Rainer Danzinger
Psychodynamik des Terrors
Was ist Terror?
Man spricht von Terror, wenn durch reale, oder zumindest konkret beabsichtige, Morde
Angst und Schrecken verbreitet werden. Zudem wird der Terminus Terror auch in viel
weiterem Sinn gern metaphorisch verwendet.
Nun lassen sich terroristische Anschläge oder Attentate kaum von anderen mörderischen
Aktionen in der Gesellschaft, etwa von Kriegen, Revolutionen, Morden aus Rache oder
Geldgier etc. abgrenzen.
Als Unterscheidungsmerkmal wird oft angeführt, dass das Morden in Kriegen legal sei, vom
Gesetz des Mordverbotes ausgenommen sei. Damit kommt man aber schon bei
Bürgerkriegen, etwa den Aufständen ethnischer oder ökonomischer Minderheiten, in
Schwierigkeiten. Nicht zufällig blieb ein Streitgespräch zwischen J.Derrida und J. Habermas
(2004) bezüglich dieser Fragen unentschieden. F.Gros (2015) nennt Terror sogar „diffusen
Krieg“ und F. Khosrokhavar spricht von „Krieg mit niedriger Intensität“ (2016).
Also hilft die Ungesetzlichkeit des Terrors definitorisch nicht sehr viel. Zudem wurde
begriffsgeschichtlich eher brutale Gewalt seitens der Obrigkeit Terror genannt. Einen
wahren Boom erlebte der Ausdruck „terreur, terrorism“ als Bezeichnung für die blutige
Schreckensherrschaft Robespierres nach der Revolution von 1793.
Ein wenig eingrenzen kann man terroristische Attentate, wenn man hervorhebt, dass sie im
Allgemeinen mit weltanschaulichen, betont moralischen Beweggründen legitimiert werden,
im Gegensatz zum Mord aus Geldgier oder Eifersucht. Beim Terror wird meist öffentlich
bekannt, dass religiöse, zB.islamistische, rechtsradikale rassistische oder revolutionär
kommunistische Ideologien zur Tat motiviert hätten. Hier sollte man, zumindest flüchtig, die
Frage streifen, ob nicht in unseren großen Weltreligionen Christentum und Islam schon eine
Verführung zum Terror steckt?
Hinsichtlich der zum Terror verleitenden Ideologien betont W.Bohleber(2010), unter
Berufung auf den Ägyptologen J.Assman (1998), dass monotheistische Religionen an sich zur
Gewalt gegen die schmutzigen heidnischen Götzen des Polytheismus ermutigen. Das hat
übrigens schon der Dichter Heinrich Heine gesehen, der von einer „Diabolisierung der
verjagten Götter“ sprach. (Sämtl. Werke 3, S 294). S. Freud hat diese Mosaische
Unterscheidung, den Theoklasmus wie J.Assmann das auch nennt, mit der Dämonisierung
analsadistischer Triebwünsche in der psychischen Entwicklung des Individuums verglichen:
„Ich träume von einer urältesten Teufelsreligion, deren Ritus sich im geheimen
fortsetzt“ (Brief an Fließ vom 24.1.1897)
Wichtig scheint in diesem Zusammenhang auch das Medienecho, Filme, Romane, Dramen –
Sublimierungen der Mordereignisse, die das Publikum vor dem screen mit „milder
Berauschung“ erlebt . (S.Freud, 1930a, GW 14, S 441)
In TV, Internet, Filmen, Presse wird der Terror multipliziert, auf die Bühne gebracht,
mediatisert.
Tyrannenmord, Anschläge auf Prominente
Nicht nur Tyrannen und Diktatoren, sondern genauso gut auch Zivilisten, Friedensstifter oder
sogar Künstler wurden immer wieder Ziel von Anschlägen. Dabei werden einzelne, meist
berühmte oder mächtige Zielpersonen attackiert.
Im Gegensatz zu anderen Formen des Terrors, spielt hier die persönliche, oder zumindest
fantasierte Beziehung zwischen Täter und Opfer eine zentrale Rolle. Da beide meist Männer
sind, drängt sich hier zum Verständnis das Interpretament des Vatermords oder aber des
Brudermords auf.
Im Werk S.Freuds spielt der Vatermord sowohl im kollektiven Unbewussten, als auch in der
individuellen psychischen Entwicklung die zentrale Rolle schlechthin. „Eines Tages taten sich
die ausgetriebenen Brüder zusammen, erschlugen und verzehrten den Vater..“ (1912/13, GW
IX , S 171). Dabei betont Freud auch, den auf den Mord folgenden kannibalischen Akt, dass
die Brüder den toten Vater „nach der Sitte jener Zeit roh verzehrten“ (GW XVI, S 287, 1939a)
auch weil damit die Identifikation mit dem Gesetz des Vaters verdeutlicht werden kann.
Naheliegend ist es nun, die Ermordung von Tyrannen oder Diktatoren, von Kaisern ,Königen,
Präsidenten, mit dem Motiv des Vatermords zu verknüpfen, obwohl bei genauerer
Betrachtung berühmter Attentate auf Potentaten die Dynamik beträchtliche Variationen
zeigt. Wenn bürgerliche, anarchistische und kommunistische Revolutionäre gekrönte
Häupter morden, ist auf den ersten Blick die angeblich nachfolgende Identifikation mit den
väterlichen Gesetzen nicht so leicht erkennbar. In vieler Hinsicht wird ja das Gegenteil auf
die Fahne geschrieben, z.B. Freiheit, Gleichheit, klassenlose Gesellschaft.
Außerdem werden ja Friedensapostel wie Mahatma Gandhi oder Martin Luther King ebenso
Opfer von Attentätern, sogar typische volkstümliche Revolutionäre, wie Emiliano Zapata
oder Pancho Villa in Mexico, fielen Mordanschlägen zum Opfer.
Terror in Zusammenhang mit diversen Sekten
Trotz zahlreicher Analogien zwischen den Varianten des Terrors, fällt beim Sektenterror die
oft völlige Unterwerfung unter den Guru/ Sektenführer, auch privat, meist auch sexuell,
besonders auf. Um diese bedingungslose Unterwerfung zu verdeutlichen, sollen
nachstehend einige besonders plakative Szenarien in Erinnerung gerufen werden.
1978 kam es in Guyana zum Jonestown-Massaker, Jim Jones teilte seinen JüngerInnen Gift
aus, insgesamt starben im Guyana- Peoples Temple über 900 Personen.
1993 wurde das Waco- Mount Carmel Community Center in Texas vom FBI belagert. Der
Sektenführer Vernon Wayne Howell hatte, nach seiner Berufung als Prophet, den neuen
Namen David Koresh angenommen, hielt sich später sogar für Jesus Christus. Der Angriff
führte zu einem Brand und es starben76 Personen.
Zur Erinnerung daran zündet zwei Jahre danach Timothy McVeigh im Murrah Federal
Building in Oklahoma City eine Bombe, wobei 168 Menschen starben.
1995 kam es in der Tokyoter U-Bahn zu einem Terroranschlag mit dem Giftas Sarin durch die
Sekte Ōmu Shinrikyō (später Aleph). Der Führer Shoko Asahara wähnte, er sei als Mischung
von Shiwa und Jesus wiedergeboren. Neun Personen starben und 6000 wurden vergiftetet.
Zum psychoanalytischen Verständnis des Sektenterrors hat der Psychoanalytiker Vamik
Volkan (2005) viel beigetragen. Er wies besonders auf die kollektive Regression von
Großgruppen hin, durch die sich blindes Vertrauen entwickle.
In „Blind Trust“ (2004) analysiert er die Attentate durch sektiererische Millenialisten in den
USA, ausgehend von der Carmel Community in Waco in Texas.
Islamistische Attentate , ihre Vorgeschichte und Psychodynamik
Eine Welle mörderischen islamischen Terrors wird aus dem 11. Jahrhundert berichtet. ( H.
Halm, 2017) Die Assassinen, wie sie genannt wurden, waren religiös motivierte
Meuchelmörder die zur ismailitischen Abspaltung des bunten Spektrums der Schiiten
gehörten. Nach ideologischer Vorbereitung auf abgelegenen Burgen, wie zum Beispiel
Alamut, wurden sie ausgesandt Angehörige des sunnitischen Establishments, Herrscher,
Militärs, kirchliche Würdenträger zu ermorden, was auch etwa durch ein Jahrhundert in
vielen Fällen gelang.
Aktuell wurde beispielsweise in Frankreich das soziologische Profil junger islamistischer
Radikaler vergleichsweise gut untersucht.
70% von ihnen sind zwischen 15 und 25 Jahre alt, 20% sogar minderjährig, die Hälfte sind
Konvertiten, 60% stammen aus der Mittelschicht.
Uneinigkeit herrscht jedoch hinsichtlich der psychischen Struktur der Terroristen und ihrer
Sympathisanten.
Viele radikalisierte Häftlinge seien psychisch auffällig, zB. Borderline- Patienten oder
narzisstische Störungen schreibt beispielsweise Farhad Khosrokhavar, (2013) oder aber wird
behauptet, sie seien klinisch eher unauffällig (Marc Sageman 2004). Zum tieferen
Verständnis sind derlei psychiatrische diagnostische Etiketten ohnehin wenig bei, ebenso
wie die strafrechtlichen Beurteilungen.
Die Salafisten (Salaf = Vorfahre) scheinen besonders für Jugendliche attraktiv zu sein. Sie
sind gegen demokratischen Rechtsstaat, zeigen ihre Opposition zur umgebenden
Gesellschaft auch optisch äußerlich zB. Kleidung, langer Bart, Kopftuch. Zur Zeit gilt als ihr
großer ideologischer Führer Abu Musad al Suri, der ein dezentrales Netzwerk des Dschihad,
global verbreitet im Internet aufgebaut hat.
Von zentraler Bedeutung ist der Prozess der Radikalisierung, also die Suche nach der Radix,
der Wurzel.
Entwurzelt fühlen sich gewisse Adoleszenten, oft Migranten in der zweiten Generation. Sie
erleben sich durch ihre soziale Umgebung oft abgewertet, als menschlicher Müll. Daraus
erwachsen massive Minderwertigkeitsgefühle, narzisstische Kränkungen, ein Gefühl von „no
future“, von Sinnlosigkeit des Lebens.
Sie blasen Trübsinn, to be in the doldrums (= Flaute) nennt D.Winnicott derartige Zustände
in Adoleszenzkrisen). Fethi Benslama, ein Pariser Psychoanalytiker und Islamexperte hat 15
Jahre mit solchen radikalisierten Adoleszenten in Pariser Vororten gearbeitet. Um deren
trostlose Zustände zu charakterisieren, zitiert er aus Rilkes siebenter Duineser Elegie:
„Jede dumpfe Umkehr der Welt hat solche Enterbte, denen das Frühere nicht und noch nicht
da Nächste gehört“
Mit Allah als idealisierter Vaterfigur und mit ihrem Anschluss an die mütterliche Umma,
(Gemeinschaft) erleben nun diese Jugendlichen eine Art Wiedergeburt, „saust der Lift ihres
Narzissmus in die Höhe“, wie Benslama (2017, S 36) formuliert.
Es kommt wieder Schwung in ihr Leben, sie suchen nach Mutproben. D.Winnicott sagt über
diese unreifen, wilden Jugendlichen: „sie haben ein Baby gesät und ernten eine
Bombe“ (2012, S 175)
.In diesem Chaos erzeugen die Jugendlichen narzisstische Duplikate, Avatare, Doppelgänger.
Die terroristische neue Gemeinschaft, eine Masse Auserwählter, verleiht ihnen einen neuen
Name der meist mit Abu (Vater) beginnt. Der kollektive Wahn, in den sie nun eintauchen
verwandelt sie in eine Art von Übermuslim. Diesen Begriff hat ebenfalls der aus Tunesien
stammende Pariser Psychoanalytiker Fethi Benslama geprägt
Der Übermuslim will die Unterwerfung der Politik unter die Religion, zurück zum Kalifat.
Er hat zwei Feinde: den materialistischen säkularen Westen und den verwestlichten Muslim.
Morden, foltern, eventuell auch vergewaltigen werden vom Überich, also moralisch,
akzeptiert, sind erlaubt eventuell sogar erwünscht. (Übrigens gibt es bei „offiziellen“ Kriegen
eine ähnliche Aufhebung des Mordtabus.)
Muslim bedeutet etymologisch eigentlich „Der Demütige, der sich unterwirft“ beim
Übermuslim wird diese Bescheidenheit in ihr hochmütiges Gegenteil verkehrt.
Der Buchstabe des Korans in der Hand ist die wichtigste Waffe des personifizieren
Übermuslims.
Verleugnung der Herkunft in der Migration, Anpassung der Eltern an westliche Sitten heißt
Verrat und Entwurzelung, sagte Abdelhamid Abaaoud, der Organisator der Pariser Attentate
von 2015. Neue Verwurzelung durch Radikalisierung bedeutet Re-Identifikation, religiöse
Wiedergeburt.
In der Sprengstoffexplosion wird der verächtliche alte Mensch zerstört, in Fragmente von ein
paar verbrannten Fleischfetzen zerrissen, zerspalten, der Spiegel der nur ein schmutziges
Individuum, einen Müllhaufen, reflektierte, wird zersplittert, fragmentiert. Die Bruchstücke
der projektiven Manipulierung als feindlicher, wertloser, krimineller Ausländer, der
Migrantenhass , all die Zuschreibungen die unerträglich wurden, werden im Bombenattentat
zertrümmert und in der Fantasie erhebt sich aus dem Feuer und Rauch der Bombe der neue,
gereinigte göttliche Übermuslim und geht ins Paradies ein.
Aber auch die Umma, die mütterliche Gemeinschaft, die Großgruppenmatrix nach Foulkes
(1964) schwillt durch Verschmelzungen mit ihren Kindern zu einem nährenden und
fressenden archaischen, entsexualisierten Mutterkörper an.
Aus Angst vor dem Zerfall dieses Körpers dienen die Treue zu den Ahnen im Salafismus
ebenso, wie die Gesetze der Scharia, als Kitt. Der heilige Pakt der Umma, die im Kalifat
vereint wird, verachtet die niedrigen, profanen Regeln aufgeklärter Nationalstaaten, ziviler
Gesellschaftsverträge.
Zum spezifischen Verständnis der Psychodynamik des islamistischen Terrors tragen auch
einige Überlegungen Werner Bohlebers (2010) bei.
Dieser betont bei religiös legitimierter terroristischer Gewalt die Ablehnung moderner
Aufklärung und Säkularisierung, die apokalyptische Stimmung, die scharfe Abgrenzung von
den Ungläubigen und die narzisstische Reinheit. Bei der Verschmelzung mit der fusionären
Gemeinschaft der Gläubigen, der Umma, hebt Bohleber besonders die Geschwisterrivalität
hervor.
5. Zur Psychodynamik des Antisemitismus und zu rechtsradikalen AnschlägenDer Diskurs über den Antisemitismus kann natürlich im Rahmen dieser kleinen Arbeit über
Terrorismus lediglich gestreift werden. Aber das beeindruckende Symposion das 1944 in San
Francisco stattfand und bei dem Ernst Simmel, Theodor Adorno, Otto Fenichel u.a. sprachen,
soll ebenso erwähnt werden, wie die für Österreich zentrale Arbeit von Elisabeth Brainin,
V.Ligeti, Sami Teicher : „Vom Gedanken zur Tat. Zur Psychoanalyse des Antisemitismus“ die
sich sehr konkret mit zeitgeschichtlichen Entwicklungen des Antisemitismus nach dem
Massenmord unter besonderer Berücksichtigung der psychoanalytischen Vereine in
Österreich auseinandersetzt.
Ernst Simmel (1946/1978) verbindet schon früh Antisemitismus mit massenpsychologischen
Erklärungsmustern. In tiefer Regression, meint er, werde primitiver Hass auf die Juden
entfesselt und das Ich blähe sich narzisstisch auf. Simmel spricht von einem hasserfüllten
„Verschlingungstrieb“ des oralen Kannibalismus. Damit steht auch das Fantasma des
Kindsmordes, dessen die Juden beschuldigt wurden, in Zusammenhang. Adolf Hitlers
Anklage, dass die Juden das arische Blut durch Geschlechtsverkehr besudeln würden
beispielsweise, sei eine Verleugnung seiner eigenen Verschlingungstendenzen den Juden
gegenüber. Der rassistische Mythos des reinen und beschmutzten Blutes zeige überhaupt
die kannibalische Gier der Völker, sich gegenseitig zu fressen.
2010 schrieb W. Bohleber „Reinheit, Einheit und Gewalt. Unbewusste Determinanten des
Antisemitismus Deutschland“ In dieser Schrift bemüht er besonders die Deutung durch
Geschwisterrivalität.
Weiters seien kollektive (Heimat, Nation) und individuelle Identität durch frühkindliche
Wurzeln intrapsychisch miteinander verknüpft.
Vaterland und Mutterland werden auch körperlich symbolisiert, meint des weiteren
Bohleber, es sei die Rede von Grenzen, Homogenität, Reinheit oder Vermischung.
Der mittelalterliche Judenhass war stark von religiösen Fantasien über den Ritualmord
gefärbt, Juden als Kannibalen und Vampyre (Verschlingtrieb bei Simmel).
Juden gelten auch als Parasiten, als Schmarotzer und Krankheitserreger im Körper des
Wirtsvolkes. Sie werden mit abgespaltenen, giftigen, nicht integrierbaren Objekten infantiler
Traumatisierungen, projektiv identifiziert. Auch die Metapher von der Verschmutzung des
reinen arischen Erbguts ist hier wichtig. Übertragen auf die Psychoanalyse, schrieb C.G.Jung
im Zentralblatt für Psychologie, dass jüdische Analytiker nicht mit Ariern Analyse machen
dürften.(A.Peglau, 2017)
Besonders drastische biomorphe Metaphern über die Juden finden sich in Hitlers „Mein
Kampf“:
Maden im faulenden Leib/ Spinne, die dem Volk langsam das Blut aussaugt/ Sich blutig
bekämpfende Rotte von Ratten, Völkervampyr/ ewiger Blutegel etc. (Bohleber, 1910, S 199)
Es ist von Aussaugen, Zersetzen, Fressen Ersticken die Rede. Psychoanalytisch verweisen all
diese Metaphern auf die früheste Interaktion von Baby und Mutter, wobei die
abgespaltenen Fantasien von der bösen, fressenden Brust auf das jüdische Volk projiziert
werden.
Mit sadistischer Gefräßigkeit, Geldgier, ausbeuterischer kapitalistischer Unersättlichkeit,
werden die schmutzigen Juden also projektiv identifiziert. Deshalb müsse man sie vertilgen,
ausrotten, vergasen im Holocaust.
Dadurch wird eine Reinigung, Purifikation, des Deutschen Volkskörpers sowie sein
Zusammenschluss angestrebt. Durch Reinheit zur Einheit ist eine typische antisemitische
Phrase. Natürlich ist dies ein archaisches narzisstisches Ideal.
Seit Foulkes, Kreeger, Bion, Turquet (L.Kreeger,1975) wird die Verschmelzung mit der
frühesten Mutter, mit der Matrix in Großgruppen, in Internetverschwörungen, in
Wählermassen, als tiefe Regression angesehen. Dazu passt die damit einhergehende
Delegation des Überichs an eine primitive, demagogische und narzisstische Vaterfigur als
Führer.
Diese Einheit durch Reinheit darf durch Vermischung mit rassischen Fremden, mit Juden
oder Migranten nicht zersetzt werden. Stacheldrähte um die Konzentrationslager, oder eine
Mauer an der USA Grenze, Ausweisungen oder Ermordungen in Terrorszenarien müssen den
Volkskörper in seiner Regression zum primären Narzissmus schützen.
6. Die fatale Potenzierung der aktuellen sozialen Lage, der Sozialisation und der
verführerischen Heilslehre bei der Radikalisierung
Zum größten Teil rekrutieren sich radikalisierte Übermuslims, aber auch hasserfüllte
Neonazis oder Jünger extremer Sekten aus der Gruppe von Adoleszenten in einer
Identitätskrise. (F.Benslama, 2017, W.Bohleber, 2010, A.Gruen, 2015)
Im Prozess der Radikalisierung potenzieren sich nun in fataler Weise Traumen der
individuellen Biografie mit einer aktuellen Umgebung von Entwurzelung, Verspottung,
Erniedrigung und Einsamkeit. Die Verführung durch das Angebot einer
verschwörungstheoretischen Heilslehre, sei es fundamentalistischer Islamismus, einer
rassistische Reinheitslehre von Heimat und arischem Blut oder auch durch christliche
Erlösungs- und Weltuntergangsfantasien, bietet illusionäre Scheinlösungen der Krise, die
aber oft gierig aufgesaugt werden. Solcherart potenzieren sich die gesellschaftliche Lage, die
Biografie und das terroristische Ideologieangebot in fataler Weise.
Bei vielen Radikalisierten war die Herkunftsfamilie zerrüttet, schlagende und trinkende
Väter, hilflose Mütter.
Die enttäuschenden Imagines der Eltern wurden gespalten, in eine böse, schwache und
wertlose Gestalt auf der einen Seite und eine idealisierte, göttliche auf der anderen Seite.
Mystische Väter wie Allah, Jesus, die edlen Vorväter (Salaf), Mohammed, aber auch Figuren
wie Hitler werden zu grandiosen, leuchtenden Vorbildern.
Dazu kommt ein ebenso gespaltenes Frauenbild. Auf der abgewerteten Seite stehen die
schwache und hilflose eigene Mutter der Kindheit, die sexuell lüsternen westlichen
Hurenfrauen, die schmutzige Sexualität der minderrassigen Jüdinnen.
Diesen minderwertigen, verachteten Frauenfiguren werden die idealisierten, reinen Mütter
gegenübergestellt. Die verschleierte mohammedanische Mutter, die durch das Stillen ein
Inzesttabu errichtet, die edle reinrassige deutsche Mutter, der Hitler das Mutterkreuz
verleiht. Eine derartige reine Mutterfigur ist natürlich in massenpsychologischer Dimension
als Matrix auch die Gemeinschaft der Gläubigen, die Bande der Neonazis oder die nach
Außen abgeriegelte Sekte.
Übrigens hat auch das Bilderverbot im Islam, etwa die Sprengung der Buddhastatuen in
Bamiyan, genauso wie die Verfolgung der so genannten entarteten Kunst durch die Nazis,
mit dieser Verteufelung der schmutzigen weiblichen Lüsternheit zu tun.
Wie auch immer, wenn Adoleszenten in ihrer Identitätskrise sich von diesen Ideologien
verführen lassen, werden sie in den Strudel einer tiefen Regression hineingesaugt. Es kommt
zu Spaltungen ihres Ichs, Projektion schmutziger, nicht integrierter Anteile auf Feindgruppen
und zur Identifikation mit plakativen Führergestalten ebenso, wie zur Verschmelzung mit
idealen mütterlichen Gemeinschaften. Diese tiefe Regression, die man vielleicht, mit
gebotener Zurückhaltung, mit der frühesten Entwicklung des Babys an der Mutterbrust
vergleichen kann, diese Regression bis hin zu Ängsten gefressen zu werden und einer Gier
nach kannibalischem Verschlingen (E.Simmel, 1946, M.Klein, 1946) soll nun im Folgenden
etwas ausgeführt werden.
7. Komprimierte Darstellung der Psychodynamik des Terrors
Spielt nun beim Terror auch der Vatermord eine bedeutsame Rolle? Die Ermordung des
Urvaters durch die Brüderhorde? Passt hier der Mythos der Ermordung des Laios durch
Ödipus als Bild ? Homosexuelle Verbrüderung der Aufständischen, Terror als „Männer gegen
Männer“ Szenario, Spaltung der frühen Vaterimago in einen impotenten, weichlichen echten
Vater und einen sadistischen mächtigen dämonisierten bösen Vater (der Alte vom Berg der
Assassinen, Osama Bin Laden…. (A. Gruen „Wider den Terror“, 2015, S 31)
Auch den Muttermord, Orestes tötet Klytämnestra, könnte man bemühen : die westliche,
dekadent – kapitalistische, profanisierte Gesellschaft als verweichlichte, fressende
Konsummutter mit tausend Brüsten, die dämonisiert wird und im Terroranschlag vernichtet
wird. Immerhin erwähnt A.Gruen auch den Muttermord.
Auf alle Fälle aber werden ideologische Heilslehren mit ihrer Dämonisierung der schlechten
Anderen und ihrer narzisstischen Aufwertung der eigenen Person, von Jugendlichen in einer
Adoleszenzkrise gierig aufgesaugt. Diese verschwörungstheoretisch gefärbten Ideologien
legen sich wie heilsamer Balsam auf die brüchige Identität der jungen Männer. Für derartige
Phänomene hat S.Freud den Ausdruck „Schiefheilung“ gewählt. Kollektiver Wahn bewirke
eine Art von Schiefheilung, schreibt er:
„Es ist auch nicht schwer, in all den Bindungen an mystisch-religiöse oder philosophisch -
mystische Sekten und Gemeinschaften den Ausdruck von Schiefheilungen mannigfaltiger
Neurosen zu erkennen“. (1921c, GW XIII, S 159)
Dabei kommt es, wie schon gesagt, zur Stabilisierung eines einigermaßen konsistenten
Selbstgefühls durch projektive Identifizierung von Feinden, wie etwa dekadenter, perverser
westlicher Konsumzivilisten, mit abgespaltenen gehassten eigenen Fragmenten.
Beim Versuch die hasserfüllten Szenarien des Terrors irgendwie zu verstehen ist auch die
Suche nach den psychogenetischen Wurzeln des Hasses bedeutsam.
Bekanntlich übernimmt S.Freud von W.Stekel den Satz, dass der Hass sei älter sei als die
Liebe, was er mehrmals wiederholt, wobei Hass als narzisstische Ablehnung der störenden,
reizspendenden Außenwelt aufgefasst wird. Dabei verbindet er Hass auch mit dem
Einverleiben und Fressen „ eine Art der Liebe, die mit der Aufhebung der Sonderexistenz des
Objekts vereinbar ist, also als ambivalent bezeichnet werden kann“ . Auch verknüpft er
diesen frühen Hass mit dem sadistisch-analen „Bemächtigungsdrang, dem die Schädigung
oder Vernichtung des Objekts gleichgültig ist“. (GW X, S 231, 1921c)
Ob es nun um eine Umwandlung prägenitaler sadistischer und kannibalischer Triebwünsche
in zerstörerischen Hass geht, oder ob aus irgendeiner dunklen Tiefe auch ein Todestrieb
mitmischt, ist letztlich theoretische Geschmackssache.
Bekanntlich wird seit 1920 für S.Freud die Vorstellung des Todestriebs wichtig und er meint
auch, dass es wegen dieses Destruktionstriebes, des Todestriebes, so leicht sei, die
Menschen für den Krieg zu begeistern. „…. dass etwas in ihnen wirksam ist, ein Trieb zum
Hassen und Vernichten, der solcher Verhetzung entgegenkommt.“ (GW 16, S 20, 1933b)
Nochmals soll nun zusammenfassend der Blick auf die Psyche der Personen im Vorfeld des
Terrors, die gefährdet sind sich zu Attentätern zu entwickeln, gerichtet werden. Meist
handelt es sich eher um Außenseiter der Gesellschaft mit brüchiger Identität und schlecht
integrierten traumatischen Introjekten, sowie löchrigen Ichgrenzen, oft doch aus einer
zerrütteten Kindheit.
Wenn nun solche Individuen von ihrer sozialen Umgebung abgewertet, als unwillkommener
menschlicher Müll etikettiert oder verspottet werden, fühlen sie sich bedroht und
narzisstisch gekränkt. Man stelle sich dazu jugendliche Migranten in einem Pariser Banlieu
oder etwa erfolglose, arbeitslose Provinzler in einer deutschen Kleinstadt, die sich
entwurzelt fühlen, vor.
Durch populistische lautstarke Führer, die Verschwörungstheorien hinausposaunen, werden
die archaischen Abwehrmechanismen von Spaltung und projektiver Identifizierung der
gehassten Feinde und deren Ermordung massiv unterstützt. Die Verschmelzung mit den
geheiligten Ahnen, dem Idealvater des Naziführers oder mit Allah im Paradies, steht
keineswegs in Widerspruch zu Verschmelzungen mit mütterlichen Massen, der Umma der
Gläubigen, dem reinen arischen Volkskörper.
Ohne Hoffnung auf ihre Zukunft regredieren die geschilderten Risikopersonen psychisch auf
sehr archaische Abwehrmechanismen aus der Zeit, in der ihr Ich entstanden ist, in frühester
Kommunikation mit der Mutter. Ein gespaltetes Mutterbild taucht wieder auf. Die bösen
Anteile („böse Brust“ bei M.Klein, 1946) werden ausgespuckt, Feindgruppen werden mit
diesen abgespaltenen Fragmenten projektiv Identifiziert. Ideologische Verführungen
unterstützen diese Verteufelung bedrohlicher feindlicher Massen, wie beispielsweise der
Juden, der islamischen Migranten oder umgekehrt der westlich verdorbenen Kapitalisten.
Warum aber nimmt diese Abgrenzung im Terrorismus derart radikal mörderische
Dimensionen an, dass es zur Vernichtung der Feinde kommen muss? Warum werden die
gehassten Juden, Migranten, Westler real vergast, in die Luft gesprengt, erstochen und
erschossen?
Einerseits gibt es möglicherweise Ängste, die abgespalteten und dämonisierten Trümmer
könnten doch zurückkehren und müssten darum völlig vernichtet werden. Andererseits
lauert hinter der Zerstörung der Feinde vielleicht auch das Fantasma des psychogenetisch
ganz frühen kannibalischen Lustmords, durch den die Trümmer nach weiterer Zersplitterung
oral einverleibt, gefressen werden, um sie vielleicht doch auf dem Weg zu einer neuerlichen
Geburt zu verdauen. Hinter der Angst vor dem fremden Teufel verbirgt sich vielleicht doch
eine tiefe Sehnsucht nach seiner Einverleibung. Der mordlüsterne Terrorist macht sich wie
eine hungrige Bestie auf die Suche nach der Beute des Opfers. Die ihm zugeschriebenen
giftigen Laster wie Lüsternheit, Geldgier oder Mordlust sind eben doch die eigenen
abgespaltenen Bruchstücke. Der Terrorist will sich in tödlicher Symbiose in sein Opfer
verwandeln. Im Feuer der Explosion bei einem suicidalen Attentat mit Sprengstoff, zwischen
den Fleischfetzen und Knochentrümmern, in diesem wüsten apokalyptischen Feuerwerk von
Hass und Liebe, vermischen sich Todfeind, Freunde und Selbstanteile, Todeswünsche und
Hoffnungen auf Kosmogonie einer besseren neuen Welt.
Sicherlich jedoch wird die Neigung die archaischen Mordfantasien, die es unbewusst wohl
bei fast allen Menschen gibt, in reale mörderische Terroraktionen umzusetzen, von der
ideologischen Begleitmusik der neuen Gemeinschaft massiv gefördert.
Denn auf alle Fälle erleben durch die Aufnahme in eine neue mütterliche Gemeinschaft, oft
sogar mit neuem Namen und anderer Kleidung, viele Terroristen eine Verschmelzung mit
der frühen guten Mutter, respektive mit deren Brust. Von dieser mütterlichen Matrix einer
Großgruppe, einer Masse Gleichgesinnter, wird das bedrohte Subjekt des potentiellen
Terroristen nun wie von einem Container aufgenommen. Ob es dabei um
fundamentalistische Islamisten, Neonazis oder neuchristliche Sekten geht, hängt natürlich
vom Vorfeld ab und färbt die konkrete Ausgestaltung der terroristischen Szenarien.
Nach dieser Heimkehr in die neue Gemeinschaft, in den Körper der Mutter, wird durch
neuerliche Symbolisierung ein neues, narzisstisch leuchtendes Selbst ausgebrütet. Das
gekränkte, missachtete Subjekt wird nun als IS – Krieger, als heimattreuer reinrassiger
Germane, als erleuchteter Jünger eines mit Jesus oder Shiwa verbundenen Guru,
wiedergeboren.
8.Zusammenfassung
Eingangs wird versucht Terror von anderen Formen mörderischer, hasserfüllter Gewalt
einigermaßen abzugrenzen. Dann folgt ein kursorischer Überblick über Tyrannenmord,
Terror durch religiöse Sekten, islamistischen Terror und rechtsradikale Attentate, wobei die
wichtigsten Beispiele aus der neueren Geschichte in Erinnerung gerufen werden. Auch die
Psychodynamik der Ideologien, in deren Namen die Mordanschläge erfolgen, wird
beleuchtet, insbesondere beim fundamentalistischen Islam und beim Antisemitismus.
Danach wird gezeigt, wie sich die persönliche soziale Lage des meist jugendlichen Terroristen
mit seinen biografischen Traumata und mit der jeweiligen Ideologie auf fatale Weise
potenziert.
Abschließend folgt der Versuch, die Psychodynamik mörderischer Terroranschläge mit einer
tiefen Regression auf oral kannibalische Wünsche und den diese begleitenden Fantasmen
einer narzisstischen Widergeburt, verständlich zu machen.
Assmann, Jan (2003) Mosaische Unterscheidung. Hanser (München/Wien)
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Gruen, Andreé (2015) Wider den Terrorismus. Klett-Cotta (Stuttgart)
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Winnicott, Donald W. (2012) Unreife bei Jugendlichen. Stuttgart
Info: http://www.rainerdanzinger.at/download/terror-danzinger.pdf
unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.
Weiteres:
Exodus – die Revolution der Alten Welt
kath-akademie-bayern.de, Seite besucht am 15. März 2026, 11:25 Uhr, von Prof. Dr. Jan Assmann
Im Rahmen der Veranstaltung "Exodus – Der Auzug aus Ägypten als Wende in der Weltgeschichte", 19.03.2016
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I.
1985 brachte Michael Walzer ein brillantes kleines Buch mit dem Titel Exodus and Revolution heraus. Darin zeigte er, dass die biblische Geschichte vom Auszug aus Ägypten mit der vierzigjährigen Wanderung durch die Wüste und der Eroberung Kanaans zum Grundmodell politischer Revolutionen wurde. Jede Revolution ist ein gewaltsamer Aufbruch in etwas Neues, nach jedem solchen Aufbruch gilt es, Wüsten zu durchqueren voller Entbehrungen und konterrevolutionärer Rückschläge, bis dann endlich das Gelobte Land einer neuen Ordnung erreicht ist.
Das ist sehr überzeugend. Ich meine den Begriff „Revolution“ aber ganz anders. In meiner Deutung ist die Exodus-Erzählung nicht das Modell, die Blaupause politischer Revolutionen, sondern hat selbst Revolution gemacht, und zwar dadurch, dass sie zum Gründungsmythos der monotheistischen Religion wurde. Mit deren Siegeszug hat sie die Alte Welt verändert, erst durch die Christianisierung und dann durch die Islamisierung. Es handelt sich also nicht um eine politische, sondern um eine geistige Revolution, die aber in ihren politischen, sozialen und kulturellen Auswirkungen die Welt stärker und nachhaltiger verändert hat als jede politische Revolution. Genau genommen ist es auch nicht die Erzählung als solche, die so weltverändernd gewirkt hat, sondern die Ideen, die sie im Medium der Narration entfaltet. Sie heißen Offenbarung, Bund und Glaube. Das sind die Ideen, die unseren Begriff von Religion bis heute geprägt haben.
Der Alten Welt – und damit meine ich die Welt der „heidnischen“, „polytheistischen“ Religionen, Ägypten, Babylonien, Phönizien, Griechenland, Rom usw. ist diese Ideen-Trias fremd. Deshalb tun wir uns auch schwer, den Begriff „Religion“ auf diese alten Kulturen anzuwenden, obwohl doch „religio“ ein lateinisches Wort ist. Aber um diesen Begriff auf das Christentum anwenden zu können, musste ihm Laktanz eine neue Etymologie unterschieben, indem er es nicht wie Cicero von re-ligere „wiederlesen, konzentriert beachten“, sondern von re-ligare „rückbinden“ ableitete, um es auf die Idee des Gottesbundes zu beziehen.
II.
Führen wir uns zunächst noch einmal die Erzählung vom Auszug aus Ägypten vor Augen. Das Buch Exodus ist in seiner Endgestalt, wie wir es in unseren Bibeln lesen, ungefähr im Verhältnis 3:2:3 dreigeteilt. 14 ½ Kapitel Auszug aus Ägypten, 9 ½ Kapitel Bundesschluss am Sinai, 16 Kapitel Bau des Zeltheiligtums. Der Auszug aus Ägypten nimmt darin also nur ein knappes Drittel ein. Die Erzählung ist logisch und stringent aufgebaut. Sie beginnt in einer Situation äußerster Unterdrückung und Gottverlassenheit und endet in einer Situation höchster Würde – als auserwähltes Gottesvolk – und innigster Gemeinschaft mit Gott, der inmitten seines Volkes Wohnung nimmt. Genau in der Mitte des 40 Kapitel umfassenden Buches steht die entscheidende Szene: die Berufung des Volkes in das Gottesbündnis. Nur zwei Szenenfolgen fallen aus diesem stringenten Erzählungsbogen heraus: die zehn Plagen und die in nicht weniger als zwölf Kapiteln zweimal aufgezählten Einzelteile des Zeltheiligtums. In diesen Sequenzen scheint die Erzählung auf der Stelle zu treten. Warum 10 Plagen, wo doch eine einzige schwere Plage, eine vernichtende Pestepidemie etwa, genügt hätte, um den Pharao zum Einlenken zu bewegen? Und warum zweimal die endlose Aufzählung der Zeltteile?
Bei näherem Hinschauen tritt als das durchgehende Hauptthema ein Offenbarungsprozess hervor, der sich in fünf Schritten entfaltet: 1. Mose am Dornbusch: die Offenbarung des Namens JHWH, 2. die zehn Plagen: die Offenbarung der überragenden Macht Gottes, 3. der Höhepunkt, auf den alles Vorhergehende zuläuft: die Sinai-Offenbarung mit der Berufung des Volks in den Bund und der Verkündung der Gebote und Gesetze, die die Grundlage des Bundes bilden, 4. die Offenbarung des Zeltheiligtums und 5. die Wesensoffenbarung für Mose.
Zwischen 4 und 5 liegt die Szene mit dem Goldenen Kalb, die den eben geschlossenen Bund wieder bricht und alles aufs Spiel setzt. Mose, dem es gelungen ist, JHWH nach der Krise mit dem Goldenen Kalb wieder zu versöhnen, erbittet sich die Gnade, Gott von Angesicht sehen zu dürfen. Das würde er zwar nicht überleben, aber er darf Gott von hinten sehen und die „Gnadenformel“ hören, in der Gott sein Wesen beschreibt. Den Schluss bildet der Einzug von Gottes kabôd („Herrlichkeit“) in das Zelt, der keine Offenbarung ist, sondern einen Dauerzustand der institutionalisierten Gottesgegenwart stiftet.
Das weltumstürzend Neuartige an dieser Offenbarung ist, dass sie ein für alle Mal ergeht und das ganze Gottes-, Welt- und Selbstverhältnis der Menschen auf eine völlig neue und für immer gültige Grundlage stellt. Offenbarungen, d.h. göttliche Willensbekundungen durch Vorzeichen, Omina, Traumerscheinungen und Orakel kennen andere Religionen auch; sie betreffen aber immer nur einzelne Personen und Situationen, nie das Ganze der religiösen, sozialen und politischen Existenz, und sie ergehen nicht ein für alle Mal, sondern ereignen sich immer einmal wieder. Für diese neue religiöse Kategorie gibt es kein Wort im Hebräischen, Griechischen und Lateinischen. Um sie zu fassen und zu vermitteln, reicht ein Wort nicht aus, dazu bedarf es einer Erzählung, und zwar einer Erzählung von phantastischen, grandiosen Dimensionen. Den Höhepunkt dieses Offenbarungsgeschehens bildet die Offenbarung des Bundes.
Der dritte Teil wird allgemein als ein Zusatz der Priesterschrift erklärt. Die Priesterschrift entstand gegen Ende des 6. Jahrhunderts vor Christus, als es galt, nach der Rückkehr aus dem Exil den Tempel wiederaufzubauen und den Kult neu zu organisieren. Die Beschreibung des Zeltheiligtums dient als Modell für die Struktur des Tempels und seines Funktionierens. Die Dimensionen dieser Beschreibung erklären sich, wenn man den Gesamtaufbau der Priesterschrift ins Auge fasst. In ihrer Urgestalt umfasste sie die Bücher Genesis und Exodus und verfolgte das grandiose Konzept einer Geschichtsschreibung, die mit der Schöpfung der Welt beginnt und mit der Gründung des Tempels endet. So erscheint der Tempel als die Krone der Schöpfung und nimmt daher mit seiner Beschreibung einen so großen Raum in diesem Werk ein. Dabei handelt es sich aber nicht um den ersten, salomonischen Tempel, sondern um das Zeltheiligtum als mythisches Vorbild jeden Tempels und damit auch des neuen, nach der Rückkehr aus dem Exil erbauten zweiten Tempels. So erklärt sich auch der Einschub der Erzählung vom Goldenen Kalb mitten in der Tempelbeschreibung. Die Priesterschrift ist das Gründungsdokument des Frühen Judentums, wie es sich nach dem Untergang Israels und der Rückkehr aus dem Exil konstituierte. Sie hatte daher nicht nur der Geschichte Gottes mit der Welt, der Menschheit und seinem auserwählten Volk Rechnung zu tragen, sondern auch dem Scheitern dieser Geschichte in der Katastrophe der assyrischen und babylonischen Eroberungen mit dem Totalverlust von Land und Staat, Königtum und Tempel. Diese Katastrophe führte man auf menschliches Verschulden, nämlich auf den Bruch des Bundes zurück, um sie nicht als Versagen Gottes deuten zu müssen. Die Geschichte des Goldenen Kalbs ist die mythische Metapher für Bundesbruch, Strafe und – vor allem – Bundeserneuerung. Der Bund hat Schuld und Strafe überstanden: das ist der Sinn des fünften und letzten Offenbarungsschritts. Nun kann das Zeltheiligtum, das Mose im vierten Akt der Offenbarung gezeigt worden war, gebaut werden.
III.
Ganz unabhängig von der Frage nach dem historischen Kern, der möglicherweise im Mythos vom Auszug aus Ägypten stecken mag, muss man nach der symbolischen Bedeutung Ägyptens im Rahmen der Erzählung fragen. Wofür steht Ägypten, das „Sklavenhaus“? Das Bild des Sklavenhauses, das die Exodus-Erzählung von der altägyptischen Welt zeichnet, hat die Vorstellung dieser Kultur bis heute eingeschwärzt. Es verbindet sich vor allem mit den Pyramiden, in denen es seinen sichtbaren Ausdruck zu finden scheint. Deren Erbauung kann man sich bis heute kaum anders vorstellen als in Form unmenschlicher Ausbeutung breitester Volksmassen. Aber nicht nur der unvorstellbare Arbeitsaufwand, sondern vor allem der Zweck der Pyramiden skandalisierte die Nachwelt, galten sie doch als die monströsen Zeugnisse pharaonischen Größenwahns. Es handelt sich um eine der typischen Legenden, wie sie sich an die nicht mehr verstandenen gigantischen Überreste einer fremdgewordenen Vergangenheit heften. In den Pyramiden sah und sieht man vielerorts bis heute den symbolischen Ausdruck einer Kultur und eines politischen Systems, das von einer autokratischen Spitze kontrolliert wird und dem sich jeder Einzelne als Baustein einzufügen hat.
Die gigantische Bautätigkeit der Pharaonen und was wir über die Stellung des Königtums und die politische Organisation des Staates ablesen können, bildet aber nur die eine, die Außenseite des Systems. Die Innenseite bildet eine hochelaborierte, staatstragende Gemeinschaftskunst, wie sie zu einer Gesellschaft passt, die den ersten großräumigen Staat der Geschichte errichtet und über dreitausend Jahre aufrechterhalten hat. Ein solches Projekt war nur auf der Grundlage starker konnektiver Tugenden, Ideale und Normen zu errichten und aufrecht zu erhalten. Die alten Ägypter entwickelten die Moral aus den Beziehungen heraus, die die Menschen zur Gemeinschaft verbinden. „Nur gemeinsam können wir leben“, in dieser Formel, auf die Theo Sundermeier die Quintessenz schwarz-afrikanischen Lebensgefühls gebracht hat, lässt sich auch die altägyptische Ethik zusammenfassen. Leben ist eine Frage des Leben-Könnens, und Leben-Können hängt ab von der Fähigkeit zum Zusammenleben, von den „konnektiven Tugenden“.
Der ägyptische Zentralbegriff dieser Gemeinschaftskunst ist Ma’at, was wir mit Wahrheit, Gerechtigkeit, Aufrichtigkeit, Echtheit und Ordnung umschreiben. Ma’at ist in erster Linie das Prinzip der Verbindung oder „Konnektivität“, es stiftet Zusammenhang: erstens der Menschen untereinander, so dass sie sich zur Gemeinschaft verbinden, zweitens der Rede, so dass sie „wahr“ ist und in Beziehung steht zu den Absichten, dem „Herzen“, des Redenden und den Sachverhalten der Außenwelt, und drittens der Dinge, so dass sie in harmonischer Ordnung zueinander stehen. Ma’at ist erstens die „Gerechtigkeit“, die man im Handeln verwirklicht, zweitens die „Wahrheit“, der man im Reden und Denken folgt: das ist die Ma’at, die man „spricht“, und drittens die „Ordnung“: das ist die Ma’at, die der König – wie es in einem wichtigen Text heißt – „verwirklicht“ oder „entstehen lässt“ auf Erden, indem er die Isfet, das Gegenteil der Ma’at, also Unrecht, Lüge und Chaos vertreibt.
Das pharaonische System ist eine grandiose Sinnkonstruktion. Seine Stärke erweist sich in seiner beispiellosen Stabilität. Es hat über drei Jahrtausende bestanden und sich nach mehreren Zusammenbrüchen immer weitgehend identisch restituiert. Es war nur durch eine noch grandiosere Sinnkonstruktion zu überwinden. Das ist die Leistung der Exodus-Erzählung. Mit ihren Ideen von Offenbarung, Bund und Glaube macht sie deutlich, was dem pharaonischen System und allgemein dem Prinzip des Sakralkönigtums fehlt. Auf einen Begriff gebracht, beruht sie auf seiner Intranszendenz. Ihm fehlt die Vorstellung einer Außerweltlichkeit: das Göttliche ist innerweltlich und die Welt ist göttlich. Das Göttliche verkörpert sich im Herrscher, der Staat ist eine heilige Institution, eine Art Kirche.
Das ägyptische Weltbild wird von zwei Grundvorstellungen bestimmt: die Vorstellung von der Staatsabhängigkeit der Moral und die Vorstellung von der Inganghaltungsbedürftigkeit der Welt. Beides erweist sich im Licht der biblischen Ideen-Trias von Offenbarung, Bund und Glaube als wahnhaft. Daher lassen sich der Exodus-Mythos und der in ihm grundgelegte Monotheismus als ein Akt radikaler Aufklärung und in diesem Sinne als eine geistige Revolution verstehen.
Staatsabhängigkeit heißt, dass Sinn, Gemeinschaft, Gerechtigkeit und Beständigkeit mit der Existenz des pharaonischen Staates stehen und fallen. Im Buch Exodus geht es in einem durchaus revolutionären Sinne darum, das Konzept Pharao zu dekonstruieren. Es stellt den Auszug der Israeliten aus Ägypten vor allem als einen Machtkampf zwischen Jahwe und Pharao und damit als den Kampf zweier theopolitischer Systeme dar, des heidnisch-pharaonischen und des monotheistisch-israelitischen. Jahwe kämpft nicht gegen die ägyptischen Götter, die in der Erzählung gar keine Rolle spielen, sondern gegen Pharao, der geradezu als ein Gegen-Gott auftritt. Daher vollzieht sich die Überwindung des ägyptischen Systems – das hier allgemein für „Heidentum“ steht – vor allem in der Form einer Dekonstruktion der Herrscherrolle. Das sakrale Königskonzept wird zerschlagen und seine Elemente unter Gott und Volk aufgeteilt. Gott erbt die Rollen des Herrschers und Gesetzgebers, das auserwählte Volk die des Sohnes. Das gilt auch für das Israel der Königszeit. Hatte Gott zum König gesagt „Du bist mein Sohn: heute habe ich Dich gezeugt!“ (Ps 2,7) so spricht er jetzt zu Pharao „Mein erstgeborener Sohn ist Israel, — und ich sage dir: Lass meinen Sohn ziehen, damit er mir dient! Wenn du dich aber weigerst, ihn ziehen zu lassen, siehe, dann werde ich deinen erstgeborenen Sohn umbringen. (Ex 4,22-23). Der Bund zwischen Gott und König, der in der Königszeit galt, wird jetzt auf Gott und Volk umgebucht: „Ich will euch Gott sein und ihr sollt mir Volk sein.“ (Lev 26,12).
IV.
Die Entsakralisierung der Herrschaft wird erreicht durch eine gegenläufige Theologisierung von Recht und Gerechtigkeit. Das ist der Sinn des ungeheuren Offenbarungsgeschehens, das in der Sinai-Offenbarung von Bund und Gesetz gipfelt. Der Glaube an den Bund und die Treue zum Gesetz befreien von dem ägyptischen Wahn, dass Gerechtigkeit und Menschenliebe von der Existenz eines starken Staates abhängen. Gott, Bund und Gesetz erscheinen in dieser Darstellung als Freiheitsformeln und der Ausgang aus Ägypten als Emanzipation von der ägyptischen Form politischer Unmündigkeit.
Die Entsakralisierung der Herrschaft ist die eine Seite des als revolutionärer Akt radikaler Aufklärung gedeuteten Auszugs aus Ägypten, und man kann mit Blick auf die Geschichte sagen, dass sie nie vollständig bzw. flächendeckend gelungen ist. Vollständiger hat sich die andere Seite, die Entgöttlichung oder Verweltlichung der Welt durchgesetzt. Die ägyptische Welt war nicht nur von göttlichen Mächten bewohnt und beseelt, sondern auch von einer ständigen Gravitation in Richtung Stillstand, Auflösung und Chaos bedroht, gegen die sie fortwährend in Gang gehalten werden musste. Der Schöpfer muss sie als Sonne unablässig umkreisen und alle großen und kleinen Götter müssen ihm bei diesem Werk der Inganghaltung beistehen. Für die Menschen ergab sich daraus, dass sie zu unablässiger ritueller Mitwirkung und Anteilnahme aufgefordert sind. Sie müssen Sonne und Mond mit Hymnen und Opfern begleiten, sie müssen die Nilüberschwemmung ermuntern und begütigen, Aussaat und Ernte mit Riten begleiten, die Tiere heilig halten und das ganze kosmische und natürliche Leben mit andächtiger Aufmerksamkeit beobachten und bewahren. Wenn die Ägypter aufhörten, den Kosmos anzubeten, würde in ihren Augen die Welt unbewohnbar werden.
Der entscheidende Unterschied zwischen dem ägyptischen und dem biblischen Weltbild wird klar, wenn wir den Fokus erweitern und zu dem Buch Exodus hinzu auch das Buch Genesis in den Blick nehmen. Der Unterschied liegt in dem Motiv des Schlussstrichs. In der Bibel erschafft Gott die Welt in sechs Tagen und ruht sich am siebten Tage aus, um damit eine deutliche Zäsur zu setzen zwischen der Phase der Weltentstehung und der Dauer der Welterhaltung. Nachdem die Welt einmal geschaffen ist, muss sie von Gott nicht weiter in Gang gehalten werden. Sie bildet ein selbstregulierendes System; man könnte auch sagen, dass ihr von Gott die Geheimnisse ihres weiteren Funktionierens einprogrammiert sind, so dass die Gestirne ihre Bahnen kennen und die Winde wissen, wann und wohin sie zu wehen haben. Ihr Fortbestand hängt einzig allein von Gottes Willen ab, sie nicht wieder zu zerstören. Jedenfalls können und sollen die Menschen zu ihrem Gange nichts beitragen. Die Sonne geht auf und unter, ohne von den Menschen darin mit Opfern und Hymnen bestärkt zu werden, und dasselbe gilt für Mond und Sterne, Regen und Wind. Immer wieder wird der Mensch gewarnt, die Mächte der Natur nicht anzubeten, da sie nicht nur wie er selbst von Gott geschaffen sind, sondern weil er den Menschen zum Herrn der Erde eingesetzt hat. Der Mensch soll über die Welt verfügen: damit erkennt er ihre Nicht-Göttlichkeit, bzw. die exklusive Göttlichkeit des außerweltlichen Gottes an. Verfügen ist das Gegenteil von Anbeten.
Den gleichen Sinn – und damit kehren wir vom Buch Genesis zum Buch Exodus zurück – hat das Bilderverbot. Auch hier geht es ja nicht nur um die Unabbildbarkeit Gottes, sondern um das Verbot, überhaupt Bilder beliebiger irdischer, himmlischer und unterirdischer Wesen herzustellen, weil im Akt der Bildschöpfung schon ein Moment der Anbetung gesehen wird. Dieser viel weiter gehende Sinn des Bilderverbots, der jede figürliche Darstellung verbietet, richtet sich gegen das symbiotische Weltverhältnis des Kosmotheismus, gegen die Bilder als Form einer Welt-Verstrickung. Der Mensch ist über die Schöpfung gesetzt, nicht in sie hinein. Er soll sie nicht anbeten im Gefühl seiner Schwäche und Abhängigkeit, sondern sie frei und souverän verwalten. Das Bilderverbot entzaubert die Welt, die den Menschen in ihren Bann schlägt und ihn von Gott ablenkt. Ikonoklasmus heißt Theoklasmus: mit den Bildern sollen die Götter zerschlagen werden, die in ihnen angebetet werden.
In diesem Sinn lässt sich die monotheistische Revolution als ein Akt der Aufklärung verstehen. Diese Emanzipation hatte einen Preis: sie war erkauft durch die Annahme der Offenbarung einer außerweltlichen Ordnung jenseits alles Gegebenen, die der Mensch nicht mehr mit seinen Sinnen erleben, erfahren und auf sich beziehen konnte wie im heidnischen Kosmotheismus, sondern an die er glauben musste. Die Transzendenz erschließt sich nur dem Glauben, nicht den Sinnen. Der Glaube durchbricht die Intranszendenz des Gegebenen und erschließt dem Menschen eine Beheimatung im Aufgegebenen und Verheißenen. Die Tora, die Heine so treffend ein „portatives Vaterland“ nannte, ist extraterritorial und fundiert eine extraterritoriale Identität. Ger anokhi ba’aretz, „Ich bin ein Fremdling auf Erden“ heißt es in Psalm 119, und weiter: „nimm deine Gebote nicht von mir“. Nur so konnte die Tora zum Lebensfundament und Identifikationssymbol eines Volkes auch in Zeiten von Exil und Diaspora werden.
V.
Dieses Prinzip einer außerweltlichen Beheimatung gilt für alle Offenbarungsreligionen. Nun hat aber die monotheistische Aufklärung nicht Halt gemacht bei der Entgöttlichung oder Entzauberung der Welt und der politischen Herrschaft, sondern zuletzt auch die Offenbarung selbst ins Visier genommen. Die Frage ist, ob uns die Dekonstruktion der Offenbarung bzw. der „Tod Gottes“ nicht auf die Intranszendenz zurückgeworfen hat. 1939, im unmittelbaren Vorfeld des Zweiten Weltkriegs, schrieb der Dichter T.S. Eliot: „If you will not have God (and He is a jealous God) you should pay your respects to Hitler or Stalin.“ Der Preis für einen Ausgang aus der Unmündigkeit auch noch des Offenbarungsglaubens, meint Eliot, ist die Auslieferung an den Totalitarismus.
Das kann aber nicht das letzte Wort sein. Nie wird sich die Menschheit auf eine Religion, einen Gott, eine Offenbarung einigen. Einigung ist aber das Gebot der Stunde. Die Ethik, die diese Welt braucht, um im Zeitalter der Globalisierung in Frieden und Gerechtigkeit leben zu können, muss auf einer anderen, säkularen, metareligiösen Ebene entwickelt und rechtlich in Kraft gesetzt werden. Das muss aber nicht gegen die Religionen, sondern durchaus mit den Religionen geschehen. Zwar gibt es Ethik ohne Religion, aber nicht Religion ohne Ethik. Daher gibt es einen gemeinsamen Nenner zwischen dem metareligiösen Prozess der Menschenrechte als einer neuen Form globalisierter „Gemeinschaftskunst“ und den Religionen, die in der Ethik die Mitte ihres Gottes- und Weltverhältnisses sehen.
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Info: https://kath-akademie-bayern.de/mediathek-eintrag/exodus-die-revolution-der-alten-welt/
unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.
unser weiterer Kommentar: Zitat: Der Preis für einen Ausgang aus der Unmündigkeit auch noch des Offenbarungsglaubens, meint Eliot, ist die Auslieferung an den Totalitarismus. Zitatende
So etwas auch noch wissenschaftlich zu postulieren, darauf lässt sich nur antworten: Das ist für das 21. Jahrhundert nicht mehr zu fassen bzw. das ist einfach dummes Zeug und nur dazu bestimmt boshaftes Werkzeug in den Händen von, den göttlichen Sinn der Schöpfung vergewaltigenden narzisstischen Psychopathen, zu sein.




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