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02.10.2025

Friedensplan für Gaza & Israel: Warum Menschenrechte und ein Ende des Genozids entscheidend sind

amnesty.de, Seite besucht am 3. Oktober 2025, 7:35 Uhr

Aktuell Israel und besetztes palästinensisches Gebiet 30. September 2025


Ein Gebäude in Gaza-Stadt wird von der israelischen Armee angegriffen und zerstört (27. September 2025). 

© Khames Alrefi/Anadolu via Getty Images


Angesichts des neuen Friedensvorschlags der US-Regierung für den Gaza-Konflikt stellt Amnesty International klar: Jede Initiative für einen dauerhaften Frieden muss auf dem Völkerrecht basieren. Die Kernziele müssen die Achtung der Menschenrechte sowie die sofortige Beendigung des israelischen Genozids im Gazastreifen, der rechtswidrigen Besatzung und des Apartheidsystems sein. Kriegsverbrechen müssen strafrechtlich verfolgt werden. 

Die US-Regierung unter Präsident Trump hat am 29. September 2025 einen Plan zur Beendigung des Konflikts im Gazastreifen vorgelegt. Die internationale Generalsekretärin von Amnesty International, Agnès Callamard, erklärte dazu: 

"Das Ziel mit der höchsten Priorität ist es, den israelischen Völkermord in Gaza zu beenden und alle zivilen Geiseln freizulassen. Jede Initiative, die auf einen dauerhaften Frieden abzielt, muss sich auf das Völkerrecht stützen, die Menschenrechte aller Menschen im besetzten Palästinensischen Gebiet und in Israel wahren und auf die sofortige Beendigung der rechtswidrigen Besatzung und des israelischen Apartheidsystems ausgerichtet sein. 

Die ersten Schritte müssen ein dauerhafter Waffenstillstand und die bedingungslose Aufhebung der rechtswidrigen israelischen Blockade sein, um die sichere und ungehinderte Lieferung lebensrettender Hilfsgüter zu ermöglichen. Ebenso gehört dazu die bedingungslose Freilassung der Geiseln, die von der Hamas und anderen bewaffneten palästinensischen Gruppen festgehalten werden, sowie der unrechtmäßig von Israel festgehaltenen Gefangenen.  

Unabhängig davon, ob die Konfliktparteien einem Friedensplan zustimmen oder nicht, muss die internationale Gemeinschaft handeln. Und zwar jetzt, um den Völkermord zu beenden, einen Waffenstillstand herbeizuführen, die Freilassung der Geiseln sicherzustellen und den ungehinderten Zugang zu humanitären Hilfsgütern zu ermöglichen. 

Die Bereitstellung humanitärer Hilfe und die Beendigung des israelischen Völkermordes im Gazastreifen können nicht, wie in diesem Plan vorgesehen, davon abhängig gemacht werden, ob die Hamas den Vorschlag annimmt oder nicht. Nachweislich wurden 65.000 Palästinenser*innen getötet und Hunderttausende verletzt. Die Palästinenser*innen im Gazastreifen leiden seit fast zwei Jahren unter den schrecklichen Folgen von Vertreibung, Zerstörung und Hunger. Diese von Israel herbeigeführte und von den USA unterstützte Katastrophe muss endlich beendet werden – ob es nun ein Abkommen gibt oder nicht. 

Ebenso sollten an die Freilassung von zivilen Geiseln und willkürlich inhaftierten Palästinenser*innen keine Bedingungen geknüpft sein. Sowohl Israel als auch die Hamas müssen die rechtswidrige Praxis beenden, den Familien die Herausgabe von getöteten Angehörigen zu verweigern. 

Es ist von entscheidender Bedeutung, dass jedes Abkommen für die Opfer von Völkermord, Kriegsverbrechen oder Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu Gerechtigkeit führt. Die Erfahrung in der ganzen Welt, auch in Israel und dem besetzten Palästinensischen Gebiet, hat gezeigt, dass Straflosigkeit Konflikte und weitere Gräueltaten begünstigt. Alle Staaten müssen ihren völkerrechtlichen Verpflichtungen nachkommen und die Verantwortlichen für Verbrechen nach dem Völkerrecht zur Rechenschaft ziehen. 

Gerechtigkeit und Frieden müssen Hand in Hand gehen. Apartheid und Besatzung gehören zu den Hauptursachen für das Grauen, dem die Palästinenser*innen ausgesetzt sind, und jeder Plan, der diese Realität nicht anerkennt, fördert weitere Menschenrechtsverstöße." 

Amnesty-Posting auf Instagram:

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Hintergrund  Im September 2024 verabschiedete die UN-Generalversammlung eine Resolution, in der Israel aufgefordert wird, sich im Einklang mit dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs vom Juli 2024 innerhalb eines Jahres aus dem besetzten Palästinensischen Gebiet, einschließlich Ost-Jerusalem, dem Westjordanland und dem Gazastreifen, zurückzuziehen. Jeder Friedensplan sollte auf diese Resolution aufbauen und ihre Umsetzung ermöglichen. Sie sollte keine Bestimmungen enthalten, die dieser Resolution widersprechen oder ihre vollständige Umsetzung unmöglich machen könnten.  

Die Ablehnung jeglicher Zwangsumsiedlung von Palästinenser*innen aus dem Gazastreifen ist von entscheidender Bedeutung, muss aber auf das gesamte besetzte Palästinensische Gebiet und auf Zwangsumsiedlungen innerhalb des besetzten Palästinensischen Gebiets ausgedehnt werden.  

Sollte Israel eine Sicherheitszone wünschen, darf es das besetzte Palästinensische Gebiet dafür nicht nutzen. Außerdem darf Israel nicht die Kontrolle darüber behalten, wer in das besetzte Palästinensische Gebiet zurückkehren kann und wer nicht. 

Darüber hinaus muss jedes endgültige Abkommen sicherstellen, dass die Palästinenser*innen in vollem Umfang und auf sinnvolle Weise an allen Entscheidungen beteiligt werden, die die Zukunft des besetzten Palästinensischen Gebiets, seiner Verwaltung und die Ausübung der Rechte der Palästinenser*innen, einschließlich des Rechts auf Rückkehr, betreffen.   

Amnesty International stellt mit Besorgnis fest, dass Präsident Trump erklärt, Israel habe die "volle Unterstützung" seiner Regierung, um die Hamas zu zerstören, sollte sie diesen Plan nicht akzeptieren, da Israel den Grund für die Zerstörung der Hamas als Rechtfertigung für seinen Völkermord in Gaza benutzt hat. 

Völkermord kann und darf nicht das Mittel der Kriegsführung sein. Sollte die Hamas diesen Vorschlag ablehnen, bleiben Israel und die USA ebenso wie die Hamas an das Völkerrecht gebunden und dürfen sich nicht an Handlungen beteiligen, die sich gegen Zivilpersonen richten oder der Zivilbevölkerung lebenserhaltende Hilfe vorenthalten.  

Amnesty International fordert alle Staaten auf, sich auf die Umsetzung ihrer völkerrechtlichen Verpflichtungen zu konzentrieren. Die Regierungen sollten auch ihre selbst auferlegte Trägheit und ihre aktive oder stillschweigende Unterstützung für israelische Verstöße gegen das Völkerrecht beenden.  

Sie müssen sich verpflichten, jede Form der Zusammenarbeit, einschließlich des Transfers von Waffen oder der wirtschaftlichen Zusammenarbeit, einzustellen, die zu Israels rechtwidriger Besetzung, seinem Apartheidsystem oder dem Völkermord in Gaza beitragen oder diese unterstützen könnten.  


Das Foto zeigt eng zusammenstehende und teilweise übereinander liegende Menschen, die verzweifelt ihre Teller und Töpfe in die Höhe halten und in Richtung der Hilfskräfte, die Essen verteilen.

Menschen in Gaza retten, Genozid stoppen! Die Lage der Menschen in Gaza wird immer schlimmer. Beteilige dich jetzt an unserem Appell an die deutsche Bundesregierung!


Unsere Arbeit zu Israel und Palästina



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Amnesty JournalUSA02.10.2025

USA: Menschenjagd landauf, landab

Seit Monaten geht die US-Immigrationspolizei landesweit gegen Menschen ohne gültige Aufenthaltspapiere vor. Hunderttausende leben in Angst und Unsicherhei


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12059 Berlin


Info: https://www.amnesty.de/aktuell/israel-gaza-friedensplan-genozid-beenden-menschenrechte-achten


unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

02.10.2025

Jeffrey Sachs: Netanjahu will USA in einen Krieg gegen Iran ziehen  

rtnewsde.site, 2 Okt. 2025 17:45 Uhr

Seit fast 30 Jahren versucht der israelische Premier Benjamin Netanjahu, die USA in eine Auseinandersetzung mit Iran zu verwickeln, meint der renommierte US-Ökonom Jeffrey Sachs in einem Interview. Der Ausbruch eines Krieges sei sehr wahrscheinlich.


Quelle: Gettyimages.ru © Alex Wong


US-Präsident Donald Trump (l.) begrüßt den israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu in Washington, 29. September 2025


Professor Jeffrey Sachs, einer der bekanntesten US-amerikanischen Ökonomen, hat dem US-Journalisten Tucker Carlson ein Interview gegeben. Der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu versucht, die USA in einen Krieg mit Iran zu verwickeln, sagte der Direktor des Zentrums für nachhaltige Entwicklung an der Columbia University in New York.

In dem Zusammenhang meinte Sachs, dass er einen bewaffneten Konflikt zwischen beiden Ländern für sehr wahrscheinlich halte. Netanjahu sei absolut entschlossen, fügte er hinzu. "Dies ist seit fast 30 Jahren seine Absicht."

Und weiter:

"Es ist Teil von Netanjahus Politik, die Vereinigten Staaten von Amerika in ständige Kriege zu ziehen."

Ferner betonte der US-Ökonom, dass er die Situation für "extrem gefährlich" halte.


EU setzt Sanktionen gegen Iran teilweise wieder in Kraft





EU setzt Sanktionen gegen Iran teilweise wieder in Kraft







In der Nacht zum 13. Juni startete Israel eine Operation gegen Iran unter dem Vorwurf, das Land entwickele ein geheimes militärisches Atomprogramm. Atomanlagen, Militärkommandeure, prominente Atomphysiker und Luftwaffenstützpunkte auf iranischem Staatsgebiet wurden Ziele der israelischen Luftangriffe. Zwölf Tage lang lieferten sich beide Parteien gegenseitige Angriffe. Die USA schlossen sich aufseiten Israels dem Einsatz an und starteten in der Nacht zum 22. Juni einen Luftangriff auf iranische Atomanlagen.

In einem Mitte Juni geführten Interview hatte Sachs erklärt, er sei überzeugt, dass das wahre Ziel der militärischen Aktionen gegen Iran nicht die Zerstörung seiner Nuklearkapazitäten gewesen sei, da dies ohne den Einsatz von Atomwaffen kaum möglich wäre. Vielmehr sei ein geplanter Regimewechsel das Ziel.

Dabei verwies er auf das im Jahr 1996 veröffentlichte Strategiepapier "Ein klarer Kurswechsel: Eine neue Strategie zur Sicherung des Machtbereichs", das für Netanjahu, den damaligen Premierminister Israels, erstellt und von den USA unterstützt wurde. Darin sei eine Liste von sieben Ländern enthalten, die als Ziele für Destabilisierung oder militärische Intervention genannt werden. Es handele sich um den Irak, Syrien, den Libanon, den Sudan, Somalia, Libyen und Iran.

Diese Strategie sei in den letzten Jahrzehnten konsequent umgesetzt worden, betonte der US-Ökonom. Iran sei das letzte Land auf der Liste, das noch nicht direkt angegriffen worden war. Mit Angriffen auf Iran sei die Liste komplett.


Mehr zum Thema ‒ "Konflikt mit Iran ist Umsetzung eines jahrzehntealten Plans" – Sachs über US-Politik im Nahost


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Video https://rtnewsde.site/international/257710-jeffrey-sachs-netanjahu-will-usa/ Dauer 8:47 Min.


Durch die Sperrung von RT zielt die EU darauf ab, eine kritische, nicht prowestliche Informationsquelle zum Schweigen zu bringen. Und dies nicht nur hinsichtlich des Ukraine-Kriegs. Der Zugang zu unserer Website wurde erschwert, mehrere Soziale Medien haben unsere Accounts blockiert. Es liegt nun an uns allen, ob in Deutschland und der EU auch weiterhin ein Journalismus jenseits der Mainstream-Narrative betrieben werden kann. Wenn Euch unsere Artikel gefallen, teilt sie gern überall, wo Ihr aktiv seid. Das ist möglich, denn die EU hat weder unsere Arbeit noch das Lesen und Teilen unserer Artikel verboten. Anmerkung: Allerdings hat Österreich mit der Änderung des "Audiovisuellen Mediendienst-Gesetzes" am 13. April diesbezüglich eine Änderung eingeführt, die möglicherweise auch Privatpersonen betrifft. Deswegen bitten wir Euch bis zur Klärung des Sachverhalts, in Österreich unsere Beiträge vorerst nicht in den Sozialen Medien zu teilen.

Info: https://rtnewsde.site/international/257710-jeffrey-sachs-netanjahu-will-usa/


unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

02.10.2025

Artikel zu den Kriegen in der Ukraine und in Westasien - sowie zum Thema Militarisierung  (I von III)


Aus e-mail von Clemens Ronnerfeldt, vom 1. Oktober 2025, 20:04 Uhr


Liebe Friedensinteressierte,

beiliegend sende ich Artikel zu den
Kriegen in der Ukraine und in Westasien -
sowie zum Thema Militarisierung.

Auch heute möchte ich wieder einmal
darauf hinweisen, dass ich nicht mit
allen Aussagen übereinstimme, die
Artikel aber für relevant halte.

Besonders hinweisen möchte ich heute
auf die Rede von Präsident Gabriel Boric (17).


1. Ukraine-Krieg im Liveticker

2. n tv: Reisners Blick auf die Front - "Ukraine zielt erfolgreich auf Russlands Achillesferse"

3. Tagesspiegel: Kreml spricht von „unverantwortlicher“ Aussage: Selenskyj droht russischer Führung mit Angriff auf Moskau

4. Berl. Morgenpost: Reichweite, Einsatz, Ziel - Tomahawks für die Ukraine? Der Marschflugkörper im Steckbrief
5. Berl. Z.: Angriff auf die Gehirne


6. Der Spiegel: Trumps Ankündigung - Das sind die 20 Punkte des Friedensplans für Gaza

7. SZ: Krieg in Gaza: Es ist bitter, aber: Deutschland sollte sich Sanktionen gegen Israel anschließen

8. taz: Michael Barenboim über Kulturboykott. - „Es geht um Mitschuld“


9. Commondreams: "Tief unamerikanisch": Trump sagt den Generalen, dass sie US-Städte als militärische „Ausbildungsplätze“ nutzen sollen

10. Commondreams: Die Reden von P. Hegseth und D. Trump im Original
11. Die Zeit: Wenn mehr als 800 Generäle und Admirale reglos bleiben

12. Tagesspiegel: Stadt und Bundesstaat wehren sich: Portland und Oregon verklagen Trump wegen Militäreinsatz



13. ZDF: Angesichts russischer Bedrohung: Merz: "Wir sind nicht mehr im Frieden"

14. Der Spiegel: Drohnen über Europa - CDU-Politiker Kiesewetter will Spannungsfall ausrufen lassen

15. BR24: Kriegsszenario in den Alpen: Bundeswehr probt den Ernstfall

16. IPG: Cool bleiben - Europas militärische Antwort auf Putins Luftprovokationen zeigt:

Die Verteidigung steht. Also wäre mehr Gelassenheit durchaus angesagt.

17. YouTube: 80. Generalversammlung der Vereinten Nationen: Rede von Präsident Gabriel Boris (Chile)



18. Nie-wieder-Krieg: Bundesweite Demonstration am 3. Oktober 2025 in Berlin und in Stuttgart

19. Friedenskooperative: 80 Jahre nach Hiroshima: NATO-Atomkriegsmanöver 2025 stoppen! 11. Oktober 2025

20. Friedensdekade: Vom 9. bis 19. November 2025


——


1. Ukraine-Krieg im Liveticker


https://www.n-tv.de/politik/17-59-G7-Staaten-vor-Einigung-Schaerfere-Sanktionen-fuer-Russland-mehr-Hilfe-fuer-die-Ukraine--article23143824.html

01.10.2025
Ukraine-Krieg im Liveticker

17:59 G7-Staaten vor Einigung: Schärfere Sanktionen für Russland, mehr Hilfe für die Ukraine

Die G7-Staaten stehen kurz vor einer Einigung über eine deutliche
Verschärfung der Sanktionen gegen Russland, da dieses nicht bereit
ist, seinen Krieg gegen die Ukraine zu beenden. Die Finanzminister der
G7 werden voraussichtlich am heutigen Mittwoch eine gemeinsame
Erklärung veröffentlichen, in der insbesondere weitere Druckmaßnahmen
gegen Russland und die Unterstützung für die Ukraine angesprochen
werden, berichtet Bloomberg.


"Wir sind uns einig, dass wir gemeinsam handeln müssen, und glauben,
dass es jetzt an der Zeit ist, die Maßnahmen deutlich und koordiniert
zu verschärfen, um die Widerstandsfähigkeit der Ukraine zu stärken und
die Fähigkeit Russlands, Krieg gegen die Ukraine zu führen,
entscheidend zu beeinträchtigen", zitiert Bloomberg aus dem Entwurf
der Erklärung. (…)

(…)

13:19 Dänische Regierungschefin: Befinden uns in "gefährlichster Situation seit Ende des Zweiten Weltkriegs“

Angesichts von Ukraine-Krieg, Drohnenalarm und Luftraumverletzungen
durch Russland sieht Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen
Ähnlichkeiten zur Zeit zwischen den beiden Weltkriegen.

"Wenn ich darauf schaue, was Europa in der Zwischenkriegszeit geprägt
hat, dann sehe ich leider einige Parallelen zu der Zeit, in der wir
gerade leben, nicht zuletzt im Hinblick auf die Destabilisierung und
Instabilität unserer Gesellschaft", sagte Frederiksen bei einem
informellen EU-Gipfel in Kopenhagen. (…)


22:02 "Wir müssen regeln": Trump fordert erneut Selenskyj-Putin-Treffen

US-Präsident Donald Trump schlägt erneut vor, dass Selenskyj und Putin
sich zu einem Gipfeltreffen treffen sollen, um den Krieg in der
Ukraine "ein für alle Mal zu regeln". Er betont, man müsse über
Frieden sprechen und den Konflikt beenden, auch wenn es dafür
Zugeständnisse brauche. Der Vorschlag stößt international auf Skepsis:
Kritiker warnen vor legitimatorischem Charakter und vor Bedingungen,
die die Ukraine schwächen könnten.


——

2. n tv: Reisners Blick auf die Front - "Ukraine zielt erfolgreich auf Russlands Achillesferse"


https://www.n-tv.de/politik/Russlands-Sommeroffensive-ist-gescheitert-article26064007.html?utm_source=firefox-newtab-de-de



Politik
Reisners Blick auf die Front

"Ukraine zielt erfolgreich auf Russlands Achillesferse"

29.09.2025, 18:32 Uhr

Wirkt sich der Jahreszeitenwechsel schon erkennbar auf das
Kampfgeschehen am Boden aus?

In den letzten zehn Tagen hat die russische Sommeroffensive ihren
Kulminationspunkt erreicht. Der operative Durchbruch ist den
russischen Streitkräften dabei nicht gelungen, trotz signifikanter
Geländegewinne. Auch diese Sommeroffensive Russlands ist gescheitert.
An mehreren Orten entlang der Front haben die Russen die Situation
jedoch weiter zu ihren Gunsten verbessern können.


(…)

Mit eigenen Waffen greift die Ukraine bereits unablässig auf
russischem Territorium an. Hat das inzwischen erkennbare Auswirkungen
auf die russischen Kapazitäten zur Kriegsführung?

Zum ersten Mal seit langer Zeit können wir messbare Ergebnisse der
ukrainischen Luftkampagne gegen Russland beobachten. Nach Schätzungen
unterschiedlichster Experten stehen bis zu 25 Prozent der
Erdölproduktionskapazität nicht zur Verfügung.

Die Ukraine zielt erfolgreich auf Russlands Achillesferse: Die
Deviseneinnahmen durch Erdölverkäufe ins Ausland sind das
Schmiermittel der russischen Kriegsindustrie. Das Auftreten mutmaßlich
russischer Drohnen über Skandinavien, dem Baltikum bis runter nach
Rumänien ist ein Zeichen dafür, dass der ukrainische Druck wirkt.

Die russische Seite versucht, davon abzulenken, durch ihr Einwirken
tief in den Nato-Raum. Nebenher binden die Drohnen aber auch
Flugabwehr, die die Nato-Staaten dann womöglich nicht der Ukraine zur
Verfügung stellen.

Mit Markus Reisner sprach Sebastian Huld

Quelle: ntv.de


——

3. Tagesspiegel: Kreml spricht von „unverantwortlicher“ Aussage: Selenskyj droht russischer Führung mit Angriff auf Moskau


https://www.tagesspiegel.de/internationales/sie-mussen-wissen-wo-ihre-bombenkeller-sind-selenskyj-droht-putin-mit-angriff-auf-den-kreml--wie-realistisch-ist-das-14386121.html?utm_source=firefox-newtab-de-de


Update
Kreml spricht von „unverantwortlicher“ Aussage:

Selenskyj droht russischer Führung mit Angriff auf Moskau

Der ukrainische Präsident droht mit direkten Attacken auf den Kreml.
Moskau reagiert scharf. Aber wie realistisch wäre ein ukrainischer
Angriff überhaupt?

Von Tobias Mayer Stand: 26.09.2025, 14:38 Uhr

Bisher hat sich die Ukraine hauptsächlich im eigenen Land gegen die
russische Invasion gewehrt, dazu kamen Angriffe auf Militärstandorte
und die fossile Produktion in Russland. Nun jedoch verändert der
ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj den Ton. Für den Fall einer
Fortsetzung des russischen Angriffskrieges hat er mit Attacken auf den
Kreml gedroht.

Es soll keine Angriffe auf zivile Ziele geben

Dabei hofft Selenskyj auf die Lieferung von nicht näher bezeichneten
Waffen mit großer Reichweite aus den USA. Gleichzeitig schloss er aber
Angriffe auf zivile Ziele aus. „Wir sind keine Terroristen“, sagte der
Ukrainer. Er hatte sich schon in der Vergangenheit in seinem Amtssitz
auch vor einem Gemälde, das den Kreml in Flammen zeigt, demonstrativ
fotografieren lassen.

Seit Beginn der Invasion im Februar 2022 greift Russland auch die
Zivilbevölkerung in der Ukraine aus der Luft mit Drohnen und Raketen
an. Bei ukrainischen Gegenangriffen auf russische Infrastruktur hat es
auch zivile Opfer gegeben, allerdings deutlich weniger.

Kreml-Sprecher nennt Drohung „unverantwortlich“

Moskau hat Selenskyjs Drohung als „unverantwortlich“ zurückgewiesen.
Der ukrainische Präsident stoße im Zuge seiner „verzweifelten
Bemühungen“ ständig Drohungen aus, „was ziemlich unverantwortlich
ist“, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow am Freitag bei einer
Pressekonferenz in Moskau. Russland hatte Anfang September bei seinen
bisher schwersten Luftangriffen auf die Ukraine zum ersten Mal den
Regierungssitz in der Hauptstadt Kiew attackiert.


Auch Medwedew keilt zurück

Vor Peskow meldete sich bereits der frühere Kremlchef Dmitri Medwedew
zu Wort. Er warnte Selenskyj scharf und drohte mit einem Schlag gegen
Kiew. „Was der Freak wissen muss, ist, dass Russland Waffen anwenden
kann, gegen die kein Bomben-Bunker Schutz bietet. Die Amerikaner
sollten das auch im Hinterkopf behalten“, schrieb Medwedew auf X mit
Blick auf Selenskyjs Bitten, die USA mögen solche Waffen zur Verfügung
stellen.

Medwedew fällt immer wieder mit extremen Drohungen oder Beleidigungen
auf, er gehört zu den bekanntesten Scharfmachern des Moskauer Regimes.

Wie realistisch ist es, dass die Ukraine den Kreml angreift? Aus
politischer Sicht erscheint eine Attacke wenig sinnvoll, birgt sie
doch die Eskalationsgefahr eines massiven russischen Gegenschlags.
Schaut man auf das Waffenarsenal der Ukraine, zeichnet sich die
Fähigkeit zu so einem weit reichenden Angriff jedoch mehr und mehr ab
– auch ohne Unterstützung der USA.

Welche Waffen könnte die Ukraine auf den Kreml feuern?

Im Mai 2023 explodierten zwei Drohnen über dem Gelände des Moskauer
Kreml, dem Sitz des russischen Präsidenten. Kiew stritt damals jedoch
eine Beteiligung ab. Inzwischen verfügt das ukrainische Militär nach
Aussage von Selenskyj über Kampfdrohnen, die bis zu 3.000 Kilometer
weit fliegen.

Der Kreml ist nur gut 450 Kilometer von der ukrainischen Grenze
entfernt. Damit ist er auch in Reichweite bestimmter Raketen und
Marschflugkörper, die deutlich mehr Schaden anrichten können als
Drohnen.

Die Ukraine hat die Entwicklung eigener ballistischer Raketen
angekündigt und sie baut bereits „Mini-Marschflugkörper“ namens Ruta
und Peklo, die nach Angaben des Waffenexperten Fabian Hoffmann
Distanzen von 500 bis 800 Kilometern überbrücken können.

Außerdem hat Kiew jüngst einen Marschflugkörper namens „Flamingo“
vorgestellt, der bis zu 3000 Kilometer weit fliegt. Er ist zwar nicht
so präzise wie der deutsche Taurus, den die Ukraine bisher offenbar
nicht bekommen hat, die Zerstörungskraft des Flamingos ist jedoch auch
groß.

Darüber hinaus wurde die Ukraine von ihren Verbündeten mit weit
reichenden Marschflugkörpern beliefert. Wie viele davon noch im
Arsenal sind, ist nicht bekannt. Ohnehin ist bei den Modellen aus
Frankreich und dem Vereinigten Königreich fraglich, ob sie den Kreml
erreichen könnten, auch weil beim Start von Kampfflugzeugen aus ein
Sicherheitsabstand zur russischen Flugabwehr beachtet werden müsste.

Sowieso hängt es von der russischen Abwehr ab, ob die Ukraine den
Kreml treffen könnte. Sie dürfte rund um den Moskauer Regierungssitz
sehr gut sein. (mit dpa/AFP)

————



4. Berl. Morgenpost: Reichweite, Einsatz, Ziel - Tomahawks für die Ukraine? Der Marschflugkörper im Steckbrief


https://www.morgenpost.de/politik/article406773504/tomahawk-marschflugkoerper-kosten-rakete-reichweite.html



Reichweite, Einsatz, Ziel
Tomahawks für die Ukraine? Der Marschflugkörper im Steckbrief

Berlin. Die USA erwägen, Marschflugkörper vom Typ Tomahawk an die
Ukraine zu liefern. Was kann die Waffe wirklich? Wichtige Infos zur Rakete.

Von Christian Kerl, Korrespondent

29.09.2025, 15:49 Uhr

Kommen bald Tomahawk-Marschflugkörper in der Ukraine zum Einsatz? Laut
Berichten US-amerikanischer Medien erwägt die US-Regierung, diese
Langstreckenwaffen an Kiew zu liefern. Mit einer Reichweite von bis zu
2.500 Kilometern könnten damit auch Ziele tief in Russland getroffen
werden – darunter auch die Hauptstadt Moskau.

Die Tomahawks, auch Cruise Missiles genannt, zählen zu den
amerikanischen Erstschlagswaffen, die in zahlreichen Konflikten
eingesetzt werden. Sie sind eine Art unbemanntes Einweg-Flugzeug, das
mit einem sehr modernen Navigationssystem in niedriger Höhe (30 bis 90
Meter) fliegen und seine Richtung unterwegs ändern kann. Auch
Hindernissen weichen die Tomahawks aus. Wegen dieser Eigenschaften
sind sie nur schwer für die Flugabwehr des beschossenen Landes zu
erkennen. (…)

Ab 2026: Stationierung in Deutschland geplant

In Deutschland sollen ab 2026 US-Marschflugkörper vom Typ Tomahawk
stationiert werden, das hatten 2024 die US-Regierung und die
Bundesregierung am Rande des Nato-Gipfels in Washington
bekanntgegeben. Damit befänden sich erstmals seit dem Kalten Krieg
wieder amerikanische Langstreckenwaffen auf deutschem Boden.

Werden Tomahawks hierzulande stationiert – im Gespräch war der
US-Truppenstandort Grafenwöhr in Bayern – bräuchten sie bis Moskau
mehr als zwei Stunden Flugzeit.


——

siehe auch:
https://www.cbsnews.com/news/jdvance-trump-zelenskyy-ukraine-russia-us/

JD Vance sagt, dass die USA den Verkauf von Tomahawk-Raketen an die Ukraine "sehen"

Von Emmet Lyon

29. September 2025 / 07:52 EDT / CBS News

Das Weiße Haus wägt den Antrag der Ukraine auf Langstreckenraketen
Tomahawk ab, um das Land gegen russische Streitkräfte zu verteidigen,
sagte Vizepräsident JD Vance am Sonntag.

"Wir schauen uns sicherlich eine Reihe von Anfragen der Europäer an.
Und eines der Dinge, die ich wirklich über die Politik des Präsidenten
in der Ukraine und Russlands gearbeitet habe, ist, dass es die
Europäer gezwungen hat, in großem Stil aufzutreten. Es ist etwas, was
der Präsident zur endgültigen Entscheidung treffen wird", sagte Vance
am "Fox News Sunday“.

(…)

Kreml-Sprecher Dmitri Peskow deutete am Montag an, dass sich die USA
direkt in den Krieg zwischen Russland und der Ukraine einmischten.
"Moskau hat Washingtons Aussagen über mögliche Tomahawk-Lieferungen in
die Ukraine gehört und analysiert sie sorgfältig", sagte Peskow auf
einer Pressekonferenz. "Es ist wichtig zu verstehen, wer die
Tomahawk-Raketen vom ukrainischen Territorium aus leiten und
abschießen wird - die Amerikaner oder die Ukrainer selbst.“ (…)

——



5. Berl. Z.: Angriff auf die Gehirne

https://epaper.berliner-zeitung.de/article/56ac7d828312f77e4782444bc14a43d894897dd0f55c286e346ce3ad9bbcbe89



Mittwoch, 1. Oktober 2025, Berliner Zeitung

Angriff auf die Gehirne

Drohnen über Polen: Die bisher heftigste Attacke auf ein Nato-Land kam
gar nicht aus der Luft. Es ging vor allem um Propaganda

Klaus Bachmann

Russische MIG-31, die zwölf Minuten lang den estnischen Luftraum
unsicher machen, mit ausgeschaltetem Transponder und ohne auf Signale
zu reagieren, unbekannte zivile Drohnen, die für Stunden die Flughäfen
in Kopenhagen und Oslo lahmlegen, und schließlich ein Angriff mit
ungefähr 20 militärischen Drohnen auf Polen in der Nacht zum 10.
September. Niemand weiß, was das alles bedeuten soll. Ist das ein
Angriff auf Nato-Mitglieder? Wie soll man darauf reagieren?

Verunsicherung überall – und wie immer, wenn Menschen verunsichert
sind, verlangen sie radikale, autoritäre Maßnahmen: draufhauen,
bestrafen, abschießen. Seither wird darüber diskutiert, ob man, wie
die Türkei im November 2015, russische Kampfjets bei Verletzungen des
Luftraums einfach abschießen sollte.

Natürlich könnte man die Einsatzregeln für Nato-Abfangjäger
entsprechend ändern, diese Änderung der russischen Regierung
kommunizieren und dann danach handeln. Die Frage ist nur: Ist die
Sache es wert? Dabei geht es gar nicht nur um die mögliche russische
Reaktion und darum, dass Russland damals einen Wirtschaftskrieg gegen
die Türkei begann, an dessen Ende sich Erdogan bei Putin
entschuldigte.

Als die Sowjetunion 1962 eine amerikanische U-2 über Kuba abschießen
ließ, war das riskant, aber rational: Die U-2 drohte die Standorte der
sowjetischen, auf die USA gerichteten Raketen auf Kuba zu entdecken.
Beide Seiten vertuschten den Vorfall, weil sie eine Eskalation
verhindern wollten, aber auch, weil jede Seite erkannte, dass die
andere so handeln musste, wie sie gehandelt hatte.

Die Frage heute ist: Welchen Vorteil Russlands würde das Abschießen
einer MIG-31 über Estland zunichte machen? Was erfährt Russland durch
einen solchen Überflug, was es nicht genauso gut (oder besser)
mithilfe von Satellitenaufklärung herausfinden kann? Nichts, außer
Details über den Entscheidungsprozess und die Reaktionszeit seiner
Gegner.

Enormes Risiko

Hinzu kommt: Gegen die anderen Bedrohungen und Provokationen kann man
gar nicht zurückschlagen. Wer zivile Drohnen über einem Flughafen
abschießt, fühlt sich vielleicht besser und bekommt eine Menge
Beifall, aber er geht ein enormes Risiko ein. Eine Drohne für ein paar
Tausend Euro, die auf ein Flughafengelände fällt, verursacht dort
unter Umständen einen Millionenschaden.

Man sollte nicht vergessen: Solche Aktionen heißen Provokationen, weil
sie etwas provozieren wollen. Der Gegner soll sich durch eine
übertriebene, emotionale Reaktion selbst ins Unrecht setzen. Die
Debatte zeigt: Das funktioniert bestens.

Nichts demonstriert das besser als der bisher größte Angriff auf ein
Nato-Mitgliedsland, der bisher auch die meisten Rätsel aufgibt – das
Eindringen von circa 20 Drohnen in den polnischen Luftraum in der
Nacht zum 10. September. Wollte Russland damit die Nato-Luftabwehr
testen? War das Ganze ein Unfall, ausgelöst von unvorsichtigen
Teilnehmern des Zapad-Manövers in Belarus? Wurden die Drohnen von der
ukrainischen Flugabwehr absichtlich nach Polen gelenkt, um so den
Kriegseintritt der Nato zu provozieren?

Eine genaue Analyse des Ablaufs zeigt: Ja, das war tatsächlich ein
gezielter russischer Angriff auf ein Nato-Mitgliedsland. Nur kam er
überhaupt nicht aus der Luft, und er begann auch nicht am Abend des
9. September. Gerade Deutschland kann eine Menge aus diesem Vorfall
lernen, obwohl es auf den ersten Blick gar nicht betroffen ist.

Die ganze Geschichte beginnt eigentlich viele Monate früher, mit dem
Aufstieg zweier explizit antiukrainischer Parteien, deren Kandidaten
bei den polnischen Präsidentschaftswahlen mehr als 20 Prozent der
Stimmen holen und von den anderen Kandidaten deshalb eifrig hofiert
werden. Noch im Wahlkampf verkündet selbst der liberale
Spitzenkandidat, der Warschauer Oberbürgermeister Rafał Trzaskowski,
er werde den nach Polen geflohenen Ukrainern das Kindergeld wieder
wegnehmen, wenn sie keiner geregelten Arbeit nachgingen.

Man erkennt da gewisse Parallelen zu Unionsforderungen in der
Bundesrepublik, muss dabei aber berücksichtigen, dass prozentual viel
mehr Ukrainer in Polen in Arbeit sind als in Deutschland und solche
Kürzungen deshalb weit weniger Menschen betreffen.

Das Entscheidende ist etwas anderes: Die Regierenden benennen damit
einen Sündenbock für die enorme Staatsverschuldung und die
Einschränkungen bei Sozialleistungen, die durch die Erhöhung der
Verteidigungsausgaben notwendig werden. Seither läuft an der Weichsel
eine Art Wettlauf unter den Parteien, wer heftiger auf die etwa eine
Million in Polen lebenden Ukrainer einschlägt – obwohl der
Dienstleistungssektor ohne sie zusammenbrechen würde.

Als bei einem Konzert eines belarussischen Rappers im Warschauer
Nationalstadion einige Teilnehmer etwas über die Stränge schlugen und
eine kleine Gruppe nationalistische ukrainische Symbole schwenkte,
griffen die Behörden durch. Premier Donald Tusk höchstpersönlich
kündigte Deportationen an, und in einer Nacht-und-Nebel-Aktion wurden
63 Belarussen und Ukrainer sofort abgeschoben. Tusk nannte das Ganze
eine russische Provokation; man kann sich aber fragen, ob er damit
nicht genau einer solchen aufgesessen ist.

Etwa seit dem Jahr 2023 verschlechtert sich das Verhältnis der Polen
zu Ukrainern und der Ukraine rapide. Von der anfänglichen
Ukraine-Begeisterung des Frühjahrs 2022 ist so gut wie nichts mehr
übrig geblieben. Das hat auch Folgen für die Haltung der Polen zum
Krieg: Schon Ende vergangenen Jahres gab es mehr Befragte, die für
einen schnellen Frieden mit territorialen Konzessionen waren, als
solche, die die Ukraine weiterhin bedingungslos unterstützen wollten.

Paradoxer Nebeneffekt: Je weniger Flüchtlinge nach Polen kommen, desto
heftiger sind die Polen gegen ihre Aufnahme. Die regierungsamtlich
verbreitete Ausländerfeindlichkeit bereitete den Boden für eine der
größten und erfolgreichsten russischen Propagandakampagnen der
vergangenen Jahre. Putin musste nur noch ernten, was Polens
Regierungen gesät hatten.

Am späten Abend des 9. September um 23.30 flog die erste Drohne in den
polnischen Luftraum. Bis 6.37 Uhr kamen dann noch ungefähr 19 weitere.
Wie viele und welche Drohnen genau wohin geflogen sind, ist bis heute
nicht bekannt gegeben worden. Einige hätten den polnischen Luftraum
wieder verlassen, heißt es, andere seien abgestürzt. Kampfflugzeuge,
die in Polen im Rahmen des Nato- Air-Policing stationiert sind,
stiegen auf und schossen mehrere Drohnen ab.

General Wieslaw Kukula, der Chef des Generalstabs, erklärte auf einem
rechtslastigen Internetsender, man habe bewusst nicht alle
abgeschossen, sondern nur diejenigen, die eine Gefahr darstellten.
Seither ist in Polen nichts mehr, wie es war.

Die Regierung beantragte Beratungen nach Artikel 4 des Nato-Vertrags,
die Nato beorderte zusätzliche Flugzeuge zum Air Policing nach Polen,
vor dem UN-Sicherheitsrat präsentierte der polnische Botschafter
Bilder eines während des Drohneneinfalls zerstörten Hauses in
Ostpolen. Die Massenmedien diskutieren über die Einrichtung von
Luftschutzkellern, Gemeinden lassen sich in Zivilschutz trainieren,
und einfache Bürger kaufen sich Evakuierungsrucksäcke. Ein Land
bemerkt, dass es seit drei Jahren im Krieg ist.

In der allgemeinen Panik werden aber wichtige Details übersehen. Auf
die Drohnenattacke angesprochen sagte Kremlsprecher Dmitry Peskov,
sonst nie um eine Antwort verlegen, erst einmal gar nichts: „Wir
wollen das nicht kommentieren. Das liegt in der Kompetenz des
Verteidigungsministeriums.“

Offenbar war auch der Kreml überrascht. Das Verteidigungsministerium
dementierte, Polen mit Drohnen angegriffen zu haben, und bot Warschau
sogar Konsultationen darüber an. Das war ungewöhnlich konziliant. Noch
am 10. September erklärte der russische Geschäftsträger in Warschau,
Russland habe mit den Drohnen nichts zu tun, „die stammen aus der
Ukraine“. Das war kein Ausrutscher.

Noch während des Anflugs der Drohnen begann eine umfangreiche
Propagandaaktion, die darauf abzielte, die Ukraine anzuprangern. Die
Grundthese: Die Drohnen seien nur deshalb nach Polen geflogen, weil
sie von der ukrainischen Flugabwehr so umgelenkt worden seien.

Auf Facebook, X, Instagram und TikTok tauchten gleichlautende
Sprechblasen auf anonymen Konten auf, die danach von zahlreichen
echten Social-Media-Nutzern eifrig weiterverbreitet wurden, bis sie
bei Influencern mit Zehn- und Hunderttausenden von Followern landeten.
Aus dem Strom wurde noch in der Nacht des 10. September ein Tsunami.
Er war so groß, dass er schon lange vor dem Abflug der ersten Drohne
geplant sein musste.

Michał Fedorowicz, Vorsitzender des Warschauer Instituts für Internet-
und Soziale-Medien-Forschung, hat 200.000 Social-Media-Posts zu der
Drohnenattacke ausgewertet. Das Ergebnis: 38 Prozent davon machten die
Ukraine verantwortlich, 15 Prozent die polnische Regierung, 8 Prozent
die Medien und 5 Prozent die Nato beziehungsweise „den Westen“.

Nur 34 Prozent sahen die Schuld bei Russland. Der entscheidende Punkt
dabei: Viele der Konten, die die Lawine losgetreten hätten, seien
„ukrainische oder ukrainisch aussehende Konten gewesen“. Das habe bei
den authentischen Nutzern den Eindruck bestätigt, das Ganze sei eine
„False Flag“-Operation der Ukraine gewesen.

Inzwischen haben polnische Militärs bekannt gegeben, von ukrainischen
und belarussischen Stellen vor anfliegenden Drohnen gewarnt worden zu
sein, was der These, hinter allem stecke die Ukraine, den Wind aus den
Segeln nimmt.

Der private Warschauer Nachrichtendienst OKO Press hat die Inhalte
untersucht. Sein Fazit: Polen wurde doppelt angegriffen, aus der Luft
und im Internet. Besonders eifrig dabei waren rechte und
rechtsradikale Politiker, die sich als Lautsprecher für russische
Propagandaklischees betätigten, weil sie zu ihrer antiukrainischen
Haltung passten.

Den Verdacht, die Ukraine stecke hinter den Drohnen, konnte die
Regierung einigermaßen entkräften. Aber durch ihre zögerliche und
verspätete Reaktion sind Medien und Militärs jetzt im
Verteidigungsmodus. Sie müssen es jetzt mit einer populär gewordenen
Verschwörungstheorie aufnehmen, die auf weit verbreiteten,
antiukrainischen Vorurteilen aufbauen kann – sowie auf schlechte
Beispiele, die eine frühere Regierung selbst geliefert hat.

Im November 2022 starben etwa in dem ostpolnischen Dorf Przewodów zwei
Personen, als Teile einer S-300-Luftabwehrrakete auf einen Bauernhof
fielen. Was zuerst ebenfalls wie eine russische Attacke aussah, erwies
sich als misslungener Versuch der ukrainischen Armee, einen russischen
Angriff abzuwehren. Dabei fielen Teil eines ukrainischen Geschosses
auf den Bauernhof, was die damalige Regierung Morawiecki nur ungern
zugab.

Jetzt beging die Regierung einen ähnlichen Fehler: Die Trümmer auf dem
Foto, das ihr Botschafter bei der Uno herumzeigte, gingen nicht auf
eine russische Drohne, sondern auf das fehlgeleitete Geschoss einer
norwegischen oder niederländischen F-35 zurück, die zur
Drohnenbekämpfung eingesetzt war, berichteten die Medien. Inzwischen
gibt es auch Berichte, wonach eine polnische F-16 dafür verantwortlich
sein soll. Auch da weiß man nichts Genaues, die Behörden schweigen.

Indiskretionen der Ermittler

Das Geschoss zerstörte das Dach eines Gehöfts, ohne zu explodieren.
Auch das weiß man nur durch Indiskretionen der Ermittlungsbehörden.
Inzwischen hat sich der Konsultativrat für Internationale
Desinformationsresilienz beim Außenminister zu Wort gemeldet und
forderte in schönstem Bürokraten-Polnisch die Bevölkerung auf,
russischer Desinformation keinen Glauben zu schenken. Aber auf die
Fragen, die die Öffentlichkeit umtreiben, gibt auch der Rat keine
Antwort: Was da in den polnischen Luftraum flog, wie viel davon von
wem abgeschossen wurde, was dabei kaputt ging.

Das ist der Teil der ganzen Geschichte, der auch die Bundesrepublik
betrifft. Eingelullt in die amtliche Versicherung, wonach Deutschland
(wie Polen ja auch) „keine Kriegspartei“ sei, hat sie darauf
verzichtet, eine effektive Krisenkommunikation aufzubauen, mit der
solche Propaganda-Tsunamis entschärft werden können, bevor sie ihre
Wirkung entfalten.

Dabei hätte man auch in Deutschland spätestens seit der Lachnummer mit
den abgehörten Militärs, die im März 2024 über Taurus-Einsätze
spekulierten, gewarnt sein müssen.

In Polen gibt es inzwischen wenigstens ansatzweise einen
Krisenkommunikationskanal: Das Regierungszentrum für Sicherheit warnt
per SMS vor Überschwemmung, Unwetter und Drohnen. Aber dieser Service
eignet sich genauso wenig zur Propagandaabwehr im Internet wie die
deutschen Alarm-Apps.

Wenn eine der russischen Drohnen, die über Polen herunterfiel,
tatsächlich bis Deutschland weitergeflogen wäre, wie manche derer
behaupten, die die russischen Propagandamatrizen weiterverbreiten,
wären Bundesrepublik und Landesregierungen genauso überrascht worden
wie die polnische Regierung.

Und vermutlich hätten wir dann jetzt auch eine Debatte über
Drohnenschutzschirme, Flugabwehr und Gebäudeschäden, die die
Bevölkerung noch weiter verunsichert. Dabei können wir die wirklichen
Schäden, die so etwas anrichtet, mit Internet-Analytik und
Meinungsumfragen viel besser messen.

Der eigentliche Angriff vom 10. September auf Polen, der kam nicht aus
der Luft, sondern still und leise über Smartphones und Laptops, er
ging direkt in die Gehirne ihrer Besitzer. Er fand auch nicht statt,
um von verirrten Drohnen abzulenken, im Gegenteil: Die Drohnen waren
dazu da, die längst angelaufene Propagandakampagne glaubwürdiger zu
machen.

——

https://de.wikipedia.org/wiki/Klaus_Bachmann

Klaus Bachmann (* 12. Dezember 1963 in Bruchsal) ist ein deutscher
Journalist, Historiker und Politikwissenschaftler. Er veröffentlichte
Bücher über deutsch-polnische und ukrainisch-polnische Beziehungen
sowie Transitional Justice und ist Professor für politische
Wissenschaften an der privaten Uniwersytet SWPS (Universität für
Sozial- und Geisteswissenschaften) in Warschau. (…)

Klaus Bachmann studierte osteuropäische Geschichte und slawische
Sprachen an den Universitäten in Heidelberg, Wienund Krakau. Er zog
1988 nach Polen und wurde Korrespondent der deutschen taz sowie der
österreichischen Presse und des Falter.

1989 erhielt er den Status eines Auslandskorrespondenten in Polen,
seit 1992 ebenfalls in Kiew, Minsk und Wilna. Ab Mitte der 1990er
Jahre schrieb er für den Tagesspiegel, die Stuttgarter Zeitung, die
Hannoversche Allgemeine Zeitung und in Polen für die Rzeczpospolita,
die Polityka und den Tygodnik Powszechny.

Im Jahr 2000 promovierte er an der Universität Warschau über den
polnisch-ukrainischen Konflikt in Galizien in den Jahren 1907 bis 1914. (…)

———



6. Der Spiegel: Trumps Ankündigung - Das sind die 20 Punkte des Friedensplans für Gaza


https://www.spiegel.de/ausland/israel-gaza-krieg-die-20-punkte-des-friedensplans-von-donald-trump-a-888750ba-918d-49e4-acb7-fbfec3720fc3?utm_source=firefox-newtab-de-de

Trumps Ankündigung

Das sind die 20 Punkte des Friedensplans für Gaza


Eine »deradikalisierte Sonderwirtschaftszone«, die Israel weder
besetzt noch annektiert: So soll der Gazastreifen nach Vorstellung von
Donald Trump aussehen. Die Punkte des Friedensplans des US-Präsidenten
im Überblick.

30.09.2025, 08.21 Uhr

Bei einem Treffen mit Israels Regierungschef Benjamin Netanyahu hat
US-Präsident Donald Trump einen umfassenden Friedensplan zur
Beendigung des Krieges in Gaza vorgestellt. Er sieht unter anderem
einen Rückzug der israelischen Armee, die Freilassung aller von der
Hamas festgehaltenen Geiseln und die Errichtung einer
»Sonderwirtschaftszone« vor, die zunächst von palästinensischen
Technokraten regiert werden soll.

(Warum der Plan zwar viele Fragen offenlässt und trotzdem ein
ernsthafter Versuch ist, den Krieg zu beenden, lesen Sie hier.)


Das sind die 20 Punkte, die das Weiße Haus veröffentlicht hat, im Wortlaut:


Gaza wird eine deradikalisierte, terrorfreie Zone werden, die keine
Bedrohung für ihre Nachbarn darstellt.

Gaza wird zum Wohle seiner Bevölkerung wiederaufgebaut, die bereits
mehr als genug gelitten hat.

Wenn beide Seiten diesem Vorschlag zustimmen, wird der Krieg sofort
beendet. Die israelischen Streitkräfte ziehen sich bis zu einer
vereinbarten Linie zurück, um die Freilassung von Geiseln
vorzubereiten. Während dieser Zeit werden alle militärischen
Operationen, einschließlich Luft- und Artilleriebeschuss, eingestellt,
und die Kampflinien bleiben eingefroren, bis die Bedingungen für einen
vollständigen, schrittweisen Rückzug erfüllt sind.

Innerhalb von 72 Stunden nach Israels öffentlicher Annahme dieses
Abkommens werden alle Geiseln – lebend und verstorben – zurückgeführt.

Sobald alle Geiseln freigelassen sind, wird Israel 250 zu lebenslanger
Haft Verurteilte sowie 1700 nach dem 7. Oktober 2023 inhaftierte
Palästinenser freilassen, darunter alle Frauen und Kinder, die in
diesem Zusammenhang festgenommen wurden. Für jede übergebene
israelische Geisel werden die Überreste von 15 verstorbenen
Palästinensern freigegeben.

Sobald alle Geiseln freigelassen sind, erhalten Hamas-Mitglieder, die
sich zur friedlichen Koexistenz verpflichten und ihre Waffen abgeben,
Amnestie. Hamas-Mitglieder, die Gaza verlassen möchten, erhalten
sicheren Durchgang in aufnehmende Länder.

Nach Annahme des Abkommens wird sofort umfassende Hilfe in den
Gazastreifen geschickt. Diese wird mindestens den Umfang der im
Abkommen vom 19. Januar 2025 vereinbarten humanitären Hilfe umfassen,
einschließlich der Sanierung von Infrastruktur (Wasser, Strom,
Abwasser), Krankenhäusern und Bäckereien sowie der Bereitstellung von
Geräten zur Beseitigung von Trümmern und zur Öffnung von Straßen.

Der Eintritt von Hilfslieferungen und deren Verteilung erfolgen ohne
Behinderung der Konfliktparteien über die Vereinten Nationen, den
Roten Halbmond und andere internationale Organisationen, die in keiner
Weise mit einer der beiden Parteien verbunden sind. Die Öffnung des
Grenzübergangs Rafah in beide Richtungen unterliegt demselben
Mechanismus, der im Abkommen vom 19. Januar 2025 umgesetzt wurde.

Gaza wird unter der vorübergehenden Übergangsverwaltung eines
technokratischen, unpolitischen palästinensischen Komitees regiert,
das für die täglichen öffentlichen Dienste und Gemeinden für die
Bevölkerung in Gaza verantwortlich ist. Dieses Komitee wird aus
qualifizierten Palästinensern und internationalen Experten bestehen
und von einer neuen internationalen Übergangsbehörde, dem »Board of
Peace«, überwacht, die von Präsident Donald J. Trump geleitet wird.

Weitere Mitglieder, darunter der ehemalige britische Premierminister
Tony Blair, werden noch bekannt gegeben. Dieses Komitee wird den
Rahmen setzen und die Finanzierung für den Wiederaufbau von Gaza
verwalten, bis die Palästinensische Autonomiebehörde ihr
Reformprogramm, wie in verschiedenen Vorschlägen dargelegt –
einschließlich des Friedensplans von Präsident Trump im Jahr 2020 und
des saudisch-französischen Vorschlags –, abgeschlossen hat und in der
Lage ist, die Kontrolle über Gaza sicher und effektiv wieder zu übernehmen.

Dieses Komitee wird sich an den besten internationalen
Standards orientieren, um eine moderne und effiziente Verwaltung zu
schaffen, die der Bevölkerung von Gaza dient und förderlich für die
Anziehung von Investitionen ist.

Ein wirtschaftlicher Entwicklungsplan von Trump zum Wiederaufbau und
zur Belebung Gazas wird durch die Einberufung eines Expertengremiums
erstellt, das an der Entstehung einiger florierender moderner
Vorzeigestädte im Nahen Osten mitgewirkt hat. Viele durchdachte
Investitionsvorschläge und spannende Entwicklungsprojekte, die von
wohlmeinenden internationalen Gruppen erarbeitet wurden, werden
geprüft, um Sicherheits- und Regierungsrahmen zu integrieren, die
diese Investitionen erleichtern und Arbeitsplätze, Chancen und
Hoffnung für die Zukunft Gazas schaffen.

Eine Sonderwirtschaftszone wird eingerichtet, mit bevorzugten Zoll-
und Zugangssätzen, die mit den teilnehmenden Ländern ausgehandelt
werden.

Niemand wird gezwungen, Gaza zu verlassen, und diejenigen, die gehen
möchten, können dies frei tun und auch frei zurückkehren. Wir (das
Weiße Haus, Anm. d. Red.) werden die Menschen ermutigen, zu bleiben,
und ihnen die Möglichkeit bieten, ein besseres Gaza aufzubauen.

Die Hamas und andere Kampfgruppen stimmen zu, keinerlei Rolle in der
Verwaltung Gazas zu übernehmen– weder direkt noch indirekt oder in
irgendeiner anderen Form. Sämtliche militärische, terroristische und
offensive Infrastruktur, einschließlich Tunnel und
Waffenproduktionsanlagen, wird zerstört und nicht wieder aufgebaut.

Es wird einen Prozess der Entmilitarisierung Gazas unter der Aufsicht
unabhängiger Beobachter geben, der die dauerhafte Unbrauchbarmachung
von Waffen durch ein vereinbartes Abrüstungsverfahren umfasst,
unterstützt durch ein international finanziertes Rückkauf- und
Wiedereingliederungsprogramm, das vollständig von den unabhängigen
Beobachtern überprüft wird. Das Neue Gaza wird sich voll und ganz dem
Aufbau einer prosperierenden Wirtschaft und dem friedlichen
Zusammenleben mit seinen Nachbarn widmen.

Regionale Partner werden garantieren, dass die Hamas und die
Kampfgruppen ihre Verpflichtungen einhalten und dass das Neue Gaza
keine Bedrohung für seine Nachbarn oder seine eigene Bevölkerung
darstellt.

Die Vereinigten Staaten werden mit arabischen und internationalen
Partnern zusammenarbeiten, um eine temporäre Internationale
Stabilisierungstruppe (»International Stabilization Force« – ISF) zu
entwickeln, die sofort in Gaza eingesetzt wird. Die ISF wird
überprüfte palästinensische Polizeikräfte ausbilden und unterstützen
sowie mit Jordanien und Ägypten beraten, die über umfangreiche
Erfahrung in diesem Bereich verfügen. Diese Truppe wird die
langfristige Lösung für die innere Sicherheit sein. Die ISF wird mit
Israel und Ägypten zusammenarbeiten, um die Grenzgebiete zu sichern,
gemeinsam mit neu ausgebildeten palästinensischen Polizeikräften.

Es ist entscheidend, die Einfuhr von Munition nach Gaza zu verhindern und
gleichzeitig den schnellen und sicheren Warenfluss zu ermöglichen, um
Gaza wieder aufzubauen und zu revitalisieren. Ein Mechanismus zur
Konfliktvermeidung wird von den Parteien vereinbart.

Israel wird Gaza weder besetzen noch annektieren. Während die ISF
Kontrolle und Stabilität herstellt, wird sich die israelische Armee
(im Wortlaut des Weißen Hauses: IDF, Anm. d. Red.) gemäß vereinbarten
Standards, Meilensteinen und Zeitplänen zurückziehen, die zwischen
IDF, ISF, den Garantiemächten und den Vereinigten Staaten abgestimmt
werden. Ziel ist ein sicheres Gaza, das keine Bedrohung mehr für
Israel, Ägypten oder deren Bürger darstellt. Praktisch wird die IDF
das von ihr besetzte Gebiet im Gazastreifen schrittweise an die ISF
übergeben, entsprechend einer Vereinbarung mit der Übergangsbehörde,
bis sie sich vollständig aus Gaza zurückgezogen hat – abgesehen von
einer Sicherheitspräsenz entlang der Perimeter, die bestehen bleibt,
bis Gaza ausreichend gegen eine erneute terroristische Bedrohung
gesichert ist.

Falls die Hamas diesen Vorschlag verzögert oder ablehnt, werden die
oben genannten Maßnahmen, einschließlich der ausgeweiteten
Hilfsoperation, in den terrorfreien Gebieten umgesetzt, die von der
IDF an die ISF übergeben wurden.

Ein interreligiöser Dialogprozess wird auf den Werten von Toleranz und
friedlichem Zusammenleben aufgebaut, um die Denkweisen und Narrative
von Palästinensern und Israelis zu verändern, indem die Vorteile
hervorgehoben werden, die aus Frieden entstehen können.

Während der Wiederaufbau Gazas voranschreitet und das Reformprogramm
der Palästinensischen Autonomiebehörde gewissenhaft umgesetzt wird,
könnten endlich die Voraussetzungen für einen glaubwürdigen Weg zur
palästinensischen Selbstbestimmung und Staatlichkeit geschaffen
werden, die wir als das Ziel des palästinensischen Volkes anerkennen.

Die Vereinigten Staaten werden einen Dialog zwischen Israel und den
Palästinensern einleiten, um einen politischen Horizont für ein
friedliches und wohlhabendes Zusammenleben zu vereinbaren.



————


7. SZ: Krieg in Gaza: Es ist bitter, aber: Deutschland sollte sich Sanktionen gegen Israel anschließen


https://www.sueddeutsche.de/meinung/israel-krieg-gaza-sanktionen-deutschland-kommentar-li.3316632?reduced=true

Krieg in Gaza: Es ist bitter, aber: Deutschland sollte sich Sanktionen gegen Israel anschließen


Kommentar von Bernd Dörries

25. September 2025, 15:03 Uhr

Die Bundesrepublik hat lange darauf gehofft, die Regierung Netanjahu
werde sich schon noch mäßigen. Viele zu lange. Es ist also höchste
Zeit, einen neuen Weg zu gehen.

Wenn die Palästinenser heute in Gaza um Essen anstehen, dann meist
nicht mehr bei den Vereinten Nationen oder dem Roten Halbmond. Sondern
bei der Gaza Humanitarian Foundation. Der Name klingt human, aber die
Foundation beschäftigt Mitglieder eines faschistoiden
US-amerikanischen Rockerklubs als „Sicherheitskräfte“, die während des
Ramadans Schweine grillen.

Fast jeden Tag werden Palästinenser getötet, nur weil sie um Hilfe
anstehen. Erschossen von israelischen Soldaten oder Rockern, wer weiß
das schon. Das Grauen ist Normalität geworden. Aufmerksamkeit schafft
höchstens noch mehr Grauen. Und auch daran mangelt es ja nicht. Ein
Chirurg der Universität Oxford erzählte kürzlich, dass Teenagern von
israelischen Soldaten gezielt in die Hoden geschossen worden sei, als
eine Art Zielübung.

Gaza sei derzeit die „Hölle auf Erden“, schwante es selbst dem
Bundesaußenminister Johann Wadephul am Dienstag. Wer dieses
Höllenfeuer veranstaltet, blieb dagegen unklar, als sei es eine Art
Naturgewalt, der durch nichts beizukommen sei. Schon gar nicht durch
Sanktionen oder die Anerkennung eines Staates Palästinas.

Fast zwei Jahre lang tobt der Krieg nun in Gaza. Was als berechtigte
Verteidigung nach dem Terror der Hamas begann, hat sich zu einem
endlosen Grauen entwickelt. Gaza wird in einer Reihe stehen mit
Ruanda, Darfur, Srebrenica und dem Schicksal der Rohingya. Und es geht
ja immer weiter. Gerade hat Ministerpräsident Benjamin Netanjahu den
Sturm auf Gaza-Stadt befohlen, Hunderttausende Palästinenser wurden
vertrieben, ohne zu wissen wohin, um die „letzte Bastion“ der Hamas zu
stürmen.

Der Premier träumt von einem Großisrael

Im März 2024 war Rafah die „letzte Bastion“, bald wird es eine andere
sein; Netanjahu will den ewigen Krieg, um sich an der Macht zu halten.
Er hat sich zu der Idee von Großisrael bekannt, dem Traum der
Extremisten, vom Nil bis an den Euphrat. Netanjahu träumt ihn auch. In
Deutschland macht man sich immer noch die Mühe, seine Regierung nur
als „in Teilen rechtsextrem“ zu bezeichnen. Als sei die Mindestmenge
an Gräueltaten noch nicht erreicht, um als ein gesicherter Extremist
zu gelten.

Zuerst wehrte sich die Bundesregierung gegen einen Waffenstopp und
Sanktionen. Durch den Beistand habe man ja noch Einfluss auf Netanjahu
und bewahre Israel vor der Isolation.

Jetzt aber merkt man in Berlin: Das Hoffen auf Mäßigung war reine
Fantasie. Netanjahu will die Isolation, er will ein Fort errichten im
Nahen Osten, ein „Super-Sparta“, wie er selbst sagte, das seine
Nachbarn bombardiert, wann es will, das militärisch und wirtschaftlich
unabhängig ist. Sparta ging letztlich an seiner Hybris zugrunde.

Deutschland hat sich zu lange um eine klare Sprache, um Konsequenzen
herumgedrückt

Wie bringt man Netanjahu ab von diesem Weg, der einmal in einer
ähnlichen Richtung enden könnte? Jetzt ist Israel stark, es
bombardiert an einem Tag Syrien, Jemen, Libanon, Gaza und das
Westjordanland. Nach Bedarf noch Iran und Katar dazu. So könnte es für
Netanjahu ewig weitergehen. Jeder weiß es. Konsequenzen gibt es keine.
Weil sie ja auch die israelische Bevölkerung treffen würden, mit der
man sich ja solidarisch zeigen will, so heißt es nun oft in Berlin.
So, als würden Netanjahus Regierungen nicht seit Jahrzehnten immer
wieder gewählt.

Lange hat sich Deutschland um eine klare Sprache gegenüber der
israelischen Regierung gedrückt. Noch länger um wirkliche
Konsequenzen. Das war einerseits viel zu lange, Deutschland braucht
auf lange Sicht niemanden mehr über Menschenrechte und Moral zu
belehren. Andererseits war es vor dem Hintergrund der Geschichte
vielleicht nicht anders möglich. Zumindest nicht politisch
durchsetzbar. Vielleicht bringen Sanktionen Netanjahu auch nicht zum
Umdenken. Die vergangenen zwei Jahre haben aber gezeigt, dass alles
andere auch nicht funktionierte.

Worauf des ankommt, ist: Dieser Krieg muss enden

„Ja, aber die Hamas ...“, heißt es an dieser Stelle dann oft. Die
Hamas hat vor Kurzem zumindest genau den Forderungen zugestimmt, die
Netanjahu selbst so lange zur Bedingung eines Waffenstillstands
gemacht hatte. Netanjahu aber will lieber Krieg. Er macht nicht nur
eine Friedenslösung auf Dauer unmöglich, bereitet die Vertreibung der
Palästinenser vor. Er will auch den ganzen Nahen Osten umgestalten,
was in einem Desaster enden könnte.

Deshalb muss es nun mehr Sanktionen geben. Gegen Mitglieder der
israelischen Regierung. Gegen Produkte aus den völkerrechtswidrig
besetzten Gebieten. Die EU-Kommissionen hat viele Vorschläge gemacht.
Deutschland muss sich jetzt anschließen. Es ist bitter, so etwas zu
fordern. Aber es geht jetzt darum, Leben zu retten.

Spricht man in diesen Tagen mit Menschen in Gaza-Stadt, dann ist es
ihnen völlig egal, ob Deutschland Palästina anerkennt oder nicht. Ob
sie in einem Genozid oder „nur“ in einem Massaker sterben. Das sind im
wahrsten Sinne Nebenkriegsschauplätze. Das, worauf es ankommt, ist:
Dieser Krieg muss enden. Ob dabei Sanktionen helfen, weiß die Welt
nur, wenn sie es probiert hat. Alles andere jedenfalls hat nicht
funktioniert.


—————————————



8. taz: Michael Barenboim über Kulturboykott - „Es geht um Mitschuld“


https://taz.de/Michael-Barenboim-ueber-Kulturboykott/!6112501/
Michael Barenboim über Kulturboykott

„Es geht um Mitschuld“

Der Musiker Michael Barenboim wirft Israel einen Genozid vor und ruft
zur Gaza-Demo auf. Ein Gespräch über Verantwortung, Schweigen – und
rote Linien in der Kunst.

27.9.2025 11:29 Uhr


Interview von Daniel Bax

taz: Herr Barenboim, der israelische Dirigent Lahav Shani wurde jüngst
von einem Musikfestival im belgischen Gent ausgeladen. Ihm wurde
vorgeworfen, seine Haltung zur israelischen Regierung sei unklar. Wie
bewerten Sie das als Musikerkollege?


Michael Barenboim: Ich habe mir die jeweiligen Statements angeschaut.
Das sollte man immer tun. Das Festival hat die Absage damit begründet,
dass sich Shani in seiner Funktion als Chef des Israel Philharmonic
Orchestra nicht oder nicht genügend von der israelischen Regierung
distanziert hat. Das ist so etwas wie ein Staatsorchester, auch wenn
es formal eine gemeinnützige Organisation ist – es repräsentiert
Israel und bekommt auch staatliche Zuschüsse.

Im Interview: Michael Barenboim Der Violinist und Bratschist Michael
Barenboim lebt seit 1992 in Berlin. Er ist Konzertmeister des von
seinem Vater Daniel Barenboim mitgegründeten West-Eastern Divan
Orchestra.

Lahav Shani hat darauf geantwortet, er trete für Versöhnung zwischen
„beiden Seiten“ ein. Er hat in seinem Statement die Seite, die in Gaza
gerade vor ihrer Auslöschung steht, die Palästinenser, aber mit keinem
Wort erwähnt. Das ist eine vertane Chance, denn damit hat er dem
Festival alle Argumente für seine Ausladung geliefert. Das ist sehr
schade. Denn er ist ein fantastischer Musiker – ich habe früher auch
schon mit ihm gespielt. Aber darum geht es hier nicht.

taz: Worum geht es denn? Bundeskanzler Friedrich Merz,
Kulturstaatsminister Wolfram Weimer und andere sprechen bei der
Ausladung von Antisemitismus.

Barenboim: Entweder, sie haben alle das Statement des Festivals nicht
gelesen, oder sie haben es absichtlich missverstanden. Da steht ja
ganz deutlich, dass das nichts mit seiner jüdischen Identität zu tun
hat. Das hätte auch seinen Vorgänger beim Israel Philharmonic
Orchestra treffen können, Zubin Mehta – der ist nicht jüdisch. Das
heißt, es hat mit Antisemitismus nichts zu tun, sondern mit dem
Vorwurf der Mitschuld am Genozid.

taz: Sie sprechen von Genozid, andere aber bezweifeln, dass Israels
Regierung in Gaza einen Völkermord begeht.

Barenboim: Mein Eindruck ist, dass darüber unter Experten,
Menschenrechtsorganisationen und neuerdings auch im
UN-Menschenrechtsrat weitgehend Konsens herrscht. Die deutsche Politik
leugnet das, weil sie eine Mitschuld trägt. Aber ansonsten, glaube
ich, ist das – jedenfalls außerhalb Deutschlands – nicht mehr
umstritten.

taz: Einen Kulturboykott halten Sie in dieser Situation für das
richtige Mittel?

Barenboim: Die Frage ist immer: Was erreiche ich damit? Das Ziel beim
Kulturboyott ist, einem Staat, der Verbrechen gegen die Menschlichkeit
oder einen Völkermord begeht, die Legitimität zu entziehen. Hätten wir
in den 1990er Jahren ein Ensemble aus Ruanda empfangen, welches das
Regime der Hutus repräsentiert hätte? Oder ein Orchester, dessen
Dirigent sich nicht vom Völkermord von Srebrenica distanziert hätte?
Ich glaube nicht. Es gibt ja heute noch Leute, die den Genozid an den
Bosniaken leugnen.

taz: Sie meinen Leute wie den Schriftsteller Peter Handke, der sogar
den Literaturnobelpreis erhalten hat.

Barenboim: Das finde ich total krass. Ich meine, Völkermord ist der
Versuch, eine nationale, ethnische oder religiöse Gruppe als solche
auszulöschen. Das haben wir doch alle gelernt. Die Leugnung des
Völkermords trägt zu dieser Auslöschung bei.

taz: Russlands und Israels Vorgehen lassen sich nicht direkt
vergleichen. Doch nach dem russischen Angriff auf die Ukraine haben
die Münchner Philharmoniker dem russischen Dirigenten Waleri Gergijew
wegen dessen Putin-Nähe die Zusammenarbeit aufgekündigt. Zu Recht?

Barenboim: Die Münchner Philharmoniker haben ihren Schritt mit dem
Argument begründet, dass sich Gergijew auf Nachfrage nicht von dem
Regime in Russland distanziert hat. Das ist in der Tat das gleiche
Argument wie das des Festivals in Gent – insofern kann man nicht das
eine gut finden und das andere schlecht. Ich finde aber, ein
Kulturboykott macht nur Sinn, wenn er sich gegen Institutionen
richtet. Das trifft dann natürlich Individuen. Aber so ist das Leben:
Jeder trifft seine Entscheidungen und trägt seine Verantwortung. Man
muss ja nicht für Israel beim ESC antreten, zum Beispiel. Deswegen
sollte die Frage sein: Repräsentiert eine Person die Institution eines
Landes? Bei Gergijew kann man argumentieren, dass durch seine Leitung
des Mariinsky Theaters in Sankt Petersburg eine institutionelle
Verbindung besteht, ähnlich wie bei Lahav Shani und dem Israeli
Philharmonic Orchestra. Aber Individuen als Individuen zu boykottieren
finde ich ein bisschen albern.

02.10.2025

Artikel zu den Kriegen in der Ukraine und in Westasien - sowie zum Thema Militarisierung  (II von III)


taz: Sie sind gegen den Boykott von Individuen, aber für den Boykott
von staatlichen Institutionen. Barenboim: Es gibt sogar israelische
Künstler und Wissenschaftler, die einen Boykott ihres Landes fordern –
weil sie sagen: Wir alleine können nichts ändern. Wir brauchen eure
Unterstützung. Die wollen ja nicht, dass man nicht mehr mit ihnen
redet, sondern sie wollen alles dafür tun, dass der Genozid in Gaza
endet. Und was wäre die Alternative? Wollen wir sagen: Künstler sollen
ihre Kunst machen und es ist uns egal, was sie sagen und denken?
Ziehen wir irgendwo eine rote Linie? Ich finde, bei Völkermord sollte
man eine rote Linie ziehen.

taz: Wäre es richtig, deutsche Künstler auszuladen, weil Deutschland
Israels Krieg in Gaza unterstützt?

Barenboim: Es geht nicht um die Herkunft, sondern um Institutionen. Es
gibt ja jetzt schon Bewegungen wie Strike Germany, die ausländischen
Künstlerinnen und Künstlern freundlich abraten, nach Deutschland zu
kommen. Der Vorwurf, Mitschuld an einem Völkermord zu tragen, wiegt
schwer. Der frühere UN-Botschafter Christoph Heusgen hat kürzlich
richtigerweise gesagt, Deutschland könnte wegen Beihilfe zum Genozid
in Gaza verurteilt werden. Das hätte massive Konsequenzen für uns alle.

taz: Sie sind seit 2003 Konzertmeister des West-Eastern Divan
Orchestra, das zu gleichen Teilen aus israelischen und arabischen
Musikern besteht. Ist das nicht ein Gegenmodell zum Kulturboykott?

Barenboim: Es ist etwas anderes. Die Idee ist, dass man nicht nur
gemeinsam probt und Musik macht und ansonsten seiner Wege geht,
sondern dass ein größerer Austausch stattfindet. Das ist in dieser
Form schon einzigartig. Wir haben jetzt neuerdings auch ein gewähltes
Orchesterkomitee, das solche Diskussionsformate mitorganisieren soll.
Wenn die Probe aufhört und die Diskussion beginnt, dann hat die
Bratsche am letzten Pult genauso viel zu sagen wie die Solo-Oboe – da
sind alle gleich.

taz: Wie steht die BDS-Bewegung, die für einen Israel-Boykott
eintritt, zum West-Eastern Divan Orchestra? Wird das Orchester auch
boykottiert, weil dort israelische Musiker mitspielen?

Barenboim: Ich glaube nicht, denn wir sprechen uns ja klar gegen die
Besatzung aus. 2005 haben wir ein Konzert in Ramallah gegeben, das
sehr viel Aufsehen erregt hat. Aber die Situation ist heute eine
andere. Wir sind schon länger nicht mehr im Nahen Osten und in
Nordafrika aufgetreten. Wir hatten einige Zeit eine Art Residenz in
Buenos Aires, wo wir sehr viel gespielt haben. Ansonsten waren wir
zuletzt hauptsächlich in Europa und in den USA unterwegs.

taz: Sie lehren an der Barenboim-Said-Akademie, und waren von 2020 bis
2024 deren Dekan. Wie ist die Stimmung dort seit dem Angriff der Hamas
und dem Krieg in Gaza? Welche Diskussionen gibt es?

Barenboim: Innerhalb des Orchesters und an der Akademie gibt es sehr
kontroverse Diskussionen. Ich bewundere unsere Studierenden. Die leben
ja übers ganze Jahr zusammen, studieren zusammen und schaffen es,
diese kontroversen Gespräche zu führen und zugleich ihr Studium zu
absolvieren. Die Stimmung ist natürlich sehr bedrückt und die
Situation ist schwierig. Aber sie machen das toll.

taz: Welche Rolle spielt Politik – und speziell der Gaza-Krieg – in
der klassischen Musikszene?

Barenboim: Angesichts des russischen Einmarschs in der Ukraine haben
viele klassische Musiker und Institutionen gezeigt, dass sie sich
gerne für Menschenrechte einsetzen wollen. Aber angesichts des
Genozids in Gaza und der Massenvertreibung in der Westbank ist es
immer noch sehr still. Wenn man sich für die Ukraine einsetzt, dann
hat man Rückenwind. Wenn man sich für Palästina einsetzt, bläst einem
der Wind direkt ins Gesicht, weil man sich da auch gegen die eigene
Regierung stellen muss. Das erfordert viel Kraft, viel Zeitaufwand,
und man muss sich ein bisschen etwas trauen. Das tun wirklich nicht
viele.

taz: Unter dem Motto „Make Freedom Ring“ organisieren sie mit anderen
Künstlerinnen und Künstlern bundesweit Solidaritätskonzerte für Gaza.
Warum?

Barenboim: Wir haben die Benefizkonzerte auch deswegen ins Leben
gerufen, weil wir von diesem sehr lauten Schweigen in unserer Branche
konsterniert waren. Viele Kollegen, die sonst sehr laut sind, hielten
sich plötzlich sehr bedeckt. Daran hat sich bis heute wenig geändert,
und das ist eigentlich ein Skandal.

taz: Sie rufen auch zur Kundgebung am 27. September in Berlin auf, die
von Medico, Amnesty und Eye 4 Palestineorganisiert wird. Haben Sie
keine Sorge, dass da die falschen Leute mitlaufen?

Barenboim: Was heißt denn die falschen Leute? Ich wurde schon mal
gefragt, ab wann es denn zu weit ginge. Ich finde, man darf einen
Völkermord einfach nicht unterstützen. Das gilt für Staaten und auch
für Individuen.

taz: An früheren Demonstrationen gab es Kritik, weil vereinzelt
iranische Fahnen auftauchten oder fragwürdige Slogans gerufen wurden.

Barenboim: Das kann man nicht vollständig ausschließen. Ich stelle es
mir schwierig vor, bei so vielen Tausenden Menschen zu garantieren,
dass da nicht jemand so eine Fahne schwenkt. Aber was man
kontrollieren kann, das ist die Botschaft einer Kundgebung oder Demo.
Und diese Botschaft ist klar: Stoppt den Völkermord. Der deutsche Kurs
muss geändert werden. Keine Waffen, keine diplomatische Unterstützung,
keine juristische Unterstützung, darum geht es. Man muss alles
versuchen. Ich versuche hier irgendwie alles. Das Einzige, das ich mir
persönlich vorwerfe, ist, dass ich nicht schon früher aktiv geworden
bin. Ich hätte viel früher und viel deutlicher gegen Apartheid und
Besatzung aktiv sein müssen.

taz: Können Sie die Ängste vor einem wachsendem Antisemitismus
nachvollziehen?

Barenboim: Die Sorge kann ich verstehen, aber nur bedingt. Wenn
Menschen ein Ende des Genozids und ein Ende der Apartheid fordern, hat
das mit Antisemitismus nichts zu tun. Diese Forderungen sind legitim
und vom Völkerrecht gedeckt.

taz: Haben Sie selbst Antisemitismus erlebt, und wenn ja, in welcher
Form?

Barenboim: Nein, ich kann mich glücklich schätzen, dass ich nie für
mein Jüdischsein angegriffen wurde. Ich bin nicht gläubig und
praktiziere die Religion nicht, deswegen ist es für mich eher ein
kultureller Aspekt meiner Identität. Die Hasskommentare, die mir
vorwerfen, ein „sich selbst hassender Jude“ zu sein, kommen ja
lustigerweise oft nicht von Juden, sondern von irgendwelchen anderen
Leuten.

taz: Sind Sie selbst schon mal ausgeladen worden?

Barenboim: Nein. Aber was ich nicht ausschließen kann, ist, dass ich
an manchen Orten nicht mehr eingeladen werde. Es ist natürlich sehr
blöd, jemanden einzuladen und wieder auszuladen, wie das in
Deutschland oft der Fall war. Klügere Leute machen das nicht so plump,
sondern laden bestimmte Leute wie mich einfach nicht mehr ein.



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9. Commondreams: "Tief unamerikanisch": Trump sagt den Generalen, dass sie US-Städte als militärische „Ausbildungsplätze“ nutzen sollen

https://www.commondreams.org/news/trump-us-cities-training-grounds?utm_source=Common+Dreams&utm_campaign=447b35dcf3-Top+News%3A+Tues.+9%2F30%2F25&utm_medium=email&utm_term=0_-c56d0ea580-601324181


"Tief unamerikanisch": Trump sagt den Generalen, dass sie US-Städte

als militärische „Ausbildungsplätze“ nutzen sollen


„Wach auf, die Leute, die USA nähern sich schnell einem Punkt ohne
Wiederkehr“, warnte ein Kritiker, der sagte, dass die alarmierende
Rhetorik des Präsidenten „aus dem Faschismusspielbuch kommt“.

von Brett Wilkins

30 September 2025

Präsident Donald Trump sagte Hunderten hochrangiger Militärkommandeure
am Dienstag, dass das Land „von innen heraus unter der Invasion“ stehe
und dass sie amerikanische Städte als „Ausbildungsgebiete“ nutzen
sollten, um inländische „Feinde“ anzugreifen - Bemerkungen, die
Warnungen vor eindringendem Faschismus auf sich zogen, während der
Präsident seine Invasion und Besetzung der US-Gemeinschaften
ausweitet.

Im Gespräch mit fast 800 US-Generälen und Admiralen, die auf der
ganzen Welt stationiert waren und von Verteidigungsminister Pete
Hegseth zu einer höchst ungewöhnlichen Versammlung nach Quantico,
Virginia, gerufen wurden, sagte Trump den Militärführern, dass sie
gegen das amerikanische Volk eingesetzt würden.

"Sie sind bösartige Menschen, die wir bekämpfen müssen", sagte der
Präsident und bezog sich in diesem Fall auf kritische Journalisten,
die er „Sleazebags“ ( Anm: von C. Ronnefeldt: Widerlinge, verachtens-
werte Personen) nannte.


Genau wie man gegen bösartige Menschen kämpfen muss, meine ist eine
andere Art von bösartiger Art", fügte er hinzu. Trump sagte dann, dass
Städte „von den radikalen linken Demokraten geführt werden... San
Francisco, Chicago, New York, Los Angeles sind "sehr unsichere Orte,
und wir werden sie einzeln begradigen."

"Und das wird ein wichtiger Teil für einige der Leute in diesem Raum
sein", fuhr er fort. „Das ist auch ein Krieg. Es ist ein Krieg von innen.“

In Bezug auf Hegseth sagte Trump: „Und ich sagte Pete: „Wir sollten
einige dieser gefährlichen Städte als Übungsplätze für unser Militär nutzen.“


Als Reaktion darauf sagte Naureen Shah, Direktor für
Regierungsangelegenheiten bei der Equality Division der ACLU, Common
Dreams, dass, als Trump sagte, "der Feind im Inneren" meinte, er
"diejenigen, die mit ihm nicht einverstanden sind".

"Wir müssen nicht präzisieren, wie gefährlich die Botschaft des
Präsidenten ist, aber hier geht es: Militärtruppen dürfen uns nicht
überwachen, geschweige denn als Werkzeug verwendet werden, um die
Kritiker des Präsidenten zu unterdrücken", sagte Shah. "In Städten im
ganzen Land schaffen die Bundeseinsätze des Präsidenten bereits
Konflikte, in denen es keine gibt und Menschen, die einfach versuchen,
ihr Leben zu leben und ihre verfassungsmäßigen Rechte auszuüben, tiefe
Angst. Unser Land und unsere Demokratie verdienen viel Besseres.“

Trump sagte auch während seiner Rede am Dienstag, dass "nur in den
letzten Jahrzehnten Politiker irgendwie zu der Überzeugung gelangt
sind, dass unsere Aufgabe darin besteht, die Weiten Kenias und
Somalias zu überwachen, während Amerika von innen heraus unter einer
Invasion steht", eine falsche Behauptung angesichts der Jahrhunderte
des US-Imperialismus und der Kolonisierung, zuerst in Amerika und dann
auf der ganzen Welt.

"Wir stehen unter einer Invasion von innen, nicht anders als ein
fremder Feind, aber in vielerlei Hinsicht schwieriger, weil sie keine
Uniformen tragen - zumindest wenn sie eine Uniform tragen, können Sie
sie herausnehmen; diese Leute haben keine Uniformen", sagte Trump.
„Aber wir stehen unter einer Invasion von innen, wir stoppen es sehr schnell.“

Dann richtete er seine Aufmerksamkeit auf „radikale linke Verrückte,
die brillante Menschen sind, aber dumm wie die Hölle, wenn es um
gesunden Menschenverstand geht“, und beschuldigte fälschlicherweise
die vorherige Regierung, die US-Grenzen für Venezolaner zu öffnen,
nachdem die Regierung dieses Landes „ihre Gefängnisbevölkerung in
unser Land entleert“ habe.

In einer anderen Lüge sagte Trump, dass „Washington, DC die
unsicherste, gefährlichste Stadt in den Vereinigten Staaten von
Amerika war und zu einem großen Teil darüber hinaus.“

Der Präsident behauptete, dass „wir 1.700 Karriereverbrecher
aufgenommen haben“ während seiner kürzlich eingeleiteten Übernahme von
DC - fast sicher eine weitere falsche Aussage, da mehr als 80% der
Verhaftungen in der Hauptstadt wegen Vergehen begangen wurden, von
denen viele Einwanderungsdelikte zu tun hatten.

Trump sagte, die US-Truppen „folgen eine große und geschichtsträchtige
militärische Tradition“ von Präsidenten, die Militärkräfte gegen
„inländische“ Feinde eingesetzt haben.

„Heute möchte ich jedem Servicemitglied vom General bis zum Privaten
danken, der dazu beigetragen hat, die Hauptstadt der Nation zu sichern
und Amerika für das amerikanische Volk sicher zu machen“, sagte er und
fügte in einer weiteren eklatanten Lüge hinzu, dass „wir in Washington
so lange kein Verbrechen hatten“.

"Wir gehen sehr bald nach Chicago", sagte er, obwohl die Operation
Midway Blitz bereits in der Stadt im Gange ist.

„Wie wäre es mit Portland?“ ", fragte er und fügte in einem Kommentar
hinzu, der völlig von der Realität getrennt war, dass die lakonische
Stadt Oregon „wie ein Kriegsgebiet aussieht“.

Trump befahl den Truppen, nach FBI-Daten in Portland einzumarschieren,
obwohl die Stadt in den USA den 72. Platz bei Gewaltverbrechen
belegte.

In einem offensichtlichen Moment des Zweifels fragte Trump während
eines Interviews mit NBC News am Sonntag: „Nun, warte eine Minute,
schaue ich Dinge im Fernsehen an, die sich von dem unterscheiden, was
passiert?“

Erzählen, wie der demokratische Gouverneur von Oregon. Tina Kotek
forderte Trump auf, keine Bundeskräfte nach Portland zu entsenden,
sagte Trump während der Rede am Dienstag, dass "es sei denn, sie
spielen falsche Bänder, dies sähe aus wie der Zweite Weltkrieg. Ihr
Platz brennt ab.“

Inmitten kleiner Proteste in Portland wegen Trumps autoritärer Razzia
gegen die Einwanderungs- und Zollbehörde (ICE) veröffentlichte Fox
News einen Bericht, der Videoaufnahmen von 2020-Protesten gegen den
Polizeimord an George Floyd mit den jüngsten Bildern verschmelzen
lässt. Anti-ICE-Demonstranten haben eine amerikanische Flagge
verbrannt und kleine Straßenbrände in Portland gelegt, aber keine
Strukturen sind niedergebrannt.

Trump sagte auch, dass alle Anti-ICE-Demonstranten, die Gegenstände
auf Bundesfahrzeuge oder Agenten werfen, mit unbegrenzter Gewalt
konfrontiert werden können.

"Du stehst aus diesem Auto aus, und du kannst tun, was immer du
willst", sagte der Präsident.

Kritiker drängten schnell auf Trumps Vorschlag zurück, amerikanische
Städte als militärisches „Trainingsgelände“ zu nutzen.

Der Kongressabgeordnete Seth Moulton (D-Mass.), ein ehemaliger
Kampfveteran des Marine Corps, der mehrere Touren während der
US-Invasion und Besetzung des Irak diente, sagte auf der
Social-Media-Seite X, dass "die heutigen Reden von Trump und Hegseth
schwache Darstellungen der "Führung" von zwei kleinen, unsicheren
Männern waren".

„Die US-Städte sollten niemals „Schulden“ für das Militär ein
„Trainingsgelände“ sein“, fügte Moulton hinzu. "Es gibt keinen Feind
von innen. Der Ruf und der Einsatzschaden, der unserem Militär
zugefügt wird, wird Jahre dauern, bis wir sie rückgängig machen.“

Die Demokratische Vereinigung der Staatssekretäre sagte in den
sozialen Medien: „Dies ist autoritär, verfassungswidrig und eine
direkte Bedrohung für unsere Demokratie.“

„Die heutigen Reden von Trump und Hegseth waren schwache Darstellungen
von „Führung“ von zwei kleinen, unsicheren Männern.“

Chris Rilling, ein ehemaliger hochrangiger Beamter der National
Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA), sagte auf X: „Trump
sollte allein wegen dieser Aussage angeklagt werden. Periode.“

Einige Rechtsexperten stellten fest, dass das Posse Comitatus Act von
1878 die Verwendung des Militärs für die inländischen Strafverfolgung
verbietet.

Führer der Nicht-oben-Gesetzes-Koalition – zu der progressive Gruppen
wie Public Citizen, MoveOn und Stand Up America gehören – nannte
Trumps Bemerkungen „zutiefst unamerikanisch“.

„Diese gefährliche Rhetorik, die während einer beispiellosen
Versammlung geliefert wurde, offenbart ein grundlegendes
Missverständnis über den Zweck unseres Militärs und des Volkes, dem es
dient“, sagten die Ko-Vorsitzenden der Koalition. „Täuschen Sie sich
nicht: Es geht nicht um die öffentliche Sicherheit – es geht darum,
unser eigenes Militär in eine Kraft zu verwandeln, die gegen Trumps
wahrgenommene politische Gegner oder gegen jeden eingesetzt wird, der
seine Regierung in Frage stellt.“

"Die Amerikaner können nicht schweigen, wenn unsere Führer Pläne
äußern, unser Militär gegen uns einzusetzen", fügten sie hinzu. „Wir
müssen jeden Versuch, diese empörende und ungesetzliche Richtlinie zu
normalisieren, ablehnen.“

Beobachter im Ausland äußerten sich auch schockiert über Trumps
Äußerungen.

„In Trumps heutiger Rede erwähnte Trump etwas sehr Gefährliches:
US-Städte (Demokraten-Run, ich wette) als Übungsplatz für US-Truppen
zu verwenden“, sagte José Antonio Salcedo, Professor an der
Universität von Porto in Portugal. „Das widerspricht definitiv der
US-Verfassung.“

„Es kommt direkt aus dem Faschismus-Spielbuch, das das Projekt 2025
und seine verrückten Fabrikate befürworteten und planten“, fügte er
hinzu. „Wach auf, die Menschen, die USA nähern sich schnell einem
Punkt, an dem es kein Zurück mehr gibt.“
———



10. Commondreams: Die Reden von P. Hegseth und D. Trump im Original



https://www.commondreams.org/news/trump-us-cities-training-grounds?utm_source=Common+Dreams&utm_campaign=447b35dcf3-Top+News%3A+Tues.+9%2F30%2F25&utm_medium=email&utm_term=0_-c56d0ea580-601324181



Die Reden von P. Hegseth und D. Trump im Original - 2 Stunden 21 Minuten

Kriegsminister Pete Hegseth spricht bis 1.09.09, Präsident Donald Trump ab Minute 1.09.45



——



11. Die Zeit: Wenn mehr als 800 Generäle und Admirale reglos bleiben

https://www.zeit.de/politik/ausland/2025-09/us-militaer-donald-trump-pete-hegseth-treffen?dicbo=v2-A7lASQg

Wenn mehr als 800 Generäle und Admirale reglos bleiben

Pete Hegseth wettert gegen "fette" Soldaten, Donald Trump bettelt um
Applaus: Eine Versammlung von US-Militärs aus aller Welt wird zu einem
bizarren Spektakel. Von Juliane Schäuble, Washington, D. C. 30.
September 2025, 20:24 Uhr


Wenn Donald Trump mit Jubel, Klatschen und anfeuernden Zwischenrufen
gerechnet hatte, wurde er enttäuscht.

Die Militärspitzen, die sein Verteidigungsminister Pete Hegseth
kurzfristig von Stützpunkten aus aller Welt zur Marine Corps
University in Quantico im Bundesstaat Virginia beordert hatte,
verfolgten seinen 70-minütigen Monolog am Dienstagmorgen weitgehend
regungslos.

Welche Gedanken den mehr als 800 Generälen und Admiralen durch den
Kopf gingen, sah man ihren Gesichtern nicht an. Am Ende gab es
höflichen Applaus, der im Livestream aber sofort durch Marschmusik vom
Band übertönt wurde.


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12. Tagesspiegel: Stadt und Bundesstaat wehren sich: Portland und Oregon verklagen Trump wegen Militäreinsatz



https://www.tagesspiegel.de/internationales/stadt-und-bundesstaat-wehren-sich-portland-und-oregon-verklagen-trump-wegen-militareinsatz-14410955.html

Stadt und Bundesstaat wehren sich: Portland und Oregon verklagen Trump wegen Militäreinsatz

In immer mehr demokratisch regierte US-Städte schickt Trump das
Militär. Nun soll Portland an der Reihe sein. Stadt und Bundesstaat
wenden sich an die Justiz.

Stand: 29.09.2025, 07:01 Uhr

Portland und der US-Bundesstaat Oregon wehren sich mit einer Klage
gegen einen von Präsident Donald Trump angekündigten Militäreinsatz in
der Stadt. Der US-Präsident verfolge das Ziel, „den Einsatz von
Militär für alltägliche innerstaatliche Strafverfolgungsmaßnahmen zu
normalisieren“, hieß es in der am Sonntag (Ortszeit) eingereichten
Klageschrift. Es gebe keinerlei gerechtfertigten Grund für den Einsatz
der Nationalgarde. Dieser sei rechtswidrig. Mit der Klage wollen Stadt
und Bundesstaat den Militäreinsatz per Gericht stoppen lassen.

Der Bundesstaat Oregon, in dem sich Portland befindet, verweist auf
seine souveräne Befugnis zur Verwaltung der eigenen Strafverfolgung
und der Nationalgarde. In den USA unterstehen die Nationalgarden den
jeweiligen Bundesstaaten. Nur die Hauptstadt Washington ist eine
Ausnahme – dort unterstehen die Soldaten direkt dem Präsidenten.

Die bei einem Gericht in Oregon eingereichte Klage richtet sich neben
Trump auch gegen Pentagon-Chef Pete Hegseth, den die US-Regierung
jüngst in „Kriegsminister“ umbenannte, und gegen
Heimatschutzministerin Kristi Noem.

200 Nationalgardisten unter Bundesdienst gestellt

In der Klage wird der US-Regierung vorgeworfen, Hegseth habe am
Sonntag per Memorandum 200 Mitglieder der Nationalgarde in Oregon zum
Bundesdienst einberufen.

Ein Gericht in Kalifornien hatte jüngst der US-Regierung einen solchen
Einsatz von Soldaten in Los Angeles untersagt.

In den USA haben die Gouverneure eines Bundesstaates normalerweise die
Kontrolle über die Nationalgarde. Kommt es zum Krieg oder zu
nationalen Notfällen, kann aber der US-Präsident das Kommando
übernehmen. Die Nationalgarde ist eine militärische Reserveeinheit und
Teil der US-Streitkräfte. Sie kann etwa bei Naturkatastrophen, Unruhen
oder Notfällen im Inneren eingesetzt werden.

Trump hatte zu Einsatz in Portland aufgerufen

Der US-Präsident hatte am Samstag auf Truth Social geschrieben,
Hegseth solle so viele Soldaten wie nötig bereitstellen, um die Stadt
Portland zu schützen und Einrichtungen der Einwanderungsbehörde ICE
gegen Antifa-Anhänger und „andere inländische Terroristen“ zu
verteidigen. „Ich genehmige außerdem die Anwendung vollumfänglicher
Gewalt, falls erforderlich“, erklärte der US-Präsident, ohne näher
auszuführen, was damit gemeint sein könnte.

In Portland hatten, ebenso wie in anderen US-Städten, in den
vergangenen Monaten zahlreiche Demonstrationen vor örtlichen
ICE-Einrichtungen stattgefunden. Dabei kam es auch zu gewaltsamen
Konfrontationen mit der Polizei.

In der Klageschrift wurde jedoch argumentiert, dass die Proteste in
Portland – entgegen Trumps Behauptungen – klein und friedlich
verlaufen seien. In der Regel seien daran weniger als 30 Personen
beteiligt gewesen, seit Mitte Juni habe es keine Festnahmen gegeben.


(…)

Nationalgardisten in mehreren Städten

Trump hatte bereits vor Monaten Soldaten nach Los Angeles geschickt –
mit dem Ziel, Proteste gegen ICE-Razzien zurückzudrängen. Vor Wochen
hatte der US-Präsident außerdem einen Einsatz der Nationalgarde in der
US-Hauptstadt Washington veranlasst – dort allerdings, um die aus
seiner Sicht ausufernde Kriminalität einzudämmen. Kritiker werfen ihm
eine Show vor und befürchten, dass sich die Stimmung in den Städten
mit Blick auf die laufenden ICE-Razzien weiter aufheizen könnte.

Trump kündigte auch einen Soldateneinsatz in der ebenfalls
demokratisch regierten Stadt Memphis im US-Bundesstaat Tennessee an.
Immer wieder drohte er zudem damit, die Nationalgarde in Chicago
einzusetzen. Bisher hat Trump stets in Orten eingegriffen, die von
Demokraten regiert werden. (dpa/AFP)

—————



siehe dazu auch:

https://www.ifgk.de/ap-31-interacting-with-security-forces/

Das Arbeitspapier von Julia Nennstiel fasst Forschungsergebnisse zur
Befehlsverweigerung in Sicherheitskräften zusammen und beleuchtet
Chancen und Herausforderungen für Soziale Verteidigung.

Es zeigt, wie Bewegungen die Wahrscheinlichkeit solcher Verweigerung
einschätzen, sie fördern und auf Risiken reagieren können.

Zwar kann Befehlsverweigerung eine wertvolle Ressource für gewaltfreien
Widerstand sein, um der Gefahr gewaltsamer Repression zu begegnen oder
sie abzumildern, doch muss Soziale Verteidigung auch ohne sie tragfähig bleiben.

Julia Nennstiel: Interacting with Security Forces.

Challenges and Chances for Avoiding Violent Repression in Social Defence.

Arbeitspapier Nr 31, Hrsg. IFGK, Wahlenau, 2025

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Hier der Link zum kostenfreien Download der Studie in englischer Sprache:

https://www.ifgk.de/wp-content/uploads/2025/09/AP-31-Nennstiel-Interacting-with-Security-Forces.pdf

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13. ZDF: Angesichts russischer Bedrohung: Merz: "Wir sind nicht mehr im Frieden"

https://www.zdfheute.de/politik/ausland/merz-frieden-bedrohung-russland-100.html?utm_source=firefox-newtab-de-de

Angesichts russischer Bedrohung:Merz: "Wir sind nicht mehr im Frieden"


30.09.2025 | 07:50

.
Kanzler Merz findet deutliche Worte: Deutschland stehe nicht im Krieg,
aber auch nicht mehr im Frieden. Er will eingefrorene russische
Vermögen stärker für die Ukraine nutzen.

Deutschland befindet sich angesichts des Ukraine-Kriegs und der
Bedrohung durch Russland laut Bundeskanzler Friedrich Merz nicht mehr
im Frieden. "Ich will es mal mit einem Satz sagen, der vielleicht auf
den ersten Blick ein bisschen schockierend ist", sagte Merz am Montag
beim "Ständehaus Treff" der "Rheinischen Post" in Düsseldorf:

"Wir sind nicht im Krieg, aber wir sind auch nicht mehr im Frieden.„
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU)


Fast wortgleich hatte sich Merz bereits in der vergangenen Woche
geäußert. Mit einem baldigen Ende des russischen Überfalls auf die
Ukraine rechnet Merz nicht. Die Geschichte zeige, dass Kriege entweder
durch militärische Niederlagen oder wirtschaftliche Erschöpfung
endeten, sagte er. Beides zeichne sich im Falle Russlands und der
Ukraine aktuell nicht ab.


Merz: Nervosität legt in Russland zu

Dabei wachse aber der wirtschaftliche Druck auf Russland. "Die
Nervosität legt auch in Russland zu", sagte Merz. Dies sei auch ein
Grund für das aggressivere Vorgehen des Landes: "Sie wollen das jetzt
erzwingen.“

Der Krieg Russlands sei "ein Krieg gegen unsere Demokratie und ein
Krieg gegen unsere Freiheit", der sich auch gegen den Zusammenhalt
Europas richte. Merz verwies auch auf die sich häufenden Zwischenfälle
mit Drohnen - auch wenn man noch nicht sicher sagen könne, dass
Russland dafür verantwortlich sei. Die Drohnen erreichten teilweise
eine Spannweite von acht Metern - man könne sie schon allein wegen
ihrer Größe nicht über bewohntem Gebiet abschießen.

Merz will eingefrorene russische Vermögen stärker nutzen

Merz sprach sich erneut für eine stärkere Nutzung des eingefrorenen
russischen Staatsvermögens aus. Damit lasse sich die militärische
Unterstützung der Ukraine über drei bis fünf Jahre stemmen. Dann
könnte irgendwann auch die Einsicht Russlands entstehen, dass es
keinen Sinn mache, diesen Krieg fortzusetzen.

Merz hatte vergangene Woche vorgeschlagen, 140 Milliarden Euro an die
Ukraine zu geben. Dafür soll die in Belgien ansässige Euroclear, wo
das eingefrorene Geld deponiert ist, EU-Anleihen kaufen und diese als
Kredite an die Ukraine geben.


——



14. Der Spiegel: Drohnen über Europa - CDU-Politiker Kiesewetter will Spannungsfall ausrufen lassen

https://www.spiegel.de/politik/deutschland/drohnen-ueber-europa-cdu-politiker-roderich-kiesewetter-will-spannungsfall-ausrufen-lassen-a-672732f6-3d45-4ca9-9ac5-39e21aad3f35



Drohnen über Europa - CDU-Politiker Kiesewetter will Spannungsfall ausrufen lassen


In der CDU gibt es angesichts der mutmaßlich russischen Provokationen
am europäischen Himmel erste Stimmen, den sogenannten Spannungsfall
festzustellen. Der Mechanismus würde unter anderem bedeuten: sofortige
Wehrpflicht.

29.09.2025, 16.37 Uhr

Die Nato geht bei den Drohnen über europäischen Städten von russischen
Provokationen aus. Manchen in der CDU geht das bisherige Handeln der
Bundesregierung aber offenbar nicht weit genug: Im »Handelsblatt« hat
Sicherheitsexperte Roderich Kiesewetter gefordert, den Spannungsfall
auszurufen.

Der sogenannte Spannungsfall müsste über eine Zweidrittelmehrheit im
Bundestag festgestellt werden. Er gilt als Vorstufe des
Verteidigungsfalls; spezielle Sicherstellungsgesetze wie das
Zivilschutz- und Katastrophenhilfegesetz könnten angewandt, die
Bundeswehr verstärkt eingesetzt werden. In einer Kurzinformation des
Bundestags von 2024

heißt es etwa, die Feststellung eines Spannungsfalls lasse die
Wehrpflicht »ohne weiteres Zutun wiederaufleben«.

Laut Kiesewetter könnten damit »wesentliche Infrastrukturen durch die
Bundeswehr geschützt und der Polizei an anderer Stelle mehr Optionen
für den Schutz der Bevölkerung geboten werden«. Außerdem würden
»Zuständigkeitsketten gestrafft und Optionen effizient genutzt«, wie
Kiesewetter dem »Handelsblatt« sagte .

Der Schritt sei notwendig, damit Drohnen von der Bundeswehr »sofort
abgewehrt werden können«, sagte Kiesewetter. Und zwar nicht nur über
militärischen Liegenschaften, sondern auch im Bereich der kritischen
Infrastruktur. Hybride Angriffe ließen sich nicht eindeutig nach
äußerer und innerer Sicherheit trennen, sagte der
Bundestagsabgeordnete weiter. Russland nutze die Drohnenüberflüge als
Teil der Lagebildgewinnung, um »das Schlachtfeld vorzubereiten«. Auch
wolle Russland mit den Drohnenüberflügen Angst und Unsicherheit in der
Bevölkerung erzeugen.

(…)

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version hieß es, im
Spannungsfall könnte die Bundesregierung unter anderem das
Katastrophenschutzgesetz anwenden. Tatsächlich handelt es sich um das
Zivilschutz- und Katastrophenhilfegesetz. Zudem war in einer früheren
Version von russischen Drohnen im norwegischen Luftraum die Rede.
Tatsächlich ist die Herkunft besagter Drohnen bislang jedoch
ungeklärt. Wir haben die Stellen korrigiert.

———

siehe auch:

https://www.sueddeutsche.de/politik/bundeswehr-bundesregierung-kiesewetter-spannungsfall-li.3319567?reduced=true

Verteidigungspolitik

Ist Deutschland schon im Spannungsfall?

30. September 2025, 14:41 Uhr
Der CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter bringt angesichts russischer Provokationen

im Nato-Luftraum die Ausrufung des Spannungsfalls ins Spiel. Das kommt bei einigen gar nicht gut an.

Von Georg Ismar <https://www.sueddeutsche.de/autoren/georg-ismar-1.5732848> und Robert Roßmann <https://www.sueddeutsche.de/autoren/robert-rossmann-1.1250120>, Berlin

(…)



————



15. BR24: Kriegsszenario in den Alpen: Bundeswehr probt den Ernstfall


https://www.youtube.com/watch?v=mmNgCu9D93Q

Kriegsszenario in den Alpen: Bundeswehr probt den Ernstfall | Die Story | Kontrovers | BR24


In einer Großübung proben Gebirgsjäger und NATO-Partner in den
bayerischen Alpen in der Nähe von Bad Reichenhall die Verteidigung
eines Angriffs Russlands auf NATO-Gebiet. Ein Test für den Ernstfall.

Die Soldaten Fritz, Korbian und Philipp versuchen im tiefen Unterholz
und auf den von Nebel verhängten Gipfeln den Angriff der feindlichen
Armee zu stoppen. Eine Übung für den Ernstfall, bei dem Technologie,
Kampfhubschrauber und Teamwork über Leben und Tod entscheiden.

———


siehe auch:


https://www.pressenza.com/de/2025/09/hamburg-im-krieg/

Hamburg im Krieg

27.09.25


(…)

Arbeitszwang

Die Agentur für Arbeit testet im Rahmen von Red Storm Bravo – nach
Angaben der Bundeswehr „erstmalig“ [14] – die Anwendung des
Arbeitssicherstellungsgesetzes (ASG) von 1968.

Das Gesetz ermöglicht es der Regierung nach Ausrufen des Spannungs-
oder Verteidigungsfalles, die „Verpflichtung in Arbeitsverhältnisse“
und eine „Beschränkung der Beendigung von Arbeitsverhältnissen“ zu
verhängen. Möchte etwa eine Krankenschwester im Spannungsfall
kündigen, würde die Agentur für Arbeit auf Basis des ASG prüfen, ob
sie die Kündigung „unterbindet“, erläutert ein Sprecher der Agentur.[15]

Laut NDR proben während Red Storm Bravo 75 Mitarbeiter der Hamburger
Agentur für Arbeit die Anwendung des Gesetzes. Das German Institute
for Defence and Strategic Studies (GIDS), eine Denkfabrik der
Bundeswehr-Führungsakademie, hatte bereits im vergangenen Jahr die
Ausweitung der im AGS geregelten Befugnisse der Bundesregierung gefordert.

Zurzeit erlaubt das Gesetz Zwangsverpflichtungen nur für
Wehrpflichtige und auch dies nur zu Arbeiten in bestimmten Branchen.
Die GIDS plädierte dafür, beide Restriktionen aufzuheben bzw. den
Bereich des Zulässigen auszuweiten. „Gerade in der
Drehscheibenfunktion Deutschlands“, die mit Red Storm Bravo trainiert
wird, „könnte das ASG eine wichtige Bedeutung bekommen“, heißt es in
dem Papier.[16]
(…)

[14] Red Storm Bravo: Bundeswehr-Übung 2025 in Hamburg. bundeswehr.de.

[15] Bundeswehr-Übung: Auch Arbeitsagentur bereitet sich auf Krisenfall vor. ndr.de 23.07.2025.

[16] Die Wehrpflicht muss weg – im Arbeitssicherstellungsgesetz! GIDS Statement 3/2024.


——



16. IPG: Cool bleiben - Europas militärische Antwort auf Putins Luftprovokationen zeigt:

Die Verteidigung steht. Also wäre mehr Gelassenheit durchaus angesagt.



https://www.ipg-journal.de/rubriken/aussen-und-sicherheitspolitik/artikel/cool-bleiben-8569/

Außen- und Sicherheitspolitik 25.09.2025 | Christos Katsioulis <https://www.ipg-journal.de/ipg/autorinnen-und-autoren/autor/christos-katsioulis/>
Cool bleiben

Europas militärische Antwort auf Putins Luftprovokationen zeigt: Die Verteidigung steht.
Also wäre mehr Gelassenheit durchaus angesagt.

Christos Katsioulis leitet das Regionalbüro für Zusammenarbeit und
Frieden der Friedrich-Ebert-Stiftung in Wien. Zuvor leitete er die
Büros der FES in London, Athen und Brüssel.

Die Verletzungen des NATO-Luftraums an der Ostflanke durch russische
Drohnen und Kampfflugzeuge standen in den letzten Tagen im Zentrum
heftiger Debatten. Immer wieder ist die Rede davon, Putin wolle damit
die NATO, Europa oder gleich beide auf die Probe stellen. Rasch wurden
Forderungen laut, ihm ein klares Stoppschild zu setzen. Beim nächsten
Mal dürfe die Allianz nicht so nachlässig reagieren.

Ein Abschuss russischer Flugzeuge wäre die entschiedenere Antwort und
würde Moskau ein unmissverständliches Signal senden. Doch bevor über
weitere Schritte diskutiert wird, sollte zunächst geklärt werden, ob
die Allianz diesen sogenannten Test bestanden hat oder nicht.

Hier fällt die Bilanz gemischt aus: Militärisch hat die NATO eindeutig
bestanden, politisch wäre die Note „ausreichend“ wahrscheinlich noch
wohlwollend. Militärisch ging von den russischen Provokationen zu
keinem Zeitpunkt eine wirkliche Gefahr für das Bündnisgebiet aus. Mit
einer adäquaten Reaktion gelang es den Verbündeten, Russland
klarzumachen, dass der NATO-Luftraum geschützt ist.

Es gab kein Einknicken vor Russland, aber auch keine Eskalation.
Politisch dagegen steht Europa deutlich weniger souverän da.
Unnötigerweise verfielen so manche Entscheidungsträger und
Meinungsmacher in Panik und demonstrierten damit die eigene
Verunsicherung.

Die militärischen Verteidigungsmechanismen der NATO haben bei der
Luftraumverletzung durch russische Kampfjets reibungslos funktioniert.
Die Maschinen wurden erkannt, abgefangen und aus dem NATO-Luftraum
eskortiert. In die Bedrohungsanalyse floss auch die Bewaffnung der
russischen MiGs ein. Entsprechend wurde die Begleitung aus dem
Luftraum als angemessene Reaktion auf das gegebene Bedrohungsniveau
bewertet und entsprechend umgesetzt.

Problem erkannt, Problem gebannt. In die Zukunft gedacht kann die NATO
möglichen weiteren „Tests“ durch russische Störmanöver mit
Kampfflugzeugen gelassen entgegensehen. Die eigenen Systeme haben
zuverlässig funktioniert, während solche Einsätze die ohnehin
ausgezehrte russische Luftwaffe deutlich stärker belasten als ihre
europäischen Counterparts.

Europas Luftstreitkräfte verfügen nicht nur über mehr, sondern auch
über modernere Flugzeuge. Zugleich modernisieren sie aktuell ihre
Flotten und schaffen sich Flieger der neuesten Generation an, während
Russland vorwiegend mit älteren Maschinen operieren muss, die vom
Verschleiß bedroht sind.

Auch im Fall der Drohnen gelang es, einige vom Himmel zu holen, der
Rest stürzte dann von selbst ab, nachdem ihnen der Saft ausgegangen
war. Allerdings musste die NATO hier mit klassischen Waffensystemen
agieren und nahezu buchstäblich mit sehr teuren Kanonen auf ganz
billige Spatzen schießen.

Das zeigt: Auf klassische Bedrohungen durch Kampfflugzeuge ist die
NATO vorbereitet, bei Drohnen besteht noch ein wenig Nachholbedarf.
Die Vorfälle verdeutlichen die neuen Herausforderungen nicht nur für
den Schutz des Luftraums, sondern auch für die zivile Infrastruktur,
zuletzt etwa an den Flughäfen in Kopenhagen und Oslo. Notwendige
Investitionen in Abwehr- und Störsysteme sowie in eigene Drohnen
hätten längst aus den Erfahrungen der Ukraine abgeleitet werden
können, worauf die baltischen Staaten seit Jahren hinweisen.
Inzwischen wird nachgebessert:

Die von Estland vorangetriebene Idee eines Drohnenwalls hat
Kommissionspräsidentin von der Leyen aufgegriffen, mit
EU-Unterstützung und -Geld sollten hier bald konkrete Fortschritte
folgen. Europäische und ukrainische Technologie sowie die Erfahrungen
der ukrainischen Armee können die bestehenden Lücken schnell
schließen.

Es drängt sich der Eindruck auf, dass derzeit vor allem die Europäer
greinen, während Putin feixend den Effekt seiner Provokationen genießt.

Die politischen Reaktionen auf die Luftraumverletzungen stehen jedoch
im Gegensatz zu den militärischen. Am besten lässt sich das an einem
Zitat des polnischen Außenministers Radek Sikorski illustrieren.
Dieser erklärte bei einer von Estland einberufenen außerordentlichen
Sitzung des UN-Sicherheitsrats in markigen Worten, Russland solle
nicht herumgreinen („to whine about it“), wenn demnächst ein Flugzeug
oder eine Drohne nach unerlaubtem Eintritt in den NATO-Luftraum
abgeschossen werde. Es drängt sich allerdings der Eindruck auf, dass
derzeit vor allem die Europäer greinen, während Putin feixend den
Effekt seiner Provokationen genießt.

Denn die politischen Reaktionen der NATO-Verbündeten dürften Wasser
auf die Mühlen des russischen Machthabers sein: Mit minimalem Einsatz
generierte er maximale Aufmerksamkeit und hektische Diplomatie. So
wurden in der NATO Konsultationen auf Basis von Artikel 4 anberaumt,
der bei Bedrohungen der Sicherheit, der territorialen Integrität oder
der politischen Souveränität greift. Auch der UN-Sicherheitsrat trat
zu einer Sondersitzung zusammen, um Russland an den internationalen
Pranger zu stellen. Und in der europäischen Presse wird die Angst vor
dem russischen Angriff geschürt.

Aus dieser Reaktion lassen sich drei Schlussfolgerungen ziehen und
keine davon liest sich gut für Europa:

Erstens kann Russland genüsslich auf die europäischen Doppelstandards
und die Dominanz westlicher Probleme in multilateralen Institutionen
verweisen. Gerade in Ländern außerhalb des Westens dürfte diese Lesart
auf offene Ohren stoßen. Eine auf Drängen der Europäer einberufene
Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats wegen einer
Luftraumverletzung von zwölf Minuten erscheint vielen
UN-Mitgliedstaaten kaum verhältnismäßig. Zumal nur wenige Tage zuvor
die israelische Luftwaffe Ziele in Katar bombardierte – und dieselben
Tugendwächter des Völkerrechts dazu allenfalls verklausulierte
Stellungnahmen abgaben.

Zweitens fehlt es der politischen Reaktion innerhalb der Allianz
weitgehend an Verhältnismäßigkeit. Die Aktivierung von Artikel 4 des
NATO-Vertrags ist ein tiefer Griff in das Instrumentarium der Allianz.
Damit stellt sich die Frage, wie sie reagieren soll, wenn es zu
ernsthafteren Zwischenfällen kommt – eine Möglichkeit, die viele
Beobachterinnen und Beobachter durchaus in den Raum stellen.
Angesichts einer Praxis von Luftraumverletzungen, die Russland seit
vielen Jahren betreibt, wirkt der Konsultationsmechanismus weniger wie
ein Zeichen der Entschlossenheit, sondern vielmehr wie eines der
Verunsicherung.

Er zeigt, dass es den osteuropäischen Staaten vor allem darum geht,
sich der Unterstützung der Verbündeten zu versichern, insbesondere der
USA. Das ist ein Trump-Effekt und die Folge ist das möglichst laute
Pfeifen im Wald. Aus russischer Perspektive lässt sich daraus eine
Schwäche der NATO ablesen.

Europa befindet sich in einer Position der Stärke, es handelt aber
nicht entsprechend.

Drittens zeugt die Reaktion von einem fehlenden Glauben der Europäer
an die eigene Stärke. Wie bereits erläutert, herrscht gerade im
Luftwaffenbereich ein massives Ungleichgewicht zwischen Russland und
den europäischen Alliierten. Europa befindet sich in einer Position
der Stärke, es handelt aber nicht entsprechend. Dabei wäre es eine
Chance gewesen, die eigene Handlungsfähigkeit unter Beweis zu stellen.

Putin agiert aus einer Position der Schwäche, erzielt aber maximalen
politischen Effekt. Anstatt klarzumachen, dass Russland hier mühsam
ein paar Flugzeuge zusammenkratzt, um billige Provokationen zu
fliegen, welche die NATO mühelos abgewehrt und dabei die Grenzen
deutlich markiert hat, wird eine Bedrohung suggeriert, die militärisch
nie bestand. Das befeuert das russische Narrativ der europäischen
Schwäche und wirkt auch auf den öffentlichen Diskurs in Europa.

Die europäischen NATO-Verbündeten sollten die nächste
Luftraumverletzung souveräner handhaben und dabei dem Motto „Peace
through strength“ folgen: militärisch angemessen reagieren, die
erkannten Lücken bei der Drohnenabwehr zügig und konsequent schließen;
politisch dagegen Ruhe bewahren, Besonnenheit und gelassene Stärke zeigen.

Sowohl Russland als auch die Öffentlichkeit sollte verstehen, dass die
NATO ihren Luftraum konsequent schützt und Russlands Politik der
Nadelstiche wirkungslos bleiben wird. So ließe sich den russischen
Provokationen die Luft entziehen, das Vertrauen der eigenen
Bevölkerung in die Stärke der Allianz stärken und zugleich verhindern,
dass die USA unter Trump gegenüber europäischen Angstzuständen
abstumpfen. Denn wenn jede russische Provokation eine
NATO-Konsultation nach sich zieht und der Präsident Stellung beziehen
muss, besteht die Gefahr, dass man einmal zu oft vor dem russischen
Wolf warnt – und Trump nicht mehr über den Atlantik schaut, wenn es
wirklich nötig ist.

Viele europäische Politikerinnen und Politiker betonen, dass Putin
(und Trump) nur die Sprache der Stärke verstehen. Hier wäre eine
Gelegenheit gewesen, wirklich Stärke zu zeigen, und zwar, indem man
souverän reagiert und nicht direkt in den Panikmodus verfällt. Da
Putins Taktik so erfolgreich war, wird sich sicher bald die nächste
Gelegenheit bieten, besser zu reagieren.

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17. YouTube: 80. Generalversammlung der Vereinten Nationen: Rede von Präsident Gabriel Boric (Chile)


https://www.youtube.com/live/BSTxoEU-uas


80. Generalversammlung der Vereinten Nationen: Rede von Präsident Gabriel Boric

23.09.2025



[Deepl-Übersetzung des Transscripts]



Sehr geehrte Frau Präsidentin,
sehr geehrte Mitglieder derGeneralversammlung der Vereinten Nationen,
sehr geehrte Einwohner und Völker der Welt.

Seit der Gründung der Vereinten Nationen sind 80 Jahre vergangen.
80 Jahre sind auch vergangen, seit Gabriela Mistral, eine chilenische
Frau, die in den Bergen des Elqui-Tals aufgewachsen ist, den
Nobelpreis für Literatur erhielt. Ihre Stimme als Dichterin, Lehrerin
und Diplomatin hallt weiterhin in unserem Land und in der Welt nach.

Und genau hier in New York las der chilenische Botschafter José Masa
1955 die von Gabriela Amistral verfasste Botschaft zu den
Menschenrechten vor, in der es hieß: „Ich würde mich freuen, wenn Ihre
edlen Bemühungen um die Durchsetzung der Menschenrechte von allen
Nationen der Welt mit aller Loyalität übernommen würden. Dieser Sieg
wäre der größte, der in unserer Zeit errungen wurde.“

Haben wir diesen Triumph erreicht? Die Antwort ist eindeutig, nicht wahr?

Und ich weiß mittlerweile nicht mehr, was ich über Gaza sagen soll,
denn viele haben bereits alles gesagt, von dieser Tribüne und von
anderen, aber über unseren Worten, von wem auch immer sie kommen,
hallen die toten Blicke derer nach, die unschuldig ihr Leben verloren
haben. Heute, im Jahr 2025, verlieren Tausende unschuldiger Menschen
ihr Leben, nur weil sie Palästinenser sind. So wie vor 80 Jahren
Millionen ihr Leben verloren, nur weil sie Juden waren.

Anstatt also über Zahlen, Verurteilungen oder Forderungen zu sprechen,
die zwischen diesen Mauern widerhallen, möchte ich heute über
Menschlichkeit sprechen.

Gaza ist eine globale Krise, weil es eine Krise der Menschheit ist.
Und in diesem Saal und diejenigen, die uns zu Hause, in ihren
Delegationen, in ihren verschiedenen Ländern zuhören, sind wir alle
Menschen. Wenn also unter den Trümmern Kinder liegen, gibt es in
unserem Heimatland Chile echten Schmerz, und ich weiß, dass dieser
Schmerz von der großen Mehrheit der Länder der Welt geteilt wird.

Eines der Probleme, mit denen wir als Menschheit konfrontiert sind,
ist, dass Schmerz oft Hass hervorruft, aber wir müssen uns diesem Hass
stellen und ihn mit aller Kraft bekämpfen. Wir müssen das Verlangen
nach Hass in den Wunsch nach Gerechtigkeit verwandeln. Wir dürfen der
Gewalt keine Zugeständnisse machen.

Ich möchte nicht, dass Netanjahu zusammen mit seiner Familie durch
eine Rakete getötet wird. Ich möchte, dass Netanjahu und die
Verantwortlichen für den Völkermord an den Palästinensern vor einem
internationalen Gerichtshof zur Rechenschaft gezogen werden.

In einem anderen Zusammenhang erschüttert uns auch der Krieg in der
Ukraine. Aber manche werden sich fragen: Was hat das mit Chile zu tun?

Was passiert in einem Land, das so weit weg ist und dessen Sprache wir
nicht verstehen? Einige kritisieren uns in unserer Heimat mit diesen
Argumenten. Wir antworten ihnen, dass wir genauso viel mit der
palästinensischen Mutter zu tun haben, die auf der Suche nach Nahrung
erschossen wurde, oder mit dem ukrainischen Jungen oder Mädchen, das
heute in Russland entführt wurde. Es hat wieder etwas damit zu tun,
weil wir alle Menschen sind.

Und einer der Gründe, warum wir uns hier versammeln, vielleicht sogar
der wichtigste, ist, dass wir weiterhin an die Menschheit glauben.
Unsere Herzen können nicht, wir können nicht zulassen, dass sie
angesichts des Leids, angesichts der Not anderer Menschen wie uns
unberührt bleiben. Genau dafür haben wir uns Regeln gegeben, Regeln,
die zivilisatorische Fortschritte sind, die aus den Lehren der größten
Tragödien resultieren, denen wir als Menschheit gegenüberstanden.

Und diese Regeln, das muss von dieser Tribüne aus gesagt werden, und
entsprechend muss heute gehandelt werden, werden nicht eingehalten.

Denn, sagen wir es ganz deutlich, es ist nicht in Ordnung, ein
neutrales Land zu Verhandlungen einzuladen und dann seinen
Verhandlungspartner zu ermorden und damit die Souveränität dieses
Landes zu verletzen, wie es in Doha, Katar, geschehen ist.

Es ist nicht in Ordnung, die Nuklearanlagen eines Landes zu
bombardieren, genauso wie es gestern nicht in Ordnung war, unter dem
Vorwand nicht existierender Massenvernichtungswaffen in den Irak
einzumarschieren.

Es ist nicht in Ordnung, in ein souveränes Land wie die Ukraine
einzumarschieren und dann Verhandlungen über vollendete Tatsachen zu
erzwingen, und dass wir uns alle einfach damit abfinden.

Wie uns der französische Schriftsteller Albert Camus in Bezug auf die
Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs in Erinnerung rief: Wenn wir an
nichts glauben, wenn nichts einen Sinn hat und wir uns auf keine Werte
berufen können, dann ist alles erlaubt, es gibt weder Gut noch Böse,
und nichts hat Bedeutung.

Wenn wir das akzeptieren würden, müssten wir zugeben, dass die
Vernunft nur auf der Seite des Erfolgreichen steht und dass der
Maßstab, an dem wir die Menschheit messen, nur der der Effizienz wäre,
also das Recht des Stärkeren.

Ich möchte Ihnen sagen, dass diese Argumentation letztendlich die
Rechtfertigung für Mord ist. In einer solchen Welt würde das Leben
eines Mannes oder einer Frau oder ihrer Kinder immer vom Zufall oder
von willkürlicher Güte oder Bosheit abhängen. In einer solchen Welt
sind alle, die leben, ohne dies mit aller Kraft zu verurteilen, genauso
mörderisch wie derjenige, der die Bombe abwirft oder den Abzug drückt.

Vor allem, wenn sie die Stimme und die Macht haben, „Stopp” zu sagen,
wie es gerade alle Führungskräfte in diesem Saal haben. Wir tragen
eine größere Verantwortung. Wir weigern uns, denen Recht zu geben, die
über Macht oder Geld verfügen. Und wenn wir dies bekräftigen, werden
wir als Utopisten abgestempelt.

Aber was ist Geschichte anderes als eine permanente utopische Reise?
Es mag Menschen geben, die nur Aufgaben übernehmen wollen, die
kurzfristig Ergebnisse bringen, aber in der Regel führen Abkürzungen
in den Abgrund. Man muss nicht im heutigen Sinne, zumindest in der
westlichen Welt, erfolgreich sein, um weiter für eine gerechtere Welt
zu kämpfen. Denn wir wissen, dass gerade diese Hartnäckigkeit, die wir
teilen, es ermöglicht hat, die Welt zu verändern, damit es mehr
Gerechtigkeit, mehr Freiheit, mehr Gleichheit, mehr Inklusion und mehr
Solidarität gibt.

Deshalb, meine Damen und Herren, wenn man uns zur Unterwerfung
auffordert, wenn man behauptet, dass Intelligenz überflüssig ist, wenn
man uns beweisen will, wie es einige von dieser Tribüne aus getan
haben, dass man lügen kann, um sich Vorteile zu verschaffen, dann
sagen wir Nein. Geben wir weder der List noch der Gewalt noch der
Passivität nach.
02.10.2025

Artikel zu den Kriegen in der Ukraine und in Westasien - sowie zum Thema Militarisierung  (III von III)

Ich kann und muss diejenigen respektieren, die die Farbe Blau mehr
mögen als Rot, die einen anderen Glauben als ich haben, die glauben,
dass es je nach den Umständen besser ist, Steuern zu erhöhen oder zu
senken. Im Grunde kann und muss ich die Vielfalt der Meinungen
respektieren, aber während ich die Meinungsvielfalt derjenigen
respektiere, die anders denken, stelle ich mich der Unverschämtheit
derjenigen entgegen, die lügen, umso mehr, wenn diese Person sich
dessen bewusst ist.

Zum Beispiel wurde heute auf diesem Podium behauptet, dass es so etwas
wie die globale Erwärmung nicht gibt. Das ist keine Meinung, das ist
eine Lüge. Und Lügen müssen wir bekämpfen. Wir können natürlich
darüber diskutieren, wie wir der globalen Erwärmung am besten begegnen
können oder wer mehr Verantwortung trägt als andere. Aber wir können
sie nicht leugnen.

Wir können darüber diskutieren, wie die Nazis einen Großteil Europas
regieren konnten, aber wir können den Holocaust nicht leugnen.

Wir können die Nebenwirkungen eines Impfstoffs untersuchen, aber wir
können nicht ohne Beweise behaupten, dass Impfstoffe Autismus
verursachen.

Die Welt braucht einen echten Dialog. Einen Dialog zwischen
unterschiedlichen Menschen, zwischen denen, die unterschiedliche
Weltanschauungen haben. Genau dafür wurden die Vereinten Nationen
gegründet, um zu diskutieren und zu entscheiden, dass Barbarei nicht
akzeptabel ist, dass die Menschenrechte unabhängig von Ideologien,
Opfern oder Tätern respektiert werden müssen, dass das Völkerrecht die
Garantie dafür ist, dass die Vernunft immer Vorrang vor Gewalt hat.

Das Gegenteil dieses Dialogs sind Lügen und Schweigen, und beides
führt uns in tiefste Einsamkeit.


Was ist also heute unsere Aufgabe? Wir müssen die Zukunft, die wir als
Menschheit wollen, entwerfen und auf sie hinarbeiten und uns für eine
UNO einsetzen, die uns auf diesen Weg führt.

Von Chile aus motiviert uns genau diese gemeinsame Vision von
Demokratie, Menschenrechten, sozialer Gerechtigkeit, Gleichheit,
uneingeschränkter Achtung der Meinungsfreiheit und Klimaschutz, die
als Säulen der Hoffnung und des Handelns dienen, um die schwierigen
Zeiten, denen wir gegenüberstehen, zu überstehen.

Heute braucht die Welt starke und klare Stimmen, die sich ohne Nuancen
und ohne Ausreden für die Demokratie einsetzen. Aus diesem Grund haben
wir diese Woche gemeinsam mit Brasilien, Spanien, Uruguay und
Kolumbien zum zweiten Treffen zur Verteidigung der Demokratie
eingeladen. Eine gemeinsame Initiative, die vor einem Jahr hier bei
den Vereinten Nationen ins Leben gerufen wurde.

Wir wollen Brücken bauen, um die Schwächen der Demokratie zu
identifizieren, Wege zu finden, diese zu beheben und die
Lebensqualität unserer Völker zu verbessern. Wir geben uns nicht damit
zufrieden, aufzuzeigen, was uns an der Welt nicht gefällt. Wir geben
uns nicht damit zufrieden, zu sagen, dass dies nicht unsere Werte
widerspiegelt. Wir wollen positiv vorschlagen und verteidigen, woran
wir glauben.

Vor diesem Hintergrund möchte ich kurz auf ein bestimmtes Thema eingehen.

Ich komme aus Chile, einem Land, das drei Kontinente umfasst und eine
enge Verbindung zum Ozean hat. Wir haben mehr als 7600 km Küste und
als Land, das auf den Ozean blickt, sind wir stolz darauf, als erstes
Land Amerikas und als zweites Land weltweit das BBNJ-Abkommen
ratifiziert zu haben, um die Meerespolitik über die Hoheitsgebiete
hinaus auszuweiten. In den vergangenen Wochen wurden die 60
Ratifizierungen erreicht, damit das Abkommen in Kraft treten kann, und
daher soll die erste Konferenz der Vertragsparteien im nächsten Jahr
stattfinden. Wir hoffen, dass dies in den ersten Monaten geschieht.

Ich möchte hier unser Angebot wiederholen, dass Ihr Sekretariat in
unserer Perle des Pazifiks, unserer Stadt Valparaíso, eingerichtet
wird, denn wir glauben, dass dieses Abkommen eine Chance ist, die
Meerespolitik näher an den globalen Süden heranzubringen.

Chile ist auch ein Land mit einer antarktischen Berufung, diesem
Kontinent der Wissenschaft und des Friedens. Und wir haben eine
Führungsrolle in Bezug auf wissenschaftliche Investitionen,
logistische Unterstützung und Kampagnen auf dem weißen Kontinent
übernommen. Viele von Ihnen sind über Chile in die Antarktis gereist.

In zwei Wochen wird die Kommission zur Erhaltung der lebenden
Meeresschätze der Antarktis erneut zusammentreten. Deshalb richte ich
heute einen Appell an Ihre Vertragsstaaten. Es ist an der Zeit, den
gemeinsam von Chile und Argentinien vorgelegten Vorschlag für ein
Meeresschutzgebiet der Zone I auf der Antarktischen Halbinsel zu
verabschieden.

Wir können uns nicht der Ausbeutung von Ressourcen widmen, ohne
angemessene Schutzmaßnahmen zu ergreifen, denn dies führt zur
Zerstörung des Meereslebens, von dem auch wir abhängig sind. Wir
dürfen nicht vergessen, dass wir Teil desselben Ökosystems sind.

Die Erhaltung des Lebens auf der Erde ist eine Aufgabe, die wir dringend
und verantwortungsbewusst für diejenigen übernehmen müssen, die vor
uns da waren, für diejenigen, die heute mit uns auf der Welt leben,
und für die kommenden Generationen.

Sehr geehrte Damen und Herren, vor dem Hintergrund von Spannungen,
langwierigen Konflikten, Klimakrisen und humanitären Krisen kommt der
Auswahl und Ernennung des Generalsekretärs der Vereinten Nationen eine
besondere Bedeutung zu.

Ich komme zu dieser Versammlung in der Überzeugung, dass es selbst
unter den widrigsten Bedingungen und Umständen immer Raum für klares,
kollektives, transformatives und humanitäres Handeln gibt und dass
menschliche Tragödien niemals unvermeidlich sind. Wir werden die
Hoffnung nicht aufgeben, dass die Veränderungen in der Welt und in den
Vereinten Nationen, die notwendig sind, auch eintreten können, denn
genau das hängt von uns ab.

Ich möchte Ihnen sagen, dass das regionale Gleichgewicht in diesem
Prozess respektiert werden muss. Dies ist die Zeit Lateinamerikas und
der Karibik. Wir sind eine Region ohne Kriege, mit einer reichen
diplomatischen Tradition, die seit ihrer Gründung Konsens schafft und
sich unerschütterlich für die Charta der Vereinten Nationen einsetzt.

Die historische Ungleichheit der Geschlechter in den Vereinten
Nationen, wo noch nie eine Frau Generalsekretärin war, ist ebenfalls
ein offenes Thema. 80 Jahre Geschichte, ohne dass jemals eine Frau
Generalsekretärin der Vereinten Nationen war.

Die UNO muss den Fortschritt der Welt widerspiegeln und anerkennen,
dass eine Frau an der Spitze nicht nur ein Symbol für
Gleichberechtigung ist, sondern auch dafür steht und verwirklicht,
dass Frauen, die die Hälfte der Bevölkerung ausmachen, mehr als die
Hälfte der Bevölkerung, alle Bereiche der Welt einnehmen können und
dass ihnen kein Bereich verschlossen ist.

Chile möchte aktiv zu dieser gemeinsamen Anstrengung beitragen, und
daher ist es mir eine große Ehre, hier bekannt zu geben, dass Chile
unsere ehemalige Präsidentin Michel Bachelet Geria als Kandidatin für
das Amt der Generalsekretärin der Vereinten Nationen nominieren wird,
[Beifall] die uns auch bei dieser Sitzung begleitet.

Michel Bachelé ist nicht nur eine weltweit bekannte und angesehene
Persönlichkeit. Sie ist eine Frau, deren Lebenslauf in hohem Maße mit
den Werten übereinstimmt, die diese Organisation inspirieren. Sie war
zweimal Staatschefin von Chile und damit die erste Frau in diesem Amt.
Sie war auch Gesundheits- und Verteidigungsministerin. Sie war
Exekutivdirektorin von UN Women und auch Hohe Kommissarin der
Vereinten Nationen für Menschenrechte.

Michel Bachelé hat regiert, verhandelt, geheilt und zugehört. Ihr
Lebensweg verbindet Empathie mit Entschlossenheit, Erfahrung mit
Offenheit und all dies mit der Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen
und Dinge umzusetzen. In Zeiten der Fragmentierung und des Misstrauens
bin ich überzeugt, und ich weiß, dass diese Überzeugung in meinem Land
geteilt wird, dass Michelle Bachelet eine Persönlichkeit ist, die
Brücken bauen kann, Brücken zwischen Nord und Süd, zwischen Ost und
West, zwischen der Dringlichkeit von Lösungen und der Verteidigung von
Prinzipien.

Unter ihrer Führung können die Vereinten Nationen angesichts der
Herausforderungen unserer Zeit ihre Glaubwürdigkeit, Wirksamkeit und
Zielstrebigkeit zurückgewinnen, wobei sie natürlich auf dem Erbe von
Antonio Gutiérrez aufbauen, der sich, wie ich weiß, mit ganzer Kraft
für die Würde der gesamten Menschheit in dieser Institution eingesetzt hat.

Mit Demut und Überzeugung präsentieren wir aus Chile diese Kandidatur
in der Gewissheit, dass Michel Bachelé entscheidend dazu beitragen
kann, die Vereinten Nationen wieder zu einem Ort der Begegnung, der
Lösungen und der aktiven Hoffnung für die ganze Welt zu machen.

Liebe Damen und Herren, es sind 80 Jahre. Wir blicken auf diese
Jahrzehnte zurück und schätzen die enormen Fortschritte, die die
internationale Governance gemacht hat. Trotz der Katastrophen, mit
denen wir konfrontiert sind, können wir auch sagen, dass wir
Fortschritte gemacht haben, aber wir haben auch das Gefühl, dass diese
Fortschritte in Gefahr sind.

Wer wird die Zukunft gestalten? Wir möchten glauben, dass es nicht
diejenigen sein werden, die angreifen, die multilateralen
Institutionen misstrauen und schwächen, die die Schwächsten demütigen.
Wir möchten glauben, dass es alle Völker der Erde gemeinsam sein
werden, dass wir gemeinsam, vertreten in dieser Versammlung, die
endgültigen Wege festlegen werden, damit wir eine Zukunft haben, die
nicht nur möglich und realisierbar ist, sondern auch würdig und
respektvoll gegenüber allen Menschen.

Und um dies zu erreichen, ist diese Organisation, die, wie wir uns
erinnern, aus der Asche des Zweiten Weltkriegs nach dem Scheitern der
Völkergemeinschaft hervorgegangen ist, von grundlegender Bedeutung,
und ihre Erneuerung, ihre Veränderungen sind grundlegend und dringend
notwendig. Deshalb muss sie erneuert und neu formuliert werden, aber
mit dem gleichen Ziel, dass die internationale Gemeinschaft in ihrer
Vielfalt gemeinsam arbeitet.

Mit den Worten von Víctor Jara, diesem großartigen chilenischen Sänger
und Künstler: Aus Liebe zu diesem Land, das uns geholfen hat zu leben,
aus Liebe zum Frieden, um das Leben zu genießen, aus Liebe zur
Freiheit aller, damit meine Töchter und mein Zuhause, mein Viertel und
meine Stadt und die Dörfer existieren können, ohne eigene oder fremde
Joche. Lasst uns gemeinsam, frei und gleichberechtigt, vielfältig und
ähnlich, den gemeinsamen Weg der Suche nach Wahrheit, Schönheit, Glück
und Gerechtigkeit gehen.

Vielen Dank.

[Beifall] Danke, danke.


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18. Nie-wieder-Krieg: Bundesweite Demonstration am 3. Oktober 2025 in Berlin und in Stuttgart


https://nie-wieder-krieg.org/

Bundesweite Demonstration am 3. Oktober 2025 in Berlin und in Stuttgar


Die Initiative „Nie wieder Krieg – die Waffen nieder!“ ruft für den 3.
Oktober gemeinsam mit Friedensorganisationen zu einer bundesweiten
Demonstration an zwei Orten in Berlin und Stuttgart auf.

Gegen die Hochrüstung mit ihren unsozialen Konsequenzen. Gegen die
Mittelstreckenwaffen. Gegen die innere Militarisierung. Gegen die
Bedrohungslüge. Für die Beendigung aller Kriege – insbesondere in der
Ukraine und im Mittleren Osten / Westasien. (…)


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19. Friedenskooperative: 80 Jahre nach Hiroshima: NATO-Atomkriegsmanöver 2025 stoppen!


https://www.friedenskooperative.de/sites/default/files/noervenich_250919_print.pdf

80 Jahre nach Hiroshima: NATO-Atomkriegsmanöver 2025 stoppen!


AUFRUF zur Demonstration und Aktion am 11. Oktober 2025 in Nörvenich

Weitere Infos auf: atomwaffenfrei.de


Auftakt um 12.00 Uhr, Kriegsflugplatz Nörvenich
12.30 Uhr, Demonstrationszug
ca. 13.00 Uhr, Kundgebung: Schlosspark Nörvenich


WIR FORDERN VOM DEUTSCHEN BUNDESTAG UND DER BUNDESREGIERUNG:

›› Absage der Beteiligung der Bundeswehr am Atomkriegsmanöver „Steadfast Noon“

›› Abzug aller Atomwaffen aus Deutschland

›› Beendigung der „Nuklearen Teilhabe“ und Beitritt zum Atomwaffenverbotsvertrag

›› Stopp der geplanten Stationierung neuer US-Mittelstreckenwaffen in Deutschland




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20. Friedensdekade: Vom 9. bis 19. November 2025


https://www.friedensdekade.de/

Vom 9. bis 19. November 2025 ruft die FriedensDekade dazu auf,
gemeinsam Zeichen zu setzen – für Frieden, Gerechtigkeit und Verständigung.

Ob Schulaktion, Friedensgebet, Banner am Gemeindehaus oder Musik auf
dem Marktplatz: Mitmachen ist ganz einfach – und jede Geste zählt.

Die FriedensDekade lebt vom Engagement vieler Menschen – in Kirchen,
Schulen, Vereinen, Kommunen und darüber hinaus. Wie auch Sie Teil
dieser Bewegung werden können?

Jetzt entdecken. Jetzt lesen. <https://www.friedensdekade.de/mitmachen-friedensdekade-2025-frieden-wecken/>


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Mit freundlichen Grüßen

Clemens Ronnefeldt
Referent für Friedensfragen beim deutschen
Zweig des internationalen Versöhnungsbundes

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Clemens Ronnefeldt
Referent für Friedensfragen beim deutschen
Zweig des internationalen Versöhnungsbundes
A.-v.-Humboldt-Weg 8a
85354 Freising

Tel.: 08161-547015
Fax: 08161-547016

C.Ronnefeldt@t-online.de
www.versoehnungsbund.de


unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

02.10.2025

Deutschland zwischen USA, Russland & China  – Alexander Dugin im Dialog mit Alexander von Bismarck

seniora.org2. Oktober 2025, 28.09.2025 Interview Bismarck mit Dugin in Moskau - übernommen von youtube.com/@AlexandervonBismarck"

(Red.)Es ist ein Interview, das von dem lebt, was Dugin sagt. Seine Äußerungen zur deutschen und europäischen Geschichte ist natürlich etwas, das man in D und Europa so nicht zu hören bekommt. Er beschreibt die Wichtigkeit der deutschen Kultur damals für Russland in seiner Entwicklung. Und er beschreibt ausführlich, dass Deutschland und Europa ihre Wurzeln verloren haben und damit sich selbst durch die politischen Entwicklungen der letzten Jahrzehnte (Kultur, Gender, Migration, Bildung, Politik). Dem kann man nicht widersprechen.  

Dugin geht auch auf die Rolle der AfD in Deutschland ein: Volkspartei. Dabei bezieht er sich auf Emmanuel Todd, der vor Kurzem vorschlug, Begriffe wie „Rechte“ u.ä. durch „Patrioten“ zu ersetzen, da sie eher der Rolle der Vertreter in der Gesellschaft entsprechen.  

Beide kommen wiederholt auf die positive Rolle von Kanzler Bismarck hinsichtlich der Beziehungen zwischen Deutschland und Russland zu sprechen. 

Bismarck seinerseits ist sehr bemüht. Er geht unter anderem auf die Rolle der Bildung im Russland (Geschichte, Literatur) von heute ein, die er für sehr gut hält. Er äußert sich diesbezüglich in einer Art und Weise, die mir sagt, dass er von seinem Gefühl ausgeht, nicht von Fakten. Sein Gefühl speist sich aus seinen Treffen mit offiziellen Vertretern, z.B. auf einem Kongress der Volksdiplomatie vor wenigen Tagen in Moskau. Für diese Kreise trifft das Gesagte zu. (rbz)


Screenshot_2025_10_02_at_16_55_33_Seniora.org_Deutschland_zwischen_USA_Russland_China_Alexander_Dugin_im_Dialog_mit_Alexander_von_Bismarck

Video https://www.youtube.com/watch?v=T4o_ZReeeyk Dauer 1:12:57 h


In dieser Folge von „Alexander von Bismarck im Dialog“ spricht Alexander von Bismarck in Moskau mit dem russischen Philosophen Alexander Dugin über das angespannte Verhältnis zwischen Europa und Russland, die Rolle Deutschlands in der aktuellen Weltordnung und die Frage, wie Diplomatie und persönliche Begegnungen Brücken bauen könnten. Es geht um Isolation vs. Dialog, die Zukunft der EU, historische Perspektiven auf Russland und Deutschland sowie den Verlust politischer Debattenkultur in Europa. Ein Gespräch, das unbequeme Fragen stellt: Warum isoliert sich Europa selbst? Welche Rolle spielt Deutschland zwischen den USA, Russland und China? Weshalb sind persönliche Begegnungen wichtiger denn je für Frieden und Verständigung? Wer verstehen möchte, wie Russland auf Europa blickt und warum offener Dialog so entscheidend ist, sollte dieses Gespräch nicht verpassen.

Kommentar einer Leserin

Etwas besseres darüber, wie deutsche und russischen Menschen wieder zueinander finden können, habe ich noch nicht gesehen. Das muss man sich anhören ! Beide sind zwei sehr geistreiche Menschen, die ihre Gedanken über das "jetzt" und unsere gemeinsame Zukunft (Deutschland-Russland) austauschen. Nehmt euch die Zeit - und hört ihnen zu, es wird euer Leben bereichern!!!
Beste Grüße aus der Lausitz

Quelle: Alexander von Bismarck im Dialog


Info: https://seniora.org/index.php?option=com_acym&ctrl=fronturl&task=click&urlid=292&userid=3998&mailid=2865


unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

02.10.2025

Drohungen und Drohnen....

aus e-mail von Doris Pumphrey, 2. Oktober 2025, 12:53 Uhr


*Britischer Ex-Minister:

"Wir müssen das Leben auf der Krim erdrosseln"

*Die westlichen Unterstützer Kiews müssen dazu beitragen, die Krim

unbewohnbar zu machen, sagte der ehemalige britische

Verteidigungsminister Ben Wallace.Auf dem Warschauer Sicherheitsforum am

Dienstag, dem 30. September 2025, argumentierte Wallace, dass Russland

die Halbinsel als Heiligen Berg betrachte und dass die Ukraine dort

zuschlagen sollte, wo sie den größten Schaden anrichten könne. "Wir

müssen also der Ukraine helfen, Langstreckenfähigkeiten zu entwickeln,

um die Krim unbewohnbar zu machen. Wir müssen das Leben auf der Krim

erdrosseln", sagte Wallace.

/Siehe

Video:/https://rumble.com/v6zq5tu-britischer-ex-minister-wir-mssen-das-leben-auf-der-krim-erdrosseln.html



*Ukraine ist unsere erste Verteidigungslinie –

von der Leyen kündigt weitere Milliarden für Kiew an

*Am Mittwoch, dem 1. Oktober 2025, hat in Kopenhagen ein informeller

EU-Gipfel stattgefunden, bei dem die EU-Kommissionspräsidentin der

Ukraine weitere Hilfen zusagte. "Wenn wir uns alle einig sind, dass die

Ukraine unsere erste Verteidigungslinie ist, müssen wir die militärische

Unterstützung für die Ukraine verstärken. Aus diesem Grund stellen wir

heute 4 Milliarden Euro für die Ukraine bereit", erklärte Ursula von der

Leyen.

/Siehe

Video:/https://odysee.com/@RTDE:e/Ukraine-ist-unsere-erste-Verteidigungslinie-%E2%80%93-von-der-Leyen-k%C3%BCndigt-weitere-Milliarden-f%C3%BCr-Kiew-an-:c



_RTDE 1.10.2025

_*Bloomberg: Die Drohnenmauer der EU ist ein PR-Gag


*Jüngst berichteten westliche Vertreter von mehreren Fällen, in denen

Drohnen den EU-Luftraum verletzt hätten. Auch wenn sich die Mitglieder

der EU überwiegend mit direkten Anschuldigungen zurückhielten, gab es in

den Medien heftige Spekulationen, Russland stecke hinter den Vorfällen ‒

ein Vorwurf, den Moskau zurückwies.

Laut /Bloomberg/ führten diese Vorfälle zu einer hastigen Reaktion in

Brüssel, um Gegenmaßnahmen zu entwickeln, darunter auch das, was dortige

Vertreter eine "Drohnenmauer" nannten ‒ ein koordiniertes, EU-weites

System, das darauf abzielt, Drohnen zu entdecken und abzufangen.


Ein anonymer Beamter erzählte /Bloomberg/ jedoch, die Idee wirke wie

"ein PR-Gag", der "eine komplexe Wirklichkeit verhüllt". Eines der

Hindernisse wäre es, eine Drohnenbarriere in einem Luftraum zu schaffen,

der voller Passagier- und Frachtverkehr ist, was die Gefahr von

Kollateralschäden schaffe.

Ein weiteres Problem sei es, so die Quellen gegenüber /Bloomberg/,

herauszufinden, wer das Projekt koordinieren solle. Das Portal merkte

auch an, das Projekt könnte die Wahrnehmung vom größeren Problem

ablenken, das in der Angewiesenheit der EU auf die USA bei der

Luftabwehr bestehe, da US-Präsident Donald Trump die NATO-Mitglieder

drängt, mehr Verantwortung für ihren eigenen Schutz zu übernehmen.


Die Finanzierung sei ein schwieriges Thema, und Berlin erwarte, so

/Bloomberg/, eine intensive Debatte auf dem EU-Gipfel in Kopenhagen

darüber, wie die Verteidigungsprojekte finanziert werden sollten.

Deutschland jedenfalls ist, auch wenn es seine Verteidigungsausgaben

erhöht und von anderen EU-Mitgliedern dasselbe erwartet, gegen jede

gemeinsame Schuldenaufnahme, so der Bericht.


Die /Financial Times/ hatte berichtet, einige der westlichen und

südlichen Mitglieder der EU seien nicht glücklich damit, dass die

Finanzierung der "Drohnenmauer" vor allem den Ländern in der Nähe

Russlands nütze. In dieser Hinsicht sollen die EU-Vertreter nach Wegen

suchen, um diesen Plan den zögerlichen Mitgliedern schmackhaft zu machen.


Kremlsprecher Dmitri Peskow hatte die Idee kritisiert und gesagt: "Wie

die Geschichte zeigt, ist es immer schlecht, Mauern zu bauen. Es ist

sehr bedauerlich, dass diese militaristische, konfrontative Politik der

Ukraine" jetzt zu neuen Barrieren in Europa führen könnte.



Lostineu.eu 1.10.2025

<https://lostineu.eu/wie-die-usa-ueber-die-mysterioesen-drohnen-berichten/?utm_campaign=Lost%20in%20EUrope%20Update&utm_content=Lost%20in%20EUrope%20Update&utm_medium=email&utm_source=getresponse>

*Wie die USA mit den “mysteriösen Drohnen” umgehen


*Während die EU so tut, als seien die über Dänemark und anderswo

gesichteten Flugobjekte russischen Ursprungs und Teil eines “hybriden

Krieges”, blicken die USA ganz anders auf die Vorfälle.

In den USA gab es nämlich auch schon einmal “mysteriöse Drohnen”. Sie

wurden Ende 2024 und Anfang 2025 über New Jersey gesichtet, ähneln

auffällig den “UAV” über Dänemark – und wurden schließlich von der

US-Regierung als harmlos eingestuft.


Nicht einmal die damals noch tätige Biden-Administration hat sie

Russland zugeordnet und Alarm geschlagen. Unter US-Präsident Trump

wurden die Vorfälle dann stillschweigend zu den Akten gelegt – obwohl

die Sichtungen in den USA bis heute anhalten.


Infolgedessen berichten die US-Medien auch ganz anders über die

Ereignisse in Dänemark. So spricht CNN

<https://edition.cnn.com/2025/09/29/europe/denmark-civil-drone-flight-ban-eu-summit-intl-hnk

von /“unerklärten Sichtungen”/ und betont, dass in Dänemark nur /zivile

/Drohnenflüge verboten wurden – was bei einer /militärischen/ Bedrohung

wenig Sinn macht.


Der Online-Dienst “The Debrief”

<https://thedebrief.org/mystery-drone-incursions-in-nato-airspace-spark-europe-wide-concerns-over-hybrid-warfare-threats/

zieht sogar direkte Parallelen zu den Drohnen-Sichtungen in New Jersey.

Er zitiert auch das Pentagon, das die rätselhaften Vorfälle untersucht

hatte und zu dem Schluß kam, daß es kein Sicherheitsrisiko gebe

<https://thedebrief.org/pentagon-says-mystery-drones-are-common-unmanned-aerial-systems-and-misidentifications-pose-no-security-threat/>.


Und in der “New York Times”

<https://www.nytimes.com/2025/09/27/opinion/drones-artificial-intelligence-technology.html>sinniert 

ein Kolumnist über /“Drones, Denmark and Dark Magic”/. Er glaubt zwar

nicht an Schwarze Magie, weist aber auch darauf hin, daß eine

/“russische Schuld nicht sicher”/ sei.


Ganz anders in der EU: Hier werden die angeblichen Drohnen ohne weiteres

Russland zugeschrieben. Beim Sondergipfel in Dänemark forderte

Ministerpräsidentin Frederiksen sogar eine /“starke Antwort”/ auf

Russlands /“hybriden Krieg”/ – dabei hat sie immer noch keine Beweise…


P.S. Es wird immer absurder. “/Nach Drohnenalarm in Dänemark: Frankreich

stoppt mutmaßlich russisches Schiff/“, meldet die “Süddeutsche

<https://www.sueddeutsche.de/politik/frankreich-russland-tanker-drohnen-li.3320545>.

Wegen /mutmaßlich/ russischer Drohnen über Dänemark wird ein

/mutmaßlich/ russisches Schiff im Atlantik gestoppt, weil es

/möglicherweise/ vor ein paar Tagen an Dänemark vorbeigefahren ist. Das

wäre selbst dem “Tatort” zu blöd! In Wahrheit geht es wohl darum, einen

Vorwand zu finden, um die Ostsee für die /“russische Schattenflotte”/

(noch so eine Erfindung) zu sperren, was eine Kriegserklärung wäre…


unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

02.10.2025

„Sie werden zweifellos angreifen“: Max Blumenthal trifft den iranischen Präsidenten in New York City

linkezeitung.de, 2. Oktober 2025, Veröffentlicht von

von Max Blumenthal – https://thegrayzone

Übersetzung LZ

Bei einem Treffen mit US-amerikanischen Kriegsgegnern prognostizierte der iranische Präsident Masoud Pezeshkian eine Verschärfung des Konflikts mit Israel und den USA und kritisierte Washingtons Unnachgiebigkeit scharf.

Der iranische Präsident Masoud Pezeshkian kam am 24. September 2025 zu spät zu einem Treffen mit amerikanischen Antikriegsaktivisten am Rande der UN-Generalversammlung. Er kam gerade von einem schicksalhaften Treffen mit Emmanuel Macron, bei dem er versucht hatte, seinen französischen Amtskollegen dazu zu überreden, das Auslaufen des JCPOA-Atomabkommens zu verzögern, anstatt Sanktionen zu verhängen. Pezeshkians Lobbyarbeit war erfolglos; die Europäer hatten bereits beschlossen, den Wirtschaftskrieg gegen Teheran zu verschärfen. Unterdessen bereitete sich Israel mit der praktisch garantierten Unterstützung der USA auf einen weiteren Angriff auf den Iran vor.

„Zweifellos werden sie den Iran angreifen. Und wir werden uns energisch verteidigen“, erklärte Pezeshkian vor seinem Publikum von etwa 25 Antikriegsjournalisten, Aktivisten und Think-Tank-Analysten, die sich in einem Konferenzsaal eines Hotels in Midtown Manhattan versammelt hatten. Eine getarnte Bombeneinheit stand vor dem Raum Wache, während grimmig dreinblickende Bundesagenten durch die Flure patrouillierten.

Die Sitzung bestand aus zwei Runden mit Fragen und Kommentaren der Teilnehmer und zwei Runden mit Antworten von Pezeshkian. Das Format eignete sich für allgemeine Antworten, wobei einige der pointierteren Fragen offenbar in der Übersetzung verloren gingen.

Ich eröffnete die erste Runde mit einem Verweis auf eine Rede, die der oberste Führer des Iran, Ayatollah Ali Khamenei, am Tag zuvor gehalten hatte und in der er Verhandlungen mit den USA als etwas bezeichnete, „das keine ehrenhafte Nation jemals tun würde und kein weiser Staatsmann jemals gutheißen würde“.

„Verhandlungen unter solchen Drohungen zu akzeptieren, würde bedeuten, dass die Islamische Republik Iran für Einschüchterungen empfänglich ist. Wenn wir unter solchen Drohungen verhandeln würden, würde das bedeuten, dass wir bei jeder Drohung zittern und kapitulieren“, erklärte Khamenei.

Ich fragte Pezeshkian, ob diese Aussagen die Ansicht seiner Regierung widerspiegelten und ob er glaube, dass Trump die letzte Runde der Atomverhandlungen ausgenutzt habe, um die iranische Führung in eine falsche Sicherheit zu wiegen, die sie für einen unprovozierten Angriff Israels anfällig machte.

Nach einer Reihe von Fragen anderer Teilnehmer kritisierte der iranische Präsident Trumps diplomatische Taktik scharf: „Das war keine Verhandlung, das war Diktat“, sagte er.

„Jemand hätte aufzeichnen sollen, was [Trumps Nahost-Beauftragter] Steve Witkoff gesagt hat“, fuhr Pezeshkian fort. „Er sagt uns das eine und kehrt plötzlich nach Washington zurück und sagt etwas anderes. Wie können wir mit so jemandem verhandeln?“

Pezeshkian verwies auf ein Buch, das seiner Meinung nach die grundlegend destruktive Natur der US-Außenpolitik deutlich macht. Der Band mit dem Titel „Making Endless War“ ist eine Sammlung von Essays, die den Vietnamkrieg und die arabisch-israelischen Konflikte analysieren und argumentieren, dass Kriege um Ressourcen und geopolitische Kontrolle zu einem festen Bestandteil der amerikanischen Nachkriegsdiplomatie geworden sind.

Neben Pezeshkian saß sein Außenminister Abbas Aragchi. Sichtlich erschöpft von den tagelangen Auseinandersetzungen über die Wiedereinführung von Sanktionen erinnerte Aragchi daran, wie Israel 2018 einen Sprengsatz in der Atomanlage Natanz gezündet und damit rund 4000 Zentrifugen zerstört hatte. Während der Iran als Vergeltungsmaßnahme seine Anreicherungsgrade erhöhte, betonte er, dass das Land die Verhandlungen fortsetzte, die Israel zu sabotieren versucht hatte.

Auch heute noch, so Aragchi, „sind wir zu Flexibilität bereit, wenn wir im Gegenzug angemessene Maßnahmen erhalten“.

Dennoch würden der Außenminister und sein Team New York ohne Zugeständnisse seitens der Europäer verlassen. Die Snapback-Sanktionen seien laut Macron „beschlossene Sache“.

Für die iranische Führung hatte die Unnachgiebigkeit des Westens Israel grünes Licht für einen weiteren Angriff gegeben. Pezeshkian merkte jedoch an, dass die iranische Gesellschaft nach dem 12-tägigen Krieg im vergangenen Juni stärker geworden sei. „Der letzte Angriff hat uns geeint“, betonte er. „Die Iraner lehnten einen Regimewechsel ab, auch wenn sie mit der Revolution nicht einverstanden waren. Selbst diejenigen, die uns kritisieren, haben unser Militär unterstützt.“

Mit Blick auf den dreisten Angriff Israels in Katar im September dieses Jahres, bei dem es versuchte, das gesamte Verhandlungsteam der Hamas zu ermorden, sagte Pezeshkian voraus: „Der Zusammenhalt in der Region wird zunehmen, weil unsere Nachbarn erkennen, dass jetzt niemand mehr sicher ist.“

Während des israelischen Angriffs auf den Iran entging der Präsident nur knapp einem Attentat auf sein Leben. „Es gibt Pläne für den Fall, dass sie mich ausschalten“, wenn Israel erneut angreift, „wir haben fünf bis sechs Schritte vorbereitet.

Pezeshkian versicherte, dass die Islamische Republik auf alle Eventualitäten vorbereitet sei, und zeigte sich zuversichtlich: „Der Iran ist nicht Gaza. Der Iran ist nicht der Libanon. Der Iran ist nicht Syrien. Der Iran ist etwas anderes.“

https://thegrayzone.com/2025/09/27/they-will-attack-max-blumenthal-irans-president


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Info: https://linkezeitung.de/2025/10/02/sie-werden-zweifellos-angreifen-max-blumenthal-trifft-den-iranischen-praesidenten-in-new-york-city/


unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

02.10.2025

Gesundheitssystem   Lassen sich die Finanzprobleme der Krankenkassen auf der Einnahmeseite lösen?

makronom.de, vom 1. Oktober 2025, SUSANNE ERBE, Deutschland 

In den Diskussionen um die Finanzierungsnöte der gesetzlichen Krankenkassen geht es häufig um groß angelegte Reformen, die für mehr Einnahmen sorgen sollen. Allerdings stellt sich die Frage, ob dies grundsätzlich sinnvoll ist – oder die Probleme nicht an anderer Stelle liegen. Ein Beitrag von Susanne Erbe.


Bild: Owen Beard via Unsplash


Als Bundessozialministerin Bärbel Bas (SPD) Anfang September die jährliche Anpassung der Beitragsbemessungsgrenzen in den Sozialversicherungen bekanntgab, reagierten viele Medien mit Schlagzeilen wie: „Gutverdiener sollen künftig mehr zahlen!“ Es wurde der Eindruck vermittelt, als hätte die Bundesregierung neue Pläne entwickelt, wie die Finanzprobleme der Krankenversicherung bewältigt werden können.

Turnusmäßige Anhebung der Rechengrößen

Tatsächlich aber hat das Sozialministerium lediglich einen Entwurf der „Sozialversicherungsrechengrößen-Verordnung“ an die anderen Ministerien verschickt, der wie jedes Jahr die Beitragsbemessungs- und die Versicherungspflichtgrenze für 2026 an die Lohnentwicklung des Vorjahres anpasst – so wie es im Sozialgesetzbuch vorgeschrieben ist. Dabei beträgt die der Rechengröße zugrunde liegende Lohnentwicklung im Jahr 2024 bundesweit 5,16%. Das entspricht dem Anstieg der vom Statistischen Bundesamt erfassten nominalen Entwicklung der Bruttolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer im Jahr 2024.

Die Belastung der Gutverdiener besteht nun darin, dass ein höherer Betrag als im Vorjahr der Berechnung ihrer Sozialabgaben zugrunde liegt. 2026 werden Einkommen bis 5.812,5 Euro voll angerechnet. Einkommensanteile, die diese Grenze übersteigen, sind nicht abgabenpflichtig. 2025 sind das noch genau 300 Euro weniger (durch Rundungen ergibt sich eine etwas höhere Steigerungsrate als in der Verordnung genannt: 5,4%). Im gleichen Rhythmus wird die Versicherungspflichtgrenze angepasst, die seit 2003 die Beitragsbemessungsgrenze um ca. 10% übertrifft. Arbeitnehmer mit einem diese Grenze übersteigenden Einkommen werden von der Versicherungspflicht in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) befreit und können sich privat versichern.

Bis 1969 gab es keinen „Automatismus“ bei der Veränderung der Rechengrößen. Vielmehr beschloss der Deutsche Bundestag diskretionär über ihre Veränderung, was regelmäßig zu politischen Kontroversen führte. Zur „Entpolitisierung“ wurde seitdem festgelegt, dass sie sich jährlich entsprechend der durchschnittlichen Bruttolohn- und Gehaltssumme verändern sollen.

Höhere Beitragsbemessungsgrenzen spülen natürlich mehr Geld in die gesetzlichen Krankenkassen. Aber sobald die Versicherungspflichtgrenze erreicht ist, besteht ebenso sicher die Gefahr, dass Arbeitnehmer in die private Krankenversicherung (PKV) abwandern. Allerdings spricht der Trend eher dagegen. So waren 12,4% der GKV-Versicherten 2024 freiwillig versichert, ein über zehn Jahre stabiler Wert. Betrachtet man den hohen Anteil der beitragsfrei Mitversicherten in dieser Gruppe, wird deutlich, dass diese vor allem in der GKV bleiben, weil es für sie teurer würde, alle Familienmitglieder in der PKV zu versichern.

Sollten die Beitragsbemessungsgrenzen abgeschafft werden?

Die gesetzlichen Krankenversicherungen haben mit erheblichen Finanzproblemen zu kämpfen: Zu Beginn des Jahres 2025 wurden die Zusatzbeiträge, die kassenindividuell den bundesweit einheitlichen Beitragssatz von 14,6% ergänzen, deutlich erhöht – und dennoch scheinen weitere Erhöhungen nicht ausgeschlossen. Insofern wurde eine Diskussion darüber losgetreten, wie zusätzliche Finanzmittel erschlossen werden können.

Die Beitragsbemessungsgrenze stand hier auch früher schon im Fokus. Es gibt immer wieder Vorschläge, diese Grenze vollständig abzuschaffen, die Versicherungspflicht auszuweiten (zuletzt in einem Antrag der Linken-Fraktion) und damit der privaten Krankenversicherung die Grundlage zu nehmen. Gegen eine Abschaffung der PKV-Vollversicherung und die Einführung einer Bürgerversicherung werden aber rechtliche Hürden genannt: Zunächst gibt es verfassungsrechtliche Bedenken, ob Grundrechte von privaten Versicherungsunternehmen und bisherigen Privatversicherten verletzt würden. Allerdings sehen die meisten Konzepte zur Bürgerversicherung einen Bestandsschutz für derzeit PKV-Versicherte vor.

Eine stufenweise Anpassung könnte erreicht werden, wenn die Bemessungsgrenze allmählich auf die der Rentenversicherung angehoben würde, die 2025 immerhin mehr als 2.500 Euro pro Monat über derjenigen der Krankenversicherung lag. Dies würde tatsächlich bedeuten, dass Gutverdiener stärker belastet würden und damit den Übertritt in die PKV für die betreffende Gruppe attraktiver machen.

Ein weiterer Vorschlag bezieht sich auf die mitversicherten Angehörigen, meistens die Ehefrauen. Würde die Beitragsbemessungsgrenze auf das Haushaltseinkommen beider Eheleute angewandt, so könnten ihre Beitragszahlungen steigen. Wenn beispielsweise das niedrigere Einkommen des Partners das gemeinsame Einkommen unter die Grenze senkt, könnten mehr Einkommensbestandteile – auch wenn die Grenze verdoppelt würde – belastet werden.

Versicherungsfremde Leistungen

Wegen ihrer Finanzprobleme haben die Kassen erst kürzlich auf eine andere, schon lange bestehende Ursache geringer Zuflüsse aufmerksam gemacht: die unzureichende staatliche Refinanzierung der Gesundheitsversorgung von Menschen im Bürgergeldbezug. Nach Auffassung der Kassen liegt ein Verstoß gegen die strenge Zweckbindung von Sozialversicherungsbeiträgen vor, die nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts nicht zur Finanzierung gesamtgesellschaftlicher Aufgaben verwendet werden dürfen. Entsprechend legte der GKV-Spitzenverband eine Klage gegen den Bund beim zuständigen Landessozialgericht Nordrhein-Westfalen ein. Anlass ist der im Herbst erwartete Zuweisungsbescheid des Bundesamtes für Soziale Sicherung (BAS) für das Jahr 2026.

Im Jahr 2025 haben die Kassen pro Bürgergeldempfänger monatlich eine (Grund- und Zusatz-)Beitragspauschale von 133,17 Euro erhalten, die sich folgendermaßen errechnet: 21,55% einer sozialversicherungsrelevanten Bezugsgröße (ein aus dem durchschnittlichen Einkommen der Rentenversicherten errechneter Wert, der 3.745 Euro im Jahr 2025 betrug) sind mit dem ermäßigten Beitragssatz und dem durchschnittlichen kassenindividuellen Zusatzbeitrag zu belasten. Man geht also von einem durchschnittlichen monatlichen Bürgergeld von 807 Euro aus, das mit 14% zuzüglich 2,5% belastet wird. Das damit angenommene Einkommen erscheint ungewöhnlich gering. Allerdings ist dieses Verfahren nicht neu, auch 2016 schon wurde eine sehr geringe Beitragspauschale von 90,36 Euro gezahlt.

Die Höhe der Kasseneinnahmen und -ausgaben für die betrachtete Gruppe errechnete 2024 das IGES-Institut in einem Forschungsgutachten zur Berechnung kostendeckender Beiträge für gesetzlich krankenversicherte Bezieher von Arbeitslosengeld II und Sozialgeld. Für 2022 kommen die Wissenschaftler zu dem Ergebnis, dass die Ausgaben für Arbeitslosen-II-Bezieher inklusive Aufstocker und Familienversicherte sowohl 2016 als auch 2019 und 2022 die Einnahmen für diese Gruppe um jeweils mehr als 9 Milliarden Euro überstiegen und deutlich höhere Pauschalen notwendig wären. Ob es allerdings zulässig ist, die Ausgaben für einzelne Versichertengruppen mit ihren Einzahlungen zu vergleichen, ist fragwürdig. Schließlich entspricht es dem Versicherungsprinzip in der GKV, dass nicht nur von Gesunden an Kranke umverteilt wird, sondern auch von Einkommensstarken an Einkommensschwache. Zweifelhaft wird es allerdings, wenn die Einkommensschwäche durch staatliche Vorgaben simuliert wird, um die staatlichen Beitragszahlungen möglichst gering zu halten.

Dass versicherungsfremde Leistungen nicht von den Sozialversicherungspflichtigen mit ihren proportionalen Beitragssätzen, sondern aus der Staatskasse, in die Steuerzahler nach einem progressiven Tarif einzahlen, finanziert werden sollen, ist Konsens. Darüber, wie versicherungsfremde Leistungen genau zu definieren sind, wird aber gestritten. Seit 2009 erhält der Gesundheitsfonds einen Bundeszuschuss aus dem Staatshaushalt, der zum Beispiel für die beitragsfreie Familienversicherung von Kindern und Ehegatten oder Leistungen für Mutterschaft und Schwangerschaft gezahlt wird. 2017 wurde dieser Bundeszuschuss auf 14,5 Milliarden Euro festgesetzt, in den Corona-Jahren durch Zusatzzahlungen ergänzt und liegt 2025 wieder bei 14,5 Milliarden Euro. In diesem Betrag sind die Zahlungen für Bürgergeldbezieher nicht enthalten.

Auch die von Bundesgesundheitsministerin Warken am 12. September 2025 einberufene „FinanzKommission Gesundheit“ soll sich mit Fragestellungen befassen, die sowohl die Einnahmen- als auch die Ausgabenseite der GKV betreffen, unter anderem mit „versicherungsfremden Leistungen“.

Fazit

In den Diskussionen um die Finanzprobleme der gesetzlichen Krankenkassen geht es häufig um große Reformen, so z.B. auf der Einnahmenseite die Alternative „Bürgerversicherung oder Kopfpauschale“. Um eine bessere Finanzlage für die Kassen zu erzielen, wäre es jedoch nicht erforderlich, grundsätzliche Änderungen vorzunehmen. Eine schrittweise Anhebung der Bemessungs-/Versicherungspflichtgrenze über die Anpassung an die nominale Lohnentwicklung hinaus wäre eine Stellschraube, die einen gleitenden Übergang ermöglicht und auch für mehr Gerechtigkeit in der GKV sorgen könnte. Auch die Annahme über die Einnahmesituation der Bürgergeldempfänger ist eine solche Stellschraube: Würde sie angehoben und realistischer simuliert, fließen höhere staatliche Zahlungen an die Kassen.

Allerdings stellt sich die Frage, ob es sinnvoll ist, den Kassen immer mehr Ressourcen zur Verfügung zu stellen, wenn schon ohne demographische Wirkungen deutliche Ausgabensteigerungen eintreten. Vielmehr sollten effizientere Strukturen Priorität erhalten – und die Leistungsanbieter in den Fokus rücken. Letztlich muss mit diesem Ziel auch die umstrittene Krankenhausreform durchgezogen werden. Das Gesundheitswesen ist in Deutschland allerdings ein Minenfeld – durchsetzt von lautstarken Interessengruppen und föderalen Kompetenzüberlagerungen. Insofern ist es wohl leichter, mehr Geld ins System zu schicken oder Scheinreformen durchzuführen – wie etwa die Einführung von Praxisgebühren und eine Hausarztzentrierte Versorgung –, als echte Reformen durchzusetzen.

 

Zur Autorin:

Susanne Erbe ist Redakteurin beim Makronom. Bis Ende 2020 war sie stellvertretende Chefredakteurin der Zeitschrift Wirtschaftsdienst.

Info: https://makronom.de/lassen-sich-die-finanzprobleme-der-krankenkassen-auf-der-einnahmeseite-loesen-49955?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=lassen-sich-die-finanzprobleme-der-krankenkassen-auf-der-einnahmeseite-loesen


unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

02.10.2025

Merz attackiert von der Leyen, Streit beim Kriegs-Gipfel & deutscher Döner

lostineu.eu, 2. Oktober 2025

Die Watchlist EUropa vom 02. Oktober 2025 – Heute mit News und Updates zum Machtkampf zwischen der EU-Kommission und der Bundesregierung, zu den militärischen Planungen der EU und zu einem deutschen Leibgericht

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Wir hatten ihn vorhergesagt, nun ist er offen entbrannt: Der Machtkampf um die Führung der EU. Diesmal ringt Kommissionspräsidentin von der Leyen, die “Königin Europas”, nicht mit dem Ratspräsidenten (wie zuletzt mit Michel), sondern mit Bundeskanzler Merz.

“Merz Targets Von Der Leyen With German Power Flex”, berichtet die Nachrichtenagentur “Bloomberg”. “Merz attackiert von der Leyen: Es ist einfach zu viel“, meldet dpa.

Er werde darauf drängen, dass die EU-Kommission ihre Verantwortung beim Rückbau der Bürokratie wahrnehme, sagte der CDU-Politiker beim EU-Gipfel in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen.

Merz hat sie selbst für 2. Amtszeit nominiert

Das entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Schließlich hat Merz seine Parteifreundin von der Leyen 2024 persönlich für eine zweite Amtszeit in Brüssel nominiert. Und die hat sich den Bürokratieabbau auf ihre Fahnen geschrieben.

Doch ihre “Omnibusse” zur Entschlackung der EU-Regeln sind im Sumpf der Gesetzgebung stecken geblieben. Gleichzeitig verkündet Brüssel ständig neue Regeln und Initiativen, zuletzt zur “finanziellen Bildung”.

Das ist aber nur ein Teil des Problems. Der zweite – und wichtigere – Teil ist, dass sich von der Leyen als Präsidentin des Überstaats EU präsentiert – und dabei systematisch in die Kompetenzen der Mitgliedsländer eingreift.

Von der Oberärztin zur Oberbefehlshaberin

Das war schon bei Corona ein Riesen-Problem. Von der Leyen spielte sich zur Oberärztin EUropas auf, die ihren Patienten überteuerte Medikamente von Pfizer/Biontech verordnete. Doch nun, im Krieg um die Ukraine, wird es ernst.

Nun wirft sich VdL nämlich auch noch in die Pose der Oberbefehlshaberin, die die “östlichen Frontstaaten” besucht, Militäreinrichtungen inspiziert und Merz & Co. sagt, was sie gefälligst zu tun haben.

Man müsse europäische Truppen in die Ukraine schicken und einen “Drohnenwall” im Osten errichten, lauten ihre letzten anmaßenden Ansagen. Das hat nicht nur Kriegsminister Pistorius genervt, das dürfte auch Merz empören.

Schließlich will der Kanzler ja in der Außenpolitik und in EUropa “führen” – und da erwartet er von der EU-Kommission Gefolgschaft. Der Bürokratieabbau ist nur ein Nebenkriegsschauplatz – die große Schlacht kommt wohl erst noch…

News & Updates

  • Streit beim Kriegsgipfel in Kopenhagen. Die Staats- und Regierungschefs der EU haben sich bei ihrem Sondergipfel in Kopenhagen weder auf den “Drohnenwall” noch auf den Zugriff auf russisches Vermögen einigen können. Italien und andere EU-Länder forderten, nicht nur Osteuropa gegen Drohnen zu schützen. Belgien, Frankreich und Luxemburg erhoben Einwände gegen den Plan von Kanzler Merz, 140 Mrd. Euro für die Ukraine aus dem eingefrorenen russischen Vermögen zu finanzieren. – EU-Kommissionschefin von der Leyen wurde aufgefordert, ihre Pläne bis zum nächsten regulären EU-Gipfel Ende Oktober nachzubessern.
  • Warnung aus Moskau. Russland hat die EU davor gewarnt, das eingefrorene russische Vermögen anzutasten. Brüssel ignoriert den Appell – und zahlt wieder Milliarden an die Ukraine aus. Man habe einen Kredit von 4 Mrd. Euro für Kiew freigegeben, teilte die EU-Kommission mit. – Das Geld kommt aus der sog. ““Extraordinary Revenue Acceleration initiative” (ERA)” der G-7, die wiederum aus den Zinserträgen aus dem russischen Vermögen finanziert wird. Mehr im Blog
  • Brüssel eifert Trump nach. Die EU-Kommission will die Zölle auf Stahl nach Angaben von Industriekommissars Séjourné ausweiten. Séjourné versprach bei einer Veranstaltung mit Vertretern der Stahlindustrie in Brüssel, die zollfreie Einfuhrmenge “nahezu zu halbieren”. Er will die Stahlindustrie so vor Konkurrenz aus China schützen. – De facto kopiert die EU-Kommission damit die protektionistische Politik von US-Präsident Trump. Gegen dessen Stahlzölle unternimmt sie nichts…
  • Israel greift Gaza-Hilfsflotte an. Israels Kriegsmarine hat eine private Flotte von Schiffen mit Hilfslieferungen für den Gazastreifen in internationalen Gewässern im Mittelmeer unter einsatz von Wasserwerfern gestoppt. „Die Global Sumud Flotilla wurde von israelischen Seestreitkräften angehalten“, teilte die Trägerorganisation in ihrem Telegram-Kanal mit. – Daraufhin gab es in Belgien, Italien und Spanien spontane Proteste. In Italien könnte es sogar zu einem Generalstreik kommen...

Das Letzte

Türkei verliert Döner-Streit. Zugegeben, diese Meldung ist schon ein paar Tage alt. Doch so lange dauert es manchmal, bis ein deutsches Thema die Brüsseler Blase erreicht. “Turkey withdraws bid for EU protection of döner kebab“, berichtet EurActiv, nachdem ein EU-Sprecher die Meldung aus “BILD” und anderen deutschen Medien bestätigt hatte. Damit wird der Döner also doch nicht als “traditionelle Spezialität” geschützt, sondern kann als neudeutsches Kulturgut auch so zubereitet werden, daß es dem deutschen Michel schmeckt. 1:0 für Deutschland und die Kebab-Buden in Kreuzberg! Nur die im Wahlkampf versprochene Preisbremse für den Döner lässt noch auf sich warten…

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1 Comment

  1. Thomas Damrau
    2. Oktober 2025 @ 08:39

    Im Text stehen Formulierungen, wie “Entschlackung der EU-Regeln” und “Rückbau der Bürokratie”. Mir scheint das Thema “Oberbefehlshaberin” nur ein Nebenkriegsschauplatz zu sein. Merz geht es um die “Vorfahrt für Wachstum: weg mit Regeln, die die Wirtschaftsbosse stören”. Das wären dann Themen wie Lieferkettengesetz und Verbrenneraus die den größten Wirtschaftsexperten Deutschlands daran hindern, den Wirtschaftsmotor “anzukurbeln”.

    Wäre schon interessant zu verstehen, welche Narrative uns hier untergejubelt werden sollen (siehe auch https://redfirefrog.wordpress.com/2025/10/01/streiten-9-formale-warnzeichen/ ).

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Weiteres:




Wie die USA mit den “mysteriösen Drohnen” umgehen


lostineu.eu, vom 1. Oktober 2025

Während die EU so tut, als seien die über Dänemark und anderswo gesichteten Flugobjekte russischen Ursprungs und Teil eines “hybriden Krieges”, blicken die USA ganz anders auf die Vorfälle.

In den USA gab es nämlich auch schon einmal “mysteriöse Drohnen”. Sie wurden Ende 2024 und Anfang 2025 über New Jersey gesichtet, ähneln auffällig den “UAV” über Dänemark – und wurden schließlich von der US-Regierung als harmlos eingestuft.

Nicht einmal die damals noch tätige Biden-Administration hat sie Russland zugeordnet und Alarm geschlagen. Unter US-Präsident Trump wurden die Vorfälle dann stillschweigend zu den Akten gelegt – obwohl die Sichtungen in den USA bis heute anhalten.

Infolgedessen berichten die US-Medien auch ganz anders über die Ereignisse in Dänemark. So spricht CNN von “unerklärten Sichtungen” und betont, dass in Dänemark nur zivile Drohnenflüge verboten wurden – was bei einer militärischen Bedrohung wenig Sinn macht.

Der Online-Dienst “The Debrief” zieht sogar direkte Parallelen zu den Drohnen-Sichtungen in New Jersey. Er zitiert auch das Pentagon, das die rätselhaften Vorfälle untersucht hatte und zu dem Schluß kam, daß es kein Sicherheitsrisiko gebe.

Und in der “New York Times” sinniert ein Kolumnist über “Drones, Denmark and Dark Magic”. Er glaubt zwar nicht an Schwarze Magie, weist aber auch darauf hin, daß eine “russische Schuld nicht sicher” sei.

Ganz anders in der EU: Hier werden die angeblichen Drohnen ohne weiteres Russland zugeschrieben. Beim Sondergipfel in Dänemark forderte Ministerpräsidentin Frederiksen sogar eine “starke Antwort” auf Russlands “hybriden Krieg” – dabei hat sie immer noch keine Beweise…

Siehe auch Nato hat immer noch keine Beweise für russische Luftraum-Verletzungen

P.S. Es wird immer absurder. “Nach Drohnenalarm in Dänemark: Frankreich stoppt mutmaßlich russisches Schiff“, meldet die “Süddeutsche. Wegen mutmaßlich russischer Drohnen über Dänemark wird ein mutmaßlich russisches Schiff im Atlantik gestoppt, weil es möglicherweise vor ein paar Tagen an Dänemark vorbeigefahren ist. Das wäre selbst dem “Tatort” zu blöd! In Wahrheit geht es wohl darum, einen Vorwand zu finden, um die Ostsee für die “russische Schattenflotte” (noch so eine Erfindung) zu sperren, was eine Kriegserklärung wäre…

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6 Comments

  1. Niko
    2. Oktober 2025 @ 12:04

    ich kann die ständige Hetze und Kriegstreiberei einiger unserer Politiker im Land und der EU und die willfährige Weitergabe unserer Qualitätsmedien, allen voran die ARD und ZDF, nur noch schwer mehr ertragen und muss mich deshalb hauptsächlich über das Ausland (Russland, Indien, China) informieren. Erstaunt bin ich besonders über die Niveaulosigkeit und die Dreistigkeit mit der man versucht das Volk zu verdummen.

Antworten

  • hg
    2. Oktober 2025 @ 08:48

    Das alles erinnert an das Papst Attentat und Nordstream, die wohl nie grundlegend einer Klärung zugeführt werden, wohl aber, aktuell einer immer mehr auf ” Alarmismus” ausgerichteten Propaganda dienten und dienen. Qui bono?

    Antworten

    • Der Skeptiker
      2. Oktober 2025 @ 14:07

      Richtig. Wenn man sich informieren will, dann aus nichtdeutschen Quellen.

      Antworten

  • Guido B.
    2. Oktober 2025 @ 07:21

    Die Monsterlüge in den Massenmedien ist unwidersprochen: RUSSLAND HAT EUROPA ANGEGRIFFEN! RUSSLAND GREIFT EUROPA AN!

    Jeder muss kapieren, dass der Aggressor Russland Europa zerstören will.

    Mit dieser Monsterlüge wollen sich europäischen Autokraten vdL, Merz, Macron, Starmer & Co. die russischen Ressourcen sichern, nachdem sie Selenski dafür bezahlt haben, die Drecksarbeit zu leisten.

    Die Nazis haben ihre Terrorherrschaft auch mit Monsterlügen legitimiert.

    Antworten

    • Arthur Dent
      2. Oktober 2025 @ 08:55

      Macron, Merz und Starmer halten sich nur selbst für den Nabel der Welt. China, Indien, USA sehen das sicherlich ganz anders.

      Antworten

  • KK
    2. Oktober 2025 @ 01:06

    Wenn es, wie ich weiterhin vermute (nicht zuletzt wegen der Drohungen bezüglich Grönland), Drohnen der US-Army sind, dann besteht tatsächlich für die USA „kein Sicherheitsrisiko“…

    Antworten

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    Info: https://lostineu.eu/wie-die-usa-ueber-die-mysterioesen-drohnen-berichten/?utm_campaign=Lost%20in%20EUrope%20Update&utm_content=Lost%20in%20EUrope%20Update&utm_medium=email&utm_source=getresponse


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.




    Weiteres: 




    Russisches Vermögen: Moskau warnt, Brüssel zahlt


    lostineu.eu, vom 1. Oktober 2025

    Moskau hat die EU davor gewarnt, das eingefrorene russische Vermögen anzutasten. Brüssel ignoriert den Appell – und zahlt wieder Milliarden an die Ukraine aus. Man habe einen Kredit von 4 Mrd. Euro für Kiew freigegeben, teilte die EU-Kommission mit. Das Geld kommt aus der sog. ““Extraordinary Revenue Acceleration initiative” (ERA)” der G-7, die wiederum aus den Zinserträgen aus dem russischen Vermögen finanziert wird. Künftig will die EU aber nicht nur die Erlöse abgreifen, sondern das russische Geld auch als Sicherheit für sog. “Reparationskredite” nutzen. Dies sei “Diebstahl”, warnt der Kreml. Russland werde jede Person und jedes Land verfolgen, das sein Geld stehle. Ob damit auch Kanzler Merz gemeint ist? Er macht sich für den Zugriff stark – es geht um 140 Mrd. Euro…

    Details dazu in Ukraine: Schwere Klatsche für Merz und von der Leyen

    10 Comments

    1. Niko
      2. Oktober 2025 @ 13:25

      kann man noch tiefer sinken. Die EU macht sich zum gemeinen Dieb und Deutschland gefällt sich als Antreiber.
      Einschlägige Gesetze, Verordnungen und langgepflegte Praktiken werden einfach über Bord geworfen. Was normalerweise von den Staatsanwaltschaften verfolgt werden müsste, wird noch großartig in einschlägigen Konferenzen gefordert bzw. gutgeheißen. Kann das noch lange gutgehen?

    Antworten

  • Thomas Damrau
    2. Oktober 2025 @ 08:56

    Ich würde diese Idee unter der Rubrik “Letzte Patrone” abheften. Das russische Vermögen würde grob für ein Jahr Unterstützung der Ukraine reichen. Und dann? Dann wird der geplante ewige Krieg “Gut gegen Böse” gemäß der alten Weisheit “ohne Moos nix los” sanft entschlafen.

    Die EU wird dann einen Offenbarungseid leisten müssen: Hohe Schulden, hypertrophe Rüstungspläne, schwindende Absatzmärkte, veraltete Technologien, wachsende soziale Konflikte … Woher soll da das Moos kommen?

    Antworten

    • ebo
      2. Oktober 2025 @ 09:04

      Mag sein – aber danach kommen Eurobonds, also Kriegsanleihen. Merz macht das ganze Gewürge ja nur, weil er selbst kein Geld mehr hat, aber auch (noch) keine EU-Schulden will

      Antworten

      • Thomas Damrau
        2. Oktober 2025 @ 09:58

        To bond or not to bond that’s here the question. Bond klingt gut – ist aber auch nur ein anderes Wort für Schulden. Ich bin mir nicht sicher, ob die CDU/CSU Merz auf diesem Weg folgen würde: Solange die EU keine ausreichenden eigenen Steuern erhebt, müssen die Mitgliedstaaten die Kredite zurückzahlen. (Auch wenn die EU Steuern erheben würde, müssten die Staaten dafür nationale Steuern senken.) Dadurch würden sie zu Schulden der EU-Staaten und Deutschland wäre der größte Schuldner bei solchen Bonds.

        Eurobonds sind im Prinzip eine gute Idee, wenn es darum geht, weniger kreditwürdigen EU-Staaten zu günstigeren Krediten für Krisenbewältigung oder Investitionen zu verhelfen. Das wären Schulden, die etwas Positives bewirken und einen Return on Investment generieren können. Trotzdem wurde ein solcher Ansatz von den deutschen Regierungen abgelehnt.

        Das Verballern von 120 Milliarden pro Jahr liefert gar nix, was helfen könnte, die Kredite zurückzuzahlen.

  • Erneuerung
    1. Oktober 2025 @ 18:48

    1939-1945 hat ein wahnsinniger Österreicher Europa und besonders Mittel- und Osteuropa in den Abgrund gestoßen. Ja, auch er hatte ausländische Helfer. Aber das nun ein ganzes „Kollektiv“ um Merz und vdL das wiederholen ist schon eine neue Qualität. Und nebenbei sei vermerkt, dass die Amis für einen neuen Marshallplan ausfallen, da die mit sich zu kämpfen haben, gegen BRICS. Und aus dem Osten wird natürlich auch keine Hilfe kommen, im Gegenteil, die kommenden Reparationen machen dann nicht mehr am Harz Halt. Eine rosige Zukunft steht bevor.

    Antworten

  • Monika
    1. Oktober 2025 @ 16:19

    …jede Person und jedes Land verfolgen, das sein Geld stehle. Ob damit auch Kanzler Merz gemeint ist? Er macht sich für den Zugriff stark – es geht um 140 Mrd. Euro…
    Merz wird angeklagt und schuldig gesprochen, daraufhin meldet er Privatinsolvenz an.. Mutiges Konzept LOL

    Antworten

    • KK
      2. Oktober 2025 @ 00:57

      Ich höre im Traum schon wieder einen Richter sagen – und diesmal durchaus begründet:
      “Sie sind ja ein schäääbiger Lump!” ????

      Antworten

  • Anastasiya
    1. Oktober 2025 @ 15:08

    Der Plan der Europäischen Kommission, zwei Milliarden Euro aus Erlösen aus eingefrorenen russischen Vermögenswerten an die Ukraine zu überweisen, verstößt gegen den Grundsatz der Unverletzlichkeit des Eigentums.

    Alle an der Beschlagnahmung eingefrorener russischer Vermögenswerte beteiligten Personen werden strafrechtlich verfolgt. Kremlsprecher Dmitri Peskow kündigte dies am 1. Oktober bei einem Briefing an.

    Die Beschlagnahmung russischer Vermögenswerte oder der daraus erzielten Erlöse verstößt gegen das Völkerrecht und könnte zu einer Änderung des Konzepts der Immunität für Staatseigentum führen, ohne die Möglichkeiten der Länder einzuschränken, gegen solche Maßnahmen Gegenmaßnahmen zu ergreifen.

    Amerikaner, insbesondere Republikaner, die gegen dieses Gesetz für Biden gestimmt haben, befürchten, dass dies zu Änderungen des Konzepts der Immunität für Staatseigentum führen und den Anwendungsbereich von Gegenmaßnahmen über rechtliche Situationen hinaus erweitern könnte. Das heißt, es würde Gegenmaßnahmen in einen unbegrenzten Mechanismus für jedes Land verwandeln, das glaubt, Anspruch auf Entschädigung zu haben. Das bedeutet, dass jedes Land nun amerikanische Vermögenswerte finden und beschlagnahmen könnte.“

    Antworten

  • Michael
    1. Oktober 2025 @ 13:22

    Müsste nicht laut westlichen Werten und Regeln ein Haftbefehl gegen Merz ausgestellt werden sollte russisches Geld angegangen werden!?

    Antworten

    • KK
      2. Oktober 2025 @ 01:02

      Merke: Einen Haftbefehl beantragen müsste ein Staatsanwalt – und die sind in Deutschland weisungsgebunden. Da könnt ja jeder kommen!
      Und unsere höchsten Gerichte erlauben ja auch den Diebstahl von Akten aus dem Kanzleramt (könnte da vielleicht zB ein ganz offizielles Protokoll enthalten sein von wegen Verzicht auf NAhTOd-Osterweiterung?)… was will man da erwarten?

      Antworten

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    02.10.2025

    Nachrichten von Pressenza: Die Drohnenkrise (I)

    aus e-mail von <newsletter@pressenza.com>, 2. Oktober 2025, 7:15 Uhr 


    Nachrichten von Pressenza - 02.10.2025


    Die Drohnenkrise (I)


    Im Konflikt mit Russland um Militärflüge durch den Luftraum von NATO-Staaten und um Drohnenflüge über dänischen Militärbasen weitet die NATO ihre Ostsee-Einsätze aus. Berlin nimmt die Schaffung eines „Drohnenwalls“ im Osten ins Visier. (Eigener Bericht) – Die NATO verstärkt ihren&hellip;

    https://www.pressenza.net/?l=de&track=2025/10/die-drohnenkrise-i/


     -----------------------


    Die neue EU-Wallet: Schlüssel zur Freiheit oder zur Überwachung?


    Zunächst einmal soll klargestellt werden, dass die EU Digital Identity Wallet (oder Europäische Digitale Identitätsbrieftasche) per Definition und Absicht kein Dokument ist, das automatisch durch einen Verwaltungsakt ausgestellt wird. Im Gegenteil, ihr Wesen besteht in individueller Zustimmung und Kontrolle. Jeder&hellip;

    https://www.pressenza.net/?l=de&track=2025/10/die-neue-eu-wallet-schluessel-zur-freiheit-oder-zur-ueberwachung/


     -----------------------


    Ausbeutung und verbotene Pestizide: Der hohe Preis der Banane


    Bananenanbau in Ecuador: Arbeitsrechte mit Füßen getreten – Südwind und Gewerkschaft ASTAC fordern starkes EU-Lieferkettengesetz. Ecuador ist einer der weltweit größten Produzenten und Exporteure von Bananen – und die Europäische Union der wichtigste Abnehmer. Doch hinter der beliebten Frucht steckt&hellip;

    https://www.pressenza.net/?l=de&track=2025/10/ausbeutung-und-verbotene-pestizide-der-hohe-preis-der-banane/


     -----------------------


    Einfach abschießen


    In Europa werden stets neue Eskalationsforderungen laut: Abschuss russischer Kampfjets im Luftraum von NATO-Staaten, Seeblockade gegen russische Tankschiffe in Nord- und Ostsee. NATO erwägt Bau von Drohnenwall an ihrer Ostflanke. Im Konflikt mit Russland um das Eindringen russischer Drohnen und&hellip;

    https://www.pressenza.net/?l=de&track=2025/10/einfach-abschiessen/


     -----------------------


    Pressenza - ist eine internationale Presseagentur, die sich auf Nachrichten zu den Themen Frieden und Gewaltfreiheit spezialisiert hat, mit Vertretungen in Athen, Barcelona, Berlin, Bordeaux, Brüssel, Budapest, Buenos Aires, Florenz, Lima, London, Madrid, Mailand, Manila, Mar del Plata, Montreal, München, New York, Paris, Porto, Quito, Rom, Santiago, Sao Paulo, Turin, Valencia und Wien.


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    02.10.2025

    Auf der Suche nach Plan B   Der deutsch-französische Streit um die Aufteilung der Projektanteile am Kampfjet der sechsten Generation (FCAS) ist weiter ungelöst. Deutschland erwägt Trennung von Frankreich und Kooperation mit Schweden oder Großbritannien.

    german-foreign-policy.com, 2. Oktober 2025

    BERLIN/PARIS (Eigener Bericht) – Vor dem Zusammentreffen von Bundeskanzler Friedrich Merz und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron am morgigen Freitag in Saarbrücken bleibt der Streit um den deutsch-französischen Kampfjet FCAS (Future Combat Air System) ungelöst. Die Entwicklung des Kampfjets der sechsten Generation, der im Verbund mit Drohnen und Drohnenschwärmen eingesetzt werden soll, ist seit dem Start des Projekts im Jahr 2017 von Auseinandersetzungen um die Anteile an Entwicklung und Produktion geprägt. Während es in Deutschland heißt, der französische Dassault-Konzern verlange übermäßige Anteile, fordert Dassault mit Blick auf die Verspätung des Projekts eine klare Führungsrolle. Eine Lösung, die die aktuelle Blockade aufheben könnte, ist nicht in Sicht. In Deutschland ist eine Trennung von Dassault und ein Wechsel zu einer Kooperation mit Schweden oder Großbritannien im Gespräch; Konzerne in beiden Ländern verfügen über das technologische Know-how zur Entwicklung des Kampfjets, das Deutschland fehlt. Frankreich verfügt ebenfalls über das Know-how und könnte das FCAS im Alleingang entwickeln, wäre aber auf finanzstarke Kooperationspartner angewiesen – etwa aus Indien oder aus der arabischen Welt.


    „Eine unbefriedigende Situation“Die Differenzen zwischen Deutschland und Frankreich beim Bau eines Kampfjets der sechsten Generation verschärfen sich. Die deutsche Seite wirft dem französischen Konzern Dassault Aviation vor, eine übermäßige Rolle in dem Programm einzufordern, und besteht darauf, das Projekt gemäß dem unterzeichneten Vertrag durchzuführen, der allen Vertragsparteien gleiche Anteile garantiert.[1] Zugleich nehmen die Verzögerungen bei dem Vorhaben zu; Experten gehen inzwischen davon aus, dass es nicht 2040, sondern erst 2050 fertiggestellt sein könnte – ein Zeitpunkt, zu dem die FCAS-Technologie schon überholt sein dürfte.[2] Bundeskanzler Friedrich Merz besprach das Thema im vergangenen Monat bei seinem Besuch in Madrid mit Pedro Sánchez, dem Ministerpräsidenten Spaniens, das 2019 dem Projekt beigetreten ist; er erklärte anschließend, er und Sánchez teilten „die Einschätzung ..., dass die aktuelle Situation unbefriedigend ist“.[3] Deutschland ziehe es in Betracht, die Arbeit am FCAS mit Spanien, aber ohne Frankreich und stattdessen eventuell mit Schweden oder Großbritannien fortzusetzen, heißt es. Zuletzt hatten Merz und der französische Präsident Emmanuel Macron die Entscheidung über den Fortgang des Projekts auf das Jahresende verschoben.[4] Beide könnten am morgigen Freitag in Saarbrücken die Gespräche fortsetzen, wo sie anlässlich der Feierlichkeiten zum deutschen Nationalfeiertag zusammentreffen.[5] Darüber hinaus soll in diesem Monat in Berlin auch ein Treffen der Verteidigungsminister Spaniens, Frankreichs und Deutschlands stattfinden.


    Mangel an Geld

    Frankreich seinerseits nennt Behauptungen, Dassault fordere einen Anteil von 80 Prozent an dem Projekt für sich ein, stark übertrieben [6], verlangt jedoch eine klare Führungsrolle und argumentiert, die derzeitige Architektur des FCAS, die auf einer gemeinsamen Führungsstruktur aller drei beteiligten Staaten aufbaut, lähme die Beschlussfähigkeit und sei für die Verzögerungen verantwortlich[7]. Dassault-Chef Éric Trappier verweist auf den Kampfdrohnen-Demonstrator nEUROn, der in den 2000er Jahren in Zusammenarbeit mit Italien, Schweden, Spanien, Griechenland und der Schweiz, aber unter der Leitung von Dassault entwickelt und 2012 erfolgreich fertiggestellt wurde.[8] Auf die Berichte, denen zufolge Deutschland einen möglichen Ersatz für Frankreich prüft, reagiert Trappier scharf: „Die Deutschen können sich beschweren, aber hier wissen wir, wie das geht”; wenn „die Deutschen“ es „allein machen wollen, sollen sie es tun”.[9] Der Dassault-Konzern, der bereits den Rafale-Kampfjet allein entwickelt hat, verfügt laut Auffassung von Experten in der Tat über das erforderliche technologische Know-how. Massive Zweifel gibt es aber an Frankreichs finanzieller Leistungsfähigkeit. Zu hören ist, Frankreich denke mit Blick auf die Finanzierung über eine Zusammenarbeit mit Indien oder arabischen Staaten nach; ihnen liefert Dassault bereits Rafale-Kampfjets.[10]


    Mangel an Know-how

    Während Frankreich mit den nötigen Finanzen zu kämpfen hat, mangelt es Deutschland laut Einschätzung von Experten an technologischem Know-how für einen Alleingang in der Entwicklung des FCAS. Als möglicher Kooperationspartner gilt der schwedische Luftfahrt- und Rüstungskonzern Saab [11], der unter anderem den Kampfjet Gripen entwickelt hat; der Gripen wird – wie die Rafale oder der deutsch-britisch-italienische Eurofighter – der vierten bzw. 4,5-ten Kampfjetgeneration zugerechnet und ist unter anderem nach Südafrika, Brasilien, und Thailand exportiert worden.[12] Thailand setzte die Jets erst vor kurzem in seinem bewaffneten Konflikt mit Kambodscha ein.[13] Jüngsten Berichten zufolge soll eine nicht näher bezeichnete Anzahl von Gripen-Jets, die vollständig NATO-kompatibel sind, an die Ukraine geliefert werden. Nun deutet ein aktueller Bericht darauf hin, Deutschland bereite sich darauf vor, Saab und dem US-Konzern Northrop Grumman einen Auftrag im Wert von rund 1,2 Milliarden Euro zur Modernisierung seiner Eurofighter-Flotte zu erteilen.[14] Es heißt, ein modernisierter Eurofighter könne – ähnlich dem FCAS-Konzept – im Verbund mit einer großen Anzahl von Drohnen operieren. Dies wurde gemeldet, als der schwedische Verteidigungsminister Pål Jonson am 23. September in Berlin mit seinem deutschen Amtskollegen Boris Pistorius zusammentraf.[15]


    Rüstungspartner Schweden

    Deutschland und Schweden verfügen über eine gute Grundlage für eine umfassendere Rüstungskooperation. So produzieren Airbus, MBDA und Saab Dynamics radargelenkte Meteor-Raketen für den Gripen.[16] Im März dieses Jahres erhielt Saab einen Auftrag im Wert von 159 Millionen US-Dollar aus Deutschland zur Modernisierung und Wartung der Taurus-Marschflugkörper bis 2035; der Taurus wurde bereits gemeinsam von Saab und MBDA entwickelt.[17] Die Gripen-Jets sollen nun ebenfalls mit den neuesten Versionen des Taurus ausgerüstet werden.[18] Außerdem sorgte das in München ansässige Rüstungs-Startup Helsing, das sich auf Drohnen und Künstliche Intelligenz (KI) spezialisiert hat [19], im Juni für Schlagzeilen, als sein KI-Agent Centaur erfolgreich in ein Gripen-Kampfflugzeug integriert wurde.[20] Bei über der Ostsee durchgeführten Tests gelang es dem KI-Agenten, in einem simulierten Luftkampf die partielle Kontrolle über das Flugzeug zu übernehmen. Die Rüstungskooperation wird gefördert durch eine 2017 unterzeichnete Innovationspartnerschaft, die 2024 – nach Schwedens NATO-Beitritt – explizit um eine engere Zusammenarbeit in puncto Rüstung und Militär erweitert wurde.


    Noch nicht festgelegt

    In Bezug auf das FCAS legt sich Schweden jedoch noch nicht fest – auch, um alle Fähigkeiten zur Herstellung eigener Kampfflugzeuge zu behalten. Verteidigungsminister Jonson erklärte während seines Besuchs in Berlin, Stockholm werde „irgendwann zwischen 2028 und 2030” eine Entscheidung über seinen künftigen Weg im Bereich Kampfflugzeuge treffen, betonte jedoch, die jüngste Variante des Gripen, der Gripen E, werde „mindestens bis 2050” im Einsatz bleiben.[21]


    Option Großbritannien

    Neben einer Kooperation mit Schweden zieht Deutschland auch einen Beitritt zum von Großbritannien geleiteten FCAS-Konkurrenzprojekt Tempest (Global Combat Air Programme, GCAP) in Betracht. Großbritannien, das das GCAP zusammen mit Italien und Japan entwickelt, ist Berichten zufolge grundsätzlich offen für einen Beitritt Deutschlands zu dem Projekt.[22] Da dieses sich jedoch bereits in einem fortgeschrittenen Stadium befindet, bis 2027 über einen Demonstrator verfügen und bis 2035 einsatzbereit sein soll, ist der Spielraum für eine Vergabe von Anteilen an Deutschland recht begrenzt. Experten argumentieren, an der Entwicklung würden sich deutsche Unternehmen kaum noch beteiligen können; denkbar sei lediglich ein Beitritt als Produktionspartner mit einer lokalen Montage. Dies gelte umso mehr, als bereits die aktuelle Dreierkooperation zwischen Großbritannien, Italien und Japan mit allerlei Komplikationen verbunden sei, weil sich die drei Länder politisch, ökonomisch und kulturell stark voneinander unterschieden.[23]


    Neue Chancen

    Andererseits sind auch Stimmen zu hören, die für eine Öffnung des GCAP für verbündete Staaten wie Deutschland plädieren. Zunächst einmal ist das Tempest-Programm extrem teuer; die Kosten werden auf etwa 300 Millionen US-Dollar pro Stück geschätzt. Zusätzliche Käufer könnten die Stückkosten senken. Die Möglichkeit der Bundesrepublik, per Verschuldung immense Finanzmittel aufzubringen, sowie der hohe Bedarf der Bundeswehr sprächen dafür, Deutschland eine größere Rolle einzuräumen, heißt es. Darüber hinaus könne die Öffnung des Tempest-Programms für weitere Teilnehmer den kontinentaleuropäischen Konkurrenten FCAS weiter schwächen und dem Tempest einen größeren Markt erschließen. Nicht zuletzt biete eine Einbindung zusätzlicher Staaten die Chance, die technologische und industrielle Abhängigkeit von den USA zu verringern.[24]

     

    [1] Chris Lunday, Laura Kayali: Germany explores how to replace France in Europe’s flagship fighter jet project. politico.eu 18.09.2025.

    [2] Markus Fasse, Jens Koenen, Frank Specht: Europas FCAS-Projekt von Airbus und Dassault droht zu scheitern. handelsblatt.com 25.09.2025.

    [3] Chris Lunday, Laura Kayali: Germany explores how to replace France in Europe’s flagship fighter jet project. politico.eu 18.09.2025.

    [4] S. dazu Noch immer kein Take-off.

    [5] Emmanuel Macron kommt zum Tag der Deutschen Einheit. saarland.de 06.09.2025.

    [6] Pierre Sauveton: SCAF : l’Allemagne agite ses plans B avec la Suède et le Royaume-Uni. opexnews.fr 19.09.2025.

    [7] Pierre Sauveton: « Nous croyons à la méthode Rafale » : Eric Trappier defend un pilotage du SCAF à la française. opexnews.fr 23.09.2025.

    [8] Introduction. dassault-aviation.com.

    [9] Europäisches Kampfjet-Projekt droht zu scheitern. spiegel.de 24.09.2025.

    [10] Michaela Wiegel, Niklas Záboji: Gibt es noch Hoffnung für Europas größtes Rüstungsprojekt? faz.net 30.09.2025.

    [11] Chris Lunday, Laura Kayali: Germany explores how to replace France in Europe’s flagship fighter jet project. politico.eu 18.09.2025.

    [12] Markus Fasse, Jens Koenen, Frank Specht: Europas FCAS-Projekt von Airbus und Dassault droht zu scheitern. handelsblatt.com 25.09.2025.

    [13] Illia Kabachynskyi: Why the Expected Swedish Gripen Fighters Are More Than Just Another Jet for Ukraine. united24media.com 29.09.2025.

    [14] Michael Nienaber: Germany to Award Saab, Northrop €1.2 Billion Fighter Update. bloomberg.com 22.09.2025.

    [15] Jonas Olsson: Germany and Sweden not discussing FCAS partnership, say defense ministers. breakingdefense.com 24.09.2025.

    [16] Rojoef Manuel: MBDA to Supply Meteor Missiles for Swedish Gripen Figher Jets. thedefensepost.com 19.03.2025.

    [17] Saab wins $159 million cruise missile maintenance order from Germany. reuters.com 03.03.2025.

    [18] Sweden to integrate Taurus cruise missiles on Gripen fighter jets. defence-industry.eu 03.03.2025.

    [19] S. dazu „Resilience Factories”.

    [20] Clement Charpentreau: Saab, Northrop to receive €1.2B Eurofighter EW contract from Germany: Bloomberg. aerotime.aero 22.09.2025.

    [21] Chris Lunday: Sweden keeps jet fighter options open amid Franco-German tensions. politico.eu 24.09.2025.

    [22] Matt Oliver: Britain prepared to let Germany join next-gen fighter jet programme. telegraph.co.uk 27.09.2025.

    [23], [24] Alec Smith: Should GCAP be opened to other countries? britainsworld.org.uk 11.07.2025.


    Info: https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/10140


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    01.10.2025

    Enormer Druck auf Hamas: Trump-Friedensplan "ignoriert Interessen des Palästinener"

    rtnewsde.site, 1 Okt. 2025 17:26 Uhr

    Die Hamas soll Einwände gegen die Stationierung einer internationalen Stabilisierungstruppe (ISF) in Gaza haben. Katar, Ägypten und die Türkei drängen die Hamas zugleich, positiv auf den Vorschlag von Trump zur Beendigung des Krieges im Gazastreifen zu reagieren.


    Quelle: AP © Evan Vucci


    Präsident Trump spricht während eines multilateralen Treffens mit Regierungschefs von Katar, Jordanien, der Türkei, Pakistan, Indonesien, Ägypten, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Saudi-Arabien während der Generalversammlung der UNO am Dienstag, 23. September 2025, in New York.


    Ein hochrangiger Hamas-Vertreter erklärte gegenüber der BBC, dass die Gruppe Donald Trumps Friedensplan für den Gazastreifen wahrscheinlich ablehnen werde, da dieser "den Interessen Israels dient" und "die Interessen des palästinensischen Volkes ignoriert". Der Vertreter sagte, dass die Hamas wahrscheinlich nicht bereit sei, ihre Waffen abzugeben und zu übergeben – eine zentrale Bedingung von Trumps Plan.

    Die Hamas soll auch Einwände gegen die Stationierung einer internationalen Stabilisierungstruppe (ISF) in Gaza haben, die sie als eine neue Form der Besatzung betrachtet.

    Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu akzeptierte Trumps Plan während der Gespräche im Weißen Haus am Montag. Die Hamas hat noch keine offizielle Stellungnahme abgegeben.


    Gerecht? Israel mit Trumps 20-Punkte-Plan für Gaza einverstanden – Zustimmung der Hamas noch offen





    Gerecht? Israel mit Trumps 20-Punkte-Plan für Gaza einverstanden – Zustimmung der Hamas noch offen





    Katar, Ägypten und die Türkei drängen die Hamas zugleich, positiv auf den Vorschlag von Präsident Trump zur Beendigung des Krieges im Gazastreifen zu reagieren, wie zwei mit den Gesprächen vertraute Quellen gegenüber AXIOS berichten.

    Die drei Länder sind die Vermittler mit den engsten Beziehungen zur Hamas und tragen die Hauptverantwortung für die Übermittlung von Botschaften zwischen der Gruppe und Israel sowie den USA. Hochrangige Vertreter dieser Länder haben sich in den vergangenen 24 Stunden zweimal mit Führern der Hamas getroffen.

    Präsident Trump erklärte am Dienstag, er gebe der Hamas drei bis vier Tage Zeit, um auf seinen Vorschlag zu reagieren. Die Hamas werde "ein sehr trauriges Ende nehmen" und "in der Hölle zahlen", wenn sie den Vorschlag nicht annimmt, sagte Trump in einer Rede vor Hunderten Generälen und Marineoffizieren in Quantico, Virginia. US-amerikanische und israelische Beamte erwarten, dass die Hamas Trumps Vorschlag mit einigen Vorbehalten grundsätzlich positiv aufnehmen wird.

    Der Plan gibt der Hamas zwar vieles, was sie wollte, wie die Freilassung von 2.000 palästinensischen Gefangenen und eine Aufstockung der humanitären Hilfe, enthält aber auch erhebliche Zugeständnisse – von denen einige auf Wunsch des israelischen Premierministers Benjamin Netanjahu hinzugefügt wurden.

    Der Plan sieht einen schrittweisen Rückzug Israels und die vollständige Entwaffnung der Hamas vor, was diese bisher abgelehnt hat.

    Einige der Änderungen hinsichtlich der Bedingungen und des Zeitplans für den Rückzug Israels aus dem Gazastreifen haben arabische Politiker verärgert und könnten für die Hamas schwer zu akzeptieren sein.


    Mehr zum Thema – Palästinensische Autonomiebehörde spricht sich für Trumps Gaza-Plan aus


    Screenshot_2025_10_01_at_17_55_57_Enormer_Druck_auf_Hamas_Trump_Friedensplan_ignoriert_Interessen_des_Pal_stinener_RT_DE

    Video https://rumble.com/v6zko3o-vor-un-netanjahu-richtet-sich-direkt-an-hamas-und-geiseln-israel-setzt-luft.html Dauer 4:01 Min.


    Durch die Sperrung von RT zielt die EU darauf ab, eine kritische, nicht prowestliche Informationsquelle zum Schweigen zu bringen. Und dies nicht nur hinsichtlich des Ukraine-Kriegs. Der Zugang zu unserer Website wurde erschwert, mehrere Soziale Medien haben unsere Accounts blockiert. Es liegt nun an uns allen, ob in Deutschland und der EU auch weiterhin ein Journalismus jenseits der Mainstream-Narrative betrieben werden kann. Wenn Euch unsere Artikel gefallen, teilt sie gern überall, wo Ihr aktiv seid. Das ist möglich, denn die EU hat weder unsere Arbeit noch das Lesen und Teilen unserer Artikel verboten. Anmerkung: Allerdings hat Österreich mit der Änderung des "Audiovisuellen Mediendienst-Gesetzes" am 13. April diesbezüglich eine Änderung eingeführt, die möglicherweise auch Privatpersonen betrifft. Deswegen bitten wir Euch bis zur Klärung des Sachverhalts, in Österreich unsere Beiträge vorerst nicht in den Sozialen Medien zu teilen.

    Info: https://rtnewsde.site/der-nahe-osten/257609-enormer-druck-auf-hamas-trump/


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    01.10.2025

    ERINNERUNG: Veranstaltung: Reisecafé Kuba am Dienstag, den 7. Oktober von 16 bis 20 Uhr in der Cafeteria im Haus der Jugend, Lacombletstr. 10, 40239 Düsseldorf.

    aus e-mail von Karin Gerlich, 1. Oktober 2025, 17:12 Uhr


    Liebe Kubafreunde,


      hier eine wichtige Erinnerung!



    -------- Weitergeleitete Nachricht --------

    Betreff: ERINNERUNG: Veranstaltung: Reisecafé Kuba am Dienstag, den 7.

    Oktober von 16 bis 20 Uhr in der Cafeteria im Haus der Jugend,

    Lacombletstr. 10, 40239 Düsseldorf.

    Datum: Wed, 1 Oct 2025 11:25:48 +0200

    Von: Jyrgen Kelle <jyrgenkelle@gmx.de>



    ERINNERUNG:



    Liebe Kubafreundinnen und Kubafreunde, liebe Kubainteressierte, liebe

    compañeras und compañeros,


    anbei die Einladung zu unserer  Veranstaltung: *Reisecafé Kuba am

    Dienstag, den 7. Oktober von 16 bis 20 Uhr in der Cafeteria im Haus der

    Jugend, Lacombletstr. 10, 40239 Düsseldorf.*


    Ich bitte euch alle, die Werbung für unser Reisecafé am 7.10.25 weit zu

    verbreiten, also über persönliche Gespräche, What´s up, Signal, Status,

    E-Mail, TicToc, Instagram, Facebook oder Aushänge! Bitte entschuldigt

    eventuelle Doppelsendungen.


    Mit solidarischen Grüßen


    Jürgen Freundschaftsgesellschaft BRD-Kuba e.V. Regionalgruppe Düsseldorf c/o Jürgen Kelle Sistenichstr. 3 40597 Düsseldorf _*duesseldorf@fgbrdkuba.de * <mailto: duesseldorf@fgbrdkuba.de>_ _ https://www.fgbrdkub…
    … *Werde Mitglied in der Freundschaftsgesellschaft BRD-Kuba e.V.* *Mitgliedsantrag: *_ https://www.fgbrdkuba.de/fg/download/mitgliedsantrag.pdf <https://www.fgbrdkuba.de/fg/download/mitgliedsantrag.pdf>_ 01.jpg


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    01.10.2025

    Screenshot_2025_10_01_at_17_26_30_Skandal_in_der_BPK_Bundesregierung_diffamiert_deutschen_Journalisten_H_seyin_Do_gbreve_ru_als_Desinformationsakteur_

    nachdenkseiten.de, 01. Oktober 2025 um 14:00 Ein Artikel von: Florian Warweg

    Es wird autoritärer und diffamatorischer in dieser Republik. Ein besonders eklatantes Beispiel für diese Tendenz war die aktuelle Regierungspressekonferenz. Von den NachDenkSeiten befragt, ob die Bundesregierung es für gerechtfertigt hält, dass für den von der EU mit sehr fragwürdigen „Belegen“ sanktionierten deutschen Journalisten und Staatsbürger Hüseyin Doğru neben Kontosperrung und Ausreise- auch ein allgemeines Arbeitsverbot gilt – reagierte das Auswärtige Amt in höchst manipulativer Weise. Es sprach dem Kollegen, zudem auf Grundlage mutmaßlich falscher Tatsachenbehauptungen, den Status als Journalist ab und rechtfertigte damit schwerste Eingriffe in dessen Grundrechte. 


    Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar.

    Podcast: Play in new window | Download


    Screenshot_2025_10_01_at_17_39_54_Skandal_in_der_BPK_Bundesregierung_diffamiert_deutschen_Journalisten_H_seyin_Do_gbreve_ru_als_Desinformationsakteur_

    Video https://www.youtube.com/watch?v=_MH8sXPIdJs Dauer 4:23 Min.


    Hintergrund

    Die Tageszeitung junge Welt hatte das Bundeswirtschaftsministerium (BMWE) vor einiger Zeit angefragt, ob sie den von der EU, mutmaßlich auf Initiative der Bundesregierung, sanktionierten deutschen Journalisten und Staatsbürger sowie ehemaligen Chefredakteur von Red Media, Hüseyin Doğru, als Redakteur anstellen könnte. Daraufhin erklärte der Leiter des Referates für Sanktionsdurchsetzung im BMWE, Sven Sattler, dass in dem Fall das sogenannte Bereitstellungsverbot greift. Dies bedeutet, von der EU sanktionierten Personen dürfen „keinerlei wirtschaftliche Vorteile mehr zugute kommen“ – auch nicht im Austausch für Lohnarbeit. Weiter fügte der BMWE-Beamte gegenüber der jW hinzu:

    „Ein Verstoß gegen das Bereitstellungsverbot stellt eine Straftat dar.“

    Das heißt, dem auf Grundlage von höchst fragwürdigen „Belegen“ von der EU sanktionierten Journalisten Doğru (die NachDenkSeiten berichteten ausführlich über die Art der „Belege“ im Artikel „EU und Bundesregierung sanktionieren deutschen Journalisten wegen kritischen Tweets zu Kanzler Merz“) wurden nicht nur alle Konten gesperrt und die Aus- sowie Einreise nach Deutschland untersagt, sondern er darf auch grundsätzlich keiner wie auch immer gearteten Form von Lohnarbeit oder auch selbstständiger Tätigkeit, die Einkommen generiert, nachgehen. Das Diktum „keine wirtschaftlichen Vorteile“ gilt allumfassend. Also selbst das Einladen von Herrn Doğru zu einem Kaffee würde in diesem Zusammenhang de jure eine „Straftat“ darstellen. Denn auch daraus würde sich ja ein wirtschaftlicher Vorteil für ihn ergeben.

    Wie mit diesen Sanktionen finanziell überleben? „Nicht unser Zuständigkeitsbereich“

    Es liegt die Frage auf der Hand, wie jemand wie Doğru, Vater von drei Kindern, davon zwei neugeborenen Zwillingen, das finanzielle Überleben seiner Familie sicherstellen soll. Die Krankenkasse hatte zudem zwischenzeitlich kurz vor der Geburt in Übererfüllung der Sanktionsauflagen die Krankenversicherung seiner Frau mitten in deren Risikoschwangerschaft aufgekündigt.

    Die hilflosen Reaktionen der Sprecher des Bundeswirtschafts- und Arbeitsministeriums („Kommunikation, von der Sie sprechen, ist mir nicht bekannt“ – „Nicht unser Zuständigkeitsbereich“) zeigen in erschreckender Weise auf, dass die Bundesregierung eigene Staatsbürger einem umfassenden Sanktionsregime aussetzt und sich dabei keinerlei Gedanken macht, wie diese Leute mit Kontosperrung, Ein- und Ausreiseverbot sowie Anstellungsverbot finanziell überleben sollen.

    Auswärtiges Amt besticht mit Diffamierung und Falschbehauptungen

    Noch erschreckender ist allerdings die Reaktion des Auswärtigen-Amt-Sprechers Josef Hinterseher. Dieser scheint sich über die Auswirkungen der Sanktionen auf Doğru geradezu zu freuen (siehe BPK-Video) und diffamiert diesen deutschen Journalisten und Staatsbürger öffentlich als „Desinformationsakteur“ und spricht ihm in diesem Zusammenhang offen dessen Status als Journalist ab. Er begründet dies zudem auf Basis von falschen Tatsachenbehauptungen:

    „Sie bezeichnen den Betreffenden als Journalisten. Er wurde unter dem Sanktionsregime für Desinformation gelistet. Das heißt, es geht um einen Desinformationsakteur. Die EU hat im Rahmen dessen in diesem Listungspaket festgestellt, diese Listungsbegründungen sind auch öffentlich einsehbar, dass die betreffende Person im Auftrag mutmaßlich russischer Stellen Desinformation verbreitet. Insofern betrachten wir das, was Sie hier öfter als Kollegen bezeichnen, als Desinformationsakteur.“

    Der AA-Sprecher behauptet hier, die EU hätte „festgestellt“, dass Hüseyin Doğru „im Auftrag mutmaßlich russischer Stellen Desinformation verbreitet“.

    Auf Betreiben seiner Anwälte schickte der EU-Ministerrat am 1. September 2025 Doğru das gesamte „evidence pack“ – also die „Beweisunterlagen“, auf deren alleiniger (!) Grundlage die umfassenden Sanktionen und massiven Grundrechtseingriffe gegen ihn gerechtfertigt werden. In dem Schreiben heißt es zudem:

    „Sie erhalten Zugang zu diesem Dokument ausschließlich zum Zweck der Wahrung der Interessen Ihres Mandanten im Zusammenhang mit dessen Aufnahme in die oben genannten Anhänge („privilegierter Zugang“). Es wird gemäß der Verordnung (EG) Nr. 1049/2001 nicht der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, und Sie dürfen es nicht veröffentlichen.“

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    Am 3. September entschloss sich Doğru dann, wenn ihm die EU auch untersagt, das „evidence pack“ zu veröffentlichen, so zumindest die in dem „Beweismaterialpaket“ aufgeführten „Belege“ auf X der Öffentlichkeit in einem mehrteiligen Thread bekannt zu machen.

    Das „Beweismaterial“ umfasst nach seiner Darlegung ausschließlich Tweets, sechs an der Zahl, von seinem privaten X-Account sowie von Red Media, darunter ein Tweet, in dem er sich über die Tatenlosigkeit deutscher Journalisten-Kollegen beschwert, sowie zwei Tweets, in denen er sich kritisch mit dem Aufrüstungsdiskurs von Kanzler Merz auseinandersetzt.


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    Den NachDenkSeiten ist es durch eine Quelle in der EU-Administration gelungen, das „evidence pack“ des Ministerrates einzusehen. Wir können daher bestätigen, dass es sich bei den vom Red-Media-Chefredakteur aufgeführten Tweets tatsächlich um die einzigen „Belege“ handelt, mit denen die EU und die Bundesregierung die Aufrechterhaltung der Sanktionierung eines Journalisten und deutschen Staatsbürgers rechtfertigen. Es findet sich im gesamten offiziellen „Beweismaterialpaket“ der EU, im Gegensatz zur Darstellung des Auswärtigen Amts, kein einziger Beleg für die behauptete Verbindung mit Russland. Ebenso wenig erfüllen die von der EU als Belege angeführten Tweets den Tatbestand der „Desinformation“, exemplarisch sei auf diesen Tweet zu Kanzler Merz im „evidence pack“ verwiesen:


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    „Totale Willkür und Zensur“

    Die NachDenkSeiten befragten Doğru zu seiner Einschätzung der Aussagen des Auswärtigen Amtes. Er sieht darin ein bewusstes Vorgehen, um mit seinem Präzedenzfall auch andere kritische Journalisten einzuschüchtern:

    „Dass das Auswärtige Amt sich hinstellt, um mir meinen Status als Journalist willkürlich aberkennt und mich als „Desinformationsakteur“ kriminalisiert, erinnert mich an die 1930er Jahre. Damals hatten die Nazis das sogenannte Schriftleitergesetz eingeführt, um kritische Stimmen zu kriminalisieren.

    Das Vorgehen der Bundesregierung und der EU hat einen doppelten Effekt. Erstens sollen damit zukünftige kritische Stimmen eingeschüchtert werden. Journalisten sollen nur noch nach Staatsräson berichten.

    Und zweitens geht es auch darum, dass Angst geschürt werden soll, was wiederum beides in den Militarisierungsprozess der Bundesregierung, aber auch der EU passt. Jeder, der sich meinen Fall ansieht und die „Beweise“ der EU, die ich veröffentlicht habe, auf deren alleiniger Grundlage ich sanktioniert worden bin, wird sehen, dass dies totale Willkür und Zensur ist.

    Dass heutzutage ein Post, in dem ich kritisiere, dass die große Mehrzahl der deutschen Journalisten nachweislich nicht über meinen Fall berichten, von der EU und der Bundesregierung als sanktionswürdige „Desinformation“ eingestuft wird – sollte dazu führen, dass die Alarmglocken läuten bei all denen, die für die bürgerliche Demokratie kämpfen. Um es leicht abgewandelt mit den Worten des unabhängigen irischen EU-Abgeordneten Michael McNamara zu sagen: Die EU und Deutschland verwandeln sich in das, was sie angeblich vorgeben zu bekämpfen. Sie werden zu einem Akteur der Desinformation und Einschüchterung.“

    Auszug aus dem Wortprotokoll der Regierungspressekonferenz vom 29. September 2025

    Frage Warweg

    Auf Anfrage der „jungen Welt“, ob sie den von der EU mutmaßlich auf Initiative der Bundesregierung sanktionierten deutschen Journalisten und Staatsbürger Hüseyin Doğru als Redakteur anstellen könne, erklärte der Leiter des Referats für Sanktionsdurchsetzung im Bundeswirtschaftsministerium, Sven Sattler, dass in dem Fall das sogenannte Bereitstellungsverbot greife, was bedeutet, von der EU sanktionierte Personen dürfen keinerlei wirtschaftliche Vorteile mehr zugutekommen, auch nicht im Austausch für Lohnarbeit. Dazu würde mich interessieren, ob es wirklich die Haltung der Bundesregierung ist, dass für Herrn Doğru und alle anderen von der EU sanktionierten deutschen Staatsbürger ein De-facto-Berufsverbot gilt. Die Frage geht im Zweifel zuerst an das zuständige Wirtschaftsministerium.

    Wentzel (BMWE)

    Die Kommunikation, von der Sie sprechen, ist mir nicht bekannt. Deswegen kann ich das nicht kommunizieren. Die grundsätzliche Federführung für Sanktionspolitik liegt im Auswärtigen Amt.

    Hinterseher (AA)

    Vielleicht kann ich noch einmal grundsätzlicher ausführen, weil Sie diese Frage ja hier schon mehrfach gestellt haben. Sie wissen, die Sanktionierung ist eine EU-Angelegenheit. Die EU hat beschlossen, die betroffene Person im Rahmen ihres extra dafür geschaffenen EU-Sanktionsregimes für die Stabilisierung zu listen. Insofern gelten dann natürlich die sich aus dieser Listung ergebenden Rechtsfolgen.

    Aber es ist klar: Sanktionen sind ein außenpolitisches Instrument. Das ist nicht mit einer justiziellen Maßnahme vergleichbar, so wie Sie es hier öfter darstellen. Die Personen können das einerseits justiziell überprüfen, aber sie können dagegen zum Beispiel auch beim Rat Einspruch erheben. Es gibt also verschiedene Wege und Mittel innerhalb der Europäischen Union, und das steht den betroffenen Personen natürlich immer frei.

    Zusatzfrage Warweg

    Gut. Aber der besagte Journalist ist deutscher Staatsbürger. Ich gehe davon aus, die Bundesregierung wird sich vor der Sanktionierung eigener Staatsbürger Gedanken über die Auswirkungen der Umsetzung gemacht haben. Wie soll bitte ein deutscher Staatsbürger, der in Deutschland lebt, dem aufgrund der EU-Sanktionen die Konten gekündigt werden, der Deutschland nicht verlassen darf und in Deutschland nicht arbeiten kann, finanziell überleben?

    Die zweite Frage geht vielleicht an das BMAS: Hat solch eine Person dann zumindest Anspruch auf ALG I oder ALG II?

    Hinterseher (AA)

    Vielleicht noch einmal zur ersten Frage: Sie bezeichnen den Betreffenden als Journalisten. Er wurde unter dem Sanktionsregime für Desinformation gelistet. Das heißt, es geht um einen Desinformationsakteur. Die EU hat im Rahmen dessen in diesem Listungspaket festgestellt – diese Listungsbegründungen sind auch öffentlich einsehbar -, dass die betreffende Person im Auftrag mutmaßlich russischer Stellen Desinformation verbreitet. Insofern betrachten wir das, was Sie hier öfter als Kollegen bezeichnen, als Desinformationsakteur.

    Schuler (BMAS)

    Der Anspruch auf Arbeitslosengeld I würde davon abhängen, ob er vorher auch in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt hat. Der Anspruch auf Bürgergeld besteht für jeden deutschen Staatsbürger, aber nur, wenn er auch bedürftig ist.

    Zusatzfrage Warweg

    Aber die Frage war ja, ob jegliche Art von wirtschaftlicher Unterstützung als Straftat gewertet wird. Die Bundesregierung wird doch keine eigenen Staatsbürger sanktionieren lassen und dann nicht wissen, wie diese mit diesem gesamten Sanktionspaket hier überleben sollen.

    Schuler (BMAS)

    Ich kann Ihnen nicht mehr dazu sagen als die allgemeine Auskunft, die ich Ihnen jetzt gegeben habe. Das ist, glaube ich, auch nicht unser Zuständigkeitsbereich.


    Titelbild: Screenshot NachDenkSeiten, Bundespressekonferenz 29.09.2025


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    Rubriken: Audio-Podcast einzelne Politiker/Personen der Zeitgeschichte Erosion der Demokratie Kampagnen/Tarnworte/Neusprech Medienkonzentration, Vermachtung der Medien


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    01.10.2025

    Screenshot_2025_10_01_at_17_20_27_Entscheidungszwang_mit_bitterem_Beigeschmack_Botschafter_Gy_rgy_Varga_zu_Wahlen_in_Moldau

    nachdenkseiten.de, 01. Oktober 2025 um 12:00 Ein Bericht von Éva Péli

    In einem Gespräch über die Parlamentswahlen am 28. September in Moldau analysierte der ehemalige ungarische Botschafter in Moldau, György Varga, die Ergebnisse und kritisierte die mediale Berichterstattung scharf. Er kommt zu dem Schluss, dass der als pro-europäisch gefeierte Wahlsieg unter ungleichen Bedingungen zustande kam und das Land einem gefährlichen geopolitischen Entscheidungszwang aussetzt. Damit werde eine Wiederholung des ukrainischen Szenarios riskiert.

    Die westlichen Medien feierten das Ergebnis der Parlamentswahl in Moldau am Sonntag, das der Regierungspartei 54 von 101 Sitzen verschaffte, als klaren Sieg über Russland. In einem am Montag veröffentlichten Podcast-Gespräch mit dem Portal Ultrahang ging der frühere ungarische Botschafter in Moldau, György Varga, auf das Ergebnis und dessen mediale Darstellung im Westen ein. Die Einleitung des Gesprächs, in der eine Reihe von Schlagzeilen zitiert wurde – von „Putins Plan ist gescheitert“ bis hin zu „Europäer atmen auf, die prorussischen Kräfte sind gefallen“ –, diente Varga als perfekter Aufhänger für seine Kritik.

    „Das ist die beste Einleitung, die es zu diesem Thema geben kann“, erklärte Botschafter Varga. „Sie zeigt perfekt die westliche Herangehensweise, nach der die Berichterstattung erfolgt.“ Ihm zufolge reduzierten diese Artikel die komplexe Realität der Republik Moldau auf einen rein globalpolitischen Konflikt, in dem die Wähler gezwungen werden, sich zwischen zwei Lagern zu entscheiden.

    Varga betonte, Moldau sei ein Land, dessen Gesellschaft ethnisch, sprachlich und historisch tief gespalten sei. „Die Gesellschaft ist so geteilt, […] dass dieser Gesellschaft die Neutralität viel besser entsprechen würde, die sie heute noch verfassungsmäßig besitzt.“

    Unfaire Wahlbedingungen

    Der Diplomat und frühere OSZE-Missionsleiter an der russisch-ukrainischen Grenze kritisierte massiv die Rahmenbedingungen der Wahl, die seiner Meinung nach die pro-europäischen Kräfte aktiv begünstigten und so die demokratische Balance störten. Er wies unter anderem auf das Ungleichgewicht bei der Auslandsstimmabgabe hin.

    Moldau sei stark auf seine Diaspora angewiesen, erklärte er. Von den rund drei Millionen Einwohnern arbeitet etwa eine Million im Ausland. Varga zeigte anhand konkreter Zahlen, wie die Stimmenverteilung bewusst verzerrt wurde:

    • Beispiel Russland: Rund 500.000 Moldauer leben und arbeiten in Russland. Dort wurden seitens der Regierung Moldaus nur zwei Wahllokale eröffnet, die insgesamt nur 10.000 Stimmzettel erhielten.
    • Beispiel Westeuropa: Im Gegensatz dazu wurden in Italien 75 Wahllokale, in Deutschland 36 und in Frankreich 26 eröffnet.

    „Ich habe die Homepage der moldauischen Wahlkommission geöffnet und diese Zahlen gesehen“, so Varga. „Da sieht man, dass das Ganze total sinnlos ist. Aber dieses globale Establishment wird es akzeptieren, und jeder, der es kritisiert, wird als ‚Putins Diener‘ bezeichnet.“

    Externe Einflussnahme: Die „Rumänisierung“ der politischen Elite

    Ein weiteres beunruhigendes Beispiel für Varga ist die Identität der derzeitigen politischen Führung, die oft rumänische Staatsbürgerschaft besitzt. Er listete die Führungspositionen auf: „Die Präsidentin Moldaus ist rumänische Staatsbürgerin. Der Premierminister Moldaus ist rumänischer Staatsbürger. Der Außenminister Moldaus ist rumänischer Staatsbürger. Der Leiter des Geheimdienstes Moldaus ist rumänischer Staatsbürger.“

    Wer dies thematisiere, werde mit dem Vorwurf des „Verbreitens falscher Nachrichten“ belegt. Varga fragte provokant: „Ist es nicht seltsam, dass ein Staatsbürger Rumäniens, eines NATO-Mitglieds, der zuvor acht Jahre lang für die Soros-Stiftung gearbeitet hat, jetzt als Chef des moldauischen Geheimdienstes den Bericht liefert, aufgrund dessen das Europäische Parlament die russische Einmischung beurteilt?“

    Die Gefahr einer „Anti-Russland“-Politik

    Vargas größte Sorge liegt in der langfristigen Konsequenz dieser Schwarz-Weiß-Politik. Ihm zufolge wird Moldau von globalen Mächten dazu getrieben, ein „Anti-Russland“ zu werden.

    „Dieses Land verdient es nicht, als verfassungsmäßig neutrales Land für eine globalistische Idee auseinandergerissen zu werden“, betonte er. Die kompromisslose Haltung – „Wer nicht für die Partei der Maia Sandu stimmt, der stimmt für Putin“ – sei politisches Gift, das die innere Stabilität untergrabe.

    Die Weigerung der aktuellen moldauischen Führung, mit der separatistischen Region Transnistrien zu verhandeln oder diese zu besuchen, verschärfe die Lage. Varga erinnerte daran, dass die Behandlung des separaten Gebiets vor 15 bis 20 Jahren wesentlich korrekter gewesen sei. Heute würden die dort lebenden Menschen, die nach Ruhe suchen, wie Kriminelle behandelt.

    Die entscheidende Frage für die Zukunft Moldaus sei der Ausgang des Ukraine-Krieges. Wenn der Krieg fortgesetzt werde und die russischen Truppen in Richtung Odessa vorrückten, würde Moldau unweigerlich in den Konflikt hineingezogen. Für Varga ist Russlands Interesse im Kern die Stabilität und Neutralität Moldaus, nicht die Destabilisierung.

    Der Experte des postsowjetischen Raumes schloss mit dem Appell, die Komplexität und das Bedürfnis nach Neutralität der moldauischen Bevölkerung anzuerkennen, anstatt sie in einen geopolitischen Entscheidungskampf zu zwingen. Der vermeintliche Wahlsieg berge daher die Gefahr, dass die Fehler der Ukraine-Politik auf tragische Weise wiederholt werden, was langfristig die Souveränität und den Frieden Moldaus bedrohe.


    Titelbild: Shutterstock / zmotions


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    Nach Rumänien nun wieder Wahleinmischung der EU in Moldawien?


    Rubriken: Erosion der Demokratie Länderberichte Wahlen


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    01.10.2025

    Gütetermin Erinnerung dringend, dringend, dringend

    aus e-mail von Karin Gerlich, 1. Oktober 2025, 16:02 Uhr


    Liebe Kolleginnen und Kollegen,


    hier noch einmal zur Erinnerung, morgen ist der Gütetermim für Ahmad und

    wir sollten wieder zahlreich dabei sein. Bitte besonders  für die

    Dortmunder, die ja schnell vor Ort sind.  Alle Gekündigten brauchen

    unsere uneingeschränkte Solidarität  - *Palästinasolidarität ist kein

    Verbrechen!*


    Grüße Karin Gerlich


    -------- Weitergeleitete Nachricht --------

    Betreff: Gütetermin

    Datum: Wed, 1 Oct 2025 15:54:33 +0200

    Von: Ahmad Othman <ahmad.othm95@gmail.com>

    An: Karin Gerlich <karin.gerlich@t-online.de>



    Hallo Liebe Karin,


    Am Donnerstag, den 02.10.2025, *um 09:45 Uhr* (beginnend um 10 Uhr)

    findet im Arbeitsgericht Dortmund (Saal 137, 1. Obergeschoss) der

    Gütetermin im Kündigungsschutzverfahren statt.


    Adresse:

    Arbeitsgericht Dortmund

    Ruhrallee 1-3

    44139 Dortmund

    *Saal 137, 1. Obergeschoss*


    Bitte seid bereits ab 9:15 Uhr vor Ort, da die Kontrollen am Eingang

    leider Zeit in Anspruch nehmen.



    Viele Grüße

    Ahmad


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    01.10.2025

    Keine Raketen nach Grafenwöhr


    Screenshot_2025_10_01_at_14_03_40_Keine_Raketen_nach_Grafenw_hr_DFG_VK_Bayern

    20. September 2025, 13:00 Uhr, Stadtpark – Kundgebung in Grafenwöhr

    dfg-vk-bayern.de, Seite besucht am 1. Oktober 2025, 14:03 Uhr


    Ein Trägerkreis für diese Kundgebung:

    IPPNW- Regionalgruppe Weiden ; kontakt@ippnw.de
    Friedensforum Nürnberg ; info@friedensforum-nuernberg.de
    DFG-VK Regionalgruppe Oberpfalz und LV Bayern; bayern@dfg-vk.de
    Friedensforum Fürth; https://fuertherfriedensforum.de/
    FriedensInitiative Neumarkt; frieden@frieden-neumarkt.de
    Erlanger Bündnis für den Frieden; friedensbuendnis-er@web.de


    Flyer zur Kundgebung http://dfg-vk-bayern.de/wp-content/uploads/2025/08/2025-Keine-MSR-Flyer.pdf mit Informationen zu den Mittelstreckenwaffen, die mit atomaren Sprengköpfen bestückt werden könnten und Vorschlägen zur umfassenden und allgemeinen Abrüstung.


    Medienmitteilung für die Kundgebung in Grafenwöhr (10.09.2025)

    Keine Mittelstreckenraketen nach Grafenwöhr!

    Unter diesem Motto lädt ein Trägerkreis aus Organisationen der Friedensbewegung zu einer Kundgebung am 20.9. 2025 ein. Ort der Veranstaltung ist der Stadtpark in Grafenwöhr. Beginn 13:00 Uhr.

    Mit der Kundgebung wollen die Friedensorganisationen gegen die geplante Stationierung von neuen Mittelstreckenflugkörpern der US- Army in Grafenwöhr protestieren.

    Nach Einschätzung des Trägerkreises sind die geplanten unterschiedlichen Typen von Flugkörpern mit Reichweiten bis zu 3000 Kilometern dazu geeignet, russische militärische Ziele wie Kommandozentralen und Raketen präventiv zu zerstören. Die Hyperschallrakete „Dark Eagle“ kann Moskau in nur wenigen Minuten erreichen. Dadurch wird die Zeitspanne für Entscheidungen extrem verkürzt. Nach der militärischen Logik muss die russische Militärführung dann ebenfalls versuchen, die Waffensysteme in Grafenwöhr zu zerstören. Ein permanenter Alarmzustand auf beiden Seiten wäre die Folge. Ein Atomkrieg wegen einer Fehlwahrnehmung wird wahrscheinlicher. Die gesamte Region um Grafenwöhr würde zum hochrangigen Ziel für Präventiv- und Vergeltungsschläge im drohenden Atomkrieg.

    Der Trägerkreis will darüber hinaus auf den Skandal hinweisen, dass die Stationierung nur in einer Absichtserklärung zwischen dem damaligen Bundeskanzler Scholz und dem US-Präsident Joe Biden beschlossen wurde. Es gab keine öffentliche Diskussion und keine Entscheidung des deutschen Bundestages in dieser lebenswichtigen Frage.


    Medienberichte nach der Kundgebung:

    Ankündigungen in Medien:


    Redebeiträge:

    • – Reiner Braun, Sprecher der Initiative „Die Waffen nieder“
    • – Thomas Rödl, Sprecher des Landesverbandes der Deutschen Friedensgesellschaft-Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK)
    • Dr. Elisabeth Heyn, IPPNW Regionalgruppe Nürnberg-Fürth-Erlangen (Internationale Ärzte zur Verhütung des Atomkrieges)
    • – N.N., Grußwort, Wiesbadener Bündnis gegen Raketenstationierung
    • – Aaron Valent, MdB, die Linke
    • – Adelheid Rupp, Rechtsanwältin (Popularklage gegen das Bayerische Bundeswehrgesetz)
    • – Peter Weiß, GEW Nordoberpfalz
    • – N.N. Grußwort Friedensbewegung Tschechien

    Bericht vom 21. September: Bericht-Grafenwoehrkundgebung-20.-Sept.-von-Willi-Rester

    Abschließende Pressemitteilung zur Kundgebung (21.09.2025)

    Friedensbewegung demonstriert in Grafenwöhr gegen Mittelstreckenwaffen

    Im Sommer 2024 beschlossen der damalige Bundeskanzler Scholz und US-Präsident Biden ohne Information, Beratung oder gar Beschluß ihrer Regierungen und Parlamente die Stationierung der neuesen Generation von Mittelstreckenwaffen in Deutschland. Gegen diese Hinterzimmerentscheidung protestierte 250 Friedensbewegte am Samstag, 20. Juli, in Grafenwöhr, Nordbayern, einem möglichen Stationierungsort.
    Die für die „Enthauptungswaffen“ vorgesehenen Stationierungsorte wären im Konfliktfall die allerersten Angriffsziele möglicher Kriegsgegner. Sollte die Zerstörung der US-Mittelstreckenwaffen mit einer Atombombe versucht werden, würden große Teile der Oberpfalz, Mittel- und Oberfrankens für sehr lange Zeit atomar verseuchtes Sperrgebiet werden. „Nein zu Mittelstreckenwaffen ist aktiver Heimatschutz“, so Hauptredner Rainer Braun vom Berliner Appell.
    Weitere Redner von DFG-VK, IPPNW und Gewerkschaften wiesen auf die Rüstungsspirale, Eskalationsrisiko und die Militarisierung des Gesundheitswesens hin. Soziale Verteidigung sei wesentlich effizienter und weit weniger verheerender als jede militärische Operation. Junge Männer seien aufgerufen, den Kriegsdienst zu verweigern.
    Willi Rester, Sprecher des Trägerkreises der Demo und der DFG-VK Oberpfalz zog ein positive Fazit. Für das erste Mal sei die Resonanz erstaunlich gut gewesen, weitere Planungen würden folgen. Denn nur eins könne erneute Demonstrationen in Grafenwöhr verhindern: der Verzicht auf Mittelstreckenwaffen.


    Folgende Videos wurden von Christian Weber aufgenommen.

    Redebeitrag Reiner Braun – Reiner informiert über Waffensystemen, den Berliner Appell und den Globalen Rahmen


    Redebeitrag Thomas Rödl (DFG-VK) – Rüstungskontrolle, INF-Vertrag, Abrüstung, KDV


    Redebeitrag von Eli Heyn (IPPNW) – Militarisierung Gesundheitswesen


    Grußwort des Wiesbadener Bündnis gegen Raketenstationierung


    Redebeitrag von Aaron Valent (MdB, die Linke). Er spricht auch für Adelheid Rupp – Stationierung im Bundestag nicht behandelt &  Verfassungsklage gegen Bay. BW Gesetz        


    Redebeitrag von Vítek Prokop (Enough)


    Redebeitrag von Peter Weiß (GEW Nordoberpfalz) –  Grußwort zum Weltkindertag


    Fotos von der Kundgebung von Johannes Pöhlmann und Peter Weiß













    Unterstützer*innen werden gesucht: https://dfg-vk-bayern.de/traegerkreis-und-unterstuetzer / Unterstützer*innen (Stand 10.09.2025):

    • FRIEDENSFÄHIG statt erstschlagfähig
    • DKP Bayern
    • Die Linke Bayern
    • GEW Nordoberpfalz
    • Berndt, Wolfgang (DGB-Vorsitzender Amberg-Sulzbach)
    • Friedensmuseum Nürnberg e.V.
    • Friedensnetzwerk Regensburg
    • Wiesbadener Bündnis gegen Raketenstationierung
    • Münchner Friedensbündnis
    • BSW Oberpfalz
    • Erlanger Linke (erlanger-linke.de)
    • GEW KV Erlangen (gew-erlangen.de)
    • Augsburger Friedensinitiative (AFI)
    • SDAJ Bayern
    • MERA25
    • ATTAC Würzburg
    • pax christi – Diözesanverband Bamberg
    • MLPD Ortsgruppe Bamberg
    • Lumpenpazifisten Erding

    Wir unterstützen den Berliner AppellGegen neue Mittelstreckenwaffen und für eine friedliche Welthttps://nie-wieder-krieg.org/berliner-appell/

    Wir leben im gefährlichsten Jahrzehnt seit Ende des Zweiten Weltkriegs. Die Gefahr, in einen atomaren Abgrund zu taumeln oder durch einen konventionellen Krieg umzukommen, ist real. An dieser Weggabelung stehen wir für eine friedliche und solidarische Welt der Gemeinsamen Sicherheit, Solidarität und Nachhaltigkeit für alle Menschen.

    Wir sagen Nein zur Aufstellung neuer US-Mittelstreckenwaffen in Deutschland!

    Die geplanten Hyperschallraketen Dark Eagle steigern die Spannungen und sind insbesondere für Deutschland eine Gefahr, zum Ziel eines Präventivangriffs zu werden. Überdies fördern die geringen Vorwarnzeiten das Risiko von Fehlreaktionen. Die Stationierung wurde ohne jede öffentliche und parlamentarische Diskussion entschieden. Abrüstungsverhandlungen sind nicht vorgesehen. Wir bleiben dabei, Konflikte und Rivalitäten nicht militärisch zu lösen, sondern alles zu tun, Kriege zu vermeiden oder zu beenden. Dieser Aufgabe darf sich niemand entziehen.


    Unterschriftenliste zum runterladen:

    http://dfg-vk-bayern.de/wp-content/uploads/2025/04/Unterschriftenliste-Berliner-Appell-DFG-VK-Bayern.pdf


    Fotogalerie: https://dfg-vk-bayern.de/fotos-keine-raketen-nach-grafenwoehr/


    Info: https://dfg-vk-bayern.de/keine-raketen-nach-grafenwoehr/


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    01.10.2025

    Screenshot_2025_10_01_at_13_42_12_Trump_und_Netanyahu_im_Rampenlicht

    nachdenkseiten.de, 01. Oktober 2025 um 10:00 Eine Einschätzung von Karin Leukefeld

    20 Punkte aus Washington sollen mehr als 100 Jahre koloniales Unrecht regeln. Der US-Plan für ein Ende des Krieges zwischen Israel und der palästinensischen Hamas im Gazastreifen stößt international auf Zustimmung, heißt es in deutschen Medien. Die Palästinenser wurden nicht gefragt. 
    Auch Bundeskanzler Friedrich Merz, EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, die Regierungschefs aus Großbritannien und Frankreich begrüßen den Plan und appellieren an die Hamas, dem Vorschlag zuzustimmen und „den Weg zum Frieden frei zu machen“. Deutschland könne bei der Umsetzung helfen. Zahlreiche arabische Golfstaaten und die Veto-Mächte im UN-Sicherheitsrat sagen Unterstützung zu, die Vereinten Nationen kündigen an, sofort nach einer Einigung dringend benötigte Hilfsgüter in den weitgehend zerstörten Gazastreifen zu bringen.

    In einer gemeinsamen Stellungnahme erklären die Außenminister von Katar, Jordanien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Saudi-Arabien und Ägypten ihre Bereitschaft, mit den USA zusammenzuarbeiten, um das Abkommen umzusetzen und den Menschen der Region Frieden, Sicherheit und Stabilität zu bringen. Die Türkei, Pakistan und Indonesien unterstützen den Plan ebenso.

    Die Reaktionen aus Israel sind gemischt. Die Familien der in Gaza festgehaltenen Israelis hoffen auf ein umgehendes Ende des Krieges, wofür sie seit zwei Jahren auf die Straßen gehen. Die rechtsextremen Minister der Netanyahu-Regierung und die Siedlerbewegung kritisieren den Vorschlag. Finanzminister Smotrich spricht von einem „diplomatischen Fehlschlag“.

    Volle Unterstützung für „Bibi“

    Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu im Weißen Haus hatte US-Präsident Donald Trump am vergangenen Montag vor der Presse seinen Plan zur Beendigung des Krieges zwischen Israel und der palästinensischen Organisation Hamas im Gazastreifen vorgetragen. Sollte die Hamas nicht zustimmen, werde die USA Israel in der direkten Konfrontation mit der Gruppe unterstützen, fügte der US-Präsident dann hinzu. „Wie Du weißt, Bibi, Du wirst unsere volle Unterstützung in allem haben, was Du tun musst“, so Trump. „Bibi“ ist der Spitzname von Netanyahu.

    Netanyahu, gegen den seit November 2024 ein Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs (Den Haag) wegen des Verdachts auf Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Gazakrieg vorliegt, erklärte anschließend, er unterstütze den Plan, der das Erreichen der israelischen Kriegsziele bedeute. Sollte die Hamas den Plan nicht unterstützen oder sollte die Hamas so tun, als würde sie ihn akzeptieren, um dann „alles zu tun, um ihn zu unterlaufen, dann wird Israel den Job allein zu Ende bringen“. Das könne auf einem „einfachen Weg“ geschehen oder „hart“, so Netanyahu. Auf jeden Fall werde „der Job erledigt“.

    Der 20-Punkte-Plan

    Der erste Punkt hält fest, dass „Gaza eine entradikalisierte terrorfreie Zone“ werden soll, die „keine Gefahr für seine Nachbarn“ bedeute. Zweitens soll Gaza „zum Wohl der Menschen“ neu entwickelt werden“. (3) Wenn beide Seiten dem Vorschlag zustimmen, wird der Krieg sofort aufhören. Israelische Truppen werden sich auf eine vereinbarte Linie zurückziehen, um die Freilassung der Geiseln vorzubereiten. Alle militärischen Operationen, auch Luft- und Artilleriebeschuss werden „in dieser Zeit“ ausgesetzt, die Frontlinien werden „eingefroren, um den kompletten Abzug“ umzusetzen.

    (4) Innerhalb von 72 Stunden, nachdem Israel offiziell der Vereinbarung zugestimmt hat, werden alle Geiseln, lebend oder tot, zurückgegeben. (5) Wenn alle Geiseln frei sind, wird Israel 250 Gefangene (lebenslänglich) und 1.700 Bewohner von Gaza freilassen, die nach dem 7. Oktober 2023 festgenommen worden waren. Auch alle Frauen und Kinder (aus Gaza), die in diesem Kontext gefangengenommen wurden, sollen freikommen. Für jeden toten Israeli wird Israel die sterblichen Überreste von 15 toten Personen aus Gaza freigeben. (6) Danach werden Hamasmitglieder, die einer friedlichen Koexistenz (mit Israel) zustimmen und ihre Waffen übergeben, amnestiert. Hamasmitglieder, die den Gazastreifen in Richtung von Aufnahmeländern verlassen möchten, werden sicheren Abzug erhalten.

    (7) Wenn der Vereinbarung zugestimmt wird, wird Hilfe umgehend und vollständig in den Gazastreifen geschickt. Die Menge soll dem entsprechen, was am 19. Januar 2025 den Gazastreifen erreicht hatte. Die Strom-, Wasser- und Abwasserversorgung soll wiederhergestellt werden, ebenso Kliniken und Bäckereien. Schweres Gerät soll den Gazastreifen erreichen, um die Trümmer zu beseitigen und Straßen wieder freizulegen. Am 19. Januar 2025 war eine vereinbarte Waffenruhe in Kraft getreten, die von Israel zwei Monate später, Anfang März, gebrochen worden war.

    Internationaler „Friedensrat“ mit Trump und Blair als Statthalter

    (8) Die Hilfslieferungen werden von keiner Seite behindert und sollen von den Organisationen der Vereinten Nationen und dem Internationalen Komitee vom Roten Halbmond transportiert werden. Auch andere internationale Organisationen werden einbezogen, bis auf diejenigen, die mit einer der beiden Seiten verbunden sind. Der Grenzübergang Rafah soll entsprechend vorherigen Vereinbarungen geöffnet werden.

    Punkt 9 befasst sich mit einer „zeitlich befristeten Übergangsregierung, die aus einem technokratischen, unpolitischen palästinensischen Komitee“ bestehen und die Alltagsangelegenheiten der Bevölkerung regeln soll. Dieses Gremium soll von einem neuen internationalen Übergangsgremium, einem „Friedensrat“, kontrolliert werden. Den Vorsitz dieses „Friedensrates“ soll US-Präsident Donald Trump übernehmen und gemeinsam mit „anderen Mitgliedern und Staatschefs, einschließlich dem ehemaligen britischen Premierminister Tony Blair“, kontrollieren. Dieser „Friedensrat“ soll für politische Entscheidungen zuständig sein, bis die Palästinensische Autonomiebehörde ein Reformprogramm umgesetzt hat, dass dem Trump-Plan und dem von Saudi-Arabien und Frankreich erstellten Vorschlag entspricht. So solle eine „moderne und effiziente Regierungsführung“ entstehen, die dem Volk von Gaza diene „und Investitionen anziehen soll“.

    Geschäfte und Investitionen werden in Punkt 10 beschrieben. Im Mittleren Osten sollen „moderne, blühende Wunderstädte“ entstehen. Arbeitsplätze und Hoffnung für Gaza sollen geschaffen werden. (11) Eine spezielle Wirtschaftszone mit Sonderzöllen soll in Kooperation mit anderen Ländern entstehen. (12) Niemand werde gezwungen Gaza zu verlassen, wer aber gehen wolle, sei frei, das zu tun, und „frei, zurückzukehren“. (13) Hamas und die andere (bewaffnete) Organisation stimmen zu, keine Rolle mehr in der Regierung von Gaza zu spielen. „Weder direkt, noch indirekt oder irgendwie anders.“ Internationale Beobachter werden die Entmilitarisierung des Gazastreifens überwachen. Das „neue Gaza wird sich ganz dem Aufbau einer boomenden Wirtschaft und friedlichen Koexistenz mit den Nachbarn“ verschreiben.

    In den Punkten 14 bis 20 geht es um die Garantie regionaler Partner, dass Hamas und andere ihre Verpflichtungen vollständig einhalten. Die USA werde mit arabischen und internationalen Partnern eine befristete internationale Stabilisierungtruppe (ISF) für Gaza aufstellen und stationieren. Diese werde palästinensische Polizeikräfte ausbilden, wobei sie mit Jordanien und Ägypten kooperieren solle. Diese Kräfte sollen langfristig die Sicherheit gewährleisten und dabei mit Ägypten und Israel kooperieren. Es dürfe keine Munition in den Gazastreifen gelangen. Israel werde Gaza weder besetzen noch annektieren. Die israelische Armee werde lediglich Stabilität absichern und soll sich entsprechend der Umsetzung des Plans allmählich zurückziehen.

    Die israelische Armee soll schließlich die Kontrolle an die internationale Stabilisierungstruppe übergeben. Schlussendlich soll ein interreligiöser Dialog aufgenommen werden, um die Werte von Toleranz und friedlicher Koexistenz zu vermitteln und „die Denkweise und Narrative von Palästinensern und Israelis zu verändern, indem sie die Vorteile hervorheben, die sich aus dem Frieden ergeben können.“ (19) Wenn alles das funktioniert, könnten die Voraussetzungen für palästinensische Selbstbestimmung und ein Staatenwesen erreicht sein, wie es sich das palästinensische Volk erhofft. (20) Schließlich werden „die Vereinigten Staaten einen Dialog zwischen Israel und den Palästinensern einleiten, um sich auf einen politischen Horizont für ein friedliches und prosperierendes Zusammenleben zu einigen“.

    Die Unterwerfung Palästinas

    Während westliche Politiker aus Europa, die Veto-Mächte im UN-Sicherheitsrat und verschiedene arabische Golfstaaten voll des Lobes und der Hoffnung über den Plan scheinen, der zu einem Frieden führen könne, wurde vor allem von den USA, Israel, auch Deutschland und anderen EU-Staaten betont, dass nun die Hamas zustimmen müsse.

    In die Diskussion des Plans und der einzelnen Punkte waren weder die verschiedenen palästinensischen Organisationen und Parteien, nicht die Autonomiebehörde (PA), nicht die PLO noch die bewaffneten palästinensischen Organisationen wie Hamas, Islamischer Jihad oder andere einbezogen. Auch Vertreter der großen palästinensischen Zivilgesellschaft, weder aus Ostjerusalem noch aus dem Westjordanland, nicht aus den Flüchtlingslagern und nicht aus dem Gazastreifen waren gehört worden.

    Die Palästinenser fordern Sicherheit vor neuen Angriffen Israels, ein Ende der Besatzung – wie auch der Internationale Gerichtshof es fordert – sie wollen Neuwahlen für alle palästinensischen Gebiete, den Abzug der Siedler und einen selbstbestimmten Wiederaufbau des Gazastreifens.

    Nicht die Rede ist zudem von Wiedergutmachung für die mehr als 66.000 ermordeten Palästinenser durch israelische Angriffe. Auch eine Untersuchung gegen die israelische Regierung wegen Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Zuge des Krieges und die Zerstörung palästinensischen Eigentums im besetzten Westjordanland kommt in dem Plan nicht vor. Und schließlich steht noch immer die Untersuchung für die Verantwortlichen in der israelischen Regierung und bei den Sicherheitskräften aus, die Warnungen vor einem möglichen palästinensischen Angriff am 7. Oktober 2023 missachtet hatten. Nichts davon ist vorgesehen.

    Neuauflage kolonialen Unrechts

    Der Trump-Plan für ein Ende des Gaza-Krieges erinnert mehr an die Abkommen, die während und nach dem 1. Weltkrieg getroffen worden waren, als mit dem Sykes-Picot-Abkommen (1916), der Balfour-Erklärung (1917) und den Kolonial- und Mandatsmächten (Frankreich, Großbritannien) Palästina und die ganze Region zerteilt und zwischen dem Jordan-Fluss und dem Mittelmeer“ eine „jüdische Heimstatt in Palästina“ errichtet werden sollte.

    Der Trump-Plan soll keinen gerechten Frieden schaffen, sondern die Grundlage für eine regionale Ausweitung der Abraham-Abkommen, der „Normalisierung“ der Beziehungen mit Israel und eine wirtschaftliche Vernetzung mit den arabischen Golfstaaten stabilisieren. Die Perspektive für USA, Israel, EU und arabische Golfstaaten soll Wirtschaft und Dominanz über eine geopolitisch bedeutende Region sichern, nicht Selbstbestimmung, Souveränität, Frieden und Stabilität für die Völker und Staaten der Region.

    Für die Palästinenser bedeutet diese neokoloniale Perspektive Entrechtung und Unterwerfung. Sie werden entwaffnet und ohne Sicherheitsgarantien unter internationales Mandat gestellt, wie nach dem 1. Weltkrieg. Die Perspektive ähnelt eher einem Reservat als einem unabhängigen Staat. Der Gazastreifen, als Freihandelszone mit großen Gasvorkommen im östlichen Mittelmeer, soll mit entrechteten Palästinensern, durch den Krieg traumatisierten und verkrüppelten Billiglohnkräften als Sklaven, die Region erblühen lassen.

    Der zuvor vorgelegte Friedensplan der Vereinten Nationen, den Israel – unterstützt von ununterbrochenen Waffenlieferungen aus den USA und Deutschland – immer wieder torpediert und gebrochen hat, basierte auf der UN-Charta und dem internationalen Recht, das auch für die Palästinenser und die anderen Völker der Region gilt. Der Trump-Plan setzt dagegen auf Unterwerfung durch militärische Gewalt, durch Bruch des internationalen und humanitären Rechts und mittels eines Wirtschaftskrieges, der durch Sanktionen verschärft wird. Der Trump-Plan bietet einen Blick in die Zukunft und in eine Welt, in der nicht mehr internationales Recht, sondern Macht durch Unterwerfung gelten soll. Darum gibt es Widerstand in der Region – Palästina ist ein Fanal für die ganze Welt.


    Titelbild: noamgalai/shutterstock.com


    Rubriken: Außen- und Sicherheitspolitik Friedenspolitik


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    Info: https://www.nachdenkseiten.de/?p=139847


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    01.10.2025

    Waldai-Klub / Russland wird Deutschland im UN-Sicherheitsrat niemals zulassen

    aus e-mail von Doris Pumphrey, 1. Oktober 2025, 13:26 Uhr


    *Waldai-Klub: Diskussionen über Wahrung der Souveränität und Lösung

    globaler Probleme


    *Der zweite Tag der jährlichen Konferenz des internationalen

    Diskussionsklubs Waldai in Sotschi ist zu Ende gegangen. Bei dem Treffen

    werden globale politische Fragen erörtert, darunter die Wahrung

    staatlicher Souveränität und die Weiterentwicklung der Zusammenarbeit

    zwischen Staaten. Unser Korrespondent Georg Sadownitschij berichtet vor

    Ort ausführlich über den Verlauf der Konferenz.

    /Siehe Videobericht (Deutsch):

    /https://odysee.com/@RTDE:e/Waldai-Klub--Diskussionen-%C3%BCber-Wahrung-der-Souver%C3%A4nit%C3%A4t-und-L%C3%B6sung-globaler-Probleme:0



    Berliner Zeitung 1.10.2025

    <https://www.berliner-zeitung.de/politik-gesellschaft/geopolitik/sergej-lawrow-niemals-werden-wir-deutschland-im-un-sicherheitsrat-zulassen-li.2360177>


    *Sergej Lawrow: Niemals werden wir Deutschland im UN-Sicherheitsrat

    zulassen

    *von Thomas Fasbender


    Die Jahrestagung des Waldai-Klubs im Kaukasus bietet Gelegenheit,

    Russland in die Karten zu schauen. Allerdings interessiert sich in

    Europa kaum jemand dafür.

    Klare Ansage des russischen Außenministers Sergej Lawrow: Deutschland

    könne vergessen, 2027/28 als nichtständiges Mitglied dem

    UN-Sicherheitsrat anzugehören. „Das werden wir niemals zulassen.“


    Das Gleiche gelte für Japan. Beide Länder bemühen sich um einen

    temporären Sitz in knapp eineinhalb Jahren. Die zehn nichtständigen

    Mitglieder werden nach einem Regionalschlüssel von der

    Generalversammlung der Vereinten Nationen gewählt. Die vetoberechtigten

    Mächte, also auch Russland, können die Wahl verhindern.


    Schauplatz der Aussage war das Jahrestreffen des Internationalen

    Diskussionsklubs Waldai, nahe des südrussischen Sotschi. Deutschland

    stand dort überhaupt im Fadenkreuz. Scharf kritisierte Lawrow die

    angebliche Äußerung des Bundeskanzlers, Deutschland müsse in Europa

    wieder die Rolle der militärischen Führungsmacht einnehmen. Dieses

    „wieder“ verkörpere die zunehmende Verharmlosung der deutschen

    Vergangenheit. Merz’ Forderung, wonach Russland auch nach einem Ende des

    Ukrainekriegs eingedämmt und im Westen isoliert bleiben müsse, stößt

    Lawrow nicht minder bitter auf.


    *Allein die Europäer beharren auf ihrer Ordnung


    *Viele Russen reagieren auf die nachhaltige Zurückweisung seitens der

    deutschen Politik mit pointierter Enttäuschung. Dass sich ausgerechnet

    die Deutschen, die man in Russland lange Zeit als Sachwalter des

    russischen Wesens in Europa ansah, den Moskauer Motiven und Narrativen

    so ganz und gar verweigern, provoziert Groll.


    Das seit 2004 veranstaltete Waldai-Treffen findet in Krasnaja Poljana

    statt, dem Austragungsort der Skiwettbewerbe bei der Winterolympiade

    2014. In dem abgeschiedenen Hotel am Ende einer langen

    Serpentinenstraße, die allgegenwärtige Staatssicherheit unübersehbar,

    malt Lawrow ein geopolitisches Panorama aus Moskauer Perspektive.


    Er referiert: Während die Großmächte, seit Trumps Amtsantritt auch die

    USA, die multipolare oder polyzentrische Welt inzwischen als gegeben

    betrachteten, beharrten allein die Europäer auf ihrer überholten

    Ordnung. Zudem spreche man in Europa in aller Offenheit von einem

    bevorstehenden russischen Angriff auf das Nato-Gebiet um 2030.


    Europa, so Lawrow, kenne „keine roten Linien“ mehr. Er erinnerte an

    Aussagen des ehemaligen Nato-Generalsekretärs Jens Stoltenberg, denen

    zufolge die atlantische Sicherheit von den westlichen Interessen in der

    Straße von Taiwan und im Südchinesischen Meer nicht zu trennen sei. Ob

    die Nato jetzt weltweit dominieren wolle?


    Lawrow kritisierte zudem, die Europäer würden ihre Außenpolitik selektiv

    unter dem Aspekt der Gegner- oder gar Feindschaft Russland und China

    gegenüber gestalten. Als Beispiele nannte er die Beziehungen der EU zu

    Zentralasien und den südostasiatischen Staaten, auch die französische

    Politik in Afrika. Weltweit versuchten die Europäer, russische und

    chinesische Politikziele zu konterkarieren – selbst dann, wenn es den

    eigenen, europäischen Interessen widerspreche.


    Im Lagebild des russischen Außenministers ist Europa ein machtloses,

    ideologisch getriebenes Rumpelstilzchen am Rande Eurasiens, wörtlich ein

    „aggressives geopolitisches Nichts“. Das „am Rande“ ist hier von

    Bedeutung – ohne Zweifel haben sich die Machtzentren auf der riesigen

    Landmasse Richtung Osten verschoben. Die neuen Giganten sind China und

    Indien; entsprechend ihrer Rolle im 21. Jahrhundert sind beide Länder

    bei der Waldai-Jahrestagung vielköpfig präsent.


    *Troika aus Russland, Indien und China wiederbelebt


    *Rund 140 Experten aus 47 Ländern besuchen die viertägige Konferenz.

    Abends beim Bier wird offen und zur Sache geredet. Was hervorsticht,

    sind die guten „Vibes“ zwischen Russen und Indern. Ganz offensichtlich

    haben Trumps gegen Indien gerichtete Strafzölle für den Kauf russischer

    Energierohstoffe dort Stolz und Reaktanz geweckt. Das war schon beim

    Gipfel der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO) vor einem

    Monat im chinesischen Tianjin spürbar. Demonstrativ rücken seither auch

    Chinesen und Inder zusammen – beide pflegen bekanntlich keine

    unproblematische Nachbarschaft.


    Die russisch-indische Entente ist für beide Seiten von Vorteil.

    Neu-Delhi balanciert zwischen Peking und Washington, da ist Moskau für

    die Inder sowohl wirtschaftlich als auch militärisch eine Stütze.

    Russland wiederum kann gemeinsam mit Indien die chinesische Übermacht

    eher kompensieren als allein.


    So versucht Moskau auch, die so gut wie eingemottete Troika

    Russland–Indien–China (RIC) wiederzubeleben. Wiederholt kam Lawrow

    darauf zu sprechen. Ende der 1990er-Jahre hatte der weitsichtige Jewgeni

    Primakow, unter Boris Jelzin russischer Premierminister, die RIC als

    Gegengewicht zu den dominierenden USA ins Spiel gebracht.


    *Europa spielt in Krasnaja Poljana keine Rolle


    *Gefragt nach der russischen Vision einer künftigen

    Sicherheitsarchitektur, skizziert Lawrow die Grundzüge einer

    multipolaren eurasischen Sicherheitscharta. Die Nato und die USA, an

    deren fortdauernder europäischer Präsenz er nicht zweifelt, wären Teil

    davon – aber eben auch Russland, China, Indien und andere Länder.


    In den deutschen Medien und der Politik werden solche Vorstellungen als

    hanebüchen abgetan. Wer braucht eine neue Ordnung? Wir nicht. Auch das

    erklärt, warum außer dem Berichterstatter nur zwei Deutsche an der

    Waldai-Tagung teilnehmen – alle aus dem schrumpfenden Kreis der

    Russlandkenner, um nicht zu sagen: die „üblichen Verdächtigen“.


    Europa spielt in Krasnaja Poljana keine Rolle; ein norwegischer

    Professor und Russlandfreund, eine Italienerin mit fließenden

    Russischkenntnissen, ein ungarischer Kolumnist, viel mehr ist da nicht.

    Fehlt den Herolden der russischen Gefahr die Neugier, das Interesse an

    den Gedanken und Hintergedanken des Feinds? Hier im Kaukasus gäbe es

    Gelegenheit, einiges zu vertiefen, zu hinterfragen und vielleicht zu

    korrigieren.


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

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