nachdenkseiten.de, 15. September 2025 um 15:49 Ein Artikel von Ala Goldbrunner
Am Samstag fand am Brandenburger Tor auf dem Platz des 18. März in Berlin eine Friedendemonstration der Initiative „Welt in Frieden“ statt, die NachDenkSeiten hatten darüber berichtet. Noch nie habe ich ein derartig hohes Niveau an Redebeiträgen auf einer Friedenskundgebung erlebt, politisch, journalistisch, kulturell, einhergehend mit tiefer Menschlichkeit und Empathie. Diverse Veröffentlichungen in den Leitmedien sollten deshalb dringend in einigen Aspekten korrigiert werden. Hier folgen persönliche Eindrücke der Veranstaltung von Ala Goldbrunner.
Unter dem Motto „Stoppt den Völkermord in Gaza! Keine Waffen in Kriegsgebiete! Frieden statt Wettrüsten!“ riefen am vergangenen Samstag Sahra Wagenknecht, Dieter Hallervorden, Gabriele Krone-Schmalz, Stimmen aus den USA und Israel und Künstler zu einer Friedenskundgebung auf. Sie forderten einen sofortigen Stopp der Waffenlieferungen in Kriegsgebiete, vor allem nach Israel und in die Ukraine, die Abkehr vom Wettrüsten und Militarisierung, die Einhaltung internationalen Rechts, stattdessen das Wiederbeleben von Diplomatie und Erarbeitung von nachhaltigem Frieden.
Die Veranstalter schätzten die Teilnehmerzahl auf 20.000, die Polizei sprach von 12.000. Tatsache war, dass auf dem Platz vor dem Brandenburger Tor die Demonstranten durch die meines Erachtens unsinnige Absperrung, die die Polizei direkt am Beginn der Straße des 17. Juni errichtet hatte, dicht zusammengedrängt wurden. Es war nirgendwo ein Durchkommen, nicht nur für Ältere und Teilnehmer mit Handicap eine herausfordernde Situation.
Die Teilnehmerstruktur war breit gefächert: Mit den Musikern BAUSA und Massiv waren endlich jüngere und neue Redner auf einer Friedensveranstaltung, wodurch auch deutlich mehr jüngere Demonstranten anwesend waren. Nicht nur der thematische Schwerpunkt ‚Gaza’, sondern auch der Rapper Massiv, der selbst ein palästinensischer Flüchtling ist, zogen viele Demonstranten mit Wurzeln aus anderen Nationen an.
Unterschiedlichste Friedensbündnisse und politische Gruppierungen waren da: natürlich das BSW mit der Initiatorin Sahra Wagenknecht, zahlreiche Palästinaflaggen, NachDenkSeiten-Gesprächskreise, Opas und Omas für den Frieden und viele andere Seit’ an Seit’ mit der ‚Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA e. V.)’, diversen religiösen Gruppierungen, ‚Junge Welt‘‚ attac Berlin, BDS, Sozialistische Gleichheitspartei (SGP) u.v.a. sichtete ich im Meer der Fahnen mit der Friedenstaube. Die so oft beobachtete Spaltung der Friedensbewegung scheint endlich aufzubrechen. Viele kamen auch auf die Gefahr hin, dass sie als „wilde Mischung“ von „Wagenknechts Querfront-Fest“ bezeichnet wurden.
Wirklich beeindruckend war das ungewöhnlich hohe Niveau der Redebeiträge, es lohnt sich, jeden einzelnen anzuhören! Die Positionen der Protagonisten sind den NachDenkSeiten-Lesern bekannt, weshalb ich nicht detailliert darauf eingehen werde, sondern auf die Videomitschnitte der Beiträge verweise.
Eröffnet wurde die Veranstaltung vom Moderator Daniel Aminati (Min. 22:30 bis 35:00). Per Video aus Tel Aviv zugeschaltet war der Soziologe und Historiker Moshe Zuckermann (Min. 35:52 bis 43:12). Ebenfalls auf Video gesendet wurde das Gedicht „Gaza Gaza“, vorgetragen von Dieter Hallervorden (Min. 56:10 bis 59:36). Es war derartig ergreifend, dass auf dem Platz Totenstille herrschte – die NachDenkSeiten-Leserschaft möge mir diese „kitschige“ Formulierung verzeihen, aber anders lässt sich die Atmosphäre nicht beschreiben. Im Anschluss kam der Altmeister des Kabaretts selbst auf die Bühne. Seine Rede (Min. 1:00:00 bis 1:08:00) war kraftvoll, schnörkellos und voller Humor.
Roger Waters (Min. 1:08:00 bis 1:22:00), Mitbegründer von Pink Floyd, der sich seit Beginn seiner Karriere politisch äußert, sich für die Freilassung von Julian Assange und nun für die Befreiung Palästinas einsetzt, war das nächste „Schwergewicht“ aus der Kulturszene, dessen wortgewaltige Videobotschaft das Publikum mitriss. Sahra Wagenknecht (Min. 1:23:00 bis 1:38:30) überzeugte mit fundierten Analysen der Konflikte in der Ukraine, Palästina und der verfehlten Politik der deutschen Bundesregierung, der EU und USA. Sie forderte den Stopp von Waffenlieferungen an Israel und die Ukraine, die Aufnahme von diplomatischen Verhandlungen auf Augenhöhe und ein Ende des ungehemmten Aufrüstens weltweit. Nur so könne ein dauerhafter Frieden erreicht werden.
Mit Jeffrey Sachs (Min. 1:50:00 bis 1:56:50) kam eine kritische und kompetente amerikanische Stimme per Videobotschaft zu Wort. Gabriele Krone-Schmalz (Min. 1:57:00 bis 2:14:40) arbeitete in ihrer scharfen Analyse die Ursachen des Ukraine-Krieges, die daraus folgenden Reaktionen Russlands heraus und zeigte Alternativen auf, wie man diesen Konflikt beenden könnte. Zum Gaza-Krieg äußerte sie sich nicht vor ihrem „beruflichen Hintergrund“, sondern als Mensch und mündige Bürgerin. Sie rief in diesem Zusammenhang die Teilnehmer auf, zu jeder Zeit und an jedem Ort ihre Stimme für Gewaltfreiheit und Frieden zu erheben.
Der Rapper Massiv (Min. 2:15:00 bis 2:28:20), dessen Eltern mit ihm aus Palästina geflohen sind, beschrieb sehr eindringlich, was es für Menschen bedeutet, im Frieden leben zu dürfen, weshalb es wichtig sei, für Frieden zu kämpfen. Mit dem Musiker BAUSA (Min. 2:29:00 bis 2:35:50) kam ein Vertreter der jüngeren Generation zu Wort. Er erntete frenetischen Applaus für seinen mutigen, klaren Appell für Frieden.
Inhaltlich zusammenfassen lassen sich die Redebeiträge folgendermaßen: Frieden kann es nur geben mit fundierter Kenntnis der Vorgeschichte, sachlicher (nicht ideologischer) Analyse dessen, um daraus Handlungen abzuleiten, die zu echtem, nachhaltigem Frieden führen: auf politischer Ebene Diplomatie auf Augenhöhe, Einhaltung des internationalen Rechts, auf der menschlichen Ebene Empathie für alle Protagonisten.
Wie bereits in der Anmoderation angekündigt worden war, wollte man eine Atmosphäre gegen Hass, Gewalt und für Frieden schaffen, mit Musik und Poesie Mut und Kraft geben und Empathie wecken. Das ist den Veranstaltern in vollem Umfang gelungen. Diese mutigen, klugen, vernünftigen Stimmen fehlen in Politik, Medien, Kultur und Gesellschaft. Ich wünsche mir viel mehr davon!
Titelbild: privat
Friedensdemo in Berlin am kommenden Samstag – von den Medien totgeschwiegen
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Erfolgreiche Berliner Großdemonstration für das Überleben der Menschheit in Frieden
Rubriken: Friedenspolitik Veranstaltungshinweise/Veranstaltungen
Schlagwörter: Bürgerprotestediplomatische VerhandlungenFriedensbewegungHallervorden, DieterKrone-Schmalz, GabrielePalästinaSachs, JeffreyUkraineWaffenlieferungenWagenknecht, SahraWaters, RogerWettrüstenZuckermann, Moshe
Info: https://www.nachdenkseiten.de/?p=139035
unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.
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nachdenkseiten.de, vom 09. September 2025 um 13:00 Ein Artikel von: Jens Berger
80 Prozent der Deutschen kritisieren Israels Vorgehen in Gaza, fast zwei Drittel sagen, Deutschland solle mehr Druck auf Israel ausüben. Wenn jedoch Demonstrationen gegen den Völkermord in Gaza und die deutsche Unterstützung Israels geplant sind, ist das für die Medien kein großes Thema. Am kommenden Samstag wird in Berlin eine Großdemo stattfinden, auf der Sahra Wagenknecht, Dieter Hallervorden, der Rapper Massiv und andere sprechen werden, doch in den Medien herrscht weitgehend Schweigen.
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Wie anders haben die Medien doch im Vorfeld der Proteste „gegen rechts“ berichtet. Offenbar sind Demonstrationen gegen die Opposition im Verständnis der Hauptstadtjournalisten besser als Demonstrationen gegen die Regierung. Das kennt man sonst nur aus Autokratien.
Wir wissen es ja – es gibt gute Demos und böse Demos. Gute Demos sind zum Beispiel „gegen rechts“, da berichten dann nahezu alle Medien bereits im Vorfeld und liefern als Service auch gleich Anfahrtsskizzen und interaktive Karten mit den Veranstaltungsorten. Und wenn dann demonstriert wird, gibt es einen Live-Ticker, für den man dutzende Mitarbeiter berichten lässt. Ja, wenn der SPIEGEL über Demos „gegen rechts“ berichtet, dürfte das Budget für einen einzigen Bericht ungefähr so hoch wie das Jahresbudget der NachDenkSeiten sein. Aber dafür lohnt es sich ja auch. Wenn die Regierung aufruft, gegen die Opposition zu demonstrieren, sollte man nicht auf jeden Euro achten. Klotzen statt Kleckern.
Und dann gibt es böse Demos. Böse Demos sind Demos, die sich gegen die Regierung und den medialen Mainstream stellen; vor allem dann, wenn sie für Frieden sind. Sowas ist spätestens seit der Zeitenwende verpönt. Wer für einen Frieden in der Ukraine ist, ist ein Putin-Versteher oder gar -Verharmloser. Wer für einen Frieden oder zumindest ein Ende des Völkermords in Gaza ist, ist sogar ein Antisemit. Ok, so direkt schreibt man es meist nicht, aber was sonst soll mit Formulierungen wie „bedient sich antisemitischer Klischees und Motive“, wie sie die Berliner Zeitung verwendet, sonst gemeint sein? Nun könnte man sagen: Immerhin berichtet die Berliner Zeitung. Tagesschau, Heute und Co. schweigen lieber komplett. Das stimmt. Aber wenn es, wie im konkreten Fall, nur darum geht, seine publizistische Sorge über „antisemitische Auswüchse“ und „Gefahren für das Zusammenleben der Menschen in Berlin“ kundzutun, hat so ein Artikel schlichtweg sein Thema verfehlt. Nicht der Völkermord in Gaza, sondern der Protest gegen ihn ist das Problem? Meint die Berliner Zeitung das wirklich ernst? Offenbar schon. Traurig.
Da stellt sich die Frage, was man als Veranstalter einer Friedensdemo überhaupt tun kann, um Menschen auf die Veranstaltung aufmerksam zu machen. Sahra Wagenknecht, Dieter Hallervorden und der Rapper Massiv hatten gestern die versammelten Medien zu einem Termin in die Bundespressekonferenz eingeladen. Die Agentur AFP hat davon sogar ein Video online gestellt – das einen Tag später „stolze“ 800 Abrufe verzeichnen kann.
Gesendet wurde das Material nach meiner Kenntnis von keinem Sender. Was blieb, ist eine dpa-Meldung, die von einigen Medien „im Kleingedruckten“ weiterverbreitet wurde, und zwei Berichte von der taz und der Süddeutschen, die für deren Verhältnisse sogar fair ausfielen. Vor allem die Öffentlich-Rechtlichen glänzten jedoch durch komplettes Verschweigen.
Dabei hätte die Demo am Samstag es durchaus verdient, dass Interessierte im Vorfeld auf sie aufmerksam gemacht werden. Auf der Bühne werden neben den drei bereits Genannten noch der Rapper Bausa, der Fernsehmoderator Daniel Aminati, Peter Maffay, Gabriele Krone-Schmalz und andere sprechen. Auch Pink-Floyd-Sänger Roger Waters und Moshe Zuckermann sollen aus New York und Israel zugeschaltet werden. Da ist für deutsche Demoverhältnisse schon eine Nummer, wagen sich gerade Prominente doch selten mit kritischen Äußerungen – abseits des Gratis-Muts „gegen rechts“ – ins Rampenlicht.
Weitere Infos finden Sie auf der Seite der Veranstaltung und der Veranstaltungsseite des BSW.
Zwei Wochen später wird in Berlin übrigens eine weitere Großdemo gegen den Krieg in Gaza stattfinden. Veranstalter ist dann u.a. die Linkspartei, die sich nach langem Lamentieren und Distanzieren endlich auch dazu bereiterklärt hat, zu einer Demo aufzurufen. Man darf gespannt sein, ob die Medien diese Veranstaltung auch mit derlei Desinteresse begleiten werden.
Titelbild: weltinfrieden.de
Rubriken: Audio-Podcast Friedenspolitik Medienkritik Strategien der Meinungsmache Veranstaltungshinweise/Veranstaltungen
Schlagwörter: BürgerprotesteBerliner ZeitungDiffamierungGazaIsraelLückenpresseLeitmedien
Info: https://www.nachdenkseiten.de/?p=138699
unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.


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