aus e-mail von Doris Pumphrey, vom 17. Januar 2026, 15:40 Uhr
_RTDE15.1.2026
_*Venezuela oder Grönland: Die EU wird jeden US-Landraub bejubeln,
selbst zum eigenen Schaden
*Westeuropa hat längst seine Unabhängigkeit gegen US-Vasallentum
eingetauscht, und erntet jetzt die Ergebnisse. Die Unfähigkeit, das
US-Handeln in Venezuela korrekt zu benennen, fällt ihm dabei in
Rekordgeschwindigkeit auf die eigenen Füße.
/Von Rachel Marsden
/Es gibt drei bedeutende außenpolitische Fragen auf dem Radar der EU,
und sie sind miteinander verbunden: Ukraine, Venezuela und Grönland. Bei
allen dreien tut Washington, was es will, größtenteils zum Nachteil der EU.
Und nein, das hat nicht mit Trump angefangen. Er hat nur die weißen
Handschuhe abgestreift und Washingtons blanke Knöchel in all ihrer
Glorie enthüllt. Bei allen drei Fällen geht es auch darum, dass die EU
zumindest vorgibt, auf Washingtons Seite zu sein – selbst, wenn
Widerstand klar im eigenen Interesse Europas wäre. Die USA sehen die EU
schon lange als wirtschaftlichen Konkurrenten und haben sich wiederholt
auf "nationale Sicherheit" berufen, um sie dazu zu bringen, sich ins
eigene Fleisch zu schneiden.
Die EU war nur zu glücklich, mitzuspielen, sobald ihr anfänglicher
Widerstand gegen die US-Sanktionen gegen die billigen russischen
Gaslieferungen via Nord Stream zusammenbrach, die ihre Wirtschaft am
Laufen hielten. Er löste sich endgültig in Luft auf, als Russland
endlich genug davon hatte, dass die von den USA geführte NATO die
ukrainische Seite seiner Grenze als militarisierte Absteige nutzte –
einschließlich in den Gästezimmern hausender Neonazis.
Bei Trumps jüngstem Angriff auf Venezuela folgte die EU demselben
Drehbuch: rituelles Nicken für die nationale Souveränität,
enthusiastisches Lob für das Ergebnis und eine entschiedene Weigerung,
den Täter zu nennen oder gar zu beschämen.
Sie benötigten ein paar Stunden, um ihre Stichworte abzustimmen. Kinder,
wie Anhänger einer Sekte, alle in identische rhetorische Gewänder
gehüllt, für Daddy Trump. Viel Gerede über "Illegitimität". Nicht zum
Putsch selbst. Nicht zu all den Vorwürfen von "Drogenhandel", auch wenn
in der Anklage nicht einmal das Wort "Fentanyl" auftaucht und das
Justizministerium bereits stillschweigend die Idee aufgegeben hat, es
gäbe so etwas wie ein "Kartell der Sonnen", das Maduro nach Behauptungen
der USA geleitet haben sollte. Und sicherlich nicht zur Illegitimität
einer Entführung eines amtierenden Staatschefs aus seinem eigenen Land,
um ihn in einem anderen Land für Verbrechen vor Gericht zu stellen –
ohne ein Auslieferungsabkommen. Stattdessen nennen sie weiter Maduro
selbst "illegitim", sogar auch dann noch, wenn er, von einem Land, in
dem das Recht, Waffen zu besitzen und zu tragen, in der Verfassung
steht, wegen Waffenbesitzes angeklagt wird – in Venezuela.
Insbesondere beim britischen Premier Keir Starmer ist schwer zu
begreifen, wie er es entschuldigt, bei dieser Scharade Trumps
mitzuspielen. Angeblich soll er ein Weltklasseanwalt für Völkerrecht und
Menschenrechte sein. Und doch steht er da, nicht bereit, einen
Staatsstreich und einen Enthauptungsangriff gegen den international
anerkannten Staatschef eines souveränen Landes zu verurteilen. Unter
Druck gesetzt, verfällt er in das ewig gleiche Mantra: Er habe nicht
alle Fakten, und Großbritannien sei nicht beteiligt. Übersetzung: Wenn
ich lange genug stillhalte, sagt Trump vielleicht etwas weniger offen
imperialistisches, und ich kann es vermeiden, Daddy zu kritisieren und
ihn aufzuregen.
Ein britischer Ministerpräsident versucht es, mit Selbstverteidigung zu
argumentieren. Für Trump. Weil es offenkundig Selbstverteidigung ist,
wenn man von jemandem besessen ist, der für einen keine wirkliche
Bedrohung darstellt, wenn man in dessen Haus marschiert, ihn herauszerrt
und entführt.
Vielleicht fühlt sich Trump jetzt, weil Europa chronisch stumpf
reagiert, ermutigt, es direkt ins Visier zu nehmen – angefangen mit
Grönland. Ist es jetzt an der Zeit, sich ein Rückgrat wachsen zu lassen?
Offenkundig immer noch nicht.
Die Erklärung ist einfach. Jedes Zugeständnis, das die EU auf Kosten
ihrer eigenen Souveränität Washington gegenüber gemacht hat, hinterließ
sie gänzlich abhängig davon, bei Trump weiterhin wohlgelitten zu sein –
wie eine traditionelle Ehefrau, die ihre Karriere aufgab und nun ganz
von ihrem Partner abhängt und seinen Stimmungen und Launen ausgeliefert
ist. Was passiert, wenn man aufwacht und feststellt, mit einem Trottel
verheiratet zu sein, aber die eigene Unabhängigkeit schon lange
verschleudert hat?
Die EU will Washington als eine Art Türsteher in der Ukraine. Russland
hat klargestellt, dass es dort keine NATO will, auch nicht bei einem
Waffenstillstand. Also stellt sich Europa mit Macrons und Starmers
"Koalition der Willigen" auf, um in naher Zukunft einen russischen Tritt
in den Hintern zu erhalten, wenn seine Friedensbemühungen scheitern
(wofür die Wahrscheinlichkeit über null liegt) – außer, Washington ist
da, hält seine Hand und murmelt: "Es ist okay."
Deshalb ist das ein besonders schlechter Augenblick dafür, dass die EU
anfängt, Washington zu erklären, was es tun soll, weil es genau zu dem
Zeitpunkt verzweifelt die Absicherung durch die USA will, an dem die
Trump-Regierung offen ihre Begierde nach Grönland zeigt – ein dänisches
Gebiet, und Dänemark ist Mitglied der EU.
Statt geschlossen aufzumarschieren und Trump deutlich zu verstehen zu
geben, was das Kollektiv denkt, macht die EU, was sie immer so macht mit
Daddy Trump. Sie veröffentlicht eine gemeinsame Erklärung und umgeht
dabei tapfer den Elefanten im Raum: amerikanische Kriegslüsternheit, die
nun durch den frischen Überfall auf Venezuela auf Turbo läuft. Und das
war alles fürs Öl, wie Trump gerade erst 90 Minuten lang im Fernsehen
als Tonschleife wiederholte, nur falls jemand verwirrt war oder auf
stumm geschaltet hatte. Das schloss wohl seinen eigenen, passend so
benannten "Kriegsminister" Pete Hegseth mit ein, der weiter darauf
bestand, dass es um Drogen gegangen sei, ebenso wie seinen
Spitzendiplomaten Marco Rubio, der zumindest vorgab, es ginge um Demokratie.
Die europäischen "Führer" betonen weiterhin, Dänemark und Grönland
sollten Grönlands Zukunft entscheiden – als wäre irgendjemand verwirrt,
was das angeht, und es wäre nicht vielmehr der Teil mit dem
US-Einmarsch, den zu erwähnen sie zu vermeiden suchten. Mit den
Stichworten in der Hand, tun sie, was sie am besten können – sie
wiederholen sich. Als würde das Argument "mein Körper, meine Wahl" bei
einem Kerl funktionieren, der damit prahlt, wie er Länder bei den
Rohstoffen begrapscht.
Trumps Politikberater Stephen Miller ging noch etwas weiter und stellte
infrage, mit welchem Recht Dänemark einen stärkeren Anspruch auf
Grönland habe als die USA – als spräche man von Hotelbedarf, der
einander ergänzen soll. Er ignoriert die Tatsache, dass die USA 1916 die
dänischen westindischen Inseln – jetzt die Virgin Islands der USA – in
einem Vertrag erwarben, in dem sie die Rechte Dänemarks an Grönland
anerkannten. Aber klar, das war vor über einem Jahrhundert. Zeiten
ändern sich. Trump will Grönland für die nationale Sicherheit. So, wie
er Venezuela für die nationale Sicherheit wollte, gegen Drogen, bis er
hatte, was er wollte, und den Vorwand gänzlich fallen ließ.
Die neuesten Erklärungen der EU brummen etwas davon, wie wichtig
arktische Sicherheit für die gesamte NATO sei, die EU eingeschlossen.
Währenddessen besteht die Truppe von Trump darauf, dass die USA die NATO
sind, und die NATO ohne die USA nichts ist. Man würde denken, dass die
EU das besser kontern könne, als lyrisch von den USA als "essenziellem
Partner" in Grönland zu schwurbeln, und arktische Sicherheit "kollektiv
erreicht" werden müsse, indem "die Prinzipien der UN-Charta,
einschließlich Souveränität, territorialer Integrität und der
Unverletztlichkeit von Grenzen" hochgehalten würden. Anders gesagt: All
das, was die USA gerade in Venezuela dreist verletzt haben – und worauf
klar hinzuweisen der EU das Rückgrat fehlte.
Gleichzeitig versichern sich die Europäer gegenseitig, dass Washington
niemals Gebiet eines NATO-Landes annektieren werde, denn das wäre
undenkbar. Es sei denn, dass Trump wiederholt laut darüber nachdenkt und
darauf besteht, dass der Erwerb Grönlands nicht verhandelbar sei. Rubio
erklärte, dass Trump es kaufen wolle. Also wollte er damit andeuten,
dass sie nicht unmittelbar zur Invasion übergehen würden. Erst, wenn die
Verhandlungen scheitern, vermutlich.
Und womit rechnen die USA? Dass die EU blinzelt. Stephen Miller sagte
blank heraus, es werde keine militärische Konfrontation mit der NATO
über Grönland geben. Warum? "Niemand wird militärisch mit den USA um die
Zukunft Grönlands kämpfen", sagte er.
Sie klingen schon fast wie der Besoffene an der Bar, der kein "Nein" als
Antwort akzeptiert. Und Trump verhält sich weiter so, weil keiner dieser
sogenannten europäischen Staatschefs die Nerven hat, ihm die Meinung zu
geigen – selbst, wenn es klar in ihrem eigenen Interesse ist.
Glückwünsche, ihr Eurodeppen. Die Strategie der Selbstsabotage, die ihr
über Jahre hinweg perfektioniert habt – auf Kosten eurer eigenen
Bevölkerungen fröhlich auf Washingtons Superautobahn des Regimewechsels
den Beifahrer gebend –, ist jetzt, wie ein Boomerang, spektakulär direkt
in die Windschutzscheibe eures eigenen Clownswagens gedonnert.
unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.