aus e-mail von Irene Eckert, 18. Januar 2025, 12:57 Uhr
Danke für diesen ausgezeichneten, gut dokumentierten Beitrag von Wolfgang
Effenberger, dessen Lektüre allen anzuraten bleibt.
Wochenendgrüsse von irene Eckert
---------- Forwarded message ---------
Von: ralf-dallgow-doeberitz <nds-berlin@lists.riseup.net>
Date: Sa., 18. Jan. 2025, 12:24
Subject: AW: [NDS Berlin] War H. Kommunist?
To: <heinz.dallmann@gmx.de>
Cc: <nds-berlin@lists.riseup.net>
Moin, Dank an Heinz für diesen Beitrag zum Thema.
Ich möchte hier dazu eine Leseempfehlung geben die deutlich früher ansetzt
und die ideologischen und personellen Vorbilder H. aus einer Jugendzeit
akribisch herausarbeitet. In dem aufschlußreichen wissenschaftlichen Werk
„Hitlers Wien -Lehrjahre eines Diktators“ von Frau Dr. Brigitte Hamann
werden insbesondere in Kapitel 8 „Politische Leitbilder“ die Wurzeln der
Prägungen in Österreich (Linz und Wien) deutlich (in den Jahren 1900
-1913).
1. Vorbild: Hier gab es die im Parlament vertretenen alldeutsche Partei mit
ihrem auch als solchen benannten „Führer“ Georg Schönerer. Hauptthema:
Vereinigung aller von Deutschen bewohnten Gebiete Österreichs mit
Deutschland, Gegner der habsburgischen Kaiserregierung (deshalb auch
teilweise verboten und kurzeitig in Haft), Antisemitismus, Rassismus gegen
Tschechen und Polen im kuk-Staat, später auch Antikatholisch eingestellt
weil der katholische Glaube angeblich einer Vereinigung mit
Preußen-Deuschland im Wege stehen würde. Als politischer Hauptgegner der
Alldeutschen in Österreich waren die österreichischen Sozialdemokraten
bekannt.
H. wohnte in Wien in der Nähe von deren Parteiblattredaktion „“Alldeutsches
Tagblatt“. Hitler hat später Schönerer als eines seiner Idole der
Jugendzeit gepriesen. Er hat fast alles von Schönerer kopiert für den
Aufbau der NSDAP, den Rassismus, die Presse wurde als Judenpresse
bezeichnet etc.
Für H. waren die Alldeutschen Österreichs das politische Vorbild.
2. Vorbild: Franz Stein (auch im Parlament vertreten) und die alldeutsche
Arbeiterbewegung Österreichs: im wesentlichen die gleichen Inhalte,
erweitert um den programmpunkt „Sozialreformen nach Bismarck“. Hier war
schon von deutschen „Volksgenossen“ die Rede zwischen denen es keine
Klassenunterschiede mehr geben sollte. Scharfer gegner des kuk-Staates.
Hauptgegener auch hier die „internationalen“ und „jüdischen
Sozialdemokraten“. Parteiblatt „Der Hammer“ war vor allem ein Hetzblatt
(wie später der „Stürmer“) das auch quasi zu Gewalt aufrief. Stein selbst
war auch in pol. Gewalttätigkeiten verwickelt.
3. Vorbild: Karl-Hermann Wolf – der Führer der Deutschradikalen Partei
Österreichs (ebenfalls Abgeordneter im Reichsrat), im wesentlichen wieder
die gleichen Inhalte, aber nicht antikatholisch und loyal der kuk-Regierung
gegenüber, spaltete sich deshalb 1902 mit dieser parteigründung von den
Alldeutschen ab. Hauptziel: ein Groß-Österreich unter Führung der österr.
Deutschen. Wolf machte Politik gegen Polen und Tschechen im kuk-Staat auch
wegen des Sprachenstreits. Wolf duellierte sich deswegen mit dem aus Polen
stammenden Ministerpräsidenten Graf Badeni (dieser wurde verletzt),
anschließend wurde Wolf verhaftet.
4. Vorbild Dr. Karl Lueger – langjähriger Bürgermeister von Wien und Chef
der christlich-sozialen Partei
Das Kapitel über diesen mann sollte jeder selbst lesen der sich dafür
interessiert. Das Buch ist preiswert zu haben.
Hitler hat später den noch lebenden Wolf und Stein in den Jahren 1937 –
1942 zu sich eingeladen, sie auch finanziell unterstützt, sie öffentlich
gewürdigt und ihnen Staatsbegräbnisse ausgerichtet. Er hat diese seine
Vorbilder als seine Lehrmeister angesehen und aber auch deren pol. Fehler
bei seinem Aufstieg vermieden.
Autorin: Brigitte Hamann, Dr. phil., geboren 1940 in Essen, gestorben 2016
in Wien, promovierte Historikerin, ist durch ihre zahlreichen Bücher zur
Geschichte Österreichs (unter anderem »Rudolf – Kronprinz und Rebell«,
»Elisabeth – Kaiserin wider Willen«) auch international bekannt geworden.
---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
https://www.amazon.de/Hitlers-Wien-Lehrjahre-eines-Diktators/dp/3492226531
Lest die Rezensionen von Lesern hier in diesem Link:
Auszüge:
„Wer dieses Buch, das eher eine Kulturgeschichte Wiens der Lueger-Zeit
darstellt, gelesen hat, wird selbst entscheiden können, wieviel von den
Diskussionen und Konflikten dieser Zeit in Hitler steckte. Das war mehr als
bisher angenommen. Die aggressive Deutschtümelei der Alldeutschen, ihre
seltsamen Organisationsstrukturen (die durchaus schon das Führerprinzip
beinhalteten), ihr Antisemitismus, ihre Hinwendung zu esoterischen Seiten
einer "germanischen Weltanschauung" ... das alles prägte den jungen H. in
Wien. Dass sich diese Auseinandesetzung zunächst mit den slawischen Völkern
vollzogen, ist interessant - offensichtlich nahmen dann später die Juden
für ihn die Rolle des Sündenbocks ein.“
„Sonst kein großer Fan von Hamanns Büchern, bin ich von diesem überzeugt.
Es sind eine Unmenge von Fakten zusammengetragen; und man wird stets
informiert, wie die Quellenlage ist, ob Thesen belegt sind oder spekulativ.
Ich denke, dass sowohl der Titel - der Wien in den Mittelpunkt stellt - als
auch der Untertitel - wo es um den Diktator geht - berechtigt sind. Das
Leben in Wien vor rund 100 wird gut veranschaulicht, und der Nährboden für
eine menschenverachtende Haltung wird sichtbar.“
„Brigitte Hamann ist eine Darstellung des Zeitgeistes in Wien, im
Habsburgerreich, in Europa zum beginnenden 20. Jahrhundert gelungen, die
wesentlich zur Beantwortung der ewigen Frage „wie konnte es dazu kommen?“
beiträgt
Mit Kommunismus hatte H. Weltanschauung nichts zu tun, es ging immer nur um
die Vorrangstellung der Deutschen, radikaler Antisemitismus, Rassismus
gegen andere nicht-deutsche Menschen etc. abgeleitet aus seinen Vorbildern
in Österreich-Ungarn.
Gruß Ralf
*Von:* nds-berlin-request@lists.riseup.net <
nds-berlin-request@lists.riseup.net> *Im Auftrag von *Heinz Dallmann (via
nds-berlin Mailing List)
*Gesendet:* Samstag, 18. Januar 2025 09:43
*Betreff:* [NDS Berlin] War H. Kommunist?
Wolfgang Effenberger setzt sich im u.s. Artikel vordergründig mit der
Aussage A. Weidels auseinander, Hitler sei Kommunist gewesen.
*Weidel*: *Damals, während des Dritten Reiches, gab es die
Nationalsozialisten, und wie das Wort schon sagt, waren sie Sozialisten.*
*Musk: **Ja, sie verstaatlichten Industrien wie verrückt.*
*Weidel:** Ja, absolut. Er war ein Kommunist und betrachtete sich selbst
als Sozialisten. Was sie also taten: Sie verstaatlichten die privaten
Unternehmen. Und dann verlangten sie Steuern, hohe Steuern. Und dann
wurde die ganze Industrie verstaatlicht. Der größte Erfolg nach der
schrecklichen Zeit in unserer Geschichte war, Adolf Hitler als rechts und
konservativ zu bezeichnen. Dabei war er genau das Gegenteil. Er war kein
Konservativer. Er war kein Libertärer. Er war ein Kommunist. Ein Sozialist.
Kein weiterer Kommentar dazu. Und wir sind genau das Gegenteil. Wir sind
eine libertäre, konservative Partei.“*
Dabei spannt Effenberger den historischen Bogen weit und belegt, wie damals
US Kapital gezielt zur Finanzierung des NS eingesetzt wurde, um mit Rüstung
Extraprofit zu machen. Für "das Volk" wurde gleichzeitig ein Theaterstück
von sozialer Gerechtigkeit und Rechtsstaatlichkeit aufgeführt. Ein Schelm,
wer Parallelen zu heute sieht.
Der Artikel ist voller hochinteressante Details und lang. Alternativ und
augenschonend kann man ihn auch hier online als Podcast anhören
<https://t.me/tagesdosis_KenFM/5462> oder als Audiodatei herunterladen
<https://apolut.net/content/media/2025/01/standpunkte-20250117-apolut.mp3>.
Viele Grüße und ein schönes Wochenende
Heinz
_______
https://apolut.net/weidels-ausserung-hitler-war-kommunist-blodsinn-oder-volksverhetzung-von-wolfgang-effenberger/
*Weidel: „Hitler war Kommunist“ – Blödsinn oder Volksverhetzung?*
*Von Wolfgang Effenberger*
Aktualisiert am Jan. 17, 2025
Der Autor dieses Artikels hatte zunächst nicht vor, sich nach Adolfs
umstrittener Äußerung in den Chor der alleswissenden Schnell-Antwortgeber
einzureihen. Nach dem Besuch der Jubiläums-Vorstellung der *"Blechtrommel"*
im Berliner Ensemble fühlte er sich jedoch herausgefordert, ein wenig
historische Klärung in die Debatte einzubringen. In der *"Blechtrommel"*,
die wesentliche Züge eines Schelmenromans hat, setzt sich Günter Grass mit
der Geschichte der Deutschen vor und während der zwölfjährigen Herrschaft
der Nationalsozialisten auseinander. Diese Geschichte brachte Oskar
Matzerath-Darsteller Nico Holonics in einer grandiosen Leistung als Monolog
auf die Bühne. Im anschließenden Publikumsgespräch mit Oliver Reese (Regie)
und Nico Holonics (Oskar Matzerath) wurde dann auch auf die Aussage von
Alice Weidel in ihrem Gespräch mit Elon Musk, Adolf Hitler sei ein Linker,
ein Kommunist und Sozialist gewesen (1), eingegangen.
Elon Musk hatte in dem 95-minütigen Gespräch Frau Alice Weidel direkt
gefragt, wie sie zu Hitler und der nationalsozialistischen Vergangenheit
des Landes stehe. Mit dieser Frage sollte wohl jegliche Verwirrung in der
deutschen Öffentlichkeit über die demokratische Glaubwürdigkeit der AfD
ausgeräumt werden. Frau Weidel versicherte dem Publikum, dass Hitler in
Wirklichkeit kein echter Konservativer war, wie ihre Partei. Er habe
deutsche Unternehmen verstaatlicht, was ihn in den Augen von Frau Weidel
zum verkappten Kommunisten mache.
Diese saloppe Antwort, die von den Medien sofort begierig ausgeschlachtet
wurde, wird dem wahren Sachverhalt in keiner Weise gerecht, und das hätte
Frau Weidel wissen müssen. Gerade diesen dunklen Teil der deutschen
Geschichte darf man nicht in so fahrlässiger Weise simplizifieren. Die
Wirklichkeit ist wie immer höchst komplex – daher soll hier eine
differenzierte historische Klärung versucht werden.
*Hitler: vom Wiener Männerwohnheim 1914 freiwillig zum deutschen Militär*
In seiner grandiosen Doppelbiografie *"Hitler und Stalin Parallele Leben"*(2)
skizziert Alan Bullock mit wenigen Strichen die Entwicklung Hitlers in den
Jahren von 1908 bis 1919, zwischen seinem zwanzigsten und dreißigsten
Lebensjahr:
*„Die ersten sechs Jahre verbrachte er in Wien, mit kurzen Aufenthalten in
München. Doch wußte er noch immer nicht, welchem Ziel er sein Leben widmen
wollte, seine Existenz beschränkte sich aufs Überleben: Als ein Stückchen
Treibholz schwamm er unter vielen im trüben Wasser der Großstadt. Dann
aber, zwischen 1914 und 1918, fand er endlich, was er wollte. Er fand es im
Soldatenleben, im Krieg, im »Fronterlebnis«, in der gefühlsmäßigen
Identifizierung mit dem deutschen Nationalismus - nur um dann den Schock
der deutschen Niederlage erleben zu müssen, den Zusammenbruch des deutschen
Heeres, gefolgt von einer Revolution, die seine heiligsten Überzeugungen in
Frage stellte. Aus purer Verzweiflung wandte Hitler sich der Politik zu;
der unbekannte Kriegsveteran fing an, in fanatischen Predigten von der
Wiedergutmachung der deutschen Niederlage und von der Bestrafung der
»Novemberverbrecher« zu reden, die dem kämpfenden Heer den Dolch in den
Rücken gestoßen hätten“*.(3)
Nach 51 leidvollen Kriegsmonaten führte am 7. November 1918 in München Kurt
Eisner (USPD) die Revolution an. Am 8. November – gerade als die
Waffenstillstandsverhandlungen aufgenommen wurden – siegte die Revolution
in Bayern – und einen Tag später in Berlin.
Am 10. November meldete der französische Leutnant Desgranges – als
Nachrichtenoffizier in Deutschland eingesetzt - zufrieden an seinen
Vorgesetzten, General Boucabeille:
„*Die Ereignisse, die sich im Augenblick überstürzen, beweisen, dass wir
recht hatten. Die deutsche Revolution ist in dem Augenblick ausgebrochen,
den wir vorausgesehen hatten, ... Diese Revolution geht von den Leuten aus,
die wir kennen, und wird, wie wir vorhergesagt haben, bis zum Äußersten
gehen.“*(4)
Als am 11. November 1918 morgens kurz nach 5 Uhr im Wald von Compiègne
Erzberger der Waffenstillstandsvertrag zur Unterschrift vorgelegt wurde,
erreichten amerikanische Angriffsspitzen Sedan. Sechs Stunden später war
der Kampf zu Ende – die deutschen Truppen standen durchweg im Feindesland.
Daraus leiteten viele ab, dass Deutschland unbesiegt war. *„Der
Patriotismus war jetzt zur Erkennungsparole derer geworden, die sich gegen
das Regime [der „Novemberverbrecher“, W.E.] verschworen hatten, während er
bis 1918 das Bindemittel zwischen den das Regime stützenden Kräfte gewesen
war.“*(5), so Alan Bullock.
Der seit 1917 in der Schweiz für die USA tätige Agent George D. Herron,
Verbindungsmann zu den Revolutionären in Bayern, forderte am 17. November
Kurt Eisner, seit dem 8. November 1918 selbsternannter Ministerpräsident
von Bayern, dringend auf, *„…die ersten Schritte zu einem vollen und
offenen Bekenntnis der Schuld und Untaten der deutschen Regierung am Anfang
des Krieges und an den Grausamkeiten der Kriegführung zu unternehmen. Die
moralische Wirkung einer solchen Handlung wäre gewaltig und entscheidend*“.(6)
Prompt legte Eisner bereits am 23. November 1918 zum Beweis der deutschen
Schuld *„…die bayerischen Gesandtschaftsberichte zum Kriegsausbruch in
einer gekürzten Form*“(7) vor, heißt es lapidar in der Online-Bibliothek
der Friedrich-Ebert-Stiftung. "Gekürzt" ist ein absoluter Euphemismus.
Eisner manipulierte für seine so genannte "Enthüllung" den Originalbericht
des Geheimrats v. Schön dermaßen, dass es so aussah, als habe Deutschland
den Krieg gewollt. Die Westminster Gazette dankte Herrn Eisner höhnisch für
seine Aufrichtigkeit; die britische Morning Post erkannte in den
Enthüllungen Eisners eine genaue Aufdeckung der Schuldfrage und forderte,
die Urheber des Verbrechens der Gerechtigkeit zu überantworten.
Lord Ponsonby kritisierte, dass durch Eisners Kürzungen der Eindruck
entstehe, die deutsche Regierung habe einen Weltkrieg entfachen wollen. Der
Vorfall führte zu einem Prozess. Zwölf ausländische Sachverständige prüften
das Schriftstück, und alle kamen zur Auffassung, dass eine Fälschung
vorliege.(8)
Die Aufgeregtheit der aktuellen Auseinandersetzung wirkt ein wenig grotesk,
wenn man bedenkt, welche Gefühlswallungen viele Deutsche in den ersten
Monaten nach dem ersten Weltkrieg durchleben mussten – zumal die britische
Blockade bis zum 28. Juni 1919 in Kraft blieb.
In München wurde im April 1919 die gemäßigte sozialdemokratische Regierung
der Republik Bayern, die seit der Ermordung Eisners am 21. Februar 1919
amtierte, durch einen kommunistischen Putsch in die Flucht geschlagen und
eine Räterepublik ausgerufen. Die Führung übernahmen drei russische
Emigranten, von denen zwei Juden waren. Bei der Maiparade auf dem Roten
Platz erklärte Lenin:
„*Die befreite Arbeiterklasse feiert ihren Ehrentag nicht nur in
Sowjetrussland, sondern auch in Sowjet-Ungarn und Sowjet-Bayern*.“(9)
Der Kriegsfreiwillige und heimatlose Hitler war nach Kriegsende in der
Armee geblieben. Nach dem Räteputsch trat Hitler als Zeuge vor einer
Militärkommission in Erscheinung, die nach Mitgliedern und Sympathisanten
des Räteregimes suchte. Hitler, der nach wie vor Wehrsold bezog, kam nun in
ein Aufklärungskommando und begann seine Redegabe zu schulen. Während der
vier Kriegsjahre hatte Hitlers Vorgesetzte ihn für unfähig gehalten,
irgendwelche Verantwortung zu übernehmen.
Wenige Tage vor der ersten Wahl in der Republik Bayern, am 5. Januar 1919,
gründete der Werkzeugmacher Anton Drexler (1884-1942) zusammen mit dem
Sportjournalisten Karl Harrer in München die sozialistisch
ausgerichtete *"Deutsche
Arbeiterpartei"* (DAP).(10)
Adolf Hitler kam erstmals am 12. September 1919 im Münchner Sterneckerbräu
in Kontakt mit der DAP, wo Gottfried Feders über das Thema *"Wie und mit
welchen Mitteln beseitigt man den Kapitalismus?" *referierte. Hitler war
dort vermutlich auf Veranlassung der „Propagandaabteilung Ib/P“ des
Reichswehrgruppenkommandos 4 als V-Mann.(11) Schon einen Monat später hielt
Hitler am 16. Oktober 1919 im Münchener Hofbräukeller auf einer
im "Münchener Beobachter" angekündigten DAP-Veranstaltung, zu der 111
Besucher erschienen, seine erste öffentliche Parteirede.(12)
*Hitler formt die DAP zur "NationalSozialistischen" Deutschen
Arbeiterpartei*
Für den 24. Februar 1920 setzte Hitler gegen Bedenken von Drexler die erste
„Massenversammlung“ der DAP unter dem Motto *„Was uns Not tut!“* an.
Veranstaltungsort war der Festsaal des Hofbräuhauses am Platzl. Am besagten
Abend erschienen dann 2.000 Menschen. Hitler verkündete
das 25-Punkte-Programm der nun in NSDAP umbenannten Partei an. In diesem
maßgeblich von Gottfried Feders mitbestimmten Parteiprogramm hatte man sich
deutlich für eine Aufhebung des Versailler Vertrags ausgesprochen.
Darin hatten die Alliierten Deutschland – im Gegensatz zu Frankreich im
Jahr 1871 – elementarste Rechte und ökonomischer Kräfte beraubt.
Deutschland musste alle Kolonien abgeben und verlor 90 Prozent seiner
Handelsflotte. Es verlor 13 Prozent seines vorherigen Gebietes und 10
Prozent seiner Bevölkerung. Wladimir Iljitsch Lenin am 15. Oktober 1920:
*"Deutschland wurde ein Frieden aufgezwungen, aber das war ein Frieden von
Wucherern und Würgern, ein Frieden von Schlächtern, denn Deutschland und
Österreich wurden ausgeplündert und zerstückelt. Man nahm ihnen alle
Existenzmittel, ließ die Kinder hungern und sterben. Das ist ein
ungeheuerlicher Raubfrieden."(*13)
Im Mai 1921 wurde die deutsche Reparationsschuld auf 132 Milliarden
Goldmark festgelegt (14) - etwa das Dreifache des Sozialprodukts, das ein
größeres und reicheres Deutschland einschließlich seiner Kolonien im
Vorkriegsjahr 1913 erreicht hatte, und annähernd 300 Prozent der
Wirtschaftskraft (Frankreich musste 1871 nur 25 Prozent seiner
Wirtschaftskraft an Reparationskosten zahlen). Seit 1870 war die gesamte
Wertschöpfung von knapp 14,2 Milliarden Mark auf knapp 48,5 Milliarden Mark
im Jahr 1913 angestiegen.(15) Der Erste Weltkrieg setzte 1914 der positiven
Entwicklung vorerst ein Ende. Diese horrende finanzielle Strafe machte
Deutschland zum Hauptopfer in der Weltwirtschaftskrise von 1929 bis 1933.
So dürfte der Versailler Vertrag mit seinen Folgen den damaligen Menschen
tagtäglich immer wieder vor Augen gestanden habe.
*Die 25 Punkte des Parteiprogramms der Nationalsozialistischen Deutschen
Arbeiterpartei*
In der Einführung des von Alfred Rosenberg ab 1922 immer wieder neu
herausgegebenen Parteiprogramms wird der 9. November 1918 als Sieg des
seelenlosen Internationalismus bezeichnet, als
„Börsenrevolution mit dem Zwecke, die noch nicht ganz von den Weltbanken in
Besitz gebrachte Industrie und Landwirtschaft Deutschlands in die Hände
überstaatlichen Leihkapitals zu spielen“.(16a)
Der Marxismus sei nicht die die Krönung, sondern die Verhöhnung des
sozialistischen Gedankens. Hinter Weltkapitalismus und Weltrevolution
steckten die gleichen Kräfte.
In seinen ersten drei Punkten richtete sich das Programm gegen
den Versailler Vertrag und den Vertrag von Saint-Germain, die
ein Anschlussverbot für Österreich vorschrieben.(16b) Gefordert wurde
ein *„Zusammenschluss
aller Deutschen“* zu einem Groß-Deutschland, wozu man sich durch
das Selbstbestimmungsrecht der Völker berechtigt sah.
Die folgenden Punkte 4 bis 8 waren antisemitisch geprägt.(17) Juden –
rassisch definiert – sollten aus der deutschen Staatsbürgerschaft
ausgeschlossen und unter Fremdengesetzgebung gestellt werden.
In Punkt 9 und 10 war von den Rechten und Pflichten der Staatsbürger die
Rede. Sie müssten für alle Staatsbürger gleich sein, wie es auch in
der Weimarer Reichsverfassung garantiert war.(18) Außerdem wurde eine
Pflicht,* „geistig oder körperlich zu schaffen“ *formuliert, was *„zum
Nutzen aller erfolgen“* solle. Hier klang bereits der Grundsatz *„Gemeinnutz
geht vor Eigennutz“* an, der fettgedruckt in Punkt 24 aufgeführt wird.
Den Schlagworten *„Brechung der Zinsknechtschaft“*, „*Abschaffung des zins-
und mühelosen Einkommens“* (11) und
Gewinnbeteiligung an Großbetrieben (Punkt 14), folgten willig weite Teile
der der Arbeiterschaft und der Forderung *„Einziehung der Kriegsgewinne“ *(12)
große Teile der ehemaligen Kriegsteilnehmer.
Die Punkte 11 bis 18 beschäftigten sich mit der Umsetzung
dieses Gemeinnutzprinzips. Einleitend, und im Sperrdruck, wurde in Punkt 11
die Brechung der Zinsknechtschaft gefordert. 1919 hatte Feders sein *„Manifest
zur Brechung der Zinsknechtschaft des Geldes“* veröffentlicht. Die
nachfolgenden Forderungen betrafen die *„Einziehung der Kriegsgewinne“*
(Punkt 12), die Verstaatlichung der Trusts (Punkt 13),
eine Gewinnbeteiligung an Großbetrieben (Punkt 14), einen Ausbau der
Altersversorgung (Punkt 15), Schaffung eines gesunden Mittelstands,
Kommunalisierung der großen Warenhäuser zugunsten kleiner
Gewerbetreibender, die bei der Vergabe von öffentlichen Aufträgen besonders
zu berücksichtigen seien (Punkt 16), eine Bodenreform, die die Möglichkeit
schaffen sollte, Boden für gemeinnützige Zwecke entschädigungslos
zu enteignen (Punkt 17) und die Todesstrafe für *„Wucherer und Schieber“*
(Punkt 18).
Punkt 19 verlangte, das ganze Römische Recht, das angeblich dem
Materialismus diene, durch ein *„deutsches Gemeinrecht“* zu ersetzen. Punkt
20 beschäftigte sich mit der Bildungspolitik, die allen Deutschen die
Chance auf einen Aufstieg durch höhere Bildung zu geben hätte, etwa indem
der Staat die Ausbildung begabter Kinder aus sozial schwachen Familien
finanzierte. Die Lehrpläne sollten auf praktische Lebensfragen umgestellt
werden und auch Staatsbürgerkunde enthalten. Besonderer Wert wurde auf
den Sport gelegt, zu dem Punkt 21 im Sinne der „*Hebung
der Volksgesundheit“* alle Bürger verpflichtete; demselben Ziel sollten
Mutterschutz <https://de.wikipedia.org/wiki/Mutterschutz?ref=apolut.net>,
Kinderschutz <https://de.wikipedia.org/wiki/Kinderschutz?ref=apolut.net>,
*„Verbot
der Jugendarbeit“ *und eine staatliche Förderung von Sportvereinen für
Jugendliche dienen. In Punkt 22 wurde mit der *„Bildung eines Volksheeres“*
die Wiedereinführung der vom Versailler Vertrag
verbotenen Wehrpflicht verlangt.
Punkt 23 forderte die Einführung einer Pressezensur; Juden sollte die
Arbeit in Zeitungen und die finanzielle Beteiligung an ihnen untersagt
werden, besondere Kontrollbestimmungen seien für ausländische
Presseerzeugnisse einzurichten. Punkt 24 forderte eine Einschränkung
der Religionsfreiheit, die nicht den Bestand des Staates gefährden *„oder
gegen das Sittlichkeits- und Moralgefühl der germanischen Rasse verstoßen“*
dürfe. Die Partei bekannte sich zu einem *„positiven Christentum“* und zur
Bekämpfung des *„jüdisch-materialistischen Geistes in und außer uns“*(19) –
eine Formulierung, die auf Dietrich Eckart zurückging.(20) Gemeinnutz gehe
vor Eigennutz.
Punkt 25 verlangte schließlich, eine starke Zentralgewalt des Reiches zu
schaffen; Abschließend gelobten die Führer der Partei, für die Durchführung
der 25 Programmpunkte *„wenn nötig unter Einsatz des eigenen Lebens
rücksichtslos einzutreten“*.
*Programm der NSDAP: antisemitisch und antimarxistisch*
Im Gegensatz zu den antijüdisch eingestellten Organisationen in der
völkischen Bewegung propagierte die Nationalsozialistische Deutsche
Arbeiterpartei, kurz NSDAP, einen Antisemitismus, der in letzter Konsequenz
die Entfernung der Juden vorsah. Wie die "Völkischen" hielten auch die
Nationalsozialisten die Juden für die Drahtzieher von Niederlage,
Revolution und Räterepublik.(21) Der später zum Chef der CIA aufgerückte
und unmittelbar nach Kriegsende in der Schweiz stationierte amerikanische
Geheimdienstler Allen Dulles (1893-1969) hielt in einem Bericht vom 10.
April 1920 über die Folgewirkungen der Münchener Raterepublik fest:
„*Als Ergebnis der oft leitenden Mitgliedschaft bayerischer Juden in
kommunistischen Gruppen hat sich inzwischen die Toleranz der Vorkriegszeit
geändert, und eine stark antisemitische Bewegung ist entstanden“.(22)*
Dieser Einstellung trug das NSDAP-Parteiprogramm vom 24. Februar 1920 in
verschiedenen Punkten Rechnung: Punkt 4 lautete etwa:
„Staatsbürger kann nur sein, wer Volksgenosse ist. Volksgenosse kann nur
sein, wer deutschen Blutes ist ohne Rücksichtnahme auf Konfession. Kein
Jude kann daher Volksgenosse sein.“(23)
Über die Gründe sagte Göring während des Nürnberger Prozesses aus, dass die
Bewegung diesen Punkt in ihr Programm aufnahm, weil er bei großen Kreisen
des deutschen Volkes auf Zustimmung stieß:
„*Kurz vorher war in München die Räterepublik gewesen, die Geiselmorde, und
auch hier waren die Führer durchwegs Juden gewesen. Man mag; verstehen,
dass hierbei ein Programm, das in München von einfachen Leuten entstand,
diesen Punkt ganz klar mit als Abwehr aufnahm*.“(24)
Punkt 23 forderte dass die Presse nur von Volksgenossen geführt werden
dürfe, und richtete sich, wie Alfred Rosenberg im Erläuterungstext schrieb,
unter anderem gegen den jüdischen Einfluss im Pressewesen. In Punkt 8
sollten mit der Forderung, alle Nichtdeutschen, die seit dem 2. August 1914
in Deutschland eingewandert waren, abzuschieben, die Ostjuden getroffen
werden. Aber auch Punkt 11— Abschaffung des *"arbeits- und mühelosen
Einkommens" *konnte als Vorstoß gegen die Vorherrschaft der Juden im
Finanzsektor gesehen werden. Dabei vereinten die Nationalsozialisten gleich
mehrere Gegner, ja sogar teilweise gegensätzliche Ideologien in einer
Person: Liberalismus und Marxismus, Kapitalismus und Kommunismus.
Der "Jude" wurde zum Medium, das für Liberalismus, Marxismus Kapitalismus
und Kommunismus gleichermaßen stand. Diese klare Sprache veranlasste schon
zu Beginn der Zwanziger-Jahre eine große Anzahl von Mitgliedern des
"Deutschvölkischen Schutz-und Trutz-Bundes" in München und Bayern zum
Übertritt zu den Nationalsozialisten.
*Weitere Entwicklungen: Hitler sucht den Schulterschluss zum Kapital*
1924, ein Jahr nach seinem misslungenen Putsch
<-Versuch">https://de.wikipedia.org/wiki/Hitlerputsch?ref=apolut.net>-Versuch
vorzeitig aus der Festungshaft entlassen, versuchte er, Spender in
Unternehmerkreisen für den Wiederaufbau der NSDAP zu gewinnen. Hierbei war
jedoch die Forderung nach Verstaatlichung, Gewinnbeteiligung der
Mitarbeiter und einer *„Brechung der Zinsknechtschaft“* äußerst
hinderlich.(25) Nun wurde deutlich gemacht, dass der Passus zur
unentgeltlichen Enteignung sich *„in erster Linie gegen die jüdischen
Grundspekulations-Gesellschaften“* richte.(26) Weiter erteilte Hitler
der Forderung nach Kolonien (Punkt 3) eine Absage. Dafür erschien im
zweiten Band von *Mein Kampf*
<*">https://de.wikipedia.org/wiki/Mein_Kampf?ref=apolut.net>* (*Ende 1926)
stattdessen die Eroberung von Lebensraum im Osten auf dem Gebiet
der Sowjetunion.(27)
Hitler hatte inzwischen verstanden, dass er die territorialen Ergebnisse
von Versailles nicht antasten dürfe. So blieb für ihn in der Folge Südtirol
italienisch (1915 durch einen Geheimvertrag von London als Morgengabe für
den italienischen Seitenwechsel)
Um klarzustellen, dass das Wirtschaftskonzept der NSDAP
weder antikapitalistisch noch sozialistisch war, veröffentlichte Hitler
im Völkischen Beobachter, in dem Sinn, dass vom 19. April 1928 eine
Erklärung zu Punkt 17 (Bodenspekulation), das die N.S.D.A.P. auf dem Boden
des Privateigentums steht.(28)
*Stand der geschichtswissenschaftlichen Forschung*
Sie weist darauf hin, dass das Programm diverse Parolen ganz
unterschiedlicher Herkunft vereinigte, namentlich antikapitalistische,
antisemitische und nationalistische Quellen
sowie mittelständisch orientierte Einzelforderungen. Diese intellektuell
schlichten, disparaten Elemente würden durch das Partei-Schlagwort *„Nationaler
Sozialismus“* nur unzureichend zusammengehalten.(29)
Für den Berliner Historiker Wolfgang Wippermann sind die wirtschaftlichen
Forderungen mit den Bezügen auf Kriegsgewinnler, Wucherer und Brechung der
Zinsknechtschaft (was auf ein Verbot aller Bankgeschäfte hinaus gelaufen
wäre) in einem modernen Industriestaat wie Deutschland *„schlichtweg
unsinnig“*.(30) Dass dies explizit unabhängig von *„Rasse und Konfession“*
gelten solle, zeigt, dass die NSDAP hier nicht nur ihrem Antisemitismus
folgte, sondern an ein Stimmungsmuster anknüpfte, das in den Wirren
der Nachkriegszeit verbreitet war.(31)
Im schwammigen Punkt 19 wurde weder gesagt, wie die Ersetzung des Römischen
Rechts durch ein* „deutsches Gemeinrecht“ *aussehen noch worin dieses
bestehen könne. Insgesamt werden die wirtschaftlichen Forderungen des
Programms von einigen Historikern für „sozialistisch
<“">https://de.wikipedia.org/wiki/Sozialismus?ref=apolut.net>“ gehalten.(32)
Laut dem Wirtschafts- und Sozialhistoriker Friedrich-Wilhelm
Henning stimmte das Programm in sechs Punkten mit dem marxistischer
<https://de.wikipedia.org/wiki/Marxismus?ref=apolut.net> Parteien überein,
während es mit den Programmen der national ausgerichteten Parteien der
Mitte und der Rechten nur die Forderung nach Kolonien gemeinsam habe.(33)
Ernst Nolte und Henry A. Turner gehen davon aus, dass die sozialistischen
Forderungen im Programm für Hitler von vornherein *„nur **demagogischer*
<*">https://de.wikipedia.org/wiki/Demagogie?ref=apolut.net>* Natur“*
waren.(34)
Mit diesem ambivalent schillernden Programm konnten die Nationalsozialisten
jedenfalls bis 1929 keine nennenswerten Wählergruppen mobilisieren. Das
änderte sich nach dem 25. Oktober 1929, dem* "Schwarzen Freitag"* – der
Börsenimplosion an der Wall Street.
Von New York als Epizentrum des Erdbebens erreichten die Ausläufer schnell
Europa, auch Deutschland, mit katastrophalen Folgen. Um ihre Verluste zu
decken, forderten nun amerikanische Kreditgeber ihr kurzfristig in
Deutschland angelegtes Geld zurück. Damit wurde dem wirtschaftlichen
Aufschwung Deutschlands der Motor genommen – die Agitation der
Nationalsozilisten fiel nun auf fruchtbaren Boden.
Als nach dem ersten Wahlerfolg der NSDAP bei den Reichstagswahlen vom
September 1930 über eine Einbindung der NSDAP in die
Regierungsverantwortung diskutiert wurde, nannte Jakob Wilhelm
Reichert vom Verein Deutscher Eisen- und Stahlindustrieller als Bedingung,
die NSDAP müsse* „ihr halb sozialistisches und halb nebelhaftes
Parteiprogramm“* aufgeben und *„in wahrhaft konservativem Sinne“
arbeiten."*(35) Obwohl
das propagandistische Schlagwort von der *„Brechung der Zinsknechtschaft“ *auch
noch lange nach der nationalsozialistischen „Machtergreifung“ Teil
des nationalsozialistischen Jargons blieb, war der Inhalt schon früh
wesentlich geändert worden, so dass es statt um Aufhebung
jeglichen Zinses lediglich um Zinssenkung bzw. *„gerechten Zins“* ging.
*Reichstagswahlergebnisse in der Weimarer Republik 1919-1933 (36)*
Zur Unterstützung Hitlers und seiner Partei fand im Mai 1932 (zwei Monate
vor der Reichstagswahl) zwischen Hermann Schmitz von den I.G. Farben (ein
Konsortium, das im Rahmen des Dawes-Reparationsplans 1924 zusammen mit den
Vereinigten Stahlwerken entstanden war), Max Ilgner von den American I.G.
Farben und weitere Industriegrößen ein Treffen statt, das sogenannte
"Kaiserhof-Treffen". Es brachte mehr als 500.000 Mark ein, die Summe wurde
auf das Rudolf-Heß-Konto der Deutschen Bank überwiesen. 100.000 kamen
allein von der American I.G. Chemical, in deren Vorstand Paul Warburg
saß.(37) Mit dieser Finanzhilfe konnte die NSDAP bei der Reichstagswahl im
Juli 1932 den höchsten Stimmenanteil vor der Machtübernahme erzielen. Bei
der Neuwahl im November 1932 verlor sie über 2 Millionen Stimmen — blieb
allerdings stärkste Partei. Viele Parteigenossen hatten inzwischen wohl
erkennen müssen, dass manche Programmpunkte, so zum Beispiel die *"Abschaffung
der Zinsknechtschaft und des mühelosen Einkommens"*, für Hitler Makulatur
geworden waren, was angesichts seiner engen Bindung zu Teilen der
Hochfinanz und Industrie nicht weiter verwunderlich war. Im Kampf um die
Regierungsbildung wurde Hitler am 4. Januar 1933 in das Haus des Bankiers
und Barons Kurt von Schröder nach Köln eingeladen. Von Schröder stand in
enger geschäftlicher und familiärer Beziehung zu den Bankhäusern J. Henry
Schroeder (Name anglisiert) in London und der J. Henry Schroeder
Corporation in New York und arbeitete mit der Investment-Bank
Schroeder/Rockefeller & Comp. und der Dillon, Read & Co.- Gruppe (Baruch)
zusammen. Die Rechtsangelegenheiten dieser Finanzgruppen betreute die
Anwaltsfirma Sullivan & Cromwell.
*US-Finanz-Elite und Wall Street mit im Boot*
So verwundert es nicht, dass deren Inhaber, John Foster Dulles, der spätere
Außenminister Amerikas, an diesem Tag ebenfalls in Köln war. Dulles, der
wiederum die italienischen Faschisten finanziell als Anwalt der Bank
Dillon, Read & Co. unterstützte, hatte in den 20er Jahren die Vereinigten
Stahlwerke in Deutschland aufgebaut und wurde Generalanwalt der I.G.
Farben. Neben Hitler war noch ein konservativer Politiker geladen: der
päpstliche Kammerherr und vormalige Reichskanzler Franz von Papen, im
Ersten Weltkrieg Militarattaché in Washington. Diese Herren handelten eine
Vereinbarung über eine gemeinsame Regierungsbildung aus. Um Hitler den
Geruch der Straße zu nehmen, sollte der adlige Papen dessen Vizekanzler
werden. Der generöse Bankier Schröder sollte auch nicht leer ausgehen und
als Reichsbank-Repräsentant für die "Bank für Internationalen
Zahlungsausgleich" in Basel fungieren, aufgrund seiner vielfältigen
Beziehungen eine ebenso sinnvolle wie praktische Wahl.
Insgesamt sind Hitlers Geheimfonds von Ende 1929 bis Ende Januar 1933
nahezu 300 Millionen Mark, davon 150 Millionen in Devisen, zugeflossen. Die
Herkunft von 35 Millionen konnte bis zum Ölkönig Sir Henry Detering
zurückverfolgt werden. Ansonsten bedienten sich die Einzahler unzähliger
Kniffe der Tarnung. Das Bankgeheimnis tat das übrige. So konnte nur
ermittelt werden, dass die Überweisungen in amerikanischer, englischer,
holländischer, italienischer und Schweizer Währung erfolgten. Ebenso wie in
Amerika wollten die Nationalsozialisten die Arbeitslosigkeit bekämpfen.
Aber außenpolitisches Ziel war vorrangig die Revision des Versailler
Vertrages. Das musste den Widerstand Roosevelts, der unter Wilson als
Marineminister gedient und an der Gestaltung des Versailler Vertrages
beteiligt war, hervorrufen, und Hitler muss es gewusst haben, war doch
Ernst F. Hanfstaengl, im engsten Kreis um Hitler »Putzi« genannt, schon
1922 in die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP)
eingetreten. Aus seinen Harvardverbindungen war die Freundschaft mit
Roosevelt hervorgegangen. Dagegen war die Familie des Finanzgenies und
Reichsbankpräsidenten Hjalmar Horace Greely Schacht eng mit New York
verbunden und arbeitete für das prominente Wall-Street-Bankhaus Equitable
Trust. Hjalmar Schacht sprach fließend englisch, was ihm dann für die
Nachkriegsverhöre zugutekommen sollte (Er wurde als einziger in Nürnberg
freigesprochen). Seine engen Beziehungen zu Owen Young (Direktor von
General Electric! A.E.G./OSRAM) und W. S. Farish (Vorsitzender der Standard
Oil of New Jersey) sind belegt. Die Kontakte zur Wall Street sollten
Schacht während seines ganzen Lebens begleiten. Für Antony C. Sutton ist
Schacht das Scharnier zwischen der Wall-Street-Elite und dem inneren Kreis
um Hitler.
Was die Finanzierung der NS-Bewegung betrifft, so scheint der Sachverhalt
inzwischen weitgehend geklärt. Da war zuerst die vom völkischen Gedankengut
inspirierte "Boheme" Berlins und Münchens, da waren die Parteigenossen und
ein wenig die deutsche Wirtschaft von Hanfstaengl bis Flick,Thyssen und der
I. G. Farben-Konzern und dazu noch ein paar germanophile Ausländer wie der
Automobilkönig Henry Ford und der Öl-Gewaltige von der Royal Dutch Shell ,
Sir Henry Detering, den Hitler schon 1921 beeindruckt haben soll. Henry
Ford und General-Motor-Boss James Mooney wurden sogar persönliche Freunde
des Führers und erhielten von ihm das *"Verdienstkreuz vom Deutschen Adler"*.
Die Erkenntnisse lassen folgendermaßen zusammenfassen: Es gab keine
nennenswerten deutschen Hitler-Förderer, die nicht in irgendeiner
Verbindung zur amerikanischen Hochfinanz standen. Am 20. Februar 1933
wurden im Haus des Reichstagspräsidenten Hermann Göring Vertreter der I.G.
Farben und der Vereinigten Stahlwerke von Hjalmar Schacht um eine
Wahlspende gebeten. Prompt wies I.G. Farben noch am 27. Februar 1933 das
Bankhaus Delbrück, Schickler & Co. an, auf das Konto der "Nationalen
Treuhand" 400.000 Mark zu überweisen.(38) Die deutschen Industriellen, die
nun Hitler finanzierten, waren überwiegend Direktoren von Kartellen mit
direkten amerikanischen Verbindungen oder von amerikanischen
Tochterunternehmen. So hielt vom gesamten Farben-Komplex Rockefeller
ungefähr 50 Prozent. Als nächstgrößte »stockholder« folgten ihm die
Dulles-Brüder. Wie die I.G. Farben waren auch A.E.G., DAPAG u.s.w.
multi-nationale Unternehmen. Da mochte das Finanz-Establishment nicht
beiseite stehen, so der Nazi-Finanzier Hendrik Jozef Kouwenhoven, ein
Direktor-Kollege von Roland Harriman bei der Union Banking Corporation in
New York.
unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.