Friedensverhandlungen in der Ukraine? Annalena Baerbock setzt weiter auf „robuste Maßnahmen“
Ukraine: Verhandlungen über Frieden? Baerbock setzt weiter auf „robuste Maßnahmen“
berliner-zeitung.de, 12.11.2024 18:05 Uhr, Simon Zeise
Außenministerin Annalena Baerbock fordert Kurshalten in der deutschen Ukrainepolitik. Doch die abnehmende Unterstützung im Westen stellt sie vor neue Herausforderungen.
Bundesaußenministerin Annalena Baerbock spricht auf dem Forum Außenpolitik in Berlin.Hannes P. Albert/dpa
Erst kam Trump zurück ins Weiße Haus, dann zerbrach die Bundesregierung. Muss die Unterstützung der Ukraine in Europa nun auf neue Füße gestellt werden? Dies war das dominierende Thema beim „Berliner Forum Außenpolitik 2024“, zu dem die Körber-Stiftung am Dienstag einlud.
Den Auftakt machte Annalena Baerbock (Grüne). Es war der erste Auftritt der Außenministerin seit dem Ampel-Aus, bei dem sie die Leitlinien der deutschen Außenpolitik unter dem neuen amerikanischen Präsidenten erläuterte. Baerbock räumte ein, sie sei froh darüber, dass andere Verbündete wie Polen und Großbritannien die Initiative ergriffen, weil Deutschland nach dem Zusammenbruch der Regierung „mit anderen Dingen beschäftigt“ sei.
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Unterstützung für die Ukraine in Deutschland nimmt ab
Die Unterstützung für die Ukraine schwindet. Laut der jährlichen Umfrage „The Berlin Pulse“ im Auftrag der Körber-Stiftung sprechen sich noch 57 Prozent der Deutschen für eine militärische Unterstützung der Ukraine aus. Im Vergleich zum Vorjahr (66 Prozent) ist dieser Anteil aber gesunken. Besonders gering ist die Zustimmung in Ostdeutschland, wo nur 40 Prozent die anhaltende militärische Unterstützung befürworten. 47 Prozent der Befragten sind der Meinung, die Ukraine solle sich so lange verteidigen, bis alle von Russland besetzten Gebiete zurückerobert sind. 43 Prozent vertreten dagegen die Ansicht, die Ukraine solle Teile ihres Territoriums an Russland abtreten, um so zu versuchen, ein Ende des Krieges herbeizuführen.
Die Bundesregierung scheint diesen Wandel zur Kenntnis zu nehmen. „Es wird Friedensverhandlungen geben“, sagte Baerbock am Dienstag. „Wir müssen uns mit dieser neuen Situation auf eine kluge Art und Weise auseinandersetzen.“ Wichtig sei ihr dabei, dass nicht über die Köpfe der Ukrainer hinweg entschieden werde.
Mit Baerbock diskutierte auf dem Podium Liana Fix vom amerikanischen Thinktank Council on Foreign Relation. Sie wies auf die veränderte Interessenlage in den USA hin, die Ansätze für eine offensivere deutsche Außenpolitik böte. Trump werde es sich politisch nicht leisten können, dass in seiner Amtszeit Russlands Truppen weiterhin in der Ukraine operieren. „Trump kann Putin auch drohen“, sagte Fix. Die amerikanische Regierung könne ankündigen, die Militärhilfe für die Ukraine aufzustocken, wenn Putin nicht an den Verhandlungstisch komme. „Hier müssen Deutschland und Europa ansetzen“, forderte Fix. „Wir müssen uns einmischen in den Verhandlungsprozess.“ Zu oft seien in Europa schlechte Optionen gewählt worden. Nun gelte es, eine Beobachtermission zu entsenden, um einen Waffenstillstand auszuhandeln.
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Baerbock fordert höhere Verteidigungsausgaben für die Ukraine
Doch für die deutsche Außenministerin haben militärische Lösungen Vorrang. „Wir brauchen robuste Maßnahmen“, sagte Baerbock. Durch Verhandlungen könne man vielleicht eine Feuerpause für einige Monate erreichen. „Aber es geht um Frieden und Freiheit für künftige Generationen und den ganzen Kontinent.“
Die deutsche Außenpolitik zielt ab auf eine langfristige Isolation Russlands. „Wir haben etwas erreicht“, sagte die Außenministerin. Wenn sie früher mit Vertretern aus Ländern der Brics gesprochen habe, hätten diese das „Putin-Narrativ“, die Nato sei schuld am Ukrainekrieg, vorgetragen. Doch mittlerweile weiche sich diese Haltung auf. Ein Erfolg sei es etwa gewesen, dass kürzlich eine Delegation aus Afrika in die Ukraine gereist sei.
Nun gelte es, die Verteidigung der Ukraine zu stärken. Dafür müsse auch mehr Kapital freigesetzt werden. Gemeinsame Anleihen werden auf EU-Ebene diskutiert, ebenso wie die Aussetzung der Schuldenbremse in Deutschland.
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unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, awie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.
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Ukrainische Soldaten flüchten von der Front: „Ganze Gruppen verlassen ihre Einheiten“
berliner-zeitung.de, 12.11.2024 16:55 Uhr, Nicolas Butylin
Selenskyjs Armee steht in diesen Wochen unter enormem Druck. Russland marschiert gen Westen, die Zahl der Deserteure wächst auf ukrainischer Seite zunehmend.
Neu rekrutierte ukrainische Soldaten während einer Übung in der Region Donezk. In wenigen Tagen wird der russische Angriffskrieg auf die Ukraine die 1000-Tage-Marke erreichen.Oleg Petrasiuk/AP
Bereitet sich die Ukraine auf den Spätherbst der Entscheidungen vor? Nicht erst seit dem Wahlsieg Donald Trumps in den USA oder der Regierungskrise in Deutschland sieht die militärpolitische Lage für Präsident Wolodymyr Selenskyj äußerst schlecht aus. Dem bevorstehenden harten, dritten Kriegswinter, fehlenden weitreichenden Waffen, kommt nun auch noch eine Welle an Deserteuren innerhalb der ukrainischen Armee hinzu.
Wie der ukrainische Pazifist und Kriegsdienstverweigerer Ruslan Kozaba der Berliner Zeitung erzählt, verzeichnet das ukrainische Militär entlang der über 1200 Kilometer langen Front im Osten und Süden der Ukraine eine starke Zunahme an Fahnenflüchtigen. „Unsere Soldaten verlassen ihre Positionen nicht mehr allein. Ganze Gruppen von Soldaten verlassen nun ihre Einheiten“, so der ehemalige Chef der Ukrainischen Pazifistischen Bewegung.
Im Anschluss würden die meisten Fahnenflüchtigen im Untergrund in der Ukraine leben und die Straße meiden. „Einige wenige trauen sich illegal nach Rumänien, um zu flüchten“, sagt Kozaba. Der Pazifist lebt im Exil in den USA und wird von ukrainischen Sicherheitsbehörden aufgrund seiner Anti-Kriegs-Haltung des Hochverrats bezichtigt. In regierungsnahen Kreisen gilt er deshalb als prorussisch.
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Dem ukrainischen Friedensaktivisten scheint das egal zu sein. Er verachtet Kremlchef Wladimir Putin genauso wie Präsident Selenskyj. „Nach fast 1000 Tagen kommt es auch im Westen an – die Ukraine ist kriegsmüde, die Menschen sind es leid, für etwas Aussichtsloses zu kämpfen.“ Kozaba spricht beispielsweise über die zahlreichen Videos in den sozialen Netzwerken, in denen Passanten rabiat von Mitarbeitern der Militärbehörden für den Dienst eingezogen werden. Er verweist in einem Gespräch mit der Berliner Zeitung aber auch auf eine sich verändernde Berichterstattung angelsächsischer Medien.
Anteil der Deserteure bei ukrainischen Streitkräften erreicht 20 Prozent
So hieß es auch in einem Text im britischen Economist, dass sich in der Ukraine zwischen Gesellschaft, Armee und der politischen Führung ein „Vertrauensbruch“ anbahne. Einer nicht näher genannten Quelle im ukrainischen Generalstab zufolge habe in den vergangenen Wochen fast ein Fünftel der Soldaten unerlaubt die Posten in Frontnähe verlassen. Daraufhin titulierten auch ukrainische und russische Medien: „Anteil der Deserteure bei ukrainischen Streitkräften erreicht 20 Prozent.“
You’re in the army now… From Kharkiv. pic.twitter.com/2y2m1FNRGq
— Leonid Ragozin (@leonidragozin) November 11, 2024Erst Anfang Oktober wollte das Parlament in der Ukraine, die Werchowna Rada, den Fluchttendenzen aus der Armee entgegenwirken. Demnach sollten Deserteure, die ihre Militäreinheit unerlaubt verlassen haben, nicht mehr – wie davor üblich – sofort bestraft werden. Stattdessen wird den Fahnenflüchtigen 72 Stunden Zeit gegeben, um zur Truppe zurückzukommen. Falls die Soldaten dem Folge leisten, werden sie mit keinerlei Sanktionen belegt; Gehälter und anderweitige Leistungen dürfen sie dann wieder in Anspruch nehmen.
Die Gesetzesänderung verdeutlicht die militärpolitische Not in Kiew. Das akute Personalproblem, alte und unerfahrene Rekruten, fehlende Fristen zur Demobilisierung sowie eine stetig zunehmende Fluchtbewegung ukrainischer Männer aus ihrer Heimat sorgen in der Selenskyj-Regierung für Kopfzerbrechen. Vor wenigen Wochen sagte der Vorsitzende des Obersten Gerichtshofs, Stanislaw Krawtschenko, laut ukrainischen Medienberichten: „Es gibt einen deutlichen Trend hin zu einem Anstieg des unerlaubten Verlassens von Militäreinheiten.“
Männer zwischen 18 und 60 Jahren dürfen ihre Heimat nur in Ausnahmefällen legal verlassen. Tagtäglich versuchen Dutzende Ukrainer ihr Land über die sogenannte grüne Grenze gen Westen zu verlassen: über die Donau oder die Theiß nach Rumänien, über die Karpaten in die Slowakei oder durch Zäune nach Polen oder Moldau.
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Allen voran sorgten kürzlich veröffentlichte Zahlen der ukrainischen Generalstaatsanwaltschaft für einen Schock: So sollen allein im ersten Halbjahr 2024 ukrainische Behörden über 29.000 neue Strafverfahren wegen Fahnenflucht eingeleitet haben. Dabei übersteigen die Zahlen für 2024 die Anzahl der Ermittlungsverfahren der Vorjahre deutlich. 2023 wurden 24.000 Verfahren eingeleitet; 2022 waren es knapp unter 10.000 strafrechtlich relevante Fälle.
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11 Metro-Station Tukaja
























Quelle: Legion-media.ru © dts