nachdenkseiten.de, 22. August 2025 um 13:05 Ein Kommentar von: Tobias Riegel
Der Terroranschlag auf die Pipeline Nord Stream 2 im September 2022 war ein beispielloser Angriff auf die deutsche Infrastruktur und Energieversorgung. Umso skandalöser ist die Untätigkeit, die die Ermittlungsbehörden bei dem Fall bisher an den Tag gelegt haben. Die nun vermeldete Verhaftung eines Verdächtigen wirft aber mehr Fragen auf, als sie beantwortet.
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Es gibt neue Entwicklungen im Fall der Anschläge auf die deutsch-russische Pipeline Nord Stream 2, wie etwa die Berliner Zeitung in diesem Artikel berichtet: Demnach hat die Bundesanwaltschaft in der Nacht zu Donnerstag aufgrund eines Europäischen Haftbefehls den ukrainischen Staatsangehörigen Serhii K. in der Provinz Rimini (Italien) festnehmen lassen, wie der Generalbundesanwalt (GBA) mitteilt.
Der Beschuldigte sei des gemeinschaftlichen Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion (§ 308 Abs. 1 StGB), der verfassungsfeindlichen Sabotage (§ 88 Abs. 1 Nr. 3 StGB) sowie der Zerstörung von Bauwerken (§ 305 Abs. 1 StGB) dringend verdächtig. Weitere Infos finden sich in dem oben verlinkten Artikel.
Verschiedene Theorien zum Vorgang der Anschläge
Es gibt verschiedene Theorien zum Vorgang der Anschläge und zur Herkunft der Täter: nichtstaatliche ukrainische Einzeltäter; ukrainische Täter mit Verbindungen zu staatlichen ukrainischen bzw. US-amerikanischen Stellen; – oder aber US-amerikanische Täter unter Anleitung eines US-Geheimdienstes. Die letzte Variante wird unter anderem vom US-Investigativ-Journalisten Seymour Hersh formuliert.
Die erste Theorie der „nichtstaatlichen Einzeltäter“ wurde kurz nach den Anschlägen eher von westlichen Mainstream-Journalisten nahegelegt. Von dieser allzu unrealistischen Version haben sich manche deutsche Medien später aber wieder abgewandt – nachdem auch westliche Medien wie etwa das Wall Street Journal (WSJ) den Standpunkt vertreten hatten, dass die Nord-Stream-Attacken vom damaligen Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte organisiert worden seien und auch Präsident Selenskyj der Operation (vorübergehend) grünes Licht gegeben habe. So entstand eine absurde Gleichzeitigkeit: Während auch große deutsche Medien über die im WSJ-Bericht unterstellte staatliche Mittäterschaft der Ukraine schrieben, verweigerten viele deutsche Journalisten trotzdem den Schritt, darum die weitere Unterstützung der Ukraine infrage zu stellen. Von den Fragen, die eine erwiesene Täterschaft eines US-Geheimdienstes aufwerfen müsste, mal ganz zu schweigen.
Was die oben beschriebenen Theorien gemeinsam haben, ist, dass die Täter sehr wahrscheinlich im Kreise der „Verbündeten“ Deutschlands (Ukraine und/oder USA) zu suchen sind: Die zu Beginn von vielen deutschen Stimmen vertretene Variante, nach der Russland seine eigenen Pipelines gesprengt habe, ist mittlerweile weitgehend verstummt. Die aktuelle Verhaftung soll mutmaßlich die Version von der für den Anschlag genutzten Segelyacht (zumindest scheinbar) stützen.
Die NachDenkSeiten sind in zahlreichen Artikeln auf die Nord-Stream-Anschläge und die skandalöse Verweigerung einer seriösen Aufklärung eingegangen, eine Auswahl der Beiträge finden Sie unter diesem Text.
Reaktionen auf die Verhaftung
Der russische Botschafter in Deutschland, Sergej Netschajew, sagte der Berliner Zeitung: „Die russische Seite besteht weiterhin auf einer objektiven und vollständigen Ermittlung des Terroranschlages auf die Nord-Stream-Pipelines, der Feststellung und Ahndung der Täter und Organisatoren.“ Die Sprengungen seien „eklatante Akte des internationalen Terrorismus“. Die russische Nachrichtenagentur Tass schreibt laut Medienberichten:
„Laut dem russischen Außenminister Sergej Lawrow ist Moskau davon überzeugt, dass die Sabotageakte an der Nord-Stream-Pipeline mit US-Unterstützung durchgeführt wurden. Die russische Generalstaatsanwaltschaft hat Ermittlungen wegen eines Akts des internationalen Terrorismus eingeleitet.“
Die Vorsitzende des BSW, Sahra Wagenknecht, forderte einen Untersuchungsausschuss des Bundestags. Sie sagte der Berliner Zeitung, dieser „staatsterroristische Akt“ müsse konsequent aufgeklärt werden. Es sei „komplett abwegig, dass der nun Festgenommene und seine Mittäter ohne Rückendeckung der ukrainischen Führung und der damaligen Biden-Administration in den USA handelten“. Auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj „sollte vor einem Untersuchungsausschuss im Bundestag aussagen müssen“. Es sei „völlig absurd, dass Deutschland viele Milliarden für Ukraine-Hilfen ausgibt, aber niemals Aufklärung von Selenskyj einforderte“. Auch die Frage nach einer Entschädigung müsse gestellt werden.
Aufreizend ist angesichts des bisherigen Verhaltens der deutschen Ermittler zum Nord-Stream-Anschlag, wenn diese jetzt ihrerseits eine Aufklärung „einfordern“: So sprach Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) nach der nun bekannt gewordenen Festnahme in Italien laut AFP von einem „beeindruckenden Ermittlungserfolg“. Die Sprengung der Pipelines müsse aufgeklärt werden, „auch strafrechtlich“, betonte sie.
Die Verhaftung wirft Fragen auf
Der aktuelle Vorgang der Verhaftung eines ukrainischen Verdächtigen wirft meiner Meinung nach unter anderem die folgenden spekulativen Fragen auf:
- Legt der Zeitpunkt der Verhaftung des Ukrainers während der aktuellen Friedensverhandlungen zwischen Russland und den USA nahe, dass damit nun die Ukraine zu Zugeständnissen im Verhandlungsprozess bewegt werden soll – indem droht, dass das Land demnächst (dann auch endlich ganz „offiziell“) als Terrorstaat identifiziert werden könnte und dadurch der „Heiligenstatus“ der Ukraine verloren geht?
- Oder soll – im Gegenteil – durch die Verhaftung die umstrittene „Yacht-Theorie“ und damit eher eine Einzeltäterschaft radikaler Individuen ohne staatliche Kontakte gestützt werden? Und soll dadurch wiederum eine naheliegende Beteiligung/Führung des Anschlags durch US-Geheimdienste verschleiert werden?
- Oder ist der jetzige Zeitpunkt der Verhaftung einfach nur Zufall und man sollte den europäischen Ermittlern ein Kompliment zu ihrem Erfolg machen?
Titelbild: shutterstock / apprenticebk
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Rubriken: Audio-Podcast Terrorismus
Schlagwörter: AnschlagNord StreamRusslandStaatsterrorismusStrafverfolgungUkraineUSA
Info: https://www.nachdenkseiten.de/?p=137817
unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.
Weiteres:
Sprengung von Nord Stream 2
aus e-mail von Doris Pumphrey, 22. August 2025, 16:39 Uhr
22.8.2025 16:39
*Nord-Stream-Attentat: Aktuelle Verhaftung wirf viele Fragen auf
*Der Terroranschlag auf die Pipeline Nord-Stream-2 im September 2022 war
ein beispielloser Angriff auf die deutsche Infrastruktur und
Energieversorgung. Umso skandalöser ist die Untätigkeit, die die
Ermittlungsbehörden bei dem Fall bisher an den Tag gelegt haben. Die nun
vermeldete Verhaftung eines Verdächtigen wirft aber mehr Fragen auf, als
sie beantwortet.
Ein Kommentar von**Tobias Riegel.
/Hier weiterlesen:
/https://www.nachdenkseiten.de/?p=137817
Berliner Zeitung 21.8.2025
<https://www.berliner-zeitung.de/wirtschaft-verantwortung/sprengung-von-nord-stream-2-erste-verhaftung-in-italien-li.2350861>
*Sprengung von Nord Stream 2:
Erste Verhaftung – wer steckt dahinter?
*von Michael Maier
Die Bundesanwaltschaft hat in der Nacht zu Donnerstag aufgrund eines
Europäischen Haftbefehls des Ermittlungsrichters des Bundesgerichtshofs
vom 18. August den ukrainischen Staatsangehörigen Serhii K. in der
Provinz Rimini (Italien) durch Beamte der Carabinieri-Station in Misano
Adriatico festnehmen lassen, wie der Generalbundesanwalt (GBA) mitteilt.
Der Zugriff erfolgte in enger Kooperation mit dem Dienst für
Internationale Polizeiliche Zusammenarbeit.
Der Verdächtige soll in San Clemente Urlaub gemacht haben. Die
italienische Zeitung LA Stampa schreibt, der Mann sei über das
Gäste-Warn-System identifiziert worden, mit dem die
Beherbergungsbetriebe routinemäßig bezüglich ihrer Gäste die Polizei
informieren. Der Nachrichtenagentur Ansa zufolge hielt sich der 49 Jahre
alte Mann seit einigen Tagen mit seiner Familie an der Adriaküste auf.
Nach der Festnahme sei er ins Gefängnis gebracht worden. Die
Entscheidung über die Vollstreckung des vorliegenden Europäischen
Haftbefehls liege nun beim Berufungsgericht der norditalienischen Stadt
Bologna.
Der Beschuldigte ist des gemeinschaftlichen Herbeiführens einer
Sprengstoffexplosion (§ 308 Abs. 1 StGB), der verfassungsfeindlichen
Sabotage (§ 88 Abs. 1 Nr. 3 StGB) sowie der Zerstörung von Bauwerken (§
305 Abs. 1 StGB) dringend verdächtig.
In dem Haftbefehl wird ihm laut GBA im Wesentlichen folgender
Sachverhalt zur Last gelegt: „Serhii K. gehörte zu einer Gruppe von
Personen, die im September 2022 nahe der Insel Bornholm Sprengsätze an
den Gaspipelines Nord Stream 1 und Nord Stream 2 platzierte. Bei dem
Beschuldigten handelte es sich mutmaßlich um einen der Koordinatoren der
Operation. Für den Transport nutzten er und seine Mittäter eine
Segeljacht, die von Rostock aus startete. Die Jacht war zuvor mithilfe
gefälschter Ausweispapiere über Mittelsmänner bei einem deutschen
Unternehmen angemietet worden. Die Sprengsätze detonierten am 26.
September 2022. Durch die Explosionen wurden beide Pipelines schwer
beschädigt.“
Der Beschuldigte wird nach einer Überstellung aus Italien dem
Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs vorgeführt.
Die Vorsitzende des BSW, Sahra Wagenknecht, forderte einen
Untersuchungsausschuss des Bundestags. Sie sagte der Berliner Zeitung,
dieser „staatsterroristische Akt“ müsse konsequent aufgeklärt werden. Es
sei „komplett abwegig, dass der nun Festgenommene und seine Mittäter
ohne Rückendeckung der ukrainischen Führung und der damaligen
Biden-Administration in den USA handelten“. Auch der ukrainische
Präsident Wolodymyr Selenskyj „sollte vor einem Untersuchungsausschuss
im Bundestag aussagen müssen“. Es sei „völlig absurd, dass Deutschland
viele Milliarden für Ukraine-Hilfen ausgibt, aber niemals Aufklärung von
Selenskyj einforderte“. Auch die Frage nach einer Entschädigung müsse
gestellt werden.
Der russische Botschafter in Deutschland, Sergej Netschajew, sagte der
Berliner Zeitung: „Die russische Seite besteht weiterhin auf einer
objektiven und vollständigen Ermittlung des Terroranschlages auf die
Nord-Stream-Pipelines, der Feststellung und Ahndung der Täter und
Organisatoren.“ Die Sprengungen seien „eklatante Akten des
internationalen Terrorismus“.
Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) sprach nach der nun bekannt
gewordenen Festnahme in Italien laut AFP von einem „beeindruckenden
Ermittlungserfolg“. Die Sprengung der Pipelines müsse aufgeklärt werden,
„auch strafrechtlich“, betonte sie.
Die italienische Zeitung Corriere della Sera, die in Sicherheitsdingen
gewöhnlich exzellent informiert ist, meldete den Vorgang sehr spät und
berichtete lediglich unter Bezugnahme auf die Bild-Zeitung. Auch die
staatliche russische Nachrichtenagentur Tass berichtete zunächst nur
über die Mitteilung des GBA. Aktuelle politische Stellungnahmen gab es
dazu vorerst nicht. Die Tass schreibt jedoch: „Laut dem russischen
Außenminister Sergej Lawrow ist Moskau davon überzeugt, dass die
Sabotageakte an der Nord-Stream-Pipeline mit US-Unterstützung
durchgeführt wurden. Die russische Generalstaatsanwaltschaft hat
Ermittlungen wegen eines Akts des internationalen Terrorismus eingeleitet.“
Es ist dies die erste Verhaftung im Zusammenhang mit der Sprengung. Im
August 2024 erließen die deutschen Behörden einen Haftbefehl gegen einen
weiteren ukrainischen Taucher, Wolodymyr Z., der verdächtigt wurde, an
dem Vorfall beteiligt gewesen zu sein. Berichten zufolge floh er aus
Polen in die Ukraine, bevor er festgenommen werden konnte.
Es ist unklar, ob sich die Sprengung wirklich so zugetragen hat, wie der
Haftbefehl insinuiert. Der Ablauf stimmt mit Medienberichten überein,
die einige Monate nach der Sprengung in den USA und Deutschland
erschienen sind. Zuvor war spekuliert worden, Russland könne seine
eigene Pipeline gesprengt haben. Investigative Rechercheure wie der
Pulitzer-Preisträger Seymour Hersh vertreten die Auffassung, dass die
USA gemeinsam mit Norwegen die Sprengung veranlasst haben. Der
Trump-nahe Journalist Tucker Carlson, der auch den russischen
Staatspräsidenten Wladimir Putin interviewt hat, behauptet ebenfalls,
dass die Sprengung von den Amerikanern durchgeführt wurde.
Donald Trump selbst sagte auf einer Pressekonferenz im Weißen Haus im
Mai 2025: „Wenn ich bestimmte Leute fragen würde, könnte ich es Ihnen
sagen, ohne viel Geld für eine Untersuchung verschwenden zu müssen … Ich
denke, viele Leute wissen, wer sie in die Luft gejagt hat.“ Zuvor hatte
ein Reporter Trump gefragt, ob er beabsichtige, eine formelle
Untersuchung der Explosionen der Nord-Stream-Pipeline einzuleiten. Trump
antwortete im Weißen Haus und deutete an, er verfüge bereits über
genügend Informationen, ohne Steuergelder auszugeben. Trump sagte
außerdem im Scherz, er selbst habe die Sprengung veranlasst – ein
Scherz, den der Präsident nach seinem freundschaftlichen Treffen mit
Putin in Alaska eher nicht mehr öffentlich wiederholen würde.
Die Verhaftung kommt zu einem kritischen Zeitpunkt. Russland hat nach
Informationen der Berliner Zeitung während der laufenden Verhandlungen
mit den USA über die Normalisierung der Beziehungen von Anfang an darauf
bestanden, dass die Täter ausgeforscht werden. Anfang August sagte
Dmitri Poljanski, amtierender Ständiger Vertreter Russlands bei den
Vereinten Nationen, laut Tass, die „Wahrheit über die Sprengung der
Pipelines Nord Stream und Nord Stream 2“ werde „trotz des Widerstands
westlicher Länder ans Licht kommen und alle Verantwortlichen würden
gefunden und bestraft“.
Wenn die Segelboot-Version mit ukrainischer Beteiligung offiziell
bestätigt wird, könnte auch der ukrainische Präsident Wolodymyr
Selenskyj unter Druck geraten. Denn es ist zu erwarten, dass
Spekulationen über die Verbindung der mutmaßlichen Täter zur Regierung
aufkommen. Russland betont, dass der Anschlag aufgeklärt werden müsse,
um gegen Angriffe auf die internationale Energie-Infrastruktur
abzuschrecken. Erst vor wenigen Tagen hatte die Ukraine die
Druschba-Pipeline unter Beschuss genommen, die für die Energieversorgung
Ungarn von zentraler Bedeutung ist.
Seit Anfang Juli hat die Ukraine nach Angaben Kiews mindestens vier
große Ölraffinerien in Russland angegriffen. Solche Angriffe haben in
den vergangenen Monaten laut der Financial Times (FT) zugenommen. Der
jüngste ukrainische Drohnenangriff ereignete sich am Donnerstag auf die
Raffinerie Nowoschachtinsk in Südrussland, die jährlich rund fünf
Millionen Tonnen raffinierter Produkte produziert, die sie normalerweise
größtenteils exportiert.
Die Großhandelspreise für Benzin in Russland haben infolge der Angriffe
diese Woche Rekordhöhen erreicht, und in mehreren Regionen ist der
Kraftstoff aufgrund ukrainischer Drohnenangriffe auf Raffinerien knapp.
Die Krise veranlasste Moskau letzte Woche, den Export von Benzin
auszusetzen, um raffinierte Produkte für den heimischen Markt zu
erhalten, so die FT.
Berliner Zeitung 21.8.2025
<https://www.berliner-zeitung.de/wirtschaft-verantwortung/botschafter-russland-verlangt-vollstaendige-aufklaerung-von-nord-stream-anschlag-li.2351022>
*Botschafter:
Russland verlangt vollständige Aufklärung von Nord Stream-Anschlag
*Bezüglich der Festnahme eines mutmaßlichen Beteiligten des Anschlags
auf die Nord-Stream-Pipelines in Italien sagte der russische Botschafter
in Deutschland, Sergej Netschajew, der Berliner Zeitung: „Die russische
Seite besteht weiterhin auf einer objektiven und vollständigen
Untersuchung des Terroranschlags auf die Nord-Stream-Pipelines, der
Feststellung und Bestrafung der Täter und Organisatoren.“ Die
Sprengungen seien „eklatante Akte des internationalen Terrorismus“.
Netschajew: „Diese Einschätzung der russischen Seite wurde letztes Jahr
vom damaligen Bundeskanzler Olaf Scholz de facto bestätigt.“
Der Botschafter merkte an, dass die „von den Küstenstaaten initiierten
nationalen Ermittlungen“ keine „greifbaren Ergebnisse“ gebracht hätten:„
Dänemark und Schweden zogen sich eilig zurück unter Hinweis auf die
Unmöglichkeit, die Schuldigen auf ihrem Hoheitsgebiet festzustellen.“
Nur noch Deutschland habe die Ermittlungen fortgesetzt, „wovon die
heutige Festnahme des ukrainischen Staatsangehörigen in Italien zeugen
soll“. Allerdings stünden „momentan definitiv noch nicht ausreichende
Informationen zur Verfügung“.
Netschajew weiter: „Ich möchte daran erinnern, dass der beispiellose
Sabotageakt gegen kritische Infrastruktur gerichtet war, die der
Energiesicherheit des ganzen europäischen Kontinents und in erster Linie
Deutschlands dienen sollte. Wenn die Nord-Stream-2-Pipeline in Betrieb
genommen worden wäre, hätte Deutschland zusätzlich etwa 55 Milliarden
Kubikmeter Gas pro Jahr bekommen. Gemeinsam mit Nord-Stream-1 hätte dies
fast komplett den internen Bedarf der deutschen Wirtschaft sowie der
Haushalte decken können.“
Daher sei es nicht verwunderlich, „dass viele deutsche Politiker und
Geschäftsleute mehrfach die Wiederaufnahme der energiepolitischen
Zusammenarbeit mit Russland mit Fokus auf Gaslieferungen durch den
unbeschädigten Strang der Nord-Stream-2-Pipeline und auf den zukünftigen
Wiederaufbau der durch Explosionen zerstörten Pipelines thematisiert
haben“. Der wirtschaftliche Wohlstand Deutschlands sei „seit Jahrzehnten
nicht zuletzt von der Einfuhr zuerst sowjetischer und dann russischer
Energieträger geprägt“ worden. Das sei eine unanfechtbare Tatsache. „Es
war ausschließlich die deutsche Seite, die eine politische Entscheidung
getroffen hat, auf diesen Kurs zu verzichten“, so Botschafter Netschajew.
unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.
Weiteres:
Ukrainischer Angriff auf Druschba-Pipeline
aus e-mail von Doris Pumphrey, 22. August 2025 ,16:39 Uhr
Berliner Zeitung 22.8.2025
<https://www.berliner-zeitung.de/wirtschaft-verantwortung/druschba-pipeline-erneut-attackiert-ungarn-warnt-vor-hineinziehen-in-den-krieg-li.2351133>
*Erneuter Angriff auf Druschba-Pipeline:
Ungarn und Slowakei schlagen Alarm
*Erneuter Angriff auf die Druschba-Pipeline: Ungarn spricht von einem
„Versuch, uns in den Krieg zu ziehen“. Die Slowakei meldet einen
Lieferstopp. Kiew bekennt sich.
Liudmila Kotlyarova
Nach einem weiteren Drohnenangriff auf die Druschba-Pipeline sind die
Öllieferungen aus Russland nach Ungarn und in die Slowakei erneut
unterbrochen worden. Außenminister Péter Szijjártó sprach am
Freitagmorgen von einem „Angriff auf die Energiesicherheit“ seines
Landes, ohne jedoch direkte Beschuldigungen vorzunehmen. „Das ist ein
weiterer Versuch, uns in den Krieg hineinzuziehen. Das wird nicht
gelingen. Wir unterstützen weiterhin mit aller Kraft die Bemühungen um
Frieden und verteidigen unsere nationalen Interessen“, schrieb er auf
Facebook.
Auch die slowakische Wirtschaftsministerin Denisa Saková bestätigte am
Freitag einen Angriff nahe der belarussischen Grenze. Der Öltransport
sei gestoppt, das Ausmaß des Schadens werde untersucht. „Wir prüfen
derzeit die Lage vor Ort“, erklärte Saková ebenfalls auf Facebook.
*Druschba-Pipeline mehrmals Ziel von Attacken
*Die Leitung, die russisches Öl über Belarus nach Mitteleuropa
transportiert, ist innerhalb von zehn Tagen bereits zum dritten Mal
attackiert worden. In den vergangenen Tagen war die Versorgung bereits
mehrfach unterbrochen worden. Nach den Angriffen vom 13. und 18. August
wurden die Lieferungen nach Ungarn zeitweise gestoppt, konnten jedoch
nach Reparaturarbeiten jeweils wieder aufgenommen werden. Erst am 19.
August war der Betrieb der Pipeline wieder angelaufen.
Nach Angaben aus Moskau kam es in der Nacht zum Freitag in der Region
Brjansk zu einer massiven Drohnenwelle. Das Verteidigungsministerium
meldete 54 abgeschossene Drohnen, allein 19 davon über Brjansk.
Gouverneur Alexander Bogomaz erklärte, im Kreis Unecha sei eine
Treibstoffanlage in Brand geraten.
*Druschba-Pipeline: Ukraine bekennt sich zum neuen Angriff
*Während Russland selbst die jüngsten Attacken nicht kommentierte,
bekannte sich die Ukraine am Freitag offen zu dem neuen Angriff. Der
Generalstab in Kiew bestätigte den Einsatz von Drohnen gegen eine
Pumpstation der Druschba-Pipeline in der Region Brjansk. Ziel sei es,
Russlands Öl-Einnahmen und damit die Finanzierung des Krieges zu
schwächen, hieß es. Bereits am 18. August hatte Kiew eine ähnliche
Attacke eingeräumt.
Ungarn und die Slowakei gehören inzwischen zu den einzigen EU-Staaten,
die noch russisches Öl über die Druschba-Pipeline beziehen. Möglich ist
das durch eine Ausnahmeregelung vom EU-Embargo Ende 2022: Während
seeseitige Ölimporte verboten sind, bleibt Pipeline-Öl für die stark
abhängigen Länder Mittelosteuropas erlaubt. Polen und Deutschland hatten
ihre Lieferungen Anfang 2023 freiwillig beendet.
Die Debatte um die Pipeline ist daher auch politisch aufgeladen. Kiew
wirft Ungarn vor, trotz des Kriegsbeginns seine Abhängigkeit von
russischen Energielieferungen zu verfestigen. „Jetzt können Sie Ihre
Beschwerden und Drohungen an Ihre Freunde in Moskau richten“, hatte der
ukrainische Vizeaußenminister Andrij Sybiha nach der Attacke vom 18.
August süffisant an Budapest adressiert.
Szijjártó wiederum sieht die Angriffe als Versuch, Ungarn in den Krieg
hineinzuziehen, und betont die Neutralität seines Landes. Budapest
pflegt traditionell enge Beziehungen zu Moskau und blockierte in der EU
mehrfach strengere Energiesanktionen.
*EU-Kommission sieht keine Auswirkungen auf die Energiesicherheit der EU
*Die EU-Kommission äußerte sich bereits am 19. August zurückhaltend.
Sprecherin Eva Hrnčířová erklärte damals, die Drohnenangriffe hätten
„keine unmittelbaren Auswirkungen auf die Energiesicherheit der EU“. Man
stehe in engem Austausch mit Ungarn und der Slowakei. Europa verfüge
über ausreichend Ölreserven, die Lage werde aber genau beobachtet.
Wie stark die jüngsten Schäden an der Pipeline sind und wie lange die
Reparaturen dauern, ist derzeit unklar. Klar ist jedoch: Die
wiederholten Attacken zeigen, dass Energieinfrastruktur ins Zentrum des
Krieges rückt – mit direkten Folgen für die Versorgungssicherheit
einzelner EU-Länder. Für Ungarn und die Slowakei, die stärker als andere
Mitgliedstaaten an russischem Öl hängen, bleibt die Druschba-Pipeline
ein neuralgischer Punkt.
Parallel zur Pipeline-Krise griff Russland laut Berichten in der Nacht
auf den 21. August die westliche Ukraine mit einer massiven Drohnen- und
Raketenoperation an. Unter anderem wurde in Mukatschewe eine
US-amerikanische Elektronikfabrik beschädigt. Präsident Selenskyj
verurteilte den Angriff mitten in Friedensvorhaben.
unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.