aus e-mail von Clemens Ronnefeldt, 17. September 2025, 18:53 Uhr
Liebe Friedensinteressierte,
beiliegend sende ich Artikel zu den
Kriegen in der Ukraine und in Westasien -
sowie zum Thema Militarisierung.
1. n tv: "Fehlfunktion bei F-16“
Stammt Schaden an Haus im polnischen Wyryki gar nicht von russischer Drohne?
2. SWP(Südwest Presse): Ukraine-Krieg: Deutschland schickt weitere Kampfjets in polnischen Luftraum
3. DW: Ukraine attackiert Verkehrsadern und Raffinerie in Russland
4. Der Standard: Ukraine - Selenskyj sieht Südkorea als mögliches Modell für Ukraine nach dem Krieg
5. n-tv: Opfer "werden entmenschlicht“ - UN-Kommission wirft Israel Völkermord im Gazastreifen vor
6. Tagesanzeiger: Krieg in Nahost - Vor dieser Offensive bangt selbst Israels Armeeführung
7. ZDF: „Deutsche Israel-Politik mit Note ungenügend“
8. Le Monde Diplomatique: Was Irland mit Palästina verbindet
9. MSN: Immer mehr israelische Reservisten verweigern Dienst
10. IPG: Hunger ist keine Panne
11. IPPNW: Für einen gerechten Frieden in Gaza. Waffenexporte stoppen & Hilfsblockade beenden!
Petitionsübergabe an Lars Castellucci, Menschenrechtsbeauftragter der Bundesregierung
12. Berliner Missionswerk: Palästina: Glaubensmut in Zeiten des Krieges
13. All Eyes on Gaza — Stoppt den Genozid!
14. Friedensdemo 3.10.2025: Nie wieder kriegstüchtig! - Stehen wir auf für Frieden!
15. EBZ: Erinnerungstagung zum Gedenken an Friedrich Schorlemmer
——
1. n tv: "Fehlfunktion bei F-16“
Stammt Schaden an Haus im polnischen Wyryki gar nicht von russischer Drohne?
https://www.n-tv.de/politik/Stammt-Schaden-an-Haus-im-polnischen-Wyryki-gar-nicht-von-russischer-Drohne-article26036954.html
"Fehlfunktion bei F-16“
Stammt Schaden an Haus im polnischen Wyryki gar nicht von russischer Drohne?
16.09.2025, 21:11 Uhr
Russische Drohnen dringen vergangene Woche in den polnischen Luftraum
ein. Drei Flugobjekte werden abgeschossen, der Rest stürzt allein zu
Boden. Schäden bleiben weitgehend aus. Nur in einem Dorf wird ersten
Angaben zufolge ein Haus getroffen. Nun aber erhärtet sich der
Verdacht, Polen selbst könnte dafür verantwortlich sein.
In Polen haben etliche russische Drohnen in der vergangenen Woche für
Alarm gesorgt - und angeblich für ein stark beschädigtes Wohnhaus in
Wyryki nahe Lublin. Inzwischen aber wachsen die Zweifel, ob das Haus
tatsächlich von einem russischen Flugobjekt getroffen wurde.
Die Staatsanwaltschaft in Lublin spricht von insgesamt 17 Drohnen, die
sie am vergangenen Mittwoch im polnischen Luftraum festgestellt habe.
Teile der abgestürzten und abgeschossenen Drohnen würden belegen, dass
sie russische Shahed-Modelle seien. Keine davon sei jedoch über Wyryki
geflogen. Dort sprechen die Ermittler laut der polnischen Zeitung
"Rzeczpospolita" (RP) von einem "unbekannten Flugobjekt", dessen Reste
jetzt analysiert würden.
"Das Objekt wurde zum jetzigen Zeitpunkt weder als Drohne noch als
deren Fragmente identifiziert", teilt eine Sprecherin der
Staatsanwaltschaft der Zeitung mit. "Zum jetzigen Zeitpunkt kann ich
noch nicht definitiv sagen, was auf das Haus in Wyryki gefallen ist.
Es wird untersucht, und wir warten auf Expertenmeinungen." Damit
unterscheidet sich die Angabe von denen, die zu den anderen
Wrackteilen gemacht wurden. Denn da gehen die Ermittler zweifelsfrei
von Drohnen-Überresten aus und teilten dies öffentlich mit.
Die ersten Untersuchungen am Einschlagsort hätten bereits "bestimmte
Fragen beantwortet", doch die Sprecherin dürfe sich nicht näher dazu
äußern, heißt es in dem Bericht weiter. Derweil berichtet
"Rzeczpospolita" unter Berufung auf Informationen "aus den Reihen
wichtiger staatlicher Sicherheitsbehörden", dass eine Rakete eines
polnischen F-16-Kampfjets in dem Haus eingeschlagen sei. Auch das
polnische Portal Onet meldet diese Erkenntnis unter Berufung auf eine
eigene Quelle in Regierungskreisen.
Der polnische Vize-Verteidigungsminister Cezary Tomczyk erklärte
vergangene Woche, drei Drohnen seien erfolgreich abgeschossen worden.
Doch bei einem Abschuss kam es wohl zum Fehler, wie ein Insider in RP
ergänzt: "Es handelte sich um eine Luft-Luft-Rakete vom Typ AIM-120
AMRAAM unserer F-16, bei der während des Fluges ein Fehler im
Lenksystem auftrat und die nicht zündete. Glücklicherweise wurde sie
weder scharf gemacht noch explodierte sie, da die
Sicherheitsvorrichtungen der Zündung aktiviert wurden."
"Rzeczpospolita" vermutet eine Vertuschung durch Staatsanwaltschaft
und Militär. Beide Institutionen äußern sich nur zurückhaltend zu
diesem speziellen Fall. Währenddessen sind staatliche Einrichtungen
schnell eingesprungen und helfen den Bewohnern des zerstörten Hauses.
Quelle: ntv.de, mpa
——
2. SWP(Südwest Presse): Ukraine-Krieg: Deutschland schickt weitere Kampfjets in polnischen Luftraum
https://www.swp.de/politik/ukraine-krieg-deutschland-schickt-weitere-kampfjets-in-polnischen-luftraum-78305795.html
Ukraine-Krieg: Deutschland schickt weitere Kampfjets in polnischen Luftraum
Kanzler Merz hat das russische Eindringen in den Nato-Luftraum mit
Drohnen als „ernsthafte Gefährdung des Friedens in ganz Europa“
bezeichnet. Jetzt reagiert die Bundesregierung darauf.
11. September 2025 um 18:37 Uhr. Berlin
Ein Artikel von dpa
Als Reaktion auf die Verletzungen des polnischen Luftraums durch
russische Drohnen verstärkt Deutschland seine Beteiligung am Schutz
der Nato-Ostgrenze. Die Überwachung des Luftraums über Polen durch
deutsche Kampfjets wird verlängert und ausgeweitet, wie
Regierungssprecher Stefan Kornelius mitteilte.
Zahl der Kampfjets wird von zwei auf vier verdoppelt
Die Bundeswehr ist bereits jetzt mit zwei in Rostock-Laage
stationierten Eurofighter-Kampfjets über Polen im Einsatz. Die Anzahl
der Flieger werde nun auf vier verdoppelt, teilte das
Verteidigungsministerium mit. Außerdem werde der bisher nur bis zum
30. September geplante Einsatz zunächst bis zum 31. Dezember
verlängert.
Kornelius fügte hinzu, dass die Bundesregierung auch ihre
Unterstützung für die Ukraine intensivieren werde. Einzelheiten dazu
nannte er nicht. In der EU werde Deutschland auf eine schnelle
Verabschiedung eines „robusten 19. Sanktionspakets“ hinarbeiten, um
Russland weiter unter Druck zu setzen.
Merz sieht „ernsthafte Gefährdung des Friedens in ganz Europa“
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte bereits am Mittwoch erklärt,
dass er die Verletzung des polnischen Luftraums durch russische
Drohnen nicht für ein Versehen halte. Er sehe in diesen Vorfällen
„eine ganz ernsthafte Gefährdung des Friedens in ganz Europa“.
Merz sprach von einer „neuen Qualität von Angriffen, die wir aus
Russland sehen“. Die Nato-Luftabwehr habe zwar funktioniert, aber
nicht so gut, wie sie hätte funktionieren müssen. „Das wird
Diskussionen in der Nato auslösen. Das wird Diskussionen natürlich
auch in der Europäischen Union auslösen.“
Unterdessen wollen Russland und sein Verbündeter Belarus am Freitag
(12.09.2025) ein großangelegtes strategisches Manöver unter dem Namen
Sapad 2025 starten. Übersetzt heißt das Manöver „Westen2025“. Über
40.000 Soldaten sollen dabei nach Informationen der Bundeswehr
beteiligt sein.
——
3. DW: Ukraine attackiert Verkehrsadern und Raffinerie in Russland
https://www.dw.com/de/ukraine-russland-krieg-angriffe-attacken-v2/a-73990373
Politik
Ukraine <https://www.dw.com/de/ukraine/t-17292877>
Ukraine attackiert Verkehrsadern und Raffinerie in Russland
14.09.2025
In Russland häuft sich die Zahl beschädigter Gleisanlagen, vermutlich
durch gezielte Angriffe der ukrainischen Geheimdienste. Zudem nimmt
Kyjiw den Ölsektor ins Visier.
Die Ukraine hat den Nachschub für die russischen Truppen nach eigener
Darstellung empfindlich getroffen und gestört. Dabei gerieten am
Wochenende der Bahnverkehr im russischen Hinterland in den Fokus
ukrainischer Militärs und Geheimdienste sowie einmal mehr der
Ölsektor.
Ukrainische Medien verweisen auf Geheimdienst HUR
Nach Medienberichten setzte der ukrainische Militärgeheimdienst HUR
mehrere Bahnlinien in Russland mit Sabotageakten zeitweise außer
Betrieb. Die Behörde stehe sowohl hinter einer Explosion an einer
Bahnstrecke im südrussischen Gebiet Orjol als auch hinter dem
Entgleisen einer Lok und eines Güterzugs im Nordwesten Russlands,
berichten ukrainische Medien unter Berufung auf Quellen beim
Geheimdienst.
Im Gebiet Orjol nahe der Grenze zur Ukraine hatte es bereits am
Vorabend eine Explosion gegeben. Eisenbahner hatten dort ein
verdächtiges Paket gefunden und die Nationalgarde gerufen. Beim
Versuch der Pioniere, die Bombe zu entschärfen, ging der Sprengsatz
hoch. Zwei Soldaten kamen sofort ums Leben, ein weiterer starb später
an seinen Verletzungen. Die Strecke wurde zunächst gesperrt, am
Nachmittag wurde eine Gleisspur für den Verkehr freigegeben. Mehr als
ein Dutzend Züge mussten zuvor umgeleitet werden.
Ohne Bahn stockt der Transport für Kriegsgerät
In der Nacht entgleiste im Leningrader Gebiet nahe St. Petersburg ein
Güterzug. Einige Stunden später entgleiste in einem anderen Landkreis
der gleichen Region eine Lokomotive. Dabei kam der Lokführer ums
Leben. Auch dort mussten große Streckenabschnitte der Bahn gesperrt
werden.
"Durch die Zerstörung der Bahninfrastruktur in diesen Abschnitten
verspüren die Russen bedeutende Probleme bei der Logistik, was sich
wiederum auf ihre Fähigkeit auswirkt, aktive Handlungen gegen die
ukrainischen Streitkräfte durchzuführen", zitieren die Medien einen
Geheimdienstsprecher. Tatsächlich ist das Bahnnetz nach Einschätzung
von Experten eine der wichtigsten Komponenten für die russische
Kriegsführung gegen die Ukraine.
Raffinerie in Kirischi ist eine der größten des Landes
Ins Visier nahm das ukrainische Militär auch eine Raffinerie. Nach
einem Drohnenangriff brach in Nordwestrussland in einer der größten
Raffinerien ein Brand aus. In der Stadt Kirischi, 110 Kilometer
südöstlich von St. Petersburg, seien drei ukrainische Drohnen
abgeschossen worden, teilte der Gouverneur des die Millionenstadt
umgebenden Leningrader Gebiets, Alexander Drosdenko, mit. Die Trümmer
einer Drohne hätten den Brand in der Raffinerie entfacht, schrieb er
auf Telegram.
In Kirischi, 800 Kilometer nördlich der Ukraine, befindet sich die
Raffinerie Kirischinefteorgsintes (Kinef) des kremlnahen Ölkonzerns
Surgutnefetegas. Sie ist mit einer Verarbeitungskapazität von rund 20
Millionen Tonnen Öl pro Jahr eine der größten Ölanlagen in Russland.
Die Ukraine setzt bei ihrer Verteidigung gegen die seit mehr als
dreieinhalb Jahren dauernde russische Invasion inzwischen zunehmend
auf den Beschuss von Ölanlagen. Damit will Kyjiw einerseits die
Treibstoffversorgung des russischen Militärs unterbrechen,
andererseits Moskau eine wichtige Einnahmequelle zur
Kriegsfinanzierung nehmen.
--------
4. Der Standard: Ukraine - Selenskyj sieht Südkorea als mögliches Modell für Ukraine nach dem Krieg
https://www.derstandard.at/story/3000000286455/selenskyj-sieht-suedkorea-als-moegliches-modell-fuer-ukraine-nach-dem-krieg
Ukraine
Selenskyj sieht Südkorea als mögliches Modell für Ukraine nach dem Krieg
In Paris forderte der ukrainische Präsident Garantien für Kyjiws
Zukunft – und blickte nach Ostasien, wo US-Schutz Freiheit und
Wirtschaftswunder ermöglichten
Ann Wiener
5. September 2025, 15:51 Am Donnerstag trafen sich in Paris mehr als
20 Staaten, um über die Zukunft der Ukraine zu beraten. Die Koalition
der Willigen sollte mehr als ein Signal senden: Sie verpflichtete
sich, langfristige Sicherheitszusagen auszubauen – womöglich durch
Friedenstruppen oder Missionen. Auf eine Reaktion des Kreml musste man
nicht lange warten, dort hieß es umgehend "Njet": Jede westliche
Truppenpräsenz sei inakzeptabel und werde als direkte Konfrontation
gewertet.
Die Mithilfe der USA will sich die Koalition in den nächsten Tagen
sichern – Präsident Donald Trump meinte allerdings bereits, er wolle
keine Soldaten entsenden. Darüber hinaus sollen die USA laut dem
litauischen Verteidigungsministerium den Europäern angekündigt haben,
Militärhilfe im Rahmen des Programms "Section 333" zu streichen.
Lektionen aus Seoul
Vor diesem Hintergrund sucht der ukrainische Präsident Wolodymyr
Selenskyj nach historischen Vorbildern. In einem Interview mit der
französischen Zeitung Le Point spricht er über Südkorea, das nach dem
Koreakrieg (1950 bis 1953) völlig zerstört war. Die USA kämpften an
der Seite der Südkoreaner nicht nur gegen den Norden, sondern auch
gegen die mit Nordkorea verbündete Sowjetunion und China. Der Konflikt
endete mit einem Waffenstillstand, und Südkorea war zunächst von
internationaler Hilfe, vor allem der USA, abhängig. US-Truppen sind
dort bis heute stationiert.
Mit massiver Unterstützung der USA und einem entschlossenen Kurs auf
Industrialisierung begann ein rasanter Wandel zu der freien
Wirtschaftsnation, die sie heute ist. Selenskyj beschreibt besonders
Südkoreas ökonomisches Modell als gutes Vorbild für die Ukraine.
"Alles ist möglich" – mit starken Partnern
Für die Ukraine sieht er eine mögliche Parallele. "Ob dieses Szenario
in der Ukraine möglich ist? Alles ist möglich." Doch er schränkt ein:
"Es muss beachtet werden, dass Südkorea einen mächtigen Verbündeten
hat: die USA, die nicht zulassen, dass Nordkorea es erobert."
Die Botschaft ist klar: Ohne westliche Schutzgarantien und eine
langfristige Unterstützung der USA oder anderer Partner ist eine
solche Erfolgsgeschichte schwer vorstellbar. Südkorea hatte mit den
stationierten US-Truppen und einem dauerhaften Verteidigungsschirm
Garantien, die sich Kyjiw heute ebenfalls von seinen Verbündeten
erhofft.
Raketen, Risiken und Realitäten
Der ukrainische Präsident sieht Südkorea in einer privilegierten
Position: "Die Ukraine strebt an, solche verlässlichen
Sicherheitsgarantien zu erhalten, wie zum Beispiel die
Patriot-Systeme, die Südkorea hat", hebt er im Interview hervor.
"Nordkoreas Bevölkerung beträgt etwas mehr als 20 Millionen, Russlands
dagegen über 140 Millionen." Die Bedrohung durch Russland sei "fünf-,
sechs- oder sogar zehnmal größer", so Selenskyj. Eine
Eins-zu-eins-Kopie des südkoreanischen Modells sei kaum möglich –
jedoch könne es ein Wegweiser sein.
Die Parallele zu Korea ist nicht nur historischer Natur: Nach Angaben
aus Seoul kämpfen rund 15.000 nordkoreanische Soldaten an Russlands
Seite in der Ukraine. Während Selenskyj Südkorea als Modell preist,
ist dessen Feind nun auch sein Feind.
Zwischen Paris und Seoul zeichnet sich ein Muster ab: Garantien,
Waffen, Werte – und ein langer Atem. Ob die Ukraine Südkoreas Weg
gehen kann, hängt wohl davon ab, wie entschlossen der Westen – oder
nur Europa – die Rolle übernimmt, die die Vereinigten Staaten für
Südkorea spielen. (Ann Wiener, 5.9.2025)
----
5. n-tv: Opfer "werden entmenschlicht“ - UN-Kommission wirft Israel Völkermord im Gazastreifen vor
https://www.n-tv.de/politik/UN-Kommission-wirft-Israel-Voelkermord-im-Gazastreifen-vor-article26035119.html
Politik
Opfer "werden entmenschlicht“
UN-Kommission wirft Israel Völkermord im Gazastreifen vor
16.09.2025, 10:12 Uhr
Israel ist durch die massiven Angriffe im Gazastreifen international
immer isolierter. Eine unabhängige Untersuchungskommission der UN
sieht nun als erwiesen an: Die Armee begeht einen Genozid. Man
behandle die Opfer "wie Tiere", die man "ohne Gewissen töten" könne.
Israel begeht nach Auffassung der unabhängigen Untersuchungskommission
des UN-Menschenrechtsrats im Gazastreifen Genozid. Vier der fünf in
der UN-Konvention über die Verhütung und Bestrafung des Völkermordes
von 1948 erwähnten Tatbestände seien erfüllt, befindet die dreiköpfige
Kommission.
Israel erkennt wie die USA unter Präsident Donald Trump den
UN-Menschenrechtsrat als Autorität nicht an und wirft ihm und seinen
Kommissionen grundsätzlich vor, gegen Israel voreingenommen zu sein.
Der Menschenrechtsrat besteht aus 47 Ländern, die jeweils für drei
Jahre von der UN-Generalversammlung gewählt werden.
Die Kommission nennt als Tatbestände: Tötung, schwere körperliche oder
seelische Schädigung, vorsätzliche Schaffung von Lebensbedingungen,
die auf die vollständige oder teilweise Zerstörung der
palästinensischen Bevölkerung abzielen, und Maßnahmen zur Verhinderung
von Geburten. Zivilisten würden getötet, humanitäre Hilfe blockiert,
Gesundheits- und Bildungseinrichtungen systematisch zerstört und
religiöse Einrichtungen angegriffen.
Der Bericht bezieht sich auf die Geschehnisse seit dem Terrorangriff
der islamistischen Hamas und anderer Extremisten auf Israel am 7.
Oktober 2023. Israel betont stets, es bekämpfe im Gazastreifen die
Hamas und nicht die Zivilbevölkerung.
In dem Bericht heißt es weiter: "Es gibt auch indirekte oder
Indizienbeweise für einen besonderen Vorsatz (dolus specialis) im
Verhaltensmuster der politischen und militärischen Behörden Israels
sowie in den Militäroperationen, die unter Berücksichtigung der
Gesamtheit der Beweise die erforderliche spezifische Absicht zur
Begehung von Völkermord belegen."
Vorsitzende der 2021 eingerichteten Kommission zur Prüfung möglicher
Verletzungen des internationalen Völkerrechts in den besetzten
palästinensischen Gebieten und Israel ist Navi Pillay. Sie war früher
Richterin am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag und
UN-Hochkommissarin für Menschenrechte. Pillay hat aus
Gesundheitsgründen ihren Rücktritt eingereicht, der im November
wirksam wird.
Pillay zog einen Vergleich zu der Situation in Ruanda, zu der sie
einst das UN-Tribunal leitete. "Wenn ich mir die Fakten des
Völkermords in Ruanda ansehe, ist das hier sehr, sehr ähnlich. Man
entmenschlicht seine Opfer. Sie sind Tiere, und deshalb kann man sie
ohne Gewissen töten", sagte sie mit Blick auf den Gazastreifen. Die
Völkermordkonvention gilt als unmittelbare Reaktion auf die Verbrechen
der Nationalsozialisten während des Zweiten Weltkriegs.
Quelle: ntv.de, toh/dpa/rts
—————
siehe dazu auch:
https://news.un.org/en/story/2025/09/1165856
Gaza: Oberste unabhängige Rechtsuntersuchung behauptet, Israel habe Völkermord begangen
16. September 2025
Frieden und Sicherheit <https://news.un.org/en/news/topic/peace-and-security>
Hochrangige unabhängige Ermittler, die vom Menschenrechtsrat ernannt
wurden, behaupteten am Dienstag, dass Israels Handlungen in Gaza
Völkermord darstellen, eine Anklage, die von Tel Aviv rundweg
zurückgewiesen wurde. (…)
——
6. Tagesanzeiger: Krieg in Nahost - Vor dieser Offensive bangt selbst Israels Armeeführung
https://www.tagesanzeiger.ch/gaza-stadt-netanyahu-laesst-panzer-trotz-geiselgefahr-vorruecken-242212703798
Meinung
Krieg in Nahost
Vor dieser Offensive bangt selbst Israels Armeeführung
Israelische Truppen rücken nach Gaza-Stadt vor. Regierungschef
Netanyahu ignoriert alle Einwände – und gefährdet sein Volk.
Analyse von Kristiana Ludwig
Publiziert: 16.09.2025, 14:06
Israelische Panzer sind in der Nacht weiter in das Zentrum von
Gaza-Stadt vorgedrungen, dorthin, wo bisher nicht nur rund eine
Million Palästinenserinnen und Palästinenser lebten, sondern wohl auch
ein Teil der noch lebenden israelischen Geiseln festgehalten wird.
Sie waren vor fast zwei Jahren, am 7. Oktober 2023, bei dem Massaker
der islamistischen Palästinenserorganisation Hamas verschleppt worden
– und überall in Israel erinnern unzählige Bilder, gelbe Schleifen und
Demonstrationen an sie.
Das Schicksal der Geiseln ist zu einem Kernthema der israelischen
Gesellschaft geworden, ihre Befreiung auch zum viel beschworenen Ziel
von Benjamin Netanyahus Regierung im brutalen Krieg in Gaza. Doch je
weiter die Bodentruppen vorrücken, desto weniger können die
Angehörigen der Geiseln noch an dieses Ziel glauben.
Verzweifelt protestieren sie jetzt vor Netanyahus Residenz, versuchen,
Widerstand zu leisten. Doch solche Widerstände halten Netanyahu längst
nicht mehr auf.
Internationale Vorwürfe wischt Netanyahu vom Tisch
Medienberichten zufolge hatte selbst der Armeechef die Regierung vor
den Gefahren der Offensive in der palästinensischen Millionenstadt
gewarnt – sowohl für Geiseln als auch für Soldaten. Netanyahu ordnete
sie trotzdem an. Internationale Vorwürfe, in Gaza Kriegsverbrechen, ja
Völkermord zu begehen, wischt er vom Tisch.
Erst vergangene Woche liess er den Golfstaat Katar angreifen, jenen
Verbündeten der USA, der bisher als Mittler in den
Waffenruheverhandlungen auftrat. Das Ziel, die Hamas-Spitze im Ausland
zu töten, wurde verfehlt, aber Netanyahu trotzt weiter jeder Kritik:
Es sei ein Warnschuss gewesen, ein legitimer Schritt.
Nicht nur im Ausland, auch innerhalb Israels wächst die Sorge, dass
sich der Staat unter Netanyahu endgültig isoliert, dass seine
rechtsreligiöse Regierung zu einem unberechenbaren, unaufhaltsamen
Faktor im Nahen Osten wird, nicht mehr zugänglich für Diplomatie und
auch nicht für Debatten innerhalb Israels. Die Entwicklung gefährdet
die Region – und langfristig auch die Sicherheit von Jüdinnen und Juden.
———
7. ZDF: „Deutsche Israel-Politik mit Note ungenügend“
https://www.zdfheute.de/video/zdfspezial/zdf-spezial---offensive-in-gaza-stadt---israel-schickt-bodentruppen-clip-2-100.html
„Deutsche Israel-Politik mit Note ungenügend“
16.09.2025 | 19:20
Nach Ansicht der Expertin für Völkerrecht, Janina Dill, ist das
Vorgehen Israels in Gaza „weder rechtlich noch moralisch legitimierbar“.
Deutschland hätte schon länger Konsequenzen ziehen müssen.
———
8. Le Monde Diplomatique: Was Irland mit Palästina verbindet
https://monde-diplomatique.de/artikel/!6078765
10.04.2025
Was Irland mit Palästina verbindet
In Gaza geht der Vernichtungskrieg nach dem Ende des Waffenstillstands
weiter. Irland steht dabei im Gegensatz zu anderen europäischen
Staaten nicht hinter Israel. Denn wie Palästina blickt es auf eine
lange Geschichte der Kolonialisierung zurück.
von Clara Menais
(…)
„Das irische Volk ist zutiefst besorgt über die Katastrophe, die sich
vor unseren Augen in Gaza abspielt“, erklärte Varadkar bei der
gemeinsamen Pressekonferenz. „Auf meinen Reisen fragen mich die
Regierungschefs oft, warum die Iren so große Sympathie für das
palästinensische Volk haben. Die Antwort ist einfach. Seine Geschichte
erinnert uns an unsere eigene. Eine Geschichte von Umsiedlung, von
Enteignungen, von der Infragestellung der nationalen Identität,
erzwungener Emigration, Diskriminierung und jetzt auch … Hunger.“
Solche Worte aus dem Mund des Chefs einer Mitte-rechts-Regierung in
Europa mögen erstaunen. Seit Beginn des Gazakriegs haben fast alle
europäischen Staaten eine proisraelische Haltung eingenommen. In den
ersten Tagen der israelischen Militäroffensive in Gaza im Oktober 2023
war die irische Regierung die erste in Europa, die deren
Unverhältnismäßigkeit anprangerte.
Als EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bei einem Besuch in
Israel dessen Selbstverteidigungsrecht unterstrich, distanzierte sich
Irlands Präsident Michael D. Higgins umgehend. Premier Varadkar
verschärfte noch den Ton. Die Aktion, kritisierte er, habe „den
Charakter eines Racheakts“. Der EU warf er vor, „mit zweierlei Maß zu
messen“.
Während die Zahl palästinensischer Todesopfer stieg, erkannte Irland
an der Seite von Norwegen und Spanien (siehe nebenstehenden Artikel
auf Seite 15) am 22. Mai 2024 Palästina als Staat an und schloss sich
am 6. Januar 2025 der Völkermord-Klage Südafrikas gegen Israel vor dem
Internationalen Gerichtshof (IGH) an.
Auch weigerte sich Irland, seine Zahlungen an das
UN-Palästinenserhilfswerk UNRWA einzustellen, dem am 28. Oktober 2024
vom israelischen Parlament jegliche Tätigkeit auf israelischem
Staatsgebiet untersagt worden war. Im Rahmen des
Waffenstillstandsabkommens zwischen Israel und der Hamas überwies
Dublin im Februar 2025 sogar zusätzlich 20 Millionen Euro an das Hilfswerk.
Irland blickt auf eine lange Kolonialismusgeschichte zurück; die Insel
wurde nachhaltig davon geprägt. Seit dem 12. Jahrhundert befand sie
sich unter anglo-normannischer oder britischer Herrschaft. So teilt
sie mit Palästina die Erfahrung der Okkupation – und des Widerstands
dagegen. Seit Jahrhunderten ist das Land Ziel imperialistischer
Strategien, wie sie auch den Palästinensern wohlvertraut sind:
koloniale Besiedelung, militärische Besatzung, Teilung seiner Gebiete,
Niederschlagung von Aufständen. (…)
——
9. MSN: Immer mehr israelische Reservisten verweigern Dienst
https://www.msn.com/de-de/nachrichten/politik/immer-mehr-israelische-reservisten-verweigern-dienst/ar-AA1MvuNL
Immer mehr israelische Reservisten verweigern Dienst
14.9.2025
Tel Aviv. Nach fast zwei Jahren Krieg im Gazastreifen wollen immer
mehr israelische Reservisten ihrer Einberufung nicht mehr Folge
leisten.
Auch eine Bewegung von Müttern setzt sich dafür ein, dass
ihre Söhne nicht mehr in den Kampf ziehen müssen.
Die israelische Armee beruft Zehntausende Reservisten für den
Großangriff auf Gaza-Stadt ein. Doch immer mehr Soldaten – und Mütter
– sagen Nein. Eine offizielle Statistik zu den Verweigerungen liegt nicht vor.
Doch es gibt ein paar neue Gruppen, die mit ihrem
Widerstand an die Öffentlichkeit gehen. Es ist ein neues Phänomen in
dem seit fast zwei Jahren andauernden Krieg, der durch den Angriff der
militant-islamistischen Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 ausgelöst
wurde. Auf die militärischen Operationen wirken sich die
Verweigerungen bisher offenbar nicht aus.
Gleichzeitig kommt es in Israel auch zu Massenprotesten gegen
Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Die Demonstrierenden werfen ihm
vor, den Krieg aus politischen Gründen in die Länge zu ziehen, anstatt
mit der Hamas ein Abkommen zur Rückkehr der verbliebenen 48 Geiseln zu
schließen, von denen vermutlich noch 20 am Leben sind.
Viele Gegnerinnen und Gegner, unter ihnen ranghohe frühere
Sicherheitsbeamte, befürchten, dass die Offensive in Gaza wenig Erfolg
haben und die Geiseln in Gefahr bringen wird. Wegen der durch den
Krieg und die israelische Blockade ausgelösten humanitären Katastrophe
steht Israel auch international stark unter Druck.
Eine Gruppe, die ein Ende der Einberufungen in den Gazakrieg fordert,
besteht aus Müttern, die den sinnlosen Tod ihrer Söhne befürchten.
„Ich konnte den Gedanken nicht loslassen, ihm ein Bein oder einen Arm
zu brechen oder ihn auf andere Weise zu verletzen, so dass er nicht
zurückgehen kann“, sagt Nurit Felsenthal-Berger über ihren jüngsten
Sohn, während sie sich Tränen von den Wangen wischt. Erschöpfung und
schwindender Kampfgeist
Kameraden seien ausgelaugt, zermürbt und wüssten nicht mehr, wofür sie
kämpfen sollten, sagt der 28-jährige Soldat und Sanitäter Awschalom
Sohar Sal, der schon mehrfach im Gazastreifen im Einsatz war. Ihm
seien im vergangenen Jahr erstmals Zweifel gekommen, als in einem
seiner früheren Einsatzgebiete sechs Geiseln von ihren Entführern
getötet worden seien, als sich israelische Truppen näherten, sagt er:
„Ich hatte das Gefühl, es war meine Schuld.“
Seine Skepsis wuchs während seiner jüngsten Stationierung im Juni. Sal
sah nach eigenen Worten, wie Truppen in die gleichen Gebiete
zurückkehrten, in denen er auch schon gekämpft hatte. Einige der
Soldaten hätten weniger fokussiert und damit anfälliger für Angriffe
gewirkt. „Bringt mich nicht in eine Situation, in der ich entscheiden
muss, ob ich noch einmal Leben riskiere“, sagt er an die Adresse der
Militärführung.
Eine unter dem Namen „Soldaten für die Geiseln“ bekannte Bewegung
vertritt nach eigenen Angaben mehr als 360 Kriegsdienstverweigerer.
Die Zahl ist zwar noch relativ gering, steht aber im Kontrast zu den
ersten Kriegstagen, in denen sich zahlreiche Reservisten nach dem 7.
Oktober zum Dienst gemeldet hatten. Verweigerern drohen
Gefängnisstrafen, die allerdings nur in einer Handvoll von Fällen
tatsächlich verhängt wurden.
„Netanjahus andauernder Aggressionskrieg bringt unsere Geiseln unnötig
in Gefahr und hat das israelische Gesellschaftsgefüge zerstört,
während gleichzeitig (im Gazastreifen) eine ganze Bevölkerung getötet,
verstümmelt und ausgehungert wird“, sagt Max Kresch von „Soldaten für
die Geiseln“.
Eine andere Gruppe, die auch durch ihren Slogan „Save Our Souls“ (SOS)
bekannt wurde, vertritt nach eigenen Angaben fast 1.000 Mütter von
Soldaten. „Wir müssen ihre Stimme sein“, sagt Felsenthal-Berger, deren
zwei Söhne im Gazastreifen kämpften. Die Vereinigung hielt landesweit
Protestaktionen ab, traf mit Regierungsvertretern zusammen und
veröffentlichte Briefe.
Ihr 22-jähriger Sohn, der neun Monate im Gazastreifen gekämpft habe,
habe ihr erzählt, dass sich die Soldaten dort wie ein leichtes Ziel
für ihre Gegner gefühlt hätten, sagt Jifat Gadot. Seit Beginn der
Bodenoffensive 2023 wurden laut Armeeangaben mehr als 450 israelische
Soldaten getötet. „Ich habe ihm gesagt, dass wir als Mütter alles in
unserer Macht Stehende tun werden, um sie aus dem Gazastreifen
herauszubringen und vor diesem politischen Krieg zu retten“, sagt sie.
„Sakrosankter“ Militärdienst
Die Einberufung von 60.000 Reservisten ist die größte seit Monaten in
dem Land mit weniger als zehn Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern,
wo der Militärdienst für die meisten verpflichtend ist. Viele haben
bereits mehrere Einsätze geleistet. Dass ultra-orthodoxe Männer keinen
Wehrdienst leisten müssen, sorgt bei der breiten Allgemeinheit
zunehmend für Unmut.
Die anfängliche Unterstützung für den Krieg insgesamt hat
nachgelassen, vor allem seit Israel im März eine Waffenruhe gebrochen
hatte, während der Geiseln freigelassen worden waren. Seit
Kriegsbeginn wurden nach Angaben des Gesundheitsministeriums im
Gazastreifen mehr als 64.000 Palästinenserinnen und Palästinenser getötet.
Doch die Verweigerung des Kriegsdienstes bleibt für viele in Israel
eine rote Linie. „Das Militär und der Militärdienst sind immer noch
sakrosankt“, sagt Mairaw Sonssein von der Nichtregierungsorganisation
International Crisis Group.
(kag/dpa)
——