10.06.2023

Auszug aus «Gestalten um Alfred Adler - Pioniere der Individualpsychologie»  (I von II)

Warum uns die Arbeit dieser Pioniere etwas angeht, zeigt der folgende Beitrag.

30. Mai 2023

Buch Titel Gestalten um A.Adler

 










































Geschätzte Leserin, geschätzter Leser, liebe Freunde, mit der Individualpsychologie ist es Alfred Adler vor 100 Jahren gelungen, einen wesentlichen Grundstein zur jungen Wissenschaft der Psyche des Menschen zu legen. Viele Forscher haben inzwischen mit diesen Erkenntnissen weitergearbeitet, so auch unser Lehrer Friedrich Liebling, der nach dem Zweiten Weltkrieg in Zürich die «Psychologische Lehr- und Beratungsstelle» aufgebaut hat. Liebling sah vor allem die pädagogisch-psychologische Aufklärung der Eltern und Lehrer als vordringlich, was er im Geleitwort zu «Grosse Pädagogen» prägnant zum Ausdruck gebracht hat.


Der bekannte Schüler Lieblings, Dr. Josef Rattner, hat im vorliegenden Buch einen informativen Beitrag zur grossen psychologischen Aufklärungsarbeit von Friedrich Liebling verfasst, den wir Ihnen hier gerne zur Kenntnis bringen.


Wir sind überzeugt, dass mit den psychologischen Erkenntnissen Alfred Adlers und Friedrich Lieblings - und aller anderen Pioniere - ein wissenschaftlicher Schatz zur Verfügung steht, der von der Menschheit nur noch nicht wirklich stringent erkannt worden ist. Sowohl mit seniora.org, wie auch mit unserer Beratungsstelle für Lebensfragen und unserer seit einiger Zeit im Entstehen begriffenen kulturgeschichtlichen Aufklärungs-Seite copernicus.seniora.org bemühen wir uns, diesen Schatz zum Wohle aller zu heben. Sie, liebe Freunde, sind gerne zum Mitdenken und zur Mitarbeit an unseren Aufklärungsbemühungen eingeladen. Herzlich, Margot und Willy Wahl




Friedrich Liebling und die Grossgruppentherapie Josef Rattner

Friedrich Liebling ist einer der Schöpfer der individualpsychologischen Grossgruppentherapie, oder genauer gesagt: Mit ihm zusammen habe ich im Zeitraum von 1952 bis 1967 diese neue Form der Therapie aus der Wiege gehoben. Er war nicht nur ein grosser Seelenarzt, sondern auch ein sehr beeindruckender und geistvoller Mensch. Dieser Mann war für mich Vorbild und Wegweiser, Muster und Ideal.


Es scheint heute nicht mehr modern zu sein, Vorbilder zu haben. Die jungen Leute lehnen das ab und meinen, sie könnten schon sehr früh aus eigener Hand leben. Das ist wohl ein Irrtum. Vorbilder sind unentbehrlich, um den Weg zu sich selbst zu finden. Der Philosoph Ludwig Marcuse sagt in seinem Buch «Argumente & Rezepte» (Zürich 1973, S. 54) unter dem Stichwort «Heldenverehrung» mit Recht:


«Ich glaube an die Macht des Vorbildes, des ganz individuellen und sehr sterblichen Ideals; an den beispielgebenden Einzelnen, den man in früheren Zeiten einen Helden nannte. Ich glaube, dass man in unseren Zeiten sich der Pflicht, musterhaft zu sein, entzieht mit der Ausrede, es gilt den Führern zu entgehen und die Institutionen zu verbessern. Man soll das nur tun; doch werden sie niemand zur Selbständigkeit erziehen: Zum Mut zu denken, was man denkt, zu fühlen, was man fühlt, zu wollen, was man will. Der beste Weg zum Selbst ist die Faszination durch ein anderes Selbst   – die lebende Illustration, wie einer sich traut, er selbst zu sein.»

Auf den folgenden Seiten zeichne ich ein Porträt von Friedrich Liebling, da ihn wohl kaum jemand so gut und so genau kannte wie ich. Dies ist ein Nachruf und ein Dokument der Dankbarkeit, ein Teil des nahezu unendlichen Dialogs, den ich mit ihm geführt habe.


Biographisches

Friedrich Liebling wurde am 25. Oktober 1893 im galizischen Dorf Augustowka (Ukraine) geboren. Sein Vater war Gutsverwalter irgendwo an der Peripherie des altösterreichischen Kaiserreiches. Friedrich war das Älteste von fünf Geschwistern. 1912 legte er die Reifeprüfung ab und ging als junger Mann nach Wien, um dort Medizin zu studieren.


Dann kam aber der Erste Weltkrieg; von der Woge der patriotischen Begeisterung mitgerissen, meldete sich Friedrich als Freiwilliger zum Kriegsdienst, den er vier Jahre lang absolvierte. Er stand vor allem im Einsatz an der russisch-polnischen Front. Die Kriegszeit beeinflusste zutiefst sein Denken und seine Weltanschauung. Er ging aus dem grossen Massenmorden als entschiedener Pazifist hervor und gelobte sich, sein ganzes Dasein der Kriegsverhütung und Friedenssicherung zu widmen.

Nach 1919 traf der junge Mann, der sich in Kreisen der Sozialisten und Humanisten Wiens bewegte, auf Alfred Adler, der für ihn zum Leitstern seiner inneren und äusseren Entwicklung wurde. Friedrich Liebling verehrte Adler als Forscher und Lehrer der Lebenskunst; immer wieder kam er im Gespräch auf seine Begegnungen mit diesem Pionier der Tiefenpsychologie zurück, der seinem Leben Ziel und Richtung gewiesen hat.


Friedrich Liebling widmete sich vor allem der Jugendarbeit. Die Betreuung von jungen Menschen nahm einen Grossteil seiner Zeit in Anspruch; er war aber als Psychologe auch zum Teil Berater grosser Firmen, die er in der Personalführung beriet.


Als 1934 in Österreich der sogenannte Austrofaschismus die Macht an sich riss (es war dies eine Spielart des Faschismus , aber mit deutlich katholischer Ausrichtung), kam eine harte Zeit für Friedrich Liebling und seine Familie. Nur durch Zufall entging er den scharfen Repressalien, mit denen die Dollfuss-Regierung alle freiheitlichen Menschen verfolgte. Auch Alfred Adler spürte diese Einschränkungen seiner Tätigkeit; ab 1930 verlagerte er den Schwerpunkt seiner Tätigkeit in die USA.


Noch schlimmer wurde es für Friedrich Liebling, als Hitler seinen Eroberungs- und Annexionszug begann und seine alte Heimat Österreich kassierte. Das war im März 1938; damals marschierten die deutschen Truppen ins Donauland ein, frenetisch bejubelt von den reaktionären Volksmassen, die sich vom Grossdeutschen Reich eine goldene Zukunft versprachen. Es sollte allerdings anders kommen.


Friedrich Liebling verliess Österreich bald nach dem deutschen Einmarsch und fand in der Schweiz Zuflucht. Als Homo politicus sah er voraus, dass der Nationalsozialismus nach und nach jede Form von Humanität abstreifen und sein barbarisch-kriminelles Antlitz zeigen würde. Sozialisten und Humanisten endeten bekanntlich in Hitlers Konzentrationslagern, wo sie einer primitiven Söldner­ und Mörderschar ausgeliefert wurden.


Die Jahre im schweizerischen Exil nützte Friedrich Liebling zu weit ausholenden Studien in allen Bereichen der Humanwissenschaften. Er war ein grosser und vielseitiger Leser. Tag für Tag setzte er sich in die Stadtbibliothek in Schaffhausen (dem Städtchen, in dem er sich niedergelassen hatte) und studierte die Klassiker der Psychologie, der Philosophie, der Soziologie und der Politik. Die Behörden der Schweiz erlaubten den Flüchtlingen keine Berufsausübung. Das war hart für einen stets tätigen und energischen Menschen wie Friedrich Liebling; aber er schickte sich in diese Bedingungen, die er nicht ändern konnte.


Schon in seiner Schaffhauser Zeit lernte ich Friedrich Liebling kennen und profitierte von seinem reichen Wissen und Können. Später absolvierte ich bei ihm eine Charakter- und Lehranalyse. Diese war ungemein tiefgründig, sodass ich noch heute von den Erfahrungen und Erkenntnissen dieser Zusammenarbeit zehre.


1952 war ich frisch gebackener Doktor der Philosophie und Psychologie. Mit Friedrich Liebling zusammen eröffnete ich in Zürich etwas später die «Psychologische Lehr- und Beratungsstelle», in der wir fast fünfzehn Jahre zusammenarbeiteten. Wir standen auf dem Boden der Individualpsychologie Alfred Adlers, die wir umsichtig weiterentwickelten. Vor allem begründeten wir damals die sogenannte Grossgruppentherapie, die ein Novum in der Psychotherapie darstellte.


Wie wir porträtieren wollen

Ein Porträt liefert bekanntlich nicht nur ein Bild der gemalten oder geschilderten Person, sondern auch des Malers oder Schreibers, der porträtiert hat. Wir sind uns deshalb bewusst, dass wir im Folgenden nicht nur Friedrich Liebling, sondern auch uns selbst   – zumindest teilweise   – darstellen.


Wir setzen unseren Ausgangspunkt bei einer ganz fragmentarischen Charakterisierung der Idee der Grossgruppentherapie, die zu den eigenständigsten Leistungen von Friedrich Liebling gehört. Nur mit wenigen Worten deuten wir an, was er mit dieser Therapieform wollte, aber auch, welche Gefahren in diesem Modell stecken. Das Thema ist natürlich viel komplizierter, als man in wenigen Druckseiten sagen kann. Aber es ist hier nicht der Ort, darüber zu reflektieren; meine Meinung über die Grossgruppentherapie und ihre Probleme habe ich ausführlich erörtert in meinem Buch «Gruppentherapie   – die Psychotherapie der Zukunft» (Bergisch Gladbach 1972). .

Ich werde in der Folge fast impressionistisch vorgehen, indem ich Eigenschaften und Merkmale von Friedrich Liebling nebeneinanderstelle, ohne auf einen stringenten Zusammenhang zu achten. Ich lasse mich sozusagen von meinen Erinnerungen führen und leiten; was mir dabei in den Sinn kommt, erläutere ich und ergänze diese Erläuterungen durch meine Kommentare.


Es liegt mir am Herzen, die geistige Gestalt von Friedrich Liebling sichtbar zu machen. Dieser Mentor meiner Jugend und Reifezeit war äusserlich ein schlichter, vielleicht sogar unscheinbarer Mann; wer ihn aber genauer kennenlernte, war immer bewegt vom menschlichen Format, das er repräsentierte. Ich las einmal bei Max Stirner, dem Philosophen des Individualismus (den Friedrich Liebling genauso schätzte wie ich selbst), die Worte: «An grossen wie an befreundeten Menschen interessiert uns alles, selbst das Unbedeutendste, und wer uns von ihnen Kunde bringt, erfreut uns sicherlich.»


Nun: Gerade das will ich mit diesem Aufsatz leisten. Wer Friedrich Liebling gekannt, geschätzt oder geliebt hat, wird mir Dank dafür wissen, dass ich die Persönlichkeit des Verstorbenen zu evozieren versuche.


Grossgruppentherapie

Auf den Anregungen von S. R. Slavson, J. Moreno und vielen anderen aufbauend, haben Friedrich Liebling und ich als vermutlich Erste im deutschsprachigen Raum 1955 die Grossgruppentherapie eingeführt. Es gab etwa gleichzeitig solche Versuche in der angelsächsischen Welt; aber sie waren nur von kurzer Dauer und haben sich nicht bewährt. Unser Versuch in Zürich jedoch konnte sich gut halten und hat sich hervorragend entwickelt.


Die Idee der Grossgruppentherapie ist eigentlich den Vätern der Tiefenpsychologie zu verdanken. Meiner Meinung nach haben Freud, Adler und Jung bereits Grossgruppen geschaffen. Denn die erste Schülergeneration von Freud war selbst in keiner Weise analysiert; gleichwohl wurde sie mit Therapieaufgaben betraut. Wer Probleme irgendwelcher Art hatte, machte einen Spaziergang mit Meister Freud; das genügte angeblich. Charakter- und Lehranalysen für Psychoanalytiker kamen erst um 1910 (durch Anregung von C. G. Jung) auf.


In dieser Situation schuf Freud 1902 die Mittwoch-Gesellschaft und später die Psychoanalytiker-Vereinigung. Diese war unseres Erachtens eine Grossgruppe. Die Analytiker kamen oft zusammen, diskutierten ihre Fälle, trugen theoretische Arbeiten vor und bildeten eine Forschergemeinschaft: Diese hatte offensichtlich therapeutische Qualitäten. Und wer damals Analytiker war, hatte wahrlich eine solche Unterstützung bitter nötig; man befand sich in einer feindseligen Umwelt, setzte sich mit seelisch Kranken auseinander und wurde dabei unweigerlich mit den eigenen Schwächen und Gebrechen konfrontiert.


Auch Adler und Jung schufen ihre Therapeuten- und Anhängergruppen. Bei Adler kam etwas Neues hinzu: In seinem unerschütterlichen Demokratismus hob er die Schranke zwischen Therapeuten und Analysanden auf, indem er die These vertrat, seine Individualpsychologie sei eine Lebensanschauung für jeden vernünftigen und gut gesinnten Menschen. Im Adler-Kreis verkehrten bald Fachleute und Patienten bunt gemischt miteinander. Man diskutierte oft so, dass jeder denkende Teilnehmer davon profitieren konnte.


Mit diesen Vorbildern vor Augen wurde von uns in Zürich Grossgruppentherapie betrieben. Wir hatten zahlreiche Patienten, die von uns einzeltherapeutisch behandelt wurden. Unser geistiges Fundament war die Individualpsychologie Alfred Adlers. Diese hat einen lehrhaften Aspekt; sie will den Patienten nicht nur um sich selbst kreisen lassen, sondern regelrecht in Menschenkenntnis und Weltkenntnis schulen.


Alfred Adler war immer der Meinung, nur die Entfaltung von Sozialinteresse oder Gemeinschaftsgefühl könne dazu verhelfen, eine Neurose oder eine andere Art von Seelenpathologie zu überwachsen. Also sollte der Analysand auch geeignetes Wissen erwerben; am besten eben das psychohygienische Erkenntnismaterial, das in der Tiefenpsychologie vorliegt. Das war nicht nur Alfred Adlers Marotte; auch Siegmund Freud empfahl, der Analytiker solle «Erzieher, Lehrer, Vorbild, Aufklärer und Künder einer freien Weltanschauung» sein: Eine Empfehlung, die sicher heute von vielen orthodoxen Psychoanalytikern vergessen wird!


Wie sollten wir nun unsere Patienten schulen? Friedrich Liebling und ich führten Kurse ein, die auf möglichst breiter Basis tiefenpsychologische Lehren erörterten. Oft war ich selbst dabei der Referent; nicht selten aber trugen Patienten Probleme vor, die in der Gemeinschaft bearbeitet wurden. Diese Schulungsabende erfreuten sich einer ausserordentlichen Beliebtheit. Es kamen immer mehr Interessenten dazu, was dazu führte, dass immer grössere Räumlichkeiten gesucht werden mussten.


Wir hatten die Genugtuung zu sehen, dass auf Grund unserer behutsamen Führungskunst in allen diesen Zusammenkünften die gefürchteten Massenreaktionen ausblieben. Teilnehmer lernten bald, einander ausreden zu lassen, ohne dazwischenzureden; Aggressionen kamen selten vor; man hörte einander an, trug Gegensätze klug und vernünftig aus und lernte gemeinsam die hohe Kunst des Einander-Verstehens.


Ich selber habe in leitender Funktion der «Zürcher Grossgruppe» bis 1967 angehört. Ich kann daher nur bis zu diesem Zeitpunkt beurteilen, wie das ganze Therapie- und Schulungsgeschehen verlief. Was nachher kam, habe ich nicht mehr verfolgt, da ich nach Berlin ging, um meine eigene Praxis und mein «Institut für Tiefenpsychologie, Gruppendynamik und Gruppentherapie» aufzubauen.


Nutzen und Nachteil der Grossgruppentherapie

Ich arbeite seit etwa 35 Jahren ziemlich erfolgreich mit Grossgruppen, sodass ich wahrscheinlich abschätzen kann, welche Chancen und Gefahren diese neuartige Therapiemethode bietet. Ich bin heute noch der Auffassung, dass sie eine sehr wertvolle Innovation darstellt. Aber ich weiss auch, dass grosse Gruppen sehr stark von der Qualifikation ihres Leiters abhängen und dass sie in die Nähe von Massenorganisationen geraten können.


Man hat der Grossgruppentherapie vorgeworfen, dass sie die Patienten nicht loslässt, sondern sie über viele Jahre hinweg festhält: Man bleibt in ihr, wenn einen nicht Konflikte mit dem Leiter oder mit anderen Gruppenmitgliedern ins Exil treiben. Erinnert man sich an das, was ich weiter oben über die Grossgruppen von Freud, Adler und Jung sagte, dann wird man diesen Einwand doch einigermassen entkräften können. Wer eine in unserem Sinne geführte Grossgruppe als sein geeignetes Therapie- und Lernmilieu empfindet und anerkennt, wird nach Behebung seiner Lebensschwierigkeiten kaum den Impuls verspüren, die Gruppe zu verlassen. Er reiht sich sehr oft in die Gruppe als Helfer ein; nun, da ihm geholfen wurde, will er zur Gesundung anderer beitragen. Auch entstehen unter Gruppenmitgliedern Freundschaften, Arbeitsgemeinschaften und Kollegialität: Warum sollte man da abwandern, wo es in unserer Gesellschaft im allgemeinen furchtbar schwer ist, idealistisch gleichgesinnte Freunde und Gesinnungsgenossen zu finden!

Man weiss es aus dem Altertum: Wenn lernwillige Menschen einen guten Lehrer fanden, bildeten sie mit ihm zusammen eine Akademie; die Philosophenschulen des Altertums von Platon über Aristoteles bis zu den Stoikern, Skeptikern, Zynikern und Epikuräern geniessen heute noch einen legendären Ruf. Warum sollten sich solche Lehr- und Lerngemeinschaften nicht auch heute bilden können? Gewiss sind die Meister von heute oft nur Karikaturen jener Geistesriesen, die wir beim Studium der Antike bewundern. Aber eine gut geführte Grossgruppe kann durchaus eine geistige Heimat sein, ohne das Mitglied von der übrigen Umwelt abzuschirmen. Sie darf nur nicht dogmatisch, selbstgefällig und demagogisch sein.


Man hat es oft beklagt, dass der Mensch in der heutigen Gesellschaft weitgehend vereinsamt ist. David Riesman sprach sogar von der «einsamen Menge»; man lebt zwar in Massen, aber niemand kümmert sich wirklich um den Nachbarn, ja oft sogar nicht einmal um die Mitglieder der eigenen Familie. Nun gilt Einsamkeit in den tiefenpsychologischen Lehren als einer der schlimmsten Krankheitsfaktoren; wer allein ist, kann meistens das seelische Gleichgewicht nicht aufrechterhalten. Er wird nicht selten Opfer von Ängsten, Depressionen, Süchten aller Art und Suizidalität, von Neurosen und eventuell auch Psychosen.


Die Idee der Grossgruppentherapie will dieser allgemeinen Vereinsamung den Kampf ansagen; ob das in der Praxis immer gut gelingt, sei vorerst dahingestellt. Denn es gibt sicher auch ein Einsamsein mit vielen, wenn das Individuum dabei verlorengeht und sich selbst nicht mehr findet. Gemeinschaft hat nur Sinn zwischen in sich selbst ruhenden Individualitäten; unprofilierte Charaktere bringen es nur zu einem primitiven Nebeneinander, das gegebenenfalls durch eine als feindlich empfundene Umwelt oder eine als Projektionsschirm für Ängste und Aggressionen gedachte Umgebung zusammengehalten wird.


Wächst eine solche Psychohygiene-Bewegung ins übermässig Grosse hinein, kann sie von Massenreaktionen affiziert werden. Massen-Meetings können nur unter sehr erschwerten Bedingungen Niveau aufrechterhalten. Man muss die «Botschaft» vereinfachen, wenn man bei sehr vielen Menschen damit ankommen will. Oft sind ja auch Patienten, welche die Psychotherapie aufsuchen, Bildungsgeschädigte, das heisst, sie haben wenig Kultur und Wissen assimilieren können, da sie von Kindheit an in Beziehungskonflikte verstrickt waren.


Mit solch lädierten Kulturmenschen en masse zusammenzuarbeiten, kann für den Therapeuten und sein Team äusserst beschwerlich werden. Wie soll er der Therapieforderung genügen, jeden Einzelnen zu kennen, zu verstehen und zu fördern? Es kann zu Globalbehandlungen kommen, die Scheintherapie und Scheinerfolge bedeuten. Ist der Leiter eine wahrhaft grosse Persönlichkeit, dann bleiben solche Gefahrenquellen kontrollierbar; auch eine Grossgruppe kann Ordnung und innere Struktur bewahren.


Wir wollen in der Folge Friedrich Lieblings Charakter und Lebensanschauungen beschreiben, die ihm den Aufbau einer grossen, hilfreichen und effizienten Therapiegemeinschaft ermöglichten.


Psychogramm eines Helfers

Wir haben hier nicht die Absicht, eine Hagiographie (Heiligenlegende) zu schreiben; aber unser Thema nötigt uns, die Vorzüge und Tugenden der von uns zu würdigenden Persönlichkeit ins Licht zu rücken. Es versteht sich von selbst, dass Friedrich Liebling kein Übermensch war und auch keiner sein wollte. Aber er besass Eigenschaften, die ihn über den Durchschnitt der meisten Menschen erhoben und die sein Leben und Wirken als Psychotherapeut ermöglichten.


Eines der wichtigsten Merkmale von Friedrich Liebling war seine Hilfsbereitschaft. Er sah den Sinn seines Lebens darin, anderen Menschen zu helfen, sie aufzuklären und ihnen das Dasein zu erleichtern. Woher er diese Grundorientierung hatte, ist nicht leicht zu erklären. Manches davon ist aber psychologisch einsehbar: Friedrich Liebling war offenbar das Lieblingskind seiner Mutter. Er war von früh auf von Liebe und Güte umgeben; diese gab er später an andere weiter.


Dazu kam, dass er das Älteste von fünf Kindern war. So lernte er bereits als Kind, andere zu betreuen, zu fördern und zu erziehen. Die in den USA noch lebende Schwester von Friedrich Liebling erzählte mir, dass ihr Bruder schon in jungen Jahren eine nahezu unendliche Geduld mit anderen Kindern hatte; er spielte stundenlang mit ihnen, immer gute Laune verbreitend und kooperativ.


Aber auch die Weltanschauung, die Friedrich Liebling wählte oder sich erarbeitete, begünstigte seine fürsorgliche Haltung zum Du. Er war Sozialist von ganzem Herzen; daraus leitete er die Forderung ab, in jeder Hinsicht Mitmensch zu sein, also niemandem zu schaden und allen zu helfen, wo immer das möglich war. Die Individualpsychologie bildete Schlussstein und Krönung dieser Lebensphilosophie; Adler schärfte seinen Schülern ein, dass nur Sozialinteresse und Gemeinschaftsgefühl ein wahrhaft menschliches Leben konstellieren können.


Frau von Stein nannte Goethe einen «Geber»; zu dieser Auffassung rang sie sich nach der Enttäuschung durch, die ihr die Abwendung des ehemaligen Geliebten um 1789 verursacht hatte. Auch Friedrich Liebling war ein Geber grossen Stils. Was er wusste und konnte, gab er gern an andere weiter. Ein Teil dieser Gebefreudigkeit bestand in einer fast grenzenlosen Kommunikationsbereitschaft. Man konnte mit Friedrich Liebling sozusagen im Dauergespräch leben; er fand immer neue Themen des Dialogs, die ihn selbst und sein Gegenüber zu bereichern pflegten.


Friedrich Liebling war ein energisch-tüchtiger Mensch, der durchaus auf Leistung eingestellt war. Aber diese Arbeitsfreude wurde ergänzt durch eine ausgewogene Tendenz zur Musse und zur Selbstbesinnung. Überall verspürte man Reife und Vernunft, die selbst wiederum in einer gewissen Treue zu sich selbst gründeten. Nun ist ein In-sich-selber-Ruhen die Voraussetzung für echte Hingabe an andere. Wir wollen damit sagen, dass Friedrich Liebling aus der Selbsttreue heraus auch treu gegenüber anderen war. Wer seinen Schutz und seine Hilfe aufsuchte, musste schon grosse Verstösse gegen Sitte und Anstand machen, um aus dieser Schutzsphäre entlassen zu werden. Friedrich Liebling hielt jahre- und jahrzehntelang an jenen fest, mit denen er Verbindung aufgenommen hatte. Eine Atmosphäre der Verlässlichkeit umgab ihn, und diese wirkte in hohem Masse therapeutisch.


Seine Freunde in Wien nannten ihn scherzhaft den «russischen Grafen», weil er in Auftreten und Umgang etwas Aristokratisches an sich hatte. Das war nicht gespielt und nicht gewollt; es war lediglich Ausstrahlung seiner noblen Gesinnung und Einstellung. Dieser Faktor trug viel zum therapeutischen Erfolg von Friedrich Liebling bei. Auch grobe und verwahrloste Patienten wurden in seiner Gegenwart gesittet und anständig; sie wollten ihn nicht enttäuschen. Seine feinen Manieren wurden von Friedrich Liebling unbewusst eingesetzt, um das Gegenüber daran zu erinnern, dass Gemeinschaft nur Sinn hat, wenn wechselseitiger Respekt in ihr tragend ist.


Niemand hätte es gewagt, mit Friedrich Liebling billige Kumpanei schliessen zu wollen. Dazu war er viel zu ernst und würdevoll. Würde ohne Einschüchterung, Nobilität ohne Schauspielerei, Güte ohne Sentimentalität, Heiterkeit ohne Leichtsinn: Mit dieser Charakterstruktur gewann er fast alle seine Patienten zur sorgfältigen und gründlichen Arbeit am Charakter, die allein innere Wandlung zustande bringt.


Aber der Charakter allein tut es bekanntlich nicht; in der Psychotherapie muss man auch (unendlich) viel wissen. Friedrich Liebling war ein psychologischer Forscher und Praktiker aus Leidenschaft. Jede menschliche Begegnung brachte ihm neue Einsichten, Probleme und Fragen: Er lernte immer. So konnte er andere dazu animieren, das Leben als einen nie abgeschlossenen Bildungsprozess zu erfahren.


Immer auf der Seite des Schwächeren

Von Frieda Fromm-Reichmann, der bedeutenden Schizophrenie-Therapeutin, ist bekannt, dass als sie als Kind mit ihrer jüngeren Schwester spazieren ging, die beiden Mädchen von einem Hund überfallen wurden. Friedas Schwester geriet in Angst, weil der Hund Anstalten machte, sie zu beissen; da warf sich Frieda dem Angreifer entgegen und rief ihrem Schwesterchen zu: «Du musst keine Angst haben, solange ich bei dir bin!»


Ähnlich war die Haltung von Friedrich Liebling gegenüber seinen Schützlingen und Patienten. Er nahm sie in seine Obhut, und das hiess, dass er für jetzt und für alle Zukunft für sie da sein wollte. Wer schwach war, konnte sich an ihn anlehnen und wurde gestützt. Wer in Bedrängnis war, hatte in ihm einen Helfer, der unermüdlich, geduldig und einfühlsam war.


Friedrich Liebling rühmte an Schopenhauer, dass der Philosoph die Rolle des Mitleids in der Ethik überzeugend hervorgehoben hatte. Mitleid galt ihm als eine besondere Therapeuten-Tugend; oft sagte er, man müsse mit dem Patienten erkranken, das heisst mitleiden, und aus diesem Leid heraus einen Ausweg für den Bedrängten finden.


Kam etwa ein Ehepartner in die psychologische Beratung, der unter seinem Eheverhältnis litt, dann ruhte Friedrich Liebling nicht, bis er den «Bedränger» auch für psychologische Gespräche gewonnen hatte, um Frieden stiften zu können in der Partnerschaft. Dabei erwies er sich als Diplomat von höchster Geschicklichkeit; ist es doch jeweils eine äusserst schwierige Aufgabe, in Ehestreitigkeiten zu vermitteln, weil beide Beteiligte Recht zu haben glauben (und auf gewisse Weise auch haben).


Wenn Eltern durch ungeschickte Erziehung ihr Kind in eine Sackgasse getrieben hatten, warb Friedrich Liebling mit Takt und Liebenswürdigkeit um Verständnis für das schwierige Kind, das im Grunde nur ein Abbild seiner schwierigen Eltern war. Kaum jemals wurde er mit den Eltern ungeduldig, selbst wenn diese einfältige Vorurteile zum Ausdruck brachten und grosse Mühe hatten, psychologische Gedankengänge zu verstehen. Es ging darum, dem betroffenen Kinde Hilfe zu leisten, und da durfte man nicht aus der Haut fahren, selbst wenn die Eltern Gewaltmethoden propagierten und der vermeintlich üblen Vererbung die Schuld gaben.


Die Sympathie für den Schwächeren erklärt auch die Stellungnahme von Friedrich Liebling zum Problem der Schwangerschaftsverhütung. Natürlich begrüsste er die Einführung der Antibabypille als einen bedeutenden Fortschritt; oft genug hatte er als Berater mit Frauen zu tun gehabt, die ungewollt schwanger geworden waren und dann den mühseligen Weg der Abtreibung beschritten. Vor allem der ärmere Teil der Bevölkerung leidet ja am meisten unter den gesetzlichen Paragraphen, die eine Interruptio verbieten. Wer Geld genug hat, fand und findet immer einen Arzt, der fachkundig eine Schwangerschaft unterbricht.


Nun bot die Pille für Liebes- und Ehepaare mehr Schutz und Freiheit, und das war sicher gut. Aber Friedrich Liebling empörte sich bei dem Gedanken, dass es wiederum die Frauen sein mussten, welche die Hauptlast bei den Risiken der Liebe tragen sollten. Denn noch sind nicht alle Spätfolgen der Pille restlos geklärt; auch waren die anfänglichen Präparate nicht so perfekt wie jene, die wir jetzt besitzen. Darum propagierte Friedrich Liebling die Vasektomie, das heisst die Unterbindung des Samenstrangs beim Mann. Das ist eine einfache Operation, die ambulant durchgeführt werden kann und eine nahezu perfekte Verhütungsmethode darstellt.


Friedrich Liebling hatte sich selbst nach der Geburt seiner zweiten Tochter diesem Eingriff unterzogen. Er erzählte gerne, dass im katholischen Österreich die Kirche einen grimmigen Kampf gegen die Vasektomie eingeleitet hatte. Ärzte, welche die Operation durchführten, wurden durch ein Gerichtsverfahren belangt, wobei die Staatsanwaltschaft eifrig ehemalige Patienten suchte, die nachträglich den Eingriff bereuten. Man fand aber keine Zeugenaussagen, welche die Anklage unterstützten.


Vor allem in den Kreisen freiheitlich gesinnter Menschen war die Vasektomie sehr beliebt; sie sollte auch heute noch in Betracht gezogen werden, wenn ein Paar das Zeugungsgeschäft nicht weiter betreiben will. Friedrich Liebling empfahl daher die Vasektomie bei entsprechend disponierten Paaren. Allerdings gab es auch eine gewisse Zahl unter seinen Schülern, die von vornherein keine Kinder wollten («Wenn wir ein Kind wollen, können wir ja eines adoptieren», hiess es.) und durch die Vasektomie ein für allemal dieses Problem lösten. Viele Frauen waren glücklich darüber, dass ihre Partner ihnen die Verhütungsaufgabe endgültig abnahmen.


Pädagoge und Jugendfreund

Friedrich Liebling hatte überhaupt keine Mühe, mit Menschen jeglichen Lebensalters Umgang zu pflegen; mit den Alten war er ernst und besinnlich, mit der Jugend jedoch war er jung und lebensfroh. Er war enorm wandlungsfähig, sodass verschiedene Menschen möglicherweise ganz verschiedenartige Bilder und Charakterstudien von ihm zeichnen könnten. Aber eine besondere Zuneigung hatte er offenbar zu den Jugendlichen; sie genossen seinen speziellen Schutz und seine oft aufopfernde Förderung.


Jemand hat einmal gesagt, dass jene, die auf sehr beschwerlichem Wege zur Reife gelangt seien, eine besondere Disposition zur Erziehung der Jugend hätten; sie seien äusserst bemüht, den Heranwachsenden die Komplikationen ihres eigenen Werdegangs zu ersparen. Etwas Ähnliches mag bei Friedrich Liebling der Fall gewesen sein; ich habe oft beobachtet, dass er mit unglaublicher Intuition junge Leute verstand, von denen ihn mehr als sechs oder sieben Jahrzehnte trennten: Er fühlte sich eins und einig mit ihnen und gab ihnen eine Entwicklungshilfe, die von hoher Qualität war.


Man kann das ein sokratisches Element in seinem Charakter nennen; ähnlich wie Sokrates wollte Friedrich Liebling in jungen Menschen die Liebe zum Guten und Wahren wecken. Irgendwie hatte er ein positives Vorurteil gegenüber Jugendlichen; er glaubte an ihre Zukunft und meinte, sie könnten alle etwas Rechtes werden. Ich selbst war da skeptischer als er und staunte oft darüber, wieviel Zeit, Kraft und Geduld er einem dieser jungen Menschlein zu widmen imstande war. Aber von dieser menschenfreundlichen Einschätzung profitierte ich selbst nicht wenig. Ich hatte Friedrich Liebling nämlich auch schon in meiner Pubertät kennengelernt; wiewohl ich damals   – meiner Erinnerung nach   – ein verwirrter und relativ hilfloser Jüngling war, schien er einen Narren an mir gefressen zu haben und verkündete mir selbst und anderen gegenüber, dass aus mir «etwas Bedeutendes» werden könne.


Ich glaubte ihm nicht recht, liess mich aber mit der Zeit gewinnen. Jedenfalls ermutigte er mich mit aussergewöhnlicher Geschicklichkeit, sodass ich schwerste Aufgaben und Anforderungen auf mich nahm, ohne zu murren und zu klagen. Ein guter Lerner war ich immer schon gewesen; aber unter Friedrich Lieblings Einfluss wurde ich zum Lernenthusiasten, dessen Begeisterung für Kultur und Bildung nicht leicht überboten werden konnte.


Georg Trakl sagt in einer seiner Dichtungen: «Wie scheint doch alles Werdende so krank.» Ähnlich mag es Friedrich Liebling empfunden haben. Wenn er mit einem jungen Menschen zu tun hatte, überkam ihn Mitleid und Mitgefühl, sobald er daran dachte, welchen langen und schwierigen Entwicklungsweg dieses Kind oder dieser Jugendliche noch vor sich hatte. Darum wandte er alle Höflichkeit seine Herzens an, um sein junges Gegenüber nicht kleinmütig und abwehrend zu machen; im Gegenteil: Er flösste Mut und Kühnheit ein, weil er darin ein Gegengift gegen jede Form von Neurose und Verwahrlosung sah.


Ich habe schon bei anderer Gelegenheit erzählt, dass ich einmal ein eindrückliches Erlebnis mit Friedrich Liebling hatte. Wir machten einen Spaziergang und suchten eine Strasse, die wir nicht finden konnten. Da wandte sich Friedrich Liebling mit ausgesuchter Höflichkeit an einen kleinen Jungen, zog seinen Hut und fragte mit Grandezza und Wiener Charme, ob der Junge uns den Weg sagen könne. Was der Dreikäsehoch antwortete, weiss ich nicht mehr; aber in Erinnerung habe ich noch seinen erstaunten Blick, da er sich von dem würdevollen alten Mann anerkannt fühlte.


Das Pädagogische in Friedrich Liebling bestand auch darin, dass er nie etwas zu erzwingen suchte, was noch nicht als innere Entwicklung anstand. Er konnte Jahre geduldig warten, bis jemand begriff, was er ihm vielleicht schon in der ersten Therapiesitzung erklärt hatte. Ein Erzieher muss zeitlos arbeiten   – das verstand Friedrich Liebling zutiefst. Er arrangierte oder schuf nur Bedingungen, unter denen etwas wachsen konnte; aber er verfiel nie in den Fehler, dieses Wachstum durch Aktivismus erzwingen zu wollen.


So war Friedrich Liebling auch als Therapeut, denn für ihn galten Pädagogik und Psychotherapie nicht als getrennte Sphären; sie waren teilweise sogar wesensidentisch. Das wird heute von vielen Psychoanalytikern bestritten; Freud und Adler waren jedoch genau dieser Meinung. Ich bin froh darüber, dass ich bei Friedrich Liebling lernte, wie wichtig dieses Ingredienz für die Psychotherapie ist.


Friedrich Liebling als Gatte und Vater


Friedrich Liebling war mehr als 40 Jahre (seit 1929) verheiratet mit seiner Frau Maria, geborene Ulbl (gestorben 1971). Maria Liebling stammte aus Graz. Friedrich Liebling hatte sie kennengelernt, als er nach Kriegsende von Wien aus in die Provinz fuhr, wo man eher Nahrungsmittel erwerben konnte als in der hungernden Hauptstadt.


Zwischen den beiden Eheleuten bestand eine starke und unerschütterliche Harmonie. Sie zogen zwei Kinder gross: die Töchter Erna (geboren 1921) und Lilly (geboren 1925). Wiewohl Maria Liebling kein Studium absolviert hatte, nahm sie lebhaft Anteil an den psychologischen Interessen ihres Gatten. Sie hat auf ihre Weise sein Lebenswerk gestützt und mitgestaltet.


Beide Eheleute waren weltoffen und gastfreundlich. Schon in Wien war das «Haus Liebling» dafür bekannt, dass dort ein freier Platz am Tisch und freundschaftliche Aufnahme gesichert waren. Viele politische Flüchtlinge aus dem damals sehr unruhigen Europa kreuzten dort auf, um verköstigt und beherbergt zu werden. Sie brachten authentische Berichte von den neuralgischen Punkten der europäischen Politik mit und konnten mit einem aufmerksames Gemüt bei den grosszügigen Gastgebern rechnen. Friedrich Liebling hat mir oft erzählt, dass er mitunter politisch Exilierte völlig neu eingekleidet und mit Bahnbilletten zu ihren zukünftigen Bestim­ mungsorten versehen hatte. Nicht immer kamen Dankesschreiben, wenn der Hilfsbedürftige sein Ziel erreicht hatte.


Friedrich und Maria Liebling erzogen ihre Kinder sehr sorgfältig und modern. Es gab keinen Autoritarismus, natürlich auch keine Schläge. Man sprach über alles und jedes im Familienrat. Friedrich Liebling hing mit spürbarer Zuneigung an seinen Töchtern. Die jüngere der beiden hat in den USA später auch den Psychologenberuf gewählt. Beide Kinder wissen an ihrem Vater zu rühmen, dass er mit wunderbarer Echtheit als freiheitlicher Erzieher ihre Jugend sorgenfrei und glücklich gestaltete.

Es ist ein untrügliches Zeichen für die Qualität eines Psychotherapeuten, wenn er seine Ehe durch alle Gefahren und Beschwernisse des alltäglichen Zusammenseins führen kann. Friedrich Liebling gelang dies mit überzeugender Souveränität. Seine Gattin bestätigte vielfach, dass sie mit einem «weisen Mann» verheiratet sei. Dieser habe ihre Launen und Stimmungsschwankungen immer mit Verständnis hingenommen und sei in allen Belangen höchst kooperativ gewesen. Natürlich gab es auch bei diesem Paar Meinungsverschiedenheiten, die kraftvoll ausgetragen wurden. Aber stets wurde die Idee der Gemeinsamkeit im Auge behalten; man hielt zusammen durch dick und dünn.


Als Friedrich Liebling die Zürcher Grossgruppentherapie aufbaute, unterstützte ihn seine Frau mit Beharrlichkeit und Geschick. Sie war sozusagen die Mutter seiner Patienten. Oft wurden schwierige Patienten in bedrängter Lage zum Mittagstisch eingeladen. Man ass gut im «Hause Liebling», und man war dort gleichsam in die Familie einbezogen. Hunderte Patienten werden sich daran erinnern, dass man bei Friedrich Liebling nicht nur Patient, sondern auch Kind der Familie war; und in sehr komplizierten Fällen konnte gerade das lebensrettend sein.


Friedrich Liebling war liebevoll, geduldig, humorvoll, ernst und heiter zugleich. Er übernahm gerne die Verantwortung für andere; auch seine Gattin und seine Kinder spürten stets den Schutz und die Fürsorge, die von ihm ausgingen.


Wiewohl er ein strenger Kritiker der überlieferten Moral war, lebte Friedrich Liebling selbst sehr tugendhaft. Er hat mir glaubhaft versichert, dass er in den vielen Jahren seiner Ehe keinen Seitensprung gemacht habe. Gelegenheiten hierzu hätten sich dem überaus liebenswürdigen, geistreichen und gewandten Mann unzählige Male geboten. Aber er hielt dafür, dass Treue zu sich selbst auch Treue zu einem Du einschloss; es war für ihn offenbar kaum vorstellbar, seine Gattin zu betrügen.


Diese Familie hatte ein lebendiges geistiges Leben. Am Esstisch wurde immer lebhaft diskutiert: von den Tagesereignissen über die Literatur bis zur Philosophie. Friedrich Liebling verstand es ausgezeichnet, andere zum Sprechen anzuregen und selbst aufmerksam zuzuhören. Wenn er selbst sprach, bestätigte er die anderen und gab doch dem Gespräch überraschende und originelle Wendungen.


Psychologe und Therapeut

Friedrich Liebling war ein hervorragender Kenner der Tiefenpsychologie, aber auch der allgemeinen Psychologie, der Pädagogik und der Charakterkunde. Was ihn jedoch am meisten interessierte, war die menschliche Persönlichkeit, der reale Mensch, der ihm gegenüberstand oder gegenübersass. Ihn wollte er angemessen verstehen, und in diese Aufgabe investierte er seine beachtlichen intellektuellen und emotionalen Kräfte. Was bedeutete da die graue Theorie, wenn man eine Individualität verstehen sollte, um ihr zu helfen? Nur sehr wenig; aber sie bildete den geistigen Hintergrund der Verstehensakte.


Dieses Verstehen war bei Friedrich Liebling sehr intuitiv, was aber nicht ausschloss, dass er bei jedem Einzelnen enorme Arbeit leistete, um sich in ihn hineinzuversetzen. Ich habe aber auch oft erlebt, dass er blitzschnell und mit halluzinatorischer Sicherheit Diagnosen stellte, die sich hernach als durchaus korrekt erwiesen.


Diese Kunst des Verstehens erwuchs aus seiner immensen Lebenserfahrung und aus seinem reichen Gefühlsfundus. Friedrich Liebling hatte in seinem Leben mit Tausenden Menschen intensiven Kontakt gehabt; daraus war bei ihm eine praktische Menschenkenntnis entstanden, deren Sicherheitsgrad erstaunlich war.


Er schuf bei seinem Gesprächspartner zunächst ein Klima der Ruhe, der Geborgenheit und des Angenommenseins. So konnten sich auch misstrauische und sehr verhaltene Charaktere weitgehend öffnen. Von Freundlichkeit eingehüllt, zeigten sie die verstecktesten Regungen ihrer Gesamtpersönlichkeit.


Friedrich Liebling rühmte Alfred Adler als den Mann, der uns das Werkzeug geschenkt habe, mit dem man therapeutisch effektiv arbeiten könne. Damit meinte er unter anderem die finale oder teleologische Betrachtungsweise des Seelenlebens. Friedrich Liebling hatte in der Schule bei Adler gelernt, wie man möglichst schnell und zuverlässig die offenen und geheimen Zielsetzungen eines Menschen erkundet. In scheinbar harmlosen Gesprächen achtete er auf die Äusserung des Unbewussten, das heisst seiner Motivationen und Ziele. Hatte er diese begriffen, dann konnte er die Lebensschwierigkeiten des Patienten geistreich interpretieren: «Ein Mensch ist die Summe seiner Zielsetzungen.»


Hatte Friedrich Liebling die neurotischen Ziele und Erlebnisverarbeitungen seines Gegenübers erkannt, war er nie darauf aus, diese in krasser oder direkter Form mitzuteilen. Er verstand es vorzüglich, «lächelnd die Wahrheit zu sagen». Mit winzigen Andeutungen enthüllte er dem Patienten seine meist fehlerhafte Lebenseinstellung; immer aber so, dass der Betroffene es annehmen konnte. Es war die Kunst der kleinen Schritte, die diese Therapie so wirksam machte.


Friedrich Liebling wusste aus tiefster Erfahrung, dass eine Umorientierung für keinen Menschen leicht ist. Daher baute er dem Patienten goldene Brücken, auf denen dieser ins Neuland des Lebens und Erlebens schreiten konnte. Niemals verlor er die Geduld, auch wenn die Gegenseite sich in Widerstandsmanövern verstrickte und die Therapie zu torpedieren begann.


Es war sein grosser Respekt vor der Fremdpersönlichkeit, der in Friedrich Lieblings Therapieform zum Tragen kam. Er wollte aufklären und helfen, nicht Recht behalten. Darum liess er sich kaum je mit einem Analysanden in einen streitähnlichen Disput ein. Wenn der Letztere noch nicht reif war, eine Erkenntnis anzunehmen, dann musste man eben weiter zusehen, genauer beobachten und noch besser zusammenarbeiten: Irgendwann kam dann der Moment, in dem selbst der Uneinsichtige einsichtig wurde.


Diese Haltung bewies Friedrich Liebling gegenüber allen Patienten, den schweren und den leichten Fällen. Selbst schizophrene Patienten nahmen diese Toleranz und Geduld wahr und konnten sie fruchtbar verwerten. Gerade in der Schizophrenen-Therapie zeigte sich seine Meisterschaft besonders deutlich: Er beherrschte eben viele Seelensprachen, darunter auch das «Schizophrenische». Ich habe oft beobachtet, wie er auch mit sehr desorientierten Menschen blitzschnell in Kontakt kam und ihr Vertrauen zum Gespräch gewann.


Nur so lässt sich erklären, dass Friedrich Liebling in seinen Grossgruppen etwa 3000 Menschen betreuen konnte. Zu vielen von ihnen baute er eine persönliche Beziehung auf; andere wieder integrierte er in Gruppen, die unter seiner Leitung Schutz und Einsicht vermittelten. Nur eine sehr starke und bedeutende Persönlichkeit kann   – ohne Hilfe von Religion und Massen-Idolatrie   – so viele Menschen zusammenhalten und an eine arbeitsfähige Gemeinschaft binden.


Die Gabe des Staunens

Platon und Aristoteles haben die These vertreten, dass das Staunen der Anfang der Philosophie sei. Würde sich der Mensch nicht über alles und jedes wundern können, käme er gar nicht zum Nachdenken. Je primitiver deshalb der Mensch ist, desto selbstverständlicher erscheint ihm alles in der Welt. Er hat keine Fragen und sucht darum auch keine Antworten. Wer nicht staunen kann, lebt fast ungeistig.


Bei Friedrich Liebling beobachtete ich eine ausgeprägte Fähigkeit zum Staunen und Sich-Verwundern. Das passte zu seiner tiefernsten und nachdenklichen Lebenseinstellung. Er war ein «Grübler», aber durchaus nicht im übertriebenen Sinne. Vieles, was andere kaum der Beachtung wert fanden, wurde für ihn zum Gegenstand der Reflexion und Forschung.


Oft hörte ich ihn «den Menschen» preisen, weil er durch Wissenschaft und Technik die menschlichen Möglichkeiten ins Unglaubliche ausgeweitet hatte. Aber im selben Atemzug sagte er dann: «Der Mensch kann so vieles; aber sich selbst versteht er noch gar nicht!» Er war wohl auch der Meinung, dass es für uns heutige Menschen viel leichter ist, zum Mond zu fliegen als die innere Distanz zwischen dem Ich und dem Du zu überwinden.


So anerkannte er die Errungenschaften der modernen Medizin, aber es tat ihm fast physisch weh, dass die Ärzte von heute so wenig Tiefenpsychologie zu assimilieren imstande sind. Kliniken und Spitäler sind zwar beinahe technisch perfekt, aber die Ärzte, die in ihnen arbeiten, wissen wenig von sich selbst und haben auch nicht die Fähigkeit, das echte Gespräch mit ihren Patienten zu führen.


Der Mensch steht immer noch im Banne naturwissenschaftlicher Leitvorstellungen; dass der Mensch eine Seele hat, hat sich in Medizinerkreisen noch nicht herumgesprochen. Wohl wird niemand mehr so naiv wie Rudolf Virchow sein, der von tausend sezierten Leichen sprach, in denen er keine Seele gefunden habe; aber auch wenn man das Psychische verbal anerkennt, heisst das noch lange nicht, dass man sachgerecht mit ihm umgehen kann.


Friedrich Liebling war ein leidenschaftlicher Promotor des psychosomatischen Den­ kens. Ich darf hier daran erinnern, dass er selbst jahrzehntelang unter einem Ulcus duodeni litt, das schliesslich durch eine Billroth-Operation (Teilresektion) entfernt wurde. Friedrich Liebling diskutierte oft mit seinen Ärzten über die psychischen Voraussetzungen dieses Geschwürleidens, das mit seinem Perfektionismus, seiner nahezu rigorosen Pflichteinstellung und bestimmten Bedingungen seiner Lebensschicksale zusammenhing. Durch ein eminentes Mass an Vorsicht und Vernunft hielt er sein Ulcus unter Kontrolle. Aber er amüsierte sich darüber, wie wenig seine Ärzte auf den seelisch-geistigen Hintergrund dieser Problematik einzugehen vermochten. «Sie sind vom somatischen Befund fasziniert», sagte er. «Das Psychische ist und bleibt ihnen ein Buch mit sieben Siegeln.»


Jeder einzelne Mensch gab Friedrich Liebling Anlass zum Staunen, da er in jedem Individuum eine Welt für sich fand. Das psychoanalytische Bestreben, Naturgesetze des Seelenlebens zu formulieren, hielt er für ganz abwegig. Ich las damals Georg Simmel und erzählte ihm von dessen berühmter Formulierung, wonach es ein «individuelles Gesetz» gebe. Das fand bei Friedrich Liebling vollkommene Zustimmung. Jeder Mensch trägt seine eigene Gesetzmässigkeit in sich; ja, er schafft sie vermutlich sogar. Diese zu erspüren und zu verbalisieren ist die vornehmste Aufgabe des Psychotherapeuten.


Technische Machbarkeit wurde zwar von Friedrich Liebling geschätzt; aber viel höher stufte er die kulturelle Schöpferkraft des Menschen ein. Was der Mensch in den Künsten, in den Wissenschaften und in der Philosophie geleistet hat, galt für Friedrich Liebling als vorbildlich. Da er selbst ein geistiger Menschentyp war, imponierte ihm in erster Linie das Geistige. Grosse Dichter und Denker waren die eigentlichen Heiligen in seinem Kalender. Er lehrte mich seit den Anfängen unserer Beziehung die geistige Tradition Europas als die Hauptsphäre der geistigen Welt überhaupt zu sehen.


Das europäische Menschentum hat der Menschheit die Gabe der Vernunft geschenkt. Griechen und Römer, Renaissance, Aufklärung und Klassik, moderne Naturwissenschaft und Vernunftphilosophie, Sozialismus und Tiefenpsychologie, Ideologiekritik und Utopismus: Das waren die Sterne am Himmel von Friedrich Liebling, hinter denen kein Gott mehr zu suchen nötig war, weil diese Geisteswelt selbst schon «göttlich» war.


Der Mensch ist gut!

Eine grundsätzliche Überzeugung von Friedrich Liebling war, dass der Mensch von Natur aus nicht böse ist; er ist sozial in seinem Wesen, und wenn man ihn halbwegs gut erzieht und nicht verängstigt, wird er auch gerne zur Kooperation bereit sein. Zu dieser Auffassung war Friedrich Liebling durch das Studium der sozialistischen Klassiker gelangt.


Mit grossem Respekt erwähnte er immer wieder das hervorragende Buch von Fürst Peter Kropotkin über die «Gegenseitige Hilfe in der Tier- und Menschenwelt» (1904). Kropotkin hatte dieses Werk gegen jene Darwinisten (z. B. Thomas Henry Huxley) geschrieben, welche die Formel vom «Kampf ums Dasein» dahingehend missverstanden hatten, dass sie die Welt als eine Art Dschungel charakterisierten, wo jeder gegen jeden sei. Der russische Menschenfreund und Sozialist hingegen konnte unzählige Beispiele von Solidarität innerhalb der Arten und auch zwischen den Arten namhaft machen; er pries die Mutualität (Gegenseitigkeit) als den eigentlichen Motor des menschlichen Fortschritts.


Friedrich Liebling war sich klar darüber, dass jede Verteufelung der menschlichen Natur auch ein Politikum ist. Wenn der Mensch von seinem Wesen her böse wäre, dann wären Tyrannei und soziale Bevormundung gerechtfertigt. Darum hat jeder Konservatismus und jeder Faschismus eine Vorliebe für das Dschungel-Theorem; auch die Religion schwärzt den Menschen als Sünder und Bösewicht an, um ihn einzuschüchtern und für die Erlösung bereit zu machen.


Freuds Postulat eines menschlichen Aggressions- und Destruktionstriebes wurde von Friedrich Liebling mit einem Achselzucken als Naivität und Oberflächlichkeit abgetan. Gewiss gibt es unsäglich viel Feindseligkeit in der bisherigen Geschichte, aber man muss diese als Folge der menschlichen Unwissenheit, des Hungers, der Angst und der aggressiven Institutionen (Militarismus, Staat, Wirtschaftsleben und Kirche) sehen. Die Psychoanalyse erleichterte sich ihre Integration in die bürgerliche Welt, indem sie in jenen Chor einstimmte, der das Böse am Menschen nicht auf die Verhältnisse, sondern auf die Naturkonstanten der Gattung Homo zurückführte.

Als Konrad Lorenz in den Sechzigerjahren mit einer ähnlichen Theorie wie Freud Schlagzeilen machte, beeindruckte das Friedrich Liebling in keiner Weise. Er stellte sofort die Diagnose auf «Kryptofaschismus» bei dem berühmten Naturforscher. Natürlich anerkannte er den Wert der sonstigen Forschungen von Lorenz; wenn aber der «Graugans-Spezialist» zu philosophieren begann, erntete er bei Friedrich Liebling nur einen spöttischen Kommentar, etwa in dem Sinne: «Reaktionäres Denken wird wieder Trumpf.»


Erst später veröffentlichte die Zeitschrift «Der Spiegel» Dokumente aus der faschistischen Vergangenheit von Lorenz, der in der NS-Zeit Karriere (er wurde Philosophie-Professor in Königsberg) gemacht hatte. Inzwischen hat sich gezeigt, dass das Lorenz-Buch «Das sogenannte Böse» weit überschätzt wurde; der Autor gestattete sich darin einige kulturphilosophische und psychologische Primitivismen, die nur kleinbürgerlichen und engstirnigen Geistern imponieren konnten. Dass die bürgerliche Welt Konrad Lorenz sogar den Nobelpreis verlieh, ist wohl ein Fauxpas, den man nur dadurch entschuldigen kann, dass die Verhaltensforschung durch ihn tatsächlich mächtig gefördert wurde.


Friedrich Liebling war der Meinung, dass man als Psychotherapeut einen unbedingten Glauben an das Konstruktive im Menschen haben müsse. Er selbst war oft genug durch Menschen bitter enttäuscht worden. Aber das machte ihn nicht wankend in seiner Rousseauschen Überzeugung; er entschuldigte böswillige und betrügerische Menschen mit dem Argument, dass sie in ihrer Kindheit und Jugend nichts Besseres gelernt hätten.


Selbstverständlich war er auch ein Gegner der Todesstrafe. Wenn ein Mensch durch eine trostlose Sozialisation und durch missliche Lebensbedingungen auf die Bahn des Verbrechens gedrängt wird, hat die Gesellschaft kein Recht, ihn zu töten. Gewiss gibt es ganz abscheuliche Delikte, aber man muss deren Ursprünge suchen und darf nicht glauben, dass man durch die Hinrichtung einzelner Delinquenten die grosse Verbrechensproblematik bewältigen könne. Im übrigen mordet der Staat im Krieg die Menschen in Millionenzahl und geht dabei straffrei aus; wie kann er sich da zum Richter jener Psychopathen und Halbverrückten machen, die im Wahn und in der Panik ebenfalls töten?


Das Leben lehrte Friedrich Liebling, vorsichtig im Umgang mit Menschen zu sein. Oft zitierte er Schopenhauer, der die menschlichen Lumpereien grimmig ventilierte; aber, wie Friedrich Liebling sagte: «Man muss auch mit Lumpen gütig sein!»


Pazifismus

Es versteht sich fast von selbst, dass Friedrich Liebling aufgrund seiner Welt­anschauung ein radikaler Pazifist war. Der Erste Weltkrieg hatte ihm die Realität des Krieges deutlich genug gezeigt; alles in ihm empörte sich dagegen, dass unschuldige Menschen einander abschlachten sollten, weil die Regierungen der Völker in ihrer Dummheit und Verantwortungslosigkeit den Entschluss dazu fassten.


In Österreich gab es nach 1918 eine umfängliche pazifistische Bewegung, der sich Friedrich Liebling anschloss. Aber die Sozialdemokraten, die da und dort an die Macht gelangten, unterstützten den Abrüstungsgedanken nur sehr halbherzig. Als Folge der Kompromissbereitschaft gegenüber konservativen Volkskreisen, mit denen Wahlbündnisse abgeschlossen wurden, wurde aber bald in den verarmten Ländern des Nachkriegseuropa wieder aufgerüstet. Der Militarismus erhob aufs Neue sein hässliches Haupt. In seiner Nähe gediehen wiederum Patriotismus, Revanche-Gedanken, ja sogar Rassismus. Die Sozialdemokratie schaufelte sich selbst ihr Grab, indem sie es nicht wagte, gegen die Reaktion entschlossen aufzutreten.


Ich fand einmal in einem Antiquariat das «Handbuch des aktiven Pazifismus» von Franz Kobler (Hrsg.), 1928 erschienen. Ich kaufte es und zeigte es Friedrich Liebling. Er erinnerte sich daran, in Wien mit Kobler gelegentlich zusammengearbeitet zu haben. In diesem Werk war auch ein schöner Aufsatz von Alfred Adler zu finden mit dem Titel «Psychologie der Macht». Adler hatte, nach Friedrich Lieblings Worten, in seinen Vorlesungen stets auf den Pazifismusgedanken hingewiesen, da auch er im Ersten Weltkrieg ein philosophisches Erlebnis hatte, nämlich die Erkenntnis, dass nur das Gemeinschaftsgefühl die Menschheit vor dem Untergang retten könne.


Faschismus und Militarismus waren für Friedrich Liebling Brüder, genauer gesagt siamesische Zwillinge. Man hat später davon gesprochen, dass die Soldaten doch nur «Bürger in Uniform» seien, die einzig und allein daraufhin geschult würden, ihre Heimat zu verteidigen. Friedrich Liebling wusste es besser; er hatte im Krieg gesehen, wie brave Menschen im wilden Wahnsinn getötet und gewütet hatten. Es war sein Stolz, dass er niemals absichtlich einen «Feind» erschossen hatte. Die patriotischen Slogans beeindruckten ihn nicht, und er wollte kein Held sein.


Info: https://www.seniora.org/erziehung/psychologie/auszug-aus-gestalten-um-alfred-adler-pioniere-der-individualpsychologie


unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.
10.06.2023

Auszug aus «Gestalten um Alfred Adler - Pioniere der Individualpsychologie»  (II von II)

Friedrich Liebling liebte es sehr, bei Tisch die Tageszeitungen zu kommentieren. Er kam auf die täglichen Nachrichten zurück und nahm häufig zu ihnen Stellung. Auch wenn irgendwo «weit hinten in der Türkei die Völker aufeinander einschlugen», gab er seiner Entrüstung darüber Ausdruck, dass die Politiker die Probleme und Konflikte nicht friedlich zu lösen imstande waren. Auch die ständig wachsenden Rüstungsausgaben waren stets Gegenstand seiner Empörung. Er pflegte zu sagen: «Wenn es um Erziehung und Bildung geht, haben die Staaten meistens kein Geld. Das Budget für Kultur ist winzig im Vergleich zum Rüstungsbudget. Doch die Jugend ist verwahrlost und verzweifelt, die Gefängnisse sind voll, die Suchtkrankheiten nehmen überhand, und auch in den Nervenkliniken hat man ausreichend zu tun!»


Wenn uns jugendliche Wehrdienst-Verweigerer konsultierten, setzte sich Friedrich Liebling immer dafür ein, dass diese nach Möglichkeit straffrei blieben. Die Schweiz war nämlich in diesen Belangen sehr rückständig. Wer den Dienst mit der Waffe verweigerte, kam zunächst als Übeltäter ins Gefängnis. Ein Ersatzdienst wurde erst nach ziemlich langwieriger Prüfung bewilligt. Friedrich Liebling und ich untersuchten die Motive für die Absage an das Soldatentum; wo immer diese redlich waren, unterstrichen wir in unseren Gutachten die Notwendigkeit, solche Wehrdienst-Verweigerungen rechtlich anzuerkennen.


Die Friedensbewegung der Fünfzigerjahre fand in Friedrich Liebling einen begei­ sterten Befürworter. Am liebsten wäre er wohl an den Ostermärschen mitgegangen; nur sein Alter hinderte ihn daran. Er empfand es als hohen Idealismus bei Jugendlichen, wenn diese gegen den Strom schwammen und sich für die allgemeine Abrüstung einsetzten. Als 1960 in der BRD die Deutsche Friedens-Union (DFU) gegründet wurde, verfolgte Friedrich Liebling ihr Schicksal mit lebhafter Sympathie; es war für ihn schmerzlich zu sehen, dass gerade diese Partei nicht einmal die Fünf-Prozent-Hürde nehmen konnte (also nicht in den Bundestag kam).


Friedrich Liebling vermittelte seinen Schülern und Patienten eine Abscheu vor Aufrüstung und Krieg. Oft malte er in Gruppensitzungen die enormen Möglichkeiten der heutigen Menschheit aus, wenn sie auf Krieg und Aufrüstung verzichten würde.


Atheismus

Friedrich Liebling war einer der leidenschaftlichsten Atheisten, die mir je begegnet sind. Offenbar verlor er jeglichen Glauben an Gott bereits in jungen Jahren. Aber die endgültige Abkehr von jeder Religiosität kam wohl im Ersten Weltkrieg zustande. Während der vier Kriegsjahre von 1914 bis 1918 fragte er sich immer wieder, wie denn eine Gottheit eine solch grausame und widernatürliche Massenschlächterei zulassen könne. Er beobachtete den Konformismus der Kirchen, die sowohl an der Heimatfront als auch im Felde die Soldaten zum «Tod fürs Vaterland» begeisterten. Damals segneten die Priester sogar Vernichtungswaffen und behaupteten dreist, dass der Herrgott auf der Seite der Rechtgläubigen stünde.


Die Geschichte der Kirchen galt für Friedrich Liebling nahezu als eine «Kriminal­ geschichte». Oft kam er auf die Hexenverfolgungen, auf die Inquisition und auf die Vernichtung Andersgläubiger zu sprechen; er wunderte sich immer wieder darüber, dass gebildete Menschen über diese Tatsachen hinwegsehen und kirchengläubig bleiben konnten.


Über die Frömmigkeit unwissender und ungeschulter Menschen muss man kein Wort verlieren; wer nichts oder wenig gelernt hat, wird im Weltbild der Religion seine naturgemässe Weltanschauung finden. Wie aber steht es mit hochgeistigen Apologeten des altertümlichen Weltbildes? Für Friedrich Liebling war auch dies eine Frage der Erziehung. Was man in der Kindheit unter dem Druck von Autorität und Verdrängung lernt, bleibt meistens unauslöschlich. Auch in einem Spezialfach auffallend gescheite Menschen rekurrieren in Glaubensfragen auf das «Eiapopeia», das ihnen die Amme oder die Mutter in den Kindertagen vorgesungen hat.


Wer den Mut hatte, Kirche und Religion in die Schranken zu weisen, wurde von Friedrich Liebling stark bewundert. Als ich einmal im Gespräch mit ihm Erasmus und Luther gegenüberstellte, äusserte er: «Gegen Erasmus war Luther doch nur ein Bauerntölpel.» Galileis Zurückweichen vor der Inquisition billigte er als einen Schachzug, der diesem möglicherweise das Leben gerettet hat. Um 1600 durfte man im Streit mit den Inquisitoren nicht allzu tapfer sein.


Oft verwies mich Friedrich Liebling auf Ludwig Feuerbach, der ihm die Augen über das Wesen der Religion geöffnet hatte. Auch die Marxsche Religionskritik fand seine Zustimmung, wiewohl er einiges am Marxismus auszusetzen hatte.


Alfred Adler erhoffte sich in seiner Spätzeit einige Unterstützung durch protestantische Pastoren und sogar katholische Geistliche, da diese ja schon berufsmässig das Amt des «Seelenhirten» ausübten. Friedrich Liebling bezeichnete diese Annahme als Irrweg: Der Theologe sei fast immer ein Konformist, der sich nach der Obrigkeit richte, die ihm Brot und Amt gebe. Mit den Pfaffen solle man sich nicht einlassen. Gewiss gebe es unter ihnen auch «weisse Raben», die soziale Gesinnung und Freiheitsimpulse hätten; aber die Mehrzahl sei durch religiöse Indoktrination weitgehend denkunfähig.


Auch Friedrich Nietzsche war ein Lieblingsautor von Friedrich Liebling. Ihm rühmte er nach, dass er den Frömmlern aller Schattierungen entschieden den Boden entzogen habe. Dasselbe gelte für Bertrand Russell, der als Skeptiker immer gegen den Strom geschwommen sei und nie aus Karrieregründen Kompromisse geschlossen habe.


Als ich Martin Heideggers späte Mystizismen ins Gespräch einbrachte, konnte Friedrich Liebling sehr unmutig werden; er hatte Heideggers Solidarisierung mit dem Nationalsozialismus schon in den Dreissigerjahren mitbekommen und stufte die Zuwendung zur Mystik als Verschleierungstaktik ein. Der frühe Heidegger mochte grosse Verdienste um die moderne Philosophie erworben haben. Wenn er aber mit dem Faschismus paktieren konnte, war alles nicht sehr ernst gemeint; es ging um den eigenen Ruhm und um die Selbstverherrlichung, nicht um die Sache der Wahrheit. Da musste in der Spätzeit eben der «liebe Gott» (oder das geheimnisvolle Sein) herhalten, um einen Tiefsinn vorzutäuschen, der gar nicht vorhanden war.


Dass Goethe den Pfaffen und der Kirche spinnefeind war, hielt Liebling für rühmlich; aber er betonte oft, dass der «Herr Minister» sich so vieldeutig ausgedrückt habe, dass auch die Frömmler an ihm Gefallen gefunden hätten.


Wenn ich auf «religiöse Psychotherapie» zu sprechen kam, sagte Friedrich Liebling lakonisch: «Ja, ja   – hölzernes Eisen!» Es schien für ihn undenkbar, dass fromme Seelenärzte eine seelische und geistige Befreiung bei ihren Klienten bewirken könnten.


Stellungnahme zum Kommunismus

Wiewohl Friedrich Liebling in jeder Form des Sozialismus etwas Wahres zu erkennen glaubte, hielt er den Kommunismus für einen entsetzlichen Irrtum. Marx und Engels hatten sich, in der Not ihrer Zeit, einem phantastischen Utopismus verschrieben; sie meinten, dass eine anfängliche Vergottung des Staates nach einer Revolution zur späteren Befreiung aller Menschen führen könne. Das war unpsychologisch gedacht. Denn wer die Macht einmal in den Händen hält, wird sie nie wieder hergeben. Macht ist nicht nur   – wie Jacob Burckhardt lehrte   – an sich böse; sie ist auch die Ursache der schlimmsten Verrücktheit, die den Menschen befallen kann.


Die Staatsgläubigkeit des Bolschewismus stiess Friedrich Liebling schon in den frühen Zwanzigerjahren ab, als noch ein Grossteil der europäischen Intellektuellen von Russland einen Neubeginn der Geschichte erhoffte. Er erzählte mir oft, wie er durch Flüchtlinge aus Russland hautnah über die Greueltaten des bolschewistischen Regimes informiert worden sei; und das schon bald nach 1919. Es war für ihn kein Zufall, dass auf Lenin (der immerhin noch einen gewissen humanistischen Hintergrund hatte) das «Scheusal Stalin» folgte. Dieser war eben ein Mann des Apparates, ein «roter Spiesser». Durch die ungeheure Machtkonzentration in seinen Händen wurde Stalin paranoid; die Grundlagen für diese Paranoia mögen in seiner grausamen Kindheit und durch all die Härten, die er später erlitt, gelegt worden sein. Die anerzogene Autoritätsgläubigkeit der Menschen fügte ein weiteres hinzu, um den allmächtigen Diktator zu einem Gott zu machen. Aber hinter der Maske des «Grossen Bruders» (George Orwell) war leicht der Halbverrückte zu erahnen, der alle seine frühen Gesin­ nungsgenossen zu verfolgen begann und wegen antisowjetischer Umtriebe anklagte.


Friedrich Liebling hatte gewisse Sympathien für Trotzki, den er allerdings auch als absolutistischen Kommunisten einordnete. Verglichen mit Stalin war Trotzki aber ein grosser Revolutionär. Wenn Revolutionen die Freiheit bringen sollen, muss man möglichst bald damit anfangen; sonst etabliert man den Terror, der unsägliche Opfer kostet. Das lehrte schon die Französische Revolution von 1789; alle späteren Revolten haben dieses Gesetz bestätigt.


Für Friedrich Liebling waren Sozialismus und Freiheit (Antiautoritarismus) wesensidentisch. Auch war die Gewaltlosigkeit sein programmatisches Ideal; doch gab er zu, dass in revolutionären Situationen Gewaltanwendung mitunter nicht zu vermeiden war. Tolstoi und Gandhi hatten die Idee vom waffenlosen Widerstand (Satyagraha) mit Erfolg gepredigt. Gandhi hatte in Indien zwar mit einem skrupellosen Kolonialsystem zu tun, konnte aber voraussehen, dass die Engländer doch gewisse Grenzen der Humanität einhalten würden. Bei Hitler (und anderen faschistischen Diktatoren) wie auch bei Stalin war das anders. Wenn die Menschen nichts mehr zu verlieren haben, kann man verstehen, dass sie Mord, Totschlag und den eigenen Untergang einplanen; dann muss auch die Revolte gewaltsam sein.


Friedrich Lieblings Vorbild Alfred Adler hatte schon 1919 dem Bolschewismus eine entschiedene Absage erteilt. Adler sah voraus, dass der Kommunismus in seinem Machtwahn keine Opposition dulden und die monolithische Machtausübung zuletzt im Cäsarismus enden würde. Friedrich Liebling hatte viele Revolutionäre persönlich gekannt, die nach Russland gingen, um dort den Sozialismus aufzubauen. Aber von diesen Idealisten kamen bald sehr enttäuschende Nachrichten. Später erfuhr man, dass sie in Stalins Lagern landeten, im Gulag.

Freunde von Friedrich Liebling gingen 1936 nach Spanien, um die Republik gegen Franco zu verteidigen. Auch dort konnte man die sowjetische Politik in extenso studieren. Durch die russischen Waffenlieferungen bekamen die Kommunisten die Oberhand über die spanischen Anarchisten und Syndikalisten; das Erste war, dass sie sich gegen ihre Waffenbrüder wandten und diese exekutierten. Friedrich Liebling musste nicht auf die Moskauer Schauprozesse von 1937 bis 1939 warten, um das Elend des Stalinismus zu durchschauen. Er litt sehr unter dem Fehlschlag des Bolschewismus und klagte oft darüber, dass eine der grössten Chancen der Neuzeit durch Dummheit und Autoritarismus vertan worden sei.


Auch die Sozialdemokraten waren nicht nach Friedrich Lieblings Geschmack. Er würdigte wohl die guten Absichten des «Austromarxismus» zum Beispiel; aber er brachte den Sieg des europäischen Faschismus mit dem Kleinmut und der Kleinbürgerlichkeit dieser Sozialisten in engen Zusammenhang. Er glossierte sie als «Lampenputzer», die gerne gewusst hätten, «wie man revoluzzt und zugleich auch Lampen putzt» (Erich Mühsam).


Nonkonformist

Friedrich Liebling war zwar ein exemplarischer Mitmensch, aber er wollte nie und nirgendwo mit der Menge laufen; er ging stets seinen eigenen Weg und bewies hierin einen bemerkenswerten Eigensinn. Es war etwas Aristokratisches in ihm, das trotz aller Solidaritätsgefühle keine billige Gemeinschaftsbildung zuliess. Er blieb Herr seiner selbst. Auch suchte er keine Führer und Vermittler; es war undenkbar, sich ihn als Mitglied einer Partei, Clique oder eines Klüngels vorzustellen.


Als ich Stefan Zweigs Erasmus-Biographie las, beeindruckte mich ganz besonders das Motto, das ungefähr lautete: «Ich versuchte zu erfahren, ob Erasmus von dieser oder jener Partei sei; aber ein gewisser Kaufmann erwiderte mir: Erasmus est homo per se   – Erasmus ist eine Partei für sich.» Das hatte ein Reisender im 16. Jahrhundert geschrieben. Friedrich Liebling lächelte bei diesem Zitat und meinte: «Genau so habe ich es immer gehalten; ich wollte nicht Parteimitglied sein, und wenn es auch die beste Partei gewesen wäre!» Er dachte wohl wie Paracelsus, der gesagt hat: «Wer sich selbst gehören kann, soll keinem anderen dienen.» Das zog sich wie ein roter Faden durch Friedrich Lieblings Biographie.


So verehrte er gewiss Alfred Adler als den Schöpfer einer lebensnahen Psychologie und Psychotherapie, aber er hielt es für unnötig, Mitglied der «Individualpsychologischen Gesellschaft» zu werden. Er traf Adler im Zusammenhang mit der Jugendarbeit, die ihn schon in Wien besonders in Anspruch nahm. Adler schätzte Friedrich Liebling als einen ausgezeichneten Praktiker, der als Mensch grossherzig und idealistisch gesinnt war. Scherzhaft nannte er ihn im Gespräch einen «überschwenglichen Idealisten», was zum Ausdruck bringen sollte, dass Friedrich Liebling alles, was er anpackte, mit Schwung, Leidenschaft und Zuversicht in Angriff nahm.


Aber die Zusammenkünfte der Adlerianer in den verschiedenen Kaffeehäusern mied Friedrich Liebling. Das war seiner Meinung nach ein kleinbürgerlicher Zirkel, in dem Adler selbst sich mitunter fremd fühlte. Friedrich Liebling lebte damals fast mehr für die Politik als für die Psychologie; am wichtigsten schien es ihm, die Heraufkunft des Faschismus zu verhüten. Die Nur-Psychologen hielt er für naiv in einer derartigen gefährlichen und gefährdeten Zeit.


Auch die Sozialisten, Freidenker, Naturfreunde usw. fanden in Friedrich Liebling keinen Gefolgsmann. Er nahm an ihren Bestrebungen teil, diskutierte sich den Kopf heiss und musste oft genug erfahren, dass sein Radikalismus wenig Verständnis finden konnte. Wiewohl alle fortschrittlichen Menschen und Gruppierungen ahnten, dass der Faschismus für sie Tod und Untergang bedeutete, tendierten sie zur Beschwichtigungspolitik und zeigten sich nachgiebig, wo immer sie konnten. Die Gegenseite honorierte die Kompromissbereitschaft keineswegs. Der Faschismus und der Autoritarismus enthüllten schamlos ihre Mörderfratze; sie mokierten sich über die freiheitlichen Bestrebungen, die nahezu kampflos in den Abgrund gingen.


Friedrich Liebling erkannte damals, dass mit den zum Masochismus und Autoritarismus erzogenen Menschen die gesellschaftliche Freiheit nicht geschützt und aufrechterhalten werden konnte. Deshalb vollzog er den endgültigen Schwenk zur Psychologie und Psychohygiene. Die Verzweiflung an der Politik liess ihn den kulturellen Wert der Psychotherapie erkennen: «Man muss die Menschen zuerst heilen», pflegte er zu sagen, «dann kann man mit ihnen eine humane Gesellschaft aufbauen.»


Als Nonkonformist fühlte sich Friedrich Liebling in der Nachfolge von Max Stirner und Friedrich Nietzsche, die in ihren Lehren das freie und schöpferische Individuum über alles stellten. Ich machte ihn auch mit Kierkegaard bekannt , der in seinem Grabspruch nur den lakonischen Hinweis haben wollte, er sei «ein Einzelner» gewesen. Ich habe sehr wenige Menschen in meinem Leben getroffen, die ähnlich wie Friedrich Liebling in allen Belangen des Lebens und Denkens durchgehend individualistisch waren.


Aber dieser Individualismus war in keiner Weise egoistisch oder privatistisch. Man hätte von ihm im Sinne Hugo von Hofmannsthals sagen können: «Nur dass er dienen durfte, freute ihn.» Friedrich Liebling hatte sich zu einer starken und unabhängigen Persönlichkeit entwickelt; nicht aber, um andere Menschen zu überragen oder gar zu beherrschen: Er wollte als Starker den Schwachen helfen. Das hat er bis zu seinem letzten Atemzug praktiziert. Die libertären Sozialisten (Michael Bakunin, Gustav Landauer, Erich Mühsam, Peter Kropotkin, Pierre-Joseph Proudhon usw.) bekräftigten in Friedrich Liebling diese Haltung, die ein Stück seiner menschlichen und therapeutischen Grösse ausmachte.


Friedrich Liebling war ein vorzüglicher Kenner der Tiefenpsychologie, der Philosophie, der Weltliteratur, der Geschichte und der Politikwissenschaft. Sein therapeutischer Erfahrungsschatz war weit überdurchschnittlich; er hat unzählige Menschen behandelt und gefördert, weshalb auch sein praktisches Wissen von kaum vorstellbarem Umfang war. Dem steht gegenüber, dass Friedrich Liebling nur wenige schriftliche Arbeiten hinterlassen hat. Er wollte kein Schriftsteller und kein «Schreiber» sein. Ich drang oft in ihn, sich publizistisch zu äussern; aber ich kam damit nicht an. Meine Haltung war das genaue Gegenteil. Ich brannte als junger Mensch darauf, mich literarisch bekannt zu machen. Ich soll angeblich als Jugendlicher gesagt haben, ich würde in Zukunft bestimmt mehr als «zwei Meter Bücher» schreiben   – nämlich aneinandergereiht im Regal .Wenn das wahr ist (ich erinnere mich nicht mehr daran), dann habe ich dieses Desiderat inzwischen einigermassen erfüllt.


Friedrich Liebling pflegte auf meine Vorhaltungen zu sagen: «Der Beruf des Menschenkenners und Menschenbehandlers ist so umfassend, dass man die volle Energie eines Menschenlebens in ihn investieren muss. Würde ich dazu noch schriftstellerische Ambitionen haben, dann kämen meine Patienten und Schüler irgendwie zu kurz. Für mich ist es nicht sinnvoll, den Doppelberuf des Therapeuten und Publizisten auszuüben!»


Allerdings bewunderte er grosse und produktive Schriftsteller aus vollem Herzen. Wir lasen fast alles, was zum Beispiel Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir publizierten. Friedrich Liebling wunderte sich darüber, mit welchem Elan Sartre ein umfängliches Werk nach dem anderen ans Licht brachte. Aber Sartre war eben mit der Manie des Schreibens herangewachsen; Schreiben bedeutete für ihn beinahe alles. Dabei kam vieles andere nicht so günstig zum Tragen: Sein Liebesleben war chaotisch, Alkohol-Abusus lag nicht fern, und das Kettenrauchen musste in flauen Momenten die Produktion stimulieren. Der massvolle und besonnene Friedrich Liebling hätte sich nie dazu hergegeben, um des Bücherschreibens willen seine Gesundheit zu untergraben.

Als ich etwa ein Dutzend Bücher geschrieben und veröffentlicht hatte und darauf auch ein bisschen stolz war, sagte Friedrich Liebling zu mir: «Meine Patienten sind meine Bücher!» Was ich einer anonymen Öffentlichkeit anvertraute, wollte er durchaus nur im persönlichen Lebensverhältnis weitergeben. Ich hielt das damals für einen Fehler und bin auch heute noch der Meinung, dass das Bücherschreiben die Gedanken des Autors klärt und ordnet. Im gewissen Sinn profitiert der Autor am meisten von seinen Büchern; er lernt sich im Schreiben kennen. Andererseits verstehe ich heute   – nach der Publikation von fast 70 Büchern   – den Standpunkt von Friedrich Liebling besser als zuvor. Es hat mich unsäglich viel Kraft und Einsatz gekostet, neben meiner aufreibenden Berufsarbeit noch wissenschaftliche Werke zu verfassen. Mitunter geriet ich sogar in gesundheitliche Krisen, weil ich begonnene Arbeiten nicht beiseite legen und unfertig lassen konnte. Einige der grossen Krankheiten meines Lebens sind vermutlich auf die Doppelbelastung als Arzt und Schriftsteller zurückzuführen.


Es wird ohnehin zu viel geschrieben und zu wenig gelesen. Die Menschen von heute haben nicht die Geduld und die Übung, sich wochen- und monatelang mit einem gehaltvollen Text auseinanderzusetzen. Der Fernsehkonsument von heute liest keine Bücher; wenn überhaupt, dann nur in «gekürzter Fassung». Es entsprach dem Sokratismus von Friedrich Liebling, gesprächsweise seine Kenntnisse und Erfahrungen zu vermitteln. Auch Sokrates hat keine Bücher hinterlassen (die schrieb dann Platon). Und doch ist Sokrates für die abendländische Menschheit zum Lehrer der Weisheit geworden.


Friedrich Liebling legte seine ganze Kunst und alle seine Kenntnisse in die Gestaltung seiner Gespräche. Diese waren tatsächlich Kunstwerke. Sie hatten einen wundervollen Aufbau und zielten auf schöne und klare Resultate hin. Oft begann er ein Therapiegespräch mit Alltäglichem. Fünf bis zehn Minuten sprach er über das Wetter oder über den eigenen Gesundheitszustand (und Beschwerden des Alters). Der Ratsuchende wunderte sich schon, wo das hinführen sollte. Aber dann kam der elegante Schwenk zu den eigentlichen Problemen; und es wurde mit solcher Intensität gearbeitet, dass viel dabei herauskam. Diese Gespräche sind Friedrich Lieblings Schülern und Patienten unvergesslich geblieben.


Friedrich Liebling starb im Februar 1982 im Alter von 89 Jahren in Zürich. Sein Lebenswerk wurde durch meine Arbeit in Berlin fortgesetzt.


Literatur

Fellay, Gerda: La conception de l'education de Friedrich Liebling (1893  –1982), Dissertation an der Universität Lausanne, Bern 1997

Müller, Reinhard: Friedrich Liebling   – Psychologe und Psychotherapeut, in: Archiv für die Geschichte der Soziologie in Österreich, Newsletter Nr. 16, Graz 1997

Rattner, Josef: Erinnerungen an Friedrich Liebling, in: Miteinander leben lernen, Heft 2, Jg. 1992
___

Alfred Lévy, Gerald Mackenthun (Herausgeber)

Buch | Softcover

332 Seiten

2002
Königshausen u. Neumann (Verlag)
978-3-8260-2156-5 (ISBN)

 


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10.06.2023

Die Natur der Macht

transition-news.org, heruntergeladen am 10. Juni 2023, 23:55 Uhr

Die Natur der Macht
  Wenn die Macht der Liebe
über die Liebe zur Macht siegt,
wird die Welt Frieden finden.
Jimi Hendrix

Liebe Leserinnen und Leser Wir leben in einer verlogenen Welt, in der wir überwacht und bespitzelt werden. Diejenigen, die sich für die Wahrheit einsetzen, Kontrollmechanismen, Lügen und Verbrechen aufdecken, werden verfolgt, müssen ins Exil flüchten oder sind seit Jahren im Gefängnis. Vor einigen Tagen hat der Oberste Gerichtshofs des Vereinigten Königreichs die Berufung des WikiLeaks-Gründers Julian Assange gegen seine Auslieferung an die USA abgelehnt. Die Gefahr, dass er tatsächlich in die unerbittlichen Hände der US-Justiz fällt, ist nun so real wie nie zuvor. Wegen der Veröffentlichung geheimer Informationen über Kriegsverbrechen und Menschenrechtsverletzungen des US-Militärs im Jahr 2010 drohen ihm bis zu 175 Jahre Haft. Diesem Schicksal entkam der ehemalige NSA-Mitarbeiter Edward Snowden nur knapp. 2013 hatte er Zehntausende von streng geheimen Dokumenten an Journalisten übergeben. Diese enthielten explosive Informationen über die weit verbreitete, teilweise illegale Bespitzelung durch US-amerikanische und britische Behörden. Nachdem Snowden in über 20 Ländern der Welt vergeblich Asyl beantragt hatte, lebt er heute in Russland. In einem Interview zum zehnten Jahrestag seiner Enthüllungen warnte Snowden letzte Woche vor den beunruhigenden technologischen Entwicklungen, mit denen Regierungen und Big-Tech-Unternehmen unsere Privatsphäre in der physischen und digitalen Welt aushöhlen (hier und hier).

«Die Technologie hat einen enormen Einfluss erlangt. Wenn wir darüber nachdenken, was wir 2013 gesehen haben – und über welche Möglichkeiten Regierungen heute verfügen, erscheint 2013 wie ein Kinderspiel», sagte Snowden.

Aber auch kommerziell verfügbare Videoüberwachungskameras, Gesichtserkennung, künstliche Intelligenz und aufdringliche Spionagesoftware wie Pegasus können gegen sogenannte Dissidenten und Journalisten eingesetzt werden. Im Rückblick auf 2013 erklärte Snowden:

«Wir vertrauten darauf, dass die Regierung uns nicht verarschen würde. Aber sie hat es getan. Wir vertrauten darauf, dass die Technologieunternehmen uns nicht ausnutzen würden. Aber das haben sie getan. Das wird wieder passieren, denn das ist die Natur der Macht.»

Snowden sprach auch darüber, wie sich die Medienlandschaft im Laufe der letzten Zeit verändert hat. Enthüllungen wie vor zehn Jahren seien heute unmöglich. Die Mainstream-Medien würden Fakten und Tatsachen vertuschen, die der Politik und den Profitinteressen der digital-finanziellen und militärisch-industriellen Komplexe sowie der Pharmaindustrie widersprechen. Zu den wichtigen Techniken, die westliche Länder bei ihrer totalitären Zensur und der Bekämpfung der Wahrheit anwenden, gehören Systematik, Lügen, Verschweigen und Verdrehen von Tatsachen, aggressive Beschuldigungen und das Aufzwingen eines bestimmten «Standpunkts». Jeder, der versucht, die Behörden zu entlarven, wird eingeschüchtert, entlassen oder inhaftiert. Schon im Herbst 2022 hatte Snowden ein Video aus dem Jahr 1983 publiziert, das offenbart, dass Medien, die als seriöse und zuverlässige Quelle gelten, unter der Kontrolle der Geheimdienste stehen. In diesem vierminütigen Videoausschnitt liess der ehemalige CIA-Analyst Frank Snepp keinen Zweifel daran, dass die Geheimdienste die wichtigen Medien im Sack haben – und diese seit jeher als «Desinformationskanäle» nutzen.

«(…) ich briefte die Presse, wenn wir, die CIA, eine Desinformation zu einem bestimmten Thema in Umlauf bringen wollten. Desinformation muss nicht zwangsläufig eine Lüge sein, es kann auch eine Halbwahrheit sein. Wir wählten einen Journalisten aus, ich führte das Informationsgespräch durch und hoffte darauf, dass er die Nachricht veröffentlicht (…).

Auf die Frage, wie erfolgreich diese Desinformationskampagnen waren, antwortete Snepp: «Wir waren ziemlich erfolgreich.» Das war 1983, heute ist das Manipulations-System noch ausgefeilter. Die «Pandemie» hat das bewiesen. Ohne die Propaganda- und Hetzkampagnen des Mainstreams und eine gnadenlose Zensur der Wahrheit wären die Mächtigen der Welt nicht in der Lage gewesen, das Märchen vom Killervirus in die Köpfe so vieler Menschen zu hämmern. Herzlich Wiltrud Schwetje

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Info: https://transition-news.org/die-natur-der-macht


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10.06.2023

ÖGB kündigt der Wiener Friedenskonferenz die Räume --  Internationaler Friedensgipfel am 10. & 11. Juni in Wien

aus e-mail von Felix Weiland, 10. Juni 2023, 11:17 Uhr


Aktuell hat der ÖGB, das staatstragende Gegenstück zum DGB, der Wiener

Friedenskonferenz die Räume gekündigt.


Es ist der größte internationale Friedenskongress seit Beginn des

Krieges in der Ukraine.


Sie sollte vor einer Stunde beginnen.



Quellen:


Über die Wiener Friedenskonferenz (am kommenden Wochenende) - aus erster

Hand (DE, EN):

https://www.peacevienna.org/



Aktuell hat der ÖGB die Räume gekündigt, weil Jeffrey Sachs teilnimmt;

weiteres siehe:

https://www.peacevienna.org/wp-content/uploads/2023/06/Stellungnahme-der-Organistoren-zur-Absage-des-OGB.pdf


   -- und hier (Boulevard Sat1):

https://www.puls24.at/news/politik/oegb-setzt-wiener-ukraine-friedensgipfel-vor-die-tuer/299396

   -- und hier (Zeitung der Arbeit):

https://zeitungderarbeit.at/politik/oegb-knickt-vor-selenski-ein/



Von der Konferenz schon vor Monaten erfahren = gute Infoquelle der

Friedensbewegung Österreichs:


Aktionsbündnis für Frieden, aktive Neutralität und Gewaltfreiheit

(abgekürzt: AbFaNG)

https://abfang.org/termine/



Weiteres:




Erzwungener Ortswechsel für den internationalen Friedensgipfel in Wien!


> zum Programm des Friedensgipfels am 10. und 11. Juni 

(08. Juni 2023) Seit Dezember 2022 laufen die Vorbereitungen für den internationalen Friedensgipfel für die Ukraine „Peace by peaceful means“ und seit zwei Wochen bläst den Veranstaltern plötzlich ein Wind entgegen, voller Diffamierungen und nicht hinterfragter Behauptungen. Seltsamerweise wurden, laut unseren Recherchen, die Veranstalter und Mitgestalter selbst bisher von keiner einzigen Journalistin, keinem Journalisten dazu befragt. Hingegen werden Personen, die sich bisher nie in unserem Bündnis, das immerhin 41 Organisationen umfasst, zu Wort gemeldet haben, zur Konferenz befragt und als Informationsquelle herangezogen. Dies gipfelte gestern in der Kündigung der Mietvereinbarung für die Konferenzräume seitens des ÖGB, und dies zwei Tage vor der internationalen Konferenz. Daher haben wir für SIe hier die bisherigen Reaktionen der Veranstalter und von Mitarbeiter:innen des Friedensgipfels auf die diffamierenden Angriffe zusammengestellt:


> Der demokratische Dialog findet statt – trotz Absage des ÖGB
> Der STANDARD unter Propagandaverdacht (Werner Wintersteiner)
> Stellungnahme der Gewerkschafter:innen gegen Atomenergie und Krieg
> Stellungnahme der Organisatoren vom 7.6. (vor der ÖGB-Kündigung) 
> Ukraine: Die Waffen nieder das Gewissen hoch (Beitrag aus „Die Furche“ vom 6. Juni 2023)



SDG Ziel 16: Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen


abfang.org, abgerufen am 10. Juni 2023, 19:17 Uhr


Δ  Weltweite Tötungsdelikte, Gewalt gegen Kinder, Menschenhandel und sexuelle Gewalt müssen bekämpft werden, um friedliche und integrative Gesellschaften für eine nachhaltige Entwicklung zu fördern. Sie ebnen den Weg für die Ermöglichung des Zugangs zur Justiz für alle und für den Aufbau effektiver, rechenschaftspflichtiger Institutionen auf allen Ebenen.


Δ  Während die Fälle von Mord und Menschenhandel in den letzten zehn Jahren erheblich gesunken sind, sind immer noch Tausende von Menschen in Lateinamerika, in Subsahara-Afrika und in Asien stärker von vorsätzlichen Morden bedroht. Kinderrechtsverletzungen durch Aggression und sexuelle Gewalt plagen nach wie vor viele Länder auf der ganzen Welt, zumal mangelnde Berichterstattung und Datenmangel das Problem verschärfen.


Δ  Um diese Herausforderungen anzugehen und eine friedlichere, integrativere Gesellschaft aufzubauen, bedarf es effizienterer und transparenterer Vorschriften und umfassenderer, realistischer öffentlicher Haushalte. Einer der ersten Schritte zum Schutz der individuellen Rechte ist die Umsetzung der weltweiten Geburtsregistrierung und die Schaffung unabhängigerer nationaler Menschenrechts-Institutionen auf der ganzen Welt.


SDG Ziel 16: Friedliche und inklusive Gesellschaften für eine nachhaltige Entwicklung fördern, allen Menschen Zugang zur Justiz ermöglichen und leistungsfähige, rechenschaftspflichtige und inklusive Institutionen auf allen Ebenen aufbauen.

Die Unterziele von SDG 16

16.1 Alle Formen der Gewalt und die gewaltbedingte Sterblichkeit überall deutlich verringern

16.2 Missbrauch und Ausbeutung von Kindern, den Kinderhandel, Folter und alle Formen von Gewalt gegen Kinder beenden

16.3 Die Rechtsstaatlichkeit auf nationaler und internationaler Ebene fördern und den gleichberechtigten Zugang aller zur Justiz gewährleisten

16.4 Bis 2030 illegale Finanz- und Waffenströme deutlich verringern, die Wiedererlangung und Rückgabe gestohlener Vermögenswerte verstärken und alle Formen der organisierten Kriminalität bekämpfen

16.5 Korruption und Bestechung in allen ihren Formen erheblich reduzieren

16.6 Leistungsfähige, rechenschaftspflichtige und transparente Institutionen auf allen Ebenen aufbauen

16.7 Dafür sorgen, dass die Entscheidungsfindung auf allen Ebenen bedarfsorientiert, inklusiv, partizipatorisch und repräsentativ ist

16.8 Die Teilhabe der Entwicklungsländer an den globalen Lenkungsinstitutionen erweitern und verstärken

16.9 Bis 2030 insbesondere durch die Registrierung der Geburten dafür sorgen, dass alle Menschen eine rechtliche Identität haben

16.10 Den öffentlichen Zugang zu Informationen gewährleisten und die Grundfreiheiten schützen, im Einklang mit den nationalen Rechtsvorschriften und völkerrechtlichen Übereinkünften

16.a Die zuständigen nationalen Institutionen namentlich durch internationale Zusammenarbeit beim Kapazitätsaufbau auf allen Ebenen zur Verhütung von Gewalt und zur Bekämpfung von Terrorismus und Kriminalität unterstützen, insbesondere in den Entwicklungsländern

16.b Nichtdiskriminierende Rechtsvorschriften und Politiken zugunsten einer nachhaltigen Entwicklung fördern und durchsetzen

> Vollständiger UN-Resolutionstext in deutscher Übertragung


Info: https://abfang.org/ueber-uns/initiative-sdg16-frieden

10.06.2023

"Die Gegenoffensive ist nicht entscheidend" – Foreign Affairs fordert Verhandlungen

freeassange.rtde.life, 10 Juni 2023 14:48 Uhr

Die Ukraine kann den Konflikt mit Russland militärisch nicht gewinnen. Die Suche nach einem Ausstiegsszenario ist daher dringend notwendig, meint das US-Magazin Foreign Affairs und schlägt ein Einfrieren nach koreanischem Vorbild vor. Sonst drohe ein endloser Krieg.


Quelle: Sputnik © Alexey Mais



hev


In den USA wird immer lauter ein Einfrieren des Ukraine-Konflikts gefordert.


Die Zeiten ändern sich, die Bekenntnisse des Westens zur unverbrüchlichen militärischen Unterstützung der Ukraine bröckeln. In Deutschland zwar noch nicht, dort beschimpft der Kanzler alle, die von ihm mehr Einsatz für Frieden und Verhandlungen fordern. Aber innerhalb der EU wendet sich das Blatt. Vor allem jedoch in den USA werden Forderungen nach einer diplomatischen Lösung nicht nur immer lauter, sondern inzwischen auch an ganz prominenter Stelle präsentiert.

Am 5. Juni erschien in der renommierten US-Zeitschrift Foreign Affairs ein Beitrag unter der Überschrift "Ein nicht zu gewinnender Krieg", dessen Autor sich mit der Ukraine auseinandersetzt und das Einfrieren des Konfliktes fordert.

Das ist bemerkenswert, denn Foreign Affairs gilt als das führende Blatt zur US-Außenpolitik. Hinter Foreign Affairs steht der US-amerikanische Thinktank "Council on Foreign Relations" mit großem Einfluss auf die strategische Ausrichtung der US-Außenpolitik.


Henry Kissinger: "Ich bin übrigens nicht der Meinung, dass alle Schuld bei Putin liegt"





Henry Kissinger: "Ich bin übrigens nicht der Meinung, dass alle Schuld bei Putin liegt"






Natürlich kommt der Autor Samuel Charap nicht umhin, einleitend Russlands militärische Schwäche zu betonen und den Heldenmut der Ukraine zu loben, um dann eine argumentative Wende zu vollziehen: Auch wenn es der Ukraine in der Gegenoffensive gelänge, Geländegewinne zu erzielen, wenn sie weitgehend erfolgreich verliefe, würde das den Krieg nicht beenden.

"Aber selbst wenn sie gut verläuft, wird eine Gegenoffensive nicht zu einem militärisch entscheidenden Ergebnis führen", schreibt Charap, Politikwissenschaftler bei der RAND Corporation.  

Hingewiesen wird in diesem Zusammenhang auf einige der bereits bekannten Probleme, mit denen die ukrainische Armee zu kämpfen hat: Munitionsmangel, große Verluste wie beispielsweise bei der Verteidigung von Artjomowsk und die Komplexität westlicher Waffensysteme, in die sich einzuarbeiten den ukrainischen Soldaten die Zeit fehlt. Ein militärischer Erfolg würde zudem nicht zwangsläufig zu einem Ende des Krieges führen.

"Selbst wenn Kiew über alle Erwartungen hinaus Erfolg hätte und die russischen Truppen zum Rückzug über die internationale Grenze zwingen würde, würde Moskau die Kämpfe nicht unbedingt einstellen. Aber kaum jemand im Westen erwartet so ein Ergebnis zu irgendeinem Zeitpunkt, geschweige denn in naher Zukunft. Stattdessen ist die optimistische Erwartung für die kommenden Monate, dass die Ukrainer im Süden einige Gewinne erzielen werden. (...) Kurz gesagt, selbst Erfolge auf dem Schlachtfeld führen nicht notwendig zu einem Ende des Krieges."


EU bleibt auf Kriegskurs – Friedensinitiativen kommen aus anderen Teilen der Welt




Meinung

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Gelänge es nicht, eine Verhandlungsoption zu eröffnen, so drohe daher ein langer Krieg. Es liege in der Verantwortung der USA, die Ukraine zu Verhandlungen zu drängen.


Vorgeschlagen wird ein Einfrieren des Kriegs nach koreanischem Vorbild. Zwischen Nord- und Südkorea existiert lediglich eine Vereinbarung über einen Waffenstillstand. Dieser Waffenstillstand hält jedoch bereits seit 1953. Die Ukraine müsste damit ihre territorialen Ansprüche nicht aufgeben, könnte eine Wiedervereinigung aber in die Zukunft aufschieben und die gegebenen Realitäten vorerst anerkennen, schreibt der Autor des Beitrags.


Statt eines Beitritts zur NATO schlägt Charap Sicherheitsgarantien durch die USA als Alternative vor. Sollte eine Beitrittsperspektive der Ukraine zur NATO aufrechterhalten bleiben, könnte das die Bereitschaft Russlands erhöhen, den Krieg fortzuführen.

"Selbst wenn es unter den Verbündeten einen Konsens gäbe, Kiew eine Mitgliedschaft anzubieten (was nicht der Fall ist), könnte die Gewährung einer Sicherheitsgarantie für die Ukraine durch die NATO-Mitgliedschaft den Frieden für Russland so unattraktiv machen, dass Putin beschließen würde, weiter zu kämpfen."


Die nächste Runde Demütigung: Olaf Scholz zum Befehlsempfang in Washington




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Es brauche daher eine doppelte Strategie, argumentiert der Autor. Der Westen müsse die Ukraine weiter unterstützen, während er Gesprächskanäle nach Russland öffnet und sich um Gespräche bemüht. Es brauche einen Plan zur Beendigung des Krieges. Diesen Plan gibt es bisher nicht, er müsse dringend erarbeitet werden, da sonst die sinnlose und verlustreiche Verlängerung des Krieges droht. Eine Verringerung der militärischen Aktivität auf ein niedrigeres Niveau sei unter den aktuellen Bedingungen und unter Ausschluss von Diplomatie nicht möglich, meint Charap. Das zeige die Geschichte.

"Während westliche Regierungen weiterhin alles in ihrer Macht Stehende tun sollten, um die Ukraine militärisch zu unterstützen, muss der Westen auch eine Ausstiegsstrategie aus dem Krieg erarbeiten – eine Vision für ein Endspiel, das unter den alles andere als idealen Umständen plausibel ist. Denn ein entscheidender militärischer Sieg ist höchst unwahrscheinlich."

In den nächsten Monaten sei daher ein konkreter diplomatischer Pfad zu etablieren, der Verhandlungen ermöglicht. Zu beachten sei dabei, dass der Schritt nicht als grundlegende Abkehr von der bisherigen Politik der Unterstützung der Ukraine erscheint und von Kiew nicht als Preisgabe ukrainischer Interessen verstanden wird.

"Bereits jetzt muss jeder Schritt der USA und ihrer Verbündeten, den diplomatischen Weg zu öffnen – selbst mit der Unterstützung der Ukraine – sorgfältig bedacht werden, damit er nicht als Politikumkehr oder Aufgabe der westlichen Unterstützung für Kiew verstanden  wird."

Die Vorschläge, die Charap macht, sind relativ weit ausgearbeitet. Es scheint in den USA vieles in Bewegung zu kommen. Es sieht daher ganz danach aus, als müsse der Kanzler bald seine Position gegenüber Friedensaktivisten korrigieren. Die USA werden ihn dazu zwingen. Man darf gespannt sein, wie Scholz seine geänderte Position dem Publikum verkauft.


Mehr zum Thema – Der Blasen-Kanzler: Kaum trifft Olaf Scholz auf echte Menschen, flippt er aus


Durch die Sperrung von RT zielt die EU darauf ab, eine kritische, nicht prowestliche Informationsquelle zum Schweigen zu bringen. Und dies nicht nur hinsichtlich des Ukraine-Kriegs. Der Zugang zu unserer Website wurde erschwert, mehrere Soziale Medien haben unsere Accounts blockiert. Es liegt nun an uns allen, ob in Deutschland und der EU auch weiterhin ein Journalismus jenseits der Mainstream-Narrative betrieben werden kann. Wenn Euch unsere Artikel gefallen, teilt sie gern überall, wo Ihr aktiv seid. Das ist möglich, denn die EU hat weder unsere Arbeit noch das Lesen und Teilen unserer Artikel verboten. Anmerkung: Allerdings hat Österreich mit der Änderung des "Audiovisuellen Mediendienst-Gesetzes" am 13. April diesbezüglich eine Änderung eingeführt, die möglicherweise auch Privatpersonen betrifft. Deswegen bitten wir Euch bis zur Klärung des Sachverhalts, in Österreich unsere Beiträge vorerst nicht in den Sozialen Medien zu teilen.

Info: https://freeassange.rtde.life/international/172336-die-gegenoffensive-ist-nicht-entscheidend-foreign-affairs-fordert-verhandlungen


unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

10.06.2023

Liveticker Ukraine-Krieg – Russlands Militär: Gut 40 Freiwilligen-Gruppen im Kampfgebiet im Einsatz

freeassange.rtde.life, 10 Juni 2023 14:44 Uhr

Russland führt gemeinsam mit den Streitkräften der Donbass-Republiken eine Militäroperation in der Ukraine durch. Der Westen reagiert mit immer neuen Waffenlieferungen an die Ukraine und beispiellosen Sanktionen gegen Russland. Lesen Sie hier die neuesten Entwicklungen.


Archivbild: Männer vor einer Rekrutierungsstelle in Wolgograd, 23. Mai 2023.






Quelle: Sputnik © KIRILL BRAG

  • 10.06.2023 18:21 Uhr

18:21 Uh

Selenskij meldet Gegenoffensive der ukrainischen Streitkräfte

Der ukrainische Präsident Wladimir Selenskij hat erklärt, dass in der Ukraine weiterhin Gegenoffensiven durchgeführt werden. Er weigerte sich jedoch zu sagen, in welchem Stadium sich diese befinden. Auf einer Pressekonferenz mit dem kanadischen Premierminister Justin Trudeau in Kiew teilte er mit:

"Es finden in der Ukraine relevante Gegenoffensiven und Defensivmaßnahmen statt, in welchem Stadium, werde ich nicht im Detail sagen. Ich glaube, dass wir das alles mit Sicherheit spüren werden."

Der russische Präsident Wladimir Putin hatte am Freitag gegenüber Reportern erklärt, der Einsatz strategischer Reserven durch Kiew belege, dass eine ukrainische Gegenoffensive begonnen habe.

  • 17:37 Uhr

    Russisches Verteidigungsministerium veröffentlicht Videomaterial von zerstörter NATO-Ausrüstung

    Der offizielle Telegram-Kanal des russischen Verteidigungsministeriums veröffentlichte Aufnahmen, die zeigen, wie Besatzungen von Ka-52-Aufklärungshubschraubern der russischen Streitkräfte gepanzerte Fahrzeuge westlicher Bauart der ukrainischen Streitkräfte im Frontabschnitt Saporoschje zerstören.

    Die russischen Einheiten feuerten Lenkraketen auf einen Konvoi gepanzerter Fahrzeuge der ukrainischen Streitkräfte. Nach der Zerstörung mehrerer gepanzerter Fahrzeuge versuchten die übrigen, sich zu entfernen, wurden bei diesem Unterfangen jedoch ebenfalls zerstört.

    Außerdem veröffentlichte das russische Verteidigungsministerium ein Video von zerstörten westlichen gepanzerten Fahrzeugen der ukrainischen Streitkräfte im Frontabschnitt Süddonezk.

    Darüber hinaus veröffentlichte das russische Verteidigungsministerium Filmmaterial, das die Zerstörung von Panzern der ukrainischen Streitkräfte durch russische Drohnenangriffe im Frontabschnitt Saporoschje zeigt.

  • 16:59 Uhr

    Truppenverband Ost: Alle ukrainischen Angriffsversuche im Laufe des Tages abgewehrt


    Oleg Tschechow, Leiter des Pressezentrums der russischen Truppengruppierung Ost, hat den Verlauf der russischen militärischen Sonderoperation in der Ukraine beschrieben. Er sagte, dass das russische Militär, unterstützt durch Artillerie und Luftfahrt, einen Feuerangriff auf die ukrainischen Streitkräfte durchgeführt hätte. Die ukrainischen Truppen würden versuchen, offensive Operationen im Frontabschnitt Süd-Donezk zu realisieren. Infolgedessen seien ukrainische Nationalisten südlich von Wodjanoje getötet, sechs gepanzerte Fahrzeuge zerstört und ukrainisches Personal in der Nähe des Staatsgutes Oktjabr liquidiert worden.

    Im Frontabschnitt Saporoschje versuchen ukrainische Soldaten ebenfalls, Offensiven durchzuführen. Die Angriffe werden erfolgreich abgewehrt. In der Nähe von Malaja Tokmatschka seien sechs Panzer zerstört und ukrainisches Personal getötet worden. In der Nähe von Nowodanilowka sollen drei Kampfpanzer, ein Schützenpanzer, drei gepanzerte Fahrzeuge zerstört und ukrainisches Personal getötet worden sein. In der Nähe von Salesnitschnoje sei auch eine selbstfahrende CAESAR-Artillerieeinheit zerstört worden.

    Tschechow fügte hinzu, dass das russische Militär mit schweren Raketenwerfersystemen zwei ukrainische Stützpunkte in der Nähe von Doroschnjanka getroffen hätte. Außerdem hätte die russische Luftabwehr eine ukrainische Leleka-Drohne abgeschossen.

  • 16:23 Uhr

    Zwei ukrainische Angriffe in den Frontabschnitten Lissitschansk und Awdejewka zurückgeschlagen


    Wadim Astafjew, Leiter des Pressezentrums der russischen Militärtruppengruppierung Süd, sprach über die Fortschritte der russischen militärischen Sonderoperation in der Ukraine. Er sagte, das russische Militär habe zwei ukrainische Angriffe in den Frontabschnitten Lissitschansk und Awdejewka zurückgeschlagen. Die ukrainischen Streitkräfte erlitten Verluste an Mannstärke.

    Die russische Artillerie zerstörte drei Schützenpanzer der ukrainischen Streitkräfte in der Nähe des Dorfes Serebrjanka und einen Schützenpanzer bei Bogdanowka. Darüber hinaus seien ukrainische Mörserbesatzungen in den Bezirken Werchnekanenskoje, Umanskoje und Pobeda zerstört worden. Eine ukrainische Artillerieeinheit bei Lewanewskoje sei ebenfalls zerstört worden.

    Astafjew berichtete auch, dass die russischen operativen und taktischen Luftstreitkräfte eine Konzentration von Waffen und militärischer Ausrüstung sowie einen vorübergehenden Aufmarschpunkt der 110. separaten mechanisierten Brigade der ukrainischen Streitkräfte in der Nähe von Awdejewka bombardiert hat. Außerdem sei eine Konzentration der ukrainischen Streitkräfte in der Nähe des Dorfes Jagodnoje getroffen worden.

    Russische Flugabwehrschützen, die ein Buk-M2 Boden-Luft-Raketensystem einsetzten, schossen eine ukrainische Leleka-100-Drohne in der Nähe des Dorfes Kodema ab.

  • 15:48 Uhr

    Russische Luftabwehr schießt ukrainisches Jagdflugzeug vom Typ MiG-29 ab 


    Das russische Verteidigungsministerium hat am Samstag über weitere Angriffe auf ukrainische Stellungen berichtet. Wie der Sprecher der Behörde, Generalleutnant Igor Konaschenkow, auf seinem täglichen Briefing mitteilte, seien in den letzten 24 Stunden insgesamt 93 Artillerie-Einheiten und 122 Orte mit Personal und Technik der ukrainischen Streitkräfte zerstört worden. In der Nähe der Ortschaft Rai-Alexandrowka und der Stadt Charkow seien der Stab der 10. Gebirgssturmbrigade und der Stab der 60. mechanisierten Brigade der ukrainischen Armee getroffen worden.     

    Ferner berichtete Konaschenkow über den Einsatz der russischen Luftabwehr. So habe die ukrainische Waffe in der Nähe der Ortschaft Platonowka ein Jagdflugzeug vom Typ MiG-29 verloren. In den letzten 24 Stunden seien zudem zwei Storm-Shadow-Marschflugkörper und zehn HIMARS-Geschosse abgefangen worden. Die russische Luftabwehr habe darüber hinaus acht ukrainische Drohnen zerstört.

    Nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Moskau habe die Ukraine seit dem Beginn der Sonderoperation am 24. Februar 2022 insgesamt 441 Flugzeuge, 238 Hubschrauber, 4.563 Drohnen, 424 Flugabwehrraketenkomplexe, 9.841 Panzer und andere Panzerfahrzeuge, 1.122 Mehrfachraketenwerfer sowie 5.071 Geschütze und Mörser verloren.

  • 15:07 Uhr

    Russisches Militär zerstört zwei ukrainische Panzerhaubitzen vom Typ Gwosdika


    Alexander Sawtschuk, Leiter des Pressezentrums der russischen Truppengruppierung Mitte, hat den Verlauf der russischen militärischen Sonderoperation in der Ukraine beschrieben. Er sagte, das russische Militär hätte zwei Panzerhaubitzen vom Typ Gwosdika, vier Munitionsversorgungsfahrzeuge, eine Haubitze vom Typ D-30 und zwei Stellungen von 120-mm-Mörsern der ukrainischen Streitkräfte im Frontabschnitt Krasny Liman zerstört.

    Russische Flugabwehrkanoniere setzten das Boden-Luft-Raketensystem Buk-M2 ein, um eine HIMARS-Rakete zu zerstören. Darüber hinaus vereitelten Artillerie- und Heeresfliegerangriffe der russischen Truppengruppe in den Gebieten von Torskoje und Serebrjanskoje Lesnitschestwo Versuche ukrainischer Angriffsgruppen, gepanzerte Kampffahrzeuge der 81. Luftmobilbrigade und der 67. mechanisierten Brigade der ukrainischen Truppen anzugreifen.

  • 14:38 Uhr

    Scholz will "demnächst" wieder mit Putin reden – Kreml: Bislang kein Telefonat geplant


    Bundeskanzler Olaf Scholz hat ein Telefonat mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin angekündigt. Er habe auch nach dem Beginn des Ukraine-Kriegs mit Putin gesprochen, sagte der SPD-Politiker am Samstag auf dem 38. Evangelischen Kirchentag in Nürnberg.

    "Ich habe vor, das demnächst wieder zu tun."

    Voraussetzung für einen "fairen Frieden" sei, dass Russland seine Truppen zurückziehe, sagte Scholz weiter. Vereinzelt kamen im Publikum "Verhandeln"-Rufe auf. Der Bundeskanzler antwortete darauf:

    "Verhandeln ist okay. Die Frage ist: Wer verhandelt mit wem und worüber."

    Kremlsprecher Dmitri Peskow teilte auf Anfrage mit, dass der russische Präsident bislang nicht vorhabe, mit dem deutschen Bundeskanzler zu telefonieren. Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, fragte in diesem Zusammenhang auf Telegram, ob Scholz nun etwa bereit sei, zu sagen, wer die Nord-Stream-Pipelines gesprengt habe.

  • 14:15 Uhr

    Russlands Vize-Verteidigungsminister Pankow: Mehr als 40 Freiwilligen-Verbände erfüllen Aufgaben an Kontaktlinie


    Der stellvertretende Verteidigungsminister Russlands, Nikolai Pankow, hat auf einer Beratung in Moskau die jüngsten Statistiken zur Rekrutierung von sogenannten Vertragsmilitärs bekannt gegeben. Ihm zufolge hätten seit Anfang Juni mehr als 13.500 Menschen den Vertrag über den Dienst in den russischen Streitkräften unterzeichnet. Dies sei das 2,1-Fache des Vormonatswerts und das 3,1-Fache der Zahlen aus April 2023. Der Vize-Verteidigungsminister lobte dabei die Rekrutierungsergebnisse in Moskau und Sewastopol, den Teilrepubliken Altai, Baschkortostan, Inguschetien, Karatschai-Tscherkessien, Komi, Tuwa und Tschetschenien, in den Gebieten Astrachan, Woronesch, Murmansk, Pensa, Sachalin, Tjumen und im Jüdischen Autonomen Gebiet.

    Pankow erklärte ferner, dass es einen deutlichen Zuwachs an Bürgern geben, die ihre Heimat in Freiwilligen-Verbänden schützen möchten. Momentan gebe es mehr als 40 solcher Gruppen. Sie erfüllten erfolgreich Aufgaben an der Kontaktlinie. In diesem Zusammenhang machte der hochrangige Militär auf einen hohen Grad der Konsolidierung der russischen Gesellschaft aufmerksam.

  • 13:35 Uhr

    Russlands Ex-Präsident Medwedew reagiert auf Rheinmetall-Pläne zur Panzer-Fabrik in Ukraine

    Der Vize-Leiter des russischen Sicherheitsrates, Dmitri Medwedew, hat auf Twitter auf die Pläne des deutschen Rüstungskonzerns Rheinmetall reagiert, eine Panzer-Produktion in der Ukraine in Gang zu setzen. Der Politiker bat, Russland die genauen Koordinaten des künftigen Werks zuzuschicken.

    Zuvor hatte der Chef des deutschen Konzerns, Armin Papperger, in einem Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) die Pläne seines Unternehmens bekräftigt, in der Ukraine einen Rüstungsbetrieb zur Produktion des Panzers vom Typ Panther zu schaffen. Auf die Frage, ob eine Panzerfabrik in der Ukraine ein Ziel für russische Raketen sein könnte, sagte Papperger, dass es auch heute Rüstungsfabriken in der Ukraine gebe. Solche Einrichtungen ließen sich schützen.

  • 13:13 Uhr

    Vertreter der russischen Behörden von Saporoschje beziffert ukrainische Truppengruppierung in Region auf 100.000 Soldaten


    Der Chef der Bewegung "Wir sind zusammen mit Russland", Wladimir Rogow, hat in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur RIA Nowosti die ukrainische Truppengruppierung am Frontabschnitt im Gebiet Saporoschje auf über 100.000 Armeeangehörige geschätzt.

    "Momentan wird bei der Offensive eine relativ kleine Gruppe eingesetzt."

    Rogow zufolge befänden sich die ukrainischen Hauptreserven bislang abseits der Kontaktlinie. Die Truppen seien über den von der Ukraine kontrollierten Teil des Gebiets Saporoschje und im Gebiet Dnjepropetrowsk verstreut.

  • Durch die Sperrung von RT zielt die EU darauf ab, eine kritische, nicht prowestliche Informationsquelle zum Schweigen zu bringen. Und dies nicht nur hinsichtlich des Ukraine-Kriegs. Der Zugang zu unserer Website wurde erschwert, mehrere Soziale Medien haben unsere Accounts blockiert. Es liegt nun an uns allen, ob in Deutschland und der EU auch weiterhin ein Journalismus jenseits der Mainstream-Narrative betrieben werden kann. Wenn Euch unsere Artikel gefallen, teilt sie gern überall, wo Ihr aktiv seid. Das ist möglich, denn die EU hat weder unsere Arbeit noch das Lesen und Teilen unserer Artikel verboten. Anmerkung: Allerdings hat Österreich mit der Änderung des "Audiovisuellen Mediendienst-Gesetzes" am 13. April diesbezüglich eine Änderung eingeführt, die möglicherweise auch Privatpersonen betrifft. Deswegen bitten wir Euch bis zur Klärung des Sachverhalts, in Österreich unsere Beiträge vorerst nicht in den Sozialen Medien zu teilen.

    Am 24. Februar kündigte der russische Präsident Wladimir Putin an, gemeinsam mit den Streitkräften der Donbass-Republiken eine militärische Spezialoperation in der Ukraine zu starten, um die dortige Bevölkerung zu schützen. Die Ziele seien, die Ukraine zu entmilitarisieren und zu entnazifizieren. Die Ukraine spricht von einem Angriffskrieg. Noch am selben Tag rief der ukrainische Präsident Wladimir Selenskij im ganzen Land den Kriegszustand aus.
    Der Westen verurteilte den Angriff, reagierte mit neuen Waffenlieferungen, versprach Hilfe beim Wiederaufbau und verhängte Sanktionen gegen Russland.
    Auf beiden Seiten des Konfliktes sind zahlreiche Soldaten und Zivilisten getötet worden. Moskau und Kiew haben sich gegenseitig verschiedener Kriegsverbrechen beschuldigt. Tausende Ukrainer sind mittlerweile aus ihrer Heimat geflohen.

    Info: https://freeassange.rtde.life/international/131481-liveticker-ukraine-krieg


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    10.06.2023

    Deutschland hat bekommen, was es wollte – aber Baerbock weiß: "Russland ist schuld!"


    freeassange.rtde.life, 10 Juni 2023 11:41 Uhr, Von Sergei Sawtschuk

    Deutschland hat erreicht, was es wollte: Es ist nicht mehr abhängig vom russischen Erdgas. Dass damit auch ein Rückschritt auf dem Weg zum ökologischen Energiehaushalt einhergeht, von energiekostenbedingter Rezession und Deindustrialisierung ganz zu schweigen, ruft die üblichen Welterklärer auf den Plan. Und die kennen nur eine "Wahrheit": Russland ist schuld!


    Quelle: www.globallookpress.com © Chris Emil Janßen/Keystone Press Agency



    Kennt sich aus: Annalena Baerbock im Juni 2023 in Wismar


    Die Schizophrenie der westlichen Länder erreicht immer neue, unmöglich geglaubte Höhen. Je weiter sich die Finanz- und Energiekrise ausbreitet, desto schriller und lauter werden die gegenseitigen Vorwürfe. Vor allem Deutschland wird in letzter Zeit immer häufiger vorgeworfen, auf halbem Weg zu einer kohlenstofffreien Energiewirtschaft stecken geblieben zu sein.


    Tatsächlich ist der Verbrauch fossiler Energieträger in Deutschland zuletzt sogar gestiegen. Im ersten Quartal dieses Jahres entfielen 30 Prozent der Energieerzeugung des Landes auf Kohle und insgesamt 51,4 Prozent auf konventionelle Energieträger, einschließlich der Kernenergie, die die Deutschen nicht als umweltfreundlich ansehen und aus der sie so gut wie ausgestiegen sind.


    Baerbock, ein Dinosaurier und fremde Federn





    Meinung

    Baerbock, ein Dinosaurier und fremde Federn






    Allerdings müssen die deutschen Bemühungen um erneuerbare Energien schon gewürdigt werden: Der Anteil der Windenergie am Energiemix des Landes liegt seit kurzem über dem der Kohle. Doch das bewahrt Berlin nicht vor der Kritik, dass es nicht genug für den grünen Übergang tue und nicht schnell genug handele.


    Die deutsche Außenministerin hat auf diese Kritik bereits mit einer fantastischen Verdrehung der Logik reagiert: Sie gibt Russland und seinem Pipeline-Gas, das Deutschland seit Jahrzehnten zu sehr günstigen Preisen bezieht, die Schuld. Annalena Baerbock ist überzeugt, dass dieser Faktor die Umstellung der deutschen Wirtschaft auf einen grünen Standard blockiert hat. Und jetzt, wo das aggressive russische Gas nicht mehr auf deutsches Territorium fließt, kann sich Berlin darauf konzentrieren, seine Verpflichtungen zur Umstellung der Stromerzeugung zu erfüllen.

    Falls es jemand vergessen haben sollte: Berlin droht damit, bis 2030 mindestens 80 Prozent seines Stroms aus erneuerbaren Quellen zu erzeugen. Doch wie sich herausstellt, hat Russland es auch hier geschafft, den Umstellungsprozess zu sabotieren.


    Ein normaler Mensch mit mindestens Abitur, der so einen Unsinn liest, hat wahrscheinlich nur einen Wunsch: der Chefin des deutschen Außenministeriums ein Buch über Logik zu schenken. Frau Baerbock ist jedoch das Muster einer Vertreterin moderner europäischer Eliten, was Niveau und Qualität angeht. Derjenigen Eliten, die die Alte Welt ihres früheren Status als souveräner und gewichtiger Akteur auf der internationalen politischen Bühne beraubt und sie zu einer gehorsamen Dienerin des Willens gewisser Überseeländer reduziert haben.


    Baerbock: "Putin muss seinen Kurs um 360 Grad ändern "



    Baerbock: "Putin muss seinen Kurs um 360 Grad ändern "






    Annalena Baerbock war schon früher Gegenstand von Witzen, die sie selbst produzierte. So brachte sie im Februar dieses Jahres die halbe Welt mit einer Rede zum Lachen, in der sie erklärte, Russland müsse eine Politikwende um 360 Grad vollziehen. Damals lachten alle darüber, dass Annalena in der Schule keine Geometrie gelernt habe, aber dann stellte sich heraus, dass diese Frau auch Probleme mit dem gesunden Menschenverstand hat.


    Spaß beiseite, solche schizophrenen Äußerungen sind vergleichbar mit der Arbeit eines Orchesters, das einen Bravour-Marsch auf dem Deck eines rasant sinkenden Ozeandampfers spielt. Die Bürger der Europäischen Union, unabhängig von der Farbe ihres Passes, werden nach wie vor darauf getrimmt, dass Russen immer an allen Schwierigkeiten und Problemen der Europäer schuld sind. Selbst dann, wenn sie bislang mit ihrer billigen Energie die Wirtschaft eines Landes gestützt haben und die Importe nun nur aufgrund der Bemühungen des Käufers selbst gestoppt wurden.


    In zahlreichen Publikationen wurde bereits wiederholt geschrieben, dass die Länder der Eurozone – die freiwillig die Öl- und Gaspipelines aus dem Osten gekappt haben–, riesige ungeplante Verluste erleiden. Denn jetzt müssen sie die ausgefallenen Mengen in aller Welt aufkaufen. Die Amerikaner und Norweger, die vor einem Jahr die russische Nische besetzt haben, denken nicht daran, ihr Gas und Öl zu Preisen zu verkaufen, die das Wirtschaftswachstum in der EU ankurbeln würden.


    Erinnern wir uns an die grundlegenden Fakten.


    Deutschland: Jeder Zweite fürchtet, seinen Lebensstandard nicht halten zu können





    Deutschland: Jeder Zweite fürchtet, seinen Lebensstandard nicht halten zu können






    Vor der Verhängung der Sanktionen war Deutschland das reichste Land in der EU und der wichtigste Geber für den EU-Haushalt, der jährlich mehr als 20 Milliarden Euro in die gemeinsamen Kassen einzahlte. Weitere Geberländer waren Frankreich, die Niederlande, Schweden, Italien, Österreich, Dänemark und Finnland. Alle anderen Länder waren Nehmerländer und erhielten das Geld in Form von praktisch nicht rückzahlbaren Krediten.


    Zu Beginn des Sommers 2023 weist die einst mächtigste Volkswirtschaft Deutschlands nach Ansicht deutscher Ökonomen die schlechteste Leistung und Dynamik seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs auf. Insbesondere im ersten Quartal dieses Jahres schrumpfte das deutsche Finanzsystem um 0,3 Prozent und weist weiterhin negative Werte auf. Was de facto einer Rezession gleichkommt. Hinzuzufügen ist, dass dieser Prozess kein einmaliger ist, sondern mit zaghaften Anläufen seit 2019, also seit Beginn der Pandemie, andauert.


    Das Coronavirus war dem Team von Scholz nicht genug, und daher trafen sie die verhängnisvolle Entscheidung, sich in der Finanz- und Energiewirtschaft selbst ins Bein zu schießen.


    Was den Erzeugungssektor im Einzelnen betrifft, brauchen wir nichts zu erfinden, sondern können uns auf die offiziellen Daten des Statistischen Bundesamtes berufen.


    Hier erfahren wir, dass die Volkswirtschaft um 0,3 Prozent geschrumpft ist und dass die Inflation in Deutschland im Mai auf 6,3 Prozent sank – gegenüber 7,4 Prozent im April sowie März, und 8,7 Prozent im Februar.


    Seymour Hersh zu Nord Stream: "Scholz spielte das Spiel mit – und hält seitdem dicht"





    Seymour Hersh zu Nord Stream: "Scholz spielte das Spiel mit – und hält seitdem dicht"





    Mit Hinblick auf die Stromerzeugung ist leicht zu erkennen, warum Baerbocks Kollegen nicht in der Lage sind, die Blume des nachhaltigen Wirtschaftens zum Erblühen zu bringen. Die Stromerzeugung aus Kernenergie sank im Vergleich zu 2020 um 40 Terawattstunden, die aus Erdgas um weitere zehn Terawattstunden. Bei einer Gesamterzeugung von 571 Terawattstunden ist es nicht schwer, die Höhe des Rückgangs zu berechnen. Auch wenn man bedenkt, dass die Gesamterzeugung um fast zwei Prozent gesunken ist, was ein untrügliches Zeichen für eine echte Stagnation ist.


    Auf der Habenseite stehen die berüchtigten erneuerbaren Energien, die im gleichen Zeitraum nur um drei Terawattstunden zunahmen, während der Verbrauch von Kohle, sowohl Steinkohle als auch Braunkohle, in die Höhe schoss. Die Stromerzeugung aus diesen festen Brennstoffen stieg sogar um 22 Terawattstunden, was der triumphalen Rhetorik aus Berlin und Brüssel nicht ganz entspricht.


    Natürlich hat die deutsche Regierung viel detailliertere Zahlen. Und um das ganze unschöne Bild irgendwie zu verwischen, wird Annalena ins Rampenlicht gezerrt und gibt kurzerhand noch einen Schwindel von sich. Alle lachen und sind von den echten Problemen ihres Landes abgelenkt.

    Übersetzung aus dem Russischen. Der Artikel ist zuerst am 9. Juni 2023 auf ria.ru erschienen.


    Mehr zum Thema - Wie der Westen die Beziehungen zu Russland zerstörte – und sich von günstiger Energie abschnitt


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    Info: https://freeassange.rtde.life/meinung/172275-deutschland-hat-bekommen-was-es


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    10.06.2023

    Klima-Fälschungen: Warum das Protokoll von Montreal niemals das Ozonloch schließen wird

    freeassange.rtde.life, 10 Juni 2023 13:13 Uhr, Von Dora Werner

    Grüne Energie und die Verbote der Protokolle von Montreal 1987 und Kyoto 1997 fußen auf unbewiesenen, fiktiven Hypothesen, erläutern russische Wissenschaftler. Ziel dessen sei lediglich, die Wirtschaft und deren Märkte umzuverteilen. Daher habe all das keinerlei Einfluss auf das Ozonloch oder den Klimawandel.


    Quelle: Legion-media.ru © Abaca Press


    (Symbolbild)


    Vor einigen Jahren stellte Dr. Steven Koonin, der unter der Regierung von Barack Obama als leitender Wissenschaftler im US-Energieministerium tätig war, eine sensationelle Behauptung auf: Die Öffentlichkeit werde darüber getäuscht, was die Wissenschaft tatsächlich über den derzeit verlaufenden Klimawandel aussagt. Wichtige Fakten würden in der Medienberichterstattung und sogar in Zusammenfassungen für Entscheidungsträger fehlen, verkündete er.

    Von welchen Fakten ist die Rede? Koonin zufolge liefern die maßgeblichen Bewertungen des Internationalen Ausschusses für Klimaänderungen der Vereinten Nationen (IPCC), jenes zentralen wissenschaftlichen Gremiums, das sich der weltweiten Klimaforschung widmen sollte, keine wissenschaftliche Grundlage für die weit verbreitete Vorstellung, dass der Klimawandel zu einer globalen Katastrophe führen werde.

    In seinem Buch "Unsettled: What Climate Science Tells Us, What It Doesn't, And Why It Matters" schreibt Koonin:

    "Sowohl die wissenschaftliche Literatur als auch die Regierungsberichte, die den Stand der Klimawissenschaft zusammenfassen und bewerten, machen deutlich, dass Hitzewellen in den USA heute nicht häufiger vorkommen als im Jahr 1900 und dass die Höchsttemperaturen in den USA in den letzten 50 Jahren nicht gestiegen sind.
    ...
    Der Mensch hatte im letzten Jahrhundert keinen erkennbaren Einfluss auf Hurrikane, das Grönlandeis schrumpft nicht schneller als vor achtzig Jahren, und die wirtschaftlichen Auswirkungen des vom Menschen verursachten Klimawandels werden zumindest für den Rest dieses Jahrhunderts minimal sein."

    Russische Akademie der Wissenschaften: Globale Erwärmung nicht vom Menschen verursacht




    Russische Akademie der Wissenschaften: Globale Erwärmung nicht vom Menschen verursacht






    In einem Interview mit Jonathan Tennenbaum, dem Wissenschaftsredakteur der Zeitung  Asia Times,  sagte Koonin im Jahr 2021: Die Erwärmungsrate von den Jahren 1910 bis 1940 war in etwa dieselbe wie von den Jahren 1980 bis 2000 – mit viel geringerem menschlichem Einfluss im frühen 20. Jahrhundert. Das bedeutet, dass das Klimasystem interne Regeln hat, sagte der Wissenschaftler und fügte noch hinzu:

    "Wir kennen einfache Phänomene. Wir kennen zum Beispiel den so genannten El Niño, der etwa alle fünf Jahre auftritt, und wir verstehen das Phänomen in etwa. Aber es gibt eindeutig längerfristige und länger anhaltende Phänomene, wie die Atlantische Dekadische Oszillation, die Nordatlantische Oszillation, die Pazifische Dekadische Oszillation und so weiter. Sie sind sicherlich in den beobachteten Temperaturaufzeichnungen vorhanden, aber sie sind schwer zu berechnen.

    Wenn man ein Klimamodell erstellt, stellt sich die Frage, ob diese Phänomene in der richtigen Stärke, Zeit und Häufigkeit berücksichtigt werden. Wenn nicht, gibt es keinen Grund zu erwarten, dass dieses Modell die realen Temperaturen in diesem Bereich widerspiegelt."

    Keines der Klimamodelle, die nun von den Befürwortern grüner Energie und jeglicher Klimamaßnahmen verwendet werden, sei genau – und dürfe daher nicht die Grundlage für politische Entscheidungen sein, schlussfolgerte Tennenbaum nach dem Gespräch mit dem ehemaligen Wissenschaftler im US-Energieministerium.

    Darf zwar nicht – aber es dient dennoch als Grundlage für politische Entscheidungen, die sich negativ auf Hunderte von Ländern auswirken und Millionen von Menschen in eine Krise stürzen. Wie konnte das passieren?


    Im Bild: Fridays For Future - Jugendliche halten Transparente während einer Demo gegen den Klimawandel in Nizza, Frankreich.Abaca Press / Legion-media.ru


    Alles begann vor mehr als 30 Jahren mit einer Hypothese der nordamerikanischen Chemiker Mario Molina aus Mexiko und Sherwood Rowland aus den USA, die behaupteten, dass die zur Herstellung von Geräten verwendeten Fluorkohlenwasserstoffe (Freon) zur Zerstörung der Ozonschicht der Erde beitragen. Dafür erhielten sie, zusammen mit dem niederländischen Atmosphären-Chemiker Paul J. Crutzen im Jahre 1995 den Chemie-Nobelpreis.

    Nochmals: Dies war und ist nur eine Hypothese. Sowohl die Ursachen des Klimawandels als auch die Frage, ob und – wenn ja – wie man ihn beheben kann, sind immer noch Hypothesen, die niemals wissenschaftlich bestätigt wurden, betont der Wissenschaftler Igor Masurin in seinem Beitrag für die Nachrichtenagentur REGNUM. "Es gibt immer noch keine experimentelle Bestätigung dieser Hypothese – aber eine zuverlässige Widerlegung in Form eines rekordverdächtigen Ozonlochs über der Antarktis und eines ähnlichen Lochs über der Arktis", sagt er und fügt ergänzend hinzu:

    "Außerdem wird seit fast 30 Jahren angenommen, dass die Hauptschuld an der globalen Erwärmung bei den anthropogenen, also vom Menschen verursachten, Emissionen von Treibhausgasen liegt. In den Temperaturberechnungen der Klimawissenschaftler werden jedoch andere natürliche Quellen thermischer Energie nicht berücksichtigt. In ihren Berechnungsmodellen betrachten die Klimaforscher die Erde als einen steinernen Asteroiden, der keine eigenen Energiequellen besitzt, obwohl Geologen und Seismologen seit 40 Jahren das Gegenteil behaupten. Nach deren Einschätzung ist die Erde kein versteinerter Asteroid, sondern ein vielschichtiger Planet mit festen und flüssigen Phasen von hoher Dichte in ihrem Inneren. Sie stößt ständig Treibhausgase und brennbare Gase in die Atmosphäre aus, und zwar in Mengen, die weit über denen liegen, die der Mensch produziert."

    Seit der Sowjetzeit werden in Russland Forschungen durchgeführt, die belegen, dass der Mensch an den Klimaveränderungen keinerlei Schuld trägt. Nur schenkte diesen Studien – seit die Energieministerien von liberal gesinnten US-amerikanischen Hochschulabsolventen geleitet wurden – niemand mehr ernsthafte Beachtung – es war fortan wichtiger, "freiwillig" den Protokollen von Montreal und Kyoto beizutreten, auch weil die Integration mit dem Westen dies erforderte.


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    Die unabhängigen Forschungen wurden trotzdem fortgesetzt. In den letzten Jahren wurde beispielsweise festgestellt, dass die Größe des Ozonlochs mit den tektonischen Prozessen der Erde zusammenhängt. Einfach ausgedrückt: In Jahren mit vielen Erdbeben in der Arktis und Antarktis vergrößert sich das Ozonloch um ein Vielfaches; in Jahren mit weniger als fünf Erdbeben "schrumpft" es. Alexei Jurjewitsch Retejum, Professor der Geografie an der Moskauer Staatlichen Lomonossow-Universität (MGU) erklärt in einem Artikel für die Agentur REGNUM:

    "Eine objektive Analyse der Geosphären innerhalb der Antarktis zeigt, dass sich große atmosphärische Ozonanomalien in Übereinstimmung mit einem pulsierenden Modus der Planetenfunktion entwickeln. Die Phase ihres häufigen Auftretens fällt in eine Zeit globaler tektonischer Aktivierung."

    Deshalb gäbe es auch keine Chancen, dass Maßnahmen zur Erfüllung des Montrealer Protokolls etwas bewirken – egal wie sehr sich die Menschheit sich auch anstrengt.

    Wie bei der Freon-Hypothese zum Ozonabbau sind Verbote und Beschränkungen der Emission von Kohlendioxid und anderen Treibhausgasen ebenso unbegründet, erläutert der Wissenschaftler Igor Michailowitsch Masurin von der Nationales Forschungsuniversität Moskauer Energetisches Institut (NIU MEI):

    "Der Wasserdampf, der Hauptverantwortliche für den Treibhauseffekt, wird da absichtlich vergessen, obwohl er mindestens 78 Prozent dieses Effekts ausmacht. Andernfalls müssten die europäischen Kernkraftwerke Geldstrafen für die Freisetzung von Wasserdampf aus ihren Kühlbecken zahlen. Kohlendioxid als Verursacher der globalen Erwärmung war geradezu ideal, und ihm wurde eine Lebensdauer von 100 bis 1000 Jahren 'zugewiesen'."

    Die Ergebnisse von Vorgängen des Wärme- und Stoffaustauschs, die seit Jahrzehnten Grundlage politischer Entscheidungen sind, können grundsätzlich nicht verlässlich sein, da es sich hier lediglich um Hypothesen in Bezug auf ein offenes thermodynamisches System, nämlich die Erde, handelt, so der Wissenschaftler. Die Ungenauigkeit solcher Berechnungen liege bei 200 bis 400 Prozent und könne in keiner Weise als "absolute Wahrheit" akzeptiert werden.


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    Aber trotzdem gibt es da noch eine "Kleinigkeit", wie sowohl der US-Amerikaner Koonin als auch die russischen Wissenschaftler feststellten: Die Ergebnisse der Vorausberechnungen für die Klimamodelle werden vom dem UN-Ausschuss für Klimaänderungen (IPCC) in dessen Berichten in Gestalt mehrerer errechneter Szenarien, oder genauer gesagt Versionen, dargestellt. "In den kurzen Zusammenfassungen der IPCC-Berichte werden den politischen Entscheidungsträgern jedoch die unwahrscheinlichsten Szenarien eines Klimawandels als unvermeidliche und praktisch unaufhaltsame globale Bedrohung präsentiert", sagt Igor Masurin. Er ist der Ansicht, dass der IPCC für diese "eklatante Desinformation der Weltgemeinschaft" zusammen mit den politischen Auftraggebern dieser Panik auslösenden Zusammenfassungen die volle Verantwortung tragen müsse – bis hin zur strafrechtlichen –, "weil die Fantasien dieser Klimawissenschaftler sehr reale wirtschaftliche Schäden verursachen".

    Bei der Einführung von Verboten im Namen einer angeblich "grünen Energie" geht es eher um eine neue Umverteilung der nationalen Märkte, meint Igor Masurin. In einem Beitrag für REGNUM betont er:

    "Ohne die wissenschaftlichen Fälschungen der 1980er und 1990er Jahre, auf deren Grundlage die Protokolle von Montreal und Kyoto verabschiedet wurden, wäre eine solche Entwicklung schlichtweg nicht möglich gewesen. Eine solch massive Verzerrung des wissenschaftlichen Bildes von Naturphänomenen wurde durch das Monopol des Internationalen Ausschusses für Klimaänderungen der Vereinten Nationen auf die Methoden zur Berechnung der Wärme- und Massenbilanzen in der Erdatmosphäre ermöglicht, auf denen die Prognosen zum Klimawandel basieren. Der IPCC ist übrigens nicht für die Gültigkeit der zugrundeliegenden physikalischen Modelle verantwortlich, weil er angeblich keine eigenen Forschungen durchführt, sondern in seinen Berichten nur Veröffentlichungen aus wissenschaftlichen Fachzeitschriften mit Peer-Review zusammenfasst."

    Die Verpflichtungen von Ländern der ganzen Welt im Rahmen der internationalen Klimaabkommen beruhen also auf Hypothesen und gezielten wissenschaftlichen Fälschungen. Deshalb ist es an der Zeit, sie zu überprüfen und nicht krampfhaft daran festzuhalten. Professor Igor Masurin bringt es auf den Punkt:

    "Die Welt muss sich von der 'grünen' Besessenheit befreien, alle internationalen Klimavereinbarungen als rechtlich nichtig gemäß Artikel 48 des Wiener Übereinkommens über internationale Verträge von dem Jahr 1969 anerkennen, wie es die USA mit ihrem Rückzug aus dem Kyoto-Protokoll getan haben, und sich endlich mit den tatsächlichen Umweltproblemen befassen."

    Mehr zum Thema - Ozonloch über der Antarktis erreicht maximale Ausdehnung


    RT DE bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Gastbeiträge und Meinungsartikel müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

    Durch die Sperrung von RT zielt die EU darauf ab, eine kritische, nicht prowestliche Informationsquelle zum Schweigen zu bringen. Und dies nicht nur hinsichtlich des Ukraine-Kriegs. Der Zugang zu unserer Website wurde erschwert, mehrere Soziale Medien haben unsere Accounts blockiert. Es liegt nun an uns allen, ob in Deutschland und der EU auch weiterhin ein Journalismus jenseits der Mainstream-Narrative betrieben werden kann. Wenn Euch unsere Artikel gefallen, teilt sie gern überall, wo Ihr aktiv seid. Das ist möglich, denn die EU hat weder unsere Arbeit noch das Lesen und Teilen unserer Artikel verboten. Anmerkung: Allerdings hat Österreich mit der Änderung des "Audiovisuellen Mediendienst-Gesetzes" am 13. April diesbezüglich eine Änderung eingeführt, die möglicherweise auch Privatpersonen betrifft. Deswegen bitten wir Euch bis zur Klärung des Sachverhalts, in Österreich unsere Beiträge vorerst nicht in den Sozialen Medien zu teilen.

    Info: https://freeassange.rtde.life/international/172203-klima-faelschungen-warum-montrealer-protokoll


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    10.06.2023

    Die Welt als Freiluftgefängnis

    aus e-mail von <miloszmatuschek@substack.com> 10. Juni 2023, 10:36 Uhr


    View this post on the web at https://www.freischwebende-intelligenz.org/p/die-welt-als-freiluftgefangnis


    Es ist nicht neu, dass wir in Zeiten leben, in denen zwischen einer Verschwörungstheorie und der Realität kaum noch mehr als sechs Monate stehen. Neu ist, dass sich dystopische Strukturen nunmehr in Echtzeit aufbauen können, für alle sichtbar, und trotzdem so getan wird, als sei das alles noch in weiter Ferne oder vielleicht gar nicht so schlimm, womöglich sogar „alternativlos“. Anfang Juni verkündete die WHO, dass sie den von der EU eingeführten Gesundheitspass nun global einführen will. Mit diesem Mechanismus kann bei der nächsten Pandemie der gesamte globale Reiseverkehr zum Stillstand gebracht werden und zu einem Privilegiensystem für Geimpfte umgebaut werden. Genau heißt es in der Mitteilung [ https://www.who.int/news/item/05-06-2023-the-european-commission-and-who-launch-landmark-digital-health-initiative-to-strengthen-global-health-security ] der WHO:


    „Im Juni 2023 wird die WHO das System der digitalen COVID-19-Zertifizierung der Europäischen Union (EU) aufgreifen, um ein globales System zu schaffen, das dazu beitragen wird, die globale Mobilität zu erleichtern und die Bürger auf der ganzen Welt vor aktuellen und künftigen Gesundheitsbedrohungen, einschließlich Pandemien, zu schützen. Dies ist der erste Baustein des WHO Global Digital Health Certification Network (GDHCN; Globales Digitales Gesundheitszertifizierungsnetzwerk),das eine breite Palette digitaler Produkte für eine bessere Gesundheit für alle entwickeln wird.“


    Zugleich greift die WHO mit einem neuen Pandemiepakt nach mehr Macht. Der Generalsekretär der WHO soll in Zukunft Pandemie ausrufen können, weltweit. Nach dem Plan der Gates-Initiative CEPI sollen geeignete Impfstoffe in Zukunft schon in 100 Tagen  [ https://www.n-tv.de/panorama/Neue-Impfstoffe-in-nur-100-Tagen-article22413546.html ]bereit stehen. Zudem wolle man Desinformation wirksamer bekämpfen. Die Bekämpfung der „Desinformation“ sah in der letzten Pandemie so aus, dass einfache Twittermitarbeiter kritische Wissenschaftler und Ärzte von Elite-Universitäten stummstellen konnten. Wie öffentlicher Konformitätsdruck mit volksverhetzerischen Mitteln aussieht, ist ebenfalls bekannt.


    Im Kern ist es immer das gleiche Muster: Kontrollmaßnahmen werden zuerst planerisch vorbereitet, die Infrastruktur vorentwickelt, dann mit Ausrufung einer Krise eingesetzt, natürlich erst mal nur vorübergehend und aus einer aktuellen Notlage heraus. Wenn sich alle daran gewöhnt haben, wird das Ganze zementiert und legalisiert, nunmehr dauerhaft und global. Die Initiativen zu Identitätslösungen gibt es schon seit Jahren in den Schubladen von großen Tech-Unternehmen, wie Microsoft oder der Rockefeller-Stiftung (siehe dazu auch die Artikel von Norbert Häring [ https://norberthaering.de/news/who-eu-covid-certificate/ ]).


    Was gerade passiert ist nicht weniger als eine Machtergreifung. Die EU ist Steigbügelhalter und Experimentierfeld für die Welt. Jetzt braucht es nur noch die Annahme des “Pandemiepakts” der WHO und dann können grundrechtsrelevante Maßnahmen von einer demokratisch nicht legitimierten Gesundheitsbürokratie quasi per Knopfdruck verhängt werden.


    Aktion: Für jedes Jahresabo von 77 Euro gibt es nun kostenlos das signierte Buch “Kryptopia” dazu (solange der Vorrat reicht). Ich kann Ihnen auch manuell ein Abo per Überweisung oder PayPal einrichten. Schreiben Sie mir: kontakt@idw-europe.org


    Denken Sie sich digitale Zentralbankwährungen dazu, die kurz vor der Finalisierung stehen; denken Sie sich ein CO2-Zertifikat dazu; denken Sie sich ein Punktesystem dazu, das sozial erwünschtes Verhalten belohnt und sozial schädliches Verhalten sanktioniert; denken Sie sich ein globales Tracking- und Identifikations-System hinzu, sowie eine Zusammenführung von persönlichen Daten in ungeahntem Ausmaß: Reisepass, Impfstatus, Zahlungsströme, Social-Media-Profile, alles. Hier entsteht gerade das, was man als „schlüsselfertigen Totalitarismus“ bezeichnet: staatliche und quasi-staatliche Akteure bauen mit Unterstützung von Stiftungen, Think Tanks und Philanthrokapitalisten ein umfassendes Bevölkerungs-Managementsystem auf, welches nach Bedarf nur noch „scharf gestellt“ zu werden braucht. Sitzt die Menschheit erst mal in der Falle, wird der Weg zurück in die Freiheit eine unendliche Odyssee werden.


    Es braucht nicht viel für eine faktische Weltherrschaft. „Souverän ist, wer über den Ausnahmezustand entscheidet.“ Dieser Satz des NS-Juristen Carl Schmitt ist auch der Hebel der aktuellen Machtergreifung. Ziel ist immer die totale Kontrolle. Das Thema der Wahl ist der Gesundheitsschutz. Die Mittel sind Angstmache, Ausgrenzung und Spaltung. Das Ergebnis wird eine Pseudofürsorge-Diktatur sein.


    Die Welt muss jetzt gegen den globalen Gesundheitstotalitarismus aufstehen. Es ist eine historische Aufgabe, eine Herkules-Aufgabe, eine Marathon-Aufgabe. Es geht hier um eine neue Form der Machtergreifung, mit welcher die Weltbevölkerung noch nie konfrontiert war. Die Freiheit der Welt ist in Zukunft eine Sache von WHO-Willkür. Sie ist dann faktisch die letzte Instanz, die über Gesundheitsfragen entscheidet, die Staatenebene ist nur noch ausführende Gewalt. Diese Machtergreifung muss am Widerstand der Bevölkerung scheitern.

    Sonst kommt die Pandemie-Diktatur in Dauerschleife.


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    10.06.2023

    Nachrichten von Pressenza: Das historische Schema der Migration

    aus e-mail von  <newsletter@pressenza.com>, 10. Juni 2023, 7:15 Uhr


    Nachrichten von Pressenza - 10.06.2023


    Das historische Schema der Migration


    Wir leben in einer Zeit der Massenmigration. Laut der United Nations‘ World Migrations Report 2022, existierten im Jahr 2020 circa 281 Mio. internationale Migrant*innen. Dies entspricht in etwa 3,6 % der globalen Population. Weit mehr als das doppelte der Anzahl&hellip;

    http://www.pressenza.net/?l=de&track=2023/06/das-historische-schema-der-migration/


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    &#8222;Air Defender 23&#8220; erhöht Gefahr eines Krieges zwischen NATO und Russland


    Vom 12. bis zum 23. Juni wird über dem Himmel Deutschlands ein gigantisches Manöver von NATO-Luftstreitkräften stattfinden, bei dem bis zu 10.000 Soldaten aus 25 Nationen mit 250 Flugzeugen gemeinsame Luftoperationen trainieren sollen. Friedensorganisationen warnen jedoch, dass eine weitere Militarisierung&hellip;

    http://www.pressenza.net/?l=de&track=2023/06/air-defender-23-erhoeht-gefahr-eines-krieges-zwischen-nato-und-russland/


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    Internationaler Gipfel für Frieden in der Ukraine findet statt – trotz Absage des ÖGB


    Stellungnahme von Gerhard Kofler (AbFaNG) und Reiner Braun (IPB) zur Absage des ÖGB Räumlichkeiten für die Friedenkonferenz in Wien am 10. und 11.06.2023 zur Verfügung zustellen. Mit Enttäuschung, Frustration und Unverständnis haben wir die Absage des ÖGB, zwei Tage vor&hellip;

    http://www.pressenza.net/?l=de&track=2023/06/internationaler-gipfel-fuer-frieden-in-der-ukraine-findet-statt-trotz-absage-des-oegb/


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    Pressenza - ist eine internationale Presseagentur, die sich auf Nachrichten zu den Themen Frieden und Gewaltfreiheit spezialisiert hat, mit Vertretungen in Athen, Barcelona, Berlin, Bordeaux, Brüssel, Budapest, Buenos Aires, Florenz, Lima, London, Madrid, Mailand, Manila, Mar del Plata, Montreal, München, New York, Paris, Porto, Quito, Rom, Santiago, Sao Paulo, Turin, Valencia und Wien.


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    10.06.2023

    Neue Ethikregeln: Oettinger bleibt unbehelligt

    lostineu.eu, vom 9. Juni 2023

    Ein neues Gremium soll in Brüssel mit Korruption und Vetternwirtschaft aufräumen – oder auch nicht.

    Ein halbes Jahr nach dem „Katargate“ – dem großen Korruptionsskandal im Europaparlament, der Ende 2022 aufgedeckt wurde – will die Europäische Union aufräumen und für mehr ethisches Verhalten ihrer Politiker und Beamten sorgen. Einen entsprechenden Entwurf stellte die EU-Kommission in Brüssel vor.

    Der Skandal habe gezeigt, dass es immer noch Lücken im Regelwerk der EU gebe, sagte die für „Werte und Transparenz“ zuständige Kommissionsvizepräsidentin Vera Jourova. Diese gelte es rechtzeitig vor der Europawahl im Juni 2024 zu schließen, um die Demokratie zu schützen und den Vormarsch von EU-Gegnern zu stoppen.

    Ihr Entwurf für ein Ethikgremium bleibt jedoch weit hinter den Erwartungen zurück. Geplant ist zunächst nur, dass sich neun EU-Institutionen – neben der Kommission sind dies etwa das Parlament, der Ministerrat oder der Rechnungshof – um gemeinsame Verhaltens-Standards bemühen. Eine erste Aussprache ist im Juli geplant.

    Man wolle über die Annahme von Geschenken, die Bezahlung von Auslandsreisen und Treffen mit Lobbyisten reden, so Jourova. Weitere Themen sind Nebenjobs und neue lukrative Tätigkeiten nach dem Ausscheiden aus einer EU-Behörde. Der frühere deutsche EU-Kommissar Günther Oettinger war deshalb wiederholt in die Schlagzeilen geraten.

    Sanktionen sind jedoch nicht geplant. Das neue Ethikgremium soll sich auch nicht um die Durchsetzung der Regeln kümmern – dies bleibt den jeweiligen Institutionen vorbehalten. Oettinger dürfte daher ebenso unbehelligt bleiben wie der frühere Chef des Rechnungshofs, Klaus-Heiner Lehne, der in einen Spesenskandal verwickelt war.

    Schwamm drüber – und nun reden wir mal ganz unverbindlich über ethisches Verhalten: Darauf läuft es wohl hinaus…



    2 Comments

    1. Stef
      9. Juni 2023 @ 17:52

      Da ist jedes Compliance-Regelwerk in einem beliebigen Unternehmen schneller, strenger und konsequenter. Aber damit hat man ja auch die Konsequenzen der großen Industrie nach unten zu den einfachen Beschäftigten entsorgt. Das Spitzenpersonal bleibt kaum belästigt und landet selbst bei massiver Korruption stets weich.

    Reply

  • KK
    9. Juni 2023 @ 17:36

    „Sanktionen sind jedoch nicht geplant.“

    Dann gibt es einen erhobenen Zegefinger, verbiunden mit einem tadelnden „Du, Du, Du“ – und es gibt weder Strafen noch werden die eingesackten Werte beschlagnahmt und dem Volkseigentum zugeführt? Also genau wie bei den Abgeordneten in Deutschland, das m.W. von der EUCO genau deswegen schon mehrfach abgemahnt wurde?

    Dann wissen wir Bürger ja endlich, womit wir uns die Hintern abwischen können, wenn das Klopapier mal wieder knapp werden sollte…


  • Info: https://lostineu.eu/neue-ethikregeln-oettinger-bleibt-unbehelligt


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.




    Weiteres:




    Asyl-Deal wirft ernste Fragen auf


    In zwölfstündigen Verhandlungen haben sich die EU-Innenminister auf die Grundzüge eines neuen, harten Asyl-Regimes geeinigt. Die „historische Einigung“ (Bundesinnenministerin Faeser) wirft viele ernste Fragen auf.

    Mehr Härte an den Außengrenzen, um den Schengenraum zu retten und Flüchtlinge fairer in EUropa umzuverteilen: Dies war der Ansatz, mit dem der schwedische EU-Vorsitz in die Verhandlungen gegangen ist.

    Künftig sollen sich (vermeintlich) aussichtslose Asylbewerber schon an der Grenze einem Prüfverfahren stellen und bei Ablehnung direkt abgewiesen werden. Für die „Grenzverfahren“ werden eigene Lager errichtet.

    Auch Familien mit Kindern unter 18 müssen die Lager durchlaufen. Das wollte Faeser eigentlich verhindern. Sie konnte sich aber nicht durchsetzen. Immerhin soll die Verteilung der Migranten fairer geregelt werden, was Deutschland entlasten könnte.


    Was sind sichere Drittländer?

    Der Teufel steckt jedoch wie immer im Detail. Und schon die Grundzüge der Einigung werfen viele ernste Fragen auf. So ist unklar, wie die Umverteilung der Asylbewerber funktionieren soll. Polen und Ungarn wollen sich daran nicht beteiligen.

    Auch Italien scheint nicht bereit, von der „bewährten“ Praxis abzuweichen, die Migranten nach Deutschland „weiterzureichen“. Zudem macht die rechtsradikale Regierung in Rom ihre Kooperation von einem Abkommen mit Tunesien abhängig – doch das steht noch aus.

    Unklar ist auch, wie und wohin nicht anerkannte Asylbewerber abgeschoben werden. Der Kompromiss sieht vor, dass dies auch in „sichere“ Drittländer außerhalb der EU möglich sein soll. Doch was ist sicher – und was passiert, wenn sich ein Land weigert?


    Kopfprämie für Verweigerer?

    Und was soll man von der „Kopfprämie“ halten, die jene EU-Länder zahlen sollen, die keine oder nicht genug Flüchtlinge aufnehmen? Die Rede ist von 20.000 Euro pro Person. Macht die EU einen Flüchtlings-„Basar“ auf, wer soll das bezahlen?

    Generell stellt sich die Frage nach der Verhältnismäßigkeit und der Rechtmäßigkeit der angedachten Regeln. Im Europaparlament regt sich deswegen schon Widerstand. Das ist ernst zu nehmen – denn am Ende muß auch das Parlament zustimmen.

    Die Verhandlungen mit den EU-Abgeordneten könnten Monate dauern. Derweil geht die Flüchtlingskrise weiter – rund um das Mittelmeer, aber auch im politischen Berlin. Dort stehen die Grünen auf den Barrikaden, eine Regierungskrise droht…

    Siehe auch Asylreform: Stunde der Wahrheit Mehr zur Flüchtlingskrise hier



    4 Comments

    1. KK
      10. Juni 2023 @ 05:59

      @ Hekla:
      Was Polen und Ungarn angeht, könnten die das Geld zu 100% aus Brüssel erstattet bekommen, und sie würden keinen einzigen Flüchtling aus Afrika, dem Nahen oder ferneren Osten bis Asien aufnehmen wollen. Denn Ressourcen waren, als es um die Aufnahme einer hohen sechsstelligen Zahl ukrainischer Flüchtlinge zB in Polen ging, doch nebensächlich. Da half man gern – es kommt eben ganz besonders in diesen Ländern darauf an, wer dort anklopft und um Hilfe und Aufnahme bittet.
      Das Problem in diesen Ländern ist offenbar viel eher ein gesellschaftlich weit verbreiteter und akzeptierter Rassismus (speziell auch Islamophobie), bevor überhaupt an Ressourcen gedacht wird.

    Reply

  • Hekla
    9. Juni 2023 @ 20:02

    Ein Aspekt, der – während man mit dem Finger immer missbiligend auf Polen und Ungarn zeigt – in der Diskussion nie Beachtung findet: Polen und Ungarn haben, was Ursachen, Zielsetzung, Qualität und Quantität der Migrationspolitik angeht, andere Vorstellungen und andere Ressourcen, als die reichen und primär gesinnungsethisch orientierten westlichen Länder. Ich würde sagen, das sollte man dürfen. Wenn also z.B. Deutschland im Hinblick auf Qualität und Quantität „bigger“ denkt und sich das angeblich auch finanziell leisten kann, weshalb möchte man Flüchtlinge/Migranten dann auf andere Länder verteilen? Hier ist eine niemals hinterfragte Logik zugange, die mir unehrlich und heuchlerisch erscheint. Warum nicht hier auch eine „Koalition der Willigen“, wie in anderen Bereichen auch, warum die eigenen Vorstellungen auf Kosten Anderer verwirklichen?
    Oder befürchtet man, dass es diese Willigen ausser Deutschland gar nicht gibt? Dann sollte man sich besser ehrlich machen.

    Reply

  • Monika
    9. Juni 2023 @ 16:21

    Wenn das nicht den kompletten Verrat an den so hochgejazzten westlichen Werten und „Menschenrechten“ darstellt, WAS DANN ???
    „Menschenrechte“ das sind nach dieser Lesart Rechte für die „rechten Menschen“, nämlich die mit der gepachteten Doppelmoral. Gesetze, bei denen 2/3 des Textes noch künftigen Klärungsbedarf haben … von deren Durchführbarkeit ganz zu schweigen, sind keine Gesetze an die sich irgendjemand halten braucht? Oder wie ist das zu verstehen? EU-Parlament wo bist du, wenn du gebraucht wirst!

    Reply

  • KK
    9. Juni 2023 @ 13:23

    „Generell stellt sich die Frage nach der Verhältnismäßigkeit und der Rechtmäßigkeit…“

    Die stellt sich bei der EU doch sowieso schon seit einigen Jahren immer seltener. Erlaubt ist, was dort oben im Rat und der EUCO gefällt.

    Und wenn der EUGH mal versucht, ein Land wie Polen in die Schranken der Rechtsstaatlichkeit zu weisen, kommt ein Stinkefinger zurück! Das hat man dann am Ende davon, wenn man sich selbst nicht mehr ums Recht schert.

    Reply


  • Info: https://lostineu.eu/der-asyl-deal-wirft-viele-ernste-fragen-auf


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.




    Weiteres:





    Fehlstart in Lateinamerika: Kein Bock auf Baerbock


    lostineu.eu, vom 9. Juni 2023

    Die EU will die Beziehungen zu Lateinamerika ausbauen und schnell einen Freihandelspakt mit den Mercosur-Staaten schließen. Doch Außenministerin Baerbock und EU-Chefdiplomat Borrell blamieren sich.

    Die EU-Kommission will die politischen und wirtschaftlichen Beziehungen mit Lateinamerika und der Karibik intensivieren. Der zuständige EU-Kommissar Dombrovskis legte eine „Agenda“ vor und sprach von einem „Neustart“.

    Doch in der Praxis ist es wohl eher ein Fehlstart. Der EU-Außenbeauftrage Borrell, der den Plan gemeinsam mit Dombrovskis vorstellte, ging mit keinem Wort auf die Forderung Brasiliens für einen Friedensplan in der Ukraine ein.

    Borrell setzt auf einen Sieg auf dem Schlachtfeld. Einen eigenen Friedensplan hat der EU-„Chefdiplomat“ nicht, mit Brasiliens Präsident Lula liegt er über kreuz. Ähnlich geht es der deutschen Außenministerin Baerbock.


    Kein Bock auf Baerbock

    Bei ihrem Besuch in Brasilien wurde sie weder von Lula noch von Außenminister Vieira empfangen. Zudem setzte sich sich mit ihren bekannt undiplomatischen Äußerungen in die Nesseln.

    Baerbock empörte sich öffentlich darüber, dass den Brasilianern der Preis für „Reis und Bohnen“ wichtiger sei als die Unterstützung der Ukraine. Dies wiederum empörte ihre Gastgeber, die sie auflaufen ließen.

    „Der komplizierte Freund hat anderes zu tun“, spottete die „FAZ“. Auch in Kolumbien hatte Baerbock kein Glück: Wegen des umstrittenen Asylkompromisses der EU mußte sie ihr Programm abkürzen.

    Offenbar war es wichtiger, die deutschen Grünen auf Linie zu bringen – denn die sind über den EU-Deal empört. Auch über das geplante Mercosur-Abkommen sind sie nicht glücklich.

    Doch genau das – Freihandel – ist der harte Kern der frisch aufpolierten EU-Lateinamerika-Strategie…

    Mehr zum Mercosur-Deal hier

    P. S. Derweil wirbt Arbeitsminister Heil in Brasilien gut ausgebildete Arbeitskräfte ab, die zwar kein Deutsch sprechen, aber unsere Alten und Kranken pflegen sollen. Keine Pointe…




    9 Comments

    1. KK
      10. Juni 2023 @ 00:58

      @ Hekla:
      „Kommt bestimmt auch noch, sie ist ja auch in Geschichte sehr bewandert.“

      Wenn sie in Geschichte wirklich bewandert sein sollte, dann weiss sie auch, wohin die Kuchenempfehlung letztendlich geführt hat… allzu wortgleich wird sie sich daher dann wohl eher nicht ausdrücken ????

    Reply

  • Hekla
    9. Juni 2023 @ 20:08

    Sie hat nicht gesagt, dass wenn den Brasilianern Reis und Bohnen zu teuer sind, sie einfach Kuchen essen sollen? Kommt bestimmt auch noch, sie ist ja auch in Geschichte sehr bewandert.

    Reply

  • KK
    9. Juni 2023 @ 17:42

    Habe übrigens an anderer Stelle gelesen, dass Baerbocks „öffentliche“ Empörung anlässlich eines Vortrags bei einem von Deutschland massgeblich finanzierten südamerikanischem „ThinkTank“ erfolgt sein soll – wohl auch mangels anderer Gelegenheiten der Öffentlichkeit (irgendwozu muss das deutsche Steuergeld dort doch gut angelegt sein, und sei es, um der deutschen Chefdiplomatin noch eine letzte verbleibende Bühne dort zu bieten) ????

    Reply

  • KK
    9. Juni 2023 @ 13:08

    „Baerbock empörte sich öffentlich darüber, dass den Brasilianern der Preis für „Reis und Bohnen“ wichtiger sei als die Unterstützung der Ukraine.“

    So ist das halt, Frau Baerbock: Wer selbst zu wenig zum Fressen hat, den kann Ihre bigotte Moral mal! Und zwar kreuzweise!
    Und diejenigen, die sie von einem hohen und zudem gut genährten Ross dennoch einfordern, gleich mit.

    Reply

    • european
      9. Juni 2023 @ 14:58

      Ich lese gerade „Die Selbstgerechten“ von Sahra Wagenknecht. Darin spricht sie genau dieses Thema an. Gut situierte, vermeintlich Linke, die null Verständnis bis Verachtung für diejenigen haben, die um jedes bischen kämpfen müssen, die Mühe haben, die Grundbedürfnisse abzudecken.

      Da sitzt jedes Wort. Exzellent beschrieben und mich wundert weder der Aufschrei noch der mediale Sturm gegen Wagenknecht und ihr Buch.

      Wen immer wir als nächsten Außenminister haben werden, die Person wird viele Scherben zusammenkehren und mit viel Diplomatie die zerstörten Beziehungen wieder herstellen müssen. Dieser außenpolitische Trampel Baerbock katapultiert Deutschland ins Orbit.

      Reply

  • Lakitom
    9. Juni 2023 @ 08:41

    Wie lange soll das Theater mit unseren Politclowns noch so weitergehen? Die Deutschen machen sich weltweit zum Affen mit ihrer kolonialen Attitüde und sind selbst nichts besseres als ein erbärmlicher Vasall des Hegemon. Und die MSM „feiern“ diesen Witz noch. Die ganze EU ist außerhalb der westlichen Blase zu einer Lachnummer verkommen. Ein vollkommener Neuanfang mit anderen Akteuren wäre jetzt dringend geboten, bevor alles den Bach runter geht. Aber ich seh‘ leider kein Licht am Horizont.

    Reply

    • Monika
      9. Juni 2023 @ 16:11

      Das kann ich mir jetzt nicht verkneifen: vielleicht muss ja -ganz nach der Logik der Homöopatie- erst alles noch ein bisschen schlechter werden, bevor die Heilung einsetzt. Ich jedenfall bin, wie Sie, vollkommen entsetzt, dass weder Kanzler noch Parteien die Reissleine ziehen. Das müsste doch eigentlich ein Fest für die Opposition und kritische Medien sein! Selbst den selbstgerechten Grünen müsste es doch langsam dämmern, dass wir uns längst in der Phase der Kannibalisierung befinden…
      Aber kein Gegenwind! Nirgends. Weder national noch euopäisch. Anderen Außenministern der EU müsste doch Zusammenarbeitt mit Frau Baerbock mittlerweile unerträglich sein, sie stellt ja nicht nur ihre Reputation, sonder die der ganzen „Branche“ zur Disposition!

      Reply

  • Thomas Damrau
    9. Juni 2023 @ 08:26

    Es ist schon fast rührend zu beobachten, wie die EU ihr Herz für den Globalen Süden entdeckt: „Kommt, lass uns lieb miteinander sein: Ihr schimpft mit uns gemeinsam über Putin und dann gibt es leckere Freihandelsabkommen.“

    In Wirklichkeit bleibt es bei der alten kolonialistischen Perspektive: Was können wir denn aus diesen Ländern rausholen? Nach Bodenschätzen und Sklaven sind wir inzwischen Wasserstoff und Fachkräften angekommen. Das nenne ich Fortschritt.

    Auch die Begründung für die gewünschte Dominanz des Westens hat sich gewandelt:
    – In Phase 1 galt es, den Heiden den christlichen Glauben zu bringen.
    – In Phase 2 musste den Wilden die überlegende westliche Zivilisation verpasst werden („the white man’s burden.“)
    – Inzwischen geht es um die westlichen Werte, die den Orientierungslosen fehlen. Und die Möglichkeit für Arbeitlose aus dem Globalen Süden, in europäischen HiWi-Jobs Erfüllung zu finden, während an anderer Stelle immer neue Hürden an der EU-Grenze für die Jugendlichen aus den Süden hochgezogen werden.

    Und wenn man das Ganze noch mit der Geisteshaltung enttäuschter Eltern („Jetzt haben so viel für euch gemacht und ihr seid so undankbar.“) angeht, steht guten Beziehungen nichts mehr im Weg.

    Reply

    • european
      9. Juni 2023 @ 08:38

      Ich schließe mich an. Besser hätte man es nicht formulieren können. Vielen Dank.

      Es gibt genügend Menschen ohne Ausbildung in Deutschland. Dann soll man sie eben ausbilden. Auf eigene Kosten. Die Brasilianer brauchen ihre Pflegekräfte selber.

      Reply


  • Info: https://lostineu.eu/lateinamerika-wie-sich-baerbock-und-borrell-blamieren


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    09.06.2023

    Pressespiegel Air Defender 2023/Wunstorf und Pressemeldung_ Bundesausschuss Friedensratschlag: Air Defender 2023

    aus e-mail von Ekkehard Lentz <bremer.friedensforum@gmx.de>, 9. Juni 2023, 23:05 Uhr


    Liebe Freundinnen und Freunde,

     

    die Friedensdemonstration in Wunstorf am morgigen Samstag wird durchaus zur Kenntnis genommen.

     


    Hier ein vorläufiger Pressespiegel Air Defender 2023/Wunstorf (Auswahl):

     

    https://www.tagesspiegel.de/politik/massive-auswirkungen-auf-zivile-luftfahrt-25-nato-staaten-trainieren-uber-deutschland-bei-manover-der-superlative-9933855.html

     

    https://www.auepost.de/stadtgespraech/proteste-gegen-luftwaffenuebung-bremer-friedensforum-unterstuetzt-demo-in-wunstorf-71895/


    https://www.evangelisch.de/inhalte/216604/04-06-2023/friedensgruppen-wollen-gegen-manoever-air-defender-demonstrieren


    https://www.fr.de/politik/air-defender-2023-pistorius-nato-deutschland-usa-bundeswehr-92325247.html


    https://www.t-online.de/region/hannover/id_100186982/protest-gegen-air-defender-friedensinitiative-will-in-wunstorf-demonstrieren.html


    https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/hannover_weser-leinegebiet/Air-Defender-Friedensgruppen-wollen-in-Wunstorf-demonstrieren,airdefender178.html


    https://celler-presse.de/2023/06/05/initiativen-aus-der-heide-werden-am-10-6-23-vor-dem-fliegerhorst-wunstorf-gegen-nato-manoever-air-defender-23-protestieren/


    https://www.24rhein.de/welt/politik/air-defender-protest-wunstorf-friedensgruppen-kritik-ukraine-krieg-eskalation-diplomatische-loesungen-92326773.html


    https://www.myheimat.de/wunstorf/c-politik/friedensdemonstration-in-wunstorf_a3465743


    https://lokale-friedensarbeit.de/aktuelles/bremerfriedensforum-proteste-gegen-air-defender-2023-sind-notwendig



    Flyer:

     

    https://www.bremerfriedensforum.de/pdf/FlyerWunstorf-WEB.pdf


    https://www.friedenskooperative.de/sites/default/files/datei/demo-gegen-nato-manoever-air-defender-23-5633.pdf

     

     

    Wir sehen uns.


    LG

     

    Ekkehard Lentz

    Sprecher

    Bremer Friedensforum

    Villa Ichon

    Goetheplatz 4

    D-28203 Bremen

    0049- (0) 421-3 96 18 92

    0049- (0) 173-4 19 43 20

    https://www.bremerfriedensforum.de

    https://www.facebook.com/bremerfriedensforum

    https://twitter.com/ekkehardlentz1

    https://www.instagram.com/bremer_friedensforum

     

     


    Gesendet: Freitag, 09. Juni 2023 um 12:03 Uhr

    Von: "Willi van Ooyen " <willi.van_ooyen@t-online.de>

    An: "Willi van Ooyen " <willi.van_ooyen@t-online.de>

    Betreff: [bundesausschuss_friedensratschlag] Pressemeldung_ Bundesausschuss Friedensratschlag: Air Defender 2023


    Aufruf zu Aktionen gegen NATO-Luftwaffenmanöver „Air Defender 2023“

     

    Vom 12. bis 23. Juni findet über Deutschland das größte NATO-Luftkriegsmanöver seit Ende des Kalten Krieges statt. Um es ungestört durchführen zu können, sollen zivile Lufträume zeitweilig gesperrt werden. Auf Einladung Deutschlands bilden ca. 250 Flugzeuge aus 25 NATO-Staaten sowie Japans eine Drohkulisse gegen Russland. Es ist die größte Verlegeübung von Kampfflugzeugen aus den USA nach Europa seit Gründung der NATO. 100 US-Flugzeuge landen auf einen Schlag auf deutschem Boden, der mehr und mehr zum militärischen Logistikzentrum und Aufmarschgebiet gegen Russland ausgestaltet wird.

    Mit „Air Defender 2023“ soll das deutsche Luftwaffenzentrum in Kalkar (NRW) unter Beweis stellen, dass es in der Lage ist, das Kommando über Luftwaffenverbände dieser Größenordnung auszuüben. Die deutsche Luftwaffe nimmt mit etwa 60 Maschinen teil – darunter 30 Eurofightern und 16 Tornados. Die Hauptflugplätze in Deutschland sind Wunstorf (Niedersachsen), Hohn/Jagel (Schleswig-Holstein), Lechfeld und Neuburg (Bayern), Spangdahlem (Rheinland-Pfalz) und Geilenkirchen (NRW). Flüge finden täglich nach Estland und Rumänien statt. Nach Auskunft von der Bundeswehr wird das Luftkriegsmanöver etwa 32.000 Tonnen des Treibhausgases CO2 erzeugen.

     

    Die NATO hat Russland über die Kriegsübung offiziell nicht unterrichtet und geht damit bewusst Risiken ein. Die Flugübungen reihen sich ein in eine Vielzahl von Manövern der Heere und Marinen und sind alles andere als geeignet, den Konflikt mit Russland zu deeskalieren. Im Gegenteil, sie unterstreichen die Ablehnung von Verhandlungen mit Russland und eskalieren die ohnehin bedrohliche Situation weiterhin.

     

    Das Luftkriegsmanöver ist ein weiterer Meilenstein des 2014 mit dem NATO-Gipfelbeschluss von Wales angestoßenen Aufrüstungskurses der NATO und soll zur Akzeptanz für den aktuellen Kriegskurs der Bundesregierung beitragen. Militarisierung der Öffentlichkeit und militärische Konfrontation sind jedoch nicht im Interesse der Bevölkerung. Neben der konkret sich zuspitzenden Bedrohungslage kommen in den nächsten Jahren nie dagewesene Ausgaben für die Bundeswehr zu, die von ihr getragen werden muss. Wie das Begleitgesetz zum „Sondervermögen“ vom Juni 2022 vorsieht, sollen im Durchschnitt von fünf Jahren jährlich zwei Prozent der deutschen Wirtschaftsleistung für die Bundeswehr ausgegeben werden. Das lässt befürchten, dass sie jährlich um etwa 10 Mrd. steigen und erstmals schon 2026 über 100 Mrd. Euro liegen werden. Gelder, die für die Energiewende, das Gesundheits- und Bildungssystem und die Pflege dringend benötigt werden.

     

    Der Bundesausschuss Friedensratschlag unterstützt die regionalen Protestaktionen gegen “Air Defender 2023“ und ruft alle auf: Schließt euch dem Protest persönlich an!

     

    Denn nicht durch NATO-Kriegsmanöver kann der Krieg in der Ukraine beendet werden, sondern nur durch Diplomatie, die im ersten Schritt zu einem Waffenstillstand führen muss. Nur Abrüstung bei gegenseitiger Rüstungskontrolle kann einen dauerhaften Frieden im Rahmen einer europäischen Friedensordnung gewährleisten.

     

    Protesttermine:

    10.6. Spangdahlem: 11:00 US-Airbase

    10.6. Stuttgart-Vaihingen: 11:50 Vaihinger Markt

    10.6. Wunstorf: 12:00 Fliegerhorst

    14.6. Jagel: 12:00 Fliegerhorst

    15.6. Stuttgart: 17:00 Querspange, Königstr. 78

    17.6. Brandenburg/Havel: 13:00 Alte Feuerwache, Franz-Ziegler-Str. 28

    17.6. Mainz-Kastel: 12:00 Paulusplatz

     

    Näheres unter: https://friedensratschlag.de/infos-zu-air-defender-23/

     

    Kontakt: Lühr Henken mobil: +49160-4066630 / Willi van Ooyen mobil: +49170-1851517

     

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    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    09.06.2023

    BIP-Aktuell #262: Die Nakba aus einer jüdisch-israelischen Perspektive

    Dies ist der wöchentliche Newsletter des Bündnis für Gerechtigkeit zwischen Israelis und Palästinensern (BIP) e.V.
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    BIP-Aktuell #262: Die Nakba aus einer jüdisch-israelischen Perspektive

    Der Geist der Nakba – eine persönliche Betrachtung von Shir Hever
     
    Das vorliegende BIP Aktuell 262 ist in Form und Umfang ungewöhnlich. Nachdem wir in diesem Jahr monatlich über die historischen Ereignisse in den Jahren 1947/48 informiert haben, hat sich die Redaktion entschlossen, einen Vortrag von Dr. Shir Hever zu veröffentlichen, den der Autor am 24.5.2023 in Bonn gehalten hat. Er analysiert die Bedeutung der Nakba für Palästinenser, Israelis und Deutsche im Zusammenhang mit seinen persönlichen Erfahrungen.

    Die Geschichte der Nakba ist nicht meine Geschichte. Ich bin kein Palästinenser, ich habe diese Schrecken nicht erlebt. Ich bin in Israel, in Jerusalem, aufgewachsen und habe die Nakba erst in einem langsamen Prozess kennengelernt, der mich viel mehr über die israelische Gesellschaft und ihre Fähigkeit, Geschichte zu verdrängen gelehrt hat als über die palästinensische Geschichte. Darüber werde ich hier schreiben.
     
    Als ich in Jerusalem aufwuchs, habe ich das Wort Nakba nicht ein einziges Mal gehört. Ich bin in einer linken, kritischen Familie aufgewachsen, und meine Eltern haben die Frage diskutiert, ob die palästinensischen Flüchtlinge 1948 aus eigenem Antrieb geflohen sind oder ob sie gewaltsam deportiert wurden.
     

    Die Osloer Abkommen erfüllten die liberalen Zionisten, auch meine Familie, mit großer Hoffnung. Quelle: Das Weiße Haus, 1993, Wikipedia.
     
    Meine Großmutter väterlicherseits erzählte mir einmal, dass sie und ihre Familie zu Beginn des Zweiten Weltkriegs aus Polen fliehen mussten, aber nach dem Krieg konnten sie nach Polen zurückkehren und ihre Pässe und ihren Besitz zurückerhalten. Sie sagte: "Ich verstehe nicht, warum wir zurückkehren durften, aber die palästinensischen Flüchtlinge nicht." Für die Israelis meiner Generation ist die Behauptung, dass die Palästinenser:innen geflohen sind und nicht vertrieben wurden, häufig eine Rechtfertigung dafür, ihnen die Rückkehr zu verweigern.
     
    In den 1990er Jahren gab es den Osloer Friedensprozess, und viele Israelis dachten, dass der Frieden erreicht wird, wenn nur eine Grenze gezogen wird. Die Palästinenser:innen würden in ihrem eigenen kleinen Staat leben, und es wird keinen Grund mehr für einen Kampf geben. Wenigen Israelis war bewusst, dass zwei Drittel der Palästinenser:innen im Gazastreifen Flüchtlinge sind, deren Eltern oder Großeltern aus Städten und Dörfern stammen, die im Krieg von 1948 von den israelischen Streitkräften zerstört wurden. Für diese sind eine Grenze und ein Staat natürlich nicht das Ende des Unrechts.
     
    Samstags ging meine Familie gerne in den Jerusalemer Wald, der rund um das Museum Yad Vashem wächst. Als Kind dachte ich, es sei ein natürliches Phänomen, dass der Wald auf Stufen wächst, denn es gibt keine Schilder, die erklären, dass es sich dabei um Terrassen der palästinensischen Landwirtschaft in dem zerstörten palästinensischen Dorf Deir Jassin handelt. Das Massaker von Deir Yassin, eines der schrecklichsten Ereignisse der Nakba, wird totgeschwiegen, das Massengrab der Opfer ist nicht gekennzeichnet.
     
    Da ich keinen Militärdienst geleistet habe, war ich während der zweiten Intifada Student. An der Universität habe ich auch etwas über die sogenannten neuen israelischen Historiker gelernt. Die israelischen Archive waren 30 Jahre lang verschlossen, so dass die Dokumente über den Krieg von 1948 erst im Jahr 1978 für Forscher zugänglich wurden. Ich spreche nur von den israelischen Dokumenten, denn die Palästinenser:innen haben der Welt von Anfang an von ihren Erfahrungen berichtet, aber man hat ihnen nicht geglaubt. Als israelische Historiker in den 1980er und 1990er Jahren begannen, nach der Öffnung der Archive ihre Forschungsergebnisse zu veröffentlichen, kamen die ersten Informationen ans Licht.
     
    Der Wegbereiter ist Prof. Dr. Benny Morris, der von der "Frage der palästinensischen Flüchtlinge" spricht, wenn er über die Nakba schreibt. Morris hat das Ausmaß der von den israelischen Streitkräften im Jahr 1948 begangenen ethnischen Säuberungen aufgezeigt, aber seine politische Meinung zu diesen ethnischen Säuberungen ist positiv. Seiner Meinung nach hätten keine Palästinenser:innen zurückbleiben dürfen, denn die Schaffung eines rein jüdischen Staates wäre eine bessere Idee gewesen.
     
    Andere unter den New Historians, Ilan Pappe, Avi Shlaim, Tom Segev, Simcha Flapan und einige andere, stimmten mit Morris zwar in den Fakten überein, nicht aber in der politischen und moralischen Schlussfolgerung. Hier in Deutschland wurden palästinensische Stimmen ignoriert und zum Schweigen gebracht, aber es war schwieriger, die Stimmen prominenter jüdischer Historiker zum Schweigen zu bringen, deren Bücher sich auf Dokumente aus den israelischen Archiven stützten. Die Nakba war nicht länger ein Wort, das nur intern von Palästinenser:innen verwendet wurde, sondern eine wissenschaftliche Tatsache. Jetzt glaubte ich, die Nakba verstanden zu haben.
     
    Einer dieser neuen Historiker heißt Professor Dr. Eyal Naveh. Naveh ist Zionist, er schrieb ein Schulbuch über die Geschichte Israels und fügte ein sehr kleines Kapitel, eine Seite und ein Bild, über die Nakba und die palästinensischen Flüchtlinge hinzu. Bildungsministerin Limor Livnat vom Likud ordnete nicht nur an, dass sein Buch aus dem Lehrplan gestrichen wird, sondern auch, dass die Bücher physisch zerstört wurden. Eyal Naveh erhielt Todesdrohungen. Naveh fragte in einer Fernsehdebatte: "Sollen wir die Kinder anlügen?" und die Antwort seines Diskussionspartners Aharon Meged war: "Ja.“
     
    Nachdem ich diese Fernsehdebatte gesehen hatte, sprach ich mit meinem Vater darüber, der damals selbst Professor an der Universität Tel Aviv war. Er sagte mir, dass er den Büchern, die Palästinenser:innen über die Nakba geschrieben haben, am Anfang nicht glaubte, weil ihm, wie mir, in der Schule eine Version der Geschichte beigebracht wurde, die diese Geschichte auslöscht. Aber mein Vater war damit nicht zufrieden. Er wollte mit seinem Schwiegervater, meinem Großvater mütterlicherseits, sprechen, der 1948 bei der Palmach kämpfte, der paramilitärischen Elitemiliz der Arbeitspartei. Mit meiner Mutter, seiner Tochter, hat er nicht über den Krieg gesprochen. Sie erzählte mir, dass er manchmal mitten in der Nacht schreiend aufwachte, weil er vom Krieg traumatisiert war, aber in ihren Augen war er ein Held, der in schwierigen Schlachten kämpfte.
     
    Mit meinem Vater, seinem Schwiegersohn, konnte er freier sprechen, denn mein Vater war Soldat gewesen und hatte im Krieg von 1973 gekämpft. Er sagte meinem Vater, dass alles, was die Palästinenser:innen über den Krieg von 1948 behaupten, wahr sei. Dass er selbst an dem Massaker in Lyd, dem heutigen Lod, teilgenommen hatte. Achttausend Palästinenser:innen wurden mit vorgehaltener Waffe zu Fuß aus Lyd ins Westjordanland getrieben, aber die Kranken, die Alten und die schwangeren Frauen konnten nicht so lange marschieren und flüchteten in die Moschee der Stadt. Die Palmach-Einheiten brannten die Moschee mit den darin befindlichen Menschen nieder.
     
    Dann fanden sie eine Gruppe von Palästinensern, die sich zu verstecken versuchten, und zwangen sie, Gräber auszuheben. Zweimal. Gräber für die Leichen aus der Moschee und dann auch Gräber für sich selbst.
     
    Mein Großvater glaubte wie Benny Morris, dass diese Dinge notwendig waren. Mein Vater wartete, bis mein Großvater gestorben war, bevor er mir diese Geschichte erzählte. Jetzt glaubte ich zu verstehen, worum es bei der Nakba ging und was das Schweigen darüber verdeckt: Es geht um die Verbrechen, die 1948 begangen wurden.
     
    Ich engagierte mich in einer israelischen Organisation namens Zochrot für das Gedenken an die Nakba. Zochrot bedeutet auf Hebräisch "Frauen, die sich erinnern". Ich erfuhr, wie Zochrot versuchte, Schilder aufzustellen, um die Menschen daran zu erinnern, wo sich bis 1948 palästinensische Dörfer befanden und wie die Straßennamen lauteten, bevor sie in Herzlstraße oder Zionismusstraße umbenannt wurden.
     
    Zochrot hat eine Karte veröffentlicht, auf der die Namen aller zerstörten palästinensischen Städte und Dörfer verzeichnet sind. Als ich mir die Karte ansah, wurde mir klar, dass ich überhaupt nicht verstanden hatte, worum es bei der Nakba ging. Es ging nicht nur um den Jerusalemer Wald, sondern um jeden Schritt in meinem Leben. Meine Schule, mein Zivildienstjahr in Sderot, das Haus der Familie meiner Partnerin, meine Universität, mein Lieblingsrestaurant, mein Lieblingsstrand - jeder Ort war einmal ein palästinensisches Viertel oder ein Dorf.
     
    Die bröckelnden Mauern der Parkhäuser in Jerusalem waren früher Moscheen. Das Haus des Premierministers gehörte früher einem wohlhabenden palästinensischen Geschäftsmann. Die Nakba ist nicht etwas, das 1948 geschah, sie ist etwas, das jetzt geschieht, jeden Tag. Auch wenn die israelischen Behörden alle Schilder, die Zochrot aufstellt, entfernen, können sie das Gespenst des geistigen Lebens der Palästinenser:innen, die auf ihre Rückkehr warten, nicht vertreiben, das immer noch überall in Israel präsent ist
     
    Ich bin der Überzeugung, dass die Nakba die israelische Gesellschaft ebenso geprägt hat und sie weiter verfolgt, so wie die kolonialen Siedlergesellschaften in Nordamerika und Australien von der Erinnerung an die indigene Bevölkerung verfolgt werden, die dort durch Völkermord vernichtet wurde.
     
    Während des Krieges von 1948 sendeten israelische, nicht palästinensische Radiosender Berichte über Massaker und Massenvergewaltigungen, die von den israelischen Streitkräften an Palästinenser:innen verübt wurden, um diese zur Flucht zu bewegen.
     

    Das Manshiya-Viertel in Jaffa vor der Zerstörung. Quelle: Zochrot.
     
    Über die Behauptung, dass die Araber die Juden ins Meer werfen wollen, gibt es mehrere historische Studien, die tatsächlich Beweise dafür liefern, dass die Forderung "Werft die Juden ins Meer" zuerst von Führern der zionistischen Milizen und der israelischen Regierungen geäußert wurde. Es ist fraglich, ob Gamal Abdel Nasser dies auch gesagt hat, aber der früheste nachweisbare Beleg für diese Aussage stammt von Yitzhak Shamir, der ein Attentäter und Terrorist und später Ministerpräsident Israels für die Likud-Partei war.
     
    Meiner Meinung nach glaubte Shamir wirklich, dass die Araber die Juden ins Meer werfen wollten. Er hat diese spezielle Bedrohung nicht einfach erfunden. Er hätte auch sagen können: "Die Araber wollen die Juden in Gaskammern töten", aber das hat er nicht gesagt. Warum also dies „Werfen ins Meer“?
     
    Die Antwort liegt in der Geschichte von Haifa und Jaffa. Aber zuvor möchte ich von Jerusalem berichten. In der Jaffa-Straße in Jerusalem gibt es einen berühmten Platz, den Davidka-Platz. Es ist die Statue eines Mörsers, einer Waffe, die von den zionistischen Milizen entwickelt und im Krieg von 1948 eingesetzt wurde, eine sehr laute, ungenaue Waffe, die Angst und Panik erzeugt, aber gegen militärische Ziele nicht wirksam ist. 1948 setzten Palmach-Soldaten in Haifa Da­vidka-Mörser ein, um die palästinensische Bevölkerung zu veranlassen, ihre Häuser schnell zu verlassen und sie in Richtung Meer zu treiben. Die britische Armee, die sich noch in Haifa befand, organisierte Boote, um die ins Meer getriebenen Palästinenser:innen zu retten.
     
    Eine ähnliche Szene spielte sich in Jaffa ab. Dort setzte die Palmach schwere Maschinengewehre und keine Mörser ein. Die Menschen flüchteten in die einzige Richtung, die ihnen offenstand - in Richtung Meer, und auch hier organisierten die Briten Boote, die die Flüchtlinge nach Gaza brachten, und einige wenige fuhren weiter nach Ägypten.
     
    Einer der Palästinenser, die nach Ägypten getrieben wurden, ist ein Freund von mir, ein palästinensischer Jude aus Jaffa. Er kam nach Deutschland, um als Arzt zu arbeiten. Es war für mich schwer zu verstehen, dass ein Jude ein Opfer der Nakba sein konnte. Ich fragte ihn: "Warum hast du den Palmach-Solda­ten nicht gesagt, dass du Jude bist, damit sie dich nicht deportieren?" Er war da­mals vier Jahre alt, aber sein Vater hätte mit den Palmach sprechen können. Mein Freund schaute mich an und sagte: "Kannst du dir diese Situation vorstellen, dass deine Freunde und Nachbarn zusammengetrieben und ins Meer getrieben werden, und dass du vortrittst und sagst: Ich gehöre nicht zu dieser Gruppe, zu den Menschen, mit denen ich aufgewachsen bin, zu meinen Nachbarn, denn ich bin Jude und sie sind es nicht, also könnt ihr sie rausschmeißen, aber ich will bleiben?“ Ich gebe zu, dass ich mich für diese dumme Frage sehr geschämt habe.
     
    Das Viertel an der Küste von Jaffa hieß Manshiya. Nachdem die Menschen vertrieben worden waren, kamen Bulldozer und stießen die Häuser ins Meer - ein weiterer symbolischer Akt, um die Araber ins Meer zu werfen. Man kann heute an die Küste von Jaffa gehen und die Steine im Wasser sehen. Die Einwohner von Jaffa nennen ihn "den Strand der Häuser". In einigen Fällen übernahmen die israelischen Streitkräfte die Häuser und übergaben sie an jüdische Einwanderer. Manchmal wurden die Häuser aber auch zerstört. Sie fürchteten, dass die Spukhäuser von der Geschichte der Palästinenser heimgesucht würden.
     
    Diese Geschichte ist ein Beispiel dafür, was es bedeutet, Angst davor zu haben, von Geistern heimgesucht zu werden. Yitzhak Shamir und viele andere Israelis wussten, was in Haifa und in Jaffa geschehen war. Sie wussten, dass sie sich schuldig gemacht hatten, Palästinenser:innen ins Meer zu werfen, und sie werden von einem Gespenst der Schuld heimgesucht - eines Tages könnten sie selbst auf die gleiche Weise ins Meer geworfen werden, eine angemessene Strafe für diesen Akt der Brutalität.
     
    Die Nakba ist ein Verbrechen, das von der israelischen Gesellschaft nicht aufgearbeitet wurde, und deshalb vermischt sich die Schuld mit Angst. Und Angst führt zu mehr Gewalt, und Gewalt führt zu Schweigen.
     
    Israels erster Premierminister David Ben-Gurion, der 1948 die israelischen Streitkräfte befehligte und den Befehl zur Zerstörung von Städten und Dörfern und zur Vertreibung der palästinensischen Bevölkerung gab, sagte, dass "die Alten sterben und die Jungen vergessen werden". Er glaubte, dass die ethnische Säuberung Fakten schaffen und unumkehrbar sein werde. Die Israelis haben versucht, die Nakba zu vergessen, aber sie können es nicht. Die Palästinenser:innen haben die Nakba natürlich nicht vergessen, und die Familien besitzen immer noch die Schlüssel zu den Häusern, die sie bei der Vertreibung verloren haben.
     
    Die Palästinenser:innen verwenden die Schlüssel als Ausdruck und Mittel ihres Protestes und fordern nicht nur ein Ende der Besatzung, sondern auch ein Recht auf Rückkehr, wie es in der Resolution 194 der UN-Generalversammlung vorgesehen ist. Der israelische Premierminister Netanjahu warnte 2009, dass der Schlüssel, den die Palästinenser:innen im Dorf Bilin behalten haben - im besetzten Westjordanland, wo die Trennmauer den größten Teil des Landes des Dorfes einnimmt - nicht der Schlüssel zu einem Haus in Bilin sei, sondern zu den Häusern, die sie in Israel verloren haben.
     
    Damit gab Netanjahu zu, dass er die Nakba verstanden hat und weiß, dass die Palästinenser:innen nicht vergessen haben. Netanjahus Erklärung untergrub die Strategie aller israelischen Regierungen, die Existenz der Nakba zu leugnen, aber als Populist wollte Netanjahu die Angst schüren und nutzen, um Unterstützung in der israelischen Öffentlichkeit zu gewinnen.
     
    Aufgrund des Gefühls des Spuks haben viele Israelis Angst vor einem Klopfen an der Tür - dass plötzlich eine palästinensische Familie vor ihrer Tür steht und ihr Haus zurückfordert. Diese Angst ist nicht nur bei Israelis verbreitet. Polen, das bis 1939 die größte jüdische Gemeinde der Welt beherbergte, fürchtet bis heute eine massenhafte Rückkehr von Jüd:innen, die ihr Eigentum zurückfordern und hat im vergangenen Jahr ein Gesetz nach israelischem Vorbild erlassen, mit dem jüdisches Eigentum rückwirkend beschlagnahmt werden kann, so wie es das israelische Recht mit palästinensischem Eigentum macht.
     
    Im Jahr 2011 unternahm das israelische Parlament, die Knesset, einen weiteren Versuch, die Nakba aus dem Gedächtnis zu streichen. Es erließ das berüchtigte "Nakba-Gesetz", das es der Regierung erlaubt, Einzelpersonen oder Organisationen, die der Nakba gedenken, öffentliche Mittel zu verweigern. Palästinensische Städte, selbst innerhalb Israels, erhalten keine öffentlichen Mittel für Infrastruktur und Bildung, wenn sie Veranstaltungen zum Gedenken an die Zerstörung von 1948 durchführen. Kinos, die Filme über die Nakba zeigen, können keine staatlichen Mittel erhalten, und an Universitäten darf nicht über die Nakba gelehrt werden.
     
    Das Gesetz hatte natürlich den gegenteiligen Effekt. Jeder Israeli, der bis 2011 nicht wusste, was die Nakba war, wusste es nach 2011 ganz genau. Universitäten, Kinos und palästinensische Gemeinden ignorierten das Gesetz, und die Nakba wurde Teil des israelischen Diskurses.
     
    2011 veröffentlichte eine rechtsextreme israelische Organisation namens Im Tirzu eine Broschüre, in der die Nakba geleugnet und als "die größte arabische Lüge der Geschichte" bezeichnet wird (Quelle auf Hebräisch). Die Broschüre wurde von der israelischen Öffentlichkeit nicht gut aufgenommen, da die offene Leugnung der Nakba sofort als ein Instrument angesehen wurde, das dieselbe Sprache und dieselben Argumente verwendet, die von rechtsextremen Organisationen zur Leugnung des Holocausts eingesetzt werden. Es wurde aufgedeckt, dass rechtsextreme evangelikale Pastoren die Organisation Im Tirzu finanzieren, darunter John Hagee, der US-Pastor, der sagte, dass Adolf Hitler „Gottes Werk“ vollbracht habe, indem er die Jüd:in­nen aus Europa in den Nahen Osten vertrieb und damit das Armageddon und das zweite Kommen Christi näher rücke (Quelle auf Hebräisch).
     
    Der Versuch von Im Tirzu, die Nakba zu leugnen, ist gescheitert, und so hören wir in den letzten Jahren, insbesondere im letzten Jahr, immer mehr israelische Politiker, die die Nakba anerkennen und sie benutzen, um den Palästinenser:innen zu drohen.
     
    So rief Bezalel Smotrich, der Vorsitzende der Partei des religiösen Zionismus und jetzt israelischer Finanzminister, im Oktober 2021 den wenigen palästinensischen Mitgliedern der Knesset zu: "Ihr seid nur deshalb hier, weil Ben-Gurion 1948 die Arbeit nicht abgeschlossen hat."
     
    Viele linke Aktivist:innen, insbesondere jüdische Aktivist:innen, haben die Frage aufgeworfen, wie es möglich sein kann, dass Jüd:innen, die so sehr unter den Nazis in Europa gelitten haben, nur drei Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges Palästinenser:innen mit solcher Brutalität töten, vertreiben und enteignen konnten.
     
    Diese Frage wird oft im Zorn gestellt, und viele Menschen wollen sie nicht beantworten, weil sie die Frage an sich als eine Form der Gleichsetzung des Holocaust mit der Nakba betrachten.
     
    Ich versuche, diese Frage sachlich zu beantworten: Mein Vater hat als Professor für Literatur umfangreiche Recherchen über die Kriegs-Dichter angestellt, die 1948 in der Palmach und den anderen zionistischen Milizen gekämpft hatten. Er studierte Poesie und hat zwei Bücher über die Erwähnung der Nakba in Gedichten jüdischer Kämpfer geschrieben. Er fand gemischte Gefühle und häufige Vergleiche zwischen dem Holocaust und der Nakba.
     
    Aba Kovner, der die Ermordung von sechs Millionen Deutschen als ultimativen Racheakt plante und sogar das dafür nötige Gift sammelte, im letzten Moment jedoch von Ben-Gurion und dem israelischen Geheimdienst gestoppt wurde, beschrieb in seinem Gedicht "Guernica auf jedem Hügel" den Krieg von 1948 - er verglich seine eigene Seite mit den Faschisten und die von den Nazis im Spanischen Bürgerkrieg angerichtete Zerstörung mit der Zerstörung Palästinas. Wie er, so beschrieben viele der Milizionäre in ihren Gedichten ihre brutalen Taten gegen die Palästinenser:innen als Racheakte, aber das Ziel der Rache wurde falsch verortet. Da sie keine Nazis töten konnten, töteten sie Palästinenser:innen.
     
    Und das hat zu einem sehr seltsamen und interessanten Phänomen geführt: Palästinenser:innen, die den Holocaust studieren. Der palästinensische PräsidentMah­moud Abbas schrieb seine Doktorarbeit über den Holocaust und bedauerte später, dass er diesen Völkermord in seiner Forschung nicht ernst genug genommen hatte, und bezeichnete den Holocaust als das schlimmste Verbrechen in der modernen Geschichte der Menschheit.
     
    Jedes Jahr am israelischen Holocaust-Tag werden in der Knesset Reden gehalten. Viele jüdische Israelis sind sich einig, dass die beste Rede, die je über den Holocaust gehalten wurde, überraschenderweise von einem Palästinenser gehalten wurde, nämlich von dem Mitglied der KnessetAhmed Tibi im Jahr 2010. Tibi versuchte nicht, sein Mitgefühl für die Opfer des Holocaust zu nutzen, um Mitgefühl für die Palästinenser:innen oder um Verständnis für die Opfer der Nakba zu bitten. Seine Rede war einfach und direkt und konzentrierte sich auf den Holocaust als ein Verbrechen an den Jüd:innen.
     
    Basam Aramin vom Parents Circle, der zusammen mit Rami Elhanan einige Male in Deutschland gesprochen hat - beide Männer haben ihre Töchter durch Gewalt verloren - hat seine Magisterarbeit über den Holocaust geschrieben.
     
    Ali Abunimah, der Herausgeber der Website Electronic Intifada, ist eine der klarsten Stimmen gegen Antisemitismus. In einem Interview mit der Deutschen Welle sagte er letztes Jahr, dass Deutschland die Verantwortung für die an Jüd:innen begangenen Verbrechen übernehmen sollte, anstatt von den Palästinenser:innen zu erwarten, dass sie den Preis für die von den Nazis begangenen Verbrechen zahlen. Warum liefert Deutschland wegen seiner Schuldgefühle gegenüber dem Holocaust Waffen an Israel, die gegen Palästinenser:innen eingesetzt werden? Die Deutsche Welle hat das Interview zensiert - Gewalt verursacht Schweigen.
     
    Ich bin erstaunt, dass in Deutschland, das behauptet, die Erinnerungskultur zu respektieren, die israelisch-palästinensische Geschichte so einfach geleugnet, vergessen und ausgelöscht werden kann. Die Entscheidung der Berliner Polizei, Nakba-Veranstaltungen in Berlin zu verbieten, ist skandalös. Es spielt keine Rolle, ob der Holocaust mit der Nakba vergleichbar ist oder nicht. Wichtig ist, dass es sich um die Geschichte von Menschen handelt, die Opfer einer großen Ungerechtigkeit wurden. Diese Menschen, ob Jüd:innen oder Palästinenser:innen, haben das Recht, sich bei öffentlichen Zeremonien an ihre Geschichte zu erinnern, dessen zu gedenken, was sie verloren haben, seien es Familienmitglieder oder ihr Land und ihre Häuser.

    Die Berliner Polizei entschied im letzten Jahr, Nakba-Veranstaltungen zu verbieten, und griff sogar in einem Akt von racial profiling Menschen an, die palästinensische Symbole zeigten, gerade als ein hoher israelischer Polizeibeamter, Doron Turgeman, in Berlin war und ein Seminar für die Berliner Polizei gab. Turgeman befehligt die israelische Polizei im besetzten Ost-Jerusalem und gab den Befehl, die Beerdigung der berühmten palästinensischen Journalistin Shireen Abu-Akleh, die von israelischen Soldaten ermordet worden war, gewaltsam zu stören.

    Wenn wir von einer Erinnerungskultur sprechen, hier in Deutschland oder irgendwo auf der Welt, dann müssen wir uns fragen - Erinnerung zu welchem Zweck? Ein Grund ist die Forderung nach Gerechtigkeit, nach Entschädigung. Die Palästinenser:innen wollen die Anerkennung des Unrechts der Nakba, weil sie das Recht haben wollen, in ihre Häuser und auf ihr Land zurückzukehren.
     

    Die Berliner Polizei verhaftet einen Palästinenser. Quelle: Instagram.
     
    Aber als Menschen haben wir alle, nicht nur die Palästinenser:innen, auch ein Interesse daran, uns an die Nakba zu erinnern und das Verbrechen anzuerkennen, denn die Anerkennung von Unrecht in der Vergangenheit ist ein wesentlicher Bestandteil für unsere Bemühungen, Unrecht in  Zukunft zu verhindern. Wir haben angesichts der ethnischen Säuberung Palästinas geschwiegen, und die Verbrecher wurden nie bestraft. Als Millionen von Flüchtlingen aus Darfur, Eritrea, Syrien und jetzt aus der Ukraine vertrieben wurden, konnten die Verbrecher, die Krieg und ethnische Säuberung betreiben, davon ausgehen, dass sie ungestraft davonkommen würden.
     
    Wenn die palästinensischen Flüchtlinge zurückkehren dürfen, werden auch die Israelis endlich von der Angst vor dem Klopfen an der Tür befreit sein, und die Gespenster werden schließlich Ruhe finden.
     
    Anmerkung der Redaktion: Einige der vom Autor besprochenen Ereignisse, z.B. die Aktionen von Zochrot sowie die Rede von Netanjahu über Bilin können Sie eindrucksvoll im Dokumentarfilm „On the Side of the Road“ (mit deutschen Untertiteln) von Lia Tarachansky nachverfolgen. Sie hat den Film zur Präsentation in Solidaritätsgruppen unentgeltlich freigegeben.

    Info: https://mailchi.mp/273aa801f9d8/bip-aktuell-262-die-nakba-aus-einer-jdisch-israelischen-perspektive?e=9d8e07ce82


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    09.06.2023

    Plappermäulchen in Brasilien: Wird Lula Baerbock diese Rede verzeihen?

    freeassange.rtde.life, 9 Juni 2023 18:01 Uhr, Von Dagmar Henn

    Die deutsche Außenministerin Baerbock ist ein Plappermäulchen, und ihre Redenschreiber scheinen zu Kindersprache genötigt, um die Sprecherin nicht zu überfordern. Aber so weit daneben wie bei ihrer Rede in Brasilien...


    Quelle: www.globallookpress.com © IMAGO/Kira Hofmann


    Baerbock bei der Fundação Getulio Vargas, 06.06.2023.


    Außenministerin Annalena Baerbock hielt eine einzige große Rede in Brasilien ‒ vor der Getulio-Vargas-Stiftung in São Paulo. Und sie bediente alle Klischees, auch wenn sie meinte, sie zu unterlaufen. Fußball, Samba, Armut. Die Redenschreiber haben sich offenkundig Stichworte zu Brasilien herausgesucht, die sie einflechten können, aber nicht über die Bedeutung nachgedacht.


    Der Westen wird kleiner und die BRICS werden immer größer




    Analyse

    Der Westen wird kleiner und die BRICS werden immer größer






    Das fängt schon mit dem Fußball an. Es ist ja nett, dass sie die brasilianische Spielerin Marta als Vorbild nennt. Damit übergeht sie aber, welche politische Bedeutung Spieler wie Pelé hatten, der immerhin der erste schwarze Minister Brasiliens wurde, oder wie Sócrates, der gegen die Militärdiktatur kämpfte. Sie sucht sich den Teil aus, der in ihre Kleinmädchenwelt passt, zu Einhörnern und Feen, und nicht jenen Teil, der die wirkliche Geschichte Brasiliens erzählt.

    Das Gleiche gilt für das Zitat der Sängerin Elza Soares: Ich bin mein eigener Herr, niemand kann mir befehlen. Das ist nicht die Aussage einer Wohlstandsgöre, die auf Stiftungshänden bis hin zum Vielfachen ihrer Peter-Prinzip-Position gehoben wurde (das Peter-Prinzip besagt, dass jeder befördert wird, bis er die Stellung maximaler Inkompetenz erreicht). Es ist ein Lied, das eine schwarze Brasilianerin gesungen hat, deren Kinder verhungert waren; ein Satz, in dem die Geschichte der Sklaverei mehr als nur ansatzweise mitschwingt. Denn der Patrão, der befiehlt, das ist nicht einfach nur der Chef oder der Ehemann; es ist der Sklavenbesitzer. Dass die blütenweiße, wohlhabende Deutsche Annalena Baerbock es wagt, sich in Brasilien hinzustellen und den Satz auf sich zu beziehen, ist schlicht schamlos.

    In einer ähnlichen Art und Weise verfährt sie mit der Biografie des brasilianischen Präsidenten Lula. Ihn bringt sie zusammen mit Soares ins Spiel:

    "Weil wir alle den Wunsch haben, selbst über unser Leben zu entscheiden. Als Menschen, als Männer und Frauen, als Kinder und Jugendliche. Aber vor allem als Gesellschaften – denn das ist der Wesenskern unserer Demokratien. Als Gesellschaften, in der die Tochter einer Reinigungskraft und eines Fabrikarbeiters aus Rio de Janeiro zu einer der größten Samba-Musikerinnen der Welt werden kann. Als Gesellschaft, in der ein Junge aus Pernambuco, der mit zwölf Jahren als Schuhputzer arbeitete, um seine Familie zu unterstützen, das höchste Amt des Staates erreichen kann."

    Zwischen dem Jungen aus Pernambuco und dem Präsidenten lagen die Tätigkeit als Metallarbeiter, dann als Gewerkschaftsführer während der Militärdiktatur, Folter und Haft eingeschlossen, ehe er zum Vorsitzenden der aus diesen Kämpfen entstandenen Arbeiterpartei wurde. Und diese Geschichte ist keine, in der sich eine Vertreterin der Bundesrepublik selbst loben kann (für die DDR sähe das anders aus) – der brasilianische Militärputsch des Jahres 1964 wurde von der Bundesrepublik ebenso gestützt wie von den Vereinigten Staaten, und die Arbeitskämpfe, in denen Lulas politische Karriere begann, fanden in Werken von Mercedes und VW statt. Muss man noch genauer ausführen, was die Haltung dieser Unternehmen damals war?


    "Durch einen Ozean getrennt, durch unsere Werte verbunden": Baerbock in Lateinamerika




    Meinung

    "Durch einen Ozean getrennt, durch unsere Werte verbunden": Baerbock in Lateinamerika





    Natürlich hat man beste Geschäfte gemacht; Siemens beispielsweise schnappte sich den Telefonmarkt und baute das zweite Atomkraftwerk in Angra dos Reis. Mercedes baut Busse und LKW in São Paulo und beliefert von dort ganz Lateinamerika. BASF betreibt Chemiefabriken. Aber man hat schon dafür gesorgt, dass die brasilianischen Arbeitskräfte billig blieben. Der Putsch 1964 hat Brasilien mindestens dreißig Jahre Entwicklung gekostet.

    Eine Entwicklung, die sich übrigens noch zu Beginn der 1990er an dem Punkt befand, dass eine schwarze Anwältin in Rio de Janeiro beim Betreten eines Wohnhauses auf den Dienstboteneingang verwiesen wurde. Auch das klingt mit in dem Satz "Ich bin mein eigener Herr, niemand kann mir befehlen."

    In völliger, blanker Unkenntnis dieser ganzen Geschichte rutschen dann Sätze in die Rede wie dieser: "Wo früher manchmal naiv auf die unsichtbare Hand des Marktes vertraut wurde, ist es jetzt allzu oft die Hand von autokratischen Regimen, die Unternehmen als geopolitische Instrumente nutzen wollen." Der Bau von Angra II war nicht nur ein Geschäft für Siemens, er war auch ein geopolitisches Instrument. Volkswagen do Brasil entstammte nicht der Menschenliebe, sondern dem Versuch, sich den größten lateinamerikanischen Markt zu sichern, und natürlich auch, in Lateinamerika in Konkurrenz zu den USA zu treten. Geopolitik pur. Wenn das ein "autokratisches Regime" kennzeichnen soll, war die Bundesrepublik immer eines. Dass Brasilien heute demokratisch ist, ist sicher nicht dem Einsatz der Bundesdeutschen zu verdanken.

    Andere Sätze würde sie in Deutschland so vermutlich nie sagen; ihre ganze Partei nicht. "Die Fähigkeit zum Kompromiss – die Fähigkeit zu sagen: Der Andere hat auch recht – das ist das, was demokratische Gesellschaften und demokratische Parteien von Populisten und Autokraten unterscheidet." Wie ist das noch einmal mit den "Putintrollen", "Querdenkern", "Klimaleugnern"? Der Andere hat auch recht? So was sülzt man in Brasilien, in der Erwartung, dass die kindlichen Brasilianer das ohnehin nicht verstehen, aber das meint man doch nicht in Deutschland.

    Kein US-Dollar mehr: BRICS-Länder auf dem Weg zu einer neuen gemeinsamen Handelswährung?



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    Natürlich hat sie ihr Lieblingsthema Ukraine angebracht; irgendwie ist es ihr im Laufe ihres sorgenfreien Seins noch nicht begegnet, dass die Vereinigten Staaten in Lateinamerika einfach eine zu breite Blutspur hinterlassen haben, um beliebt zu sein, und jeder, der auch nur ansatzweise die Möglichkeit hat, sich bei ihren Gegnern einreiht. Sie scheint vergessen zu haben, dass auch die Bundesrepublik die Marionette Guaidó zum venezolanischen Präsidenten ernannte, Lula aber mit Chávez befreundet war. So wie mit anderen lateinamerikanischen Politikern, die die USA und mithilfe diverser Parteistiftungen auch die Bundesregierung gern stürzen. Statt zumindest einen Fehler einzugestehen, übergeht sie diese außenpolitischen Manöver einfach. Der amerikanische Präsident, der unter Demenz leidet, heißt allerdings nicht Lula.

    Auch die Handelsbeziehungen zu China sind ihr ein Dorn im Auge; sie versucht, den Brasilianern die Computerchips anzudrehen, die vielleicht irgendwann in Europa gefertigt werden, und betont, man könne ja in wirtschaftliche Abhängigkeit geraten. Der wirkliche Trick mit wirtschaftlicher Abhängigkeit sind allerdings nicht Lieferketten, sondern die Staatsverschuldung. Und die begann in Brasilien mit der Unabhängigkeit, als die Briten forderten, der neue Staat müsse alle Schulden des portugiesischen Königshauses übernehmen. Ja, man hat so seine Erfahrungen mit den Europäern in Brasilien.

    Womöglich wissen sie das alles noch im Auswärtigen Amt in Berlin, und wissen nur nicht, wie sie es in eine Sprache kleiden können, die Baerbock unfallfrei vortragen kann. So aber wird ihr weder die zelebrierte Kindlichkeit noch ihr Buhlen um brasilianische Zuneigung etwas nützen. Denn wenn sie von "unserer regelbasierten Ordnung" spricht, zu deren Verteidigung man sich um die Ukraine scharen müsse, dann versteht dort jeder, dass es die Ordnung zum Vorteil des Westens ist. Und die Antwort wird letztlich aus jener Liedzeile bestehen, die Baerbock so schamlos zitiert hat, wenn auch im Plural: Wir sind unsere eigenen Herren, uns befiehlt niemand.


    Mehr zum Thema - Südamerika-Gipfel endet mit Appell zur Einigkeit: "Es hat uns nichts genutzt, gespalten zu sein"


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    09.06.2023

    Kirchentag: Die Politik und der Garten Eden

    nachdenkseiten.de, 09. Juni 2023 um 13:00 Ein Artikel von Helmut Ortner

    Die Trennung von Staat und Kirche steht in unserer Verfassung. Doch es gibt zahlreiche Sonderrechte und Subventionen, die unser Staat den Kirchen gewährt. Beispielsweise die massive staatliche Förderung religiöser Groß-Events wie dem derzeit stattfindenden Evangelischen Kirchentag in Nürnberg. Höchste Zeit, staatlichen Gottes-Lobbyismus und fragwürdige klerikale Polit-Allianzen zu beenden. Ein Kommentar von Helmut Ortner.

    Lassen wir gleich zu Beginn mal unseren Bundespräsidenten zu Wort kommen. Bei seiner Eröffnungsrede zur Bundesgartenschau im April 2023 in Mannheim hat er die Zuhörerschaft daran erinnert, dass einst im Garten Eden alles seinen Anfang nahm. Denn: „Wenn wir der Bibel folgen, dann wurde der Mensch geschaffen, dann wurden die Menschen in die schönen Gärten gesetzt, die Gott persönlich, wie es heißt, im Garten Eden angelegt hatte«, Festrede in schönster Schöpfungs-Prosa. „Der Mensch sollte den Garten bearbeiten und hüten”, denn – und hier wagte der weise Präsident mit schneeweißem Haupt-Haar eine originelle ethnologische Pointe – „Wenn Sie so wollen, wurde der Mensch vor aller Zeiten Anfang eigentlich als Gärtner geschaffen.” 

    Nicht ganz gender-gerecht übersah er hier die solide Rolle der Gärtnerin. Egal. Jedenfalls beschwor der gottesfürchtige Präsident das Blumen-Bio-Event als „ein Fest der Farben, eine Feier der Buntheit und der Verschiedenheit, eine Darstellung der Schönheit … Es ist schön und es ist eine Freude, sich inmitten der Farben der Schöpfung zu bewegen”. Spricht hier ein bibelfester Kreationist oder ein sozialdemokratischer Bundespräsident, der eigentlich – gewissermaßen als lebendes Verfassungsorgan – doch zur religiösen Neutralität verpflichtet ist?

    Der schöpferische Christenmensch Steinmeier kennt sich aus. 2019 sollte er auf dem Evangelischen Kirchentag in Dortmund als Kirchentagspräsident gar dem klerikalen Event vorstehen. Nur die Wahl zum Bundespräsidenten verhinderte die Präsens-Rolle. Als Mitglied der Kirchentagsleitung hatte er sich schon zuvor für die finanzielle Grundausstattung des Glaubens-Events eingesetzt. Zwar übte er diese Tätigkeit ehrenamtlich aus, allerdings wurde dadurch ein Signal an die öffentlichen Finanzierungsstellen (Bund, Land und Kommune) gesendet, die mit schöner Regelmäßigkeit die Bezuschussung der Kirchentage beschließen. Das ist Lobbyismus in reiner Form, finanziert mit öffentlichen Steuergeldern.

    Man stelle sich mal vor, der Wirtschaftsminister wäre gleichzeitig der Vorsitzende des Bundesverbands der Deutschen Industrie und die BDI-Veranstaltungen wären zur Hälfte mit Steuergeldern finanziert – eine undenkbare Konstellation. Wenn es aber um Kirchen-Lobbyismus geht, erleben wir eine breite und offene Verflechtung mit dem Staat – finanziell und personell.

    Alle Jahre wieder findet hierzulande ein Kirchentag statt, immer im Wechsel, mal ein katholischer, mal ein evangelischer – und immer in einer anderen Stadt. Das Ganze hat Event-Charakter, es gibt Musik, Tanz, gemeinsames Gebet und jede Menge Vorträge über Gott und die Welt. Ein straff organisiertes Himmels-Festival mit Zeltlager-Flair. In diesen Tagen, vom 7. Juni bis 11. Juni, der 38. Evangelische Kirchentag in Nürnberg. Motto: »Die Zeit ist jetzt«. Sogar einen offiziellen Kirchentag-Song gibt es, »performed« vom Gute-Laune-Trio Judy, Ronja und Sam: „Ein kleiner Moment kann riesig sein“, beschwören sie ausgelassen göttliche Glückseligkeit. Ein echter Knaller.

    Der Freistaat Bayern unterstützt mit 5,5 Millionen Euro die Kirchen-Sause großzügig. Bei der symbolischen Scheckübergabe im Heimatministerium in Nürnberg sagte Ministerpräsident Söder, es sei eine Freude, dass der Kirchentag zum zweiten Mal nach 1979 in Nürnberg stattfinde. „Evangelisch is coming home, sozusagen …”, so der CSU-Mann im Marketing-Jargon. Weitere drei Millionen Euro gibt es aus dem städtischen Haushalt der Franken-Metropole, die darüber hinaus den Kirchentag auch mit Sachleistungen wie dem Bereitstellen von Veranstaltungsorten in Höhe von etwa einer Million Euro unterstützt. Dass die Stadt Nürnberg mit einem Schuldenstand von 1,9 Milliarden Euro aktuelle Schuldenkönigin in Bayern ist, darf hier kurz angemerkt werden. Die Veranstalter, an der Spitze Ex-CDU-Innenminister Thomas de Maizière, der diesmal als Präsident des Kirchentags fungiert, sind hoch erfreut. Der Mann, einst zuständig für Sicherheit und Ordnung, jetzt für Glaube und Hoffnung, bedankte sich für den staatlichen und städtischen Geldsegen – denn dies, so de Maizière, sei nicht selbstverständlich in Zeiten, in denen die Bedeutung der Kirche abnehme.

    In der Tat: Seit dem Frühjahr 2022 sind erstmals weniger als die Hälfte der Menschen in Deutschland Mitglied in der katholischen oder evangelischen Kirche. In der Kirchentags-Stadt Nürnberg haben beide Kirchen zusammen nur noch einen Anteil von rund 42 Prozent an der Bevölkerung. „Die Konfessionsfreien stellen erstmals in der Geschichte der Stadt die Mehrheit«, stellt David Farago, Aktionskünstler und im Zivilberuf Schreinermeister, nüchtern fest. Und weil es ihm als Verfassungs-Patriot ungemein ärgert, dass es um die Trennung von Kirche und Staat hierzulande nicht gut bestellt ist, ist er auch gegen jede staatliche Subvention von Kirchentagen. Bei der Stadt Nürnberg hat er eine Ausstellungsfläche beantragt, um seine kirchenkritische – aufklärend lästerlichen – Plastiken und Installationen samt einer »Kirchenaustritts-Beratungsstelle« zu präsentieren. Er und seine Aktions-Gruppe »11. Gebot: Du sollst Deinen Kirchentag selbst bezahlen« wollen damit zur Debatte, zum produktiven Streit animieren und ermuntern. Denn: „Streit ist der Sauerstoff für die Demokratie«.

    Dem Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm hat Farago einen Offenen Brief geschrieben und ihn um Unterstützung gebeten. Ist die Kirchentags-Dramaturgie nicht auch eine Einladung für Andersgläubige und Ungläubige? Nicht auch eine große gesellschaftliche Dialog-Bühne? Der Herr Landesbischof ließ den Aktivisten kurz und schnöde abblitzen. O-Ton: „Leider kann ich Ihr Anliegen und die Umsetzbarkeit für Stadt und Kirchentag im Detail nicht nachvollziehen. Der Kirchentag ist eine von unserer Landeskirche unabhängige Veranstaltung und ich selber bin an keiner Stelle als Entscheidungsträger eingebunden.“ Das grenzt an dreiste Selbstverleugnung. Der Trick: Die Kirche tritt nicht als Veranstalter auf. Die Organisation wird vom „Verein Förderung des Deutschen Evangelischen Kirchentags“ übernommen. Für jeden Kirchentag wird jeweils ein weiterer eigener Verein gegründet, der die öffentlichen Gelder erhält und verwaltet – und später wieder aufgelöst wird. Das hat viele Vorteile. Ein Vorteil: Kirchentage brauchen keine Abrechnung vorzulegen. Religionsgemeinschaften sind in Deutschland nicht rechenschaftspflichtig. Landesrechnungshöfe dürfen sie nicht überprüfen. So bleibt intransparent, wofür das staatliche Geld eigentlich eingesetzt wird. Transparenz sieht anders aus. 

    Das Ordnungsamt der Stadt Nürnberg hat für den widerborstigen Aktionskünstler Farago dann doch noch ein paar Quadratmeter auf der Kirchentags-Meile gefunden. Immerhin. Und Landesbischof Bedford-Strohm wird als Prediger und klerikaler Hans Dampf in allen Gassen als Gottesdienst-Gestalter und Forum-Teilnehmer beim Kirchentag omnipräsent sein. Fans bewundern seine Ausdauer, Kritiker monieren seine Eitelkeit.

    Und klar: Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ist beim Eröffnungsgottesdienst auf dem Hauptmarkt in Nürnberg dabei. Polit-Prominenz lässt sich parteiübergreifend wie gewohnt gerne auch diesmal sehen. Kaum ein Podium oder ein Diskussions-Forum findet ohne »die Politik« statt. Ministerpräsident Söder wird die Kirchentagshauptbühne für seinen Wahlkampf nutzen. Sein Thema: »Bibelarbeit – Was jetzt am Tage ist / Mose 50,15-21«. Gleich nach der Frühmesse am Freitag morgens um 9:30 Uhr im Messezentrum, Halle 4A. CSU und Kreuz – in Nürnberg kommt zusammen, was zusammengehört. 

    Doch es geht um mehr als um die staatliche Alimentierung von Kirchentagen. Die allgegenwärtige Allianz – oder soll man von Komplizenschaft sprechen? – von Staat und Kirche in unserem Land muss ein Ende haben. Konkret und exemplarisch: Es geht um die skandalöse Nicht-Verfolgung klerikaler Missbrauchs-Täter, um fragwürdige Sonderechte und Subventionen, um den zweifelhaften Einfluss der Gottes-Lobbyisten in Politik und Medien, um die arrogante Selbstgefälligkeit der klerikalen Oligarchie. In einer säkularen Demokratie darf sich der Staat nicht mit einer Religion identifizieren, keine Kirche und keine Glaubensgemeinschaft bevorzugen. Das ist geradezu die Garantie für Religionsfreiheit. Es gilt die strikte Trennung von Staat und Kirche. Erst der Bürger, dann der Gläubige.


    Rubriken: Kirchen/Religionen Lobbyismus und politische Korruption

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    Info: https://www.nachdenkseiten.de/?p=99074


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    09.06.2023

    2,3 Millionen Euro an gefällige Journalisten – GEZ-Medien und die deutsche Korruptokratie

    freeassange.rtde.live, 9 Juni 2023 07:30 Uhr

    Die Bundesregierung heuert Journalisten gegen Honorar an. Ganze 2,3 Millionen Euro wurden in diesem Zusammenhang vor allem für Mitarbeiter der GEZ-Medien ausgegeben. Unter den Namen findet sich auch die Ehegattin des Landwirtschaftsministers. In ihrem Fall wurde die Höhe des Honorars als "vertraulich" eingestuft.


    © Jean MW via www.imago-images.de


    Pia Castro – hier mit Ehemann Cem Özdemir (Bündnis 90/Die Grünen) –erhielt von der Bundesregierung für ihre journalistische Tätigkeit ein Honorar in unbekannter Höhe. Die Zahlung wurde als "vertraulich" eingestuft.


    Dass es um den Journalismus in Deutschland nicht gut bestellt ist, ist ein offenes Geheimnis. Die großen deutschen Medienhäuser und der öffentlich-rechtliche Rundfunk haben die kritische Distanz zu den Regierenden aufgegeben und verstehen sich spätestens seit der Corona-Krise als Vermittler von Regierungshandeln gegenüber den Bürgern.


    Mit Journalismus hat das natürlich nichts mehr zu tun. Hinzu kommen Attacken aus dem Mainstream gegen all jene Journalisten, die dem neuen Auftrag nicht folgen wollen, die weiterhin kritisch berichten und obendrein Recherche betreiben. Journalisten wie Patrik Baab werden an den medialen Pranger gestellt. Vom Mainstream wird für kritische Kollegen auch schon mal Berufsverbot gefordert. Das Verbot von Sendern wie RT DE begrüßt man breit. Zensur hat für den konform berichtenden Mainstream Vorteile – sie schaltet Konkurrenten aus.


    Kündigungsgrund: "Journalistische Scheinobjektivität, mit beiden Seiten zu sprechen"





    Kündigungsgrund: "Journalistische Scheinobjektivität, mit beiden Seiten zu sprechen"






    Die Nachrichten-Konsumenten verstehen, dass der journalistische Anspruch aufgegeben wurde und wenden sich ab. Die Auflagen sinken, die Einschaltquoten ebenso. Manchmal verschafft sich die Verärgerung auch durch offenen Ausdruck von Wut Luft. Denn zur Durchführung ihres Auftrages reißen die großen deutschen Medien gern aus dem Kontext, führen regierungskritische Demonstranten medial als Idioten und Verschwörungstheoretiker vor oder diffamieren sie als rechts und antisemitisch.

    Da man sich gegen eine derartige Vereinnahmung zur Wehr setzt und mit Journalisten erst gar nichts mehr zu tun haben möchte, steigt Deutschland im internationalen Ranking der Pressefreiheit ab. Weil sich die Konsumenten gegen einseitigen Journalismus wehren. Und das wohlgemerkt nicht, weil die Regierung auf Teufel komm raus zensiert und die großen Medien auf Regierungslinie bringt.

    Man könnte diese Form der koordinierten Berichterstattung auch Gleichschaltung nennen. So etwas ist übrigens ein typisches Kennzeichen für autoritäre Regime. In einer Demokratie hat eine derartige Praxis nichts zu suchen. Dass sie in Deutschland inzwischen gang und gäbe ist, sollte am deutschen Selbstverständnis rütteln.


    Fanatismus statt Recherche: Der Spiegel ruft zur politischen Säuberung in Universitäten auf




    Meinung

    Fanatismus statt Recherche: Der Spiegel ruft zur politischen Säuberung in Universitäten auf





    Bereits im März war bekannt geworden, dass die Bundesregierung Journalisten für Dienstleistungen wie Moderation und Konzepterstellung bezahlt hat. Zugegeben wurden damals Zahlungen in Höhe von 1,5 Millionen Euro. Sie sollen vornehmlich an Journalisten von ZDF und ARD geflossen sein. 

    Inzwischen liegen den NachDenkSeiten neue Unterlagen vor, aus denen hervorgeht, dass die Zahlungen deutlich höher lagen als bisher angenommen. Über 2,3 Millionen Euro flossen von 2018 bis 2022 an gefällige Journalisten. Den NachDenkseiten liegt zudem vor, wer konkret Zahlungen erhalten hat. Einzelne Zahlungen sind dabei als vertraulich eingestuft, so zum Beispiel das Honorar für die Ehefrau von Landwirtschaftsminister Cem Özdemir (Bündnis 90/Die Grünen), Pia Castro. Bei der Einstufung, welche Zahlungen als vertraulich zu behandeln sind, ergeben sich laut der Recherche der NachDenkSeiten zudem Ungereimtheiten.

    Der gesamte Vorgang wirft ein Schlaglicht auf den bedenklichen Zustand des deutschen Journalismus und sein unkritisches und distanzloses Verhältnis zur Macht. Eines wird dabei immer deutlicher: Die Berliner Republik ist eine Korruptokratie.


    Mehr zum Thema – Der Lüge überführt – CDU-Hardliner verbreitet im Bundestag antirussische Verschwörungstheorie


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    Info: https://freeassange.rtde.live/inland/172159-23-millionen-euro-an-gefaellige


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    09.06.2023

    Kriegsgewinnler: Rheinmetall fährt die Produktion hoch

    freeassange.rtde.life, 9 Juni 2023 19:23 Uhr

    Dank Ukrainekrieg und Sondervermögen für die Bundeswehr kann sich unter deutschen Rüstungskonzernen auch Rheinmetall über volle Auftragsbücher und eine steigende Produktionszahlen freuen. Am Standort Unterlüß in Niedersachsen produziert das DAX-Unternehmen jetzt Munition im Dreischichtbetrieb.


    Quelle: www.globallookpress.com © Philipp Schulze/dpa



    Herstellung von 155-Millimeter-Artilleriemunition bei Rheinmetall im niedersächsischen Unterlüß am 6. Juni 2023


    Der Krieg zahlt sich für deutsche Rüstungskonzerne aus, so auch für Rheinmetall, den Automobilzulieferer im Nebengeschäft. Im vergangenen Jahr verzeichnete der Konzern bereits ein Auftragsvolumen über 5,6 Milliarden Euro, was 18 Prozent mehr gegenüber 2021 waren. Am 20. März 2023 wurde Rheinmetall auch in den Leitindex DAX der Deutschen Börse aufgenommen. Bis dahin war das Unternehmen seit 1996 im MDAX gelistet. Für die kommenden Jahre wird mit einem weiteren Wachstum des Umsatzes im Bereich zweistelliger Prozentwerte gerechnet, auf etwa 10 bis 11 Milliarden Euro pro Jahr.


    Bisherige Bilanz der ukrainischen Offensive fällt enttäuschend aus





    Analyse

    Bisherige Bilanz der ukrainischen Offensive fällt enttäuschend aus





    Ursachen für die guten Prognosen sind natürlich der Krieg in der Ukraine sowie die damit begründete Aufrüstung der Bundeswehr. Laut den Planungen von Rheinmetall müsse die Bundeswehr bis 2031 Munition im Wert von etwa 40 Milliarden Euro beschaffen.

    Am Standort Unterlüß in Niedersachsen wurde mittlerweile die Produktion von Munition hochgefahren, und Schützen- sowie Flugabwehrpanzer (Marder und Gepard) werden für die Lieferung an die Ukraine vorbereitet.

    Von den 40 Marder-Panzern, die an die Ukraine geliefert wurden, stammten 20 aus den Lagerhallen von Rheinmetall. Im Juli sollen 20 weitere Panzer folgen. Rheinmetall bildet zudem ukrainische Panzer-Mechaniker aus, die in der Wartung am Standort Satu Mare in Rumänien zum Einsatz kommen sollen.


    Munitionsherstellung rund um die Uhr

    2.400 Beschäftigte des Konzerns fertigen jetzt Munition im Dreischichtbetrieb rund um die Uhr. Pro Schicht werden 400 bis 500 Geschosse hergestellt. Rheinmetall will durch den Ausbau der Produktion das Niveau wieder auf jenes der 1980er Jahre heben und plant so künftig 600.000 Schuss Artilleriemunition pro Jahr herzustellen.

    Laut dem Konzern laufe die Produktion von Munition für den Kampfpanzer Leopard-2 auf Hochtouren. Ein Sprecher sagte:

    "Zum Gutteil haben wir die Kapazitäten des Kalten Krieges nie völlig aufgegeben. Wir haben nur weniger Schichten gefahren. Jetzt fahren wir wieder hoch."

    Bis zum Jahresende soll die Belegschaft auf 2.600 Beschäftigte anwachsen. Dafür sollen mehr als 50 Millionen Euro in den Standort Unterlüß für den Ausbau der Kapazitäten investiert werden.


    Mehr zum Thema – "Präzise, schnell und mobil" – Ukrainische Soldaten prahlen mit deutschen Panzerhaubitzen


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    Info: https://freeassange.rtde.life/inland/172238-kriegsgewinnler-rheinmetall-faehrt-produktion-hoch


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    09.06.2023

    Einen Schritt weiter auf dem Weg zum EU-Lieferkettengesetz

    aus e-mail von  <info@inkota.de>, 9. Juni 2023, 12:41 Uhr


    Neues von INKOTA


    zur Online-Version http://yl5x.mjt.lu/nl3/opqou56bp6ZcsUVICMghrg?m=AVQAABo0WZ8AAchjpxoAAMBOrbMAAYCsBA0Am8rmAAucHQBkgwHDjgJlXkAsTJmJW5s-9G_bygALtJ8&b=ec3a902f&e=43e404f5&x=XKYSd8ZI4OZ6Lv6ecPkWEcyi5-0BODiIoll2aRF_tiE



    <<INKOTA Logo>> [https://www.inkota.de/]

    [https://yl5x.mjt.lu/img/yl5x/b/5ru34/g1j42.jpeg]

    Lieber Herr Bauer,


    der 1. Juni war ein guter Tag für Menschenrechte! Am 1. Juni 2023 stimmte das Europäische Parlament über das Lieferkettengesetz ab – und es war ein wahrer Krimi! In den Tagen vor der Abstimmung hatten Konzernlobbyisten alles versucht um ein fortschrittliches Votum zu verhindern. Unterstützt durch deutsche Abgeordnete der CDU/CSU. In letzter Minute brachte die CSU-Abgeordnete Angelika Niebler einen weitreichenden Änderungsantrag zur Abschwächung des Gesetzesvorschlages ein. Dieser Änderungsantrag hätte den zuvor ausgehandelten Kompromiss völlig ausgehöhlt. Gleichzeitig drohte die konservative EVP-Fraktion das Gesetz als Ganzes abzulehnen, wenn die Änderungen nicht angenommen würden.


    Trotz des enormen Widerstandes entschieden die EU-Abgeordneten mehrheitlich für ein EU-Lieferkettengesetz, das Unternehmen verpflichtet Menschenrechte, Umwelt und Klima entlang ihrer gesamten Wertschöpfungskette zu schützen. Ein wichtiger Etappensieg!


    Gemeinsam mit der Initiative Lieferkettengesetz, anderen Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen und Gewerkschaften haben wir als breites Bündnis ein strenges EU-Lieferkettengesetz gefordert. Wir konnten dazu beitragen die Aufweichungsversuche der Konzerne ins Leere laufen zu lassen. Nun muss unser Einsatz weitergehen!


    In den nächsten Wochen verhandeln EU-Kommission, Parlament und Rat im sogenannten Trilog über den finalen Gesetzestext. Der Entwurf des Europäischen Parlaments enthält wichtige Verbesserungen gegenüber der Position von EU-Kommission und Rat und vor allem auch gegenüber dem deutschen Lieferkettengesetz [https://www.inkota.de/news/der-lange-weg-zum-lieferkettengesetz]. Nicht nur unmittelbare Zulieferer sondern der gesamte Weg eines Produkts wird erfasst. Unternehmen sind verpflichtet dort besonders genau hinzuschauen, wo die Risiken am größten sind. Beides zusammen sorgt dafür, dass Menschenrechte und Umwelt am Beginn der Lieferkette besser geschützt werden – in den Gerbereien in Südasien, auf den Kakaoplantagen in Westafrika oder in den Kobaltminen im Kongo.


    Auch die Verantwortung der Unternehmen für Klimaschutz wurde bestätigt. Der Gesetzesentwurf fordert von Unternehmen die Aufstellung und Umsetzung von Klimaschutzplänen im Einklang mit dem 1,5-Grad-Ziel. Das ist aus unserer Sicht besonders wichtig!


    Einige Punkte bleiben jedoch hinter unseren Forderungen zurück. Zum Beispiel der Zugang zu Recht für Betroffene von Menschenrechtsverletzungen. Zwar haften Unternehmen, wenn sie ihre Sorgfaltspflichten verletzten. Die Beweislast dafür liegt aber bei den Betroffenen. In der Praxis ist dieser Nachweis für die Texilarbeiterin aus Bangladesch oder Kindersklaven auf Kakaoplantagen vor einem europäischen Gericht kaum möglich. Wir fordern eine faire Verteilung der Beweislast: Unternehmen müssen nachweisen, dass sie sich an die Regeln halten!


    Die geplanten Ausnahmen für den Finanzsektor lehnen wir ab. Nur wenn bei Kreditgeschäften vollumfängliche Sorgfaltspflichten gelten, kann sichergestellt werden, dass europäische Banken und Investoren keine Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörung finanzieren.


    Im Trilog gilt es nun, weitere Verwässerungen zu verhindern. Deutschland spielt dabei als größter Mitgliedsstaat der EU eine wichtige Rolle und die Bundesregierung muss zeigen, dass sie den Schutz der Menschenrechte und der Umwelt in globalen Lieferketten ernst meint! INKOTA wird die deutsche Regierung immer wieder an ihr Versprechen aus dem Koalitionsvertrag [https://www.inkota.de/news/analyse-des-koalitionsvertrags] erinnern, sich für ein wirksames EU-Lieferkettengesetz einzusetzen.


    Solidarische Grüße

    [https://yl5x.mjt.lu/img/yl5x/b/5ru34/g1j4m.png]

    Arndt von Massenbach


    Geschäftsführer INKOTA

    09.06.2023

    Der Fall Kolbasnikowa: Vom Zensur-Paragrafen und der Wiederholung der deutschen Geschichte

    freeassange.rtde.life, 9 Juni 2023 13:02 Uhr, Von Gert Ewen Ungar

    Mit der Verurteilung der Friedensaktivistin Elena Kolbasnikowa wird der verschärfte Paragraph 130 erneut angewandt. Zensur wird zum Regelfall in Deutschland. Eine öffentliche Diskussion über Ursachen und Lösungen für den Ukraine-Konflikt wird damit unterbunden.


    Quelle: www.globallookpress.com © IMAGO/Christoph Hardt


    Elena Kolbasnikowa vor ihrer Verurteilung wegen Leugnung eines Angriffskrieges.


    "Geschichte wiederholt sich, einmal als Tragödie und einmal als Farce." Mit diesem Marx-Zitat moderierte die Nachrichtensprecherin des russischen Ersten Kanals, Jekaterina Andrejewa, einen Bericht über die Verurteilung von Elena Kolbasnikowa an. Der Faschismus war die Tragödie. Die Zustände im gegenwärtigen Deutschland sind die Farce, glaubt Andrejewa. Ich bin mir nicht so sicher, ob das stimmt. Zumindest haben die aktuellen Entwicklungen in Deutschland das Potential, sich in Richtung Tragödie zu entwickeln. 

    Kolbasnikowa wurde vom Kölner Amtsgericht wegen Billigung des "russischen Angriffskrieges" zu einer Strafe von 30 Tagessätzen zu 30 Euro verurteilt. Die aus dem Donbass stammende Ukrainerin leugnet nach Auffassung der Richterin Denise Fuchs-Kaninski, dass es sich beim Krieg in der Ukraine um einen Überfall Russlands auf die Ukraine handele. Kolbasnikowa hatte in einem Interview mit der Bild-Zeitung gesagt: "Russland ist kein Aggressor. Russland hilft, den Krieg in der Ukraine zu beenden."

    Diese Aussage ist in Deutschland aktuell nicht strittig, sie ist verboten. Sie wird nach Auffassung des Gerichts nicht von der Meinungsfreiheit gedeckt. Spätestens an dieser Stelle müssten alle Alarmglocken läuten. Wer das Urteil und den dahinter stehenden Paragraphen nicht für bedenklich hält, sollte sein Verhältnis zum Begriff der Meinungsfreiheit überprüfen. Das gilt selbst dann und erst recht, wenn man selbst meint, die Auffassung, Russland hätte die Ukraine überfallen, sei richtig.


    Berliner Polizei ermittelt gegen Friedensaktivisten wegen Rede am 22. Juni





    Berliner Polizei ermittelt gegen Friedensaktivisten wegen Rede am 22. Juni






    Man muss sich der Aussage Kolbasnikowas nicht anschließen, aber wenn man sie verbietet, unterbindet man jede weitere Diskussion über die Ursachen des Krieges und damit auch die Suche nach funktionierenden Lösungen. Die deutsche Rechtssprechung wird damit erneut zum Erfüllungsgehilfen deutscher Kriegstreiberei. Sie leistet dadurch zudem einen Beitrag zur weiteren Isolation Deutschlands. 

    Der Fall zieht in Russland indes Kreise. Dass es um die Meinungsfreiheit im Westen allgemein und in der EU im Besonderen schlecht bestellt ist, weiß man in Russland spätestens seit dem Verbot von RT durch die EU-Kommission. 

    Dass sich Deutschland als besonders widerspenstig hinsichtlich der Gewährung von Grundrechten gibt, ist hier in Russland ebenfalls bekannt. Noch vor dem allgemeinen Verbot von RT durch die EU wurde in Deutschland die Ausstrahlung von RT über Satellit verboten. Unter den EU-Staaten ist Deutschland besonders zensurfreudig. Strengere Zensurgesetze als in Deutschland findet man in Europa aktuell wohl nur in der Ukraine.


    Wer nicht passt, wird rausgedrängt: Über den Umgang mit "missliebigen" Meinungen in Deutschland




    Meinung

    Wer nicht passt, wird rausgedrängt: Über den Umgang mit "missliebigen" Meinungen in Deutschland





    Mit der Verschärfung des Strafrechts wurde die Meinungsfreiheit in Deutschland weiter eingeschränkt. Wer einen Angriffskrieg öffentlich billigt, muss mit Strafe von bis zu drei Jahren Gefängnis rechnen. Was ein Angriffskrieg ist, legen anscheinend die deutschen Medien fest und deutsche Amtsrichter folgen deren Auffassung. Es ist jedenfalls schwer vorstellbar, dass jemand in der gleichen Weise wie Kolbasnikowa verurteilt wird, weil er öffentlich gebilligt hat, dass Deutschland gemeinsam mit der NATO Jugoslawien überfällt. Nahezu der gesamte Mainstream müsste hinter Gitter. 

    Elena Kolbasnikowa ist Ukrainerin und stammt aus dem Donbass. Sie weiß, was dort passiert. Die Ukraine bombardiert seit 2014 ihre eigenen Landsleute. Es herrschte acht Jahre Bürgerkrieg. Die Versuche, den Konflikt mit diplomatischen Mitteln zu schlichten, scheiterten unter anderem am Unwillen Deutschlands in seiner Funktion als Garantiemacht, Kiew zur Umsetzung des Minsker Abkommens zu drängen.

    Noch im Dezember 2021 bat Russland die NATO und die USA um Sicherheitsgarantien, die verweigert wurden. Anfang 2022 nahm der Beschuss des Donbass durch die Ukraine zu, wie aus den Protokollen der OSZE hervorgeht. Eine Invasion stand unmittelbar bevor. Russland marschierte am 24. Februar 2022 auf Bitte um militärische Unterstützung durch die Donbasser Republiken ein, die sich inzwischen für unabhängig erklärt hatten.


    Fanatismus statt Recherche: Der Spiegel ruft zur politischen Säuberung in Universitäten auf




    Meinung

    Fanatismus statt Recherche: Der Spiegel ruft zur politischen Säuberung in Universitäten auf





    Aktuell wird der Donbass täglich mit westlichen Waffen und mit westlicher Unterstützung beschossen. Es handelt sich dabei um mutmaßliche Kriegsverbrechen. Diese Einordnung des Konflikts in den historischen Kontext soll in Deutschland nicht mehr möglich sein. Eine deutsche Amtsrichterin weiß es besser. Das Urteil wirft mehr als nur ein schlechtes Licht auf Deutschland, es weckt Erinnerungen an die Diktatur des Nationalsozialismus. Es ist der in Gesetz gegossene Wille, Geschichte zu fälschen und jede Kritik zu unterbinden.  

    Es ist nicht das erste Urteil in diesem Zusammenhang. Bereits im vergangenen Oktober hatte das Hamburger Amtsgericht einen 62-Jährigen zu einer Geldstrafe von 4.000 Euro verurteilt, der den Buchstaben "Z" an der Heckscheibe seines Fahrzeugs angebracht und damit nach Auffassung des Gerichts den russischen Angriffskrieg gebilligt hat. 

    Faktisch wird eine öffentliche Diskussion über die Verantwortung für die Entwicklung hin zum Krieg in Deutschland durch die Gesetzgebung unmöglich gemacht. Dass sich der Westen und Deutschland für das Leuchtfeuer der Demokratie und der damit verbundenen Werte halten, wird in Russland inzwischen nur noch belächelt. In Russland jedenfalls darf man wesentlich breiter über die Ursachen des Ukraine-Krieges diskutieren als in Deutschland.


    Schuldig der "Querdenkerei": Münchner Uni schwärzt Professor beim Geheimdienst an




    Meinung

    Schuldig der "Querdenkerei": Münchner Uni schwärzt Professor beim Geheimdienst an






    Außerhalb der deutschen Blase sieht man ganz unabhängig von der völkerrechtlichen Bewertung des Einmarsches Russlands in die Ukraine mindestens eine Mitschuld von EU, NATO und USA an der Entstehung des Konflikts. Es muss möglich sein, darüber in Deutschland öffentlich zu sprechen. Deutschland gilt außerhalb des kollektiven Westens als Kriegstreiber, der mit seinen Waffenlieferungen den Konflikt verlängert und den tausendfachen Tod ukrainischer Soldaten billigend in Kauf nimmt. Auch darüber muss es möglich sein, zu diskutieren, ohne dass man sich der Gefahr aussetzt, dafür ins Gefängnis zu wandern. 

    Mit seiner repressiven Gesetzgebung wiederholt Deutschland seine historischen Fehler. Durch Zensur schafft man Tatsachen nicht aus der Welt. Man schränkt lediglich den Korridor des Sagbaren ein. Dass Deutschland erneut auf der falschen Seite der Geschichte steht, den ukrainischen Faschismus nicht nur leugnet, sondern ihn auch fördert, steht in Russland übrigens außer Frage.


    Kündigungsgrund: "Journalistische Scheinobjektivität, mit beiden Seiten zu sprechen"





    Kündigungsgrund: "Journalistische Scheinobjektivität, mit beiden Seiten zu sprechen"






    Ich habe den Bericht im russischen Fernsehen zusammen mit meinem russischen Freund Pawel gesehen. Ihm sträubten sich sichtlich die Haare vor gruseligem Erschaudern über die deutschen Zustände. Dieses physische Erschaudern über Deutschland hat mich übrigens tief berührt. Man sollte mit sehr wachsamen Augen auf Deutschland blicken. 

    Das Urteil gegen Kolbasnikowa ist noch nicht rechtskräftig. Ihr Anwalt hat den Gang durch alle Instanzen angekündigt. Es ist Deutschland zu wünschen, dass es dieses Mal die Korrektur seines Irrwegs aus eigener Kraft schafft. Ansonsten droht die Wiederholung der Geschichte eben nicht unbedingt als Farce.


    Mehr zum Thema – Holodomor: Ein angeblicher "Genozid" als Instrument zum Aushebeln der Demokratie


    RT DE bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Gastbeiträge und Meinungsartikel müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

    Durch die Sperrung von RT zielt die EU darauf ab, eine kritische, nicht prowestliche Informationsquelle zum Schweigen zu bringen. Und dies nicht nur hinsichtlich des Ukraine-Kriegs. Der Zugang zu unserer Website wurde erschwert, mehrere Soziale Medien haben unsere Accounts blockiert. Es liegt nun an uns allen, ob in Deutschland und der EU auch weiterhin ein Journalismus jenseits der Mainstream-Narrative betrieben werden kann. Wenn Euch unsere Artikel gefallen, teilt sie gern überall, wo Ihr aktiv seid. Das ist möglich, denn die EU hat weder unsere Arbeit noch das Lesen und Teilen unserer Artikel verboten. Anmerkung: Allerdings hat Österreich mit der Änderung des "Audiovisuellen Mediendienst-Gesetzes" am 13. April diesbezüglich eine Änderung eingeführt, die möglicherweise auch Privatpersonen betrifft. Deswegen bitten wir Euch bis zur Klärung des Sachverhalts, in Österreich unsere Beiträge vorerst nicht in den Sozialen Medien zu teilen.

    Am 24. Februar kündigte der russische Präsident Wladimir Putin an, gemeinsam mit den Streitkräften der Donbass-Republiken eine militärische Spezialoperation in der Ukraine zu starten, um die dortige Bevölkerung zu schützen. Die Ziele seien, die Ukraine zu entmilitarisieren und zu entnazifizieren. Die Ukraine spricht von einem Angriffskrieg. Noch am selben Tag rief der ukrainische Präsident Wladimir Selenskij im ganzen Land den Kriegszustand aus.
    Der Westen verurteilte den Angriff, reagierte mit neuen Waffenlieferungen, versprach Hilfe beim Wiederaufbau und verhängte Sanktionen gegen Russland.
    Auf beiden Seiten des Konfliktes sind zahlreiche Soldaten und Zivilisten getötet worden. Moskau und Kiew haben sich gegenseitig verschiedener Kriegsverbrechen beschuldigt. Tausende Ukrainer sind mittlerweile aus ihrer Heimat geflohen.

    Info: https://freeassange.rtde.life/meinung/172200-fall-kolbasnikowa-vom-zensur-paragrafen


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.




    Weiteres:




    Fanatismus statt Recherche: Der Spiegel ruft zur politischen Säuberung in Universitäten auf


    freeassange.rtde.life, vom 3 Juni 2023 07:54 Uhr, Von Susan Bonath

    Abweichler sollen rausfliegen: Der Spiegel will die deutschen Universitäten auf Linie bringen und leitet sie an, unter alternativer Auslegung von Grundrechten politisch zu säubern. Statt mit Fakten punktet das Blatt mal wieder mit Framing und Lügen, bis sich die Balken biegen.


    Quelle: www.globallookpress.com © Christian Charisius


    Spiegel-Verlagsgebäude, Hamburg, 24.05.2023.


    Die Hochschulen in Deutschland werden auf Linie getrimmt. Wo Abweichler "falsche Gedanken" verbreiten, soll gesäubert werden. Dafür trommelte wieder einmal das selbsternannte Nachrichtenmagazin mit linksintellektuellem Pseudoanstrich namens Der Spiegel. In gewohnter Manier kippte das Sturmgeschütz für westliche Regierungspropaganda kübelweise Diffamierungen und Lügen über Professoren und Dozenten aus, die nicht im Gleichschritt mitmarschieren. Zu Hilfe kommt ihm dabei nicht etwa die Wahrheit, sondern jahrelang medial geschürter Fanatismus bezüglich der wichtigsten politischen Streitthemen.


    Pranger für Rufschädigung

    Man muss es nicht mehr betonen: Wer öffentlich eine friedliche Lösung des Stellvertreterkrieges in der Ukraine fordert, dabei gar die NATO kritisiert, oder wer für eine Aufarbeitung der Coronapolitik einschließlich der Folgen der Massenimpfungen wirbt, ja, selbst wer publikumswirksam die Politik der deutschen Regierung zu sehr kritisiert, läuft nicht nur Gefahr, ins Visier des deutschen Geheimdienstes zu geraten. Es droht auch der symbolische Scheiterhaufen der Leitmedien, ein moderner Pranger für öffentliche Rufschädigung mit unlauteren Mitteln.


    Meinungsfreiheit? Medien wettern gegen Gerichtsbeschluss für Ganser-Auftritt




    Meinung

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    Die Ausrichtung seiner aktuellen Rufmordkampagne legt der Spiegel bereits mit einer reißerischen Überschrift fest: "Querdenker an Hochschulen – Prof. Dr. Kokolores". In besserem Deutsch ausgedrückt lautet die Botschaft so: Missliebig denkende Wissenschaftler seien per se Dummköpfe, wofür der Kampfslogan "Querdenker" steht, die ohnehin nur Unfug (Kokolores) verbreiten, weshalb man ihnen erst gar nicht zuhören und sich mit ihren Argumenten auseinandersetzen dürfe.

    Bekannte Namen von Wissenschaftlern tauchen im Weiteren auf, die in den vergangenen drei Jahren als Abweichler offizieller Erzählungen aufgefallen sind: Ulrike Guérot, Michael Meyen, Patrik Baab, Sucharit Bhakdi und sogar der Hamburger Nanophysiker Roland Wiesendanger, der als einer der ersten deutschen Wissenschaftler Hinweise auf einen Laborursprung des Coronavirus veröffentlicht hatte – eine Theorie, die inzwischen sogar das FBI für die plausibelste hält, wie der Spiegel im März sogar selbst berichtet hatte.


    Erwünschte Verschwörungsfantasien

    Doch von vorne: Zunächst zerreißt das Blatt den Medienwissenschaftler Meyen, über dessen Fall RT DE berichtete. Dessen Lob für gedruckte Medien, weil diese vor Online-Überwachung schützten, sei "Geraune, wie man es von Verschwörungstheoretikern kennt". Und weil jeder weiß, dass Internetkonzerne wie Google und Facebook sehr wohl auf Geheiß westlicher Regierungen rege zensieren und denunzieren, behaupteten die Autoren, Meyen habe dabei "offenbar" an eine "nicht näher beschriebene Macht" gedacht. Das ist zwar eine frei erfundene Unterstellung, soll aber den Kampfbegriff untermauern.


    Der industrielle Zensurkomplex: Akteure und Methoden einer neuen Inquisition




    Analyse

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    Weiter geht es mit Kontaktschuld, und zwar zur "Querdenker"-Zeitung Demokratischer Widerstand, für die schon mal ein Rechtsextremer einen Artikel geschrieben habe. Für diese verfasst Meyen regelmäßig Kolumnen und war zwei Ausgaben lang als Mitherausgeber gelistet. Anstatt den Professor nach seinen Beweggründen zu fragen und auf den Inhalt seiner Kolumnen einzugehen, zitiert der Spiegel andere Propagandablätter, die über den Vorgang seinerzeit mit bekannten Kampfbegriffen geurteilt hatten, wie die taz, die Frankfurter Rundschau und die Süddeutsche Zeitung.

    Und schließlich unterstellte das Zentralorgan für Russenhass und Wissenschaftsschwurbelei dem Münchner Professor eine Nähe zu Gewalt. So habe nämlich einer der Herausgeber der Zeitung, für die Meyen schreibt, einmal einen "angeblichen Forenbeitrag" unter einer Stellungnahme von Meyens Universität gerechtfertigt, in dem Gewaltfantasien gegenüber der Bundesregierung dargelegt worden seien. Mit anderen Worten: Der Spiegel spinnt seine eigenen Verschwörungsfantasien über geheime Gedanken von Abweichlern aus kruden Zirkelschlüssen zusammen.


    Inhaltsleere Totschlagkeulen

    Dann fliegt die Keule auf den renommierten Mikrobiologen Sucharit Bhakdi hernieder, der kürzlich vom Amtsgericht Plön vom Vorwurf des Antisemitismus freigesprochen wurde. Schade sei es ja, meinen die Autoren, dass Bhakdis ehemalige Universität Mainz seit Monaten vergeblich darauf hoffe, dass sie ihm den Professorentitel entziehen könne. Bhakdi kritisierte von Beginn an die Corona-Politik und warnte früh vor schweren Nebenwirkungen der neuartigen RNA-Technologie, auf der die Impfstoffe basieren. Vieles hat sich heute zwar bestätigt, doch dafür interessieren sich die Autoren mit keiner Silbe.


    Schuldig der "Querdenkerei": Münchner Uni schwärzt Professor beim Geheimdienst an




    Meinung

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    In den Topf der Lügen griff der Spiegel im Fall Patrik Baab. "Auffällig" sei der langjährig verdiente NDR-Journalist und Dozent geworden, so das Kampfblatt. Baab war nämlich letztes Jahr von zwei Universitäten geflogen, nachdem er für ein Buch in den Donbass gereist war, um vor Ort nach der Wahrheit zu suchen, also weil er das tat, was ein Journalist so tun sollte. Baab sei als "Wahlbeobachter" dort gewesen, behauptete das Blatt. Dabei ist inzwischen sogar gerichtlich geklärt (siehe hier), dass dies erstunken und erlogen ist.

    Die Lüge in die Welt gesetzt hatte zuerst das vom Werbekonzern Ströer betriebene Internetportal t-online, zahlreiche Medien haben sie einfach übernommen. Inzwischen hat t-online den Text ein bisschen umgeschrieben. Denn Baab hatte kürzlich mit seiner Klage gegen die Universität Kiel gewonnen. Diese habe seinen Lehrauftrag schon deshalb zu Unrecht gekündigt, so das Gericht, weil ihr dafür herangezogenes – und abgeschriebenes – "Argument" von Baabs angeblicher Wahlbeobachtung schlicht falsch sei. Den Spiegel interessiert das offenkundig nicht.

    Wenig später fällt das Blatt über den renommierten Nanophysiker Roland Wiesendanger her. Dieser habe mit seiner Studie "Quatsch" verbreitet und seine Hamburger Universität habe das auch noch mit einer Pressemitteilung unterstützt, giften die Autoren. Der angebliche "Quatsch" ist Wiesendangers These, zu der er in der Studie kommt. Danach sei das Pandemie-Coronavirus sehr wahrscheinlich ein Laborprodukt. Dass mittlerweile das FBI und andere die These stützen, bleibt unerwähnt. Das Hauptargument des Spiegels gegen Wiesendanger: Diese Forschung liege "weit außerhalb seiner Fachkompetenz".


    Kündigung wegen Donbass-Reise nicht rechtens: Journalist Baab gewinnt gegen Kieler Uni





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    In ähnlicher Manier holt das Blatt zum Endschlag gegen Ulrike Guérot aus. Die Universität Bonn hatte der Politikwissenschaftlerin unter dem Deckmantel "Plagiatsvorwurf" gekündigt. Guérot ist bekannt geworden für ihre abweichenden Einschätzungen und Mahnungen in Sachen Corona und Ukraine. Laut WDR erfuhr sie "mit ihren Positionen viel Sympathie in der Querdenkerszene". Anstatt Guérots Positionen zur Debatte zu stellen, "argumentierte" der Spiegel damit, dass "rund 30 Studierende" vor dem Arbeitsgericht Bonn, das über ihren Fall entscheiden soll, für ihren Rauswurf "demonstriert" hätten. Können sich 30 Studenten irren?


    Die Verschwörungswelt gekränkter Corona-Hardliner

    Der Spiegel geht bei seinem Propagandaschlag nicht ganz ungeschickt vor. Zwischendurch lässt er mehrere "Experten" zu Wort kommen, die offenbar den Schein von Redefreiheit in Deutschland erhalten sollen. Die sagen dann so Dinge wie: "Schon der Anschein, die Wissenschafts- und Meinungsfreiheit nicht zu wahren, sollte seitens einer Hochschule vermieden werden." Oder: "Wer sich in fragwürdiger Weise exponiere, aber auf die Wissenschaftsfreiheit berufen könne – dem dürfe eine Hochschulleitung nicht einfach den Mund verbieten." Dann rätselt das Blatt ein wenig darüber, wie man die Störer dennoch loswerden könnte.

    Woran es gänzlich fehlt in diesem Lehrstück für Lesermanipulation, sind konkrete Sachinhalte. Über Guérots, Meyens, Bhakdis, Baabs und Wiesendangers Argumente erfährt der Interessierte: nichts. Ein Abgleich mit der Realität? Fehlanzeige. Dabei ist die Realität zum Beispiel in Sachen Corona-Impfung inzwischen ziemlich eindeutig: Die Präparate verursachen viele Schäden, nur das Ausmaß kennt man nicht genau, weil sich die Politik und ihre Wissenschaftsinstitute weigern, das zu untersuchen.


    Kündigungsgrund: "Journalistische Scheinobjektivität, mit beiden Seiten zu sprechen"





    Kündigungsgrund: "Journalistische Scheinobjektivität, mit beiden Seiten zu sprechen"






    Statt in dieser Richtung nachzuhaken, fahren die meisten Medien heute einen irrationalen Zickzackkurs. Sie kommen zwar nicht mehr umhin, den einen oder anderen Impfgeschädigten zu präsentieren, weil inzwischen vermutlich viele derartig Betroffene in ihrem Umfeld kennen. Dennoch, die "Querdenker", die genau davor gewarnt hatten, bleiben Schwurbler und Verschwörungsnazis auf Lebenszeit.

    Diese wütenden "Corona-Gekränkten" riefen nun sogar nach Aufklärung, entrüstete sich Ende März zum Beispiel der Spiegel-Kolumnist und Berufs-"Punk" Sascha Lobo. Er schwurbelte frei von der Leber weg von einer "düsteren Fantasiewelt" durchgeknallter "Querdenker*innen, Verschwörungstheoretiker*innen und Esoteriker*innen", die das Pandemiegeschehen "irrational" umdeuten wollten und auf der Suche nach Schuldigen seien. Der ganze Beitrag legt nahe, dass Lobo mutmaßlich selbst als gekränkter Corona-Hardliner in einer Verschwörungswelt lebt und die Realität komplett ignoriert.


    Glaubensformeln als Grundlage

    Zu welch ausuferndem, religiös anmutendem Fanatismus die Dauerschleifen-Propaganda der vergangenen drei Jahre tatsächlich führte, belegt ein Artikel über einen Impfgeschädigten im Schweizer Tagesanzeiger ziemlich beispielhaft. Es geht um einen 35-jährigen Wissenschaftler, der erwiesenermaßen durch die Spritzen die schwere und unheilbare Autoimmunerkrankung Multiple Sklerose (MS) erworben hat.

    Doch vorangestellt hat das Blatt nicht etwa eine Zusammenfassung des Problems, wie es im Journalismus üblich ist, sondern ein Loblied auf die Impfungen, oder besser gesagt: ein Glaubensbekenntnis, eine Heiligsprechung, die man von verwirrten Sektenanhängern, nicht aber von Journalisten oder gar Geschädigten erwarten würde. Zitat:

    "Vorneweg: R. R. (Name der Redaktion bekannt) würde sich wieder impfen lassen. Er ist überzeugt, dass Impfungen grundsätzlich wichtig sind und die Covid-Vakzine entscheidend für die Bekämpfung der Pandemie waren. Sie haben Todesfälle, schwere Verläufe und auch Long-Covid-Fälle verhindert. R. R. bestürzt weniger, dass er wegen der Impfung krank wurde, als dass er dabei von Ärztinnen und Ärzten und den Behörden allein gelassen wurde."

    Die Formel ähnelt einem Gebet an einen Gott, den man niemals hinterfragen dürfe. Solche Bekenntnispredigten zieren mal in der einen, mal in der anderen Form nicht nur sämtliche Berichte im Mainstream über Impfgeschädigte. Jeder, der sich gegen Waffenlieferungen in die Ukraine aussprechen und dabei nicht in den Fokus der Gesinnungswächter geraten will, muss beteuern, wie abscheulich er den "brutalen Angriffskrieg der Russen" finde.


    Wer nicht passt, wird rausgedrängt: Über den Umgang mit "missliebigen" Meinungen in Deutschland




    Meinung

    Wer nicht passt, wird rausgedrängt: Über den Umgang mit "missliebigen" Meinungen in Deutschland





    Auf derlei Glaubenssätzen baute auch der Spiegel seine neuerliche Rufmordkampagne auf. Wozu störende Fakten, wenn man sein Ziel mit Empörungsgeschrei viel besser durchsetzen kann. "Kokolores" statt Recherche eben. Es geht so einfach, wie damals bei der Hexenverfolgung in der frühen Neuzeit. Nur, dass die "Delinquenten" heute nicht mehr auf dem echten Scheiterhaufen landen. Die PR-Berater der Bundesregierung lassen vermutlich täglich die Champagnerkorken knallen angesichts ihres Erfolgs.


    Mehr zum ThemaDie Rache vergesslicher Journalisten, Sündenbockjäger und "Schwurbel"-Forscher – der Fall Bhakdi


    RT DE bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Gastbeiträge und Meinungsartikel müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

    Durch die Sperrung von RT zielt die EU darauf ab, eine kritische, nicht prowestliche Informationsquelle zum Schweigen zu bringen. Und dies nicht nur hinsichtlich des Ukraine-Kriegs. Der Zugang zu unserer Website wurde erschwert, mehrere Soziale Medien haben unsere Accounts blockiert. Es liegt nun an uns allen, ob in Deutschland und der EU auch weiterhin ein Journalismus jenseits der Mainstream-Narrative betrieben werden kann. Wenn Euch unsere Artikel gefallen, teilt sie gern überall, wo Ihr aktiv seid. Das ist möglich, denn die EU hat weder unsere Arbeit noch das Lesen und Teilen unserer Artikel verboten. Anmerkung: Allerdings hat Österreich mit der Änderung des "Audiovisuellen Mediendienst-Gesetzes" am 13. April diesbezüglich eine Änderung eingeführt, die möglicherweise auch Privatpersonen betrifft. Deswegen bitten wir Euch bis zur Klärung des Sachverhalts, in Österreich unsere Beiträge vorerst nicht in den Sozialen Medien zu teilen.

    Info: https://freeassange.rtde.life/meinung/171589-fanatismus-statt-recherche-spiegel-ruft


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.




    Weiteres:




      Der industrielle Zensurkomplex: Akteure und Methoden einer neuen Inquisition


      freeassange.rtde.life, vom 14 Mai 2023 13:22 Uhr

      Wie konnte sich der neue "industrielle Zensurkomplex" aus dem militärisch-industriellen Komplex entwickeln? Mit welchen Methoden arbeiten die Meinungsmacher? Welche Ziele verfolgen sie? Präsentiert wird eine Recherche über die 50 wichtigsten Akteure des neuen industriellen Zensurkomplexes und seine politischen Auswirkungen.


      Quelle: www.globallookpress.com © Christoph Soeder / dpa


      Szene einer der Candide-Aufführung, Berlin, 20. November 2018 (Symbolbild)


      Vergleichbar mit dem militärisch-industriellen Komplex in den kapitalistischen Gesellschaften des Westens deutet vieles darauf hin, dass sich daneben in den letzten Jahrzehnten ein industrieller Zensurkomplex herausgebildet hat.

      In einer Analyse auf der Nachrichtenplattform Zerohedge vom Donnerstag beschreiben die Autoren, wie sich ein solches Machtgeflecht seit dem Zweiten Weltkrieg zunächst in den USA entwickeln konnte. In einer Top 50-Liste präsentieren sie die wichtigsten Organisationen, welche die öffentliche Meinung gezielt beeinflussen und abweichende Ansichten mit professionellen Methoden diffamieren.  

      Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich in den USA eine hocheffizient arbeitende Waffenindustrie. Dieser neue Sektor habe mittels kultureller, finanzieller und politischer Unterstützung eine enorme politische Macht entfalten können. In einer Rede warnte der damalige US-Präsident und vormalige General Dwight Eisenhower bereits im Januar 1960 vor der Macht des neuen militärisch-industriellen Komplexes.

      "In den Regierungsgremien müssen wir uns davor hüten, dass der militärisch-industrielle Komplex ungerechtfertigten Einfluss erlangt, sei er nun gewollt oder ungewollt. … Wir dürfen niemals zulassen, dass das Gewicht dieser Kombination unsere Freiheiten oder demokratischen Prozesse gefährdet."

      Lügen haben lange Beine: Hass-Methoden bei der Tagesschau




      Meinung

      Lügen haben lange Beine: Hass-Methoden bei der Tagesschau






      Damals sei seine Warnung von den Medien ignoriert worden. Sechzig Jahre später habe der größte Teil Amerikas keine Angst mehr davor, dass die US-Waffenindustrie die Demokratie von innen heraus vereinnahmen könnte. Doch sollte man die Worte Eisenhowers im Gedächtnis behalten, so die Autoren des Zerohedge-Artikels.

      Im Jahr 1996, als das Internet mehr und mehr öffentliche Verbreitung fand, veröffentlichte die US-Armee das "Field Manual 100-6". Militärische Befehlshaber sollten lernen, dass die "Informationshoheit" von nun an ein entscheidendes Element für "effektives Operieren" sei. Sie müsse Bestandteil einer "hybriden Kriegsführung" sein. Eine "offene" Informationslandschaft könne daher zu einer militärischen Achillesferse werden. Ein Amerika, das auf den Verfassungsgrundsätzen der Gewaltenteilung fußt, sei in dieser Hinsicht grundsätzlich schlecht konzipiert, erklärte der Vorsitzende des United States House Committee on Armed Services, Mac Thornberry, in einer Anhörung des Ausschusses für Streitkräfte des Repräsentantenhauses im März 2017 zum Thema "Hybrider Krieg".

      Schließlich würden andere Länder, darunter Russland, China und Iran, angeblich ein breiteres Spektrum zentralistischer Instrumente zur Ausübung von Macht und Einfluss nutzen, um ihre Ziele zu erreichen. Auch andere Länder würden Beeinflussungsoperationen aller Art durchführen, um den USA zu schaden:

      "Ob es sich um die Unterstützung ausländischer politischer Parteien, die gezielte Ermordung von Gegnern, die Infiltrierung von nicht-uniformiertem Personal, die Infiltrierung traditioneller Medien und sozialer Medien oder um Beeinflussungsoperationen oder Cyber-Aktivitäten handelt – all diese Taktiken und mehr werden eingesetzt, um nationale Interessen durchzusetzen und zumeist auch, um die nationalen Interessen der USA zu schädigen", unterstellte Mac Thornberry.

      Nach der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten sei unter den zukünftigen Führern des zensurindustriellen Komplexes die Einmischung "bösartiger ausländischer Bedrohungsakteure" quasi zum neuen Evangelium geworden. Trumps Wahlsieg sollte als sogenannte "Trump-Russland-Affäre" und somit als hybrides Kriegsereignis verstanden werden. Infolgedessen wurde eine riesige neue öffentlich-private Bürokratie etabliert, um angebliche "Falsch-, Des- und Fehlinformationen" zu unterbinden. Mit der sogenannten "Trump-Russland-Affäre" wurde der öffentlichen Akzeptanz zur Schaffung neuer Regierungsbehörden, denen Aufgaben zur "Informationskriegsführung" zuteilwurden, der Weg geebnet.

      "Der 'industrielle Zensurkomplex' ist nichts anderes als der militärisch-industrielle Komplex, der für das Zeitalter der 'hybriden Kriegsführung' wieder neu aufgelegt wurde", beschreiben die Autoren die Entwicklung.

      Entsprechend der Strategie, die die Kriegsindustrie gern als "Verteidigungs"-Sektor bezeichnet, wird auch der "Anti-Desinformations"-Komplex als rein defensiv vermarktet: Er diene angeblich zur Abwehr feindlicher Angriffe von ausländischen Cyber-Gegnern.


      Elon Musk: Twitter wurde über US-Nachrichtendienste kontrolliert, inklusive der Privatnachrichten




      Elon Musk: Twitter wurde über US-Nachrichtendienste kontrolliert, inklusive der Privatnachrichten






      Stattdessen handle es sich um ein unerbittliches, monolithisches Nachrichtensystem, das sich in erster Linie an die einheimische Bevölkerung richtet. Dieser wird klarzumachen versucht, dass politischer Widerstand im eigenen Land den illegalen hybriden Angriff des Feindes auf die Demokratie unterstützt.

      Um also nicht "die Feinde" zu unterstützen, sollten Menschen alte Vorstellungen von Bürgerrechten überdenken und neue Überwachungstechniken wie das "Toxizitäts-Monitoring" akzeptieren, begründen die neuen Meinungsmacher die Abschaffung demokratischer Grundsätze. Die "muffige alte freie Presse" müsse durch ein "modernes Konzept" ersetzt werden. Mittels automatisierter Verfahren zur "Extraktion relevanter Nachrichten" und mittels Algorithmen werden Zensurverfahren für eine "neue homogene Politik" ständig optimiert.

      Auf diese "homogene Politik" beziehen sich die Organisationen des industriellen Zensurkomplexes, wenn sie von der Entwicklung einer "gemeinsamen Wortwahl" für Informationsstörungen, von "Glaubwürdigkeit" oder "Medienkompetenz" sprechen. Wenn also sogenannte Anti-Desinformations-Gruppen von "Resilienz" gegenüber Desinformation sprechen, meinen sie damit in Wirklichkeit, dass sie genehmigte Narrative so oft veröffentlichen, bis der Gesellschaft alles andere beängstigend oder abstoßend erscheint.


      Medienbericht: WEF-Taskforce-Vorsitzende Linda Yaccarino könnte Twitter-Chefin werden




      Medienbericht: WEF-Taskforce-Vorsitzende Linda Yaccarino könnte Twitter-Chefin werden






      Die Autoren des Zerohedge-Berichts untersuchten auch, wie die von ihnen beobachteten Meinungssteuerungs-Organisationen miteinander umgingen: "Anstelle des Wettbewerbs bevorzugen die von uns beobachteten Gruppen das Konzept eines 'gemeinsamen Interesses'. Dabei trügen die wichtigsten 'Stakeholder' ihre Meinungsverschiedenheiten unter vier Augen aus, bilden aber nach außen eine einheitliche Front."

      Die von ihnen in einer "Topliste" zusammengestellten Organisationen gehören laut Einschätzung der Autoren im Bereich Meinungsmache und -steuerung zu den Anführern des industriellen Zensurkomplexes. In ihrer Analyse stellen sie 50 ausgewählte Organisationen einzeln vor. Die Informationen umfassen jeweils deren Finanzierung, Geschichte und jeweilige "Arbeitsmethode". Beispielsweise verwendeten viele der Gruppen standardmäßig das sogenannte "Hass-Mapping", um "falsch denkende" Personen zu identifizieren.

      Insgesamt geht es in der Analyse darum, das Ausmaß und die Ziele des "Zensur-Industriekomplexes" verständlich zu machen. Zum besseren Verständnis ihrer umfangreichen Recherche wird exemplarisch die Beschreibung einer Organisation in der "Top 50-Liste" in einer Kurzfassung wiedergegeben:


      Lawrow: "Westen hat begonnen, radikal auf die Medien einzutreten, die ihm nicht gehorchen"




      Lawrow: "Westen hat begonnen, radikal auf die Medien einzutreten, die ihm nicht gehorchen"






      Angeführt wird die Liste vom "Information Futures Lab" (IFL), zu Deutsch "Informationslabor der Zukunft". Dieses ist ein Institut der Brown University. Das IFL ist Nachfolger von First Draft (FD), einer der ältesten und bekanntesten "Anti-Desinformations"-Organisationen. An der Brown-Universität ist das Institut in der Hochschule für Öffentliche Gesundheit untergebracht und damit beauftragt, "Fehlinformationen" und "überholte Kommunikationspraktiken" zu bekämpfen.

      IFL/FD-Direktorin Claire Wardle hat die Unterscheidung von "Falsch-, Des- und Fehlinformationen" wesentlich geprägt. IFL/FD ist als einzige akademische, gemeinnützige Organisation an der Trusted News Initiative beteiligt. Die Trusted News Initiative besteht aus einem umfassenden Konsortium etablierter Medien und verfolgt das Ziel, die Debatte über die Pandemie zu kontrollieren. Von den Twitter-Führungskräften wurde Claire Wardle vorrangig in eine Gruppe von Beratern zur Bekämpfung von Falschinformationen berufen. Eine Mitbegründerin des IFL, Stefanie Friedhoff, ist Mitglied des COVID-19 Response Teams des Weißen Hauses.

      First Draft wurde von vielen Institutionen finanziert, darunter Craig Newmark, Rockefeller, die National Science Foundation, Facebook, die Ford Foundation, Google, die Knight Foundation, der Wellcome Trust, die Open Society Foundations und andere. Die IFL wird unter anderem von der Rockefeller Foundation für eine Kampagne zur Steigerung der Impfstoffnachfrage finanziert. Als Vorreiter im Bereich Desinformationsstudien fungiert die IFL als wichtiger Berater für Konsortien in den Bereichen Medien, Technologie und öffentliche Gesundheit.


      Mehr zum Thema"Akte politischer Säuberung": Wie der Journalist Patrik Baab seinen Lehrauftrag verlor

      RT DE bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Gastbeiträge und Meinungsartikel müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

      Durch die Sperrung von RT zielt die EU darauf ab, eine kritische, nicht prowestliche Informationsquelle zum Schweigen zu bringen. Und dies nicht nur hinsichtlich des Ukraine-Kriegs. Der Zugang zu unserer Website wurde erschwert, mehrere Soziale Medien haben unsere Accounts blockiert. Es liegt nun an uns allen, ob in Deutschland und der EU auch weiterhin ein Journalismus jenseits der Mainstream-Narrative betrieben werden kann. Wenn Euch unsere Artikel gefallen, teilt sie gern überall, wo Ihr aktiv seid. Das ist möglich, denn die EU hat weder unsere Arbeit noch das Lesen und Teilen unserer Artikel verboten. Anmerkung: Allerdings hat Österreich mit der Änderung des "Audiovisuellen Mediendienst-Gesetzes" am 13. April diesbezüglich eine Änderung eingeführt, die möglicherweise auch Privatpersonen betrifft. Deswegen bitten wir Euch bis zur Klärung des Sachverhalts, in Österreich unsere Beiträge vorerst nicht in den Sozialen Medien zu teilen.

    Info: https://freeassange.rtde.life/international/169908-industrielle-zensurkomplex-akteure-und-methoden


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    09.06.2023

    Sudan erklärt Perthes zur "Persona non grata"

    aus e-mail von Doris Pumphrey, 9, Juni 2023, 13:59 Uhr


    *Perthes* ist Verfechter der "regelbasierten internationalen Ordnung",

    die er 2019 als ehemaliger Leiter der regierungsnahen "Stiftung

    Wissenschaft und Politik" (SWP) im Klartext beschrieb

    <:" rel="noopener">https://www.swp-berlin.org/publikation/die-ordnung-der-welt>: /"Eine

    Allianz williger Staaten muss internationale Regeln ersinnen, ohne den

    Verdacht zu erwecken, dass es dabei um westliche Dominanz geht.

    Das klappt eben nicht mehr ganz so, wie es sich ein Perthes und all die

    anderen Neokolonialherren und -Damen mit ihren "westlichen Werten" so

    vorstellten. Die Zeiten, in denen die Länder Afrikas von dieser Allianz

    wirtschaftlich völlig abhängig waren, gehen dem Ende zu. Die endgültige

    Befreiung von dieser westlichen Dominanz steht auf der Tagesordnung –

    Dank Russland und China und den von ihnen geschaffenen neuen

    internationalen Organisationen und Allianzen, die auf der Grundlage der

    "souveränen Gleichheit der Nationen" (UN-Charta) beruhen. (dp)

    /


    https://www.spiegel.de/ausland/sudan-uno-gesandter-volker-perthes-zur-unerwuenschten-person-erklaert-a-6b79095d-ee1c-49be-8484-034aef5e5f14

    09.06.2023


    *Sudan erklärt deutschen Uno-Gesandten zur unerwünschten Person


    *Sudans Machthaber al-Burhan macht den Leiter der Uno-Mission im Land

    für den Beginn der Kämpfe verantwortlich. Nun darf Volker Perthes nicht

    mehr einreisen.


    Der Uno-Sondergesandten Volker Perthes ist im Sudan schon länger Ziel

    von Protesten. Nun hat die Regierung des Krisenlandes den Deutschen zur

    unerwünschten Person erklärt. »Die Regierung der Republik Sudan hat den

    Generalsekretär der Vereinten Nationen darüber informiert, dass sie

    Herrn Volker Perthes ab heute zur Persona non grata erklärt hat«, teilte

    das Außenministerium in Khartum am Donnerstag mit. Der Militärmachthaber

    Abdel Fattah al-Burhan hatte die Absetzung von Perthes gefordert und ihn

    für den Beginn der Kämpfe zwischen seiner Armee und der

    paramilitärischen RSF-Miliz Mitte April verantwortlich gemacht.


    In einem Schreiben an die Uno hatte al-Burhan dem Uno-Vertreter

    vorgeworfen, in seinen Berichten die explosive Lage in Khartum vor dem

    Beginn der Kämpfe »verschleiert« zu haben. Ohne diese »Lügen« hätte der

    Rebellenführer (Mohamed Hamdan) »Daglo nicht seine Militäraktionen

    begonnen«, argumentierte der Militärmachthaber.


    Uno-Generalsekretär António Guterres hatte seinem Gesandten daraufhin

    »sein volles Vertrauen« ausgesprochen. Anfang Juni verlängerte der

    Uno-Sicherheitsrat das Mandat für die Uno-Mission im Sudan (Unitams),

    die von Perthes geleitet wird, allerdings nur um sechs Monate. Zuvor war

    die im Juni 2020 geschaffene Mission immer um zwölf Monate verlängert

    worden.


    Die Gefechte zwischen al-Burhans Armee und der paramilitärischen

    RSF-Miliz seines früheren Stellvertreters Mohamed Hamdan Daglo hatten

    sich Mitte April an der geplanten Eingliederung der RSF in die Armee

    entzündet. Seitdem wurden etwa 1800 Menschen getötet und mehr als 1,3

    Millionen weitere vertrieben. Nach Uno-Angaben sind aufgrund des Krieges

    25 der 45 Millionen Sudanesinnen und Sudanesen auf humanitäre Hilfe

    angewiesen.


    Seit vergangenem Jahr sind Perthes und die Uno-Mission im Sudan das Ziel

    von Protesten von Unterstützenden der Militärregierung. Wiederholt

    warfen Tausende Demonstrierende dem Sondergesandten »ausländische

    Einmischung« vor. Perthes hielt sich am Donnerstag zu einer Reihe von

    diplomatischen Gesprächen in Addis Abeba in Äthiopien auf, wie die Uno

    zuvor auf Twitter mitgeteilt hatte.


    Perthes ist ein deutscher Politikwissenschaftler und war Direktor des

    Deutschen Instituts für Internationale Politik und Sicherheit. 2015

    wurde er vom Uno-Sondergesandten für Syrien zu den Uno-Gesprächen für

    einen Friedensprozess in Syrien hinzugezogen. Seit Januar 2021 leitet er

    die Mission im Sudan.


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

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