EU und Medienfinanzierung / USAID-Kahlschlag
aus e-mail, Doris Pumphrey, vom 14. Februar 2025, 14:08 Uhr
Berliner Zeitung 13.2.2025
*Ursula von der Leyen verweigert Auskunft über EU-Millionen für Medien
*Franz Becchi
Vor der EU-Wahl haben Institutionen der EU 132 Millionen Euro an Medien
ausgeschüttet. Gab es redaktionelle Gefälligkeiten im Gegenzug?
In den USA erschüttert aktuell die Tatsache die Öffentlichkeit, dass
offenbar zahlreiche Medien Geld von der US-Regierung erhalten haben.
Dies haben die ersten Untersuchungen von Donald Trumps Sparkommissar
Elon Musk ergeben.
Doch offenbar sind Zahlungen von Institutionen an jene, die sie
eigentlich kontrollieren sollten also die Medien - , auch in der EU
alltägliches Geschäft. Im Jahr vor den vergangenen Europawahlen sollen
Institutionen der Europäischen Union mehr als 132 Millionen Euro an
Medien vergeben haben. Die Zuwendungen waren für einen Zeitraum von
zwölf Monaten vorgesehen und ergänzten bereits bestehende Förderungen
für Fernsehsender, Zeitungen, Nachrichtenagenturen und Online-Portale.
Koordiniert wurde das Projekt laut der italienischen Tageszeitung Il
Fatto Quotidiano
von der maltesischen Präsidentin des Europaparlaments, Roberta Metsola,
in Abstimmung mit EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen. Zudem
sollen der Rat der 27 Mitgliedstaaten, die Europäische Investitionsbank
sowie der Wirtschafts- und Sozialausschuss beteiligt gewesen sein.
Besonders problematisch sei dabei die gewählte Verwaltungspraktik, die
es laut dem Bericht ermögliche, sowohl die einzelnen Zahlungen als auch
die Empfänger der Mittel anonym zu halten. Damit ist nicht
nachzuvollziehen, ob es sich um Missbrauch, Betrug, Korruption,
Gefälligkeiten oder leistungsbezogene Marketingausgaben handelt.
*Fragliche Verwaltungspraktik: Wohin fließen die EU-Millionen für Medien?
*Die Mittel wurden über einen sogenannten Framework Contract
(Rahmenvertrag) vergeben. Das entsprechende Dokument
<https://opentender.eu/eu/tender/5df7ec1c-af7a-4149-9dd0-638e73336615>
vom 5. September 2023 mit der Kennung Comm/DG/Fmw/2023/30 übertrug die
gesamte Summe an die bekannte und mächtige Werbeagentur Havas Media
France aus dem Medienkonzern Vivendi. Ausschließlich dieser Vertrag
wurde offiziell ausgeschrieben. Wie Havas die Gelder anschließend in
Absprache mit den EU-Spitzen an die Medien weiterleitete, bleibt
hingegen vertraulich.
Darüber hinaus scheint der Vertrag von bestimmten
Transparenzvorschriften ausgenommen zu sein – etwa von der Pflicht,
Zahlungen über 14.000 Euro öffentlich auszuschreiben oder sie in der
EU-weiten Datenbank ted.europa.eu zu registrieren.
Metsola und von der Leyen, beide aus der EVP-Fraktion, ließen der
italienischen Zeitung über ihre Sprecher mitteilen, dass sie keine
Informationen zu den Empfängern, den genauen Beträgen, den Begründungen
oder den Ergebnissen der Zahlungen offenlegen werden. Metsola verwies
lediglich auf die Möglichkeit, das bürokratische Verfahren zur „Einsicht
in Dokumente gemäß Artikel 15 des Vertrags über die Arbeitsweise der EU“
einzuleiten. Von der Leyen betonte, dass Havas „im Einklang mit dem
Rahmenvertrag sicherstellen müsse, dass die Verbreitung von
Informationen nicht die geschäftlichen Interessen der beteiligten
Wirtschaftspartner gefährdet“.
Zwar ist es gängige Praxis, dass private Unternehmen Agenturen mit
Werbekampagnen und dem Ankauf von Anzeigenflächen beauftragen. Doch der
Vertrag mit Havas umfasst ebenfalls „Werbung“ und
„Werbedienstleistungen“ – obwohl die EU-Behörden selbst keine Produkte
verkaufen. Il Fatto Quotidiano kritisiert die mangelnde Transparenz über
den Einsatz öffentlicher Mittel und fordert eine vollständige
Offenlegung institutioneller Zahlungen an europäische Medien.
Ursula von der Leyen hat bereits ihr Kommunikation mit Pfizer-Chef
Albert Bourla über die Corona-Impfstoffe der Geheimhaltung unterworfen:
Eine entsprechende Kommunikation via Textnachrichten ist einfach
verschwunden.
Berliner Zeitung 14.2.2025
*USAID-Kahlschlag: „Sie sollen auf dem Roten Platz um Buße bitten“
*Nicolas Butylin
Über Jahrzehnte ist die United States Agency for International
Developement (USAID) verschiedensten Regierungs- und Staatschefs östlich
der Oder ein Dorn im Auge gewesen. Die amerikanische Behörde soll
sogenannte Farbenrevolutionen angezettelt und für politische
Instabilität gesorgt haben*.* Demokratische Bewegungen oder
zivilgesellschaftliche Organisationen? Alles aus Washington bezahlt,
alles „Kriminelle und Saboteure“, heißt es oft.
Erstmals in der jüngeren Geschichte sehen nun die politischen Führungen
in Moskau, Minsk, Tiflis und Co. potenzielle Verbündete im Weißen Haus,
die den Einfluss von USAID aufdecken und beenden werden. US-Präsident
Donald Trump will die 1961 gegründete Behörde stutzen. Zahlreiche
Mitarbeiter sind beurlaubt und Hilfsgelder eingestellt. Die
Auslandsprogramme werden zudem einer Überprüfung unterzogen, um
sicherzustellen, dass sie mit der Amerika-zuerst-Agenda der
Trump-Administration übereinstimmen.
Für osteuropäische Regierungen ergibt sich deshalb ein einmaliges
Momentum, um mit den amerikanischen Entwicklungshilfen abzurechnen und
den einheimischen Empfängern dieser Hilfen mit harten Konsequenzen zu
drohen.
*Georgien und die Slowakei setzen auf Zusammenarbeit mit Trump
*In Georgien will die Regierung unter dem Georgischen Traum nun den
ausländischen Einfluss der vergangenen Jahre auf das Land im Südkaukasus
ermitteln. Regierung wie auch regierungsnahe Medien werfen der
Opposition von Ex-Präsident Micheil Saakaschwili vor, ein „westliches
Spionagenetzwerk“ in Georgien etabliert zu haben. Außerdem beschuldigt
Premier Irakli Kobachidse die US-Botschaft im Tiflis sowie USAID
„koordiniert gegen das georgische Volk und den georgischen Staat“
vorzugehen.
Schon zuvor hat der Parlamentspräsident in Georgien, Schalwa
Papuaschwili, der US-Behörde mit Sitz in Washington vorgeworfen
Falschbehauptungen während der Parlamentswahlen 2020 verbreitet zu
haben. Zudem soll eine aus den USA finanzierte georgische
Nichtregierungsorganisation, die Wahlbeobachtermission ISFED, mithilfe
einer Metadatensoftware falsche Wahlergebnisse präsentiert haben. Tiflis
verspreche sich Antworten von der Trump-Administration. Die Berliner
Zeitung berichtete
Wie der britische Guardian
<https://www.theguardian.com/us-news/2025/feb/12/usaid-musk-soviet-bloc> außerdem
schreibt, sorgen sich immer mehr aktuelle sowie ehemalige
USAID-Mitarbeiter – vor allem in Osteuropa – vor mangelnder
Unterstützung aus der Heimat. Angestellte der Entwicklungsbehörden seien
in Gefahr, die aktuelle Unsicherheit was die Fortsetzung von Projekten
anbelangt, sei ein „Schnäppchen“ für ausländische Geheimdienste, zitiert
der Guardian einen anonymen US-Beamten. Georgische Regierungsvertreter
fordern beispielsweise die USA auf, konkrete Informationen über
Empfänger der US-Hilfen preiszugeben.
In dieselbe Kerbe schlägt auch der slowakische Regierungschef Robert
Fico. In einem Brief an Elon Musk, den Fico zu seiner Ernennung als
Regierungsberater ausdrücklich gratuliert, verlangt Bratislava
detaillierte Informationen zu Geldtransfers und weiteren US-finanzierten
Projekten in der Slowakei.
„Es ist unbestreitbar, dass Finanzmittel der USAID in der Slowakei für
politische Zwecke verwendet wurden, mit dem Ziel, das politische System
zu verzerren und bestimmte politische Parteien zu bevorzugen“, schreibt
Fico auf Facebook. „Selbst aus unvollständigen öffentlichen Quellen geht
klar hervor, dass die USAID-Agentur diese Einrichtungen über einen
relativ kurzen Zeitraum mit Subventionen in Höhe von mehreren Millionen
Dollar unterstützt hat.“ Der Slowake fordert Aufklärung von der
Trump-Administration, um „zwischen nützlichen und vorteilhaften
Projekten und eklatanter Einmischung in die inneren Angelegenheiten der
Slowakei unterscheiden zu können“. Besonders im Visier der slowakischen
Regierung: Nichtregierungsorganisationen,
einzelner Journalisten.
*Duma-Sprecher: „Sollten auf dem Roten Platz um Buße bitten“
*Das Thema USAID hat es auch in die russische Politik geschafft. Der
Vorsitzende der Staatsduma, Wjatscheslaw Wolodin, sagt, der Kreml
<https://www.berliner-zeitung.de/topics/kreml> solle aus den USA eine
Liste von Personen anfordern, die von USAID finanziert wurden, damit die
russischen Strafverfolgungsbehörden gegen sie ermitteln können. „Wir
müssen den US-Kongress um Listen derjenigen bitten, die in Russland für
USAID arbeiteten, und diese Listen dann dem FSB übergeben“, sagt Wolodin
während einer Parlamentssitzung.
Wolodin, Mitglied der regierenden Partei Einiges Russland, prangert
USAID als ein Werkzeug der „Pseudodemokratie an, das die halbe Welt
getäuscht hat“, und behauptet, russische Kremlkritiker im Exil stünden
nun ohne ausländische Finanzierung da. „Die einzige echte Demokratie,
die noch übrig ist, ist in Russland“, sagt Wolodin. „Diejenigen, die aus
dem Ausland finanziert wurden, sollten sich öffentlich entschuldigen und
auf dem Roten Platz um Buße bitten.“
Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán sagt wiederum, seine Regierung
werde „Zeile für Zeile“ lokale Organisationen untersuchen, die
finanzielle Mittel von USAID erhalten haben. Ihm zufolge sei die Behörde
Teil einer linken Verschwörung gewesen, die seine Regierung stürzen
wollte. „Jetzt ist der Moment gekommen, in dem diese internationalen
Netzwerke zerschlagen werden müssen, sie müssen weggefegt werden“, so
Orbán. „Es ist notwendig, ihre Existenz rechtlich unmöglich zu machen.“
USAID-Programme seien als Hilfsprogramme dargestellt worden, in
Wirklichkeit sei es jedoch ein Instrument politischer Einflussnahme
gewesen, sagt der Ungar.
*Auch in Zentralasien ist USAID ein Thema
*Mehrere osteuropäische und postsowjetische Länder kündigten nun an,
Gesetze zu verabschieden, um zivilgesellschaftliche Organisationen, die
aus dem Ausland finanziert werden, zu eliminieren.
So unterstützt auch im zentralasiatischen Kirgistan Präsident Sadyr
Dschaparow Musks Vorschlag zur Schließung amerikanisch-finanzierter
Medienformate wie Voice of America und Radio Liberty. Dschaparow fordert
insbesondere das Aus des kirgisischen Dienstes von Radio Liberty – Azattyk.
„Trump und Musk wollen die sinnlose Verschwendung von US-Steuergeldern
beenden“, sagt Dschaparow gegenüber kirgisischen Staatsmedien. „Und sie
haben absolut Recht. Wir leben im 21. Jahrhundert. Jede Information
verbreitet sich weltweit innerhalb von fünf Minuten. Vor zwanzig oder
dreißig Jahren warteten alle auf Azattyk, hörten zu und glaubten alles –
denn es gab keine Internetverbindung, keine Smartphones. Jetzt brauchen
die Leute Azattyks Nachrichten nicht mehr. Jeder informiert sich
online“, so der kirgisische Präsident.
unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

















Quelle: AP © Johanna Geron





https://www.statista.com/statistics/1293510/second-world-war-fatalities-per-country/

Quelle: https://budget.house.gov/imo/media/doc/sounding_the_alarm_americas_unsustainable_national_debt.pdf
Quelle: Gettyimages.ru
Quelle: AP © Präsidialamt der Ukraine (Screenshot)
Annalena Baerbock während eines Wahlkampfauftritts im Boitzenburger Land (Brandenburg), 10. Februar 2025Quelle: www.globallookpress.com © Sebastian Gollnow/dpa (Screenshot)