aus e-mail von Doris Pumphrey, 16. Januar 2026, 16:46 Uhr
Berliner Zeitung 15.1.2026
<https://www.berliner-zeitung.de/politik-gesellschaft/geopolitik/ukraine-2-millionen-maenner-landesweit-wegen-wehrdienstverweigerung-gesucht-li.10014227>
*Deserteure in der Ukraine: Zwei Millionen Männer landesweit wegen
Wehrdienstverweigerung gesucht
*Nicolas Butylin
Erstmals hat ein ukrainischer Regierungsvertreter konkrete Zahlen zu
Deserteuren in der Armee genannt. Der neu ernannte Verteidigungsminister
Mychajlo Fedorow erklärte während seiner Anhörung vor der Werchowna
Rada, rund 200.000 Soldaten der ukrainischen Streitkräfte seien
unerlaubt abwesend und hätten ihre Einheiten verlassen. Zusätzlich
würden etwa zwei Millionen Männer landesweit wegen
Wehrdienstverweigerung von den Militärbehörden gesucht.
Mit diesen Aussagen bestätigte Fedorow, der am Mittwoch in der Werchowna
Rada mit 277 Stimmen zum Verteidigungsminister gewählt wurde, erstmals
öffentlich das Ausmaß eines Problems, über das bislang kaum jemand in
der Ukraine berichtet. Internationale Aufmerksamkeit erlangten seine
Worte, nachdem unter anderem CNN und russische wie westliche Medien
Auszüge seiner Rede aufgriffen.
„Wir müssen unsere Hausaufgaben machen und die Probleme lösen, die heute
existieren, um überhaupt weitergehen zu können“, sagte Fedorow mit Blick
auf die Personal- und Strukturkrise der ukrainischen Armee. Zugleich
wies er darauf hin, dass er ein Ministerium übernommen habe, das mit
Schulden von rund 300 Milliarden Griwna, umgerechnet etwa sieben
Milliarden US-Dollar, belastet sei.
Die Aussagen des neuen Ministers fallen in eine Phase zunehmender
Schwierigkeiten bei der Mobilisierung. Bereits im November 2025 hatte
die Financial Times unter Berufung auf ukrainische Militärvertreter
berichtet, dass ein signifikanter Teil neu einberufener Soldaten noch
vor dem Eintreffen an der Front desertiere. Auch die Berliner Zeitung
berichtete umfassend über Deserteure in der Ukraine.
<https://www.berliner-zeitung.de/politik-gesellschaft/geopolitik/deserteur-aus-der-ukraine-nur-eure-bodentruppen-koennen-den-kriegsverlauf-noch-aendern-li.2278180>
Allein im Oktober seien nahezu 20.000 Verfahren wegen unerlaubter
Abwesenheit oder Desertation eingeleitet worden. Es war der höchste
Monatswert seit Kriegsbeginn vor fast vier Jahren, wie die ukrainische
Staatsanwaltschaft mitteilte.
Nach ukrainischem Recht sind alle Männer zwischen 18 und 60 Jahren
verpflichtet, sich militärisch registrieren zu lassen. Die eigentliche
Mobilisierung betrifft derzeit Männer im Alter von 25 bis 60 Jahren.
Aufgrund des seit Beginn des Krieges geltenden Kriegsrechts ist es
wehrpflichtigen Männern im Alter von 23 bis 60 Jahren untersagt, das
Land zu verlassen. Dennoch gelang Zehntausenden die Flucht ins Ausland,
häufig mit Hilfe von Schleusern.
Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach nach einem Treffen mit Fedorow von
der Notwendigkeit „umfassenderer Veränderungen“ im Mobilisierungssystem.
Beobachter in der Ukraine werten dies als Hinweis darauf, dass die
Regierung in Kiew in Zukunft nicht nur auf repressivere Maßnahmen
zurückgreifen werde, sondern auch strukturelle Reformen prüfe.
Ein Phänomen, das in diesem Zusammenhang für zunehmende Entrüstung in
der ukrainischen Bevölkerung sorgt, ist die sogenannte „Busifikation“.
Darunter verstehen viele Ukrainer das gewaltsame Aufgreifen von Männern
im wehrfähigen Alter durch Mitarbeiter der Territorialen
Rekrutierungszentren (TCK), oft auf offener Straße, in Einkaufszentren
oder an Haltestellen des öffentlichen Nahverkehrs. In sozialen
Netzwerken kursieren seit Monaten zahlreiche Videos, die zeigen, wie
Passanten ohne richterlichen Beschluss in Kleinbusse gedrängt und direkt
zu Musterungsstellen gebracht werden. Menschenrechtsorganisationen und
Anwälte kritisieren diese Praxis als rechtsstaatlich bedenklich und
gesellschaftlich hochproblematisch. Nach Ansicht von Beobachtern
untergräbt die „Busifikation“ das Vertrauen in Staat und Armee und trägt
eher zur Verunsicherung der Bevölkerung bei, statt die Bereitschaft zum
Militärdienst zu stärken.
Minister Fedorow selbst gilt als Symbol eines Generationenwechsels in
der ukrainischen Führung. Mit 35 Jahren ist er der jüngste
Verteidigungsminister in der Geschichte des Landes. Zuvor war er
Vize-Ministerpräsident und Ressortchef für digitale Transformation. In
dieser Funktion verantwortete er unter anderem Programme zur Entwicklung
und Beschaffung von Drohnen. Angesichts der angespannten Personallage in
der Armee betonte er nun, dass technologische Lösungen und
Automatisierung für die Ukraine noch wichtiger würden. Kritiker warnen
jedoch, dass Technik allein den Mangel an Soldaten nicht kompensieren könne.
*
Die Ukraine im blutigen Endspiel zwischen Krieg und Diplomatie
*Vier Jahre Krieg, ein Jahrzehnt Konfrontation: Während die Ukraine
militärisch mit dem Rücken zur Wand steht, pokert Donald Trump um eine
diplomatische Lösung. Doch zwischen den Fronten im Donbass und dem
Machtkampf zwischen Brüssel und Washington droht ein blutiges Endspiel.
Steht der eurasische Raum 2026 vor einem brüchigen Frieden oder der
finalen Erschöpfung? Ein Beitrag von *Gábor Stier*, aus dem Ungarischen
übersetzt von *Éva Péli*.
/Hier weiterlesen: /https://www.nachdenkseiten.de/?p=144821
_RTDE Liveticker Ukraine-Krieg 16.1.2026
_*Orbán: Europäer glauben an "Kindermärchen" über russische Reparationen*
Ungarns Premierminister Viktor Orbán zeigte sich verwundert darüber,
dass viele Europäer an "Kindermärchen" über angebliche Reparationen
Russlands glauben. Zugleich würden sie nicht gegen Politiker
aufbegehren, die Milliarden an Steuergeldern in die Ukraine schicken.
Dies sagte Orbán im Radio /Kossuth. /
Europäische Politiker "werfen Hunderte Milliarden aus Steuergeldern zum
Fenster hinaus", so Orbán. Sie setzten darauf, dass Russland
Reparationen zahlen und Europa so sein Geld aus der Ukraine
zurückerhalten werde. /"Ich habe noch keinen seriösen Experten
getroffen, der behauptet, man könne die Russen militärisch so besiegen,
dass sie Reparationen zahlen müssten. Das liegt jenseits von
Kindermärchen."/
Die Bürger Westeuropas würden mit solchen Geschichten ruhig gestellt. Er
beobachte "mit Überraschung", wie lange dies anhalte, ohne dass "das
Volk aufstehe". In Ungarn wäre er nach eigenen Worten "keine Woche im
Amt geblieben", da solche Aussagen als Betrug entlarvt worden wären.
Das russische Außenministerium hatte wiederholt erklärt, dass die Ideen
der EU über angebliche russische Reparationen an die Ukraine
realitätsfern seien.
Lost-in-Europe 14.1.2026
<https://lostineu.eu/von-wegen-reparations-darlehen-eu-macht-schulden-fuer-waffen/>
*Ukraine: Das “Reparations-Darlehen” entpuppt sich als Waffendeal
*Die EU-Kommission will das neue, schuldenfinanzierte Darlehen für die
Ukraine in Höhe von 90 Mrd. Euro aufteilen – und zu einem
Konjunkturprogramm für die Rüstungsindustrie machen. Ein Drittel des
Geldes soll in das Staatsbudget in Kiew fließen und zwei Drittel in
militärische Ausrüstung, sagte Kommissionspräsidentin von der Leyen.
Von “Reparationen” Russlands ist keine Rede mehr. Kanzler Merz hatte
beim EU-Gipfel Ende Dezember ein “Reparations-Darlehen” gefordert, das
aus russischem Vermögen finanziert werden sollte. Doch er konnte sich
nicht durchsetzen. Nun muß Deutschland für frische EU-Schulden bürgen,
bekommt zum Trost aber sicher lukrative Rüstungsaufträge aus Kiew. Diese
Art der Ukrainehilfe entspräche den politischen Prioritäten der EU,
erklärte von der Leyen. Allerdings sind drei Länder ausgeschert – die
Kriegskredite haben die EU gespalten
<https://lostineu.eu/die-eu-zahlt-kriegskredite-und-greift-zu-neuen-tricks/>.
unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.