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20.09.2025

Scherivat ha-Qelim ( Der Bruch der Gefäße ) und die Konklusion von Tag und Nacht


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Bevor noch irgendetwas erschaffen wurde, gab es das Wortlose ALL. Wir können sowieso nicht das formale Wort bzw. den perfekten Begriff für das ALL suchen, weil kein Begriff die Dimension erreicht wo nur die stofflosen Geist Ideen beheimatet sind.

Inhalt:

  • Der negative begriffliche Aspekt des unausprechbaren Seins
  • Die Mystik symbolisiert die ersten Schöpfungen
  • Himmel, Erde und Wasser als Grund-Substanz der innerweltlichen Idee
  • Gott der Unbewegte Erstbeweger

 

Der negative begriffliche Aspekt des unausprechbaren Seins

So erschaffte aus nicht denk- und sprechbaren Urgründen das Ewige ALL, von sich selbst eine Matrize bzw. ein Hologramm ohne Inhalt.

Das Hologramm könnte sogar eines von unendlichen Hologrammen im ALL sein. Aristoteles spricht vom Unbewegten Erstbeweger, den wir das ALL oder wie in der Jüdischen Mystik das Ainsoph genannt wird.

Kausalität wurde erst mit dem Hologramm und deren gedanklicher Inhalt erschaffen, was auch zur Plural-Bewegung führte. Substanz und Stoff die nicht geordnet waren konnten so bzw. das was als Ur-Gedanke noch nicht manifestiert war, war eine formlose Kraft.

Diese Kraft wurde von der Plural-Bewegung durch das All in sich selbst, zur seinen Lichtern erschaffen, doch durch die Plural-Bewegung standen die Lichter in sich selbst Plural entgegen, hier spricht der Mystiker oder Philosoph von der verursachten holografischen Schöpfung.

Das ALL bzw. der Unbewegte Erstbeweger, bewegte nun sich selbst, die er mehrere Lichter zu gleich war, in einer Kontraktion, welche die jüdische Mystik ( Isaak Luria ) als Tzimtzum bezeichnet zu einem großen Ur-Licht.

Durch die Kraft der Kontraktion wurden die Pluralen Ur-Lichter zerbrochen und die Lichtfunken verteilten sich unförmig im Unbewegten Erstbeweger selbst.

Die Mystik symbolisiert die ersten Schöpfungen

Isaak Luria bezeichnet diesen Vorgang als Bruch der Gefäße ( Scherivat ha- Qelim ).

Isaak Luria schreibt dazu : “ Gott in der Schöpfung „

Der oft zitierte Ausgangspunkt der Kosmogonie liegt im ersten Schöpfungsakt, der dann als Gottes „Sich-Zurückziehen“ ( Tzimtzum ) bezeichnet wird. Am Beginn der ersten acht Tore von Samuel Vitals Bearbeitung des Ez Hajim heißt es: Bevor irgendeine Emanation hervorkam, gab es nur das Göttliche Licht, es erfüllte die ganze Wirklichkeit, kein Platz war frei, kein leerer Raum, sondern alles erfüllt vom Licht des Ainsoph, welches im Ur-Ain ruhte. Es gab weder Anfang noch Ende. Der Unterschied zur Genesis Illustration ist offensichtlich. Während die Bibel mit der Erschaffung von Himmel und Erde beginnt, ist hier zunächst gar keine Schöpfung, sondern eine Emanation vorgesehen. Daß die Schöpfung auch in der jüdischen Tradition nicht mit der neuplatonischen Lehre des Hervorgehens aus dem einen im Widerspruch stehen mußte, ist bekannt. Am Anfang gab es nur das Licht. Die Symbolik des göttlichen Lichtes ist von zentraler Bedeutung in der kabbalistische Literatur, am Beginn des Sohar, wo von der >>Dunklen Flamme<<,
(Bozina-di-qardinuta ) die rede ist, die aus dem Urgrund, dem mystischen Nichts bzw. Der Unendlichen Gottheit, hervorgeht.
Gott sprach, es werde Licht, das Ergebnis des Wirken Gottes-von manchen Exegeten wurde der biblische Text sogar so verstanden, dass das Licht das Erschaffende ist- sondern En_Sof ist selbst das Licht. Bevor Gott die Welt wirklich werden läßt, ist er selbst alles und das einzige […] „

Das Sepher Yetzirah setzt da an, wo die Kontraktion des Ur-Geistes oder Unbewegter Erstbeweger die Plurale Bewegung in sich selbst zu einer einheitlichen Bewegung als teil von ihm schuf.

                                                                        Sepher Yetzirah

Erster Abschnitt

(1. Absatz) In zweiunddreißig verborgenen Bahnen der Weisheit ordnete Ja Jahwe Tabaot, der Gott Israels, der lebendige Gott und König der Welt, der allmächtige, barmherzige und gnädige Gott; hoch und erhaben ist er und ewig wohnend in der Höhe; Heilig ist sein Name, erhaben und heilig ist er. Er schuf seine Welt durch drei Zählerprinzipien: Zahl, Zähler und Gezähltes. Zehn Zahlen ohne etwas und zweiundzwanzig Grund Buchstaben. Drei Mütter, sieben Doppelte und zwölf Einfache.

Nach dem die Welt aus den Lichtern und Bruchstücken der Gefäße zusammen gesetzt wurde, weshalb auch die Polarität in unserer Welt das Grundprinzip der Natur darstellt.

Der Mystiker Isaak Luria schreibt:

„En_Sof, die erste Ursache, erstreckte sich ewig über alle vorstellbaren und möglichen Orte, erfüllte alle mit seiner Unermeßlichkeit und Gegenwart, die von seiner Unendlichenkeit nicht verschieden ist; aber als er sich mitteilen und das Universum hervorbringen wollte, nahm er sich in sich zurück und schränkte sich gleichsam ein bzw. zog sich zurück, leerte einen Ort oder Raum jener unbegrenzten Räume, die er erfüllt hatte, um ihn auszufüllen, wie ihn die Wirkungen ausfüllen, die er darin hervorbrachte, während er darin immer noch genauso gegenwärtig blieb, wie er es vorher gewesen war“.

Gerold Necker der die mystischen Werke von Isaak Luria studierte, schreibt dazu in seinem Buch: Einführung in die lurianische Kabbala:

„Es ist kein Zufall, daß für das Zurückbleiben der Lichtfunken in den zerbrochenen Gefäßen ( hebr. Scherivat ha-Kelim ), die sich auf der Erde materialisierten, das gleiche Bild benutzt wird wie bei dem „Abdruck“ ( reshimu ), den das göttliche Licht bei seinem Rückzug im leeren Raum hinterlassen hatte – beide Male handelt es sich um Rückstände des göttlichen Lichts. Jeder dieser Vorgänge ist auf seine Weise auch ein Schöpfungsprozess. Das zerbrechen der Gefäße (= kosmische Sub-Elemente ) hat Nachwirkungen, und diese bestehen darin, den Aspekt der Schalen ( Qliphoth/Kelipot ), die außerhalb sind hervorzubringen. Das sind die Mächte des Bösen, die die Lichtfunken gefangen halten und sich von deren Lebenskraft ernähren. Nach Genesis 1,2 „und der Geist Gottes schwebte ( merahefet ) über dem Wasser“, beträgt die Anzahl der gefangenen Lichtfunken, die auch 4x den göttlichen Namen 72 enthalten, 288, was dem Zahlenwert der mittleren drei Wurzelkonsonanten von merahefet ( r-h-f ) entspricht ( 200+8+80 ). Die beiden äußeren Buchstaben m und t ergeben zusammen ein Wort, das den Zustand der Funken nach dem Bruch der Gefäße und ihr Gefangensein charakterisiert: met ( „gestorben“ ), d.h. sie sind in die Tiefe der Qliphoth gefallen, die die 288 Funken von vorne und von hinten wie die Buchstaben mem und taw umklammern. In den gefangenen Lichtfunken ist durch die Gottesnamen allerdings auch die Kraft enthalten, die für die „Wiederherstellung“ ( tikkun ) der Schöpfung benötigt wird“.

Das bedeutet:

R = Resch 200

H = Heh 8

F = Peh 80

+

= 288 Lichtfunken

Die Drei Mütter, die das ALL oder der Unbewegte Erstbeweger gesprochen hat, erschufen damit den Raum.

Himmel, Erde und Wasser als Grund-Substanz der innerweltlichen Idee

Der Zahlenwert der 3 Mutter-Buchstaben:

Aleph 1

Mem 40

Shin 300

Im 1.Buch Genesis steht:

1.Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.

Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte über dem Wasser.

Und Gott sprach: Es werde Licht ! Und es ward Licht.

Und Gott sah, daß das Licht gut war. Da schied Gott das Licht von der Finsternis und nannte das Licht Tag und die Finsternis Nacht. Da ward aus Abend und Morgen der erste Tag.

Die 3 Mütter symbolisieren Himmel, Erde und Wasser.

Die 7 Doppelten symbolisieren 6 Schöpfungstage + 1 Tag.

3+7 = 10

Hier sehen wir die Zehn zahlen ohne etwas, wie es im Sepher Yetzirah steht oder in späteren kabbalistischen Texten als 10 Sephiroth beschrieben.

  1. Buch Mose ( Genesis ):

2 ) So wurden vollendet Himmel und Erde mit ihrem ganzen Heer.

2 Und so vollendete Gott am siebenten Tage von allen seinen Werken, die er gemacht hatte.

3 Und Gott segnete den siebten Tag und heiligte ihn, weil er an ihm ruhte von allen seinen Werken, die Gott geschaffen und gemacht hatte.

4 So sind Himmel und Erde geworden, als sie geschaffen wurden.

Tag und Nacht sind im symbolischen 7 Tag vereint worden.

Eine weitere symbolische Zahlenrechnung für die Schöpfung:

1.000 = Schöpfung/Universum und 1 = Gott = 1001.

Die Erlöschung 1001 = 1 + 0 + 0 + 1 = 11 = 2
Der Mensch 334 = 3 + 3 + 4 = 10 = 1 ( + )
Die Schöpfung 666 = 6 + 6 + 6 = 18 = 9 ( + )
Der eine Gott 1 = 1 = 1 = 1 ( + )
= 11 = 2

Die Erlöschung 1001 = 1 + 0 + 0 + 1 = 11 = 2
Der Mensch 1 = 1 = 1 = 1 ( + )
Die Schöpfung 999 = 9 + 9 + 9 = 18 = 9 ( + )
Der eine Gott 1 = 1 = 1 = 1 ( + )
= 11 = 2

Alles in der Schöpfung ( 1 + 999 oder 334 +666 ) bewegt sich im Rahmen der Gesetze Gottes ( 1 ). Und die Symbolzahl der endgültigen Wandlung ist die Elf, denn die elfte Sephirah ist das Allumfassende Gefäß. ( 1001 = 1 + 0 + 0 + 1 = 11).

___

tzimtzum himmelsrichtungen sephiroth

In dieser symbolischen Zahlenmystik wird die 11 als höchste göttliche Zahl verstanden.

1 + 1 = 2

= B ( Bereshit )

Gott der Unbewegte Erstbeweger

Das Alte Testament beginnt mit dem Wort Bereshit in der hebräischen Orginalsprache und Bereshit bedeutet zwar soviel wie Anfang, aber das B symbolisiert die 2 und hat auch den Zahlenwert von 2, das bedeutet die Schöpfung ist das Hologramm vom Unbewegten Erstbweger, der aber nicht existent vom Hologramm wohnt, sondern das Hologramm als Form seiner unendlichen Vielheit in sich selbst erschafft hat, bis die Eigenschaft die das Hologramm/Universum sich als Eigenschaft selbst sieht, dann erlischt auch das Hologramm im Ur-Geist.

___

-anno 30. Januar 2019 bei Jupiter

Zeichnungen bei Jupiter

Zitate:

  • Gerold Necker- Einführung in die lurianische Kabbala
  • Giovanni Grippo – Das Sepher Yetzirah
  • Die Bibel
  • Giovanni Grippo – Der Henochische Orden


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Info: https://kosmosarchitektur.wordpress.com/2019/01/30/scherivat-ha-qelim-der-bruch-der-gefaesse-und-die-konklusion-von-tag-und-nacht/


unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

20.09.2025

Schewirat ha-Kelim (Bruch der Gefäße)

Ungewöhnliche Objekte unserer Dauerausstellung erzählen Geschichten jüdischen Lebens

Anselm Kiefers Werk „Bruch der Gefäße“ interpretiert die Auffassung des Kabbalisten Isaak Luria (1534–1572) von der Katastrophe, die sich während der Schöpfungsgeschichte ereignete:


Skulptur einer Bibliothek aus Blei mit hineingesteckten Scherben, darüber ein Halbkreis mit dem Namen des unendlichen Gottes







Schewirat ha-Kelim (Bruch der Gefäße) von Anselm Kiefer (geboren 1945), 1990–2019, Blei, Eisen, Glas, Kupferdraht, Holzkohle und Aquatec; Jüdisches Museum Berlin, Inv.-Nr. L-2019/29/0, Leihgabe von Anselm Kiefer, Foto: Roman März


Um Platz für die Schöpfung zu machen, zog sich der allgegenwärtige Gott (hebräisch En Sof, wörtlich „ohne Ende“) in sich selbst zurück. In den so entstandenen leeren Raum sandte er einen Lichtstrahl, der den eigentlichen Schöpfungsakt einleiten sollte. Zehn Gefäße, hebräisch Sefirot, sinnbildlich für die Harmonie des Universums, sollten diesen Strahl auffangen. Sie konnten den gewaltigen Lichtstrom jedoch nicht fassen, die sieben unteren Gefäße zerbrachen, ihre Scherben vereinten sich mit Funken göttlichen Lichts und fielen in den Abgrund. Der Bruch der Gefäße wird als Symbol für die ins Ungleichgewicht geratene Welt interpretiert, in der das Böse Einzug gehalten hat.

„Kiefer hat hier etwas ganz Entscheidendes im Judentum erfasst, nämlich das Verhältnis von Schrift zur Überlieferung.“ (Peter Schäfer, Judaist)

KabbalaDie Kabbala ist eine mystische Tradition des Judentums und bezeichnet bestimmte überlieferte Lehren und Schriften. 
Mehr bei Wikipedia


Info: https://www.jmberlin.de/dauerausstellung-13-dinge-schewirat-ha-kelim


unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.


20.09.2025

Metzler Lexikon jüdischer Philosophen: Isaak ben Salomon Luria

spektrum.de, 20.09.2025


(Akronym: Ari; Isaak Ashkenazi)

Geb. 1534 in Jerusalem;

gest. 5.8.1572 in Safed

L. stammt väterlicherseits aus einer aschkenasischen Familie aus Deutschland oder Polen, die nach Jerusalem auswanderte. Die Mutter stammte aus der sefardischen Familie der Frances. Der Vater starb, als L. noch sehr jung war. Seine Mutter zog mit ihm nach Ägypten zu ihrem reichen Bruder Mordechai Frances. Unsere Kenntnisse über L. und seine Erziehung während seines Aufenthalts in Ägypten sind mit legendenhaften Traditionen verwoben. Mit Sicherheit läßt sich lediglich sagen, daß er bei David b. Salomon ibn Abi Zimra und seinem Nachfolger Bezalel Ashkenazi gelernt hat. Mit letzterem arbeitete L. bei der Verfassung eines halachischen Werkes Shitah Mequbbeẓet (»Gesammelte [halachische] Richtlinien«) zum Traktat Zevachim (»Schlachtopfer«) zusammen. Urkunden der Kairoer Geniza belegen, daß L. in Ägypten und später in Safed mit Weizen und Spezereien gehandelt hat, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Mit der Mystik begann sich L. schon zu beschäftigen, als er noch in Ägypten lebte. Er zog sich für sieben Jahre auf eine Insel in der Nähe von Kairo zurück, um sich mystischen und esoterischen Studien zu widmen. Er las das Sefer ha-Zohar (»Buch des Glanzes«), das Hauptwerk der mittelalterlichen spanischen Kabbala, und studierte die Werke der alten, aber auch der modernen Kabbalisten; vor allem hat er sich mit den Schriften des Moshe Cordovero (1522–1570) befaßt, eines der wichtigsten Schüler von Joseph Karo und eines der bedeutendsten Kabbalisten in Safed. In diese Zeit ist sein einziges schriftliches Werk zu datieren, ein Kommentar zu dem Sifra di-Ẓeni‘uta (»Buch der Verborgenheit«) aus dem Sohar. L.s Kommentar, der später im Sha‘ar Ma’amre Rashbi (»Tor der Worte des R[abbi] S[himeon] b[en] J[ochaj]«) seines wichtigsten Schülers Chajim Vital gedruckt wurde, enthält keinen Hinweis auf seine eigene Lehre, die er erst am Ende seines Lebens mitteilte, und weist eine große Abhängigkeit von Cordovero auf. Im Jahre 1569 bzw. 1570 ließ sich L. mit seiner Familie in Safed nieder und lernte bei Cordovero Kabbala. Zugleich begann er, seine eigene kabbalistische Lehre zu unterrichten. Bald bildete sich eine Akademie um L., besonders nach Cordoveros Tod (1570). Die Namen von 30 seiner Schüler sind uns bekannt. Die Figur von Vital ragt heraus, der sich als der wichtigste unter seinen Schülern profilierte und sich als Verwalter seiner Lehre verstand.

Die meisten Kenntnisse über L. verdanken wir Vital, insbesondere auch über die Art und Weise seines mündlich-esoterischen Unterrichts der Kabbala: Selten hielt L. öffentliche Vorträge, indem er in der Synagoge predigte. Vielmehr unterrichtete er seine engsten Schüler bei langen Spaziergängen in der Umgebung von Safed und zeigte dabei Gräber von unbekannten Heiligen, die er durch persönliche Offenbarungen und Visionen entdeckt hatte. Er wurde bald als heiliger Mann verehrt, dem »die Offenbarung des Elijah« zuteil wurde. L. brachte seinen Schülern die theoretischen Grundsätze der Kabbala bei sowie die Art und Weise, sich mit den Seelen der Gerechten (den »zaddiqim«) in Verbindung zu setzen. Dies konnte man durch die Vereinung der Sefirot und die Konzentration auf bestimmte Namen Gottes und vor allem durch die kawwanah, d.h. die mystische Kontemplation bei der Ausführung der Gebote und der Gebetsprechung, erzielen. L. hat seine Lehre aus Prinzip kaum verschriftlicht, sondern geheim gehalten, solange er lebte. Nur wenigen privilegierten Schülern hat er sie mündlich anvertraut. Sogar berühmte Persönlichkeiten wie Joseph Karo und Moshe Alshekh wurden von der Teilnahme an dem Kreis abgewiesen. Dennoch unterhielt L. freundliche Beziehungen mit den anderen Gelehrten. In der Responsen-Sammlung des Joseph Karo ist ein Responsum von L. angeführt, das Karo bei ihm angefordert hatte. All dies trug dazu bei, eine geheimnisvolle Aura um L. und sein Leben zu schaffen. Schon bald nach seinem Tod rankten sich Legenden um ihn, die noch vor der Verbreitung seiner Lehre kursierten, und im Nachhinein ist es entsprechend schwer, Dichtung und Wahrheit zu unterscheiden. Sie basieren hauptsächlich auf zwei verschiedenen Schriften: zum einen auf einer Sammlung von Briefen des Salomon bzw. Shlomel Dresnitz, geschrieben zwischen 1602–1609 und 1629 von Joseph Salomon Delmedigo in seinem Sammelwerk Ta‘alumot Chokhmah (»Verborgene Weisheit«) veröffentlicht. Später, Ende des 18. Jahrhunderts, bekamen die Briefe den Titel Shivche ha-Ari (»Lob des Ari«). Zum anderen auf einer Lebensbeschreibung Toledot ha-Ari (»Geschichte von Ari«, Amsterdam 1648), die im 17. Jahrhundert handschriftlich kursierte. Von einigen Aussagen seiner Schüler kann man den Eindruck gewinnen, daß L. sich selbst als ein Erneuerer der kabbalistischen Lehre und als eine außergewöhnliche Persönlichkeit betrachtete. L. starb am 15. Juli 1572 als Opfer einer Seuche; sein Grab wurde als das eines Heiligen verehrt und zum Ziel von Pilgerfahrten. Nach seinem Tod sammelten seine Schüler, insbesondere Chajim Vital, »seine« Schriften und bemühten sich um ihre Veröffentlichung. Viele Schriften, die unter seinem Namen laufen, sind jedoch auf Notizen seiner Schüler zurückzuführen. Nur wenige »seiner« Schriften wurden zwischen 1572 und 1650 veröffentlicht, die meisten sind noch handschriftlich erhalten. Da L. seine Lehre nicht systematisch dargelegt hat und seine Schüler, viele von ihnen selbst berühmte Kabbalisten, sie ihrerseits zum Teil mündlich (und erst spät schriftlich – die Herstellung von Manuskripten galt als verboten) ihren eigenen Schülern weitergaben und dabei auch eigene Interpretationen hinzufügten, ist es nicht einfach, L.s originäre kabbalistische Lehre zu eruieren.

Schon die Verbreitung der Lehre gibt einige Probleme auf. Dies gilt jedoch nicht für seine dichterischen Werke, die vorher bekannt wurden. Eine Sammlung seiner liturgischen Hymnen (pijjutim), nur teilweise kabbalistischen Inhalts, erschien in Venedig (1575–1580) unter dem Titel Jefeh Nof (»Schöne Aussicht«). Drei Hymnen für den Shabbat waren auch dadurch sehr verbreitet, daß sie oft den Gebetsbüchern beigefügt wurden. Sie interpretieren im kabbalistischen Sinn den Shabbat und das Verhältnis zwischen Menschen und Gott an diesem Tag. Weitaus komplexer aber ist die Verbreitung der kabbalistischen Lehre L.s. Gershom Scholem unterschiedet vier Quellen, die zur Verbreitung der lurianischen Kabbala beigetragen haben: (1) Chajim Vitals ‘Eẓ Chajjim (»Lebensbaum«), in dem dieser zwischen 1573 und 1576 die Lehre seines Meisters schriftlich niedergelegt hatte. Aus dieser ersten, handschriftlich überlieferten Zusammenfassung der Lehre L.s hatte Vitals Sohn Samuel eine andere Version entwickelt, die wie die Vorlage in acht Teile gegliedert ist. Diese Version wurde vor allem von den sefardischen (spanischen) Kabbalisten als die einzige autoritative Version von L.s Lehre angesehen. Erst im 19. Jahrhundert wurde sie unter dem Titel Shemonah She‘arim (»Die acht Tore«, Jerusalem 1850–98) gedruckt. Verschiedene handschriftliche Zusammenfassungen der Schriften Vitals begannen ab Mitte des 17. Jahrhunderts unter den Gelehrten zu kursieren und wurden am Ende des Jahrhunderts von Meir Poppers aus Krakau einer umfangreichen Revision unterzogen. Poppers gliederte sie in drei Teile, Derekh ‘Eẓ Chajjim (»Der Weg zum Lebensbaum«), PeriE‘ẓ Chajjim (»Frucht des Lebensbaums«) und Nof ‘Eẓ Chajjim (»Wipfel des Lebensbaums«). Diese Fassung von Poppers hatte in Europa eine große Verbreitung, auch bevor sie 1784 in Korzec gedruckt wurde.

Neben dieser über Vital verlaufenden Traditionslinie gibt es drei weitere Quellen, die für die Überlieferung und Konstitution der lurianischen Kabbala von Bedeutung sind. Scholem unterschied deshalb (2) eine unvollständige (es fehlt die Lehre des Zimzum), aber klare Darstellung der lurianischen Kabbala von Moshe Jonah aus Safed mit dem Titel Kanfe Jonah (»Flügel der Taube«, 1582). Davon gibt es zahlreiche Handschriften und eine nicht ganz fehlerfreie Fassung von Menachem Azarja Fano, die erst 1786 in Korzec erschienen ist. (3) Nach L.s Tod lehrte sein Schüler Joseph ibn Tabul die Kabbala seines Meisters weiter. Er verfaßte eine systematische Darstellung, die handschriftlich erhalten ist. Sie ist von besonderer Bedeutung bezüglich der Lehre des Zimzum. (4) Eine vierte Überlieferung, die nach 1590 in Italien und in anderen europäischen Ländern sehr verbreitet war, ist durch die Schriften von Israel Saruq vertreten. Saruq gehörte nicht zu L.s Schülern und lernte die lurianische Kabbala durch die Schriften einiger seiner Schüler kennen. Die daraus abgeleitete Darstellung der lurianischen Lehre ist erheblich durch persönliche Interpretationen von Saruq uminterpretiert. Dennoch wurde sie für lange Zeit als echt und autoritativ betrachtet, teilweise aber auch abgelehnt, weil Saruq lurianische Manuskripte unrechtmäßig an sich genommen haben soll. Infolge dieser unterschiedlichen Überlieferungen entstanden zahlreiche Kommentare vor allem in Italien, in der Türkei und in Nordafrika.

Die zugleich geschichtstheologische und kosmologische Lehre L.s, wie sie in dieser Überlieferungstradition vermittelt wurde, basiert auf drei Haupttheoremen: zimzum (»Selbstbeschränkung«), shevirat ha-kelim (»Bruch der Gefäße«) und tiqqun (»harmonische Ausgestaltung«). Nach der kabbalistischen Lehre des Zimzum, die auf den Sefer ha-‘Ijjun (»Buch der Betrachtung«), einen kabbalistischen Traktat, der dem Rav Chamaj Gaon zugeschrieben wird (Provence 13. Jh.), zurückgeht, ist die Schöpfung durch eine »Selbstbeschränkung« Gottes bedingt. Sie schafft einen leeren Raum (tehiru), in dem die Emanation Gottes erfolgen kann. Die Weltschöpfung erfolgte durch das Einatmen Gottes, »wie ein Mann, der seinen Atem sammelt und zurückzieht«. Diese Interpretation der Schöpfung wird in der lurianischen Lehre zum kosmologischen Grundprinzip, demzufolge – und hier besteht die Originalität L.s – der erste Akt der Schöpfung keine Offenbarung oder Emanation Gottes ist, sondern eine Verbergung. Der Grundgedanke dieser Lehre des Zimzum ist es, daß die unbegrenzte Natur Gottes es nicht zuläßt, daß im Universum ein Raum ohne Gott existiert, weil dies die Natur Gottes begrenzen würde. Der erste Vorgang der Schöpfung erfolgte also nur durch einen Rückzug Gottes in sich selbst. Dadurch erst ermöglichte Gott die Entstehung von etwas, das es nicht gibt, dem en sof, dem »Unendlichen«. In dem frei werdenden Raum ließ Gott nun, gemäß diesem »kosmologischen Drama« (Scholem), sein Licht ausstrahlen. Dieses Licht gestaltete sich zum »Urmenschen« (adam qadmon), aus dessen Öffnungen das Licht der Sefirot ausstrahlte. Die Gefäße, die das Licht auffangen sollten, zerbrachen jedoch, ausgenommen jene der drei obersten Sefirot. Dieser »Unfall« hatte eine reinigende Wirkung, wodurch die »Schalen« des Bösen aus dem Urmenschen ausgeschieden wurden. An den Scherben der zerbrochenen Gefäße blieben »Lichtfunken« haften, die in dämonischen Welten eingefangen wurden. Durch den tiqqun schließlich müssen diese zerstreuten Lichtfunken von Gott wieder eingesammelt und vereint werden. Dafür soll Gott einen Lichtfunken aus der Stirn des Urmenschen ausstrahlen. Doch auch der Mensch kann am tiqqun durch die Erfüllung der Tora und durch Gebete mitwirken und damit die Vereinigung der zerstreuten Lichtfunken beschleunigen.

L. selbst war die Originalität seiner Lehre bewußt. Er betonte vor allem den Unterschied gegenüber dem System von Cordovero. Cordovero hatte sich mit der Welt der Verwirrung (‘olam ha-tohu) beschäftigt, während L. über die Welt der harmonischen Ausgestaltung (‘olam ha-tiqqun) gelehrt hat. Beide waren zwei im Bereich der Emanationen völlig unterschiedliche, und deshalb nicht widersprüchliche, Ebenen des Seins.


Werke:

  • Gesamtausgabe aller L. zugeschriebenen Werke, hg. von Y. Z. Brandwein, 15 Bde., Jerusalem 1988. –

Literatur:

  • G. Scholem, Die jüdische Mystik in ihren Hauptströmungen, Frankfurt a.M. 1980, 267–314.
  • M. Idel, One from a Town, Two from a Clan: A New Look at the Problem of the Diffusion of Lurianic Kabbalah and Sabbatianism, in: Jewish History 7 (1993), 79–104.
  • R. Meroz, Faithful Transmission versus Innovation: L. and his Disciples, in: P. Schäfer, J. Dan (Hg.), Gershom Scholem’s Major Trends in Jewish Mysticism: 50 Years After, Tübingen 1993, 257–275.
  • L. Fine, The Art of Metoposcopy: A Study in I. L.s Charismatic Knowledge, in: L. Fine (Hg.), Essential Papers on Kabbalah, New York 1995, 315–337.

Giuseppe Veltri

Copyright 2003 J.B. Metzlersche Verlagsbuchhandlung und Carl Ernst Poeschel Verlag GmbH in Stuttgart















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Schröder, Bernd (Saarbrücken): Eliezer Schweid, David Hartman
Schulte, Christoph (Potsdam): Max Nordau
Schwartz, Yossef (Jerusalem): Isaak Israeli, Salomon ibn Gabirol, Jehudah Halewi, Maimonides, Eliezer aus Verona
Stenzel, Jürgen (Göttingen): Constantin Brunner
Studemund-Halévy, Michael (Hamburg): Jonathan Eybeschütz
Tarantul, Elijahu (Heidelberg): Jehudah he-Chasid
Valentin, Joachim (Freiburg): Jacques Derrida
Veltri, Giuseppe (Halle): Shimon Duran, Jehudah Abravanel, Joseph Karo, Azarja de’ Rossi, Moshe Cordovero, Jehudah Löw von Prag, Israel Luria, Chajim Vital
Voigts, Manfred (Berlin): Erich Gutkind, Felix Weltsch, Oskar Goldberg, Erich Unger
Waszek, Norbert (Paris): Eduard Gans
Wendel, Saskia (Münster): Jean François Lyotard
Wiedebach, Hartwig (Göppingen): Samuel Hirsch, Moritz Lazarus, Hermann Cohen
Wiese, Christian (Erfurt): Isaak M. Jost, Leopold Zunz, Solomon Schechter, Benno Jacob, Leo Baeck, Julius Guttmann, Mordechai Kaplan, Max Wiener, Ignaz Maybaum, Joseph B. Soloveitchik, Hans Jonas, Abraham Heschel, Eliezer Berkovits, André Neher
Wilke, Carsten (Xochimilco, Mexiko): Juan de Prado, Isaak Orobio de Castro


Die Herausgeber

Otfried Fraisse, promovierte an der FU Berlin zu mittelalterlicher jüdisch-arabischer Philosophie; freier Mitarbeiter des Simon-Dubnow-Instituts an der Universität Leipzig.

Andreas B. Kilcher, Hochschuldozent am Institut für Deutsche Philologie II (neuere deutsche Literatur) in Münster. Bei Metzler ist erschienen: »Die Sprachtheorie der Kabbala als ästhetisches Paradigma« (1998) und »Metzler Lexikon der deutsch-jüdischen Literatur« (Hg., 2000).

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Info: https://www.spektrum.de/lexikon/juedische-philosophen/isaak-ben-salomon-luria/82


unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

20.09.2025

Isaak Luria

spiritwiki.org, Seite besucht am 20. September 2025, 22:55 Uhr


Lurias Grab


Isaak Luria (Yitzchak Luria, Rabbi Jizchaq ben Schlomo Aschkenasi Lurja : Rabbi Isaak, Sohn des Salomo Aschkenasi Luria'; * 1534 in Jerusalem; † 5. August 1572 in Safed in Galiläa) war ein jüdischer Rabbiner, der als Begründer der neuzeitlichen Kabbala (lurianische Kabbala) angesehen wird. In der jüdischen Tradition ist Luria unter dem ehrenvollen Beinamen ARI ('Löwe') bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Lebenslauf

Isaak wurde 1534 in Jerusalem in einer Rabbiner- und Gelehrtenfamilie geboren. Nach dem frühen Tod des Vaters zog die Mutter mit ihm nach Kairo, wo sein Onkel ihn großzog und für eine jüdische Ausbildung sorgte.
Als 22jähriger begann Luria sich mit dem Zohar zu beschäftigen. Er lebte dann sieben Jahre lang auf einer einsamen Nilinsel und besuchte seine Familie nur am Sabbat. Als Asket hatte er vielfältige Visionen, in denen er sich mit dem Propheten Elija unterhielt.

1569 kehrte Luria nach Israel zurück und ließ sich in Safed nieder, wo er Schüler von Moses Cordovero (1522–1570) wurde und so seine kabbalistischen Studien vertiefen konnte.
Die Erkenntnisse Lurias wurden jedoch nur im engen Umkreis mündlich weitergegeben. Luria schrieb nur ein paar kurzen Traktate und drei Hymnen zum Sabbat selbst nieder. Erst nach ihrer schriftlichen Aufzeichnung durch Lurias bedeutendsten Schüler Chajim Vital verbreiteten sich seine Lehren gegen Ende des 16. Jahrhunderts.

Lurianische Kabbala

Der Kern der lurianischen Kabbala baut auf der Lehre des Buches Sohar auf, das Rabbi Shimon bar Johai aus dem 2. Jahrhundert zugeschrieben wurde(Zimzum – Schevirath ha-kelim – Tikkun; Kawwanah - Debhequth). Bedeutende Punkte sind

  1. Der Tzimtzum ('Zusammenziehung oder Rückzug') ist ein Akt göttlicher Selbstbeschränkung des En Sof, der erst die Schöpfung ermöglicht. Dieser Rückzug von Gott ist eine Metapher für Exil.
  2. Bei der Emanation der göttlichen Kräfte offenbart sich zuerst der göttliche Wille zur Schöpfung, der durch die erste Sefira Kether('Krone') repräsentiert wird. Die weiteren Sefirot als zehn Dimensionen des Seins entstehen und gleichzeitig auch der erste Geistmensch, Adam Qadmon. Von Adam Qadmons Gesicht strömt Licht in die Gefäße der Sefirot.
  3. Es kommt zu einem Unfall im Schöpfungsgeschehen, weil das Licht zu stark ist. Die Gefäße brechen (Bruch der Gefäße, hebr. Schwirat ha-Kelim) und die Schöpfung gerät dadurch in Unordnung. Alle Geschöpfe befinden sich ab jetzt im Exil, von der Mikrobe bis zur Schechina als weiblicher Erscheinung Gottes.
  4. Die materielle Welt entsteht, in der Gutes und Böses gemischt sind. Die Lichtfunken sind in den Qlipot (Schalen) gefangen.
  5. Im Tiqqun, einem komplizierten Prozess der Wiederherstellung, wird das Licht aus den Qlipot befreit und zum Ursprung zurückgebracht. Dem Menschen kommt dabei eine entscheidende Rolle zu. Gilgul (Seelenwanderung bzw. Reinkarnation) und Ibbur (Schwängerung einer lebenden Seele durch eine andere Seele) spielen eine Rolle wie auch die Kawwana als meditatives Gebet, daneben aber auch Askese und die Erfüllung der Mitzwot(Gebote).

Ein weiterer Aspekt der lurianischen Kabbala ist die im Sohar adaptierte Mythologie der kastilischen Kabbalisten, welche eine dämonische Gegenwelt beschrieben, die aus der "linken anderen Seite" (sitra ahra) emanierte und an deren Spitze als männliche böse Macht Samael und sein Prinz Asmodeus stehen.

Werke

  • Sefer shaʻar hagilgulim: the eighth gate of the eight, well-known gates, Autor Isaac ben Solomon Luria(Rabbi Hayyim Vital), Verlag Thirty Seven Books Pub., 2003, ISBN 0972792406, 9780972792400
  • Ets Chaim (Baum des Lebens)
  • Sjmone sjaarim" (acht Tore)
  • Shaar Ruach Ha-Kodesh - Tor des heiligen Geistes, Chayim Vital, übersetzt von Baal Even, Verlag David Smith, LLC, 2016, ISBN 1988631548 ISBN 9781988631547
  • Sha'ar ha-Kavvanot (Tor der Absichten)
  • Sefer Ez Hajjim ('Baum des Lebens'), Chajim Vital, Jerusalem 1910

Literatur

Weblinks


Info: https://spiritwiki.org/w/Isaak_Luria


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20.09.2025

Isaak Luria – Die Aktualität der jüdischen Mystik




Ziel frommer Verehrung: Das Grab des Isaak Luria in Safed, Israel  

christen-und-juden.de, von Wolfgang Pauly, Seite besucht am 20. September 2025, 23:16 Uhr
Religionen und Philosophien erheben den Anspruch, unterschiedliche Antworten auf zentrale Fragen des Menschen zu geben. Diese Antworten wirken oft fremd und aufgesetzt. Meist sind sie allerdings einfach auch unbekannt und selbst wenn sie bekannt werden, bleiben sie doch meist unverstanden. Ein wichtiger Grund für dieses Missverhältnis zwischen Frage und Antwort kann darin gesehen werden, dass oft Antworten gegeben werden, ohne die vorausgehende Frage überhaupt zu kennen. Dies gilt auch für die mystischen Traditionen in vielen Kulturen. „Mystisch“ bedeutet dann für Außenstehende meist soviel wie „unverständlich“ oder eine nicht nachvollziehbare Geheimlehre, die nur wenigen Eingeweihten offen steht. Die Fragen und Antworten sind dabei so vielfältig wie die Menschen selbst. Nie kann ungeschichtlich und eindimensional von „der“ Frage und einer einzigen darauf passenden Antwort gesprochen werden. Allerdings scheint es eine Grunderfahrung zu geben, die viele Menschen ob jung oder alt, ob Frau oder Mann, ob arm oder reich bewegt. Sie artikuliert sich in vielen Formen. Ihre Konkretion ist abhängig von Kultur, Sprache und Geschichte. Der am 8. Juli 1885 in Ludwigshafen geborene und am 4. August 1977 in Tübingen gestorbene Philosoph Ernst Bloch hat diese Grunderfahrung expressionistisch kurz formuliert: „Ich bin. Aber ich habe mich nicht. Darum werden wir erst“ (Bloch 1977, S. 13). Diese Formulierung der Grunderfahrung ist allerdings auch ihrerseits klärungsbedürftig. „Ich bin“: Der Mensch ist da, er ist körperlich vorhanden. Er nimmt unterschiedliche Funktionen in Familie und Gesellschaft wahr, spielt seine Rolle im Beruf und in der Freizeit. Doch dieses Vorhandensein scheint ihn nicht zu befriedigen. Zumindest in Phasen der geplanten oder ungeplanten Ruhe wie beispielsweise im Urlaub oder bei Krankheit überfällt ihn ein Gefühl des Ungenügens und der Leere: „Aber ich habe mich nicht“. Er ist weder ganz bei sich noch ganz beim andern. Vorgefertigte Lebensschablonen und Denk- und Deutekategorien helfen nicht wirklich weiter. Erfüllung und Gelingen stehen noch aus: „Darum werden wir erst“. Interessant ist bei Bloch der zweifache Wechsel von „ich bin“ zum „werden wir erst“. Das statische Dasein des „ich bin“ geht zunächst über in einen dynamischen Entwicklungsprozess: vom Sein zum Werden. Darüber hinaus verlässt der Autor die Rückschau auf ein einzelnes Ich zugunsten der Sozialdimension: wir werden erst. Ein dynamisches Leben, offen für Weiterentwicklung und Veränderung, bereit zum Wagnis des Neuen und das alles nur zusammen mit anderen: dies scheint der Horizont, auf den Ernst Bloch mit seiner Deutung der menschlichen Grunderfahrung verweist. Genau da setzt auch die Mystik ein. Myo – „die Augen schließen“ lautet die sprachliche griechische Wurzel. Die Augen schließen, um wach zu werden für das, was hinter / unter / jenseits des vordergründigen Eindrucks liegt. Die Augen schließen, um dadurch den Blick für Wesentliches zu öffnen. Die griechische Tragödie kennt die Figur des „blinden Sehers“ Teiresias, der mehr sieht als diejenigen, die offenen Auges in die Katestrophe laufen. So gibt sich Mystik auch nicht mit tradierten Antworten aus Religion und Gesellschaft zufrieden, nicht mit dem, was sozusagen „augenscheinlich“ da ist. Es geht ihr vielmehr um eine Tiefendimension des Lebens, an die Katechismuswahrheiten nicht heranreichen. So kann Mystik zur revolutionären Gegenbewegung werden gegenüber Vergegenständlichung, Verobjektivierung und Rationalisierung in Religionen und Theologien. Die insbesondere von Frauen gelebte und gelehrte Mystik des Mittelalters ist ein Protest gegen die Rationalisierung der männlich dominierten Scholastik der christlichen Theologie. Der Sufismus kann verstanden werden als Gegenbewegung gegenüber dem Gelehrtenstreit verschiedener muslimischer Denk- und Lebensschulen wie der Sunniten und Schiiten. Die jüdische Mystik wehrt sich gegen die Vergegenständlichung und Rationalisierung der rabbinischen Theologie. Nicht zuletzt ist ihre Rezeption ein Gegenpol zur Haskala, der jüdischen Aufklärung. Die Balance zwischen Kopf und Herz, zwischen Verstand und Gefühl zu halten, war dabei nicht immer leicht. Die Kritik an der Verkopfung der Religion konnte ihrerseits zu Irrationalität und Undurchschaubarkeit führen.
Die jüdische Mystik verdankt sich stark spätbiblischer apokalyptischer Traditionen (vgl. Schäfer 2011, S. 15 – 162). Sie entfaltet sich in Spanien und in der Provence ab dem 12. Jahrhundert in geographischer und gedanklicher Nachbarschaft zu den christlichen Reformbewegungen der Katharer und Albigenser. Verschriftet werden die in sich sehr unterschiedlichen Traditionen im Sohar, dessen ältester Teil etwa 1275 entsteht (vgl. Scholem 1988, S.171 – 223). Ähnlich wie der rabbinische Talmud erfährt der Sohar zahlreiche redaktionellen Bearbeitungen. Als „Werk im Prozess“ umfasst er schließlich fünf Bände. Als 1492 die Juden zusammen mit den letzten Muslimen von Isabella von Kastilien und Ferdinand von Aragon, den Katholischen, aus Spanien vertrieben werden, nehmen sie den Sohar mit in die Diaspora. 1558 bzw. 1560 erfolgen die ersten Druckausgaben in Mantua bzw. in Cremona. Im Exil, in der Fremde suchen sie in ihm nach Antworten: „Wie konnte dies geschehen?“ Das Exil selbst wird zur Metapher der existentiellen Grunderfahrung: „Ich bin. Aber ich habe mich nicht“. Diese Erfahrung ist so unabgeschlossen wie ihre jeweilige kultur- und geschichtsabhängige Deutung. Die „Kabbala“ sammelt die verschrifteten Erfahrungen und deren auf dem Sohar basierende Deutungen. Um die eigene Identität in der Fremde zu wahren, schließt man sich ab und verbleibt bei eigenen Traditionen: „Kabbala gilt im doppelten Sinn als Geheimlehre: Zum einen behandelt sie die Grundfragen und tiefsten Geheimnisse des menschlichen Dasein, der himmlischen Welt und der Schöpfung, zum anderen wurde sie innerhalb eines ausgewählten Kreise von Eingeweihten tradiert“ (Necker 2008, S.11).
Eine der bedeutendsten Gestalten der jüdischen Mystik ist Isaak Luria. 1534 wird er in Jerusalem als Sohn des Salomo Luria Aschkenasi und einer aus dem sephardischen Judentum stammenden Mutter geboren. Östliches und westliches Judentum treffen sich somit in seiner Familie. Nach dem frühen Tod ihres Mannes zieht die Mutter zu ihrem Bruder nach Kairo. Hier wird Isaak später eine Cousine heiraten. Den Lebensunterhalt erwirbt er zeitlebens durch seine Tätigkeit als Kaufmann – noch drei Tage vor seinem Tod ordnet er seine Geschäftsbücher (vgl. Necker 2008 S.84). Vergleichbar den großen Propheten und Religionsstiftern zieht er sich dabei immer wieder in die Einsamkeit zurück, hier insbesondere auf die Nilinsel Djazirat al-Rawda. Sein Interesse gilt der tradierten Kabbala, insbesondere aber dem Sohar. Nach 1569/70 zieht er sich in das galiläische Sefad zurück, jenes wichtige Zentrum jüdischer Mystik, „in dem die neue religiöse Bewegung sich am großartigsten kristallisierte und von der aus sie ihren Siegeszug durch die jüdischen Gemeinden aller Länder der Diaspora angetreten hat“ (Scholem 1988, S.275f). Isaak Luria nimmt hier Unterricht bei den angesehenen Rabbinern David ben Shlomo ibn Zimra und bei Bezalel Ashkenasi. Schnell bildet sich um ihn ein Schülerkreis. Insbesondere Chajim Vital und Josef ibn Tabal sammeln die Worte ihres Lehrers und beanspruchen dabei für ihre durchaus unterschiedlichen Aufzeichnungen und deren Interpretationen die Autorität Isaak Lurias. Dieser selbst – auch dies ein bei großen Gestalten der Religionsgeschichte bekanntes Phänomen – hat selbst keine größeren schriftlichen Aufzeichnungen hinterlassen. „Er hatte die Gabe der Feder nicht. Als einmal einer seiner Schüler, die in ihm ein Wunder Gottes verehrt zu haben scheinen, ihn fragte, warum er kein Buch über seine Lehre verfasse, in dem er alles systematisch darstelle, antwortete er: ´Das ist nicht möglich, weil alles miteinander verbunden ist. Kaum öffne ich meinen Mund, um die Dinge zu sagen, so ist es mir, als öffneten sch die Dämme des Meeres und überfluteten alles. Wie soll ich also das sagen, was meine Seele empfangen hat, und wie soll ich es gar in einem Buch niederschreiben?´“ (Scholem 1088, S.278). Später wird auch der bekannte litauische Gelehrte Salomon Maimon (1754 – 1800) sagen: „Von Rabbi Isaak Luria selbst hat man einige unzusammenhängende Schriften. Sein Schüler aber, Rabbi Chaim Witall, hat ein großes Werk unter dem Titel „Ez Chaiim“ („der Baum des Lebens“) geschrieben“ (Necker 2008, S. 30). Ohne seine Schüler wäre Luria heute vielleicht weitgehend vergessen. Allerdings unternehmen eben diese Schüler auch viele Systematisierungen seiner Gedanken, die möglicherweise in Lurias Denken so gar nicht angelegt ist. Zudem tragen Schüler – bewusst oder unbewusst – zur Legendenbildung bei der Darstellung ihres Lehrers bei. Auch legen sie ihrem Lehrer deutende Hoheitstitel zu, wie dies auch in der christlichen Tradition mit der Zuschreibung des Messiastitels für Jesus von Nazareth oder durch seine Nennung als Sohn-Gottes bekannt ist. Luria wird so zum „Ari“, zum Löwen, wenn dies auch nicht als Selbstbezeichnung überliefert ist. So tragen die beiden Sammelbände mit Sprüchen Lurias folgerichtig die Titel „Toldot ha-Ari“ („Geschichte bzw. Sprüche des Löwen“) und „Shivhe ha-Ari“ (Lobpreisungen des Löwen“. Auch ohne sich die Versuche der Systematisierung und dadurch auch die Verobjektivierung durch den Schülerkreis zu eigen zu machen, kann man dem Urteil des großen Kenners der jüdischen Mystik, Gershom Scholem (1897 – 1982), zustimmen, der von Isaak Lurias Denken sagt: „eine der erstaunlichsten und weitest reichenden mystischen Ideen, die in der Kabbala je gedacht worden sind“ (Scholem 1957, S.285). Lurias Gedanken kreisen um die Begriffe Gott, Schöpfung, Mensch und Versöhnung. Dabei sind seine Gedanken nie abstrakt, sondern sie sind von praktischer Lebenserfahrung gesättigt. Wir finden bei ihm gerade keine lehr- und lernbaren Katechismuswahrheiten, sondern ausgesprochen wird in ihnen die „Dialektik der menschlichen Grunderfahrungen“ (Necker 2008, S.77).   Zentrale Grundgedanken Schöpfung
Viele Schöpfungsmythen und die ihnen nachfolgenden theologischen Deutungen haben ein gemeinsames gedankliches Problem zu bewältigen: wenn es die Götter oder einen einzigen Gott bereits vor der Schöpfung gab, wie und warum konnte es dann eine Schöpfung, also etwas anderes als Gott geben? Ist Schöpfung eine Emanation Gottes, also ein Ausfluss des Göttlichen in die Materie? Wird dann die Materie aber nicht selbst vergöttlicht oder gerade im Gegenteil als Gegensatz zum Göttlichen dämonisiert? Woraus ist die Schöpfung geschaffen, wenn nicht nur aus reiner Göttlichkeit? Warum und wozu haben die Götter oder Gott dieses große Werk überhaupt in Gang gesetzt? Wenn es aber die Götter oder den einzigen Gott vor der Schöpfung noch gar nicht gab, wenn diese also selbst als zeitlich und geschichtlich gedacht werden, kann man dann noch von den ewigen, unsterblichen Göttern sprechen? Die klassische Antwort auf diese Fragen bietet im Christentum die Lehre von einer „creatio ex nihilo“, der Lehre von einer Schöpfung aus dem Nichts. Der Grund und das Material der Schöpfung liegen ausschließlich in und bei Gott. Außer Gott gab es zunächst nichts. Alles, was ist, verdankt sich ausschließlich seinem Schaffen. Die katholische Kirche erhebt diese Schöpfungsvorstellung zum offiziellen Ausdruck ihrer Lehre: „Wir glauben, dass Gott zum Erschaffen nichts schon vorher Existierendes und keinerlei Hilfe benötigt. Die Schöpfung ist auch nicht zwangsläufig aus der göttlichen Substanz ausgeflossen. Gott erschafft in Freiheit ´aus nichts´“ (Katechismus der katholischen Kirche, 1993, S. 109, Nr. 296). Die vielfältigen Ausgestaltungen dieser Antwort prägen auch heute noch die Vorstellung vieler Menschen über die Entstehung von Kosmos und Mensch: alles muss einen Anfang gehabt haben, von nichts kommt nichts. Wenn allerdings die katholische Kirche lehrt: „Der Glaube an die Schöpfung ´aus nichts´ wird in der Schrift als eine verheißungs- und hoffnungsvolle Wahrheit bezeugt“ (Katechismus der Katholischen Kirche 1996, S.109, Nr. 297), dann irrt sie. Im ganzen Kontext der Bibel wird lediglich ein einziges Mal der Ausdruck von einer „Schöpfung aus dem Nichts“ erwähnt und zwar im zweiten Buch der Makkabäer (2 Makk 7,28). Und selbst in diesem eher randständigen und in griechischer Sprache geschriebenen Spätwerk der hebräischen Bibel hat dieser Ausdruck eine andere Funktion und Bedeutung, als die Entstehung der Welt zu klären. In dem Text wird erzählt, dass in den Kämpfen Israels um seine staatliche und kulturelle Identität im zweiten vorchristlichen Jahrhundert viele Menschen gestorben sind. Ein junger Mann fragt nach dem Tod seiner Brüder in diesem Freiheitskampf seine Mutter, ob auch er sich der Aufstandsbewegung der Makkabäer anschließen soll, selbst wenn auch ihm der Tod drohe. Die Mutter tröstet ihren Jüngsten und sagt: „Ich bitte dich, mein Kind, schau dir den Himmel und die Erde an; sieh alles, was es da gibt, und erkenne: Gott hat das aus dem Nichts erschaffen“ (2 Makk 7, 28ff). Die Rede der Mutter von einer „Schöpfung aus dem Nichts“ möchte hier keine Weltentstehungsformel geben. Sie will vielmehr Trost und Hoffnung vermitteln: siehe, Gott kann dort, wo keine Hoffnung besteht, wo alles als nichts und als sinnlos erscheint, neues Leben schenken. Dass diese biblische Erzählung gerade nicht als Ausgangspunkt einer theologischen Schöpfungslehre im Sinne einer „creatio ex nihilo“ verwendet werden kann, zeigt allein schon die Tatsache, dass eine solche Lehre in den ersten 1200 Jahren der christlichen Theologiegeschichte kaum ausgebildet wurde. Erst im 13. Jahrhundert formuliert das 4. Laterankonzil 1215 diese Lehre als für den christlichen Glauben verbindlich. Dies ist wiederum zeitgeschichtlich nur durch den Kampf Roms gegen die Bewegungen der Katharer und Albigenser zu verstehen, die zwei mehr oder weniger gleich mächtige Ursprungsgewalten von Gut und Böse, von Gott und dem Teufel postulierten. Hier gilt die kirchliche Lehrmeinung: Gott ist einer und als solche ist er der Ursprung von allem. Außer ihm gab es nichts, und aus diesem „Nichts“ hat er folgerichtig alles erschaffen (vgl. Pauly 2008, S.41–71). Isaak Luria setzt in seinen Gedanken andere Akzente. Vor der eigentlichen Schöpfung bedurfte es nach ihm einer besonderen Vorbereitung. Ganz konsequent das Bild zu Ende gedacht von einem Gott, der alles in allem ist und folgerichtig auch alles ausfüllt, stellt sich die Frage, wo denn überhaupt Platz für eine Schöpfung sein könnte. Lurias Schüler und Interpret Samuel Vital beschreibt dies so: „Bevor irgendeine Emanation hervorkam, gab es nur das einfache göttliche Licht, es erfüllte die ganze Wirklichkeit, kein Platz war frei, nirgendwo ein leerer Raum, sondern alles erfüllt von diesem einfachen des En – Sof. Es gab weder Anfang noch Ende, alles war vielmehr ein einziges undifferenziertes Licht. Dieses Licht heißt En – Sof“ (Necker 2008, S.80). En – Sof als Ausdruck für eine Gottheit, die alles in allem ist, reine Ununterschiedenheit. Mit naturwissenschaftlichen Begriffen verdeutlicht: Energie ohne Form, oder plastisch ausgedrückt: „Ursuppe“ ohne Differenz. Der erste Akt der Schöpfung musste folglich darin bestehen, erst einmal Raum für die zukünftige Schöpfung zu schaffen. Wenn die Gottheit aber bereits überall ist, gibt es keinen Freiraum, in den sie sich zurückziehen und so Platz für die Schöpfung schaffen könnte – außer dass er sich in sich selbst zurückzieht. Genau dieser Gedanke des „Zimzum“, des Zurückziehens auf sich selbst, wird zur Vorbedingung der lurianischen Schöpfungserzählung. Selbst-Rückzug, Selbst-Verschränkung und schließlich Selbst-Beschränkung beschreiben die Details: „Der erste aller Akte ist also kein Akt der Offenbarung, sondern ein Akt der Verhüllung und Einschränkung. Erst im zweiten Akt tritt nun Gott mit einem Strahl seiner Wesenheit aus sich hinaus und beginnt seine Offenbarung oder seine Entfaltung als Schöpfergott in jenem Urraum, den er sich selbst geschaffen“ (Scholem 1988, S. 287). „Zimzum“ aber ist mehr als die mythologische Umschreibung der Vorgeschichte der Schöpfung. Sie ist Ausdruck einer Lebenswirklichkeit: in ihr spiegelt sich das Selbstverständnis Lurias von dem Leben der Juden in der Diaspora wider, ein Judentum, das nach der Vertreibung aus Spanien 1492 wie so oft in früheren Zeiten und auch später leben muss in einer Welt, aus der sich Gott zurückgezogen hat. „Zimzum“ hat aber auch Konsequenzen für das Verständnis Gottes selbst: war er im Weltbild des Mittelalters für alles zuständig und füllte so gleichsam alles aus, so zieht er sich am Beginn der Neuzeit gleichsam zurück. Er schafft Frei-Raum für die Schöpfung, nicht zuletzt für den Menschen. Jetzt entsteht die Möglichkeit des Werdens, der Entwicklung, der Geschichte, während bisher alles geordnet und scheinbar unveränderlich beim Alten blieb. Der Mensch steht nicht im ungeteilten Licht der Gottheit. Sein Platz ist in der Zweideutigkeit, der Ambivalenz. Er hat durch den Rückzug Gottes die Freiheit der Entscheidung – ist aber gleichzeitig zu eben dieser Freiheit und zu verantwortungsvollem Handeln verurteilt. Insofern spricht sich bereits hier in Lurias Gedanken der Bruch zwischen mittelalterlichem und modernem Weltbild aus. Warum aber konnte oder musste es gar zur Schöpfung kommen? Die Lichtmetapher Lurias zeigt den Weg. Wenn bisher die Gottheit ununterscheidbares Licht war, dann stellt sich die Frage, was denn Licht sein könnte oder einen Gegenstand, ohne Materie, in dem sich das Licht brechen und spiegeln könnte. Licht ohne Widerschein ist nicht erkennbar, es ist nichts. Insofern kann hier eine Rede von einer Schöpfung aus Nichts eine sinnvolle und nachvollziehbare Interpretation erfahren: nicht nur die Schöpfung, auch Gott selbst ist an sich „Nichts“. Erst die Begegnung von Gott und Schöpfung, ihre Relation, verschafft beiden Existenz und Erfahrbarkeit. Die Gottheit braucht die Schöpfung und den Menschen, um zu sein, die Schöpfung und der Mensch brauchen die Gottheit, um sinnvoll und erfüllt zu sein. Luria konkretisiert dies in dem Bild vom „Adam Kadmon“ (vgl. auch die ähnliche Licht -Metapher in der islamischen Mystik des Sufismus, Schimmel 1995, S. 281f).
Adam Kadmon
Mit „Adam Kadmon“ beschreibt die lurianische Mystik das himmlische Ur-Bild des Menschen. Nicht zu verstehen ist dieser als erster Mensch, als Adam. Adam besteht aus Adama, aus Materie, konkret aus Ackerboden, wie die ältere Schöpfungserzählung der Genesis es beschreibt (vgl. Gen 2.4bff). Adam Kadmon aber ist noch ganz erfüllt vom Licht des En – Sof, er ist rein spirituell und deswegen ohne Materie. Er steht gleichsam für die Welt der Geistwesen, der Engel: “Adam Kadmon ist nichts als eine erste Konfiguration des göttlichen Lichts, das aus der Essenz des En – Sofs in den Urraum des Zimzum hineinströmte … Er ist also die erste und höchste Form, unter der die Gottheit sich nach dem Zimzum zu manifestieren beginnt“ (Scholem 1988, S. 291). Je weiter sich aber nun Adam Kadmon von dem sich verschränkenden En – Sof entfernt, umso deutlicher tritt der konkrete Mensch hervor: in der Zweideutigkeit des Lebens ist ihm göttliches Licht nicht mehr ungebrochen zugänglich. Die kabbalistische Spekulation spricht von 10 Stufen und Graden, den „Sefiroth“, in denen sich abstufend die Gottheit manifestiert. Die spezifische Existenz des Menschen kann mit dem Bild vom „Sündenfall“ beschrieben werden: sein Lebensraum ist in der Gebrochenheit, er ist aus dem Paradies vertrieben, er existiert „jenseits von Eden“. Durch die Gebrochenheit des Menschen werden gleichsam alle Stufen der göttlichen Manifestationen, alle „Sefiroth“, mitbetroffen. Sein Handeln hat Konsequenzen für alles Leben, für die gesamte Schöpfung. Hier wäre der Ort, auch über die theologische Rede von einer „Erbsünde“ als der Verflochtenheit allen menschlichen Handelns mit allen Dimensionen der Wirklichkeit neu zu reflektieren. Trotz Gebrochenheit und Fall bleibt dem Menschen aber „neshama“. Dies ist der Teil seiner Seele, in dem als göttlicher Funke die Erinnerung und die Hoffnung, das zurückgelassene Paradies und der ersehnte Himmel zugleich aufleuchtet. Der im Menschen eingeschlossene göttliche Funke führt dabei keineswegs zu einer Weltabwendung und zur Verachtung des Leibes und der Materie. Der in der lurianischen Mystik auftauchende Gedanke einer Seelenwanderung besagt, dass ein Mensch ohne Leib und Welt gerade kein Mensch ist: „Der schlimmste Zustand für die Seele ist ihr Ausschluss aus dieser Welt, wenn sie unerlöst und nackt in der Welt des Tohu umherirren muss, wenn ihre Sünden so groß waren, dass ihr eine Wiederverkörperung nicht erlaubt ist“ (Necker 2008, S.148). Die Verbindung von lichtvoller Seele und materiellem Leib ist somit gerade keine Bestrafung, kein Zustand, aus dem man Erlösung erhofft. Gelingen, Heil, Himmel gibt es nur in Verbindung von Geist und Materie, von göttlichem Licht und irdischer Materie. Die Christen beschreiben diese Abwehr eines leibfeindlichen Dualismus mit dem Bild von einer leiblichen Auferstehung der Toten.
Der Mythos vom Bruch der Gefäße
Das Sprachbild vom „Bruch der Gefäße“ („Schebirath ha-Kelim“) liegt bereits lange vor Isaak Luria in der Tradition der Kabbala vor. Hier aber erhält es eine originelle Deutung. Seine Aufgabe liegt darin, den erfahrbaren Zustand von Kosmos und Mensch zu deuten und gleichzeitig die Frage nach der Ursache dieser Ambivalenz, der Zweideutigkeit der Erfahrungswelt des Menschen, zu beantworten. Die unterschiedlichen Varianten der Erzählung stimmen darin überein, dass das Licht, als es vom sich zurückziehenden En – Sof in die unteren Sefirot strömte, die Begrenzungen dieser „Schalen“ sprengte. Insbesondere die unteren sieben „Gefäße“ oder „Schalen“ („Kelim“) der Sefiroth konnten das Licht nicht mehr halten und zerbrachen. Die Ursachen dieser kosmischen Katastrophe sind vielfältig: „Als unmittelbare Ursache werden gewisse technische Unvollkommenheiten in der Struktur jener sefirothischen Welt der Atome oder Punkte angegeben, aus denen dann der ´Unfall´ der Schebira sich mit Notwendigkeit ergeben musste“ (Scholem 1988, S. 293). Hinter der Frage nach der Ursache des Bruchs steht das Problem, wie das Dunkle in die Welt des Lichts, wie das Böse in die Welt des Guten und damit oft verbunden: wie die Materie in die Welt des Geistes eindringen konnte. Die Folgen dieses Bruches beschreibt Necker anschaulich anhand lurianischer Texte: „An den Bruchstücken (ha-shvarim“ bleib ein Teil des Lichts wie Tropfen oder Funken (nizozot) zurück. Das gleicht einem Gefäß, das voller Öl war, und zerbrach. Das Öl wurde verschüttet, aber an den Bruchstücken blieb etwas Flüssigkeit des Öls zurück, sie glichen Tropfen oder Funken. Als jene Bruchstücke auf den Boden der Welt der Herstellung (asija) hinabfielen, entstanden aus ihnen die vier Elemente – Feuer, Luft, Wasser und Erde – aus denen sich die vier Ebenen der mineralischen, pflanzlichen, tierischen und menschlichen Formen entwickelten. Als alle Dinge Gestalt angenommen hatten, blieben einige der Tropfen in diesen vier Bereichen verborgen“ (Necker 2008, S.126; vgl. zur Metaphorik der Lichtfunken auch Ariel 1993, S. 228 – 260). Alles ist somit von der Ambivalenz von Licht und Dunkel, von Heil und Unheil betroffen: Öl und Scherben, Licht und Materie sind miteinander verwoben. Vielfältige Beispiele können dieses Bild als Ausdruck menschlicher Grunderfahrungen aufzeigen: Das Messer kann für einen Menschen ein Hilfsmittel oder ein Mordinstrument sein. Selbst ein menschlicher Kuss kann einerseits der Ausdruck einer tiefen persönlichen Beziehung zwischen Mensche nsein, er kann aber wie der Kuss des Judas im Ölberggarten zum Zeichen des Verrates an dem Freund Jesus werden. Die Gebrochenheit des Lebens ist grundsätzlich. Der Bruch ist total, er umfasst auch die Schöpfung, die nach Paulus nach Erlösung seufzt (vgl. Röm 8,22 ff). Es ist wenig sinnvoll, den letzten Grund für diese den gesamten Lebensvollzug des Menschen prägenden Zweideutigkeit erfragen zu wollen: „Immer blieb natürlich an diesem Versuch, die Entstehung des Bösen oder, besser, dessen Mythos rational zu erklären, irgend etwas Unbefriedigendes zurück, ein unauflöslicher Rest, wie bei allen Versuchen, die Frage unde malum? zu beantworten“ (Scholem 1988, S.294). Alle existentiellen Fragen des Menschen lassen sich nicht rational beantworten. Deswegen werden diese auch dem Bereich des Transzendentalen, des Jenseits zugezählt. Transzendent, jenseits aber hier gerade nicht verstanden im Sinne einer spekulativen Theologie oder Metaphysik, sondern eben im ganz konkreten Sinne eines jenseits des Berechenbaren oder instrumentell-technisch Machbaren. Insofern bewahrheitet sich auch hier die häufig bei unvorhergesehenen Sterbefällen ausgesprochene Wahrheit jenseits ihrer mythologischen Sprache: „Gottes Wille kennt kein warum“. Begründetes Fragen versagt, trotz seiner unbestrittenen Leistung im Bereich der Technik und Weltbeherrschung, wenn es um existentielle Fragen nach Heil oder Unheil, nach Gelingen oder Misslingen menschlichen Lebens geht. Der Mensch existiert im Zustand der „Vermischung“ von Licht und Dunkelheit, von Geist und Geistlosigkeit, von Heil und Unheil. Auch die religiöse Welt- und Lebensdeutung vollzieht sich zusammen mit jeder religiös deutbaren Praxis mitten in dieser Ambivalenz inmitten dieser Welt, an dieser Welt und mit dieser Welt. Isaak Lurias Bild vom „Bruch der Gefäße“ bietet somit ein anschauliches Bild dieser existentiellen Wahrheit. Das von ihm am eigenen Leib erfahrene Exil wird so zur Metapher menschlichen Daseins. Sehr anschaulich dargestellt hat diese Grunderfahrung der Maler Anselm Kiefer in seinem Bild „Shebirat Ha Kelim“ von 1990. Der Arbeitskittel des Malers versammelt in den Taschen die zahlreichen (Glas- und Spiegel-) Splitter des zerbrochenen En – Sof. Der Alltag, die Arbeit und ganz besonders die Kunst sind Orte, wo sich Elemente des ursprünglichen, himmlischen Zustandes finden lassen (vgl. Kiefer 2011; zu den zahlreichen Bezügen von Kiefers Werk auf die jüdische Mystik vergleiche auch seine Dankesrede zur Verleihung des Friedenspreises des deutsches Buchhandels S. 134 - 143).
Der Weg der Erlösung
Liefert die Rede von der „Zerstörung der Gefäße“ ein anschauliches Bild zur Zustandsbeschreibung menschlichen Daseins, so ist ihm auch bereits ein Weg angedeutet, wie diese Grundbefindlichkeit zwar nicht einfach behoben, sondern wie inmitten der so beschriebenen Welt sinnvoll gelebt werden kann: „Das ganze Bestreben des jüdischen Menschen (ha adam ha israeli) soll es sein, diese Tropfen, die in dieser Welt verborgen sind, emporzuheben, sie durch die Macht seiner Seele zur Heiligkeit emporzuheben“ (Necker 2008, S.126). Mit Scholems Worten: „Die Restitution des idealen Zustandes, auf den die Schöpfung ursprünglich zielte, ist nun das geheime Ziel allen Geschehens“ (Scholem 1988, S. 294). Sprachlicher Ausdruck dieses Geschehens ist „Tikkun“. Im mythischen Bild ausgedrückt besteht die Aufgabe des Menschen darin, überall in der Zweideutigkeit die „Lichtfunken“, die „Tropfen“ der Eindeutigkeit zu sehen und zu sammeln. Überall dort, wo inmitten von Sinnlosigkeit sinnvolle Erfahrung gemacht und mit anderen geteilt wird, geschieht „Tikkun“, überall dort, wo inmitten von Zweideutigem eindeutig Gutes ermöglicht wird, geschieht Jenseitserfahrung. Auch dies nicht abstrakt, idealistisch oder metaphysisch, sondern in, an und mit der Welt. So können auch scheinbar banale Alltagserfahrungen zum „Tikkun“ beitragen. Isaak Luria erwähnt beispielsweise das Essen: „ Bei allem, was der Mensch tut, erreicht er einen Tikkun, sogar beim Essen. Der Mensch soll nicht denken, dass der Heilige, er sei gepriesen, will, dass der Menschen in dieser Welt nur zu seinem körperlichen Vergnügen isst, nur um seinen Bauch zu füllen. Vielmehr soll er einen Tikkun erreichen“ (Luria nach Necker 2008, S. 159). Wenn Essen mehr ist als Kalorienzufuhr, wenn menschliches Essen wirklich ein Grundvollzug des Lebens ist und er sich gerade darin vom Fressen der Tiere unterscheidet, dann leistet er auch hier einen wichtigen Beitrag zum „Tikkun“, zur Erfahrung paradiesischen Lebens unter irdischen Bedingungen. Gerade in der jüdisch - christlichen Tradition finden sich zahlreiche Beispiele für ein Essen, das zum Gottesdienst werden kann (vgl. zum Beispiel die Gemeinschaftsmähler der Essener, die Familienliturgie des Seder-Abends oder im Christentum das eucharistische Mahl). Es bleibt die Frage, ob „Tikkun“ wirklich „Wiederherstellung“ bedeutet. „Wiederherstellen des Urzustandes“, alles „auf Null“ bringen, heißt letztlich das Auslöschen von Geschichte: so tun, als ob es den Bruch, die Ambivalenz nie gegeben hätte. Menschliches Handeln wäre dann nur Mittel zum Zweck der Re-Formation. Ein an der Aufklärung orientiertes dialektisches Denken könnte hier eine Alternative zur „Wiederherstellung“ des Urzustandes bieten: im Dreischritt von These – Antithese – Synthese könnte dies bedeuteten: Dem Urzustand des ununterscheidbaren En – Sof folgt die Ambivalenz der Schebirath ha-Kelim. Aufgabe des Menschen wäre demnach gerade nicht die Wiederherstellung des ungebrochenen Lichts. Er soll vielmehr inmitten der Gebrochenheit die zerstreuten Lichtfunken bergen und sammeln. „Tikkun“ wird zu vermittelnden Synthese: Leben inmitten von Tod, Ewigkeit inmitten der empirischen Zeit, und inmitten der geschichtlich und gesellschaftlich verfassten Wirklichkeit des Menschen die Möglichkeit „himmlisch“ guter Erfahrungen. Bei dieser Dialektik bleibt die Bewegung, die Geschichte, ja das Leben selbst jeweils als Eigenwert erhalten. In dieser Deutung ist Raum für Neues, es bleibt nicht bei einer Wiederherstellung des Alten. Ein diesem dialektischen Ansatz verpflichtendes Lebens wäre nicht gleichzusetzen mit der Tat eines „homo faber“, der gleichsam sein Leben als machbare und leistbare Größe versteht. Es entspricht vielmehr einem Suchen der Funken, die auch trotz Gebrochenheit und Ambivalenz leuchten und sich finden lassen. Gershom Scholem deutet eine solche Interpretation des lurianischen „Tikkun“ an, wenn er fragt, welche Aufgabe denn dem Messias bleibt, wenn dieser am Ende der menschlichen Geschichte und nach dem Handeln aller Menschen am Ende der Zeiten kommt: „Das Erscheinen des Messias ist daher für Luria nicht anderes als das Siegel, das auf den Abschluss dieses Prozesses der Wiederherstellung, Tikkun, gesetzt wird“ (Scholem 1988, S. 300f). Statt „Wiederherstellung“ wäre es insofern besser, das Neue der Synthese von Geschichte und Unvergänglichkeit, von ewigem, zeitlosem Leben mitten in der vom vielfältigen Tod bedrohten Lebenswirklichkeit zu benennen. Das menschliche Leben selbst bekäme so nicht nur eine im wahren Sinn des Wortes die Welt verändernde Bedeutung. Es erhielte – wie das Siegel des Messias zeigt – selbst göttliche Qualität. Der Blick zurück auf das En – Sof würde so zum „Wunschtraum des Endes“ (Bloch, 4. Aufl. 1977, Bd. III, S. 14599. Diesen Wunschtraum praktisch zu leben in der Gegenwart und in ihm gleichzeitig einen wandernden und Orientierung verheißenden Horizont zu erkennen, ist dann bleibende Aufgabe des Menschen (vgl. Pauly 2013).   Text mit freundlicher Erlaubnis des Autors Bild: Wikipedia Commons (gemeinfrei)   Unter Buchtipp Gerold Necker: Einführung in die lurianische Kabbala

Weiterführende Literatur Ariel, David S.: Die Mystik des Judentums. Eine Einführung. München 1993
Bloch, Ernst: Das Prinzip Hoffnung, 3 Bd., Frankfurt 3. Aufl. 1977
Bloch, Ernst: Tübinger Einleitung in die Philosophie, Frankfurt 1977
Katechismus der Katholischen Kirche, München u.a. 1996
Kiefer, Anselm: Ausgewählte Arbeiten aus der Sammlung Grothe, Baden – Baden 2011
Necker, Gerold: Einführung in die lurianische Kabbala, Berlin 2008
Pauly, Wolfgang: Abschied vom Kinderglauben. Ein Kursbuch für aufgeklärtes Christsein, Oberursel 2008
Pauly, Wolfgang: Der befreite Jesus. Oberursel 2013
Schäfer, Peter: Die Ursprünge der jüdischen Mystik, Berlin 2011
Schimmel, Annemarie: Mystische Dimension des Islam. Die Geschichte des Sufismus, München, 3. Aufl. 1995
Scholem, Gershom: Die jüdische Mystik in ihren Hauptströmungen, Frankfurt 3. Aufl. 1988
Scholem, Gershom: Von der mystischen Gestalt der Gottheit. Studien zu Grundbegriffen der Kabbala; Frankfurt 1962




Info: https://www.christen-und-juden.de/index.htm?html/luria.htm


unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

20.09.2025

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nachdenkseiten.de, 20. September 2025 um 14:00 Kommentar von  Marcus Klöckner

„Die Trennung von Außen-, Sicherheits- und Innenpolitik ist überholt“ und: „Russland will unsere freien Gesellschaften schleichend destabilisieren.“ Dies sind aktuelle Aussagen von Friedrich Merz. Verstehen alle, was sie bedeuten? Wir gehen in eine politische Richtung, die brandgefährlich ist – und aller Voraussicht nach für Land und Gesellschaft fatal sein wird. Merz verkündet hier – man kann es kaum anders interpretieren – nichts Geringeres als eine Kriegspolitik. Ein Marcus Klöckner.

Der politische Kurs Deutschlands wird immer klarer. Es ist ein Weg, der ins Verderben führt. Was Merz gerade im Parlament gesagt und auf der Plattform X gepostet hat, berührt den innersten politischen Kern des Landes. Und: Die Aussagen korrespondieren auf erschreckende Weise mit dem politischen Großvorhaben Kriegstüchtigkeit.

Die neue Außen- und Sicherheitspolitik seit Antritt dieser Bundesregierung – sie ist zugleich Reformpolitik. Und diese Außen- und Sicherheitspolitik – sie ist zugleich Innenpolitik. Die Trennung von Innen und Außen ist einfach überholt. Denn das Engagement der Bundesregierung im Äußeren dient der Bewahrung von Freiheit und Frieden und Wohlstand.

Versteht jeder, was diese Aussagen bedeuten?
Merz‘ Ausführungen müssen im Zusammenhang mit dem großen politischen Ziel Kriegstüchtigkeit interpretiert werden. Wenn Außen-, Sicherheits- und Innenpolitik verschmelzen, heißt das, dass die Politik mindestens einen großen Grund sieht, der dafür Anlass gibt. Den Grund kennen wir alle. Es gibt aus Sicht der vorherrschenden Politik eine große Bedrohung im Äußeren. Und: Diese Bedrohung wird auch als Bedrohung im Inneren verstanden (z.B. Stichwort: Bauschaum). Die Bedrohung lautet: Russland. Wir wissen zugleich: Es geht um eine politische Feindbildkonstruktion – nicht um eine reale Bedrohung. Doch das tut der sehr realen Politik keinen Abbruch.

Schon seit geraumer Zeit ist zu beobachten, wie die Politik die Weichen auf eine Weise stellt, dass Außen-, Sicherheits- und Innenpolitik immer weiter zusammengeführt werden. Der „Operationsplan Deutschland“ wird als „gesamtgesellschaftliche Aufgabe kommuniziert, das Vorhaben Kriegstüchtigkeit greift tief in das innenpolitische ein – man denke nur an die Diskussion um die Einführung der Wehrpflicht und die gigantischen Summe, die für Aufrüstung ausgegeben und auch als „Ukraine-Hilfen“ deklariert werden. All das weist den Weg.

Was Merz nun sehr explizit sagt, ist ohnehin bereits deutlich sichtbar. Das Innenpolitische wurde vom Außen- und Sicherheitspolitischen übernommen. Was das bedeutet, mag vielen noch nicht klar sein.

Gewisse Überlappungen zwischen Außen-, Sicherheits- und Innenpolitik sind normal. Wenn aber diese eigentlich mehr oder weniger voneinander getrennten politische Bereiche zu einem Guss geformt werden, dann müssen in einer Demokratie alle Warnanlagen angehen.

Wir reden von nichts Geringerem als dem Primat des Militärischen, das aus Merz‘ Aussagen zwischen den Zeilen wahrgenommen werden kann. Denn: Eine Politik, die Kriegstüchtigkeit vorgibt und in der Außen- und Sicherheitspolitik längst auf einem Konfrontationskurs mit einem äußeren „Feind“ ist, wird diesen Kurs dann auch in der Innenpolitik setzen.

Die Annahme, dass wir an einen Punkt kommen werden, wo die Feindbildprojektion zum übergreifenden, alles bestimmten Faktor wird, ist berechtigt. Sozialer Wohnungsbau? Nein, Kriegstüchtigkeit! Marode Schulen sanieren? Nein, Kriegstüchtigkeit! Sozialstaat ausbauen? Nein, abbauen, weil: Kriegstüchtigkeit! Armutsbekämpfung? Nein, Kriegstüchtigkeit!

Wer den Blick in die Zukunft anders sieht: Merz sagte die Tage noch etwas. Auf der Plattform X setzte er folgenden Tweet ab:

Putin testet längst Grenzen, sabotiert, spioniert, mordet, verunsichert. Russland will unsere freien Gesellschaften schleichend destabilisieren. Wir werden das nicht zulassen – nach außen nicht und nach innen nicht. Es gilt, unsere Resilienz und Verteidigungsfähigkeit zu stärken.

Der Bundeskanzler sagt hier an alle Deutschen gerichtet, dass Russland gegen unsere Freiheit kämpft. Diese Worte sind ernst zu nehmen – nur anders, als Merz sie verstanden wissen will. Die Worte klingen nach einer Konfrontation, die immer weiter geführt wird – bis, womöglich, zu einem Krieg.

Es wäre fatal, alle diese Äußerungen nur isoliert zu betrachten. In ihrer Gesamtheit und im Verbund mit der realen politischen Entwicklung zeigen sie ein Bild, das Anlass zur großen Besorgnis gibt.


Titelbild: photocosmos1 / Shutterstock


Rubriken: Außen- und Sicherheitspolitik einzelne Politiker/Personen der Zeitgeschichte


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20.09.2025

Europa ist in sinnloser Aufrüstung gefangen

aus e-mail von Doris Pumphrey, 20. September 2025, 17:48 Uhr


(…) Rüstung, Sanktionen und Russenangst, mehr fällt den Europäern nicht

ein. Dabei geht es ihnen im Kern um die Osterweiterung des Westens, um

den Dschihad der liberalen Ordnung. Während die stärker auf Realismus

ausgerichteten USA von dem Ziel Abstand nehmen, und der globale Süden

sich in Organisationen wie Brics und SCO dagegen positioniert, stecken

die Europäer altersstarr und fantasielos in ihrem Sendungsbewusstsein

der 1990er-Jahre fest. (…)


Berliner Zeitung 19.9.2025

<https://www.berliner-zeitung.de/politik-gesellschaft/geopolitik/daenemark-ordert-flugabwehrraketen-europa-in-sinnloser-aufruestung-gefangen-li.2357707?id=b9b3bcdd8fb44d0a81261ec8db074808>


*Dänemark ordert Flugabwehrraketen:

Europa ist in sinnloser Aufrüstung gefangen


*Russenangst und Fantasielosigkeit treiben Europa wie altersstarr auf

Kriegskurs mit Moskau. Höchste Zeit, das Sendungsbewusstsein zu

überwinden. Ein Kommentar.


/Von Thomas Fasbender


/Der bislang letzte Krieg, den Russland und Dänemark gegeneinander

führten, liegt rund 450 Jahre zurück. Er wird der Livländische genannt –

der Zar in Moskau, die skandinavischen Mächte und die

polnisch-litauische Realunion kämpften um die Erbmasse des Deutschen

Ordens

<https://www.berliner-zeitung.de/die-schlacht-von-grunwald-ist-ein-polnischer-nationalmythos-der-seine-politische-funktion-verliert-den-ahnen-zum-ruhm-den-bruedern-zur-hoffnung-li.22312

im heutigen Baltikum.


Im 21. Jahrhundert gehört das Baltikum – Estland, Lettland, Litauen –

als Erbmasse der untergegangenen Sowjetunion seit 2004 zum atlantischen

Militärbündnis. Diesen Zustand, so das verbreitete westliche Narrativ,

will das revisionistisch-revanchistischgestimmte Russland nicht

hinnehmen. Spätestens um 2030 stehe ein Krieg vor der Tür, vermitteln

uns die sogenannten Leitmedien. Generäle und Politiker warnen vor der

blutverschmierten russischen Krallenhand.


Finnland und Schweden sind 2023 der Nato beigetreten, zugleich baut das

Bündnis seine Militärpräsenz in den baltischen Staaten aus. Im Süden der

litauischen Hauptstadt stationiert Deutschland eine komplette

Panzerbrigade; ab 2027/28 soll sie in der Lage sein, jeden Angriff dort

zurückzuschlagen.


Seit dieser Woche steigt auch das Sechs-Millionen-Volk der Dänen in die

Rüstungsspirale ein. Für 7,8 Milliarden Euro tätigt es den größten

Waffenkauf seiner Geschichte: Flugabwehrsysteme aus europäischer

Produktion mit Präzisionsraketen unterschiedlicher Reichweite. Bei einem

Verteidigungshaushalt von 8,5 Milliarden Euro (2024), immerhin 2,4

Prozent des Bruttoinlandsprodukts, ist das nicht ohne.


*„Kaufen, kaufen, kaufen!“


*Schon im Februar hatte die dänische Regierungschefin Mette Frederiksen

eine Aufrüstungsoffensive angekündigt. Dänemarks Sicherheit stehe auf

dem Spiel, sagte sie damals. Kürzungen im Verteidigungsbereich dürften

„nie wieder vorkommen“. An ihren Verteidigungsminister richtete sie die

Forderung: „Kaufen, kaufen, kaufen!“.


Auch Deutschland rüstet, als wüchsen die Milliarden auf den Bäumen.

Rheinmetall liefert 155-Millimeter-Geschosse für 8,5 Milliarden Euro,

der größte Auftrag der Unternehmensgeschichte. Nicht zuletzt für die

Militärbasis in Litauen, die erste deutsche Kampfpräsenz im Ausland seit

1945, wurden 105 Leopard-Panzer in Auftrag gegeben.


Bis 2035 erhält die Bundeswehr insgesamt rund 1000 Leopard und 2500

Radpanzer vom Typ Boxer. Bei einem Bestand von derzeit 300 Kampfpanzern

steckt darin nichts Geringeres als ein massives Aufrüstungsprogramm.


Wer stellt noch die Frage, ob es angesichts jahrelanger wirtschaftlicher

Stagnation, kaum noch finanzierbarer Sozialsysteme und einer immer

maroderen Infrastruktur bessere Verwendungszwecke für dreistellige

Milliardenbeträge gibt? Die Totschlagkeule wartet: Appeaser,

Putinfreund, Freiheits- und Demokratieverräter.


Oder wo liegt die Sinnhaftigkeit Hunderter zusätzlicher Panzer in einer

Zeit, in der sich das Kriegshandwerk in völlig neue Richtungen

entwickelt? Was bleibt von der Panzerwaffe, die vor hundert Jahren den

zermürbenden Grabenkrieg überwand, wenn sie durch billige Drohnen

tödlich verwundbar ist?


„Si vis pacem, para bellum“, zitieren die Schlaumeier eine lateinische

Weisheit: „Wenn du Frieden willst, bereite den Krieg vor.“ Man kann nun

auch so viel Frieden wollen, dass man den Krieg um des Friedens willen

in Kauf nimmt. Auf diesem riskanten Pfad tappen derzeit die Europäer.

Sie fordern ihre Vorstellungen von Frieden, Freiheit, Demokratie und

Selbstbestimmung für die Ukraine, irgendwann für Belarus, für Moldau,

vielleicht für Georgien. Hehre, noble Vorstellungen, mit denen der

Nachbar Russland dennoch nicht einverstanden sein wird.


Hardliner wie der CDU-Politiker Roderich Kiesewetter halten die

russischen Einwände für irrelevant. Für die Ukraine, so der

Bundeswehr-Oberst a.D., gebe es „letztlich nur eine wirklich

verlässliche Sicherheitszusage: die Vollmitgliedschaft in der Nato“.


*Rüstung, Sanktionen und Russenangst


*In dem Fall beginnt das Feiglingsspiel; wer zuerst auf die Bremse

tritt, hat verloren. Und für den Fall wird gerüstet. Eisern beharren die

Europäer auf der Durchsetzung ihrer Werte. Eisern hält Moskau dagegen.

Offensichtlich trauen Herr Kiesewetter und seine Mitstreiter sich einen

Sieg im Feiglingsspiel zu, auch gegen Russland – wobei sie nicht

persönlich im Kugelhagel bluten werden; das dürfen andere.


Rüstung, Sanktionen und Russenangst, mehr fällt den Europäern nicht ein.

Dabei geht es ihnen im Kern um die Osterweiterung des Westens, um den

Dschihad der liberalen Ordnung. Während die stärker auf Realismus

ausgerichteten USA von dem Ziel Abstand nehmen, und der globale Süden

sich in Organisationen wie Brics und SCO dagegen positioniert, stecken

die Europäer altersstarr und fantasielos in ihrem Sendungsbewusstsein

der 1990er-Jahre fest.


Werden sie ihre Ziele erreichen? Wohl kaum. Im besten Fall sitzt Europa

in zehn Jahren auf Tausenden von Panzern und Flugabwehrraketen, und die

Russen marschieren immer noch nicht in Richtung Elbe oder Rhein. Oder

Kopenhagen. Alternativ beginnt das Feiglingsspiel und mit ihm der Krieg,

den so viele herbeireden. Russland wird sich ihm nicht verweigern.


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20.09.2025

Sicherheitsrat: Finnland verliert nach NATO-Beitritt seine Souveränität

rtnewsde.site, 20 Sep. 2025 18:36 Uhr

Moskau wirft Finnland vor, nach dem NATO-Beitritt nur noch Anweisungen des Bündnisses zu befolgen. Russland müsse daher seine Sicherheit im Nordwesten stärken. Zugleich warnen russische Spitzenpolitiker vor Konfrontation und wirtschaftlichen Folgen für Helsinki.


Quelle: AP © Sergei Grits


Symbolbild


Finnland könne nach seinem NATO-Beitritt keine eigenständigen Entscheidungen mehr treffen und werde den Anweisungen des Bündnisses folgen. Diese Einschätzung äußerte Sergei Iwanow, ständiges Mitglied des russischen Sicherheitsrates und Sonderbeauftragter des Präsidenten für Umwelt, Ökologie und Verkehr, am 20. September gegenüber TASS.

Auf die Frage, ob Helsinki einen Angriff auf Russland erwägen könne, sagte Iwanow:

"Finnland selbst kann nichts entscheiden, was ihm gesagt wird, das wird es auch tun."

Experte: Finnlands Bevölkerung leidet unter dem Bruch mit Russland





Experte: Finnlands Bevölkerung leidet unter dem Bruch mit Russland






Der Politiker verwies darauf, dass Russland nun mit einer neuen strategischen Realität konfrontiert sei. Seit dem 4. April 2023 teile Moskau eine über 1.000 Kilometer lange Grenze mit einem NATO-Mitgliedstaat.

"Und aus militärischer wie aus militärpolitischer Sicht müssen wir das berücksichtigen. Früher war das nicht der Fall", betonte Iwanow. Russland müsse deshalb unvermeidlich zusätzliche Maßnahmen zur Stärkung seiner Sicherheit im Nordwesten ergreifen. "Und das ist für Finnland, nebenbei bemerkt, auch nicht besonders gut", fügte er hinzu.

Zugleich kritisierte Iwanow die Entscheidung Helsinkis, nach Beginn der militärischen Sonderoperation die Beziehungen zu Russland abzubrechen. Eine Normalisierung sei auf Jahrzehnte hinaus kaum zu erwarten.

Auch andere Vertreter Moskaus haben diese Entwicklung scharf kommentiert. So warf der Vizechef des Sicherheitsrates, Dmitri Medwedew, den finnischen Behörden vor, die bilateralen Beziehungen zerstört zu haben. Er warnte, Helsinki bereite sich mit seinem NATO-Kurs faktisch auf eine Konfrontation vor und könne als "Platzhalter" für eine westliche Aggression dienen.


Medwedew: Russland hat Gründe, von Finnland Reparationen in Milliardenhöhe zu fordern





Medwedew: Russland hat Gründe, von Finnland Reparationen in Milliardenhöhe zu fordern





Ähnlich äußerte sich das Außenministerium. Sprecherin Maria Sacharowa erklärte am 4. September, die negative Haltung des finnischen Präsidenten Alexander Stubb gegenüber dem Gipfel der Schanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ) sei ein direkter Ausdruck der verlorenen Souveränität seines Landes. "Im Moment bleibt Finnland nur, die Konsequenzen dieses Verlustes zu ertragen", sagte sie.

Stubb selbst hatte bereits am 2. September betont, er lehne den Ansatz der Multipolarität ab und befürworte stattdessen "Multilateralismus". Zugleich warnte er, der Westen könne gegenüber den Staaten des Globalen Südens an Einfluss verlieren, wenn er nicht enger mit ihnen kooperiere.

Am 8. September warf Alexei Tschepa, der erste stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses für internationale Angelegenheiten der Duma, Finnland vor, an der russisch-finnischen Grenze einen Spannungsherd zu schaffen.

Er fügte hinzu, dass mehrere europäische Länder gegen den NATO-Beitritt Finnlands gewesen seien, da sie die Bedrohung für "Russlands Sicherheitsgarantien" erkannt hätten.

Im August 2025 wies auch Außenminister Sergei Lawrow auf den Bruch mit der bisherigen Linie Finnlands hin. Mit dem NATO-Beitritt habe Helsinki gegen seine früheren Verpflichtungen zur Neutralität verstoßen, so Lawrow.


Peskow: NATO ist de facto im Krieg mit Russland





Peskow: NATO ist de facto im Krieg mit Russland







Jahrzehntelang habe Finnland von stabilen und für beide Seiten vorteilhaften Beziehungen zu Moskau profitiert – zunächst mit der Sowjetunion, später mit Russland. Bereits im März 2024 hatte Präsident Wladimir Putin erklärt, die Mitgliedschaft Finnlands im westlichen Bündnis sei sinnlos und liege nicht im nationalen Interesse des Landes.

Gleichzeitig räumte der finnische Ministerpräsident Petteri Orpo ein, dass der Abbruch der Wirtschaftsbeziehungen mit Russland die finnische Wirtschaft spürbar belastet habe.


Mehr zum Thema – Wie Russland Finnland für Russophobie bestrafen kann


Screenshot_2025_09_21_at_15_56_24_Sicherheitsrat_Finnland_verliert_nach_NATO_Beitritt_seine_Souver_nit_t_RT_DE

Video https://rumble.com/v6z69vg-lawrow-verhandlungen-sind-fr-selenskij-nur-weitere-gelegenheit-um-auf-der-b.html Dauer 1:57 Min.


Durch die Sperrung von RT zielt die EU darauf ab, eine kritische, nicht prowestliche Informationsquelle zum Schweigen zu bringen. Und dies nicht nur hinsichtlich des Ukraine-Kriegs. Der Zugang zu unserer Website wurde erschwert, mehrere Soziale Medien haben unsere Accounts blockiert. Es liegt nun an uns allen, ob in Deutschland und der EU auch weiterhin ein Journalismus jenseits der Mainstream-Narrative betrieben werden kann. Wenn Euch unsere Artikel gefallen, teilt sie gern überall, wo Ihr aktiv seid. Das ist möglich, denn die EU hat weder unsere Arbeit noch das Lesen und Teilen unserer Artikel verboten. Anmerkung: Allerdings hat Österreich mit der Änderung des "Audiovisuellen Mediendienst-Gesetzes" am 13. April diesbezüglich eine Änderung eingeführt, die möglicherweise auch Privatpersonen betrifft. Deswegen bitten wir Euch bis zur Klärung des Sachverhalts, in Österreich unsere Beiträge vorerst nicht in den Sozialen Medien zu teilen.

Info: https://rtnewsde.site/europa/256606-sicherheitsrat-finnland-verliert-nach-nato-beitritt-seine-souveraenitaet/


unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

20.09.2025

Der Dritte Weltkrieg – dieses Mal in der Wirtschaft

rtnewsde.site, 20 Sep. 2025 07:00 Uhr, Von Alexandr Jakowenko

Eine Lösung des Ukraine-Konflikts hängt immer stärker von einer Umgestaltung der gesamten Weltordnung ab. Der Dritte Weltkrieg läuft in wirtschaftlicher Dimension ab, und die USA scheinen den Kampf an zwei Fronten gegen Russland und China zu verlieren.


Der Dritte Weltkrieg – dieses Mal in der WirtschaftQuelle: Gettyimages.ru © da-kuk


Symbolbild


Die Schwierigkeiten beim Erreichen einer Übereinkunft im Ukraine-Konflikt, auf die Moskau mehrmals hingewiesen hat, sind offensichtlich nicht nur im Hinblick auf das Regime in Kiew, das seine Legitimität verloren hatte. Auch westliche – vor allem europäische – Hauptstädte haben sich in eine rhetorische Sackgasse getrieben und sind unwillig, ihre unvermeidliche Niederlage bei diesem Versuch, die "russische Frage" zu lösen, zu akzeptieren. Wird ein breiterer Kontext oder dessen grundlegende Transformation helfen, eine langfristige Lösung des Problems und einen stabilen Frieden unter Berücksichtigung der Ursachen der Ukraine-Krise zu erreichen? Es wird immer offensichtlicher, dass einer dieser Gründe der Zustand des Westens als Gesellschaft, Zivilisation und politische beziehungsweise geopolitische Gemeinschaft ist.

Es bestehen kaum Zweifel daran, dass die westliche Gesellschaft eine Krise erlebt, die mit jener vergleichbar ist, die zum Ersten Weltkrieg geführt hat. Davon zeugen die jüngsten Demonstrationen und sonstige Aktionen in Frankreich und Großbritannien sowie die Popularitätszunahme von nichtsystemischen alternativen politischen Kräften und Bewegungen überall in Europa, darunter in Deutschland. Bundeskanzler Friedrich Merz behauptete, dass es keine Mittel gebe, um den Sozialstaat zu finanzieren. Unter dem Vorwand einer "russischen Bedrohung" wird also die Wahl von Kanonen statt Butter aufgezwungen. Im Übrigen glaubt Donald Trump an diese Bedrohung nicht. In seiner Person machte das konservative Segment des US-Establishments eine Wahl zugunsten der "Revolution des gesunden Menschenverstands".

Kurz: Europa vollbrachte eine Kreisbewegung. Zum Preis von zwei Weltkriegen und der russischen Revolution hatte es zuvor eine sozial orientierte Wirtschaft geschaffen (die "Sozialisierung" der Wirtschaft erfolgte in der Nachkriegszeit unter anderem als Reaktion auf die sowjetische Herausforderung). Und nun – wohlbemerkt nach dem Zusammenbruch der UdSSR – kommen die europäischen Eliten durch die Logik der neoliberalen Wirtschaftspolitik zum alten Rezept, um das Problem der überfälligen Transformation der Gesellschaft zu lösen. Diese Lösung heißt Krieg und Militarisierung der gesamten Wirtschaft und europäischen Politik.


Wiederaufleben der Blockfreien Bewegung – geopolitische Niederlage des Westens




Meinung

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Der Kreis hat sich geschlossen. Doch nicht alles ist so einfach. Im Ergebnis zweier Weltkriege bildete sich der einheitliche historische Westen. Auch hier gibt es ein russisches Erbe: Ohne die entscheidende Rolle der Sowjetunion bei der Niederschlagung des Nazideutschlands und des militaristischen Japans hätten die Angelsachsen die innerwestliche Bipolarität nicht durch die Besatzung ihrer beiden Wettbewerber um die Vorherrschaft in westlicher Zivilisation und die Weltpolitik beseitigen können.

Inzwischen ist in der westlichen Gemeinschaft eine Spaltung herangereift. Auf der einen Seite steht das "alte Europa", wo die liberal-globalistische Elite mithilfe eingeborener Instinkte und alter Strategien ums eigene Überleben kämpft. Auf der anderen Seite stehen die USA, die sich als Supermacht des 21. Jahrhunderts positionieren, die sich von den Fesseln der Globalisierung und des inzwischen für das Metropol nachteiligen globalen Imperiums löst und die ihre Verbündeten frei nach dem Finanzminister Scott Bessent als "Investmentfonds" betrachtet. In Washington besteht Einigkeit darüber, dass die Hauptbedrohung für die "amerikanische Vorherrschaft" ("primacy") von China ausgeht. Dort hat man längst verstanden, dass es nicht wie bei dem berüchtigten "Zweifrontenkrieg" gelingen wird, China und Russland gleichzeitig einzudämmen. Gerade deswegen wurde der Versuch unternommen, mit Russland zu beginnen, doch das ukrainische Projekt erwies sich als ähnlich abenteuerlich wie die deutschen Pläne der Zweifrontenkriege zuvor. Daher wird es notwendig, die Niederlage einzuräumen und weiterzugehen und Moskau gegen Peking aufzuspielen, oder mit anderen Worten Russlands "strategische Autonomie" von China zu erwirken.

Gleichzeitig wurde im Verlauf des ukrainischen Konflikts klar, dass die militärischen Ressourcen, um auf Russland gewaltsam einzuwirken, unzureichend sind. Folgerichtig gilt dies auch für China, das seine Armee modernisiert und bereits im Jahr 2030 bei der Stärke der strategischen Eindämmungskräfte das Niveau von Russland und den USA erreichen wird. Somit wurde in der Ukraine nicht nur Zeit, sondern auch der Ruf der militärischen Dominanz verloren. Gerade deswegen setzen die USA auf eine komplexe wirtschaftliche und technologische Isolation Chinas bei gleichzeitiger Normalisierung der Beziehungen zu Russland. Dieser steht der unbeendete Konflikt des Westens gegen Russland in der Ukraine im Wege.


Verrückter Deal: Zufriedener Trump wird Russland helfen, schneller im Ukraine-Konflikt zu siegen




Meinung

Verrückter Deal: Zufriedener Trump wird Russland helfen, schneller im Ukraine-Konflikt zu siegen





Die Anstandsregeln fordern von Trump, aus diesem Konflikt auf dem Weg seiner Beendigung zu den Bedingungen des Westens herauszutreten. Dies würde ein Einfrieren des Konflikts bedeuten, was ausgeschlossen ist. Russland hat eine stärkere Position (und tief im Inneren respektieren US-Amerikaner Stärke und verachten "Schwächlinge"), und Moskau gab klar zu verstehen, dass es praktisch unmöglich ist, mit Kiew einen vollwertigen Friedensvertrag zu schließen. Ohne diesen wird es wohlgemerkt keinen Wiederaufbau dessen geben, was von der Ukraine übrig bleiben wird. Nun liegt die Entscheidung bei Trump, und er bringt das Thema der Eindämmung Chinas in die Ukraine-Frage ein. Die Möglichkeit von neuen antirussischen Sanktionen demonstriert er, indem er seine Verbündeten Tarife von 50 bis 100 Prozent gegen China und Indien einführen lässt. Südkorea und Mexiko willigten bereits ein, doch Japan weigerte sich – wie auch für die EU käme dies für Japan dem Tod gleich, und Tokio ist nicht zu einem wirtschaftlichen Seppuku bereit. Ebenso wenig bereit sind dazu die USA, die sich an Pekings faktischem Monopol für Seltenerdmetalle, die für jede moderne hochtechnologische Produktion benötigt werden, die Zähne ausgebissen haben.

Von europäischen Verbündeten wird nichts weniger als Selbstaufopferung gefordert, was in der westlichen Weltanschauung völlig fehlt. Ob es Trump gelingen wird, irgendetwas von Europa zu erreichen, werden die Ergebnisse seines Staatsbesuchs in Großbritannien zeigen. Doch zu England haben die USA lange historische Beziehungen, darunter deren "besonderer" Charakter in der Nachkriegszeit. Es ist nicht ausgeschlossen, dass Großbritannien den Vorschlag erhält, sich von der "gemeinsamen Front" mit dem kontinentalen Europa zu lösen und der angelsächsischen Allianz mit Zentrum in Washington beizutreten – zumal London mit dem EU-Austritt einen Schritt in diese Richtung bereits getan hat.

Hinzu kommt eine tiefere Geschichte – die britische Tradition der "Splendid Isolation" und der Aufrechterhaltung des "europäischen Gleichgewichts" im 19. Jahrhundert. Im Übrigen sprach Winston Churchill in seiner von der Truman-Administration unterstützten Fulton-Rede im März 1946 von einer "Führerschaft der englischsprachigen Länder in der freien Welt". Daher müsste England in seiner traditionellen internationalen Positionierung nur einige Akzente versetzen und sich der Strategie anschließen, Ressourcen des kontinentalen Europas als Verbrauchsmaterial zum Wiederaufbau der wirtschaftlichen und technologischen Macht der USA zu nutzen. In diesem Fall müsste man einräumen, dass der amerikanische Unabhängigkeitskrieg nur noch ein dritter Akt der englischen Revolution war – nach der Glorreichen Revolution des Jahrs 1688, als London von Truppen des Wilhelms von Oranien besetzt wurde.


London erwartet EU-Kollaps: Welchen Spielplan verfolgen die britischen Eliten?




Analyse

London erwartet EU-Kollaps: Welchen Spielplan verfolgen die britischen Eliten?






Dann würde England auf Versuche verzichten müssen, taktische Nuklearwaffen zu erhalten, um mit Frankreich bezüglich der "nuklearen Eindämmung" Russlands gleichzuziehen, was eine weitere Hürde für die russisch-amerikanische Normalisierung bedeuten würde. Europa sollte verstehen, dass es nur ein strategisches Gleichgewicht gibt, nämlich zwischen den USA und Russland. Und jegliche Bedrohungen von Russland können nicht außerhalb dieses Kontexts gesehen werden, denn sowohl die NATO als auch einzelne Verbündete der USA leiten sich daraus ab. Während des Kalten Kriegs sahen die USA einen Einsatz von taktischen Nuklearwaffen gegen vorrückende sowjetische Truppen auf europäischem Gebiet außerhalb des eigentlichen US-Gebiets gerade deswegen vor, weil sie andernfalls einen Vergeltungsschlag gegen eigenes Territorium riskierten. Und wie Russland mehrmals betonte, hat es keine Absicht, in Europa einzufallen.

Zudem sollte London verstehen, dass inzwischen, wie bereits zweimal in der Geschichte geschehen, der Dritte Weltkrieg läuft, allerdings im Format eines Wirtschaftskriegs. Anders lässt sich die westliche Gesellschaft nicht umformatieren. In diese Logik passt auch die Tatsache, dass das vereinte Europa immer zu einem antirussischen Imperium wird, ob als Napoleons Imperium oder als Drittes Reich. Die gegenwärtige Europäische Union stellt das "vierte wirtschaftliche Reich" Deutschlands dar, was auch Deutsche selbst einräumen. Und wenn Europa überhaupt Chancen hat, als Zivilisation zu überleben, dann nur unter den Fittichen der Angelsachsen. All das ist indirekt, wenn auch vieles verschleiert sein wird, wie auch Trumps Streben, aus dem Ukraine-Konflikt ohne Verluste herauszutreten. Darüber hinaus gibt es in den USA Anzeichen für eine Stagflation, und auf der laufenden Sitzung der Fed muss entschieden werden, wie realistisch diese ist, worauf die Entscheidung über den Refinanzierungssatz hindeuten wird.

Wieder wie bei Bill Clinton vor 30 Jahren: "Es geht nur um die Wirtschaft!", nur jetzt für Amerika auf globaler Ebene. 

Unter den Bedingungen eines totalen Wirtschaftskriegs des Westens gegen Russland in Form des Sanktionsdrucks konnte es gar nicht anders kommen: Die US-amerikanische Wirtschaft wurde zum Vorläufer und Teil eines globalen Kriegs. Washington ist in einer viel schwächeren Position und steht vor der Aufgabe, erst den wirtschaftlichen Druck auf China umzustellen und es von allen Märkten abzuschneiden, darunter vom europäischen Markt. Dabei arbeiten russische Energieträger dieses Mal nicht zum Vorteil von Europa – was Europas bewusste Wahl war –, sondern für die Partner der eurasischen Integration im Rahmen der Schanghaier Organisation für Zusammenarbeit.

Übersetzt aus dem Russischen. Zuerst erschienen bei RIA Nowosti am 18. September.


Mehr zum Thema:  Wiederaufleben der Blockfreien Bewegung – geopolitische Niederlage des Westens


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20.09.2025

12. Xiangshan-Forum: Sevim Dagdelen im Interview

aus e-mail von Doris Pumphrey, 20. September 2025, 17:48 Uhr


Berliner Zeitung 20.9.2025

<https://www.berliner-zeitung.de/politik-gesellschaft/xiangshan-sicherheitsforum-europa-macht-sich-zum-vasallen-der-usa-li.2357730>


*Sicherheitskonferenz in China:

„Die Brics fürchten die Kolonialherren-Mentalität des Westens“


*In Peking endete die Xiangshan-Sicherheitskonferenz. Der Westen ist

zunehmend isoliert.

*Ein Interview mit der BSW-Außenpolitikerin Sevim Dagdelen*.

/Interview Simon Zeise


/In Chinas Hauptstadt fand von Mittwoch bis Freitag das 12.

Xiangshan-Forum statt. Unter den 1800 Militärstrategen, Politikern,

Diplomaten und Wissenschaftlern aus 100 verschiedenen Ländern nahmen

keine deutschen Regierungsmitglieder teil. Die BSW-Außenpolitik-Expertin

Sevim Dagdelen war jedoch als Teilnehmerin vor Ort. Im Gespräch mit der

Berliner Zeitung berichtet sie über die Sicht des Globalen Südens auf

den Krieg in der Ukraine und in Gaza. Der Westen werde international

zunehmend isoliert, sagt sie. Und die Europäer hätten besonders großen

Unmut in China auf sich gezogen.


/Frau Dagdelen, Sie haben an dem Xiangshan-Sicherheitsforum in Peking

teilgenommen. Es gilt als chinesisches Pendant zur Münchner

Sicherheitskonferenz. Stimmt der Vergleich? /


Das Xiangshan-Forum bringt, wie die Münchner Sicherheitskonferenz,

Diplomaten, Politiker und Militärs zusammen, hat jedoch einen ganz

anderen inhaltlichen und formellen Charakter. In Peking kommen auch

Vertreter aus kleineren Ländern stärker zu Wort. Im Vordergrund stehen

Debatten über friedliche Konfliktlösungen und Mechanismen gegenseitiger

Sicherheit.


In München hingegen sieht man ein großes transatlantisches Schaulaufen.

Dort werden neue Rüstungsdeals geschlossen, teilweise laut

Medienberichten sogar von den Organisatoren selbst vermittelt. Nein,

beim Xiangshan-Sicherheitsforum steht der Dialog im Vordergrund – dabei

wird auch kontrovers diskutiert.


/Sie wurden eingeladen, auf einem Podium zum Thema „Der Sieg über den

weltweiten antifaschistischen Krieg und die internationale Ordnung“

mitzudiskutieren. Worum ging es?/Im Zentrum stand die Einordnung der

internationalen geopolitischen Lage 80 Jahre nach dem Sieg über den

Faschismus. Es springt ins Auge, dass das politische Establishment in

Europa überhaupt nicht wahrnehmen will, wie viel diplomatisches

Porzellan ihre Repräsentanten zerschlagen. Gerade die jüngsten

Äußerungen der Außenbeauftragten der Europäischen Union, Kaja Kallas,

haben für großes Unverständnis gesorgt. Die Estin hatte im Namen der EU

infrage gestellt, dass China und die Sowjetunion maßgeblichen Anteil am

Sieg über Nazi-Deutschland und den japanischen Militarismus hatten. Das

ist eine absolute Beleidigung – angesichts der über 20 Millionen Toten,

die China im Kampf gegen die japanischen Faschisten verzeichnet hat.


Vor dem Hintergrund  solcher instinktlosen Äußerungen fragt man sich

schon, ob die politische Führung der EU inzwischen völlig verblödet ist.

Man kann dieses Statement einer der ranghöchsten Vertreterinnen der EU

nicht einfach als verwirrt oder uninformiert abtun. Es wird sehr genau

registriert, dass das krude Geschichtsbild von Frau Kallas gerade bei

den Staats- und Regierungschefs Deutschlands, Frankreichs, Polens und

Italiens auf keinerlei Widerspruch gestoßen ist. Man muss daher das

historische Urteil von Frau Kallas als Zeichen einer EU-Politik

verstehen, die versucht, die Geschichte umzuschreiben – gegebenenfalls,

um einen Krieg geschichtspolitisch zu flankieren. Die Bemerkung von Kaja

Kallas erinnert an den Satz des spanisch-amerikanischen Philosophen

George Santayana: „Wer sich seiner Vergangenheit nicht erinnert, ist

dazu verdammt, sie zu wiederholen.“ Ein Satz, der in der Gedenkstätte

des Vernichtungslagers Auschwitz die Lebenden mahnt.


/Sie waren die einzige Podiumsteilnehmerin aus Deutschland. Warum kam

kein offizieller Vertreter der Bundesregierung? /


Soweit ich informiert bin, war die Bundesregierung eingeladen. Es ist

eine vertane Chance, dass niemand aus dem Kabinett von Kanzler Friedrich

Merz das Forum als Dialogplattform in und mit China wahrgenommen hat. So

war die Bundesrepublik lediglich über die Attachés der deutschen

Botschaft vertreten. Statt deutscher Minister waren Militäroffiziere

anwesend.


Es ist natürlich ein Statement der Bundesregierung, das Forum ungenutzt

zu lassen und keine Minister oder Staatssekretäre zu entsenden – wie es

viele andere Länder getan haben. Auf dem Forum war hinter den Kulissen

oft zu hören, die USA hätten erfolgreich Druck auf die Europäer

ausgeübt. Tatsächlich war unter den 1800 Teilnehmern aus rund 100

Ländern kein einziger hochrangiger Vertreter aus der EU. Man sieht, wie

sehr sich Berlin und Brüssel selbst als willfährige Vasallen der USA

gerieren. Wenn wir ein solches Forum in China nicht nutzen, um dort über

politische und wirtschaftliche Strategien zu diskutieren, und den

Amerikanern das Feld überlassen, machen wir genau das, was die

Amerikaner wollen: uns in einem Konflikt mit China in die erste Reihe

schieben zu lassen. Das grenzt schon an Masochismus und absolute

Unterwerfung.


/Ein wichtiges Thema auf der Konferenz war der Ukrainekrieg. Was wurde

diskutiert?/


Viele Teilnehmer teilen die Wahrnehmung, dass der Westen um jeden Preis

den Krieg in der Ukraine weiterführen will und daher Verhandlungen

blockiert. Es war wirklich bezeichnend, als der stellvertretende

ukrainische Verteidigungsminister faktisch unentwegt für die Fortführung

des Krieges argumentiert hat – solange, bis Russland besiegt sei. Die

Europäer werden international zunehmend als jene Kraft wahrgenommen, die

eine Friedenslösung in der Ukraine verhindert – besonders vor dem

Hintergrund, dass die USA mittlerweile erste Verhandlungsinitiativen

gestartet haben. Es ist doch der schiere Wahnsinn, dass ein Kanzler

Friedrich Merz hier Donald Trump nicht unterstützt. Dafür gibt es im

Globalen Süden null Verständnis. Immer wieder wird man gefragt, warum

Deutschland so völlig von der Rolle ist und scheinbar einen Krieg mit

Russland will.


/Ein weiterer Großkonflikt ist die israelische Invasion im Gazastreifen.

Wie wurde über die Lage im Nahen Osten debattiert?/


In den Diskussionen wurde deutlich, wie sehr der Westen mit seiner

fortgesetzten Unterstützung des Genozids an der palästinensischen

Bevölkerung inzwischen international isoliert ist. Insbesondere die USA

als größter Waffenlieferant Israels – aber auch Deutschland, das noch

immer keine signifikanten diplomatischen Schritte gegen die israelische

Regierung unternommen hat – werden sehr kritisch betrachtet. Zumal die

USA gerade wieder ihr Veto im Sicherheitsrat gegen die Forderung nach

einem Waffenstillstand eingelegt haben. Das Morden Israels in Gaza hätte

ein Ende, wenn die USA es nicht weiter unterstützten.


Auf dem Xiangshan-Forum kam es deshalb auch zu teils harten

Auseinandersetzungen. Der israelische Militärattaché Elad Shoshan, der

den Einsatz in Gaza verteidigte, und der renommierte

Politikwissenschaftler und Dekan der Tsinghua-Universität, Yan Xuetong,

haben heftig diskutiert. Der Videomitschnitt ging viral. Das war

ungewöhnlich, gerade weil Chinesen üblicherweise sehr auf das Protokoll

achten und in diplomatischen Fragen sehr zurückhaltend sind. Der Genozid

in Gaza führt den Ländern des Globalen Südens vor Augen, zu welchen

bestialischen Taten der Westen in der Lage ist. Hier wird jede

Glaubwürdigkeit verspielt. Die Brics

<https://www.berliner-zeitung.de/topics/brics>-Staaten fürchten, dass

der Westen diese Kolonialherren-Mentalität auf sie ausweiten will – und

versuchen, sich untereinander stärker zu vernetzen, um sich dagegen

wehren zu können.


/China und die USA kämpfen um den Status der Weltmacht Nummer eins.

Wieviel Raum nahm der Großkonflikt auf der Konferenz ein?/


Der chinesische Verteidigungsminister Dong Jun und auch die

Organisatoren haben in ihren Reden hervorgehoben, dass die

internationale Ordnung in Gefahr ist. Nicht die Nato solle die Regeln

setzen, sondern die Charta der Vereinten Nationen, betonte er. Das waren

klare Worte. Die chinesische Seite hat stets betont, nicht darauf

abzuzielen, eine global dominante Macht zu werden. Peking setzt auf eine

multipolare Weltordnung. Die USA hingegen – die nicht mit offiziellen

Vertretern anwesend waren – versuchen, China zu isolieren. Es war jedoch

spürbar, dass diese Strategie äußerst prekär ist und der Westen sich

stattdessen selbst isolieren könnte.


unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

20.09.2025

Die Neuordnung der Welt aus Sicht der Kalten Krieger20. September 2025 

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freidenker.org, vom Erstveröffentlichung am 13.09.2025 (Teil 1), 14.09.2025 (Teil 2) und 15.09.2025 (Teil 3) auf RT DE

Diese dreiteilige Serie bespricht die in der Zeitschrift „Foreign Affairs“ erschienene Analyse renommierter Kalter Krieger aus den USA. Dabei geht es um die wachsende Kooperation zwischen China, Russland, Iran und Nordkorea, ihre gemeinsamen Ziele und die Herausforderung der regelbasierten westlichen Weltordnung.

Beitrag in drei Teilen von Rainer Rupp


Navigation
↓ Teil 1: Achse des Umbruchs
↓ Teil 2: Mächte der Revision
↓ Teil 3: Achse herausfordern


Teil 1: „Achse des Umbruchs“

In einer von geopolitischen Spannungen geprägten Welt sehen amerikanische Vertreter des Kalten-Krieg-Denkens eine neue Machtkonstellation entstehen, die darauf abzielt, die von den USA dominierte globale Ordnung zu untergraben. Teil I untersucht die Entstehung dieser „Achse des Umbruchs“ und ihre ersten Auswirkungen. Teil II analysiert die Dynamiken und Spannungen innerhalb dieser Gruppe sowie ihre strategischen Ambitionen. Teil III skizziert aus Sicht der beiden Foreign Affairs-Autoren Andrea Kendall-Taylor und Richard Fontaine, wie die USA und ihre Verbündeten auf diese Bedrohung reagieren sollten, um die bestehende Weltordnung zu verteidigen.

„Seit Jahren haben China, Russland, Nordkorea und Iran ihre Koordination ausgeweitet mit dem gemeinsamen Ziel, die Vereinigten Staaten und ihre Führungsrolle zu schwächen“, argumentierten die beiden Autoren Kendall-Taylor und Fontaine bereits in einem viel kommentierten Essay im Jahr 2024. Die Konvergenz dieser Länder habe „bereits das Bild der Geopolitik verändert“, schrieben sie. „Ihre kombinierten wirtschaftlichen und militärischen Fähigkeiten ergeben zusammen mit ihrer Entschlossenheit, die Art und Weise zu verändern, wie die Welt seit dem Ende des Kalten Krieges funktioniert, eine gefährliche Mischung.“

Foreign Affairs hat die beiden Autoren kurz wie folgt dargestellt:

ANDREA KENDALL-TAYLOR ist Senior Fellow und Direktorin des Transatlantischen Sicherheitsprogramms am Zentrum für eine neue amerikanische Sicherheit. Von 2015 bis 2018 war sie als Stellvertreterin des National Intelligence Officer für Russland und Eurasien im Nationalen Geheimdienstrat zuständig.

RICHARD FONTAINE ist Chef des Zentrums für eine neue amerikanische Sicherheit. Er hat im US-Außenministerium, im Nationalen Sicherheitsrat und als außenpolitischer Berater des berüchtigten Kriegstreibers und inzwischen verstorbenen US-Senators John McCain gearbeitet.

In dem aktuellen, langen Essay der beiden Autoren in Foreign Affairs warnen sie noch eindringlicher als zuvor vor der neuen geopolitischen Konstellation China, Russland, Iran und Nordkorea, deren informelle Koalition sie als „Axis of Upheaval“ (zu Deutsch: „Achse des Umbruchs“) bezeichnen. Diese Staaten hätten das gemeinsame Ziel, „die Prinzipien, Regeln und Institutionen der bestehenden internationalen Ordnung zu untergraben“, die sie als von den USA dominiert betrachten. Ihre Zusammenarbeit habe bereits international „das Bild der Geopolitik verändert“, und ihre gemeinsamen wirtschaftlichen und militärischen Kapazitäten bildeten eine „gefährliche Mischung“, warnen die Autoren.

Der russische Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 habe diese Kooperation beschleunigt. Die Angriffe in der Ukraine verdeutlichten, dass Russland nicht allein agiert: Die eingesetzten russischen Waffen enthielten Technologie aus China, Raketen aus Nordkorea und Drohnen aus Iran. „Moskau hat mehr als 3.700 iranisch konzipierte Drohnen eingesetzt“, und Russland produziert mittlerweile monatlich mindestens 330 Drohnen selbst (Anm. d. Red.: nach neuesten Angaben sind es bis zu 1.000 täglich), während es mit Iran an Plänen für eine neue Drohnenfabrik arbeitet.

Nordkorea liefere ballistische Raketen und über 2,5 Millionen Schuss Artilleriemunition, während China Russlands wichtigste wirtschaftliche Lebensader geworden ist. Peking hat seine Käufe von russischem Öl und Gas massiv gesteigert und liefert Kriegsmaterial wie Halbleiter, elektronische Geräte und Teile für Kampfflugzeuge. Laut Zollunterlagen nähern sich Russlands Importe von Computerchips trotz westlicher Sanktionen wieder dem Vorkriegsniveau – mehr als die Hälfte stamme aus China, lamentieren die Autoren.

Diese Unterstützung stärke Russlands Position auf dem Schlachtfeld, untergrabe westliche Bemühungen, Russland zu isolieren, und schadeten der Ukraine. Doch die Zusammenarbeit beschränke sich nicht nur auf die Ukraine. Die vier Länder vertieften ihre wirtschaftlichen, militärischen, politischen und technologischen Beziehungen. Sie teilten zunehmend gemeinsame Interessen, stimmen ihre Rhetorik ab und koordinieren ihre militärischen und diplomatischen Aktivitäten. „Ihre Konvergenz schafft eine neue Achse des Umbruchs – eine Entwicklung, die die geopolitische Landschaft grundlegend verändert“, betonen die Autoren.

Die Zusammenarbeit sei nicht neu. China und Russland vertieften ihre Partnerschaft seit dem Ende des Kalten Krieges ‒ ein Trend, der sich nach der „Annexion“ der Krim 2014 durch Russland beschleunigt habe. Zwischen 2013 und 2021 verdoppelte sich Chinas Anteil am russischen Außenhandel von 10 auf 20 Prozent, und Russland lieferte zwischen 2018 und 2022 etwa 83 Prozent der chinesischen Waffenimporte. Russische Technologie habe Chinas militärische Fähigkeiten gestärkt, insbesondere in den Bereichen Luftverteidigung, Anti-Schiff-Waffen und U-Boote.

Auch Iran habe seine Beziehungen zu den anderen Mitgliedern der Achse intensiviert, etwa durch die Zusammenarbeit mit Russland zur Unterstützung des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad seit 2011. Nordkorea, das seit Jahrzehnten auf China als Hauptverbündeten angewiesen ist, hat seit den 1980er Jahren Raketen an Iran geliefert und unterstütze möglicherweise iranische Proxy-Gruppen wie die Hisbollah.

Die vier Staaten bildeten keine exklusive Allianz, sondern eine „Sammlung unzufriedener Staaten“, die durch ihren gemeinsamen Wunsch vereint seien, die von den USA geführte Ordnung herauszufordern. Ihre Kooperation verstärkt ihre militärischen Fähigkeiten, schwächt die Wirksamkeit westlicher Sanktionen und behindert die Fähigkeit der USA und ihrer Partner, globale Regeln durchzusetzen. „Wenn diese vier Länder zusammenarbeiten, haben ihre Handlungen eine weitaus größere Wirkung als die Summe ihrer individuellen Anstrengungen“, warnen Kendall-Taylor und Fontaine.

Trotz ihrer Differenzen – etwa der Konkurrenz zwischen China und Russland in Zentralasien oder zwischen Russland und Iran auf den Ölmärkten – bleibe als starkes Bindeglied ihr gemeinsames Ziel, die USA und ihre Führungsrolle zu schwächen. Die Autoren betonen: „In Regionen in Asien, Europa und dem Nahen Osten haben die Ambitionen der Achsenmitglieder bereits destabilisierende Auswirkungen gezeigt.“ Die Bewältigung dieser Herausforderung müsste nun ein zentrales Ziel der US-Außenpolitik sein.

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Teil 2: Mächte der Revision

Die „Achse des Umbruchs“ – bestehend aus China, Russland, Iran und Nordkorea – ist durch eine gemeinsame Ablehnung der westlich dominierten Weltordnung vereint. Alle vier Staaten betrachten die USA als das Haupthindernis für ihre regionalen Ambitionen und streben eine Reduzierung des amerikanischen Einflusses in ihrer jeweiligen Region an. „Alle vier Länder sehen die Vereinigten Staaten als das primäre Hindernis für die Errichtung ihrer Einflusssphären“, erklären Andrea Kendall-Taylor und Richard Fontaine in ihrem Essay in Foreign Affairs.

Jedes Land verfolge dabei eigene geopolitische Ziele: China beansprucht „Kerninteressen“ wie Taiwan und das Südchinesische Meer, Iran stützt sich auf seine „Achse des Widerstands“ mit Proxy-Gruppen in Ländern wie dem Libanon und dem Jemen, Nordkorea reklamiert die gesamte koreanische Halbinsel für sich, und Russland betrachtet seine „nahe Umgebung“ – die Länder seines historischen Imperiums – als seinen Einflussbereich. So einfach strukturiert scheint die Welt aus Sicht der beiden Autoren zu sein.

Trotz ihrer gemeinsamen Ziele gebe es auch Spannungen innerhalb der Achse. China und Russland konkurrierten etwa um Einfluss in Zentralasien, während Russland und Iran um Ölmärkte in Asien wetteiferten. Historische Konflikte, wie die sowjetische Invasion Irans 1941 oder die langjährige Rivalität zwischen China und Russland, könnten die Zusammenarbeit erschweren. Dennoch betonen die Autoren: „Ihre Differenzen reichen nicht aus, um die Bindungen zu lösen, die durch ihren gemeinsamen Widerstand gegen die westlich dominierte Welt geschmiedet wurden.“ Ihr gemeinsames Ziel, die USA und ihre Führungsrolle zu schwächen, fungiert als starkes Bindeglied.

Russland spiele eine zentrale Rolle als Hauptanstifter dieser Achse. „Die Invasion der Ukraine markierte einen Punkt ohne Wiederkehr in Putins langjährigem Kreuzzug gegen den Westen“, stellen die Autoren fest. Seit Beginn des Krieges sei Moskau auf die Unterstützung seiner Partner angewiesen, da westliche Sanktionen den Zugang zu Handel, Investitionen und Technologie eingeschränkt hätten. China, Iran und Nordkorea lieferten Munition, Drohnen, Mikrochips und andere Hilfsmittel, die Russlands Kriegsmaschinerie am Laufen halten. Diese Abhängigkeit gebe den Partnern jedoch auch Einfluss: China erhalte fortschrittliche Waffensysteme, Iran verbesserte militärische Fähigkeiten, und Nordkorea strebe nach neuen Technologien für Raketen und U-Boote.

Die wachsende militärische Zusammenarbeit der Achse

Schon vor der russischen Invasion in der Ukraine hatte Moskaus militärische Unterstützung für Peking den militärischen Vorsprung der USA gegenüber China verringert. Seither liefert Russland China noch mehr hochentwickelte Waffensysteme. Zugleich haben die gemeinsamen Militärmanöver beider Länder an Umfang, Häufigkeit und Intensität deutlich zugenommen. Russische Offiziere, die in Syrien und in der ukrainischen Donbass-Region gekämpft haben, teilen wertvolle Erfahrungen mit ihren chinesischen Kollegen. Dies hilft der Volksbefreiungsarmee, ihren Mangel an operativer Erfahrung auszugleichen, die laut den Autoren „eine spürbare Schwäche im Vergleich zu den kampferprobten US-Streitkräften“ darstellt.

Zwar habe Chinas militärische Modernisierung dank Russlands Hilfe die Dringlichkeit einer vertieften Verteidigungskooperation mit Russland verringert, doch beide Länder setzten weiterhin auf Technologietransfers sowie die gemeinsame Entwicklung und Produktion neuer Waffensysteme. Im Februar bestätigten russische Vertreter etwa, dass sie mit chinesischen Partnern an militärischen Anwendungen künstlicher Intelligenz arbeiten. Moskau behält laut den Autoren in Schlüsselbereichen wie U-Boot-Technologie, Fernerkundungssatelliten und Flugzeugtriebwerken einen Vorteil gegenüber Peking.

Sollte China Russlands abhängige Position in Bezug auf Wirtschaft und Finanzen nutzen, um Zugang zu weiteren fortschrittlichen russischen Technologien zu erzwingen, dann könnte dies den Vorsprung der USA gegenüber China noch weiter untergraben. Eine ähnliche Dynamik zeige sich in Russlands Beziehungen zu Iran und Nordkorea. Moskau und Teheran hätten eine „beispiellose Verteidigungspartnerschaft“ geschmiedet, die Irans militärische Fähigkeiten erheblich stärke. Russland habe Iran mit modernen Kampfflugzeugen, Luftabwehrsystemen, Aufklärungs- und Überwachungstechnologien sowie Cyberfähigkeiten ausgestattet, die Teheran im Falle militärischer Angriffe der USA oder Israels widerstandsfähiger machen würden.

Im Gegenzug für Nordkoreas Lieferung von Munition und anderer militärischer Unterstützung für Russland soll Pjöngjang fortschrittliche Raumfahrt-, Raketen- und U-Boot-Technologien von Moskau gefordert haben. Sollte Russland diesen Forderungen nachkommen, könnte Nordkorea die Präzision und Überlebensfähigkeit seiner nuklearfähigen Interkontinentalraketen verbessern und mit russischer Nuklearantriebstechnologie die Reichweite und Leistungsfähigkeit seiner U-Boote steigern, sorgen sich die beiden Autoren.

Bereits jetzt liefere Russlands Einsatz nordkoreanischer Waffen auf dem Schlachtfeld in der Ukraine den koreanischen Entwicklern in Pjöngjang wertvolle Daten, die zur Weiterentwicklung ihrer Waffen genutzt werden könnten. Zudem dürfte russische Unterstützung Nordkorea geholfen haben, nach zwei fehlgeschlagenen Versuchen im Vorjahr im November 2024 erfolgreich einen militärischen Spionagesatelliten zu starten.

Die strategischen Ambitionen der Achse

Diese zielen laut den Autoren darauf ab, eine alternative Weltordnung zu schaffen. Gemeinsame Marineübungen in der Straße von Oman, die Erhebung Irans zum Vollmitglied der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ) und die Einladung Irans zu den BRICS-Staaten sind Beispiele für ihre Bemühungen, institutionelle Gegenstrukturen aufzubauen. Diese Schritte erhöhen die Legitimität der Mitglieder und eröffnen neue Handelsmöglichkeiten, die westliche Sanktionen umgehen.

Ein zentraler Aspekt ihrer Strategie sei die Schwächung westlicher Instrumente wie Sanktionen. „Der Anteil der russischen Importe, die in chinesischen Renminbi abgerechnet werden, ist von 3 Prozent im Jahr 2021 auf 20 Prozent im Jahr 2022 gestiegen“, verdeutlichen die Autoren. Iran und Russland haben kürzlich ein Abkommen abgeschlossen, um ihren bilateralen Handel in lokalen Währungen abzuwickeln, wodurch sie sich der Wirksamkeit US-amerikanischer Sanktionen entziehen. Zudem nutzen die Länder ihre geografische Nähe, etwa durch den Transport von Waffen über das Kaspische Meer, um westlicher Überwachung zu umgehen.

Die Kooperation der Achse schwäche auch die Fähigkeit der USA, internationale Koalitionen gegen die destabilisierenden Aktionen der Achse zu mobilisieren. Chinas Weigerung, die russische Invasion der Ukraine zu verurteilen, hat es Ländern in Afrika, Lateinamerika und dem Nahen Osten erleichtert, eine neutrale Haltung einzunehmen. Im Informationsbereich verstärken die Länder ihre Wirkung durch abgestimmte Narrative, etwa durch die Unterstützung von Russlands Behauptung, die NATO habe den Krieg in der Ukraine provoziert. Diese parallelen Botschaften verstärken sich gegenseitig und wirken glaubwürdiger, so die Autoren.

Die Achse strebe keine kohärente alternative Ordnung an, doch die Autoren warnen: „Die Geschichte zeigt, dass ein positives Programm nicht notwendig ist, um Unruhe zu stiften.“ Ähnlich wie die Achse von Deutschland, Italien und Japan im Zweiten Weltkrieg bedarf es keiner detaillierten Vision, um die bestehende Ordnung zu destabilisieren. Die wachsende Koordination der vier Länder stelle eine ernsthafte Bedrohung dar, die die geopolitische Landschaft nachhaltig verändere.

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Teil 3: Achse herausfordern

Um der angeblich brandgefährlichen Herausforderung der „Achse“ zu begegnen, müssten die Vereinigten Staaten China, Russland, Iran und Nordkorea als kollektive Bedrohung betrachten, nicht als isolierte Akteure. „Wenn die Vereinigten Staaten eine zunehmend koordinierte Achse bekämpfen wollen, können sie jede Bedrohung nicht als isoliertes Phänomen behandeln“, betonen Andrea Kendall-Taylor und Richard Fontaine in ihrem Aufsatz in Foreign Affairs. Dementsprechend müsse die US-Außenpolitik ihre Strategie anpassen, um die destabilisierenden Effekte der Zusammenarbeit dieser revisionistischen Staaten zu neutralisieren.

Dazu schlagen die Autoren Washington einen zentralen Ansatz vor, der sich allerdings eher nach Realsatire anhört als nach einer ernst zu nehmende Strategie. Ihr Ansatz besteht darin, sogenannte „globale Swing States“ wie Brasilien, Indien, Indonesien, Saudi-Arabien, Südafrika und die Türkei für die westliche Ordnung zu gewinnen. Diese Länder hätten genug geopolitisches Gewicht, um die zukünftige Richtung der internationalen Ordnung zu beeinflussen. „US-Politiker sollten es zur Priorität machen, der ‚Achse des Umbruchs‘ in diesen Ländern Vorteile zu verweigern“, raten die Autoren.

Durch US- und westliche Handelsanreize, militärisches Engagement, Entwicklungshilfe und Diplomatie soll verhindert werden, dass diese Swing States den gefährlichen Achsenmitgliedern Zugang zu militärischen Basen, Technologie oder Möglichkeiten zur Umgehung westlicher Sanktionen bieten. Allerdings scheinen die Autoren nicht verstanden zu haben, dass für die USA dieser Zug längst abgefahren ist.

An diesem Beispiel kann man erneut sehen, wie tief verwurzelt die Realitätsverweigerung selbst bei US-Experten ist. Sie scheinen immer noch im Wolkenkuckucksheim der „unverzichtbaren“ und allmächtigen Nation USA zu leben. Der Glauben der beiden Autoren an die immer noch in alter Größe den Globus uneingeschränkt beherrschende US-Supermacht schimmert in ihren nachfolgenden Vorschlägen für die Lösung des Problems mit der „Achse des Umbruchs“ in jeder Zeile durch.

Als Erstes wird Washington empfohlen, seine Sicherheitszusagen in Regionen wie dem westlichen Pazifik, dem Nahen Osten, der Koreanischen Halbinsel und der Ostflanke der NATO zu bekräftigen. Gleichzeitig müssten allerdings direkte Konflikte mit den Achsenmitgliedern vermieden werden. Die Autoren warnen jedoch vor opportunistischen Aggressionen der Achsenmitglieder, günstige Gelegenheiten auszunutzen: „Wenn eine chinesische Invasion Taiwans eine militärische Intervention der USA auslöst, könnte Russland versucht sein, gegen ein anderes europäisches Land vorzugehen.“ Um solche Szenarien zu verhindern, müssen die USA und ihre Verbündeten sich auf gleichzeitige Konflikte vorbereiten und die Fähigkeiten ihrer Partner stärken, um in mehreren Regionen gleichzeitig handlungsfähig zu bleiben.

Was hier vorgeschlagen wird, ist das Szenario aus den 1960er- und 1970er-Jahren, als die USA noch glaubten, die Fähigkeit zu besitzen, gleichzeitig in verschiedenen Weltregionen zwei große und einen kleinen Krieg zu führen und auch zu gewinnen. Heute gelingt es ihnen nicht einmal, den Huthis im Jemen ihren US-Willen aufzuzwingen. Und den einen kleinen Krieg in Vietnam haben die USA übrigens genau in diesem Zeitfenster verloren, in dem sie sich am stärksten gefühlt haben. Anspruch und Wirklichkeit haben in den USA schon immer weit auseinandergeklafft, heute jedoch mehr denn je.

Aber zurück zu den Autoren, die in einem Anflug von Realismus immerhin erkannt haben, dass die Bekämpfung der Achse „erhebliche Ressourcen“ erfordern würde. „Die Konfrontation mit der Achse wird teuer sein“, stellen die Autoren klar. Die (fast bankrotten) USA müssten ihre Ausgaben für Verteidigung, Entwicklungshilfe, Diplomatie und strategische Kommunikation erhöhen. Unterstützung für Länder wie Israel, Taiwan und die Ukraine, die direkten Bedrohungen durch Achsenmitglieder ausgesetzt seien, seien ebenfalls entscheidend. Eine umfassende, parteiübergreifend unterstützte Strategie im US-Kongress würde ein entscheidendes Signal senden, dass die USA entschlossen sind, ihre globale Führungsrolle zu verteidigen.

Allerding muss man den Autoren zugutehalten, dass sie erkannt haben, dass Versuche, Keile zwischen die Achsenmitglieder zu treiben, zum Scheitern verurteilt sind. Anders als in den 1970er-Jahren, als die USA die Spaltung zwischen China und der Sowjetunion ausnutzten konnte, gebe es heute keine vergleichbare ideologische oder geopolitische Rivalität, die Washington ausspielen könnte. Eine Annäherung an Russland oder China würde wahrscheinlich die Anerkennung ihrer Einflusssphären durch die USA erfordern – ein Preis, den die USA nicht zahlen sollten, meinen die beiden Kalten Krieger aus den USA.

Zum Schluss ihres Werkes kommt dann die übliche US-Selbstbeweihräucherung. Trotz der angeblichen Bedrohung durch die „Achse des Umbruchs“ betonen die Autoren in Foreign Affairs das Selbstvertrauen des Westens: „Der Westen hat alles, was er braucht, um in diesem Wettbewerb zu triumphieren.“

Die kombinierte Wirtschaftskraft, die militärische Überlegenheit, die geografischen Vorteile und die Attraktivität westlicher Werte bildeten ein starkes Fundament, schreiben die Autoren in einer Zeit, in der Europas Niedergang nicht mehr geleugnet werden kann und in der in den politisch und sozial polarisierten USA bürgerkriegsähnliche Zustände drohen. Dennoch fordern die Autoren, dass ein Rückzug der USA von ihrer dominanten Position auf der globalen Bühne und der Verlust der Kontrolle über wichtige Weltregionen für Washington nicht in Frage kommen dürfe.

Sie warnen, dass die wachsende Kooperation der Achse bereits Konflikte wie den Angriff der Hamas auf Israel oder Aserbaidschans Übernahme von Bergkarabach begünstigt habe. Die Normalisierung alternativer Regeln durch die Achse ermutige zudem potenzielle Aggressoren und schwäche die Furcht vor internationaler Isolation.

Um die bestehende Ordnung zu bewahren, müssten die USA und ihre Verbündeten die gegenwärtige Weltordnung stärken, neue Partnerschaften schmieden, die Kooperation der Achse stören und entschlossen gegen diejenigen Staaten vorgehen, die am aktivsten die regelbasierte Ordnung des Westens untergraben. Mit den Worten: „Es ist wahrscheinlich unmöglich, das Entstehen dieser neuen Achse zu verhindern, aber es ist ein erreichbares Ziel, sie daran zu hindern, das aktuelle System zu stürzen“, schließen die Autoren.

Rainer Rupp ist Mitglied des Beirats des Deutschen Freidenker-Verbandes

 

Info: https://www.freidenker.org/?p=22887#teil2


unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

20.09.2025

«ARD & Co. sind am Ende»

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Prof. Michael Meyen am 16. September im Berliner «Sprechsaal»; Foto: Tilo Gräser


transition-news.org, 20. September 2025 von TG. Lesedauer: 9 Minuten. Drucken

Der Kommunikationswissenschaftler Michael Meyen klärt in einem neuen Buch über das Märchen vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk für alle auf – es handelt sich demnach um «Staatsfunk». Er hat es kürzlich in Berlin vorgestellt. Tilo Gräser war dabei.


Immer mehr Menschen in der Bundesrepublik Deutschland wollen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk nicht mehr mitfinanzieren. Das müssen sie bisher durch die als «Rundfunkbeitrag» bezeichnete Zwangsabgabe je Haushalt, der ein Empfangsgerät für Radio, TV oder Internet hat, egal, ob das genutzt wird oder nicht. Der Anteil derjenigen, die das verweigern, steigt – nach offiziellen Angaben derzeit rund acht Prozent der etwa 39 Millionen beitragspflichtigen Haushalte mit TV-Empfang.

Durch jene, die zahlen, haben die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten 2024 einen Gesamtbetrag von mehr als acht Milliarden Euro eingenommen. Doch das reicht ihnen nicht, weshalb der Rundfunkbeitrag (derzeit 18,36 Euro monatlich) weiter steigen soll. Die Politik tritt dabei derzeit noch auf die Bremse.

Der Widerstand aus der Bevölkerung nimmt zu: Eine Frau aus dem Landkreis Rosenheim in Bayern hatte gegen den Rundfunkbeitrag wegen «mangelnder Programmvielfalt» und eines «generellen strukturellen Versagens des öffentlich-rechtlichen Rundfunks» geklagt. Damit war sie 2024 noch beim Verwaltungsgericht München und beim Bayrischen Verwaltungsgerichtshof gescheitert. Doch das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hatte die Revision des Falls zugelassen und will nun im Oktober darüber entscheiden, ob der Rundfunkbeitrag nicht gezahlt werden muss, wenn das Programm des öffentlich-rechtlichen Rundfunks gegen das Gebot der Vielfaltssicherung verstößt.

Das Urteil hat Folgen für die Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rundfunksystems, wie der Kommunikationswissenschaftler Michael Meyen am Dienstag in Berlin erklärte. Er stellte im «Sprechsaal» in Berlin-Mitte sein neues Buch über den «Staatsfunk» vor. Darin beschreibt er, wie der öffentliche-rechtliche Rundfunk neu erfunden werden müsste – oder eben gleich als Staatsfunk aufgebaut werden sollte, weil das ehrlicher wäre.

Meyen fordert ein Ende des Etikettenschwindels, denn «ARD & Co. sind am Ende», wie er im Untertitel des Buches feststellt, auch weil sie längst in den Händen der Politik sind. Das waren sie schon immer, wie er nachweist. Das werde aber bis heute mit dem Märchen vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk, der den Bürgern als Gebührenzahler und Mediennutzer gehört, erfolgreich überdeckt.

Der in Bayern lebende Kommunikationswissenschaftler wurde mit seinen unangepassten Sichten zum Zielobjekt der selbsternannten Wächter über die richtige Meinung. Er stellt in seinem Buch dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk eine schonungslose Diagnose und eine ebensolche Prognose – nämlich, dass er nur als Staatsfunk eine Zukunft hat. Mit seinem Buch will er die Debatte um die Zukunft von ARD & Co. eingreifen, die derzeit an Fahrt aufnimmt, nachdem sie eigentlich schon seit Jahren läuft.

Aufklärung statt Märcherzählung

Diagnose und Prognose begründet Meyen mit Fakten und Daten, mit Zusammenhängen und Hintergründen, die er belegt. Dazu kommen seine eigenen Erfahrungen als Journalist und Ergebnisse seiner Arbeit als Kommunikationswissenschaftler. Zu seinen Erkenntnissen, die er bei der Buchvorstellung wiedergab, gehört zum einen diese:

«Der öffentlich-rechtliche Rundfunk gehört allen – das ist ein Märchen.»

Die andere, die er als wichtigste Botschaft seines Buches benannte, lautet:

«Die Propaganda beginnt mit der Verpackung.»

Mit letzterem Satz beginnt das mit 80 Seiten eher dünne, aber umso gehaltvollere Werk. Aus diesem stellte er grundlegende Aussagen und Passagen vor. In dem Buch stellt er auch klar:

«Die Verpackung ist Propaganda – bei mir ein Wort, das alle Versuche staatlicher Stellen beschreibt, die Stimmung im Land zu manipulieren.»

Das treffe auch für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk und seinen angeblichen Daseinszweck zu, für den die Bundesbürger zwangsweise den sogenannten Rundfunkbeitrag zahlen müssen. Die propagandistische Verpackung bestehe im konkreten Fall aus drei Teilen, erläuterte er seinen Zuhörern:

«Man erzählt uns erstens, der Journalismus könne objektiv neutral und unabhängig sein, behauptet zweitens, er sei so etwas wie eine Vierte Gewalt, ein Kritiker, Kontrolleur, Gegenspieler der Macht, und drittens, der stärkste Teil in diesem Märchen: Der Rundfunk gehört uns hier im Raum. Das ist unser Rundfunk, der unsere Interessen vertritt, unsere Themen artikuliert und damit der Politik signalisiert, was sie zu tun hat.»

Diese drei Propagandathesen würden im Zusammenspiel in Westdeutschland seit 1945 und nun in der gesamten Bundesrepublik die Sicht auf den tatsächlichen Zugriff des Staates auf die Medien, nicht nur die öffentlich-rechtlichen, erschweren. Dazu habe die politische Bildung mit ihren Erklärungen, welche Aufgabe der Journalismus habe, beigetragen, stellte der Kommunikationswissenschaftler fest. Doch in Wirklichkeit hätten sich Militär, Staat und großes Kapital spätestens mit der Erfindung des Radios in den 1920er Jahren den Zugriff auf die Medien gesichert und nie wieder gelockert.

Konformität statt Unabhängigkeit

In seinem Buch beschreibt er unter anderem, wie die «gewaltigen Geldtöpfe» im öffentlich-rechtlichen Rundfunksystem korrumpieren. Dazu kommt ein ausgeklügeltes System von Abhängigkeiten und Unsicherheiten, die Konformität erzwingen.

Der Kommunikationshistoriker nannte drei Hebel, die dabei eingesetzt werden: Zum ersten das System der Aufsicht durch Programmbeiräte und Verwaltungsräte bei den Sendern. Der zweite Hebel sei die Hierarchie mit ihrem verschachtelten System, das vor allem Misstrauen innerhalb der Sender und Redaktionen hervorbringe. Das Geld sei der dritte Hebel, der den Anstalten gewissermaßen maßlos und unkontrolliert zur Verfügung stehe.

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Prof. Michael Meyen am 16. September im Berliner «Sprechsaal»; Foto: Tilo Gräser)


Der Autor las am Dienstag zwei Textpassagen aus seinem neuen Buch. In der ersten ging es um die moderne Mediengeschichte und deren «lange Linien», die zeigen, warum die Erzählung vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk nur ein Märchen ist:

«Radio und Fernsehen haben drei Eltern – das Militär, den Staat und das große Kapital. Wie im richtigen Leben bleibt dieses Trio im Hintergrund, seit das Kind aus dem Gröbsten heraus ist, aber im Zweifel gilt auch hier: Blut ist dicker als Wasser.»

Mit einem Zitat aus dem Buch «The Brass Check» (deutsch: «Der Sündenlohn») von Upton Sinclair aus dem Jahr 1919 über den US-Journalismus verwies Meyen auf die entscheidende Rolle des Kapitals:

«Journalismus ist eines der Mittel, womit die industrielle Autokratie ihre Kontrolle über die politische Demokratie aufrechterhält; es ist die tagtägliche Propaganda, wodurch das Volk in einem Zustand der Ruhe und der Ergebung gehalten wird …»

Der Kommunikationswissenschaftler zitierte eine weitere Aussage von Sinclair:

«Gerechtigkeit und Wahrheit von einer kapitalistischen Zeitung erwarten, heißt Askese bei einem Kannibalenfest verlangen.»

Im Kapitel über «Lange Linien» beschreibt Meyen, wie in Deutschland frühzeitig Militär und Staat sich den Zugriff auf das neue Medium Radio sicherten. Das wurde von den deutschen Faschisten perfektioniert – und nach 1945 nicht grundlegend geändert, denn, so der Autor:

«Warum sollten diese Politiker ein Instrument aus der Hand geben, von dem ihre Vorgänger sichtbar profitiert hatten?»

In den weiteren Kapiteln des Buches zeigt er, «über welche Hebel der lange Arm der Politik bis heute die Programme regiert, obwohl es weder Propagandaminister gibt noch Rundfunk-Kommissare». Von Anfang sei das durch die Illusion der Mitbestimmung über verschiedene Gremien vertuscht worden, erklärte er bei der Buchvorstellung. Der Rundfunk sei zur «Spielwiese der Politik» gemacht worden.

Meyen verwies auf die Studie «Im öffentlichen Auftrag» der IG Metall-nahen Otto-Brenner-Stiftung über die Zusammensetzung und Arbeitsweise der öffentlich-rechtlichen Rundfunkgremien, die in diesem Jahr veröffentlicht wurde. Darin wird offengelegt, wie hoch der direkte und indirekte Einfluss der Parteien auf die Gremien ist – was prompt zu Druck auf Autor und Auftraggeber der Studie führte, wie Meyen berichtete. Zu den im Februar dieses Jahres veröffentlichten Ergebnissen gehört:

«Für mindestens 41 Prozent der Rundfunkrats- und 53 Prozent der Verwaltungsratsmitglieder aller öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten in Deutschland lässt sich eine Parteizugehörigkeit nachweisen. Mit der Entsendung ehemaliger Minister*innen und anderer Parteiangehöriger unterläuft die Politik die Vorgabe des Bundesverfassungsgerichts von 2014, dass maximal ein Drittel der Mitglieder der Aufsichtsgremien staatlich oder staatsnah sein dürfen.»

Das zählt zu den Beispielen, mit denen der Autor belegt, warum der Zustand des öffentlich-rechtlichen Rundfunksystems unhaltbar geworden ist. Dieses erfülle seit langem nicht mehr seinen Auftrag nach Paragraph 26 des Medienstaatsvertrages, nämlich «durch die Herstellung und Verbreitung ihrer Angebote als Medium und Faktor des Prozesses freier individueller und öffentlicher Meinungsbildung zu wirken und dadurch die demokratischen, sozialen und kulturellen Bedürfnisse der Gesellschaft zu erfüllen».

Regierungslautsprecher statt Programmauftrag

In Berlin benannte er die Mechanismen, die den Zustand bewirken. Zu denen gehört, dass zwei von drei Programmachern in den öffentlich-rechtlichen Sendern ohne ordentliche Absicherung arbeiten, während es gleichzeitig wenige hochbezahlte Chefredakteure, Vorzeigemoderatoren und Senderfunktionäre gebe. Ein hoher Konformitätsdruck in den Redaktionen führe zu einem Klima des Misstrauens und des gegenseitigen Belauerns sowie des Mobbings, so der Kommunikationswissenschaftler.

Im Buch beschreibt er unter anderem, wie gerade die öffentlich-rechtlichen Sender, ihre Redaktionen und Journalisten in der politisch verursachten Corona-Krise versagten und verweigerten, ihren gesetzlichen Programmauftrag zu erfüllen. Stattdessen habe es «so gut wie keine Kritik an der Regierung» gegeben und es sei eine «Gesellschaft in der Krise» präsentiert worden «sowie ein Journalismus, der im Gleichschritt mit der Politik marschiert». Das zeige sich auch bei dem Krieg in der Ukraine, stellte Meyen fest:

«Tagesschau und heute waren nicht ausgewogen oder gar neutral, sondern Partei – für Wirtschaftssanktionen gegen Russland, für eine militärische Unterstützung der Ukraine, für die Lieferung schwerer Waffen und gegen jede Diplomatie.»

Was er dazu aus einer anderen Studie der Otto-Brenner-Stiftung über die öffentlich-rechtlichen Medien im Jahr 2022 zitiert, gilt bis heute. Den Befund, dass mit dem Programmauftrag zwar die Forderung nach einem noch höheren Rundfunkbeitrag und damit noch mehr Geld für die Sender begründet wird, dieser aber gar nicht erfüllt wird, belegt Meyen mit weiteren Beispielen.

Zukunft statt Untergang

Er gab am Dienstag auch einen Einblick darin, wie er sich die Zukunft des öffentlich-rechtlichen Systems vorstellt. Das beschreibt er im Buch im letzten Kapitel, aus dem er Passagen vorlas. Würde er zu den entscheidenden Politikern gehören, hätte er zwei Optionen:

«Weiter, weiter ins Verderben – oder den Schleier lüften und mich zum Modell Staatsfunk bekennen. Schluss mit dem Märchen vom Rundfunk, der allen gehört, von Vertretern des Volkes kontrolliert wird und deshalb von jedem bezahlt werden muss.»

Meyen verwies auch bei der Buchvorstellung darauf, dass weltweit der Staatsfunk das übliche Modell ist und sich auch in Westeuropa der Trend dahin zeige. In seinem Buch stellt er fest:

«Jede Reformidee läuft ins Leere, wenn sie nicht das politische System mitdenkt und auch dort mit der Verpackung anfängt – mit den Erzählungen, die die Herrschaftsverhältnisse schützen und verschleiern.»

Meyen hat einen eigenen «Traum» von der Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Der beruht zum einen auf seinen Erfahrungen und Beobachtungen als junger Journalistikstudent in der Endzeit der DDR 1989/90 mit ihren Aufbrüchen, neuen Freiheiten und Anarchien. Der zum anderen aus klaren Vorstellungen über Finanzierung und Strukturen besteht für einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk – «der sich auf Journalismus konzentriert und auf den Auftrag Öffentlichkeit», der «alle Themen, die die Menschen umtreiben, und alle Perspektiven» aufgreift und die «große Politik» genauso einschließt wie das, was vor Ort im Leben der Menschen geschieht.

Wer es genauer wissen möchte, wie der Autor sich das vorstellt, dem ist die Lektüre des kleinen Buches über ein großes Thema zu empfehlen, das am 22. September in den Buchhandel kommt. Es handelt sich um den Abschluss einer ungeplanten Trilogie, wie der Autor erklärte: Dazu gehören die Bücher «Cancel Culture» (2024) und «Der dressierte Nachwuchs» (2024) aus dem gleichen Verlag Hintergrund Berlin.

Buchtipp:
Michael Meyen: „Staatsfunk – ARD & Co. sind am Ende – oder müssen neu erfunden werden“
Verlag Hintergrund Berlin 2025, Reihe „Wissen Kompakt“. 80 Seiten; ISBN 978-3-910568-25-9; 10,90 Euro


Info: https://transition-news.org/ard-co-sind-am-ende


unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

20.09.2025

Die Unterwanderung der Demokratie: USA – NATO – WEF (Teil 1)

rtnewsde.site, 20 Sep. 2025 07:30 Uhr, Von Wolfgang Bittner

Erst war von der "Zeitenwende" die Rede, dann sollte Deutschland wieder "kriegstüchtig" werden. Und schon steht der Feind wieder in den eigenen Reihen. Die NATO-Aggression nach außen geht mit zunehmender Repression nach innen einher. Das Ziel – die vollständige Umgestaltung von Staat und Gesellschaft im Interesse von USA, NATO und transnationalem Kapital.


Quelle: www.globallookpress.com © Florian Gaertner


Die NATO und ihre Netzwerke sind der militärische Arm des westlichen Imperialismus.


Deutschland soll "kriegstüchtig" werden, und die Berliner Regierung hat astronomische Ausgaben für die Aufrüstung bereitgestellt. Denn angeblich will Russland nach der Ukraine Westeuropa erobern, auch wenn es dafür keinerlei Belege gibt und Putin solche Absichten niemals geäußert hat.

Trotzdem wird in einem Maße hochgerüstet, dass inzwischen ein dritter Weltkrieg nicht mehr auszuschließen ist. Dennoch gibt es kaum Widerstand gegen diese destruktive Politik, ebenso wenig gegen die übermäßige Reglementierung, Digitalisierung und Überwachung, den Weg nicht nur Deutschlands in den Totalitarismus.

Der Nordatlantikpakt

Am 4. April 1949 gründeten zwölf westliche Staaten die NATO, die North Atlantic Treaty Organization. Diese "Nordatlantische Vertragsorganisation" ist ein Bündnis, um sich gegenseitig militärisch und politisch zu unterstützen. Ihr gehören inzwischen 32 europäische und nordamerikanische Staaten an.


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Im Nordatlantikvertrag, in dem die Rechte und Pflichten der Mitglieder geregelt sind, heißt es: "Die Parteien verpflichten sich, in Übereinstimmung mit der Satzung der Vereinten Nationen, jeden internationalen Streitfall, an dem sie beteiligt sind, auf friedlichem Wege so zu regeln, dass der internationale Friede, die Sicherheit und die Gerechtigkeit nicht gefährdet werden, und sich in ihren internationalen Beziehungen jeder Gewaltandrohung oder Gewaltanwendung zu enthalten, die mit den Zielen der Vereinten Nationen nicht vereinbar sind."

Von diesen Bekundungen hat sich die NATO spätestens mit dem völkerrechtswidrigen Angriff auf Jugoslawien weit entfernt. Sie hat sich zu einer aggressiven Organisation unter der Dominanz der USA entwickelt und bis nach Südamerika und Asien ausgebreitet. 1998 erhielt Argentinien den Status eines wichtigen Verbündeten, und Kolumbien wurde 2022 ein "globaler Partner". Hinzu kamen, ebenfalls als globale Partner, Japan, Südkorea, Australien, Neuseeland und Singapur.

Als 1991 in einer Entspannungsphase der Warschauer Pakt als östlicher Gegenpart aufgelöst wurde, blieb die NATO bestehen. Die Gründung eines europäischen Verteidigungsbündnisses unter Einbeziehung von Russland wurde von den USA hintertrieben. Stattdessen dehnte sich die NATO entgegen den Absprachen, die in Protokollen festgehalten sind, immer weiter nach Osten bis an die Grenzen Russlands aus. Zugleich wurden die geheimdienstliche Tätigkeit und die Beeinflussung von Politik und Medien intensiviert. Auch die USA nahmen Anfang der 1990er Jahre neben den zumeist hochkriminellen Aktivitäten von CIA und NSA ihre Infiltrations- und Indoktrinationsmaßnahmen verstärkt wieder auf und nutzten dafür die bewährten Organisationen.

US- und NATO-nahe Netzwerke

Das US-Außenministerium, Geheimdienste sowie sonstige interessierte Kreise aus den USA haben bereits seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs die ganze Welt und insbesondere den Frontstaat Deutschland mit einem Netz ihrer Thinktanks und Nichtregierungsorganisationen überzogen. Dazu gehören Atlantik-Brücke, Münchner Sicherheitskonferenz, European Council on Foreign Relations, Aspen Institute, Goldman Sachs Foundation, The American Interest, Atlantic Council, Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik, Rockefeller Foundation, German Marshall Fund (GMF), Atlantische Initiative – insgesamt weit über hundert Organisationen.


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Fast alle führenden deutschen Politiker und Politikerinnen sowie viele Journalisten sind Mitglieder solcher Netzwerke, die zum Nachteil des eigenen Landes und einer europäischen Friedenspolitik die Interessen der USA und der NATO vertreten. Mitglieder der Atlantik-Brücke, deren Vorsitzender seit 2019 der ehemalige Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) ist, sind zum Beispiel: Friedrich Merz (CDU), Angela Merkel (CDU), Christian Lindner (FDP), Norbert Röttgen (CDU), Annalena Baerbock (Bündnis 90/Die Grünen), Omid Nouripour (Bündnis 90/Die Grünen), Alexander Graf Lambsdorff (FDP), Stefan Liebich (Die Linke), Kai Diekmann (ehemaliger Herausgeber der Bild-Gruppe), Martin Winterkorn (ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG), Michael Hüther (Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft), Birgit Breuel (ehemalige Präsidentin der Treuhandanstalt) und Wolfgang Ischinger (ehemaliger Vorsitzender der Münchner Sicherheitskonferenz).

Weitere Mitglieder US- und NATO-naher Netzwerke sind beispielsweise Ursula von der Leyen (CDU), Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP), Claus Kleber (ehemaliger Moderator des ZDF-heute-journals), Jens Spahn (CDU), Edmund Stoiber (CSU), Klaus von Dohnanyi (SPD), Joschka Fischer (Bündnis 90/Die Grünen) und Cem Özdemir (Bündnis 90/Die Grünen). Hinzu kommen Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur.

In den Medien sieht es ähnlich aus. Die westlichen Massenmedien sind in Privathand, die Eigentümer und Herausgeber regierungskonform und die Leitungsposten in den Redaktionen mit US-affinen Journalisten besetzt, die sehr oft Mitglieder in den verschiedenen US-Netzwerken sind. Auf diese Weise wurde der Einfluss auf die meinungsbildenden Medien ausgeweitet.


Deutsche verlieren Vertrauen in Staat und Medien






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Kein Wunder, dass es unter diesen Voraussetzungen zu einer einheitlichen Berichterstattung gekommen ist, die nicht selten in Propaganda und Hetze ausartet. Auch für den "Nachwuchs" wird gesorgt. Die USA richteten an Eliteuniversitäten Seminare für sogenannte Young Leaders ein und zogen sich auf diese Weise eine Kerntruppe von jungen aufstrebenden Politikern und Journalisten heran. Das wird zwar in Abrede gestellt, aber nachweislich haben viele der leitenden Journalisten wie auch der Spitzenpolitiker solche Kurse und Seminare besucht, in denen sie auf die Politik der USA eingestimmt wurden.

Im Laufe der Jahre nahmen an diesen von den Netzwerken organisierten Schulungen beispielsweise folgende Einflusspersonen teil: Angela Merkel, Olaf Scholz, Friedrich Merz, Markus Söder, Christian Lindner, Jens Spahn, Cem Özdemir, Omid Nouripour, Annalena Baerbock, Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg, Kai Diekmann, Claus Kleber, Sandra Maischberger; aber auch Emmanuel Macron, Tony Blair, David Cameron, Sebastian Kurz, José Manuel Barroso, Bill Gates oder Jeff Bezos – um nur einige wenige Namen zu nennen.

Hin und wieder ist zu erleben, wie einzelne Personen gezielt für Propagandazwecke eingesetzt werden. So wurde der angeblich vom Kreml vergiftete Einflussagent Alexej Nawalny 2010 einige Monate an der Eliteuniversität Yale/Connecticut im "Yale World Fellows Program" auf seine Rolle als globale Führungskraft (d. h. "Regimechanger") vorbereitet. Eine ähnliche Unterweisung erhielten der Ukrainer Arsenij Jazenjuk, der Georgier Micheil Saakaschwili, die Litauerin Dalia Grybauskaité, der Venezolaner Juan Guaidó und andere US-"Hoffnungsträger". Aber das geschieht im Verborgenen, bis diese zuvor unbedeutenden Leute plötzlich Prominenz erhalten und sich für die Interessenpolitik der USA einsetzen.

Einflussnahme und Ziele des Weltwirtschaftsforums

Parallel zu den Indoktrinationsmaßnahmen der USA und der NATO startete das außerordentlich einflussreiche Weltwirtschaftsforum (World Economic Forum, WEF) 1992 ein Programm für "Global Leaders of Tomorrow", das seit 2004 "Young Global Leaders" heißt, ebenfalls zur Förderung geeigneter zukünftiger Führungskräfte. Dadurch entstand auch in diesem Wirkungsbereich ein globales Netzwerk mit bedeutenden Führungskräften aus Politik, Wirtschaft, Medien, Militär, Adel, Kunst, Kultur und so weiter, die sich für die Pläne des Weltwirtschaftsforums engagieren.


Rechte und linke Stiftungen auf der Agenda NATO-Deutschlands





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Rechte und linke Stiftungen auf der Agenda NATO-Deutschlands





Das WEF, eine Stiftung und weltweit vernetzte Lobbyorganisation, hat seinen Hauptsitz in der Schweiz bei Genf und veranstaltet jährliche Treffen, zumeist in Davos, an denen die Elite der Welt teilnimmt. Es unterhält Büros in New York, Tokio und Peking. Die Macht dieser Organisation wird – ebenso wie die der "Bilderberg-Gruppe" – oft unterschätzt. Denn sie wird zumeist als eine harmlose Honoratiorengesellschaft wahrgenommen, die sich in den Schweizer Bergen zum Plaudern trifft.

Wie einflussreich das WEF tatsächlich ist, lässt sich allerdings erkennen, wenn man sich die lange Liste der Beteiligten anschaut. Es ist eine wirtschaftliche und politische Machtdemonstration der einflussreichsten Personen der Welt sowie etwa 1000 Unternehmen mit einem jährlichen Umsatz von über fünf Milliarden US-Dollar, Dazu gehören BlackRock, die Gates Foundation, Goldman Sachs, Google, The Coca Cola Company, Nestlé, IBM, Siemens, SAP, Allianz, Bank of America, BP Amoco, Credit Suisse, Deutsche Bank, Deutsche Post DHL, Facebook, der Pharmakonzern Johnson & Johnson, Mastercard, Mitsubishi Corporation, Paypal, Saudi Aramco, Siemens oder auch der Medienkonzern Thomson Reuters.

Angemessen erscheinen insofern die Basis-Mitgliedsgebühr von 42.000 Schweizer Franken sowie eine Gebühr von 18.000 Schweizer Franken für die Teilnahme des jeweiligen Präsidenten/Vorstandsvorsitzenden der Unternehmen am Jahrestreffen. Mitglieder aus der Industrie und strategische Partner bezahlen 250.000 bis 500.000 Schweizer Franken, um maßgeblich an den Initiativen des Forums mitwirken zu können.

Ende des ersten Teils.

Der Schriftsteller und Publizist Dr. jur. Wolfgang Bittner lebt in Göttingen. Er hat über 80 Bücher veröffentlicht, u. a. "Die Eroberung Europas durch die USA" (2014), "Deutschland – verraten und verkauft“ (2021) sowie "Die Heimat, der Krieg und der Goldene Westen" (Roman, 2019). Der vorstehende Beitrag ist ein Auszug aus dem Buch "Geopolitik im Überblick. Deutschland-USA-EU-Russland", das kürzlich im Verlag Hintergrund in der Reihe WISSEN KOMPAKT erschienen ist.

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wurde darauf verzichtet, die zahlreichen Anmerkungen in der Online-Fassung dieses Auszugs wiederzugeben.


Mehr zum Thema – "Politik macht frei" – Deutsche Botschaft verhöhnt Russen mit Arendt-Zitat


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Video https://rumble.com/v6yxhlu-ihr-seid-frs-blutvergieen-dann-lasst-das-eure-flieen-friedensdemo-in-berlin.html Dauer 1:42 Min.


RT DE bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Gastbeiträge und Meinungsartikel müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

Durch die Sperrung von RT zielt die EU darauf ab, eine kritische, nicht prowestliche Informationsquelle zum Schweigen zu bringen. Und dies nicht nur hinsichtlich des Ukraine-Kriegs. Der Zugang zu unserer Website wurde erschwert, mehrere Soziale Medien haben unsere Accounts blockiert. Es liegt nun an uns allen, ob in Deutschland und der EU auch weiterhin ein Journalismus jenseits der Mainstream-Narrative betrieben werden kann. Wenn Euch unsere Artikel gefallen, teilt sie gern überall, wo Ihr aktiv seid. Das ist möglich, denn die EU hat weder unsere Arbeit noch das Lesen und Teilen unserer Artikel verboten. Anmerkung: Allerdings hat Österreich mit der Änderung des "Audiovisuellen Mediendienst-Gesetzes" am 13. April diesbezüglich eine Änderung eingeführt, die möglicherweise auch Privatpersonen betrifft. Deswegen bitten wir Euch bis zur Klärung des Sachverhalts, in Österreich unsere Beiträge vorerst nicht in den Sozialen Medien zu teilen.

Info: https://rtnewsde.site/meinung/256437-die-unterwanderung-der-demokratie-usa-nato-wef-teil-1/


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20.09.2025

Von der Leyen beugt sich schon wieder Trumps Druck

lostineu.eu, vom 19. September 2025

Der unfaire Handelsdeal mit US-Präsident Trump sollte eine Ausnahme bleiben. Doch nun beugt sich EU-Kommissionschefin von der Leyen schon wieder Trumps Druck – diesmal bei den Sanktionen gegen Russland. Sie will Importe von russischem Flüssigerdgas (LNG) ein Jahr früher als ursprünglich geplant verbieten. Ziel sei es, den Ausstieg aus russischem LNG bis zum 1. Januar 2027 abzuschließen, hieß es in Brüssel. Dies würde vor allem die LNG-Häfen in Belgien, Frankreich und Spanien treffen – aber auch Deutschland, das über Seebrügge versorgt wird. Die EU-Länder müssten künftig noch mehr LNG in den USA kaufen. Trump dürfte trotzdem nicht zufrieden sein, denn er fordert auch noch den Ausstieg beim Öl und Sekundärsanktionen gegen China und Indien…

Mehr zum Wirtschaftskrieg hier

6 Comments

  1. european
    20. September 2025 @ 07:57

    Naja, Trump hat erkannt, dass die EUropäer keinen Rückwärtsgang kennen und genau da packt er sie. Die EU ist bereit, alles zu opfern, um die USA im Ukrainekonflikt zu halten. Sie erkennen dabei nicht, dass der Preis die europäische Wirtschaft ist und die Abhängigkeit von den USA größer sein wird als die von Russland jemals war und damit die USA die wirtschaftliche Dominanz zurückbekommt. Wir werden ihnen aus der Hand fressen (müssen).

    Anschließend wird bekannt gegeben, welche neuen Verträge und Abkommen über wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen USA und Russland geschlossen wurden. Zum gegenseitigen Benefit.

    Trump fährt m.E. eine Doppelstrategie nach dem Motto, dass man Flöhe UND Läuse haben kann. Make America great again. Gute Firmen wandern aus Europa ab, entweder in die USA oder nach China. Die Arbeitslosenzahlen steigen, die Wirtschaft schmiert ab und niemand scheint bereit, willens und/oder fähig, diesen Zug aufzuhalten. Die Kosten für den Ukrainekonflikt, der wohlbemerkt, nicht mal ein europäischer Konflikt war, sondern ein Krieg der USA, insbesondere der Biden-Familie, werden für die EU untragbar sein, getoppt von einem forcierten Beitritt des bis dato korruptesten Landes in Europa.

    Tja, ihr EUropäer: Was ist der Preis, den ihr für diesen Konflikt zahlen wollt? Offenbar jeden. Und wenn alles verhökert ist, gehen die Protagonisten in die wohlverdiente Pension, die dann vom europäischen Steuerzahler „erwirtschaftet“ werden muss.

    Eigentlich ein Fall für die Staatsanwaltschaft. Aber das wird nicht passieren.

Antworten

  • Helmut Hoeft
    20. September 2025 @ 12:14

    @european
    FACK! Naja, Trump hat erkannt, dass die EUropäer keinen Rückwärtsgang kennen und genau da packt er sie. Die EU ist bereit, alles zu opfern, um die USA im Ukrainekonflikt zu halten. Volltreffer!

    Danke für Deinen Kommentar.

    Antworten

  • KK
    19. September 2025 @ 19:07

    „Doch nun beugt sich EU-Kommissionschefin von der Leyen schon wieder Trumps Druck“

    Trump hat doch öffentlich ausgesprochen, wie er am liebsten mit weiblichen Gegenübern umgeht… irgendwas mit „grab them by the…“
    Eine zumindest scheint sich das zumindest im übertragenen Sinn gern gefallen zu lassen, denn ausbaden muss es ja die ganze EU…

    Antworten

  • Ulla
    19. September 2025 @ 18:34

    Russland draussen, EU/Deutschland am Boden und die US-Amerikaner drinnen aber sowas von.
    Besser kann es fuer die USA z.Zt. in der EU gar nicht laufen!
    Trump setzt sich auf allen Ebenen durch!
    https://www.youtube.com/watch?v=GenpDnPVjfA
    Condoleezza Rice 2014 mit der Forderung, die Energiestruktur zu aendern und mehr Gas und Oel aus den USA zu beziehen.
    Voilà Ende 2026 ist es ist vollbracht!

    Antworten

  • Erneuerung
    19. September 2025 @ 17:27

    Wie wäre es denn, wenn die meisten europäischen Länder BRICS beitreten und auch deren entstehendem Zahlungssystem?
    Die Ukraine und Polen können gern an amerikanischer Seite bleiben. Polen gibt die ehemals deutschen Gebiete wieder an Deutschland ab und erhält dafür die 1,3 Billionen geforderten Euro, in Raten. Weitere Gebietsansprüche machen Polen und die Ukraine unter sich aus. Es wird eine neu zusammengewürfelte Verteidigungsallianz geben, Windows wird überall erst mal durch Linux ersetzt, der Euro löst sich vom Dollar. Sanktionen gibt es dann gegen amerikanisches LNG wegen Umweltschädlichkeit (Fracking) und Israel wegen Rassismus und Genozid. Statt GPS werden eigene oder chinesische Systeme benutzt.
    Und bis zur vollständigen Umstellung auf umweltschonende Energiewuellen (ich zähle hier persönlich Windkraft nicht dazu) erhalten wir wieder russisches Röhrengas, was ohnehin in der Taiga aus dem Boden strömt. Angst vor Kommunismus ist unbegründet, da es den außer in Nordkorea nirgends mehr gibt. Die Autokratien des Ostens sind nicht weniger undemokratisch als das, was derzeit in Europa abgeht.
    Man darf ja mal träumen. Aber es wird anders, mit Armut, Schmutz und Krieg, leider.

    Antworten

    • KK
      19. September 2025 @ 18:24

      „Angst vor Kommunismus ist unbegründet, da es den außer in Nordkorea nirgends mehr gibt.“

      Auch Nordkorea ist streng genommen nicht wirklich kommunistisch, denn Kommunismus ist per se atheistisch – die jeweiligen Herrscher aus der KIM-Dynastie haben allerdings Gottesstatus und müssen entsprechend verehrt werden.

      Antworten

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    Info: https://lostineu.eu/von-der-leyen-beugt-sich-schon-wieder-trumps-druck/?utm_campaign=Lost%20in%20EUrope%20Update&utm_content=Lost%20in%20EUrope%20Update&utm_medium=email&utm_source=getresponse


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.




    Weiteres: 




    Klingbeil sorgt sich um Frankreich – aber “keine Eurokrise”


    lostineu.eu, 19. September 2025

    Die politische Krise in Frankreich beschäftigt die Finanzminister der Eurozone. Der deutsche Kassenwart Klingbeil macht sich Sorgen – warnt aber vor Panik.

    Die Bundesregierung blicke mit Sorge nach Frankreich, sagte Klingbeil bei einem Treffen mit seinen Amtskollegen in Kopenhagen, bei dem es auch um die Eurozone geht.

    Gleichzeitig schränkte er ein: „Aber es gibt keinerlei Anzeichen dafür, dass die politischen Herausforderungen in Frankreich gerade den Euroraum gefährden.“

    Zwar sind die Zinsen für zehnjährige Staatsanleihen teilweise höher als in Italien. Die Nachfrage ist aber immer noch hoch – von einer Flucht der Anleger kann (noch) keine Rede sein.

    Auch die politische Instabilität ist nicht so gravierend, wie es auf den ersten Blick scheint. Präsident Macron bleibt, wenn nicht noch etwas Revolutionäres geschieht, bis zum Frühjahr 2027 im Amt.

    Er hat zwar keine Mehrheit in der Nationalversammlung mehr. Auch in den Meinungsumfragen ist er ständig abgefallen – auf das traurige Niveau seines Amtsvorgängers Hollande, der wegen seiner Unbeliebtheit gehen mußte.

    Doch die wichtigsten Entscheidungen fällt in Frankreich immer noch der Präsident – solange er an der Macht ist. Seine Gesetze kann er zur Not mit dem Verfassungsartikel 49.3, genannt “dicke Bertha”, in Kraft setzen.

    Auch bei den für die EU wichtigen Themen Verteidigung, Krieg und Frieden gibt Macron den Ton an. Damit bleibe Paris handlungsfähig, meint die Frankreich-Expertin Claire Demesmay.

    Und das ist ja die Hauptsache – oder?

    Siehe auch meine neue Kolumne im Makroskop: “Hauptsache, Macron bleibt an der Macht”

    8 Comments

    1. Niko
      20. September 2025 @ 13:49

      wen interessieren eigentlich noch die Urteile bzw. Handlungsanweisungen internationaler Organisationen? Amerika war der Vorreiter beim Zerstören der internationalen Organisationen und Deutschland hat das klaglos laufen lassen und sogar mitgemacht. Das sind die Ursachen, dass letztendlich auch in Frankreich alles aus dem Ruder läuft. Wir brauchen dringend funktionierende Organisationen welche in der Lage sind die gemeinsamen Rechtsansprüche per Mehrheitsbeschluß durchzusetzen. Leider zeigt sich, dass auch unsere Regierung Entscheidungen Handlungsempfehlungen und Sanktionen der UNO unterläuft. Das ist bei den vorherrschenden Doppelstandards nicht verwunderlich und zerstört die UNO immer mehr. Die SPD mit ihrem Chef macht da kräftig mit.

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  • Helmut Hoeft
    20. September 2025 @ 12:09

    Auszug aus dem Problemkatalog: Für wen die “Spreads” kein Beweis für die Dysfunktionalität der “Fremdwährung für alle” – aka €uro – sind, dem ist nicht mehr zu helfen.

    Wenn F (oder die €U) Probleme haben dann sind es der €uro und die Handelsüberschüsse. Siehe auch hier: Wettbewerb ist gut – Teil 3 … und was dabei rauskommt: Kollateralschaden für alle! https://www.hhoeft.de/mythos/index.php/2020/06/05/wettbewerb-ist-gut-teil-3-und-was-dabei-rauskommt-kollateralschaden-fuer-alle/

    Herr schmeiß Hirn vom Himmel aber soviel, dass es die Einfältigen erschlägt! ????

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  • Stef
    20. September 2025 @ 08:43

    Klingbeil ist bekanntermaßen ein komplett transatlantisch programmierter äääh ausgebildeter Typus. Kernanforderung ist US-linientreue und PR-Sprech. Nichts an ihm ist charismatisch oder überzeugend, er ist ein exzellent vernetzter Handwerker der Macht im Dienst des US-Imperiums. Er glaubt ehrlich, dass dies gut für seine Heimat ist. Als Politiker würde ich ihn nicht bezeichnen.

    Antworten

  • Arthur Dent
    19. September 2025 @ 18:49

    Frankreich kann auch politisch generalstreiken, in Deutschland darf man höchstens spazieren gehen. Der Finanzminister verplempert weiterhin das Geld in Förderung von Solaranlagen, die Nachts nicht ein Kilowatt Strom liefern. Deutschland hat schon eine installierte Leistung von 110 Gigawatt, man kann davon aber gar nicht genug haben.

    Antworten

  • palman
    19. September 2025 @ 17:16

    … und zum SCHLAG-Wort > H a N d L u N g S – Fähigkeit < !?! – könnte man auch von > F u H r W e R k E r E i < sprechen – nach dem alten HandWerker-Motto: – “Schon drei mal ab-ge-schnit-ten – und immer noch zu kurz” !?! ????

    Antworten

  • KK
    19. September 2025 @ 14:08

    Klingbeil sollte sich als deutscher Finanzminister auch eher Sorgen um die gigantischen Schulden machen, die Deutschland gerade aufhäuft. Aber das ist ja auch so ein Kriegstreiber vor dem Herrn, der schon die zu plündernden russischen Bodenschätze als Lösung aller Probleme sieht…

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    • Michael
      19. September 2025 @ 16:08

      Eine noch größere Versuchung scheint gegenwärtig zu sein russisches Staatsvermögen auf belgischen Konten zu stehlen!?

      Antworten

      • KK
        19. September 2025 @ 18:57

        Das ist das “Vorspiel”, zum warmwerden… man muss ja erst mal ordentlichst aufrüsten, die Wehrpflicht wieder einführen – und warten, bis in den USA ein anderer Präsident gewählt ist, der beim Krieg gegen Russland auch sicher mitmachen würde ????
        Bis dahin übt man schon mal und plündert russische Konten…

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    Info: https://lostineu.eu/klingbeil-sorgt-sich-um-frankreich-aber-keine-eurokrise/?utm_campaign=Lost%20in%20EUrope%20Update&utm_content=Lost%20in%20EUrope%20Update&utm_medium=email&utm_source=getresponse


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    20.09.2025

    Nachrichten von Pressenza: Neues Segelschiff für Rettungseinsatz im Mittelmeer

    aus e-mail von  <newsletter@pressenza.com>, 20. September 2025, 7:15 Uhr


    Nachrichten von Pressenza - 20.09.2025


    Neues Segelschiff für Rettungseinsatz im Mittelmeer


    Mit dem Segelschiff Humanity 2 bringt die seit zehn Jahren aktive Seenotrettungsorganisation SOS Humanity ein zweites Rettungsschiff aufs zentrale Mittelmeer. Das rund 24-meter lange Segelschiff wird aktuell von SOS Humanity erworben und anschließend umgebaut. Die Humanity 2 soll ab Mitte&hellip;

    https://www.pressenza.net/?l=de&track=2025/09/neues-segelschiff-fuer-rettungseinsatz-im-mittelmeer/


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    US-Veto gegen Waffenstillstandsresolution in Gaza löst Proteste vor der UNO in New York aus


    Die Vereinigten Staaten haben erneut ihr Veto gegen eine Resolution des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen eingelegt, die einen sofortigen und dauerhaften Waffenstillstand in Gaza forderte, was zu einer breiten Verurteilung und zu Protesten vor dem UN-Hauptquartier in Manhattan führte. Die&hellip;

    https://www.pressenza.net/?l=de&track=2025/09/us-veto-gegen-waffenstillstandsresolution-in-gaza-loest-proteste-vor-der-uno-in-new-york-aus/


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    Kennedy legt sich erneut mit der Pharmaindustrie an


    Werbespots für Medikamente müssen künftig umfassender über Nebenwirkungen informieren. Martina Frei für die Online-Zeitung INFOsperber «Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.» Mit Sätzen wie diesen in Pharma-Werbespots sollen sich Firmen in den USA künftig nicht mehr&hellip;

    https://www.pressenza.net/?l=de&track=2025/09/kennedy-legt-sich-erneut-mit-der-pharmaindustrie-an/


     -----------------------


    Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte stoppt griechische Abschiebepläne


    Der Straßburger Gerichtshof hat der aktuellen Aussetzung von Asylverfahren in Griechenland vorerst Einhalt geboten: Mit zwei einstweiligen Anordnungen schützt das Gericht Menschen, denen der Zugang zum Asylverfahren verwehrt wurde. Im Interview ordnet Minos Mouzourakis, Rechtsanwalt der PRO ASYL-Schwesterorganisation RSA, den&hellip;

    https://www.pressenza.net/?l=de&track=2025/09/europaeischer-gerichtshof-fuer-menschenrechte-stoppt-griechische-abschiebeplaene/


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    Melissa Parke: „Die Ratifizierung des Atomwaffenverbotsvertrags wird Griechenland auf die richtige Seite der Geschichte stellen.“


    Mitglieder der ICAN und der griechischen Anti-Atom-Allianz luden die ICAN-Exekutivdirektorin Melissa Parke nach Athen ein. Während ihres Aufenthalts in Griechenland hielt Melissa Parke, die über einen beeindruckenden Lebenslauf als australische Ministerin für internationale Entwicklung und als UN-Expertin im Kosovo, Gaza,&hellip;

    https://www.pressenza.net/?l=de&track=2025/09/melissa-parke-die-ratifizierung-des-atomwaffenverbotsvertrags-wird-griechenland-auf-die-richtige-seite-der-geschichte-stellen/


     -----------------------


    Pressenza - ist eine internationale Presseagentur, die sich auf Nachrichten zu den Themen Frieden und Gewaltfreiheit spezialisiert hat, mit Vertretungen in Athen, Barcelona, Berlin, Bordeaux, Brüssel, Budapest, Buenos Aires, Florenz, Lima, London, Madrid, Mailand, Manila, Mar del Plata, Montreal, München, New York, Paris, Porto, Quito, Rom, Santiago, Sao Paulo, Turin, Valencia und Wien.


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    20.09.2025

    Deutsche Beihilfe zum Völkermord Knast für Kriegsverbrecher

    jungewelt.de 20.09.2025, Seite 1 / Titel, Von Philip Tassev

    Berliner Anwälte stellen Strafantrag gegen elf deutsche Politiker und Rüstungsmanager. Der Vorwurf: Beihilfe zum Völkermord in Gaza



    Screenshot_2025_09_20_at_12_11_08_Deutsche_Beihilfe_zum_V_lkermord_Knast_f_r_Kriegsverbrecher_Tageszeitung_junge_Welt_20.09.2025

    (Screenshot)

    Hinter ihnen steht das Kapital: Ehemalige und aktuelle Regierungsmitglieder wegen Genozidunterstützung angezeigt


    Was haben Olaf Scholz, Boris Pistorius, Annalena Baerbock, Robert Habeck und Friedrich Merz gemeinsam? Sie alle gehören ins Gefängnis. Zumindest, wenn es nach den Juristen des Berliner Anwältinnenkollektivs geht. Am Freitag verkündeten die Rechtsanwälte Nadija Samour und Benjamin Düsberg, mit Unterstützung des European Legal Support Center einen Strafantrag gegen sieben ehemalige und amtierende Regierungsmitglieder sowie vier Geschäftsführer bzw. Aufsichtsratsvorsitzende von Rüstungskonzernen gestellt zu haben. Der Vorwurf: Beihilfe zum Völkermord in Gaza, Verbrechen gegen die Menschheit, Kriegsverbrechen.

    Konkret wird den elf Beschuldigten zur Last gelegt, mit der Lieferung von Waffen, Komponenten und Ersatzteilen an Israel die Militärmaschinerie des Apartheidstaates zu unterstützen und das genozidale Vorgehen im Gazastreifen erst möglich zu machen. Auf 110 Seiten mit über 600 Fußnoten werden die Anschuldigungen mit Zahlen, Fakten und Expertenaussagen untermauert. Beschuldigt werden neben den eingangs genannten Politikern zudem die beiden amtierenden Minister Johann Wadephul (Auswärtiges Amt) und Katherina Reiche (Wirtschaft und Energie) sowie die Rüstungsmanager Jörg Stratmann (Rolls-Royce Solutions GmbH), Alexander Sagel, Susanne Wiegand (beide Renk Group AG) und Michael Humbek (Dynamit Nobel Defence GmbH).

    Rolls-Royce ist die Mutterfirma der MTU Friedrichshafen GmbH, die Motoren für Panzerkampfwagen, Mannschaftstransporter und Selbstfahrartillerie produziert – sowohl in der BRD als auch in den USA. Mehrere Motorenmodelle kommen in israelischen Panzern wie dem »Merkava« oder dem »Eitan« zum Einsatz. Renk aus Augsburg ist vor allem als Hersteller von Getrieben und Fahrwerken für Militärfahrzeuge bekannt. Nach Einschätzung von im Strafantrag zitierten Experten sind die israelischen »Merkava«-Panzer auf Getriebe von Renk zwingend angewiesen. Ohne sie könnte kein Panzer in Gaza einrollen. Auf das Konto einer »Merkava«-Besatzung geht – um nur ein trauriges Beispiel zu nennen – die Ermordung der fünfjährigen Hind Rajab, ihrer sechs sich mit ihr im Auto befindlichen Familienmitglieder und der zwei Sanitäter, die versuchten, das Kind zu retten. Dynamit Nobel produziert den schultergestützten Raketenwerfer »Matador«, eigentlich eine Panzerabwehrwaffe, die aber von den israelischen Truppen dazu verwendet wird, Wohnhäuser im Gazastreifen einzuäschern, wie zahlreiche, von israelischen Soldaten selbst aufgenommene Videos belegen. Mehrere tausend dieser Waffen wurden unter der Scholz-Regierung an Israel geliefert.


    Das Berliner Anwältinnenkollektiv fordert mit ihrem Antrag Generalbundesanwalt Jens Rommel dazu auf, Ermittlungen wegen Beihilfe zum Völkermord gegen die Beschuldigten einzuleiten. Düsberg bezeichnete es als »Systemfehler«, dass der Bundesanwalt gegenüber dem Justizministerium weisungsgebunden ist. Nun werde sich zeigen, ob Rommel das nötige »Rückgrat« hat, um gegen seine »Chefs« zu ermitteln. Anders als bei einer Anzeige besteht bei einem Strafantrag die Möglichkeit, Beschwerde einzulegen, wenn die Staatsanwaltschaft keine Ermittlungen aufnimmt. Des weiteren können die Anwälte Akteneinsicht verlangen.

    Während international der Druck auf die Unterstützer von Israels Völkermord wächst, hält die israelische Militärführung unbeirrt an ihren Plänen fest, Gaza vollständig unter Kontrolle zu bringen. Am Freitag rief ein Armeesprecher per X die Bewohner unter Androhung »beispielloser Gewalt« zur Flucht in den Süden der zerstörten Enklave auf.


    Siehe auch


    Info: https://www.jungewelt.de/artikel/508704.deutsche-beihilfe-zum-völkermord-knast-für-kriegsverbrecher.html


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    20.09.2025

    [BREAKING NEWS EXCLUSIVE ] - Max Blumenthal Reports: : Charlie Kirk and the Israel Lobby!


    Screenshot_2025_09_20_at_11_50_56_Seniora.org_Charlie_Kirk_und_das_Attentats_Playbook-Kopie


    Judge Napolitano - Judging Freedom


    youtube.com, vom Live übertragen am 16.09.2025

    Max Blumenthal (with Anya Parampil) investigates recent claims that Charlie Kirk, the high-profile conservative commentator and founder of TPUSA, had begun pushing back against pro-Israel influence—and as a result, was being pressured, intimidated, and even offered funding by Israeli leaders or wealthy Zionist backers in exchange for staying in line. Our conversation centers around these allegations. Zionists Rebuffed by Charlie Kirk.


    Max Blumenthal (zusammen mit Anya Parampil) untersucht aktuelle Behauptungen, wonach Charlie Kirk, der bekannte konservative Kommentator und Gründer von TPUSA, begonnen habe, sich gegen den pro-israelischen Einfluss zu wehren – und daraufhin von israelischen Politikern und wohlhabenden zionistischen Geldgebern unter Druck gesetzt, eingeschüchtert und sogar mit Finanzmitteln ausgestattet worden sei, damit er sich wieder zurückhalte. Unser Gespräch dreht sich um diese Vorwürfe. Zionisten von Charlie Kirk zurückgewiesen.
    Übersetzt mit DeepL.com (kostenlose Version)


    Video https://www.youtube.com/watch?v=GceyZzZzYlc&t=1s Dauer 25:46 Min.


    Info: https://seniora.org/index.php?option=com_acym&ctrl=fronturl&task=click&urlid=282&userid=1&mailid=2855>


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    20.09.2025

    Schlagzeile







    Info:


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    19.09.2025

    «Die EU beginnt, Selbstmord zu begehen» 

    Screenshot_2025_09_19_at_16_27_11_Ungarn_Ukraine_Karte.png.webp_WEBP_Grafik_900_577_Pixel_Skaliert_96_
    Ungarn (grün) ist ein unmittelbarer Nachbar der Ukraine (orange). Das Land hat schon immer Energie aus Russland bezogen, auf dem Weg über die Ukraine, aber die EU, deren Mitglied Ungarn ist, will es verhindern. Warum darf Ungarn nicht auch seine eigenen Interessen verfolgen?

    globalbridge.ch, 18. September 2025 Von: in Geschichte, Medienkritik, Militär, Politik, Wirtschaft

    (Red.) Noch immer ist die vorherrschende Meinung in der europäischen Politik und nicht zuletzt auch in den großen Medien, der Krieg in der Ukraine müsse mit Waffen „gelöst“ werden. Aber es gibt sie noch, die Politiker und politisch interessierten Wissenschaftler und Fachleute, die eine Rückkehr zur Diplomatie fordern. Der Herausgeber der Schweizer Zeitschrift «Zeitgeschehen im Fokus», Thomas Kaiser, hat dazu mit dem ehemaligen ungarischen Botschafter Dr. György Varga ein Interview gemacht. (cm)

    Zeitgeschehen im Fokus:  Ungarn hat sich für eine Beilegung des Ukraine-Konflikts eingesetzt. Warum gelingt es nicht, den Krieg zu beenden? 

    Dr. György Varga: Vertreter Russ­lands und der Ukraine begannen bereits am 28. Februar 2022, dem vierten Tag des Krieges, mit Verhandlungen über eine friedliche Lösung des Konflikts. Als Ergebnis der Verhandlungsrunden in Minsk und Istanbul hatten die beiden Verhandlungsdelegationen die Vereinbarungen auf fachlicher beziehungsweise technischer Ebene erfolgreich abgeschlossen und paraphiert. 

    Die Unterzeichnung des Dokuments, das die Interessen beider Seiten berücksichtigte, wurde aufgrund des Kiew-Besuchs des damaligen britischen Premierministers, Boris Johnson, verhindert. Die Verantwortung für den Krieg nach April 2022 liegt also bei den westlichen Politikern. Das wurde auch vom ehemaligen israelischen Ministerpräsidenten, Naftali Bennet, bestätigt. Selenskyj wurde von westlichen Politikern deutlich abgeraten, mit Russland weiter zu verhandeln, sondern sie ließen ihn in der Illusion, er könne Russland besiegen. 

    Diese westlichen Länder lassen bis heute die ihnen ausgelieferte Ukraine für unerreichbare Ziele kämpfen, um ihre eigenen politischen Ziele zu erreichen, nämlich Russland in die Knie zu zwingen. Zu diesen westlichen Staaten steht Ungarn in Opposition. Es tut uns leid für die Ukraine, dass sie für ausländische Interessen zerstört wird. Wir sind froh, dass unser Nachbarland, die Slowakei, der gleichen Meinung ist. 

    Auch viele EU-Länder beurteilen die Lage genauso, aber die Regierungen haben Angst, sich öffentlich dazu zu äußern. Es gibt einen sehr starken Druck auf die nationalen Regierungen, sich der «Koalition der Willigen» anzuschliessen. Bundeskanzler Merz drohte  offen den Ungarn und den Slowaken, dass es immer Möglichkeiten gebe, den Ländern Mittel zu entziehen. Wir können jeden Tag beobachten, wie die Souveränität der EU-Staaten verletzt wird. 

    Zwar haben wir im Moment eine bessere Position als noch vor zwei Jahren. Donald Trump verfolgt das Ziel, den Krieg zu beenden, und ist dabei, Wege auszuloten, um das zu erreichen. Der wichtigste Schritt zur Beendigung des Krieges ist, in den internationalen Beziehungen zur Normalität zurückzufinden. Statt den Krieg fortzusetzen, müssen wir unsere Diplomatie nutzen. Dafür hat sich Ungarn immer eingesetzt.

    ZiF: Vor zwei Wochen gab es ein Treffen der« Koalition der Willigen» in Paris, bei dem der Vorschlag, Truppen in die Ukraine zu entsenden, um einen allfälligen Waffenstillstand zu sichern, besprochen wurde. Russland lehnte, wie zu erwarten war, kategorisch ab, dass Truppen westlicher Staaten auf dem Territorium der Ukraine stationiert werden. Was will die «Koalition der Willigen»?

    György Varga: Ich pflege diese Staatengruppe als «Unruhestifter» zu bezeichnen. Die Wahlkampagne und die Wahl Donald Trumps, der sich selbst als Friedenspräsident bezeichnete, gab Hoffnung, dass der Krieg in Europa rasch beendet würde. Die internen und externen Gegner, die der friedensorientierten US-Außenpolitik ablehnend gegenüberstanden, waren sehr schnell identifiziert. 

    Am 2. März wurde die «Koalition der Willigen» gegründet, die man sicher als externe Gegner der US-Außenpolitik bezeichnen kann, insbesondere in der Frage des Ukraine-Konflikts. Diese Koalition verspricht der Ukraine, Unterstützung zu leisten auch ohne die USA. Sie versucht, verbalen Druck auf die Regierung in Washington auszuüben, die Ukraine weiter zu unterstützen. Sollte sie den Krieg verlieren, könnte man die Verantwortung dafür Trump in die Schuhe schieben, weil er seine Unterstützung eingestellt hat. 

    Drei Jahre nach Kriegsbeginn gab der US-amerikanische Außenminister, Marco Rubio, am 6. März 2025 zu, dass in der Ukraine ein Stellvertreterkrieg zwischen den USA und Russland stattfinde und dieser Krieg beendet werden müsse. 

    ZiF: Warum will der europäische Arm der NATO, aber auch die EU, diesen Weg bis jetzt nicht mitgehen? Es wird immer schlimmer, und beide sind mitverantwortlich für die riesige Zahl toter Soldaten. 

    György Varga: Die EU-«Elite» ist in den Ukraine-Krieg so verwickelt, dass sie die seit Jahren eingeschlagene Richtung nicht verlassen kann, ohne das Gesicht zu verlieren und ohne die Verantwortung für die schrecklichen Konsequenzen des Kriegs zu übernehmen. EU-Politiker wie Ursula von der Leyen und die Regierungen Frankreichs, Deutschlands, Großbritanniens, Polens und weiterer Staaten sind mitverantwortlich für das Missmanagement in der Ukraine und in Europa. 

    Wir sind im vierten Jahr des Kriegs, ohne je irgendeine Friedensinitiative der EU gesehen oder gehört zu haben. Leider nutzt die politische «Elite» der EU die Veränderung der Außenpolitik der USA nicht zur Beendigung des Kriegs in Europa, sondern übernimmt vielmehr die Kosten des Kriegs zu Lasten der Bevölkerung ihrer eigenen Länder. Nach dem Treffen Putins mit Trump in Alaska am 15. August kamen am 18. August Trump und Selenskyj in Washington zusammen. Dabei wurde sichtbar, dass die «europäischen Unruhestifter», die «Kindermädchen» von Präsident Selenskyj, alles unternahmen, um die Fortsetzung des Kriegs zu erreichen. 

    Die EU-«Elite» hat das Potential, den Konflikt in der Ukraine weiter zu eskalieren. Sie zeigt keine Absicht, in Europa den Kontinent des Friedens zu schaffen. Man kann sich fragen, warum die EU eine gemeinsame Außenpolitik hat und dazu eine Vertreterin, wenn diese Vertreterin und auch ihr Vorgänger keine Schritte zur Beendigung des Kriegs unternehmen und keine Friedensinitiative ergriffen haben. Frankreich und Großbritannien brachten die Idee auf, nach einem Waffenstillstand Truppen in die Ukraine zu entsenden. 

    Wenn die NATO nicht durch die Eingangstür eintreten kann, dann versucht sie es durch die Hintertür. Entweder lernen die EU-Leader mit anderen Akteuren wie die USA, Indien, China zu kooperieren oder die EU wird Passagier in einem Zug sein, bei dem sie keinen Einfluss hat, in welche Richtung er fährt. Das ist sträflich. 

    ZiF: Die «Koalition der Willigen» als «Kindermädchen» zu bezeichnen, ist mehr als treffend, denn …

    György Varga: Im Juni gab es in Istanbul bereits drei Verhandlungsrunden. Neben der ukrainischen Delegation waren Berater aus London, Paris und Berlin vor Ort. Mit anderen Worten: Die Ukraine kann nicht allein Verhandlungen führen. 

    Es gab eine Cyberattacke auf die ukrainische Verwaltung. Es stellte sich heraus, dass bisher 1,7 Millionen Ukrainer gestorben sind. Das war vor zwei Wochen. Wir sehen, was für ein schreckliches Leid über die Menschen gekommen ist. Das bedeutet insgesamt über zwei Millionen Tote. Wer ist seit April 2022 dafür verantwortlich? Das sind die Länder, die den damaligen Verhandlungsprozess blockierten. 

    ZiF: Der ungarische Präsident, Viktor Orbán, ist zum russischen Präsidenten, Wladimir Putin, gereist, um die Chancen eines Friedens auszuloten, und musste dafür viel Kritik einstecken. Seine Politik steht derjenigen der «Unruhestifter» entgegen, die keinen Frieden möchten. Wie wirkt sich das auf das Verhältnis Ungarns zur EU aus?

    György Varga: Ungarn ist in Opposition. Während die EU beginnt, Selbstmord zu begehen, indem sie auf die Energieversorgung und gemeinsame Produktionskapazitäten mit Russ­land verzichtet, bleibt Ungarn ein internationaler Akteur, der nationale Interessen verfolgt. Seit Beginn des Krieges hat Ungarn für alle EU-Sanktionen gestimmt. 

    Es gibt 18 Pakete, und das ist für die europäischen Globalisten immer noch zu wenig, die alle menschlichen, kulturellen und wirtschaftlichen Beziehungen für immer zerreissen wollen, ohne das Interesse von 450 Millionen EU-Bürgern zu berücksichtigen. Die «Koalition der Unruhestifter» hat keine internationale rechtliche Legitimierung, aber sie möchte ihre Ziele und ihre Entscheidungen der EU und der NATO aufzwingen, um das Potential von beiden Organisationen ausnutzen zu können, um die Ukraine weiter zu bewaffnen und den Krieg fortzusetzen. In dieser Koalition tummeln sich auch die Präsidentin der EU-Kommission und der EU-Ratspräsident. 

    Es fragt sich, auf welcher Rechtsgrundlage das geschieht. Es gibt weder in der NATO noch in der EU zwischen allen Staaten einen Konsens. Es wurde von den EU-Ländern nicht darüber abgestimmt. Im Juli 2024 ergriff Viktor Orbán als EU-Ratspräsident die Initiative, eine Vereinbarung über einen Waffenstillstand zu erreichen, um Voraussetzungen für Friedensverhandlungen zu schaffen. Er besuchte den ukrainischen, den russischen, den chinesischen und auch den US-amerikanischen Präsidenten, damals noch Biden, aber auch in Florida Donald Trump, um sich für ein Ende des Kriegs einzusetzen. 

    Er bekam von der EU-«Elite» nur Kritik. Man argumentierte, dass der Ratspräsident nur im Konsens handeln dürfe. Heute vergisst sie, von Konsens zu sprechen, wenn Ursula von der Leyen und António Costa in Paris auftauchen. Die EU-«Elite» hat den Krieg in der Ukraine, den Aggressor und das Opfer verabsolutiert, um neue Regeln zu kreieren. Die sogenannte Modernisierung der EU-Entscheidungsfindung entwickelt sich zu einem permanenten Phänomen, das keinen Konsens mehr erfordert, es wird von oben bestimmt. Erpressung durch Sanktionen wurde zum wichtigsten Mittel, Druck auf die souveränen Staaten auszuüben, damit sie gehorsam sind gegenüber einer «moralischen Überlegenheit». 

    Ungarn und die Slowakei sind die Länder, die die militärische Unterstützung der Ukraine abgelehnt und sich am stärksten für einen Dialog zur Beendigung des Kriegs eingesetzt haben, wie es US-Präsident Trump bisher getan hat. Die heutige EU-«Elite» setzt sich nicht für die Interessen Europas ein. Sie verteidigt ihre gemeinsame Strategie, die sie zusammen mit der alten US-Administration unter Joe Biden verfolgt hat, mit dem Ergebnis, die Ukraine weiter zu ruinieren.  

    ZiF: Ungarn ist indirekt oder auch direkt Opfer eines ukrainischen Sabotageakts auf die Energieversorgung geworden. Man sieht hier deutlich die Doppelmoral der EU. Man lässt den Vorgang stillschweigend geschehen. Was wird das für Auswirkungen haben?

    György Varga: Unser Land ist von russischem Gas und Öl abhängig. «Dank» der ukrainischen Führung bekommen wir seit dem 1. Januar dieses Jahres kein russisches Gas mehr, das durch die Ukraine geführt wurde. Der Slowakei ergeht es genau gleich. Wir fanden eine Alternativroute durch die Türkei. Die ukrainischen Angriffe auf die Druschba-Pipeline – sie transportiert Öl – im August empörte natürlich die Bevölkerung in Ungarn. Die Pipeline versorgte slowakische und ungarische Unternehmen zu einem bedeutenden Teil mit Öl. 

    Wenn wir die Perspektive erweitern, müssen wir feststellen, dass die slowakische und ungarische Wirtschaft einem wichtigen Teil der europäischen Wirtschaft, insbesondere der deutschen, Sicherheit gibt. Das ist durch den Angriff auf die Energieversorgung in Frage gestellt und eine Gefahr für die EU. Aber was müssen wir feststellen? Die EU-Kommission reagiert nicht. Die Bedenken der Slowakei und Ungarns wurden zurückgewiesen. 

    Für das EU-Management ist es optimal, dass die beiden Staaten selbst auf die russische Energie verzichten müssen. Dahinter steht die ideologische Überzeugung von EU-Beamten. Würden wir auch auf US-amerikanische Produkte verzichten, wenn die USA in der Zukunft zufällig einen Angriff gegen ein anderes Land beginnt? Wohl kaum. 

    ZiF: Es ist ernüchternd, wo der «wertebasierte» Westen gelandet ist und was von ihm angerichtet wird.

    György Varga: Die Verabsolutierung des Krieges in der Ukraine führte in den fast vier Jahren zu einem sichtbaren Chaos. Der aktuelle «Aggressor» wurde dämonisiert und entmenschlicht. Die Rechte des «Opfers», der Ukraine, werden verabsolutiert. Damit ist sie bevollmächtigt, jedem anderen Staat Schaden zuzufügen, um den Aggressor in die Knie zu zwingen. 

    Das ist eine sehr perfide Strategie, ausgearbeitet von unbekannten Globalisten, um so die europäische Wirtschaft zu ruinieren. Es gibt in Deutschland gute Beispiele wie zum Beispiel Nord-Stream 2, die im Herbst 2022 gesprengt wurde. Der deutsche Bundesanwalt hat einen internationalen Haftbefahl gegen einen ukrainischen Offizier wegen Beteiligung an der Sprengung der Gasleitungen erlassen. 

    Vor zwei Wochen wurde der Verdächtigte in Italien verhaftet. Trotzdem erhöht die deutsche Regierung ohne erkennbares nationales Selbstbewusstsein die finanzielle und militärische Unterstützung der Ukraine. Der deutsche Kanzler hat die Übergabe von Taurus versprochen. Die anständigen EU-Bürger können nicht fassen, welchen Prinzipien ihre Regierungen folgen.

    ZiF: Wo zeigt sich die Missachtung der eigenen Regeln?

    György Varga: Ungarn gehört zu einem Bündnissystem, das zulässt, dass ungestraft strategische Gasleitungen eines Verbündeten gesprengt und die Lieferung von Öl unterbrochen werden. Die EU-«Elite» sieht es mit Wohlwollen, wenn der Energietransit aus der Ukraine in die EU unterbrochen wird. Die EU schneidet sich durch die bestehenden, aber auch durch die neuen Sanktionspakete von der Energieversorgung ab. 

    Wer den erneuten Sanktionen nicht zustimme wie Ungarn und die Slowakei, arbeite gegen die Interessen der EU, hört man aus Brüssel. Die gleiche Haltung der EU-«Elite» können wir bei dem Entscheidungssystem in der EU beobachten. Indem der globale Westen dem Krieg in der Ukraine eine moralische Dimension verleiht, hält er es für unnötig, sich an die geltenden Regeln der Union zu halten. 

    Der Vertrag von Lissabon spielt keine Rolle mehr. Mitgliedstaaten haben in Bezug auf die Ukraine kein Recht, mit Nein zu stimmen. Die EU-«Elite» stürzt die Beziehungen der Länder untereinander in ein Chaos, indem sie die Normen missachtet oder selektiv anwendet. Wir sind Zeugen einer moralischen Degradierung der EU. 

    ZiF: Was verlangt beziehungsweise was verbietet der Vertrag von Lissabon in dieser Beziehung?

    György Varga: Die EU verlangt unter Missachtung des Lissaboner Vertrags, dass sich Ungarn und andere EU-Staaten bedingungslos auf die Außenpolitik der EU verpflichten müssen. Zustimmung zur EU, ja, aber wir haben das Recht, die EU-Außenpolitik zu beeinflussen. 

    Doch was kann man hören? Wenn Ungarn zum Beispiel nicht einverstanden sei und mit Nein stimme, müsse Ungarn aus der NATO oder EU ausgeschlossen werden. Der kollektiven Verteidigung im Rahmen der NATO ist zuzustimmen, aber nur innerhalb der Grenzen der NATO. Können wir uns vorstellen, dass jemand die USA aus dem Uno-Sicherheitsrat ausschließen würde, weil sie zigmal in einer Frage gegen die Mehrheit stimmten. Illusorisch!

    Man hat immer gesagt, die EU sei eine demokratische Organisation, und nach dem Vertrag von Lissabon haben alle Länder das Recht, die Außenpolitik zu beeinflussen. Es gibt keine Außenpolitik in den Bereichen, in denen es keinen Konsens gibt. Das ist die minimale Ebene der Außenpolitik. Wenn wir keinen Konsens haben, müssen die Länder auch keine gemeinsame Außenpolitik führen. Das ist in der Kompetenz der nationalen Staaten. 

    Die EU ist eine Diktatur, die die eigene «Verfassung», den Lissaboner Vertrag, nicht berücksichtigen will. Die Energiepolitik ist auf der Ebene der Mitgliedstaaten. Man möchte von Brüssel aus Ungarn befehlen, aus welchen Ländern es Öl, Gas oder andere Produkte kaufen darf. Das ist gegen die Regeln der Marktwirtschaft: Freihandel, freie Märkte, freie Entscheidungen. Das sind Grundlagen der EU. Mit dem Ukraine-Krieg ist alles hinfällig.  

    ZiF: Die Ukraine weiß, dass Ungarn nach wie vor Öl aus Russland bezieht. Damit scheint der Angriff auf die Druschba-Pipeline auch ein gewollter Akt gegen Ungarn zu sein. Wie ist das Verhältnis zwischen Ungarn und der Ukraine?

    György Varga: Wenn wir darüber sprechen, müssen wir die Geschichte des Verhältnisses zwischen beiden Ländern betrachten. In den 90er Jahren hatte Ungarn sehr gute Beziehungen zur Ukraine. Die erste Botschaft in Kiew war die ungarische. Fünf Tage nach der Abstimmung über die Unabhängigkeit der Ukraine hat Ungarn im September 1991 einen Grundlagenvertrag über die Zusammenarbeit und über gute nachbarschaftliche Beziehungen unterzeichnet. 

    Unsere guten Beziehungen wurden 2014 nach dem Putsch in Kiew durch eine nationalistische Minderheitenpolitik in der Ukraine ruiniert. Man hat Millionen Bürgern der russischen Minderheit die Rechte entzogen. In diesem Prozess gab es Kollateralschäden in Ungarn, Polen, Rumänien und Bulgarien. Diese Verhältnisse beeinflussten in den letzten Jahren sehr das Verhältnis zwischen Ungarn und der Ukraine. 

    ZiF: Die EU, besser gesagt Ursula von der Leyen, hat der Ukraine eine baldige Aufnahme in die EU versprochen. Wie realistisch ist das?

    György Varga: Wir können über die Mitgliedschaft der Ukraine in der NATO und der EU sprechen. Seit der Machtübergabe in Washington im Januar 2025 gibt es jedoch keine Chance für die Ukraine, NATO-Mitglied zu werden. Alle (aus)gebildeten Politiker und Experten wissen seit Jahrzehnten, dass weder die Russen Raketen auf Kuba noch die NATO Raketen in der Ukraine stationieren können. Die Frage nach der Aufnahme der Ukraine in die EU orientiert sich nicht an den Grundlagen und Bedingungen, die dafür erfüllt sein müssen. 

    Die potenzielle Aufnahme der Ukraine wäre ein Ziel der Globalisten, der «Koalition der Willigen», die Ukraine unter den Schirm des Westens zu nehmen, die Kosten des Kriegs in einen legalen Rahmen zu bringen und die Konsequenzen des sinnlosen Kriegs durch eine Mitgliedschaft in der EU zu verbergen. Es ist eine ideologische Entscheidung, die sich nicht an den rechtlichen, politischen, wirtschaftlichen und sozialen Grundlagen und schon gar nicht am Interesse der 27 EU-Staaten und ihren 450 Millionen EU-Bürgern orientiert. 

    Wir haben heute keine EU-konforme Ukraine. Ukrainische Politiker zusammen mit EU-Bürokraten phantasieren über den Ausschluss von Ungarn aus der EU, um die Hindernisse für die Aufnahme der Ukraine zu beseitigen. Die EU-«Elite» sucht nach einem Weg, um die Interessen einzelner Nationalstaaten völlig in den Hintergrund zu drängen. Für die heutige EU-«Elite» ist es normal, einen Krieg in die EU zu importieren, aber für Ungarn nicht. 

    Wir wissen nicht, wann der Krieg zu Ende sein wird, wo die Grenzen der Ukraine verlaufen werden. Ungarn, Polen und die Tschechische Republik haben sich in den 90er-Jahren vorbereitet, EU-Mitglied zu werden. Die damaligen EU-Politiker wie Helmut Kohl oder François Mitterand erwarteten von unseren Ländern, keine historischen Probleme im Zusammenhang mit Minderheiten oder Uneinigkeiten über den Grenzverlauf in die EU mitzubringen. Ungarn sollte Grundsatzverträge mit der Slowakei und Rumänien abschließen, um die historischen Probleme hinter sich zu lassen. 

    Wir haben auch solche Verträge mit der Ukraine unterzeichnet und darin die Grenzen anerkannt. Wann wird die Ukraine solche Verträge mit Russland abschließen? Ohne diese Garantien wäre die Ukraine ein Mitglied, verwickelt in einen ewigen Krieg. Die Aufnahme der Ukraine in die EU scheint die völlige Ausschaltung der nationalen Souveränität in Europa zu sein, das bedeutet: Import von Krieg in die EU, Verweigerung des eigenen Zugangs zu Energie, zu Bodenschätzen und Märkten im Namen einer globalisierten Weltordnung, die nicht den Völkern dient, sondern den Globalisten.  

    ZiF: Seit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine spricht man immer wieder von der Verletzung des Budapester Memorandums. Worin besteht die Verletzung, und hat nur Russland das Memorandum verletzt?

    György Varga: Der künftige Status der Ukraine als neutrales Land wurde in der Unabhängigkeitserklärung von 1991 definiert. Dieser Status wurde in einer Volksabstimmung am 1. Dezember 1991 und 1996 in der Verfassung bestätigt. Die Ukraine als ein Land, das sich zur dauerhaften Neutralität bekannt hatte, unterzeichnete 1994 das Budapester Memorandum. 

    Ich war damals anwesend. Im Gegenzug zum Verzicht auf Atomwaffen forderte die Ukraine von den Großmächten, dass ihre Souveränität und territoriale Integrität respektiert wird. Diese Garantien waren um so wichtiger, da die Ukraine aufgrund ihrer Blockfreiheit keinem militärischen Bündnis angehörte. 

    Das Narrativ des kollektiven Westens lautet, dass nach dem Putsch 2014 die Krim, die sich in der Volksabstimmung vom 16. März 2014 von der Ukraine abspaltete, von der Russischen Föderation annektiert wurde. Damit verletzte Russland die territoriale Integrität der Ukraine und das Budapester Memorandum. Man kann das so sehen, aber wir dürfen die Vorgeschichte nicht ausblenden. 

    ZiF: Was sind die wesentlichen Aspekte der Vorgeschichte?

    György Varga: Die NATO-Erklärung von 2008 in Bukarest, die Ukraine als potenzielles Mitglied zu nominieren, stand in direktem Widerspruch zu den Bestimmungen des Budapester Memorandums und dem ausdrücklichen Willen des ukrainischen Volks. Sie berücksichtigte weder die Einschränkung durch die Unabhängigkeitserklärung noch ihre Verfassung, noch die Tatsache, dass es 2008 keine gesellschaftliche Unterstützung für eine NATO-Mitgliedschaft gab. Die NATO hat durch die Benennung der Ukraine als zukünftiges NATO-Mitglied die Souveränität des Landes und das Budapester Memorandum verletzt. 

    Die Beteiligung westlicher Mächte am Sturz Janukowitschs und an einer verfassungswidrigen Machtübernahme einer sich selbst ernannten provisorischen Regierung im Jahr 2014 hat die Souveränität der Ukraine erneut verletzt. Am 21. Februar 2014 unterzeichneten der deutsche Außenminister, Frank Walter Steinmeier, der polnische Außenminister, Radoslaw Sikorsky, und der Vertreter der französischen Diplomatie eine Vereinbarung mit dem damaligen ukrainischen Präsidenten, Viktor Janukowitsch, und der Opposition zur Beilegung der innenpolitischen Krise und leisteten dann stillschweigende Unterstützung bei einer gewaltsamen Machtübernahme, die ein Tag später erfolgte. 

    Der Westen erkannte die politischen Kräfte, die die Macht übernommen hatten, als legitim an, obwohl sie die gewählte Regierung gewaltsam absetzten, was zu einem Bürgerkrieg mit den heutigen Folgen führte. Man kann also sagen, dass die NATO und die Westmächte vor der Annexion der Krim schon zweimal die Souveränität der Ukraine verletzt haben. Das ist die Beziehung des Budapester Memorandum zu den heutigen Prozessen. 

    Einige Politiker versuchen heute, Budapest als Austragungsort für ein Treffen mit Putin, Selenskyj und Trump zu blockieren. Budapest hat nichts mit den Fehlern von Politikern zu tun, die die Verfassung der Ukraine und den Wortlaut des Budapester Memorandums verletzt haben. 

    ZiF: Ungarn wäre sicher ein geeigneter Ort für Verhandlungen gewesen. Viktor Orbán verfolgt eine Politik des Ausgleichs und hat versucht, zwischen beiden Seiten zu vermitteln … 

    György Varga: Ungarn ist heute neutraler als Österreich oder die Schweiz. Wenn man sieht, dass Österreich im Gegensatz zum Staatsvertrag von 1955, der die ewige Neutralität festgeschrieben hat, aktuell eine Seite des Kriegs finanziert, dann hat das mit Neutralität nichts mehr zu tun. Das ist kein neutrales Land mehr. Auch die Türkei verhält sich neutraler als die Schweiz und Österreich. Es ist eine ungute Entwicklung. Es wäre wichtig, dass die beiden Länder neutral blieben.

    Seit 200 Jahren sehen wir die positive Bedeutung der Neutralität. Die blockfreien Staaten waren eine Gruppe von 120 Ländern. Der Beitrag dieser Gruppe war im Kalten Krieg, als neutrale Organisation die Welt ruhig zu halten. Während des Kalten Kriegs waren 22 Staaten in die beiden Machtblöcke verwickelt. Die 15 NATO- und die 7 Warschauer-Pakt-Staaten. Heute vollzieht sich das Gegenteil. Der kollektive Westen versucht, alle Länder in sein Lager zu ziehen und den Krieg zu perpetuieren. Das ist äußert bedenklich und bedeutet totales Chaos.

    ZiF: Das Treffen in Peking hat gezeigt, dass sich sehr große und mächtige Länder nicht von EU und Nato einspannen lassen wollen. 

    György Varga: Das Treffen in Peking bekräftigte, dass sich die westliche Welt, besonders die EU, weiter isoliert. Nicht der globale Süden, das heißt, nicht die BRICS-Staaten und die anderen sind isoliert, sondern die EU isoliert sich. Es war sehr positiv, dass man Robert Fico, den slowakischen Ministerpräsidenten, an dieser Veranstaltung in Peking sehen konnte. Das ist die Normalität. Im April versuchte Kaja Kallas, Präsidenten und Regierungs­chefs zu verbieten, am 9. Mai in Moskau zu erscheinen. 

    Es gibt Regeln von EU-Bürokraten, die das Interesse von nationalen Staaten nicht berücksichtigen. Robert Fico folgte dem Interesse der Slowakei. Aleksandar Vučić und unser Außenminister, Péter Szijjártó, waren auch in Peking anwesend. Man kann den Staats- oder Regierungschefs nicht das Recht entziehen, die Interessen ihrer Länder zu vertreten. Warum hat ein Regierungschef von einem EU-Mitgliedstaat achtzig Jahre nach dem Krieg in Europa oder in Asien nicht das Recht, solche hochrangigen Treffen zu besuchen? 

    Betrachten wir die Teilnahme Aleksandar Vučićs. Serbien ist kein Mitglied der EU, und sogar in einem solchen Status kann man keine souveräne Außenpolitik führen. Wie denken solche Leute wie Kaja Kallas oder Ursula von der Leyen? Das ist nicht unser Europa, wenn wir die nationale Souveränität verlieren. Ungarn hat eine Geschichte von mehr als tausend Jahren, und heute sollen wir unsere Geschichte und unsere Souveränität in wenigen Jahren unter der Führung von Ursula von der Leyen und Kaja Kallas verlieren. Auf gar keinen Fall. Das sind Politiker, die haben kein geschichtliches Bewusstsein. Sie beurteilen alles aus der momentanen Situation heraus. Das ist eigentlich erschütternd. 

    Wir müssen die EU in einem Zustand halten, der den Interessen der EU-Bürger dient und nicht einer kleinen Elite. 

    ZiF: Herr Dr. Varga, ich danke Ihnen für das Gespräch.

    * György Varga war ungarischer Diplomat mit Spezialisierung auf den postsowjetischen Raum. Er hat in Theorie der internationalen Beziehungen promoviert und als Universitätsdozent strategische Planung, Sicherheitspolitik und Theorie der internationalen Beziehungen gelehrt. Als Diplomat vertrat er Ungarn in der Ukraine, in Moskau, er war Botschafter in Moldawien und von 2017 bis 2021 Leiter der Beobachtermission der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) in Russland. In dieser Funktion verbrachte er die vier Jahre vor dem Krieg im Namen der 57-Länder-Organisation in einem Teil Russlands und im Gebiet des Donbas, das nicht von der ukrainischen Regierung kontrolliert wird. Er leitete eine ununterbrochene internationale Überwachung, die zur Lösung des Konflikts beitragen sollte. Varga ist Mitglied des Öffentlichen Gremiums der Ungarischen Akademie der Wissenschaften (MTA).





    Info: https://globalbridge.ch/die-eu-beginnt-selbstmord-zu-begehen/?utm_source=mailpoet&utm_medium=email&utm_source_platform=mailpoet&utm_campaign=globalbridge-updates-3


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    19.09.2025

    gewerkschaftsforum.de - artikel und informationen zu den veranstaltungen gegen aufrüstung und krieg im herbst 2025

    aus e-mail von Laurenz Nurk, 19. September 2025, 14:21 Uhr


    Ein Forum für Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter, die etwas zu sagen haben



    Liebe Kolleginnen und Kollegen,

    wir möchten euch auf Artikel und Informationen zu den Veranstaltungen gegen Aufrüstung und Krieg im Herbst 2025 auf https://gewerkschaftsforum.de/ aufmerksam machen:



    IVA: Termine und Information über Veranstaltungen gegen Aufrüstung und Krieg vor allem im Raum NRW



    Inhaltsverzeichnis


    Termine:

       

       -      

          -          

             - Veranstaltungen in Aachen

             - Veranstaltungen in Bielefeld

             - Veranstaltungen in Bochum

             - Veranstaltungen in Dortmund

             - Veranstaltungen in Düsseldorf

             - Veranstaltungen in Köln

             - Veranstaltungen in Leverkusen

             - Veranstaltungen in Lingen

             - Veranstaltungen in Mönchengladbach

             - Veranstaltungen in Münster

             - Veranstaltungen in Nörvenich

             - Veranstaltungen in Wuppertal



    Termine und Information über Veranstaltungen gegen Aufrüstung und Krieg vor allem im Raum NRW im Einzelnen: weiterlesen →---------------------------------------------------------------------------------------------------

    Klimawandel und Weltkriegslage



    Die Protestaktivitäten, die in diesem Herbst als Ausdruck von – mehr oder weniger entschiedener – Kriegsunwilligkeit anstehen, waren im Gewerkschaftsforum schon Thema. Eine Sonderstellung nimmt dabei der Klimastreik der „Fridays for Future“ ein. Dazu hier ein aktuelles Flugblatt.


    Die „Fridays for Future“ rufen wie berichtet – ausnahmsweise – an einem Samstag, nämlich dem 20. September, zu einem deutschlandweiten Klimastreik auf. „Es ist hart, in diesen Zeiten, in dieser Welt“, wo „die Politik immer mehr Klimaschutzmaßnahmen abwürgt“, heißt es in der Ankündigung. Dabei ist man vor allem darum bemüht, den Schwung, den man 2019ff verspürte, wiederzufinden, und beklagt sich über die Untätigkeit der Politik. Dass die nicht einfach nichts fürs Klima tut, sondern mit Kriegen und Kriegsvorbereitungen tatkräftig für weitere unabsehbare Schäden sorgt, wird dabei vornehm verschwiegen. Rudolf Netzsch (Website: www.rudi-netzsch.de), der mit seiner Streitschrift zum Klimaprotest auch schon im Gewerkschaftsforum vorgestellt wurde, hat dazu ein Flugblatt veröffentlicht, das hier dokumentiert wird. Interessenten können sich den Text herunterladen und weitergeben. (Der Autor ist auch in einem Videopodcast zur Kritik der Klimabewegung bei 99zu1 aufgetreten: https://www.youtube.com/watch?v=yLw4j9RZcfs )

    Von Rudolf Netzsch weiterlesen →--------------------------------------------------------------------------------------------------

    Kleine Rede zur Eröffnung des feministischen workshops anläßlich Rheinmetall Entwaffen – workshops in Köln



    Von Gisela Notz


    Liebe antimilitaristischen Freundinnen,


    ich wäre heute gerne bei Euch beim Rheinmetall Entwaffnen Camp in Köln und würde heute bei Eurem Workshop das Frauenfriedensnetzwerk in die Arme schließen. (?) Da das nicht möglich ist, möchte ich Euch meine Solidarität und meine Unterstützung auf diesem Wege zeigen.


    Natürlich bin auch ich froh, dass das von Polizei und Innenministerium ausgesprochene Verbot dieser Veranstaltung aufgehoben werden musste. Ich sage musste, denn zu Dank verpflichtet sind wir dafür Niemandem. Es war die Pflicht des  OVG uns bei unserem Anliegen gegen Rüstungsproduktion, Kriege auf der Welt, gegen Umweltzerstörung und gegen Ausbeutung und Unterdrückung all derjenigen, die dem kapitalistisch-patriarchalem System im Wege stehen und sich für Frieden und Klimagerechtigkeit für Selbstbestimmung und Menschenwürde einsetzen, zu unterstützen.

    „Keinem vernünftigen Menschen wird es einfallen, Tintenflecken mit Tinte, Ölflecken mit Öl wegwaschen zu wollen. Nur Blut, das soll immer wieder mit Blut ausgewaschen werden“, das schrieb Bertha von Suttner vor 136 Jahren.  weiterlesen →--------------------------------------------------------------------------------------------------

    „Nicht um Frieden betteln!“



    Steht jetzt ein heißer Herbst des Protests gegen die allseitige Militarisierung bevor? Die Gewerkschaftsinitiative „Sagt NEIN!“ dringt jedenfalls darauf, dass etwas in Bewegung kommt. Dazu ein Überblick.


    Von Johannes Schillo

    Die Staatsgewalt hat der Friedensbewegung am 30. August in Köln eine Lektion erteilt, was sich der Protest gegen das neue Leitbild Kriegstüchtigkeit leisten darf und was nicht. „Und seid ihr nicht (kriegs-)willig, so brauch‘ ich Gewalt“, charakterisierte Renate Dillmann auf den NachDenkSeiten das blutig herbeigeknüppelte Lernziel – das übrigens, für die Autorin nicht überraschend, im normalen Medienbetrieb für keine Aufregung sorgte. Aber noch darf man demonstrieren und für den Herbst ist eine Reihe von Demonstrationen, Aktionen und Kundgebungen angekündigt, die sich direkt oder indirekt gegen die aktuelle Vorherrschaft der Militärlogik und die daraus folgende Verwüstung des Globus wenden. weiterlesen →-------------------------------------------------------------------------------------------------

    Nie Wieder Krieg Newsletter: Gewerkschaften gegen Aufrüstung und Krieg! Friedensfähigkeit statt Kriegstüchtigkeit!



    Demos am 3.10.2025 in Berlin und Stuttgart und weitere Aktionen im Herbst, neue Dokumente und Berichte


    Liebe Kolleginnen und Kollegen,


    Nie wieder kriegstüchtig! Stehen wir auf für Frieden!

    Bundesweite Demonstration am 03. Oktober 2025 in Berlin und Stuttgart weiterlesen →

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    Und seid ihr nicht (kriegs)willig, so brauch‘ ich Gewalt / Polizeigewalt bei der Demo gegen Aufrüstung in Köln am 30.8. – und was sie bedeutet



    Von Renate Dillmann

    „Kriegstüchtig“ werden – dazu gehört neben der Beschaffung von Waffen und Soldaten ganz weit vorne in der Prioritätenliste: die Reihen im Innern zu schließen. Für den Kriegskurs muss eine neue nationale Einheit her, und wenn sie nicht da ist, wird sie erzwungen – im Namen der Freiheit selbstverständlich. Denn diejenigen, die nicht mitziehen, sind ja – das wusste schon Franz Josef Strauß – die Feinde der Freiheit.  weiterlesen →--------------------------------------------------------------------------------------------------

    Die Friedensbewegung und die jüngeren Generationen – Von der Generationenpolarität zur Zusammenarbeit?



    Von Leo Ensel


    Die aktuelle Diskussion um deutsche Soldaten in der Ukraine und eine Wiedereinführung der Wehrpflicht, die bereits beschlossenen Maßnahmen zur Wehrerfassung und zur verpflichtenden Musterung junger Männer – nicht zuletzt das mediale Dauerstaccato in Sachen „Kriegstüchtigkeit“ haben zumindest einen positiven Nebeneffekt: Junge Menschen werden nun durch den Staat gezwungen, sich mit dem Thema „Krieg und Frieden“ in allem gebotenen Ernst auseinanderzusetzen. Daraus könnten im optimalen Falle Impulse für eine wirklich neue und junge Friedensbewegung erwachsen. – Gedanken im Vorfeld der kommenden Friedensdemonstrationen. 

    (Ein Thesenpapier)  weiterlesen →--------------------------------------------------------------------------------------------------

    Faulender Kapitalismus, reale Barbarei



    Warum es keine Reorganisation gibt – und was passiert, wenn wir das nicht zur Kenntnis nehmen


    Eine Positionsbestimmung (August 2025)


    Von Andreas Buderus


     


    Eingangsüberlegung


    Gegenwärtig kursiert innerhalb emanzipatorischer und akademischer Milieus die Vorstellung, die anhaltende globale Eskalation von Kriegen, ökologischer Krise und geopolitischer Polarisierung markiere keine finale Krise des Kapitalismus, sondern lediglich eine ´brutalisierte Form seiner erfolgreichen Reorganisation´ auf neuer Basis (Digitalisierung, globales Krisenmanagement, multipolare Regulierung). Dieses Papier widerspricht dieser Diagnose nicht aus Prinzip, sondern weil sie gefährlich illusionär ist. Sie verkennt die Tiefe der Krise, verwechselt chaotische Zersetzung mit ´strategischer Reorganisation´ – und klammert aus, was nicht ins Hoffnungsschema passt: die systemisch angelegte Eskalationslogik kapitalistischer Reproduktion, die strukturelle Ohnmacht bürgerlicher Steuerung (sowohl gesamtwirtschaftlich (Zusammenbruch WTO) als auch politisch (Faschisierung)) und das (aktuelle) Fehlen jeder relevant international organisierten revolutionären Gegenmacht. weiterlesen →


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    Herzliche Grüßevon den Kolleginnen und Kollegen des gewerkschaftsforum.deundviel Freude beim Lesen


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

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