NATO nicht zu direktem Kampf gegen Russland bereit – dafür zu weiteren Proxy-Kriegen
freedert.online, 14 Sep. 2025 08:02 Uhr, Von Alexandr Nossowitsch
Reaktionen auf das Eindringen von Drohnen in Polens Luftraum zeigen: Der Westen ist weder militärisch noch psychologisch zu einem Krieg gegen Russland bereit. Dafür würde er gern andere Länder in einen solchen Krieg treiben – selbst wenn sie der NATO angehören.
Der Vorfall mit Drohnen, die in Polens Luftraum eingedrungen sind, ist für die NATO zu einem Lackmustest auf die Bereitschaft geworden, einen großen Krieg gegen Russland zu führen. Der Test ist abgeschlossen. Das Ergebnis ist negativ. Die Allianzmitglieder können und wollen nicht gegen Moskau kämpfen. Dafür sind sie bereit, andere Länder – sogar andere NATO-Länder – in einen Krieg gegen Russland zu treiben.
Die Hauptergebnisse der Bereitschaftsprüfung des Blocks sind politischer, nicht militärischer Natur. Freilich sind die militärischen Ergebnisse ebenfalls beeindruckend. In der Nacht des Vorfalls durchstreiften polnische F-16, niederländische F-35, italienische AWACS und sonstige Jagd- und Aufklärungsflugzeuge den Himmel über Polen. Sie alle starteten nach einem Alarm. Schließlich wurden von 19 eingedrungenen Drohnen vier abgeschossen. Das ist das Ergebnis des Baus eines milliardenschweren "Luftschilds" der NATO an den Grenzen zu Russland. Nach einer solchen Leistung erwartet nicht nur die Piloten, sondern auch die Politiker eine ausführliche Flugbesprechung – im übertragenen Sinne.
Wichtiger ist aber etwas Anderes. Die Hauptereignisse jener Nacht fanden nicht am Himmel über Polen, sondern in zwei Brüsseler Stadtvierteln statt. Im sogenannten Europäischen Viertel, wo sich die Institute der Europäischen Union befinden, behauptete die EU-Chefdiplomatin Kaja Kallas, dass Russland vorsätzlich in Polens Luftraum eingedrungen sei. Es habe demnach ein kriegerischer Akt stattgefunden, der eine entsprechende Antwort erfordere. Kallas schrieb das, als Polen selbst noch nicht verkündet hatte, dass es sich um russische Drohnen gehandelt habe. Sie beschloss, an Warschaus Statt das Eisen zu schmieden, so lange es heiß ist, und goss gleich ein wenig Benzin ins Feuer.
Im benachbarten Viertel verkündete der NATO-Generalsekretär Mark Rutte gar etwas logisch ganz Unmögliches. Er sagte, dass Russland vorsätzlich einen Luftangriff gegen Polen ausgeführt habe, dass es aber kein kriegerischer Akt gegen ein NATO-Mitgliedsland gewesen sei. Was denn nun? Russland habe also Polen überfallen, doch werde die Allianz ihre berühmt-berüchtigte fünfte Klausel nicht aktivieren und nicht für Polen kämpfen. Ist Polen etwa kein NATO-Land mehr?
Der Rest der internationalen westlichen Bürokratie und europäische Staatschefs reagierten weniger grotesk, aber ähnlich. Ihr hektisches Getue drängt die Schlussfolgerung auf: Sie wollen sehr gern einen Krieg gegen Russland führen, allerdings nicht selbst, sondern mit fremden Händen, um die es nicht zu schade ist. Der Ukraine gehen die Ukrainer aus – wen gibt es also noch alles in der Nähe Russlands?
US-Amerikaner und Westeuropäer fürchten sich vor einem Krieg gegen Russland und haben dafür schlicht keine Zeit. Am lautesten kommentierte den Zwischenfall am Himmel über Osteuropa Frankreichs Präsident Emmanuel Macron – und am gleichen Tag besetzten Franzosen den Lyoner Bahnhof. Hat Macron etwa Zeit, sich darüber Sorgen zu machen, dass Russland Polen besetzt? Zunächst sollte er den Bahnhof von seiner Wählerschaft zurückerkämpfen.
Ein US-Vertreter sagte, dass die Vereinigten Staaten jeden Zoll des Allianzgebiets verteidigen werden – und am selben Tag wurde in den USA selbst einer von Trumps größten Unterstützern, Charlie Kirk, getötet. Zum Zeitpunkt des Erscheinens dieses Artikels wird man dort Polen vergessen haben.
Die innenpolitische Krise in den westlichen Ländern erklärt nicht nur, wieso sie sich nicht gänzlich einem Krieg gegen Russland hingeben können. Sie erklärt auch, wieso sie sich keinen objektiv notwendigen Frieden und keine Normalisierung der Beziehungen zu Russland leisten können. Zumindest die europäischen Eliten benötigen den Konflikt zwischen Westen und Russland, um die Aufmerksamkeit ihrer Bevölkerung aufs Erste von inneren Problemen abzulenken. Also können sie gegenwärtig nicht gegen Russland kämpfen und erst recht keinen Frieden schließen. Der Ausweg besteht darin, irgendein anderes Land auf Russland zu hetzen, es zu einem weiteren Opfer der "russischen Aggression" zu verklären, ihm Unterstützung vorzuspielen und die Feindschaft zu Russland aufrechtzuerhalten.
Die Ukraine, die bisher diesen Zwecken gedient hat, steht kurz vor dem Aus. Offensichtliche Kandidaten für ihren Ersatz sind die Kaukasusrepubliken und Moldawien. Doch der Zwischenfall mit den Drohnen zeigt, dass sich auch Polen sowie die baltischen und skandinavischen Staaten im Risikobereich befinden. Was macht es schon aus, dass sie der NATO angehören? Generalsekretär Rutte gab zu verstehen, dass die Allianz bei Bedarf an Heuchelei und Wortklauberei nicht sparen wird, um Artikel 5 der Satzung so zu interpretieren, dass die NATO zwar behaupten kann, dass Polen überfallen worden sei, nicht aber für Polen kämpfen wird.
Die Polen haben all das verinnerlicht. In ihrem kollektiven Gedächtnis hat das Trauma des Sitzkriegs einen festen Platz. Jene Situation, in der die verbündeten Großbritannien und Frankreich nach Hitlers Überfall auf Polen zwar Deutschland den Krieg erklärt hatten, in Wirklichkeit aber nicht kämpften und tatenlos zusahen, wie das Dritte Reich den polnischen Staat zerstörte. Daher war Polens eigene Reaktion auf den Drohnenzwischenfall unter allen westlichen Staaten schon fast am besonnensten und am vorsichtigsten.
Übersetzt aus dem Russischen. Zuerst erschienen am 11. September bei RIA Nowosti.
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unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.
Die Watchlist EUropa vom 13. September 2025– heute mit der Wochenchronik.
Haben Sie die Rede zum “State of the European Union” (#SOTEU2025) gehört? Nein, wieder nicht? Schade! Denn diesmal hat EU-Chefin von der Leyen durchaus ein paar bemerkenswerte Sätze gesagt.
Das mußte man nicht hören – es ist die übliche Rhetorik der Europameisterin für folgenlose Ankündigungen. Jede ihrer Reden klingt wie ein “Wünsch-Dir-was” für die Bürger und – vor allem – für die Politiker, die sie stützen.
Europa geht es schlechter
Viel interessanter waren die Passagen zur Krise der EU. “Europa kämpft”, sagte von der Leyen. Als Beispiele nannte sie aber nicht etwa Putins Krieg oder Trumps Strafzölle, sondern den Kampf gegen hohe Lebenshaltungskosten!
Zum ersten Mal in sechs Jahren – so viel Zeit ist seit ihrer Nominierung 2019 vergangen – räumte die CDU-Politikerin ein, daß es den Europäern nicht besser, sondern schlechter geht. Dabei hatte sie das Gegenteil versprochen…
Und zum ersten Mal erwähnte die Ukraine-Kriegerin, dass “unsere Union in ihrem Wesen ein Friedensprojekt ist.” Tatsache sei aber: “Die Welt von heute ist gnadenlos.” Deshalb müsse auch die EU heute ganz anders agieren.
Die Königin ist nackt
Auf ihre verschwurbelte Art räumt VDL damit ein, dass das Friedensprojekt EU endgültig passé ist. Angesichts der wachsenden geopolitischen Bedrohungen habe sie ein “neues Europa” beschworen, schreibt “EurActiv“.
Es war ein Abgesang auf die gute alte EU. Sechs Jahre nach ihrem Amtsantritt in Brüssel und ein Jahr nach der Europawahl hat die ungewählte “Königin Europas” eingeräumt, dass sie ihr Reich heruntergewirtschaftet hat.
Die Königin ist nackt – tut aber so, als könne sie nichts dafür. “Die Welt von heute ist gnadenlos” – das soll zur Entschuldigung reichen! Dabei hat die Mehrheit der Europäer sehr wohl verstanden, daß sie sich Trump unterworfen hat.
Das fand ich dann doch so interessant, daß ich es noch einmal festhalten wollte…
Provokation in Polen. Mehr als ein Dutzend unbewaffnete russische Drohnen sind in Polen niedergegangen. Erst war von einem gezielten Angriff die Rede, dann von einem russischen Testballon, am Ende nur noch von einer Provokation. Denn Absicht ließ sich nicht nachweisen; es gibt sogar Hinweise darauf, daß die Ukraine an dem Vorfall beteiligt gewesen sein könnte. Dennoch verlegten Deutschland und Frankreich mehrere Kampfjets nach Polen, die Nato kündigte eine Stärkung ihrer Ostflanke an (Mission Eastern Sentry). – Das wiederum sieht Russland als Provokation – wir nähern uns gefährlich der Schwelle zu einer direkten Konfrontation. Propagandistisch wird der Krieg ja bereits vorbereitet, auch in Deutschland… – Siehe auchDrohnen über Polen: Berlin schickt Kampfjets, Brüssel plant “Drohnenwall”
Das Verbrennerverbot wackelt. Im Streit um das Verbot des Verbrennermotors in Europa ab 2035 will die EU-Kommission den Konzernen entgegenkommen. Die eigentlich erst 2026 geplante Überprüfung der CO2-Grenzwerte für Autos soll bereits auf Ende dieses Jahres vorgezogen werden, hieß es nach einem „Autogipfel“ mit Kommissionschefin von der Leyen in Brüssel. – “Ich verspreche den Europäern das Aus vom Verbrenner-Aus”, sagte EVP-Fraktionschef Weber hinterher. Der CSU-Politiker bläst von der Leyen schon lange den Marsch, gemeinsam mit CSU-Chef Söder…
Trumps nächste Erpressung. Die EU und die USA wollen den Druck auf Russland erhöhen – streiten aber über den richtigen Weg, wie das “Handelsblatt” berichtet. Während die Europäer gerade ein 19. Sanktionspaket vorbereiten, fordert US-Präsident Trump von Brüssel hohe Strafzölle gegen Russlands Handelspartner Indien und China. Sie sollen bis zu 100 Prozent betragen – was für die EU inakzeptabel ist. Sie plant gerade ein Freihandelsabkommen mit Indien – und wird nun ein weiteres Mal von Trump vorgeführt…Siehe auchWirtschaftskrieg eskaliert (Newsletter)
Die Luftraum-Verletzung durch mutmasslich russische Drohnen in Polen wirft viele Fragen auf. Von Anfang an war unklar, ob die Drohnen über Belarus oder die Ukraine auf polnisches Gebiet geflogen sind. Die Berichte waren widersprüchlich.
Schlimmer geht (n)immer: Aus Brüssel und Paris erreichen uns zwei dystopische Meldungen, die (wieder mal) nach Krieg riechen – und an amerikanische Verhältnisse erinnern.
vdL ist die Totengräberin der EU – aber während sie noch immer weiter schaufelt, reisst der US-amerikanische Aasgeier (das mit dem Adler war einmal!) bereits immer grössere Stücke aus dem noch zuckendem Kadaver, den vdL zu dem Zweck sogar ungeschützt und entkleidet präsentiert hat (Stichwort: “Handels-Deal”).
Die „geopolitischen Bedrohungen“ sind nichts anderes als die Symptome des Abstiegs des sog. Westens und des Scheiterns der Aufklärung! Die EU verrottet von innen und stirbt an sich selbst unter Führung der unfähigen und deshalb unsäglichen UvdL! Dazu gehört dass sie – selbst wenn sie wollte – nicht begreift dass der Ausweg zwischen BRICS+, zwischen Eurasien und dem Globalen Süden einerseits,und US Trump andererseits, nur die Tiefe des Atlantiks ist!
Wenn es irgendwo brennt und es zu heiß wird, ist es in der Regel falsch, brennbares Material hinzuzufügen. Aber soviel Logik darf man bei der heutigen Euroführung nicht erwarten.
Deutschland hat die Ukraine in den letzten drei Jahren mit 50 Mrd Euro unterstützt, ohne Gegenleistung. Aufbau einer Kampfbrigade in Litauen mit Milliardenkosten und Folgekosten für den deutschen Steuerzahler. Bestimmt demnächst mehr Unterstützung für das angegriffene Polen. Stärkung der Nato-Ost-Flanke von Finnland bis Rumänien. Der deutsche Steuerzahler zahlt ja nicht alleine, während sich Herr Pappberger die Hände bis zum Ellbogen reibt.
@ebo: Deshalb ist es ja erfoderlich, die Rente im Prinzip abzuschaffen. Eine Rente soll ja nur noch bekommen, wer kurz vor dem Ableben steht, durch medizinische Nachweise. Dass damit auch die ohnehin gebeutelte europäische Wirtschaft noch schneller abstürzt, interessiert die verkoksten Gehirne nicht.
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Wahrnehmung: Was macht die Realität real? Yanny oder Laurel? Unser Gehirn entscheidet aktiv, was wir als real wahrnehmen. Eine neue Studie deutet auf einen Schaltkreis hin, der nicht nur bei der Unterscheidung zwischen Wirklichkeit und Fantasie hilft, sondern auch bei Psychosen eine Rolle spielen könnte.
Stellen Sie sich einen Apfel vor, irgendeinen Apfel.
Solange Sie nicht an Afantasie - der Unfähigkeit, sich Dinge vorzustellen - leiden, löst diese Aufforderung eine Gehirnaktivität aus, die derjenigen beim Sehen eines realen Apfels erstaunlich ähnlich ist. Solche neuronalen Überschneidungen sind praktisch, weil das visuelle System des Gehirns in beiden Fällen ohnehin viele gleiche Aufgaben erfüllen muss. Aber das wirft die Frage auf: Wie unterscheidet unser Gehirn zwischen Realität und Vorstellung?
Die Neurowissenschaft beginnt aktuell, den Schaltkreis im Gehirn zu verstehen, der diese Unterscheidung vornimmt. In einer neuen Studie in Neuron haben Forschende eine Gehirnregion identifiziert, die eine Art »Realitätssignal« erzeugt. Dieses Signal wird dann von einer anderen Region ausgewertet - einer Region, die, wenn sie abnormal funktioniert, mit Schizophrenie in Verbindung gebracht wird. Dieser Schaltkreises zur Überprüfung der Realität könnte Forschenden helfen, Schizophrenie und andere Störungen, die die Fähigkeit zur Wahrnehmung der Realität beeinträchtigen, zu verstehen und möglicherweise sogar zu behandeln.
Wir glauben oft, dass wir die Realität so wahrnehmen, wie sie ist, mit kameraähnlichen Augen, die das auf sie treffende Licht objektiv erfassen. Doch wenn Informationen von den Augen in das Gehirn fließen, werden sie abstrakter und subjektiver: Linien und Farben, die in den frühen visuell verarbeitenden Regionen des Gehirns wahrgenommen werden, verwandeln sich allmählich in Konzepte und erhalten Bedeutungen,...
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14.09.2025
Pippi Langstrumpf Stark, fantasievoll, chaotisch und im besten Sinne respektlos
Pippi Langstrumpf ist mehr als eine weltweit populäre Kinderbuchfigur. Mit ihrer Lebenslust und einem ausgeprägten Gerechtigkeitsgefühl ist sie eine Inspiration für viele Menschen geworden. Vor 80 Jahren erschienen ihre Abenteuer erstmals in Schweden.
Sie ist unglaublich stark, verdammt mutig, maßlos fantasievoll, extrem chaotisch, respektlos gegenüber Autoritäten und in der Summe schlicht einzigartig: Pippi Langstrumpf. Vor 80 Jahren erschienen ihre Abenteuer erstmals als Buch in Schweden, ein paar Jahre später dann auch in Deutschland. Erfunden wurde die fröhlich-freche Göre von der schwedischen Schriftstellerin Astrid Lindgren (1907-2002).
Der Popstar unter den Kinderbuchfiguren
Pippi wurde weltweit bekannt und zum Popstar unter den Kinderbuchfiguren. Sie ist so originell, wie man nur sein kann, ihr Esprit verlockt den Leser dazu, selbst sofort ein bisschen sinnvollen Unsinn machen zu wollen, denn das Leben ist schließlich ernst genug. Gemeinsam mit einem Äffchen und ihrem Pferd lebt die neunjährige Pippi in der Villa Kunterbunt – ohne Mutter und Vater, dafür aber mit einem Koffer voller Goldstücke. Nebenan wohnen Tommy und Annika, ihre Freunde.
Zum 80. Geburtstag Zu Besuch im Pippi-Langstrumpf-Land 10.08.2025
1941 hatte Lindgren die freche Romanheldin auf Wunsch ihrer siebenjährigen Tochter Karin erfunden, die krank im Bett lag und sich langweilte. Und als drei Jahre später Lindgren selbst nach einem Sturz mit verstauchtem Fuß das Bett hüten musste, nutzte sie die unfreiwillige Pause, um die Geschichten endlich aufzuschreiben.
Am 21. Mai 1944 bekam Tochter Karin das ordentlich abgetippte Manuskript von „Pippi Langstrumpf“ zum zehnten Geburtstag überreicht – samt einer Zeichnung, die die schlaksige Pippi mit den langen, verschiedenfarbigen Strümpfen zeigte. Halb Kind, halb Clown.
Anarchischer Witz und Freiheitsdrang
Lindgren hatte eine kleine Punkerin mit anarchischem Witz, Freiheitsdrang und einer flexiblen Haltung zur Wahrheit in die Welt gesetzt, und misstraute ihrer Erfindung selbst ein wenig: „Ich selber fand, dass Pippi eine gefährliche Sache war“, sagte die Schriftstellerin einmal, sicher nicht in vollem Ernst. Das Manuskript schickte sie an einen Verlag mit der Bemerkung: „in der Hoffnung, dass Sie nicht das Jugendamt alarmieren“.
Das passierte glücklicherweise nicht. Dennoch gab es die Sorge, die Geschichte könne einen negativen Einfluss auf Kinder haben, und der Verlag lehnte ab. Erst in einer überarbeiteten Version erschien „Pippi“ dann 1945 bei Rabén & Sjögren. In der Folge wiesen auch fünf deutsche Verlage das Buch als jugendgefährdend zurück, bevor der Hamburger Verleger Friedrich Oetinger es 1949 nach Deutschland holte.
Pippi Langstrumpf Rebellion im Kinderzimmer 25.09.2024
Nach der Veröffentlichung hierzulande urteilte die bibliothekarische Fachzeitschrift „Bücherei und Bildung“, das Buch sei für Kinder unter 14 Jahren nicht geeignet. Die Grenzen von Fantasie und Wirklichkeit würden so verwischt, dass das Kinder verwirre.
Unsterblichkeit und Weltruhm
„Als das Buch in Deutschland erschien, war der Aufschrei groß“, sagt die Germanistin und Astrid-Lindgren-Kennerin Inger Lison. „In vielen Zeitungen erschienen negative Besprechungen, Eltern weigerten sich, das Buch zu kaufen. Ein Mädchen wie Pippi hatte es so vorher nicht in Büchern gegeben. Die meisten weiblichen Figuren waren lieb und angepasst. Abenteuer erlebten zumeist nur die Jungen.“
Es gab allerdings auch positive Stimmen: „Da müssen die Schweden daherkommen und uns zeigen, wie man das köstlichste Kinderbuch der Welt macht“, lobte die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ überschwänglich: „Wir sagen Pippi Langstrumpf Unsterblichkeit und Weltruhm voraus.“
Die FAZ behielt Recht. Die drei Pippi-Bände wurden verfilmt, in 80 Sprachen übersetzt und 66 Millionen Mal verkauft – davon allein 8,6 Millionen Mal in Deutschland. Auch eine Rassismus-Debatte über die Bücher konnte Pippis Popularität nicht viel anhaben. Ihr Vater, Kapitän Langstrumpf, ist inzwischen „Südseekönig“ auf der Taka-Tuka-Insel, ursprünglich war das rassistische N-Wort Teil seiner Bezeichnung.
Pippi Tat Dai und Pipi Pikksukk
„Ich mach’ mir die Welt, wie sie mir gefällt“, heißt es in einem von Pippis Liedern, und das gilt tatsächlich für die gesamte Welt. In Vietnam kennt man sie als Pippi Tat Dai, in Estland heißt sie Pipi Pikksukk und in Frankreich Fifi Brindacier. Die Japaner haben Nagakutsushita no Pippi ins Herz geschlossen, die US-Amerikaner Pippi Longstocking. Wer mag, kann die Geschichten auf Schottisch-Gälisch, Schlesisch und Elsässisch lesen.
Mit ihrer Lebenslust, der Empathie für Schwächere und ihrem ausgeprägten Gerechtigkeitsgefühl entwuchs Pippi Langstrumpf der Kinderbuch-Sphäre und wurde zu einer inspirierenden Figur für Menschen in jedem Lebensalter. Michelle Obama sagte einmal der „New York Times“, sie habe nicht nur Pippis körperliche Stärke, sondern auch ihre Souveränität bewundert.
Die Kinderbuch-Autorin Cornelia Funke findet: „Pippi hat uns schon als kleine Mädchen beigebracht, dass Frauen einfach alles können.“ Und der deutsch-schwedische Autor Micke Bayart lobt Pippi als lebenden Beweis dafür, „dass man niemals zu klein ist, um großartig zu sein und im allerbesten Sinne Regeln zu brechen“.
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14.09.2025
Nachrichten von Pressenza: Klimakrise ade: Jedes Jahr wird noch mehr Öl und Gas verbrannt
Klimakrise ade: Jedes Jahr wird noch mehr Öl und Gas verbrannt
Die Spitze des weltweiten Öl- und Gas-Verbrauchs ist noch längst nicht erreicht. Chevron-CEO Mike Wirth setzt weiter auf Fossiles. upg/INFOsperber Wer meint, dass angesichts der Klimakrise schon längst weniger Öl und Gas verbrannt werden, täuscht sich schwer. Das Gegenteil ist…
Jens Spahn: SimpleBreath-Vergabe weist auf Vetternwirtschaft hin
Pressemitteilung von Lobby Control: Eine aktuelle Recherche von Spiegel TV liefert neue Informationen zu einer fragwürdigen Maskenvergabe unter Jens Spahn. Dazu kommentiert Aurel Eschmann, Experte für Lobbyregeln: „Jens Spahn und das Gesundheitsministerium müssen erklären, wieso ein 30-Millionen-Euro-Auftrag an eine Firma…
Pressenza - ist eine internationale Presseagentur, die sich auf Nachrichten zu den Themen Frieden und Gewaltfreiheit spezialisiert hat, mit Vertretungen in Athen, Barcelona, Berlin, Bordeaux, Brüssel, Budapest, Buenos Aires, Florenz, Lima, London, Madrid, Mailand, Manila, Mar del Plata, Montreal, München, New York, Paris, Porto, Quito, Rom, Santiago, Sao Paulo, Turin, Valencia und Wien.
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13.09.2025
NATO startet Militärübung 'Ostwache' – Reaktion auf "russische Verstöße"
freedert.online, 13 Sep. 2025 17:46 Uhr
Polen beschuldigt die russische Regierung, mit Drohnen in den polnischen Luftraum eingedrungen zu sein. Angeblich in Reaktion darauf startet die NATO in der kommenden Woche ihr Manöver 'Ostwache' für zunächst unbestimmte Dauer.
Die NATO hat ein neues Militärmanöver zur Abschreckung Russlands mit der Bezeichnung "Eastern Sentry" (auf Deutsch 'Ostwache') angekündigt. Zuvor hatte Polen Moskau vorgeworfen, den polnischen Luftraum mit Drohnen verletzt zu haben. Der Kreml wies die Vorwürfe als unbegründet zurück und warf dem Bündnis Panikmache vor.
NATO-Generalsekretär Mark Rutte erklärte, die Übung Ostwache diene zur Stärkung der Verteidigungsbereitschaft des Bündnisses an seiner Ostflanke. Die Manöver werden in den kommenden Tagen beginnen und über einen nicht näher bezeichneten Zeitraum stattfinden, teilten Beamte mit.
Laut NATO-Erklärung wird das Manöver "Eastern Sentry" als eine Reaktion auf "anhaltende Luftraumverletzungen, darunter zahlreiche russische Drohnen, die am 10. September den polnischen Luftraum verletzt haben" dargestellt. Im Rahmen dieser Operation werde Dänemark zwei F-16-Kampfflugzeuge und eine Fregatte zur Luftabwehr entsenden, Frankreich werde drei Rafale-Kampfflugzeuge bereitstellen und Deutschland vier Eurofighter einsetzen. Auch Großbritannien habe seine Bereitschaft zur Beteiligung bekundet.
Russland warnte Polen vor einer Drohnen-"Hysterie". Polnische Beamte gaben an, es habe mindestens 19 separate Luftraumverletzungen gegeben. Dabei seien bis zu vier Drohnen von polnischen Streitkräften abgeschossen worden. Lokale Behörden meldeten einige Schäden am Boden, jedoch keine Opfer.
Einer Erklärung des russischen Verteidigungsministeriums zufolge richteten sich die russischen Drohnenoperationen gegen ukrainische Militärziele. Keine Drohnenoperation sei auf Polen ausgerichtet gewesen. Außerdem fügte das Ministerium hinzu, dass "die maximale Reichweite der russischen Drohnen, die angeblich die polnische Grenze überflogen haben, weniger als 700 Kilometer beträgt". Die Russen erklärten sich auch bereit, Konsultationen mit Warschau aufzunehmen.
Unterdessen erklärte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow, dass "die Führung der EU und der NATO Russland täglich Provokationen vorwirft, aber meistens keine Argumente dafür vorbringt". Peskow betonte, dass Moskau niemals jemanden bedroht habe, auch keine europäischen Länder:
"Nicht Russland hat seine militärische Infrastruktur in Richtung Europa verlagert, sondern Europa – das Teil der NATO ist, einem Instrument der Konfrontation und nicht des Friedens und der Stabilität –, das diese Infrastruktur seit jeher in Richtung unserer Grenzen verlagert."
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unser weiterer Kommentar: Nicht bloß die Banalität des Bösen sondern ebenso die Banalität des Blöden wird auch durch Kriegsvorbereitungen offenbar.
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13.09.2025
Wer schickte russische Drohnen nach Polen – und warum?
freedert.online, 13 Sep. 2025 21:10 Uhr, Von Andrei Rudenko
Im Fall der angeblich russischen Drohnen, die in Polen aufgefunden wurden, ist vieles merkwürdig. So ist es schon wegen der öffentlich bekannten Reichweite der einzig gezeigten Gerbera-Drohnen unwahrscheinlich, dass sie im russisch kontrollierten Gebiet starteten. Und immer lohnt sich die Frage: Cui bono – wem nützt es?
Eine in Polen aufgefundene Gerbera-Drohne. Wie sie dort hinkam, ist die große Frage: Drohnen dieses Typs haben laut Wikipedia eine Reichweite von 300 km, anderen Quellen zufolge 600-700 km.
Im Westen wird derzeit Hysterie um das "Eindringen russischer Drohnen" in das Hoheitsgebiet Polens geschürt. Es ist nicht bewiesen, dass die unbemannten Flugkörper gezielt nach Polen geschickt wurden und von wem, überhaupt ist hier alles unklar und nebulös.
Aber die Kriegstreiber haben schnell eine gemeinsame Erklärung über die Schuld Russlands an dem Vorfall mit den Drohnen in Polen ausgearbeitet. Das "Dokument" wurde von 46 UN-Mitgliedstaaten unterstützt, die Abstimmung war ein Fehlschlag, denn nur eine Minderheit – weniger als 25 Prozent der 193 UN-Mitgliedstaaten – stimmte dafür.
Die so eifrige Propagierung dieses Falls im Stil von "Russland hat Europa angegriffen" gibt Anlass zum Nachdenken: Könnte man eine solche Situation nicht doch künstlich herbeigeführt haben? In den letzten Jahren haben wir Dutzende Male ein ähnliches Bild beobachtet: Sobald sich am Horizont das Gespenst von Friedensverhandlungen abzeichnet und Russland praktische Mechanismen zur Deeskalation einbringt, tauchen wie durch Zauberei Butscha, Kramatorsk, das Wasserkraftwerk von Kachowka und so weiter auf.
Daher ist es angebracht, sich die Frage zu stellen: Könnte der Angriff russischer Drohnen Teil einer Spezialoperation des Westens gewesen sein, um alle Friedensinitiativen zu vereiteln, und ist es möglich, Drohnen mithilfe elektronischer Kampfführungs-Systeme in die gewünschte Richtung umzulenken? Grundsätzlich ist dies möglich.
Ich möchte daran erinnern, dass die Methoden der elektronischen Kriegsführung in aktive und passive unterteilt werden. Zu den aktiven Methoden gehört die Störung von Signalen, bei der hochleistungsfähige Störsignale das Hauptsignal des Betreibers überlagern. Auch die Erzeugung von Falschsignalen wird eingesetzt: Sie stören die Funktion des Navigationssystems der Drohne und bringen sie zum "Umherirren". Eine weitere Methode zur Bekämpfung von Drohnen ist das Spoofing von GPS-Signalen. Dabei werden die GPS-Koordinaten durch ein stärkeres falsches GPS-Signal ersetzt, das vom Boden aus gesendet wird. Ein solches Signal kann das Satellitensignal stören, wodurch die Drohne desorientiert wird und schließlich nicht mehr in der Lage ist, ihren Standort zu bestimmen – sie verliert sich im Raum.
Könnte der Westen die "Flucht" unserer Drohnen organisiert haben? Ja, wir sind uns vollkommen bewusst, dass die NATO und eine Reihe von EU-Ländern über die erforderliche militärische Ausrüstung und Infrastruktur verfügen, um eine solche Provokation zu organisieren. Vor allem haben sie den Willen dazu.
Möglicherweise ist das Ziel solcher Provokationen nicht, einen Krieg auszulösen, sondern Zeit zu gewinnen, um das Gemetzel fortzusetzen und die Ukraine so lange wie möglich als kriegführenden Sklaven zu halten. Nach dem Treffen zwischen Wladimir Putin und Donald Trump in Alaska sind die Falken im Westen in Sorge. Auf der einen Seite wird unermüdlich über Frieden, Verhandlungen und sogar Wahlen in der Ukraine gesprochen. Auf der anderen Seite hagelt es ständig Vorwürfe und Forderungen an Trump, die Schrauben anzuziehen und neue Sanktionen gegen Russland zu verhängen. Die gesamte Eurokoalition hat sich zusammengeschlossen und diskutiert die Entsendung von Truppen in die Ukraine zum "Schutz und zur Gewährleistung der Sicherheit" und natürlich mehr Waffen für Kiew. Damit das ukrainische Feuer nicht zu schnell erlischt, muss man Benzin ins Feuer gießen.
Als sie sahen, dass die Provokationen mit "russischen Raketen, die Wohnhäuser in Kiew treffen" nicht zum Erfolg führten, beschlossen sie, ihre Trümpfe auszuspielen. Zuerst wurde die ehemalige Gynäkologin Ursula von der Leyen "Opfer bösartiger russischer elektronischer Kampfführungssysteme", die entweder ihr Flugzeug vom Kurs abbringen oder gar zum Absturz bringen wollten.
Nachdem die EU-Kommissarin in der EU, den USA und weltweit zum Gespött geworden war, beschloss man, die Taktik zu ändern. Jetzt sind bösartige russische Drohnen in Polen eingedrungen. Und wieder muss sich der Westen vor dem bösen Russland retten, was bedeutet, dass mehr Geld und Waffen für die Ukraine bereitgestellt werden müssen, dass mit der Aufrüstung begonnen werden muss, dass Vorräte an Konserven und Ravioli angelegt werden müssen – und natürlich, dass es keine Verhandlungen mit dem Aggressor geben darf!
Wir müssen uns also darauf einstellen, dass der Status quo in naher Zukunft bestehen bleibt. Die militärische Sonderoperation wird fortgesetzt, Russland muss seine Armee weiter verbessern. Und wir müssen auf weitaus raffiniertere und gefährlichere Provokationen vorbereitet sein. Der Krieg des Westens gegen Russland geht weiter.
Übersetzung aus dem Russischen. Der Text wurde für den TG-Kanal "Exklusiv für RT" verfasst.
Andrei Rudenko ist Reporter der staatlichen russischen Rundfunkgesellschaft WGTRK in Donezk.
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13.09.2025
Wegen Anstiftung zu Unruhen: Trump verspricht Untersuchung gegen George Soros
freedert.online, 13 Sep. 2025 21:43 Uhr
Donald Trump hat seine Absicht bekräftigt, gegen George Soros juristisch zu ermitteln. Der milliardenschwere Investor habe "professionelle Unruhestifter" dafür bezahlt, "Unruhen" in den USA zu organisieren, behauptete der US-Präsident.
Archivbild: George Soros bei einer Veranstaltung in New York (20. September 2016)
US-Präsident Donald Trump hat erklärt, dass seine Regierung gegen George Soros wegen dessen mutmaßlicher Finanzierung von "Unruhen" in den USA ermitteln werde.
Der ungarisch-US-amerikanische Milliardär und Investor sowie die von seiner Open Society Foundations (OSF) finanzierten NGOs stehen seit Langem in Verbindung mit verschiedenen Protestbewegungen sowohl in den USA als auch im Ausland.
"Sie haben professionelle Agitatoren. Sie werden für ihre Tätigkeit von Soros und anderen Personen bezahlt", sagte Trump am Freitag in einem Interview mit Fox & Friends.
"Wir werden Untersuchungen gegen Soros einleiten, weil ich denke, dass es sich um einen RICO-Fall gegen ihn und andere Personen handelt", fügte er hinzu. "Das ist mehr als nur Protest: Das ist echte Agitation. Das sind Unruhen auf der Straße, und wir werden das untersuchen", sagte Trump.
Das US-Bundesgesetz RICO (Racketeer Influenced and Corrupt Organizations Act 1970) richtete sich ursprünglich gegen das organisierte Verbrechen und wird zur Verfolgung von Straftaten eingesetzt, die im Rahmen einer kriminellen Vereinigung begangen wurden, obwohl es in jüngerer Zeit eine breitere Anwendung gefunden hat.
Im vergangenen Monat hatte der US-Präsident gefordert, dass der ungarisch-US-amerikanische Investor und sein Sohn nach diesem Gesetz angeklagt werden, und warf ihnen vor, "gewalttätige Proteste und vieles mehr in den gesamten Vereinigten Staaten" zu unterstützen.
"Wir werden nicht zulassen, dass diese Verrückten die USA weiter auseinanderreißen", schrieb er in einem Beitrag auf Truth Social. In den Monaten zuvor hatten Anti-Einwanderungs-Proteste die USA erschüttert, wobei die gewalttätigsten Fälle in Los Angeles zu Zusammenstößen mit der Polizei, Plünderungen und Brandstiftung eskaliert waren.
Soros war laut freigegebenen Dokumenten, die im Juli vom Justizausschuss des Senats veröffentlicht wurden, auch mit der Russiagate-Affäre von 2016 in Verbindung gebracht worden.
In den Dokumenten wurde behauptet, dass das OSF-Netzwerk des Investors Verbindungen zu den widerlegten Behauptungen der Hillary-Clinton-Kampagne hatte, Trump der geheimen Absprache mit Russland zu bezichtigen, um seinen Wahlsieg 2016 zu untergraben – Anschuldigungen, die Moskau seit Langem zurückweist.
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13.09.2025
Ukraine-Konflikt: Trump stellt allen NATO-Ländern ein Ultimatum
freedert.online, 13 Sep. 2025 18:34 Uhr
Die NATO-Länder müssen auf russisches Öl verzichten, dann würden die USA harte Sanktionen gegen Moskau verhängen, erklärt Donald Trump. Es sind auch Zölle gegen China notwendig, um den Druck auf Russland zu erhöhen.
US-Präsident Donald Trump hat von den NATO-Staaten gefordert, den Kauf russischen Öls zu stoppen und die Zölle gegen China zu unterstützen. In einem am Samstag veröffentlichten Beitrag auf Truth Social tadelte Trump die Länder des Militärbündnisses für ihre Widerwilligkeit, weit genug zu gehen, um die Kampfhandlungen zwischen Moskau und Kiew zu beenden.
Bislang demonstrierten die NATO-Länder, dass ihr "Engagement für einen Sieg weit unter 100 Prozent" lag, argumentierte Trump. Einige Länder sollen zudem russisches Öl in "schockierendem" Umfang kaufen. Dadurch werde die Verhandlungsposition und Verhandlungsmacht gegenüber Russland erheblich geschwächt.
Sollten die NATO-Länder aber aufhören, Öl aus Russland zu kaufen, würde Trump bedeutende Sanktionen gegen Moskau verhängen. Darüber hinaus könnten die Mitglieder des Militärbündnisses Zölle in Höhe von 50 bis 100 Prozent auf chinesische Waren erheben. Die Maßnahme würde nach dem Ende des Ukraine-Konfliktes abgeschafft, zuvor jedoch als zusätzliches Druckmittel auf Russland dienen.
Trump erhob seine Forderung vor dem Hintergrund wiederholter Aufrufe der USA an ihre europäische Verbündete, nicht nur China, sondern auch Indien wegen der Importe russischen Öls mit zusätzlichen Zöllen zu belegen. Parallel setzt die EU die Arbeit an einem 19. Sanktionspaket gegen Russland fort.
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13.09.2025
ESC 2026 droht zum Israel-Boykott-Festival zu werden
2:freedert.online, 13 Sep. 2025 19:25 Uhr
Der ESC 2026 in Wien droht politisch zu eskalieren: Mehrere Länder, darunter die Niederlande, Irland, Slowenien und Spanien, haben einen Boykott angekündigt, sollte Israel teilnehmen. Österreich begrüßt Israels Teilnahme, die EBU entscheidet im Dezember.
Der ESC in Wien befindet sich im Boykott-Stress: Mehrere Länder stellen die Teilnahme Israels infrage.
Der 70. Eurovision Song Contest (ESC) in Wien steht vor einem bisher beispiellosen geopolitischen Prüfstein. Immer mehr Länder drohen, ihre Teilnahme abzusagen, sollte Israel am Wettbewerb teilnehmen.
Die Europäische Rundfunkunion (EBU) sieht sich mit einer zunehmend heiklen diplomatischen Situation konfrontiert, in der der Anspruch des ESC auf Unabhängigkeit und politische Neutralität auf die Probe gestellt wird.
Die Niederlande zogen als eines der ersten Länder eine klare Grenze. Der öffentlich-rechtliche Sender Avrotros erklärte, man könne die Teilnahme angesichts des anhaltenden Leids im Gazastreifen nicht länger rechtfertigen. Neben den humanitären Aspekten führte Avrotros die Einschränkung der Pressefreiheit und den Ausschluss unabhängiger Medien aus dem Gazastreifen an. Zudem verwies der Sender auf handfeste Hinweise darauf, dass die israelische Regierung beim ESC 2025 in Basel versucht habe, das Event als politisches Instrument zu nutzen. Sollte die EBU Israel ausschließen, werde man in Wien gerne teilnehmen, heißt es.
Printscreen X
Irland schloss sich dieser Position an. RTÉ machte deutlich, dass eine Teilnahme angesichts der humanitären Lage im Gazastreifen unvertretbar sei. Auch Spanien, Slowenien, Island und Belgien erwägen oder haben bereits ähnliche Schritte angekündigt. Besonders Spanien, einer der fünf großen Beitragszahler des ESC, forderte öffentlich, Israel vom Wettbewerb auszuschließen, andernfalls müsse man einen Rückzug in Betracht ziehen.
Norwegen hingegen bleibt vorsichtig und verweist auf laufende Verhandlungen mit der EBU, die im Dezember eine endgültige Entscheidung treffen wird.
Im Gegensatz dazu positioniert sich Österreich als Gastgeberland des ESC 2026 klar pro Israel. ORF-Generaldirektor Roland Weißmann erklärte, man begrüße die Teilnahme Israels ausdrücklich. Der ORF-Stiftungsrat unterstützte diese Haltung, um die Unabhängigkeit des ESC als neutralen Wettbewerb zu wahren.
Der Fall weckt Erinnerungen an den Ausschluss Russlands 2022 nach dem Überfall auf die Ukraine. Die EBU hatte die Entscheidung damals damit begründet, dass eine russische Teilnahme den Wettbewerb in Verruf bringen würde. Beobachter sehen nun ähnliche Spannungen auf den ESC in Wien zukommen.
Die EBU hat die Frist für die endgültige Teilnahmeentscheidung der Rundfunkanstalten auf Dezember verlängert, um Zeit für Konsultationen zu gewinnen. Die Veranstalter stehen vor der schwierigen Aufgabe, zwischen geopolitischem Druck und dem Anspruch auf Unabhängigkeit zu vermitteln.
Ein Ausschluss Israels könnte in Jerusalem als Affront verstanden werden, während eine Zulassung europäische Boykottdrohungen provozieren würde – eine heikle Gratwanderung für den ESC 2026. Der Wettbewerb, einst Spiegel europäischer Kultur und Zusammenarbeit, droht zu einem geopolitischen Testfall zu werden, der zeigt, dass selbst ein unpolitisch konzipiertes Event nicht losgelöst von internationalen Konflikten existieren kann.
Parallel startet Russland mit "Intervision" eine eigene Alternative zum ESC. Das Finale am 20. September in Moskau bringt Künstler aus 21 Ländern zusammen, darunter Russland, Kuba, Weißrussland, Serbien, Katar und Venezuela. Organisator Ilja Awerbuch betont den Anspruch, nationale Identität mit universellem Musikanspruch zu verbinden. Die Veranstaltung versteht sich als Plattform für kulturelle Vielfalt und internationale Kooperation, nachdem Russland 2022 vom ESC ausgeschlossen wurde.
Kritiker werfen der Eurovision seit Jahren politische Einseitigkeit und Abstimmungsmanipulationen vor. "Intervision" soll demgegenüber musikalische Qualität und kulturelle Vertretung über Kontinente hinweg in den Vordergrund stellen. Moskau wirft dem ESC zudem Doppelstandards vor, insbesondere angesichts der Zulassung Israels trotz des Gaza-Krieges.
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13.09.2025
Trump zu Besuch beim britischen König: Welche Rolle spielt die Monarchie?
freedert.online, 13 Sep. 2025 16:44 Uhr
Der britische Monarch sei dazu auserkoren, den US-Präsidenten "zu besänftigen", so die Nachrichtenagentur Reuters. Deshalb reise Donald Trump zu König Charles III. Doch laut einem britischen Historiker ist es eine Chance für die Monarchie, "der Welt zu zeigen, dass sie noch immer aktiv ist".
US-Präsident Donald Trump am 4. Juni 2019 auf Staatsbesuch in Großbritannien in der US-Botschaft in London
Wer herrscht in Großbritannien? Das Land gerät immer mehr in den Fokus. Erst Anfang September machte Moskau einen Elite-Taucher aus Großbritannien für die Nord-Stream-Sabotage verantwortlich. Im August hatte die Trump-Regierung die Bündnispartner der "Five Eyes"-Geheimdienstallianz von US-amerikanischen Informationen über den Dialog zwischen Russland und den USA über die Friedensverhandlungen zum Ukraine-Krieg ausgeschlossen, darunter auch Großbritannien.
Am kommenden Dienstagabend wird US-Präsident Donald Trump zu einem mehrtägigen Staatsbesuch in Großbritannien eintreffen. Dabei wird er sich zuerst mit der britischen Königsfamilie treffen. Wie der Nachrichtensender n-tv am Samstag berichtete, werde das US-Präsidentenpaar am Mittwoch Schloss Windsor besuchen, wo es von Prinz William und Herzogin Kate empfangen werde und sich anschließend mit König Charles III. treffe.
Gemäß einem vom Königshaus veröffentlichen Programm ist für den Staatsbesuch kein öffentlicher Auftritt vorgesehen. Es handele sich um eine Vorsichtsmaßnahme, weil man sich vor erwarteten Massenproteste fürchte, gab n-tv die Begründung wieder. Für kommenden Mittwoch habe eine breite Koalition verschiedener Organisationen zu einer Demonstration unter dem Motto "Trump Not Welcome" (Trump nicht willkommen) in London aufgerufen.
In einem Bericht vom Freitag stellt Reuters ausführlich dar, warum sich der US-Präsident mit der britischen Königsfamilie trifft. Die Monarchen seien dazu auserkoren, den US-Präsidenten "zu besänftigen", recherchierte die Nachrichtenagentur und erklärte: "Die britische Königsfamilie wird bei Donald Trumps Besuch in Großbritannien nächste Woche ihre unvergleichliche 'Soft Power' unter Beweis stellen und versuchen, den US-Präsidenten zu besänftigen, wie es nur wenige andere können." Zu konkreten politischen Themen des Treffens äußerte sich Reuters nicht.
Nachdem die britische Monarchie früher das größte Imperium der Geschichte angeführt habe, bestehe ihre wichtigste Aufgabe aktuell darin, Weltpolitiker wie Trump bei großen Staatsempfängen "zu umschmeicheln". Damit wolle man erwirken, dass Weltpolitiker "Großbritannien wohlwollend gegenüberstehen". Gegenüber Reuters äußerte sich der britische Historiker Anthony Seldom zu Trumps Besuch bei den Windsors. Obwohl man die Königsfamilie als antiquiert verspotte, reise der mächtigste Mann der Welt ausgerechnet zu den Monarchen. Seldom sagte dazu im Wortlaut:
"Von vielen als antiquiert und hoffnungslos veraltet verspottet, sind es doch die Königsfamilie und die Monarchie, die die mächtigste Person der Welt anziehen."
Auch der britische Premierminister Keir Starmer habe sich zuvor im Februar an die Royals gewandt, als er die Zustimmung des US-Präsidenten in Bezug auf den Krieg in der Ukraine und mögliche Handelszölle auf seiner Seite halten wollte, erinnerte Reuters an die unterschätzte Bedeutung der Monarchen.
Dabei sei es zugleich aber die jeweils herrschende britische Regierung, die das Königshaus für ihre Zwecke instrumentalisiere, erläuterte die Nachrichtenagentur anschließend die Machtverhältnisse in Großbritannien: Die britische Regierung habe die Royals auch im Falle der Staatsbesuche des russischen Präsidenten Wladimir Putin und des chinesischen Staatschefs Xi Jinping "zu einer Charmeoffensive eingesetzt". Insofern sei also damals die ehemalige Königin Elisabeth von der Regierung "eingesetzt" worden.
Die "Soft Power" der Royals habe nämlich eine große Anziehungskraft auf ausländische Würdenträger, kommentierte Reuters die Besuche beim angeblich politisch machtlosen britischen Königshaus. Am Ende des Berichts wurde noch einmal der Geschichtswissenschaftler Seldom mit einer irgendwie schwammigen Einordnung zur Macht der britischen Monarchen zitiert: Der Besuch des US-Präsidenten sei "eine Chance für die Monarchie, Großbritannien und der Welt zu zeigen, dass sie noch immer aktiv ist".
Durch die Sperrung von RT zielt die EU darauf ab, eine kritische, nicht prowestliche Informationsquelle zum Schweigen zu bringen. Und dies nicht nur hinsichtlich des Ukraine-Kriegs. Der Zugang zu unserer Website wurde erschwert, mehrere Soziale Medien haben unsere Accounts blockiert. Es liegt nun an uns allen, ob in Deutschland und der EU auch weiterhin ein Journalismus jenseits der Mainstream-Narrative betrieben werden kann. Wenn Euch unsere Artikel gefallen, teilt sie gern überall, wo Ihr aktiv seid. Das ist möglich, denn die EU hat weder unsere Arbeit noch das Lesen und Teilen unserer Artikel verboten. Anmerkung: Allerdings hat Österreich mit der Änderung des "Audiovisuellen Mediendienst-Gesetzes" am 13. April diesbezüglich eine Änderung eingeführt, die möglicherweise auch Privatpersonen betrifft. Deswegen bitten wir Euch bis zur Klärung des Sachverhalts, in Österreich unsere Beiträge vorerst nicht in den Sozialen Medien zu teilen.
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13.09.2025
Berlin will nukleare Teilhabe zu seinen Gunsten ausbauen – Methode des deutschen Wahnsinns
freedert.online, 13 Sep. 2025 20:35 Uhr, Von Geworg Mirsajan
Berlin wähnt, sich im Rahmen der Militarisierung nicht nur in die militärpolitische Führungsspitze der EU hieven zu können, sondern auch noch die Kontrolle über Kernwaffen zu erhalten. Dies nicht durch eigene Kernwaffen, denn das hätte weitreichende innen- und außenpolitische Konsequenzen – sondern durch "nukleare Kollektivierung" Europas.
In Frankreich gefertigter kernwaffenfähiger Marschflugkörper des Typs ASMP unter Mirage-2000N der französischen Luftstreitkräfte (Symbolbild)
Methodisches Vorgehen – diese Eigenschaft unterscheidet (immer noch, erstaunlicherweise) die deutsche Außenpolitik heute von der ihrer Verbündeten im kollektiven Westen – Frankreich, Großbritannien und sogar den Vereinigten Staaten.
Während der Rest-Westen hektisch und unruhig ist – und der französische Präsident Emmanuel Macron immer noch überaus notdürftige "Koalitionen der Willigen" für die Entsendung von Truppen in die Ukraine zusammenzimmert und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen Europa davon zu überzeugen versucht, Hunderte Milliarden Euro für die Wiederaufrüstung auszugeben –, strebt Berlin Schritt für Schritt die militärische und politische Führung in Europa an. Die "nur" politische Führung hat Berlin sogar bereits übernommen: Es hat sich an die Spitze der gesamteuropäischen Eindämmungspolitik gegenüber Russlands gestellt, die wirtschaftliche Komponente für die Wiederaufrüstung der Bundeswehr mit Ach und Krach gewährleistet – und ist nun bereit für einen neuen Schritt: die Nuklearisierung.
Richtig, Deutschland kann die Atombombe wohl nicht bekommen. Nicht etwa, weil es an der Technologie und den Fähigkeiten dafür mangeln würde (laut der Internationalen Atomenergiebehörde wäre Berlin in der Lage, innerhalb nur weniger Monate Kernwaffen zu bauen) – sondern weil diese Entscheidung derart hohe politische Kosten mit sich bringen würde, dass sie Berlins Chancen, die Europäische Union in ein "Viertes Reich" zu verwandeln, wie es dies anstrebt, zunichtemachen würde.
Erstens, weil Berlin damit das weltweite nukleare Nichtverbreitungsregime begraben würde und damit die politische Verantwortung dafür trüge, dass diese Waffen in den Händen aller regionalen Machthaber auftauchen würden; und für den Zusammenbruch des globalen Sicherheitssystems; und für die Millionen von Opfern in nachfolgenden Atomkriegen … Dies alles würde Deutschland weltweit zu einem politischen Paria machen.
Zweitens, weil eine Atombombe Berlins ganz Osteuropa in Angst und Schrecken versetzen würde. Polen beispielsweise könnte Deutschlands militärische Stärkung ja durchaus begrüßen, um Russland, Warschaus historischen Feind, einzudämmen. Doch ein Sprung Deutschlands, das auch seinerseits ein historischer Feind Warschaus ist, in die Rolle des militärischen Hegemons in Europa ist für Polen völlig unannehmbar.
Die polnischen Regierungen haben die Geschichte ihres Landes mehr oder weniger gut studiert – und man erinnert sich noch gut daran, dass Deutschland (beziehungsweise Preußen) seine Vereinbarungen mit Moskau oft eben auf Kosten der Teilung Polens traf. Und auch daran, dass die historischen ostdeutschen Gebiete nur deshalb Teil des polnischen Staates wurden, weil Josef Wissarionowitsch Stalin sie Warschau überließ. Die Umwandlung Deutschlands in eine Atommacht wird also zur Bildung eines Blocks führen, der die Bundesrepublik an ihren Ostgrenzen eindämmen soll – eines Blocks, der alle mitteleuropäischen Länder umfassen wird, die aus allen möglichen historischen Gründen eine deutsche militärische Dominanz fürchten.
Drittens schließlich, weil in Deutschland schlicht und ergreifend eine atomkritische Stimmung herrscht. Die deutschen Behörden steigen nun sogar aus der Atomenergie aus. Sie beabsichtigen nicht, neue Atomkraftwerke zu bauen, und wollen das dadurch verursachte Energiedefizit, das sich durch die Schließung von Kohlekraftwerken noch verschärfen wird, durch den Ausbau von Erdgas-Wärmekraftwerken decken. Bis zum Jahr 2030 will die Regierung in Berlin damit 20 Gigawatt Stromerzeugung schaffen – ohne auch nur daran zu denken, wie viel sie Land und Wirtschaft kosten wird (Berlin lehnt billiges russisches Gas bekanntlich ab). Mit einem solchen Ansatz werden die Deutschen nicht nur dem Bau einer Bombe nicht zustimmen – sondern sie könnten in absehbarer Zeit auch die Kompetenz dazu verlieren.
Genau deshalb versucht Berlin derzeit eben nicht, mit etwaigen eigenen Kernwaffen in den Kreis der Atommächte aufzusteigen.
Stattdessen versucht es, die Atomwaffen eines anderen in die Hände zu bekommen. Der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Jens Spahn, ist der Ansicht, Deutschland sollte Zugang zu französischen und britischen Atomwaffen erhalten, um, wie er es darstellt, diese Waffen von einem souveränen Instrument einzelner europäischer Staaten in einen paneuropäischen Schutzschild und ein Schwert zu verwandeln.
Die Worte, die da im Deutschen Bundestag fallen, sind durchaus logisch. Sie folgen dem stärksten politischen Trend, an dessen Entstehung die Deutschen selbst beteiligt waren – der Souveränität Europas. Mehrere führende Politiker Europas haben erklärt, dass die sich verändernde Welt und das Abgleiten der Vereinigten Staaten in den Neo-Isolationismus, begleitet von Washingtons politischer Arroganz, der Alten Welt keine andere Wahl lassen. Die Europäer müssen, so heißt es, sich jetzt selbst verteidigen – und es sei einfacher, sich gemeinsam zu verteidigen, da die Bedrohungen für alle angeblich dieselben sind. Gerade deshalb wurde in der Europäischen Kommission der Posten eines EU-Verteidigungskommissars geschaffen, genau deshalb startet EU-Kommissionsvorsitzende Ursula von der Leyen eine gesamteuropäische Aufrüstung, für nichts Anderes werden unter dem Vorwand der Konfrontation mit Russland kollektive militärische Instrumente der EU-Länder zunächst im Rahmen einer "Koalition der Willigen" gebildet.
Und im Rahmen dieses Weges wäre es absolut logisch, auch eine "nukleare Kollektivierung" durchzuführen – um sicherzustellen, dass die französischen und britischen (auch wenn London nicht der EU angehört) Atomstreitkräfte zu einem Aktivposten der gesamten Europäischen Union werden. Damit die gesamte EU und Deutschland eben als Anführer dieser Koalition nicht nur physischen Zugriff auf diese Waffen haben, sondern auch am Entscheidungsprozess über ihren Einsatz beteiligt sind. Und dann könnte Berlin dank seiner militärisch-politischen Führungsrolle in der EU – denn nach den Reformen, sofern diese erfolgreich durchgeführt werden können, wird die Bundeswehr stärker sein als jede andere europäische Armee – von der Beteiligung an Kernwaffenprogrammen dazu schreiten, sich die Kontrolle darüber zu sichern.
Zwar gibt es eine Reihe von Hindernissen auf diesem Weg: Die Franzosen und die Briten werden das Ihre nicht teilen wollen; die Vereinigten Staaten, unter deren operativer Kontrolle sich die europäischen Atomwaffen befinden, werden wohl ebenfalls nicht begeistert sein, wenn Deutschland über den "Roten Knopf" walten wird. Berlin glaubt jedoch möglicherweise, dass der Gesamtwesten jetzt in der Falle sitzt: Man kann nur schwer die russische Bedrohung und die Notwendigkeit einer westlichen Konsolidierung herausposaunen und gleichzeitig die Kernwaffen-Komponente aus der westlichen Mobilmachung herauslassen.
Berlin hat alles durchgeplant. Deutsche gehen eben methodisch vor.
Geworg Mirsajan ist außerordentlicher Professor an der Finanzuniversität der Regierung der Russischen Föderation, Politikwissenschaftler und eine Persönlichkeit des öffentlichen Lebens. Geboren 1984 in Taschkent, erwarb er seinen Abschluss an der Staatlichen Universität des Kubangebiets und promovierte in Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt USA. Er war von 2005 bis 2016 Forscher am Institut für die Vereinigten Staaten und Kanada an der Russischen Akademie der Wissenschaften.
RT DE bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Gastbeiträge und Meinungsartikel müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.
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13.09.2025
nachdenkseiten.de, 13. September 2025 um 13:00 Ein Kommentar von Marcus Klöckner
Roderich Kiesewetter forderterneut Angriffe auf Russland und meint, das „Gesülze von Friedensverhandlungen muss aufhören“. Der Vizepräsident des Bundestages, Omid Nouripour, springt dem CDU-Politiker bei. Die Radikalisierung im Parlament nimmt ihren Lauf.
Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar.
Russische Drohnen sollen angeblich in den polnischen Luftraum eingedrungen sein. So berichten es Medien. Was auch immer geschehen ist: Jeder auch nur halbwegs vernünftige Politiker sollte erkennen, dass die derzeitige Situation zwischen Russland und der NATO einem Pulverfass gleicht. Verantwortungsvolle Politik heißt in dieser Situation: Das diplomatische Gespräch suchen, verbal abrüsten und dafür sorgen, dass Europa nicht noch einmal – und dann vermutlich zum letzten Mal! – in Schutt und Trümmer gelegt wird. Anders gesagt: Wer hier als Politiker auch noch Benzin ins Feuer gießt, setzt das Leben von Millionen von Menschen aufs Spiel.
Doch es gibt sie, die Hardliner der deutschen Russlandpolitik. Sie sitzen im Bundestag, und ihre Äußerungen lassen tief blicken.
Solidaritätsbekundungen sind fehlplatziert. Endlich mit Konsequenz und Härte antworten! Gesülze von Friedensverhandlungen muss aufhören. Es muss jetzt Taurus und massive mil. Unterstützung für die Ukraine erfolgen, denn Russland nährt sich durch unsere Schwäche. Russland und CRINK muss gestoppt werden! Die Ukraine so ausstatten, dass sie die Russen zurückdrängen kann inkl. Angriffe auf militärisch relevante Ziele in Russland. Unser Frieden in Freiheit und Selbstbestimmung werden [sic] von Russland ausgetestet und sind [sic] massiv in Gefahr.
Das sind die Worte von Kiesewetter, veröffentlicht in einem Tweet auf der Plattform X. Sie sind Abbild einer Politik, die einen falschen Weg eingeschlagen hat und Gefahr läuft, einen Krieg zwischen NATO und Russland mit herbeizuführen. Denn: Was passiert, wenn die Ukraine mit noch mehr Waffen ausgerüstet wird und verstärkt zu Angriffen auf Russland übergeht? Erfolgt dann die Kapitulation Russlands? Jeder weiß: Die Eskalationsdominanz liegt bei Russland. Dem Prinzip der Reziprozität gemäß wird Russland auf die Angriffe noch härter reagieren. Und darauf müsste, folgt man der Logik Kiesewetters, auch die Ukraine mit der NATO in der Hinterhand ebenfalls weiter eskalieren. Der Weg in die nukleare Katastrophe ist vorgezeichnet.
Dass deutsche Politiker bereit sind, ihr Land samt der Gesellschaft einer solchen Gefahr auszusetzen, zeigt: Feindbilddenken in seinen extremen Ausprägungen führt über kurz oder lang zu einem Wahnsinn, der ganze Gesellschaften ins Verderben zu reißen droht.
Wo ist die Vernunft?
Omid Nouripour, immerhin der Vizepräsident des Bundestages, widerspricht den Aussagen Kiesewetters nicht etwa, nein, er retweetet den Tweet des CDU-Politikers und unterstreicht ihn mit den Worten:
Sehr richtig, lieber Kollege. Setzen wir es gemeinsam durch. Nicht nur hier, sondern auch im Parlament. Auf @GrueneBundestag ist Verlass.
Ob Nouripour sich hier auf die Taurus-Lieferungen oder worauf auch immer bezieht, ist unklar. Klar hingegen ist: Der Grünen-Politiker tritt der Forderung nach einem Angriff auf Russland nicht entgegen.
Klar wird aber noch etwas anderes. Im Bundestag findet eine Radikalisierung statt. Wo einst Geschichtsbewusstsein, Diplomatie, Zurückhaltung und das Friedensgebot des Grundgesetzes hochgehalten wurden, breitet sich Militarismus aus. Eine Billion Euro für Aufrüstung und Kriegstüchtigkeit? Weite Teile des Parlaments ziehen mit. Unter diesem Klima dürfen dann auch deutsche Politiker Angriffe auf Russland fordern. Diese neue Normalität in der deutschen Politik trägt die Saat des Destruktiven in sich.
unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.
13.09.2025
Das Göring-Vermächtnis – Rheinmetall-Waffen an die Ukraine-Front
freedert.online, 13 Sep. 2025 12:32 Uhr, Von Uli Gellermann
Großmannssucht im deutschen Außenministerium zeigt sich etwa darin, dass Berlin den russischen Botschafter einbestellt, sobald Polen Behauptungen aufstellt. Großmannssucht ist auch, wenn deutsche Rüstungskonzerne an einem geschichtsträchtigen Ort eine Fabrik für Artilleriegeschosse errichten wollen.
Der ukrainische Verteidigungsminister Denys Schmygal traf sich am Rande der Rüstungsmesse DSEI mit Armin Papperger, dem Chef des deutschen Konzerns Rheinmetall, London, 11.09.2025
Die Düsseldorfer Rheinmetall AG will eine Rüstungsfabrik in der Ukraine bauen. Die ARD-Tagesschaumeldet zackig zum solidarischen Rapport:
"Der deutsche Rüstungskonzern Rheinmetall plant, in der Ukraine in einer neuen Fabrik Artilleriegeschosse für die dortigen Streitkräfte herzustellen. Das teilte der ukrainische Verteidigungsminister Denys Shmyhal mit. 'Am 9. September wurde in einer sicheren Region der Ukraine ein Grundstück zugeteilt, auf dem ein neues Werk zur Herstellung von Rheinmetall-Granaten für die ukrainischen Streitkräfte errichtet werden soll', schrieb Shmyhal auf der Plattform X."
Immer schön nahe an der Front: Wenn der Tod in den Osten geliefert werden soll, kann Deutschland nicht zurückstehen.
Nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion im Juni 1941 sollten mit der Eroberung der Ukraine die Werke zur Munitionsherstellung im Donezbecken an die Reichswerke Hermann Göring übergehen. Edmund Geilenberg, der Geschäftsführer der Stahlwerke Braunschweig GmbH, die sich im Eigentum der Reichswerke befanden, war für das sogenannte Iwan-Programm des Oberkommandos des Heeres verantwortlich, das die Aufgabe hatte, Munitionsbetriebe in der Ukraine unverzüglich wieder in Betrieb zu setzen. Hierzu wurde zusammen mit dem Flick-Konzern im Januar 1943 die Dnjepr Stahl GmbH gegründet (50/50-Beteiligung). Kurze Zeit später jedoch eroberte die Rote Armee erfolgreich das Gebiet wieder zurück.
Pech für die "Reichswerke" und die Flick-Sippe
So ein Pech für die "Reichswerke" und die Flick-Sippe. Aber nach dem Krieg, als der Westen Deutschlands nicht wirklich entnazifiziert wurde und die Rote Armee weit weg war, kam Flick schnell wieder an die Spitze des Konzerns. Und noch heute gibt es die "Flick Holding" ‒ über sie werden die Vermögenswerte und Beteiligungen der deutschen Industriellenfamilie Flick verwaltet. Die Familie hält bis heute bedeutende Anteile, beispielsweise in Unternehmen wie der Flick Fashion Group, und sie ist auch in anderen Wirtschaftsbereichen aktiv, wie die Kanzlei Flick Gocke Schaumburg zeigt. Die Kanzlei erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2024 einen Umsatz von 258 Millionen Euro ‒ Erben lohnt sich.
Das "Iwan-Programm" der Nazis wird fortgesetzt
In diesen Tagen wird das "Iwan-Programm" der Nazis nun nach 84 Jahren in einem erneuten Anlauf fortgesetzt. Der wesentliche Anteilseigner der Rheinmetall AG, der BlackRock-Konzern, investiert mit seiner Rüstungsfabrik in der Ukraine in den aktuellen Krieg, der den Nachfolgern der Sowjetunion eine Niederlage beibringen soll. Aber der "Iwan" zeigt sich konsequent zäh. Er wird den Deutschen und ihren Verbündeten in der Ukraine erneut demonstrieren, wie man gegen den "Iwan" verliert: vernichtend. Dass an der deutschen Regierungsspitze mit Friedrich Merz ein ehemaliger Vorsitzender des Aufsichtsrats von BlackRock steht, ist nur insofern ein Zufall, weil der Zufall ein Schnittpunkt von Notwendigkeiten ist.
Der Kapitalismus will notwendigerweise Profit machen. Dieser Profitmacherei stehen in der Ukraine die Russen im Wege. Und weil diese das Feld nicht freiwillig der NATO überlassen wollen, müssen sie erstmal notwendig aus dem Weg geräumt werden. Ein Hebel dafür wäre eine erstklassige Rüstungsfabrik. Man muss nur den Kriegsprofiteur Rheinmetall vom Rhein an den Dnjepr verlegen, um damit kurze Lieferwege an die Ostfront zu sichern.
Militärübung von Soldaten aus Weißrussland und Russland
Das künstliche Erstaunen deutscher Medien über die Militärübung "Sapad-2025" mit 12.000 Soldaten aus Weißrussland und Russland ist nicht einmal witzig: Russen und Weißrussen kennen sich sehr gut mit den Deutschen aus. Letztere tobten rund vier Jahre lang auf deren Territorium. An einer Wiederholung dieser Zeit sind Menschen in Russland und Weißrussland nicht interessiert: Sie erinnern sich gut an die Millionen Opfer. Wer die Übung als bewusste "Provokation" begreift, hat die Geschichte nicht begriffen oder ist so korrupt wie die Mehrheit der Mainstream-Medien.
Wadephul auf den Spuren der Nazis
Der Mangel an historischem Bewusstsein ist auch und gerade aktuell im Auswärtigen Amt zu spüren. Nachdem die polnische Regierung Drohnen im polnischen Luftraum registriert hatte, bestellte das deutsche Außenministerium den russischen Botschafter ein ‒ so, als ob der polnische Luftraum Teil eines deutschen Protektorates sei. Der Oberstleutnant der Reserve Wadephul (CDU) hatte sich schon im Mai 2023 dafür ausgesprochen, dass der Einsatz deutscher Waffen gegen Russland erlaubt sein sollte. Der russophobe Außenminister erklärte in einem Interview, dass Russland "immer ein Feind für uns bleiben wird, wie immer auch der Krieg in der Ukraine enden möge". Es sind Politiker wie Wadephul, die auf den Spuren der Nazis eine Gefahr für die Sicherheit Deutschlands sind.
Der Beitrag wurde zuerst am 12. September 2025 auf der Webseite www.rationalgalerie.de veröffentlicht.
Uli Gellermann ist Filmemacher und Journalist. Seine Erfahrungen mit den öffentlich-rechtlichen Sendern begründen seine Medienkritik. Er ist Betreiber der Internetseite Rationalgalerie.
RT DE bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Gastbeiträge und Meinungsartikel müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.
Durch die Sperrung von RT zielt die EU darauf ab, eine kritische, nicht prowestliche Informationsquelle zum Schweigen zu bringen. Und dies nicht nur hinsichtlich des Ukraine-Kriegs. Der Zugang zu unserer Website wurde erschwert, mehrere Soziale Medien haben unsere Accounts blockiert. Es liegt nun an uns allen, ob in Deutschland und der EU auch weiterhin ein Journalismus jenseits der Mainstream-Narrative betrieben werden kann. Wenn Euch unsere Artikel gefallen, teilt sie gern überall, wo Ihr aktiv seid. Das ist möglich, denn die EU hat weder unsere Arbeit noch das Lesen und Teilen unserer Artikel verboten. Anmerkung: Allerdings hat Österreich mit der Änderung des "Audiovisuellen Mediendienst-Gesetzes" am 13. April diesbezüglich eine Änderung eingeführt, die möglicherweise auch Privatpersonen betrifft. Deswegen bitten wir Euch bis zur Klärung des Sachverhalts, in Österreich unsere Beiträge vorerst nicht in den Sozialen Medien zu teilen.
unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.
13.09.2025
USA / Belarus
aus e-mail von Doris Pumphrey, 13. September 2025, 19:33 Uhr
*"Nur der Anfang" – Trump-Gesandter zur Normalisierung der Beziehungen
zu Weißrussland
*Am Donnerstag, dem 11. September, traf der weißrussische Präsident
Alexander Lukaschenko den stellvertretenden Sonderbeauftragten des
US-Präsidenten, John Coale, in Minsk. Bei dem Treffen wurde der
Fortschritt bei der Normalisierung der Beziehungen zwischen Weißrussland
und den USA erörtert. "Wir möchten unsere bilateralen Beziehungen
zwischen der Republik Weißrussland und den Vereinigten Staaten unbedingt
normalisieren und sind bereit, alles dafür zu tun", erklärte Coale.
Im Anschluss daran amnestierte Lukaschenko 52 Häftlinge, darunter 14
ausländische Staatsangehörige. Die USA kündigten ihrerseits die
Aufhebung der Sanktionen gegen die weißrussische Fluggesellschaft
Belavia an. Darüber hinaus wurden die Ausweitung der Handels- und
Wirtschaftsbeziehungen zwischen den beiden Ländern sowie die
vollständige Wiederaufnahme der Arbeit der US-Botschaft in Minsk erörtert.
_*Trump hebt Sanktionen gegen Belavia auf, Lukaschenko lässt
Oppositionelle frei
*Die USA haben die Sanktionen gegen die weißrussische Fluggesellschaft
Belavia aufgehoben. Wie der US-Sonderbeauftragte John Coale am
Donnerstag bei einem Treffen mit Präsident Alexander Lukaschenko in
Minsk mitteilte, wurde die Entscheidung persönlich von Donald Trump
getroffen. Es sei bereits offiziell und von allen zuständigen Behörden
bestätigt worden.
Ferner präzisierte /Reuters/, dass die Fluggesellschaft nach der
Lockerung der Sanktionen ihre Boeing-Flugzeuge warten und Ersatzteile
dafür kaufen dürfe.
Vor dem Hintergrund dieser Entscheidung begnadigte Lukaschenko 52
Gefängnisinsassen. Unter ihnen sind 14 ausländische Staatsbürger, und
zwar aus Litauen, Lettland, Polen, Deutschland, Frankreich und
Großbritannien. Ebenfalls wurden der Oppositionelle und ehemalige
Präsidentschaftskandidat Nikolai Statkewitsch sowie der Philosoph
Wladimir Mazkewitsch freigelassen. Die Begnadigten verließen
Weißrussland in Richtung Litauen, was Präsident Gitanas Nausėda und die
US-Botschaft in Vilnius bestätigten.
Der 69-jährige Statkewitsch kandidierte im Jahr 2010. Bei
den darauffolgenden Wahlen im Jahr 2020 wurde seine Kandidatur von der
Zentralen Wahlkommission nicht registriert. Im Mai 2020 wurde er
schließlich festgenommen. Das Gericht in Gomel fand ihn der Organisation
von Massenunruhen für schuldig und verurteilte zu ihn 14 Jahren Haft.
Bei seinem Treffen mit Coale vor der Bestätigung der Freilassung
erklärte Lukaschenko, er sei nicht gegen einen "großen Deal" mit den
Vereinigten Staaten über Gefangene. Die Pressesprecherin des
weißrussischen Präsidenten sprach von einer Entscheidung "nach dem
Prinzip des Humanismus".
Im Juni hatte Lukaschenko nach einem Treffen mit Trumps Sondergesandten
Keith Kellogg 14 Gefangene freigelassen, darunter Oppositionsführer
Sergei Tichanowski.
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13.09.2025
Warum die EU so kaputt ist? Werfen wir einen Blick auf ihre Spitzendiplomatin
freedert.online, 13 Sep. 2025 17:23 Uhr, Von Tarik Cyril Amar
Die "Überraschung" von Kaja Kallas über die Rolle der Sowjetunion und Chinas im Zweiten Weltkrieg enthüllt die hässliche Inkompetenz der westlichen Eliten. Dass es ihr gelang, die Leiter so hoch hinaufzufallen, sagt viel über den Zustand der EU.
Kaja Kallas, De-Facto-Außenministerin der EU (und ehemalige estnische Premierministerin) ist ungewöhnlich, ja geradezu grotesk inkompetent, selbst für einen ungewählten EU-Apparatschik.
Wie die ehemalige deutsche Außenministerin Annalena "360 Grad" Baerbock – die jetzt wie ein aufgeregter Oberschichtteenager aus ihren zu Unrecht erworbenen UN-Pfründen in New York Instagram-Bildchen verschickt – zeigt auch Kallas eine enorme Fähigkeit, sich selbst zu gefallen. Sie scheint nie glücklicher, als wenn sie ein Mikrofon vor ihre eigenen Plattitüden hält, die sie in einer demütigend simplen Form eines sehr bemühten Englisch präsentiert, während sie von einem hingerissenen Interviewer unterwürfig in Watte gepackt wird.
In beiden Fällen ist der Kontrast zwischen dem Selbstbild und der Wirklichkeit erschütternd: Kallas' und Baerbocks offenkundiger, hervorstechender Mangel an intellektuellen Fähigkeiten, grundlegender Bildung und einfachem professionellen Wissen sollte ihre fehlgeleiteten Karriereambitionen eigentlich schon vor langem begraben haben.
Stattdessen ist Kallas, wie Baerbock, nicht nur die schlüpfrige Leiter für Karriere und Privilegien schnell hinaufgefallen. Sie tat dies auch noch in einem besonders sichtbaren Gebiet: Führungspersonal, das für die Wirtschaft verantwortlich ist, kann beispielsweise enormen Schaden anrichten – und tut dies auch. Aber jene, die für Außenpolitik verantwortlich sind, sind nicht weniger gefährlich, während sie wörtlich Dutzende oder Hunderte Millionen Menschen öffentlich vertreten.
Ein professioneller und intelligenter Außenminister – wie beispielsweise Chinas Wang Yi, Indiens S. Jaishankar oder Russlands Sergei Lawrow – kann das Ansehen eines Landes oder Blocks sogar bei seinen Kritikern oder Gegnern steigern. Ein amateurhafter und tumber Spitzendiplomat hingegen wird vor der Welt zu einer Schande, für die man sich selbst unter verlegenen Freunden schämen muss. Und sie sind womöglich schlimmer: Ein Gespött, das anzeigt, jeder, der einen Narren als Vertreter wählt, müsse selbst ein Narr sein.
Die Amtszeit von Kaja Kallas als Hohe Vertreterin der EU für Außen- und Sicherheitspolitik liefert sowohl Fremdscham als auch Lächerlichkeit im Überfluss. Einer ihrer jüngsten Spitzenauftritte war eine wirklich alberne Sicht auf die Geschichte des Zweiten Weltkriegs, dumme und ziemlich rassistische Auslassungen über die allgemeinen Fähigkeiten "der Russen" und "der Chinesen", und, natürlich, ein absurder Versuch, ihnen – und dem Iran sowie Nordkorea – vorzuwerfen, unsere schöne alte Welt der regelbasierten Ordnung, mitsamt dem israelisch-westlichen Genozid in Gaza in Unordnung zu bringen.
Was das angeht – in Bezug auf das, was Kallas für Geschichte hält –, meinte die Hochfliegerin aus Estland, sie sei überrascht von Behauptungen, Russland und China hätten im Zweiten Weltkrieg zusammen gekämpft und ihn gewonnen. Natürlich ist das eine einfache Tatsache: Beide Länder wurden weithin als herausragende Mitglieder der Allianz anerkannt, die den weltweiten Faschismus in Europa und Asien bezwang, und werden es immer noch.
Wenn Kallas imstande wäre, einen Praktikanten zu bitten, die Sache zu googeln, oder die Online-Version der Encyclopædia Britannica aufzusuchen, dann fände sie schnell heraus, dass China und Russland (damals der Kern der Sowjetunion) unter die "Großen Vier" des Kerns der Alliierten gezählt werden (neben Großbritannien und den USA). Dieser Platz wurde mit Strömen von Blut verdient: China und die Sowjetunion waren die zwei Länder, die im Zweiten Weltkrieg am brutalsten verwüstet wurden. China kämpfte gegen Massen von japanischen Truppen, und Russland brach der Nazi-Wehrmacht das Rückgrat. Selbst eifrige estnische Kollaborateure konnten für den Führer das Blatt nicht mehr wenden.
Kallas hat also, mit anderen Worten, öffentlich ihr Erstaunen darüber ausgedrückt, dass Wasser nass ist und unser Planet eine Kugel.
Im Lichte dieser im doppelten Sinne historischen Idiotie ist es verblüffend, zu erfahren, dass Kallas erst im letzten Jahr auf der gleichen Konferenz in Estland gesprochen hat wie der Historiker Tim Snyder. Andererseits, vielleicht doch nicht, wenn man Snyders traurigen Abstieg in die verlässlich russophobe und zwanghaft den Kalten Krieg nachstellende Demagogie betrachtet. Das war natürlich dasselbe Treffen, bei dem Kallas fröhlich darüber plapperte, Russland aufteilen zu wollen. Wer weiß? Vielleicht saß ihr Freund Tim ja im Publikum und nickte ihr aufmunternd zu?
Was die unterschiedlichen Begabungen "der Russen" und "der Chinesen" in "Technologie" und "Gesellschaftswissenschaften" angeht, war es schwer, zu sagen, über welche provinziellen Stereotype Kallas da schwafeln wollte. Außer dass sie in ihrem Kopf allesamt zu einer heimtückischen Fähigkeit, "große, große Feuer" in NATO-EU-Europa zu entzünden, zusammenflossen. Mit dieser eher badaboom-artigen Formulierung meinte sie eindeutig, die großen bösen Russen und Chinesen befeuerten die ansonsten bekanntermaßen glücklichen und zufriedenen Massen Europas. Gelbwesten, Bauernproteste, der Aufstieg der Neuen Rechten, mindestens in Großbritannien, Frankreich und Deutschland? Alles die Schuld der Agitatoren von außen!
Und dann gibt es da noch den globalen Aspekt, offensichtlich. Ein derart umfassender Geist wie der von Kallas muss groß denken: Da erweist es sich dann, dass es nicht mehr als drei Jahrzehnte nach dem Kalten Krieg voller arrogantem und sehr gewalttätigem westlichen Unilateralismus (mit oder ohne das "Werte"-Geplapper serviert), Regimewechselversuche mit Krieg und Subversion, Wirtschaftskrieg (inzwischen auch in Form des Brudermords) und, keinesfalls zu vergessen, offenem Genozid, wie jetzt in Gaza, waren, die die westliche Idee der internationalen "Ordnung" diskreditiert haben. Doch es ist alles die Schuld jener, die es wagen, sich diesem Gräuel zu widersetzen, der sich als "regelbasierte Ordnung" verkleidet – in diesem Fall vor allem China, Iran, Nordkorea und Russland.
Kallas ist eine dieser öffentlichen Gestalten, bei denen man sich nur schwer vorstellen kann, dass sie sich selbst reden hören, so geistesgestört, fehl am Platz und absurd ist, was sie von sich geben. Aber sie hört sich unverkennbar, und sie liebt es sogar. Die Erklärung dafür ist am Ende einfach: Wir haben es, politisch ausgedrückt, hier mit einem rücksichtslosen Opportunisten und Karrieristen zu tun, intellektuell gesprochen mit einem bigotten Ideologen, und psychologisch formuliert mit einem rasenden Narzissten.
Schwerer zu beantworten ist die weitaus wichtigere Frage: Wie ist es möglich, dass von den beinahe 450 Millionen Bürgern der EU ausgerechnet Kaja Kallas ausgesucht wurde, sie alle zu vertreten, grausam, peinlich und beschämend? Auf eine oberflächliche, wenn auch bedeutsame Weise ist derartiger Wahnsinn das Ergebnis dessen, dass die EU nicht der demokratische "Garten" ist, von dem ihre Apparatschiks so gerne fantasieren, sondern ein Regime bürokratischen Autoritarismus.
Die Bürger zählen nicht, die sich selbst ermächtigenden und erwählenden "Eliten" entscheiden. Alles, was in diesem Fall Kallas "qualifiziert", ist ihre fanatische Russophobie, ebenso wie ihre provinzielle Sinophobie und die verlässliche Einfachheit und Starrheit ihrer halbgaren Sichtweisen aus dritter Hand.
In einem tieferen Sinn, der noch weit wichtiger ist, beleuchtet der Aufstieg und die Beständigkeit solch einer verheerend, tragikomisch inkompetenten Person natürlich etwas anderes: die tiefe, durchdringende soziale und kulturelle Dekadenz von EU-NATO-Europa. Solange die Europäer – ob auf der Ebene der EU oder dem des Nationalstaates – von solchen wie Kallas, Baerbock oder von der Leyen, Macron, Starmer oder Merz vertreten werden, werden sie den schnellen Abstieg Europas nicht aufhalten.
RT DE bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Gastbeiträge und Meinungsartikel müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.
Durch die Sperrung von RT zielt die EU darauf ab, eine kritische, nicht prowestliche Informationsquelle zum Schweigen zu bringen. Und dies nicht nur hinsichtlich des Ukraine-Kriegs. Der Zugang zu unserer Website wurde erschwert, mehrere Soziale Medien haben unsere Accounts blockiert. Es liegt nun an uns allen, ob in Deutschland und der EU auch weiterhin ein Journalismus jenseits der Mainstream-Narrative betrieben werden kann. Wenn Euch unsere Artikel gefallen, teilt sie gern überall, wo Ihr aktiv seid. Das ist möglich, denn die EU hat weder unsere Arbeit noch das Lesen und Teilen unserer Artikel verboten. Anmerkung: Allerdings hat Österreich mit der Änderung des "Audiovisuellen Mediendienst-Gesetzes" am 13. April diesbezüglich eine Änderung eingeführt, die möglicherweise auch Privatpersonen betrifft. Deswegen bitten wir Euch bis zur Klärung des Sachverhalts, in Österreich unsere Beiträge vorerst nicht in den Sozialen Medien zu teilen.
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13.09.2025
Merz nennt Putin „Kriegsverbrecher“ – und was dieser antwortet
Bundeskanzler Friedrich Merz bezeichnet den russischen Präsidenten Wladimir Putin am 3.9.2025 mit scharfen Worten und ohne sachliche Begründung als „vielleicht schwersten Kriegsverbrecher unserer Zeit“. Noch am selben Tag nahm Putin, von einem Journalisten darauf angesprochen, in ruhiger Weise dazu Stellung, indem er ganz sachlich die nachweisbaren historischen Tatsachen in Erinnerung rief, von denen offenbar abgelenkt werden solle. Wir bringen den aufschlussreichen, genauen Wortlaut der Antwort des russischen Präsidenten.
In einem Interview mit den TV-Sendern von ProSiebenSat1 am 3.9.2025 sagte, wie Der Spiegel berichtet, der deutsche Bundeskanzler wörtlich: „Es ist ein Kriegsverbrecher. Es ist vielleicht der schwerste Kriegsverbrecher unserer Zeit, den wir zurzeit im großen Maßstab sehen. Und wir müssen uns einfach darüber im Klaren sein, wie man mit Kriegsverbrechern umgeht. Da ist Nachgiebigkeit fehl am Platz.“ Und Merz habe außerdem gesagt: „Ich habe keine Veranlassung, Putin an irgendeiner Stelle Glauben zuschenken.“1
Abgesehen von dem Größenwahn, der aus den Sätzen spricht, zeigt das schwerwiegende Urteil über Putin, das jeder Diplomatie den Boden entzieht, dass Merz die gesamte Vorgeschichte bis zum Einmarsch der Russen am 24.2.2022 vollkommen ignoriert, entweder keine Ahnung davon hat – was schwer vorstellbar ist – oder bewusst ausklammert und so durch Weglassen entscheidender historischer Urteilsgrundlagen gezielt lügt. Es ist klar, wie damit die kriegerischen Vorbereitungen der Herrschenden, der eigene Kriegswahn, vor den Menschen gerechtfertigt werden sollen. Diesen wird ständig autoritativ vorgeschrieben, was sie glauben sollen. Die Wahrheit ist immer das erste Opfer eines herannahenden Krieges.
Da es immer noch zur ungeheuren Anmaßung einer Regierung gehört, in vielfacher Hinsicht über die selbstbestimmten Menschen des Volkes zu entscheiden, sie zu lenken und auch gegen ihren Willen in einen Krieg zu führen2 – was in alter Zeit bei noch unmündigen Menschen berechtigt gewesen sein mag -, ist es sehr wichtig, dass die Wahrheit der Zusammenhänge auf den Tisch kommt. Daher übernehme ich von Thomas Röper von Anti-Spiegel die deutsche Übersetzung von Putins Antwort, in der er spontan und sachlich auf wichtige Fakten hinweist.
Putin wurde auf der am Ende seiner China-Reise abgehaltenen Pressekonferenz von einem Journalisten auf die Anschuldigung von Merz angesprochen. Hier der von Thomas Röper übersetzte Ausschnitt der Pressekonferenz: 3
Und, wenn Sie mir gestatten, noch eine Frage. Vor wenigen Stunden hat Sie Bundeskanzler Merz als den vielleicht schlimmsten Kriegsverbrecher unserer Zeit bezeichnet. Was denken Sie darüber?
Putin:Wann?
Kolesnikow:Buchstäblich vor ein paar Stunden.
Putin:Verstehe. (Antwort auf die 1. Frage: …)
Was die von Ihnen erwähnten Aussagen betrifft, (Pressesprecher) Peskow hat mir das vor wenigen Minuten auch erzählt, was ich darüber denke? Ich halte das für einen erfolglosen Versuch, sich selbst – nicht ihn persönlich, sondern sein Land, den „kollektiven Westen“ insgesamt – von der Verantwortung für die Tragödie freizusprechen, die sich derzeit in der Ukraine abspielt.
Was meine ich damit? Ich erinnere daran, ich habe es schon oft gesagt: 2014 kamen Minister dreier europäischer Länder nach Kiew und unterzeichneten ein Dokument, das im Grunde eine Vereinbarung zwischen der damaligen Regierung, dem damaligen Präsidenten Janukowitsch, und der Opposition darstellte. Gemäß dieser Vereinbarung sollten alle kontroversen politischen Fragen im Rahmen der Verfassung – friedlich und legal – gelöst werden.
Aber buchstäblich am nächsten Tag kam es zu dem blutigen und grausamen Staatsstreich. Keiner dieser Garanten hat einen Finger gerührt, um die Situation wieder in den legalen Rahmen zu bringen. Hier begann der Konflikt, denn unmittelbar danach begannen die Ereignisse auf der Krim, unmittelbar danach startete das Kiewer Regime Militäroperationen mit Panzerfahrzeugen und Kampfflugzeugen gegen die Zivilbevölkerung in den Regionen der Ukraine, die mit dem Putsch nicht einverstanden waren. Und dann vereitelten sie alle unsere Versuche, dieses Problem mit friedlichen Mitteln zu lösen, und weigerten sich öffentlich, das Minsker Abkommen umzusetzen.
Wer trägt also die Schuld an der Tragödie? Diejenigen, die diese Situation so weit gebracht haben und dabei Russlands Sicherheitsinteressen völlig ignoriert haben. Wer glaubt, dass man die Völker unseres Landes so arrogant behandeln kann, muss wissen, dass wir so etwas niemals zulassen werden, dass Russland die Ereignisse um sich herum nur tatenlos beobachtet und in keiner Weise reagiert, so etwas werden wir niemalszulassen.“
Ergänzung
Anfang Juni 2024 hat Putin in einer großen Pressekonferenz auf eine Frage des deutschen dpa-Vertreters bereits ausführlich zum Thema Stellung genommen. Er sagte da u.a.:
„Alle meinen, dass Russland den Krieg in der Ukraine begonnen hat. Aber niemand, ich möchte das betonen, niemand im Westen, niemand in Europa will sich daran erinnern, wie diese Tragödie begann. Sie begann mit dem Staatsstreich in der Ukraine, dem verfassungswidrigen Staatsstreich. Das war der Beginn des Krieges.
Aber trägt Russland die Schuld an diesem Staatsstreich? Haben diejenigen, die heute versuchen, Russland die Schuld in die Schuhe schieben, vergessen, dass die Außenminister Polens, Deutschlands und Frankreichs nach Kiew gekommen sind und das Dokument über die Beilegung der innenpolitischen Krise unterzeichnet haben, um zu garantieren, dass die Krise zu einem friedlichen und verfassungsmäßigen Ende gebracht wird?
Daran will man sich in Europa, auch in Deutschland, lieber nicht erinnern. Und wenn sie es doch tun, stellt sich die Frage: Warum haben die Führung der Bundesrepublik sowie die anderen Unterzeichner dieses Dokuments nicht gefordert, dass die Putschisten in der Ukraine in den verfassungsmäßigen Rechtsrahmen zurückkehren? Warum haben sie ihre Verpflichtungen als Garanten für die Vereinbarungen zwischen der Opposition und der damaligen Regierung nicht erfüllt? Sie tragen die Schuld an dem, was geschehen ist, zusammen mit den Kräften in den USA, die die verfassungswidrige Machtergreifung provoziert haben.
Ist es etwa nicht bekannt, was dann folgte? Was folgte, war die Entscheidung der Bewohner der Krim, sich von der Ukraine abzuspalten. Was folgte, war die Entscheidung der Bewohner des Donbass, denen, die den Staatsstreich in Kiew durchgeführt haben, nicht zu gehorchen. Das war der Beginn dieses Konflikts.
Und dann bemühte sich Russland nach Kräften, eine Formel für eine friedliche Beilegung zu finden, und 2015 wurden in Minsk das sogenannte Minsker Abkommen unterzeichnet, das übrigens durch einen Beschluss des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen konstituiert wurde. Das ist ein Dokument, das hätte umgesetzt werden müssen.
Nein, sie beschlossen, das Problem mit Waffen lösen. Sie begannen, Artillerie, Panzer und Flugzeuge gegen die Zivilbevölkerung im Südosten der Ukraine einzusetzen. Aus irgendeinem Grund will sich weder in Deutschland noch in den anderen europäischen Ländern oder in den USA – niemand, ich wiederhole, niemand – daran erinnern. Nun gut.
Wir haben die Unterzeichnung des Minsker Abkommens ermöglicht, aber wie sich herausstellte, wollte niemand es umsetzen. Sowohl die neue deutsche Bundeskanzlerin, als auch der neue französische Präsident haben das öffentlich erklärt.
Verehrter Herr Romanczyk, wie soll man das verstehen? Die haben öffentlich gesagt, dass sie das Minsker Abkommen nicht umsetzen wollten, sondern dass sie nur unterschrieben haben, um die Ukraine zu bewaffnen und Bedingungen für die Fortsetzung der Feindseligkeiten zu schaffen. Wir wurden einfach an der Nase herumgeführt. Ist das nicht so? Wie sonst kann man erklären, was passiert ist?
Seit acht Jahren versuchen wir, eine friedliche Lösung für dieses Problem finden. Acht Jahre!
Die neue Bundeskanzlerin hat einmal mir gesagt: „Weißt du, im Kosovo, ja, da haben wir damals, da hat die NATO ohne Sicherheitsratsbeschluss gehandelt. Aber dort, im Kosovo, gab es acht Jahre Blutvergießen.“ Und hier, als das Blut russischer Menschen im Donbass vergossen wurde, war das etwa kein Blut, sondern Wasser? Keiner wollte darüber nachdenken oder es zur Kenntnis nehmen.
Wozu waren wir schließlich gezwungen, als die damalige ukrainische Regierung erklärte, dass ihr eineder Klauseln des Minsker Abkommens (nicht) gefiel, und als der Außenminister sagte, dass sie sie nicht erfüllen würden?
Ist Ihnen klar, dass in diesen Gebieten der (…) Niedergang begann? Acht Jahre lang. Ich spreche noch nicht einmal von den Morden, dem ständigen Töten von Menschen: Frauen, Kindern und so weiter.
Wozu waren wir gezwungen? Wir mussten ihre Unabhängigkeit anerkennen. Wir haben ihre Unabhängigkeit fast acht Jahre lang nicht anerkannt. Wir haben gewartet, bis wir uns friedlich einigen und diese Frage lösen könnten. Acht Jahre! Was mussten wir tun, als bekannt wurde, dass niemand irgendein Friedensabkommen umsetzen würde? Wir mussten versuchen, sie mit bewaffneten Mitteln dazu zu zwingen.
Nicht wir haben diesen Krieg begonnen. Der Krieg begann 2014 nach dem Staatsstreich und dem Versuch, diejenigen, die mit dem Staatsstreich nicht einverstanden sind, mit Waffengewalt zu vernichten. …4
Recherchen
Was Putin hier ausgeführt hat, ist keine russische Propaganda, sondern es sind historische Fakten. Merz, der kaltschnäuzig meinte, er „habe keine Veranlassung, Putin an irgendeiner Stelle Glauben zu schenken“, braucht ihm gar nicht zu glauben, so wie man seinen, Merzens, Worten nach dem bekannten Sprichwort nicht mehr glauben sollte, sondern er braucht die Aussagen nur zu überprüfen. Ja, das wäre sogar angesichts des Großen, um das es geht, seine verdammte Pflicht, wenn er noch eine Spur von Verantwortungsgefühl gegenüber der Wahrheit hat.
Thomas Mayer hat in seinem umfassenden Buch über die Ereignisse in der Ukraine „Wahrheitssuche im Ukraine-Krieg“ gründliche Recherchen angestellt, so auch zu dem, was Putin oben ausgeführt hat.
1.
Thomas Mayer berichtet, dass nach dem Massaker am Donnerstagvormittag des 20. Februar 2014 auf dem Maidan am Donnerstagabend und am Freitag Verhandlungen zwischen Präsident Janukowitsch und den Anführern der Maidan-Proteste stattfanden, an denen auch die Außenminister Deutschlands, Polens und Frankreichs sowie der russische Vermittler Wladimir Lukin teilnahmen. Am Freitag 21. Februar um 16 Uhr sei dann der Abschluss eines Abkommens verkündet worden, von den drei Außenministern Deutschlands, Polens und Frankreichs als Garantiemächte mitunterzeichnet, in dem Janukowitsch den wesentlichen Forderungen der Maidan-Opposition zugestimmt habe: eine friedliche demokratische Lösung mit vorgezogenen Neuwahlen, Normalisierung des Lebens, u.a. Übergabe aller illegalen Waffen an das Innenministerirum.
Das Auswärtige Amt habe noch am selben Tag in einer Presseerklärung mitgeteilt: „Außenminister Steinmeier war als Vermittler an der Aushandlung der Vereinbarung beteiligt. Die vorläufige Vereinbarung zwischen Regierung und Opposition in der Ukraine sieht eine Rückkehr zur Verfassung von 2004 innerhalb von 48 Stunden nach Unterzeichnung vor. Außerdem soll innerhalb von 10 Tagen eine Übergangsregierung der Nationalen Einheit gebildet und bis September 2014 die Verfassung reformiert werden. Sobald eine neue Verfassung verabschiedet ist, sollen Präsidentschafts-Wahlen stattfinden, jedoch nicht später als im Dezember 2014. Die jüngsten Gewaltakte sollen durch die zuständigen ukrainischen Behörden in Zusammenarbeit mit der Opposition und dem Europarat untersucht und aufgeklärt werden.“
Auch Außenminister Steinmeier, so Thomas Mayer, hätte als einer der drei Garantiegeber das Abkommen unterschrieben. Im Prinzip habe Janukowitsch damit die wichtigsten Forderungen der Opposition erfüllt, mit Ausnahme seines eigenen sofortigen Rücktritts. Mit der Rückkehr zur Verfassung von 2004 wäre der Präsident jedoch entmachtet worden, in der Übergangsregierung hätten die Oppositionspolitiker Macht erhalten, und die Neuwahlen wären vorgezogen worden. Doch das Abkommen sei das Papier nicht wert gewesen, auf dem es stand.
Die Maidan-Militanten, so Thomas Mayer, stürmten bereits wenige Stunden später das Regierungsviertel, Janukowitsch musste fliehen und wurde widerrechtlich abgesetzt. Doch da „war von den Garanten nichts zu hören. Die Aufgabe der Garanten der Einigung, also die Aufgabe von Steinmeier persönlich, wäre es gewesen, sofort zu protestieren. Der Protest hätte bei jeder weiteren Missachtung des Abkommens wiederholt werden müssen, z.B. bei der verfassungswidrigen Absetzung von Janukowitsch oder bei der Bildung einer einseitigen neonazistischen Regierung anstatt der vorgesehenen Allparteienregierung. Es wäre die Aufgabe der Garanten gewesen, dafür zu sorgen, dass die Putsch-Regierung international nicht anerkannt wird. Sie hätten zur Umsetzung des Abkommens und zu einer Rückkehr zur verfassungsgemäßen Ordnung aufrufen müssen. Dazu hätte es Druckmittel gegeben. (…) Stattdessen wurde der Bruch des Abkommens durch die ukrainischen Neonazis und der gewaltsame Putsch schweigend hingenommen und sogar wohlwollend anerkannt.“
Man stand also wie die skrupellosen USA – oder wohl auf deren Befehl – von Anfang an auf Seiten der ukrainischen Neonazis und hat als offizielle Garantiemächte des Abkommens den gutgläubigen Präsidenten Janukowitsch in eine Falle gelockt. Wer trägt also für diese und alle folgenden Ereignisse eine große Mitschuld?
Durch den Regierungs-Putsch bekamen die Neonazi-Partei Swoboda und der Rechte Sektor einen überproportional großen Einfluss in der Regierung. Die Maidan-Oppositionsparteien sicherten sich die bewaffnete Macht im Staate und stellten Innen- und Verteidigungsminister, Geheimdienstchef und den Vorsitzenden des Sicherheitsrates. Sie bauten damit ein starkes Machtzentrum auf. Ziel der faschistischen Nationalisten sei von Anfang an gewesen, so Thomas Mayer in seinem Buch weiter, zur „ethnischen Reinheit“ der Ukraine alles Russische aus der Ukraine auszumerzen. Bei 30 Prozent russischer Muttersprachler habe es dazu schockartiger Maßnahmen bedurft, wozu die Neonazis die Entscheidungsmacht benötigten. Deshalb seien ihre ersten Taten gewesen: – das Gesetz zum Schutz von Minderheiten aufzuheben, – den Maidan-Hundertschaften als Nationalgarde einen offiziellen Status und Geld zu verschaffen, – noch vor den Neuwahlen Militär in den Donbass zu schicken und auf Menschen schießen zu lassen, die gegen den Putsch demonstrierten, und dabei Panzer, Artillerie und Luftwaffe gegen unbewaffnete Zivilisten einzusetzen.
Der Marschbefehl in den Donbass sei am 13. April 2014 auf einer Sitzung des ukrainischen Sicherheitsrates gegeben worden, und daran habe, nach Recherchen von Thomas Röper, auch der damalige CIA-Chef John Brennan in geheimer Mission teilgenommen. An diesem Tag begann der achtjährige Bürgerkrieg im Donbass, bis er 2022 in den US-Stellvertreterkrieg gegen Russland überging, der offenbar „bis zum letzten Ukrainer“ ausgefochten werden soll. Die USA scheuen sich nicht, einen ausgeprägten Neonazismus in einem für ihre imperialistischen Ziele strategisch wichtigen Land zu unterstützen und mit ihm zusammenzuarbeiten. Dies wirft auch ein Licht auf die drei EU-Außenminister, darunter den Deutschen Frank-Walter Steinmeier, die das Maidan-Abkommen mit dem Präsidenten Janukowitsch als Garanten unterzeichnet haben.5
2.
Putin hat die Unabhängigkeitserklärungen der Dombass-Republiken die ganzen Jahre nicht richtig gefunden. Er wollte eine friedliche Lösung innerhalb der Ukraine und unterstützte daher das Minsker Abkommen, das dieses Ziel offiziell anstrebte. Doch dass dieses weder von der Ukraine, noch vom Westen ernstgemeint war, sondern der Ukraine Zeit zur Aufrüstung geben sollte, wurde 2022 und 2023 durch die Äußerungen Merkels und Hollands vollends offenbar. Es ist also allgemein bekannt.6
3.
Thomas Mayer weist in seinem Buch nach, dass die ukrainische Regierung seit mindestens 2019 den Krieg mit Russland wünschte und diesen auch entsprechend provoziert habe. Dies gehe aus Äußerungen von Oleksij Arestowytsch, eines wichtigen Beraters des ukrainischen Präsidenten Selenkyj für „strategische Kommunikation im Bereich der nationalen Sicherheit und Verteidigung“, eindeutig hervor. Auch der Schweizer Nachrichtenoffizier Jacques Baud ordne dessen Äußerungen so ein.
Ebenfalls habe der mächtige Chef des ukrainischen Sicherheitsrates Alexej Danilow offen ausgesprochen, die ukrainische Regierung habe 2019 die Entscheidung für den Krieg mit Russland getroffen.
Die ukrainische Armee habe 2021 und insbesondere Anfang 2022 weitere Truppen in die Ostukraine verlegt und an der Waffenstillstandslinie im Donbass schließlich bis zu 120.000 Mann zusammengezogen, denen nur 40.000 Mann der Volksmilizen gegenüberstanden. Die Stadt Donezk sei zunehmend fast täglich von ukrainischer Artillerie beschossen worden mit ständigen Toten und Verletzten unter der Zivilbevölkerung. Am 14. Januar 2022 habe die US-Botschaft in Kiew ihre Türen geschlossen. Russland habe noch vergeblich mit Friedensverhandlungen den Angriff abzuwenden versucht.
Die Volksrepubliken hätten nun begonnen, die Bevölkerung, von der „etwa 700.000 einen russischen Pass hatten und damit russische Staatsbürger waren“, mit Bussen nach Russland zu evakuieren. Vom 16.2.2022 bis zum Kriegseintritt Russlands am 24.2.2022 habe im Donbass eine weitere starke militärische Eskalation stattgefunden. Dadurch habe Russland zum Kriegseintritt gezwungen werden sollen. Thomas Mayer: „So ergibt sich aus den Fakten und der Analyse, dass die Ukraine einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg durchgeführt hat, und dass Russland dem Völkerrecht entsprechend den Donbass-Republiken bei ihrer legitimen Selbstverteidigung zu Hilfe gekommen ist. Russland ist nicht der völkerrechtswidrige Aggressor, sondern das ist die Ukraine.“7
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13.09.2025
Fitch stuft Kreditwürdigkeit Frankreichs herab
freedert.online, 13 Sep. 2025 11:49 Uhr
Die Ratingagentur Fitch hat Frankreichs Kreditwürdigkeit von AA- auf A+ gesenkt – die niedrigste Bewertung, die das Land je erhalten hat. Grund sind die wachsende Staatsverschuldung, politische Instabilität und die Unfähigkeit der Regierung, einen stabilen Haushalt aufzustellen.
Politische Instabilität und Rekordschulden belasten Paris.
Die US-Ratingagentur Fitch hat Frankreichs Bonität von AA- auf A+ herabgestuft und damit die Sorgen um die finanzielle Stabilität des Landes verstärkt. Die Entscheidung fiel angesichts der anhaltenden Schuldenkrise und der politischen Lähmung in Paris.
Frankreich muss sich damit künftig zu höheren Zinsen am Kapitalmarkt verschulden – ein Umstand, der die ohnehin angespannte Haushaltslage weiter verschärft.
Fitch verweist in seiner Analyse auf die steigende Schuldenlast sowie die Instabilität der Regierung. Insbesondere die Schwierigkeiten, einen verlässlichen Haushalt aufzustellen, gefährden die Konsolidierungsziele. Das Haushaltsdefizit, so die Prognose der Agentur, werde bis 2029 kaum auf unter drei Prozent des BIP sinken.
Die politische Krise hatte sich Anfang der Woche zugespitzt: Premierminister François Bayrou war nach einer gescheiterten Vertrauensfrage zurückgetreten. Der Regierungssturz führte zu deutlicher Unruhe an den Finanzmärkten. Die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen stieg erstmals seit Jahren auf 3,5 Prozent und erreichte damit das Niveau Italiens.
Frankreich trägt in absoluten Zahlen mit 3,4 Billionen Euro die höchsten Staatsschulden Europas. Mit einer Quote von 114 Prozent des BIP steht das Land in der Eurozone nur knapp besser da als Griechenland und Italien. Bereits im Jahr 2024 lag das Defizit bei 5,8 Prozent – ein Wert, der die EU-Stabilitätskriterien deutlich übersteigt.
Der neue Premierminister Sébastien Lecornu versucht nun, einen Sparhaushalt für 2026 durch die Nationalversammlung zu bringen. Sein Vorgänger hatte Einsparungen von 44 Milliarden Euro geplant, war jedoch am Widerstand sowohl in der Politik als auch auf der Straße gescheitert. Besonders die geplante Streichung von zwei Feiertagen löste landesweite Proteste aus.
Lecornu ist auf die Unterstützung der linken Opposition angewiesen, um einen Haushalt verabschieden zu können. Die Sozialisten fordern höhere Steuern für Unternehmen – eine Forderung, die im Widerspruch zur wirtschaftsfreundlichen Linie von Präsident Emmanuel Macron steht.
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unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.
13.09.2025
nachdenkseiten.de, 12. September 2025 um 12:00 Ein Artikel von Detlef Koch
Die in Gaza beobachtete Strategie des Aushungerns wäre ohne Entmenschlichung der Opfer kaum durchführbar. Wer ein Volk als minderwertig oder pauschal gefährlich betrachtet, kann es eher kollektiven Straf- und Tötungsmaßnahmen unterwerfen. Feindbilder und fehlende Sanktionen ergeben einen Teufelskreis: Wer den Gegner als weniger wert ansieht und keine Konsequenzen fürchten muss, neigt eher zu extremer Härte.
Die humanitäre Lage im Gazastreifen hat sich seit Oktober 2023 dramatisch verschärft. Nach dem Hamas-Angriff und dem folgenden Krieg verhängte Israel eine totale Blockade über das dicht besiedelte Gebiet. Über 62.000 Palästinenser wurden seither durch Bombardierungen getötet und rund 159.000 verletzt – 18.400 der Getöteten waren Kinder. Zugleich rutschte Gaza in eine menschengemachte Hungerkrise historischen Ausmaßes: Bis Juli 2025 wurden rund 150 Hungertote dokumentiert – etwa 60 Prozent davon Kleinkinder.
Experten sprechen von einer erstmals vollständig vom Menschen verursachten Hungersnot des 21. Jahrhunderts, ausgelöst nicht durch Dürre, sondern durch systematische Versorgungssperren. Im August 2025 stufte die Integrated Food Security Phase Classification IPC-Analyse große Teile Gazas als „Katastrophe“ (5-Famine (with solid evidence)) ein, was einer offiziellen Hungersnot gleichkommt.
Zudem wurde die Bevölkerung fast vollständig aus ihren Wohnorten vertrieben: Bis Anfang 2024 waren laut UN-Angaben etwa 85 Prozent aller Gazaner mindestens einmal auf der Flucht. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage: Wie bedingen sich Entmenschlichung und Hunger in diesem Konflikt – wie kann eine solche humanitäre Katastrophe bewusst herbeigeführt und hingenommen werden?
Psychologische und institutionelle Mechanismen der Entmenschlichung
Israels Vorgehen in Gaza beruht auf Mechanismen der Entmenschlichung, wie sie Albert Bandura, Philip Zimbardo und Hannah Arendt beschrieben haben. Banduras Konzept des „moral disengagement“ erklärt, wie Täter Gewalt durch Rechtfertigungen und Euphemismen vor sich legitimieren – etwa mit dem Verweis auf höhere Ziele (Sicherheit) oder Schuldumkehr. Zimbardo zeigte, wie Hierarchie, Uniform und Gruppendruck normale Rekruten zu brutalen Handlungen befähigen können. Arendt erinnerte daran, dass bürokratische Routine-Verbrechen oft von durchschnittlichen Menschen ohne großes Unrechtsbewusstsein verübt werden. Das Wort von der Banalität des Bösen kommt uns in den Sinn.
Im Kontext der israelischen Armee (IDF) sind all diese Dynamiken erkennbar. Palästinenser gelten als gefährliche, minderwertige „Andere“; Empathie wird in der Ausbildung kaum gefördert. Interne Sprachcodes entwürdigen die Besetzten – Soldaten berichten, man nenne Palästinenser „Dreck“ oder „Tiere“[1]. Ein Unteroffizier schilderte es so: „In unseren Augen sind sie Untermenschen. Man darf mit ihnen alles machen, was wir mit Juden niemals machen würden[2]“. Auch offizielle Rhetorik trägt zur Verrohung bei: Verteidigungsminister Yoav Gallant bezeichnete Gazaner als „menschliche Tiere“. Solche Worte senken die Hemmschwelle zur Gewalt.
Hinzu kommt Straffreiheit als institutioneller Verstärker. Israels Militärjustiz ahndet Übergriffe gegen Palästinenser nur selten, was den Soldaten faktisch Narrenfreiheit signalisiert. „Es herrschte völlige Handlungsfreiheit“, sagte B., ein weiterer Soldat, der monatelang in den regulären Streitkräften in Gaza diente, unter anderem in der Kommandozentrale seines Bataillons. „Wenn auch nur das geringste Gefühl der Bedrohung aufkommt, braucht man keine Erklärungen – man schießt einfach.“ Wenn Soldaten jemanden auf sich zukommen sehen, „darf man auf seinen Körper schießen, nicht in die Luft“, fuhr B. fort. „Es ist erlaubt, auf jeden zu schießen, auf ein junges Mädchen, eine alte Frau[3]“.
Feindbild, Konformitätsdruck und fehlende Sanktionen ergeben einen Teufelskreis: Wer den Gegner als weniger wert ansieht und keine Konsequenzen fürchten muss, neigt eher zu extremer Härte.
Manifestation der Gewalt an den Ausgabestellen
Die wenigen Ausgabestellen für Lebensmittel in Gaza sind zu Brennpunkten von Chaos und Gewalt geworden. Täglich stürmen Tausende verzweifelte Menschen die Verteilungen – oft kommt es zu Gedränge, Panik und Tragödien. Dabei setzen sich häufig die Stärksten durch, während Schwächere (Frauen, Kinder, Ältere) zurückgedrängt oder niedergetrampelt werden. „Die, die am meisten Hilfe benötigen, gehen oft leer aus“, stellt die Organisation Save the Children 2025 fest. Zugleich hat Israel ein militarisiertes Verteilungssystem eingerichtet, bewacht von IDF-Truppen und privaten Sicherheitsleuten. Dort kam es zu regelrechten Blutbädern. Médecins Sans Frontières spricht von „orchestrierten Tötungen“ an diesen Orten – es sei sowohl gezielt (etwa auf Beine) als auch wahllos in die Menge geschossen worden. „Wir sahen Schüsse, Töten, Tod – und wofür? Nur um etwas Essen zu bekommen“, berichtet ein Augenzeuge (Al Jazeera, 2025).
Human Rights Watch (HRW) dokumentierte allein von Ende Mai bis Ende Juli 2025 mindestens 859 getötete Palästinenser an den neuen Ausgabestellen (HRW, August 2025) – eine schockierende Bilanz. HRW spricht von schweren Verstößen gegen das Kriegsrecht: Israel nutze Aushungerung als Waffe und lasse seine Kräfte „beinahe täglich“ auf hungernde Zivilisten schießen (HRW, August 2025). UN-Experten berichteten zudem von Fällen, in denen Menschen auf dem Weg zu Hilfsorten „verschwanden“ – offenbar inhaftiert –, was als gezielte Schreckensstrategie gewertet wird (UN, 2025).
Hungerdynamik und Vulnerabilität
Die Hungerkrise trifft Gaza in extremer Verwundbarkeit. Von 2,2 Millionen Einwohnern sind rund die Hälfte Kinder; schon vor 2023 lebten über zwei Drittel der Menschen in Armut und rund 80 Prozent waren auf Hilfslieferungen angewiesen (The Guardian, 2023). Unter der Blockade brach die Versorgung dann weitgehend zusammen. Statt ca. 500 LKW-Ladungen täglich vor dem Krieg erreichten 2024 oft nur wenige Dutzend Laster am Tag Gaza – zeitweise wochenlang gar keiner (OCHA, 2024). Entsprechend fiel die verfügbare Lebensmittelmenge pro Kopf teils auf unter 70 Prozent des Mindestbedarfs (rund 2.100 kcal) – ähnlich dramatisch sah es bei der Verfügbarkeit von Wasser zum Trinken, Kochen und Waschen aus (oft weniger als 4 Liter pro Tag statt rund 15 Liter[4]). Bis Mitte 2025 waren praktisch alle Haushalte akut ernährungsunsicher. Im August 2025 stufte die UN Gaza erstmals offiziell als Hungersnot ein (IPC, August 2025): Rund 640.000 Menschen – etwa 20 Prozent der Bevölkerung – stehen an der Schwelle zum Verhungern. Gaza liegt damit auf dem Niveau der schlimmsten Hungersnöte (Somalia 2011 u.a.), jedoch vollständig vom Menschen verursacht.
Die Indikatoren untermauern das Ausmaß: Der Anteil akut unterernährter unter 5-Jähriger stieg von unter 1 Prozent vor dem Krieg auf über 15 Prozent im Sommer 2025. Allein im Juli 2025 wurden über 12.000 neu mangelernährte Kinder erfasst – und mehrere Dutzend verhungerten in diesem Monat. Anfangs starben vor allem Babys und Kleinkinder, die am anfälligsten sind. Doch nach etwa neun Monaten begannen auch immer mehr ältere Menschen zu sterben, da ihre letzten Reserven aufgebraucht waren und viele zugunsten der Jüngeren auf Essen verzichtet hatten. Gaza erlebte damit den typischen Verlauf: Zunächst Kinder, dann zunehmend auch Alte und Kranke fallen dem Hunger zum Opfer.
Synergien zwischen Hunger und Krankheit
Hunger und Seuchen treiben sich in Gaza gegenseitig an. Schwere Unterernährung schwächt das Immunsystem so stark, dass Kinder an eigentlich banalen Infektionen sterben. Bereits 2024 registrierte die WHO hunderttausende Durchfall- und Atemwegsinfektionen – Folgen von verschmutztem Wasser, Überbevölkerung und hungerbedingter Immunschwäche. Unterernährte Kleinkinder trocknen bei Durchfall schnell aus; viele vermeintliche „Hungertote“ sind letztlich an Dehydrierung oder Infektionen gestorben. Akute Atemwegsinfekte (etwa Lungenentzündungen) wurden zur häufigsten Todesursache bei Kindern, da ihre Abwehrkräfte kollabiert sind. Auch andere Seuchen breiten sich aus: 2024 kam es zu einem Hepatitis-A-Ausbruch mit über 100.000 Erkrankten binnen eines Jahres. Experten warnten zudem, ein Cholera-Ausbruch könnte in kürzester Zeit tausende Todesopfer fordern.
Für das medizinische Personal vor Ort ist diese Lage seelisch verheerend. Ärzte berichten, wie sie täglich ausgemergelte Kinder verlieren und oft machtlos zusehen müssen. Eine Ärztin beschreibt den Anblick verhungernder Kleinkinder als „nur noch schwer zu ertragende Grausamkeit“ und sagt:
„Als Ärztin und Mutter ist es eine moralische Verletzung, diese Verbrechen gegen die Menschlichkeit mitansehen zu müssen“.
Viele Helfer sind traumatisiert und ausgebrannt – sie müssen mit ihren knappen Mitteln oft entscheiden, welchem Patienten sie noch helfen können, während andere unversorgt sterben.
Entmenschlichung als Katalysator des Hungers
Ohne Entmenschlichung der Opfer wäre die in Gaza beobachtete Strategie des Aushungerns kaum durchführbar. Wer ein Volk als minderwertig oder pauschal gefährlich betrachtet, kann es eher kollektiven Straf- und Tötungsmaßnahmen unterwerfen. Historische Parallelen zeigen das deutlich: Im Vietnamkrieg erklärten US-Kommandeure ganze Regionen zu „Free-Fire-Zones“ – nach dem Motto „tötet alles, was sich bewegt“. Dörfer wurden niedergebrannt und entvölkert, weil die Zivilbevölkerung pauschal als feindlich galt.
Im Algerienkrieg stufte die französische Armee die einheimischen Algerier als „Ungeziefer“ ein; man sprach von einer Zivilisierungsmission und internierte Hunderttausende in Lagern, wo Folter und Hunger an der Tagesordnung waren. In beiden Fällen ebnete erst die Entwertung des Gegners den Weg für Hungerblockaden und Massaker als scheinbar legitime Mittel.
Auch der IDF-Einsatz reiht sich in dieses Muster ein. Israels Regierung beruft sich auf „Sicherheit“ und Terrorbekämpfung – analog zu den Vorwänden früherer Konflikte, in denen nahezu jedes Mittel gerechtfertigt wurde. Diese Rhetorik schafft einen ideologischen Freibrief. Einige Beobachter sehen darin sogar bereits den Tatbestand der Ausrottung: Human Rights Watch etwa spricht von Handlungen, die auf die „Vernichtung“ der Bevölkerung hinauslaufen und im Ausmaß einem Völkermord nahekommen. Wenn Palästinenser als kollektive Bedrohung und als minderwertig gelten, erscheinen selbst das Aushungern der Zivilbevölkerung oder das Schießen auf Hungernde als tolerierbar oder gar notwendig. Die Entmenschlichung wirkt so als Brandbeschleuniger: Sie löscht die moralischen Schranken und ermöglicht erst, Hunger gezielt als Waffe einzusetzen.
Schluss
Die doppelte Dynamik von Entmenschlichung und Hunger in Gaza zeigt eine fatale Wechselwirkung: Eine entwertete Bevölkerung wird eher rücksichtsloser Gewalt und Aushungerung ausgesetzt – und der entstehende humanitäre Kollaps dient radikalen Kräften wiederum als Vorwand für noch härteres Vorgehen. Hunger ist hier kein unbeabsichtigtes Nebenprodukt, sondern ein bewusst einkalkulierter Effekt der Kriegsführung. Damit werden fundamentale Normen des Völkerrechts verletzt. Die gezielte Aushungerung von Zivilisten ist nach den Genfer Konventionen verboten und gilt als Kriegsverbrechen. Dennoch findet im Gazastreifen faktisch eine kollektive Bestrafung von zwei Millionen Menschen statt, bislang ohne wirksame Reaktion der Weltgemeinschaft. Zwar haben UN- Gremien und NGOs diese Praxis scharf verurteilt – politische Konsequenzen blieben aus. Israel bestreitet jede Absicht und verweist auf die Bedrohung durch Hamas – ein Narrativ, das oft zur Rechtfertigung exzessiver Härte bemüht wird.
Ob die Verantwortlichen jemals zur Rechenschaft gezogen werden, ist ungewiss. In früheren Konflikten blieben vergleichbare Verbrechen meist straflos (zum Beispiel Vietnam und Algerien).
Gaza 2025 wird so zum Lackmustest für die Geltung humanitärer Prinzipien. Wird die vorsätzliche Herbeiführung von Hunger und Elend geahndet – oder setzt sich erneut Straffreiheit durch, legitimiert durch die Entmenschlichung der Opfer? Die Weltgemeinschaft steht damit vor der Wahl, ob sie dieses Ausmaß an Unmenschlichkeit toleriert oder die universalen Menschlichkeitsprinzipien entschlossen verteidigt. Mit Blick auf Deutschlands jüngere Geschichte ist besonders Deutschland in der Pflicht, die universalen Menschlichkeitsprinzipien entschlossen zu verteidigen!
[«2] I personally felt that the behavior, no matter how much I thought I was nice during my service, because I did also try to be nice — it doesn’t matter, because the feeling that I had, with people around me in the military, is that we treat them (the Palestinians) like animals, that in our eyes they are sub-humans, that you are allowed to do loads of things to them that we’d never do to Jews. Seite 59
[«4] The United Nations says the minimum emergency level of water consumption per person is 15 litres a day for drinking, cooking, cleaning and washing. Average daily domestic consumption in Israel is 165 litres a day according to the government’s Central Bureau of Statistics. Bushra Khalidi, humanitarian policy lead for aid agency Oxfam in the Israeli-occupied Palestinian territories said the average consumption in Gaza now was 3-5 litres a day.
unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.