aus e-mail von Clemens Ronnefeldt, 7. November 2024, 17.35 Uhr
Liebe Friedensinteressierte,
in turbulenten Zeiten sende ich auch heute
einige Informationen zu den Kriegen in der Ukraine
und in Westasien - sowie zur US-Wahl:
1. n tv: Ukraine Ticker: Putin gratulierte Trump "durch Bekannte“
2. Politico: Scholz, Lindner und ein Essen im Kanzleramt - DIE NATO-UKRAINE-FRAGE
3. Der Freitag: John Mearsheimer: It’s about NATO, stupid! Der Ukraine-Krieg und wie er enden könnte
4. Der Spiegel: »Die gesamte Bevölkerung in Nordgaza ist akut vom Tod bedroht«
5. The Guardian: Wir erleben die letzte Phase des Völkermords in Gaza
6. Times of Israel: Smotrich drängt auf Aufrüstung des Westjordanlandes und der Siedlungen
im Gazastreifen und Vertreibung der Palästinenser
7. Der Spiegel: Geschasster Verteidigungsminister Gallant prangert »moralische Dunkelheit« an
8. Le Monde Diplomatique: Netanjahus fataler Triumph
9. Blätter: Israels Eskalation und das Versagen der Verbündeten
10. FAZ: Vorschlag zur Bundestagsresolution gegen Antisemitismus
11. IPG: Am Ziel vorbei
12. IPG: Schwätzchen mit Trump
13. BerlZ: Nach Wahlsieg Trumps: Chinas Xi warnt vor Konfrontation
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1. n tv: Ukraine Ticker: Putin gratulierte Trump "durch Bekannte“
https://www.n-tv.de/politik/14-37-NATO-Generalsekretaer-Rutte-stimmt-Trumps-Kritik-zu--article23143824.html
09:32 Bericht: Putin gratulierte Trump "durch Bekannte“
Einem Bericht zufolge hat der russische Präsident Wladimir Putin dem
designierten US-Präsidenten Donald Trump "durch Bekannte" statt durch
einen offiziellen Telefonanruf gratuliert. Das berichtet die russische
Nachrichtenagentur Verstka. Zuvor hatte Kremlsprecher Dmitry Peskow
erklärt, er wisse nichts von Plänen Putins, Trump zu gratulieren, da
die USA weiterhin ein "feindliches Land" seien, die "in einen Krieg
gegen Russland verwickelt" seien.
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08:55 Bericht: Trump-Team erwägt entmilitarisierte Zone in der Ukraine
Das Team um den designierten US-Präsidenten Donald Trump erwägt einem
Bericht zufolge, die NATO-Mitgliedschaft der Ukraine um mindestens 20
Jahre zu verschieben und beide Kriegsparteien dazu zu bewegen, die
derzeitige Frontlinie einzufrieren.
Die Idee sei, die Mitgliedschaft Kiews in dem Sicherheitsbündnis im
Austausch für fortgesetzte Waffenlieferungen zur Verteidigung gegen
Russland auszusetzen, schreibt das Wall Street Journal unter Berufung
auf drei Trump nahestehende Quellen.
Nach diesem Plan würde die Frontlinie im Wesentlichen unverändert
bleiben und beide Seiten würden einer entmilitarisierten Zone
zustimmen, heißt es weiter. Wer diese Zone überwachen soll, ist
unklar, aber ein nicht namentlich genannter Trump-Berater sagte dem
WSJ, dass Washington von den europäischen Verbündeten verlangen würde,
ihre Truppen zu entsenden. Trump hatte mehrfach behauptet, den Krieg
in der Ukraine "innerhalb von 24 Stunden" beenden zu können.
——
00:25 Selenskyj hatte "ausgezeichnetes Telefonat" mit Trump
Der ukrainische Präsident Selenskyj hat mit Donald Trump nach dessen
Sieg bei der US-Präsidentschaftswahl nach eigenen Angaben ein
"ausgezeichnetes Telefonat" geführt. Die beiden seien sich darin
einig, einen "engen Dialog" zu führen und die Zusammenarbeit
voranzutreiben, schreibt Selenskyj auf X.
"Die starke und unerschütterliche Führung der USA ist unerlässlich für
die Welt und einen gerechten Frieden", so Selenskyj. Selenskyj gehörte
zu den Ersten, die Trump in der Wahlnacht gratulierten.
——
2. Politico: Scholz, Lindner und ein Essen im Kanzleramt - DIE NATO-UKRAINE-FRAGE
https://www.politico.eu/newsletter/berlin-playbook/scholz-lindner-und-ein-essen-im-kanzleramt/
Scholz, Lindner und ein Essen im Kanzleramt - DIE NATO-UKRAINE-FRAGE
By Gordon Repinski
November 4, 2024 6:59 am CET
(…)
DIE NATO-UKRAINE-FRAGE:
Sie schwebt über dem Treffen von Scholz mit dem neuen
NATO-Generalsekretär Mark Rutte, der heute inmitten des
Regierungs-Chaos zu Besuch kommt. Denn während Selenskyj auf eine
Einladung in das Militärbündnis drängt und von Offenheit anderer
Länder spricht, bremst das Kanzleramt.
Lieber ein neutraler Finnland-Status? Dieser Gegenvorschlag einer
„blockfreien“ Ukraine nach dem Vorbild Finnlands im Kalten Krieg – das
weder der NATO noch dem Warschauer Pakt angehörte – ist in Berlin
zuletzt häufiger zu hören gewesen. Nur so könne man Putin zu
Friedensverhandlungen bewegen. Es ist die alte Merkel-Logik.
Dazu passt die Idee einer „Kontaktgruppe“: Damit soll Deutschland
andere Staaten wie China, Indien und Brasilien zusammenbringen, um
eine Friedenslösung zu erarbeiten. Die Ukraine ist nervös, dass über
ihren Kopf hinweg verhandelt werden könnte.
Die Finnland-Idee hat ohnehin einen Haken: Helsinki hat gerade seine
jahrzehntelange Neutralität verlassen und ist der NATO beigetreten,
weil Putins Russland so unberechenbar und gefährlich ist. (…)
——
3. Der Freitag: John Mearsheimer: It’s about NATO, stupid! Der Ukraine-Krieg und wie er enden könnte
https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/john-mearsheimer-its-about-nato-stupid-wie-kann-der-ukraine-krieg-enden/4565909e-123f-490d-b19d-c58a6c2ead4f
John Mearsheimer: It’s about NATO, stupid! Der Ukraine-Krieg und wie er enden könnte
Er ist nicht nur ein prominenter Politologe, sondern auch früherer
Offizier der US Air Force: John Mearsheimer erklärt, welche
politischen und militärischen Fehleinschätzungen dem Ukraine-Krieg
vorausgingen – und was jetzt zu wünschen wäre
Von John J. Mearsheimer
31.10.2024
Als Forscher im Feld der internationalen Beziehungen habe ich lange
vor einem Szenario wie dem Krieg in der Ukraine gewarnt. Ich habe
immer argumentiert, dass es Folge einer falschen westlichen Politik
wäre, wenn es so käme. Nun hält dieser furchtbare Krieg schon
zweieinhalb Jahre an.
Es hat sich gezeigt, dass die russischen Truppen nicht zu schlagen
sind, ohne eine direkte Kriegsbeteiligung der NATO zu riskieren.
Allmählich werden Stimmen lauter, die eine diplomatische Lösung finden
wollen. Dem steht eine verbreitete Sorge entgegen:
Einer konventionellen Meinung zufolge würde Russland das als Einladung
verstehen, eine Eroberung der ganzen Ukraine später anzustreben – oder
sogar noch weiter nach Westen vorzurücken. Meiner Ansicht nach gibt es
für diese Ängste aber keine guten Gründe. Das möchte ich in zehn
Punkten darlegen.
1. Putin hat eine Eroberung der Ukraine nie angekündigt
Die Meinung, dass Russland die ganze Ukraine annektieren wolle und
daher mit ihm nicht zu verhandeln sei, wird oft damit begründet, dass
Präsident Wladimir Putin das schließlich offen angekündigt habe. Aber
stimmt das? Fand Putin es erstrebenswert, die gesamte Ukraine
einzuverleiben? Hielt er es für machbar? Hatte er die Absicht, es auch
wirklich zu tun? In öffentlichen Äußerungen gibt es dafür keine
Belege.
Putin hat gesagt, die Ukraine sei ein „künstlicher Staat“ oder kein
„echter Staat“. Aber was sagt das über seine Gründe zum Kriegseintritt
aus? Putin hat auch gesagt, er betrachte Russen und Ukrainer als „ein
Volk“ mit gemeinsamer Geschichte. Er nannte den Zusammenbruch der
UdSSR „die größte geopolitische Katastrophe des Jahrhunderts“. Er
sagte aber auch: „Wer die Sowjetunion nicht vermisst, hat kein Herz.
Wer sie zurückhaben will, hat kein Hirn.“ Für Putin wurde „die moderne
Ukraine vollständig von Russland geschaffen“. Doch in derselben Rede
sagte er auch: „Natürlich können wir die Ereignisse der Vergangenheit
nicht ändern, aber wir müssen sie zumindest offen und ehrlich zugeben.“
In Putins bekanntem Artikel vom 12. Juli 2021 über die
russisch-ukrainischen Beziehungen, der oft als Beweis seiner
imperialen Ambitionen angeführt wird, sagt er dem ukrainischen Volk:
„Ihr wollt einen eigenen Staat gründen: Ihr seid willkommen!“ Zu der
Frage, wie Russland die Ukraine behandeln sollte, schreibt er: „Es
gibt nur eine Antwort: mit Respekt.“ Der lange Text endet mit dem
Satz: „Und wie die Ukraine aussehen wird – das müssen ihre Bürger
entscheiden.“
Ferner heißt es in diesem Text und erneut in einer Rede vom 21.
Februar 2022, Russland akzeptiere „die neue geopolitische Realität“,
die „nach der Auflösung der UdSSR entstanden ist“. Ein drittes Mal
wiederholte er das noch am 24. Februar 2022, als er den Einmarsch
ankündigte. Außerdem sagte er:
„Wir haben nicht vor, ukrainisches Territorium zu besetzen.“
Er respektiere die ukrainische Souveränität bis zu einem Punkt:
„Russland kann sich nicht sicher fühlen, sich nicht entwickeln und
nicht existieren, wenn es sich einer ständigen Bedrohung durch das
Territorium der heutigen Ukraine ausgesetzt sieht.“
Sicher kann man einwenden, dass öffentliche Erklärungen in einer
solchen Situation nicht viel bedeuten. Dann kann man aber auch nicht
mit denjenigen Teilen ebendieser Erklärungen argumentieren, die zur
eigenen Wahrnehmung passen.
(…)
8. Im Jahr 2021 war ein schneller NATO-Beitritt der Ukraine realistisch
Russland sah und sieht einen NATO-Beitritt der Ukraine als
existenzielle Bedrohung. Das hat Putin kurz vor dem Einmarsch mehrfach
dargelegt. Am 21. Dezember 2021 erklärte er vor dem
Verteidigungsministerium: „Was sie in der Ukraine tun oder versuchen
oder planen, findet nicht Tausende von Kilometern entfernt von unserer
Landesgrenze statt. Es geschieht direkt vor unserer Haustür.
Sie müssen verstehen, dass wir uns einfach nirgendwohin mehr
zurückziehen können. (…) Glauben sie wirklich, dass wir tatenlos
zusehen werden, wie Bedrohungen für Russland entstehen?“ Kurz vor dem
Krieg wiederholte er: „Wir sind kategorisch gegen einen NATO-Beitritt
der Ukraine, weil dies eine Bedrohung für uns darstellt (...).“
Russland drohe, einem „bis an die Zähne bewaffneten ‚Antirussland‘“
gegenüberzustehen. Sein Außenminister Sergei Lawrow nannte es bei
einer Pressekonferenz am 14. Januar 2022 den „Schlüssel zu allem“,
dass „die NATO nicht nach Osten expandieren wird“.
In der westlichen Öffentlichkeit hört man hingegen oft, diese
dramatisch vorgetragenen Befürchtungen seien nur vorgeschoben gewesen,
weil 2021 ein baldiger NATO-Beitritt der Ukraine gar kein Thema
gewesen sei. Das ist aber einfach falsch.
Tatsächlich bestand die westliche Reaktion auf die Krise von 2014
darin, die Perspektive für einen ukrainischen NATO-Beitritt zu
forcieren. Das Bündnis bildete in den folgenden acht Jahren
durchschnittlich 10.000 Soldaten pro Jahr aus.
Im Dezember 2017 beschloss die Regierung von Präsident Donald Trump
die Lieferung von „Verteidigungswaffen“, andere NATO-Länder zogen
nach. Die ukrainische Armee, Marine und Luftwaffe begannen, an
NATO-Manövern teilzunehmen.
Aber auch für einen formalen Beitritt entstand eine neue Dynamik.
Anfang 2021 vollzog Präsident Wolodymyr Selenskyi, der vorher keinen
großen NATO-Enthusiasmus gezeigt hatte und im März 2019 auf der
Grundlage einer Plattform gewählt wurde, die zur Zusammenarbeit mit
Russland bei der Beilegung der anhaltenden Krise aufrief, einen Kurswechsel.
Nun befürwortete er nicht nur die NATO-Mitgliedschaft der Ukraine,
sondern auch eine harte Linie gegenüber Moskau. (…)
Zeitgleich war Präsident Joe Biden ins Weiße Haus eingezogen. Er hatte
sich seit langem nachdrücklich für einen NATO-Beitritt der Ukraine
eingesetzt. Es überrascht nicht, dass die NATO am 14. Juni 2021 auf
ihrem jährlichen Gipfel in Brüssel ein Kommuniqué herausgab, in dem es hieß:
„Wir bekräftigen den auf dem Gipfel von Bukarest 2008 gefassten
Beschluss, dass die Ukraine Mitglied des Bündnisses wird.“ Als
Selenskyj am 1. September 2021 das Weiße Haus besuchte, stellte Biden
klar: Die USA seien „fest entschlossen“, die „euro-atlantischen
Bestrebungen der Ukraine zu unterstützen“.
Am 10. November schließlich unterzeichneten US-Außenminister Antony
Blinken und sein ukrainischer Amtskollege Dmytro Kuleba die „Charta
der strategischen Partnerschaft zwischen den USA und der Ukraine“.
Man wolle, heißt es darin, „das Engagement für die Durchführung
tiefgreifender und umfassender Reformen in der Ukraine“ vorantreiben,
„die für eine vollständige Integration in die europäischen und
euro-atlantischen Institutionen erforderlich sind“. Wiederum wird
ausdrücklich die „Bukarester Gipfelerklärung von 2008“ bekräftigt.
Es kann kaum Zweifel daran geben, dass die Ukraine Ende 2021 auf dem
besten Weg zur NATO-Mitgliedschaft war. Einige Befürworter dieser
Politik argumentieren, dass sich Moskau darüber keine Sorgen hätte
machen müssen, sei doch die NATO ein defensives Bündnis und für
niemanden eine Gefahr. Aber das ist nicht die Meinung Putins und
anderer russischer Politiker, und darauf kam es hier an. (…)
(…)
10. Es geht Moskau noch immer zuerst um die Neutralität der Ukraine
Ob vor dem Krieg oder während der Gespräche kurz nach dessen Beginn:
Die Russen haben immer deutlich gemacht, dass es ihnen zuerst um eine
militärische Neutralität der Ukraine geht.
Daran hat sich nichts geändert. Zuletzt hat Putin am 14. Juni 2024
zwei Forderungen formuliert, die erfüllt werden müssten, um einen
Waffenstillstand zu vereinbaren und Verhandlungen einzuleiten. Eine
davon war, dass Kiew „offiziell“ erklärt, „dass es seine Pläne, der
NATO beizutreten, aufgibt“.
Nach zweieinhalb Jahren eines furchtbaren Krieges sind die Dinge
komplizierter geworden als sie noch kurz nach dessen Beginn waren.
Alle haben viel „investiert“ und erwarten nun Ergebnisse. Nicht nur
auf ukrainischer und westlicher Seite müsste zuerst Vertrauen
aufgebaut werden, sondern auch in Moskau – nach dessen Erfahrungen
etwa mit den Minsker Abkommen zur Befriedung des Donbas. Realistisch
ist heute vielleicht nicht mehr als ein fragiler Waffenstillstand und
ein eingefrorener Konflikt.
Doch alles ist besser als eine fortgesetzte Eskalation mit unzähligen
Opfern und unüberschaubaren Risiken. Und wer sine ira et studio auf
die länger- und kurzfristige Vorgeschichte des Krieges sowie die
bisherigen Versuche seiner Beilegung schaut, sieht immerhin eins:
Entgegen der konventionellen Meinung wird in der Ukraine nicht – wie
im Zweiten Weltkrieg – gegen den Versuch gekämpft, ein neues Großreich
zu erobern. Sondern um eine konkrete, begrenzte und konsistent
vorgebrachte politische Forderung.
John J. Mearsheimer lehrt seit 1982 Internationale Beziehungen an der
Universität von Chicago. Zuvor absolvierte er die Militärakademie West
Point und diente fünf Jahre als Offizier in der US Air Force. Bekannt
ist er nicht nur für sein schulemachendes Hauptwerk The Tragedy of
Great Power Politics, sondern auch für politische Interventionen.
——
4. Der Spiegel: »Die gesamte Bevölkerung in Nordgaza ist akut vom Tod bedroht«
https://www.spiegel.de/ausland/israel-gaza-krieg-die-gesamte-bevoelkerung-in-nordgaza-ist-akut-vom-tod-bedroht-uno-schlaegt-alarm-a-23e8fc7c-a4d4-4633-ba19-ee8f9c5702e8
»Die gesamte Bevölkerung in Nordgaza ist akut vom Tod bedroht«
SPIEGEL, 2.11. 2024
(…)
——
5. The Guardian: Wir erleben die letzte Phase des Völkermords in Gaza
https://www.theguardian.com/commentisfree/2024/nov/06/we-are-witnessing-the-final-stage-of-genocide-in-gaza
(in der angebotenen deutschen Übersetzung)
Wir erleben die letzte Phase des Völkermords in Gaza
Arwa Mahdawi
Arwa Mahdawi ist US-Kolumnistin des Guardian
Omer Bartov ist ein israelisch-amerikanischer Professor für Holocaust-
und Völkermordstudien. Er hat eine düstere Warnung über Gaza ausgesprochen
(…)
Im Juli veröffentlichte die medizinische Zeitschrift Lancet einen
Artikel, der schätzungsweise 186.000 Todesfälle auf den aktuellen
Konflikt in Gaza zurückzuführen sein könnte - etwa 7,9% der
Bevölkerung. Devi Sridhar, Vorsitzende der globalen öffentlichen
Gesundheit an der Universität Edinburgh, schrieb letzten Monat im
Guardian, dass, wenn die Todesfälle mit dieser Rate anhalten, die bis
Ende des Jahres geschätzt werden, insgesamt 335.500 betragen würde.
Das sind 15% der Bevölkerung. Sridhar hat auch darauf hin, dass der
Lancet eine konservative Schätzung verwendet hat und die tatsächlichen
Zahlen möglicherweise viel höher sind.
Apologeten für das, was geschieht, werden mit den Schultern zucken und
sagen: Das ist es, was im Krieg passiert. Es ist tragisch, aber es ist
Krieg; unschuldige Menschen sterben ständig. Aber hier ist die Sache,
Kriege haben Regeln. Sie haben Grenzen.
Das Ausmaß der Zerstörung in Gaza deutet stark darauf hin, dass dies
nach normalen Maßstäben kein Krieg mehr ist. Tatsächlich schlagen
zahlreiche Experten Alarm, dass dies jetzt ein Völkermord ist. Dennoch
scheinen viele der Mainstream-Medien diese Warnglocken unbekümmert zu
ignorieren und den Vorschein fortzufahren, dass das, was passiert,
eher ein normaler Krieg als eine systematische Ausrottung ist.
Omer Bartov, ein israelisch-amerikanischer Historiker, der Professor
für Holocaust- und Genozidstudien an der Brown ist, ist einer der
Experten, die glauben, was in Gaza passiert, ist ein Völkermord. Er
glaubte nicht immer, dass dies der Fall war.
Im vergangenen November schrieb Bartov einen Artikel für die New York
Times, in dem es hieß: „Ich glaube, dass es keinen Beweis dafür gibt,
dass Völkermord derzeit stattfindet.“ Aber dies kam mit einem
Auslassausschluss: „Es gibt völkermörderische Absichten, die leicht in
völkermörderische Aktion kippen können ... Es ist noch Zeit, Israel
davon abzuhalten, seine Handlungen zu einem Völkermord zu werden."
Absicht ist ein wichtiger Bestandteil des Völkermords, der rechtlich
als Begehung bestimmter bestimmter Handlungen (einschließlich des
Tötens und Verhängens von Maßnahmen zur Verhinderung von Geburten) mit
der Absicht definiertwird, eine nationale, ethnische, rassische oder
religiöse Gruppe als solche ganz oder teilweise zu zerstören.
Die völkermörderische Absicht, die Bartov erwähnt, ist die
entmenschlichende Sprache und die Drohungen der totalen Vernichtung
durch israelische Politiker und einflussreiche Persönlichkeiten. Es
gibt Hunderte von diesen Aussagen da draußen. Bartov nennt ein
Beispiel vom 9. Oktober, als Generalmajor Giora Eiland in der
Tageszeitung Yedioth Ahronoth schrieb: „Der Staat Israel hat keine
andere Wahl, als Gaza in einen Ort zu verwandeln, an dem es
vorübergehend oder dauerhaft unmöglich ist, darin zu leben.“
In einem anderen Artikel schrieb Eiland, dass "Gaza ein Ort werden
wird, an dem kein Mensch existieren kann“. (…)
—
Siehe auch:
https://www.theguardian.com/world/2024/oct/30/antonio-guterres-warns-israel-could-carry-out-ethnic-cleansing-of-gaza
Die Welt muss handeln, um eine "ethnische Säuberung" des Gazastreifens
zu verhindern, warnt Antonio Guterres
Generalsekretär legt Berufung ein, da zivile Opfer inmitten intensiver
israelischer Angriffe auf den Norden zunehmen
(…)
———
6. Times of Israel: Smotrich drängt auf Aufrüstung des Westjordanlandes und der Siedlungen
im Gazastreifen und Vertreibung der Palästinenser
https://www.timesofisrael.com/smotrich-urges-ramping-up-west-bank-gaza-settlements-pushing-palestinians-out/
Smotrich drängt auf Aufrüstung des Westjordanlandes und der Siedlungen
im Gazastreifen und Vertreibung der Palästinenser
Auf der Konferenz sagte der Führer des religiösen Zionismus, dass
Palästinenser, die auf einem eigenen Staat bestehen, ermutigt werden
sollten, in einen arabischen Staat auszuwandern; andere
Koalitionsmitglieder drängen auf israelische Souveränität vom Jordan
bis zum Meer.
By Sam Sokol <https://www.timesofisrael.com/writers/sam-sokol/>
28 October 2024, 4:25 am
Finanzminister Bezalel Smotrich forderte am Sonntag Israel auf, das
Westjordanland und den Gazastreifen effektiv zu annektieren, und
forderte die Errichtung neuer Siedlungen tief in den palästinensischen
Gebieten und den Abzug der Araber, die nationalistische Bestrebungen hegen.
Die Äußerungen des Vorsitzenden der rechtsextremen Partei Religiöser
Zionismus waren das jüngste Beispiel dafür, dass einer der politischen
Verbündeten von Premierminister Benjamin Netanjahu auf die
Wiedererrichtung israelischer Siedlungen im Gazastreifen drängte und
gleichzeitig den Rückzug des Landes aus der Enklave von 2005
rückgängig machte.
In seiner Rede vor dem Nahost-Gipfel, einer Konferenz in Jerusalem,
die von Israel 365 organisiert wurde, einem israelischen
Medienunternehmen, das sich an amerikanische Evangelikale richtet,
bezeichnete Smotrich die wiederholten Versuche, eine
Zwei-Staaten-Lösung zu erreichen, als fehlgeleitet und forderte, sie
aufzugeben und durch eine "unmissverständliche israelische Erklärung
an die Araber und die ganze Welt zu ersetzen, dass ein
palästinensischer Staat nicht gegründet wird“.
Die bildliche Aussage, so argumentierte er, würde durch "die Gründung
neuer Städte und Siedlungen tief im [Westjordanland]" erfolgen, die
Hunderttausende neuer Siedler beherbergen. In Gaza, wo Israel einen
einjährigen Krieg geführt hat, um die Hamas-Terrorgruppe zu stürzen,
aber noch nicht festgelegt hat, wie der Gazastreifen regiert werden
soll, forderte Smotrich ebenfalls eine Ausweitung der israelischen
Souveränität und behauptete, dass sich seine Kriegsgewinne auflösen
würden, wenn keine Truppen und Zivilisten dauerhaft dort stationiert würden.
"Wo es keine zivile Präsenz gibt, gibt es keine langfristige
militärische Präsenz... es gibt keine Sicherheit und es gibt eine
existenzielle Bedrohung für den Staat Israel und seine Bürger, und das
dürfen wir nicht zulassen", sagte er.
Er wies darauf hin, dass das von der Hamas verübte Massaker vom 7.
Oktober 2023 hätte verhindert werden können, wenn sich noch
israelische Truppen und Siedlungen im Gazastreifen befunden hätten. In
seinen Bemerkungen stellte sich Smotrich vor, dass die Palästinenser
eine begrenzte lokale Selbstverwaltung "ohne nationale Merkmale"
erhalten würden, und sagte, dass diejenigen, die weiterhin einen
palästinensischen Staat unterstützten, unerwünscht seien.
"Diejenigen, die ihre nationalen Ambitionen nicht zurückstellen wollen
oder können, werden von uns Hilfe erhalten, um in eines der vielen
arabischen Länder auszuwandern, in denen die Araber ihre nationalen
Ambitionen verwirklichen können, oder an jedes andere Ziel der Welt",
sagte er.
Smotrich war einer von mehreren Ministern, die letzte Woche an einer
Veranstaltung teilnahmen, bei der die Wiedererrichtung jüdischer
Siedlungen in Gaza gefordert wurde. Während der Konferenz sagte der
Minister für nationale Sicherheit, Itamar Ben Gvir, dass die
"Ermutigung zur Auswanderung" der palästinensischen Bewohner des
Gebiets die beste und "ethischste" Lösung des Konflikts sei.
Auch andere Koalitionspolitiker auf der Veranstaltung "Israel 365"
lehnten die Idee eines palästinensischen Staates ab. Gideon Sa'ar, der
kürzlich als Minister ohne Geschäftsbereich in die Koalition
eingetreten ist und als nächster in der Reihe für das Amt des
Verteidigungsministers gilt, sagte den Teilnehmern, Israel müsse jede
auf Zugeständnissen basierende Politik aufgeben und "eine politische
eiserne Mauer" gegen die internationalen Bemühungen um eine
Zweistaatenlösung errichten.
"Dort... wird niemals ein Ersatz für die volle operative israelische
Militärkontrolle über das Gebiet vom Meer bis zum Jordan sein",
versicherte der Vorsitzende der Neuen Hoffnung.
"Wir müssen anerkennen, dass es nur eine jüdische Souveränität
zwischen dem Jordan und dem Mittelmeer geben kann", stimmte der
religiöse Zionismus-Abgeordnete Ohad Tal, einer der Organisatoren der
Konferenz, zu. "Einige werden sagen, dass dies nicht realistisch ist,
und wir antworten, dass sich das Zwei-Staaten-Szenario selbst als
gefährliche Täuschung erwiesen hat.
Andere werden sagen, dass die Welt es nicht zulassen wird, und wir
antworten, dass, sobald das jüdische Volk entschlossen ist, dass dies
der richtige Weg ist, kein Hindernis zu groß ist, um überwunden zu
werden", sagte er. Trotz der Andeutungen von Schritten, die Israels
internationale Isolation vertiefen würden, sagten sowohl Smotrich als
auch Sa'ar, dass Jerusalem regionale Partnerschaften ausbauen könnte.
Beide erwähnten Saudi-Arabien, das darauf bestanden hat, dass Schritte
in Richtung eines palästinensischen Staates jede Normalisierung
begleiten. Smotrich behauptete, dass Israels Kriegsgewinne Riad
umwerben würden, solange Jerusalem und der Westen sich zusammentun, um
das iranische Regime zu stürzen.
Sa'ar deutete an, dass sich die regionalen Bündnisse verschieben
könnten, und wies darauf hin, dass die Türkei und der Iran früher
Israels Verbündete waren, während Ägypten und Jordanien Gegner waren.
Er warnte aber auch davor, dass sunnitische Staaten in der Ecke
Israels es aufgeben könnten.
"Unsere Erwartungen an unsere Beziehungen zu ihnen müssen realistisch
und in der Realität verankert sein", sagte er. Als nationale und
religiöse Minderheit in der Region sollte Israel als nationale und
religiöse Minderheit in der Region daran arbeiten, die Beziehungen zu
Gruppen wie den Kurden und Drusen zu stärken.
Mit rund 40 Millionen Menschen, die zwischen der Türkei, dem Iran, dem
Irak und Syrien aufgeteilt sind, seien die Kurden "eine der größten
Nationen der Welt ohne eigenen Staat", aber Israels Zusammenarbeit mit
ihnen bleibe begrenzt, argumentierte er und erklärte, dass Israel ein
Interesse daran habe, sowohl die sicherheitspolitischen als auch die
politischen Beziehungen zu vertiefen.
Darüber hinaus werde die
drusische Minderheit im Libanon und in Syrien sowohl vom Iran als auch
von mit dem IS verbündeten Gruppen bedroht, was Chancen für Jerusalem
schaffe. In Bezug auf Syrien sagte Sa'ar, dass das Land nicht als
Nachschubroute für iranische Waffen benutzt werden dürfe, die an die
Hisbollah geschickt würden, und "Israel muss Assad klar machen, dass,
wenn er sich entscheidet, Israels Sicherheit zu schädigen... Er bringt
sein Regime in Gefahr."
(übersetzt mit deepl translate - kostenlose Version)
————
7. Der Spiegel: Geschasster Verteidigungsminister Gallant prangert »moralische Dunkelheit« an
https://www.spiegel.de/ausland/israel-yoav-gallant-prangert-moralische-dunkelheit-an-a-3f5c1e7d-461f-4ba1-bf97-e494a57093c4
Machtkampf in Israels Kabinett
Geschasster Verteidigungsminister Gallant prangert »moralische Dunkelheit« an
Israels Premier Benjamin Netanyahu hat mit Yoav Gallant seinen
letzten Kritiker im Kabinett gefeuert.
Der äußert sich in einer Abschiedsrede zu seiner Entlassung
und warnt die Israelis indirekt vor seinem Ex-Chef.
06.11.2024, 09.35 Uhr
Mit der Entlassung seines Verteidigungsministers Yoav Gallant bringt
Israels Regierungschef Benjamin Netanyahu sein Kabinett auf Linie.
Gallant geriet über die Führung des Gazakriegs sowie der Strategie
gegen die im Libanon agierende Hisbollah immer wieder mit Netanyahu
aneinander, nun wird er von Netanyahus als loyal geltendem
Likud-Parteikollegen Israel Katz ersetzt.
In seiner Erklärung vom Dienstagabend, von der »Times of Israel«
vollständig veröffentlicht, äußert sich Gallant umfassend zu seiner
Entlassung. Er positioniert sich darin erneut als entschiedener
Befürworter, auch ultraorthodoxe Staatsangehörige zum Militärdienst
einzuziehen. Die erst vor Kurzem gerichtlich gekippte
Ausnahmeregelung für diese Bevölkerungsgruppe hatte in Israel für
große Diskussionen gesorgt.
»Das Thema ist nicht länger nur eine soziale Angelegenheit«, sagte
Gallant. »Es ist das kritischste Thema für unsere Existenz – die
Sicherheit des Staates Israel.« Gallant nannte die Wehrpflichtdebatte
als eines von drei Themen, bei denen es Meinungsverschiedenheiten
gegeben habe, die letztlich zu seiner Entlassung geführt hätten.
»Jeder im wehrpflichtigen Alter muss in Israels Armee dienen und den
Staat Israel verteidigen«, so Gallant. Netanyahus rechts-religiöse
Koalitionspartner stemmen sich gegen die Entscheidung, die das Oberste
Gericht im Sommer getroffen hatte.
Als weitere Streitpunkte nannte Gallant das Vorgehen zur Befreiung der
noch lebenden Geiseln aus dem Gazastreifennach dem Überfall der Hamas
und weiterer Terrorgruppen am 7. Oktober 2023. Die Befreiung sei
möglich, wenngleich dafür »schmerzhafte Kompromisse« eingegangen
werden müssten, so Gallant. Dies sei für Israel jedoch zu verkraften.
Getötete Geiseln könne man nicht zurückholen.
Proteste in mehreren Städten
Zudem plädierte Gallant für eine unabhängige Untersuchungskommission,
die den Hamas-Überfall aufarbeiten solle. Als Chef des israelischen
Sicherheitsapparats in den vergangenen zwei Jahren stelle er sich der
Verantwortung.
Gallant verwies auf einen »Kompass« an Prinzipien, der ihm auch in
Zeiten des Kriegs und »moralischer Dunkelheit« stets den Weg gewiesen
habe. Er hoffe, dass »neben dem Sicherheitsapparat auch unsere
gewählten Vertreter diesen Weg einschlagen werden«, so Gallant. Die
Aussage kann als Spitze gegen Premier Netanyahu gewertet werden.
In Reaktion auf die Entlassung Gallants hatte es am Dienstagabend in
mehreren Städten Israels Proteste gegeben. Präsident Isaac Herzog
warnte vor politischen Turbulenzen in Kriegszeiten. »Das Letzte, was
der Staat Israel jetzt braucht, ist ein Umsturz und ein Bruch mitten
im Krieg«, sagte Herzog.
——