bevölkerung aus Berdjansk geflohen. Es gibt auch Neubürger in der Stadt, aber längst nicht so viele: russische Soldaten aus dem Nordkaukasus vor allem, aber auch ukrainische Flüchtlinge aus Mariupol und anderen umkämpften Gebieten. Das berichtet Oleksandr Pylypenko, 42, einer der Macher der Online-Plattform Lokator Media. Pylypenko ist Lokaljournalist, er schreibt weiterhin über, aber nicht mehr aus Berdjansk. Seine Redaktion sitzt inzwischen in Uschhorod, 1.050 Kilometer von ihrem Berichterstattungsgebiet entfernt, im freien Teil der Ukraine.


Der Pädagogik-Professor und Hochschulleiter Ihor Bohdanow © Patryk Jaracz für DIE ZEIT


Berdjansk gibt es jetzt zweimal. Einmal das reale Berdjansk, wo die Besatzer das Sagen haben, und dann ein virtuelles, über die Ukraine und halb Europa versprengtes Berdjansk, das Exil-Berdjansk. Es besteht aus Exil-Lokalredaktionen wie der von Lokator Media; aus einer Exil-Universität in Saporischschja, wo der Rektor, Professor Ihor Bohdanow, mit Mitstreitern den Betrieb aufrechterhält; aus Gerichten, in Saporischschja und anderswo, die über Kollaborateure aus Berdjansk urteilen – meist in deren Abwesenheit.

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Es gibt Menschen, die ihr Zuhause zurückgelassen haben, wie die krebskranke Iryna Kowaltschuk, die in Berdjansk keine Chemotherapie bekommen hätte, weil sie um nichts in der Welt die russische Staatsangehörigkeit annehmen wollte. Es gibt die Aktivistin Tetjana Tipakowa, die im besetzten Berdjansk Folter und eine versuchte Vergewaltigung überlebte und nun anderen Frauen hilft. Und es gibt die Unternehmerin Sofija Tymoschenko, die im fernen Tallinn fast täglich Hilferufe ihres kranken Schwiegervaters erhält, der sich in Berdjansk alleine kaum noch versorgen kann.

All diese Leute bekommen Nachrichten aus dem Inneren der Muschel, meist über den Messenger-Dienst Telegram, gesendet von Bekannten, Freunden, Verwandten und Kollegen. Deren Schilderungen haben sie mit der ZEIT geteilt. Sie fügen sich zusammen zu einem Bild dessen, was die russische Besatzung für den Alltag in Berdjansk bedeutet.

Enteignungen und Willkür auf den Straßen

Wenn Wladimir Putin und Donald Trump über "Gebietsabtretungen" der Ukraine an Russland sprechen, dann klingt das, als würde man einen Notar beauftragen, den Hauskauf zu begleiten. Aber was beinhaltet dieses Wort? Was für ein Leben führen die Menschen in den besetzten Gebieten, die womöglich abgetreten werden sollen? Gebiete, in denen sich kein unabhängiger Journalist frei bewegen kann.

Um keine Rückschlüsse auf die Identität der Menschen zu ermöglichen, die sich noch in Berdjansk befinden, sind die Namen mehrerer Gesprächspartner in diesem Text geändert, genau wie einige biografische Details. Alle Informationen wurden von mindestens zwei Quellen bestätigt oder durch eine zweite Schilderung untermauert.

Auf der Straße

Antonina Bojko, die noch immer in Berdjansk lebt, sagt: "Überall in der Stadt wehen russische Fahnen. Im Radio, das im Bus läuft, im Café, im Einkaufszentrum – an allen möglichen Orten wird russische Popmusik gespielt. Oft sind es propagandistische Lieder."

Iryna Kowaltschuk, die Berdjansk vor etwa einem Jahr verlassen hat, erzählt: "Wenn ich mit den Kindern zum Markt ging, waren da Männer mit Maschinengewehren unterwegs. Meine Tochter klammerte sich an mich. Ich sah diese Männer nie an. Anfangs bekam ich in ihrer Nähe immer Gänsehaut, aber irgendwann gewöhnt man sich an sie."

Herrenlose Häuser, geschlossene Geschäfte, vernagelte Fenster und Türen – Berdjansk ist eine Stadt, aus der das Leben gewichen ist. Auf der Straße: viele Menschen in Uniform. Manche sind vermummt.

Iryna Kowaltschuk: "Sie trugen Sturmhauben und schwarze Kleidung, ohne irgendwelche Abzeichen. Man sah nur ihre Augen."

Auf Fotos aus Berdjansk, die auf Social-Media-Seiten kursieren, sehen die Vermummten aus wie Avatare in einem martialischen Computerspiel. Sofija Tymoschenko sagt, ihre Freunde und Nachbarn schrieben oft von "Kaukasiern", die jetzt in Berdjansk unterwegs seien. Damit sind Soldaten aus Tschetschenien, Dagestan und Nordossetien gemeint, aber auch Zivilisten, die in die Stadt gekommen sind und keine Uniform brauchen, um ihren Willen zu erzwingen. Die zum Beispiel zu einem Hotelbesitzer sagen: Ich gebe dir 2.000 Dollar für dein Hotel. Wenn du es mir nicht verkaufst, nehme ich es mir trotzdem. Ich bin jetzt hier der Chef.

Die Neuordnung hat Kriminelle angezogen, Glücksritter, Leute, die sich nehmen, was sie wollen: Ein Geschäft. Die Vorfahrt. Eine Frau.

Anna Lytwyn* ist Sozialarbeiterin und wohnt heute weit weg von ihrer Heimat, in einer Kleinstadt nahe Uschhorod. Ihre Eltern erzählen ihr vom Leben in Berdjansk. Sie sagt: "Die Menschen haben sich mit der Gewalt abgefunden. Es wird einem das Auto weggenommen. Man wird angehalten und in den Keller unter der Polizeiwache verschleppt. Es ist die reine Willkür."

Ihor Bohdanow, der Hochschulrektor, sagt: "Den Computertechniker unserer Universität haben sie auf offener Straße festgenommen. Wahrscheinlich, weil sein Sohn einer der Verteidiger von Mariupol war. Sechs Monate lang war er in einem Gefängnis in Berdjansk, das in eine Folterkammer umgewandelt worden war."

Antonina Bojko: "Die Leute haben zwei Telefone. Eines tragen sie gut sichtbar bei sich. Die gespeicherten Kontakte sollten russisch sein. Kontakte von Verwandten in der Ukraine hat man besser auf einem anderen Handy, das man irgendwo versteckt."

Einige Cafés und Restaurants wurden inzwischen wiedereröffnet. Sie haben jetzt neue Besitzer. Regelmäßig veröffentlichen die Berdjansker Behörden Listen von Immobilien, die enteignet und in russischen Besitz überführt werden sollen. In der aktuellen Liste vom 20. August finden sich:

Eine Niederlassung des Bauunternehmens "Stroy City", Adresse: Ulitsa Zentralnaja 102.

Eine Autowerkstatt in der Straße Wojennyj Gorodok 14.

Das Erholungszentrum "Yalita", ein Familienhotel an der Berdjansker Nehrung, Makarowa-Straße 7B.

Eine ehemalige Kunstgalerie am Prospekt Pobedy 13.

Das Gartencenter "Twoj sad" in der Ulitsa Jaroslawa Mudrogo 2C.

Nach und nach wird Berdjansk von einer ukrainischen Stadt zu einer russischen.

Antonina Bojko: "Ich erlaube es mir, in der Stadt herumzulaufen und Ukrainisch zu sprechen. Sagt man in einem Geschäft 'Danke' auf Ukrainisch, kann das ein Test sein, um zu sehen, wie die Leute reagieren. Manche schauen aggressiv. Andere wirken glücklich. Man versteht mit diesem kleinen Test sofort, wo dieser Mensch steht. Aber meistens versuchen die Leute, auf Russisch zu kommunizieren, um keine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen."

Sofija Tymoschenko erzählt eine Geschichte, die unter ihren Berdjansker Bekannten kursiert: Eine Frau kommt zum Metzger und will ein Stück Hühnerfleisch kaufen. Das Stück, das der Metzger ihr einpacken will, gefällt ihr nicht. Sie bittet um ein anderes. Der Metzger weigert sich. Als sie ihn noch einmal bittet, diesmal auf Ukrainisch, wird er plötzlich ganz freundlich. 'Ah, Sie sind eine von uns!', antwortet er. Sie bekommt das schönste Stück Fleisch.

Am Meer

In der Bucht vor Berdjansk lebt der Bytschok, ein Fisch, so groß wie ein junger Hering. Während der Hungersnot, die der sowjetische Diktator Josef Stalin in den Dreißigerjahren über die Ukraine brachte, fingen die Bewohner von Berdjansk den Bytschok im seichten Wasser mit bloßen Händen. So entgingen sie dem Tod. An der Uferpromenade ruht heute ein freundlich blickender bronzener Bytschok mit geschwungener Schwanzflosse auf einem Sockel. Die Seitenflossen streckt er wie Ärmchen aus, als würde er winken.

Sommer in Berdjansk. Zum ersten Mal seit der Invasion ist wieder der Lunapark aufgebaut, in den sozialen Medien kursieren Videos: ein Vergnügungspark mit Riesenrad, Karussell und Autoscooter, aber wenigen Besuchern. Am zentralen Strand haben die Besatzer "Schwimmen verboten"-Schilder aufgestellt.

Antonina Bojko sagt: "Am Meer spazieren zu gehen, hilft einem, sich abzulenken. Im Sommer ist ab 23 Uhr Ausgangssperre, im Winter ab 22 Uhr. Trotzdem leert sich die Stadt schon viel früher. Spätestens nach 20 Uhr sind nur noch die sogenannten Befreier draußen unterwegs. Und die Kollaborateure."

Bist du noch Ukrainerin?

Das Riesenrad im Lunapark steht still. Von oben hätte man einen guten Überblick über die Militäranlagen am Hafen, man könnte die Luftabwehr ausspionieren.

Sofija Tymoschenko sagt: "Eine Freundin hat ein Hotel am Wasser. Es war lange geschlossen, jetzt hat sie es wieder geöffnet. Sie muss ja irgendwie Geld verdienen. Es kommen vor allem Gäste aus den besetzten Gebieten. Wenn sich größere Gruppen anmelden, sagt sie einfach, dass sie nichts mehr frei hat. Sie hat Angst vor Leuten, die randalieren. Ich frage mich, wer da noch Urlaub machen will."

Im Juni 2023 sprengte Russland den 260 Kilometer von Berdjansk entfernten Kachowka-Staudamm. Der Stausee lief aus. Noch heute ist in der Südukraine das Wasser knapp. In Teilen von Berdjansk gibt es nur für ein paar Stunden am Tag Wasser.

Das Einhalten der Sperrstunde wird von Einheiten der russischen Nationalgarde Rosgwardija kontrolliert, die zusammen mit dem Geheimdienst FSB Razzien durchführt.

Antonina Bojko sagt: "Die Rosgwardija-Leute leben direkt in der Stadt – in Wohnungen, Häusern, auf Militärbasen. Sie sind ständig präsent."

Sofija Tymoschenko sagt: "Ein junges Paar, das bei meiner Freundin zu Gast war, lief spät draußen herum. Die sind noch gerannt, um rechtzeitig zum Hotel zu kommen, aber sie haben es nicht geschafft. Eine Patrouille hat sie festgenommen."


Gedenkfeier für einen getöteten Kollaborateur © Berdjansk 24


Im Netz

Der Telegram-Kanal "Smersch Berdjansk" ist nach dem sowjetischen Geheimdienst aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs benannt, dessen Hauptaufgabe das Auffinden und Bekämpfen von Spionen, Verrätern und Deserteuren war. Smersch Berdjansk stellt Menschen an den Pranger, die weiterhin zur Ukraine halten.

Über eine gewisse Olha, die Smersch Berdjansk mit vollem Namen, Adresse und Telefonnummer nennt, heißt es: "Sie ist erkrankt an schwerer Hirn-Ukraineritis. Hasst Russland und betet für die ukrainischen Streitkräfte."

Über eine Marina, mit Angabe von Geburtsdatum und Facebook-Adresse: "Eine weitere Russophobin, äußert aktiv ihre proukrainische Position im Netz. Zu Ukraine-Zeiten hat sie im Kindergarten gearbeitet. Wer Informationen über Marina oder ähnliche Personen hat, kann uns über den Feedback-Bot anschreiben."

Über eine rothaarige Hanna: "Gesucht wird ein verlorener rostiger Kochtopf. Ruft in sozialen Netzwerken zur Zerstörung von allem auf, was russisch ist. Betrachtet Berdjansk als Teil der Ukraine." Dazu ihr Geburtsdatum und ihre Social-Media-Profile.

Russisch werden

Das russische Berdjansk soll russische Einwohner haben. Also sollen alle Ukrainer, die noch da sind, Russen werden. Der russische Pass ist dabei ein Angebot, das man nicht ablehnen kann.

Um am Bankautomaten Geld abzuheben, benötigt man ein russisches Konto. Das kann nur eröffnen, wer einen russischen Pass hat.

Ruft man einen Krankenwagen, nimmt der einen nur mit, wenn man einen russischen Pass hat.

Um ein Auto anzumelden, braucht man einen russischen Pass.

Natalja Kriworutschko, Journalistin bei Lokator Media, sagt: "Absolut alle haben einen russischen Pass. Du kannst dort nicht leben ohne ihn. Du hast keine andere Wahl."

Nur mit einem russischen Pass kann man sein Eigentum bei den neuen Machthabern registrieren. Ist die Immobilie – ein Geschäft, eine Wohnung – nicht registriert, kann sie jederzeit beschlagnahmt werden.

Tetjana Tipakowa, die Aktivistin: "Eine Nachbarin erzählte mir, dass sie gesehen hat, wie in der Wohnung ihrer Tochter ein Soldat auf dem Balkon stand. Er trug den Bademantel der Tochter, rauchte und sagte: 'Ich werde hier wohnen.'"

In einem Café in Tallinn scrollt Sofija Tymoschenko auf dem Handy durch Bilder ihrer Berdjansker Wohnung. 15 Jahre lang hat sie die Schulden für die Wohnung abbezahlt, hat renoviert, dann rollten die russischen Panzerfahrzeuge ein. Sie wischt durch die Fotos und stoppt bei einem Bild vom Neujahrstag 2022, zwei Monate vor der Invasion. Ein Weihnachtsbaum, eine Sofalandschaft, LED-Leuchtpunkte, die wie Tropfen einen Vorhang hinunterwandern. Das Jugendzimmer der Tochter mit gestepptem Polsterbett.

In der Wohnung schläft jetzt jeden zweiten Tag der Schwiegervater, der in Berdjansk geblieben ist. Er wechselt zwischen seiner eigenen Wohnung und der von Sofija Tymoschenko. Er muss in den Räumen Leben vortäuschen, damit niemand auf die Idee kommt, die Wohnung zu beschlagnahmen. Einmal ist schon eingebrochen worden.

Sofija Tymoschenko zeigt noch mehr Fotos: ein verbogenes Türschloss, aufgerissene Schubladen, auf dem Fußboden verstreute Papiere.

Sie erzählt: "In unserem Haus gibt es zwanzig Wohnungen. In dreien wohnen jetzt Soldaten. Wenn irgendwo eine Weile lang keiner auftaucht, nehmen sie die Wohnung in Beschlag."

Rückkehr ausgeschlossen

Jeden Tag bekommt sie Nachrichten von ihren alten Nachbarn.

"Wie konntet Ihr den Schwiegervater alleine lassen?"

"Er kann die Treppe nicht mehr laufen."

"Jetzt braucht er einen Stock."

Der Schwiegervater schreibt: "Ich war draußen und bin gestürzt. Vielleicht habe ich mir den Fuß gebrochen."

Als Sofija Tymoschenko mit Mann, Tochter und Hund Berdjansk verließ, war der Schwiegervater schwerhörig. Jetzt ist er taub. Zum Glück hat er gelernt, Telegram zu benutzen.

Der Schwiegervater schreibt:

"Ich komme nicht zurecht."

"Kommt zurück."

"Ich habe für Euch gespart."

Sofija Tymoschenko hat oft versucht, ihn zu überzeugen, zu ihnen nach Tallinn zu ziehen. Er will nicht. Sie sagt: "Die Alten können sich kein neues Leben mehr aufbauen. Also bleiben sie."

Es kam der Tag, an dem Sofija Tymoschenko entschied, zurückzufahren nach Berdjansk. Der Plan war, ihre Wohnung registrieren zu lassen, damit sie nicht beschlagnahmt wird. Dafür muss man persönlich erscheinen. Sofija Tymoschenko kennt ein paar Leute, denen das gelungen ist. Sie nahmen für die Einreise die russische Staatsangehörigkeit an. Ihre Hoffnung: Wenn sie erst dort wäre, ließe sich der Schwiegervater vielleicht doch noch überzeugen.

Es gibt nur noch einen Weg nach Berdjansk: über Moskau. Am Flughafen durchlaufen Ukrainer, die in die besetzten Gebiete wollen, die sogenannte Filtrierung. Fotos, Fingerabdrücke, Befragung, Durchsuchung der elektronischen Geräte, der Social-Media-Accounts. Entscheidung über Einreise und Einbürgerung.

Sofija Tymoschenko erzählt: "Ich war vorbereitet. Ich hatte ein sauberes Handy, aber ich denke, dass es doch irgendwie mit meinen anderen Geräten verknüpft war. Nach drei Stunden sagten sie: 'Sie sind unerwünscht.' Sie haben noch eine DNA-Probe von mir genommen. Ich bekam ein Einreiseverbot für zwanzig Jahre."

Die Frist für die Legalisierung von Sofija Tymoschenkos Wohnung läuft am 1. Januar 2028 ab. Spätestens dann wird sie konfisziert. Wenn sich die Regeln bis dahin nicht ändern. Denn auch das gehört zum System der Besatzung: Die Regeln ändern sich ständig. Nie weiß man, woran man ist.

An der Universität

Eigentlich leitet der Professor Ihor Bohdanow die Staatliche Pädagogische Universität in Berdjansk. Sie residiert in einem Backsteingebäude mit Rundbogenfenstern und Türmchen, das aussieht wie ein Märchenschloss. Dort hatte Bohdanow ein Büro, von dem aus man aufs Meer schauen kann.

In Saporischschja aber gibt es kein Meer, und die Nationale Universität, wo er zu Gast ist, befindet sich in einem beigen Betonkasten. Zusammen mit seinen Lehrkräften, die mit ihm geflohen sind, erhält Ihor Bohdanow von hier aus die Lehre aufrecht. Alles findet online statt. Die Exil-Hochschule hat heute 4.000 Studentinnen und Studenten, verteilt über die ganze Ukraine.

Auch in Berdjansk läuft der Betrieb weiter, mit etwa 1.000 Studierenden, schätzt Bohdanow, die in der Stadt verblieben sind. Die Hochschule heißt jetzt "Pädagogische Universität Asow". Bohdanow nennt sie nur "Quasi-Universität".

Die Universität Asow hat einen eigenen Telegram-Kanal. Er heißt "Studentisches Berdjansk". Ihor Bohdanow: "Ständig zeigen sie, wie sie die russische Flagge hissen und die Hymne singen. Auf den Fotos sieht man aber nie, wie sie unterrichten."

Etwa ein halbes Jahr nach der Invasion, Bohdanow hatte die Stadt schon verlassen, meldete sich einer seiner ehemaligen Studenten bei ihm, sein erster Doktorand, der in Berdjansk geblieben war. "Der erste Doktorand ist für einen Professor wie ein eigenes Kind. Meiner hieß Yura. Er rief mich an, um mir anzukündigen, dass er an der Quasi-Universität lehren wird: Physik und Elektrotechnik. Er wollte es mir selbst sagen. Ich fragte ihn, was er machen wird, wenn Berdjansk wieder unter ukrainischer Kontrolle ist. Er sagte: Die Russen werden Berdjansk nie aufgeben."

Eine neue Elite hat übernommen

Die kranke Iryna Kowaltschuk, die heute mit ihren Kindern in der Nähe von Kyjiw lebt, hat auch einmal an der Pädagogischen Universität in Berdjansk gearbeitet, noch vor dem Krieg. "Die Besatzer riefen mich an und sagten: Kommen Sie zu uns. Ich redete mich raus: Ich habe Kinder, ich kann nicht."

Anstatt das Angebot anzunehmen, fing Iryna Kowaltschuk an, von ihrer Berdjansker Wohnung aus Online-Seminare für die Exil-Universität zu geben. Sie glaubt, dass die Nachbarn hörten, wie sie bei ihrem Unterricht Ukrainisch sprach, und dass ihre Wohnung deshalb durchsucht wurde.

Iryna Kowaltschuk sagt: "An der Uni fanden die Besatzer unsere Personalakten. Einige unserer Dozenten wurden zum Verhör vorgeladen. Man zwang sie, Videos aufzunehmen, in denen sie sagten, dass sie die russische Politik und Kultur unterstützten."

Von Saporischschja aus verfolgte Ihor Bohdanow, wie es in seinem Märchenschloss in Berdjansk weiterging. "Zwei Wissenschaftlerinnen bekamen großartige Beförderungen. Die eine ist eine ehemalige Doktorandin, deren Vertrag ich ein paar Jahre zuvor nicht verlängert hatte, weil sie nicht geforscht und nichts publiziert hatte. Jetzt ist sie die Prorektorin für wissenschaftliche Arbeit. Die zweite war stellvertretende Dekanin. Sie wurde zur Rektorin ernannt, sie hat jetzt meinen Posten. Es geht um Geld und Einfluss, anders kann ich mir das nicht erklären."

Iryna Kowaltschuk erzählt: "Ich war wirklich überrascht. Diese Frau hatte immer ukrainische Lieder gesungen und ukrainische Tänze getanzt – und plötzlich haben die Besatzer sie als Rektorin eingesetzt. Es geht mir nicht in den Kopf."

Die neue Rektorin erscheint oft auf dem Telegram-Kanal der Universität. In einem Video erzählt sie von einer Konferenz, bei der es auch um die "Geschichte Neurusslands" gehen soll. "Neurussland" ist Kreml-Sprache. Gemeint sind die Ost- und die Südukraine, die angeblich historisch zu Russland gehören.

Wie an der Universität ist es überall in der Stadt. Eine neue Elite hat übernommen.

Antonina Bojko sagt: "Für jeden Schurken war die Besatzung eine unglaubliche Chance, eine Karriere aufzubauen. Ein Hausmeister kann auf einmal zum Schuldirektor, Bürgermeister oder Geschäftsführer werden. Und umgekehrt sind Leute mit zwei oder drei Hochschulabschlüssen gezwungen, als Verkäufer zu arbeiten." Das Standesamt von Berdjansk wird heute von einer Frau geleitet, die früher eine Putzhilfe war.

Oleksandr Pylypenko, der Journalist von Lokator Media, sagt: "Die Einzigen, die von der Besatzung profitieren, sind die Mitglieder dieser neuen Elite der Gescheiterten. Sie verdienen mehr, sie kleiden sich besser als zuvor, sie machen Urlaub auf der Krim."

Wie sprechen? Mit wem?

Für alle Gegner der Besatzer, die in Berdjansk geblieben sind, hat sich der Radius verengt. Mit wem können sie reden? In welcher Sprache? Wem können sie trauen?

Antonina Bojko sagt: "Alle haben Angst davor, etwas Falsches zu sagen. Deshalb ist der Kreis der Menschen, mit denen man spricht, auf den engsten Familienkreis oder zwei, drei wirklich vertrauenswürdige Freunde geschrumpft. Die meisten Menschen gehen nach der Arbeit direkt nach Hause. Es gibt nicht mehr diese Treffen wie früher – irgendwo im Café, am Strand oder auf dem Boulevard."


Die Hände von Anna Lytwyn mit Scherben vom Strand in Berdjansk © Patryk Jaracz für DIE ZEIT


Anna Lytwyn, die Sozialarbeiterin, deren Familie noch in Berdjansk lebt, sagt: "Mein Opa ist dement und pflegebedürftig. Aber es gibt keine qualifizierten Ärzte, denen meine Eltern vertrauen könnten. Wer weiß, was mein Opa über uns ausplaudert. Sie können deshalb auch keine Pflegerin anheuern. Draußen herrscht Okkupation, drinnen Demenz. Für mich ist es ein furchtbarer Konflikt. Ich will, dass meine Eltern fliehen. Aber erst müsste mein Opa sterben."

Iryna Kowaltschuk sagt: "Sie kommen, wenn du nicht zu Hause bist. Du kommst zurück in deine Wohnung, und es ist ein einziges Chaos. Bei mir haben sie Laptops und Handys mitgenommen. Auch Geld ist verschwunden, das ich mir für die Flucht zurückgelegt hatte. Ich glaube, sie haben die Tür mit einem Schlüssel geöffnet, den die Nachbarn ihnen gegeben haben. Bei manchen anderen Wohnungen haben sie die Türen mit elektrischen Sägen aufgeschnitten."

Im Kindergarten und in der Schule

Für die Besatzungsmacht ist es besonders wichtig, die jüngsten Staatsbürger auf sich einzuschwören. Sie sollen in Zukunft das System stützen.

Sofija Tymoschenko erzählt: "Eltern dürfen den Kindergarten nicht mehr betreten. Sie müssen ihre Kinder an der Tür bei einem Soldaten abgeben, und dort holen sie sie auch wieder ab. Im Kindergarten müssen die Kinder dafür beten, dass die russischen Soldaten ihre Heimat schützen. Und sie müssen Postkarten für Soldaten bemalen. Das hat mir die Patentante meiner Tochter erzählt. Ihr Kind geht in Berdjansk in den Kindergarten. Dass sie es bei Soldaten abgeben muss, findet sie nicht schlimm. Sie sagt, es ist richtig, dass die Soldaten aufpassen. Sie müssen den Kindergarten doch vor Terroristen schützen."

Fast jede Schule hat jetzt einen Fahnenmast. Mindestens einmal die Woche stellen sich die Schüler im Pausenhof auf, die russische Fahne wird gehisst, und die Kinder singen die Nationalhymne. Es gibt Gedenkveranstaltungen für die "Helden der militärischen Spezialoperation". Die Kinder lernen Kriegsspiele aus der Sowjetzeit, die sich "Sarnitsa" nennen, "Wetterleuchten". Manchmal werden Frontkämpfer eingeladen, die von Krieg und Heldentaten erzählen.

Tetjana Tipakowa, die Aktivistin, sagt: "Die Kinder beginnen den Tag mit politischer Indoktrination, und ab der fünften Klasse erlernen sie den Umgang mit Waffen."


Tetjana Tipakowa, die vom russischen Geheimdienst gefoltert wurde © Patryk Jaracz für DIE ZEIT


Im Gefängnis

Tetjana Tipakowa hat einige der schrecklichsten Geschichten aus Berdjansk zu erzählen. Sie wurde acht Tage und sieben Nächte vom russischen Geheimdienst FSB festgehalten. Das war ganz zu Beginn der Invasion. Tipakowa wurde mit Strom gefoltert und geschlagen, Vergewaltigungsversuche konnte sie abwehren. Sie entkam und leitet heute eine Hilfsorganisation für Menschen aus Berdjansk. Immer wieder melden sich vergewaltigte Frauen bei ihr.

In einem grell beleuchteten Raum in Saporischschja sitzt sie zwischen Säcken voller Buchweizen, Behältern mit Seife und Windelpaketen. Alles Hilfsgüter, die sie an Geflüchtete aus Berdjansk verteilen will. Sie erzählt von der Jüngsten, die mit ihr über ihre Vergewaltigung gesprochen hat, das Mädchen war 16. Und von der Ältesten, sie war 76.

"Ich denke, die Vergewaltigungen sind zu 70 Prozent ein Mittel, um Menschen körperlich und geistig zu brechen, und zu 30 Prozent ein sexueller Impuls. Die russischen Soldaten, die nach Berdjansk kommen, waren oft monatelang im Feld. In ihnen erwacht dann ein animalischer Instinkt. Aber es ist nicht chaotisch, es hat Methode."

Sie selbst wurde in der 77. Strafkolonie gequält, eigentlich ein Männergefängnis. Auch in einem alten Polizeigebäude wird gefoltert.

Tetjana Tipakowa erzählt: "Einer der Russen holte dieses Gerät, mit dem er mich folterte. Er öffnete die Schachtel so vorsichtig und liebevoll, wie man ein Kosmetiktäschchen öffnet. Darin waren Stromkabel und Krokodilklemmen."

Bei Gericht

Ein Bezirksgericht in Saporischschja. Anwesend sind: Richterin, Staatsanwalt, Verteidiger. Nicht erschienen: der Angeklagte Pawlo Kartamyschew. Er soll in Berdjansk für die Besatzungspolizei arbeiten. Als Zeugin wird die Tante des Angeklagten gehört.

Richterin: "Welche Stelle hatte Ihr Neffe vor dem Krieg?"

Zeugin: "Er arbeitete eine Zeit lang als Bezirkspolizist in Berdjansk, dann wurde er entlassen. Den Grund kenne ich nicht. Danach arbeitete er bei der Elektronikkette Eldorado. Und als die Besatzer kamen, kollaborierte er."

Richterin: "Woher wissen Sie das?"

Zeugin: "Wir haben in Berdjansk auf dem Markt Blumen verkauft. Eines Tages haben wir Pawlo gesehen. Er war mit den Besatzern unterwegs. Er zeigte ihnen etwas und sprach mit ihnen. Was genau, habe ich nicht gehört."

Richterin: "Woran erkannten Sie, dass es Besatzer waren?"

Zeugin: "Sie waren in Militäruniform. In russischer Uniform."

Für die Geschichtsbücher und für die Gerichte

Die Zeugin erzählt weiter: dass Pawlos Mutter unbedingt wollte, dass er zur Polizei geht, bevor die guten Stellen weg sind. Dass sie hörte, Pawlo habe nach einiger Zeit bei der Polizei seine Frau und seinen Sohn in eine andere Wohnung gebracht. Zu der Zeit begann man in Berdjansk Kollaborateure zu jagen. Und Pawlo hatte Angst.

Der Verteidiger befragt die Zeugin, ob sie sich Ausweise der russischen Militärs zeigen ließ, in deren Begleitung sie ihren Neffen sah. Es wird der Sohn der Zeugin gehört, der Cousin des Angeklagten, der aussagt, er habe Pawlo noch einmal in einem Dorf bei Berdjansk gesehen, in das er, der Zeuge, inzwischen umgezogen war.

Zeuge: "Sie kontrollierten, ob die Bewohner russische Pässe angenommen hatten und welche Häuser leer standen. Kurz darauf zogen Besatzer in die leeren Häuser. Nach ein bis eineinhalb Monaten auch in unser Haus."

Pawlo Kartamyschew wird wegen Kollaboration verurteilt. 13 Jahre Freiheitsstrafe, 15 Jahre Berufsverbot im Staatsdienst. Konfiskation allen Eigentums.

Verfahren wie diese gibt es viele. Sie sind eine Wette auf die Zukunft. Darauf, dass die Russen aus Berdjansk abziehen werden.

Dasselbe Gericht, das den Polizisten Pawlo Kartamyschew verurteilt, hat auch über die Rektorin der Universität Asow entschieden, ebenfalls in Abwesenheit. Sie wurde wegen Kollaboration zu neun Jahren Gefängnis verurteilt.

Ihor Bohdanow sagt: "Es geht bei diesen Prozessen nicht darum, dass die Täter tatsächlich inhaftiert werden. Es geht eher um die Haltung des Staates gegenüber Leuten, die ihn verraten haben."

Antonina Bojko: "Für uns sind Informationen über solche Gerichtsverfahren wie Luft zum Atmen. Manchmal entdecken wir ein bekanntes Gesicht und sagen: Oh, toll, dass der verurteilt wurde!"

In der Redaktion

Uschhorod im Dreiländereck zwischen Ungarn, der Slowakei und der Ukraine. Im zweiten Stock eines unauffälligen Bürokomplexes hat Lokator Media seinen Sitz. Die Redaktion hat alles neu angeschafft, was die Besatzer in ihren ursprünglichen Räumen in der Nähe von Berdjansk geplündert und zerstört hatten: Laptops, Kameras, Scheinwerfer.

Sie sind ein Team von fünf Journalisten, die versuchen, über eine Stadt zu berichten, die sie nicht mehr betreten können. Sie schreiben an gegen die russischen Propagandasender, die viele von morgens bis abends gucken. Gleich nach Beginn der Invasion besetzten die Russen den Fernsehturm. Später verteilten sie unter den Einwohnern kostenlose Satellitenschüsseln für den Empfang der Staatssender. Die Besatzer richteten auch eigene Telegram-Kanäle ein, zum Beispiel "Berdjansk morgen", ein Gegenprogramm zum ukrainischen "Berdjansk heute".

Lokator Media veröffentlicht seine Beiträge auf einer Website, auf Telegram und Facebook: Videos über Lokalpolitiker, Berichte über Korruption und Ärztemangel.

12. August 2025: Die Besatzer bauen die Gefängnisse aus.

16. August 2025: Die Russen haben die Ermittlungen gegen einen 40-jährigen Mann abgeschlossen, dem sie "terroristische Aktivitäten" vorwerfen.

22. August 2025: Die Besatzer haben eine 28-jährige Frau aus Berdjansk wegen antirussischer Äußerungen im Internet verhaftet.


Neben seiner eigentlichen journalistischen Arbeit hat Pylypenko eine Datenbank aufgebaut: "Die Feinde Saporischschjas". Es ist eine Liste von Kollaborateuren aus der Oblast Saporischschja, zu der Berdjansk gehört.

526 Personen zählt seine Liste. Alle stellt er mit Name und Bild vor. Er recherchiert ihre Funktion, sammelt Belege. Die Liste führen an: ein Matrose, der Leiter eines Krankenhauses, der Leiter der Verkehrspolizei von Berdjansk. Oleksandr Pylypenko hat seiner Liste auch schon Menschen hinzugefügt, die einmal seine Freunde waren.

Er sagt, er mache seine Arbeit für die Geschichtsbücher. Und für die Gerichte. Es gibt aber Menschen, denen das nicht schnell genug geht. Einige der Leute auf Pylypenkos Liste sind inzwischen getötet worden, mutmaßlich von Partisanen.

Anschläge von Partisanen gehören in Berdjansk seit dem Beginn der Besatzung zum Alltag. Offenbar sind Jugendliche ein wichtiger Teil des Widerstands – auch das ein Grund, warum die Besatzer sich so sehr um Kindergärten und Schulen kümmern.

In den sozialen Medien kursieren professionell arrangierte Videos, wie Trailer für eine Netflix- Serie. Ein maskierter Kapuzenmann, der einen Sprengsatz platziert. Ein roter Laserpunkt auf einer Brust. Das Logo der "Bewegung Widerstand" auf einer Hauswand. Dazu der Aufruf: "Wir sind in der Nähe. Wir sind überall. Wir werden eine passende Aufgabe für dich finden." Werbung für den Widerstand. Es ist nicht klar, wer die Partisanengruppen steuert.

Der Fall zweier Teenager, die mutmaßlich Partisanen waren, hat die proukrainischen Berdjansker nachhaltig schockiert. Die beiden 16-Jährigen hießen Tigran und Mykyta. Die russischen Behörden warfen ihnen Sabotageakte auf Gleise vor, um die russische Logistik zu behindern. Im Juni 2023 kamen sie offenbar bei einer Schießerei mit den Besatzern ums Leben. Kurz vor seinem Tod hat Tigran noch ein Video aufgenommen, das er beendete mit den Worten: "Ruhm der Ukraine!" Bis heute haben die Besatzer ihre Leichname nicht herausgegeben.

Immer wieder gibt es in der Stadt auch Drohnenangriffe der ukrainischen Armee. Iryna Kowaltschuk sagt: "Sie greifen den Hafen und den Flugplatz an, die Militärbasis und die Stützpunkte."

Antonina Bojko sagt: "Wenn es in der Stadt eine Explosion oder einen Angriff gibt, bereitet das Menschen wie mir eine unglaubliche Freude."

Eine besetzte Stadt, ein Leben voller Gewalt, Unsicherheit, Misstrauen. Wie geht es weiter in Berdjansk? Was erwarten die Menschen?

Die krebskranke Iryna Kowaltschuk sagt: "Manchmal frage ich Nachbarn aus meinem Treppenaufgang, wer jetzt in meiner Wohnung wohnt. Bisher ist kein anderer eingezogen. Auf dem Boden liegen noch immer Legosteine meines Sohnes. Sein Fahrrad steht noch da. Aber früher oder später werden Russen meine Wohnung übernehmen."

Der Universitätsrektor Ihor Bohdanow sagt: "Mittlerweile habe ich verstanden, dass ich meine Stadt vermutlich niemals wiedersehen werde." 


Die Sozialarbeiterin Anna Lytwyn, die nicht weiß, ob sie ihren dementen Opa noch einmal lebend zu Gesicht bekommen wird, sagt: "Berdjansk ist so weit weg von der Front. Es wird die letzte Stadt sein, die befreit wird. Wir wissen das."

Sofija Tymoschenko leitet einige Tage nach dem Treffen in Tallinn ein Video weiter, das ihr eine Freundin aus Berdjansk geschickt hat. Die Freundin hat die Uferpromenade gefilmt. Das Video ist ziemlich verwackelt. Die Freundin sagt nichts, man hört sie nur atmen, und man hört ihre Schritte. Sie schwenkt über das Pflaster, eine Parkbank, das Wasser. Als das bronzene Denkmal des freundlichen Fischs ins Bild gerät, hält sie kurz inne. "Bytschok", sagt sie.

* Name von der Redaktion geändert


128 Kommentare

Z

B

Bücherliebhaberin

vor 16 Stunden

Der Artikel ist keine bloße Reportage – er ist ein Mahnmal. Er zeigt, wie Besatzung nicht nur militärisch, sondern auch psychologisch und kulturell wirkt. Und er erinnert uns daran, dass Freiheit und Wahrheit unter autoritärer Herrschaft zu kostbaren, gefährdeten Gütern werden.

W

Wieso2019

vor 18 Stunden

Ein Text, den alle lesen sollten, die es nicht für nötig halten, sich gegen eine mögliche russische Invasion zu bewaffnen bzw. zur Wehr zu setzen.

L

Lululululu

vor 13 Stunden

Danke, dass ihr diesen Menschen eine Stimme gebt und dagegen anschreibt, dass sie einfach vergessen gehen.


TechThor

vor 19 Stunden

Na, hoffentlich lesen das auch Mal die Russlandfreunde vom BSW und der AfD, wie schön es so unter der neuen Herrschaft ist.

m

montesa

vor 12 Stunden

Ein wichtiger Artikel zum richtigen Zeitpunkt, da von vielen, die es selbst nicht beträfe, leichtfertig "Gebietsabtretungen" der Ukraine gefordert werden; was Hunderttausende mehr zu eben so einem Schicksal verdammen würde. Danke!

Слава Україні!

Is

Ich sag mal so

vor 3 Stunden

Putin-Russland ist ein barbarisches System. Offensichtlich, aber man muss es immer wieder sagen wegen Trump und wegen der feigen Putinflöten hier in Deutschland.

SJ

Siggi Jepsen

vor 2 Tagen

Es ist wirklich kaum zu glauben, dass es hier Menschen gibt, die solche Zustände wissentlich für zumutbar oder gar erstrebenswert halten.

Danke für den Artikel.

T

Tatjanapuschkina

gestern



Info: https://www.zeit.de/2025/37/russische-besatzung-berdjansk-ukraine-militaer-staatsbuergerschaft


unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

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