aus e-mail von Clemens Ronnefeldt, 12. November 2025, 16:50 Uhr
Liebe Friedensinteressierte,
nachfolgend sende ich einige Artikel zu dem Kriegen
in der Ukraine und in Westasien sowie zum Thema
Militarisierung in Deutschland.
1. n tv: Ukraine-Krieg im Liveticker
2. n tv: Reisners Blick auf die Front - "Die Russen gehen jetzt all in"
3. Politico: Die dunkle Seite von Selenskyjs Herrschaft
4. Klaus Moegling: Umweltweltschäden im Krieg - Krieg gegen die Menschen und die Biosphäre
5. NYT: Die gefährliche Pattsituation über das iranische Atomprogramm
6. SWP: Muriel Asseburg Peter Lintl Guido Steinberg - Neuanfang in Nahost?
Warum mit dem Gaza-Friedensplan noch kein Ende des Konflikts in Sicht ist
7. ZDF: Friedensdenkschrift der EKD: Evangelische Kirche: Abschied vom Pazifismus
8. Berl. Z.: Anhörung zum Wehrdienstgesetz: So sehen Pistorius Pläne aus
9. Thomas Roithner: Granaten, Geld, Gewaltverbot
10. Friedenskooperative: Abrüstungsappell jetzt unterschreiben!
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1. n tv: Ukraine-Krieg im Liveticker
https://www.n-tv.de/politik/15-04-Korruptionsskandal-in-der-Ukraine-Selenskyj-fordert-zwei-Minister-zum-Ruecktritt-auf-article23143824.html
Politik
Ukraine-Krieg im Liveticker
15:04 Korruptionsskandal in der Ukraine: Selenskyj fordert zwei Minister zum Rücktritt auf
12.11.2025, 00:10 Uhr
Angesichts eines Korruptionsskandals im Energiesektor fordert der
ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj Justizminister Herman
Haluschtschenko und Energieministerin Switlana Hryntschuk zum
Rücktritt auf. "Ich bitte die Parlamentsabgeordneten diese Gesuche zu
unterstützen", sagt der Staatschef in einer Videobotschaft.
(…)
11:31 Russland: Sind zu neuen Friedensgesprächen mit Ukraine bereit
Russland bietet weitere Friedensverhandlungen mit der Ukraine in
Istanbul an. Das russische Team sei dazu bereit, zitiert die amtliche
russische Nachrichtenagentur Tass den Außenamtsvertreter Alexej
Polischtschuk. "Der Ball liegt bei der Ukraine." Die Ukraine weist die
Darstellung Russlands zurück, für den Stillstand in den Verhandlungen
verantwortlich zu sein. Seit einem Treffen in der türkischen Metropole
am 23. Juli hat es keine direkten Gespräche mehr zwischen beiden
Seiten gegeben.
——
2. n tv: Reisners Blick auf die Front - "Die Russen gehen jetzt all in"
https://www.n-tv.de/politik/Die-Russen-gehen-jetzt-all-in-id30002986.html?utm_source=firefox-newtab-de-de
Politik
Reisners Blick auf die Front
"Die Russen gehen jetzt all in"
10.11.2025, 16:51 Uhr
Im Donbass verteidigen die Ukrainer die letzten Zipfel der Stadt
Pokrowsk und versuchen zugleich, ihre Soldaten in Sicherheit zu
bringen. Oberst Reisner sieht die Russen dennoch unter wachsendem
Druck.
ntv.de: Herr Reisner, die Lage in Pokrowsk spitzt sich seit Wochen zu.
Wie ist die aktuelle Situation?
Markus Reisner: Die Stadt selbst ist gefallen, Pokrowsk ist zu 90 bis
95 Prozent in russischer Hand. Am Stadtrand, nordostwärts der
stadtmittig durchlaufenden Eisenbahnlinie, gibt es aber einige große
Plattenbauten, die sogenannte Zitadelle. Die dürfte noch in
ukrainischer Hand sein. Prekär ist die Lage auch weiter ostwärts, in
der kleineren Stadt Mirnograd.
Inwiefern?
Im Bereich der Stadt und auch südlich davon halten sich noch größere
ukrainische Truppenteile auf, die von den Russen eingekesselt werden.
Manche glauben, dort seien einige Tausend Soldaten. Ich gehe davon
aus, es sind einige Hundert. Die Ukrainer müssen also diese Soldaten
da herausholen. Die Russen greifen in einer Zangenbewegung von Norden
her an.
Es bleibt also nur ein enger Korridor.
Ja, wobei die Russen dieser Verbindung gar nicht persönlich im Weg
stehen. Sie kontrollieren den Korridor mit Drohnen. Deren Piloten
sitzen in dem Dorf Rodynske. Diese schneiden die Ukrainer von der
Versorgung im Kessel ab. Die Ukrainer wiederum greifen von Norden her
an, um diese Drohnentrupps abzudrängen. Dann könnten die
eingekesselten Soldaten abziehen.
Offenbar haben die Ukrainer die Truppen dort so lange wie möglich
halten wollen. Zu lang?
In der Ukraine gibt es einige, die das so sehen. In sozialen
Netzwerken klagen viele darüber, dass wieder der gleiche Fehler
gemacht wurde. Jetzt hat man nicht nur die Stadt verloren, sondern im
schlimmsten Fall auch eine größere Anzahl von Soldaten.
Und Soldaten werden immer knapper.
Richtig. Meiner Bewertung nach haben die Ukrainer schon viele Soldaten
in kleinen Gruppen herausgebracht. Das haben sie schon oft geschafft,
denken Sie an Bachmut, Awdijiwka und andere vergessene Städte. Wenn
große Verbände in Gefangenschaft gingen, wäre das eine Katastrophe.
Wenn das so riskant ist, warum machen sie es so?
Die Ukrainer wollen Zeit gewinnen, um im Hinterland neue
Verteidigungsstellungen aufzubauen, das ist das Kalkül. Sie wollen die
Russen so lange wie möglich abnützen, in der Hoffnung, dass diesen
irgendwann die Energie ausgeht. Doch die Russen greifen unvermindert
an.
Wie wichtig ist Pokrowsk für die Ukraine? Wäre es so schlimm, wenn sie
die Stadt verlieren?
Pokrowsk ist auf keinen Fall eine Stadt mit strategischer Bedeutung.
Es ist ein operativ bedeutungsvoller Knotenpunkt für Logistik, das ja.
Aber jetzt ist die Stadt für die Russen vor allem als Winterquartier
interessant, denn die Stadt ist relativ intakt. Das hätte aber keine
unmittelbare Bedeutung für den Kriegsverlauf. Bei anderen Hotspots ist
das anders.
Welche meinen Sie?
Persönlich finde ich Siwersk am gefährlichsten. Die Stadt ist der
Angelpunkt zwischen der Nord- und der Südfront des Mittelabschnitts.
Fällt die Stadt, könnte die Front relativ rasch in Richtung Westen
springen. Auch in Saporischschja, südlich von Pokrowsk, ist die Lage
prekär. Dort bedrohen sie die Stadt Huljajpole. Nehmen sie die ein,
stehen sie hinter den ukrainischen Linien.
Im Hinterland baut die Ukraine ihre Verteidigungslinie aus. Doch oft
besteht die nur aus ein paar Rollen Nato-Draht. Wie kann das sein,
dass so ein Draht Soldaten effektiv aufhält?
Der Stacheldraht ist ja nur das eine. Die Ukrainer haben außerdem
Stützpunkte wie an einer Perlenkette aufgereiht und überwachen die
Front mit Drohnen. Tauchen irgendwo russische Soldaten auf, greifen
sie innerhalb von Minuten an. Die Russen könnten den Draht mit Zangen
zerschneiden oder sonst wie aus dem Weg räumen. Aber das dauert
einfach zu lange. Die Russen greifen natürlich auch die ukrainischen
Stützpunkte massiv an, mit Gleitbomben, Drohnen und Artillerie.
Reden wir über die russischen Angriffe auf die Gas- und
Stromversorgung. Wie schwer sind die Schäden, auch im Vergleich zu den
Vorjahren?
Dieses Jahr sind die Angriffe wesentlich massiver. Die Russen greifen
täglich an, etwa alle 14 Tage massiv. Zuletzt am vergangenen
Donnerstag mit mehr als 503 Drohnen, Marschflugkörpern und Raketen.
Mehrere Umspannwerke wurden beschädigt, drei Wärmekraftwerke
vollständig zerstört. Im Oktober haben die Russen bereits 60 Prozent
der Gasversorgung ausgeschaltet.
Warum verstärkt Russland die Angriffe jetzt noch einmal?
Sie wollen die ukrainische Bevölkerung zermürben, aber etwas Neues
kommt hinzu. Durch die täglichen ukrainischen Drohnenangriffe gerät
Russland selbst unter Druck. Außerdem haben sie auf dem Schlachtfeld
dieses Jahr wieder keinen Durchbruch geschafft. Die Russen gehen jetzt
all in. Mit Angriffen in der Ukraine, aber auch mit mehr hybriden
Attacken in Europa, denken Sie an die Drohnenflüge an Flughäfen. Sie
hoffen wohl darauf, dass die Europäer stärker den eigenen Luftraum
schützen wollen - und weniger Fliegerabwehr an die Ukraine geben.
Das heißt, die ukrainischen Angriffe sind mehr als Nadelstiche?
Die Ukrainer greifen offenbar täglich an, etwa im Umfang von einem
Viertel bis einem Drittel der russischen Angriffe. Noch sind die
Angriffe in ihrer Wirkung begrenzt. Wenn in Belgorod nach ukrainischen
Angriffen der Strom ausfällt, kann das den Menschen in Moskau vorerst
egal sein. Aber was ist, wenn die Ukraine die Angriffe fortführt oder
sogar verstärkt? Dann könnten die Russen in größere Schwierigkeiten
geraten. Das wollen sie verhindern. Daher greifen sie nun besonders
heftig an.
Mit Markus Reisner sprach Volker Petersen
——
3. Politico: Die dunkle Seite von Selenskyjs Herrschaft
https://www.politico.eu/article/dark-side-zelenskyy-rule-ukraine/
Die dunkle Seite von Selenskyjs Herrschaft
Oppositionsabgeordnete und Aktivisten der Zivilgesellschaft sagen,
dass die ukrainische Führung die Gesetzgebung nutzt, um Gegner
einzuschüchtern und Kritiker zum Schweigen zu bringen.
31. Oktober 2025 12:31 Uhr MEZ
Von Jamie Dettmer Jamie Dettmer ist Meinungsredakteur und Kolumnist
für auswärtige Angelegenheiten bei POLITICO Europe.
Als Russland vor fast vier Jahren seine umfassende Invasion der
Ukraine begann, bemühte sich Wolodymyr Kudrytskyi, damals Chef des
staatlichen ukrainischen Staatsunternehmens Ukrenergo, das Licht
anzuhalten.
Irgendwie gelang ihm dies und er tat dies jedes Jahr weiter, indem er
den Respekt der Energiemanager weltweit verdiente, indem er
sicherstellte, dass das Land in der Lage war, russischen Raketen- und
Drohnenangriffen auf sein Stromnetz standzuhalten und katastrophale
Stromausfälle zu vermeiden - bis er 2024 abrupt zum Rücktritt
gezwungen wurde, das heißt.
Kudrytskyis Entlassung wurde von vielen in der Energiewirtschaft
kritisiert und löste auch in Brüssel Alarm aus. Zu dieser Zeit sagte
Kudrytskyi gegenüber POLITICO, er sei das Opfer der unerbittlichen
Zentralisierung der Autorität, die der ukrainische Präsident Wolodymyr
Selenskyj und sein mächtiger Bürochef Andriy Yermak oft verfolgen. Er
sagte, er befürchte, dass "korrupte Personen" am Ende das staatliche
Unternehmen übernehmen würden.
Laut seinen Anhängern ist es diese Art von Gespräch - und seine
Weigerung, zu schweigen -, die erklärt, warum Kudrytskyi letzte Woche
in einer gläsernen Kabine in einem Gerichtssaal in der Innenstadt von
Kiew gelandet ist, wo er wegen Veruntreuung angeklagt wurde.
Jetzt sind Oppositionsabgeordnete und Aktivisten der Zivilgesellschaft
in den Armen und bezeichnen dies als ein weiteres Beispiel für die
ukrainische Führung, die die Gesetzgebung nutzt, um Gegner
einzuschüchtern und Kritiker zum Schweigen zu bringen, indem sie sie
der Korruption oder der Zusammenarbeit mit Russland beschuldigen.
Selenskyjs Büro lehnte eine Stellungnahme ab.
Andere, die die gleiche Behandlung erhalten haben, sind Selenskyjs
Vorgänger im Amt, Petro Poroschenko, der in diesem Jahr wegen
Korruptionsvorwürfen sanktioniert und angeklagt wurde - ein Schritt,
der ihn daran hindern könnte, bei einer zukünftigen Wahl zu stehen.
Sanktionen wurden häufig gegen Gegner bedroht oder verwendet, wodurch
Vermögenswerte effektiv eingefroren und die sanktionierte Person daran
gehindert wurde, Finanztransaktionen durchzuführen, einschließlich der
Verwendung von Kreditkarten oder des Zugriffs auf Bankkonten.
Poroschenko hat Selenskyj seitdem beschuldigt, "Autoritarismus" zu
schleichen und zu versuchen, "jeden Konkurrenten aus der politischen
Landschaft zu entfernen".
Das könnte auch erklären, warum Kudrytskyi angeklagt wurde, so der
Oppositionsabgeordnete Mykola Knyazhitskiy, der glaubt, dass die
Verwendung von Gesetzen zur Diskreditierung von Gegnern nur noch
schlimmer werden wird, da sich das Präsidentenamt auf eine mögliche
Wahl im nächsten Jahr vorbereitet, falls es einen Waffenstillstand
gibt. Sie nutzen die Gerichte, um „das Feld der Wettbewerber zu
räumen“, um eine unehrliche Wahl zu gestalten, fürchtet er.
Andere, darunter der prominente ukrainische Aktivist und Leiter des
Anti-Korruptions-Aktionszentrums Daria Kaleniuk, argumentieren, dass
der Präsident und seine Coterie den Krieg nutzen, um die Macht so zu
monopolisieren, dass sie die Demokratie des Landes bedroht.
Kaleniuk war im Gerichtssaal für Kudrytskyis zweistündige
Anklageerhebung und wiederholt die Behauptung des ehemaligen
Energiebosses, dass die Anklage "politisch" sei. Laut Kaleniuk ergibt
der Fall keinen rechtlichen Sinn, und sie sagte, dass alles "noch
seltsam" klang, als der Staatsanwalt die Anklage gegen Kudrytskyi
detailliert darlegte: "Er hat nicht gezeigt, dass er in irgendeiner
Weise materiell profitiert hat" von einem Infrastrukturvertrag, der am
Ende nicht abgeschlossen war, erklärte sie.
Der fragliche Fall bezieht sich auf einen Vertrag, den Kudrytskyi vor
sieben Jahren als stellvertretender Direktor für Investitionen von
Ukrenergo genehmigt hat. Aber der Subunternehmer begann nicht einmal
mit der Arbeit an den zugewiesenen Infrastrukturverbesserungen, und
Ukrenergo konnte eine Vorkasse zurückfordern.
Kaleniuks Unruhe wird auch von der Oppositionsabgeordneten Inna Sovsun
widergespiegelt, die gegenüber POLITICO sagte: "Es gibt keine Beweise
dafür, dass [Kudrytskyi] sich bereichert hat.“
"Es wurde kein Schaden angerichtet. Ich kann nicht anders, als zu
denken, dass das alles politisch motiviert ist", sagte sie.
Sovsun kam zu der Anklageerhebung, um sich bei Bedarf als
Kautionsgarantin anzubieten - zwei andere Gesetzgeber boten an, auch
als Bürgen zu handeln, aber der Richter entschied stattdessen ein
anderes Verfahren, um Kudrytskyi aus der Untersuchungshaft zu
befreien, indem er die Zahlung einer Kaution von 325.000 $ verlangte.
Ein hochrangiger ukrainischer Berater, der darum bat, nicht
identifiziert zu werden, damit sie über den Fall sprechen konnten,
wies die Beschreibung des Falles gegen Kudryzkini durch die
Verteidigung als politisch motiviert zurück und behauptete, es gebe
keine Substanz zu den Veruntreuungsvorwürfen. "Die Leute sollten in
diesem Fall bis zur vollständigen Anhörung warten", fügte er hinzu.
Aber für die ehemalige stellvertretende Premierministerin Ivanna
Klympush-Tsintsadze sieht der Fall "aus irgendeinem Blickwinkel nicht
gut aus - weder im Inland noch wenn es um internationale Partner
geht". Der Zeitpunkt, sagte sie, sei für die Ukraine nicht hilfreich,
da er mit Kiews anhaltendem Appell für mehr europäische Energiehilfe
vor dem wahrscheinlich gefährlichsten Winter des Krieges
zusammenfällt.
Da Russland Raketen- und Drohnenangriffe in einem viel größeren
Maßstab als zuvor ansteigt, dürfte die Energieherausforderung der
Ukraine noch gewaltiger sein. Und im Gegensatz zu früheren Wintern
haben die Angriffe Russlands die ukrainischen Bohr-, Speicher- und
Verteilungsanlagen für Erdgas zusätzlich zu seinem Stromnetz ins
Visiergenommen. Sechzig Prozent der Ukrainer sind derzeit auf Erdgas
angewiesen, um ihre Häuser warm zu halten.
Einige ukrainische Energiemanager befürchten auch, dass Kudrytskyis
Strafverfolgung Teil einer präventiven Sündenbock-Taktik sein könnte,
um die Schuld zu verlagern, falls das Energiesystem des Landes den
russischen Angriffen nicht mehr standhält.
Unter Berufung auf ungenannte Quellen berichtete die ukrainische
Medienanstalt Ukrainska Pravda vor zwei Wochen, dass ehemalige
Energiemanager befürchten, dass sie angestellt werden, weil sie nicht
genug tun, um die Widerstandsfähigkeit der Energieinfrastruktur zu
stärken und die Einrichtungen zu verhärten.
"Sie brauchen jetzt einen Sündenbock", sagte ein außenpolitischer
Experte, der die ukrainische Regierung beraten hat, gegenüber
POLITICO. „Es gibt Teile der Ukraine, die wahrscheinlich bis zum
Frühjahr keinen Strom haben werden. Es ist jetzt schon 10 Grad Celsius
in Kiewer Wohnungen, und die Stadt hätte Blackouts verlängern können.
Die Leute sind bereits sauer darüber, also braucht das Büro des
Präsidenten Sündenböcke ", sagte er und sprach unter der Bedingung der
Anonymität, um die Angelegenheit frei zu diskutieren.
"Die Opposition wird Selenskyj vorwerfen, die Ukraine zu scheitern,
und argumentieren, dass er bereits Eventualitäten hätte haben müssen,
um längere Stromausfälle oder ein großes Einfrieren zu verhindern,
werden sie argumentieren", fügte er hinzu.
Senior Fellow beim Atlantic Council und Autor von „Battleground
Ukraine“ Adrian Karatnycky sorgt sich auch um die Richtung des
politischen Reisens. "Während er ein inspirierender und mutiger Führer
aus Kriegszeiten ist, gibt es in der Tat beunruhigende Elemente für
Selenskyjs Herrschaft", sagte er.
——
4. Klaus Moegling: Umweltweltschäden im Krieg - Krieg gegen die Menschen und die Biosphäre
https://www.klaus-moegling.de/actual-blogs/
Umweltweltschäden im Krieg -
Krieg gegen die Menschen und die Biosphäre
von Klaus Moegling
(…)
Umweltzerstörungen des Kriegs in der Ukraine
Der russische Angriff und der Krieg in der Ukraine ab dem Februar 2022
brachten ebenfalls massive Umweltzerstörungen mit sich, welche die
Menschen, die Gebäude und die Infrastruktur sowie die Biosphäre
betreffen. Tausende Detonationen durch Bomben- und Raketenangriffe,
Sprengungen, explodierende Treibstofflager, die Gefahr des Austritts
von Radioaktivität durch angegriffene Atomkraftwerke, umfangreiche
CO2-Emissionen durch das Betreiben tausender Militärfahrzeuge und
Kampfjets, zerstörte Landschaften und vermintes Gelände sind das
Ergebnis dieses Krieges.
In einer Studie von de Klerk et al (2023) wurde ermittelt, dass
innerhalb eines Kriegsjahres in der Ukraine von beiden Kriegsparteien
ungefähr soviel CO2-Emissionen emittiert wurden wie im gleichen Jahr
insgesamt in Belgien. Es handelte sich hierbei um 119 Millionen
Tonnen CO₂-Äquivalente. [9]
Stuart Parkinson und Linsey Cottrell (2022) fassen des Weiteren ihre
Studie zur Klimaschädigung durch Militär und Kriege wie folgt
zusammen:
„Wenn die Streitkräfte der Welt ein Land wären, hätten sie den
viertgrößten nationalen CO2-Fußabdruck der Welt – größer als der
Russlands. Dies unterstreicht die dringende Notwendigkeit,
konzertierte Maßnahmen zu ergreifen, um die Emissionen des Militärs
zuverlässig zu messen und den damit verbundenen CO2-Fußabdruck zu
reduzieren – zumal diese Emissionen nach dem Krieg in der Ukraine sehr
wahrscheinlich steigen werden.“[10]
Susanne Aigner (2022) fügt in ihrem Bericht über die ökologischen
Folgen des Ukraine-Kriegs diesen Schäden und Zerstörungen noch eine
weitere Bedrohung hinzu:
„Daneben gibt es noch andere Arten radioaktiver Verseuchungen, eine
geht auf den Krieg im Donbass zurück: Seit Kriegsbeginn 2014 wurden
dort die alten Kohleschächte nicht mehr ordnungsgemäß ausgepumpt und
gewartet. Infolge dessen wurden rund 200 Minen überflutet, die
teilweise mit nuklearen Sprengungen gegraben wurden, so dass sich
Chemikalien wie Quecksilber und Arsen im Grundwasser ausbreiten. Wie
Messungen des ukrainischen Umweltministeriums bereits 2016 ergaben,
lagen in der gesamten Region die Strahlungswerte in den Brunnen um ein
Zehnfaches über dem Grenzwert.“ [11]
Olena Melnyk und Sera Koulabdara (2024) gehen davon aus, dass ca. ein
Drittel des ukrainischen Bodens durch den Krieg mit giftigen Stoffen
wie Blei, Kadmium, Arsen und Quecksilber kontaminiert ist. Böden und
ihr fruchtbarer Anteil würden über Tausenden von Jahren gebildet und
nun innerhalb weniger Jahre im Krieg vergiftet und unbrauchbar für die
Landwirtschaft gemacht. [12]
Der Krieg in der Ukraine hinterlässt eine zerstörte Mitwelt, für
welche die Russische Föderation Milliarden Euro Reparationen zu zahlen
hat, wobei dann letztlich hier nur der oberflächliche Schaden
reparierbar wäre. Die tiefen Eingriffe in die menschliche Gesundheit
aufgrund der eingeatmeten Emissionen, des Trinkens belasteten Wassers
und der zu ertragenden Strahlung sind nicht mit Geld bezahlbar.
Der ungarische Klimaforscher Bálint Rosz (2025) fasst die durch den
Krieg in der Ukraine verursachten CO2-Emissionen der ersten zwei Jahre
des Ukraine-Kriegs bis zum Februar 2024 zusammen und vergleicht dies
mit jährlichen Emissionen von 90 Millionen Fahrzeugen mit
Verbrennungsmotor:
„Wie immer mehr Experten zu betonen versuchen, verursacht der Krieg
zwischen Russland und der Ukraine auch erhebliche Umwelt- und
Klimaschäden. Letzteres könnte eine besonders besorgniserregende
Entwicklung sein, da die menschliche Zivilisation selbst einen Krieg
gegen den Klimawandel führt. Nach vorläufigen Schätzungen von De Klerk
und Kollegen führten die militärischen Aktivitäten und die Zerstörung
der damit verbundenen Infrastruktur in den ersten 24 Monaten des
Krieges (vom 24. Februar 2022 bis zum 23. Februar 2024) zu erheblichen
zusätzlichen Treibhausgasemissionen, die den globalen Klimawandel
weiter verschärften.
Die kumulierten Emissionen in diesem Zeitraum werden auf rund 175
Millionen Tonnen Kohlendioxidäquivalent (tCO2e) geschätzt, was den
jährlichen Emissionen eines hoch industrialisierten Landes
entspricht.“
[9] <https://www.klaus-moegling.de/actual-blogs/#_ftnref1> Vgl. de Klerk, Lennard et al (2023).
[10] <https://www.klaus-moegling.de/actual-blogs/#_ftnref1> Parkinson, Stuart/Cottrell, Linsey (2022).
[11] <https://www.klaus-moegling.de/actual-blogs/#_ftnref11> Vgl. Aigner, Susanne (2022).
[12] <https://www.klaus-moegling.de/actual-blogs/#_ftnref11> Olena Melnyk/Sera Koulabdara (2024).
———
5. NYT: Die gefährliche Pattsituation über das iranische Atomprogramm
https://www.nytimes.com/2025/11/09/world/middleeast/iran-nuclear-program-israel.html
Die gefährliche Pattsituation über das iranische Atomprogramm
Ohne Verhandlungen, ohne Aufsicht und ohne Klarheit über den Bestand des Iran an Nuklearmaterial befürchten viele in der Region,
dass ein weiterer Krieg mit Israel unvermeidlich ist.
(..)
siehe auch:
https://www.zdf.de/dokus/frontal-operation-apollo-die-pager-attacke-des-mossad-100
Operation Appolo
——
6. SWP: Muriel Asseburg Peter Lintl Guido Steinberg - Neuanfang in Nahost?
Warum mit dem Gaza-Friedensplan noch kein Ende des Konflikts in Sicht ist
https://www.swp-berlin.org/publikation/neuanfang-in-nahost-warum-mit-dem-gaza-friedensplan-noch-kein-ende-des-konflikts-in-sicht-ist
Muriel Asseburg Peter Lintl Guido Steinberg
Neuanfang in Nahost?
Warum mit dem Gaza-Friedensplan noch kein Ende des Konflikts in Sicht ist
SWP-Podcast 2025/P 26,
20.10.2025
Der Friedensplan für Gaza ist der kleinste gemeinsame Nenner, auf den
sich die Konfliktparteien geeinigt haben. Muriel Asseburg, Peter Lintl
und Guido Steinberg erklären, welche Schwierigkeiten bei der Umsetzung
des Abkommens bestehen und welche Rolle Europa und Deutschland spielen
können. (…)
——
7. ZDF: Friedensdenkschrift der EKD: Evangelische Kirche: Abschied vom Pazifismus
https://www.zdfheute.de/politik/deutschland/evangelische-kirche-friedensdenkschrift-kritik-ekd-100.html?at_medium=Social+Media&at_campaign=Instagram&at_specific=ZDFheute
Friedensdenkschrift der EKD:
Evangelische Kirche: Abschied vom Pazifismus
von Kira Stütz
10.11.2025 | 14:32
Die Evangelische Kirche in Deutschland positioniert sich neu in der
Frage nach Krieg und Frieden. Der Inhalt der Friedensdenkschrift ist
umstritten.
Es ist ein Paukenschlag, der an diesem Montag von der Evangelischen
Kirche ausgeht: Im Rahmen der EKD-Synode veröffentlicht die Kirche
ihre Friedensdenkschrift und bricht damit mit der Tradition der
Friedensbewegung.
Die Friedensdenkschrift ist die dritte ihrer Art. Bereits 1981 und
2007 veröffentlichte die EKD ein vergleichbares Papier. Die nun
vorliegende Denkschrift knüpft an ihnen an, setzt aber andere
Schwerpunkte.
Evangelische Kirche: Frieden schaffen nun mit Waffen?
Die Evangelische Kirche steht in einer langen Tradition der
Friedensbewegung, deren Motto "Frieden schaffen ohne Waffen" prägend
war. Noch 2019 hielt sie an ihrer pazifistischen Grundhaltung fest und
forderte etwa eine Umstrukturierung der Bundeswehr und Senkung der
militärischen Ausgaben. Doch diese Haltung wurde durch den
Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine erschüttert.
"Ich weiß, dass der Diskurs viele aufwühlt. Mich auch. Viele von uns
haben sich lange Jahre in der Friedensbewegung engagiert. Ich auch.""
Kirsten Fehrs, Ratsvorsitzende der EKD
Die Konsequenz: Der Rat der EKD rang um eine neue Position, die der
veränderten Weltlage Rechnung trägt. Das Ergebnis ist am Montag
veröffentlicht worden.
EKD: Schutz vor Gewalt muss im Zentrum stehen
In Anknüpfung an die Denkschrift von 2007 übernimmt auch das aktuelle
Konzept die vier Dimensionen der evangelischen Friedensethik: Schutz
vor Gewalt, Förderung von Freiheit, Abbau von Ungleichheiten sowie
friedensfördernder Umgang mit Pluralität.
Gleichzeitig betont die Ratsvorsitzende Kirsten Fehrs, dass der Schutz
vor Gewalt im Vordergrund stehen müsse. Um dies zu gewährleisten,
spricht sich die Friedensdenkschrift für die Möglichkeit einer
"rechtserhaltenden Gewalt" aus. Damit grenzt sich die Evangelische
Kirche vom Pazifismus ab.
"Christlicher Pazifismus ist als allgemeine politische Theorie ethisch
nicht zu begründen.“
Aus der Friedensdenkschrift der Evangelischen Kirche
Als individuelle Gewissensentscheidung sei Pazifismus weiterhin
anzuerkennen.
Dilemma in Bezug auf Atomwaffen
Bemerkenswert ist ebenfalls die neue Positionierung in Bezug auf
Atomwaffen. Lange galt die Ächtung von Nuklearwaffen in der
Evangelischen Kirche als Konsens. Die aktuelle Friedensdenkschrift
öffnet nun aber der Position die Tür, dass der Besitz von Atomwaffen
politisch notwendig sei.
Wenngleich sie weiterhin betont, dass sich an der ethischen Position
der Ablehnung nichts geändert habe, begründet die Kirche diese
Positionierung mit der gegenwärtigen politischen Lage. Diese
Begründung ist innerhalb der Evangelischen Kirche sehr umstritten.
Lassen sich Wehrpflicht und Freiheit verbinden?
In Bezug auf die Diskussion um Wehrpflicht betont der Rat der EKD in
der aktuellen Denkschrift die Bedeutung der Freiwilligkeit. Auch die
Präses der EKD, Anna-Nicole Heinrich, unterstreicht: "Das Gut der
Freiwilligkeit hat höchste Priorität." Gleichzeitig macht Kirsten
Fehrs deutlich:
"Eine Dienstpflicht steht nicht im Widerspruch zum Verständnis
christlicher Freiheit."" Kirsten Fehrs, Ratsvorsitzende der EKD
Diese Dienstpflicht müsse aber sowohl zivilgesellschaftlich als auch
militärisch ausgefüllt werden und eine Wahlfreiheit der
Tätigkeitsbereiche beinhalten.
Zudem plädiert der Rat der EKD durch die Friedensdenkschrift für eine
allgemeine Wehrpflicht im Sinne der Gleichberechtigung, sodass er alle
Geschlechter in der Pflicht sieht.
Kriegsdienstverweigerung als Chance der Kirche?
Sollte es zu einer Wehrpflicht kommen, so sieht sich die Evangelische
Kirche in der Rolle, in Bezug auf Kriegsdienstverweigerung zu beraten
und zu unterstützen. In einer Gesellschaft, in der vermehrt Menschen
aus der Kirche austreten, scheint die Evangelische Kirche eine
Möglichkeit zu entdecken, an neuer Relevanz zu gewinnen. Doch die
Positionierung der EKD ist auch kirchenintern umstritten.
Die EKD-Synode geht noch bis Mittwoch. Es werden intensive Debatten
erwartet.
Kira Stütz ist stellvertretende Redaktionsleiterin der ZDF-Redaktion
"Religion und Leben".
——
siehe auch:
https://www.sueddeutsche.de/politik/friedensdenkschrift-evangelische-kirche-dresden-li.3335787?reduced=true
Krieg und Frieden
Die evangelische Kirche hält Gewaltverzicht nicht mehr für zwingend
10. November 2025, 15:24 Uhr
Die EKD präsentiert ihre Positionen zu Gewalt, Atomwaffen und Wehrpflicht
in einem neuen Grundlagenpapier zur Friedensethik.
Pazifisten werden damit ihre Schwierigkeiten haben.
Von Annette Zoch <https://www.sueddeutsche.de/autoren/annette-zoch-1.2228256>, Dresden
(…)
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Hinweis: Ich lege am Ende zu diesem Thema einige Folien bei.
——