aus e.mail von Clemens Ronnefeldt, 3. September 2025, 19:25 Uhr
Liebe Friedensinteressierte,
beiliegend sende ich Artikel zu den
Kriegen in der Ukraine und in Westasien -
und zum Thema Militarisierung.
1. n tv: Ukraine-Krieg im Liveticker
2. IPG: Was braucht es für Frieden?
3. FR: Autokraten-Gipfel mit Putin und Xi: Erdogan als einziger Vertreter eines Nato-Landes anwesend
4. Reuters: Israel begeht Völkermord in Gaza, sagt die Vereinigung der Gelehrten
5. SZ: Vertreibung der Palästinenser - „Ein phänomenaler Standort“
6. SZ: Drohungen gegen Norwegen - „Vielleicht ist es an der Zeit, Zölle zu erheben“
7. taz: Belgische Sanktionen gegen Israel - Der Druck hat gewirkt
8. Handelsblatt: Gaza - Grundlinien deutscher Israel-Politik laut Kanzleramt unverändert
9. Facing Finance: Aktionärsversammlung: Soll Thyssenkrupp seine Rüstungssparte abspalten? Unsere Rede zur Beihilfe von Kriegsverbrechen in Gaza
10. IPG: Europas Versagen
Die EU blockiert wirksame Maßnahmen gegen Israels Gaza-Krieg –
ein strategischer Fehler, der ihre Glaubwürdigkeit massiv untergräbt.
11. Die Zeit: Verteidigung: EU-Rüstungsausgaben steigen auf Rekordwert von 343 Milliarden Euro
12. ORL: Die Mythen der Militarisierung im Faktencheck
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1. n tv: Ukraine-Krieg im Liveticker
https://www.n-tv.de/politik/16-56-Putin-zu-Treffen-mit-Selenskyj-bereit-aber-in-Moskau--article23143824.html
03.09.2025
Ukraine-Krieg im Liveticker
16:56 Putin zu Treffen mit Selenskyj bereit - aber in Moskau
Der russische Präsident Wladimir Putin hat sich unter der
Voraussetzung einer guten Vorbereitung erneut zu einem Treffen mit
seinem ukrainischen Kollegen Wolodymyr Selenskyj bereiterklärt.
Selenskyj könne nach Moskau kommen, wenn es die Aussicht auf ein gutes
Ergebnis gebe, sagte Putin zum Abschluss seines viertägigen
China-Aufenthalts in Peking bei einer im Staatsfernsehen übertragenen
Pressekonferenz. Selenskyj hat mehrfach angeboten, Putin zu treffen.
Als Ort der Begegnung hat er die russische Hauptstadt aber
ausgeschlossen.
(…)
14:25 Trump mischt bei Ukraine-Treffen am Donnerstag womöglich direkt mit
Bei der Ukraine-Konferenz am Donnerstag wird nach Angaben von
Regierungssprecher Stefan Kornelius möglicherweise US-Präsident Donald
Trump zugeschaltet. Es gebe entsprechende Überlegungen, sagt er.
Die Koalition der Willigen, etwa 30 überwiegend europäische Staaten,
treffen am Donnerstagvormittag im hybriden Format zusammen.
Bundeskanzler Friedrich Merz nimmt nach Angaben aus Regierungskreisen
per Videoschalte teil. Wer neben Selenskyj in Paris erwartet wird, ist
bislang nicht bekannt.
(…)
11:34 Nato-Chef Rutte erwartet "bald" Klarheit über Sicherheitsgarantien für Ukraine
Nato-Chef Mark Rutte erwartet beim Treffen morgen in Paris oder kurz
danach Klarheit darüber, was die sogenannte Koalition der Willigen in
Bezug auf Sicherheitsgarantien für die Ukraine leisten kann.
Dies werde es ermöglichen, die Gespräche mit den USA über deren
Beitrag zu intensivieren, sagt Rutte während einer gemeinsamen
Pressekonferenz mit dem estnischen Präsidenten Alar Karis.
"Das bedeutet, dass wir uns noch intensiver mit der amerikanischen
Seite auseinandersetzen können, um zu sehen, was sie in Bezug auf ihre
Beteiligung an den Sicherheitsgarantien liefern will", sagt Rutte.
Morgen findet auf Einladung des französischen Präsidenten Emmanuel
Macron ein Treffen der Koalition der Willigen statt, die vor allem aus
europäischen Verbündeten besteht.
Sicherheitsgarantien sollen Russland davon abhalten, die Ukraine nach
einem Ende des Krieges erneut anzugreifen. Kern ist die anhaltende
Unterstützung der ukrainischen Streitkräfte, erwartet wird auch eine
internationale Truppe.
——
2. IPG: Was braucht es für Frieden?
https://www.ipg-journal.de/rubriken/aussen-und-sicherheitspolitik/artikel/was-braucht-es-fuer-frieden-8479/
Außen- und Sicherheitspolitik 19.08.2025
Nickolay Kapitonenko <https://www.ipg-journal.de/ipg/autorinnen-und-autoren/autor/nickolay-kapitonenko/>
Was braucht es für Frieden?
Trumps Diplomatie eröffnet Verhandlungen, doch der Streit um Territorialfragen und Sicherheitsgarantien hält an.
Dr. Nickolay Kapitonenko ist außerordentlicher Professor am Institut
für Internationale Beziehungen an der Nationalen
Taras-Schewtschenko-Universität Kiew und Direktor des Zentrums für
Studien der Internationalen Beziehungen.
Beim Gipfel in Alaska trafen Donald Trump und Wladimir Putin nun
erneut aufeinander – sieben Jahre nach ihrem letzten Treffen in
Helsinki. Damals saßen auf russischer Seite ebenfalls
Präsidentenberater Juri Uschakow und Außenminister Sergej Lawrow mit
am Tisch.
Auch bei diesem Treffen standen die Ukraine und der allgemeine Zustand
der russisch-amerikanischen Beziehungen im Mittelpunkt – und die
Mehrheit der Beobachter sprach damals das Urteil: „Punkt für Putin“.
Seitdem hat sich die Welt grundlegend verändert: Amerikas
Führungsrolle ist weiter erodiert, während China an Einfluss gewonnen hat.
Eine neue Bipolarität zeichnet sich ab. Der Globale Süden tritt
selbstbewusster auf und die Eskalation des russisch-ukrainischen
Krieges vervielfacht die Risiken für Europa – und stellt zudem
US-Präsident Trump vor strategische Dilemmata.
(…)
Trump brauchte das Treffen mit Putin, um die russisch-chinesische
Achse zumindest zu lockern, um eine situative Kooperation mit Moskau
in einer ganzen Reihe von Fragen zu ermöglichen – von der Arktis bis
zur Rüstungskontrolle – und um sicherzustellen, dass Russland sich bei
einer Eskalation mit China zurückhaltend verhält.
Sein geopolitischer Blick bleibt derselbe: Er betrachtet die Welt
durch das Prisma des Wettbewerbs mit Peking um die künftige
Weltordnung, und den Krieg in der Ukraine wiederum durch das Prisma
der russisch-amerikanischen Beziehungen.
Diese sind breiter gefasst als der Krieg selbst und können auch
parallel zu ihm diskutiert werden. Dennoch: Der Krieg erschwert alles
erheblich – und Trump hätte ihn lieber beendet, gleich unter welchen
Bedingungen.
Die Agenda des Alaska-Gipfels ging über den Ukrainekrieg hinaus. Doch
für Kiew – und wohl auch für Europa – war gerade dieser Punkt der
wichtigste.
In Alaska sowie beim anschließenden Treffen mit Selenskyj und den
europäischen Führern zeichnete sich eine mögliche Friedensformel ab:
der Rückzug ukrainischer Truppen aus den Regionen Donezk und Luhansk
im Gegenzug für eine eingefrorene Front.
Im April hatte Putin ein ähnliches Angebot abgelehnt – einen
Waffenstillstand entlang der bestehenden Frontlinie. Offenbar rechnete
er sich aus, mit der Zeit bessere Bedingungen durchsetzen zu können.
Für Selenskyj sind die neuen Vorschläge jedoch kaum akzeptabel.
Sogar ein Weiterkämpfen ohne US-Hilfe erscheint ihm günstiger, als
Territorium kampflos aufzugeben. Eine schnelle Lösung der
territorialen Frage – der schwierigsten im Krieg – ist daher nicht in Sicht.
Zweiter Schlüsselpunkt sind die Sicherheitsgarantien für die Ukraine.
Klassische Garantien – also Verteidigungszusagen wie eine
NATO-Mitgliedschaft oder bilaterale Beistandspakte – wollen die USA
nicht übernehmen. Trumps Rhetorik legt nahe: Diese Verantwortung sieht
er vor allem bei den Europäern. Während Selenskyj beim Treffen mit den
europäischen Staats- und Regierungschefs Unterstützung suchte, wollte
Trump die Europäer dazu bewegen, mehr Risiken selbst zu tragen.
Doch diese sind erheblich: Ein neuer Krieg bleibt wahrscheinlich – zu
groß sind die ungelösten Konflikte, die Erfahrungen massiver Gewalt,
das tiefe Misstrauen und die fragile internationale Sicherheitslage.
Eine NATO-Mitgliedschaft, auf die Kiew traditionell als Allheilmittel
setzt, ist keine realistische Option – und war es nie. Deshalb wird
der Begriff „Sicherheitsgarantien“ zunehmend verwässert und umfasst
mittlerweile nahezu jede Form von Unterstützung.
Zwar können 30 Staaten gemeinsam einen gewissen Abschreckungseffekt
erzielen, doch in Moskau wird dieser kaum als verlässlich gelten. Auch
das diskutierte Modell „fast wie Artikel 5, aber außerhalb der NATO“
beantwortet die entscheidende Frage nicht:
Wer ist wirklich bereit, für die Ukraine zu kämpfen? Schon im
NATO-Bündnisfall bedeutet Artikel 5 keinen automatischen Einsatz. Für
die Ukraine wäre ein solches Versprechen daher eher symbolischer Trost
als wirksamer Schutz.
Auch die Möglichkeit einer „Koalition der Entschlossenen“, die Truppen
in die Ukraine entsendet, bleibt vage. Die Risiken sind groß, die
Rolle der USA unklar, und Europas Bereitschaft, selbst Risiken
einzugehen, wächst erfahrungsgemäß nur bei starker US-Rückendeckung.
Es ist durchaus denkbar, dass es in dieser Situation gar keine
wirklich wirksamen Garantien gibt. Praktisch geht es darum, wenigstens
irgendeinen Mechanismus zu finden, der besser und verlässlicher ist
als die bislang geschlossenen Sicherheitsabkommen. Ob das genügt, um
den Weg zu einem Abkommen mit Moskau zu ebnen – insbesondere zur
Klärung territorialer Fragen –, bleibt die entscheidende offene Frage.
Auf dem diplomatischen Parkett hatte die Ukraine im Ringen mit
Russland selten gute Ausgangsbedingungen. Manchmal sah es so aus, als
könne sich das Blatt wenden. Doch spätestens seit dem Globalen
Friedensgipfel im Juni 2024 ist klar: Die Entwicklung verläuft zu
Ungunsten Kiews.
An die Stelle von Reden über einen triumphierenden Westen, verschärfte
Sanktionen und eine Friedensformel in ursprünglicher Form tritt nun
die Vorbereitung eines Treffens zwischen Selenskyj und Putin. Ziel ist
es, den Krieg einzufrieren – und darüber zu entscheiden, welchen Preis
die Ukraine dafür zu zahlen bereit wäre.
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siehe auch:
https://www.berliner-zeitung.de/politik-gesellschaft/geopolitik/eu-soldaten-ukraine-von-der-leyen-entscheidet-eigenmaechtig-ohne-mandat-li.2353127
Ukrainekrieg
EU-Soldaten in der Ukraine?
Von der Leyen entscheidet eigenmächtig – ohne Mandat
Ursula von der Leyen plant europäische Soldaten in der Ukraine.
Während der Krieg weitergeht, entscheidet sie über Milliarden und Truppen – ohne Parlament, ohne Kontrolle.
Ein Kommentar.
Franz Becchi
01.09.2025 02.09.2025, 10.25
(…)
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3. FR: Autokraten-Gipfel mit Putin und Xi: Erdogan als einziger Vertreter eines Nato-Landes anwesend
https://www.fr.de/politik/autokraten-gipfel-mit-putin-und-xi-erdogan-als-einziger-vertreter-eines-nato-landes-anwesend-zr-93911531.html
Autokraten-Gipfel mit Putin und Xi: Erdogan als einziger Vertreter eines Nato-Landes anwesend
Stand: 03.09.2025, 04:51 Uhr
Von: Erkan Pehlivan
Tianjin – Auch der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan nimmt an
dem Gipfel der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ) im
chinesischen Tianjin teil.
Am Rande der Konferenz ist Erdogan mit seinem russischen Amtskollegen
Wladimir Putin zu bilateralen Gesprächen zusammengekommen. Putin pries
dabei die Vermittlungsbemühungen der Türkei im Ukraine-Krieg. Der
russische Präsident sei „zuversichtlich, dass die besondere Rolle der
Türkei in diesen Angelegenheiten weiterhin gefragt sein wird“.
Bei den drei Runden direkter Gespräche mit der Ukraine in Istanbul
habe es einige Fortschritte auf humanitärer Ebene gegeben. (…)
SOZ-Gipfel – Erdogan trifft auch Xi in Tianjin
Erdogan hat sich auch mit dem chinesischen Machthaber Xi Jinping
getroffen. Das türkische Präsidialamt für Kommunikation teilte mit,
dass die beiden Staatschefs eine Reihe von Themen erörterten und die
wirtschaftliche Zusammenarbeit bewerteten.
Auch die Lage in Gaza und der Ukraine-Krieg sowie mögliche gemeinsame
Schritte zum Wiederaufbau Syriens standen dabei auf Tagesordnung. (…)
Die Mitglieder der SOZ sind unter anderem China, Russland, Indien,
Iran, Pakistan, Kirgisistan, Tadschikistan, Kasachstan und Usbekistan.
Die Türkei ist kein Mitglied und hat den Status eines
„Dialogpartners“.
Unter Erdogan hat die Türkei weiterhin das Ziel, Mitglied der Europäischen
Union zu werden. Das aber scheint derzeit ausgeschlossen zu sein.
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4. Reuters: Israel begeht Völkermord in Gaza, sagt die Vereinigung der Gelehrten
https://www.reuters.com/world/middle-east/israel-is-committing-genocide-gaza-scholars-association-says-2025-09-01/
(in der angebotenen deutschen Übersetzung)
Israel begeht Völkermord in Gaza, sagt die Vereinigung der Gelehrten
Von Stephanie van den Berg <https://www.reuters.com/authors/stephanie-van-den-berg/>
1. September 2025 18:32 GMT + 2 aktualisiert am 2. September 2025
THE HAGUE, 1. September (Reuters) - Die weltweit größte akademische
Vereinigung von Genozid-Gelehrten hat eine Resolution verabschiedet,
die besagt, dass die rechtlichen Kriterien erfüllt wurden, um
festzustellen, dass Israel Völkermord in Gaza begeht, sagte sein
Präsident am Montag.
Sechsundachtzig Prozent derjenigen, die unter der 500 Mitglieder
zählenden Internationalen Vereinigung von Genozid-Gelehrten stimmten,
unterstützten die Resolution, die Israels "Politik und Handlungen in
Gaza" erklärte, die in Artikel II der UN-Konvention über Völkermord
von 1948 festgelegte rechtliche Definition erfüllt hatte.
Das israelische Außenministerium bezeichnete die Erklärung als
schändlich und "vollständig auf der Lügenkampagne der Hamas".
Israel hat in der Vergangenheit entschieden bestritten, dass seine
Handlungen in Gaza auf Völkermord hinauslaufen und sagt, dass sie als
Selbstverteidigung gerechtfertigt sind. Sie kämpft gegen einen Fall
vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag, der ihm Völkermord
vorwirft.
Israel startete seinen Angriff auf den Gazastreifen im Oktober 2023,
nachdem Kämpfer der Hamas, der militanten palästinensischen Gruppe,
die das Gebiet kontrolliert, israelische Gemeinden angegriffen, 1.200
Menschen getötet und mehr als 250 Geiseln gefangen genommen hatten.
Seitdem hat Israels Militäraktion 63.000 Menschen getötet, die meisten
Gebäude in dem Gebiet beschädigt oder zerstört und fast alle Bewohner
gezwungen, mindestens einmal aus ihren Häusern zu fliehen. Ein
globaler Hungermonitor, auf den sich die Vereinten Nationen verlassen,
sagt, dass Teile des Territoriums jetzt unter einer von Menschen
verursachten Hungersnot leiden, die auch Israel bestreitet.
Die dreiseitige Resolution fordert Israel auf, "sofort alle Handlungen
einzustellen, die Völkermord, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen
die Menschlichkeit gegen Palästinenser in Gaza darstellen,
einschließlich vorsätzlicher Angriffe gegen und Tötung von Zivilisten,
einschließlich Kinder; Hunger; Entbehrung humanitärer Hilfe, Wasser,
Treibstoff und andere Gegenstände, die für das Überleben der
Bevölkerung unerlässlich sind“.
Es heißt auch, dass der Hamas-Angriff auf Israel, der den Krieg
ausgelöst hat, internationale Verbrechen darstellt.
"Dies ist eine definitive Aussage von Experten auf dem Gebiet der
Völkermordstudien, dass das, was vor Ort in Gaza vor sich geht,
Völkermord ist", sagte die Präsidentin des Verbandes, Melanie O'Brien,
Professorin für internationales Recht an der University of Western
Australia, die sich auf Völkermord spezialisiert hat, gegenüber
Reuters. (…)
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Der Wortlaut der Resolution findet sich hier:
https://genocidescholars.org/wp-content/uploads/2025/08/IAGS-Resolution-on-Gaza-FINAL.pdf
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5. SZ: Vertreibung der Palästinenser - „Ein phänomenaler Standort“
https://www.sueddeutsche.de/politik/gaza-zukunftsvision-riviera-plan-trump-li.3306674?reduced=true
Vertreibung der Palästinenser
„Ein phänomenaler Standort“
2. September 2025, 14:47 Uhr
Israelische Geschäftsleute und eine internationale
Unternehmensberatung sollen einen Plan für die Zukunft des
Gazastreifens entwickelt haben. Mit Trump-Hotels und einer
Elon-Musk-City. Ob er Wirklichkeit wird, ist eine andere Frage.
Von Bernd Dörries <https://www.sueddeutsche.de/autoren/bernd-doerries-1.1146596>, Beirut
(…)
Zusammenfassung:
Ein 38-Seiten-Plan sieht vor, Gaza mit bis zu 100 Milliarden Dollar in
eine Mega-Ultra-AI-City mit Trump-Hotels und Elon-Musk-Zone
umzuwandeln.
Die USA sollen über eine Treuhand die politische Kontrolle übernehmen,
während alle Palästinenser ihre Häuser verlassen müssen.
Israelische Geschäftsleute und Mitarbeiter der Boston Consulting Group
sollen den Plan entwickelt haben, dessen Umsetzung aber ungewiss ist.
——
6. SZ: Drohungen gegen Norwegen - „Vielleicht ist es an der Zeit, Zölle zu erheben“
https://www.sueddeutsche.de/politik/norwegen-oelfonds-caterpillar-israel-gaza-usa-folgen-li.3306021?reduced=true
Drohungen gegen Norwegen
„Vielleicht ist es an der Zeit, Zölle zu erheben“
2. September 2025, 14:58 Uhr
Der mächtige norwegische Ölfonds trennt sich unter anderem von der
US-Firma Caterpillar, weil Israel deren Baumaschinen im Gazakrieg und
im Westjordanland einsetzt. Donald Trumps Parteifreund Lindsey Graham
reagiert prompt.
Von Alex Rühle, Stockholm
(…)
Zusammenfassung:
Norwegens staatlicher Ölfonds schließt die US-Baumaschinenfirma
Caterpillar aus, weil deren Bulldozer bei rechtswidriger Zerstörung
palästinensischen Eigentums eingesetzt werden.
Der republikanische Senator Lindsey Graham droht Norwegen mit höheren
Zöllen und Visa-Einschränkungen wegen des Caterpillar-Ausschlusses.
Der Ölfonds hat bereits über 40 amerikanische Firmen ausgeschlossen
und sich aus mehr als 24 israelischen Unternehmen zurückgezogen.
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7. taz: Belgische Sanktionen gegen Israel - Der Druck hat gewirkt
https://taz.de/Belgische-Sanktionen-gegen-Israel/!6107873/
Belgische Sanktionen gegen Israel
Der Druck hat gewirkt
Kommentar von Eric Bonse
Belgien hat endlich Sanktionen gegen Israel beschlossen – weil Premier
De Wever keine Wahl mehr hatte. Jetzt ist Deutschland an der Reihe.
3.9.2025 7:27 Uhr
Erst die Niederlande, dann Frankreich, nun auch Belgien: Immer mehr
EU-Staaten rücken von Israel ab – und sprechen sich für eine
Anerkennung Palästinas aus. Überraschend kommt diese Entwicklung
nicht. Angesichts der anhaltenden israelischen Kriegsverbrechen in
Gaza und der Weigerung der Regierung Netanjahu, auf eine
Zwei-Staaten-Lösung hinzuarbeiten, bleibt den Europäern kaum etwas
anderes übrig, wenn sie ihren Prinzipien treu bleiben wollen.
Überraschend ist eigentlich nur, dass es in Belgien so lange gedauert
hat. Die Stimmung im Lande ist längst gegen Netanjahu und seine
rechtsextremen Minister umgeschlagen. Und das nicht nur bei
Marokkanern und anderen Bevölkerungsgruppen, die traditionell mit den
Palästinensern sympathisieren. Auch in Studentenstädten wie Gent und
sogar im Brüsseler Europaviertel wurde der Ruf nach Sanktionen zuletzt
immer lauter.
Am Ende konnte sich ihm auch Premierminister Bart De Wever nicht mehr
entziehen. Zwar hat er auf Zeit gespielt und versucht, sich mit
Bundeskanzler Friedrich Merz abzustimmen, der für unbedingte
Solidarität mit Israel steht. Doch anders als in Deutschland haben in
Belgien auch die Sozialdemokraten massiven Druck gemacht. De Wever
musste handeln, sonst wäre seine Koalition geplatzt.
Die Beschlüsse, die Außenminister Maxime Prévot nun bekannt gegeben
hat, sind allerdings kaum geeignet, den Streit zu schlichten. Die
Sanktionen gegen Israel sehen zwar hart aus, dürften Netanjahu aber
kaum jucken. Und bei der Anerkennung Palästinas haben sich letztlich
die Bremser durchgesetzt. Sie haben den Schritt an Bedingungen
gebunden und damit hinausgezögert. Belgien ist in der Palästina-Frage
kein Vorreiter, sondern Nachzügler.
Dennoch ist der ein Signal an die gesamte EU, die ja immerhin ihren
Sitz in der belgischen Hauptstadt hat. Und er bringt Kanzler Merz und
seine Regierung noch mehr in die Defensive. Bleibt zu hoffen, dass
sich auch in Berlin endlich etwas bewegt. Belgien hat in der
Nahostpolitik gerade noch so die Kurve gekriegt – nun ist Deutschland
an der Reihe.
——
8. Handelsblatt: Gaza - Grundlinien deutscher Israel-Politik laut Kanzleramt unverändert
https://www.handelsblatt.com/politik/international/gaza-grundlinien-deutscher-israel-politik-laut-kanzleramt-unveraendert/100147337.html
Gaza
Grundlinien deutscher Israel-Politik laut Kanzleramt unverändert
In der Union gibt es heftige Kritik am Stopp bestimmter Rüstungsexporte nach Israel.
Kanzleramtschef Frei stellt klar, was genau entschieden wurde – und warum.
09.08.2025 - 18:50 Uhr
Berlin. Kanzleramtsminister Thorsten Frei hat Vorwürfe zurückgewiesen,
die Bundesregierung vollziehe mit dem Stopp bestimmter Rüstungsexporte
einen riskanten Kurswechsel in ihrer Israelpolitik.
„Es darf überhaupt kein Zweifel daran bestehen, dass die Grundlinien
der deutschen Israelpolitik unverändert bleiben“, sagte der
CDU-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. „Deutschland unterstützt
Israel weiter bei allem, was notwendig ist, seine Existenz und seine
Sicherheit zu verteidigen.“
Das Aussetzen bestimmter Exporte beziehe sich auf Rüstungsgüter, die
im Gazastreifen eingesetzt werden könnten. Das sei eine gut abgewogene
und klare Reaktion auf die Ankündigung Israels, seinen Militäreinsatz
auszuweiten und die Stadt Gaza einzunehmen.
Man agiere aus Sorge um die humanitäre Lage in der Region. Sollte
Gaza-Stadt eingenommen werden, könne das auch einen hohen Blutzoll bei
der Bevölkerung bedeuten.
Nicht betroffen vom Exportstopp sei aber „all das, was der
Selbstverteidigung Israels dient, also beispielsweise im Bereich der
Luftabwehr, der Seeabwehr“, betonte Frei. „In all diesen Bereichen
wird Israel natürlich weiter nach Kräften unterstützt.“
Kanzler Friedrich Merz hatte am Freitag erklärt, die schwarz-rote
Bundesregierung werde vorerst keine Rüstungsgüter mehr exportieren,
die im Gazastreifen eingesetzt werden könnten. Vom Koalitionspartner
CSU und auch aus Teilen der CDU kam scharfe Kritik. Am Sonntag sollen
zudem die Außenpolitiker der CDU/CSU-Fraktion zu einer Videositzung
zusammenkommen.
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9. Facing Finance: Aktionärsversammlung: Soll Thyssenkrupp seine Rüstungssparte abspalten? Unsere Rede zur Beihilfe von Kriegsverbrechen in Gaza
https://www.facing-finance.org/2025/08/aktionaersversammlung-soll-thyssenkrupp-seine-ruestungssparte-abspalten-unsere-rede-zur-beihilfe-von-kriegsverbrechen-in-gaza/
Aktionärsversammlung: Soll Thyssenkrupp seine Rüstungssparte abspalten?
Unsere Rede zur Beihilfe von Kriegsverbrechen in Gaza
Am 8. August 2025 trafen sich die Aktionäre des Konzerns Thyssenkrupp
zu einer außerordentlichen Hauptversammlung. Dabei wurde darüber
diskutiert und entschieden, ob Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) –
die Marine- und Rüstungssparte von Thyssenkrupp – vom Konzern
abgespalten und selbst an der Börse gelistet werden soll.
Allerdings sieht der Plan des Vorstands vor, dass Thyssenkrupp auch
nach der Abspaltung weiterhin die Aktienmehrheit (51%) an TKMS halten
soll. Wir haben diese halbe, unvollendete Abspaltung in einer Rede
kritisiert und einige Fragen an den Konzern gestellt.
Unsere Rede:
Sehr geehrter Herr Vorstandsvorsitzender Lopez, sehr geehrter
Aufsichtsratsvorsitzender Russwurm, sehr geehrtes Aktionariat,
Mein Name ist Luca Schiewe und ich vertrete heute alle Aktionäre, die
ihre Aktien an den Dachverband der Kritischen Aktionäre übertragen
haben. Der Dachverband der Kritischen Aktionäre unterstützt den
Spin-Off von TKMS. Wir sind der Meinung, dass eine Aufteilung es den
Investoren erlaubt, zielgenauer in die Geschäftsbereiche zu
investieren, in die sie investieren wollen.
Allerdings sehen wir den Plan kritisch, wonach Thyssenkrupp weiterhin
eine Mehrheit der Aktien der abgespaltenen TKMS halten soll. Aus
unserer Sicht wäre es besser, wenn TKMS eine eigenständige
börsengelistete Firma würde und Thyssenkrupp keine Aktienmehrheit mehr
an TKMS halten würde.
Es gibt Gründe für Investoren, gezielt in TKMS investieren zu wollen.
Vor allem die gute Auftragslage von TKMS in der derzeitigen
geopolitischen Lage.
Es gibt auch Gründe für Investoren, nicht in TKMS investieren zu
wollen, insbesondere rechtliche Risiken. TKMS verstößt möglicherweise
gegen den Atomwaffensperrvertrag NPT, indem es U-Boote, die
Nuklearwaffen tragen könnten, an Israel verkauft obwohl Israel nicht
Teil des Atomwaffensperrvertrags ist.
Dieser U-Boot Deal 2016 war auch mit Korruptionszahlungen verbunden,
mehrere enge Vertraute des israelischen Präsidenten Benjamin Netanyahu
haben Schmiergeldzahlungen erhalten, u.a. Avriel Bar-Yosef, David
Shimron, David Sharan, Eliezer Sandberg, Rami Taib, Yitzhak Molho.
Zudem exportiert TKMS Rüstungsgüter in völkerrechtswidrige Kriege
weltweit. So hat TKMS in den letzten Jahren U-Boote in die Türkei
geliefert. Obwohl die Türkei in völkerrechtswidrige Kriege in
Nordsyrien, Libyen und Bergkarabach involviert ist.
TKMS hat auch immer wieder U-Boote, Fregatten und Torpedos nach
Ägypten geliefert. Obwohl Ägypten seit 2016 gemeinsam mit
Saudi-Arabien die Häfen im Jemen blockiert hat und damit
mitverantwortlich ist für eine Hungersnot im Jemen, die
Hunderttausende Zivilisten getötet hat.
Als TKMS 2019 den Fregatten-Deal mit Ägypten unterzeichnet hat, wusste
TKMS also, dass die Gefahr besteht, dass Ägypten diese Fregatten für
eine völkerrechtswidrige Seeblockade im Jemen nutzen könnte.
Das Gleiche wiederholt sich aktuell in Gaza. Kriegsschiffe von TKMS
wurden nachweislich verwendet, um Gaza zu beschießen. Selbst nachdem
Kriegsverbrechen der israelischen Armee in Gaza bekannt wurden und von
UN-Institutionen sowie Völkerrechtlern weltweit kritisiert wurden, hat
TKMS die Rüstungsexporte nach Israel fortgesetzt.
Trotz zehntausender ermordeter Zivilisten. Trotz der Zerstörung
sämtlicher Schulen, Universitäten und Krankenhäuser. Trotz des
systematischen Einsatzes von Hunger als Kriegswaffe.
Wegen der Israel-Geschäfte von TKMS hat der Norwegische Pensionsfonds
KLP seine ThyssenKrupp Aktien kürzlich abgestoßen. Einige
institutionelle Investoren wie KLP haben Investmentrichtlinien gegen
Waffenlieferungen an Staaten, die systematisch internationales Recht
brechen. Eine Abspaltung von TKMS würde es diesen Investoren erlauben,
künftig wieder in Thyssenkrupp zu investieren. (…)
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