11.09.2023

50 Jahre Putsch in Chile:Der andere 11. September

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Foto: Redux/laif


taz.de, vom 10.9.2023, 18:59  Uhr, Ein Artikel von

Am 11. September 1973 stürzten Chiles Militärs die gewählte linke Regierung. Folter und Mord folgten – und ein radikaler Umbau der Gesellschaft.


Das Land war eine Hoffnung. Nach dem gescheiterten Ungarnaufstand von 1956 und dem Prager Frühling, dem von Truppen des Warschauer Paktes 1968 ein Ende bereitet wurde, schien es, dass der demokratische Sozialismus in Chile eine neue Chance bekommen würde.


Sechs Parteien hatten sich 1970 für die Präsidentschaftswahlen in Chile zur Unidad Popular („Volkseinheit“) zusammengeschlossen und auf den Arzt Salvador Allende als Kandidaten geeinigt: Allendes Sozialistische Partei, die Kommunistische, die Radikale und die Sozialdemokratische Partei sowie zwei linke Abspaltungen von der Christdemokratischen Partei.


In der Wahl erhielt Allende nur eine relative Mehrheit gegenüber dem konservativen Kandidaten Jorge Alessandri, aber in der Stichwahl im Kongress setzte er sich dank der Unterstützung durch die Christdemokraten durch. An Feinden fehlte es von Anfang an nicht. Henry Kissinger, Nationaler Sicherheitsberater und ab September 1973 Außenminister der USA, und der Geheimdienst CIA unternahmen alles, um Allendes Wahl zu verhindern und, als das nicht gelang, ihn zu stürzen.


Das erste Jahr der Regierungszeit verlief jedoch ziemlich günstig für die Unidad Popular. Massive Einkommensumverteilung zugunsten der Armen führte zu einem starken Nachfrageschub und zu einem gewissen Wirtschaftswachstum. Dass Kartoffeln, Bohnen und Zigaretten um rund 50 Prozent mehr nachgefragt wurden, zeigte nur, wie verbreitet die Armut vorher war. Es bedeutete aber auch, dass Versorgungsengpässe unvermeidlich wurden.


50 Jahre Putsch in Chile

Der Text ist am 8. September 2023 als Teil einer achtseitigen Chile-Beilage in der taz erschienen. 50 Jahre ist es her, dass in Chile ein von den USA unterstützter Militärputsch am 11. September 1973 der demokratisch gewählten Regierung des Sozialisten Salvador Allende ein jähes Ende setzte. Mehr als 3.000 Menschen kamen während der folgenden Diktatur (1973 – 1990) ums Leben, noch mehr wurden inhaftiert, gefoltert und ins Exil getrieben. Die taz Panter Stiftung nimmt das Jubiläum zum Anlass, um zusammen mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung und unterstützt von der Stiftung Umverteilen an die damaligen Geschehnisse zu erinnern und zugleich zu fragen, wie die Ereignisse vor 50 Jahren die gesellschaftlichen Verhältnisse von heute beeinflussen. Einige Texte wurden auch auf Spanisch veröffentlicht.


Im zweiten Jahr wurde Chile zu einem Laboratorium des Klassenkampfes, der immer heftiger geführt wurde. Und zwar vor allem vonseiten der wohlhabenderen Schichten. Damen aus den besseren Vierteln zogen auf leere Kochtöpfe schlagend durch die Straßen. 1972 organisierte der Verband der Fuhrunternehmer einen Streik, der die Versorgung der Bevölkerung völlig lahmlegen sollte.


Bei Parlamentswahlen im März 1973 erhielten die Parteien der Unidad Popular 43 Prozent der Sitze und verhinderten damit eine Zweidrittelmehrheit der Opposition, die zur Abwahl Allendes nötig gewesen wäre. Wegen der Befürchtungen, dass es einen Putsch geben könne, berief Allende 1973 führende loyale Militärs in die Regierung. So wurde der Oberbefehlshaber des Heeres, General Prats, zum Innenminister ernannt. Dessen umsichtiges Eingreifen vereitelte Ende Juni 1973 einen Putschversuch. Dadurch fühlten sich die Parteien der Unidad Popular noch sicherer, dass ein Putsch verhindert werden könnte.


General Prats wurde in dieser Zeit von Generalsgattinnen so heftig als „Feigling“ beschimpft, dass er schließlich zurücktrat und Allende empfahl, seinen Stellvertreter, den als loyal geltenden General Augusto Pinochet zum neuen Oberbefehlshaber des Heeres zu ernennen. Damit war das Schicksal der Unidad Popular besiegelt. Allende beschloss, in die Offensive zu gehen und am 11. September 1973 eine Volksabstimmung anzukündigen. Daraufhin verlegten die Oberkommandierenden der Teilstreitkräfte den Termin des ursprünglich für später geplanten Putsches auf diesen 11. September vor.


Chile, 11. September 1973

Salvador Allende konnte an diesem Morgen noch in den Präsidentenpalast, die Moneda, fahren. Von hier aus sandte er, als das Gebäude bereits bombardiert wurde, noch eine Radiobotschaft an sein Volk: „Mit Sicherheit ist dies die letzte Gelegenheit, mich an Sie zu wenden. […] In diesem historischen Moment werde ich die Treue zum Volk mit meinem Leben bezahlen. […] Sie haben die Macht, sie können uns überwältigen, aber sie können die gesellschaftlichen Prozesse nicht durch Verbrechen und nicht durch Gewalt aufhalten. Die Geschichte gehört uns und sie wird durch die Völker geschrieben. […] Es lebe Chile! Es lebe das Volk! Es leben die Arbeiter! Dies sind meine letzten Worte und ich bin sicher, dass mein Opfer nicht umsonst sein wird.“


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1973, während der chilenischen Regierung unter Salvador Allende durch einen Militärputsch unter der Führung von Pinochet gestürzt wurde Foto: United Archives/imago


Während die Luftwaffe Angriffe auf die Moneda flog und Teile des Gebäudes zerstörte, wies Allende seine Begleiter an, den Palast zu verlassen. Wie erst später eindeutig festgestellt wurde, erschoss er sich dann selbst mit einer Waffe, die ihm Fidel Castro geschenkt hatte.


Die Gegner des Putsches wurden von Anfang an unnachgiebig verfolgt. Hunderte wurden ermordet, Tausende gefoltert, Zehntausende in Konzentrationslager verbracht. Die DINA, der Geheimdienst der Putschisten, operierte auch im Ausland. So wurden General Prats in Argentiniens Hauptstadt Buenos Aires, der ehemalige sozialistische Außenminister Orlando Letelier in Washington und der beliebte linke Christdemokrat Bernardo Leighton in Rom auf offener Straße angeschossen. Leighton überlebte allerdings das Attentat in Rom und starb erst 1995 in Chile.

Die Gewaltenteilung wurde aufgehoben: die legislative und die exekutive Gewalt lagen nun allein bei de Junta. Sollten Gesetze gegen die bisherige Verfassung verstoßen, so sollten sie automatisch als verfassungsändernd gelten.


Als die Generäle 1973 die Macht übernahmen, gab es zwar schon einen fertigen Plan für eine neoliberale Wirtschaft, aber er war den Militärs nicht bekannt. Deren Hauptmotiv war die „Ausmerzung des marxistischen Krebsgeschwürs“, wie das der Luftwaffengeneral Gustavo Leigh nannte. Sehr bald aber wurde klar, dass die Militärjunta politisch mehr wollte als nur eine Wiederherstellung der Situation, wie sie vor der Wahl Allendes geherrscht hatte. Hernán Cubillos von der Geschäftsleitung der Tageszeitung El Mercurio, des Zentralorgans der chilenischen Großbourgeoisie, empfahl den Admirälen wärmstens eine Gruppe von Ökonomen, deren Mehrheit von der Katholischen Universität kam, Abschlüsse von der Universität Chicago hatte und insgeheim seit 1972 einen Plan für die Destabilisierung und den Sturz der linken Regierung ausgearbeitet hatte, der außerdem auch ein Regierungsprogramm für diesen Fall enthielt. Eine Untersuchungskommission des US-Senats hat später bekannt gemacht, dass die Gelder für die Aktivitäten dieser Mannschaft von der CIA bereitgestellt wurden.


Salvador Allende in seiner letzten Radiobotschaft aus dem bombardierten Präsidentenpalast am 11. September 1973„Ich bin sicher, dass mein Opfer nicht umsonst sein wird“


Bis Anfang 1975 hatte die Mannschaft aus Chicago aber schwer um die Kontrolle der Wirtschaftspolitik zu kämpfen. Die mit der Wirtschaft beauftragten Militärs widmeten am Anfang ihre Hauptanstrengungen dem Ausgleich des Staatshaushalts und der Verminderung der Inflation. Auch das erste vornehmlich von Zivilisten gestellte Wirtschaftsteam bekräftigte die Absicht, die Inflation durch gemäßigte Schnitte im Staatshaushalt zu vermindern, weil man fürchtete, dass drastische Lösungen katastrophale Ergebnisse zeitigen würden.


Die wurden dann tatsächlich mit der „Schockbehandlung“ erreicht, die im April 1975 unter Führung der „Chicago Boys“ eingeleitet wurde. Die „schrittweise“ Inflationsbekämpfung wurde verworfen und die Kürzung des Staatshaushalts drastisch verstärkt. Die Maßnahmen stürzten die Wirtschaft in eine tiefe Rezession, während derer das Bruttoinlandsprodukt um 12,9 Prozent sank.


Zwischen 1973 und 1980 wurden buchstäblich alle Kontrollen der Regierung über die Einzelhandelspreise abgeschafft; nur die Löhne, also die Preise für die Ware Arbeitskraft, blieben streng kontrolliert. Die Rolle des Staates wurde drastisch zurückgefahren. Zwischen 1973 und 1979 gingen die Regierungsausgaben von 40 Prozent des Bruttoinlandsprodukts auf 26 Prozent zurück.

Anschließend konzentrierten die Chicago Boys ihre Anstrengungen darauf, die Logik des Marktes auf die Gesamtheit gesellschaftlicher Beziehungen auszudehnen. Das bedeutete die Privatisierung der grundlegenden sozialen Dienste im Gesundheitswesen, im Bildungswesen und in der Sozialversicherung, die Ausarbeitung eines „Plan Laboral“, der dazu bestimmt war, mittels der Repression der existierenden Gewerkschaften „eine freie Gewerkschaftsbewegung“ zu entwickeln.


Autoritarismus als lebenswichtiges Element

Der Einfluss der Chicago Boys auf den Diskurs der regierenden Militärs wurde immer offenkundiger. Schockbehandlung und die Einschränkung des Staatsapparates hatten verheerende Wirkungen auf die Mittelklasse und ihre Entwicklungsaussichten; gleichzeitig war die Arbeitslosigkeit auf bis dahin unbekannte Höhen von weit über 30 Prozent gestiegen. Sozialen Kosten dieser Größenordnung hätte man unter demokratischen Verhältnissen nicht entgegentreten können. Der Autoritarismus war also für die neoliberale „Revolution“ ein lebenswichtiges Element.

Von der Klassenneutralität, derer sich der „wissenschaftliche“ Neoliberalismus so sehr rühmte, konnte dabei keine Rede sein. Das Zerstörungswerk war verbunden mit einer beispiellosen Umverteilung zu Ungunsten der ärmeren Schichten. Chile wurde eins der Länder in der Welt, in denen Einkommen und Vermögen am ungleichsten verteilt sind.


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Der neu ins Amt eingeführte chilenische Präsident Allende winkt, als er am 3. November 1970 durch die Straße vom Kongress zur Kathedrale in Santiago geht Foto: ap/picture alliance


Das bleibende Ergebnis der neoliberalen „Revolution“ besteht aber vor allem darin, in fast allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens eine Atomisierung der Gesellschaft hervorgebracht zu haben, wie sie in Chile viele Jahrzehnte lang nicht bekannt gewesen war. Die Menschen sind mit aller Macht dazu gebracht worden, nur noch das eigene persönliche Wohlergehen zum Maßstab aller Dinge zu machen. Solidarität, im Chile vor 1973 eine sehr verbreitete Tugend – war nicht mehr gefragt.


Urs Müller-Plantenberg, Jahrgang 1937, Soziologe, war 1973 Mitbegründer der Zeitschrift „Chile Nachrichten“ (heute „Lateinamerika Nach­richten“).


Info: https://taz.de/50-Jahre-Putsch-in-Chile/!5957118


unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

11.09.2023

Rezension: „Die Jakarta-Methode“ Vincent Bevins beschreibt die mörderischen US-Programme für die Putsche in Indonesien und in Chile. Die Bundesrepublik trug Mitverantwortung.

german-foreign-policy.com, 11. September 2023

„Yakarta viene“ („Jakarta kommt“) war einer der unheilverheißenden Slogans, die in Chile im Vorfeld des Militärputsches vor 50 Jahren auftauchten. In den Varianten „Yakarta se acerca“ oder nur „Yakarta“ prangte die Botschaft „auf den Mauern und Häuserwänden“ oben „auf den Hügeln“ von Santiago, „wo die wohlhabenden Leute lebten“, schreibt Vincent Bevins in seinem Buch „Die Jakarta-Methode“. Noch vermittelte sich die Chiffre nicht überall, doch in rechten und paramilitärischen Kreisen war der Bezug auf Indonesien 1965/66 allgegenwärtig: Dort hatten die USA das indonesische Militär bei einem Staatsstreich und baldigen Massenhinrichtungen unterstützt, um das Land weg von einem antikolonialen Kurs hin ins prowestliche Lage zu ziehen. Mit Vorbildcharakter für weitere Länder: „In Argentinien brauchen wir keine Million Tote wie in Indonesien, das Problem lässt sich mit zehntausend lösen“, sollte etwa José López Rega, Gründer der Todesschwadron „Alianza Anticomunista Argentina“ („Triple A“), bald nach dem Putsch in Chile sagen. Die Parallelen zwischen den Ereignissen in Südostasien und Lateinamerika sind frappierend – bis hin zur bundesdeutschen Mitverantwortung.


Für den Staatsstreich unter General Suharto brauchte es im Oktober 1965 nur einen kleinen Anlass: einen undurchsichtigen Aufstand innerhalb des Militärs, dessen Hintergründe bis heute unklar sind. Der darauffolgende US-gestützte Militärputsch war umso gewaltiger: Schätzungen reichen von 500.000 bis drei Millionen Zivilisten, die 1965/66 getötet wurden. In der Folge wurde Indonesien von einem unabhängigen Kurs abgebracht. Ausgeschaltet wurde zugleich die damals größte kommunistische Partei außerhalb der Sowjetunion und Chinas: Nach Angaben der PKI wie auch nach Schätzungen der USA gehörten mehr als 25 Prozent der Bevölkerung der Partei oder parteinahen Organisation wie Frauen-, Gewerkschafts- oder Bauernverbänden an. Wie schon in Guatemala 1954, so legte die US-Botschaft nun auch in Indonesien Todeslisten vor.


„Verantwortliche in Washington“, schreibt Bevins einleitend, gingen davon aus, dass Indonesien „eine weitaus wichtigere Beute war, als es Vietnam je hätte sein können“. Dort hätten die USA „in wenigen Monaten“ erreicht, woran sie „in zehn blutigen Jahren des Krieges in Indochina gescheitert“ waren. Ganz neu sind diese Erkenntnisse nicht. Doch die „Jakarta-Methode“ zeichnet sich in mehrfacher Hinsicht aus: mit einer globalen Perspektive auf den Kalten Krieg samt Einordnung der antikolonialen Aufbrüche; mit der Betonung des Vorbildcharakters, den Indonesien für weitere US-gestützte Staatsstreiche hatte; mit angenehm lesbarem journalistischen Stil bei zugleich umfangreicher Auswertung auch neuer Quellen; und mit der Frage danach, inwieweit, so der Untertitel des Bandes, „ein mörderisches Programm Washingtons unsere Welt bis heute prägt“.

 

Als Südostasien-Korrespondent der Washington Post merkte Bevins in Indonesien schnell: Das Schweigen zu 1965 war für eine eingehendere Berichterstattung hinderlich. Nur langsam gelang es ihm, zumal als US-Amerikaner, das Vertrauen von Zeitzeugen und von Angehörigen von Opfern zu gewinnen; zahlreiche Gespräche konnte er in die „Jakarta-Methode“ einfließen lassen. So jenes mit Wayan Badra, Sohn eines Hindu-Priesters und in der Dorfschule von zwei kommunistischen Lehrern geprägt, die eines Tages nicht mehr wiederkamen. An einem der Strände von Bali suchte der junge Wayan gezielt nach Überresten von Getöteten – vergeblich, es waren zu viele. Auf Bali wurden mindestens fünf Prozent der Bevölkerung umgebracht. Bald darauf kam der Tourismus: Der „luxuriöse Beach Club, der nur wenige Schritte von Wayan Badras Haus entfernt liegt, hat einen Namen, der etwas skurril klingt“, schreibt Bevins. „Er heißt KU DE TA, also ‘Coup d’État‘ auf Bahasa Indonesia.“ Vergleichbare Geschichten sammelte Bevins in Lateinamerika, einem Kontinent, der ihm als einstigem Brasilien-Korrespondent der Los Angeles Times vertraut war. Vor allem in Brasilien, Chile und Guatemala führte er Interviews für das Buch – in Ländern, die auch von Militärdiktaturen geprägt waren. Zugleich wertete Bevins, teils mit einem Team, Dokumente der CIA und anderer Nachrichtendienste aus, die Ende der 2010er Jahre freigegeben wurden. Zwölf Länder bereiste er für seine Recherche, auch, um Bibliotheken und Archive aufzusuchen.

 

Der Band zeigt die Hintergründe der „apokalyptischen Gemetzel in Indonesien“ auf, ohne auf die Schrecken detailliert einzugehen. Stattdessen weitet er den Blick und lässt das Buch gleichsam zu einer Globalgeschichte des Kalten Krieges werden. Mit Historikern wie Odd Arne Westad gehört Bevins zu jenen, die den Kalten Krieg nicht auf eine Auseinandersetzung zwischen West und Ost reduzieren; als dessen integraler Bestandteil versteht er die antikolonialen Kämpfe und die (para-)militärischen Entgegnungen unter westlicher Vormundschaft. Unter Präsident Sukarno war Indonesien Initiator der Blockfreien-Bewegung. Diese ging aus der Bandung-Konferenz hervor, benannt nach jener Stadt auf Java, wo 1955 ein erstes asiatisch-afrikanisches Treffen mit 29 Staaten stattfand; präsent waren Staatsoberhäupter wie Nasser (Ägypten) oder Nehru (Indien) – später prägte auch Kuba die Bewegung mit. Die USA sahen sich herausgefordert. Wo man nicht, wie gegen Vietnam, auf offenen Krieg setzte, da wurden andere Register gezogen. Bevins beschreibt die US-Politik gegenüber Indonesien als eine Art „try and error“, von dem Versuch der kooperativen Einhegung unter Kennedy über Rezepte der Modernisierungstheorie und die Forcierung von Aufstandsbekämpfung bis hin zur Unterstützung des Militärputsches.

 

Zu den Erkenntnissen gehört: Bevins macht mehr als 20 Länder aus, in denen unter direktem Bezug auf die „Jakarta“-Chiffre operiert wurde. Und er sammelt, gestützt auf den Historiker John Roosa, erdrückende Indizien dafür, dass die Methode des „Verschwindenlassens“, die vor allem aus Lateinamerika bekannt ist, erstmals systematisch in Indonesien erprobt wurde. Ein häufiger Schwenk gilt Brasilien, wo der Putsch von 1964 über die zeitliche Nähe hinaus erstaunlich viele Parallelen zu Indonesien aufwies. Besondere Aufmerksamkeit gilt Chile als federführendem Mitglied der Operation Condor, eines US-gestützten Bündnisses zur Aufstandsbekämpfung, dem auch Argentinien, Bolivien, Brasilien, Chile, Paraguay und Uruguay angehörten. Vom erzählenden Journalismus geleitet, fängt Bevins mit zwei Aktiven, Carmen und Carlos, die verschiedenen Strömungen der Linken angehörten, die Stimmung der Ära Allende (1970 bis 1973) ein. Die „Tage nach dem 11. September 1973“ hätten dann „dem Indonesien des Jahres 1965“ geähnelt: Auch in Chile „wartete die Diktatur von General Augusto Pinochet direkt mit einer Explosion der Gewalt auf“.

 

Was sich auch für Chile zeigen lässt – die bundesdeutsche Unterstützung der Junta –, darauf geht im Fall von Indonesien Glenn Jäger in einem Nachwort zur deutschen Ausgabe der „Jakarta-Methode“ ein. Die früheren NSDAP-Mitglieder Luitpold Werz und Kurt Luedde-Neurath, dereinst im Auswärtigen Dienst tätig, bekleideten für die Bundesrepublik in den 1960er Jahren nacheinander das Amt des Botschafters in Indonesien. „Eines können wir von diesem Einschnitt im staatlichen Leben Indonesiens mit Sicherheit sagen“, erklärte Luedde-Neurath, vor Ort bundesdeutscher Vertreter ab 1966: „Er war nicht gegen uns und nicht gegen die freie Welt gerichtet. Die Hunderttausende umgebrachter Kommunisten bieten eine recht große Gewähr dafür, dass die heutige Regierung alles tun wird, um das Staatsschiff nicht wieder auf kommunistischen Kurs kommen zu lassen.“ Die „ideologische Offenheit gegenüber dem Westen“ sei „groß“. Der einstige SS-Obersturmbannführer Rudolf Oebsger-Röder arbeite in Jakarta für den BND, berichtete für die Süddeutsche Zeitung und die Neue Zürcher Zeitung und diente als Berater und Biograf von General Suharto. Nicht nur waren westdeutsche Stellen von Anfang an in die Ereignisse eingeweiht; ein Rechercheteam des Nachrichtenportals t-online.de brachte im Jahr 2020 anhand lange unter Verschluss gehaltener Akten ans Licht: Wenige Wochen nach dem Putsch wandte sich der indonesische General Nasution im November 1965 mit der Bitte um finanzielle Unterstützung an den BND, um „die Erfolge gegen die Kommunisten vertiefen und ausweiten zu können“. Das Auswärtige Amt gab Rheinstahl Hanomag, Heckler & Koch und anderen Rüstungsschmieden grünes Licht für die Lieferung von Schützen- und Jagdpanzern, von G3-Gewehren und anderem Gerät.

 

Und was wurde aus Luedde-Neurath? Der war ab 1973 Botschafter in Chile. „Schnauze halten“, lautete seine Empfehlung zum Umgang mit dem Pinochet-Regime, bevor er 1975 in den Ruhestand trat. 1969 hatte er das Bundesverdienstkreuz erhalten. Aus Bonner Sicht wurde er diesem auch in Chile gerecht..


Vincent Bevins: Die Jakarta-Methode. Wie ein mörderisches Programm Washingtons unsere Welt bis heute prägt, übersetzt und mit einem Nachwort versehen von Glenn Jäger, PapyRossa Verlag, 427 Seiten, 28,- Euro.



















Info:  https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/9341


unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

10.09.2023

Manova-Newsletter der Kalenderwoche 37/2023

Manova ist das Magazin für neue Perspektiven und lebendige Debatten. Wir berichten über das, was in den Massenmedien nicht zu finden ist. Anbei übersenden wir Ihnen die Übersicht unserer Artikel der letzten 7 Tage.



Inhaltsverzeichnis


   1. Roland Rottenfußer: Die wahre Zeitenwende

   2. Felix Feistel: Verbrannte Erde

   3. Christian Kreiß: Goldader unter den Motorhauben

   4. Sven Brajer, Aron Morhoff: Bestandsaufnahme nach der Sommerpause

   5. Tom-Oliver Regenauer: Das letzte Tabu

   6. Craig Murray: Auf der Hut vor den Rechtschaffenen

   7. Charles Eisenstein: Sinn und Irrsinn

   8. Michael Meyen: Freibrief von Justitia

   9. Tom-Oliver Regenauer: Die Abgehobenen

  10. Chris Veber: Der Krisen-Abklatsch

  11. Owe Schattauer: Die harten Neunziger

  12. Elisa Gratias: Die andere Wirklichkeit

  13. Katrin Nagel: Die Momo-Bewegung

  14. Christian Kreiß: Wohlstand auf Schrumpfkurs

  15. Peter Frey: Mut kommt vor dem Fall

  16. Willy Meyer: Verstrahltes Klima

  17. Chris Hedges: Die nicht bestandene Nagelprobe

  18. Michael Sailer: Hinter der Wasserwand

  19. Roberto J. De Lapuente: Unser Land

  20. Antje Lüth: Das Recht auf Selbstbestimmung

  21. Angelika Gutsche: Frankreichs Kolonialträume

  22. Max Otte: Für Einheit und Freiheit

  23. Gönül Freyseel: Das unbeugsame Nein

  24. Karsten Montag: Weltkriegsgeruch in der Luft

  25. Anna Tortajada: Jahrestag eines Verrats

  26. Éva Péli: Was andere weglassen

  27. Heinrich Frei: Eine Chance für den Frieden

  28. Uli Fischer: Das Gewand der Welt



Die wahre Zeitenwende


In seinem neuen Buch beklagt Eugen Drewermann die Kumpanei der Kirchen mit den Kriegstreibern und plädiert für die Bergpredigt als Heilmittel gegen Angst und Gewalt.


am Samstag, 09. September 2023, 15:59 Uhr von Roland Rottenfußer


Sich behaupten. Verbündeten helfen. Diktatoren abschrecken. Gegen Aggressoren Härte zeigen … Für alle diese Vorgehensweisen lassen sich Begründungen finden. Aber genügen für solche Erkenntnisse nicht ein Verteidigungsminister oder eine Talkshow-Wehrexpertin? Braucht es noch Christen, um das Altbekannte nachzubeten? Schließlich hatte Jesus, der Religionsstifter, in einer an Klarheit nicht zu überbietenden Weise vor einer Spirale der Gewalt gewarnt, die auf Angst, Misstrauen und Rache basiert. Was ist aus der Friedensbotschaft des Mannes aus Nazareth geworden, auf den sich das „christliche Abendland“ noch heute beruft? Was haben seine „Nachfolger“ daraus gemacht? Wer als Christ in Waffenlieferungen einen Ausdruck von Nächstenliebe sieht, sollte in seinen eigenen Kreisen eigentlich isoliert sein, ein krasser Außenseiter. Tatsache ist aber, dass die Kriegsbejahung auch in Kirchenkreisen Mainstream ist — ab und zu abgemildert durch wägende Skrupel. Wer weitgehend isoliert dasteht, ist vielmehr Eugen Drewermann, der unermüdliche Mahner gegen die Logik des Krieges und die unfassbare Grausamkeit der militärischen Praxis. Noch immer trifft man den heute schon 83-Jährigen auf vielen Friedensveranstaltungen https://www.youtube.com/watch?v=d8vjjs9fo6M, seine leidenschaftlichen, geschliffen formulierten Reden haltend, unermüdlich und fast verzweifelt gegen den Strom einer wahnwitzigen Kriegsbegeisterung anschwimmend. Der letzte Pazifist. Oder einer der letzten. Sein neues Buch „Nur durch Frieden bewahren wir uns selbst“ fasst noch einmal Drewermanns zentrale Argumente gegen eine Politik der Angst und der Gewalt zusammen. Und es zeigt einen Weg auf, wie wir da wieder herauskommen können: die Bergpredigt. Dieses neue Buch ist Drewermanns Vermächtnis an die Menschheit, die vor einem sich verdunkelnden politischen Horizont in Richtung Abgrund taumelt.


Zum Artikel https://www.manova.news/artikel/die-wahre-zeitenwende



Verbrannte Erde


Der Brand auf der Insel Maui ermöglicht zahlungskräftigen Investoren den Kauf ehemals denkmalgeschützter Grundstücke.


am Samstag, 09. September 2023, 15:58 Uhr von Felix Feistel


Die Insel Maui, Teil der Inselkette Hawaii, wurde von zerstörerischen Bränden heimgesucht, welche die Hafenstadt Lahaina zum größten Teil in Schutt und Asche gelegt haben. Nur kurze Zeit später machten Gerüchte die Runde, bei den Bränden handele es sich um bewusst gelegte Feuer, die den Zweck verfolgten, die Insel in das Muster einer Smart City zu verwandeln. Vieles spricht für Brandstiftung. Die Motive dafür reichen vom Interesse einer digitalen Umwälzung auf Hawaii bis zur Schaffung günstiger Investitionsmöglichkeiten.


Zum Artikel https://www.manova.news/artikel/verbrannte-erde-2



Goldader unter den Motorhauben


Die Automobilbranche fährt mittlerweile wieder Rekordgewinne ein — davon profitieren zum großen Teil Personen, die für diesen Erfolg nichts geleistet haben.


am Samstag, 09. September 2023, 15:57 Uhr von Christian Kreiß


Wollten wir nicht dem Klima zuliebe auf zu viel Autofahren verzichten? Und werden die Menschen nicht kontinuierlich ärmer, sodass sich bald niemand mehr ein Auto leisten kann? Nichts dergleichen scheint zuzutreffen, wenn man sich die Bilanzen der großen Autokonzerne anschaut. Deren Umsätze und Gewinne erreichten in der ersten Hälfte von 2023 wieder Höchstwerte. Ist das nicht eine gute Nachricht für die Mitarbeiter, die mit ihren Leistungen an der Wertschöpfungskette beteiligt sind und vermutlich jetzt gute Gehälter bekommen werden? Nicht unbedingt. Knapp die Hälfte der erwirtschafteten Gelder kommt Menschen zugute, die für den Erfolg der Autohersteller nicht das Geringste geleistet habe. Sie bekommen ihren Anteil einfach ausgeschüttet: über Aktiengewinne und Dividenden. Leistungsträger und Profiteure — das sind zwei Welten, die sich eher selten begegnen. Smarte Zeitgenossen arbeiten nicht, sie lassen arbeiten, und das Geld fließt trotzdem auf ihr Konto.


Zum Artikel https://www.manova.news/artikel/goldader-unter-den-motorhauben



Bestandsaufnahme nach der Sommerpause


Im neuen Manova-Einheizpodcast diskutieren der Historiker Sven Brajer und der Medienethiker Aron Morhoff über den Zustand der deutschen Parteienlandschaft und über klaffende politische Repräsentationslücken.


am Samstag, 09. September 2023, 15:00 Uhr von Sven Brajer, Aron Morhoff


Ein Jahr Einheizpodcast! Ein Grund zu feiern, nicht zuletzt da der nächste heiße Herbst bereits vor der Türe steht! In einem einstündigen Parforceritt von der alten und möglicherweise neuen Linken bis zur AfD analysieren Sven Brajer und Aron Morhoff den Zustand der bundesdeutschen Parteien. Trotz gefühlter Dauerkrise bleibt in dieser Folge kein Auge trocken.


Zum Artikel https://www.manova.news/artikel/bestandsaufnahme-nach-der-sommerpause



Das letzte Tabu


Die aggressiv vorangetriebene Frühsexualisierung von Kindern öffnet selbst intime Räume für woke Umerziehungspropaganda.


am Samstag, 09. September 2023, 14:00 Uhr von Tom-Oliver Regenauer


„Comprehensive Sexuality Education“ (CSE) heißt das Label, unter dem sich die UNESCO anschickt, Sexualkunde zu modernisieren. Doch was vordergründig eine Bildungsoffensive zu sein scheint und Inklusion verspricht, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als zwielichtiges theoretisches Konstrukt, das von Eugenikern und Pädophilen entwickelt wurde und den angesprochenen Minderheiten ausschließlich zum Nachteil gereicht.


Zum Artikel https://www.manova.news/artikel/das-letzte-tabu



Auf der Hut vor den Rechtschaffenen


Jede einzelne der schlimmsten Gräueltaten in der Geschichte der Menschheit wurde von Menschen begangen, die davon überzeugt waren, im Recht zu sein.


am Samstag, 09. September 2023, 13:00 Uhr von Craig Murray


Menschen handeln gemäß der Sitten ihrer Zeit und Gruppe. Es gibt nichts Gefährlicheres als die Unfähigkeit, zu erkennen, dass andere das Recht haben, eine andere Meinung oder ein anderes Interesse zu vertreten. Die Zeitung The Guardian veröffentlicht bis heute Aufrufe, die NATO solle Russland den Krieg erklären. Auf Twitter gibt es viele fanatische „Liberale“, die argumentieren, es könne keine Verhandlungslösung für den Krieg in der Ukraine geben und der Krieg könne erst beendet werden, wenn die Ukraine alle Gebiete, einschließlich der Krim, zurückerhält. Die Verrücktesten gehen manchmal sogar noch weiter und behaupten, der Krieg fände erst nach einem Regimewechsel in Russland ein Ende. Es bedarf keines besonders hohen Intelligenzquotienten, um die Gefahren zu erkennen, die in einem Krieg gegen eine Atommacht und in dem Beharren auf einer bedingungslosen Kapitulation liegen, oder auf der Inhaftierung oder dem Tod derjenigen, deren Finger über dem roten Knopf schweben.


Zum Artikel https://www.manova.news/artikel/auf-der-hut-vor-den-rechtschaffenen



Sinn und Irrsinn


Im Zuge der Digitalisierung wird die Realität zunehmend mit Zeichensystemen verwechselt, die diese nur abzubilden versuchen.


am Samstag, 09. September 2023, 12:00 Uhr von Charles Eisenstein


Die meisten Medienmitteilungen über künstliche Intelligenz sind sich einig: Die KI wird sich mit der Zeit selbsttätig immer weiter verbessern und den Menschen in immer mehr Bereichen überflügeln. Aber ist das wirklich so? Wir verfügen ja bisher noch nicht über lange Erfahrung mit dem neuen „Spielzeug“. Mit zunehmender Laufzeit dürfte sich künstliche Intelligenz immer mehr mit ihren eigenen Erzeugnissen beschäftigen, wird selbstbezüglich und verliert so den Kontakt zu jener Realität, die sie ursprünglich nur abbilden oder verarbeiten sollte. Wir erhalten Plagiate von Plagiaten, künstliche Imitate von Künstlichem, Gehirnsalat, der sich auf anderen Gehirnsalat bezieht. Tendenzen, dass die Entwicklung in diese Richtung gehen könnte, sind bereits zu erkennen. Der Autor beruhigt erst einmal alle Menschen, die Angst davor haben, demnächst überflüssig zu werden. Und er gibt einen Hinweis, wie die KI daran gehindert werden kann, sich zunehmend von der Realität zu entfernen: Ab und zu muss man dort ein bisschen von der wirklichen Welt einspeisen.


Zum Artikel https://www.manova.news/artikel/sinn-und-irrsinn



Freibrief von Justitia


Bayerns Verwaltungsrichter sagen: Der öffentlich-rechtliche Rundfunk kann machen, was er will.


am Freitag, 08. September 2023, 17:00 Uhr von Michael Meyen


Die Leitmedien sind der Schlüssel, glauben viele, die unzufrieden sind mit dem Gang der Dinge. Wir schaffen das, wir werden alle sterben, wir müssen Russland ruinieren: Wenn der Journalismus eine offene Debatte auf der großen Bühne zulassen würde, so lautet oft der nächste Satz, dann hätte dieses Land eine Chance auf inneren und äußeren Frieden. Die Kritik richtet sich auch an die Presse und Konzernstaatsportale wie T-Online, im Kern aber geht es um die Gebührensender — um Programme, die wir alle teuer bezahlen müssen, ob wir wollen oder nicht. Ideen hat das Publikum. Man schreibt Beschwerden, organisiert Mahnwachen, stoppt die Überweisungen und zieht vor den Kadi. Bisher alles vergeblich. Politik, Behörden und Gerichte wissen, was sie an ihren Sprachrohren haben.


Zum Artikel https://www.manova.news/artikel/freibrief-von-justitia



Die Abgehobenen


Wer die Menschen in Flugzeugen und auf Flughäfen beobachtet, erkennt in ihnen das Spiegelbild einer oberflächlichen, global gleichgeschalteten Gesellschaft.


am Freitag, 08. September 2023, 16:00 Uhr von Tom-Oliver Regenauer


„Über den Wolken“ — dieses Lied von Reinhard Mey ist legendär. Grenzenlos ist dort oben jedoch allenfalls die Unfreiheit. Die Menschen haben Geld, aber keine Zeit. Hektisch hasten sie zwischen Last-Minute-Shopping, Schnellverköstigung und dem Passieren verschiedener Kontrollpunkte, total überwacht, dem Willen des Personals und vorgeschriebenen Abläufen ausgeliefert, zusammengepfercht, die Leere dieser Stunden mit billigen, standardisierten Unterhaltungsangeboten ausfüllend, nur um nicht mit sich allein zu sein. Es gibt nichts zu sagen, aber das wird garantiert ins Englische übersetzt. Die Atmosphäre ist mondän und international, fernab der Lebenswelt von Millionen weniger betuchten Menschen. Wenn man Flughäfen und Flugzeuge auf sich wirken lässt, erkennt man, dass sich hier im Mikrokosmos widerspiegelt, was sich in der Gesellschaft als Ganzes immer mehr durchsetzt. Alles steril, alles durchorganisiert, alles auf den kleinsten gemeinsamen Nenner menschlicher Konsumbedürfnisse zugeschnitten. Der Autor wertet hier seine Erfahrung als Vielflieger aus. Seine Schlussfolgerungen bezüglich des Zustands der Menschheit sind nicht schmeichelhaft.


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Der Krisen-Abklatsch


Nach Corona wird nun eine neue Sau durchs Dorf getrieben: Klima und Hitze.


am Freitag, 08. September 2023, 15:00 Uhr von Chris Veber


Klima ist das neue Corona. Wurden unser Freiheitsentzug, unsere Grundrechtseinschränkungen und die De-facto-Abschaffung der Demokratie ― alles „alternativlos“ laut den „Experten“ ― bis 2022 noch mit Corona begründet, so wird jetzt eine neue Sau durchs Dorf getrieben. Wieder sind die üblichen Verdächtigen an vorderster Front mit dabei. Die Tiroler Landesregierung, die Hunderte Millionen Euro für sinnfreie Coronatests verschleuderte. Die Tirol Kliniken, die ihre Mitarbeiter zur experimentellen Zwangsspritze drängten und mit Masken und „Maßnahmen“ deren Arbeit erschwert haben. Die Ärztekammer für Tirol, auf deren Homepage im August 2023 die COVID-19-Impfung ab dem Alter von sechs Jahren empfohlen wird.


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Die harten Neunziger


Der Zusammenbruch des Ostblocks brachte für die russische Bevölkerung viele Verwerfungen mit sich.


am Freitag, 08. September 2023, 14:00 Uhr von Owe Schattauer


Wenn wir die Zeit unmittelbar nach der Wiedervereinigung betrachten, dann geschieht dies in der Regel aus deutscher Perspektive. Schließlich fiel damals die Mauer, die Deutsche von Deutschen trennte. Doch was folgte, bedeutete für die meisten anderen Länder des sowjetischen Einflussgebietes — wie auch für das neu entstandene Russland — Chaos und Anarchie. Diese Länder hatten keine Bundesrepublik, an die sie angegliedert wurden und an deren ökonomischen und politischen Strukturen sie sich orientieren konnten. Sie mussten ihren Weg selbst finden, mehr oder weniger verloren im Machtvakuum nach dem kalten Krieg, den Kapitaleignern des Westens zum Fraß vorgeworfen, die nur darauf gewartet hatten, aufzukaufen, was ihnen so lange vorenthalten worden war. Die wilden Neunziger waren in Russland vor allem hart. Das ging auch an den Menschen nicht spurlos vorbei. Der Autor empfiehlt zwei Filme aus dieser Zeit, die zum besseren Verständnis der harten Lebensrealität beitragen können. Ein Text zur Reihe Russlands Schätze, deren Ziel es ist, die liebenswerten Seiten und kulturellen Perlen des Landes — einmal abseits der tagespolitischen Debatten —, um den Russland-Ukraine-Konflikt zu porträtieren.


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Die andere Wirklichkeit


Monika Alleweldt hat ihr Leben der Forschung nach einem Ausweg aus dem System der Gewalt gewidmet und ist davon überzeugt, dass Gewalt und Krieg nicht zum Leben auf dieser Erde gehören.


am Freitag, 08. September 2023, 13:00 Uhr von Elisa Gratias


Die gesellschaftlichen Ereignisse der letzten Jahre haben viele Menschen in Europa erschüttert und gezeigt, wie sich auch unsere äußeren Lebensumstände innerhalb kurzer Zeit dramatisch verändern können. Wir haben erfahren, wie abhängig wir von globalen Versorgungssystemen sind und von Entscheidungen, auf die wir keinen Einfluss nehmen können. Wie geht es weiter? Driften wir in eine totalitäre Sackgasse, stehen wir vor dem irreversiblen Zusammenbruch unserer Ökosysteme, oder gelingt uns eine friedliche „globale Revolution“? Um an die Verwirklichung eines so großen Vorhabens glauben zu können, brauchen wir ein Wissen. Dazu müssen wir neue Sichtweisen und Gedankengänge prüfen und uns immer tiefer darüber bewusst werden, in welcher Realität wir eigentlich leben. Im Interview mit Manova spricht Monika Alleweldt über ihr Leben in der Friedensforschungsgemeinschaft Tamera und ihre Erkenntnisse, wie wir als Einzelne an einem Systemwechsel mitwirken können.


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Die Momo-Bewegung


In Anlehnung an Michael Endes Buch wollen einige Aktivisten den Zeitdieben nun auch in der Realität Paroli bieten.


am Freitag, 08. September 2023, 12:00 Uhr von Katrin Nagel


Einander zuhören und füreinander da sein. Sich Zeit nehmen und immaterielle Werte höher schätzen als den Gelderwerb. Dem Natürlichen und der Fantasie im Leben mehr Gewicht geben als synthetischen und vorgekauten Träumen. Seine Individualität verwirklichen, anstatt sich dem Gleichschaltungsdruck einer hektischen, materialistischen Welt zu fügen... Die Anregungen, die man aus Michael Endes Jugendbuchklassiker „Momo“ entnehmen kann, sind mannigfaltig. Fast jeder Leser stimmt der Momo-Philosophie von Herzen zu. Aber sollte man nicht noch einen Schritt weitergehen und diese in unserer alltäglichen Realität umsetzen? Tatsächlich gibt es jetzt eine Momo-Bewegung, die ein Manifest veröffentlicht hat. Zu ihren Forderungen gehört eine radikale Geldreform. Denn ein falsches Geldsystem ist es, dem wir heute einen solch massiven Diebstahl an Zeit und Lebensfreude zu verdanken haben.


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Wohlstand auf Schrumpfkurs


Die Wirtschaft wächst real schon lange nicht mehr — wenn sie es doch tut, dann geschieht dies aus den falschen Gründen.


am Donnerstag, 07. September 2023, 17:00 Uhr von Christian Kreiß


Weil die Menschen immer kränker werden, muss immer mehr Aufwand für die Heilung von Körper und Seele betrieben werden. Weil die ethischen Standards in der Gesellschaft sinken, braucht es immer mehr Überwachungskameras, Security-Personal und Gefängnisse. Und weil die Umwelt massiv geschädigt wird, muss immer mehr in Reparaturmaßnahmen investiert werden. Preisfrage: Ist dies eine positive oder eher eine negative Entwicklung? Es kommt auf die Betrachtungsweise an. All diese Aufgabenfelder, die es in einer gesunden Gesellschaft eigentlich gar nicht geben sollte, generieren nämlich Wachstum. Und dieses ist, wie wir alle gelernt haben, ja grundsätzlich eine gute Sache. Die Kehrseite der Medaille ist jedoch: Zieht man all die Waren und Dienstleistungen ab, die zur Bewältigung negativer gesellschaftlicher Entwicklungen benötigt werden, dann bleibt vom Wirtschaftswachstum nicht mehr viel übrig. Selbst wenn man all diese Faktoren miteinbezieht, stagniert dieses mittlerweile vielerorts oder geht sogar zurück. Nun noch mit aus dem Leid der Menschen resultierendem Profit wird die Wachstumsillusion gleichsam noch einmal künstlich beatmet. Längst sind wir in Wahrheit die Generation des Niedergangs.


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Mut kommt vor dem Fall


Ein Richter in Weimar, der sich einer wahrhaftigen Rechtsprechung verschrieben hatte, bekam es in der Coronazeit mit neudeutscher Willkürjustiz zu tun.


am Donnerstag, 07. September 2023, 16:00 Uhr von Peter Frey


Im Frühjahr 2021 — einer düsteren Zeit, in welcher der Wahn der PLandemie, ausgelöst von Politik und Medien, bislang nicht bekannte Formen annahm und in damit einhergehenden Repressionen und Rechtsbrüchen gipfelte — hatte ein Familienrichter am Amtsgericht Weimar den Mut, sich gegen diese Übergriffe zu positionieren. Sein Entscheid basierte auf begründeten Fakten, dem Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland und dem aufrichtigen Anliegen, die von Unrechtsmaßnahmen betroffenen Menschen, in diesem Falle Kinder, vor auf der Hand liegenden Schäden zu schützen, welche durch die Maßnahmen verursacht worden waren. Sich an Recht und Gesetz zu halten und für die Menschen zu sein, scheint allerdings in Deutschland mittlerweile ein Kapitalverbrechen zu sein.


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Verstrahltes Klima


Der CO2-Konzentration in der Luft wird die gesamte mediale Aufmerksamkeit zuteil, während die eigentliche Gefahr für unsere Lebensgrundlage keinerlei Beachtung findet.


am Donnerstag, 07. September 2023, 15:00 Uhr von Willy Meyer


Während Politik, etablierte Medien und bezahlte Aktivisten die Gesellschaft auf eine ökologische Katastrophe, herbeigeführt durch von Menschen verursachten Kohlendioxidausstoß, einschwören wollen, findet ebendiese Katastrophe längst statt — ohne dass dabei jedoch CO2 eine erwähnenswerte Rolle spielte (1). Das ist umso tragischer, als weltweit offenbar alle Entscheidungsträger vor den wahren Ursachen beide Augen — und Ohren — fest verschließen (2). Selbst kritische Denker und Forscher jenseits der ausgetretenen Pfade und eingegrenzten Meinungskorridore scheinen Opfer eines gigantischen blinden Flecks geworden zu sein, wenn sie in ihrer Analyse von Umweltgiften eines nicht sehen: den desaströsen Einfluss von elektromagnetischer Strahlung und Elektrizität insgesamt auf alles Leben auf der Erde (3).


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Die nicht bestandene Nagelprobe


In der Palästina-Frage übernahm Robert F. Kennedy jr. die übelste israelische Propaganda und disqualifizierte sich so als Hoffnungsträger für mehr Gerechtigkeit.


am Donnerstag, 07. September 2023, 14:00 Uhr von Chris Hedges


Er trägt einen Namen wie Donnerhall, trat 2020 bei einer umjubelten Querdenker-Demo in Berlin auf, gilt für die kommende Präsidentschaftswahl in den USA vielen als der Kandidat der Herzen: Robert F. Kennedy jr. Um ein System aufzubrechen, das zutiefst verkrustet und ethisch fragwürdig geworden ist, braucht ein Hoffnungsträger jedoch bestimmte Voraussetzungen. Er müsste sein Gewissen über politisches Kalkül stellen, den Einsatz für Menschenrechte höher bewerten als das Schulterklopfen derer, die diese Rechte mit Füßen treten. Palästinenser in Israel waren in der Vergangenheit Opfer von Massenmord und Vertreibung, sind noch heute verschärfter Diskriminierung und Gewalt ausgesetzt. Jeder kann dies sehen, wenn er es sehen will. Sachliche Informationen darüber gibt es zur Genüge. Noch immer gilt Kritik an Israel aber in der westlichen Hemisphäre als ein No-Go. Wer sie wagt, begibt sich innerhalb des politischen Establishments ins Abseits. Der Antisemitismus-Vorwurf wird schnell gegen ihn ins Feld geführt. Robert F. Kennedy positionierte sich und traf damit eine Richtungsentscheidung. Sie fiel eher smart aus denn integer.


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Hinter der Wasserwand


Wasserfälle können helfen, quälenden Gedanken und dieser schnöden Welt zu entfliehen.


am Donnerstag, 07. September 2023, 13:00 Uhr von Michael Sailer


Sicher, es gibt Kriege, Hunger und Leid, es gibt Bauernfängerei und Ausplünderung, es gibt Machtwahn, Eitelkeit und Dummheit, es gibt Kaskaden hohlen Geplappers — und es gibt jene Berufsgruppe, die für all das steht wie keine andere: Politiker. Vor der Aufgabe, all das zum Besseren ändern zu wollen, verzweifelt man oft. Man sehnt sich danach, dieses Elend auszublenden, das Gehirn abschalten zu können — Gedankenstille. Unser Autor hat einen Weg gefunden, dieses Ziel zumindest für kurze Zeit zu erreichen. Er nähert sich einem Wasserfall, stellt sich jedoch nicht vor ihn hin, sondern hinter die tosende Wand aus herabstürzender Nässe. Benetzt von dem Sprühnebel, betäubt von dem Klang, hypnotisiert von den stets sich verändernden flüssigen Skulpturen, kommt er endlich zur Ruhe. In der Art und Weise, wie der Autor beschreibt, woran er hinter dem Wasser endlich nicht mehr denken muss, liefert er zugleich ein ebenso ironisches wie vernichtendes Porträt unserer Epoche.


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Unser Land


Sich bereichernde Eliten, eine zerstörte Infrastruktur, ein geschrumpfter Sozialstaat: Es wird Zeit, dass Deutschland wieder ein Land der Bürger wird.


am Mittwoch, 06. September 2023, 17:00 Uhr von Roberto J. De Lapuente


„Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus”: Dieser verwegene Satz stammt aus dem Grundgesetz – aus Artikel 20, Absatz 2 genauer gesagt. Er fühlt sich heute leer an, als träfe er nicht mehr ganz zu. Sicherlich, jener Abschnitt des Grundgesetzes spricht im Folgesatz von „Wahlen und Abstimmungen”: Aber auch das ändert nichts daran, dass das Volk der Souverän ist – Parlamente sind hingegen nur Machtfaktoren zweiten Grades. Die Realität im heutigen Deutschland allerdings sieht ganz anders aus.


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Das Recht auf Selbstbestimmung


Wladimir Putin und Xi Jingping veröffentlichten eine gemeinsame Erklärung, die der Einmischung des Westens in Angelegenheiten anderer Länder Grenzen setzen will. Teil 4/4.


am Mittwoch, 06. September 2023, 16:00 Uhr von Antje Lüth


In ihrer gemeinsamen Erklärung vom 4. Februar 2022 forderten Putin und Xi die Achtung der Souveränität und des Selbstbestimmungsrechts eines jeden Staates. Siehe Teil 1 https://www.manova.news/artikel/das-recht-auf-selbstbestimmung dieses Artikels. Um die Tragweite dieser Erklärung zu verdeutlichen, wurde in Teil 2 https://www.manova.news/artikel/das-recht-auf-selbstbestimmung-2 und Teil 3 https://www.manova.news/artikel/das-recht-auf-selbstbestimmung-3 am Beispiel des Völkerbundes und der Vereinten Nationen (UN) gezeigt, wie die Frage der Selbstbestimmung der Völker bislang immer geleitet durch die Interessen der führenden Großmächte konzipiert und umgesetzt wurde. Es zeigte sich, dass die westlichen Mächte bis heute eine neokoloniale Politik praktizieren. Zum Abschluss des Artikels werden nun in Teil 4 die aktuellen geopolitischen Veränderungen betrachtet, die sich allein in den letzten anderthalb Jahren nach und infolge der gemeinsamen Erklärung von Putin und Xi vom 4. Februar 2022 gezeigt haben.


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Frankreichs Kolonialträume


Der ostlibysche General Khalifa Haftar hilft Frankreich, seine Kolonialstrukturen wiederaufzubauen, und überlässt Paris den Militärstützpunkt al-Wig im Südwesten.


am Mittwoch, 06. September 2023, 15:00 Uhr von Angelika Gutsche


Kolonialismus sollte eigentlich passé sein. Gerade der im Westen fast nur negativ bewertete Muammar al-Gaddafi hatte sich Verdienste darum erworben, die koloniale Ausbeutung durch Frankreich zu beenden. Seit seinem Sturz richten sich auf das zerrissene Land jedoch wieder verstärkt europäische Begehrlichkeiten. Frankreich, das im Subsahara-Raum Terrain verloren hat und teilweise von Russland als einflussreichster Macht abgelöst wurde, setzt jetzt zum Gegenschlag an. Und es fand für seine Pläne einen mächtigen Verbündeten im libyschen Militär.


Zum Artikel https://www.manova.news/artikel/frankreichs-kolonialtraume



Für Einheit und Freiheit


Das Hambacher Fest von 1832 erlebt seit 2018 eine Neuauflage. Die ist umstritten, vielleicht auch weil sie auf heutige Demokratiedefizite aufmerksam macht. Teil 2/2


am Mittwoch, 06. September 2023, 14:00 Uhr von Max Otte


Befürworter sehen darin zeitgemäße Traditionspflege, Gegner einen Missbrauch einer großen demokratischen Tradition. Professor Dr. Max Otte initiierte 2018 das „Neue Hambacher Fest“. Es erinnert an eine friedliche Zusammenkunft von etwa 30.000 Bürgern auf dem Hambacher Schloss im Jahr 1832, mit der diese unter anderem gegen obrigkeitliche Repressionen protestierten und ein freies, einiges Deutschland forderten. Obwohl das Fest bis heute als eine Wiege der deutschen Demokratie gilt, wurde seine Neuauflage von Beginn an heftig angefeindet. Natürlich durfte der Vorwurf, es handele sich um „rechte“ Umtriebe, nicht fehlen. Wo liegt das Problem beim Gedenken an eine absolut friedliche und demokratische Zusammenkunft? Offensichtlich fühlte sich das heutige Establishment auf dem falschen Fuß erwischt. Die vielen Parallelen zwischen der politischen Lage damals und heute sind so offensichtlich, dass manche ihr Heil in heftigem Leugnen und Diffamierungen der Veranstalter suchten. In diesem zweiteiligen Aufsatz schlägt Max Otte den Bogen von der historischen Situation des Vormärz bis zu heutigen Phänomenen wie Zensur und Cancel Culture. Als Patriot prangert er an, dass Deutschland von der jetzt herrschenden Politikergeneration bewusst oder fahrlässig heruntergewirtschaftet wird.


Zum Artikel https://www.manova.news/artikel/fur-einheit-und-freiheit-2



Das unbeugsame Nein


In jedem Menschen ist jene kompromisslose Entschlossenheit vorhanden, die von nichts und niemandem eingeschüchtert werden kann.


am Mittwoch, 06. September 2023, 13:00 Uhr von Gönül Freyseel


Es ist wieder da, das Narrativ, das 2020 für viele den Blick in ungeahnte Abgründe eröffnet hat. In seiner ganzen Unsäglichkeit soll es zurückkehren, so legen es einige Meldungen nahe. Anachronistisch mutet diese Vorstellung an und seltsam hohl. Man könnte diese massenmedial schleichend platzierte Ankündigung als Ablenkungsmanöver betrachten, als weiteren Testballon oder auch als Verzweiflungstat. Was auch immer es ist, vergessen wir nicht, worum es sich hier in erster Linie handelt: eine Nachricht in den Medien. Wir entscheiden darüber, wie wir dieser Mitteilung begegnen und wie viel Verwirklichungskraft wir ihr zusprechen. In jedem Fall gibt es mehr Menschen, die zu einem unbeugsamen Nein entschlossen sind, als wir wahrscheinlich zu glauben wagen. Die Einwilligung des Einzelnen ― ob nun als Resultat gesellschaftlichen Drucks oder persönlicher Überzeugung ― ist eine noch immer stark unterschätzte, aber offenkundig zentrale Voraussetzung für die Umsetzbarkeit jeder Agenda. Auch wenn die Architekten des Wahnsinns scheinbar alle weltlichen Machthebel kontrollieren ― dies kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie ohne die Zustimmung der Menschen nicht viel ausrichten können. Warum sonst würde es so viel mühselige Propaganda, so viel Überzeugungsarbeit, so viele Lügen und Lockmittel und eine so umfassende Planung von langer Hand brauchen, wenn die Macht wirklich so groß wäre, wie suggeriert wird? Der Wille des Menschen ist offensichtlich stärker; zu einem anderen Schluss kann man kaum kommen.


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Weltkriegsgeruch in der Luft


Zahlreiche Merkmale der derzeitigen Eskalationsspirale zwischen den Großmächten weisen Ähnlichkeiten mit den Vorbeben des Ersten Weltkrieges auf.


am Dienstag, 05. September 2023, 17:00 Uhr von Karsten Montag


Offiziell befinden sich die USA und die Länder der EU nicht in einem Krieg mit Russland. Viele westliche Politiker und Medien streiten sogar ab, dass die NATO in der Ukraine einen Stellvertreterkrieg mit Russland austrägt. Trotzdem erinnert die aufgrund westlicher Waffenlieferungen zu einem Stellungs- und Abnutzungskrieg mutierte militärische Auseinandersetzung in der Ukraine an den Ersten Weltkrieg. Was können weitere Vergleiche mit der großen humanitären Katastrophe zu Beginn des 20. Jahrhunderts über einen möglichen zukünftigen Verlauf des aktuellen Konflikts aussagen?


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Jahrestag eines Verrats


Am 31. August 2023 sind zwei Jahre seit dem Tag vergangen, an dem die internationale Gemeinschaft Afghanistan nach zwanzig Jahren Besatzung den Taliban übergeben hat. Teil 2/2.


am Dienstag, 05. September 2023, 16:00 Uhr von Anna Tortajada


Selten in der jüngeren Geschichte ist ein Unternehmen so eindeutig gescheitert wie der Afghanistan-Einsatz einiger westlicher Staaten, der auch unter Beteiligung der Bundeswehr stattfand. Vor zwei Jahren wurde die Macht dort wieder von genau jenen Kräften übernommen, die man als vermeintlich überlegene Macht meinte, leicht besiegen zu können. Im Nachhinein betrachtet, hatten Kritiker der Kriegsbeteiligung von Anfang an recht gehabt. Weder basierte das Vorgehen der NATO-Länder auf gründlicher Kenntnis von Geschichte und Mentalität des Landes, noch war es der Absicht nach moralisch integer, schon gar nicht war es in der Durchführung letztlich erfolgreich. Politisch erwies sich das ganze Unternehmen als Schlag ins Wasser. Den Menschen vor Ort war es langfristig keine Hilfe. Wieder meinte der Westen in maßloser Überheblichkeit, alles besser machen zu können. Ein wirkliches Eingeständnis des eigenen Versagens hat es aber nie gegeben. Die Verlierer gehen zur Tagesordnung über und überlassen die Afghanen ihrem Schicksal. Die Autorin liefert in ihrem zweiteiligen Artikel eine fundierte Analyse der 20 Jahre andauernden Vorgänge.


Zum Artikel https://www.manova.news/artikel/jahrestag-eines-verrats-2



Was andere weglassen


Den „Hintergrund“ gibt es schon seit 30 Jahren. Nach einer Pause wird die Zeitschrift jetzt wieder gedruckt — mit prominenten Gesprächspartnern und Autoren.


am Dienstag, 05. September 2023, 15:00 Uhr von Éva Péli


Nachdenkseiten, apolut, Multipolar, Neulandrebellen ... Leicht wird ein Medium vergessen, dessen Lektüre sich absolut lohnt: Der „Hintergrund“ hat sich dem Anpassungsdruck, dem speziell in der Corona-Zeit viele linke Medien erlegen sind, nicht gebeugt. Er betrieb weiter mutigen Journalismus, „allen Gewalten zum Trotz“. Unter dem Radar blieb das Magazin für viele in den letzten Jahren auch deshalb, weil es drei Jahre lang nur online erschienen ist. Das ändert sich jetzt wieder, und die hintergründige Arbeit der Redaktion gibt es jetzt auch wieder offline, zum Anfassen. Zur Comeback-Ausgabe haben einige uns vertraute, „umstrittene“ Persönlichkeiten ihre Mitwirkung zugesagt, etwa Ulrike Guérot, Daniele Ganser, Oskar Lafontaine, Hannes Hofbauer und Michael Meyen.


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Eine Chance für den Frieden


Im Fokus des Treffens des „European Network Against Arms Trade“ in Bern standen der Krieg in der Ukraine und die weltweite Aufrüstung.


am Dienstag, 05. September 2023, 14:00 Uhr von Heinrich Frei


Je furchtbarer eine Waffengattung ist, desto eifriger wird sie von Banken, Medien und Politikern vieler Länder unterstützt. Die Rüstungsindustrie freut's. Sie suhlt sich seit Anfang 2022 in einem Imagehoch. Zur Retterin der Ukraine hochstilisiert, überschüttet man sie mit Geld und mit Liebe. Militärische Gewalt hat sich weithin als beinahe einziger Lösungsvorschlag für die Probleme der Welt durchgesetzt. Aufrüstung steht auf der Prioritätenliste der EU-Länder ganz oben. Zehntausende von Lobbyisten allein in Europa werben täglich mit hohem Aufwand fürs Sterben. Ist es möglich, da als kleine Friedensorganisation ein Gegengewicht zu schaffen? Das Netzwerk „European Network Against Arms Trade“ (ENAAT) hat bei seinem Jahrestreffen im Juni wieder einmal versucht, ein Zeichen zu setzen. Eine Informationsbroschüre mit Arbeitsergebnissen ist für alle verfügbar.


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Das Gewand der Welt


Ein respektvoller Umgang mit der Materie macht unser Leben leichter — wenn wir jedoch aus Überheblichkeit unsachgemäß mit ihr umgehen, kann sie uns zerstören.


am Dienstag, 05. September 2023, 13:00 Uhr von Uli Fischer


Wir sind vor allem Geist und Bewusstsein. Aus spiritueller Perspektive stellt es sich jedenfalls so dar. Ist die Materie nicht nur ein lästiges Beiwerk? Ist es als überlegene Spezies nicht unser Recht, ja unsere Pflicht, die Bausteine unserer Erscheinungswelt beliebig auseinanderzunehmen und wieder zusammenzusetzen, sie zu manipulieren und in unseren Dienst zu nehmen, koste es, was es wolle? Wie das Feuer uns wärmen, aber auch verbrennen kann, haben wir in den vergangenen 80 Jahren durch das Doppelgesicht der Nutzung von Atomenergie kennenlernen müssen. Sie kann Energielieferantin für Millionen sein, aber auch das gesamte Ökosystem auf unserem Planeten zerstören. Die materielle Welt ist für uns Helferin, Prüfstein und Belastung. Negativ gesehen, kann man sie als Gefängnis des Geistes ansehen, positiv als den Baustoff unseres schöpferischen Selbstausdrucks. Um das Beste aus unserer Situation als geistige wie körperliche Wesen zu machen, empfiehlt es sich, Demut wieder zu erlernen und den eigenen Platz im Gewebe des Lebens zu kennen. Wir müssen wieder lernen, mit der Welt mitzuschwingen, anstatt sie unterwerfen zu wollen.


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unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

10.09.2023

50 Jahre Putsch in Chile »Im ganzen Land wurden Lager errichtet«

ungewelt.de, 11.09.2023

Über Chile zum Zeitpunkt des faschistischen Putsches gegen die Regierung Allende und die Zeit danach. Ein Gespräch mit Günter Küpper


1. von 4 Fotos Günter Küpper war von 1972 bis 1977 Leiter der Administration in der DDR-Botschaft in Chile


Zum Zeitpunkt des Putsches des faschistischen Generals Augusto Pinochet gegen die Regierung der Unidad Popular und den gewählten Präsidenten Salvador Allende vor genau 50 Jahren arbeiteten Sie in der Botschaft der DDR in Santiago de Chile. Was bedeutet der 11. September für Sie? Es war ein einschneidender Tag. Ich habe den ganzen Putsch hautnah miterlebt, da ich zufällig wieder Nachtdienst hatte. Der Tag war schon insgesamt etwas unruhig, und ab zehn Uhr verdichteten sich die Hinweise, es könnte einen erneuten Putschversuch geben. Dem 11. September waren ja schon einige Anläufe vorangegangen. Ich hatte das Radio eingeschaltet und habe die ganze Nacht hindurch zugehört. Ich habe keine Minute geschlafen. Irgendwann kamen immer mehr Mitteilungen, dass von der Hafenstadt Valparaíso Seeleute auf die Hauptstadt Santiago zumarschieren. In den frühen Morgenstunden, so gegen vier, hieß es, es seien Panzer aus der Kaserne gefahren.

Um sechs Uhr habe ich dann die Leitung informiert – das waren damals der Botschafter und der Handelsrat, dass es etwas Größeres sein könnte und sie zeitnah in die Botschaft kommen müssen. Ich erklärte ihnen, dass wir schnell handeln müssten, falls notwendige Maßnahmen zu ergreifen sind.


Das klingt beängstigend! Was passierte dann?

Am Vormittag ging alles Schlag auf Schlag: Erst waren Flugzeuge über Santiago zu sehen. Vom Botschaftsdach aus konnten wir sehen, wo die ungefähr hinflogen. Dann hörten wir die Einschläge in der Residenz von Präsident Allende, und in der »­Moneda«. Über das Radio wurde bekanntgegeben, dass Allende in »La Moneda«, dem Präsidentenpalast sei. Diese sei von Panzern umstellt, und es werde geschossen. Dann wurde von Pinochet der Befehl gegeben, Allende solle mit allen Mitarbeitern rauskommen. Allende hat als Staatspräsident alle Beschäftigten aufgefordert, sich den Putschisten zu ergeben und ist mit den Worten »mich kriegen sie nicht« drinnen geblieben. Kurz darauf wurde verkündet, Allende sei tot, er habe sich erschossen. Das war für uns eine furchtbare Mitteilung. Tragisch!


Wie hat die Botschaft auf diesen Schock reagiert?

Wir mussten natürlich reagieren und tausende Sachen in die Wege leiten. Das erste war: Wie sichern wir alle Mitarbeiter, und wie holen wir die Leute nach Santiago, die außerhalb sind? Dann die Frage: Wie können wir helfen? Wo müssen wir dafür hin – kommen die Autos überall hin? Es musste alles organisiert werden. Ich habe die gesamte Administration gemacht. Alles, was sich bewegte in der Botschaft, ging über meinen Tisch oder lief über meine Mitarbeiter.


Die Regierung der Unidad Popular veränderte vieles zu der Zeit in Chile. Welche von Salvador Allendes Entscheidungen bewerten Sie aus heutiger Sicht als sinnvoll?

Der ganze Zug, der in Bewegung gebracht wurde, war sinnvoll. Das war ein bisschen wie Kuba, das war ein bisschen Sowjetunion, das war ein bisschen von uns. Allende hatte Ahnung, er war ja schon zum dritten Mal als Präsidentschaftskandidat angetreten. Er war kein Neuling und wollte einen demokratisch sozialistischen Staat aufbauen. Doch er stand inmitten von Raubtieren: Die USA und ihre Handlanger waren überall. Deshalb musste sich die Unidad Popular durchkämpfen. In der ersten Phase, die ich bewusst erlebt habe in den Jahren 1972/73, gab es viele Erfolge und eine große Begeisterung im Land. Es wurde alles umgestaltet. Die Jugend lernte, die Studenten lernten. Die Menschen waren so begeistert.


Auch außerhalb Chiles?

Die westliche Welt konnte gar nicht so schnell reagieren, so rasant wie Chile sich veränderte und entwickelte. Was das Schlimmste für das Kapital war: Die beiden Kupferminengesellschaften der USA wurden verstaatlicht. Das war von Allende planmäßig vorbereitet worden, damit das Vermögen im Land bleiben konnte. Chile sollte den Chilenen gehören, das war sein Credo. Aus Sicht der Vereinigten Staaten war das schrecklich, denn sie nutzten Lateinamerika als Vorratskeller. Heute ist das für sie nicht mehr nur Südamerika, heute rauben sie Ressourcen weltweit. Damals war das also ein richtiger Schlag, davon mussten sich die USA erst mal erholen. Unmittelbar begannen sie, dagegen zu kämpfen, verbreiteten Lügen und haben die Leute aufgehetzt. Die CIA verteilte Gelder an Privatpersonen und Unternehmen für Aktionen gegen Allende. Es gab beispielsweise organisierte Straßenblockaden. Korrumpierte Lkw-Fahrer haben die Panamericana dicht gemacht und Reifen angezündet. Die ganzen sogenannten Streiks, die stattfanden, waren von den USA geplant und finanziert.


Welche Auswirkungen hatten diese US-finanzierten Aktionen?

Durch die Straßenblockaden und Streiks wurde auch in Santiago das Essen verknappt, die Verkehrsmittel wurden eingeschränkt. Mit unseren Diplomatenfahrzeugen war es uns noch möglich einzukaufen, was es in der Stadt sonst nicht mehr gab. In der Hauptstadt lebte ein Drittel der chilenischen Bevölkerung, und es hieß, wer Santiago in der Hand hat, hat das Land in der Hand.

Das eigentliche Ziel der Reaktion war, Chaos zu verbreiten. Dadurch hatte die Junta dann die Möglichkeit, Allende zu unterstellen, er könne den Staat nicht leiten, und das Militär müsse einschreiten. Das war das Ziel der USA und ihrer Verbündeten. Die Reaktion der ganzen Welt richtete sich geballt gegen Chile und gegen die Solidarität mit Allendes Regierung. Diese Solidarität war zwar sehr groß, aber sie konnte den faschistischen Putsch nicht verhindern.

Übrigens: Die Flugzeuge, die über Santiago flogen, waren von der BRD geschickte Luftakrobaten. Diese haben Aufnahmen gemacht, was wo bombardiert werden könnte. Davon habe ich Bilder, die Flugstaffel habe ich fotografiert. Ich bin im Nachgang des Putsches auch oft gefragt worden: »Habt ihr Waffen gehabt«?


Und? Hatten Sie Waffen?

Also, ich weiß bloß, dass der kubanische Botschafter ein MG hatte. Aber was soll sowas gegen Panzer bringen? Da hat unser Botschafter zu ihm gesagt »Lasst den Unsinn!« Und die Kubaner haben auf die DDR gehört. Aber was wäre gewesen, wenn wir Waffen gehabt hätten? Die Finnen haben immer gemutmaßt, wir hätten ein riesiges Arsenal Waffen in der Botschaft. Mein Freund, der finnische Vizekonsul, wollte immer wissen, was wir im Keller haben. Dann hat ihm ein Genosse von der Staatssicherheit den Keller mal gezeigt, damit sich das Thema endlich erledigt (lacht).


Sie haben eben gesagt, dass es bereits vereitelte Putschversuche gegeben hatte. Hatten Sie denn in den Wochen und Tagen davor eine böse Vorahnung?

Die Möglichkeit eines Putsches bestand immer. Das wussten wir, das wusste Allende, das wussten alle. Nur wie genau er angezettelt werden würde, das wusste niemand.


Heute ist klar, dass die USA und der Auslandsgeheimdienst CIA ihre Finger im Spiel hatten. Was wussten Sie damals darüber?

Wir wussten, dass die großen Konzerne, die in Chile sind, natürlich mit den USA zusammenarbeiten. Die Kupferminen wurden ja, wie gesagt, enteignet. Uns war natürlich auch klar, dass die USA das nicht so ohne weiteres hinnehmen würden. Wir haben damit gerechnet, dass sie darauf hinarbeiten würden – und hinarbeiteten –, Chaos zu verbreiten.


Auf den Putsch folgte eine dreitägige Ausgangssperre …

Wir hielten uns in der Botschaft und unserer Schule, außerdem in Wohnungen auf. Im Land wurde geschossen – Tag und Nacht: Pinochets Anhänger mussten jede Nacht ihre Gewehre leer schießen. Um unsere Botschaft herum waren Scharfschützen stationiert und konnten von dort aus den Hof des Gebäudes überwachen. Im »Notfall« hätten sie auch von dort oben in die Botschaft schießen können.


Was hat die Militärjunta mit Kommunisten gemacht?

Sie wurden eingesperrt und ermordet. Wenn wir in die Stadt gefahren sind, waren immer Leichen im Mapocho (Fluss durch Santiago, jW) zu sehen. Die haben die Leute ganz einfach umgebracht. Bei uns suchten Verfolgte, die mit dem Tod bedroht waren – das betraf Minister, Senatoren, Künstler sowie den Schwiegersohn von Erich Honecker – Schutz. Später kamen dann auch Menschen, die zuerst in Konzentrationslagern gefangen waren und irgendwie rausgekommen sind.


Also sind Leute aus den Konzentrationslagern in die Botschaft als politische Geflüchtete gekommen?

Ja. Die haben schreckliche Sachen erzählt! Im ganzen Land wurden Lager errichtet. Für mich ganz persönlich das dramatischste war die Ermordung eines unserer Fahrer. Den hatte ich eingestellt, ein ganz toller Typ. Er hatte ein Kleinkind, das war etwa ein Jahr alt. Eine Woche nach dem Putsch kam seine Frau, ganz in Schwarz, mit dem Kind zu mir. Sie hatte ihren Mann drei Tage lang gesucht und dann erschossen in einer Avenida gefunden, auf dem Mittelstreifen.


Die meisten Mitarbeiter der Botschaft reisten ab, Sie aber blieben.

Am 17. September 1973, knapp eine Woche nach dem Putsch, flog ein Flugzeug mit den führenden Mitarbeitern, dem Botschafter, Gesandten und politischen Mitarbeitern, nach Hause. Der Rest wurde am 23. September zurück nach Berlin geflogen. Ich musste bleiben, weil ich die Unterschriftsberechtigung in den chilenischen Banken hatte. Ich habe dadurch verfolgen können, wie Pinochet das Land verkauft hat. Er hat alles zu Geld gemacht: selbst das Wasser, die Wasserläufe wurden durch die Putschregierung verkauft.


Gab es Ideen und Strategien der SED, auf den Staatsstreich zu reagieren?

Na, wir haben die diplomatischen Beziehungen unterbrochen, weil ein DDR-Bürger misshandelt wurde. Damit wurden die Beziehungen weitestgehend eingestellt. Dann haben wir uns darum gekümmert, Verfolgte zu schützen und außer Landes zu bringen, die bei uns Asyl suchten.


Wie viele Leute suchten Schutz in der Botschaft?

Ich habe insgesamt 127 Personen betreut, die sich zu uns geflüchtet hatten. Mit den letzten sechs habe ich sieben Monate zusammengelebt, wie eine Familie. Darunter war Allendes Anwalt, es waren viele Kommunisten und Künstler. Die meisten der geflüchteten Chilenen konnten nach und nach in die DDR ausfliegen, und sie waren dort dann in Sicherheit. Mit den sechs bis zuletzt in der Botschaft Verbliebenen haben wir uns richtig angefreundet und hatten auch später in der DDR noch Kontakt.


Siehe auch


Info: https://www.jungewelt.de/artikel/458711.50-jahre-putsch-in-chile-im-ganzen-land-wurden-lager-errichtet.html


unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

10.09.2023

Wie die Diktatur in Chile sich auf deutsche Nazis im BND verlassen konnte

amerika21.de, vom 06.09.2023 Chile / BRD / Politik / Militär, Von , amerika21

Der Sturz Allendes durch die Feinde der Demokratie. Dokumentation beleuchtet die ideologische Ausrichtung der westdeutschen Nachkriegspolitik


 Illustration zum WDR-Feature "Pinochets deutsche Paten"





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Illustration zum WDR-Feature "Pinochets deutsche Paten"

Quelle: ard/zdf  (https://share.ard-zdf-box.de/s/L7CyD7HNjBNQW5W)








Köln/Santiago. Neue Recherchen haben die Rolle deutscher Nazis beim Putsch von General Augusto Pinochet gegen die Regierung von Salvador Allende am 11. September 1973 bekannt gemacht. Eine Reihe von Zeugnissen beleuchtet dabei das Wirken des damals als Kriegsverbrecher gesuchten ehemaligen SS-Standartenführers Walter Rauff und der deutschen Sektensiedlung Colonia Dignidad. Der Westdeutsche Rundfunk (WDR) hat die Erkenntnisse vor wenigen Tagen mit einem Feature von Wilfried Huismann gesendet.


Der Sturz Allendes durch das chilenische Militär bewegte im September 1973 die Welt. Die Regierung der Unidad Popular hatte sich mit ihrem sozialistischen Programm und der Nationalisierung der Kupferminen die USA zum Feind gemacht. Nach einer Phase seitens der USA dirigierter Maßnahmen, die die chilenische Wirtschaft zum Zusammenbruch bringen und auf diesem Weg Allende von der Macht entfernen sollte, unternahm das Militär schließlich einen Putsch und eröffnete seine grausame Repression gegen die linken Kräfte im Land.


Huismann hat in seiner Dokumentation bereits neueste Erkenntnisse der Forschung aufgenommen, wonach die Terminierung des Putsches eng an einem Vorhaben von Allende gehangen hatte, der beabsichtigte, in dem polarisierten Land eine Volksabstimmung über die Fortsetzung seiner Regierung zu veranstalten (amerika21 berichtet aktuell).


Der 1984 in Santiago verstorbene Alt-Nazi Rauff brachte für die Konsolidierung der Putschisten und der Militärdiktaur "an zentraler Stelle" seine Erfahrungen aus der Zeit des deutschen Faschismus bei der Vernichtung Oppositioneller ein. Er verkehrte eng mit dem Chef des Geheimdienstes der Diktatur (Dirección de Inteligencia Nacional, Dina), General Manuel Contreras. Bereits vorher war Rauff mit dem deutschen Auslandsgeheimdienst Bundesnachrichtendienst (BND) verbunden, der ihn 1958 rekrutiert hatte, um "die Ausbreitung des Kommunismus auf dem amerikanischen Subkontinent möglichst zu verhindern".


In dem Feature bestätigen Zeugen auch aus dem chilenischen Geheimdienst Rauffs führende Rolle bei der Organisation systematischer Folter und dem Verschwindenlassen getöteter Oppositioneller. Rauff ist nach offiziellen Auskünften vom BND 1962 "abgeschaltet" worden. Dies hing offensichtlich damit zusammen, dass Rauffs Name inzwischen Eingang in den Prozess gegen Adolf Eichmann in Israel gefunden und die Bundesrepublik in diesem Zusammenhang einen Auslieferungsantrag an Chile gestellt hatte.


Mit den neuen Recherchen konfrontiert, räumte der BND nun ein, man habe doch noch einen Vermerk aus 1974 gefunden. Danach habe Rauff aber wohl lediglich als "ausführendes Organ" für die Dina gearbeitet, jedoch ohne Befehlsgewalt. Die Zeugen im Feature widersprechen dem explizit. Ebenso eine Recherche des US-Anthropologen John Cole, die dieser 1974 dem Wiesenthal Institut für Holocaust-Studien in Wien übermittelte.


Andere ältere Forschung förderte einen BND-Vermerk von 1984 zutage, in dem es heißt, man wusste "von Anfang an, mit wem man es zu tun hatte […], da Rauff aus seiner Vergangenheit nirgends ein Hehl machte".


Die von Zeugen geschilderten höchstrangigen Zugänge von Rauff in der Hierarchie der Diktatur sowie sein Auftreten und seine Anordnungen zeigten seine wichtige Rolle im "System der chilenischen inneren Sicherheit". Die Schilderungen lassen erkennen, dass der deutsche Nazi für die Verfolgung der Opposition, die Schulung in Verhörtechniken und bei der Perfektionierung des spurlosen Verschwindenlassens von gefolterten und getöteten Oppositionellen dem Repressionsapparat wertvolle Mitarbeit bot.


Die Doku belegt frühe Begegnungen zwischen Rauff und Pinochet in Ecuador, die eine langjährige Bekanntschaft begründeten. Pinochet soll Rauff angeregt haben, nach Chile überzusiedeln, was dieser laut CIA-Erkenntnissen 1958 tat. Zwischen 1960 und Februar 1962 hielt Rauff sich mehrfach zur Schulung durch den BND in der BRD auf. Der bundesdeutsche Haftbefehl von 1961 bildete kein Hindernis.


Das Feature liefert auch neue Ansätze zur Einschätzung der Colonia Dignidad, die sich 1988 nach der Aufdeckung schwerer Verbrechen und Menschenrechtsverletzungen in Villa Baviera umbenannte (amerika21 berichtete seit 2010 vielfach). Die 30 Quadratkilometer ausgedehnte und 400 Kilometer südlich der Hauptstadt Santiago gelegene Siedlung einer christlichen Sekte von Auslandsdeutschen wurde weltweit bekannt, nachdem der systematische sexuelle Missbrauch von Kindern und Jugendlichen durch den Sektengründer Paul Schäfer und eine Verwicklung der Anlage in die Menschenrechtsverbrechen der Pinochet-Diktatur in die Berichterstattung der Medien gerieten.


Während bereits allgemein bekannt ist, dass die Siedlung auch ein geheimer Ort der Gefangenschaft und Folterung politischer Gegner der Diktatur war, berichtet das Feature von Huismann von bereits frühen Kontakten zwischen Dina-Geheimdienstchef Contreras und der Colonia Dignidad. Die Einrichtung soll bereits ein Jahr vor dem Putsch in die entsprechenden Vorbereitungen einbezogen worden sein.


Die deutsche Diplomatie ist im Zusammenhang mit ihrem Agieren nach dem Putsch von 1973 wie auch in der Sache Colonia Dignidad immer wieder in der Kritik gestanden, als Komplize der Diktatur aufgetreten zu sein. Die Aussagen eines ehemaligen Pressesprechers an der deutschen Botschaft in Santiago bringen einmal mehr das Netzwerk des BND und dessen ideologische Ausrichtung ins Spiel.


Im April formulierte die Tagesschau noch, "die Unterstützung der Folter-Sekte Colonia Dignidad in Chile ist eines der düstersten Kapitel bundesdeutscher Außenpolitik". Die Arbeit von Huismann liefert nun einiges Material, um die politischen Leitlinien hinter der Unterstützung der Diktatur wie auch der Sekte weiter zu untersuchen.

wdr



Info: https://amerika21.de/2023/09/265741/chile-diktatur-deutsche-nazis-bnd


unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

10.09.2023

Die wahre Zeitenwende

manova.news, vom 09. September 2023, 15:59 Uhr, von Roland Rottenfußer
In seinem neuen Buch beklagt Eugen Drewermann die Kumpanei der Kirchen mit den Kriegstreibern und plädiert für die Bergpredigt als Heilmittel gegen Angst und Gewalt.


Foto: carlos castilla/Shutterstock.com


Sich behaupten. Verbündeten helfen. Diktatoren abschrecken. Gegen Aggressoren Härte zeigen … Für alle diese Vorgehensweisen lassen sich Begründungen finden. Aber genügen für solche Erkenntnisse nicht ein Verteidigungsminister oder eine Talkshow-Wehrexpertin? Braucht es noch Christen, um das Altbekannte nachzubeten? Schließlich hatte Jesus, der Religionsstifter, in einer an Klarheit nicht zu überbietenden Weise vor einer Spirale der Gewalt gewarnt, die auf Angst, Misstrauen und Rache basiert. Was ist aus der Friedensbotschaft des Mannes aus Nazareth geworden, auf den sich das „christliche Abendland“ noch heute beruft? Was haben seine „Nachfolger“ daraus gemacht? Wer als Christ in Waffenlieferungen einen Ausdruck von Nächstenliebe sieht, sollte in seinen eigenen Kreisen eigentlich isoliert sein, ein krasser Außenseiter. Tatsache ist aber, dass die Kriegsbejahung auch in Kirchenkreisen Mainstream ist — ab und zu abgemildert durch wägende Skrupel. Wer weitgehend isoliert dasteht, ist vielmehr Eugen Drewermann, der unermüdliche Mahner gegen die Logik des Krieges und die unfassbare Grausamkeit der militärischen Praxis. Noch immer trifft man den heute schon 83-Jährigen auf vielen Friedensveranstaltungen, seine leidenschaftlichen, geschliffen formulierten Reden haltend, unermüdlich und fast verzweifelt gegen den Strom einer wahnwitzigen Kriegsbegeisterung anschwimmend. Der letzte Pazifist. Oder einer der letzten. Sein neues Buch „Nur durch Frieden bewahren wir uns selbst“ fasst noch einmal Drewermanns zentrale Argumente gegen eine Politik der Angst und der Gewalt zusammen. Und es zeigt einen Weg auf, wie wir da wieder herauskommen können: die Bergpredigt. Dieses neue Buch ist Drewermanns Vermächtnis an die Menschheit, die vor einem sich verdunkelnden politischen Horizont in Richtung Abgrund taumelt.


Eugen Drewermann liest viel, und immer führt ihn seine Lektüre auf die richtige Spur, weil sie aufzeigt, dass alles zur Lösung der aktuellen welthistorischen Probleme Nötige schon einmal gedacht wurde. Die tonangebenden Mächte haben nur auf die wirklich weisen und gütigen Denker nie gehört. Mahatma Gandhi sagte:

„Es gibt keinen Weg zum Frieden; der Frieden selbst ist der Weg.“

Und George Bernard Shaw:

„Seit 2000 Jahren höre ich, dass man mit der Bergpredigt nicht regieren könne. Aber so versucht es doch — wenigstens einmal!“

Tatsächlich scheint es, als habe die Christenheit die Lehren ihres Namensgebers eher gleichgültig zur Kenntnis genommen, um dann doch ohne Zögern das Gegenteil zu tun. Nicht wenige entschieden sich, zurückzuschlagen anstatt „die andere Wange hinzuhalten“, den Splitter stets im Auge des anderen zu suchen, Steine auf vermeintliche Sünder zu werfen und das Schwert zu ziehen, um diejenigen, die uns bedrohen, zur Strecke zu bringen, bevor sie Unheil anrichten können.

Schauen wir nur auf den Kasernenhof, jene konzentrierte Brutstätte der Gewalt, mit der vermeintlich das Gute verteidigt werden soll. Drewermann verurteilt die Abrichtung von Soldaten zum Töten und Sterben endlich mit der gebührenden Vehemenz.

„Kein Staat auf Erden, der nicht seine 18-jährigen auf den Kasernenhöfen mit den mörderischsten Waffen, die er nur hat erfinden können, ausstattet und sie im Umgang damit schult — das gezielte Töten von Menschen gilt als allgemeine Bürgerpflicht.“

Um einem von der Propaganda als Unmenschen markierten „Feind“ Paroli zu bieten, muss den jungen Soldaten ihre eigene Menschlichkeit mit den denkbar entwürdigenden Methoden ausgetrieben werden, müssen sie — entseelt und bis zur vollkommenen Willenlosigkeit gedrillt, zu Werkzeugen des Tötens und des Sterbens „ausgebildet“ werden.

Der Selbstverrat des Christentums

Wie konnte es so weit kommen? Und — aus Drewermanns Sicht besonders wichtig: Warum sprach die Kirche nicht schon von Beginn an ein klares Verdammungsurteil über den Krieg, die gewalttätigste Form des Nächstenhasses?

Eugen Drewermann sieht den Keim des kirchlichen Selbstverrats schon im 3. Jahrhundert. Der Urheber war „Konstantin‚ der Große‘, indem er im Jahre 312 seinen Thronkonkurrenten Maxentius in der Schlacht an der Milvischen Brücke mit einer Soldateska besiegte, auf deren Schilde er das Kreuz Christi hatte malen lassen“. In einem Traum soll Jesus dem Kaiser gesagt haben: „In diesem Zeichen sollst du siegen.“ Das bedeutet aber auch: In diesem Zeichen sollst zu niedermetzeln, töten, verstümmeln.

„Die Perversion der Person und Botschaft Jesu hätte ärger nicht ausfallen können: Das grässliche Instrument, mit dem Jesus für die Verweigerung jeglicher Gewalt hingerichtet worden war, figurierte und fungierte jetzt als ein magisches Symbol sadistischer Siege auf dem Schlachtfeld; der gütige Gott Jesu Christi nahm die blutige Maske kriegerischer Götter (…) an.“

Bald nach dem Sieg wurde das Christentum „Staatsreligion“, wo es doch unbedingt Menschenreligion hätte bleiben müssen — mit dem nötigen Abstand zu jenen Kräften, deren Autorität doch immer nur eine höchst relative sein kann — gemessen an der Autorität Gottes. Und die Kirche ließ sich einfangen, nutzt die „Chance“, von der Verfolgten- auf die Verfolgerseite überzuwechseln. Nun musste man als römischer Bürger Christ sein.

„Deutlicher ließ sich nicht sagen, dass das Bekenntnis zu Christus, dass die christliche Theologie in kirchlichen Händen zu einer bloßen Herrschaftsideologie verkommen war. Seither benutzte die Kirche den Staat, um mit juristischen und notfalls militärischen Mitteln die Einheitlichkeit ihrer Bekenntnisformeln bei ihren Mitgliedern und gegen ihre Gegner durchzusetzen, und der Staat umgekehrt versicherte sich des kirchlich vermittelten Segens Gottes bei allen Unternehmungen, die für die Stabilisierung seines politisch erzwungenen Zusammenhalts als relevant erschienen.“

So entstand der große, Jahrhunderte überwölbende Pakt zwischen Thron und Altar. Trotz all der schmerzhaften Kirchenspaltungen — jener zwischen West- und Ostkirche im Jahr 1054 und der durch Martin Luther angestoßenen Reformation ab 1517 blieb die Einigkeit doch in einem Punkt gewahrt: Dass Kriege gerechtfertigt sind, fanden und finden die Mehrheit der Kirchenvertreter aller Konfessionen.

Um 200 n. Chr., so erzählt es Drewermann, sei dies noch anders gewesen. Der Christ der vorkonstantinischen Zeit hätte sich entscheiden müssen zwischen Militärdienst und Gottesdienst.

„Ein getaufter Christ, der sein Leben auf den Gott der Güte und Vergebung gründet, kann es nur als Verrat empfinden, wenn er als Soldat in den Methoden der endlosen Menschenschlächterei in Staatsauftrag verbleibt oder dahin zurückkehrt.“

Und das Resümee:

„Tatsächlich gewann das Christentum auf diese Weise den Rang einer Weltreligion, doch dass es sich damit selbst verriet, wollte es nicht bemerken und wagt es bis heute sich kaum einzugestehen.“

Nicht nur in Bezug auf das Thema „Krieg“ lässt sich konstatieren: Die Religion fiel „als Korrektiv des Politischen aus“.

Töten, was uns töten könnte

Eugen Drewermann beschreibt in den weiteren Kapiteln seines Buches die Psychologie der Angst und der scheinbar präventiven Gewalt, die den meisten Kriegshandlungen nach seiner Auffassung zugrunde liegt. Darüber hat er bereits auf vielen Plätzen des Landes hinreißende Reden gehalten, deren Mitschnitte gewiss in dieses neue Buchprojekt eingeflossen sind. Drewermann fungiert dabei teilweise als „Advocatus diaboli“ und gibt die Logik und Gefühlslage der Kriegstreiber, wie er sie versteht, wieder.

„Denn wir müssen uns schützen, wir verlangen nach Sicherheit, und gegen eine Gefahr, die uns tödlich bedroht, ist nur anzukommen, wenn wir den Tod in eine Waffe zum Schutz unseres Lebens verwandeln; unter dem Diktat der Todesangst müssen wir töten, was uns töten könnte.“

Angst ist der Dreh- und Angelpunkt in der Deutung des 2005 aus der Kirche ausgetretenen Theologen, der auch Psychoanalytiker ist. Andere Begründungsansätze für die fortlaufende Kriegspolitik in vielen Ländern sind dagegen bei Drewermann kaum ein Thema. Etwa Machtgier, Sadismus oder schlicht die „Erfordernisse“ globaler Machtpolitik. So schreibt Eugen Drewermann über den Menschen, der der Kriegslogik folgt:

„Nur wofern er dem anderen so viel an Angst bereitet, wie er vor diesem selbst empfindet, wähnt er sich in einem solchen Gleichgewicht des Schreckens relativ in Sicherheit.“

Es ist sogar meine einzige Kritik an dem Buch „Nur durch Frieden bewahren wir uns selber“, dass Drewermann ein „Wir“ als handelndes Subjekt anzunehmen scheint, welches Staatenlenker wie Bürger gleichermaßen umfasst und eher von dumpfen Emotionen angetrieben wird denn von kalter Berechnung. Von einer Psychopathologie der Kriegsbeteiligung geht Drewermann aus, er sieht gar eine „blühende Paranoia“.

Richtig ist daran, dass Angst die meisten Bürger gewiss in die Zustimmung oder Duldung unfassbar grausamer Kriegshandlungen hineintreibt. Geschürt aber wird diese Angst von den Regierungen, bei denen man eher eine gewisse emotionale Kälte und machttaktische Berechnung voraussetzen muss. An Staatskritik lässt es der Autor insgesamt aber nicht fehlen.

Der Soldat als „steuerbarer Automat“

Ausführlich behandelt Eugen Drewermann auch den Vorgang der Ausbildung zum Soldaten, die zuvor harmlose und friedliche Menschen in einem Prozess bewusst gesteuerter charakterlicher Deformation binnen kurzem in tötungsbereite Maschinenmenschen verwandelt.

„Mit der Mechanik streng zu befolgender Befehle wird ihnen die Seele aus dem Körper geschraubt, und was übrigbleibt, ist ein von außen steuerbarer Automat.“

Damit hat Eugen Drewermann die nekrophile Tendenz der Militärdressur erkannt, eines Prinzips, das dem Lebendigen und der Bestimmung des Menschen zu autonomer Selbstentfaltung entgegengesetzt ist. In seinem Roman „Im Westen nichts Neues“ aus dem Jahr 1928 schreibt Erich Maria Remarque aus der Perspektive des ehemaligen Soldaten: „Wir sind gefühllose Tote, die durch einen Trick, einen gefährlichen Zauber noch laufen und töten können.“ Weiter räsoniert Remarque, dem Drewermann eine ausführliche Analyse widmet:

„Wie sinnlos ist das alles, was je geschrieben, getan, gedacht wurde, wenn so etwas möglich ist! Es muss alles gelogen und belanglos sein, wenn die Kultur von Jahrtausenden nicht einmal verhindern konnte, dass diese Ströme von Blut vergossen werden, dass diese Kerker der Qualen zu Hunderttausenden existieren.“

Die Zurichtung der „Heimatfront“, also zum Beispiel der öffentlichen Meinung in Deutschland, ist ebenfalls Thema von Drewermanns Betrachtung, denn „zum einen muss die gesellschaftliche Meinung moralisch nach- und aufgerüstet werden, um kriegsbereit gemacht zu werden, und zum zweiten muss das Gewissen des Einzelnen umtrainiert werden, um das Soldatsein, letztlich das Töten von Menschen, als einen Beruf zum Empfang von ausgehandeltem Sold zu betrachten, als einen Job also, ganz so normal wie der eines Metzgers“.

Im Licht der Betrachtungen Drewermanns erscheinen mir viele aktuelle Veröffentlichungen zum Thema „Krieg“ unzureichend, weil sie erstens die Kriegsrealität nicht genau und drastisch genug darstellen und weil sie zweitens eine klare Verurteilung nicht nur der Machthaber verschiedener Krieg führender Staaten, sondern auch des Prinzips „Militär“ als solchem scheuen.

Oft werden globalpolitische Betrachtungen angestellt, die im „Mainstream“ eher den NATO-Staaten, in „Alternativmedien“ eher Russland mit einigem Verständnis begegnen, ohne die furchtbare Realität des Krieges einmal wirklich schonungslos heranzuzoomen.

Das wahre Gesicht des Staates

Eugen Drewermanns Betrachtungen laufen notwendigerweise auf eine vehemente Staatskritik hinaus, welche die Mächtigen im heutigen Deutschland ja offenbar so fürchten, dass sie dafür unlängst einen Delegitimierungs-Straftatbestand erfanden. Sigmund Freud schrieb sehr hellsichtig zu diesem Thema:

„Der einzelne Volksangehörige kann in diesem Krieg mit Schrecken feststellen, was sich ihm gelegentlich schon in Friedenszeiten aufdrängen wollte, dass der Staat dem Einzelnen den Gebrauch des Unrechts untersagt hat, nicht weil er es abschaffen, sondern weil er es monopolisieren will wie Salz und Tabak.“

Und Drewermann ergänzt: „Im Krieg zeigt der Staat sein wahres Gesicht.“ Denn „würde ein Staat offen erklären, dass seine moralische Friedfertigkeit nur eine Tarnung, eine chronifizierte, ihm wesenseigene Lüge sei, verlöre er seine Berechtigung in den Augen seiner erschrockenen Bürger; also muss er, wie Freud es beschreibt, jeden intellektuellen Widerstand mit Geheimhaltungen und Fehlinformationen sowie Gewaltmaßnahmen in Form von Kontrolle und Strafe niederhalten und propagandistisch ein Bild der Lage zeichnen, das sein Verhalten zumindest als Notmaßnahme und als vaterländische (oder ‚wertebasierte‘) Pflicht erscheinen lässt“. Begeht der Einzelne einen Mord, wird dieser als Verbrechen verfolgt; „Tapferkeit aber nennt man es, wenn das Morden im Namen des Staates geschieht.“

Damit wird klar, dass Kritik an Kriegen ohne ein libertär-antiautoritäres Element, ohne Staatskritik unvollständig wäre, ja teilweise in die Irre führt. „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen“, heißt es in der Apostelgeschichte. Kirchenvertreter sollten das schon mal gelesen haben.

Die Kirche „müsste, um das Beispiel Jesu nicht zu verraten, dem Einzelnen das Gewissen stärken, nein zu sagen gegen Krieg und Gewalt. Die Erlösung der Welt und der Menschheit von den Folgen der Abkehr von Gott sollte ihre Aufgabe sein, nicht aber dem Staat das Kriegführen zu erleichtern, indem sie sich als Kirche von ihm Militärgeistliche bezahlen lässt, die den Soldaten beibringen, sie erfüllten mit ihren Kriegseinsätzen inmitten einer gefallenen Welt just Gottes Willen“.

Wir können schlussfolgern, dass wir das, was unser Gewissen als richtig erkannt hat, notfalls auch ohne den Segen einer Kirche oder sogar gegen deren Rat, ausführen dürfen und müssen.

Die wahre Zeitenwende

Interessanterweise interpretiert Eugen Drewermann die Bergpredigt nicht umfassend und im Detail. Er setzt vieles als bekannt voraus. Wichtig ist aber, dass er das berühmte Kapitel aus dem Matthäus-Evangelium „als das geistige Medikament zur Heilung des menschlichen Daseins von seiner tiefsten und verhängnisvollsten Erkrankung in Angst und Gewalt“ bezeichnet. Für die Passage, die sonst eher mit „Selig sind die Sanftmütigen“ übersetzt wird, führt Drewermann als Übersetzung an:

„Richtig leben einzig die Menschen, die jeder Gewalt sich verweigern.“

Diese Version ist politisch relevanter, denn „Sanftmut“ könnte ja auch so gedeutet werden, dass jemand privat ein Softie ist; hier jedoch geht es um mehr: um ein klares „Nein“ zu jeder Beteiligung an Gewalthandlungen.

In welcher Weise kann die Bergpredigt hier den Ausweg zeigen?

„Das Reich Gottes, das Jesus verkündete und dessen Lebensform er in der Bergpredigt darstellt, bedeutet das Ende aller Reiche dieser Erde; es ist ein absoluter Neuanfang in radikaler Abkehr von Krieg und Gewalt; es ist die Verwirklichung jenes Friedens und jener Gewaltlosigkeit, nach welcher im Grunde alle Menschen sich sehnen.“

Und einen Neuanfang bräuchten wir ganz dringend. Drewermann spricht in Anlehnung an die perfide Rede Olaf Scholz‘ am 27. Februar 2022 von der „Bergpredigt als Zeitenwende“. Dieser Untertitel ist eine so flammende wie subtile Anklage gegen die Zeitenwende-Rhetorik der herrschenden Politik.

In Wahrheit propagieren Scholz und Gleichgesinnte ja nur die Fortsetzung des immer gleichen Denkens, dessen Blutspur in der Geschichte wir verfolgen können, also eigentlich das genaue Gegenteil einer „Wende“.

Gemeint ist hier lediglich, dass die einige Jahrzehnte andauernde „Pause“ im Kalten Krieg zwischen Russland und der NATO mit der Scholz-Rede für beendet erklärt wurde. Die Scholzsche Zeitenwende, so Drewermann, „soll nicht nur den ‚Ausfluss der überwiegend pazifistischen Ausrichtung unserer (…) Zivilgesellschaft‘ nachkorrigieren“, wie es die Bundeswehrakademie für Sicherheitspolitik (BAKS) verlauten ließ, „sie enthält implizit zugleich die Aufforderung, die Umkehrbotschaft des Jesus aus Nazareth in ihr Gegenteil zu verkehren und mit politischem ‚Realitätssinn‘ als unverantwortliche Illusion vergessen zu machen.“

Pazifismus ist Angstüberwindung

Wenn Angst das Grundproblem ist, wie Drewermann analysiert, dann ist damit schon der Ausweg angedeutet: „Pazifismus ist Angstüberwindung durch die Kraft des Vertrauens in Gott (durch die „Seele“ als geistiges Zentrum der Existenz, in den Worten Gandhis) und gebunden an die konsequente Ablehnung aller ‚physischen‘ Mittel der Gefahrenabwehr.“ Daran knüpft sich die Entschlossenheit zum Widerstand.

„Wir weigern uns, mit unseren Herrschern zusammenzuarbeiten, wenn sie unsere Lebensinteressen gefährden. Das ist passiver Widerstand“ (Gandhi).

Damit begibt sich der Pazifist auch jenseits des Legalitätsprinzips, er orientiert sich an Werten, die für ihn unter gewissen Umständen gewichtiger sind als das geschriebene Recht des Staates, in dem er lebt. Der Bürger, so Drewermann, dürfe nicht darauf warten, dass ihm der Staat erlaube, Uniformen und Waffen wegzuwerfen: „Man muss den Mut aufbringen, es sich selbst zu erlauben.“

Was die konkrete politische Lage im Kontext des Russland-Ukraine-Kriegs betriff, so sieht Eugen Drewermann den Balken eher im Auge der westlichen Nationen. Unsere Aufgabe wäre es, mit dem Notwendigen zunächst bei uns selbst zu beginnen und die Eskalationsspirale von Angst und Gewalt dort zu unterbrechen, wo wir stehen.

Die „Zeitenwende“ von Kanzler Scholz ist „nichts weiter als ein komplettes Einknicken gegenüber dem globalen unipolaren Hegemonialanspruch der USA. Dafür wird der Krieg geführt, und dafür sterben Hunderttausende von Menschen.“ Auch Wladimir Putins Verhalten sieht Drewermann nicht unkritisch.

„Kein Krieg ist zu rechtfertigen, auch nicht der Überfall Russlands auf die Ukraine; Krieg ist das planvoll inszenierte massenweise Töten von Menschen.“

Seine Schlussfolgerung ist jedoch eine andere als bei den meisten westlichen Putin-Kritikern. „Doch eben deshalb müsste man alles daran setzen, ihn so schnell wie möglich durch Verhandlungslösungen einzustellen.“

Ist Widerstand zwecklos?

Schließlich auch die Frage, was wir mit unserem Engagement für den Frieden überhaupt bewirken können. Haben wir als Kriegsgegner nicht verloren, lange bevor wir eine Auseinandersetzung wagen? Oder stellt sich die Frage anders: Sollten wir für das Prinzip der Gewaltlosigkeit vielleicht sogar bereit sein, unser Leben zu opfern? Hierzu schreibt Eugen Drewermann:

„Lohnt der Friede, auch wenn er in dieser Welt scheinbar ‚utopisch‘ ist, weil er keinen Ort auf Erden im Verwaltungsgebiet der Machthaber haben soll, ein derartiges Opfer? Ist er das Wert: das eigene Leben? Die Frage ist falsch gestellt. Sie lautet eigentlich: Kannst du, willst du wirklich mit dem Krieg weiterleben?“

Grund für die Verweigerung wäre somit nicht die Annahme, dass man durch sie für den Frieden als Ganzes viel erreichen könne, sondern die Erkenntnis, dass man im Fall der Unterwerfung unter die Agenda der Kriegstreiber so viel „Schaden an seiner Seele“ nähme, dass sich etwas anderes als die Verweigerung für einen Menschen von Gewissen verbietet.

Mit diesem Buch hat Eugen Drewermann die Essenz seiner Jahrzehnte überspannenden Arbeit für den Frieden und seiner geistigen Auseinandersetzung mit Krieg und Militarismus vorgelegt. Es ist, als hätte er — vor brisantem historischem Hintergrund — noch einmal all seine Kraft in diesen großen Wurf einfließen lassen, um die Menschen zu warnen. Gegenwind gab es dafür zur Genüge, gerade auch aus kirchlichen Kreisen. Sogar das sonst gemäßigte „Publik Forum“ titelte, Drewermann sei ein „Prophet auf Irrwegen“.

So mancher, der in kirchlichen Kreisen und in der christlichen Presse in Amt und Würden ist, hat längst seinen Frieden gemacht mit dem Krieg. Umso mehr sticht Drewermanns aufrechte Haltung hervor. Er gehört nicht nur zu unseren mutigsten und menschlichsten Intellektuellen — nein leider muss man sagen: Er ist einer der Wenigen aus dem Feld der Intelligenten und Belesenen, die sowohl beim Thema „Corona“‘ als auch beim Thema „Krieg“ ihren Überzeugungen trotz heftigen publizistischen Gegenwinds treu geblieben sind und sich nicht in die fast flächendeckende Propaganda-Matrix der letzten Jahre einbinden ließen.

Während Lügen oft komplizierte argumentative Wege gehen müssen, um zum Beispiel zu erklären, warum das Töten sowohl menschlich als auch christlich gerechtfertigt sein kann, ist die Wahrheit oft bestechend einfach. Aus der Perspektive eines Gottgläubigen formuliert es Eugen Drewermann so:

„Kein Staat der Erde hat das Recht, die Worte außer Kraft zu setzen, die Gott uns in das Herz geschrieben hat und die ganz einfach und kategorisch sagen: ‚Du sollst nicht töten.‘“




Hier können Sie das Buch bestellen: „Nur durch Frieden bewahren wir uns selber. Die Bergpredigt als Zeitenwende


Drewermann: Friedensrede 29.7.23 Paderborn


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Roland Rottenfußer

Roland Rottenfußer, Jahrgang 1963, war nach dem Germanistikstudium als Buchlektor und Journalist für verschiedene Verlage tätig. Von 2001 bis 2005 war er Redakteur beim spirituellen Magazin connection, später für den Zeitpunkt. Er arbeitete als Lektor, Buch-Werbetexter und Autorenscout für den Goldmann Verlag. Seit 2006 ist er Chefredakteur von Hinter den Schlagzeilen. Von 2020 bis 2023 war er Chefredakteur vom Rubikon, seit April 2022 ist er Mitherausgeber und Chefredakteur von Manova.






Info: https://www.manova.news/artikel/die-wahre-zeitenwende


unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

10.09.2023

Wie zeitgemäß ist Pazifismus?

Pazifismus gilt angesichts des russischen Angriffskriegs derzeit als wenig gesellschaftsfähig. Dabei gibt es den "Pazifismus" wie er oft pauschal verurteilt wird, eigentlich gar nicht. (Foto: IMAGO, IMAGO/Michael Schick)

SWR2 Wissen


STAND
swr.de, vom 7.9.2023, 16:00 Uhr, Rolf Cantzen


Seit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine gilt Pazifismus als unzeitgemäß. Den einen Begriff des "Pazifismus" gibt es aber gar nicht. Keinesfalls jeder Pazifist und jede Pazifistin lehnt Gewaltanwendung ab.


Audio herunterladen (28,5 MB | MP3)  (https://avdlswr-a.akamaihd.net/swr/swr2/wissen/sendungen/wissen/swr2wissen-20230908-wie-zeitgemaess-ist-pazifismus.m.mp3)

Es gibt keinen einheitlichen Begriff von Pazifismus

Das Wort "Pazifismus" kommt ursprünglich aus dem Lateinischen: "pax" = "Frieden" und "facere" = "machen". Wie der Frieden "gemacht" werden soll, durch Diplomatie, Waffengewalt oder durch gewaltfreie Mittel bleibt allerdings unklar. Genau deshalb – wegen dieser Unschärfe – konnte sich ab 1901 der Begriff "Pazifismus" innerhalb der damals wie heute sehr vielfältigen und bunten Friedensbewegung etablieren.

Unter dem Etikett "Pazifismus" sammelten sich verschiedene Vereinigungen, die sich für den Frieden einsetzen, Kriegsgefahr reduzieren und die Militarisierung verhindern wollten:


Es gibt in der wissenschaftlichen Literatur bis zu 20 verschiedene Unterscheidungen von Pazifismus.


Christlicher Pazifismus kämpft für Eindämmung jeglicher Gewalt


Die Bergpredigt bildet den spirituellen Hintergrund des christlichen Pazifismus: Du sollst nicht töten!" (Matthäus, Kapitel 5). "Leiste dem Bösen keinen Widerstand, sondern wenn dich jemand auf die rechte Wange schlägt, so halte ihm auch die andere hin." Diese Form der Moral wird auch als Gesinnungsethik bezeichnet. Es kommt letztlich auf die reine Lehre an und ein Prinzip, das in jedem Fall eingehalten werden soll.

Bekanntester Vertreter dieser von festen, unumstößlichen Prinzipien geprägten Form des gewaltfreien Pazifismus war Gandhi, der den antikolonialen Kampf in Indien gegen England gewaltfrei führte.


Bürgerliche Pazifisten wollen Kriege auf diplomatischem Wege verhindern

Der Philosoph Immanuel Kant forderte bereits im 18. Jahrhundert die diplomatische Lösung von Konflikten. So versuchten die bürgerlichen Pazifisten durch parlamentarische, völkerrechtliche Arbeit, juristische Bedingungen zu schaffen, dass es zwischen Staaten nicht zu einem Krieg kommt. Die Dinge sollten dann auf diplomatischem Weg geregelt werden.

Ein Völkerrecht soll Kriege verhindern, indem es gegen Angriffskriege auch gewaltsam vorgeht. Die Grundlagen für diese Ziele fanden sich in Kants Schrift "Zum ewigen Frieden", die äußeren Frieden mit bürgerlichen Freiheitsrechten verbindet.


In Immanuel Kants Schrift  „Zum ewigen Frieden“ fanden sich Grundlagen für die Verbindung äußeren Friedens mit bürgerlichen Freiheitsrechten.  (Foto: IMAGO,  IMAGO/H. Tschanz-Hofmann)



In Immanuel Kants Schrift "Zum ewigen Frieden" fanden sich Grundlagen für die Verbindung äußeren Friedens mit bürgerlichen Freiheitsrechten.





Kant hatte die Hoffnung, dass freie Staatsbürger nicht leichtfertig Kriege anzetteln, unter denen sie leiden müssten. Zwischen Staaten, so Kant, sollten Bündnisse entstehen – Föderationen – und Schiedsgerichte eingerichtet werden, um Konflikte vernünftig und möglichst friedlich zu lösen.

Kriege gegen Angreifer und Länder, die sich den Schiedsgerichten nicht fügten, sollten möglich sein. Die bürgerlichen Pazifisten des 19. Jahrhunderts griffen diese Gedanken auf.

Neben humanitären Gedanken bestimmten wirtschaftliche diese Strategie bürgerlicher Kräfte: Kriege seien Gift für freien Handel und freien Kapitalfluss, Gift auch für die Emanzipation des Bürgertums.

Deutschland als Obrigkeits- und Militärstaat

Anhängerinnen und Anhänger des bürgerlichen Pazifismus veranstalteten vor und nach dem Ersten Weltkrieg internationale Friedenskongresse und versuchten, in den Parlamenten Einfluss zu gewinnen.


Kaiser Wilhelm II. 1859-1941, der letzte deutsche Kaiser und König von Preußen, 1914 mit Truppen im Ersten Weltkrieg (Foto: IMAGO,  imago images/glasshouseimages)





Kaiser Wilhelm II. (1859 - 1941), der letzte deutsche Kaiser und König von Preußen, 1914 mit Truppen im Ersten Weltkrieg. Auch in dieser Zeit war Pazifismus nicht gesellschaftsfähig.




Die deutsche Arbeiterbewegung und die Sozialdemokraten, die sich in ihren hierarchisch-militärischen Strukturen der deutschen Gesellschaft anglichen, stellten Militär und Krieg nicht grundsätzlich in Frage. So stimmten Sozialdemokraten Kriegskrediten zu, wandten sich gegen Kriegsdienstverweigerer und Deserteure und unterstützen mehrheitlich den Krieg 1914 bis 1918.

Doch es gab Ende des 19. Jahrhunderts eine andere politische Minderheit, die Krieg und Militarismus kompromisslos ablehnten:


Anarcho-Syndikalisten wollten Kriege vermeiden durch Herrschaftsabbau und Entmächtigung des Staates

1891, 1893 gab es von linkssozialistischer und anarcho-syndikalistischer Seite Vorschläge, im Falle eines Kriegsausbruches zum Streik aufzurufen und auch den Kriegsdienst und den Krieg zu verweigern. In allen kriegsbeteiligten Ländern sollten Arbeiter und Bauern in den Generalstreik treten, so die Anarchisten.

Sich in Kriegen gegenseitig abzuschlachten, sei nicht im Interesse der ausgebeuteten Klassen. Deshalb müsse der Krieg verhindert werden durch eine revolutionäre Beseitigung der Staatsmacht.


Relativer Pazifismus lässt Kriege als letztes Mittel gegen Tyrannen zu

Bertrand Russell bezeichnete seinen Pazifismus als "relativen Pazifismus" . Er meinte, "dass nur sehr wenige Kriege es wert sind ausgetragen zu werden, und die Übel des Krieges fast immer schlimmer sind, als sie den aufgeheizten Bevölkerungen bei Kriegsanbruch erscheinen."

Russell hielt zum Beispiel den Krieg gegen Nazi-Deutschland für gerechtfertigt. Die Kriege der USA in Korea und Vietnam hielt er für ein Verbrechen. Individuellen Pazifismus, also Kriegsdienstverweigerung, müsse, so Russell, ein Staat akzeptieren, ansonsten müsse eine mit Militärmacht ausgestattete Weltregierung Angriffskriege notfalls gewaltsam unterbinden.

Ansonsten warnt Russell davor, dass Krieg "ungeheuerliches Leid über die Welt (bringt) und nach dem Krieg werden wir genau so wahnsinnig sein wie Hitler."


Verantwortungsethik fragt nach den Folgen eines Krieges

Verantwortungsethiker setzen nicht auf feste Prinzipien, die man einhalten soll, zum Beispiel: "Du darfst nicht töten". Sie plädieren dafür, sich immer bewusst zu machen, dass wir für die Folgen unseres Tuns und Lassens verantwortlich sind. Krieg ist deshalb schlecht, weil er von allem fast immer die schlimmeren Konsequenzen nach sich zieht als der Verzicht auf Krieg. Der Gegenentwurf hierzu ist ein militaristischer Heilsglauben, bei dem Kriegsfolgen nicht hinterfragt werden dürfen und der sich gegenüber jeglichen rationalen Überprüfung versperrt.


In Düsseldorf demonstrierten im Februar 2023 Pazifisten für Abrüstung, ein Kriegswaffenverbot und zugleich gegen den Rüstungskonzern Rheinmetall. (Foto: IMAGO, imago)



In Düsseldorf demonstrierten Pazifisten für Abrüstung, ein Kriegswaffenverbot und zugleich gegen den Rüstungskonzern Rheinmetall.




Soziale Verteidigung als Alternative zu Gewalt und Krieg

Was häufig übersehen wird: Zu Beginn des Ukraine-Krieges gab es zivile, gewaltlose Formen des Widerstands. Mitte März 2022 marschierte die russische Armee in der Stadt Slavutych ein. Als sie den Bürgermeister festgenommen hatten, hat sich eine wachsende Menge ziviler Bürger von Slavutych auf den Straßen gesammelt. Sie hielten ukrainische Symbole hoch, sangen Lieder und haben die russische Armee angelächelt, aber sie haben keinerlei Anstrengungen unternommen, Gewalt auszuüben.


Die russische Seite hat mit Schreckpatronen in die Luft geschossen. Das war eine erschreckende Aktion, aber die Demonstrantinnen und Demonstranten haben sich davon nicht beeindrucken lassen. Es gab Verhandlungen: Der Bürgermeister wurde freigelassen, die Bevölkerung wehrte sich nicht gewaltsam und ließ ihre Wohnungen auf Waffen durchsuchen. Dort gab es keine Toten.


Pazifismus gilt angesichts des russischen Angriffskriegs derzeit als wenig gesellschaftsfähig. Dabei gibt es den "Pazifismus" wie er oft pauschal verurteilt wird, eigentlich gar nicht.



Das ist natürlich vergleichsweise früh in diesem Krieg gewesen, aber in anderen Gebieten der Ukraine hat es zu diesem Zeitpunkt schon ganz schlimme Auseinandersetzungen mit viel Toten gegeben, in Slavutych nicht . Peter Bürger, Theologe ind Friedensaktivist



Pazifismus gilt angesichts des russischen Angriffskriegs derzeit als wenig gesellschaftsfähig. Gegendemonstration zu einer Friedensdemo in Bonn mit Schild: Frieden mit Terroristen Nein Danke (Foto: IMAGO, IMAGO/MARC JOHN)







Feindbild "Pazifismus"


Zeitgemäß ist zweifellos das Feindbild "Pazifismus". Differenzierungen bleiben auf der Strecke. So geraten Korrektive zur herrschenden Kriegslogik aus dem Blick, gewaltfreie Alternativen ebenso – und, wie in jedem Krieg, auch die, die sich dem Krieg entziehen wollen, pazifistische Kriegsdienstverweigerer und Deserteure. Sie werden auch heute in vielen Ländern wieder verfolgt und inhaftiert. Auch Frieden im Ukrainekrieg scheint in weiter Ferne:


Beide Kriegsparteien setzen auf einen Sieg. Das ist Massenmord mit ungewissem Ausgang, denn Kriege verlaufen selten wie geplant. Man spricht von Abnutzungskrieg. Abgenutzt werden dabei Menschen, Tag für Tag. Friedensaktivist Rudi Friedrich auf einer Demo in Berlin


Manuskript zur Sendung  ( https://www.swr.de/swr2/wissen/wie-zeitgemaess-ist-pazifismus-swr2-wissen-2023-09-08-102.pdf) Sendung vom Fr., 8.9.2023 8:30 Uhr, SWR2 Wissen, SWR2



Bildung Friedenspädagogik – In der Schule über Krieg sprechen


Archivradio-Gespräch Die deutsche Friedensbewegung – Was bleibt vom Pazifismus?


Geschichte Käthe Kollwitz – Friedensaktivistin und Grafikerin


Geschichte Der Internationale Frauenfriedenskongress 1915


15.6.1983 Heiner Geißler: "Pazifismus hat Auschwitz erst möglich gemacht"


15.6.1983 Geißler, der Pazifismus und Auschwitz – Kritik von Hildegard Hamm-Brücher


13.5.1999 Grüner Außenminister Joschka Fischer für Kriegseinsatz der Bundeswehr im Kosovo


Krieg und Frieden Wie zeitgemäß ist Pazifismus?


Umwelt Rechte der Natur – Wenn Flüsse, Pflanzen und Tiere klagen könnten

Mi.18.10.2023 8:30 Uhr SWR2 Wissen SWR2


Porträt Andrej Sacharow – Vom Bombenbauer zum Menschenrechtler

Mo.9.10.2023 8:30 Uhr SWR2 Wissen SWR2


Geschichte Wikinger und Wikingerinnen – Abschied vom Krieger-Mythos

Do.5.10.2023 8:30 Uhr SWR2 Wissen SWR2


Archivradio-Gespräch Fluchtpunkt Deutschland – Von der Nachkriegszeit bis zum Asylkompromiss

Di.3.10.2023 15:05 Uhr SWR2 Wissen: Archivradio SWR2


Psychologie Posttraumatische Belastungsstörungen – Welche Therapien helfen können


Info: https://www.swr.de/swr2/wissen/wie-zeitgemaess-ist-pazifismus-swr2-wissen-2023-09-08-104.html

10.09.2023

G-20 kriegt die Kurve – und schont Russland

lostineu.eu, vom 9. September 2023

Der G-20-Gipfel in Neu Delhi hat doch noch die Kurve gekriegt. Die Staats- und Regierungschefs einigten sich auf eine Abschlusserklärung – doch die schont Russland.

Die G20 verständigten sich auf einen Kompromiss, in dem alle Länder unter Verweis auf die Charta der Vereinten Nationen aufgefordert werden, von Angriffen auf die territoriale Integrität oder Unabhängigkeit eines Staates abzusehen. Zudem wird der Einsatz oder die Androhung des Einsatzes von Atomwaffen als unzulässig bezeichnet. 

Eine klare Verurteilung Russlands ist das jedoch nicht. Als Zugeständnis an die BRICS-Staaten wurde zudem vereinbart, die Verschuldungsproblematik von Entwicklungs- und Schwellenländern „auf wirksame, umfassende und systematische Weise“ anzugehen. Doch auch diese Ankündigung bleibt reichlich vage.

Kanzler Scholz sprach dennoch von einem Erfolg. Er sprach von einem „sehr erfolgreichen Gipfel mit guten Ergebnissen“, die weiter gegangen seien, als das viele im Vorfeld befürchtet hätten. Die Einigung auf eine Abschlusserklärung sei auch ein Erfolg der G20-Ratspräsidentschaft gewesen. 

Sie liegt bei Indien – einem Mitglied der BRICS…

Siehe auch „Beim G-20-Gipfel droht ein Scheitern“

3 Comments

  1. Katla
    10. September 2023 @ 09:24

    Wenn man das als Erfolg sehen kann, dass überhaupt eine Erklärung zustandegekommen ist – bei so hochrangigen diplomatischen Formaten eigentlich das Mindeste an Output.
    In anderer Hinsicht ein wichtiges Statement: der Westen hat nicht mehr die allumfassende Definitionsmacht in den internationalen Beziehungen. Was die demographischen Proportionen auf dem Planeten betrifft, ist das eine gute Sache. Was die Handlungsfähigkeit und die Glaubwürdigkeit des Westen betrifft, ist das eine Katastrophe mit Ansage. Ob die westlichen Politiker die deutlichen Signale zu deuten wissen?

Reply

  • Hans-Heiko Schlottke
    10. September 2023 @ 08:52

    Alle Länder sollen dem Abschlussdokument zufolge von Angriffen auf die territoriale Integrität und Unabhängigkeit einer Staates absehen. Schöne Worte, denen gewiss auch die Herren Biden und Erdogan zugestimmt haben – die gleichzeitig mit ihren Aktivitäten etwa in Syrien deutlich machen, dass sie nicht daran denken, selbst jene Ansprüche zu erfüllen, die sie an andere stellen. Fazit: hohles Gipfelgeschwätz, das zeigt, dass der G20-Zirkus überflüssig ist.

    Reply

  • KK
    9. September 2023 @ 19:39

    „Zudem wird der Einsatz oder die Androhung des Einsatzes von Atomwaffen als unzulässig bezeichnet. “
    Das richtet sich ausdrücklich auch an die USA, denn nur dort wird seit einiger Zeit über den Einsatz kleinerer, taktischer Atomwaffen in Planspielen ernsthaft nachgedacht.
    Russland hält sich das offen, falls zugunsten der Ukraine mit den USA, UK und Frankreich bis zu drei Atommächte, die alle nie ausdrücklich auf einen Erstschlag verzichten wollten (im Gegensatz zur SU und China übrigens), eingreifen sollten.


  • Info: https://lostineu.eu/g-20-kriegt-die-kurve-und-schont-russland


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    10.09.2023

    Nachrichten von Pressenza: WWF-Bericht: Österreichs Wälder in besorgniserregendem Zustand

    aus e-.mail von  <newsletter@pressenza.com>, 10. September 2023, 7:15 Uhr


    Nachrichten von Pressenza - 10.09.2023


    WWF-Bericht: Österreichs Wälder in besorgniserregendem Zustand


    Der WWF fordert einen strengeren Schutz der letzten Ur- und Naturwälder, eine größere Naturnähe von Wirtschaftswäldern und eine Intensivierung der Wald-Forschung. Die Naturschutzorganisation WWF kritisiert in einem neuen Bericht den unzureichenden Schutz des Waldes in Österreich. Demnach befinden sich in&hellip;

    http://www.pressenza.net/?l=de&track=2023/09/wwf-bericht-oesterreichs-waelder-in-besorgniserregendem-zustand/


     -----------------------


    Was sie über Krieg und Gewalt sagen und was sie nicht sagen: die humanistische Position


    Bevor wir mit der Darlegung unserer Vorschläge zur gegenwärtigen problematischen Kriegssituation beginnen, halten wir es für angebracht, einige unserer Grundsätze und Überzeugungen darzulegen, die bei der Betrachtung der aktuellen Situation zum Tragen kommen, insbesondere im Hinblick auf kriegerische Konflikte und&hellip;

    http://www.pressenza.net/?l=de&track=2023/09/was-sie-ueber-krieg-und-gewalt-sagen-und-was-sie-nicht-sagen-die-humanistische-position/


     -----------------------


    Pressenza - ist eine internationale Presseagentur, die sich auf Nachrichten zu den Themen Frieden und Gewaltfreiheit spezialisiert hat, mit Vertretungen in Athen, Barcelona, Berlin, Bordeaux, Brüssel, Budapest, Buenos Aires, Florenz, Lima, London, Madrid, Mailand, Manila, Mar del Plata, Montreal, München, New York, Paris, Porto, Quito, Rom, Santiago, Sao Paulo, Turin, Valencia und Wien.


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    09.09.2023

    Mikrosteuer statt Mehrwertsteuer: Volksinitiative gestartet

    infosperber.ch, 6.03.2020, Urs P. Gasche  Ab sofort braucht es innert 18 Monaten über 100'000 Unterschriften für eine radikale Steuerreform. Initianten gaben Startschuss.

    Die parteiunabhängigen Initiantinnen und Initianten wollen den heute «unübersichtlichen Flickenteppich von archaischen Steuern» beseitigen und die bürokratische Mehrwertsteuer, die Bundessteuern und die Stempelsteuern schrittweise ersetzen durch eine einfache Besteuerung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs.


    Am Freitag, 6. März, wurde die Initiative der Öffentlichkeit in Zürich vorgestellt. Infosperber veröffentlicht den dort präsentierten endgültigen Initiativtext sowie die Präsentationen:


    Zur Mikrosteuer hat Infosperber ein ganzes Dossier zusammengestellt:


    Ziel ist auch eine Disziplinierung der Finanzindustrie

    Hinter der Initiative stehen zwei pensionierte Banker. Felix Bolliger arbeitete bei Julius Bär und der Credit Suisse. Jacob Zgraggen war Mitglied der Geschäftsleitung der Bank Julius Bär. Im Initiativkomitee ist auch Marc Chesney, Finanzprofessor an der Universität Zürich.


    Die drei kritisieren, dass die Finanzwirtschaft weitgehend zu einem Spekulationscasino geworden sei, das mit der realen Wirtschaft nur noch wenig zu tun habe und für die gesamte Wirtschaft ein Systemrisiko darstelle. Konservativ geschätzt entspreche der elektronische Zahlungsverkehr in der Schweiz dem 150-Fachen des Bruttoinlandprodukts. Würde jede Transaktion mit 0,2 Prozent Steuern belastet (je 0,1 Prozent auf jeder Belastung und jeder Gutschrift), könne die Eidgenossenschaft 200 Milliarden Franken einnehmen. Im Vergleich dazu belaufen sich sämtliche Steuereinnahmen von Bund, Kantonen und Gemeinden zusammen auf 145 Milliarden Franken.


    Die Initianten würden es begrüssen, wenn Teile des rein spekulativen Hochfrequenzhandels mit Wertpapieren und Teile der internationalen Fluchtgelder die Schweiz nach Einführung einer Mikrosteuer verlassen. Kriminelle Fluchtgelder und internationale Hedgefunds würden nur der Reputation unseres Finanzplatzes schaden, meinte Ex-Banker Jakob Zgraggen.


    Selbst unter der unrealistisch extremen Annahme, dass 80 Prozent der heutigen elektronischen Transaktionen ins Ausland abwandern würden, brächte eine Mikrosteuer von 0,3 Prozent nach Angaben von Professor Marc Chesney noch 60 Milliarden Franken ein – immer noch mehr als genug, um alle diese drei Steuern abzuschaffen.


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    Hier sind Unterschriftenbogen erhältlich.
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    Infosperber-DOSSIER zur Mikrosteuer:

    Weiterführende Informationen


    Info: https://www.infosperber.ch/gesellschaft/steuern-abgaben/mikrosteuer-statt-mehrwertsteuer-volksinitiative-gestartet


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    09.09.2023

    Die Momo-Bewegung

    manova.news,vom Freitag, vom 08. September 2023, 12:00 Uhr, von Katrin Nagel

    In Anlehnung an Michael Endes Buch wollen einige Aktivisten den Zeitdieben nun auch in der Realität Paroli bieten.


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                                   Foto: ra2 studio/Shutterstock.com


    Einander zuhören und füreinander da sein. Sich Zeit nehmen und immaterielle Werte höher schätzen als den Gelderwerb. Dem Natürlichen und der Fantasie im Leben mehr Gewicht geben als synthetischen und vorgekauten Träumen. Seine Individualität verwirklichen, anstatt sich dem Gleichschaltungsdruck einer hektischen, materialistischen Welt zu fügen... Die Anregungen, die man aus Michael Endes Jugendbuchklassiker „Momo“ entnehmen kann, sind mannigfaltig. Fast jeder Leser stimmt der Momo-Philosophie von Herzen zu. Aber sollte man nicht noch einen Schritt weitergehen und diese in unserer alltäglichen Realität umsetzen? Tatsächlich gibt es jetzt eine Momo-Bewegung, die ein Manifest veröffentlicht hat. Zu ihren Forderungen gehört eine radikale Geldreform. Denn ein falsches Geldsystem ist es, dem wir heute einen solch massiven Diebstahl an Zeit und Lebensfreude zu verdanken haben.


    Von Katrin Nagel

    „Du veränderst Dinge nicht, indem Du die bestehende Realität bekämpfst. Um etwas zu verändern, musst Du ein neues Modell erschaffen, welches das bestehende Modell überflüssig macht“, so der amerikanische Architekt und Visionär R. Buckminster Fuller (1895 bis 1983).

    Die Momo Bewegung ist die Verbindung von Menschen, die sich mit Momo und den damit verbundenen menschlichen Grundwerten identifizieren und an einer neuen Welt mitbauen möchten.


    Wer ist Momo? Zuhören für den Frieden

    Momo ist die Hauptperson in Michael Endes gleichnamiger Geschichte. Der Roman erschien 1973 mit dem Untertitel „Die seltsame Geschichte von den Zeit-Dieben und von dem Kind, das den Menschen die gestohlene Zeit zurückbrachte“.


    Das kleine Waisenkind Momo hat eine besondere Gabe, sie kann zuhören. Eines Tages tauchen die grauen Herren auf, die glatzköpfigen Agenten der Zeitsparkasse (Banken). Sie bieten den Menschen einen Tausch an: Karriere gegen Lebenszeit. Mit den Worten „Zeit ist Geld“ bringen sie die Menschen dazu, die eigene Zeit zu sparen, um sie für später sicher und verzinst aufzubewahren. In Wahrheit werden die Menschen um ihre Zeit betrogen, denn während sie versuchen, Zeit zu sparen, vergessen sie, im Hier und Jetzt zu leben. Sie geraten in ein Hamsterrad aus Stress und Hektik, sind gereizt und haben keine Zeit mehr für ihre Mitmenschen und das Schöne im Leben. Die Kinder spüren diese Auswirkungen und organisieren eine Demonstration, doch die Erwachsenen haben keine Zeit hinzugehen. Sie sind in ihrem beruflichen Alltag gefangen.

    Die Geschichte weist auf die falschen Strukturen der Geldordnung hin, in der eine Klasse von Ausbeutern, die sogenannten „Grauen Herren“ (die Besitzenden), der Menschheit die Lebenszeit aussaugt. Beherrscht wird dieses System von anonymen Befehlshabern, im Volksmund „Die Hochfinanz“ beziehungsweise „Das Kapital“. Weiter heißt es, eine theoretische Aufklärung sei nicht ausreichend, es muss eine geistig-seelische Umorientierung stattfinden. Momo stellt einem Grauen Herrn die entscheidende Frage: „Hat dich denn keiner lieb?“


    Finanzkritik: Neues Geld, neue Welt

    Die Geschichte spricht unser Geldsystem, den Finanzkapitalismus, als gesellschaftliches Grundproblem an. In einem Brief schreibt Michael Ende: „Gerade mit den Gedanken Steiners und Gesells habe ich mich in den letzten Jahren intensiver beschäftigt, da ich zu der Ansicht gelangt bin, dass unsere Kulturfrage nicht gelöst werden kann, ohne dass zugleich, oder sogar vorher, die Geldfrage gelöst wird.“ Überdenken wir unser Geldsystem, könnten wir das Konsumverhalten, die daraus resultierende Umweltverschmutzung und Kriege eindämmen.

    Eine demokratische Geldreform könnte den ständigen Klassenkampf zwischen den Besitzenden und Besitzlosen sanft beenden und die soziale Schere wieder schließen. Andere Bereiche wie zum Beispiel das Bildungs-, Gesundheits- und Mediensystem würden sich mit den neuen gerechten Machtverhältnissen automatisch neu organisieren und verbessern.

    Die Geldkritiker von heute sind die Retter von morgen. Geld an sich ist nichts Schlechtes, es dient uns als Tauschmittel. Geld ist eine Form der Energie, wohin wir investieren, dahin fließt die Energie. Wird in Bildung investiert, können mehr Menschen sich diesem Bereich beruflich widmen und er gewinnt gesamtgesellschaftlich an Bedeutung. Investieren wir in die Rüstungsindustrie, arbeiten Menschen für den Krieg und bauen diesen Bereich weiter aus.


    „Geld an sich ist wertlos, es ist bedrucktes Papier, erst der Glaube daran schafft seinen Wert“, heißt es im Spielfilm „Das Wunder von Wörgl“ (2018). Der Film basiert auf einer wahren Begebenheit um das Jahr 1932. Das österreichische Dorf hat „Rohstoffe, Maschinen und Arbeitskräfte, was fehlt ist ein lächerliches Tauschmittel“, so der damalige Bürgermeister. Um den finanziellen Bankrott abzuwenden und der wirtschaftlichen Notlage Herr zu werden, beschließt der Gemeinderat, eine eigene Währung zu drucken: bedruckte Scheine mit einer Umlaufsicherungsgebühr. Dieses Konzept findet sich auch bei Rudolf Steiner unter dem Begriff „alterndes Geld“. Er sagte, dass wir erleben müssen, wie Geld altert – ähnlich zu Kartoffeln. Es ist ein Tauschmittel für Waren und nichts anderes –, deren Wesen darin besteht, hervorgebracht und über kurz oder lang konsumiert zu werden. Die Geldscheine werden daher mit einem Ablaufdatum versehen. Nach Ablauf dieser Frist wird eine Anti-Hortungsgebühr fällig. Wenn Geld im Umlauf ist, erhöht es die Kaufkraft, den Energiefluss und Wohlstand. Es kann – wie in Wörgl – zum Wirtschaftswunder führen, ohne jemandem etwas wegzunehmen.


    Der Film lehnt sich an die Idee von Silvio Gesell an, indem von „rostenden Banknoten“ die Rede ist. Die Wurzel allen Übels war für den Sozialreformer die Hortbarkeit von Geld und die Möglichkeit, es durch Zins und Zinseszins zu vermehren. Durch die Verzinsung wird ständig neues Geld geschaffen. Wachstumszwang kommt aus dem Zinswesen, da immer mehr geschaffen/gearbeitet werden muss, um die Zinsschuld zu tilgen. Dadurch werden die Banken/Aktionäre reicher und der Lohnarbeiter bleibt abhängig und arm (Lohnsklave). Die Wertschöpfung, das neu geschaffene Geld, kommt nur den Geldgebern, den Banken oder Aktionären zugute. Dieses neue Geld bleibt solange im Finanzmarkt versteckt, bis das Betrugssystem durch Inflation sichtbar wird. Um die akute Bedrohung durch steigende Preise anzugehen, stellen „Momos“ die zugrunde liegende Frage der Geldschöpfung: Was ist und wodurch entsteht Geldschöpfung? Wer bekommt den Profit der Geldschöpfung? Ein konkreter Vorschlag wäre, dieses Geld in die Hand des Volkes/ der Gemeinschaft zu legen. Das Finanzsystem soll für jedermann verständlich sein.


    Michael Ende (1929 bis 1995), der als Leitfigur der Bewegung dient, machte zeitlebens darauf aufmerksam, ein nicht-kapitalistisches System auszuprobieren. Damit schließt er auch den Marxismus aus, da dieser aus seiner Sicht „keinen echten Anti-Kapitalismus“ darstellt, sondern eine Form des Staats-Kapitalismus. Beide Kapitalismen geben uns nur die Wahl zwischen einer ökologischen oder einer ökonomischen Katastrophe. Er war der Meinung, der dritte Weltkrieg hätte schon seit dem Beginn der 80er Jahre begonnen. Nur wird dieser nicht territorial ausgefochten, sondern es handelt sich um einen langwierigen Krieg gegen die Zukunft unserer Kinder.


    Die Momo Vision

    Die „Momos“ stellen fundamentale menschliche Werte in den Mittelpunkt der Bewegung. „Mensch sein, heißt, offline sein. Es heißt, ich sehe dich, ich höre dir zu, ich nehme mir Zeit für dich“ (ein Momo Gedanke).


    Zuhören meint im weiteren Sinne, sich verbinden und vernetzen, miteinander in den Austausch treten. In kreativen Kunst- Musik- und Theater-Projekten wie beispielsweise einem unsichtbaren Theater oder Street Art werden konstruktive Lösungsvorschläge eingebaut, um die Aufmerksamkeit auf das humanistische Weltbild zu lenken und den Glauben an das Happy End – das Morgenland – zu stärken. Ziel ist es, Rückhalt in der Bevölkerung zu gewinnen. Die Menschen sollen sich an ihre eigene Schöpferkraft erinnern und wieder zum Träumen angeregt werden, vom Traum einer friedlichen Zukunft. Zusätzlich soll die Momo-Bewegung den mutigen Ökonomen einen gesellschaftlichen Rückhalt bieten, damit die demokratische Debatte endlich losgetreten werden kann.


    Das Momo-Manifest

    Wir Momos erkennen an…

    1. … dass niemand in Erfahrung bringen kann, wer über Frieden oder Krieg entscheidet, weil „die anonymen Befehlshaber“ es nicht zulassen.
    2. … dass das Finanzsystem ein Betrugssystem ist. Das Zinswesen beutet die arbeitende Bevölkerung seit Jahrzehnten durch versteckte Kosten aus (Zinslast), erzwingt zusätzlich einen krankhaften Wachstumszwang und ist die Grundursache für die unaufhaltsame Inflation (stille Enteignung).
    3. … dass die reichsten Menschen ihr gutes Ansehen in der Gesellschaft nicht durch gute Taten erlangt haben, sondern durch Ausbeutung, Betrug und Marketing. Gleiches gilt für ihre Großkonzerne.
    4. … dass mit dem jetzigen Geld – zum Beispiel der Euro – kein Frieden mehr möglich ist, weil die Skrupellosesten das meiste davon besitzen und dadurch Wissenschaftler, Journalisten, Politiker und Richter jederzeit belohnen oder bestrafen können.
    5. … dass man ihre Macht nur brechen kann, wenn alle Individuen – zum Beispiel Soldaten & Mainstream-Journalisten – befreit werden, indem sie es sich finanziell leisten können, einen unethischen Auftrag spontan zu verweigern.
    6. … dass die Nicht-Superreichen ihr eigenes Geld schaffen müssen, um den Frieden auf Erden wieder herzustellen.
    7. … dass, wenn dieses Geld eine Umlaufsicherungsgebühr bekommt, der Reichtum und die Macht sich ganz natürlich dezentralisieren werden, die Wirtschaft wieder aufblühen wird und wir Menschen unserer Berufung wieder nachgehen können, wodurch das Konsumverhalten wieder heilt („Das fließende Geld“). Dies ist der Traum von vielen Geldkritikern, unter anderem auch von Michael Ende. Seinen Traum wollen wir 50 Jahre später endlich verwirklichen!

    In seinem Buch „Momo“ nannte er es: Das Morgen-Land.


    Ein Momo werden

    So wie man alle Menschen, die sich für eine friedliche Konfliktlösung einsetzen, als eine Friedensbewegung sehen kann, so kann man auch die Momo-Bewegung verstehen.

    Wer die Zukunftsängste verjagt und Humor verbreitet, ist ein „Momo". Wer die „Rumpelstilzchen“ entlarvt, ist ein Momo. Wer gut zuhören kann, ist ein Momo. Wer die Geldkritik unterrichtet beziehungsweise die Geschichte Momo und ihre ökonomischen Hintergründe erklärt, ist ein Momo. Wer sich für ein humanes System engagiert, ist ein Momo.

    Im Telegram-Kanal „Die Momo-Bewegung“ sind aktuell etwa 2.400 Mitglieder. Es finden regelmäßig Livecalls – derzeit Sonntag abends 20:30 Uhr – zum Kennenlernen und Austauschen statt. In der Untergruppe „Momo-Gespräche" gibt es aktive Chatgruppen geordnet nach Bundesländern, Fragen und Vorschläge, Momo-Links und Einladung zu Momo-Events. Bei geselligen Abenden können sich Projektgemeinschaften bilden, es soll Spaß machen und gemütlich sein.


    Die Momo-Bewegung hat keinen Anführer. Bei den „Momos“ wirkt lediglich Michael Ende (verstorben am 28. August 1995) als intelligenter Prophet und Vordenker, seine fiktive Figur Momo als Vorbild. Er schrieb für das Kind im Menschen, das Kind, das gerne spielt, das staunt und die Welt verstehen will. Das Kind in jedem von uns. Momo ist der Appell an das Kind in uns. „Momo sein“ ist eine Lebenseinstellung. Dieses Jahr feiert die Geschichte sein 50-jähriges Bestehen, ein Märchen wird erwachsen. Kritische Ökonomen und nun erwachsene Kinder aus jeder Bildungs- und Gesellschaftsschicht setzen sich zusammen und diskutieren Lösungsansätze für eine humane Gesellschaftsordnung. Ein bereits viel diskutierte Idee ist die humane Marktwirtschaft. Sie hat zum Ziel, dass es allen Menschen so gut wie möglich geht.


    Die humane Marktwirtschaft soll den Menschen dienen, nicht dem Kapital. Im jetzigen System arbeiten alle dafür, dass wenige immer reicher werden. „Es wird funktionieren, aber die werden es nie zulassen“, so Peter Haisenko im Interview der Dokumentation "Plan B“. Geld ist nur dann etwas wert, wenn jemand bereit ist, dafür zu arbeiten. Haisenko stellt ein System dar, das dauerhaft stabil sein soll, das das Vertrauen in die Gesellschaft repariert und gleichzeitig die Herrschaftsmacht reduziert. Für diesen grundlegenden Wandel ist eine breite Unterstützung aus der Bevölkerung notwendig.


    Man hat nur eine Stunde Zeit, um die Welt zu retten, so heißt es in der Geschichte. Diese Stunde hat in unserer Realität bereits mit der spürbaren Inflation und dem Great Reset begonnen. Die Politiker dienen den Reichen und die Reichen kontrollieren die Medien. Im Rahmen der Globalisierung und Digitalisierung werden Überwachungssysteme auf der ganzen Welt etabliert und das Bargeld zunehmend reduziert. Eine Geldreform ist für „Momos" die wichtigste Maßnahme, dieser Gefährdung entgegenzusteuern. Hamburger „Momos" haben bereits damit angefangen, die Geldscheine der alten Geldordnung mit einem Momo-Stempel zu verzieren. Der Stempel zeigt das Herz-Symbol mit einer „MOMO“-Inschrift.


    Ein gemeinsames Zukunftsbild

    Zahlreiche Ökonomen und kritische Geister teilen in Alternativmedien ihre Vorstellungen und Ideen für eine bessere Gesellschaftsordnung. Nicht selten fehlt die Vernetzung und Unterstützung dieser Wissensträger untereinander. Der Traum von einer besseren Welt sollte alle einen, doch die herrschende Macht ist stets bemüht, diese Vernetzung zu unterbinden. „Divide et impera“ („Teile und herrsche“) war schon im Römischen Reich die Maxime zur Machterhaltung.

    Was fehlt, ist die gemeinsame Vision, ein Bild der Zukunft. Kreativität ist mächtig. Das Bild von Momo kann hier Sinn stiftend und verbindend wirken. Die Idee verkörpern, gemeinsam an einer neuen Friedensordnung mitzuwirken.

    Nicht zu resignieren oder in Parallelgesellschaften zu flüchten, sondern seine Mitmenschen auf den Momo Gedanken aufmerksam machen, sie aufzuklären und an ihre Rechte zu erinnern, sie zu animieren, sich zu informieren. Sich eine eigene Meinung zu bilden, mit- und weiterzudenken. Sich gegenseitig zu unterstützen. „Momos“ wollen ein Gefühl der Fülle erreichen über ein fließendes Geldsystem. Die Geldreform ist das gemeinsame Ziel.


    Quellen und Anmerkungen:


    Filme:

    • Die Momo-Bewegung (2023) Einladungsfilm auf Odyssee (49min)/ Eröffnungsvideo der Momo-Bewegung auf zivilcourage.tv von Lui Koray
    • Die Momo-Lösung auf zivilcourage.tv von Lui Koray
    • Momo Film (1986)
    • Das Wunder von Wörgl (2018)
    • Die Deutschen und ihr Geldsystem (2022)


    Weiterführende Konzepte/Ideen:

    • Peter Haisenko: Plan B - Die Humane Marktwirtschaft
    • Silvio Gesell: Rostende Banknoten
    • Rudolf Steiner: Alterndes Geld, Soziale Dreigliederung
    • Briefkorrespondenz 1986, Werner Onken Herausgeber der „Zeitschrift für Sozialökonomie“


    Info: https://www.manova.news/artikel/die-momo-bewegung


    unser Kommentar: Welch Zuversicht hier wieder möglich ist und entsteht!

    09.09.2023

    Neues vom Wirtschaftskrieg (226): G-20-Gipfel droht zu scheitern

    lostineu.eu, vom 8. September 2023

    Der Wirtschaftskrieg der USA gegen China bremst das Wachstum. Die EU wird vorerst kein Verbot für den umstrittenen Import von russischem Flüssiggas verhängen. Und Michel hält Scheitern des G20-Gipfels für möglich.

    • EU hält Scheitern des G20-Gipfels für möglich. Der G20-Gipfel der führenden Industrie- und Schwellenländer könnte nach Einschätzung der EU ohne gemeinsame Abschlusserklärung enden. Es sei schwierig vorherzusagen, ob es möglich sein werde, sich zu verständigen, sagte EU-Ratspräsident Charles Michel vor dem Beginn des Spitzentreffens in der indischen Hauptstadt Neu Delhi. Ein Grund sei, dass es für einige Staaten in diesem Jahr schwieriger zu sein scheine, einer klaren Verurteilung Russlands für den Angriffskrieg gegen die Ukraine zuzustimmen, so Michel. Als weitere Beispiele für strittige Themen nannte er den Kampf gegen den Klimawandel, Pläne für eine Reform der internationalen Finanzarchitektur sowie die Unterstützung für Entwicklungsländer. (dpa) Die Präsidenten Russlands und Chinas schwänzen den Gipfel – mit den BRICS plus haben sie ein eigenes Format. Wenn es in Neu Delhi am Ende kein Kommuniqué gibt, könnte dies der letzte G-20-Gipfel gewesen sein…
    • Die Europäische Union wird nach den Worten der spanischen Wirtschaftsministerin Teresa Ribera vorerst kein Verbot für den umstrittenen Import von russischem Flüssiggas (LNG) verhängen. „Es herrscht ein Gefühl der Knappheit und der Angst“, sagte Ribera der Nachrichtenagentur Reuters mit Blick auf die Versorgungssicherheit. Neue Turbulenzen sollten vermieden werden. Spanien hat bis Ende Dezember die rotierende EU-Ratspräsidentschaft inne und kann damit besonders starken Einfluss auf Entscheidungen in Brüssel nehmen. Die europäischen Einfuhren von russischem Flüssiggas sind zwischen Januar und Juli um 40 Prozent gestiegen, verglichen mit dem gleichen Zeitraum im Jahr 2021 – also vor Beginn des Kriegs gegen die Ukraine.
    • Wirtschaftskrieg der USA gegen China bremst das Wachstum. Chinas Wirtschaft verlangsamt sich. Aktuelle Prognosen gehen davon aus, dass Chinas BIP-Wachstum im Jahr 2023 weniger als fünf Prozent betragen wird, was unter den Prognosen des letzten Jahres und weit unter den hohen Wachstumsraten liegt, die China bis Ende der 2010er-Jahre verzeichnete. Die westliche Presse ist voll von Chinas angeblichen Verfehlungen: eine Finanzkrise auf dem Immobilienmarkt, ein allgemein zu hoher Schuldenstand und andere Übel. Doch ein Großteil der Verlangsamung ist das Ergebnis von US-Maßnahmen, die darauf abzielen, Chinas Wachstum zu bremsen. (Jeffrey D. Sachs in telepolis)

    Mehr zum Wirtschaftskrieg hier

    1 Comment

    1. Helmut Höft
      8. September 2023 @ 19:35

      Wirtschaftskrieg der USA gegen China bremst das Wachstum. China schießt nun gegen Apple – zweitwichtigster Markt für Apple: China –, der Aktienkurs des Apfels hat aktuell ~ 200 Mrd$ eingebüßt … Es geht voran: Tit for tat. Man greift sich an den Kopf und fasst ins Leere.


    Info: https://lostineu.eu/neues-vom-wirtschaftskrieg-226-g-20-gipfel-droht-zu-scheitern


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    09.09.2023

    Nachrichten von Pressenza: Schulbau: Wie die Howoge ganz Berlin ruiniert

    aus e-mail von <newsletter@pressenza.com>, 9. September 2023, 7:15 Uhr


    Nachrichten von Pressenza - 09.09.2023


    Schulbau: Wie die Howoge ganz Berlin ruiniert


    Gemeingut in BürgerInnenhand (GiB) zeigt sich entsetzt über die neuerliche Kostenexplosion beim Schulbau durch die Howoge. Gestern hatte der Berliner Senat bekannt gegeben, den Kreditrahmen der Howoge auf 5,6 Milliarden Euro auszuweiten. Dafür soll die Howoge 16.000 Schulplätze neu bauen&hellip;

    http://www.pressenza.net/?l=de&track=2023/09/schulbau-wie-die-howoge-ganz-berlin-ruiniert/


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    BRICS und die Zukunft der Menschheit


    Eine Welt, in der Staaten ein gleichberechtigtes Verhältnis zueinander haben und die Unterschiedlichkeit von Geschlecht, Rasse, Abstimmung keine Rolle mehr spielt, ist sicherlich interessanter als eine Welt, die von einer einzigen Macht, den Vereinigten Staaten, zusammen mit Europa beherrscht wird.&hellip;

    http://www.pressenza.net/?l=de&track=2023/09/brics-und-die-zukunft-der-menschheit/


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    Völkerrecht nach Belieben: Kosovo, Krim, Türkei – jetzt Niger


    Viele Schlagzeilen: «ECOWAS plant militärisches Eingreifen in Niger». Doch niemand informiert, ob das völkerrechtlich erlaubt wäre. Urs P. Gasche für die Online-Zeitung INFOsperber Nach dem Militärputsch in Niger schweigen sich Politiker und Medien darüber aus, ob ein militärisches Eingreifen der&hellip;

    http://www.pressenza.net/?l=de&track=2023/09/voelkerrecht-nach-belieben-kosovo-krim-tuerkei-jetzt-niger/


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    Pressenza - ist eine internationale Presseagentur, die sich auf Nachrichten zu den Themen Frieden und Gewaltfreiheit spezialisiert hat, mit Vertretungen in Athen, Barcelona, Berlin, Bordeaux, Brüssel, Budapest, Buenos Aires, Florenz, Lima, London, Madrid, Mailand, Manila, Mar del Plata, Montreal, München, New York, Paris, Porto, Quito, Rom, Santiago, Sao Paulo, Turin, Valencia und Wien.


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    09.09.2023

    Danny Haiphong und Scott Ritter: Eine Reise nach Russland

    seniora.org, 07. September 2023, 5. September 2023 (Datum der Veröffentlichung auf Youtube)

    Ein herzerwärmender Bericht über Russland, die russische Kultur und die russischen Menschen. Gut für's Gemüt in medial aufgeheizter Zeit!

     

    Das Transkript und die Übersetzung besorgte Andreas Mylaeus

    Danny Haiphong:

    Nun, Scott, ich weiß, Sie sind kürzlich aus Russland zurückgekehrt. Ich war gerade im Land der EU, wie ich es nenne. Ich war in mehreren Ländern. Ich war gerade im Urlaub. Aber ich konnte zumindest aus einer begrenzten Perspektive genau sehen, was in Europa vor sich geht. Aber ich würde gerne etwas über Ihre Erfahrungen in Russland erfahren.

    Ich weiß, dass Sie eine Tournee zu Ihrem Buch "Disarmament In The Time of Perestroika   – Arms Control in The End of The Soviet Union" (Abrüstung in der Zeit der Perestroika   – Rüstungskontrolle am Ende der Sowjetunion) gemacht haben, das jeder bei Clarity Press erwerben sollte. Aber erzählen Sie uns von Ihren Erfahrungen. Wie war es, nach Russland zu reisen? Was auch immer Sie hervorheben möchten. Denn Russland ist derzeit ein geheimnisvoller und gefährlicher Ort, angesichts des ganzen Lärms, den das außenpolitische Establishment der USA, die NATO usw. machen.

    Scott Ritter:

    Nun, ich werde nicht lügen. Es war... Der Gedanke, nach Russland zu reisen, war interessant. Zunächst einmal dachte ich wirklich, dass meine Regierung mich aufhalten würde. Dass sie mich daran hindern würden, das Flugzeug zu besteigen. Und so war ich angenehm überrascht, als ich an Bord gehen durfte und wir von Istanbul nach Nowosibirsk flogen, das unser Einreiseort war. Nicht viele Amerikaner, nicht viele Ausländer kommen nach Nowosibirsk. Die meisten Leute kommen über Moskau, vielleicht St. Petersburg oder Sotschi. Nowosibirsk liegt tief im Hinterland von Sibirien. Aber das war die Heimatstadt meines Gastgebers, Alexander Zirionow, des Mannes, der mein Sponsor war. Dorthin sind wir also geflogen, und das war auf seine Weise interessant.

    Ich glaube, die russischen Zoll- und Grenzschutzbeamten, die für die Passkontrolle zuständig sind, waren schockiert, als sie sahen, wie amerikanische Pässe unter ihrem Fenster hindurchgeschoben wurden. Sie waren sogar so schockiert, dass sie sagten: "Time out, bitte setzen Sie sich. Wir müssen das an die Zentrale weiterleiten." Und die haben das geregelt: Wir hatten die richtigen Visa und die Behörden wussten, dass wir kommen würden, und so wurden wir schließlich eingelassen. Aber das zeigt nur, dass der Aspekt der Fremdheit in beide Richtungen ging, denn zu diesem Zeitpunkt reisen nicht allzu viele Amerikaner nach Russland.

    Der Zweck des Besuchs war, wie Sie sagten, die Förderung der russischen Ausgabe meines Buches. Es wurde von der Komsomolskaja Prawda herausgegeben, einem der größten und angesehensten Verlage Russlands, und sie haben fantastische Arbeit geleistet, um das Buch in Druck zu geben. Ich glaube, sie haben zunächst 15.000 Exemplare gedruckt, und soweit ich weiß, waren sie alle schnell verkauft. Ein großes Lob dafür. Komsomolskaja Prawdas Motivation, diese Tournee zu unterstützen, war der Verkauf von Büchern, und das spielte natürlich eine wichtige Rolle bei meiner Arbeit. Aber der Mechanismus, das Buch zu verkaufen, bestand darin, Shows wie diese zu machen, in russische Shows zu gehen und über Abrüstung zu sprechen, über das Buch zu sprechen, über aktuelle Themen zu sprechen.

    In jeder Stadt, in die ich gereist bin, habe ich eine Art Gemeindeversammlung abgehalten. Ursprünglich sollten sie ziemlich groß sein, und es gab ein großes Interesse. Ich will nicht prahlen. Ich sage nur, dass es in Russland ein großes Interesse an dem gibt, was ich zu sagen habe, und ich hätte die Möglichkeit gehabt, weiterzumachen. Wir hätten die Säle leicht mit tausend, fünftausend Menschen füllen können. Es wurde jedoch aus Sicherheitsgründen die Entscheidung getroffen, dies nicht zu tun. Kurz bevor ich in Russland eintreffen sollte, wurde ein russischer Kriegsblogger mit dem Spitznamen Tatarski vom ukrainischen Geheimdienst ermordet. Er stand auf einer Todesliste, der so genannten (?)-Liste. Ich stehe auf dieser Liste, und die ukrainische Regierung hat mein Profil geschärft, indem sie meine Äußerungen zum Konflikt in der Ukraine verurteilt hat. Und so gab es Bedenken, dass, wenn sie die Veranstaltungsorte im Voraus bekannt machen, dies ein Ziel für Leute werden könnte, die mir schaden wollen. Aber was noch wichtiger ist   – vergessen Sie mich   – es könnten unschuldige Menschen verletzt werden, die gekommen sind, um zu hören, was ich zu sagen habe. Man will nicht die Voraussetzungen dafür schaffen, dass das Leben von Tausenden von Menschen in Gefahr gerät. Und so kam es unter anderem, dass die Ankündigung meiner Gespräche bis zum letzten Moment zurückgehalten wurde, und es gab extrem strenge Sicherheitsvorkehrungen.

    Ich konnte also nicht zu großen Menschenmengen sprechen. Aber die Menschen, zu denen ich gesprochen habe, waren Menschen, die dabei sein wollten, Menschen, die sich für das interessierten, was ich zu sagen hatte. Die Leute haben mich herausgefordert, hatten einige sehr interessante Fragen, sehr bohrende Fragen, und so hatte ich die wunderbare Gelegenheit, mit den Menschen zu interagieren.

    Aber der andere Teil der Reise war meine eigene Reise, um mehr über Russland zu erfahren, verstehen Sie? Denn hier geht es nicht nur darum, ein Buch zu promoten. Ich meine, das ist natürlich das, was diese Reise möglich gemacht hat. Aber um dieser Reise eine Bedeutung zu geben, die über die reine Vermarktung hinausgeht, hielt ich es für unerlässlich, nach Russland zu reisen, aus erster Hand zu sehen, worum es in Russland geht, und mein Bestes zu tun, um das Wesen Russlands einzufangen und es nach Amerika zu bringen, damit ich den Amerikanern, die nicht die Gelegenheit hatten, nach Russland zu reisen, die Realität Russlands besser erklären kann. Manche Leute mögen das für kitschig halten.

    Aber die Art und Weise, womit ich versuche, diese Essenz zu erfassen, ist die russische Seele. Das ist ein Konzept, das nicht ich erfunden habe. Russische Schriftsteller sprechen schon seit Jahrhunderten über die russische Seele: Dostojewski, Tolstoi, Lermontow. Sie alle sprechen auf die eine oder andere Weise über die russische Seele, und die Russen selbst sprechen über die Seele. Sie ist ein wichtiger Teil dessen, wer sie sind, was sie sind. Und hier bin ich, ein Amerikaner, und ich versuche zu sagen: "Nun, was ist die russische Seele? Wie würden Sie sie beschreiben? Was umfasst sie? Und welche Bedeutung hat sie? Und was sind die Auswirkungen dieser russischen Seele?"

    Und das war eine Reise, auf die ich mich begeben habe, und ich habe sie ernst genommen. Ich hatte die einmalige Gelegenheit, die russische Kultur, die russische Geschichte, das russische Volk und die russische Natur kennenzulernen. Ein Teil meiner Reise war, wie ich es nenne, der Flugzeug-, Zug- und Autoaspekt   – das heißt, wir sind viel geflogen, wir haben viele Züge genommen und sind viel gefahren. So habe ich alle Aspekte des russischen Verkehrswesens kennen gelernt.

    Das Zeugnis, das ich Russland ausstellen werde, lautet wie folgt: Das mag viele Amerikaner schockieren. Die Sanktionen funktionieren nicht. Lassen Sie es mich andersherum ausdrücken: Die Sanktionen machen Russland stärker. Die russische Wirtschaft ist heute die stärkste Wirtschaft in der Geschichte der Russischen Föderation. Das ist nicht die Aussage von Scott Ritter. Ich meine, das war meine Beobachtung.

    Russland hat gerade ein internationales Wirtschaftsforum in St. Petersburg abgehalten, und Wladimir Putin hat dort eine Rede gehalten und eine Bilanz gezogen, in der er genau dasselbe sagte: Der russischen Wirtschaft geht es gut. Sie wächst, sie ist die stärkste, dynamischste und dynamischste Wirtschaft in der Geschichte Russlands. Und der Grund dafür ist die zwingende Reaktion Russlands auf die Sanktionen, die die Vereinigten Staaten und Europa verhängt haben. Russland hat die Sanktionen überwunden. Russland macht weiter. Es schert sich nicht mehr um den Westen. Sie brauchen den Westen nicht mehr. Sie wollen den Westen nicht mehr. Und es geht ihnen gut.

    Jede Stadt   – und ich komme aus den Vereinigten Staaten, Sie sind hier, Danny, wissen Sie… Sie haben vom "Build Back Better Plan" gehört, dem Plan von Joe Biden (...) und was er bewirken würde, die Wunder, die er in Amerika bewirken würde: Neue Brücken, neue Straßen, alles, was wir neu machen wollten. Wir werden Amerika neu gestalten. Ein großes Heimwerkerprojekt. Nun, es ist nicht geschehen und es wird auch nicht geschehen, weil wir es uns nicht leisten können.

    Ich will Ihnen sagen, wer "Build Back Better" macht: Die Russen! In jeder Stadt, in der ich war, gibt es massive Bauprojekte. Und warum? Weil dank der Sanktionen das von den Oligarchen betriebene System der Entwicklung der russischen Wirtschaft, bei dem man Geschäftsmöglichkeiten schaffen, Geld verdienen und dieses Geld dann aus Russland rausschaffen konnte, vorbei ist. Im Moment fließt kein Geld aus Russland ab, weil Russland mit Sanktionen belegt ist. Sie können ihr Geld nicht abziehen. Aber sie machen immer noch Geld. Wohin fließt es? Es wird wieder in Russland investiert. Und das bedeutet, dass die Stadtplaner, die früher knappe Budgets hatten   – genau wie jeder amerikanische Stadtplaner... Sprechen Sie mit irgendjemandem, sei es in einer Kleinstadt wie Bethlehem, New York, wo ich herkomme, oder in der Stadt Albany, der Hauptstadt des Staates New York, aber immer noch eine kleine Stadt, oder gehen Sie nach New York City. Jede Stadtplanungssitzung hat das folgende Problem: Zu viele Hände, die die Hand ausstrecken und sagen: "Ich brauche Geld. Ich habe Projekte, die ich machen möchte." Nicht genug Geld. Es ist nicht genug Geld für alles da.

    Nun, in Russland ist das kein Problem. Das Problem ist: Sie haben Geld und nicht genug Leute, um die Projekte durchzuführen. Sie rufen buchstäblich Leute an und sagen: "Hey, ich weiß, ihr habt euch nicht dafür beworben. Aber könnten Sie bitte, hierher zu kommen. Wir haben etwa 300 Millionen Rubel, die wir für etwas ausgeben müssen, und wir möchten, dass ihr kommt und uns sagt, was ihr zu tun gedenkt." Und das geschieht jetzt gerade. Ausländische Investitionen, inländische Investitionen. Es wird einfach gebaut.

    Wenn die Leute jetzt denken, dass ich versuche, ein Bild von einer Utopie zu zeichnen. Das tue ich nicht! Russland hat   – wie jedes Land   – seine Probleme. Zunächst einmal ist Russland immer noch dabei, sich aus dem Loch zu befreien, das Boris Jelzin und der kollektive Westen in den 1990er Jahren gegraben haben. Die Folgen dieser katastrophalen Zeit wirken bis heute nach. Eines der Probleme ist auch, dass Russland   – wie jedes große Land   – über Bürokratien verfügt, und einige Bürokratien sind effizienter als andere. In einigen Bürokratien gibt es ein gewisses Maß an Korruption, vor allem wenn es um Energieeinkünfte und ähnliche Dinge geht. Wir sollten also nicht so tun, als gäbe es in Russland keine Korruption, als sei alles perfekt und als würde jeder privat arbeiten. Es gibt viele Probleme in Russland, lassen Sie uns das offen sagen, und die Russen werden Ihnen dasselbe sagen: "Ja, wir haben Probleme."

    Aber Russland arbeitet. Sie versuchen, die Probleme zu lösen, die sie haben. Sie haben viele der Probleme, die es gab, bereits gelöst, und Russland funktioniert. Russland bewegt sich vorwärts. Es gibt noch einige Hindernisse, aber sie werden diese Probleme überwinden. Und dank der Sanktionen haben wir es Russland leichter gemacht, diese Probleme zu überwinden.

    Die andere Sache ist, dass der Patriotismus in Russland aufgrund dieses Krieges an Bedeutung gewinnt. Die Russen waren schon immer patriotisch. Es gab schon immer diese Liebe zu Mütterchen Russland. Ich würde sagen, dass die Menschen Putin unterstützt haben, und er hatte die Unterstützung der Mehrheit. Ich kann nicht sagen, dass es eine überwältigende Begeisterung für Putin gab. Es war eher so: "Na gut, ja, Wladimir Putin macht einen guten Job. Wir sind nicht unglücklich, dass er da ist", so die Mehrheit der Russen. Viele andere Russen sagten: "Wir mögen den Kerl nicht. Wir würden gerne jemand anderen sehen."

    Wegen dieses Krieges sind die Leute, die Wladimir Putin nicht mochten, weggezogen, und die Russen sagen jetzt: "Bon voyage! Gut, dass wir euch los sind! Wir brauchen euch nicht. Wir wollen euch nicht. Habt einen schönen Tag!" Und die verbliebenen Russen konzentrieren sich darauf, Russland zu verteidigen. Und man verteidigt Russland auf vielerlei Weise. Es geht nicht nur darum, an die Front zu gehen. Es geht darum, Russland zu Hause zu dienen und Russland effizient zu dienen. Und so werden viele der Probleme, die es früher gab   – bürokratische Trägheit, Korruption   – von den Menschen selbst gelöst, die plötzlich aufgewacht sind und gesagt haben: "Wisst ihr was, ich habe es vorerst satt, korrupt zu sein. Ich werde tatsächlich ein sauberes Geschäft führen. Erstens, weil die Regierung darauf besteht, dass ich es tue. Aber zweitens, weil ich es will, weil ich effizient sein will, weil meine Ineffizienz Russland angesichts dieser kollektiven Bedrohung schadet."

    Je länger also diese Sanktionen andauern, je mehr wir den Konflikt verlängern   – und der Konflikt wird jedes Mal verlängert, wenn der Kongress der ukrainischen Regierung Milliarden von Dollar zur Verfügung stellt, um ihr System am Laufen zu halten, um ihr Militär im Einsatz zu halten   – desto stärker wird Russland. Russland ist heute wirtschaftlich stärker, Russland ist politisch stärker, Russland ist militärisch stärker. Dieser Krieg hat Russland nicht geschwächt.

    Russlands Militär ist von 900.000 auf 1,5 Millionen angewachsen. Wahrscheinlich ist es sogar noch größer, denn es gibt ein sehr großes Kontingent an Freiwilligen, die an der Militärischen Sonderoperation teilnehmen. Die russische Rüstungsindustrie läuft auf Hochtouren, ohne dass sich dies negativ auf die zivile Industrie auswirkt. Es ist nicht so, dass Russland den Schalter umgelegt hätte und direkt zur reinen Militärproduktion wie in der Zeit des Zweiten Weltkriegs übergegangen wäre. Das Land hat eine lebendige zivile Wirtschaft. Sie bauen Autos. Sie bauen alles, und sie stellen eine Menge Waffen her. Das machen sie sehr effizient, besser als der gesamte Westen. Russland ist heute stärker als je zuvor und es wird immer stärker.

    Aus der Sicht des Westens ist das eine schlechte Nachricht. Denn wir werden nicht gewinnen. Wir werden sie nicht besiegen.

    Nun sage ich Ihnen die gute Nachricht: Die Russen hassen uns nicht. Die Russen wollen tatsächlich unsere Freunde sein. Die Russen sind verzweifelt auf der Suche nach einer Lösung. Und wenn ich sage verzweifelt, dann meine ich keine pathetische Verzweiflung. Was ich damit sagen will, ist: Die Verzweiflung von guten Menschen, guten Menschen, die wollen, dass es allen gut geht. Sie wünschen dem amerikanischen Volk nichts Schlechtes. Sie wünschen dem amerikanischen Volk Wohlstand, und sie wünschen sich Freundschaft mit dem amerikanischen Volk, wenn es dem amerikanischen Volk ernst damit ist.

    Aber die Zeiten, in denen sich die Russen verbogen haben, um den Westen zu besänftigen, sind vorbei. Russland bewegt sich weiter. Aber was die Russen sagen, ist: "Hey, wenn ihr zu uns kommen wollt, freuen wir uns, euch zu haben. Wir werden eure Freunde sein. Wir haben keine..." Und das ist das Erstaunliche: Bei allem, was wir gegen sie unternommen haben, für all den Schaden, den wir verursacht haben... Denn ich muss Ihnen als Amerikaner sagen: Wenn eine Nation, die… Wir haben es hier gesehen, Danny, wovon ich spreche: Wollen Sie mir sagen, dass es nach dem 11. September in der amerikanischen Öffentlichkeit keine Vorbehalte gegenüber Muslimen gab? Gegenüber muslimischen Nationen? Ich meine, Sie haben gesehen, wie wir losgezogen sind und angefangen haben, Leute zur Rechenschaft zu ziehen, die nichts mit dem Angriff zu tun hatten, nichts! Wir sind in den Krieg gegen den Irak gezogen, der nichts mit dem 11. September zu tun hatte. Weil wir nachtragend sind. Wir sind voreingenommen. Wir sind ignorant. Und die Muslime, gegen die wir unsere Arroganz gerichtet haben, hatten uns nichts getan. Aber wir haben uns trotzdem gegen sie gewandt.

    Da ist nun der Russe, zu dem die Vereinigten Staaten von Amerika gesagt haben: "Wir wollen die strategische Niederlage Russlands. Das bedeutet das Ende von Russland, wie wir es kennen. Wir beliefern eine ukrainische Regierung, die in jeder Hinsicht problematisch ist: Wir unterstützen Banderisten, die eine neonazistische, nicht demokratische Regierung darstellen, und wir versorgen sie mit Waffen, die Russen töten."

    Wladimir Putin sprach in seinem Vortrag auf dem Internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg von einem Verhältnis von zehn zu eins bei dieser aktuellen Gegenoffensive. Das heißt, auf 10 tote Ukrainer kommt ein toter Russe. Da sagen die einen: "Wow, das ist ein Massaker." Aber denken Sie darüber nach: Eine Zahl, die ich heute von einer sehr zuverlässigen Quelle gehört habe, besagt, dass die Ukrainer bisher 13.000 Tote zu beklagen haben. Das sind 1.300 russische Tote. 1.300 russische Tote: Das sind eine Menge Witwen. Das sind viele Mütter, die ihre Söhne begraben. Das sind viele Söhne und Töchter, die ihre Väter vermissen. Das sind viele Familien, deren Leben durch diesen Konflikt für immer ruiniert ist. Ich kann zwar nicht für diese Menschen sprechen, aber was ich als Nation sagen kann, ist: Wenn es um uns ginge und wir 1.300 Amerikaner aufgrund von Maßnahmen der russischen Regierung, die vom russischen Volk unterstützt werden, beerdigen würden, gäbe es hier in Amerika eine Menge Hass auf Russland. Wir hätten Grund, sie zu hassen.

    Es gibt keinen Hass in Russland. Keinen. Ich habe keinen Hass erlebt. Es gibt eine gewisse Abneigung. Die Menschen haben eine starke Abneigung, aber nur gegen die Politik, gegen die Regierung. Aber das Gefühl gegenüber dem amerikanischen Volk ist überraschend wohlwollend, überraschend herzlich, und das ist die gute Nachricht. Egal, was wir getan haben, egal, welche Sünden wir kollektiv gegen Russland begangen haben   – und wir haben viele Sünden begangen.

    Das russische Volk ist... Es hat genug Herz, um zu verzeihen, was wir getan haben, und es ist bereit, mit uns zusammenzuarbeiten, um voranzukommen. Und das ist die einzige Hoffnung, die wir im Moment haben. Dass das russische Volk es in seinem Herzen findet, wenn dieser Krieg vorbei ist, wenn dieser Krieg endet   – und wir werden nicht gewinnen, sie werden gewinnen   – nicht die Art von Sieger sein, wie Amerika das ist: Ein rachsüchtiger Sieger. Wir ziehen die Menschen zur Rechenschaft.

    Die Russen werden nicht so sein. Die Russen werden ein guter Nachbar sein, ein guter Bürger, ein guter Weltbürger. Und das einzig Erfreuliche an dieser ganzen Katastrophe ist, dass es einen Ausweg gibt. Es gibt Hoffnung für die Zukunft. Aber das liegt nur an der Qualität des russischen Volkes und, offen gesagt: An der Reife der russischen Regierung.

    Das habe ich auf der Reise in Russland gesehen.

    Danny Haiphong:

    Unglaublich. Unglaublich, das zu hören.

    Ich war drei Wochen lang in Europa. Ich war zufällig in Brüssel und im Land der EU, um es einmal so auszudrücken. Und es war einfach so: Man kann den Niedergang sehen. Man kann es sehr schnell an seinem Geldbeutel sehen, denn überall, wo man hinkommt   – ich war auch in Deutschland   – sind die Preise verrückt. Man kann sehen, wie die Infrastruktur zerbröckelt   – sogar diese wunderbaren Züge, die… Wir leben in den Vereinigten Staaten, also gibt es nur sehr wenig von der Art Züge, die man in Europa sieht   – aber sogar ihre Züge: Sie gehen kaputt. Sie halten an, sie werfen die Leute aus den Zügen und sagen Ihnen: "Ups, tut mir leid, Sie werden Ihren Standort nicht erreichen." Es gibt keine Arbeiter, weil sie überall einsparen.

    Und ich frage mich, Scott, was denkt Russland über das, was vor sich geht? Was denken die Menschen, mit denen Sie in Russland gesprochen haben, über die Geschehnisse in den USA und in Europa? Denn es scheint, wie Sie sagten, dass Russland im Aufwind ist. Es wächst. Es wird stärker. Und auf der anderen Seite leiden genau die Länder, die NATO-Länder, die EU, die Vereinigten Staaten, die diesen Stellvertreterkrieg führen, unter ziemlich schlimmen Konsequenzen. Das ist ganz offensichtlich.

    Ich meine, die Preise in Deutschland sind einfach nicht von dieser Welt. Ich war in Prag und in der Tschechischen Republik: Die Preise   – damit kann man nicht leben. Ich weiß nicht, wie irgendjemand dort leben kann, angesichts der Löhne und wie die Inflation sie dezimiert hat. Und dann sieht man überall Ukraine-Flaggen, überall! Es war einfach zum Verrücktwerden: Überall, wo man hingeht: Ukraine-Flaggen. Geschäfte ändern ihre Marken und ihre Schilder, um die ukrainische Flagge anzubringen. Es war wirklich widerlich, das zu sehen.

    Aber ich frage mich: "Was denken die Leute, mit denen Sie gesprochen haben, über das, was in den USA und in Europa passiert?

    Scott Ritter:

    Nun, lassen Sie mich zunächst Folgendes sagen: Die Vereinigten Staaten haben gemeinsam mit Europa massive Sanktionen gegen Russland verhängt, und zwar mit dem Ziel, dem russischen Volk Schaden zuzufügen, einen wirtschaftlichen Zusammenbruch herbeizuführen, Menschen ihren Arbeitsplatz, ihre Existenzgrundlage zu nehmen, die russische Infrastruktur zum Einsturz zu bringen, Probleme zu verursachen. Und wenn das passiert wäre, würden sich die Amerikaner selbst bejubeln: "Oh ja, Mann, wir haben es geschafft! Ha, ha, ha, wir haben den Rubel zerstört, Baby! Wir haben Russland zu Fall gebracht! High-Five! Lasst uns ein Bier trinken! Hey, Amerika ist großartig! Wir haben den Russen Schmerzen zugefügt! Sind wir nicht gute Menschen!"

    Aber nun... Die Russen haben nicht damit begonnen, Europa oder den Vereinigten Staaten Schmerz zuzufügen. Das war nie ihr Ziel. Aber wegen der Sanktionen, die wie ein Bumerang auf Europa und die Vereinigten Staaten zurückschlagen, gibt es Probleme.

    Und ich sage Ihnen eines: Nicht jeder Russe... Ich meine, alle Russen sind darüber verärgert. Sie sind nicht glücklich darüber. Einige von ihnen sagen: "Nun, das habt ihr euch selbst zuzuschreiben, wisst ihr. Wir haben das nicht gewollt, aber ihr habt es euch selbst zuzuschreiben. Es tut uns leid. Das passiert mit euch."

    Manche Russen weinen. Sie fühlen sich schlecht deswegen. Nicht... Sie fühlen sich nicht schuldig. Aber das sind Menschen, die so verdammt menschlich sind, so verdammt menschlich, dass sie emotional werden, wenn sie hören, was passiert. Es schmerzt sie. Sie haben Empathie. Sie haben Mitgefühl. Es sind einfach verdammt gute Menschen, verdammt gute Menschen! Es gibt keinen Russen, der sich darüber lustig macht, dass die Deutschen hohe Energiepreise zahlen, dass deutsche Arbeiter ihre Arbeitsplätze verlieren, dass die Amerikaner bestraft werden usw. Ich habe nicht einen einzigen Russen getroffen, der gesagt hätte: "Oh ja, Baby, die Amerikaner spüren den Schmerz! Wir sind glücklich!" Nichts von alledem!

    Ich sage nicht, dass es das nicht gibt. Ich bin mir sicher, dass es irgendwo in Russland Leute gibt, die einen Freudentanz aufführen, wenn sie hören, dass Amerika leidet. Und ja, seien Sie ehrlich! Ich kann es ihnen nicht verdenken. Aber jeder Russe, den ich getroffen habe   – vielleicht, weil sie einen Amerikaner getroffen haben und nicht zeigen wollten, was sie wirklich empfinden.

    Aber ich hatte immer das Gefühl, dass sie sehr offen sind. Das Einzige, was ich Ihnen über die Russen sagen kann, ist: Sie sind wie ein offenes Buch. Nun bleibt dieses Buch die längste Zeit verschlossen, weil sie etwas zurückhaltend sind und so weiter. Aber wenn sie sich hinsetzen und dich kennen lernen wollen, dann öffnet sich das Buch und sie blättern durch alle Seiten: Das ist, wer ich bin. Das ist, wer wir sind. Die Russen, mit denen ich zu tun hatte, haben sich geöffnet und das Buch aufgeschlagen.

    Und die Menschen weinten über das, was hier passiert. Es tat ihnen leid. Sie waren emotional. Sie wollten nicht, dass das passiert. Sie wollen nicht, dass es passiert. Das ist einfach die gottverdammte Wahrheit. Die Russen sind nicht schadenfroh über das Leid, das verursacht wird, und einer der Gründe dafür ist, dass die Russen Leiden kennen.

    Sehen Sie, in Amerika... Sie und ich wissen, dass wir Menschen haben, die leiden. Sehen Sie sich das Heer der Obdachlosen in diesem Land an. Sehen Sie sich jeden an, der von Gehaltsscheck zu Gehaltsscheck lebt. Ich habe versucht, den Russen das zu erklären: "Wisst Ihr, Ihr denkt, ich bin Amerikaner und bin reich, und ich kann euch ein Foto von meinem Haus zeigen, auf dem Ihr zwei Autos in der Einfahrt seht. Und Ihr denkt euch: 'Wow, Dir geht es gut.'" Und ich sage: "Wow, mir geht's nicht gut! Ich verliere alles, wenn nur zweimal der Gehaltsschecks ausfällt! Alles! Die Bank wird mir mein Haus wegnehmen. Die Bank wird mir meine Autos wegnehmen, denn ich zahle das Auto auf Raten ab. Ich bezahle das Haus so. Ich bin bis obenhin verschuldet, wie jeder Amerikaner. Und ich bin zwei ausbleibende Gehaltsschecks, manchmal auch nur einen ausbleibenden Gehaltsscheck davon entfernt, alles zu verlieren. Es ist stressig, Amerikaner zu sein. Sie wissen schon, die Krankenversicherung: Wenn man das Glück hat, einen Arbeitgeber zu haben, der sie anbietet. Das ist buchstäblich so: Die Prämien verdoppeln sich jedes Jahr, und für diese Verdoppelung bekommt man immer weniger Leistungen. Sie kürzen die Leistungen. Sie verdoppeln die Prämien. Aber stellen Sie sich jemanden vor, der sich in Obamacare eingekauft hat! Sie können sich Obamacare nicht leisten, denn Obamacare verlangt, dass Sie fünf- bis zehntausend Dollar auf der Bank haben, um im Falle eines Krankenhausaufenthalts die Zahlung leisten zu können. Andernfalls können Sie sich die Zahlung für Obamacare nicht leisten, um das Platin-Programm zu bekommen. Ich kann es mir nicht leisten. Die meisten Leute kaufen schließlich die Mindestversicherung, was bedeutet, dass sie Selbstbehalte haben, die sie sich nicht leisten können, wenn sie tatsächlich krank werden. Das ist die Realität in Amerika! Studentenschulden bis zum Gehtnichtmehr, alle Schulden bis zum Gehtnichtmehr. Und so haben die Leute den Eindruck, dass hier alles einfach ist. Es ist nicht leicht hier! Es ist hart in Amerika! Es ist schwer, ein Amerikaner zu sein, das zu erhalten, was wir haben."

    Aber die Russen sind schockiert, wenn sie davon erfahren. Sie sind schockiert. Sie fragen sich: "Moment mal, was ist mit diesem ganzen Wohlstand?" Ich sagte: "Er ist künstlich. Wir leben in einer Konsumgesellschaft, in der wir uns etwas vormachen, indem wir immer weiter kaufen. Aber wenn wir weiter kaufen, machen wir meistens auch mehr Schulden. Das setzt uns also noch mehr unter Druck. Und um uns dann besser zu fühlen, müssen wir losziehen und die nächste Xbox oder, ich glaube, man nennt es immer noch Xbox, oder eine PS5 kaufen. Ist es eine PS5? Ich weiß es nicht, weil ich das nicht brauche. Aber meine Tochter benutzt es... Man muss also mit den anderen mithalten können. Man muss sich das neue iPhone zulegen, was auch immer. Aber nochmal: Um es zu bekommen, macht man mehr Schulden, was bedeutet, dass das Problem mit dem Gehaltsscheck zu einem noch größeren Problem mit dem Gehaltsscheck wird."

    Ich sage nicht, dass die Russen keine wirtschaftlichen Schwierigkeiten haben. Die haben sie. Aber sie leben nicht in der ständigen Angst, ihr Haus zu verlieren, ihre Arbeit zu verlieren, ihre Gesundheitsversorgung zu verlieren, nicht mehr zur Schule gehen zu können, denn so funktioniert Russland nicht. In Russland lässt es sich ganz gut leben.

    Ich werde dort nicht leben, denn ich bin Amerikaner. Ich gehöre hierher, nach Amerika. Meine Aufgabe ist es, mein Land zu reparieren. Ich liebe mein Land. Aber ich bin ehrlich genug zu sagen, dass die Lebensqualität in Russland anständig ist. Sie wird besser, und sie geht über rein konsumorientierte Dinge hinaus.

    Sehen Sie, Amerikaner neigen dazu, die Lebensqualität danach zu beurteilen, was wir besitzen, was wir erworben haben. Die Russen beurteilen die Lebensqualität nach der Lebensqualität, das heißt: Kann ich mit meinen Freunden ausgehen? Kann ich in den Urlaub fahren? Kann ich einfach durch die Straßen schlendern und durch einen Park gehen, ohne Angst haben zu müssen, überfallen zu werden, in ein Museum gehen und die Geschichte genießen. Das ist Lebensqualität für die Russen. Und die meisten Amerikaner haben das nicht, weil wir lange arbeiten müssen. Wir kommen nach Hause, wir essen, wir gehen ins Bett, wir stehen auf, wir gehen wieder zurück, wir arbeiten lange. Das ist unser Leben. Die Qualität ist also das, was wir bekommen können, was wir kaufen können, basierend auf dieser Arbeit, um uns billigen Nervenkitzel oder was auch immer zu bieten. Aber wir nehmen uns nicht die Zeit, innezuhalten und an den Rosen zu riechen, wie es in einem alten Country- und Western-Song heißt.

    Die Russen tun das. Die Russen riechen jeden Tag an den Rosen.


    Info: https://seniora.org/index.php?option=com_acymailing&ctrl=url&subid=3998&urlid=4420&mailid=1897


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    08.09.2023

    Golfstaaten Druck auf Scheichs

    jungewelt.de, für den 09.09.2023, Von Karin Leukefeld

    Vereinigte Arabische Emirate zwischen BRICS plus, »OPEC plus« und G7


     

    Abdulla Al Neyadi/UAE Presidential Court/Handout via REUTERS

    Machtschach: EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen konfrontiert den Präsidenten der VAE, Mohammed bin Sajid Al Nahjan (Abu Dhabi, 7.9.2023)


    Eine Delegation aus den USA, Großbritannien und der EU erhöht den Druck auf die Vereinigten Arabischen Emirate. Bei einem Besuch in Dubai Anfang der Woche wurden die VAE aufgefordert, die gegen Russland verhängten Strafmaßnahmen einzuhalten. Den Emiraten wird vorgeworfen, Produkte nach Russland zu liefern, die auf westlichen Sanktionslisten stehen.

    Konkret geht es Berichten verschiedener englischsprachiger Medien zufolge darum, die Lieferung von Computerchips, elektronischer Ausrüstung und anderen Produkten, die ganz oder teilweise in den USA hergestellt wurden, an Russland zu unterbinden. Es handelt sich demnach um sogenannte Dual-Use-Güter, die sowohl zivil als auch militärisch verwendet werden können. USA, Großbritannien und die EU geben an, die Produkte dienten Russland bei der Waffenproduktion für den Krieg in der Ukraine.

    Anfang August hatte der Nationale Sicherheitsberater des US-Präsidenten, Jacob Sullivan, bei einem Treffen mit Staatsoberhaupt Mohammed bin Sajid Al Nahjan auf eine Kursänderung der Emirate gedrängt. Am Donnerstag traf sich auch die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, mit dem Scheich. Man habe »verschiedene Aspekte der Zusammenarbeit von EU und VAE besprochen«.

    Washington verkündete, die Gespräche seien Teil eines »breiten diplomatischen Engagements« mit Partnerländern, bei dem es darum gehe, Russland für den Einmarsch in die Ukraine zur Verantwortung zu ziehen. Auch die Türkei und Kasachstan erhielten in den vergangenen Monaten Besuch westlicher Delegationen mit der Botschaft, den Handel mit russischen Unternehmen einzustellen, die auf den Sanktionslisten stehen. Ansonsten werde man dafür sorgen, dass Unternehmen aus den Ländern ihren Zugang zu G7-Märkten verlieren.

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    Die Emirate seien »ein Land unter Beobachtung«, hieß es im US-Finanzministerium. Unternehmen mit Sitz in den Emiraten sollen demnach zwischen Juli und November 2022 Waren »made in USA« im Wert von mehr als fünf Millionen US-Dollar nach Russland geliefert haben.

    Vertreter der VAE erklärten gegenüber dem Wall Street Journal, man beachte die Vorschriften hinsichtlich des Exports von Dual-Use-Produkten und auch zur »Integrität des globalen Finanzsystems«. Im März 2023 wurde die Lizenz für eine russische Bank in den Emiraten widerrufen. Man halte sich an UN-Sanktionen, erklärte Handelsminister Thani bin Ahmed Al Sejudi im April gegenüber der Denkfabrik Atlantic Council.

    Seit Februar 2022 haben die USA gegen Russland 3.126 Sanktionen verhängt. Auf der US-Sanktionsliste stehen darüber hinaus 158 Schiffe und 22 Flugzeuge Russlands. Zwischen Februar 2022 und August 2023 verhängte die EU insgesamt 1.411 Sanktionen gegen Russland. Die Sanktionen seit 2014 sind bei diesen Angaben nicht berücksichtigt.

    Bei verschiedenen Abstimmungen in der UN-Vollversammlung haben die Emirate Russlands Einmarsch in die Ukraine verurteilt. Wie die Mehrheit der UN-Mitgliedstaaten haben sie sich nicht den von USA und EU verhängten wirtschaftlichen Sanktionen gegen Russland angeschlossen. Weltweit wird der Konflikt in der Ukraine als Konflikt zwischen Russland und dem Westen eingestuft, aus dem man sich heraushalten will.

    Die Beziehungen zwischen den Emiraten und Russland sind stabil. Der Beitritt der VAE zur Staatengruppe BRICS Ende August hat sie weiter vertieft. Beide Staaten arbeiten im Bündnis »OPEC plus« zusammen, einer Kooperation erdölexportierender Staaten, die sich alle zwei Monate auf die Ölfördermenge einigen.

    Im Juni 2023 nahm VAE-Präsident bin Sajed am Internationalen Wirtschaftsforum in Sankt Petersburg teil und traf mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zusammen. Nach Angaben der Nachrichtenagentur TASS versicherte bin Sajed dabei die Bereitschaft der Emirate, »auf jede erdenkliche Weise zu helfen, wenn wir in humanitären Fragen eine Rolle bei der Stabilisierung der Lage spielen können«. Putin seinerseits würdigte das »humanitäre Engagement« der Emirate, die im Februar 2023 einen Austausch von Kriegsgefangenen zwischen Russland und der Ukraine vermittelt hatten.


    Info: https://www.jungewelt.de/artikel/458652.golfstaaten-druck-auf-scheichs.html


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    08.09.2023

    ENDLICH eine GUTE Nachricht
    für Demokratie und Aufrichtigkeit

    aus e-mail von <willy.wahl@seniora.org>, 8. September 2023

    Von Leuchtturm ARD <info@cascadeur.de>;


    Liebe Freunde des Friedens und des aufrichtigen Diskurses,



    nach 20 nicht-öffentlichen Runden Tischen mit den Vertretern der Vierten Säule, ENDLICH der erste ÖFFENTLICHE Runde Tisch mit CSU, Bayerischer Rundfunk, dem Journalistenverband und der Bürgerinitiative Leuchtturm ARD ORF SRG, am Sonntag 24. Sept., Pressemitteilung in der Anlage.


    Ich danke von Herzen allen tapferen Seelen, die seit 61 Wochen vor den Medienhäusern ausharren, um unser Grundrecht auf ausgewogenen und staatsfernen Diskurs einzufordern, in einem fairen Dialog auf Augenhöhe, mit der gesamten Vierten Säule der Gewaltenteilung.


    Unser aller Bestreben ist es eine menschenwürdige neue Welt zu gestalten, die die globalen Konflikte der Gegenwart und Zukunft nicht mehr mit Gewalt, sondern an RUNDEN Tischen lösen wird.

    Ein weiterer Zug auf dem Schachbrett dieser VISION ist getan!


    Liebe Grüße, Jimmy

    +49-151-5055 2062

     mailto:info@leuchtturmARD.de

    info@leuchtturmARD.de mailto:info@leuchtturmARD.de https://seniora.org/index.php?option=com_acymailing&ctrl=url&subid=3998&urlid=4411&mailid=1896



    https://leuchtturmard.de/ https://seniora.org/index.php?option=com_acymailing&ctrl=url&subid=3998&urlid=4412&mailid=1896

    MULTIPOLARITÄT - AUSGEWOGENHEIT - STAATSFERNE


    P.S.: NEUIGKEITEN:

    - Mit der WebApp MEDIEN DIALOG können wir ALLE die weltweite Bewegung für Frieden, Demokratie und Selbstbestimmung mit einem Einladungsangebot an die Vierte Säule verbinden, um mittelfristig unsere kreativen Inhalte für die Gestaltung unserer Zukunft endlich unüberhörbar zu machen.

    Link am besten am PC direkt im Browser nutzen: https://seniora.org/index.php?option=com_acymailing&ctrl=url&subid=3998&urlid=4413&mailid=1896 https://lstu.fr/mediendialog https://seniora.org/index.php?option=com_acymailing&ctrl=url&subid=3998&urlid=4414&mailid=1896


    - AUF1 sendet ca. 13.9. die erste Sendung SCHLAGABTAUSCH über Satellit.

    Gerhard Wisnewski CONTRA ÖRR Reform, Jimmy Gerum PRO ÖRR Reform


    - Neue Podcasts mit Seattle, Uganda und Ghana, die sich alle an der WebApp beteiligen,

    empfehlenswerte Interviews mit Dr. Reiner Füllmich, dieBASIS Vorstand Sven Lingreen , Radio Sol, u.a.

    siehe unser Youtubekanal https://seniora.org/index.php?option=com_acymailing&ctrl=url&subid=3998&urlid=4415&mailid=1896 https://www.youtube.com/channel/UCQX8XQ26aVNI6ecD9y8kV5Q https://seniora.org/index.php?option=com_acymailing&ctrl=url&subid=3998&urlid=4416&mailid=1896


    - Ab dieser Woche ist die WebApp in Deutsch, Englisch und Französisch, ab nächster auch in Russisch.


    HELFT MIT:

    -Wir suchen Mitstreiter bei der Pflege der WebApp, ab halber Tag pro Woche.

    -Füttert bitte ALLE die WebApp mit Redaktionsadressen und öffentlichen Veranstaltungen.

    -KEIN Datensicherheitsproblem! Es sind nur ÖFFENTLICHE Daten!


    - JEDEN Dienstag 20 Uhr KREATIV Chat:

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    08.09.2023

    Die Rolle der Schweiz im geopolitischen Wandel

    globalbridge.ch, vom 07. September 2023 Von: in Allgemein, Geschichte, Militär, Politik

    Im Jahr 2015 wurde USA-weit die gleichgeschlechtliche Heirat erlaubt. Nur sechs Jahre später, im August 2021, weht auf der US-Botschaft in Kabul in Afghanistan eine LGBTQ+-Fahne. Die US-Arroganz, von allen Ländern zu erwarten, sich schnellstmöglich dem US Life Style anzupassen, ist unermesslich. Die Schweiz sollte ihre durch den Bundesrat am 28. Februar 2022 zerstörte Neutralität zu reparieren versuchen und sie dann auch hochhalten – nicht nur militärisch, sondern auch politisch und kulturell. Die Welt braucht keine «Advisors», sie braucht Vermittler, Mediatoren. (cm)


    (Red.) Der folgende Beitrag des Militär-Experten Ralph Bosshard ist die Zusammenfassung seines Referates und seiner Beantwortungen auf Fragen aus dem Publikum anlässlich der Tagung «Mut zur Ethik» am 2. September in Sirnach in der Schweiz.

    Anlässlich meines Antrittsbesuchs in der Generalstabsakademie der russischen Streitkräfte im Mai 2013 hatte ich ein ähnliches Erlebnis wie Scott Ritter auf seiner Inspektionsreise in der damaligen Sowjetunion: Ich stellte fest, dass russische Obristen, Generale und Admirale ganz normale Leute sind und so gar nicht dem Image entsprechen, das derzeit in der deutschsprachigen Presse gestrickt wird. In den darauffolgenden 14 Monaten überlegten wir uns, wie Russland gegen eine Invasion zu verteidigen sei und stellten fest, dass dies mit einer Armee von damals 900’000 Mann eine herausfordernde Aufgabe wäre. Die Ausbildung in Moskau unterschied sich in dieser Hinsicht von jener, die ich in zahlreichen NATO-Kursen genossen hatte: Dort übten wir unter der Losung „foster peace and stability“ immer das Niederschlagen von Aufständen irgendwo auf fiktiven Inseln in den Weltmeeren.


    Neutralität im Umfeld hybrider Kriegführung

    An solche Erkenntnisse kommt man nur, wenn man Sprache und Gegebenheiten vor Ort kennenlernt. Aus dieser Überlegung heraus müsste Sprachausbildung in der Ausbildung von Journalisten eigentlich obligatorisch werden, ansonsten wird Berichterstattung wertlos. Gazetten ohne solche Erkenntnisse kann man getrost zum Ausstopfen nasser Schuhe verwenden, wie ich es mit den Artikeln von Georg Häsler in der Neuen Zürcher Zeitung praktiziere. 

    Eine Strategielinie im heutigen Konkurrenzkampf der Mächte ist die Förderung organisierter Kriminalität, unabhängig davon, ob man es nun „hybride Kriegführung“ nennt oder anders. Solange aber beispielsweise der mutmaßliche Pädophile Oleg Liaschko, der mutmaßlich korrupte und kriminelle Ex-Innenminister Arsen Awakow und Jury Luzenko, der als Nicht-Jurist als Generalstaatsanwalt amtete, in der heutigen Ukraine politisch Einfluss haben, werden auch die tüchtigsten Kriminalbeamten keine Chance haben, die Verbrechen namentlich an ukrainischen Flüchtlingsfrauen aufzuklären oder zu verhindern.  

    In Russland und auch in Belarus wurden seit der Jahrtausendwende die Fragen vom Verhältnis zwischen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft anders beantwortet als im Westen. Dadurch ist – vom Westen weitgehend unbemerkt – ein ideologischer Gegensatz entstanden, der nun im Krieg in der Ukraine offen zutage tritt. Die Theorien des Francis Fukuyama sind von der Realität widerlegt worden. 

    In Afghanistan führte die NATO 20 Jahre lang nicht Krieg gegen Terrorismus, sondern gegen eine ganze Gesellschaft. Schuld daran tragen all die Political Advisors und Gender Advisors, welche in der NATO-Mission tätig waren und von den Bewohnern des Landes forderten, sie müssten all die Errungenschaften Europas seit der Französischen Revolution, wie Menschenrechte, Demokratie, Gleichberechtigung und andere innerhalb weniger Jahre umsetzen. Jetzt muss man diese Leute davon abhalten, auch noch andere Staaten Zentralasiens zu ruinieren. 

    Insgesamt muss man festhalten, dass die Nutzung aller denkbaren Bereiche gesellschaftlichen Lebens und staatlichen Handelns zum Zwecke der Kriegführung, die heute betrieben wird, zu einer Diskussion über den Inhalt des Begriffs der Neutralität zwingt.


    Günstige Ausgangslage der Schweiz

    Die Schweizer stellen ihr Licht immer gerne unter den Scheffel. Von unserer Fläche her ist die Schweiz mit Rang 132 von 194 Staaten der Erde in der Tat ein Kleinstaat. Von ihrer Bevölkerungszahl, wo sie auf Rang 100 steht, hingegen ziemlich genau in der Mitte. von ihrer Wirtschaftsleistung her gehört sie mit Rang 21 von 192 zu den Großen der Welt. Als mittlerer Staat mit großer Wirtschaftsleistung, ohne koloniale Vergangenheit und mit einer langen Tradition der Nichteinmischung in fremde Konflikte müsste die Schweiz eigentlich in der Lage sein, sich die Sympathien einer großen Anzahl Länder der Erde zu sichern. Das sollte ihr eigentlich auch helfen, ihre Imageprobleme wegen ihres Finanzplatzes und den Neid der kriegsversehrten Länder zweier Weltkriege zu überwinden. All das zwingt geradezu zu einer aktiven Außenpolitik. Wenn die Schweiz sich dem außenpolitischen Diktat des Auswärtigen Diensts der EU unterwirft, gibt sie wichtige Vorteile auf und handelt sich nur Nachteile ein.


    Missbrauch der Neutralität

    Im Vorfeld des Zweiten Weltkriegs war Josef Stalin an der Neutralität der Sowjetunion interessiert, weil er sich aus seiner ideologischen Denkweise heraus sagte, dass es der Sowjetunion egal sein könne, wenn die kapitalistischen Staaten Deutschland, Italien, Frankreich und das britische Empire sich gegenseitig die Felle zerreißen. Darüber hinaus mag er gehofft haben, er könne dann vom Schwächemoment profitieren, das entstehe, wenn diese Mächte vom Krieg erschöpft sind. Umgekehrt mögen sich führende Kreise in Großbritannien die Frage gestellt haben, was es das Königreich angehe, wenn das nationalsozialistische Dritte Reich und die bolschewistische Sowjetunion einander bekämpfen. Großbritannien war ja primär an seinem Kolonialreich interessiert und betrieb seit dem Spanischen Erbfolgekrieg eine Strategie des Gleichgewichts auf dem europäischen Kontinent. Hier wurde Neutralität als Vehikel missbraucht, im Gegensatz zur Schweiz, die immer permanente Neutralität als Vorbedingung für Glaubwürdigkeit betrachtete. 

    Ähnliche Überlegungen mögen die Amerikaner auf der Konferenz von Potsdam vom 17. Juli 1945 bis 2. August 1945 bewogen haben, die Sowjets zu drängten, ihren Neutralitätspakt mit Japan zu brechen und das Kaiserreich drei Monate nach Kriegsende in Europa anzugreifen. Man stelle sich vor, wie das Kräfteverhältnis in Ostasien ausgeschaut hätte, wenn die USA in der Invasion Japans wie befürchtet eine Million Soldaten verloren hätten, während die Rote Armee ebenso viele Soldaten nach Fernost verlegt hätte. Die Sowjetunion hätte in Ostasien freie Hand gehabt! Deshalb musste die Sowjetunion in den Krieg hineingezogen und Japan schnell zur Kapitulation gezwungen werden, ohne große Verluste für die Amerikaner. Der Abwurf von zwei Atombomben war die logische Folge davon. Auch in diesen Geschehnissen offenbarte sich ein Verständnis von Neutralität, das nicht glaubwürdig ist.


    Das Sturmgewehr im Besenschrank?

    Seit Jahrzehnten wird gebetsmühlenartig wiederholt, Neutralität müsse bewaffnet sein, um glaubwürdig zu wirken. Das ist keine übermäßig gehaltvolle Aussage, denn beinahe jede Politik muss militärisch abgesichert werden. Wer das versäumt, fordert eine militärische Intervention geradezu heraus. Der jüngste Fall, in welchem dies geschah, ist der Herbstkrieg in Berg-Karabach von 2020. In diesem Sinn ist Neutralität nicht gleichbedeutend mit Pazifismus, sondern entsteht aus der Einsicht, dass Kriege, die in Selbstzerstörung münden, besser nicht geführt werden. 

    Neutralität muss aber nicht nur glaubwürdig, sondern auch nützlich sein, sodass vor allem die Nachbarn einer neutralen Macht ein Interesse an deren Unversehrtheit haben. Auch das spricht für eine aktive Außenpolitik der Schweiz.

    Befürworter eines NATO-Beitritts argumentieren immer wieder damit, dass autonome Verteidigung heute nicht mehr möglich sei. Das war schon seit Jahrhunderten so, denn ohne Importe der benötigten Rohstoffe hätten wir nicht einmal Schießpulver selbst herstellen können. Und auch heute sind wohl von den 193 Staaten der Erde nur die wenigsten in der Lage, alles selbst zu produzieren, was eine Armee eben so braucht. Darüber hinaus ist die Argumentationskette zwischen der Abhängigkeit von Importen und einem NATO-Beitritt längst nicht geschlossen. Man kann sich auch fragen, wie eine derartige Aussage der NATO-Befürworter zustande kommen kann, solange Szenarien für eine schweizerische Landesverteidigung im Rahmen eines gesamt-europäischen Konflikt-Szenarios fehlen. 

    Sollte die Schweiz wirklich jemals gezwungen sein, sich gegen einen Aggressor zur Wehr zu setzen, dann muss sie zumindest einen ihrer Nachbarn dazu bewegen, ihr den Zugang zu den Weltmärkten offenzuhalten. Dass jemand anders den Krieg für die Schweiz führt, wird hingegen nicht verlangt. Drei unserer Nachbarn gehören zu den Großen der Weltpolitik und haben geopolitische Ambitionen vom Golf von Aden über den Golf von Guinea bis in den Arktischen Ozean. Sich quasi vorbeugend an völkerrechtswidrigen Aggressionen zu beteiligen, um sich bei diesen Nachbarn beliebt zu machen, kann keine Strategie für die Gewährleistung von Sicherheit darstellen.


    Ur-europäische Schweiz

    Dass Erasmus von Rotterdam, Paracelsus und andere wichtige Gelehrte der frühen Neuzeit an der Universität Basel lehrten, ist allgemein bekannt; dass Jean Calvin und Jean-Jacques Rousseau aus Genf stammten, ebenso. Weniger bekannt ist hingegen, dass der Chefingenieur des Mailänder Doms, Giovanni Solari, aus Carona bei Locarno stammte und dass sein Sohn Pietro Solari eine führende Rolle beim Ausbau des Moskauer Kremls schuf. Schon im 13. Jahrhundert war im Kloster St. Gallen die Urfassung des Nibelungenlieds entstanden, eines der ältesten Zeugnisse deutscher Sprache überhaupt. Im Kloster St. Gallen verfassten fromme Mönche, allen voran Notker der Deutsche schon im 10. Jahrhundert den ersten Aristoteles-Kommentar seit der Antike, als die Bewohner von Berlin noch heidnische Götzen anbeteten! Alles in allem: Die Schweiz ist ur-europäisch, aber nicht Teil der EU und der NATO. Das macht die schweizerische Position zu aktuellen Fragen so interessant. Für Mächte außerhalb Europas macht es keinen Sinn, mit Vertretern der kleinen Mitgliedsländer der EU zu sprechen, denn für sie spricht Brüssel. Als Nichtmitglieder dieser Allianzen kann sich die Schweiz hingegen international Gehör verschaffen.


    Nicht zu ignorierender geopolitischer Wandel

    Ganz abgesehen davon, dass sich eine große Zahl von Ländern der Erde nicht an den Sanktionen der EU gegen Russland beteiligen, zeigten die Gipfel der afrikanischen Länder mit Russland und der BRICS-Gipfel in den vergangenen Wochen, wie die Welt gegenüber Europa steht. Am Afrika-Russland-Gipfel vom 27. und 28. Juli dieses Jahres waren 41 afrikanische Länder von 54 mit Staats- oder Regierungschefs oder Ministern vertreten. In den meisten dieser Länder sind die Europäer infolge ihrer kolonialen Vergangenheit unbeliebt. Dem Vernehmen nach sind derzeit gerade die Chinesen daran, sich auf dem afrikanischen Kontinent unbeliebt zu machen. Auch sie tendieren zuweilen zu Überheblichkeit und zum falschen Gefühl kultureller Überlegenheit. Vielleicht begehen sie dieselben Fehler, wie die Europäer in der Vergangenheit. Besonders die Afrikaner werden kein Interesse daran haben, die mühsam abgeschüttelte Abhängigkeit von den europäischen Kolonialmächten gegen eine solche von Peking einzutauschen oder den Gender-Eiferern vornehmlich nordwest-europäischer Provenienz Tür und Tor zu öffnen. 

    Der BRICS-Gipfel vom 22. bis 24. August zeugte von großem Interesse für diese Staatengruppe, die heute einen Anteil an der Weltbevölkerung und der globalen Wirtschaftsleistung aufweist, der nicht mehr zu ignorieren ist. Es ist nicht davon auszugehen, dass die BRICS+ einen fest gefügten Block bilden werden, wie zu Zeiten des Kalten Kriegs die Länder des kommunistischen Blocks, als die Zugehörigkeit zu einem Block in den Augen vieler Länder eine Frage des militärischen Überlebens darstellte. Für viele Staaten bietet sich jetzt aber die Gelegenheit, sich vom Westen und von den BRICS+ das jeweils vorteilhafteste Angebot zu sichern. Wer diese Chance nicht nutzt, ist entweder blind oder taub. Und vielleicht ist der lose Zusammenhalt der BRICS auch ein Element, was diesen Staaten-Cluster attraktiv macht.

    In den Hauptstädten der BRICS+ Länder wird inskünftig Weltpolitik betrieben werden und nicht im Eunuchenchor der G7. Xi Jinping und Wladimir Putin werden möglicherweise die Probleme der koreanischen Halbinsel regeln, während die deutsche Außenministerin noch immer in einem defekten Regierungsflugzeug irgendwo festsitzt.


    Fazit

    Die Karten in der Weltpolitik werden derzeit neu verteilt und zwar zu Ungunsten all jener, welche die Welt in Gut und Böse, Schwarz und Weiß einteilen möchten. Das ist Weltpolitik für Farbenblinde. Die NATO erinnert nicht erst seit der Blamage vom Flughafen Kabul im August 2021 an die Olsen-Bande in den dänischen Kriminalkomödien der Achtziger- und Neunzigerjahre. In diesen war die tollpatschige Bande unter der Leitung ihres Chefs Egon Olsen immer bereit, ein krummes Ding zu drehen, und scheiterte jedes Mal an den eigenen Unzulänglichkeiten. 

    Solange der Krieg in der Ukraine andauert, setzt der Westen seinen Prozess der Realitätsverweigerung fort. Und der Ukraine-Krieg muss weitergehen, weil er längst schon der Rahmen geworden ist, in welchem der Dritte Weltkrieg vorbereitet wird. Die Angriffe auf den Kreml in Moskau und die Stützpunkte der russischen Transport- und Fernfliegerkräfte bei Saratow und Pskow können auch als Hauptproben für einen (Erst-) Schlag gegen die Führung des Landes und das russische Arsenal der nuklearen Abschreckung interpretiert werden. Sollten in naher Zukunft Angriffe gegen russische U-Boot-Stützpunkte und gegen Raketensilos dazukommen, dann werden wir wissen, worum es wirklich geht. Vorderhand wird der Westen die Ukraine nötigen, den Krieg fortzusetzen, auch wenn diese dabei täglich hunderte von Menschenleben verliert. Vielleicht ist im Baltikum dasselbe schmutzige Spiel in Vorbereitung, das seit Jahren im Nahen Osten gespielt wird, wo die israelische Luftwaffe aus libanesischem Luftraum heraus Angriffe gegen Syrien zu fliegen pflegt. 

    Mit ihrer Beteiligung an den Wirtschaftssanktionen hat die Schweiz ihrem Image als verlässlicher Handelspartner selbst geschadet. Welche Rolle kann sie noch spielen? Ob es ihr gelingt, erneut eine Brückenfunktion einzunehmen, wie zwischen den USA und Kuba und dem Iran oder zwischen Russland und Georgien, ist fraglich. Mehr als eine Rolle als Stimme der Vernunft ist wohl nicht mehr möglich.


    Ausblick

    Neutralität ist die Haltung souveräner Staaten und selbstbewusster Völker, die selbst über ihr Schicksal entscheiden und sich nicht zum Subjekt geopolitischer Konzeptionen reduzieren lassen möchten. Sie ist das Gegenkonzept zum Exzeptionalismus, mit dessen Hilfe namentlich die USA alle anderen Länder der Erde zu Bananenrepubliken machen möchten und zu Territorien mit eingeschränkten Rechten wie Puerto Rico. Die Zurückhaltung, mit welcher der Globale Süden auf die Avancen aus Brüssel, Washington und Berlin reagiert, nötigt den Westen dazu, Neutrale ins Boot zu holen. In diesem Sinn ist der Druck, der derzeit auf die Schweiz ausgeübt wird, nichts anderes als ein Zeichen der Verzweiflung. 

    Die Schweiz war im Konflikt in und um die Ukraine nicht zu wenig aktiv. Schweizer Diplomaten hatten maßgeblichen Anteil am Zustandekommen der Minsker Abkommen und der OSZE Sonderbeobachtungsmission in der Ukraine. Als klar wurde, dass insbesondere das Minsker Maßnahmenpaket nicht umgesetzt werden kann, boten Schweizer Diplomaten die Ausarbeitung einer Road Map an. Aber die Ukraine und der Westen wollten sich alle Handlungsoptionen – auch militärische – offenhalten und betrieben eine Politik des „Chose and Pick„. Neutralität ist nicht unanständig. Die Schweiz zur Beteiligung an gewaltsamen Lösungsversuchen zu drängen, nachdem diese so viel in friedliche Optionen investiert hat, ist unanständig. Neutralität ist auch kein Ausdruck von Feigheit. Die Schweiz ist nach wie vor ein Land, das keiner militärischen Bedrohung ausgesetzt ist. Ihre sichere Position auszunutzen, um Krieg in andere Länder zu tragen, wäre feige. Die Sicherheit ihrer Lage dazu zu nutzen, um an gewaltfreien Lösungsversuchen mitzuarbeiten, ist keine pazifistische Heldentat, sondern der Beitrag, den die Welt billigerweise von der Schweiz erwarten darf. Diesen Weg gilt es weiterhin zu beschreiten.


    Zum Autor des obenstehenden Artikels: Ralph Bosshard studierte Allgemeine Geschichte, osteuropäische Geschichte und Militärgeschichte, absolvierte die Militärische Führungsschule der ETH Zürich sowie die Generalstabsausbildung der Schweizer Armee und arbeitete 25 Jahre als Berufsoffizier (Instruktor). Er absolvierte eine Sprachausbildung in Russisch an der Staatlichen Universität Moskau sowie eine Ausbildung an der Militärakademie des Generalstabs der russischen Armee. Mit der Lage in Osteuropa und Zentralasien ist er aus seiner sechsjährigen Tätigkeit bei der OSZE vertraut, in der er als Sonderberater des Ständigen Vertreters der Schweiz und Operationsoffizier in der Hochrangigen Planungsgruppe tätig war


    Info: https://globalbridge.ch/die-rolle-der-schweiz-im-geopolitischen-wandel


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    08.09.2023


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    nachdenkseiten.de, 08. September 2023 um 10:00 Ein Zwischenruf von Frank Blenz

    Die FDP-Bundestagsabgeordnete Marie-Agnes Strack-Zimmermann ist dieser Tage einer Einladung des Inspekteurs der Bundeswehr-Luftwaffe nachgekommen. Bekanntermaßen tat sie das gern, gilt sie doch als ausgesprochen innige Lobbyistin des Militärischen in unserem Land. Sie veröffentlichte ihren Besuch bei der fliegenden Truppe folgerichtig mit einem cool meinenden Beitrag in sozialen Medien, formulierte überaus salopp, gesponsert als Werbeanzeige, finanziert von der Bundestagsfraktion der FDP. Strack-Zimmermann hob geradezu ab, als wäre sie Darstellerin eines US-Action-Films. Und ja, sie sah richtig chic aus in Pilotenmontur und durfte sogar mitfliegen. Da fragt man sich: Was sind das nur für Zeiten?

    Beim Anblick der Fotos der kleinen Dame mit weißem Kurzhaarschnitt beim Luftwaffengeschwader 31 Boelcke bei Köln bleibt mir die Spucke weg. Ihren Kommentar kann ich nicht teilen, ich empfinde keinerlei Verständnis oder etwa joviale Sympathie, weil es ja eigentlich lediglich ein Besuch einer Politikerin bei unseren Verteidigern ist. Doch gerade brennt in Europa die Luft, und jede Geste der Abrüstung wäre eine richtige. Wäre sie zu Hause geblieben, rufe ich dazwischen. Sie, die Lobbyistin des Militärs, indes schwärmt und meint, einen der aufregendsten Tage ihres Lebens gehabt zu haben. Die FDP-Bundestagsabgeordnete Marie-Agnes Strack-Zimmermann schreibt (26. August via Facebook):

    Gestern erlebte ich einen der aufregendsten Tage meines Lebens. Dank einer besonderen Einladung des Inspekteurs Luftwaffe hatte ich die Gelegenheit, in einem Eurofighter mitzufliegen. Der Flug fand beim Taktischen Luftwaffengeschwader 31 „Boelcke“ in Nörvenich bei Köln statt, und ich kann nur sagen: Top Gun-Feeling pur!

    Bevor ich in den Jet steigen konnte, wurden natürlich alle nötigen medizinischen Checks durchgeführt – die ich glücklicherweise bestanden habe.

    Manche fragen sich: Warum setze ich mich in Panzer und Kampfjets der Bundeswehr? Die Antwort ist einfach. Ich bin fest davon überzeugt, dass ich nur so authentisch und glaubhaft für die Interessen der Soldatinnen und Soldaten eintreten kann. Und ja, ein kleines bisschen Spaß hat es natürlich auch gemacht.

    Ein großes Dankeschön geht an alle, die diesen unvergesslichen Flug möglich gemacht haben. Allen Soldatinnen und Soldaten, die tagtäglich Ihren Dienst für uns verrichten, zolle ich Respekt. Es war mir eine Ehre und ein Privileg, diese Erfahrung zu machen. (MASZ)

    In Kurzform lesen sich Strack-Zimmermanns Einlassungen so:

    TOP GUN FEELING bei @strackzimmermann – das hat sie jedenfalls selbst über ihren Besuch bei der Bundeswehr gesagt. Da ist sie nach Einladung des Inspekteurs der Luftwaffe in einen Eurofighter gestiegen und konnte mitfliegen.

    Bei all dem Spaß: Man kann sich nur glaubhaft für die Interessen der Soldatinnen und Soldaten der #Bundeswehr einsetzen, wenn man vor Ort ist und die Praxis miterlebt. Und wenns dann auch noch Spaß macht…

    Wir danken allen, die bei der Bundeswehr für die Interessen unseres Landes eintreten – egal ob auf dem Übungsplatz, im Ausland oder in der Verwaltung

    Reaktionen im Netz blieben nicht aus, hier einige Wortmeldungen unter Strack-Zimmermanns Beitrag:

    Perfekt! Ab an die Ostfront in der Ukraine mit der Dame! Ist dann doch mal ein Vorbild!!!

    Endlich mal den Worten auch Taten folgen lassen!!! Super, besser morgen als übermorgen!!! Und alle, die für weitere Waffenlieferungen sind, bitte unbedingt mitnehmen!!! Hurra!!!

    Vielleicht ist dann ja endlich bald Frieden dort!!!

    Die sollte man sofort an die Front bringen, mal gucken, ob sie dann immer noch Spaß empfindet. Kriegstreiberin!

    Eine furchtbare Frau.

    Und auch solche Wortmeldungen sind zu lesen:

    Endlich mal Politiker, die sich für die Truppe interessieren.

    Sagenhaft, ich bin begeistert.

    Mutig.

    Einen NachDenkSeiten-Artikel habe ich zur gleichen Zeit auf dem Schirm, „Krieg ohne Krieger“. Ich lese und bin fassungslos:

    Diese Soldaten kämpfen tagtäglich. (Genauer: Sie müssen das!) Das heißt: Sie greifen an und sie verteidigen. Sie sitzen in Panzern, Kampfhubschraubern und -flugzeugen und sie sind hinter der x-ten Verteidigungslinie in Schützengräben verschanzt. Sie bedienen Raketenwerfer, Langrohrkanonen, Mörser und Haubitzen, sie starten Drohnen und Marschflugkörper, sie schießen mit Panzerfäusten, Granaten, Raketen, Schmetterlingsminen, Streumunition und abgereichertem Uran. Sie beschießen militärische und sie beschießen zivile Ziele. Kurz: Sie zerstören, sie verletzen, sie töten. Und sie werden verletzt und getötet.

    Die Zeilen sind nicht aus einem Roman von Erich Maria Remarque, sie beschreiben den derzeitigen, fortwährenden Kriegsalltag in der Ukraine. Von wegen Top-Gun-Feeling…

    Die FDP-Bundestagsabgeordnete posiert für schöne Fotos und empfindet dagegen Top-Gun-Feeling. Ebenso kantige, treffende Fotos, Worte, Termine in Sachen Abrüstung, Diplomatie, Verhandlungen, Friedensforderungen – bei ihr völlige Fehlanzeige. Stattdessen bestätigt die Politikerin aus dem Rheinland mit ihrer Militär-Show, wofür sie steht, was sie umtreibt. Und sie ist enorm umtriebig – Hauptsache, es hat etwas mit Wehrhaftigkeit, mit Rüstungsindustrie, mit Feindbildern, mit Aggressivität zu tun. Strack-Zimmermann gehört erlesenen Kreisen an: dem Förderkreis Deutsches Heer, der Deutschen Gesellschaft für Wehrtechnik, sie hält den Vorsitz des Verteidigungsausschusses inne. Wie bei ihren aktuellen Posts im Netz äußert sich die Freundin der Rüstungsindustrie schon mal lässig zum Thema Rüstung und Geldverdienen. In einem Interview für die Süddeutsche Zeitung formulierte Strack-Zimmermann, was es braucht, um als Bundeswehr eine Daseinsberechtigung zu besitzen:

    Was wir brauchen – das mag martialisch klingen – Sie brauchen, um aus Sicht der Bundeswehr zu agieren, ein Feindbild.“ Quelle: SZ

    Der Feind? Bei Strack-Zimmermann heißt der Russland.

    Gute Laune lebt die Politikerin gerade in vollen Zügen aus, was Wunder, die Ausgaben für Rüstung werden erhöht, die Ausgaben für Soziales gerade gekürzt und/oder eingedampft – wie bei den Finanzen für die Kindergrundsicherung. Statt zwölf gibt es dank der Knausrigkeit von Strack-Zimmermanns Parteikollegen und Finanzminister Christian Lindner für die Reform gerade mal 2,4 Milliarden ab 2025. Prioritäten haben die zwei Politiker eben andere.

    Zurück zum Top-Gun-Feeling von Marie-Agnes Strack-Zimmermann. Ein weiterer Leser fragt direkt mal nach:

    Da Sie ja immer so begeistert von Waffenlieferungen sind, um den Krieg mehr und mehr zu pushen, wäre es doch gut, Sie fliegen in die Ukraine mit dem Jet und kämpfen selbst?? Wäre das keine Idee?

    Was wohl die Politikerin dazu sagt? Mir fällt ein Spruch vom eingangs erwähnten, geschätzten Schriftsteller Remarque ein, der einst sinnierte: „Ich dachte immer, jeder Mensch sei gegen den Krieg, bis ich herausfand, dass es welche gibt, die dafür sind, besonders die, die nicht hinmüssen.“

    Rubriken:  einzelne Politiker / Personen der Zeitgeschichte Kampagnen / Tarnworte / Neusprech Lobbyismus und politische Korruption

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    Info: https://www.nachdenkseiten.de/?p=103523


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    08.09.2023

    Pentagon erwartet von der Ukraine einen "verantwortungsvollen" Umgang mit Uranmunition

    freedert.online, 7 Sep. 2023 16:56 Uhr

    Die USA sind "zuversichtlich", dass das ukrainische Militär die von den Vereinigten Staaten gelieferte Munition mit abgereichertem Uran "verantwortungsvoll" einsetzen wird. Die umstrittenen Geschosse werden "standardmäßig in amerikanischen Panzern verwendet", so eine Sprecherin des Pentagons.


    Quelle: AFP © Kevin Dietsch / GETTY IMAGES NORTH AMERICA / Getty Images via AFP


    Die stellvertretende Pentagon-Sprecherin Sabrina Singh (Archivbild)


    Die USA sind "zuversichtlich", dass das ukrainische Militär die von Großbritannien und den USA gelieferte Munition mit abgereichertem Uran verantwortungsvoll einsetzen wird, erklärte die stellvertretende Pentagon-Pressesprecherin Sabrina Singh am Mittwoch. "Ich werde keinen Ankündigungen vorgreifen, die das Pentagon heute noch nicht gemacht hat, was ich jedoch sagen werde, ist, dass diese Munition standardmäßig in den Panzern verwendet wird, die nicht nur die USA benutzen, sondern die wir auch den Ukrainern zur Verfügung stellen werden", sagte Singh gegenüber CNN.

    "Und wenn sie in den Paketen enthalten sind, die heute oder in den kommenden Wochen geliefert werden, haben wir absolutes Vertrauen, dass die Ukrainer sie verantwortungsvoll einsetzen werden", fügte sie hinzu.

    Medienbericht: USA planen Lieferung von Munition mit abgereichertem Uran an Kiew





    Medienbericht: USA planen Lieferung von Munition mit abgereichertem Uran an Kiew






    Die mögliche Lieferung von Uranmunition wurde bereits im Juni vom Wall Street Journal angedeutet und in der vergangenen Woche gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters bekannt gegeben. Am Mittwochnachmittag wurde sie als Teil eines neuen Militärhilfepakets in Höhe von 175 Millionen Dollar für Kiew offiziell angekündigt.


    Die aus abgereichertem Uran hergestellten Stäbe werden als kinetische Penetratoren in den SABOT-Panzerabwehrgeschossen verwendet, die von M1-Abrams-Panzern abgefeuert werden. Die USA haben der Ukraine Anfang des Jahres 31 dieser Panzer versprochen, die erste Lieferung soll noch in diesem Monat erfolgen.


    Das Vereinigte Königreich hat in diesem Jahr bereits eine Lieferung von Uranmunition in die Ukraine geschickt, die für seine Challenger-2-Panzer bestimmt war. Sowohl London als auch Washington haben alle Bedenken und Einwände hinsichtlich der Auswirkungen des giftigen Metallstaubs auf die menschliche Gesundheit und die Umwelt zurückgewiesen.


    Kritiker des Einsatzes von Uranmunition wiesen auf einen drastischen Anstieg von Krebserkrankungen und Geburtsschäden in Ländern wie Irak und Serbien hingewiesen, in denen diese Munition eingesetzt worden ist. Die Gefahr besteht vor allem in Staubpartikeln, die freigesetzt werden, wenn die Munition zerfällt. Diese sind hochgiftig, wenn sie eingeatmet oder angefasst werden.


    Putin: Russland wird Uranmunition als "Waffen mit nuklearer Komponente" ansehen





    Putin: Russland wird Uranmunition als "Waffen mit nuklearer Komponente" ansehen






    Die Vereinten Nationen lehnen jeden Einsatz von Uranmunition ab, ebenso wie sie sich im Juli gegen die Lieferung und den Einsatz von Streumunition ausgesprochen haben, ohne dass dies in Washington etwas bewirkt hätte. Die USA und ihre Verbündeten lieferten bisher Waffen, Munition und Ausrüstung im Wert von über 100 Milliarden Dollar in die Ukraine und versprachen, Kiew so lange zu unterstützen, wie es nötig sei, um Russland zu besiegen. Gleichzeitig betonten sie, nicht direkt in den Konflikt verwickelt zu sein. Moskau verurteilte die Lieferungen als eskalierend und warnte den Westen, er "spiele mit dem Feuer".


    Das Pentagon war unbequemen Fragen über den "verantwortungsvollen" Einsatz westlicher Ausrüstung wie Streumunition durch Kiew bisher ausgewichen oder hat sie abgewiegelt. Als es im Mai mit Bildern von ausgebrannten US-Fahrzeugen konfrontiert wurde, mit denen ukrainische Kämpfer die Region Belgorod in Russland angegriffen hatten, bezweifelten das Pentagon und das Außenministerium die Echtheit der Bilder.


    Mehr zum Thema – Uranmunition und andere Liebesbeweise der ukrainischen Regierung für ihr Volk


    Durch die Sperrung von RT zielt die EU darauf ab, eine kritische, nicht prowestliche Informationsquelle zum Schweigen zu bringen. Und dies nicht nur hinsichtlich des Ukraine-Kriegs. Der Zugang zu unserer Website wurde erschwert, mehrere Soziale Medien haben unsere Accounts blockiert. Es liegt nun an uns allen, ob in Deutschland und der EU auch weiterhin ein Journalismus jenseits der Mainstream-Narrative betrieben werden kann. Wenn Euch unsere Artikel gefallen, teilt sie gern überall, wo Ihr aktiv seid. Das ist möglich, denn die EU hat weder unsere Arbeit noch das Lesen und Teilen unserer Artikel verboten. Anmerkung: Allerdings hat Österreich mit der Änderung des "Audiovisuellen Mediendienst-Gesetzes" am 13. April diesbezüglich eine Änderung eingeführt, die möglicherweise auch Privatpersonen betrifft. Deswegen bitten wir Euch bis zur Klärung des Sachverhalts, in Österreich unsere Beiträge vorerst nicht in den Sozialen Medien zu teilen.

    Info: https://freedert.online/international/180061-pentagon-erwartet-von-ukraine-verantwortungsvollen


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    08.09.2023

    Berlin: Weniger Geld für Obdachlose, aber üppige Fördergelder für Melde-Register gegen "rechts"

    freedert.online, vom 7 Sep. 2023 17:46 Uhr

    Nach den Plänen des Berliner Haushaltsentwurfs konstatiert die Caritas, dass in Berlin weitere schmerzhafte Einsparungen bei der Unterstützung von Obdachlosen drohen. Jedoch beträgt die finanzielle Unterstützung des Berliner Senats für das Projekt "Berliner Register", einer Meldestelle angeblich über "Trans-Diskriminierung und extrem rechte Aktivitäten", weiterhin 830.000 Euro.


    (Bild von Aufkleber)

    GEGEN

    (Faustsymbol)

    VÖLKISCHE & SEXISTISCHE ANTISEMITEN

    ANTIFA   AREA


    Quelle: www.globallookpress.com © Andreas Haas / imago images via


    Dieser Aufkleber ist nach Ansicht der Berliner Senatsverwaltung in seiner politischen Aussage völlig ungefährlich.


    Laut Eigendarstellung auf der Webseite "Berliner Register" möchte das Projekt mit seiner Arbeit insbesondere "gegen Diskriminierung und Ausgrenzung" in der Bundeshauptstadt vorgehen. Dafür würden die von Bürgern gemeldeten Vorfälle dokumentiert, "die im Alltag in Berlin passieren". Dem Berliner Senat ist diese Meldestelle im aktuellen Haushaltsbudget immerhin eine finanzielle Unterstützung von rund 830.000 Euro wert. Betrachtet man die gemeldeten und dokumentierte "Vorfälle", stellen sich Fragen – auch hinsichtlich der Glaubwürdigkeit zugetragener Ereignisse. Der Blick aus dem Ausland auf die jüngsten "Meldestellen gegen rechts" in Deutschland fällt denkbar kritisch aus. So stellt die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) in einem Artikel nüchtern fest:

    "Wer sich rächen will, eine Intrige spinnen, einem Kollegen schaden, der hat in Deutschland leichtes Spiel. Im ganzen Land entstehen 'Meldestellen' für Vorfälle aller Art. Objektivierbare Kriterien gibt es dabei nicht."

    Auch in Deutschland selbst hat das Nachrichtenmagazin Focus nun in einem Artikel am 6. September auf das Projekt hingewiesen, unter der Überschrift:

    "Berlins bizarres Anschwärz-Portal: Lesen Sie mal, welche Meldungen dort einlaufen"

    Antifa Frankfurt veröffentlicht AfD-Privatadressen, um ihnen "das Leben zur Hölle zu machen"

    Antifa Frankfurt veröffentlicht AfD-Privatadressen, um ihnen "das Leben zur Hölle zu machen"

    Der Artikel informiert darüber, dass das "Berliner Register" durch die üppige finanzielle Unterstützung seit dem Jahr 2016 in "jedem der zwölf hauptstädtischen Bezirke über eine eigene Meldestelle verfügt". Dazu würden noch "über 230 Anlaufstellen" zählen. Die erwünschte Kooperation der Bundeshauptstadt würde über die "Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung" organisiert, die aktuell von Cansel Kiziltepe (SPD) geleitet wird. In einem Interview mit dem Berliner Tagesspiegel, aus Anlass ihrer seit April dieses Jahres übernommenen Senatszuständigkeiten, gab Kiziltepe zu Protokoll.

    "Wir bekennen uns im Koalitionsvertrag zu Berlin als Stadt der Vielfalt. Das zeigt nicht zuletzt die Benennung von Felor Badenberg als Justizsenatorin. Sie zeigt seit Jahren klare Kante gegen rechts."

    Badenberg war übrigens vor ihrer kürzlichen Nominierung infolge der Berliner Wahlwiederholung beim Verfassungsschutz tätig und galt dort "als engagierte 'AfD-Jägerin'". Kiziltepe stellt in dem TS-Interview zum Thema "Kreuzberg als sozialer Brennpunkt-Bezirk" fest:

    "Kreuzberg war bunt, migrantisch und proletarisch. Viele Menschen waren einkommensschwach. Der Begriff 'sozialer Brennpunkt' trifft das nur unzureichend. Zugleich ist es richtig, dass der Staat in bestimmten Gebieten stärker unterstützen muss, zum Beispiel, damit Kinder in der Schule die deutsche Sprache besser lernen."

    Kiziltepe ist selbst in diesem Bezirk Berlins aufgewachsen. In Bezug auf die angeblichen Schwerpunkte des Melderegisters erläutert der Focus-Artikel:

    "Nach eigenen Angaben sammelt das Register Ereignisse, 'die rassistisch, antisemitisch, LGBTIQ*-feindlich, antiziganistisch, extrem rechts, sozialchauvinistisch, behindertenfeindlich oder antifeministisch sind'."

    Der Artikel zitiert vermeintlich entdeckte und protokollierte, damit aber noch lange nicht nachkontrollierbare oder nachkontrollierte Meldungen, die seitens entsprechend besorgter und mitteilsamer Bürger an das "Berliner Register" eingereicht wurden. Auf der Website heißt die diesbezüglich eingerichtete Rubrik "Vorfalls-Chronik". Es folgen Beispiele aus dem Artikel und von der Website (jeweils in der Original-Schreibweise):

    • An der Ecke Pannierstraße/Weserstraße in Nord-Neukölln wurden zwei Männer von drei Unbekannten angegriffen und antisemitisch beleidigt. Die beiden betroffenen Personen wurden von den drei Männern erst auf Elektrorollern überholt und dabei angespuckt.
    • Rechter Aufkleber in Charlottenburg: An der Technischen Universität (TU) Berlin wurde in einer Toilettenkabine im Hauptgebäude ein Aufkleber des extrem rechten Compact-Magazins entdeckt.
    • Am Alexanderplatz hielten Verschwörungsideolog*innen eine Mahnwache ab (Meldung vom 2. September). Auf der Veranstaltung wurden Verschwörungsmythen über die Corona-Pandemie verbreitet und Pandemie-Eindämmungsmaßnahmen mit dem NS-Regime verglichen.
    • Transfeindliche Abwertung in Wilmersdorf: In der Tauentzienstraße äußerte eine 12-jährige Person gegen 19.30 Uhr das Wort 'Ihhhh!' gegenüber einer Frau. Die Betroffene bezog dies darauf, von dem Kind als LGBTIQ*-Person identifiziert worden zu sein.
    • Antifeministischer Sticker in Westend: Am Theodor-Heuss-Platz wurde ein antifeministischer Sticker entdeckt, der sich gegen gendergerechte Sprache richtete.
    • An eine Bushaltestelle in Tiergarten wurde ein rassistischer Schriftzug geschmiert.
    • An einem Obststand auf dem Wochenmarkt am Maybachufer in Neukölln wurde eine asiatisch gelesene Person von dem Verkäufer mit den Worten "Hallo, ching chow!" angesprochen.
    • In der August-Lindemann-Straße wurde an einem Garagentor eine homofeindliche Sprüherei entdeckt. Der Slogan war "[Name] ist ein schwuler Hurensohn ohne Eier und Schwanz. Ich hoffe [sic] er verreckt am Arschfick.
    • Erneut wurde eine Gedenkplakette an einen verstorbenen obdachlosen Menschen auf einer Sitzbank mit einer zähen grauen Farbe so beschmiert, dass sie nicht mehr gelesen werden kann.

    Berlin: Senat spart bei der Obdachlosen-Versorgung, fördert jedoch die Kultur mit Milliarden

    Berlin: Senat spart bei der Obdachlosen-Versorgung, fördert jedoch die Kultur mit Milliarden

    Zur Situation der weiter stetig steigenden Zahlen von Obdachlosen in Berlin wurde laut Informationen des Regionalsenders RBB bekannt, dass die Senatsverantwortlichen spürbare Kürzungen im Haushaltsentwurf planen, wodurch zwei Einrichtungen der Caritas erhebliche finanzielle Probleme ins Haus stehen. So wird die Obdachlosen-Ambulanz am Bahnhof Zoo, zentrale und wichtige Anlaufstelle für wohnungslose Menschen, ihre Angebote reduzieren müssen. Einer Krankenwohnung für Wohnungslose droht durch die Kürzungen die dauerhafte Schließung.

    Der Focus-Artikel informiert auch über die möglichen Varianten von Meldungen auf dem Portal:

    "Als Quellen für ihre Chronik-Einträge nutzt das Register unter anderem Presseberichte, Schilderungen von Opferberatungsstellen, die sozialen Netzwerke und Polizeimeldungen. Hauptzuträger sind jedoch meldefreudige 'Bürger*innen'."

    Ob die bearbeiteten Schilderungen dabei der Wahrheit entsprächen "oder ob es sich lediglich um subjektive Eindrücke handelt", wäre damit unklar für potentielle Leser und Interessierte. Die Meldungen können zunächst ohne jegliche Gegenkontrolle über ein simples Online-Formular zugesendet werden. So lauten zwei wortwörtliche Beispiele:

    • Mitarbeiterin des Jugendamtes Neukölln diskriminiert zwei Roma-Frauen: Bei einer telefonischen Anfrage leitet eine Mitarbeiterin des Jugendamtes Neukölln zwei Roma-Frauen zu einer Anlaufstelle weiter, ohne deren Anliegen zu bearbeiten, mit der Begründung, dass die Beratungsstelle dafür zuständig sei.
    • Kein Zugang zum Sommerbad Neukölln für migrantische Jugendliche: Zwei Jugendlichen mit Migrationsherkunft im Alter von 14 Jahren wurde der Zutritt zum Schwimmbad verwehrt mit der Aussage, Jugendliche würden generell nicht mehr hineingelassen.

    Die Webseite informiert über die Wirksamkeit ihrer Listungen auf Reaktionen seitens und insbesondere die politische Arbeit des Berliner Senats:

    "Die Ergebnisse können Politiker*innen, Mitarbeiter*innen der Verwaltung oder politisch engagierte Initiativen in ihre Entscheidungen einbeziehen, und dann Maßnahmen entwickeln, um gezielt gegen Diskriminierung und Ausgrenzung vorzugehen."

    Dass es sich bei einem Großteil der gemeldeten "Fakten" um rein subjektiv eingeschätzte und nicht nachkontrollierte "Beobachtungen" handelt, bezogen auf den potentiellen Wahrheitsgehalts des Inhalts und der generellen Existenz solcher Meldungen, wird anscheinend seitens der Senatspolitiker durch "blindes Vertrauen" akzeptiert. Dies bringt wiederum mittlerweile bestätigte Probleme anderer Art mit sich. So heißt es im NZZ-Artikel:

    "An der Zahl der 'Vorfälle' wird durchaus getrickst. Das habe die Verwaltung offen zugegeben. In einem Brief aus der Berliner Sozialverwaltung, der der NZZ vorliegt, bestätigt der zuständige Sachbearbeiter, dass er es völlig in Ordnung findet, wenn derselbe 'transfeindliche' Aufkleber, der von fünf Personen gemeldet wird, als fünf transfeindliche Vorfälle gezählt wird."

    Die Projektleiterin Kati Becker wies die Kritik an der Arbeit dieses Registers erst jüngst vehement zurück. In einem Gespräch mit der Berliner Zeitung teilte sie mit, "die Vorwürfe seien nicht neu und kämen 'hauptsächlich aus der rechtsextremen Ecke', aber auch verstärkt aus den Reihen 'von transfeindlichen Aktivistinnen der Frauenbewegungen'". Bei einer Unterstützer-Aktion des Opferfonds Cura im Jahr 2018 hatte Becker zu Protokoll gegeben: "Die Ursachen rechter Gewalt liegen nicht im Verhalten der Opfer, sondern in den Einstellungen der Täter."

    Dies scheint der Berliner Senat angesichts der fortdauernden üppigen finanziellen Unterstützung ähnlich einzuschätzen. Die Vorgehensweise des Projekts bleibt dabei nachweislich willkürlich und keineswegs etwa politisch neutral. So bestätigte eine Mitarbeiterin gegenüber der NZZ in Bezug auf die Meldung eines "Aufklebers mit der Aufschrift 'Es gibt nur zwei Geschlechter'":

    "Wir schauen, von wem der Aufkleber stammt, und wenn er von der AfD ist, dann nehmen wir ihn – in die Vorfall-Chronik – auf."

    Mehr zum Thema - "Sturm auf den Reichstag": Journalistin zerpflückt irreführenden ZEIT-Artikel

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    Info: https://freedert.online/inland/180017-berlin-weniger-geld-fuer-obdachlose


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