https://www.zeit.de/zeit-magazin/leben/2025-10/gershon-baskin-nahostkonflikt-donald-trump-friedens-deal-israel
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In: "DIE ZEIT" mit Gershon Baskin *
Interview: Sascha Chaimowicz
18. Oktober 2025, 13:00 Uhr
Er chattete mit der Hamas und mit Trumps Leuten. So verhandelte der
Israeli Gershon Baskin den Frieden. Hier erzählt er, wie er direkt nach
dem Massaker damit begann.
Kein offizieller Auftrag, kein Geheimdienst hinter ihm, nur ein Israeli
mit einem Telefon. Nach dem 7. Oktober schrieb Gershon Baskin der Hamas
- und hörte nicht mehr auf. Über Monate verhandelte er im Geheimen
zwischen Hamas, Katar, Ägypten, Israel und schließlich Donald Trumps
Team, bis der Deal stand, der den Krieg stoppte.
_"Ich bekam eine WhatsApp von einem Hamas-Führer: Wir leben alle!"_
_"Am 8. September, gegen 22.20 Uhr, rief mich Witkoff an: "Der
katarische Premier sitzt jetzt mit der Hamas-Delegation und übergibt den
finalen US-Vorschlag." Eine Kopie könne er mir nicht schicken - aus
Sorge vor Leaks. Am nächsten Tag sollte Hamas antworten. Am Morgen
danach griff Israel in Doha an."_
___________
_ZEITmagazin: Herr Baskin, Sie sind bereit, über Ihre geheime Arbeit am
Geiseldeal zu sprechen. Wie kommt es, dass Sie so offen darüber reden
können?_
Gershon Baskin: Während der Verhandlungen habe ich Hunderte
Presseanfragen abgelehnt. Ich wollte auf keinen Fall den Erfolg
gefährden oder meine Verbindungen zu den entscheidenden Akteuren
zerstören. Aber Trumps Mann im Nahen Osten, Steve Witkoff, sagte mir:
"Sobald der Deal steht, kannst du mit jedem sprechen."
_ZEITmagazin: Sie sind kein Diplomat, sondern arbeiten in einem
inoffiziellen Geheimkanal. Wie funktioniert ein sogenannter
Backchannel?_
_Baskin: Ich arbeite seit 47 Jahren in verschiedenen NGOs am Frieden
zwischen Israel und Palästina. Ich bin weder Beamter der israelischen
noch der US-Regierung, und ich arbeite ganz sicher nicht für die Hamas.
Ich bin aber wahrscheinlich der einzige Israeli, der seit 18 Jahren
offen mit der Hamas spricht, seit ich 2005 auf einer Konferenz in Kairo
zufällig ein Hamas-Mitglied, einen Wirtschaftswissenschaftler,
kennengelernt habe. Wir blieben in Kontakt, weil ich ein Dialogformat
aufbauen wollte, das dann aber scheiterte. Ein paar Jahre später wurde
ein Cousin ersten Grades meiner Frau von den Hamas nach Ramallah
entführt und ermordet, ein Mann, den ich gut kannte. Über seinem Grab
habe ich mir geschworen: Ich werde alles Menschenmögliche tun, um Leben
zu retten. Ich kann zwischen den Seiten vermitteln - mit dem Vorteil,
dass alle Beteiligten glaubhaft sagen können, es habe nie ein Gespräch
gegeben._
_ZEITmagazin: Das ist der Clou?_
_Baskin: Ja. Wenn ich im Spiel bin, kann jeder leugnen, etwas damit zu
tun zu haben, weil ich rein privat agiere. Ich saß in der Vergangenheit
im Hauptquartier der israelischen Armee in der Abteilung für Geiseln und
Vermisste, zusammen mit Armee, Schin Bet und Mossad, die mich baten, die
Hamas anzurufen. Das habe ich sogar im Büro eines israelischen Ministers
getan._
_ZEITmagazin: Nach allem, was die Hamas Israel und Juden angetan hat -
wie sehen Sie diese Menschen? Gibt es da überhaupt eine persönliche
Ebene?_
_Baskin: Ich wäre sehr froh, nie wieder mit ihnen sprechen zu müssen.
Der einzige Grund, warum ich es all die Jahre tat: Die Hamas regierte
Gaza. Über zwei Millionen Menschen dort sind meine Nachbarn. Am Ende
müssen wir in Frieden leben. Sie haben schlechte Führer, einige wollen
meine Vernichtung. Aber solange sie Macht haben, muss jemand mit ihnen
sprechen._
_ZEITmagazin: Wer bezahlt Sie?_
_Baskin: Ich bekomme ein kleines Gehalt von der Londoner International
Communities Organization, die in Krisengebieten an inoffiziellen
Friedenslösungen arbeitet._
_ZEITmagazin: Sie waren 2011 maßgeblich daran beteiligt, den
israelischen Soldaten Gilad Shalit im Austausch gegen palästinensische
Gefangene freizubekommen. Wie sind Sie in die aktuellen
Geiselverhandlungen geraten?_
_Baskin: Es begann wenige Tage nach Kriegsbeginn, im Oktober 2023. In
der zweiten oder dritten Nacht hörte ich, dass die Israelis das Haus von
Ghazi Hamad, einem Sprecher der Hamas, in Gaza bombardiert hatten. Ich
kenne ihn sehr gut, also rief ich an, um zu erfahren, ob er noch lebt._
_ZEITmagazin: Wenige Tage nach dem Massaker rufen Sie einfach einen
Hamas-Sprecher an? Wie lief dieses Telefonat?_
_Baskin: Ich sagte: "Ghazi, wenn sie dich angreifen, ist niemand in der
Hamas sicher. Ihr habt eine rote Linie überschritten."_
_ZEITmagazin: Wusste die israelische Regierung, dass Sie mit der Hamas
sprechen?_
_Baskin: Ja. Und trotzdem war es all die Jahre illegal, mit der Hamas zu
sprechen. In den letzten zwei Jahren umso mehr: Ich sprach im Krieg mit
dem Feind. Meine Frau war sehr nervös, dass eines Tages jemand von
offizieller Seite an die Tür klopft. Ich hielt das für möglich. Deshalb
hatte ich fünf wichtige Israelis gebeten, im Ernstfall erreichbar zu
sein, meine Frau bekam deren Nummern. Einer war ein früherer
Schin-Bet-Chef, ein anderer der Leiter der Geiselabteilung im
Geheimdienst. Ich bereitete sie darauf vor, wen sie zuerst anrufen
sollte._
_ZEITmagazin: War Hamad in die Pläne für den 7. Oktober eingeweiht?_
_Baskin: Bevor ich ihn erreichte, hielt ich es für möglich, dass er
nichts wusste, obwohl er immer nah an Jahia Sinwar war, mit dem ich
jahrelang indirekt verhandelt habe. Hamad hatte überlebt, weil er gar
nicht in Gaza war, wie ich zunächst dachte. Er war kurz vor dem 7.
Oktober nach Beirut geflogen. Mir war sofort klar: Er wurde ins Ausland
geschickt, um als Sprecher zu dienen. Anders gesagt: Er war wohl
eingeweiht._
_ZEITmagazin: Was wollten Sie in diesem Moment von ihm?_
_Baskin: Nachdem klar war, dass die Hamas 251 Geiseln hatte, viele
Frauen, Kinder, Ältere, Kranke, dachte ich: Das kann nicht ihr
ursprünglicher Plan gewesen sein. Ich wollte wissen, ob sie ein Abkommen
wollen, um wenigstens Frauen und Kinder freizulassen. Ich telefonierte
herum, um zu klären, wie viele palästinensische Frauen und Minderjährige
für einen möglichen Austausch in israelischen Gefängnissen saßen._
_ZEITmagazin: Hat Hamad signalisiert, dass seine Leute Frauen und Kinder
freilassen würden? Und konnte das nicht ein Bluff sein?_
_Baskin: Er sagte sofort am Telefon: Die männlichen Geiseln sind nicht
verhandelbar, die anderen schon. Ich kenne Ghazi seit 16 Jahren,
Hunderte Stunden Kontakt, persönlich, per WhatsApp, früher SMS, sogar
Fax. Es dauerte Wochen, aber Ende November kam es zu einer viertägigen
Waffenruhe mit einem Austausch von Geiseln gegen palästinensische
Gefangene._
_ZEITmagazin: Gab es mit Leuten wie Hamad vor dem Krieg auch private
Momente?_
_Baskin: Ja. Wir haben Zeit miteinander verbracht, zweimal in Gaza,
zweimal in Kairo. Wir sprachen über Leben, Familie, Kinder, Hoffnungen.
Ich bin Atheist, er gläubiger Muslim, er scherzte: "Gershon, ich werde
für dich beten." Seit dem 7. Oktober ist das vorbei. Es geht nur noch um
harte Sachfragen._
_ZEITmagazin: Mit wem standen Sie in der ersten Phase sonst in Kontakt?_
_Baskin: Mit mehreren Hamas-Vertretern und israelischen Unterhändlern.
Doch in den folgenden Monaten wollte niemand wirklich zu einer Einigung
kommen. Ein Deal gelingt nur, wenn mindestens eine Seite ihn wirklich
will. Ich habe Kontakte zu Katar und Ägypten aktiviert. Die
Geiselfamilien kontaktierten mich, in den ersten Wochen nach dem 7.
Oktober hatte ich einen Zoom-Call mit ihnen. Mein Rat an sie war: Die
Amerikaner haben keinen Einfluss auf die Hamas, sie werden uns nicht
retten. Konzentriert euch auf Ägypten, Katar und die israelische
Regierung, dort kann sich etwas bewegen. Im MAI 2024 stellte Präsident
Biden die sogenannte Biden-Netanjahu-Initiative vor. Ich kritisierte sie
öffentlich: Warum so viel Aufwand für zehn lebende Geiseln und 60 Tage
Waffenstillstand, wenn man Kriegsende und alle Geiseln verhandeln
könnte? MEINE INFORMATIONEN AUS DER HAMAS DEUTETEN SCHON DAMALS DARAUF
HIN, DASS SIE IM AUSTAUSCH FÜR EIN KRIEGSENDE UND DEN RÜCKZUG AUS GAZA
ALLE GEISELN FREILASSEN WÜRDEN. Ich traf US-Unterhändler und bot Hilfe
an, doch sie waren nicht interessiert._
_ZEITmagazin: Haben Sie es parallel bei den Israelis versucht?_
_Baskin: Ende August 2024 meldeten sich erneut Geiselfamilien,
frustriert von der Stagnation. Sie fragten, ob ich mit der Hamas
sprechen und ein besseres Angebot aushandeln könne. Zuerst fragte ich
israelische Militärs: Wie lange würde ein IDF-Rückzug aus Gaza dauern?
Die Antwort aus mehreren Quellen: drei Wochen. Mit dieser Information
kontaktierte ich die Hamas._
_ZEITmagazin: Wieder Ghazi Hamad?_
_Baskin: Nicht nur. Mir war wichtig, dass Ghazi nicht nur für sich
spricht, sondern für die Bewegung. Also knüpfte ich Kontakte zu etwa
acht Führungspersonen der Auslands-Hamas. Hauptsächlich per WhatsApp,
einige wechselten zu Signal oder Telegram. Ende September 2024 sagte ich
zu Ghazi: "Wäre die Hamas zu einem Deal bereit, der den Krieg in drei
Wochen beendet? Israel zieht sich in diesen drei Wochen vollständig aus
Gaza zurück und ihr lasst in den ersten Tagen alle Geiseln frei." Er
ging damit zur Führung und kam nach ein paar Tagen mit einem Ja zurück -
schriftlich auf Arabisch und Englisch, plus Sprachnachricht. Ich leitete
das an die israelischen Unterhändler weiter. Die Antwort: "Sehr nett,
aber der Premierminister will den Krieg nicht beenden."_
_ZEITmagazin: Wie reagierten Sie darauf?_
_Baskin: Ich hatte eine sehr deutliche Diskussion mit dem leitenden
israelischen Unterhändler: Israel ist keine Diktatur, Netanjahu ist
nicht der einzige Entscheider, es gibt Kabinett, Knesset, das Volk. Die
Mehrheit will ein Kriegsende. Er schrieb zurück: "Netanjahu will den
Krieg dennoch nicht beenden." Da war mir klar: Die israelische Seite
kann ich nicht überzeugen. Spätestens nach der US-Wahl Ende 2024 wusste
ich: Die einzige Chance führt über Trump._
_ZEITmagazin: Woher kam dieses Vertrauen?_
_Baskin: Drei Wochen, bevor Trump ins Weiße Haus einzog, traf ich
Schin-Bet-Chef Ronen Bar und seinen Stellvertreter in Tel Aviv. Bar
sagte: "Gershon, nutz jetzt keinen deiner Hinterkanäle - in drei Wochen
gibt es einen Waffenstillstand." So kam es. Trump hatte offenbar vor
Amtsantritt zu Netanjahu gesagt: "Ich will einen Waffenstillstand, bevor
ich ins Weiße Haus gehe." Ab da wusste ich: DIESER KRIEG ENDET NUR, WENN
TRUMP ES BESCHLIEßT. Ich war optimistisch, als Netanjahu als erster
ausländischer Politiker im Weißen Haus war. Ich hoffte, Trump würde
sagen: Der Krieg ist vorbei. Stattdessen überzeugte Netanjahu ihn, die
Zerstörung in Gaza auszuweiten. Später erfuhr ich von Witkoff, dass die
Amerikaner der israelischen Darstellung glaubten, die Hamas werde
kapitulieren. ICH SAGE SEIT 2008: DIE HAMAS KAPITULIERT NIE. EINE
RELIGIÖSE ORGANISATION, DIE MARTYRIUM ALS HÖCHSTE PFLICHT SIEHT, LÄSST
SICH NICHT ABSCHRECKEN._
_ZEITmagazin: Wie kam dann die Verbindung zu Trumps Team zustande?_
_Baskin: Mein palästinensischer Partner Samer Sinijlawi, ein Unternehmer
und politischer Aktivist aus Ostjerusalem, mit dem ich seit Jahren an
inoffiziellen Vermittlungsprojekten arbeite, hörte im Dezember 2024,
dass Witkoff auf einer Bitcoin-Konferenz in Abu Dhabi sprechen würde.
Wir beschlossen, hinzufliegen und ihn dort abzufangen. Wir meldeten uns
an, buchten Flüge und Hotel. Als Witkoff zur Toilette ging, stellten wir
uns in den schmalen Korridor am Ausgang, er musste an uns vorbei. Ich
stellte mich vor: "Herr Witkoff, ich bin Gershon Baskin. Wir sind
gekommen, um Sie zu treffen. Ich bin Israeli, Friedensaktivist. Das ist
mein palästinensischer Kollege. Wir möchten helfen, Frieden im Nahen
Osten zu schaffen." Wir tauschten Karten und Nummern. Ab da habe ich ihn
auf WhatsApp mit Informationen versorgt: Wer ich bin, meine
Verbindungen, unser Angebot vom September. In jeder Nachricht betonte
ich: Nur Präsident Trump kann den Krieg beenden. Anfangs war es
einseitig, ab und zu kam ein Emoji von ihm. Vor etwa zwei Monaten, im
August, wurde es ein echter Dialog. Witkoff wollte wissen, wo die Hamas
steht, was sie will, wozu sie bereit ist._
_ZEITmagazin: Was sagten Sie der Hamas in dieser Phase?_
_Baskin: Sinngemäß: Stellt euch vor, ihr sitzt nicht Israel gegenüber,
sondern Donald Trump. Wenn Trump an Bord ist, bringt er Israel mit.
Vergesst direkte Verhandlungen mit Israel. In dieser Zeit sprach ich
auch nicht mehr mit den Israelis. Ich hatte klare Anweisungen, den Namen
Witkoff nicht zu nennen. Ich sprach von "dem Amerikaner". Alle wussten,
wer gemeint war. Und ich sagte deutlich: Ich bin kein US-Beamter, ich
spreche mit dem Mann, der für den Präsidenten arbeitet, die Botschaften
sind offiziell._
_ZEITmagazin: Und was lief dann konkret über diesen Kanal?_
_Baskin: Auf Vorschlag von Ghazi Hamad verfassten wir gemeinsam ein
Dokument. Er schrieb einen Entwurf, ich zeigte ihn Witkoff, der brachte
Punkte und Fragen ein. Ich gab es an Hamad zurück. Das ging drei, vier
Runden. Ergebnis war ein Achtpunkteplan: Freilassung der Geiseln, Ende
des Krieges, schrittweiser israelischer Rückzug, US-Garantien
einschließlich eines Begleitschreibens von Präsident Trump an die Hamas,
dass Israel den Krieg nicht wieder aufnimmt, sofort mehr humanitäre
Hilfe, die "Gaza Humanitarian Foundation" würde aufgelöst, die Hamas
nicht länger regieren, stattdessen EINE TECHNOKRATISCHE PALÄSTINENSISCHE
REGIERUNG OHNE HAMAS-BETEILIGUNG._
_ZEITmagazin: Das klingt bereits sehr nach dem finalen Geiseldeal der
vergangenen Woche, nur dass die Entwaffnung der Hamas darin nicht
vorkommt._
_Baskin: Anfang September sagte mir Witkoff: Der katarische
Premierminister werde der Hamas das Dokument übergeben. Ich sagte: Die
Hamas wird zustimmen, wenn sie es offiziell vom katarischen Premier
erhält. Tatsächlich übergab Katar der Hamas dann ein Fünfpunktepapier,
das stark dem ähnelte, was Netanjahu zuvor formuliert hatte. Die Hamas
fragte mich: "Was ist los? Wo sind die acht Punkte?" Ich schrieb
Witkoff, er müsse die Verwirrung auflösen. Er antwortete: "Sag der
Hamas, sie soll den acht Punkten zustimmen, dann hole ich die Israelis
dazu." Die Katarer bestanden jedoch darauf, dass das Fünfpunktepapier
offiziell sei. Am 8. September, gegen 22.20 Uhr, rief mich Witkoff an:
"Der katarische Premier sitzt jetzt mit der Hamas-Delegation und
übergibt den finalen US-Vorschlag." Eine Kopie könne er mir nicht
schicken - aus Sorge vor Leaks. AM NÄCHSTEN TAG SOLLTE HAMAS ANTWORTEN.
AM MORGEN DANACH GRIFF ISRAEL IN DOHA AN._
_ZEITmagazin: Mitten in indirekten Verhandlungen die Hamas-Führer in
Katar angreifen - was bedeutete das für den Deal?_
_Baskin: Ich schrieb sofort an Witkoff: "Es gibt niemanden im Nahen
Osten, vielleicht weltweit, der glaubt, Israel habe das ohne Trumps
Zustimmung getan." Er antwortete sofort: "Sag ihnen, wir hatten nichts
damit zu tun. Es gab kein grünes Licht. Wir wussten von nichts." Er
schickte mir einen Text, den ich vorerst nicht verbreiten sollte, später
erschien er auf Trumps Truth Social._
_ZEITmagazin: Was erfuhren Sie danach von der Hamas?_
_Baskin: Zunächst wusste niemand, ob die Verhandler getötet worden
waren. Am nächsten Mittag bekam ich eine WhatsApp von einem
Hamas-Führer: "WIR LEBEN ALLE. DIE KATARER HABEN UNS ANGEWIESEN, NICHT
RAUSZUGEHEN UND DIE TELEFONE AUSZUSCHALTEN." Nach etwa einer Woche
schrieb Ghazi Hamad: "Die Amerikaner, mit denen wir verhandeln sollen,
haben versucht, uns zu töten. Wir können ihnen nicht vertrauen." Ich
antwortete: Es gibt niemanden außer Trump, der den Krieg beenden kann.
Ob ihr den Amerikanern glaubt oder nicht - wenn ihr Frieden wollt, müsst
ihr mit ihnen verhandeln. Etwa zehn Tage später schrieb Witkoff: "We
have a plan. Wir werden den Krieg beenden." Dann veröffentlichten die
Amerikaner den 21-Punkte-Plan. Sie brachten arabische und muslimische
Staaten an Bord. Nach der UN-Generalversammlung, bei der Netanjahu vor
fast leerem Saal sprach, bestellte Trump ihn nach Washington, ließ ihn
vor laufenden Kameras den katarischen Premier anrufen und sich
entschuldigen, und sagte Netanjahu hinter verschlossenen Türen: "BIBI,
DER KRIEG IST VORBEI. WIR HOLEN ALLE GEISELN NACH HAUSE. DU WIRST DEM
ZUSTIMMEN." Er wies Ägypter und Katarer an, die Hamas zur Zustimmung zu
bringen. Die Hamas sagte "Ja, aber ...". Trump ignorierte das "aber" und
veröffentlichte "Hamas said yes." Zur Absicherung rief er Erdoğan an.
Der schickte seinen Geheimdienstchef nach Doha, um Katar, Ägypten,
Türkei und die Hamas zu einer Zustimmung zu drängen. In Sharm el-Scheich
wurden dann Details und Logistik ausgearbeitet._
_ZEITmagazin: Waren Sie in Sharm el-Scheich dabei?_
_Baskin: Nein. Ich stand parallel mit Katar in Kontakt. Ein Schlüssel
war Jared Kushner, Trumps Schwiegersohn. Meiner Meinung nach wurde er
eingebunden, um Ron Dermer, Netanjahus Chefverhandler und langjährigen
Botschafter in Washington, einzufangen. Dermer hatte bereits
angekündigt, die Regierung zu verlassen und für Kushners Unternehmen zu
arbeiten. Kushner sollte sicherstellen, dass Dermer den Deal nicht
torpediert._
_ZEITmagazin: War in all den Monaten eigentlich eine einzige Frau
beteiligt?_
_Baskin: Nein. Kaum vorstellbar heutzutage, aber die Verhandlungen waren
reine Männerrunden._
_ZEITmagazin: Hat sich nach dem Deal, seit die letzten Geiseln
freikamen, eigentlich jemand bei Ihnen bedankt?_
_Baskin: Auf offizieller Ebene nicht. Auf WhatsApp und persönlich
bekomme ich täglich Dank, von Israelis, Palästinensern, Leuten aus dem
Ausland. Hier hängt ein Brief von Netanjahu, den ich nach der Befreiung
von Gilad Shalit erhielt: "Nur sehr wenige Menschen wissen von Ihren
Aktivitäten. Im Namen der israelischen Regierung danke ich Ihnen."_
_ZEITmagazin: Glauben Sie, dass die Hamas in Gaza den Frieden hält?_
_Baskin: ES GIBT KEINE ECHTE POLITISCHE HAMAS-FÜHRUNG MEHR IN GAZA, SIE
WURDE GETÖTET. Es gibt auch keine hochrangigen Militärkommandanten mehr.
Was bleibt, sind Offiziere der dritten und vierten Ebene. Menschen, die
nie etwas außerhalb Gazas gesehen haben, die ihr Leben in Tunneln
verbracht haben. DIE URSPRÜNGLICHE FÜHRUNG WAREN AKADEMIKER, ÄRZTE,
ANWÄLTE, INGENIEURE. DIE, DIE JETZT ÜBRIG SIND, SIND BRUTALE MILITÄRS.
ICH GLAUBE, DIE MEISTEN VON IHNEN WERDEN FREIWILLIG MIT IHREN FAMILIEN
GAZA VERLASSEN, TÜRKEI, ALGERIEN, WER WEIß._
_ZEITmagazin: In den vergangenen Tagen gab es Aufnahmen von
Hinrichtungen mutmaßlicher Verräter durch Hamas-Leute._
_Baskin: Ich habe einigen Hamas-Vertretern sofort geschrieben: "Ihr
tötet jetzt andere Palästinenser? Schämt euch."_
_ZEITmagazin: Und was kam zurück?_
_Baskin: Einer schrieb: "Du redest wie ein Israeli." Ich antwortete:
"Ich spreche als jemand, der sich um euer Volk sorgt. Schämt euch. Hört
auf."_
_ZEITmagazin: Haben Sie Hoffnung?_
_Baskin: Ich bin zuversichtlich. Zuerst müssen wir sicherstellen, dass
der Waffenstillstand hält. Ich habe Witkoff auf die israelischen
Vorwürfe hingewiesen, die Hamas halte die Leichen israelischer Geiseln
zurück, die sie laut Deal eigentlich hätte übergeben müssen. Die
Amerikaner müssen dranbleiben: prüfen, ob die Hamas alles tut, und
verhindern, dass Israel einen Vorwand nutzt, um in den Krieg
zurückzukehren. Gleichzeitig sage ich Witkoff, was die Hamas mir
entgegnet: "Israel hat gestern sieben Menschen in Gaza getötet." Ich
bitte ihn, das zu prüfen. WENN ES STIMMT, MÜSSEN DIE AMERIKANER ISRAEL
STOPPEN, SONST BRICHT DER DEAL ZUSAMMEN._
_ZEITmagazin: Für Sie persönlich geht es also einfach weiter?_
_Baskin: Verhandeln ist der einfache Teil. Die harte Arbeit beginnt
jetzt. Mich rief jemand an und sagte: Der israelische Geheimdienst weiß,
wo sich mögliche Leichen in Gaza befinden. Die Israelis würden diese
Informationen an Ägypten übergeben -- und die Ägypter könnten sie dann
über ihre Kanäle in Gaza an die Hamas weiterleiten, damit die Leichen
geborgen werden. Ich erklärte das einem ägyptischen
Geheimdienstmitarbeiter. Der fragte zu Recht: "Wenn sie die
Informationen haben, warum geben sie sie uns nicht einfach?" Ich
antwortete: "DIESE REGION IST VOLLER VERRÜCKTER. IHR MÜSST ANRUFEN UND
DARUM BITTEN. SO LÄUFT DAS HIER."_
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Gershon Baskin, 68, ist israelischer Politikwissenschaftler und
Friedensaktivist. Er gründete das Israel/Palestine Center for Research
and Information, eine israelisch-palästinensischen NGO, vermittelte 2011
den Austausch des israelischen Soldaten Gilad Shalit gegen 1.027
palästinensische Gefangene und arbeitet heute als Berater der Londoner
International Communities Organization an inoffiziellen Friedenslösungen
im Nahen Osten. Er lebt mit seiner Frau in Jerusalem.
https://en.wikipedia.org/wiki/Israel/Palestine_Center_for_Research_and_Information
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unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.