aus e-mail von Doris Pumphrey, 12. November 2025, 22:24 Uhr
_RTDE 12.11.2025
_*Russische Exil-Opposition in Werbe-Modus:
"Wir sind günstiger als Taurus"
*/Von Wladislaw Sankin/
Eine kleine Gruppe russischer Oppositioneller in Deutschland tut alles,
um die Stimmung zu Hause aufzupeitschen, schreibt
<https://www.welt.de/politik/ausland/plus6899b938a4a1a521b7dd3998/widerstand-gegen-putin-wir-sind-viel-guenstiger-als-taurus-was-die-russische-opposition-von-deutschland-fordert.html>
die /Welt/. Ihr Ziel sei ein Ende des "Putin-Regimes" und des
Ukraine-Kriegs. Das Problem nur: Nicht Putin soll sie bei der Arbeit
hindern, sondern die Bundesregierung. Denn Berlin stoppt angeblich das
Programm, das ihnen zur Flucht verholfen hatte.
Gemeint ist die Einschränkung des humanitären Aufnahmeprogramms für die
russischen Bürger, das nach dem Beginn der Militäroperation Ende Februar
2022 eingeführt wurde. So stellte das deutsche Aufnahmeprogramm in
Ex-Sowjetstaaten festsitzenden Russen und Weißrussen Ersatzdokumente
aus, damit sie nach Deutschland weiterreisen konnten. Insgesamt sind
etwa 3.000 Menschen mit diesem speziellen Visum nach Deutschland
eingereist.
Darunter sind viele Politaktivisten, Journalisten, Kulturschaffende
– junge, prowestlich-liberale Städtler. Für viele ist Regime-Change in
Russland und Installierung einer Marionetten-Regierung ein erklärtes
Ziel. Auch sammeln sie oft Gelder für die ukrainische Armee oder nehmen
an Protesten gegen russische Kultureinrichtungen in Deutschland teil und
fordern deren Schließung.
Damit ist die deutsche Hauptstadt zur zentralen Sammelstelle für
radikale Kreml-Gegner aus ganz Europa geworden. Großangekündigte und
prominent besetzte Kundgebungen der Opposition in Berlin floppten jedoch
– an den beiden Märschen innerhalb des letzten Jahres nahmen erst im
November 2024 maximal 3.000 und im März 2025 nur noch 800 Menschen teil.
Nun will die Bundesregierung die freiwillige Aufnahme der Politasylanten
weitgehend beenden und sich in Zukunft auf "singuläre Einzelschicksale"
beschränken. Die Empörung darüber ist im /Welt/-Artikel deutlich zu
spüren. Mit einem stilvollen Fotoshooting und Interviews mit
enttäuschten Oppositionellen versucht das Springer-Blatt nun, den
Schritt rückgängig zu machen.
Einen der Protagonisten, Andrej Piwowarow, setzt es auf Titelseite und
lässt ihn ausführlich zitieren. Der aus dem Westen bezahlte Mitarbeiter
des Putin-Widersachers Michail Chodorkowski war 2021 in Russland wegen
Tätigkeit in einer "unerwünschten" Organisation zu vier Jahren Haft
verurteilt worden. Vor einem Jahr wurde er begnadigt und kam im Zuge
eines Häftlingsaustausches nach Deutschland.
Piwowarow betont, wie wichtig die Aufnahme russischer Oppositionskräfte
für Deutschland und Europa ist. "Schauen Sie sich allein die Liste der
Journalisten an, die im Rahmen des Programmes nach Deutschland gekommen
sind. Die erreichen mit ihren Medien, die sie aus dem deutschen Exil
weiterführen, 20 Millionen russische Leser." Das sei eine Arbeit, die
von Russland aus nicht mehr machbar sei – aber immens wichtig, um die
Menschen in Wladimir Putins Informationsvakuum auf dem Laufenden zu halten.
Angesprochener Regime-Change in Russland sei das angestrebte Szenario,
das vor allem zur Beendigung des Ukraine-Krieges führen müsse. Um dies
zu verwirklichen, brauche es ukrainische Tapferkeit, die Einheit Europas
und Proteste in Russland. "Und wir Exilrussen in Deutschland sind die,
die aus der Ferne die Stimmung in Russland aufpeitschen können."
Eines der Tätigkeitsfelder ist Agitation unter Soldaten. Der Aktivist
erzählt gerne, wie er argumentiert. Selbst Russen, die Putin wählten,
könne man bei ihrer Armut packen. Wenn man ihnen etwa vor Augen hielte,
wie viele Schulen man in ihren heruntergekommenen Provinzstädten bauen,
wie viele Kilometer Straßen man mit dem Geld hätte bauen können, das
täglich für den Krieg draufgehe.
"Wir telefonieren mit Soldaten. Wir beraten sie, wie sie desertieren
können. Wir steuern zivile Netzwerke von Deutschland aus und verhelfen
ihnen zur Flucht", sagt Piwowarow. Außerdem agitiere man im Vorfeld der
Parlamentswahlen 2026. "Russland ist eine Diktatur. Trotzdem sind Wahlen
immer eine Schwachstelle. Und wir tun alles, um sie auszunutzen." Dann
kommt das Argument, das seiner Meinung nach bei den Deutschen verfangen
müsste – mit dem Marschflugkörper Taurus:
/"Ich erlaube mir, zu sagen: Wir Russen sind eine wertvolle Soft Power
für Deutschland. Wir sind sehr viel günstiger als Taurus! Und unser
Einfluss ist trotzdem groß."/
Weitere Putin-Gegner kommen im Artikel zur Sprache:
Menschenrechtsaktivisten, Journalisten, Kriegsdienstverweigerer. Das
Betätigen der eingebauten Links zu ihren Medien zeigt: Sie befolgen
streng die Vorgaben ihrer westlichen Finanziers, seien es eine deutsche
Partei- oder Soros-Stiftung oder Gelder aus EU-Fonds. Außer
Unterstützung der Ukraine und Korruption in Russland gehören vor allem
Klimawandel, Durchsetzung der Gendersprache und auf Russland angewendete
Antikolonisierungsdebatte auf die ständige Themenliste.
Die Verhetzung der innerdeutschen Opposition in den politischen
Talkshows mithilfe russischer Exilanten ist ein weiterer Nutzen, der
insbesondere in den letzten Wochen zum Tragen kommt. So setzte Markus
Lanz mit den ehemals inhaftierten Politaktivisten Wladimir Kara-Mursa
und Pussy-Riot-Mitglied Marija Aljochina in seiner Sendung jeweils Sahra
Wagenknecht und Tino Chrupalla massiv unter Druck. Die beiden russischen
Putin-Gegner führte er aufgrund ihrer Opferrolle als unanfechtbare
moralische Autorität gegen angeblich kremltreue deutsche Politiker ins
Feld.
Dass angesichts solcher Vorfälle, die von innenpolitischer Manipulation
bis hin zu außerpolitischen Einmischungsversuchen reichen, die
Bundesregierung die Aufnahmeregeln für unzufriedene Russen nun doch
verschärft, ist für den Grünen-Politiker Sergej Lagodinskij nicht
nachvollziehbar. Er, selbst russischstämmig, gehört zu den bekanntesten
Apologeten eines von außen unterstützen Regierungswandels in Russland.
Er wird mit den Worten zitiert: "Die Bundesregierung möchte die
Migration beschränken. Jedes Mittel scheint recht. Aber ausgerechnet
dieser Hebel ist falsch. Hier werden Aufnahmeprogramme für Afghanen,
Syrer und Russen einfach miteinander vermischt. Einfach, um sagen zu
können: Wir begrenzen hier Migration." Die /Welt/ fasst zusammen: Der
Aufnahmestopp sei ein großes Geschenk vor allem für Putin.
unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.