Artikel zu den Kriegen in der Ukraine und in Westasien sowie Hinweise auf Friedensveranstaltungen (II von II)
11. IPPNW warnt vor schwerem Völkerrechtsbruch - Trumps Pläne für den Gazastreifen
https://www.ippnw.de/presse/artikel/de/ippnw-warnt-vor-schwerem-voelkerrecht.html
IPPNW-Pressemitteilung vom 05. Februar 2025
IPPNW warnt vor schwerem Völkerrechtsbruch
Trumps Pläne für den Gazastreifen
Die ärztliche Friedensorganisation IPPNW fordert die Bundesregierung
auf, die Pläne der USA zur „Inbesitznahme“ des Gazastreifens und die
Entsendung von US-Truppen als schweren Völkerrechtsbruch scharf
zurückzuweisen.
Von der israelischen Regierung solle die Bundesregierung einen
sofortigen Stopp der Militärangriffe im Westjordanland verlangen, sie
dürfe keine Rüstungsgüter mehr an die israelische Regierung liefern.
„Die Eskalation der Gewalt im besetzten Westjordanland gefährdet den
brüchigen Waffenstillstand im Gazastreifen. Wir verurteilen jegliche
Verletzung der völkerrechtlich verbrieften Rechte der
Palästinenser*innen, sei es durch israelische Siedlungspolitik, durch
Annexion von Land oder Vertreibung.
Die Pläne von Donald Trump stehen einer Lösung des Nahost-Konflikts
diametral im Wege“, erklärt die IPPNW-Vorsitzende Dr. Angelika Claußen.
Ägypten und Jordanien, wohin die 2,3 Millionen Palästinenser*innen
nach den Vorstellungen des US-Präsidenten „umgesiedelt“ werden sollen,
sowie andere arabische Staaten haben bereits abgelehnt.
Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar, die
Palästinensische Autonomiebehörde und die Arabische Liga haben sich
ebenfalls gegen eine sogenannte „Umsiedlung“ der Palästinenser*innen
ausgesprochen.
Saudi-Arabien macht die Gründung eines unabhängigen
Palästinenserstaates zur Voraussetzung für die Aufnahme diplomatischer
Beziehungen zu Israel.
Im Januar schätzten die UN, dass im Gazastreifen 50 Millionen Tonnen
Schutt beseitigt werden müssten. Eine Beseitigung könnte 21 Jahre
dauern und bis zu 1,2 Milliarden Dollar kosten.
Laut einem Humanitären Lagebericht der UN verschlechtert sich der
Zugang zur Gesundheitsversorgung auch im Westjordanland. 68 Prozent
der Gesundheitszentren könnten nur eingeschränkt arbeiten.
Laut dem palästinensischem Gesundheitsministerium wurde das staatliche
Krankenhaus von Dschenin von israelischen Streitkräften umzingelt und
die Hauptzufahrtsstraße zum Krankenhaus zerstört.
Dadurch könnten keine Lebensmittel und medizinische Hilfsmittel
geliefert werden. Patient*innen, medizinisches Personal und
Begleitpersonen seien im Krankenhaus eingeschlossen gewesen und
konnten es nicht verlassen.
———
11. SZ: Israel-Palästina-Konflikt:
Münchner Uni verhindert Vortrag von UN-Sonderberichterstatterin
Israel-Palästina-Konflikt:
Münchner Uni verhindert Vortrag von UN-Sonderberichterstatterin
5. Februar 2025, 13:21 Uhr
Die Menschenrechtlerin Francesca Albanese ist eine scharfe Kritikerin
Israels. Nun hat die Ludwig-Maximilians-Universität einen für sie
reservierten Hörsaal storniert. Wissenschaftler sehen darin einen
„gefährlichen Präzedenzfall“.
Der Vortrag war für Sonntag, 16. Februar, angekündigt. Francesca
Albanese sollte über „Kolonialismus, Menschenrechte und
Internationales Recht“ sprechen. Reserviert war ein Hörsaal in der
Ludwig-Maximilians-Universität (LMU).
Kurz nach Veröffentlichung der Veranstaltung Ende Januar wurde sie
schon wieder abgesagt: Die LMU hatte den bereits zugesagten Hörsaal
storniert.
Relevant ist der Vorgang, weil die italienische Juristin Albanese
Sonderberichterstatterin der Vereinten Nationen für die Lage der
Menschenrechte in den von Israel besetzten palästinensischen Gebieten ist.
Die Absage ihres Auftritts habe die Uni in einer E-Mail an die
Veranstalter nach deren Angaben mit der allgemeinpolitischen
Ausrichtung des Vortrags begründet, zudem mit Sicherheitsbedenken
angesichts eines zu erwartenden „Meinungskampfs“.
(…)
Albanese wird am Wochenende bei der Sicherheitskonferenz in München
erwartet. Am Samstag, 15. Februar, will sie bei der parallel
stattfindenden Münchner Friedenskonferenz auftreten. Für den folgenden
Tag hat eine LMU-Gruppe namens „Decolonial Practices Group“ sie
eingeladen.
Die lose organisierte Gruppe, so erklärt es ein Mitglied im Gespräch
mit der SZ, setze sich zusammen aus etwa 15 bis 20 Akademikern, die an
der LMU studieren oder arbeiten.
Die Gruppe ist am „Rachel Carson Center“ für interdisziplinäre
Recherche zu Umwelt und Gesellschaft angesiedelt und organisiert
Veranstaltungen zu diversen globalen Themen. Namentlich wolle niemand
genannt werden aus Sorge vor Anfeindungen.
Die Gruppe hat sich inzwischen an die Öffentlichkeit gewandt: „Wir
sind zutiefst besorgt über einen weiteren Fall, in dem ein dringend
notwendiger akademischer Diskurs über die ernstzunehmende Situation in
Israel/Palästina in Deutschland verweigert wird.“
In einer auf Englisch verfassten Erklärung betont die Gruppe, dass es
sich bei Albanese um eine international anerkannte Juristin handle,
die regelmäßig an renommierten Hochschulen auftrete.
Mit dem Stornieren des Hörsaals handle die LMU ihrer historischen und
ethischen Verantwortung zuwider, einen offenen Diskurs zu ermöglichen.
Die Organisatoren bemühen sich nach eigenen Angaben um einen
alternativen Saal. (…)
„Ein direkter Affront gegen die Grundsätze der akademischen Freiheit“
Die Entscheidung der LMU kritisieren drei Professoren in einem offenen
Brief an die Uni-Leitung: Der jüdische Musiker Michael Barenboim von
der Barenboim-Said-Akademie in Berlin, der sich für Palästinenser
engagiert; die Volkswirtschaftlerin Christine Binzel von der Uni
Erlangen-Nürnberg und Hanna Kienzler, die am King’s College London zu
„Global Health“ arbeitet. Sie kritisieren das Vorgehen der LMU als
„nicht nur zutiefst beunruhigend“.
Die Saal-Stornierung sei „auch ein direkter Affront gegen die
Grundsätze der akademischen Freiheit und des demokratischen
Engagements. Ein solches Vorgehen untergräbt die Glaubwürdigkeit der
Universität als einer Institution, die sich der Förderung von wahrer
Wissenschaft, intellektueller Auseinandersetzung und des Austauschs
widmet, frei von politischem Druck.
Es schafft damit einen gefährlichen Präzedenzfall, mit weitreichenden
Folgen für die deutsche Forschungslandschaft und seiner
internationalen Reputation.“ Albanese selbst reagierte auf die Absage
mit einem Post bei X: „Wenn Ideologie anfängt, Menschen zum Schweigen
zu bringen, gibt es keine Freiheit mehr.“
Die Absage der LMU reiht sich ein in eine längere Liste von
Veranstaltungen in München, die sich mit dem Israel-Palästina-Konflikt
beschäftigen und von verschiedenen Institutionen abgesagt oder
erschwert wurden. Zuletzt stornierte die Katholische Akademie die
Vermietung ihres Saales an die Friedenskonferenz, offiziell ohne
Angabe von Gründen.
Ein Zusammenhang mit dem geplanten Auftritt Albaneses liegt jedoch
nahe, ein Akademiesprecher erklärte auf Fragen der SZ: Man wolle
darauf achten, „dass die Grenze des Sagbaren in unseren Räumlichkeiten
auch durch Gastgruppen und deren Redner:innen nicht überschritten
wird“. Die Friedenskonferenz wird nun großteils im privaten
„Smartvillage“ im Arabellapark stattfinden. (…)
—————
12. Internationale Münchner Friedenskonferenz vom 14.-16.2.2025
https://friedenskonferenz.info/programm-2025/
Das gesamte Programm der Internationalen
Münchner Friedenskonferenz vom 14.-16.2.2025
u.a. mit
Prof. Dr. Heribert Prantl, Prof. Dr. Hanne Margret Birckenbach,
Francecsa Albanese und Dr. Gershon Baskin
findet sich hier:
https://friedenskonferenz.info/programm-2025/
------
13. FÜR EINEN GERECHTEN FRIEDEN IN PALÄSTINA UND ISRAEL -
Kundgebungen in Berlin,Köln und Nürnberg am 15.2.2025
https://gerechter-frieden.org/aufruf-15-02-25/
Mit diesem Aufruf werden am 15. Februar 2025 Kundgebungen in Berlin <https://gerechter-frieden.org/kundgebung-berlin-15-02-25/>, Köln <https://gerechter-frieden.org/kundgebung-koeln-15-02-25/> und Nürnberg <https://gerechter-frieden.org/kundgebung-nuernberg-15-02-25/> stattfinden.
FÜR EINEN GERECHTEN FRIEDEN IN PALÄSTINA UND ISRAEL
——
14. IPG: Wettstreit um die Vorherrschaft
Naher Osten/Nordafrika
04.02.2025 |
Rasim Marz Rasim Marz ist Historiker, Publizist und Experte für die
Geschichte des Osmanischen Reiches und der modernen Türkei.
Wettstreit um die Vorherrschaft
Die Türkei weitet ihren Einfluss in Syrien aus und verändert die
geopolitische Ordnung im Nahen Osten – der Machtkampf mit Israel
spitzt sich zu.
Die Türkei strebt nach einer bedeutenden Rolle auf der globalen Bühne.
„Wer fragt, was die Türkei in Libyen, Syrien und Somalia unternimmt,
versteht diese Einsätze möglicherweise nicht. Wir müssen die Mission
erkennen und akzeptieren, die uns die Geschichte als Nation zugewiesen
hat, und entsprechend handeln“, erklärte Präsident Erdoğan nach dem
Sturz von Diktator Baschar al-Assad.
Ankara bemüht sich derzeit, seinen Einfluss in verschiedenen
Weltregionen auszubauen und das Machtvakuum zu füllen, das die
Großmächte hinterlassen haben.
Der Sturz des Assad-Regimes markiert eine tiefgreifende Zäsur für den
Nahen Osten. Die Machtübernahme der pro-türkischen Miliz Hayat Tahrir
al-Sham (HTS) sowie der von Ankara ausgebildeten Freien Syrischen
Armee in Damaskus vollzog sich im Schatten des Nahostkrieges – zu
einer Zeit, als die schiitische Achse des Iran durch die israelische
Offensive ihre schwerste Niederlage erlitt.
In dieser Phase des Konflikts gewährten sowohl die US-Administration
unter Präsident Joe Biden als auch das NATO-Hauptquartier der Türkei
freie Hand, eine Offensive verbündeter syrischer Oppositionsmilizen
gegen das Assad-Regime und dessen Schutzmacht Russland zu
unterstützen.
Die Schwächung der russischen Militärpräsenz in Syrien war zudem ein
erklärtes Ziel ukrainischer Offiziere, die an der Ausbildung
hochrangiger HTS-Kommandeure beteiligt waren. (…)
Ob die Türkei ihren Einfluss auf ganz Syrien ausweiten kann, hängt
jedoch maßgeblich von den Bedingungen ab, die vor allem sowohl Israel
als auch die USA festlegen werden. Washington befürchtet eine Rückkehr
des Islamischen Staates in dem weiterhin fragilen Land und will daher
seine Unterstützung für die kurdischen Einheiten nicht aufgeben – auch
wenn diese für die Türkei eine Bedrohung der nationalen Sicherheit darstellen.
Anfang Januar unterbreitete der türkische Verteidigungsminister Yaşar
Güler der US-Regierung ein Angebot, das die Entsendung einer
türkischen Brigade zur Bekämpfung des Islamischen Staates vorsieht.
Israel wiederum zeigt sich nach Informationen aus Regierungskreisen
bereit, eine türkische Präsenz in Syrien zu akzeptieren – allerdings
unter der Bedingung, dass Ankara sich nicht mehr in die israelische
Politik in Gaza und im Westjordanland einmischt und die Annexion der
Golanhöhen anerkennt. Außenminister Hakan Fidan wies diese Forderungen
jedoch zurück.
„Es ist unmöglich für uns, uns von den palästinensischen
Angelegenheiten und der Frage um Jerusalem zurückzuziehen“, betonte
er. Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit seinem katarischen
Amtskollegen Mohammed bin Abdurrahman Al-Thani fügte er hinzu:
„Die Beendigung der israelischen Besatzung und die Errichtung eines
palästinensischen Staates auf der Grundlage der Grenzen von 1967 sind
die einzige Lösung für dieses Problem“.
Über das zukünftige Schicksal Syriens entscheiden nicht allein die
syrische Bevölkerung oder ihre Übergangsregierung. Vielmehr wird der
anhaltende Machtkampf zwischen Israel und der Türkei um die
Vorherrschaft im Nahen Osten eine entscheidende Rolle spielen. Diese
geopolitische Rivalität wird nicht nur Syrien, sondern auch die westliche
Allianz und damit Deutschland vor neue Herausforderungen stellen.
——
15. Bundestag: Rede von Dr. Navid Kermani zur Feierstunde „65 Jahre Grundgesetz“
Aus gegebenem Anlass möchte ich heute enden mit Dr. Navid Kermani
und seiner Rede am 23. Mai 2014 im deutschen Bundestag:
http://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2014/-/280688
2014
Rede von Dr. Navid Kermani zur Feierstunde „65 Jahre Grundgesetz“
Es gilt das gesprochene Wort
Sehr geehrte Herren Präsidenten! Frau Bundeskanzlerin!
Meine Damen und Herren Abgeordnete! Exzellenzen! Liebe Gäste!
(…)
„Ein guter Deutscher kann kein Nationalist sein.“
Das sagte Willy Brandt in seiner Nobelpreisrede voller
Selbstbewusstsein. Und weiter:
„Ein guter Deutscher weiß, daß er sich einer europäischen Bestimmung
nicht versagen kann. Durch Europa kehrt Deutschland heim zu sich
selbst und den aufbauenden Kräften seiner Geschichte.“ (…)
Es ist diese kosmopolitische Linie deutschen Geistes, die Willy Brandt
fortführte - nicht nur mit seinem Kampf gegen den deutschen
Nationalismus und für ein vereintes Europa, ebenso in seinem frühen
Plädoyer für eine „Weltinnenpolitik“, in seinem Engagement für die
Nord-Süd-Kommission und während seines Vorsitzes der Sozialistischen
Internationale.
Ausgerechnet das Grundgesetz, in dem Deutschland seine Offenheit auf
ewig festgeschrieben zu haben schien, sperrt heute diejenigen aus, die
auf unsere Offenheit am dringlichsten angewiesen sind: die politisch Verfolgten.
Ein wundervoll bündiger Satz ‑ „Politisch Verfolgte genießen
Asylrecht.“ ‑ geriet 1993 zu einer monströsen Verordnung aus 275
Wörtern, die wüst aufeinandergestapelt und fest ineinander
verschachtelt wurden, nur um eines zu verbergen: dass Deutschland das
Asyl als Grundrecht praktisch abgeschafft hat.
(Beifall)
Muss man tatsächlich daran erinnern, dass auch Willy Brandt, bei
dessen Nennung viele von Ihnen quer durch die Reihen beifällig genickt
haben, ein Flüchtling war, ein Asylant?
Auch heute gibt es Menschen, viele Menschen, die auf die Offenheit
anderer, demokratischer Länder existentiell angewiesen sind. Und
Edward Snowden, dem wir für die Wahrung unserer Grundrechte viel
verdanken, ist einer von ihnen.
(Beifall)
Andere ertrinken im Mittelmeer ‑ jährlich mehrere Tausend ‑, also mit
sehr großer Wahrscheinlichkeit auch während unserer Feststunde.
Deutschland muss nicht alle Mühseligen und Beladenen der Welt
aufnehmen; aber es hat genügend Ressourcen, politisch Verfolgte zu
schützen, statt die Verantwortung auf die sogenannten Drittstaaten
abzuwälzen.
(Beifall)
Und es sollte aus wohlverstandenem Eigeninteresse anderen Menschen
eine faire Chance geben, sich um die Einwanderung legal zu bewerben,
damit sie nicht auf das Asylrecht zurückgreifen müssen.
(Beifall)
Denn von einem einheitlichen europäischen Flüchtlingsrecht, mit dem
1993 die Reform begründet wurde, kann auch zwei Jahrzehnte später
keine Rede sein, und schon sprachlich schmerzt der Missbrauch, der mit
dem Grundgesetz getrieben wird. Dem Recht auf Asyl wurde sein Inhalt,
dem Artikel 16 seine Würde genommen.
(Beifall)
Möge das Grundgesetz spätestens bis zum 70. Jahrestag seiner
Verkündung von diesem hässlichen, herzlosen Fleck gereinigt sein,
verehrte Abgeordnete.
(Beifall)
Dies ist ein gutes Deutschland, das beste, das wir kennen. Statt sich
zu verschließen, darf es stolz darauf sein, dass es so anziehend
geworden ist. (…)
So möchte ich zum Schluss meiner Rede tatsächlich einmal in
Stellvertretung sprechen, und im Namen von - nein, nicht im Namen von
allen Einwanderern, nicht im Namen von Djamaa Isu, der sich fast auf
den Tag genau vor einem Jahr im Erstaufnahmelager Eisenhüttenstadt mit
einem Gürtel erhängte aus Angst, ohne Prüfung seines Asylantrages in
ein sogenanntes Drittland abgeschoben zu werden, nicht im Namen von
Mehmet Kubasik und den anderen Opfern des Nationalsozialistischen
Untergrunds, die von den ermittelnden Behörden und den größten
Zeitungen des Landes über Jahre als Kriminelle verleumdet wurden,
nicht im Namen auch nur eines jüdischen Einwanderers oder Rückkehrers,
der die Ermordung beinahe seines ganzen Volkes niemals für bewältigt
halten kann -, aber doch im Namen von vielen, von Millionen Menschen,
im Namen der Gastarbeiter, die längst keine Gäste mehr sind, im Namen
ihrer Kinder und Kindeskinder, die wie selbstverständlich mit zwei
Kulturen und endlich auch zwei Pässen aufwachsen, im Namen meiner
Schriftstellerkollegen, denen die deutsche Sprache ebenfalls ein
Geschenk ist, im Namen der Fußballer, die in Brasilien alles für
Deutschland geben werden, auch wenn sie die Nationalhymne nicht
singen,
(Beifall)
im Namen auch der weniger Erfolgreichen, der Hilfsbedürftigen und
sogar der Straffälligen, die gleichwohl - genauso wie die Özils und
Podolskis - zu Deutschland gehören, im Namen zumal der Muslime, die in
Deutschland Rechte genießen, die zu unserer Beschämung Christen in
vielen islamischen Ländern heute verwehrt sind, im Namen also auch
meiner frommen Eltern und einer inzwischen 26-köpfigen
Einwandererfamilie möchte ich sagen und mich dabei auch wenigstens
symbolisch verbeugen: Danke, Deutschland.
(Langanhaltender Beifall - Die Anwesenden erheben sich)
———
Mit freundlichen Grüßen
Clemens Ronnefeldt
Referent für Friedensfragen beim deutschen
Zweig des internationalen Versöhnungsbundes
unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.






Quelle: Sputnik

Quelle: AP © Ben Curtis
Quelle: AP © Ariel Schalit
© Conflict and Environmens OBServatory (CEOBS)
Quelle: AP © Matias Delacroix