20.03.2021

Coronavirus: Europa auf die zunehmende Bedrohung durch Virusvarianten vorbereiten

europa.eu, Pressemitteilung, vom 17. Februar 2021, Europäische Kommission, Brüssel

Die Kommission schlägt heute Sofortmaßnahmen vor, damit sich Europa besser auf die zunehmende Bedrohung durch Coronavirus-Varianten vorbereiten kann. Dank des neuen europäischen Bereitschaftsplans zur Vorsorge gegen biologische Gefahren im Zusammenhang mit COVID-19-Varianten, dem HERA Incubator, werden Forschung, Biotechnologieunternehmen, Hersteller und Behörden aus der EU und der ganzen Welt zusammenarbeiten, um neue Varianten nachzuweisen, Anreize für die Entwicklung neuer und angepasster Impfstoffe zu schaffen, das Zulassungsverfahren für diese Impfstoffe zu beschleunigen und die Produktionskapazitäten auszubauen.


Zitat: Mit dem Auftreten immer neuer Varianten und zunehmend neuen Herausforderungen im Zusammenhang mit der Ausweitung der Impfstoffproduktion kommt es darauf an, jetzt zu handeln. Der HERA Incubator wird auch als Blaupause für die langfristige Vorsorge der EU für Gesundheitsnotstände dienen.


Zur Verbesserung der Vorsorge, für die Entwicklung wirksamer Impfstoffe gegen die Varianten und zur Steigerung der industriellen Produktion sind folgende Maßnahmen entscheidend:

  1. Nachweis, Analyse und Bewertung von Varianten
    • Entwicklung spezialisierter Tests für neue Varianten und Förderung der Genomsequenzierung in den Mitgliedstaaten, unterstützt mit EU-Mitteln in Höhe von mindestens 75 Mio. EUR;
    • Erreichung des Ziels, bei 5 % der positiven Tests eine Genomsequenzierung zum Nachweis neuer Varianten durchzuführen, deren Ausbreitung in Populationen zu überwachen und deren Auswirkungen auf die Übertragbarkeit zu analysieren;
    • Intensivierung der Forschungstätigkeiten und des Datenaustauschs über Varianten, unterstützt mit EU-Mitteln in Höhe von 150 Mio. EUR;
    • Einrichtung des Netzes für klinische Prüfungen zu COVID-19, VACCELERATE, an dem 16 EU-Mitgliedstaaten und fünf assoziierte Länder, darunter die Schweiz und Israel, beteiligt sind, um Daten auszutauschen und schrittweise auch Kinder und junge Erwachsene in klinische Prüfungen einzubeziehen.
  2. Beschleunigung des Zulassungsverfahrens angepasster Impfstoffe: Auf der Grundlage des Modells der jährlichen Grippeimpfung wird die EU eine beschleunigte Zulassung für angepasste COVID-19-Impfstoffe ermöglichen, und dazu folgende Schritte unternehmen:
    • Anpassung des Rechtsrahmens, etwa durch die Änderung des Regelungsverfahrens zur Zulassung eines angepassten Impfstoffs mit einem kleineren Satz zusätzlicher Daten, die der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) fortlaufend vorgelegt werden;
    • Vorlegen von Leitlinien der EMA zu den Datenanforderungen für Entwickler, damit die Anforderungen in Bezug auf Varianten im Voraus bekannt sind;
    • Erleichterung der Zulassung neuer oder auf eine neue Nutzung umgestellter Produktionsstätten, indem die Regulierungsbehörden frühzeitig einbezogen werden;
    • Prüfung einer neuen Kategorie von Notzulassungen für Impfstoffe auf EU-Ebene mit gemeinsamer Haftung der Mitgliedstaaten.
  1. Um die Produktion von COVID-19-Impfstoffen voranzutreiben wird die EU
    • bestehende Abnahmegarantien aktualisieren oder neue abschließen, um die Entwicklung neuer und angepasster Impfstoffe mit EU-Mitteln zu unterstützen. Dabei muss jede Garantie einen detaillierten und glaubwürdigen Plan enthalten, aus dem hervorgeht, dass das Unternehmen in der Lage ist, innerhalb eines verlässlichen Zeitrahmens Impfstoffe in der EU herzustellen. Dies sollte die EU nicht daran hindern, bei Bedarf Quellen von außerhalb der EU in Erwägung zu ziehen, sofern diese die EU-Sicherheitsanforderungen erfüllen;
    • eng mit den Herstellern zusammenarbeiten, um die Überwachung der Lieferketten zu unterstützen und festgestellte Produktionsengpässe zu beseitigen;
    • die Herstellung zusätzlicher Impfstoffe gegen neue Varianten unterstützen;
    • einen freiwilligen Lizenzierungsmechanismus speziell zur Erleichterung des Technologietransfers entwickeln;
    • die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen unterstützen;
    • die Produktionskapazitäten der EU durch den Aufbau des „EU-FAB“-Projekts sicherstellen.


Die heute angekündigten Maßnahmen werden die globale Zusammenarbeit über die Weltgesundheitsorganisation und globale Impfinitiativen ergänzen. Sie werden auch ein Wegbereiter für die EU-Behörde für die Krisenvorsorge und -reaktion bei gesundheitlichen Notlagen (HERA) sein. Die HERA wird auf den heute eingeleiteten Maßnahmen aufbauen und als dauerhafte Einrichtung die Risikomodellierung, die globale Überwachung, den Technologietransfer, Produktionskapazitäten, die Kartierung von Lieferkettenrisiken, flexible Produktionskapazitäten sowie Forschung und Entwicklung im Bereich Impfstoffe und Medizin unterstützen.


Äußerungen von Mitgliedern der Kommission:

Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erklärte: „Unsere Priorität besteht darin sicherzustellen, dass alle Europäerinnen und Europäer so bald wie möglich Zugang zu sicheren und wirksamen COVID-19-Impfstoffen haben. Zugleich entstehen in rasantem Tempo neue Varianten des Virus, sodass wir unsere Maßnahmen noch schneller anpassen müssen. Um dem Virus einen Schritt voraus zu bleiben, rufen wir heute den HERA Incubator ins Leben. Er bringt Forschung, Industrie und Behörden zusammen und mobilisiert alle verfügbaren Ressourcen, damit wir auf diese Herausforderung reagieren können.


Margaritis Schinas, Vizepräsident der Europäischen Kommission, ergänzte: „Bei unserem Kampf gegen das Virus antizipieren wir Probleme und handeln proaktiv, um alle Mittel zu mobilisieren, mit denen die Auswirkungen von Varianten eingedämmt werden können. Mit unserem neuen Bereitschaftsplan zur Vorsorge gegen biologische Gefahren, dem HERA Incubator, bekämpfen wir parallele oder aufeinanderfolgende Pandemien, die aufgrund von Varianten entstehen. Der heute vorgelegte Vorschlag ist ein perfektes Beispiel dafür, was die EU am besten kann: Anstrengungen zu bündeln und durch Finanzmittel zu unterstützen. Wir können die Krise nur hinter uns lassen, indem wir uns an die neuen Umstände anpassen und gemeinsam handeln, solidarisch in der EU und weltweit.“


Stella Kyriakides, Kommissarin für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, äußerte sich wie folgt: „Europa ist fest entschlossen, der Bedrohung durch neue Coronavirus-Varianten immer einen Schritt voraus zu sein. Der HERA Incubator ermöglicht Vorausschau, Antizipation und eine einheitliche Reaktion. So können wir die doppelte Herausforderung meistern, neue Varianten zu bekämpfen und gleichzeitig die Produktionskapazität für Impfstoffe zu erhöhen. Der Incubator wird Brücken zwischen Forschung, Industrie und Regulierungsstellen bauen, um die Verfahren – vom Nachweis von Varianten bis zur Genehmigung und Herstellung von Impfstoffen – zu beschleunigen. Für die Gegenwart und Zukunft benötigen wir umfassende Investitionen und der HERA Incubator ist ein entscheidender Teil unserer Antwort.“


Der für den Binnenmarkt zuständige EU-Kommissar Thierry Breton fügte hinzu: „Die Taskforce, die sich das Hochfahren der Impfstoffproduktion zum Ziel gesetzt hat, steht bereits täglich mit der Industrie in Kontakt, um mögliche Engpässe zu antizipieren und besser zu beheben. Durch diese verstärkte Zusammenarbeit werden wir dafür sorgen, dass die Hersteller auch durch die Industriephase der Impfstoffproduktion ihre Zusagen einhalten, und gleichzeitig den künftigen Bedarf antizipieren und die Impfstoffproduktion an künftige Varianten anpassen können. Mit dem HERA Incubator liefern wir heute eine umfassende strukturelle Antwort. Dabei geht es nicht nur um kurzfristige Lösungen, sondern um ein höheres Maß an Autonomie im Gesundheitsbereich für unseren Kontinent in naher Zukunft.“


Mariya Gabriel, Kommissarin für Innovation, Forschung, Kultur, Bildung und Jugend, erklärte: „Forschung und Innovation tragen weiter entscheidend zur Bewältigung der anhaltenden Herausforderungen im Zusammenhang mit der Pandemie bei. Der HERA Incubator und die Stärkung der europäischen Infrastrukturen und Netze, die zusätzliche Mittel aus den Programmen Horizont 2020 und Horizont Europa erhalten, werden uns dabei helfen, Virusvarianten zu bewältigen und besser auf künftige Ausbrüche vorbereitet zu sein.“


Hintergrund

Mit der Impfstrategie der EU konnte der Zugang zu 2,6 Milliarden Impfstoffdosen im Rahmen der weltweit umfassendsten Palette an sicheren und unbedenklichen COVID-19-Impfstoffen gesichert werden. Weniger als ein Jahr nach dem ersten Auftreten des Virus in Europa haben alle Mitgliedstaaten mit der Impfung begonnen. Dies ist eine bemerkenswerte Leistung der europäischen sowie globalen Spitzenforschung und Impfstoffentwicklung, denn was für gewöhnlich 5-10 Jahre dauert, wurde in nur etwas über 10 Monaten erreicht.


Allerdings gestaltet sich ein zügiger Ausbau der industriellen Impfstoffproduktion zur Deckung des Bedarfs schwierig. Um die Produktionskapazität in Europa zu steigern, brauchen wir eine viel engere, stärker integrierte und strategisch ausgerichtete öffentlich-private Zusammenarbeit mit der Industrie. Deshalb hat die Kommission eine Taskforce für den Ausbau der industriellen Produktion von COVID-19-Impfstoffen eingerichtet. Probleme sollen so in Echtzeit erkannt und schneller angegangen werden.


Auch in dem Maße, wie sich immer wieder neue Bedrohungen bereits jetzt oder in weiter Ferne abzeichnen, muss Europa stets einen Schritt voraus sein. Die wohl unmittelbarste Gefahr geht von der wachsenden Zahl neuer Virusvarianten aus, die sich derzeit in Europa sowie auf der ganzen Welt bereits verbreiten und entwickeln. Nach aktuellem Kenntnisstand sind die bereits zugelassenen Impfstoffe auch gegen die derzeit bekannten Varianten wirksam. Europa muss jedoch für den Fall vorbereitet sein, dass sich künftige Varianten als teilweise oder vollständig resistent gegen die vorhandenen Impfstoffe erweisen.


PDF Download  https://ec.europa.eu/commission/presscorner/api/files/document/print/de/ip_21_641/IP_21_641_DE.pdf


Weitere Informationen

Mitteilung der Kommission an das Europäische Parlament, den Europäischen Rat und den Rat: HERA Incubator: unsere gemeinsame proaktive Antwort auf die Bedrohung durch COVID-19-Varianten

Fragen und Antworten

Factsheet

Sichere Corona-Impfstoffe für die Menschen in Europa

Corona-Krisenreaktion der EU


Info: https://ec.europa.eu/commission/presscorner/detail/de/ip_21_641



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Kommentar: 20.03.2021 über TELEGRAM

Wenn die Regierungen abgesägt werden tritt HERA in Kraft.


Kurz erklärt ist HERA so etwas wie ein europäisches Zentralgesundheitssystem, dass es, unter den momentanen Voraussetzungen erlaubt, sämtliche Staaten in Europa zu entmachten und so etwas wie eine übergeordnete Gesundheitspolitische Diktatur mit der dazugehörigen Gesundheitspolizei zu installieren.

Zitat: Im Moment freuen sich Viele, weil die Medien immer öfter über das Versagen der Regierung berichten. Wenn man aber genauer hinschaut, wird immer das Selbe kritisert: Zu wenige Schnelltests, zu wenig Impfstoff, zu langsames Impfen, kein richtiger Plan in Bezug auf die Bekämpfung der „Pandemie“. Hier wird mit keinem Wort kritisiert, dass durch Tests, die nichts aussagen eine künstliche Pandemie geschaffen wird, dass Kliniken geschlossen werden, durch den Lockdown nicht nur finanzieller, sondern auch erheblicher Schaden an Psyche und Körper entstanden ist.

Die neueste Meldung ist, dass keine Hilfen an Sebständige und Einzelhandel meht gezahlt wird, da angeblich ein paar Einzelne betrügerisch Millionen an Euro eingesteckt haben.

„Von der Leyen erklärte, dass die Regierungen der europäischen Länder die Coronavirus-Pandemie nicht alleine stoppen können und HERA die Möglichkeit der Notstandserklärung in der gesamten EU bieten würde.“

Da dies wirklich gefährlich und problematisch ist, sollte sich dringend jeder überlegen, ob er es immer noch toll findet, wenn er die momentane mediale Berichterstattung über die Unfähigkeit der Regierung liest.
02.12.2020


Pressemitteilung, 17. Februar 2021 Europäische Kommission Brüssel
Coronavirus: Europa auf die zunehmende Bedrohung durch Virusvarianten vorbereiten

/
112 UA: EU to create new authority for response to future pandemic

European Commission - European Commission (https://ec.europa.eu/commission/presscorner/detail/de/ip_21_641)



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WIKIPEDIA zu HERA

wikipedia.org, (Seite kopiert am 23. März 2021)


Die künftige European Health Emergency Response Authority (HERA) soll im Rahmen einer Europäischen Gesundheitsunion als europäische Behörde für Notfallmaßnahmen im Gesundheitswesen geschaffen werden.[1] Ausgelöst durch die Probleme bei der Bekämpfung der COVID-19-Pandemie legte die Europäische Kommission am 11. November 2020 die Hauptelemente der künftigen Behörde fest, die ab Ende 2021 tätig werden soll. Eine solche Struktur sei ein wichtiges neues Element, um eine bessere Reaktion auf EU-Ebene für grenzüberschreitende Maßnahmen bei Gefahren für die Gesundheit zu unterstützen. Der Vorschlag konzentriert sich auf die Überarbeitung des bestehenden Rechtsrahmens für schwerwiegende grenzüberschreitende Gesundheitsbedrohungen sowie auf die Stärkung der Krisenvorsorge- und Reaktionsfunktion des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC, European Centre for Disease Prevention and Control) und der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA, European Medicines Agency).[2]

Inhaltsverzeichnis

Aufgaben

Um ein robusteres Koordinierungsmandat zwischen der Europäischen Kommission und den EU-Vertretungen zu schaffen, schlägt die Kommission eine Rahmenvereinbarung über schwerwiegende grenzüberschreitende Gesundheitsbedrohungen vor.[3] Hierzu gehören:

  • Stärkung der Einsatzbereitschaft: Planung und Empfehlungen zur Vorbereitung auf eine EU-weite Gesundheitskrise und -pandemie sowie Empfehlungen für die Annahme von Plänen auf nationaler Ebene werden zusammen mit umfassenden und transparenten Rahmenbedingungen für die Berichterstattung und Prüfung entwickelt. Die Ausarbeitung nationaler Pläne würde vom ECDC und den EU-Vertretungen unterstützt. Die Pläne würden von der Europäischen Kommission und den EU-Vertretungen geprüft und einem Stresstest unterzogen.

  • Verstärkte Überwachung: Auf EU-Ebene wird ein verstärktes, integriertes Überwachungssystem geschaffen, das künstliche Intelligenz und andere fortschrittliche technologische Mittel einsetzt.

  • Verbesserung des Datenaustausches: Die Mitgliedstaaten müssen ihre Berichterstattung über Indikatoren der Gesundheitssysteme verstärken (z. B. Verfügbarkeit von Krankenhausbetten, spezialisierte Behandlung und Intensivpflegekapazität, Anzahl medizinisch ausgebildeter Mitarbeiter usw.).

  • Die Erklärung einer EU-Notsituation würde eine verstärkte Koordinierung auslösen und die Entwicklung, Bevorratung und Beschaffung krisenrelevanter Produkte ermöglichen.

Das Mandat des ECDC würde verstärkt, damit es die Kommission und die Mitgliedstaaten in folgenden Bereichen unterstützen kann:

  • epidemiologische Überwachung über integrierte Systeme, die eine Echtzeitüberwachung ermöglichen

  • Bereitschafts- und Reaktionsplanung, Berichterstattung und Prüfung

  • Bereitstellung unverbindlicher Empfehlungen und Optionen für das Risikomanagement

  • Fähigkeit zur Mobilisierung und Entsendung der EU-Gesundheits-Task Force, um die lokale Reaktion in den Mitgliedstaaten zu unterstützen

  • Aufbau eines Netzwerks von EU-Referenzlaboratorien und eines Netzwerks für Stoffe menschlichen Ursprungs

Das Mandat der EMA würde verstärkt, um eine koordinierte Reaktion auf Unionsebene auf Gesundheitskrisen zu ermöglichen, dazu gehören:

  • Überwachung und Minderung des Risikos eines Mangels an kritischen Arzneimitteln und Medizinprodukten

  • Bereitstellung wissenschaftlich fundierter Empfehlungen zu Arzneimitteln, die möglicherweise die Krankheiten behandeln, verhindern oder diagnostizieren können, die diese Krisen verursachen

  • Koordinierung von Studien zur Überwachung der Wirksamkeit und Sicherheit von Impfstoffen zur Koordinierung klinischer Studien.

Siehe auch

Weblinks

  • Portal der Europäischen Union zur öffentlichen Gesundheit

Quellen

Einzelnachweise

Diese Seite wurde zuletzt am 15. November 2020 um 16:32 Uhr bearbeitet.

Als PDF herunterladen https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Spezial:DownloadAsPdf&page=European_Health_Emergency_Response_Authority&action=show-download-screen


Info: https://de.wikipedia.org/wiki/European_Health_Emergency_Response_Authority

19.03.2021

Was hinter der angeblichen Gefährlichkeit neuer Virus Varianten steckt

tkp.at, Gesundheit vom 18. März 2021 9 Minutes

Seit dem Anschlag auf das World Trade Center ließ sich mit nichts mehr so knackige Schlagzeilen in den Mainstream Medien produzieren, wie mit den „Mutanten“. Sie hätten einen Turboboost, seien 64% tödlicher und weitere Superlative schrien uns in den vergangenen drei Monaten aus den Schlagzeilen entgegen. Wer steckt dahinter, welche Studien beweisen das?


Zitat: Ich habe hier schon mehrfach darauf hingewiesen, dass die „Beweise“ für höhere Übertragbarkeit lediglich auf Modellierungen beruhen, die zum Teil unter Mitarbeit des berüchtigten Neil Ferguson stammen. Fast alles was er in den vergangenen Jahrzehnten veröffentlicht hatte, hat die Realität um den Faktor 100 oder noch wesentlich mehr überschätzt.

Untersuchungen der Realität in England haben ein völlig anderes Bild ergeben und auch die Verläufe der Infektionskurven sprechen eine andere Sprache.


In diesem Video gibt Professor Vincent Racaniello eine exzellente Erklärung, welche Veränderungen im Genom welche Auswirkungen haben können, wann man von Mutation sprechen kann und was von der neuen Variante in England zu halten ist. Nämlich, dass sie sich weder rascher verbreitet noch infektiöser oder gefährlicher ist. Und von Mutationen kann auch keine Rede sein, da nur einige Aminosäuren getauscht wurden, aber kein Gen verändert wurde.

 

Den Fragen nach der Urheberschaft und der Stichhaltigkeit geht die Wissenschaftsjournalisten und Molekularbiologin Rosemary Frei in einem spannenden Artikel nach.


Sie beschreibt, dass sich die Argumente für die Übertragbarkeit und Gefährlichkeit der Varianten weitgehend auf die theoretischen Auswirkungen einer einzigen Veränderung stützen, die auf eine Mutation in den Genen des Virus zurückzuführen sein soll. Diese eine Veränderung ist als N501Y bekannt – eine wissenschaftliche Abkürzung für den Austausch eines Proteinbausteins (Aminosäure) gegen einen anderen an Position 501 in dem Teil des Virus, der Spike-Protein genannt wird. Genauer gesagt liegt die Position 501 in dem Teil des Spike-Proteins, der für die enge Verbindung zwischen dem Virus und den Zellen verantwortlich ist, die es dem Virus ermöglicht, in die Zellen zu schlüpfen und sich zu vermehren.


So ein Aminosäurenwechsel ist korrekt als Veränderung und nicht als Mutation zu bezeichnen, wie auch Prof. Racaniello ausführt. Mutationen treten nur in Genen auf. Aus irgendeinem Grund bezeichnen viele Wissenschaftler und Schreiber, die es eigentlich besser wissen müssten, N501Y und andere Aminosäureveränderungen fälschlicherweise als „Mutationen“.


Eine sehr vorläufige Studie, die am 22. Dezember 2020 veröffentlicht wurde, legt nahe, dass N501Y auch in der südafrikanischen Variante namens 501Y.V2 vorhanden ist. Und eine weitere sehr vorläufige Studie, die am 12. Januar 2021 veröffentlicht wurde, behauptet, dass es auch in dem neuen Stamm aus dem brasilianischen Dschungel vorhanden ist, der P.1 genannt wird.

Darüber hinaus wird berichtet, dass die südafrikanische Variante der Immunität entgeht und B.1.1.7 diesen Fluchtweg teilt. Und Wissenschaftler schildern, dass sich neue Varianten mit N501Y an Bord sehr schnell ausbreiten. Einige sagen, dass sie die Herdenimmunität unmöglich machen, so dass jeder einzelne Mensch auf der Erde geimpft werden muss. Die Modelle legen auch nahe, dass B.1.1.7 bis zu 91% tödlicher ist als das reguläre neue Coronavirus.


Doch bisher scheint die Hauptgrundlage für die Behauptung der Behörden, es sei tödlicher, aus dem Protokoll der Sitzung vom 21. Januar 2021 eines einflussreichen britischen Komitees namens New and Emerging Respiratory Virus Threats Advisory Group [NERVTAG ] zu stammen. Dort werden Modellierungsarbeiten zitiert, die noch nicht veröffentlicht wurden. Der NERVTAG Bericht vom 18. Dezember besagt, dass die Übertragungsrate der Variante, die als B.1.1.7  bekannt ist, mit 71 % höher ist als bei anderen Varianten und dass sie möglicherweise auch eine höhere Viruslast aufweist.


Drei theoretische Modellierungsarbeiten

Beamte des öffentlichen Gesundheitswesens, Politiker und die Mainstream-Medien auf der ganzen Welt richteten ihre kollektiven Scheinwerfer auf die Varianten gleich nach der Veröffentlichung von drei theoretischen Modellierungsarbeiten über B.1.1.7, einer aus Großbritannien stammenden Variante. Das erste war ein technisches Briefing von Public Health England, das am 21. Dezember veröffentlicht wurde (es ist der erste einer fortlaufenden Serie von Berichten über die Variante, die von Mitarbeitern der Behörde und anderer Institutionen verfasst wurden), das zweite ein Papier, das am 23. Dezember von einer Gruppe für mathematische Modellierung an der London School of Hygiene and Tropical Medicine veröffentlicht wurde, und das dritte ein Manuskript für theoretische Modellierung, das am 31. Dezember von einer großen Gruppe britischer Wissenschaftler veröffentlicht wurde.


Keines der drei Papiere wurde von objektiven Beobachtern auf seine Richtigkeit überprüft – ein Prozess, der „Peer Review“ genannt wird. Nichtsdestotrotz wurden alle drei von vielen Wissenschaftlern, Politikern, Vertretern des öffentlichen Gesundheitswesens und der Presse als solide Wissenschaft porträtiert.


Welche Wirkung wird N501Y zugeschrieben?

Bei N501Y ist die Aminosäure, die an Position 501 im Spike-Protein ausgetauscht wird, Asparagin; nach wissenschaftlicher Konvention wird sie durch den Buchstaben „N“ dargestellt. Die Aminosäure, die an ihrer Stelle ausgetauscht wird, ist Tyrosin und wird durch den Buchstaben „Y“ dargestellt. Daher „N501Y“.


Die Position 501 in der Aminosäuresequenz befindet sich in dem Teil des Spike-Proteins, der aus der Oberfläche des Virus herausragt. Genauer gesagt, liegt sie in der Region des Spike-Proteins, die an den Mechanismus „bindet“, der darüber entscheidet, ob das Virus in die Zelle eindringen kann. Dieser Torwächter-Mechanismus ist als „ACE2-Rezeptor“ bekannt.


Dieser Bereich des Spike-Proteins – bekannt als die „Rezeptor-Bindungsdomäne“ (RBD) – bindet an den Gate-Keeping-Mechanismus, den ACE2-Rezeptor. Wenn die RBD und der ACE2-Rezeptor binden, öffnet sich die Zellmembran, die die Barriere zwischen dem Bereich außerhalb der Zelle und dem Zellinhalt darstellt, und ermöglicht dem Virus den Eintritt sobald das Virus vom Enzym TMPRSS2 dafür aufbereitet wurde.


N501Y soll dafür sorgen, dass das Spike-Protein fester an den ACE2-Rezeptor bindet. Einflussreiche Theoretiker haben auf Basis dieser Hypothese mathematische Modellierungen durchgeführt. Diese Modellierung legt nahe, dass diese engere Bindung es dem Virus ermöglicht, leichter einzudringen, und dass dies daher das Virus übertragbarer macht.


Doch gibt es dafür keinen konkreten, direkten Beweis. Epidemiologische Daten können nicht verwendet werden können, um die Wirkung einer Aminosäure in einem Virus definitiv nachzuweisen. Nur Experimente mit direkter Beobachtung der Interaktion des Virus mit dem Körper können das feststellen.


Der Hauptbeweis, den die drei wichtigsten theoretischen Modelle als Beweis für eine stärkere Bindung zwischen der N501Y-Form des neuartigen Coronavirus und der RBD anführen, stammt aus nur drei wissenschaftlichen Manuskripten, und diese beschreiben Experimente mit dem Virus in Mäusen oder Petrischalen, nicht die Beobachtung, ob die Varianten tatsächlich ansteckender oder tödlicher sind.


Details zu den drei Arbeiten

Eines dieser drei Papiere wurde am 25. September 2020 in Science veröffentlicht. Es beschreibt Experimente, die sechs Teilungsrunden des Virus in Mäusen beinhalteten. Bereits bei der ersten Teilungsrunde fanden die Forscher eine große Menge des Virus in der Lunge der Mäuse. Aufgrund dessen erklärten sie das Virus für „erhöht infektiös“. Allerdings testeten sie nicht, ob das Virus tatsächlich übertragbarer/ansteckender ist – das heißt, ob es sich leichter von Maus zu Maus bewegt.


Sie führten eine „tiefe Sequenzierung“ durch und berichteten, dass sie die N501Y-Veränderung in dem „mausadaptierten“ Virus fanden. Als nächstes führten sie eine „strukturelle Umgestaltung“ durch und schrieben, dass diese Analyse „darauf hindeutet, dass die N501Y-Substitution in der RBD des SARS-CoV-2 S-Proteins die Bindungsaffinität des Proteins zu Maus-ACE2 erhöht.“ All dies ist etwas ganz anderes als direkte Beobachtungen des Verhaltens der Virusvariante in Mäusen oder Menschen.


Das zweite Paper wurde am 21.12.2020 auf bioRχiv veröffentlicht. Es beschreibt einen „engineered decoy receptor for SARS-CoV-2“. Die komplizierte Reihe von molekularbiologischen Manövern in vitro durchgeführt wurden, die schwer zu folgen und zu verstehen ist – es gibt keine „Methoden“ Abschnitt legt die Details und die Reihenfolge, was sie taten; stattdessen, die Forscher „Ansatz für ihre Experimente ist verstreut über alle Abschnitte des Papiers einschließlich in der begleitenden Supplementary Material. Dies ist viele Schritte entfernt von realen Situationen. Die Autoren schlussfolgern aus ihren Manövern, dass das im Labor mutierte neuartige Coronavirus mit der N501Y-Mutation anscheinend enger an ihre „manipulierte Lockvogel“-Form des RBD-Rezeptors bindet als der RBD-Rezeptor, der normalerweise in der Natur vorkommt.


bioRχiv ist eine reine Online-Zeitschrift. (Es wird „bioarchive“ ausgesprochen; das liegt daran, dass der griechische Buchstabe χ als „kai“ ausgesprochen wird.) Die Zeitschrift hat die Tagline ‚The Preprint Server for Biology‘. Preprint“ bedeutet „nicht begutachtet“. bioRχiv konzentriert sich ausschließlich auf Covid-19-Papers und wird von der Chan Zuckerberg Initiative gesponsert. Es hat eine Schwesterpublikation medRχiv, die sich ebenfalls auf Covid-19 konzentriert,

Die Initiative ist die Schöpfung von Facebook-Chef Mark Zuckerberg und seiner Frau Priscilla Chan. Facebook gehört zu den sehr aktiven Zensoren von Informationen, einschließlich wissenschaftlicher Arbeiten, die von der offiziellen Erzählung über Covid abweichen.


Die dritte Arbeit wurde am 17. Juni 2020 auf der Website der Online-Zeitschrift bioRχiv und am 3. September 2020 in Cell veröffentlicht.

Wie die beiden anderen Arbeiten ist sie extrem weit von einer direkten Beobachtung des Verhaltens des Virus in lebenden Tieren oder Menschen entfernt. In der Tat verwendet die dritte Arbeit nicht einmal menschliche oder tierische Zellen. Sie beinhaltet eine „Hefe-Oberflächen-Display-Plattform“ als Grundlage für die Durchführung eines „tiefen Mutationsscans“ der RBD des neuen Coronavirus. Diese „Plattform“ ist eine künstliche Struktur, die die Autoren der Arbeit konstruiert haben, um die Bindung zwischen Antikörpern und verschiedenen RBD-Regionen zu messen, die eine Reihe von Mutationen enthalten.

Laut dieser Arbeit führt die Veränderung der Aminosäure N501Y zu einer stärkeren Bindung des Virus an das RBD.


Die Autoren des Papers stellen jedoch im letzten Abschnitt ihres Papers fest: „Es ist wichtig, sich daran zu erinnern, dass unsere Karten biochemische Phänotypen der RBD definieren, nicht wie diese Phänotypen mit der viralen Fitness zusammenhängen. Es gibt viele Komplexitäten in der Beziehung zwischen den biochemischen Phänotypen der RBD in Hefe und der viralen Fitness.“ Übersetzung: „Nur weil unsere biochemischen Experimente gezeigt haben, dass das Vorhandensein von N501Y oder andere Veränderungen in der RBD die RBD enger an den ACE2-Rezeptor zu binden scheint, wissen wir nicht, ob diese Veränderungen das Virus ‚fitter’/übertragbarer machen.“


Einer der Autoren des dritten Papers, Allison Greaney, wird in einem Artikel vom August 2020 vom Fred Hutchison Cancer Research Center, wo sie und einige der anderen Autoren arbeiten, mit den Worten zitiert, dass „das Virus bereits eine ‚gute genug‘ Fähigkeit hat, an ACE2 zu binden. Es gibt keinen Grund zu glauben, dass ein Überschreiten dieses Niveaus es pathogener oder übertragbarer machen würde. Die RBD kann möglicherweise eine Reihe von Mutationen tolerieren.“


Ein kurzes Wort zu einer weiteren Aminosäureänderung in B.1.1.7

Frei geht dann noch auf eine weitere Schlüsselveränderung ein, die in B.1.1.7 vorhanden sein soll. Diese Veränderung, die Entfernung von drei Aminosäuren, wurde in einem Paper beschrieben, das am 13. November 2020 auf der Website von medRχiv veröffentlicht wurde.

Die Mutation macht angeblich B.1.1.7 unsichtbar für eine der drei Schlüsselfunktionen des Polymerase-Kettenreaktion (PCR)-Tests. Diese Funktion ist der Nachweis des Gens, das den genetischen Code für eines der beiden Haupt-Spike-Proteine auf der äußeren Oberfläche des neuartigen Coronavirus enthält.


Diese Schlussfolgerung basiert jedoch nur auf der Sequenzierung des Virus bei lediglich sechs Personen, die positiv auf das neuartige Coronavirus getestet wurden. Hinzu kommt, dass die Covid-Diagnosen dieser sechs Personen selbst durch PCR ermittelt wurden. Und es hat sich gezeigt, dass die PCR eine sehr hohe Rate an falsch-positiven Ergebnissen hat.

Die Autoren der Studie selbst kommen zu dem Schluss, dass „dieses Ergebnis mit Vorsicht zu interpretieren ist. Da eine begrenzte Anzahl von Proben mit dem S-negativen Profil [d.h. Tests, die für zwei der drei Teile des PCR-Tests positiv waren, aber nicht für den dritten, S-Gen, Teil] sequenziert wurden, konnten wir das Vorhandensein anderer S-Mutationen, die mit diesem Profil assoziiert sind, nicht ausschließen…. Außerdem konnten wir nicht feststellen, ob die Deletion den Primer oder eine andere Sondenbindungsregion betraf, da deren Koordinaten nicht verfügbar waren.“


Was ist die Lehre aus all dem?

Dass die Verlautbarungen über die schreckliche Gefahr, die von den neuen Varianten ausgeht, nicht auf solider Wissenschaft beruhen.

Sie scheinen eher darauf abzuzielen, die Öffentlichkeit zu erschrecken, damit sie sich strengeren und längeren Restriktionen und vor allem auch alle 6 Monate zu wiederholenden Impfungen unterwirft, als dabei zu helfen, wirklich evidenzbasierte Strategien zu entwickeln.


Über Rosemary Frei: After obtaining an MSc in molecular biology from the Faculty of Medicine at the University of Calgary, Rosemary Frei pivoted and became a freelance writer. That led to 22 years as writer and journalist focusing on medicine. She pivoted again in early 2016 to full-time, independent activism and investigative journalism. Her website is RosemaryFrei.ca.


(siehe auch)


Info: https://tkp.at/2021/03/18/was-hinter-der-angeblichen-gefaehrlichkeit-neuer-virus-varianten-steckt

19.03.2021

"Wer aber vom Kapitalismus nicht reden will, der sollte auch vom Faschismus schweigen."

Quelle: Max Horkheimer, Die Juden und Europa. In: Studies in Philosophy and Social Science, Band 8. The Institute of social research, New York 1939, S. 115.


Info: Zu Max Horkheimer https://de.wikipedia.org/wiki/Max_Horkheimer#


Kommentar: ein weiteres Zitat: "Wer vom Kapitalismus nicht reden will, sollte in seiner Krise schweigen!" Thomas Bauer

19.03.2021

Global Britain und die EU    -   Die politischen Konflikte zwischen der EU und Großbritannien - auch um Impfstoffe - nehmen zu. Zugleich nehmen die ökonomischen Bindungen ab.

Gernan-Foreign.Policy.com, 19. März 2021

BERLIN/LONDON (Eigener Bericht) - Im Streit um die Versorgung mit Covid-19-Impfstoffen spitzt sich der Konflikt zwischen der EU und Großbritannien weiter zu. Im Vereinigten Königreich hat die anhaltende EU-Kampagne gegen den Impfstoff von AstraZeneca (Hauptsitz: Cambridge) ohnehin bereits erheblichen Unmut ausgelöst; Brüssels Drohung, künftig keine Vakzine mehr nach Großbritannien zu liefern, verschärft die Spannungen zusätzlich. Der britische Außenminister Dominic Raab hat vor kurzem schon den EU-Botschafter in Großbritannien ins Außenministerium einbestellt. Brüssel wiederum hat im Streit um Nordirland-Regelungen im Brexit-Abkommen ein Vertragsverletzungsverfahren gegen London eingeleitet. Während die politischen Spannungen zunehmen, werden die ökonomischen Bindungen schwächer - eine offenbar langfristige Tendenz: Experten halten einen Einbruch des Handels zwischen Großbritannien und der EU um ein Drittel bis 2030 für möglich. Zugleich baut das Vereinigte Königreich seine Wirtschaftsbeziehungen nach Asien in hohem Tempo aus - und will auch den Schwerpunkt seiner Außenpolitik in den "Indo-Pazifik" verlagern.


Kampagne gegen AstraZeneca

Für heftigen Unmut sorgt im Vereinigten Königreich zum einen die anhaltende Kampagne in der EU gegen den Impfstoff von AstraZeneca (Hauptsitz: Cambridge). Die Union und mehrere Mitgliedstaaten, nicht zuletzt Deutschland, haben den Konzern wegen Lieferverzögerungen scharf attackiert, die Nutzung des Vakzins zunächst mit einer Altersbeschränkung versehen sowie seine - im Vergleich zum BioNTech/Pfizer-Vakzin (Deutschland/USA) - etwas geringere Wirksamkeit regelmäßig abwertend betont; jüngst kam ein Impfstopp wegen Unklarheiten bei mehreren Fällen von Blutgerinnseln nach der Impfung hinzu. Die EU-Beschwerden lösen in Großbritannien umso mehr Ärger aus, als auch andere Impfstoffe (BioNTech/Pfizer, Moderna oder Johnson & Johnson) immer wieder mit Verspätung ausgeliefert werden und Nebenwirkungen - auch Blutgerinnsel - teilweise mit Todesfolge hervorrufen, ohne dass dies zu vergleichbaren Attacken führt; die Altersbeschränkung für das AstraZeneca-Vakzin musste nach einer Weile kleinlaut aufgehoben werden. Dennoch hat die EU-Kampagne den Ruf des britischen Impfstoffs, der - nicht zuletzt von der WHO empfohlen - vom Serum Institute of India (SII) in Lizenz auch für viele ärmere Länder produziert wird, gravierend beschädigt.


Ins Außenministerium einbestellt

Die Spannungen verschärft hat die EU zum anderen dadurch, dass sie mittlerweile - ein Versuch, von ihrem Versagen bei der Beschaffung von Impfstoffen abzulenken - zu Exportstopps übergeht; im Zentrum stehen erneut AstraZeneca und Großbritannien. Bereits der erste Fall vom 4. März hat für internationale Proteste gesorgt: Italien hatte in Absprache mit der EU-Kommission den Export von 250.000 AstraZeneca-Impfdosen, die in Anagni südöstlich von Rom abgefüllt wurden, nach Australien untersagt - mit der Begründung, die EU benötige das Vakzin selbst (german-foreign-policy.com berichtete [1]). Tatsächlich liegen aktuell, weil die EU-Kampagne gegen AstraZeneca die Akzeptanz für den Impfstoff in der Bevölkerung beträchtlich reduziert hat, EU-weit knapp acht Millionen Dosen ungenutzt in den Lagern.[2] Die jüngste Drohung von Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, Impfstoffexporte nach Großbritannien zu verbieten, hat Außenminister Dominic Raab mit der Äußerung kommentiert, man kenne "diese Art gewagte Politik" eigentlich von "Ländern mit weniger demokratischen Regimes".[3] Raab hatte schon zuvor wegen der in der EU penetrant wiederholten Falschbehauptung, London habe seinerseits ein Vakzinexportverbot verhängt, den Botschafter der EU in Großbritannien ins Außenministerium einbestellt.[4]


Streit um Nordirland

Haben die Attacken aus der EU auf AstraZeneca und auf die britische Impfkampagne sogar in bislang EU-loyalen "Remain"-Milieus für Entsetzen und Empörung gesorgt und die Position der Union in Großbritannien geschwächt, so bringt jetzt der Streit um die Belieferung Nordirlands mit britischen Waren weitere Spannungen mit sich. Hintergrund ist, dass laut dem Brexit-Abkommen einige Regeln des EU-Binnenmarkts in Nordirland weiterhin gelten; da dies in Großbritannien seit dem Austritt aus der Union nicht mehr der Fall ist, müssen Waren, die von dort nach Nordirland geliefert werden, auf Konformität mit diesen Regeln geprüft werden. Dies bringt insbesondere bei der Lieferung von Lebensmitteln erhebliche praktische Probleme mit sich, weshalb London, weil Gespräche mit Brüssel bislang noch keine Lösung erbracht haben, eine Ende März ablaufende Übergangsfrist nun bis Ende September verlängert hat, um leere Supermarktregale zu verhindern. Die EU betrachtet dies als Bruch des Brexit-Vertrags - und hat ein Vertragsverletzungsverfahren beim Europäischen Gerichtshof eingeleitet; Maroš Šefčovič, Vizepräsident der EU-Kommission, beschwert sich, London "[untergrabe] das Vertrauen zwischen uns".[5] Allerdings sind Vertragsverletzungsverfahren in der EU nicht unüblich; Mitte 2020 etwa liefen 81 allein gegen die Bundesrepublik.[6]


Wachstumsregion Asien-Pazifik

Parallel zur Zunahme der politischen Spannungen werden die wirtschaftlichen Bindungen Großbritanniens an die EU schwächer. Dabei handelt es sich offenkundig um einen langfristigen Trend. So geht der Anteil der EU-27 am britischen Waren- und Dienstleistungsexport bereits seit 2002, als er mit 54,9 Prozent den historischen Höchstwert erreichte, zurück: Im Vorkrisenjahr 2019 lag er nur noch bei 42,6 Prozent. Auch der Anteil der EU-27 an den britischen Importen sinkt auf lange Sicht; seit Erreichen seines Maximalwerts mit 58,4 Prozent im Jahr 2002 ist er stetig gefallen und erreichte im Jahr 2019 51,8 Prozent. Umgekehrt gewinnt zugleich der Handel mit Nicht-EU-Staaten für das Vereinigte Königreich immer mehr an Bedeutung - eine Tendenz, die Teile der britischen Eliten für den Brexit einnahm und nun noch stärker werden dürfte: London hat in den vergangenen Monaten Freihandelsabkommen mit Japan sowie mit mehreren Staaten Südostasiens geschlossen, strebt ein Freihandelsabkommen mit Indien an und will sich künftig noch stärker auf die Asien-Pazifik-Region fokussieren, die bereits die Region mit dem größten Anteil (35 Prozent) an der Weltwirtschaftsleistung ist und zudem ökonomisch am schnellsten wächst.


Bröckelnder Absatzmarkt

Dass die Bedeutung der EU für die britische Wirtschaft langfristig schrumpft, trifft vor allem die deutsche Industrie, den mit Abstand größten Lieferanten Großbritanniens auf dem europäischen Kontinent. War das Vereinigte Königreich im Vor-Brexit-Jahr 2015 noch der drittgrößte Abnehmer deutscher Exporte nach den USA und Frankreich (mit einem Volumen von 89,2 Milliarden Euro), so beliefen sich die deutschen Ausfuhren auf die britischen Inseln bereits 2019, im Jahr vor der Coronakrise, auf nur noch knapp 79 Milliarden Euro - zehn Milliarden weniger, obwohl die deutschen Exporte insgesamt im selben Zeitraum deutlich gestiegen waren. Der Rückgang ist nur zum Teil durch die Abwertung des Pfunds gegenüber dem Euro bedingt. Für diesen Januar, den ersten Monat, in dem das Post-Brexit-Freihandelsabkommen zwischen der EU und Großbritannien angewandt wird, meldete das Statistische Bundesamt einen dramatischen Einbruch der deutschen Exporte in das Vereinigte Königreich um 29,0 Prozent und der Importe um sogar 56,2 Prozent gegenüber Januar 2020.[7] Zwar geht ein Teil auf die Coronakrise und Umstellungsprobleme nach dem Auslaufen der Brexit-Übergangsregelungen zurück; doch kam kürzlich eine an der London School of Economics (LSE) erstellte Untersuchung zu dem Resultat, der Handel der EU mit Großbritannien könne bis 2030 um ein Drittel schrumpfen.[8]


Schwenk zum "Indo-Pazifik"

Großbritanniens ökonomische Umorientierung geht mit einem politischen Paradigmenwechsel einher, den ein am Dienstag von Premierminister Boris Johnson präsentiertes Strategiepapier näher skizziert. Das Papier ("Global Britain in a competitive age"), das im Lauf des vergangenen Jahres erarbeitet worden ist, sieht insbesondere einen Schwenk der britischen Außenpolitik zur "Indo-Pazifik"-Region vor, die London als neues Zentrum der Weltpolitik begreift. Es gelte enger mit den prowestlichen Staaten dort zu kooperieren, heißt es in dem Dokument - nicht zuletzt mit Blick auf den Machtkampf des Westens gegen China. Dazu soll massiv aufgerüstet werden, insbesondere die Marine.[9] Experten diskutieren bereits, wie sich Großbritanniens Schwenk nach Asien auf die außen- und militärpolitische Kooperation mit der EU auswirken wird, auf die Berlin grundsätzlich großen Wert legt - nicht zuletzt, um bei den zukünftigen Militäreinsätzen der EU das Potenzial der britischen Streitkräfte nutzen zu können (german-foreign-policy.com berichtete [10]). Ob dafür künftig genug übereinstimmende Interessen vorhanden sind, wird inzwischen von manchen bezweifelt.

 

[1] S. dazu Europa zuerst.

[2] Jakob Blume, Thomas Hanke, Hans-Peter Siebenhaar, Christian Wermke: Stopp für Astra-Zeneca: In der EU wird Impfstoff zur Mangelware. handelsblatt.com 17.03.2021.

[3] Kate Devlin, Tom Batchelor, Jon Stone: Raab compares EU to dictatorship as row over access to vaccines escalates. independent.co.uk 18.03.2021.

[4] Jessica Elgot: Raab summons EU official as anger grows over UK vaccine export claims. theguardian.com 09.03.2021.

[5] Verfahren gegen London. Frankfurter Allgemeine Zeitung 16.03.2021.

[6] S. dazu Deutsche Sonderwege.

[7] Exporte im Januar 2021: +1,4% zum Dezember 2020. destatis.de 09.03.2021.

[8] Chris Morris: Why has UK trade with Germany fallen so dramatically? bbc.co.uk 10.03.2021.

[9] Global Britain in a competitive age. London, March 2021.

[10] S. dazu Das europäische Militärdreieck und Die Zukunft der Kriegführung.


Info: https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/8557  

18.03.2021

UNCUT - NEWS  
Unabhängige News und Infos


Verbrechen der CIA – Ex-CIA Agenten über ihre Arbeit

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uncut-news.ch 18/03/2021

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Corona Impfung und die Folgen

uncut-news.ch 18/03/2021

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Israel verabschiedet Gesetz zur Einführung von „Freiheit“-Tracker-Armbändern und ein Video was in Israel vor sich geht

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uncut-news.ch 18/03/2021

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Warum wir uns nicht darauf verlassen können das die Daten vom „COVID-PASS“ sicher sind – Mehr als 130.000 Corona-Testergebnisse waren frei im Netz abrufbar

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uncut-news.ch 18/03/2021

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Könnten Terroristen COVID-Mutanten basteln? In Labors werden bereits Killer-Varianten erforscht

uncut-news.ch 18/03/2021

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Ich wundere mich, dass ihr euch nicht wundert.

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uncut-news.ch 18/03/2021

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Die Europäische Kommission legalisiert die Massenüberwachung des Internets

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uncut-news.ch 18/03/2021

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Das Sterben nach der Impfung

uncut-news.ch 18/03/2021

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Irans Verteidigungsministerium warnt die Bürger, sich auf nukleare und chemische Angriffe vorzubereiten

Irans Verteidigungsministerium warnt die Bürger, sich auf nukleare und chemische Angriffe vorzubereiten

uncut-news.ch 18/03/2021

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Dies ist wirklich ein historisches Interview und ein Wendepunkt in den Beziehungen zwischen den USA und Russland. Lassen Sie uns dekonstruieren, was hier passiert.

uncut-news.ch 18/03/2021

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Zitat: GEORGE STEPHANOPOULOS: Der Direktor des Nationalen Geheimdienstes hat heute einen Bericht veröffentlicht, in dem er geschrieben steht, Wladimir Putin habe während der Wahlen Operationen genehmigt, um diese zu verunglimpfen, Präsident Trump zu unterstützen, unsere Wahlen zu untergraben und unsere Gesellschaft zu spalten.

Daher die Frage: Welchen Preis muss er zahlen?


Hier ein Teil des Interviews zwischen George Stephanopoulos und Joe Biden:

Das komplette Interview ist hier zu finden.

PRÄSIDENT JOE BIDEN: Er wird einen Preis zahlen. Ich, also wir hatten mal ein langes Gespräch, ich kenne ihn relativ gut. Und ich sagte, als das Gespräch begann: „Ich kenne dich und du kennst mich. Wenn ich feststelle, dass dies geschehen ist, dann sei vorbereitet.“

GEORGE STEPHANOPOULOS: Sie sagten, Sie wissen, dass er keine Seele hat.

PRESIDENT JOE BIDEN: Ich habe das zu ihm gesagt, ja. Und – und seine Antwort war, „Wir verstehen einander.“ Es war – ich war kein Klugscheißer. Ich war allein mit ihm in seinem Büro. Und das – so ist es dazu gekommen. Es war, als Präsident Bush gesagt hatte: „Ich sah in seine Augen und sah seine Seele.“ Ich sagte: „Ich habe Ihnen in die Augen gesehen und ich glaube nicht, dass Sie eine Seele haben.“ Und er schaute zurück und sagte: „Wir verstehen uns.“ Sehen Sie, das Wichtigste im Umgang mit ausländischen Führern ist meiner Erfahrung nach, und ich hatte im Laufe meiner Karriere mit sehr vielen zu tun, dass man den anderen einfach kennt. Erwarten Sie nicht, dass er – oder sie – freiwillig in der zweiten Auflage von „Profiles in Courage“ erscheint.

GEORGE STEPHANOPOULOS: Sie kennen also Wladimir Putin. Denken Sie er ist ein Mörder?

PRÄSIDENT JOE BIDEN: Uh-huh. Ja das denke ich.

GEORGE STEPHANOPOULOS: Welchen Preis muss er also zahlen?

PRESIDENT JOE BIDEN: Den Preis, den er zahlen wird, werden sie bald sehen.


Der russische Präsident Wladimir Putin hat am Donnerstag auf die Eskapade des US-Staatschefs Joe Biden reagiert.

Der russische Präsident Wladimir Putin hat am Donnerstag auf die Eskapade des US-Staatschefs Joe Biden reagiert.

uncut-news.ch 18/03/2021

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Laut einem Bericht der UN töteten die Lockdowns 228’000 Kinder in Südostasien

Laut einem Bericht der UN töteten die Lockdowns 228’000 Kinder in Südostasien

uncut-news.ch 18/03/2021

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Myanmar: Versteckte Opposition Gewalt

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uncut-news.ch 18/03/2021

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Britische Regierung meldet 524 Todesfälle die nach der COVID-Impfung eingetreten sind

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uncut-news.ch 18/03/2021

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Eine Polizei für Umwelt- und Energiegerechtigkeit wird zukünftig Ihren Kohlenstoff-Fußabdruck verfolgen

Eine Polizei für Umwelt- und Energiegerechtigkeit wird zukünftig Ihren Kohlenstoff-Fußabdruck verfolgen

uncut-news.ch 18/03/2021

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Was passiert, wenn wir alle geimpft sind?

uncut-news.ch 18/03/2021

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Wird der Kampf gegen RT-Deutsch zu einem Eigentor für die deutschen Medien in Russland?…und mehr…..

uncut-news.ch 18/03/2021

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Nach zehn Jahren betreiben die USA immer noch eine gescheiterte Politik des Regimewechsels in Syrien uncut-news.ch 18/03/2021

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Der Inzidenzwert: „In hohem Maße steuerbar“ – durch Politik und Behörden

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uncut-news.ch 18/03/2021

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Holländischer Offizier und Polizist: „Es ist schockierend, was ich fast täglich erlebe“

Holländischer Offizier und Polizist: „Es ist schockierend, was ich fast täglich erlebe“

uncut-news.ch 18/03/2021

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Info: https://uncutnews.ch

18.03.2021

Pressemeldung | 18.03.2021   

Drohnen für die Bundeswehr: Aktuelle Studie der Rosa-Luxemburg-Stiftung

rosalux.de, Pressemitteilung 18, 03. 2021
Hintergründe, Zusammenhänge und Grafiken zum Drohnenprogramm


Zitat: Seit Jahren kritisieren Menschenrechtsorganisationen den Einsatz sogenannter Killerdrohnen, die ferngesteuert eingesetzt werden und töten können. Derzeit debattiert der Deutsche Bundestag die Beschaffung von Eurodrohnen. Die Rosa-Luxemburg-Stiftung stellt heute ihre aktuelle Studie „Der lange Weg zur Drohnenmacht – Unbemannte Systeme bei der Bundeswehr“ von Matthias Monroy vor.


Die Bundeswehr streitet ab, die bewaffneten Drohnen zur gezielten Tötung von Menschen verwenden zu wollen. Dennoch geht Deutschland mit dieser Entwicklung einen weiteren Schritt zu einer europäischen Drohnenmacht. Über Bewaffnung, Exporte und Verwendung könnte es dann nur noch begrenzt mitbestimmen.


Als Übergangslösung war die Beschaffung der Kampfdrohne „Heron TP“ geplant, die mit einer speziellen Rakete ausgerüstet werden soll, um „chirurgische“ Angriffe im urbanen Raum zu ermöglichen. Die SPD stoppte die Anschaffung der Drohne kurzfristig mit Verweis darauf, dass keine Debatte zu dem Thema stattgefunden habe.


„In der deutschen Drohnen-Debatte liegen zwar viele Argumente schon lange auf dem Tisch, von einer breiten gesellschaftlichen Beteiligung kann aber nicht die Rede sein. Diese Studie zum deutschen Drohnenprogramm bietet eine systematische Grundlage für die notwendige breite gesellschaftliche Debatte über die Bewaffnung deutscher Kampfdrohnen“, sagt Norbert Schepers, Leiter des Bremer Büros der Rosa-Luxemburg-Stiftung.


Die Studie des Drohnenexperten Matthias Monroy bündelt Informationen aus zahlreichen parlamentarischen Anfragen, von Besuchen bei Waffenmessen und Auslandsreisen zu Drohnenstandorten der Bundeswehr. Die Piktogramme der Grafikerin Johanna Hoffmann illustrieren anschaulich das deutsche Drohnenarsenal. Die Illustrationen stellen wir Ihnen gern für auf Anfrage zur Verfügung.


Matthias Monroy, Autor der Studie: „Die Studie zeigt auf, wie die schwarz-rote Bundesregierung Airbus zur Schlüsselindustrie für unbemannte Luftfahrzeuge aufgebaut hat. Der Rüstungskonzern ist nicht nur Hauptauftragnehmer für die israelischen ‚Zwischenlösungen‘ der Bundeswehr, er verdient auch an Drohnen zur Zieldarstellung, mit denen das Heer seine Raketen testet. In deutschen Airbus-Werken soll die ‚Eurodrohne‘ endmontiert werden. Die Firma wäre außerdem für die Entwicklung der Drohnenschwärme des ‚Zukünftigen Luftkampfsystems‘ zuständig, das die Regierung aus Deutschland, Frankreich und Spanien zusammen entwickeln wollen.“ Der Autor steht Ihnen für Ihre Nachfragen zur Verfügung.


Link zur Studie: https://www.rosalux.de/publikation/id/43899


Jannine Hamilton

Presse | Politische Kommunikation | Rosa-Luxemburg-Stiftung

Straße der Pariser Kommune 8A | 10243 Berlin

E-Mail: jannine.hamilton@rosalux.org

Telefon: 030-44310-479 | Mobil: 0173-6096103


Info: vonMatthias" rel="noopener">https://www.rosalux.de/publikation/id/43899>vonMatthias



Zitat: Der Krieg verändert sich, ständig. Die Geschichte des Krieges ist die der fortlaufenden Entwicklung von Kriegswaffentechnologien. Auch die Geschichte des Friedens ist die Geschichte dieser Technologien und ihrer Kontrolle, damit sie nicht – wie in Goethes Zauberlehrling – zu den Geistern werden, die die modernen Gesellschaften riefen und nicht mehr loswerden, und damit ihre Zerstörungskraft nicht gegen die Gesellschaften verwendet wird, die sie als Mittel der Politik und des Profits ersannen.


Fest steht: Waffensysteme werden entwickelt, um besser Krieg führen zu können. Fest steht auch: einmal produzierte Kriegswaffen werden im Krieg zum Einsatz kommen – und werden sie im Inland produziert, werden sie exportiert, denn die Trennung zwischen innen und außen existiert nicht bzw. nur in der Theorie. Zu den neueren Entwicklungen in der Aufrüstung, die ihre Befürworter*innen als «Ausrüstung» verharmlosen, gehören Drohnen, das heißt unbemannte Luftfahrzeuge.


Als Aufklärungsdrohnen gibt es sie schon seit einigen Jahrzehnten. Die Bundesrepublik Deutschland gehörte diesbezüglich zu den ersten Staaten, die auf diese neue Technologie zu militärischen Aufklärungszwecken setzten. Doch auch als solche sind Drohnen Kriegswaffen, die zum Beispiel Daten zu gegnerischen militärischen Stellungen liefern und entsprechend Kriegsmanöver vorbereiten. Als im Krieg in Afghanistan am 4. September 2009 die US-Luftwaffe im Auftrag der deutschen Bundeswehr um die 100 Menschen, darunter viele Kinder und Frauen, durch einen Bombenabwurf bei Kunduz im nordöstlichen Afghanistan tötete, hatten im Vorfeld Drohnen das Terrain ausgekundschaftet.


Die Bundesregierung verstärkt seit einiger Zeit ihre Bemühungen, die Bundeswehr mit Drohnen aus- und aufzurüsten, die bewaffnungsfähig sind, die also Munition transportieren und sie ferngesteuert aus der Luft abschießen können. Innerhalb der amtierenden Bundesregierung ist dieses Vorhaben durchaus umstritten. Der Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion und einige seiner Kolleg*innen haben die Ziele der CDU/CSU und SPD-geführten Regierung kritisiert und fordern eine breitere Debatte, bevor es im Bundestag 2021 zu einer Abstimmung in dieser Frage kommen kann, die die CDU-Verteidigungsministerin und die CDU/CSU gern schon im Dezember 2020 gesehen hätten. Die Friedensbewegung mobilisiert gegen die Drohnenbewaffnung und wird dabei von der Oppositionspartei DIE LINKE unterstützt. Sinnvoll erscheint dabei die Verknüpfung mit einer Kampagne gegen Airbus, denn der Luftfahrtkonzern ist im Hinblick sowohl auf bewaffnete als auch unbewaffnete Drohnen längst führender Service-Dienstleister, nicht zuletzt für die Ausstattung des europäischen Grenzregimes Frontex.


In der vorliegenden Studie wird die Entwicklung der Beschaffung von Aufklärungs- und bewaffnungsfähigen Drohnen durch die Bundeswehr dargestellt.

Der Autor Matthias Monroy zeigt auf, welche lange Vorlaufzeit dieser Prozess hatte und welche Tiefe er längst genommen hat. Die Studie leistet damit notwendige Recherchearbeit für die politische Diskussion der Drohnenfrage innerhalb und außerhalb des Parlaments. Sie eignet sich insbesondere als unterstützendes Informationsmaterial für die vielen friedensbewegten Initiativen, die seit Monaten nicht zuletzt auf die SPD in der Bundesregierung einwirken, ihre Haltung in dieser Frage noch einmal zu überdenken. Zugleich soll sie als Bildungsmaterial die Öffentlichkeit über den Stand der Entwicklung informieren und zur demokratischen Willensbildung beitragen. Eine politische Entscheidung dieser Tragweite bedarf der breitesten Öffentlichkeit; sie herzustellen muss das Anliegen aller demokratischen Kräfte sein.

Aus dem Vorwort von Norbert Schepers und Ingar Solty


Der Autor

Matthias Monroy ist Wissensarbeiter, Aktivist und Mitglied der Redaktion der Zeitschrift Bürgerrechte & Polizei/CILIP. Er publiziert in linken und alternativen Medien, darunter Telepolis und netzpolitik.org. Für den Bundestagsabgeordneten Andrej Hunko stellte er zehn Jahre lang parlamentarische Anfragen zu militärischen und polizeilichen Sicherheitsarchitekturen in Europa, darunter auch zu militärischen und polizeilichen Drohnen. Alle Texte unter digit.so36.net, auf Englisch digit.site36.net, auf Twitter @matthimon.


Info: https://www.rosalux.de/publikation/id/43899

18.03.2021

»Wir müssen anders leben«

hoheluft-magazin.de, vom 22. Februar 2021, Kommentare 6, Interview: André T. Nemat, Thomas Vašek

Der Mediziner und Gesundheitsökonom Karl Lauterbach ist einer der gefragtesten Politiker während der Coronakrise. Für unser Heft HOHE LUFT kompakt »Mensch und Medizin« sprachen wir mit ihm über die Lehren aus der Pandemie, die Schwächen demokratischer Gesellschaften in Krisensituationen – und seine Ängste als Politiker und Mensch.


HOHE LUFT: Herr Lauterbach, wie beurteilen Sie die derzeitige Entwicklung der Pandemie?
(Stand: 15. Januar 2021)
KARL LAUTERBACH: Wir sind an einem ganz kritischen Punkt angekommen. Die nächsten zwei bis drei Monate werden die schwersten der gesamten Pandemie sein. Weil wir noch zu wenig Impfstoff haben, uns mitten in einer schweren zweiten Welle befinden – und weil durch die Winterwetterlage die Lockdown-Maßnahmen weniger wirken. Wenn wir breitflächig dann auch noch die britische Mutation B117 in Deutschland bekämen, wäre sogar eine dritte Welle möglich.

Was muss aus Ihrer Sicht jetzt getan werden?

Mir scheint es wichtig zu sein, den Lockdown so lange fortzusetzen, bis wir eine Zielinzidenz von 25 pro 100.000 Einwohner pro Woche erreicht haben. Das jetzige Lockdown-Ziel von 50 ist zu rückfallgefährdend. Bei einem Wert von 25 hätten wir eine gute Grundlage dafür, dass die Gesundheitsämter auch mit einer eventuellen Mutation gut fertig werden könnten. Ich warne daher vor einer früheren Aufhebung des Lockdowns. Das wäre für uns alle ein großes Risiko.


Was ist eigentlich die Aufgabe des Staates in der Pandemie-Bekämpfung?
Der Staat hat die Aufgabe, die Grundrechte der Menschen zu schützen, gleichzeitig aber auch die Gesundheit. Ich sehe es ähnlich wie der US-Philosoph John Rawls: Es ist ein Kompromiss, den man finden muss. Einerseits muss man eine möglichst uneingeschränkte persönliche Freiheit durchsetzen, andererseits aber den Menschen »opportunities« ermöglichen, also Chancen – und dazu gehört auch die Gesundheit. Es gibt keine Chancen ohne Gesundheit. Damit habe ich mich schon als Student auseinandergesetzt, ich habe bei Amartya Sen promoviert zum Thema »Ethik und die Funktionen der Gesundheit im Staat«. Sen hat damit argumentiert, dass das Konzept der »opportunities« von Rawls ausgedehnt werden muss auf Chancen, die man tatsächlich hat, aus der Perspektive des Einzelnen, die sogenannten »capabilities«: Bin ich dazu eigentlich in der Lage? So sehe ich es nach wie vor. Der Staat muss so viel wie möglich unternehmen, wie man vernünftigerweise von ihm erwarten kann, damit Freiheit so wenig wie möglich eingeschränkt wird – aber gleichzeitig ¬dafür sorgen, dass die »capabilities« des Einzelnen erhalten bleiben, und dazu zählt auch der Schutz der Gesundheit.


Inwieweit spielt bei der Pandemie-Bekämpfung Chancengleichheit eine Rolle?
Es geht auch um Chancengleichheit, zum Beispiel bei der Verteilung des Impfstoffes. Wer wird zuerst geimpft? Darf das vom Geld abhängen? Können wir den Impfstoff versteigern? Was kann ich Menschen an ¬Opfern zumuten, was dann zum Schluss Steuerzahler bezahlen müssen und überproportional diejenigen belastet, die einkommensstark sind, um damit andere zu schützen? Man darf die Aspekte der Chancengleichheit nicht ignorieren. Wir sitzen nicht alle im gleichen im Boot.


Würden Sie sagen, dass Ihre Position in der Pandemie-Bekämpfung auch spezifisch sozialdemokratisch ist?
Meine Sicht ist weniger spezifisch sozialdemokratisch, sondern eher durch die ethische Diskussion geprägt. Ich glaube, dass wir den Menschen besonderen Schutz schulden – und dass wir diejenigen besonders schützen müssen, die in der Gesellschaft am schlechtesten dran sind. Das ist nicht unbedingt eine sozialdemokratische, sondern eine übergreifende ethische Position. Es geht in der Pandemie-Bekämpfung um die Priorisierung der Interessen der Ärmsten und der besonders Vulnerablen. Das ist eine ethische Position, ob sie unbedingt -sozialdemokratisch ist, weiß ich nicht. Aber es ist eine Position, die viele Sozialdemokraten teilen.


Können Sie dafür ein Beispiel geben?
Wir könnten jetzt ja auch dazu übergehen und utilitaristisch denken: Lohnt es sich eigentlich, mit massivem Aufwand die Menschen zu schützen, die in Pflege¬einrichtungen bei geringer Lebensqualität ohnehin nur noch kurze Zeit zu leben haben? Aus einer utilitaris¬ti¬schen Sicht, die sich am größtmöglichen Gesamt¬nut¬zen für die Gesellschaft orientiert, wäre das eine nicht -unplausible Frage. Die Position, diese Menschen nicht zu schützen, weil das anderen netto mehr Nutzen bringt, lehne ich aus ethischer Sicht ab, im Sinne von John Rawls. Das ist gleichzeitig auch sozialdemokratisch, aber nicht spezifisch sozialdemokratisch.


Nach fast einem Jahr Erfahrung mit der Pandemie: Was sind für Sie bisher die wichtigsten Lehren als Politiker und Wissenschaftler?
Das Positive ist: Ich habe die Überzeugung gewonnen, dass wir mehr Wissenschaftler in der Politik brauchen. Zugleich müssen wir auch mehr Wissenschaft in unser politisches Handeln integrieren, weil wir die Heraus¬forderungen, die wir zu bewältigen haben, ohne eine ¬stärkere Vernetzung von Wissenschaft und Politik nicht hinbekommen werden. Der Wissenschaftsjournalismus muss stärker sein, wir brauchen mehr hochwertige Ethik-Diskussionen in der Politik. Wir müssen aus meiner Sicht politische Entscheidungen besser wissenschaftlich absichern. Dazu gehört auch, dass wir die wissenschaftliche Beratung, die wir bekommen, besser hinterfragen: Was ist wirklich evidenzbasiert? Wir müssen also Wissenschaft und Politik besser ineinander verweben. Das halte ich für eine unbedingte Voraussetzung, um die Krisen der Zukunft zu lösen – und der ¬Beschleunigung der Entscheidungsprozesse zu begegnen. Diese Überzeugung ist das Positive …


Und das Negative?
Eine stark pessimistisch gefärbte Perspektive hat sich für mich insofern entwickelt, als ich mich gefragt habe: Was lernen wir eigentlich aus dieser Krise zum Beispiel für die Bewältigung des Klimawandels – und auch für die Folgen des Klimawandels? Denken wir an Mi¬grationsströme, ökonomische Krisen, neue Zoonosen. Was lernen wir aus der Krise, stimmt uns das optimistischer oder pessimistischer? Mich stimmt es sehr pessimistisch. Ich bin der Überzeugung, dass wir allein auf der Grundlage von vernunftorientierten Public-Health-Maßnahmen, die epidemiologisch evidenzbasiert sind, die Corona-Krise nicht bewältigen können. Ohne die technologische Hilfe einer Impfung hätten wir die Pandemie nicht in den Griff bekommen. Das wäre stärker autokratisch regierten oder in dieser Tradition stehenden Nationen gelungen, aber den westlichen Demo¬kratien wahrscheinlich nicht. Weder in Deutschland, noch in England oder Frankreich, in Spanien oder den USA wäre es wohl möglich gewesen, das Virus über klassische Public-Health-Maßnahmen allein auszu¬rotten. Obwohl es theoretisch möglich und vernünftig gewesen wäre.

»Ich habe die Überzeugung gewonnen, dass wir mehr Wissenschaftler in der Politik brauchen. Zugleich müssen wir auch mehr Wissenschaft in unser politisches Handeln integrieren, weil wir die Herausforderungen, die wir zu bewältigen haben, ohne eine stärkere Vernetzung von Wissenschaft und Politik nicht hinbekommen werden.«


Aber wenn Sie recht haben: Was heißt das für unser Verständnis von Demokratie? Wo liegen die Stärken und Schwächen demokratischer Gesellschaften in der Bewältigung solcher Krisen?
Das Problem ist nicht die Funktionsweise der Demokratie, sondern das sind die Werte, die sich in demokratischen Gesellschaften ausgebildet haben, und die ich auch teile. Mit diesen Werten ist es aber sehr schwer, das Problem des »moral hazard« in den Griff zu bekommen. Wenn ich Bürger und Bürgerinnen frage: »Brauchen wir mehr Abstand, Masken, Lüften?«, dann finde ich zwar unmittelbar Zustimmung, zumindest bei den meisten. Aber wenn ich dann schaue, wie sich die Menschen verhalten, bin ich im typischen ¬Moral-Hazard-Problem: Jeder Einzelne glaubt, auf ihn komme es nicht an – und ist nicht bereit, die notwendigen Kosten zu tragen, um das gesellschaftliche Ziel zu erreichen. Wie man dieses Moral-Hazard-Problem in einem demokratischen System mit individualistischen Grundwerten in den Griff bekommt, halte ich für eine ungelöste Herausforderung.


Aber brauchen wir dann nicht einen neuen Gesellschaftsvertrag, um die globalen Krisen der Zukunft zu bewältigen?
Das brauchen wir auf jeden Fall. Schon im Rahmen meiner Kandidatur für den SPD-Vorsitz hatte ich mich dafür eingesetzt, dass wir das Soziale und das Ökologische neu zusammendenken – dass wir eine andere Art Lebensweise anstreben müssen, als wir sie derzeit haben. Eine weniger auf Konsum, auf Freiheit und Erlebnis ausgerichtete Lebensweise, die etwas bescheidener, etwas kontemplativer und weniger konsumistisch ist. Diese Lebensweise muss vorgelebt und erlebt werden.


Das klingt nach einem radikalen Ansatz…
Ich bin sehr pessimistisch, dass das ein erreichbares Ziel ist. Für Intellektuelle und andere Menschen, die sich ohne Konsum Wünsche erfüllen können, ist das vielleicht möglich. Aber ich bezweifle, dass wir für die breite Bevölkerung einen Ersatz finden können für das konsumorientierte, materialistische, relativ oberfläch¬li¬che, ressourcenverbrauchende und verschwenderische Leben, das wir mehr als 70 Jahre lang kultiviert haben. Wir haben jeden denkbaren Dopaminrezeptor angezielt, um Anreize für ein solches Leben zu schaffen. Ich bin sehr pessimistisch, dass wir diese kollektive Entwöhnung von der Sucht nach Konsum, Erlebnis und »Singularität«, wie der Soziologe Andreas Reckwitz das sagen würde, bewerkstelligen können – jedenfalls in der kurzen Zeit, die uns zur Verfügung steht.


Bei allem Pessimismus: Bei der Bekämpfung der Pandemie sind Sie über eine Entwicklung ziemlich schnell hinweggegangen – nämlich die überraschend schnelle Entwicklung des Impfstoffes. Das gibt doch auch Hoffnung auf den wissenschaftlich-technischen Fortschritt, auf die Digitalisierung …
Es war keine Überraschung, dass uns die Impfung gelungen ist. Wissenschaftler, die da nah dran waren, haben sehr schnell gesagt, dass wir das mit einer Impfung hinkriegen. SARS-CoV-2 ist kein so kompliziertes Virus, es hat eine riesige Angriffsfläche und relativ wenige Mutationen, daran ändert auch die neue Variante B117 nichts. Es war klar, dass wir hier relativ schnell zu einer Impfung kommen. In dieser Hinsicht waren wir Optimisten. Ich habe immer gesagt, wir haben eine Langzeitperspektive – wir schützen die Menschen, solange wir können, bis die Impfung kommt. Die Digitalisierung hat dabei keine große Rolle gespielt. Die Impfstoffe sind nicht durch die Digitalisierung gekommen, das ist eine ganz klassische Kombination von Genetik, Biochemie und Molekularbiologie. Das kann man mit Methoden der künstlichen Intelligenz etwas beschleunigen, aber man muss es nicht. Ob ich die Struktur eines Proteins mit KI vorhersage oder ob ich sie zu Fuß mit Kristallografie darstelle – das ist mühseliger, aber ich komme zum gleichen Ergebnis.


Aber könnte die Digitalisierung nicht auch bei der Lösung der Klimaproblematik helfen?
Der Klimawandel ist ein ganz anderes Problem. Das ist der Kampf gegen den Zweiten Hauptsatz der Thermodynamik, den gewinnt man nicht über Digitalisierung. Wir müssen anders leben und Lösungen finden, die ein gutes und von allen gewolltes Leben ermöglichen, ohne dass wir ständig auf Kosten der Generationen nach uns leben. Daher bin ich sehr skeptisch, dass die Digitalisierung da einen wesentlichen Beitrag leisten wird.


Aber könnten digitale Technologien nicht bei der Bewältigung der Komplexität helfen, etwa bei der Analytik von Daten in Zeiten der Unsicherheit?
Ich befürchte, dass das Gegenteil wahr ist. Die technologischen Voraussetzungen für die Bewältigung der Klimakrise müssen nicht erfunden werden. Sie sind erfunden. Wir leben mit weniger Konsum, wir verbrauchen für den geringeren Konsum somit weniger Ressourcen, und wir gewinnen die Energie über die bekannten Verfahren der erneuerbaren Energien. Auch der dafür notwendige Grad der Digitalisierung ist bereits da.


Wir haben den Eindruck, dass Sie von der Digitalisierung nicht viel Gutes erwarten…
Im Bereich der Wissenschaft schon. So wird es mit KI immer leichter, Arzneimittelwirkstoffe zu produzieren oder Diagnosen sehr früh und genauer zu stellen. Aber für unser Zusammenleben, für unsere Gesellschaft, sehe ich den Segen nicht so eindeutig und unmittelbar. Die Digitalisierung atomisiert die Gesellschaft in Subgruppen. Die sozialen Medien haben sich auch in der Pandemie-Bekämpfung erneut als riesiges Risiko gezeigt. Sie höhlen zunehmend die in Vernunft und Wissenschaft fundierte Berichterstattung aus. Qualitativ hochwertige Zeitungen und Magazine sind auf dem Rückzug, auch der öffentlich-rechtliche Rundfunk. Das sind aber die Voraussetzungen der Kommunikation, um ein vernunftorientiertes gemeinsames Handeln zu ermöglichen. Diese Voraussetzungen werden durch die Digitalisierung gefährdet, nicht nach vorn gebracht.

»Ich glaube zwar, dass wir mit den Methoden der Vernunft die Voraussetzungen für die Bewältigung des Klimawandels schaffen. Aber die Vernunft wird nicht ausreichen, das Notwendige auch tatsächlich zu tun.«


Warum das?
Mit dem technischen Fortschritt steigt die Komplexität, in vielen Bereichen sogar exponentiell. Ich fürchte, die Beherrschung der Komplexität wird damit eher schwerer als leichter. Die Digitalisierung der Kommunikation geht in die andere Richtung als die der Technologie. Ich fühle mich an das Fermi-Paradoxon erinnert. Der Gedankengang des Physikers Enrico Fermi war: Rein physikalisch statistisch betrachtet, müsste es extraterrestrisches intelligentes Leben um uns herum geben. Aber wenn das so ist – warum sehen wir es nicht? Seine Idee war: Wenn eine bestimmte Komplexität erreicht ist, dann steigt das Potenzial zur Zerstörung sehr viel schneller als das Potenzial der Erneuerung. Ich fürchte, dass Fermi recht haben könnte …


Das ist wieder sehr pessimistisch. Haben Sie denn gar keine Hoffnung auf die Aufklärung, auf die Vernunft?
Ich bin zumindest unsicher, was das angeht. Ein Optimist der Vernunft, der Psychologe Steven Pinker, hat zwar sehr beeindruckende Analysen vorgelegt, die zeigen, dass unser Leben seit Beginn der Aufklärung in vielen Hinsichten viel besser geworden ist. Er argumentiert sogar für den kontinuierlichen Erfolg der Aufklärung. Ich teile aber seinen Optimismus nicht ganz. Die Erfolge, die er beschreibt, sind allesamt nicht nachhaltig gewesen. Ich glaube zum Beispiel zwar, dass wir mit den Methoden der Vernunft die Voraussetzungen für die Bewältigung des Klimawandels schaffen. Aber die Vernunft wird nicht ausreichen, das Notwendige auch tatsächlich zu tun. Ich habe mich einmal sehr intensiv mit der folgenden Frage beschäftigt: Motiviert der Einblick der Vernunft automatisch – oder nicht? Ist die Überzeugung durch die Vernunft gleichzeitig auch motivierend? Das war eine interne Annahme von Kant, das ist auch bei Rawls angelegt oder bei Amartya Sen. Ich habe das lange Zeit für richtig gehalten. Aber ich fürchte, es ist nicht richtig. Ich bin heute eher auf der Seite des britischen Philosophen Bernard Williams, der glaubte, dass nur »interne Gründe« motivierend sein können. Ich halte mittlerweile eine dritte Position für möglich, dass interne Gründe auch aus der Einsicht in die Vernunft allein zwar vorliegen könnten, aber schwache Gründe sind. Es könnte gut sein, dass solche internen Gründe zwar motivieren, aber schwach motivieren.


Wenn das richtig ist: Was heißt das für die Politik?
Das hieße, dass wir mehr machen müssen, als nur zu überzeugen. Bernard Williams hat geschrieben, dass sich Wissenschaft und ethische Werte in einem Punkt unterscheiden. In der Wissenschaft ist es zwar auch nicht so, dass das wissenschaftliche Argument automatisch motiviert, es zu glauben und danach zu handeln. Es gibt aber gute Gründe, beides zu tun, weil mein Leben dann besser ist oder wir als Gesellschaft besser klarkommen. In der Wissenschaft können wir uns daher schnell darauf einigen, etwas wahr zu nennen, obwohl wir die Wahrheit oft nicht beweisen können, weil es uns bei der Bewältigung der Aufgaben hilft. In der Ethik gilt das aber nicht, da können wir uns nicht so schnell einigen, denn was Ihnen hilft, das schadet mir, wir haben unterschiedliche Interessen. Wenn das richtig ist, dann müssen wir viel mehr machen, um Menschen Gründe zu geben, die über die rationale Überzeugung hinausgehen, um das zu tun, was vernünftig ist.


Müsste die Politik etwa mehr auf Emotionen setzen – nicht zuletzt in der Pandemie-Bekämpfung?
Ja, ich habe selbst damit angefangen. Seit einigen Wochen trage ich deutlich emotionsgeladener vor. Das bloße Vorrechnen, was passieren wird, wenn – das reicht nicht mehr. Ich habe selbst meine Kommunika¬tionsweise schon etwas angepasst. Ohne Emotionen, ohne Empathie erreicht man zu wenige.


Halten Sie es für gerechtfertigt, Bürgern und Bürgerinnen auch Angst zu machen?
Sehr gute Frage. Ich beantworte das in der Tendenz mit einem sehr qualifizierten Ja, aber nur in bestimmten Ausnahmesituationen. Diese kann es in einer Pandemie durchaus geben. Die Ängste müssen zum einen begründet sein, es darf keine irrationale Angst sein. Die Angst darf nicht das Ziel sein, aber ich muss die Angst in Kauf nehmen dürfen – es muss ein zugelassener indirekter Effekt sein. Das Ziel muss erstens sein, dass ich Sie ehrlich und zutreffend informiere – und zweitens versuche, Ihnen vernünftigerweise zu er¬klären, was Sie machen sollen. Wenn das erwartbarerweise Ängste auslöst, dann darf ich diese Ängste nicht scheuen. Das Ziel muss jedenfalls immer die Information und die Hilfe sein. Die Angst darf aber auf keinen Fall vermieden werden, wenn es eine berechtigte Angst ist und die Menschen ohne diese Ängste die Lage nur falsch einschätzen könnten.


Welche Rolle spielen Ängste für Sie als Politiker – und persönlich?
Ich bin zwar kein übermäßig ängstlicher Mensch, aber tatsächlich habe ich oft Angst davor, Fehler zu machen, beispielsweise in der politischen Entscheidungsfindung, manchmal sogar in der Interpretation von Studien. Daher bin ich sehr vorsichtig in dem, was ich ¬versuche zu erreichen. In wichtigen Fragen stimme ich mich eng mit anderen Wissenschaftlern oder Politikern ab, wo ich dann lieber noch einmal nachfrage. Ich habe durchaus Angst, da etwas Falsches zu tun. Natürlich habe ich auch eine gewisse Angst, mich zu infizieren, weil ich ein großes Infektionsrisiko trage, da ich sehr viele Kontakte habe, die ich nur bedingt eingrenzen kann. Ich bin auch gefährdet durch »Querdenker« und Radikale, die mich und meine Familie unmittelbar bedrohen. Ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, dass mich das gar nicht ängstigt. Und ich habe manchmal auch Ängste, dass uns der Erfolg in der Pandemie-Bekämpfung insgesamt nicht gelingt, weil es zum Beispiel doch noch unerwartete Mutationen geben könnte …


Ist die Pandemie für Sie eine existenzielle Situation?
Ja, ich empfinde das als existenzielle Situation. Ich wünsche mir daher, dass wir diese Pandemie mit möglichst wenig Todesfällen und wenig Langzeiterkrankten beherrschen, dass wir selbst nicht erkranken – meine Familie, meine Freunde, ich selbst. Dass wir dann, nach der Krise, nach vorn gehen können. Aber es hat für mich tatsächlich im Moment eine existenzielle Dimension. Ich spüre diese Herausforderung, wie ich sie in meinem politischen Leben in dieser Form noch nie gespürt habe. •

Prof. Dr. Karl Lauterbach ist SPD-Bundestags-abgeordneter. Er studierte Medizin in Aachen, Texas und Düsseldorf und promovierte zum Dr. med. Später studierte er Epidemiologie und Gesundheitsökonomie und promovierte an der Harvard-Universität in Boston zum Dr. Sc.


Dieses Interview ist erschienen im Sonderheft HOHE LUFT kompakt »Mensch und Medizin«. Hier können Sie es versandkostenfrei bestellen.


Info: https://www.hoheluft-magazin.de/2021/02/es-gibt-keine-chancen-ohne-gesundheit


Kommentar:  Bei aller entdeckungswürdigen Vielfalt, die sich uns bietet, wenn wir zu verstehen und zu ergründen suchen, sofern es uns gelingt nicht zuvor in der geschürten Angst stecken zu bleiben, gilt es immer auch den Blick auf ein mögliches Ganzes zu richten. Hier ein persönlicher Denkanstoß dazu, den mir Alfred Müller am 11. März 2021 per Maill  sendete:


Lieber Thomas,


solange der Kapitalismus bestehen bleibt, lässt sich keine am Gemeinwohl orientierte Wirtschaft durchsetzen. An große, leere Verheißungen sollten wir uns nicht orientieren, sondern an die Möglichkeit der Realsierung. Ähnlich ist eine neue Basisdemokratische Partei (Name : die Basis)

entstanden, die die Basisdemokratie verspricht, doch im gleichen Atemzug den Kapitalismus erhalten will. Hier wird mit falschen Vorgaben gearbeitet,  mit dem Ziel die direktdemokratische Bewegung zu spalten und sie in die Irre zu führen.


Herzliche Grüße


Alfred

18.03.2021

Corona Impfung und die Folgen

tkp.at, vom 17. März 2021

Seit Beginn der Massenimpfungen mit den beiden mRNA Impfstoffen von BioNTech/Pfizer sowie Moderna und dem Vektorimpfstoff von AstraZeneca häufen sich die Meldungen über Todesfälle und teils gravierende Nebenwirkungen, wie das noch nie bei einem anderem Impfstoff der Fall war.


Zitat:  In einem Video gehen Respekt Plus und der Außerparlamentarische Corona-Untersuchungs-Ausschuss der Frage nach was in Österreich in den Pflegeheimen wirklich passiert. Es gibt dazu einen Überblick, was die Hintergründe und Ursachen der Nebenwirkungen sind.               Video  https://youtu.be/Qc5xB9-ee-w  Dauer 45:15 Min.


(siehe auch)


Info:  https://tkp.at/2021/03/17/corona-impfung-und-die-folgen

18.03.2021

Korporatokratie:
„Great Reset“ wird Mittelschicht und Mittelstand ausradieren

deutsche-wirtschafts-nachrichten.de, vom 16.03.2021, 17:48

Einem Wissenschaftler zufolge ist der „Great Reset“ ein Korporatokratie-Projekt, bei dem Macht und Regierung von den Konzernen ausgehen soll : „Steigerung des Wohlstands für die Wenigen, wirtschaftliche Gleichheit unter reduzierten Bedingungen, einschließlich des universellen Grundeinkommens, für den Rest“. Deutsche Wirtschaftsnachrichten


Der Gründer des Weltwirtschaftsforums (WEF), Klaus Schwab. (Foto: dpa)


Wer in der „Great Reset“-Initiative des Weltwirtschaftsforums (WEF) lediglich die Schaffung eines neuen Wirtschaftsmodells gemäß den Vorgaben des Stakeholder-Kapitalismus sieht, der täuscht sich. Die Initiative zielt darauf ab, unser Denken, unsere Lebensweise, unsere Essgewohnheiten und unseren Umgang miteinander nachhaltig zu verändern.


Friedrich August von Hayek hatte in seinem Werk „The Nature and History of the Problem“ die kollektivistische Wirtschaftsplanung im Rahmen des Sozialismus in zwei Aspekte unterteilt: die Ziele und die Mittel. Das sozialistische Mittel ist die kollektivistische Planung, während die Ziele, zumindest im proletarischen Sozialismus, das kollektive Eigentum an den Produktionsmitteln und die „gleiche“ oder „gerechte“ Verteilung der Endprodukte sind. Er führte aus, dass die kollektivistische Planung in den Dienst anderer Ziele als der des proletarischen Sozialismus gestellt werden kann. Beispielsweise könne eine aristokratische Diktatur die gleichen Methoden anwenden, um das „Interesse einer Rasse oder einer anderen Elite zu fördern oder um einem anderen entschieden anti-gleichberechtigten Zweck zu dienen“.


Während die Stakeholder eines Unternehmens nicht unbedingt per se Monopole darstellen würden, besteht das Ziel des WEF darin, diesen Stakeholdern des Unternehmens so viel Kontrolle über Produktion und Vertrieb wie möglich zu übertragen, um Hersteller zu eliminieren, deren Produkte oder Prozesse als unnötig oder schädlich angesehen werden, so der Wissenschaftler Michael Rectenwald in einem Beitrag des „Ludwig Mises Institute“ (LMU). Schädlich wären sie nach Ansicht des WEFbeispielsweise dann, wenn sie gegen die Richtlinien für „eine gerechtere, grünere Zukunft“ widersprechen würden.


Rectenwald führt aus: „Dies würde natürlich Produktions- und Verbrauchsbeschränkungen und ebenso eine erweiterte Rolle derRegierungen zur Durchsetzung solcher Beschränkungen mit  sich bringen - oder, wie Klaus Schwab im Kontext der Covid-Krise festgestellt hat, ,die Rückkehr des Big Government'“.


Schwab und das WEF fördern den Stakeholder-Kapitalismus gegen einen angeblich grassierenden Neoliberalismus. Neoliberalismus ist ein nichtssagendes Wort, das für alles steht, was Linke im Zusammenhang mit der sozioökonomischen Ordnung für falsch halten. Schwab & Co. bieten uns den Neoliberalismus, von dem insbesondere die Mitglieder des WEF bisher profitiert hatten, plötzlich als Quelle unserer wirtschaftlichen Probleme an. Als Lösungsvorschlag wird uns hingegen eine Art „Korporatokratie“ angeboten.


Das Ziel des WEF ist es jedoch nicht, jeden Aspekt der Produktion zu planen und damit alle individuellen Aktivitäten zu lenken. Ziel ist es vielmehr, die Möglichkeiten für individuelle Aktivitäten, einschließlich der Aktivitäten von Konsumenten, zu begrenzen, indem Industrien und Produzenten innerhalb von Industrien aus der Wirtschaft verdrängt werden. „Jedes Land, von den USA bis nach China, muss teilnehmen, und jede Branche, von Öl und Gas bis hin zu Technologie, muss transformiert werden“, so Schwab in seinem Aufsatz „Now is the time for a 'great reset'“, der bereits am 3. Juni 2020 veröffentlicht wurde.


Und hier passt erneut ein Hayek-Zitat: „Als das mittelalterliche Gildensystem auf seinem Höhepunkt war und die Handelsbeschränkungen am größten waren, wurden sie nicht als Mittel verwendet, um die individuellen Aktivitäten tatsächlich zu lenken.“


Ebenso zielt der „Great Reset“ nicht auf eine streng kollektivistische Planung der Wirtschaft ab, sondern empfiehlt und fordert neofeudalistische Beschränkungen, die seit dem Mittelalter über alles hinausgehen würden, was wir bisher kannten – außer im Staatssozialismus selbst. 1935 stellte Hayek fest, inwieweit wirtschaftliche Beschränkungen bereits zu Marktverzerrungen geführt hatten: „Mit unseren Versuchen, den alten Apparat des Restriktionismus als Instrument der fast alltäglichen Anpassung an Veränderungen zu nutzen, sind wir wahrscheinlich bereits viel weiter in Richtung einer zentralen Planung der gegenwärtigen Aktivitäten gegangen als jemals zuvor. Es ist wichtig bei jeder Untersuchung der Planungsmöglichkeiten zu erkennen, dass es

ein Trugschluss ist, anzunehmen, dass der Kapitalismus, wie er heute existiert, die Alternative ist. Wir sind sicherlich so weit vomKapitalismus in seiner reinen Form entfernt wie von jedem  System der zentralen Planung. Die heutige Welt ist nur ein interventionistisches Chaos.“


An dieser Stelle zieht Rectenwald einen direkten Vergleich zu den Zielen des „Great Reset“:

„Ich nenne diesen Neofeudalismus ,Unternehmenssozialismus‘ - nicht nur, weil die Rhetorik, Anhänger zu gewinnen, aus der sozialistischen Ideologie stammt (,Fairness‘, ,wirtschaftliche Gleichheit‘, ,kollektivesGut‘, ,gemeinsames Schicksal‘ usw.), sondern auch, weil die Realität im Nachhinein de facto eine monopolistische Kontrolle der Produktion durch die Beseitigung nicht konformer Produzenten – d.h. eine Tendenz zum Monopol über die Produktion, die für den Sozialismus charakteristisch ist – mit sich bringen wird. Diese Interventionen würden nicht nur zu dem bereits bestehenden ,interventionistischen Chaos‘ beitragen, sondern die Märkte in einem Ausmaß verzerren, was außerhalb der zentralisierten sozialistischen Planung an sich beispiellos wäre. Die Eliten könnten versuchen, a priori zu bestimmen, welche Bedürfnisse und Wünsche der

Konsument durch Beschränkung der Produktion auf akzeptable Waren undDienstleistungen ha ben soll. Sie würden die Produktion auch auf die Arten beschränken, die jenen Regierungen und Produzenten zugänglich  wären, die sich an dem Programm beteiligen. Die hinzugefügten Vorschriften würden mittelgroße und kleine Produzenten aus dem Geschäft oder in die Schwarzmärkte treiben, soweit Schwarzmärkte unter einer digitalen Währung und einem stärker zentralisierten Bankgeschäft existieren könnten. Als solche würden die Beschränkungen und Vorschriften zu einem statischen kastenähnlichen System mit Unternehmensoligarchen an der Spitze und einem ,tatsächlich existierenden Sozialismus‘ für die überwiegende Mehrheit tendieren. Steigerung des Wohlstands für die Wenigen, ,wirtschaftliche Gleichheit‘ unter reduzierten Bedingungen, einschließlich des universellen Grundeinkommens, für den Rest“, so Rectenwald.


Doch das bedeutet schlussendlich, dass die Reichen noch reicher werden, die Ärmsten nicht mehr hungern müssten und die Mittelschicht plus der Mittelstand ausradiert werden. Es erfolgt somit keine Verteilung von oben nach unten, sondern von der Mittelschicht und den Mittelstand nach unten, was tatsächlich die Gefahr in sich birgt, dass weltweit zwei Klassen aus einer kleinen Kaste von Herrschenden und einer großen Kaste von Beherrschten entstehen. Die Obersten propagieren zwar Gleichheit. Doch sie beziehen sich nicht ein, sondern meinen damit, dass eine Art „Gleichheit in der materiellen Genügsamkeit“ der restlichen 99 Prozent geschaffen werden soll.


Die Covid-19-Lockdowns und in geringerem Maße die linken Unruhen hätten uns Rectenwald zufolge in Richtung Unternehmenssozialismus bewegt. „Die drakonischen Sperrmaßnahmen der Gouverneure und Bürgermeister und die Zerstörung durch die Randalierer leisten zufällig die Arbeit, die Unternehmenssozialisten wie das WEF leisten wollen. Diese Politik destabilisiert nicht nur den Nationalstaat, sondern trägt auch dazu bei, kleine Unternehmen zu zerstören und damit Konkurrenten auszuschalten“, meint der Wissenschaftler.


Die Foundation for Economic Education (FEE) wörtlich: „7,5 Millionen kleine Unternehmen in Amerika laufen Gefahr, ihre Türen endgültig zu schließen. Eine neuere Umfrage ergab, dass selbst bei Bundeskreditenfast die Hälfte aller Kleinunternehmer angibt, dass sie endgültig schließen müssen.“


Da kleine Unternehmen durch die Kombination aus drakonischen Lockdownsund gewaltsamen Protesten niedergeschlagen wurden, haben sich Unternehmens-Riesen wie Amazon wie nie zuvor entwickelt. Wie die BBC feststellte, haben mindestens drei der Technologiegiganten – Amazon,Apple und Facebook – während der Lockdowns massive Gewinne erzielt. Diese Gewinne wurden eben auch durch die gewaltsamen Black-Lives-Matter-Proteste begünstigt, die viele Unternehmer zur Schließung ihrer Geschäfte zwangen. Der Widerspruch bestand darin, dass sich die Demonstranten angeblich für das Leben von Afro-Amerikanern einsetzten, und dabei die Gebäude von afro-amerikanischen und anderen Kleinunternehmen zerstörten. Mittlerweile interessiert sich keiner mehr für die massive und ungerechte Polizeigewalt gegen unbescholtene Afro-Amerikaner.


Der Wissenschaftler folgert aus all diesen Überlegungen, dass die Lockdowns eindeutig die wirtschaftlichen und sozialen Ziele des WEF begünstigen. „Die einzig vernünftige Antwort auf das Great Reset-Projekt besteht darin, sich ihm zu widersetzen, mehr Wettbewerb einzuführen und zu fördern und die vollständige Wiedereröffnung der Wirtschaft zu fordern, unabhängig von der Gefahr. Wenn dies bedeutet, dass sich kleinere Produzenten und Händler zusammenschließen müssen, um staatlichen Verordnungen zu trotzen, dann soll es so sein. Neue Wirtschaftsverbände mit dem Ziel, den Great Reset zu vereiteln, müssen gegründet werden - bevor es zu spät ist“, meint Rectenwald. Doch der demokratische Widerspruch gegen dieses Projekt kann nur dann

gelingen, wenn sich die Bürger nicht gegeneinander aufhetzen lassen.Sich nicht aufhetzen lassen gegen Flüchtlinge, Muslime, Juden,Polizeibeamte und Migranten. Dieses Anliegen kann nur dann gelingen, wenn sich die Menschen nicht in links und rechts spalten lassen. Der entschie-

dene und einheitliche Widerspruch kann nur dann gelingen, wenn „divide et impera“ überflüssig wird.


Denn all diese menschlichen Gruppen mit all ihren Alltagsnöten, Ängsten und Sorgen, die sich nicht voneinander unterscheiden, haben nicht dengeringsten Einfluss auf jene Entscheidungen, die das Schicksal der Nationen, Gesellschaften und Menschen besiegeln sollen. Die Schwäche der Menschen besteht darin, ihre Instinkte und Urängste unbewusst zugunsten von Zielen ausbeuten zu lassen, die ihren ureigenen Interessen widersprechen. Aber es sitzen diesmal alle, und zwar wirklich alle, in einem Boot – mehr als je zuvor.


Info: https://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/510463/Korporatokratie-Great-Reset-wird-Mittelschicht-und-Mittelstand-ausradieren

18.03.2021

Haager Strafgerichtshof behandelt Klage wegen Verletzung des Nürnberger Kodex durch israelische Regierung und Pfizer

tkp.at, Peter F. Mayer bloggt über Science & Technology, vom 15. März 2021

Israel führt bekanntlich seit 19. Dezember 2020 massenhaft Impfungen mit dem mRNA Impfstoff von Pfizer durch. Diese sollen alle 6 Monate wiederholt werden. Wer nicht geimpft ist und die Impfung ablehnt, wird den lokalen Behörden gemeldet und einer Art von „Umerziehung“. Israel hat sich offenbar im Gegenzug bereit erklärt, Daten an Pfizer weiterzugeben.


Zitat: Einiges Aufsehen erregte Pfizer CEO Albert Bourla in einem In einem Interview auf NBC:

„Ich glaube, dass Israel im Moment das Labor der Welt geworden ist, weil sie in diesem Zustand nur unseren Impfstoff verwenden und einen sehr großen Teil ihrer Bevölkerung geimpft haben, so dass wir sowohl wirtschaftliche als auch gesundheitliche Indizes studieren können.“

Gelegentlich sind medizinische Experimente am Menschen notwendig und vertretbar, wenn sich die Teilnehmer aller möglichen Umstände und Überlegungen bewusst sind und sie freiwillig ihre Zustimmung geben. Das ist in Israel nicht geschehen. Mittels „grüner Pässe“ und Sticker droht die Regierung praktisch damit, jeden zu bestrafen, der sich weigert, an einem „Labor“-Experiment für ein riesiges Pharmaunternehmen mit einer sehr problematischen Bilanz teilzunehmen.


Beim Haager Tribunal wurde von den Rechtsanwälten Ruth Makhachovsky und Arie Suchowolski eine Beschwerde eingereicht wegen Verstoß der israelischen Regierung und anderer Parteien gegen den Nürnberger Kodex, wie Israel News berichtet.


Die Organisation „People of Truth“ reichte beim Haager Tribunal eine Beschwerde gegen die israelische Regierung ein, wegen der über Pfizer durchführten illegalen Experimenten mit israelischen Bürgern.


Das erste Prinzip des Nürnberger Kodex ist die Bereitschaft und Einwilligung der Person, sich behandeln zu lassen und an dem Experiment teilzunehmen. Die Person sollte die Wahlfreiheit ausüben können, ohne dass Macht, Täuschung, Betrug, Bedrohung, Aufforderung oder irgendeine andere Art von Bindung oder Zwang ausgeübt wird. Als die Leiter des Gesundheitsministeriums und des Premierministers den Impfstoff in Israel einführten und mit der Impfung der Einwohner Israels begannen, wurde nicht erklärt, dass dies tatsächlich ein medizinisches Experiment ist.


Der israelische Premierminister hatte eine Vereinbarung mit Pfizer unterzeichnet, wonach er Millionen von Impfstoffdosen erhalten würde. Es wurde vereinbart, dass das Pharmaunternehmen alle vertraulichen medizinischen Informationen, die ohne vorheriges Wissen der Geimpften aus Israel übertragen wurden. Bis zu diesem Zeitpunkt war der Inhalt des Abkommens, der sich auf die meisten Einwohner des Staates Israel bezieht, nicht veröffentlicht worden.


Daher und in Anbetracht dessen fordern sie, das:

  • Stoppen Sie sofort das medizinische Experiment und die Verabreichung von Impfstoffen an die israelische Öffentlichkeit.
  • Fordern Sie die Regierung auf, alle Gesetzgebungsverfahren zu verabschieden, die nicht gegen den oben beschriebenen Grundsatz der Einwilligung einer Person in die medizinische Behandlung verstoßen, der den rechtlichen Status in Israel und in der israelischen Demokratie verweigert, einschließlich der Vermeidung der Erstellung eines Gesundheitspasses und der Angabe der Namen der nicht geimpften lokalen Behörden oder einem anderen relevanten Gesetzgeber.
  • Ergreifen Sie die strengsten Maßnahmen gegen öffentliche, gewerbliche oder arbeitsrechtliche Einrichtungen, die gegen staatliche Arbeitsgesetze oder andere Angelegenheiten verstoßen, die erforderlich sind, um Zwang oder die Beantragung von Impfstoffen sowie Diskriminierung gegen diejenigen zu verhindern, die sich dafür entscheiden, die oben genannte innovative medizinische Versorgung nicht zu erhalten.
  • Wir möchten darauf hinweisen, dass eine Kopie dieses Dokuments auch wegen Verstoßes gegen den Nürnberger Kodex an die Medien weltweit gesendet wird. Relevant in allen Ländern der freien Welt.
  • Und als abschließende Bemerkung sei angemerkt, dass erst kürzlich im Europarat am 27.1.21 ein Beschluss gefasst wurde, der alle Behörden anweist, die Menschen in keiner Weise unter Druck zu setzen oder dazu aufzufordern, den COVID-Impfstoff zu nehmen … . Daher ist das, was für die fortgeschrittenen europäischen Länder gut ist, sicherlich auch für Israel gut, und das Gleichgewicht ist selbsterklärend.“

Rechtsanwältin Ruth Makhachovsky sagte gegenüber Israel News:

„ Das Experiment, das Pfizer im Staat Israel macht, wurde unter Verstoß gegen das Nürnberger Kodex durchgeführt, das zum internationalen Strafrecht gehört und der Gerichtsbarkeit des Gerichts in Den Haag unterliegt.  Jetzt warten wir auf eine Entscheidung“.

Link zur in Den Haag eingereichten Beschwerde.  via Uncut-News


(siehe auch)


Info: https://tkp.at/2021/03/15/haager-strafgerichtshof-behandelt-klage-wegen-verletzung-des-nuernberger-kodex-durch-israelische-regierung-und-pfizer


4 Kommentare zu „Haager Strafgerichtshof behandelt Klage wegen Verletzung des Nürnberger Kodex durch israelische Regierung und Pfizer“


  1. Ich finde das unbedingt notwendig und wichtig. Es kann nicht sein dass die israel. Regierung so mit dem Volk umgeht. Ausserdem hat dies auch Warnwirkung für andere Staaten die sich einbilden den Weg Netanjahus unbedingt kopieren zu müssen. Besonders Österreich soll diesbezüglich sehr vorsichtig sein, wurde doch bisher alles nachgeahmt.

    Man kann daher nur hoffen dass den Haag diesem Treiben einen Riegel vorschiebt .

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  2. In der Zukunft ist jeder Tag Freitag. Freitesten und freiimpfen für eine Freiheit, die ein Test dafür ist, inwieweit man Gesellschaften Freiheiten nehmen kann, ohne das diese das Gefühl haben selbiger immer mehr verlustig zu gehen:

    https://www.tagesspiegel.de/politik/die-krise-in-der-coronakrise-der-blick-ins-ausland-zeigt-wie-die-bundesregierung-scheitert/27000708.html

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  3. Man sieht ja, wenn man Wiener Neustadt verlassen will, dass man sich freitesten muss. Das nächste wird auch bei uns sein, dass man eine Impfung haben muss, um sich frei zu impfen.

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  4. https://noe.orf.at/stories/3094966/ Wachaustudie: Immunität höher als gedacht – hier beschäftigt man sich lediglich mit den Antikörpern

    Dazu Sucharit Bhakdi: https://tkp.at/2021/02/19/corona-unmasked-sucharit-bhakdis-neues-buch-praesentiert-im-gespraech-mit-andreas-soennichsen-und-martin-haditsch/
    Coronainfektion machen wir jedes Jahr durch, normal wird im Rachen abgewehrt. Bei schwachen Personen gehen sie in die Lunge, es entsteht zB Fieber. Dann entstehen erst Antikörper im Blut, also keine Antikörper, wenn Infektion im Rachen abgewehrt wurde. Antikörper werden jetzt durch die Impfung hergestellt, aber im Muskel…


Weiteres:


Der Morgenüberblick am Donnerstag, den 18. März

ZEIT ONLINE | Im Browser lesen, von Jochen Wegner, Chefredakteur ZEIT ONLINE


Zitat: Erstmals haben Embryos mehrere Tage in einer künstlichen Gebärmutter überlebt.

Israelische Forscherïnnen haben sie entwickelt, um etwa studieren zu können, wie sich Organe im Frühstadium entwickeln, und ihre Studie an Mäuse-Embryos im Fachmagazin Nature publiziert. Die New York Times erklärt ganz genau, wie großartig das ist, nicht aber, wie irritierend.


Info:  https://x8z6q.mjt.lu/nl2/x8z6q/7ij.html?m=AMcAAE3zZVYAAAAOeqoAAALedl0AAAAAYFgAAEgHABevJABgUwM_J0V5FYynRzy0Nh5IyYPplQAHyOU&b=1a1dce1f&e=4af388bc&x=XKYSd8ZI4OZ6Lv6ecPkWEcyi5-0BODiIoll2aRF_tiE

18.03.2021

.. zum 150 jährigen Gedenktag der "Pariser Kommune 1871"

150 Jahre Pariser Kommune  - 
Geschieht Geschichte mit uns – oder machen wir unsere Geschichte….


*Die Pariser Kommune* "Proletenpassion" der österreichischen Gruppe Die Schmetterlinge

Das Kapitel "Die Pariser Kommune" auf die Bühne gebracht.

Eine ORF-Produktion von 1978.

/Hier zu sehen und zu hören:/ https://www.youtube.com/watch?v=TnzKjA2LMeY

<https://www.youtube.com/watch?v=TnzKjA2LMeY>


*Eugène Pottier - La Commune n'est pas morte

*https://www.youtube.com/watch?v=CONpRTTiKo4


<*Der" rel="noopener">https://www.youtube.com/watch?v=CONpRTTiKo4>*Der  berühmte französische

Sänger Jean Ferrat zum 100. Jahrestag der Pariser Kommune*

https://www.youtube.com/watch?v=gXVl0_acHrM


<*Die" rel="noopener">https://www.youtube.com/watch?v=gXVl0_acHrM>*Die  DDR widmete der

Pariser Kommune eine Briefmarke zum 100. Jahrestag*


"Barrikade auf der Place Blanche, die von Frauen verteidigt wurde"



Weitere:



18.03.2021, Alles auf einen Blick <https://www.rf-news.de/alles-auf-einen-blick>

17.03.2021

Gemeinsam gegen China
EU beschließt Sanktionen gegen Beijing - und beteiligt sich damit an der verstärkten US-Offensive gegen die Volksrepublik.

German_Foreign-Policy.com, 18. März 2021

BERLIN/WASHINGTON/BEIJING (Eigener Bericht) - Die EU schließt sich der Sanktionspolitik der Vereinigten Staaten gegen China an und verhängt erstmals seit 1989 Zwangsmaßnahmen gegen die Volksrepublik. Der gestern gefällte Beschluss sieht Einreisesperren und das Einfrieren des Vermögens von vier chinesischen Regierungsvertretern und einer chinesischen Institution vor; am kommenden Montag soll er von den EU-Außenministern in aller Form abgenickt werden. Zugleich treten neue US-Sanktionen in Kraft; die Biden-Administration hat gestern Zwangsmaßnahmen gegen 24 hochrangige chinesische Amtsträger verhängt. Noch ist unklar, ob und wie Beijing darauf reagiert; zuletzt hatte es mit Gegensanktionen einigen Spitzenpolitikern der Trump-Administration den Wechsel auf lukrative Posten in der Privatwirtschaft erschwert. Die neue transatlantische Sanktionswelle ist Teil einer Offensive, die von den USA à la Trump forciert wird und neben neuen Wirtschaftssanktionen auch weiter steigenden politischen sowie militärischen Druck umfasst. Die Bundesregierung beteiligt sich mit der Entsendung einer Fregatte ins Südchinesische Meer.


EU-Sanktionen

Die EU schließt sich der US-Sanktionspolitik gegen China an und verhängt zum ersten Mal seit mehr als drei Jahrzehnten neue Zwangsmaßnahmen gegen Beijing. Darauf haben sich die EU-Botschafter aller 27 Mitgliedstaaten gestern geeinigt. Den förmlichen Beschluss werden die Außenminister am Montag fällen.[1] Betroffen sind demnach vier chinesische Regierungsvertreter und eine noch nicht näher benannte Institution. Sofern sie Vermögen in der EU haben, wird es eingefroren; zudem dürfen sie künftig weder in die EU einreisen noch Geschäfte mit EU-Bürgern machen.[2] Begründet wird das mit ihrer Beteiligung an angeblichen Menschenrechtsverletzungen im Uigurischen Autonomen Gebiet Xinjiang, der nordwestlichsten Region der Volksrepublik. Beijing streitet die Vorwürfe ab. Juristische Basis ist das neue Sanktionsgesetz, das die EU Ende 2020 verabschiedet hat (german-foreign-policy.com berichtete [3]). Offiziell dient es vor allem der Bestrafung schwerer Menschenrechtsverletzungen. Seine praktische Nutzung - gegenüber verbündeten Staaten wird es weder bei exzessiver Polizeigewalt noch bei Drohnenmorden oder anderen Verbrechen angewandt - zeigt jedoch, dass seine eigentliche Aufgabe darin besteht, als Mittel im Machtkampf gegen staatliche und nichtstaatliche Gegner zu dienen.


US-Sanktionen

Währenddessen haben die Vereinigten Staaten am gestrigen Mittwoch ebenfalls neue Sanktionen gegen China verhängt. Bereits im vergangenen Jahr hatte Washington - neben diversen Sanktionen gegen chinesische Unternehmen - in mehreren Wellen Zwangsmaßnahmen gegen hochrangige Funktionäre aus der Volksrepublik in Kraft gesetzt, darunter Einreisesperren sowie das Einfrieren von Vermögenswerten. Zur öffentlichen Legitimation hatte die Trump-Administration gleichfalls menschenrechtliche Vorwände vorgetragen. Gestern teilte die Biden-Administration mit, sie werde 24 chinesische Amtsträger mit Finanzsanktionen belegen, darunter sämtliche 14 stellvertretenden Vorsitzenden des Ständigen Ausschusses des Nationalen Volkskongresses. Hatte Washington sie bereits im Dezember mit Einreisesperren und anderen Restriktionen belegt [4], so werden nun sämtliche Finanzinstitute weltweit mit Strafen bedroht, sollten sie Geschäfte mit den betroffenen chinesischen Amtsträgern tätigen [5]. Es handelt sich zum wiederholten Male um extraterritoriale Sanktionen, die souveräne Rechte fremder Staaten brechen und damit völkerrechtswidrig sind. Die Zwangsmaßnahmen wurden dieses Mal als Antwort auf Chinas Vorgehen in Hongkong legitimiert; sie stellen damit zudem eine Einmischung in innere Angelegenheiten der Volksrepublik dar.


"Wir werden nicht nachgeben"

Ob und, wenn ja, wie Beijing reagieren wird, ist noch unklar. Chinas EU-Botschafter Zhang Ming hatte bereits am Dienstag vor Sanktionen gewarnt: "Wenn einige auf Konfrontation bestehen - wir werden nicht nachgeben", kündigte Zhang an und forderte die Union auf, es sich "zweimal zu überlegen", ob sie den Konflikt tatsächlich noch weiter verschärfen wolle.[6] Beijing hatte zuletzt am 20. Januar Gegenmaßnahmen ergriffen und Sanktionen gegen 28 führende Mitarbeiter der scheidenden Trump-Administration verhängt, darunter Ex-Außenminister Mike Pompeo, Trumps Ex-Handelsberater Peter Navarro, den Nationalen Sicherheitsberater Robert O'Brien sowie dessen Stellvertreter Matthew Pottinger. Sie wurden nicht nur mit einer Einreisesperre belegt; ihnen ist zudem künftig jegliches Chinageschäft untersagt. Letzteres gilt zudem für sämtliche Unternehmen und Institutionen, die in irgendeiner Form mit ihnen verbunden sind.[7] Das ist deshalb relevant, weil US-Regierungsmitarbeiter nach ihrem Ausscheiden üblicherweise gutbezahlte Tätigkeiten in Denkfabriken oder der Privatwirtschaft annehmen; dies könne jetzt für die sanktionierten Politiker schwieriger werden, weil zahlreiche US-Unternehmen ihr Chinageschäft nicht gefährden wollten, wird eine Expertin des Center for Strategic and International Studies (CSIS) zitiert.[8]


Der asiatisch-pazifische Anti-China-Pakt

Die neuen Sanktionen sind Teil einer neuen Offensive gegen China, die von den USA forciert und von den Mächten Westeuropas zumindest teilweise mitgetragen wird. Die Biden-Administration hält nicht nur an Trumps Sanktionspolitik gegen Huawei und zahlreiche weitere chinesische High-Tech-Konzerne fest; sie dehnt sie sogar weiter aus: Vergangene Woche wurde etwa mit Hytera ein Unternehmen auf eine Sanktionsliste gesetzt, dessen Technologie unter anderem von Polizei und Rettungsdiensten der Niederlande, von diversen Verkehrsbetrieben in Deutschland und von der Bundeswehr genutzt wird. Die Folgen der US-Listung für die EU sind unklar.[9] Darüber hinaus setzt die Biden-Administration die unter Trump gestarteten Bestrebungen fort, mit dem "Quad" ("Quadrilateral Security Dialogue") ein hart antichinesisches Bündnis in der Asien-Pazifik-Region zu schmieden. Vergangenen Freitag kamen die Staats- und Regierungschefs der vier beteiligten Staaten online zum ersten Quad-Gipfeltreffen zusammen. Beschlossen wurde unter anderem, eine Milliarde Impfdosen des US-Vakzins von Johnson & Johnson in Indien zu produzieren und sie gemeinsam bis Ende 2022 in der Asien-Pazifik-Region zu verteilen, erklärtermaßen, um China als Vakzinlieferant das Wasser abzugraben.[10] Weitere gemeinsame Maßnahmen sollen folgen.


Die Pacific Deterrence Initiative

Auch militärisch knüpft die Biden-Administration an den von Trump forcierten Aufmarsch der US-Streitkräfte im "Indo-Pazifik" [11] an. Die Trump-Administration hat unter anderem die Patrouillen von US-Kriegsschiffen im Südchinesischen Meer ausgeweitet; in den Jahren 2019 und 2020 fuhren US-Marineschiffe dort jeweils zehnmal in die Zwölf-Meilen-Zonen vor von China beanspruchten Inseln ein, doppelt so oft wie im Jahr 2014. Zudem durchquerten US-Kriegsschiffe die Taiwan-Straße 13 Mal - die höchste Zahl in den vergangenen 14 Jahren.[12] Anfang März wurde bekannt, dass der Kommandeur des U.S. Indo-Pacific Command, Admiral Philip Davidson, dem US-Kongress einen 27,3 Milliarden US-Dollar teuren Plan vorgelegt hat, dessen Erstellung noch unter Trump begonnen wurde und der nun unter Biden energische Schritte zur Militarisierung des Pazifik vorsieht. Eines der darin enthaltenen Programme ("Pacific Deterrence Initiative") ist dem zentralen US-Programm für den Aufmarsch gegen Russland nachempfunden ("European Deterrence Initiative").[13] Geplant ist unter anderem die Stationierung von US-Mittelstreckenraketen auf der sogenannten Ersten Inselkette von Japan über Taiwan und die Philippinen bis nach Borneo.[14]


Wer auf wen verzichten kann

Die Bundesregierung beteiligt sich an dem militärischen Aufmarsch gegen China vor allem mit der Entsendung der Fregatte Bayern nach Ostasien, wo sie auch das Südchinesische Meer durchqueren soll.[15] Hemmend wirkt sich freilich aus, dass die deutsche Wirtschaft - forciert durch die Coronakrise - stärker denn je auf das Chinageschäft angewiesen ist und ihre Aktivitäten in der Volksrepublik immer weiter ausweitet. Die Volksrepublik könne es sich "sehr wohl leisten, notfalls auf den deutschen Markt zu verzichten", urteilte vor kurzem der frühere Siemens-Chef Joe Kaeser: "Umgekehrt ist das nicht der Fall."[16]

 

[1] EU will Sanktionen gegen China verhängen. tagesschau.de 17.03.2021.

[2] Maas für Sanktionen gegen China. sueddeutsche.de 15.03.2021.

[3] S. dazu Die Weltenrichter (II).

[4] Austin Ramzy, Tiffany May: U.S. Imposes Sanctions on Chinese Officials Over Hong Kong Crackdown. nytimes.com 08.12.2020.

[5] Hong Kong Autonomy Act Update. Press Statement. Antony J. Blinken, Secretary of State. March 17, 2021.

[6] Chinese envoy warns EU against sanctions over Xinjiang. news.cgtn.com 17.03.2021.

[7] Foreign Ministry Spokesperson Announces Sanctions on Pompeo and Others. fmprc.gov.cn 20.01.2021.

[8] Demetri Sevastopulo, Yuan Yang: China imposes sanctions on Trump officials including Mike Pompeo. ft.com 22.01.2021.

[9] Nele Husmann: So treffen US-Sanktionen gegen China die deutsche Bundeswehr. wiwo.de 17.03.2021.

[10] Abhijnan Rej: In 'Historic' Summit Quad Commits to Meeting Key Indo-Pacific Challenges. thediplomat.com 13.03.2021.

[11] Zum Begriff "Indo-Pazifik" s. auch Deutschland im Indo-Pazifik (I).

[12] Lolita C. Baldor: Sharp jump in US navy transits to counter China under Trump. apnews.com 15.03.2021.

[13] Paul McLeary: Indo-Pacific Commander Delivers $27 Billion Plan to Congress. breakingdefense.com 01.03.2021.

[14] US to build anti-China missile network along first island chain. asia.nikkei.com 05.03.2021.

[15] S. dazu Die neue deutsche Kanonenbootpolitik (II).

[16] S. dazu Das asiatische Jahrhundert.


Info: https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/8555 

17.03.2021

Impfexperte warnt vor Impfung.

heise.de, vom 12.03.2021 13:54

Der belgische Wissenschaftler Geert Vanden Bossche,er hat seine ganze Karriere der Erforschung von Impfstoffen gewidmet, an Universitäten ebenso wie beim Impfstoff-Konzern GSK oder im Auftrag der Gates Foundation. Der Wissenschaftler hat ein Arbeitspapier für die Öffentlichkeit vorgestellt.


Zitat: Ich habe alle zuständigen Gesundheits- und Aufsichtsbehörden alarmiert, einschließlich WHO, CDC, FDA usw. und gebeten, meine Bedenken zu berücksichtigen und sofort die Diskussion über die katastrophalen Folgen zu eröffnen, die ein weiteres Entweichen von Covid-19 aus der Immunität haben würde.


"Ich bin mehr als besorgt über die katastrophalen Auswirkungen, die dies auf unsere menschliche Rasse haben würde. Die Menschen würden nicht nur den Impfschutz verlieren, sondern auch ihre kostbare, angeborene Immunität wäre enorm geschwächt", erklärte er Anfang März in einem Vortrag am "Vaccines Summit" in Ohio, USA. "Bereits in den ersten Semestern an der Universität lernen die Studenten einen Kernsatz der Immunologie: Wenn sich Viren vor dem Hintergrund einer nicht optimalen Immunantwort vermehren, so ermöglicht das die Immunflucht hoch mutierender Viren." Und das, so Bossche passiert derzeit über die Impfkampagne. "Ich habe noch nie etwas so ernst gemeint, wie diese öffentliche Warnung."


Ohne Impfungen würde der Großteil der Bevölkerung die neuartigen Viren problemlos neutralisieren. "Ermöglicht wird das durch ein kompetentes angeborenen Immunsystem, das vor allem auf natürliche Killerzellen sowie rasch gebildete IgM-Antikörper baut." Speziell die jüngere Bevölkerung würde dabei nicht mal besondere Symptome zeigen und eine natürliche Immunität gegen die Viren aufbauen. Dies, so Bossche führt zu einer Herdenimmunität, welche dann auch den Risikogruppen Schutz bietet. In der Folge wären die SARS CoV-2 Viren "gezähmt" und unterscheiden sich in ihren Auswirkungen nicht mehr wesentlich von den sonstigen, längst endemischen Coronaviren.


Wenn hingegen mitten in einer aktive Infektion hinein geimpft wird, so führt das zu dramatisch anderen Abläufen im Immunsystem, warnt der Wissenschaftler, denn "Massen-Impfkampagnen beschleunigen das Auftreten von noch infektiöseren Virus-Varianten."


Grundsätzlich bedeutet das auch ein höheres Risiko für bislang ungeimpfte Personen, weil die Viren neben einer höheren Infektiosität auch andere unangenehme Eigenschaften annehmen können.


Die höchste Gefahr betrifft jedoch ältere Menschen mit schwächerem Immunsystem, die bereits ihre Impfung erhalten haben. "Da die im Zuge der Impfung gebildeten Antikörper vor allem das Spike-Protein der Covid-19 Viren angreifen, wird das Virus nun vermehrt Mutationen in diesem speziellen Teil des Spike-Proteins forcieren, da diese es dem Virus am ehesten ermöglichen, den impf-induzierten Antikörpern zu entkommen", erklärt Vanden Bossche. "Dies wird unweigerlich eine Resistenz gegen den Impfstoff hervorrufen. Als Folge der Massenimpfung werden speziell die älteren Menschen, die als erste geimpft wurden, plötzlich nicht mehr geschützt sein und trotz Impfung einer Welle von katastrophaler Morbidität und Mortalität zum Opfer fallen."


Doch auch in der jüngeren Altersgruppe wirkt die Impfung kontraproduktiv. "Denn die durch die Impfung erzeugten, spezifischen Antikörper verdrängen die breit schützenden IgM-Antikörper unserer normalen Immunabwehr, da diese nicht so fest an die Viren binden können wie die Impf-Antikörper." Die neuen zirkulierenden Corona-Mutanten könnten deshalb der unspezifischen Linie der Immunabwehr des Wirts entkommen. "Und somit werden auch die Personen außerhalb der Risikogruppen anfälliger für schwere Krankheitsverläufe."


Nicht umsonst kommen die aktuellen Mutationen des Virus aus Ländern, wo davor die meisten Impfstoff-Studien durchgeführt wurden: aus Brasilien, England und Südafrika.


Geert van den Bossche appelliert eindringlich, die weltweite Impfkampagne sofort einzustellen. Ansonsten steigt die Gefahr, dass wir es bald mit israelischen und anderen Super-Mutanten zu tun bekommen.


Info: https://www.heise.de/forum/Telepolis/Kommentare/Corona-Daenemarks-Sonderwege/Impfexperte-warnt-vor-Impfung/posting-38533821/show Dokument https://mcusercontent.com/92561d6dedb66a43fe9a6548f/files/ee29efbe-ffaf-4289-8782-d323642a0072/concern_about_using_current_Covid_19_vaccines_for_mass_vaccination_in_the_midst_of_a_pandemic_Geert_Vanden_Bossche.pdf  



Weiteres:



Werden Viren durch Veränderung gefährlicher und hat Bossche recht?


tkp.at, Gesundheit, vom17. März 2021

Seit Dezember hören wir, dass die „Mutationen“ des Virus so viel gefährlicher geworden sind, wir deshalb 2 Meter Abstand halten müssen und die Produzenten von FFP2 Masken durch eifriges Kaufen unterstützen müssen und bald schon täglich testen müssen, egal ob wir gesund sind oder nicht. Unterstützt wird die Geschichte nun auch von einem Geert Vanden Bossche, der originellerweise die Impfung verantwortlich macht für neue, noch zu findende, ganz gefährliche Mutationen. Man brauche also eine noch viel bessere Impfung, so sein Schluss.


Zitat: Ich habe kürzlich über den Artikel von Ex-Pfizer Chief Science Office Michael Yeadon berichtet, der sich mit den „ Mutationen“ befasst und der Frage nachgeht ob sie gefährlicher sind und ob es Immunevasion gibt. Yeadon belegt mit einer Reihe wissenschaftlicher Studien, dass weder die Veränderungen zu mehr Infektiosität noch zu höherer Gefährlichkeit führen und dass eine Immunevasion keineswegs stattgefunden hat und auch durch weitere Veränderungen nicht stattfinden wird, zumindest in absehbarer Zeit. Ausgetauscht wurden lediglich einige Aminosäuren und zwar im Ausmaß von 0,3%, 99,7% des Virusgenoms sind identisch bei allen Varianten. Von Mutationen kann man wissenschaftlich korrekt erst sprechen, wenn Gene verändert werden, was aber nicht passiert ist.


Als Nachbemerkung habe ich mich zu den Vorträgen, Videos und Veröffentlichungen von Geert Vanden Bossche geäußert, die ich für ziemlich falsch halte und die eher im Interesse seiner früheren Arbeitgeber – der Gates Foundation und der GAVI Impfallianz – liegen als in dem der Menschen.


Im Defender der Childrens Health Defense ist nun ein ausführlicher Artikel von Rosemary Frei erschienen, der im Detail nachweist wie wenig die Behauptungen von Bossche mit den wissenschaftliche Erkenntnissen übereinstimmen und sich mit den „grauen“ Hintergründen von Bossche beschäftigt.


Die Behauptungen von Bossche

Am 6. März wurden ein offener Brief von Geert Vanden Bossche, Ph.D., DVM, und ein Video-Interview von ihm durch Phillip McMillan, MD, von einer Firma namens Vejon Health, online gestellt.


Oberflächlich betrachtet, scheint Vanden Bossche vielleicht glaubwürdige Bedenken über COVID anzusprechen. Er sagt, dass die aktuell verwendeten COVID-Impfstoffe das neuartige Coronavirus zu einem „superinfektiösen Virus“ mutieren lässt. Und deshalb fordert er einen sofortigen Stopp der Verwendung der aktuellen Impfstoffe. Hier haben zumindest bei mir die Alarmglocken geläutet, denn für „superinfektiöse neue Viren“ gibt es bisher nicht den geringsten wissenschaftlichen Beleg. Es ist vielmehr die Geschichte, mit der in vielen Ländern immer härtere und weitergehende Maßnahmen durchgesetzt werden sollen, an denen aber nur die Pharmaindustrie verdient.


Und Bossche weiter: Wenn der Mensch „sich dem Fortbestand unserer Spezies verpflichtet fühlt, haben wir keine andere Wahl, als diese hochinfektiösen Virusvarianten“ durch „große Impfkampagnen“ auszurotten, behauptet er am Ende seines offenen Briefes. Allerdings, so fährt er fort, müssten diese neuen Impfstoffe im Gegensatz zu den derzeit verwendeten COVID-Impfstoffen auf die Stimulation der Massenproduktion der als natürliche Killerzellen bekannten Komponente des Immunsystems setzen.


Vanden Bossche stützt seine Ansichten auf unbewiesene Hypothesen. Damit ähnelt er den Autoren von Modellierungspapieren, die mit theoretischen Grundlagen Ängste vor der vermeintlichen Gefährlichkeit der neuen Varianten schüren, und knüpft an diese an, so Rosemary Frei.


Die weitere Verbreitung der Story von Bossche

Trotzdem wurden Vanden Bossches Ansichten sehr schnell und positiv von hochkarätigen Impfskeptikern wie Del Bigtree in seiner Episode vom 11. März (ab 57:25) und Vernon Coleman in seinem Video und Artikel vom 13. März aufgenommen.


Bigtree und Coleman akzeptieren und verstärken praktisch unhinterfragt Vanden Bossches Ansichten. Sie unterstellen ihren gutgläubigen Abonnenten nachdrücklich, dass praktisch keine Überprüfung der Fakten oder ein Innehalten zum nüchternen Nachdenken erforderlich ist.

Das Narrativ von Bossche zieht offenbar rasch weitere Kreise, mittlerweile werden seine falschen Behauptungen sogar schon in einem Artikel in Rubikon wiederholt.

Rosemary Frei charakterisiert den Plot von Vanden Bossche wie folgt:

„Aber aus meiner Erfahrung als ehemaliger langjähriger medizinischer Autor und Journalist (1988-2016) – insbesondere ein viermonatiger Einsatz beim Media-Relations-Giganten FleishmanHillard im Jahr 1994 (ja, ich habe für die dunkle Seite gearbeitet) – hat dies alle Merkmale einer Astroturf-Kampagne der Pharmaindustrie. Es ist ein weiterer Schritt in der jahrzehntelangen Auslöschung der Tatsache, dass unsere hochentwickelten und hocheffektiven Immunsysteme gut funktionieren und keine Unterstützung durch die biomedizinische/pharmazeutische Industrie benötigen.

Es gibt reichlich Beweise dafür, dass Vanden Bossche eine nicht ganz so versteckte Agenda hat. Zum Beispiel, kurz vor der Drei-Minuten-Marke in dem Video-Interview von McMillan mit Vanden Bossche, deutet Vanden Bossche an, dass er ein langjähriger Impfstoffentwickler ist. Er fügt hinzu, dass er sich jetzt auf Impfstoffe konzentriert, die „das Immunsystem auf eine Art und Weise erziehen, die in gewissem Maße effizienter ist, als wir es jetzt mit unseren konventionellen Impfstoffen tun.“ Offensichtlich hat er erhebliche Interessenkonflikte. Daher hat er null Glaubwürdigkeit, wenn es darum geht, die Öffentlichkeit oder irgendjemand anderen darüber zu beraten, wie man negative Auswirkungen von Massenimpfungen vermeiden kann.“

Hier einige Punkte, die zeigen was die Agenda von Bossche wirklich ist:

  1. In seinem offenen Brief schreibt Vanden Bossche: „Ich kann Ihnen versichern, dass jeder der aktuellen Impfstoffe von brillanten und kompetenten Wissenschaftlern entworfen, entwickelt und hergestellt wurde.“ Allerdings verliert er kein Wort über die massive Nebenwirkungsrate und das sehr dürftige Wirksamkeitsprofil der Impfstoffe, die von diesen „brillanten Wissenschaftlern“ entwickelt wurden.
  2. Vanden Bossche behauptet auch, dass es eine „ständig[-]wachsende Bedrohung durch sich schnell ausbreitende, hochinfektiöse Varianten“ gibt. Aber zu den bisherigen neuen Varianten, gibt es keinen Beweis dafür, dass sie hoch infektiös sind.
  3. Es besteht die Möglichkeit einer viralen Resistenz. Aber es ist nicht die große Bedrohung, vor der Vanden Bossche uns zu erschrecken versucht, indem er sagt, dass das Virus aufgrund der aktuellen Massenimpfkampagnen wahrscheinlich so sehr und so schnell mutieren wird, dass es bald allen aktuellen Versuchen entkommen könnte, seine Ausbreitung zu stoppen. Erinnern wir uns daran, dass die jährliche Massenimpfung gegen Grippe nicht dazu geführt hat, dass die Grippe außer Kontrolle geriet und die Weltbevölkerung dezimierte.
  4. Vanden Bossche schreibt auch, dass einige Antikörper vom angeborenen Immunsystem gebildet werden, aber dass diese „natürlichen“ Antikörper unspezifisch sind. Er stellt auch fest, dass sie eine „suboptimale“ „Reife haben und „eher begrenzt und nur kurzlebig sind.“ Er behauptet, dass sie ein sehr schwaches Glied in unserer Immunreaktion auf Krankheitserreger wie das neuartige Coronavirus sind: „Die Kombination von viraler Infektion auf einem Hintergrund suboptimaler Antikörper-Reife und -Konzentration ermöglicht es dem [neuartigen Coronavirus], Mutationen zu selektieren [wodurch] es ihm ermöglicht wird, dem Immundruck zu entkommen.“

Auch dafür bleibt Bossche jeden Beweis schuldig. In dem Artikel von Mike Yeadon und Mrc Gitardotwerden genau diese Punkte behandelt und widerlegt.


Vanden Bossche drängt auf die Notwendigkeit von „großen Impfkampagnen“. Diese, schreibt er, sollten für „NK [natural-killer]-Zell-basierte Impfstoffe“ sein, die „in erster Linie unsere natürliche Immunität besser vorbereiten … und eine Herdenimmunität induzieren.“

Aber es ist nicht sehr logisch zu glauben, dass die einzige Lösung für die theoretische Möglichkeit einer Immunitätsflucht, wie sie von jemandem vertreten wird, der sich seit langem stark auf Impfungen im Gegensatz zu anderen Möglichkeiten zur Verbesserung der Gesundheit konzentriert, noch mehr Massenimpfungen sind.

Ich bin auch der Meinung, dass wir die Verwendung der aktuellen Impfstoffe stoppen sollten. Dies aber wegen der extremen Nebenwirkungen, die diese experimentellen Präparate haben. Ich vertrete seit einem Jahr, dass es bekannte und hochwirksame Möglichkeiten gibt, das Immunsystem zu stärken sowie Protokolle für Prävention und erfolgreiche frühzeitige Behandlung. Das Problem: Die Verdienstchancen für die Pharmabranche wären dadurch reduziert.


(siehe auch)



Info:  https://tkp.at/2021/03/17/werden-viren-durch-veraenderung-gefaehrlicher-und-hat-bossche-recht

17.03.2021

Impffragen im Zusammenhang mit COVID-19 Teil I

anthromedics.org, Letzte Aktualisierung: 05.03.2021, Georg Soldner, David Martin

Gegenwärtiger Status und Vorschlag einer Registerstudie zur Überwindung sozialer Polarisierungstendenzen und Beantwortung offener Forschungsfragen


Dieser Beitrag erscheint in gedruckter Form im Merkurstab-Heft 2021/2.


Zitat: Zusammenfassung

Für die Überwindung der COVID-19-Pandemie ist die Impffrage von wesentlicher Bedeutung. Es ist als außergewöhnliche Leistung zu würdigen, dass es gelungen ist, in sehr kurzer Zeit eine beeindruckende Vielfalt von wirksamen COVID-19-Impfstoffen zu entwickeln. Die folgende Darstellung geht detaillierter auf die innovativen mRNA- und Vektorimpfstoffe ein. Dabei wird auch die Veränderung der Impfpraxis durch Einrichtung von Impfzentren diskutiert. Für eine Impfempfehlung im Kindesalter besteht derzeit keine Grundlage. Wahrscheinlich tragen die aktuellen Impfstoffe zu einer Verringerung der Virustransmission bei. Inwieweit dadurch eine sogenannte „Herdenimmunität“ erreicht werden kann, ist offen. Gleiches gilt für Umfang und Dauer des Impfschutzes in den verschiedenen Altersgruppen für seltene und sehr seltene, schwerwiegende Nebenwirkungen. Das gilt in erhöhtem Maß für die Frage des Impfschutzes gegenüber Mutationen des SARS-CoV-2-Virus (1). Schließlich ist es derzeit noch nicht möglich, die verschiedenen Impfstoffe und Impfstofftypen hinsichtlich Wirksamkeit und Risiken vergleichend zu bewerten. Das gilt auch, falls die Zweitimpfung eines Impfstoffs in unterschiedlichen Zeitabständen zur Erstimpfung erfolgt. Der entscheidende Beobachtungszeitraum für seltene, schwerwiegende oder erst in einer längeren Nachbeobachtungszeit sich manifestierende Nebenwirkungen ist derjenige, in dem ein Impfstoff erstmals breit in einer Bevölkerung eingesetzt wird – und gleichzeitig eine ausreichende Anzahl von Menschen nicht oder noch nicht geimpft worden sind, die biologisch und soziologisch mit den Geimpften hinreichend vergleichbare Eigenschaften aufweisen. Eine indirekte Impfpflicht oder berufsgruppenbezogene Impfpflicht für medizinisches Personal werden auf diesem Hintergrund diskutiert. Ein zentrales Impfregister mit zuverlässiger Pseudonymisierung bei individueller Impfentscheidung der Bürger ohne offene oder versteckte Diskriminierung könnte sowohl hinsichtlich der sozialen Integration unterschiedlich optierender Bürger wie hinsichtlich einer Optimierung wissenschaftlicher Evidenzgewinnung eine solide Grundlage bieten.


Vorbemerkung und persönliche Stellungnahme

Die Autoren hoffen, mit ihrem Vorschlag eines pseudonymisierten COVID-19-Impfregisters einen Beitrag zu leisten gegen die Polarisierung, die zu entstehen droht, wenn eine Gesellschaft verschiedene Positionen zu noch offenen medizinischen Fragen nicht aktiv wertschätzt. Eine nicht verurteilende, wissenschaftliche Begleitung der Menschen mit ihren persönlichen COVID-19-Impfentscheidungen bietet zugleich die beste Chance, rasch die noch offenen Fragen zu COVID-19-Impfungen glaubwürdig zu beantworten.


Impfgeschichte und Voraussetzungen

Was können wir aus der Geschichte des Impfens lernen – Das Beispiel PoliomyelitisEine verträgliche, wirksame Schutzimpfung in einer Pandemie ist grundsätzlich eine wünschenswerte und effektive medizinische Präventionsmaßnahme. Das gilt auch, wenn prozentual nur wenige der Infizierten schwer betroffen sind wie bei COVID-19 (2). Erinnert sei hier an die Polio-Pandemie um die Mitte des 20. Jahrhunderts, die ebenfalls nur bei einem kleinen Teil der Infizierten schwere Krankheitsverläufe und Todesfälle auslöste und deren Hauptrisikogruppe Kinder im Kindergarten- und frühen Schulalter waren (3). Eine Polio-Infektion führt bei ca. 0,1 % der Infizierten zu einer paralytischen Polio und kann je nach Schwere bei 5–60 % dieser schwer Betroffenen letal enden, also bei ca. 0,01 % aller Infizierten (4). Bei den Überlebenden können leichte bis sehr schwere Lähmungserscheinungen zurückbleiben und Jahrzehnte später ein Post-Polio-Syndrom auftreten. Alle werden es wohl als großen Fortschritt bezeichnen, in einem poliofreien Land leben zu können. (An dieser Stelle möchten die Autoren den italienischen Arzt und langjährigen Präsidenten der Internationalen Vereinigung Anthroposophischer Ärztegesellschaften (IVAA) Giancarlo Buccheri (5) gedenken, der seit der Kindheit die Folgen einer paralytischen Poliomyelitis mit sich trug. Er verstarb im April 2020 in Mailand an COVID-19.)

Im Vergleich mit der Polio beleuchten wir damit einen weiteren, für das Impfthema relevanten und oft diskutierten Aspekt der COVID-19-Pandemie, nämlich die prozentual relativ mäßige Morbidität und Mortalität bezogen auf die Gesamtzahl der Infektionen und Gesamtbevölkerung. So, wie COVID-19 erhebliche Sonderanstrengungen des Gesundheitswesens erfordert (insbesondere intensivmedizinisch), um schwer erkrankte Patienten adäquat versorgen zu können, war das auch während der Polio-Pandemie der Fall („eiserne Lunge“, Sonderabteilungen, umfangreiche Reha-Programme bis hin zur Versorgung von Post-Polio-Syndromen), bis die Impfprogramme wirksam wurden.

Die orale Impfung gegen Polio (OPV) hat sich dabei als sehr wirksames Instrument erwiesen, diese Pandemie zu beenden, weil sie nicht nur die Ansteckung, sondern auch die Weitergabe des Virus durch Infizierte verhindern kann. Gleichwohl ruft dieser Impfstoff bei einem von 2,7 Millionen Geimpften eine paralytisch verlaufende „Impfpolio“ hervor, bei Menschen mit Immundefekt wesentlich häufiger. Diese extrem seltene, schwerwiegende „Neben“-Wirkung des oralen Polioimpfstoffs mit abgeschwächten Lebendviren hat andererseits dazu geführt, dass er heute in poliofreien Ländern wie Deutschland als zu risikoreich angesehen und durch einen „Totimpfstoff“ mit inaktiviertem Virusmaterial ersetzt worden ist (IPV). Eine weltweite Eradikation der Poliomyelitis ist bis heute ebenso wenig gelungen, wie auch bei den Masern. Dazu haben vor allem politisch-religiös bedingte Schwierigkeiten in der Umsetzung einer global flächendeckenden Polio-Immunisierung beigetragen (Afghanistan, Pakistan). Hinzu kommt, dass heute vom oral gegebenen Lebendimpfstoff abgeleitete, mutierte Polioviren (cVDPVs) in Afrika zirkulieren (6, 7). Wie schwierig globale Eliminationsprogramme zu realisieren sind, zeigt auch das Beispiel der Masernviren: 2019 erreichte die Zahl gemeldeter Infektionen die Höhe von 1996, mit einer weltweit betrachteten Mortalität von mehr als 20 % (8). Diese Beispiele deuten darauf hin, dass eine baldige Elimination von SARS-CoV-2 durch flächendeckende Impfungen nicht wahrscheinlich ist, zumal im Gegensatz zu Masern viele Infizierte keine Krankheitssymptome entwickeln und der Masernimpfstoff mit abgeschwächten Masernviren eine “sterile Immunität” bewirken kann, während für die aktuellen COVID-Impfstoffe eher wahrscheinlich ist, dass sie die Virustransmission durch Geimpfte verringern (9), aber nicht vollständig verhindern können. Es ist wahrscheinlich, dass SARS-CoV-2 längerfristig endemisch werden kann, eventuell dann in Form einer in der Regel harmlos verlaufenden Primärinfektion in der Kindheit (10). Mutationen können allerdings die Pathogenität des Virus auch ungünstig verändern. In Bezug auf die Impfstoffsicherheit erhellt das Beispiel Impfpolio bei OPV, dass Studien mit ca. 30.000 bis 40.000 Beteiligten, wie sie jetzt den Zulassungsbehörden in den USA, dem Vereinigten Königreich und der European Medicines Agency (EMA) eingereicht wurden (11, 12, 13, 14, 15), keineswegs geeignet sind, seltene, aber global hoch relevante schwerwiegende Risiken von Impfstoffen ausreichend zuverlässig zu erfassen. Da andererseits Zulassungsstudien mit z. B. 30 Millionen Beteiligten ebenfalls kaum denkbar sind, zeigt das Beispiel der oralen Poliovakzine, dass ein entscheidender Beobachtungszeitraum für seltene schwerwiegende Nebenwirkungen eben derjenige ist, in dem ein Impfstoff erstmals flächendeckend in einer Bevölkerung verabreicht wird – und gleichzeitig eine ausreichende Anzahl von Menschen nicht oder noch nicht geimpft worden sind, die biologisch und soziologisch mit den Geimpften hinreichend vergleichbare Eigenschaften aufweisen. Nur so können sehr seltene, schwerwiegende oder auch erst in einer längeren Nachbeobachtungszeit sich manifestierende unerwünschte Wirkungen eines Impfstoffes erfasst werden.


Spezifische und unspezifische Effekte von Impfungen

Impfungen haben einen spezifischen Schutzeffekt und unspezifische Effekte. Diese können unspezifisch das Immunsystem schwächen oder stärken. So zeigen die Studien von Aaby (16, 17, 18) für sehr arme Länder, dass inaktivierte Impfstoffe im ersten Lebenshalbjahr die Gesamtsterblichkeit von Kleinkindern erhöhen und Lebendimpfstoffe wie die Masernimpfung umgekehrt die Gesamtsterblichkeit überproportional senken können. Eine große japanische Studie an mehr als 100.000 Kindern ergab kürzlich deutliche Hinweise darauf, dass inaktivierte Impfstoffe in den ersten sechs Lebensmonaten z. B. die Asthmarate mit 12 Monaten der entsprechend früh geimpften Kinder deutlich erhöhen können (19). Dies steht im Einklang mit anderen, zum Teil noch in Publikation befindlichen Studien. Auch bei den neu entwickelten SARS-CoV-2-Impfstoffen ist mit unspezifischen Impfeffekten zu rechnen, die aufgrund der Vielfalt verwendeter Impftechnologien sehr unterschiedlich ausfallen können. Sowohl unerwünschte als auch erwünschte Effekte (z. B. Kreuzimmunität gegen andere Erreger) sind möglich. Das Erfassen unspezifischer Effekte, die überraschend ausfallen können, setzt meist längere Beobachtungszeiträume als in den Zulassungsstudien und ausreichend große, möglichst vergleichend erfasste Kollektive voraus (20).


Was ermöglicht eine Kombination von Impfregister und freier Impfentscheidung?

Schon die bisherige Betrachtung erhellt, dass unter dem Gesichtspunkt einer nachhaltigen Optimierung von Wirksamkeit und Sicherheit einer COVID-19-Impfschutzstrategie der Zeitpunkt der Neueinführung dieser Impfstoffe mit begrenztem Angebot und geteilter Bereitschaft der Bevölkerung zur Akzeptanz der Impfung ideale Bedingungen bietet, die Gruppe der Geimpften und derjenigen, die aktuell nicht oder noch nicht geimpft werden können oder wollen, in einem Register zu erfassen und wissenschaftlich zu begleiten. Die politisch-rechtliche Debatte einer allgemeinen oder berufsspezifischen Impfpflicht erscheint nicht nur aufgrund des limitierten Wissens zu Sicherheit und Wirksamkeit der diversen Impfstoffe und ihrer verfassungsrechtlichen Problematik, sondern auch aus Sicht einer langfristigen Impfstrategie verfehlt. Nur ein sauberes vergleichendes Erfassen Geimpfter und Ungeimpfter wird mittelfristig diejenigen Antworten geben können, auf die eine informierte Öffentlichkeit eines demokratischen Staates ein Recht hat und die zu nachhaltig evidenzbasierten Impfempfehlungen – nicht nur für sogenannte Risikogruppen – führen können. Dies gilt in erhöhtem Maße, wenn die aktuell zirkulierenden Virusmutanten deutlich von den Gegebenheiten zum Zeitpunkt der Zulassungsstudien abweichen und von Experten mittelfristig ein abnehmender Impfschutz gegenüber Mutationen des SARS-CoV-2 befürchtet wird (21).

Das Register muss hinsichtlich Datenschutzes und Datensicherheit absolut vertrauenswürdig sein. Hierfür ist ein Impfregister geeignet, wie es die Deutsche Gesellschaft für Epidemiologie vorschlägt, mittels pseudonymisierter Registrierung der Geimpften. Durch deren Verknüpfung mit Krankenversicherungsdaten via einer Vertrauensstelle können Geimpfte und nicht Geimpfte zeitnah hinsichtlich des Auftretens schwerwiegender Ereignisse verglichen werden. Die vom BMG geplante separate Datenerfassung beim RKI ist demgegenüber nach Ansicht von Experten hierfür nicht geeignet (22, 23, 24).

Der Vorteil einer freien und durchaus unterschiedlich ausfallenden individuellen Impfentscheidung, die einen hohen – wenngleich nicht absoluten (25) – verfassungsrechtlichen Schutz genießt, ist unseres Erachtens evident. Ein entsprechend geführtes Impfregister für SARS-CoV-2-Impfungen , das darüber hinaus die Herausforderung diverser Impfstoffe unterschiedlicher Technologien erfasst, erscheint von daher als beste Lösung, um sowohl impffreudige als auch impfskeptische Menschen zu würdigen und rasch zu einem befriedigenden Evidenzniveau in Bezug auf Wirksamkeit und Sicherheit der diversen SARS-CoV-2-Impfstoffe zu gelangen. Inwieweit auch noch ein „dritter Arm“ denkbar wäre, in dem sich – bei zunächst limitiertem Impfstoffangebot – unschlüssige oder wissenschaftsunterstützende Bürger im Rahmen dieser Registerstudie randomisieren lassen in Bezug auf unterschiedliche Impfungen oder Impfzeitpunkte. Ein solches breit angelegtes wissenschaftliches Vorgehen wäre am ehesten geeignet, auch sozial integrierend zu wirken und einer Polarisierung in Bezug auf die Impffrage entgegenzuwirken. Eine zentrale Voraussetzung bildet dabei die zuverlässige Pseudonymisierung dieses Registers , da gerade bei dieser Impfung die Gefahr einer Diskriminierung Ungeimpfter primär nicht ausgeschlossen werden kann und Datenpannen schwerwiegende Auswirkungen zur Folge haben könnten. Nur so wird allseits das notwendige Vertrauen der Bürger geschaffen und gestärkt werden können.


Welche Voraussetzungen sind bei SARS-CoV-2-Impfungen zu beachten?

Zu den Nebenwirkungen der in Deutschland zugelassenen mRNA-Impfstoffe berichtet der wöchentlich erfolgende Sicherheitsreport des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) sowie die Europäische Arzneimittelzulassungsbehörde EMA (26). Darin werden bis auf allergische Reaktionen und grippeähnliche Symptome keine schwerwiegenden Nebenwirkungen der in den USA und Europa ursächlich auf die neu zugelassenen Sars-CoV-2-Impfstoffe zurückgeführt. Das gilt auch für die mehr als 100 Todesfälle, die dem PEI bis Ende Januar 2021 nach Impfung gemeldet wurden, auch wenn sie nur eine Stunde nach Impfung eingetreten sind. Statistisch übersteigt “die beobachtete Anzahl an Todesfällen nach Impfung die erwartete Anzahl Todesfälle ohne Impfung nicht” (27). Allerdings treten bei beiden Impfstoffen in den Zulassungsstudien Fazialisparesen numerisch häufiger als unter Placebo auf (28). Grundsätzlich gewinnen die Autoren aus der Vielzahl dazu publizierter Berichte und mündlichen Mitteilungen den Eindruck, dass die bisher in Deutschland eingesetzten mRNA-Impfstoffe eine ausreichende vitale Reaktionsfähigkeit des Organismus erfordern. Die Ständige Impfkommission Deutschlands (STIKO) formuliert: “Auch bei sehr alten Menschen oder Menschen mit progredienten Krankheiten, die sich in einem schlechten Allgemeinzustand befinden, muss die Impffähigkeit gegeben sein. Bei diesen Gruppen sollte ärztlich geprüft werden, ob ihnen die Impfung empfohlen werden kann.” (29) An gleicher Stelle warnt die STIKO vor möglichen überschießenden Impfreaktionen nach durchgemachter COVID-Infektion.

Wirksamkeit wie Nebenwirkungen hängen grundsätzlich vom Impfstoff und den Geimpften ab. Es gibt keine nebenwirkungsfreien Impfstoffe (16). Insofern beinhaltet jede Impfung auch ein Risiko für den Geimpften, auch wenn es statistisch selten oder sehr selten sein kann. Das erfordert rechtlich eine adäquate Aufklärung des Geimpften bzw. seiner rechtlichen Vertreter und die bewusste Einwilligung (30).

Schriftliches Aufklärungsmaterial alleine wird rechtlich nicht als ausreichend angesehen, es muss auch die Möglichkeit für Rückfragen geben. Besonders schwierig gestaltet sich die Aufklärung, wenn

  • der Impfstoff eine noch nie breit am Menschen eingesetzte Technologie verwendet und
  • Wirksamkeit und Nebenwirkungen des Impfstoffes am Menschen erst seit wenigen Monaten erfasst werden.

Darüber hinaus sind bei keiner Schutzimpfung der Ausschluss von Kontraindikationen aufgrund individueller Anamnese verzichtbar. Dies ergibt sich eindeutig aus der einschlägigen Rechtsprechung. Bisher war wenig die Rede von einer angemessenen körperlichen Untersuchung dieser Patienten vor Durchführung der Impfung (31). Bloße „Aufklärung“ genügt nicht, um eine Schutzimpfung fachgerecht durchzuführen. Hier ist auch auf das Prinzip der Beweislastumkehr hinzuweisen, das den Impfenden bzw. für die Durchführung der Impfung verantwortlich zeichnenden Arzt trifft, sobald der begründete Verdacht besteht, dass der Geimpfte nicht vollständig fachgerecht aufgeklärt und untersucht wurde (32, 33).

Die Pandemierealität ist, dass bei der COVID-19-Impfung Anamnese und Untersuchung als irrelevant angesehen werden, bis auf die Frage nach seltenen allergischen Reaktionen auf die Inhaltsstoffe der Impflösung (PEG bei BioNTech/Pfizer, unbekannt bei AstraZeneca). Die körperliche Untersuchung wird auch als entbehrliche Infektionsübertragungsmöglichkeit betrachtet. Nur so können 40 Patienten pro Stunde von einem Arzt geimpft werden.


Bisherige Zulassungsstudien

Was wissen wir heute über die Wirksamkeit der SARS-CoV-2-Impfstoffe?Wie steht es nun um die Wirksamkeit der neuartigen SARS-CoV-2-Impfstoffe? Jeder erwartet diesbezüglich eine Antwort auf folgende Fragen:

Senkt der Impfstoff die Zahl oder verhindert er schwere COVID-19-Erkrankungen und COVID-bedingte Todesfälle, vor allem für Hochrisikogruppen?

Unterbricht er die Virustransmission (der Geimpfte ist nicht mehr ansteckend)?

Tatsache ist: Dies waren nicht die primären Endpunkte der Phase-III-Zulassungsstudien. Die primären Endpunkte waren lediglich „COVID-Ereignisse“, d. h. ein positiver Abstrich als Infektionsnachweis und ein klinisches Symptom, das sich einer SARS-CoV-2-Infektion zuordnen lässt, z. B. ein neu aufgetretener Husten (34)! Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Die Ansteckungsrate war während der Studien nicht sehr hoch und schwere COVID-19-Erkrankungen sind auch bei Infizierten selten. Bei Studiengrößen z. B. von ca. 30.000 (Moderna) bis 43.000 Teilnehmern (BioNTec/Pfizer) geht es dabei um Größenordnungen von 95 (Moderna) oder 170 COVID-19-Fällen im Sinne obiger Definition (BioNTec/Pfizer-Impfstoff), also geringe Fallzahlen in kurzen Beobachtungszeiträumen (2 Monate). P. Doshi (35), Associate Editor des British Medical Journal, nimmt dazu wie folgt Stellung: „Let’s put this in perspective. First, a relative risk reduction is being reported, not absolute risk reduction, which appears to be less than 1 %. Second, these results refer to the trials’ primary endpoint of COVID-19 of essentially any severity, and importantly not the vaccine’s ability to save lives, nor the ability to prevent infection, nor the efficacy in important subgroups (e. g. frail elderly). Those still remain unknown. Third, these results reflect a time point relatively soon after vaccination, and we know nothing about vaccine performance at 3, 6, or 12 months, so cannot compare these efficacy numbers against other vaccines like influenza vaccines (which are judged over a season). Fourth, children, adolescents, and immunocompromised individuals were largely excluded from the trials, so we still lack any data on these important populations.“ Doshi hat inzwischen seine Kritik argumentativ aktualisiert und fordert eine frühe vollständige Veröffentlichung der Studiendaten, da sich aus seiner Sicht auch die Frage nach der relativen Wirksamkeit der Impfstoffe aus den publizierten Daten bisher nicht so klar beantworten lässt wie von Herstellerseite angegeben (36).

In beiden mRNA-Impfstoffstudien hatten nach Herstellerangaben sehr viel weniger (94 bis 95 %) Geimpfte im Folgenden einen„ COVID-19-Fall“ und weniger schwere Krankheitsverläufen (9 vs. 1 in der BioNTech/Pfizer-Studie). Allein, dies sind sehr geringe Zahlen (37). Wichtig sind deshalb Studien wie diejenige von Dagan et al. aus Israel an jeweils 596.618 Geimpften und Ungeimpften (matched-pairs), die im Wesentlichen die Ergebnisse der Zulassungsstudie bestätigt und an ambulanten, wie klinisch versorgten Patienten eine Reduktion der schwerer intensivpflichtigen Krankheitsverläufe um 92 % ab dem 7. Tag nach der 2. Impfung zeigt (38). Auch die Ergebnisse der Phase-III-Studie für den russischen Vektorimpfstoff „Sputnik V” zeigen eine Wirksamkeit, insbesondere von über 90 % gegen schwere Verläufe (39). Auch für den Vektorimpfstoff von AstraZeneca deutet sich eine sehr deutliche Wirksamkeit bezogen auf schwere Verläufe an (40), die allerdings erst nach der zweiten Impfung voll beurteilbar sein wird, welche bei diesem Impfstoff idealerweise nach 8– 12 Wochen erfolgen sollte (41, 42). Das Beijing Institute of Biological Products hat am 30.12.2020 für den Impfstoff von Sinopharm mit inaktiviertem Virusmaterial in einem „brief statement“ eine Wirksamkeit nach 2 Injektionen von ca. 79,34 % „gegen die durch die neue Coronavirus-Infektion (COVID-19) verursachte Krankheit“ und eine „Konversionsrate des neutralisierenden Antikörpers von 99,52 %“ (43) angegeben. Nähere Details wurden bisher nicht veröffentlicht.


Wer wurde in den bisher gelaufenen und laufenden Studien geimpft?

  • Noch vergleichsweise wenige ältere Menschen der Hochrisikogruppen (44, 45, 46). Im Gegensatz zur EMA-Zulassung des viralen vektorbasierten Impfstoffs von AstraZeneca (47) – wobei die EMA einräumt, dass die Daten bei über 55-Jährigen nicht ausreichen – empfiehlt die deutsche Ständige Impfkommission (STIKO) diesen Impfstoff nicht für Personen über 64 Jahre (48). 
  • Bis auf Ausnahmen keine Kinder. 
  • Keine Schwangeren.

Diese Aussage gilt zunächst global für die Vielfalt aller in Entwicklung befindlichen SARS-CoV-2-Impfstoffe. Zu beachten ist dabei, dass gerade in der Altersgruppe zwischen 60 und 80 Jahren der individuelle Gesundheitszustand sehr unterschiedlich sein kann. Auch nach Lektüre der Erstpublikationen besteht kein hinreichendes Wissen darüber, wie diese Impfstoffe von älteren Geimpften vertragen werden, insbesondere von multimorbiden Patienten mit entsprechend komplexer laufender (Poly-)Medikation.

Hinsichtlich der Wirksamkeit der Impfstoffe gilt, dass diese – wie die Schwere akuter Nebenwirkungen – bei einer Impfung im Alter abnehmen kann, weil der Organismus schwächer auf den Impfstoff reagiert (49, 50). Dabei ist zu erwarten, dass sich dieser Faktor bei unterschiedlichen Impfstofftechnologien unterschiedlich auswirkt. Ob dabei der mRNA-Impfstoff bei älteren Patienten besser abschneidet als konventionelle Impfstofftechnologien, wie die etwa in China entwickelten und bereits breiter eingesetzten inaktivierten Impfstoffe, ist eine offene Frage.

Fazit: Die Wirksamkeit der neuen Impfstoffe bezogen auf gefährdete Menschengruppen können wir aus den laufenden Phase-III-Studien (Zulassungsstudien) heraus erst eingeschränkt beurteilen. Das gilt umso mehr, wenn der Zeitpunkt der zweiten Impfung im Rahmen der Primärimmunisation deutlich von den Zulassungsstudien abweichen sollte, wie es derzeit aufgrund knapper verfügbarer Impfstoffe diskutiert wird (51). Insbesondere gilt es zu betonen:

  • Noch hat kein Impfstoff bewiesen, dass er auch die Virustransmission unterbrechen und damit die Weitergabe des SARS-CoV-2-Virus verhindern kann („sterile Immunität“) – für die Pandemiekontrolle eine entscheidende Frage (52).
  • Noch kann kein Wissen vorliegen zu der Frage, wie lange die jetzt entwickelten Impfstoffe eine COVID-19-Infektionswahrscheinlichkeit verringern oder gar verhindern können. Nur bei einem Teil der Impfstoffe ist überhaupt eine Auffrischimpfung möglich; vorläufig ist die Frage völlig offen, ob und ggf. wann nach der Primärimmunisation eine Folgeimpfung notwendig ist. Diese Frage ist auch von hoher Relevanz für die Kosten und Komplexität eines Impfprogrammes – und auch sie wird erst nach einiger Zeit beantwortbar sein.
  • Durch die inzwischen weltweit zirkulierenden Mutationen des SARS-CoV-2-Virus wird es wahrscheinlicher, dass sich die Wirksamkeit der bisher entwickelten Impfstoffe gegenüber Neumutationen von SARS-CoV-2 abschwächen kann (21).

Welche Impfstoffe sind bisher entwickelt worden?

Überblickt man weltweit das Spektrum der rund 200 derzeit in Entwicklung befindlichen SARS-CoV-2-Impfstoffe (53), so sind derzeit folgende Impfstoffe „vorne im Rennen“:

  • klassische Totimpfstoffe mit inaktiviertem Virusmaterial (z. B. der chinesischen Unternehmen Sinovac, Sinopharm) und unterschiedlichen Adjuvantien
  • mRNA-Impfstoffe (z. B. BioNTech/Pfizer, Moderna, CureVac)
  • Vektorimpfstoffe (54) (z. B. Natl. Gamaleya-Forschungszentrum für Epidemiologie und Mikrobiologie (Russland) (55), AstraZeneca und Oxford University, CanSino Biologics (Beijing), Janssen (Johnson & Johnson) mit unterschiedlichen Vektorviren)
  • Peptidimpfstoffe (Novavax), die eine unterschiedliche Wirksamkeit gegenüber verschiedenen Mutationen von SARS-CoV-2 zeigen (56).
  • DNA-Impfstoffe (z. B. Inovio (USA), Genexine/BINEX/GenNBio/Int. Vaccine Inst. (Korea))

Es ist hier nicht der Raum, auf die Vielfalt der in Entwicklung befindlichen Impfstoffe einzugehen, aber es ist deutlich, dass es eines länger dauernden Zeitraumes der wissenschaftlich vergleichenden Evaluation bedürfen wird, um die Frage zu beantworten, welche Impfstoffe sich für welche Patienten und unter welchen Umständen am besten eignen. Das Beispiel OPV (siehe oben) zeigte, dass bei einer hohen Inzidenz z. B. Impfstoffe, die verlässlich die Transmission und schwere Verläufe verringern, auch dann akzeptabel sein können, wenn sie vergleichsweise ein höheres Nebenwirkungsrisiko (z. B. Lähmungen in sehr seltenen Fällen wie bei OPV) aufweisen, dass aber bei niedriger Inzidenz ein anderer Impfstoff mit geringerer Wirkung auf die Transmission, aber besserer Verträglichkeit den Vorzug verdienen kann (wie heute der IPV-Polio-Impfstoff). All diese Fragen können nur dann beantwortet werden, wenn nicht einfach ein erster, verfügbarer Impfstoff „allgemeinverbindlich“ gemacht wird – etwa mit dem Instrument einer indirekten Impfpflicht –, sondern – was auch logistisch zweckmäßig sein kann – der Vielfalt der Impfstoffe eine Chance gegeben wird, sofern ein geeignetes Impfregister geführt wird , das alle unterschiedlich Geimpften erfasst und das zugleich einen Vergleich zu nicht Geimpften ermöglicht. Gleichzeitig gewinnt hier eine freie und individuell unterschiedlich ausfallende Impfentscheidung an Bedeutung, die über ein bloßes Ja/Nein hinaus immer mehr die Frage adressieren wird, welchem Impfstoff der Einzelne wie auch seine Ärztin bzw. sein Arzt den Vorzug geben will, sobald mehrere Impfstoffe logistisch verfügbar sind. Eine wichtige Voraussetzung für den Nutzen und die Akzeptanz eines solchen Registers stellt die freie Impfentscheidung und eine sicher gegebene Pseudonymisierung dar, nicht nur in Bezug auf staatliche Vorgaben, sondern auch auf die gelebte gesellschaftliche und innerbetriebliche Realität. Denn der Verzicht auf eine staatliche Impfpflicht bedeutet noch lange nicht, dass nicht Arbeitnehmer oder Konsumenten unter den Druck einer indirekten Impfpflicht gesetzt werden. Darauf werden wir weiter unten noch näher eingehen.


Wie wird in den Zulassungsstudien der Impfstoff (das „Verum“) gegen ein „Placebo“ verglichen?

Hervorzuheben ist zunächst positiv, dass der Hersteller des mRNA-Impfstoffes von BioNTech/Pfizer in seiner Zulassungsstudie gegen ein „echtes“ Placebo, nämlich 0,9%ige Kochsalzlösung verglichen hat (57). Hier besteht an sich die ethische Notwendigkeit, dass nach Abschluss der „Notzulassungs“-Studie die Teilnehmer der Placebo-Gruppe das „Verum“ angeboten bekommen oder sich bei Marktverfügbarkeit entsprechend impfen lassen, aber damit wäre innerhalb der Studie eine längerfristige Nachbeobachtung gefährdet. „Angesichts der kurzen Nachbeobachtungszeit ist es extrem wichtig, dass die Studienteilnehmer auch nach der Zulassung – die ja keine reguläre, sondern eine bedingte bzw. notfallmäßige ist – so lange wie möglich und ethisch vertretbar in ihren Gruppen verbleiben, um weitere Daten zu Sicherheit und Nutzen generieren zu können …“, schreibt das arznei-telegramm® und teilt mit, dass BioNTech/Pfizer planen, bei gegebener nationaler Impfempfehlung „auf Nachfrage eine Entblindung und Immunisierung im Rahmen der Studie anzubieten.“ (45) Das gilt besonders für die Frage, ob dieser Impfstoff Autoimmunerkrankungen auslösen kann, die sich gewöhnlich erst nach einem gewissen Zeitintervall manifestieren.

Ansonsten ist es – z. B. bei den uns bekannten Zulassungsstudien von Vektorimpfstoffen – durchaus üblich, vergleichsweise nebenwirkungsreiche Impfstoffe wie z. B. einen Impfstoff gegen Meningitis oder auch schlicht nebenwirkungsträchtige Adjuvantien mit Aluminiumhydroxid (58) als „Placebo“ einzusetzen. Dies zum einen, weil es bei Impfstudien, die oft an kleinen Kindern stattfinden müssen, als „unethisch“ gilt, ein Kleinkind nur zu Studienzwecken mit Placebo zu impfen und es üblich geworden ist, mit einem bekannten anderen Impfstoff als „Placebo“ zu impfen – ein ansonsten in der pharmazeutischen Forschung kaum akzeptables Vorgehen. Zum anderen aber auch deshalb, weil man Sorge hat, dass innerhalb der vergleichenden Studie die „Verum-Gruppe“ entblindet wird, wenn dort wesentlich heftigere Nebenwirkungen als in der Vergleichsgruppe auftreten. Gleichwohl ist vom medizinisch-wissenschaftlichen Standpunkt aus festzustellen, dass solche Studien keine wirklich saubere Beurteilung des Risikos akuter wie längerfristiger Impfstoffnebenwirkungen erlauben. Gleiches gilt, wenn – wie bei HPV-Impfstoffstudien – die „Placebo“-Gruppe das Adjuvans des „Verum“ gespritzt bekommt und nur das inaktivierte, immunogene Virusmaterial im „Placebo“ fehlt. Denn man weiß, dass gerade die Adjuvantien problematische Nebenwirkungen hervorrufen können. Zusammenfassend kann man zu diesem Punkt feststellen, dass die Studienlage eine sorgfältige individuelle Prüfung jeder Zulassungsstudie verlangt und viele dieser Studien – z. B. zum russischen bzw. dem von AstraZeneca entwickelten Vektorimpfstoff – keine wirklichen „Placebo“-Studien sind.


mRNA- und Vektorimpfstoffe

Welche Risiken und Konsequenzen haben die neuen Impfstofftechnologien (45, 59)?An dieser Stelle möchten wir besonders auf die neuartigen mRNA- und Vektorimpfstoffe eingehen. Es handelt sich dabei um sogenannte Plattformtechnologien, die in den letzten 30 Jahren neu entwickelt wurden und bis auf eine Ausnahme bei Ebola bisher nicht zu für Menschen zugelassenen Impfstoffen geführt haben. Auch für Hersteller wie BioNTech, CureVac oder Moderna gilt, dass sie bisher kein regulär zugelassenes Arzneimittel bzw. einen regulär zugelassenen Impfstoff auf den Markt gebracht haben.

Das gemeinsame Prinzip von mRNA- und den aktuellen Vektorimpfstoffen lässt sich wie folgt zusammenfassen: Verimpft wird nicht das Antigen selbst, sondern dessen genetischer Bauplan, entweder als in Liponanopartikel „verpackte“ mRNA (siehe unten) oder als gentechnisch in das Genom eines Vektorvirus integrierte Information, die intrazellulär die Proteinbiosynthese des menschlichen Organismus so verändert, dass

  • die Produktion des Antigens (z. B. Coronavirus-Spike-Protein) durch den Organismus selbst erfolgt und dadurch
  • die Aktivierung der zellulären wie humoralen Antwort des Immunsystems ausgelöst wird.

Beides ist nach bisherigen Erkenntnissen bei SARS-CoV-2 zwingend erforderlich, um eine ausreichende Immunantwort zu erzielen. Der Organismus wird hier also zum Produzenten des eigentlichen Impfstoffes gemacht.

Das Risiko eines Einbaus von zusätzlichen Nukleotiden oder DNA-Sequenzen in die menschliche DNA (Insertion) wird bei DNA-Impfstoffen und DNA-transportierenden Vektorimpfstoffen und bei mRNA-basierten Impfstoffen (mittels reverser Transkriptase, wie sie für Retroviren typisch ist und beim Menschen als humane Telomerase Reverse Transcriptase (hTERT) der Verkürzung von Telomeren entgegenarbeitet) derzeit als „extrem unwahrscheinlich“ eingeschätzt, selbst wenn eine HIV-Infektion vorliegt, bei der das Virus über eine reverse Transkriptase verfügt (60).

mRNA- und virale Vektorimpfstoffe (VVI) als Plattformtechnologien lassen es prinzipiell technologisch zu, dass bei einer neu auftretenden Pandemie rasch ein spezifischer Impfstoff hergestellt werden kann , sobald die Genetik (bzw. relevante Teile davon) des pathogenen Virus bekannt ist. Es muss dann im Impfstoff lediglich die genetische Information entsprechend angepasst werden. Das gilt auch, falls ein pandemieauslösendes Virus stärker mutieren sollte. Damit schlagen diese Impfstoffe grundsätzlich ein neues Kapitel in der Pharmaziegeschichte auf. Allerdings ist dies bisher eine Hoffnung, die erst noch ihrer praktischen Bewährung harrt, aber ohne Zweifel technologisch wie ökonomisch ein mächtiges Movens der Impfstoffentwicklung darstellt.


Was sind Vor- und Nachteile von mRNA-Impfstoffen (59)?

Vorteile:

  • Die Produktion von mRNA an einer DNA-Matrize ist industriell leicht skalierbar und ermöglicht rasch die Herstellung großer Mengen. Gleichzeitig wird angestrebt, die Menge an eingesetzter mRNA zu minimieren, ohne dass bereits gesichertes Wissen darüber existiert, welches die optimale Dosis eines mRNA-Impfstoffes ist.
  • Es ist keine Verwendung von Zellkulturen notwendig, um inaktiviertes Virusmaterial oder attenuierte Lebendviren zu gewinnen, dadurch gibt es auch keine Verunreinigung und problematischen Zusatzstoffe seitens solcher Zellkulturen.
  • Keine (problematischen) Adjuvantien zur Stimulierung der Immunantwort.
  • Kein Risiko vermehrungsfähiger Krankheitserreger.
  • Keine Verabreichung von insertionsfähiger DNA (61).
  • mRNA ist allgemein im Organismus nur sehr kurzlebig. Die Verweildauer der mRNA lässt sich im Prinzip manipulieren (replikationsfähige mRNA).
  • mRNA-Impfstoffe sind im Gegensatz zu Vektorimpfstoffen boosterfähig bei Nachlassen der Impfwirkung.    


Dem stehen aber auch Nachteile gegenüber:

  • Ein gewichtiger Nachteil bildet die Instabilität des mRNA-Impfstoffes , der nur bei korrekter räumlicher Struktur der mRNA wirksam wird. Diese wird bei Vektorimpfstoffen durch den viralen Vektor selbst stabilisiert, während bei „reinen“ mRNA-Impfstoffen Liponanopartikel (LNP) die biologisch wirksame „Verpackung“ der mRNA stabilisieren. Für diese Partikel und ihre Wirkung im Organismus existiert bisher noch ein sehr begrenzter Wissensstand. Da die akuten Nebenwirkungen von mRNA-Impfungen laut bisherigen Zulassungsstudien durchaus erheblich, wenn auch meist kurz anhaltend sein können (Kopfschmerzen, Fatigue, Muskelschmerzen, Fieber), ist es nicht unwahrscheinlich, dass dabei die LNP eine Rolle spielen. Damit kommt den LNP in diesem Sinne die Problematik eines Adjuvans zu, auch wenn ihre streng biologische Funktion eine andere ist. Ein weiterer Stabilisator in dem BioNTech/Pfizer-Impfstoff ist Polyethylenglycol (PEG), das u. a. im Verdacht steht, allergische bis hin zu anaphylaktischen Reaktionen auszulösen (62).
  • Die Verträglichkeit dieser Impfstoffe ist vor allem bei jüngeren Menschen nicht gut: In einem Berliner Krankenhaus waren nach der 2. Impfung des BioNTech/Pfizer-Vakzins 12 % arbeitsunfähig und 36 % klagten über starke Beschwerden, wobei neben Muskel- und Kopfschmerzen unter anderem ein starkes Kältegefühl und Frösteln auffiel, ein Teil entwickelte auch Fieber (63). In anderen Kliniken resultierten aus der Impfung mit dem AstraZeneca-Impfstoff ähnliche Berichte.
  • Die aufwendige Logistik (siehe unten) insbesondere des BioNTech/Pfizer-Impfstoffes hängt mit der geringen Stabilität der LNP-verpackten mRNA unmittelbar zusammen.
  • Die Übertragbarkeit Tierversuch/Mensch scheint bei diesen Impfstoffen weniger gegeben zu sein als bei konventionellen Impfstoffen.
  • Die Wirkdauer ist bisher eine offene Frage und kann auch von der Applikationsform abhängen.
  • Studien an früheren mRNA-Impfstoffen wie z. B. dem Tollwutimpfstoff von CureVac 2017 zeigten Probleme mit der Impfstoffsicherheit in Form massiver Nebenwirkungen, darunter auch systemische Entzündungsprozesse, Autoimmunphänomene (64), Veränderung der Blutgerinnung etc.
  • Die Manipulation der Proteinbiosynthese birgt insbesondere das Risiko dadurch unerwünschter systemischer Immunreaktionen in Form schwerwiegender allergischer Reaktionen (Anaphylaxie) und Autoimmunreaktionen.

Wie verhält es sich bei Virus-Vektor-Impfstoffen?

Virus-Vektor-Impfstoffe (VVI) teilen in ihrem Wirkprinzip, sofern sie auf dem „Transport“ von genetischer Information zur Antigensynthese durch den menschlichen Organismus beruhen, die grundlegenden Eigenschaften von mRNA-Impfstoffen. Der „Bauplan“ des Impfantigens wird hier von einem Trägervirus (bereits „korrekt“ gefaltet) transportiert und in der vom Trägervirus infizierten Zelle in der Proteinbiosynthese wirksam. Hier enthält der Impfstoff, sofern DNA-Viren als „Genfähren“ verwendet werden wie bei dem AstraZeneca VVI oder dem in Russland entwickelten Vektorimpfstoff, prinzipiell Fremd-DNA (auf DNA-Impfstoffe im engeren Sinne gehen wir hier nicht ein). Gemeinsame Probleme aller VVI sind:

  • Die unvermeidlich entstehende oder vorbestehende Immunität gegen das Vektorvirus. Häufig verwendete Vektorviren sind tierspezifische DNA-Viren, z. B. Adenoviren. Humanspezifische Viren scheiden wegen des Risikos einer vorbestehenden Immunität aus. Aber auch tierspezifische Viren erregen, sobald sie als VVI eingesetzt werden, eine spezifische Immunität, die Auffrisch-VVI prinzipiell unwirksam machen kann.
  • Das Ausmaß einer möglichen vorbestehenden Immunität gegen den Vektor kann international sehr unterschiedlich sein.
  • Humanfremde Viren bergen grundsätzlich auch Risiken für den menschlichen Organismus.
  • Es besteht ein Restrisiko einer möglichen Insertionsmutagenese der Virus-DNA in das menschliche Genom (65).

Der aktuell im Einsatz befindliche Impfstoff von AstraZeneca zeigt eine ähnlich schlechte Verträglichkeit wie der Biontech/Pfizer-mRNA-Impfstoff, wobei hier die erste Dosis eher schlechter vertragen wird (66).


Wie verändert sich die Impfpraxis durch die erforderliche komplexe Logistik von mRNA-Impfstoffen?

Insbesondere der mRNA-Impfstoff des deutschen Unternehmens BioNTech, der in Kooperation mit dem Pharma-Großunternehmen Pfizer entwickelt wurde, erfordert eine komplexe Logistik und, zurückhaltend formuliert, außergewöhnliche Handhabung in der unmittelbaren    Impfstoffzubereitung, die seine Anwendung in viele Arten von ambulant arbeitenden ärztlichen Praxen ausschließt. Es lohnt sich, etwas die Details zu rezipieren (67). Dieser Impfstoff ist aufgrund der besonderen Eigenschaften

  • nur bei Lagerung in Ultratiefkühlschränken längerfristig haltbar (–70 °C).
  • Die Auslieferung an die Impfzentren erfordert eine entsprechende Kühllogistik.
  • Im Impfzentrum taut der Impfstoff im Impfkühlschrank bei +2 bis +8 °C in 30 Minuten auf und ist dann 5 Tage lang haltbar.
  • Um den Impfstoff verimpfen zu können, ist beim aufgetauten Impfstoff die Rekonstitution des Impfstoffs durch Verdünnung mit einer NaCl-Lösung notwendig. Dazu muss der Stopfen der Durchstechflasche mit einem antiseptischen Tupfer desinfiziert, der Inhalt mit 1,8 ml NaCl-Lösung 0,9 % gemischt werden, die mit einer Spritze mit Kanüle aus dem 10-ml-Plastikfläschchen einmalig (Rest muss verworfen werden) entnommen und dem Impfstoff zugespritzt wird. Anschließend erfolgt das Mischen durch 10-maliges Umdrehen der Durchstechflasche. Nun können 6  Impfdosen pro Durchstechflasche entnommen werden, wobei für jede Entnahme eine neue Einmalspritze mit Luer-Ansatz verwendet werden muss.
  • Nach Rekonstitution ist der Impfstoff nur max. 6 Stunden bei 2 °C bis 25 °C haltbar. Das bedeutet auch, dass der Impfstoff schon von der Verpackung her gesehen ein Produkt für die Massenimpfung, nicht für die individuelle Impfentscheidung ist.

Es ist wesentlich der BioNTech/Pfizer-Impfstoff, der die Einrichtung großer Impfzentren in Deutschland ausgelöst hat. Was unseres Erachtens dabei droht, ist eine gewisse Militarisierung des Impfens selbst (68) ohne jede Vorkenntnis des Patienten durch den Impfarzt, wobei es nicht um gesunde Kleinkinder, sondern dezidiert gerade um ältere, oft in komplexer Weise vorerkrankte Patienten geht.

Demgegenüber ist der mRNA-Impfstoff von Moderna bei Kühlschranktemperaturen 30 Tage und bei –20 °C sechs Monate lange haltbar. Auch der Vektorimpfstoff von AstraZeneca, der bei regulären Kühlschranktemperaturen von 2 bis 8 °C haltbar ist, wird in Multidosis-Fläschchen geliefert, wobei ein Fläschchen 10 Impfdosen enthält, und ist, auf Raumtemperatur gebracht, 12 Stunden haltbar (67).

Dieses, unter hygienischen und Handhabungs-Aspekten nicht unproblematische Format unterstreicht den Charakter eines Massenimpfstoffes und limitiert seine Anwendbarkeit z. B. in einer Hausarztpraxis mit individueller Impfberatung und Entscheidung. Dieser Aspekt wird öffentlich derzeit kaum diskutiert.


Was wissen wir bisher nicht?

Wir wissen bei COVID-19 bisher nicht exakt, was Antikörper im Blut in Bezug auf den Schutz vor Ansteckung und Schwere einer möglichen Erkrankung bedeuten und wie lange sie persistieren. Darauf weist auch die oben zitierte Publikation zum Sinopharm-Impfstoff hin, die einer Ansprechrate von 99,52 % auf der Ebene der Antikörperbildung eine Schutzrate von 79,34 % gegenüber der COVID-19-Erkrankung gegenüberstellt (69). Antikörper dienen gewöhnlich als Surrogatmarker eines Impferfolges im Sinne einer gelungenen Immunisierung, z. B. bei Masern. Gerade bei COVID-19 bestehen noch Unklarheiten (70), weil hier die zelluläre (schwer messbare) Immunität von großer Bedeutung ist . Entscheidend werden die klinischen Beobachtungen über Jahre sein. Die Güte und Dauer eines möglichen Impfschutzes sind also zum Zeitpunkt der Zulassung nicht beurteilbar.

Wir wissen nicht, wie viele Menschen in der Bevölkerung eine Hintergrunds- oder Kreuzimmunität gegen SARS-CoV-2 mitbringen (71, 72), für die die Impfung daher nur ein Risiko darstellen würde, ohne einen zusätzlichen Gewinn zu bringen. Dieses Risiko gilt insbesondere für Kinder, die möglicherweise durch frühere Kontakte mit Coronaviren, aber auch die robuste Antwort ihres unspezifischen Immunsystems, stärker gegen eine symptomatisch werdende COVID-19-Erkrankung geschützt zu sein scheinen (73).

Prinzipiell stellt sich bei SARS-CoV-2 die Frage, ob die Impfung von Kindern ethisch vertretbar ist, da sie nach aktuellem Wissensstand nicht nur ein sehr geringes Risiko schwerwiegender Krankheitserscheinungen (74), wie z. B. des MIS-C-Syndroms (75, 76), tragen, sondern auch selten bis sehr selten an Erwachsene anstecken (77, 78, 79, 80). Eine aktuelle australische Metaanalyse kommt zu folgenden Schlüssen: „Only 8 (3.8%) transmission clusters were identified as having a paediatric index case … The secondary attack rate in paediatric household contacts was lower than in adult household contacts (RR, 0.62; 95% CI, 0.42–0.91).“ (81) Eine schottische Studie zeigt sogar, dass Kinder das COVID-19-Erkrankungsrisiko in Haushalten zu senken scheinen (82)!

Seltene, schwerwiegende Nebenwirkungen können erst erfasst werden, wenn sehr viele Menschen geimpft wurden. Das deutsche Paul-Ehrlich-Institut (PEI) legt z. B. wöchentlich Sicherheitsberichte vor, zurzeit mit der Angabe von 0,1/1000 vermuteter unerwarteter schwerer Nebenwirkungen ( 83). Das Beispiel OPV zeigte, dass eventuell erst nach der Verimpfung von Millionen von Impfdosen sich mögliche Risiken eines Impfstoffes zeigen können. Im Falle des Impfstoffes Pandemrix® gegen die sogenannte „Schweinegrippe“ sprechen Sarkanen et al. rückblickend von einem möglichen Impfrisiko von 1:18.400, nach der Impfung eine Narkolepsie zu entwickeln (84). Dieses Beispiel zeigt auch, wie lange eine Nachbeobachtung erfolgen muss, um solche autoimmunologisch ausgelösten Impffolgen erkennen zu können. Es ist evident, dass erst die Erfassung sehr hoher, eventuell achtstelliger Zahlen von Geimpften versus Ungeimpften die Erfassung solcher Nebenwirkungen ermöglicht. Das Risiko allergischer und autoimmunologischer Erkrankungen , die bis zu schwerwiegenden neurologischen Erkrankungen (z. B. transverse Myelitis) führen können, ist derzeit also bei den SARS-CoV-2-Impfstoffen noch nicht abschätzbar, ebenso wenig wie die Frage, welche Patienten hier besonders gefährdet sind. Dabei ist stets zu bedenken, dass die Zulassungsstudien ein nichtrepräsentativ gesundes Patientenklientel spiegeln.


Der Prozess der Impfentscheidung

Was für eine COVID-19-Impfung sprichtIn einer Pandemie des Ausmaßes von COVID-19 besteht die Notwendigkeit, präventiv und therapeutisch zu handeln, ehe alle Details geklärt sind. Das gilt auch für das Impfthema und ist in der Sache begründet. Bei der COVID-19-Impffrage geht es nicht um extrem kleine Risiken wie bei den Masern in Deutschland, sondern um eine große Zahl von Patienten, die wir jeden Tag in Praxis und Klinik in der Schwere ihrer Erkrankung erleben und die wir auch sterben sehen. Zugleich geht es um enorme Dilemmata undSekundärschäden der Pandemie im Bildungsbereich, auf sozialem, kulturellem, wirtschaftlichem und medizinischem Gebiet.

Medizin ist eine Handlungswissenschaft. Das bedeutet, immer wieder Entscheidungen treffen und handeln zu müssen, ehe alle wünschenswerten Erkenntnisse auf dem Tisch liegen, in einer Situation der Unsicherheit, ohne beweiskräftige statistische Evidenz. Das gilt grundsätzlich für die ärztliche Seite wie für die Seite der Bürgerinnen und Bürger, der Patientinnen und Patienten, Betreuten und ggf. ihrer Angehörigen oder Betreuer. Umso wichtiger ist die Forderung nach einer Registerstudie. Auch ohne Antworten auf die noch offenen Fragen zur Sicherheit, zur Dauer des Impfschutzes, zur sterilen Immunität und möglichen Kontraindikationen gibt es jedoch heute schon einige Argumente, die für eine Impfung sprechen und die wir an dieser Stelle kurz zusammenfassen wollen:

  • Das Vermeiden von eigener Erkrankung ist per se ein hoher Wert. Manche älteren Menschen wollen sich aber auch deshalb impfen lassen, um weiterhin für den pflegebedürftigen oder schwer erkrankten Partner da sein zu können. Beide Motive gelten in besonderer Weise für medizinisches Personal.
  • Wir sehen bislang bei ca. 2 bis 10 % der manifest Erkrankten Post-COVID-Syndrome bis hin zum Long-COVID (85) mit anhaltender Fatigue, neurologischen Defiziten, anhaltender Belastungsdyspnoe und Arbeitsunfähigkeit über viele Monate. Diese Fälle können voraussichtlich durch Impfungen vermieden oder vermindert werden. Auch bei noch nicht umfänglich statistisch erfassten Nebenwirkungen ist derzeit nicht zu erwarten, dass deren Dimension eine Größenordnung erreichen wird wie die Zahl der Post-COVID-Syndrome.
  • Verhältnismäßig evident scheint eine Impfempfehlung in Alten- und Pflegeheimen , nicht nur wegen des Erkrankungs- und Ansteckungsrisikos, sondern auch, um die so notwendigen sozialen Kontakte der Bewohner besser ermöglichen und das Personal physisch wie psychisch entlasten zu können. Es gilt aber die bereits oben zitierte Einschränkung der STIKO zu berücksichtigen: “... bei sehr alten Menschen oder Menschen mit progredienten Krankheiten, die sich in einem schlechten Allgemeinzustand befinden, muss die Impffähigkeit gegeben sein. Bei diesen Gruppen sollte ärztlich geprüft werden, ob ihnen die Impfung empfohlen werden kann.” (29)
  • Hohe Ansprüche stellt die Frage einer partizipativen Impfentscheidung im Bereich von Einrichtungen der Sozialtherapie , wo es um Erwachsene in allen Altersgruppen geht, zum Teil mit neurologischen oder psychiatrischen Vorerkrankungen, und wo derzeit viele, die eine Betreuerfunktion wahrnehmen, um Zustimmung zu einer Impfung gefragt werden. Dabei sind spezifische Risikofaktoren zu beachten. So tragen Erwachsene mit Trisomie 21 (Morbus Down) ein deutlich erhöhtes Mortalitätsrisiko bei COVID-19 (86). Eine umfassende Stellungnahme dazu wurde von der American Academy of Developmental Medicine & Dentistry publiziert, die die spezifischen Risiken von Menschen mit Assistenzbedarf im Zusammenhang mit COVID-19 zusammenfasst, entsprechend fairen Zugang zu COVID-Impfstoffen fordert, jedoch gleichzeitig betont, dass die Autonomie der Betroffenen zu respektieren sei, und sich klar gegen eine Impfpflicht ausspricht (87).

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Gesundheitswesen stehen in der Pandemie unter besonders hohem Druck, der auch aus der knappen Personalsituation als Folge einseitiger Ökonomisierung des Gesundheitswesens resultiert. Pflegenden wie ärztlich Tätigen ist durchaus bewusst, wie sehr die gute Versorgung der Patienten in den nächsten Monaten nicht zuletzt auch von ihrer eigenen Gesundheit und Arbeitsfähigkeit abhängt. Das gilt zunächst für den klinischen Bereich, in dem sich auch die anthroposophischen Kliniken in Deutschland und der Schweiz in der Versorgung von COVID-19-Patienten aller Schweregrade engagieren. Ebenso wichtig aber für eine gute Versorgung der vielen COVID-19-Patienten ist der ambulante Bereich, wo sich anthroposophische Therapiekonzepte für die COVID-19-Erkrankung in der klinischen Erfahrung besonders dann bewähren, wenn sie bereits in der ersten Krankheitswoche eingesetzt werden (88). Es ist nachvollziehbar, dass COVID-19-Impfungen von Klinik- und Praxismitarbeiterinnen und -mitarbeitern das Infektionsrisiko (womöglich auch Transmissionsrisiko) über die bekannten Schutzmaßnahmen hinaus weiter minimieren, damit folgenreichen Personalausfällen vorbeugen und so zur Stabilisierung und Sicherung der Patientenversorgung in der Pandemie beitragen können. Gleichzeitig gilt es mit diesem Argument sensibel umzugehen, denn gerade Mitarbeiter im Gesundheitssystem und in Pflegeeinrichtungen wollen in ihrer eigenen freien Impfentscheidung ernst genommen werden und sind laut Umfragen und eigener Erfahrung COVID-19-Impfungen gegenüber durchaus unterschiedlich eingestellt.


Die Frage der Impfpflicht und der indirekten Impfpflicht

Kommen wir noch einmal zurück auf die Diskussion über eine SARS-CoV-2-Impfpflicht. Dazu äußerten sich am 9.11.2020 die Vertreter der Leopoldina, des Deutschen Ethikrates und der Ständigen Impfkommission STIKO (89) wie folgt: Die Impfung solle freiwillig sein, leitend für die geplante Impfkampagne müsse „die aufgeklärte, freiwillige Zustimmung der impfwilligen Bürger“ sein. Auszuschließen sei daher eine undifferenzierte, allgemeine Impfpflicht. Eine Pflicht lasse sich allenfalls für eine „präzise definierte Gruppe“ rechtfertigen, wobei dann „schwerwiegende Gründe“ vorliegen müssten (90).

Unschwer zu erkennen ist, dass hier besonders an das medizinische Personal gedacht wird – das natürlich durch seine Exposition zu den „bedrohten Teilen der Bevölkerung“ gehört, von dem im geltenden Infektionsschutzgesetz die Rede ist und dessen Tätigkeit „systemnotwendig“ ist: „Das Bundesministerium für Gesundheit wird ermächtigt, durch Rechtsverordnung mit Zustimmung des Bundesrates anzuordnen, dass bedrohte Teile der Bevölkerung an Schutzimpfungen oder anderen Maßnahmen der spezifischen Prophylaxe teilzunehmen haben, wenn eine übertragbare Krankheit mit klinisch schweren Verlaufsformen auftritt und mit ihrer epidemischen Verbreitung zu rechnen ist.“ (IfSG § 20,6). Mehrere Äußerungen von Mitgliedern des Ethikrates sowie eine Vielzahl anderer Stimmen in den Medien laufen darauf hinaus, dass spätestens dann, wenn SARS-CoV-2-Impfstoffe sich als wirksam gegen die Transmission des Virus erweisen würden – d. h., dass Geimpfte die Erkrankung nicht mehr weitergeben können – eine Impfpflicht für medizinisches Personal gerechtfertigt sei. Eine solche „sterile Immunität“ durch einen Impfstoff ist aber wenig wahrscheinlich. Der Vorsitzende der Deutschen Arzneimittelkommission W. D. Ludwig äußerte sich laut Frankfurter Rundschau vom 03.12.2020 in einem Interview: „Wir wissen nichts dazu, wie lange diese Immunität anhält. Wir wissen relativ sicher, dass eine sogenannte sterile Immunität im Moment wahrscheinlich gar nicht erreichbar ist.“ (91) . . .

Fortsetzung in Teil II im Anschluss

17.03.2021

Impffragen im Zusammenhang mit COVID-19   Teil II

anthromedics.org, Letzte Aktualisierung: 05.03.2021, Georg Soldner, David Martin

Gegenwärtiger Status und Vorschlag einer Registerstudie zur Überwindung sozialer Polarisierungstendenzen und Beantwortung offener Forschungsfragen


Dieser Beitrag erscheint in gedruckter Form im Merkurstab-Heft 2021/2.


Fortsetzung von Teil I und Schluss:
. . . Dafür spricht, dass bisher kein Impfstoff zeigen konnte, dass er das Risiko einer symptomatischen COVID-19-Erkrankung vollständig auszuschließen in der Lage ist. Damit ist zunächst auch eher eine Reduzierung, aber nicht eine vollständige Aufhebung des Transmissionsrisikos wahrscheinlich. Stichproben bei Ärztinnen, Ärzten und Pflegefachkräften, also denjenigen, die das höchste Expositionsrisiko tragen (92), zeigen aber, dass ein erheblicher Teil sich derzeit (noch) nicht impfen lassen möchte. „In der Gruppe, die einen Gesundheitsberuf ausübt, ist die Impfbereitschaft … mit Abstand am geringsten“, berichten RKI und Medien im Dezember 2020 (93).

Da das Gesundheitssystem personell am Rande der Belastungsgrenze arbeitet, sind die Folgen schwer vorstellbar, wenn eine solche Impfpflicht einen substanziellen Exodus impfunwilliger „systemrelevanter“ Fachkräfte aus den Gesundheitssystemen in Deutschland, Österreich, Schweiz und anderen Ländern auslösen würde. Dies erscheint angesichts der allgemeinen Frustration insbesondere von Pflegefachkräften, von denen derzeit laut Studien in Deutschland rund ein Fünftel erwägen, den Beruf zu wechseln (94, 95, 96), durchaus vorstellbar.

Tatsache ist, dass gerade gut informierte, professionell medizinisch Tätige zu einem erheblichen Teil aktuell eine Impfskepsis bezüglich SARS-CoV-2-Impfungen zeigen. Es ist nicht wahrscheinlich, dass Informationskampagnen diese Haltung ändern, sondern nur harte Daten, die aus vergleichenden und frei von direkten oder indirekten Interessenbindungen, z. B. der pharmazeutischen Industrie, durchgeführten (Register-)Studien resultieren, wie sie ein in dieser Arbeit vorgeschlagenes Impfregister ermöglichen würde.

Während eine allgemeine staatliche Impfpflicht für Erwachsene wenig wahrscheinlich erscheint, bildet ein System indirekter Impfpflichten das sehr viel wahrscheinlichere und höchst problematische Szenario. Schon das 2019 in Deutschland verabschiedete „Masernschutzgesetz“ (MSG) (97), das bürokratisch aufwendig in erheblichem Maß zur Polarisierung von allgemeinen Impfbefürwortern und Impfkritikern beigetragen hat, stellt im Kern ein ineinandergreifendes System indirekter Impfpflichten dar, insofern es nicht masernimmune Kleinkinder von Kitas und Kindergärten ausschließt, im Schulalter entsprechende finanzielle Hürden für impfunwillige Eltern aufbaut und potenziell noch weitergehende Eingriffe bis hin zur Einbeziehung des Jugendamtes bereithält. Der Deutsche Ethikrat hat sich am 4.2.2021 gegen besondere Regeln für Geimpfte ausgesprochen (98), ebenso der Europarat in seiner Resolution 2361 vom 27.1.2021: ”E nsure that citizens are informed that the vaccination is NOT mandatory and that no one is politically, socially, or otherwise pressured to get themselves vaccinated, if they do not wish to do so themselves.” (99) Wenn nun die australische Airline Qantas ab Verfügbarkeit von Impfstoffen nur noch geimpfte Passagiere befördern will und entsprechende Überlegungen bei anderen Airlines im Gange sind, wenn bereits heute Betriebe ihren Mitarbeitern androhen, dass künftig impfunwillige Mitarbeiter im Unternehmen nicht mehr geduldet würden – auch außerhalb des Gesundheitswesens – wenn öffentlich darüber debattiert wird, Konzertbesuche etc. von einem „Immunitätsnachweis“ abhängig zu machen, so gilt es zunächst festzustellen, dass dafür jede verlässliche sachliche Evidenz fehlt, da nach derzeitigem Wissensstand noch kein „Immunitätsnachweis“ für SARS-CoV-2 über eine solide wissenschaftliche Basis verfügt. Denn bereits jetzt zeigen die aktuellen Zulassungsstudien selbst bei „95%iger Wirksamkeit“, dass auch nach Impfung eine COVID-19-Erkrankung der Geimpften möglich ist, auch schwere, hospitalisationspflichtige Verläufe – damit aber wahrscheinlich auch die Ansteckung anderer. Fallberichte zeigen, dass in sehr seltenen Fällen auch COVID-19-Erkrankte noch einmal erkranken können (100). Ebenso ist es bisher nicht gelungen, Immunität hinreichend zuverlässig durch einfache Antikörpermessungen festzustellen: „The detection of antibodies to SARS-CoV-2 does not indicate directly protective immunity and correlates of protection for COVID-19 have not yet been established.“ (101)

Über ein System indirekter Impfpflichten droht eine Diskriminierung Ungeimpfter , die de facto zivilgesellschaftlich und nicht staatlich diese Personengruppe in wesentlichen, in Deutschland durch die Verfassung garantierten Grundrechten einschränken würde. Eine Verschärfung erfährt dieses Argument dadurch, dass

  • medizinethisch völlig unklar ist, ob Kinder geimpft werden können und sollen, da bisher keine Daten zu Sicherheit und Wirksamkeit von SARS-CoV-2-Impfstoffen im Kindesalter vorliegen und alle bisherigen Erkenntnisse auf eine grundsätzlich anders zu bewertende Nutzen-Risiko-Analyse für SARS-CoV-2-Impfungen im Kindesalter hindeuten. Im Entwurf der STIKO-Empfehlung aus der ersten Dezemberwoche ist eine Impfung für Kinder nicht enthalten. Martin Terhardt, Kinder- und Jugendarzt und Mitglied der Ständigen Impfkommission, sagte in der rbb-Abendschau, Kinder unter 16 Jahren seien voraussichtlich ausgeschlossen (102, 103, 104).
  • Zu erwarten ist, dass in den nächsten Monaten sich auch relative und absolute Kontraindikationen – ggf. impfstoffspezifisch – für SARS-CoV-2-Impfungen ergeben werden, die entsprechend Betroffene in besonderer Weise diskriminieren würden. Gleich nach Beginn der Massenimpfung in Großbritannien kam es zu zwei schweren allergischen Reaktionen auf den BioNTech/Pfizer-Impfstoff, sodass nun Menschen von der Impfung abgeraten wird, die bereits auf Nahrungsmittel, Impfstoffe oder Medikamente schwerere allergische Reaktionen hatten.
  • Angesichts der Vielfalt von SARS-CoV-2-Impfstoffen mit unterschiedlicher Wirksamkeit, Wirksamkeitsdauer etc. würde ein einheitlicher „Immunitätsausweis“ weit weniger als etwa bei Masernimpfstoffen medizinisch glaubwürdig auf reinen Impfdaten aufbauen können.

Die informierte freie Impfentscheidung als Grundlage sozialer Akzeptanz und vergleichender Forschung bei SARS-CoV-2-Impfstoffen

Pragmatisch betrachtet wird das Jahr 2021 davon gekennzeichnet sein, dass sich ein Teil der Bürgerinnen und Bürger gegen SARS-CoV-2-Infektionen mit diversen Impfstoffen impfen lassen wird und ein anderer Teil nicht oder noch nicht geimpft werden wird. Kinder werden voraussichtlich schon aufgrund fehlender Daten vorerst ausgenommen bleiben. In der Frage, wer geimpft wird, werden voraussichtlich individuelle Präferenzen, systematische Priorisierungen und logistische Limitierungen eine Rolle spielen. Ob indirekte oder direkte Impfpflichten hinzukommen werden, ist dabei eine noch offene Frage.

In dieser Situation ist die freie informierte Impfentscheidung unseres Erachtens die einzige rechts- und evidenzkonforme Lösung der Impffrage bei COVID-19. Angesichts des limitierten Wissens sind Ärztinnen und Ärzte unseres Erachtens bei allen Erwachsenen verpflichtet, diese partizipativ in die Impfentscheidung einzubeziehen, analog einem neu etablierten operativen Verfahren mit zeitlich begrenzter Evaluation. Das sollte aus unserer Sicht ganz besonders für medizinisches Personal selbst gelten. Die Geschichte des Impfens zeigt von jeher, dass auch die besten Impfstoffe selten oder sehr selten bleibende Schädigungen des Organismus bei vorher Gesunden bewirken können. Obwohl diese Tatsache so wenig ein Gegenargument ist wie die sehr seltenen Komplikationen bei einer Sectio caesarea oder Appendektomie, bedarf sie doch der informierten Zustimmung, die in den operativen Fächern ebenso selbstverständlich geworden ist wie eine orientierende körperliche Untersuchung (siehe (31). Die Rechtslage ist im Bereich von Schutzimpfungen, die im Gegensatz zu operativen Eingriffen oft an Gesunden vorgenommen werden, mindestens ebenso streng zu handhaben.

Konkret bedeutet das, dass in jeder Impfberatung, nicht nur schriftlich, über die Krankheit, den Impfstoff, seine Wirksamkeit und dessen mögliche Nebenwirkungen zu informieren und die Gelegenheit zu Nachfragen zu geben ist. Eine nicht ergebnisoffene Beratung ist juristisch unglaubwürdig. Angesichts dieser – bei Impfschadensprozessen durchaus greifenden – Rechtslage ist es ein Skandal, dass es derzeit im deutschen Gesundheitssystem für eine ergebnisoffene Impfberatung in der Praxis keine Erstattung gibt. Impfberatung als ärztliche Leistung wird dort bisher kassen- wie privatärztlich nur im Zuge einer vollzogenen Impfung honoriert. Juristisch ist ein solches System an sich nicht akzeptabel, weil es hochgradig den Verdacht auf eine einseitige Information vonseiten des Arztes weckt.

Aus unserer Sicht bietet die Kombination einer freien Impfentscheidung mit einer transparent und herstellerunabhängig geführten Registerstudie zur Erfassung aller COVID-19-Impfungen und einem systematisch nach vorab festgelegten Zielkriterien durchgeführten Vergleich der mit diversen Impfstoffen Geimpften untereinander und mit der Gruppe Ungeimpfter derzeit eine rechtlich, wissenschaftlich wie in Hinsicht auf soziale Akzeptanz bestmögliche Lösung. Inwiefern die jetzt in Bayern unter Leitung von STIKO-Mitglied Prof. Klaus Überla von der Universität Erlangen geplante Impfregisterstudie ein Schritt in diese Richtung ist (105, 106), bedarf der Prüfung bei Bekanntwerden näherer Details.

Die Freiheit des anders Denkenden und die lernfähige, beweglich bleibende Urteilsbildung

Hinsichtlich des kollegialen Dialogs in der Ärzteschaft gilt aus unserer Sicht der Grundsatz Rosa Luxemburgs: Wer Freiheit will, muss die Freiheit des anders Denkenden wollen. Wer Grundrechte will, muss gerade in Krisenzeiten dazu stehen; das Grundgesetz wurde als Antwort auf eine extreme Ausnahmesituation geschaffen, als verlässliches Fundament des Rechtsstaates in stürmischen Zeiten. Weder dem Staat noch erst recht der Zivilgesellschaft darf es gestattet sein, die in Art. 1–20 GG niedergelegten elementaren Prinzipien des deutschen Rechtsstaates – und für andere Länder mögen diese Prinzipien in verwandter Weise und anderer juristischer Form Geltung besitzen – nach Gusto zu unterlaufen.

Schlussfolgerung

Eine funktionierende Prävention durch wirksame und sichere Impfstoffe kann für eine schnelle Überwindung von COVID-19 von wesentlicher Bedeutung sein. Ein Teil der Fragen nach Wirksamkeit und Sicherheit kann erst im Rahmen der jetzt ausgerollten Impfprogramme beantwortet werden – sofern eine adäquate wissenschaftliche Begleitung erfolgt, die unabhängig von den bei SARS-CoV-2-Impfstoffen auftretenden Herstellerinteressen erfolgt. An dieser Stelle steht eine demokratische Gesellschaft vor der Herausforderung, inwieweit sie ein sicheres, pseudonymisiertes Impfregister mit individueller Impfentscheidung ohne offene oder versteckte Diskriminierung verbinden will und kann. Evident ist, dass eine solche Lösung sowohl hinsichtlich der sozialen Integration unterschiedlich optierender Bürger wie einer Optimierung wissenschaftlicher Evidenzgewinnung eine solide Grundlage bieten könnte.

Die Urteilsbildung zu den aktuell entwickelten SARS-CoV-2-Impfstoffen mit allen damit zusammen- hängenden Fragen ist zunächst eine ärztlich-wissenschaftliche Frage, in deren Beantwortung sowohl Studienergebnisse als auch die konkrete ärztliche Erfahrung im Umgang mit der Impfung einfließen. Die dritte Säule einer evidenzbasierten Medizin nach ihrem Begründer David Sackett aber ist die Patientenpräferenz, die nirgends wichtiger ist als bei präventiven Eingriffen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Ärztinnen und Ärzte, Patientinnen und Patienten und alle Mitglieder der Gesellschaft müssen die Freiheit haben, ihr Urteil über SARS-CoV-2-Impfstoffe im Zusammenhang mit dieser Pandemie auf dieselbe flexible Weise zu entwickeln, die Politiker zu Recht für sich beanspruchen.

Danksagung

Die Verfasser danken den Kolleginnen und Kollegen Dr. med. Marion Debus, Dr. med. Thomas Breitkreuz, Prof. Dr. med. Harald Matthes, Dr. med. Tido von Schoen-Angerer, Dr. med. Steffen Rabe, Dr. med. Martin Hirte für wertvolle Anregungen und Korrekturen.

Georg Soldner
Kinder- und Jugendarzt
Josef-Retzer-Str. 36
81241 München
Stellv. Leiter der Medizinischen Sektion
am Goetheanum
CH 4143 Dornach/Schweiz
georg.soldner@medsektion-goetheanum.ch

Prof. Dr. med. David Martin
Kinder- und Jugendarzt, Kinderonkologe, -Diabetologe und -Endokrinologe
Gerhard Kienle Lehrstuhl für Medizintheorie, Integrative und Anthroposophische Medizin
Universität Witten-Herdecke
Alfred-Herrhausen-Str. 50
58488 Witten
david.martin@uni-wh.de


Literaturverzeichnis

1 Eckert N, Fischer-Fels J. SARS-CoV-2: Wettlauf mit dem Virus. Deutsches Ärzteblatt 2021:118(7):A342/B-345.

2 Vgl. den täglichen Lagebericht des Robert Koch-Instituts vom 21.10.2020. Verfügbar unter https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Situationsberichte/Okt_2020/2020-10-20-de.pdf;jsessionid=172A7681A1228B9DA3E2D06798534A47.internet081 (29.12.2020). Das RKI spricht hier von einer Mortalität von deutlich unter 1 % aller Infizierten. Die Mortalitätsziffern differieren jedoch erheblich, abhängig von der Erfassung asymptomatischer Verläufe und des Durchschnittsalters der Infizierten (das in Afrika bei 17 Jahren liegt, mit entsprechend niedriger Mortalität) resp. der Bevölkerung.

3 Bei der „Spanischen Grippe“ waren es die 20–40-Jährigen, womit deutlich wird, dass der Aspekt des Alters bei viralen Pandemien von zentraler Bedeutung ist – und somit auch für Impffragen bei COVID-19.

4 Kliegman RM, Stanton BF, Geme JS, et al. (Hg). Nelson Textbook of Pediatrics. 20. Aufl. Philadelphia: Elsevier; 2016: 1555–1560.

5 Gasperi S, Mulder F, Soldner G, Winkler M, Zimmermann P. Im Gedenken an Dr. med. Giancarlo Buccheri. Der Merkurstab 2020;73(4):275. Verfügbar unter https://www.anthromedics.org/DMS-21247-DE (29.12.2020).

6 Zu Pakistan und Afghanistan verfügbar unter http://polioeradication.org/wp-content/uploads/2020/12/weekly-polio-analyses-WPV-20201222.pdf (02.01.2021). 

7 WHO. Circulating vaccine-derived poliovirus type 2 – Sudan. Disease outbreak news 1 September 2020. Verfügbar unter https://www.who.int/csr/don/01-september-2020-polio-sudan/en/ (19.12.2020).

8 CDC. Progress toward regional measles elimination – Worldwide, 2000–2019. Weekly 2020;69(45):1700–1705. Verfügbar unter         https://www.cdc.gov/mmwr/volumes/69/wr/mm6945a6.htm (31.12.2020).

9 Levine-Tiefenbrun M, Yelin I, Katz R, Herzel E, Golan Z, Schreiber L, Wolf T, Nadler V, Ben-Tov A, Kuint J, Gazit S, Patalon T, Chodick G, Kishony R. Decreased SARS-CoV-2 viral load following vaccination. medRxiv Feb 8, 2021  DOI: https://doi.org/10.1101/2021.02.06.21251283. [Crossref]

10 Lavine JS, Bjornstad ON, Antia R Immunological characteristics govern the transition of COVID-19 to endemicity. Science 2021;371(6530):741-745. DOI: https://doi.org/10.1126/science.abe6522. [Crossref]

11 Zum Impfstoff von BioNTech/Pfizer, an dessen Phase-III-Studie 43.998 Teilnehmer eingeschlossen waren, vgl. Polack FP, Thomas SJ, Kitchin N, et al. Safety and efficacy of the BNT162b2 mRNA Covid-19 vaccine. The New England Journal of Medicine 2020;NEJMoa2034577. DOI: https://doi.org/10.1056/NEJMoa2034577. [Crossref]

12 Verfügbar unter https://www.pfizer.com/news/press-release/press-release-detail/pfizer-and-biontech-conclude-phase-3-study-covid-19-vaccine (15.12.2020).

13 Zum Impfstoff von Moderna, an dessen Phase-III-Studie 30.000 Teilnehmer eingeschlossen waren, vgl. https://investors.modernatx.com/news-releases/news-release-details/moderna-announces-primary-efficacy-analysis-phase-3-cove-study/ (15.12.2020).

14 Zum Impfstoff von AstraZeneca, an dessen Phase-III-Studien mehr als 23.000 Teilnehmer eingeschlossen und 11.636 in die Zwischenauswertung einbezogen wurden, vgl. Voysey M, Costa Clemens SA, Madhi SA, et al. Safety and efficacy of the ChAdOx1 nCoV-19 vaccine (AZD1222) against SARS-CoV-2: An interim analysis of four randomised controlled trials in Brazil, South Africa, and the UK. The Lancet 2020. DOI: https://doi.org/10.1016/S0140-6736(20)32661-1. [Crossref]

15 Verfügbar unter https://www.astrazeneca.com/media-centre/press-releases/2020/azd1222hlr.html (15.12.2020).

16 Kristensen I, Aaby P, Jensen H. Routine vaccinations and child survival: Follow up study in Guinea-Bissau, West Africa. The BMJ 2000;321(7274):1435–1438. DOI: https://doi.org/10.1136/bmj.321.7274.1435. [Crossref]

17 Aaby P, Kollmann TR, Benn CS. Nonspecific effects of neonatal and infant vaccination: Public-health, immunological, and conceptual challenges. Nature Immunology 2014;15(10):895–899. DOI: https://doi.org/10.1038/ni.2961. [Crossref]

18 Aaby P, Ravn H, Benn CS. The WHO review of the possible nonspecific effects of diphtheria-tetanus-pertussis vaccine. The Pediatric Infectious Disease Journal 2016;35(11):1247–1257. DOI: https://doi.org/10.1097/INF.0000000000001269. [Crossref]

19 Yamamoto-Hanada K, Pak K, Saito-Abe M, et al. Cumulative inactivated vaccine exposure and allergy development among children: A birth cohort from Japan. Environmental Health and Preventive Medicine 2020;25:27. DOI: https://doi.org/10.1186/s12199-020-00864-7. [Crossref]

20 Auch die Ständige Impfkommission (STIKO) betont die Notwendigkeit einer „intensivierten Surveillance“ in ihrer Empfehlung zu COVID-19-Impfungen: Beschluss der STIKO für die Empfehlung der COVID-19-Impfung und die dazugehörige wissenschaftliche Begründung. STIKO-Empfehlung zur COVID-19-Impfung. Aktualisierung vom 14. Januar 2021. Epidemiologisches Bulletin 2021;2:60. Verfügbar unter https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2021/Ausgaben/02_21.pdf?__blob=publicationFile (25.01.2021).

21 Collier DA, De Marco A, Ferreira IATM et al. SARS-CoV-2 B.1.1.7 escape from mRNA vaccine-elicited neutralizing antibodies. Reprint. medRxiv February 3, 2021. DOI: https://doi.org/10.1101/2021.01.19.21249840. [Crossref]

22 Sieber U, Pohl M. Datenchaos nach der Corona-Impfung? Verfügbar unter https://www.tagesschau.de/investigativ/kontraste/corona-impfung-nachbeobachtung-101.html (29.12.2020).

23 Verfügbar unter https://www.dgepi.de/assets/Stellungnahme-zum-Referentenentwurf-der-Coronavirus-Impfverordnung_CoronaImpfV.pdf (29.12.2020).

24 Verfügbar unter  https://www.dgepi.de/assets/Stellungnahmen/COVID19_Impfung_Routinedaten.pdf (29.12.2020).

25 Das öfter zitierte Urteil des Bundesverwaltungsgerichts zur Pockenimpfung 1959 ist ausdrücklich auf diese außerordentlich schwer verlaufende Infektionserkrankung beschränkt, mit der weder Masern noch COVID-19 verglichen werden können: BVerwG, Urt. v. 14.07.1959 – IC 170.56 – VerwGE 9,78 = NJW 1959, 2325. Verfügbar unter https://www.urteilsbesprechungen.de/2020/08/31/bundesverwaltungsgericht-urteil-vom-14-07-1959-c-17056/ (31.12.2020).

26 European Medicines Agency. First COVID-19 vaccine safety update. 29.01.2021. Verfügbar unter https://www.ema.europa.eu/en/news/first-covid-19-vaccine-safety-update-published (08.02.2021).

27 Paul-Ehrlich-Institut. Verdachtsfälle von Nebenwirkungen und Impfkomplikationen nach Impfung zum Schutz vor COVID-19 seit Beginn der Impfkampagne am 27.12.2020 bis zum 31.01.2021. 04.02.2021, S. 7. Verfügbar unter  https://www.pei.de/SharedDocs/Downloads/DE/newsroom/dossiers/sicherheitsberichte/sicherheitsbericht-27-12-bis-31-01-21.pdf?__blob=publicationFile&v=5 (05.02.2021).

28 COVID-19-Impfstoff von Moderna. arznei-telegramm 2021;52(1):3

29 Robert-Koch-Institut: Epidemiologisches Bulletin 2021;5:5. Verfügbar unter  https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2021/Ausgaben/05_21.pdf?__blob=publicationFile (05.02.2021).

30 Hirte M. Impfen – Pro & Contra. München: Knaur; 2018.

31 Bütikofer J. Schutzimpfungen: Aufklärungspflicht aus juristischer Sicht. Deutsches Ärzteblatt 1997;94(26):A-1794–1796. Verfügbar unter: https://www.aerzteblatt.de/archiv/6914/Schutzimpfungen-Aufklaerungspflicht-aus-juristischer-Sicht (29.12.2020). S. A 1794: „Aus juristischer Sicht sollte von Ärzten nicht verschwiegen werden, dass Impfungen keineswegs ein harmloser Eingriff in das Immunsystem sind … Eine Gelegenheit zur umfassenden Information durch ein Gespräch mit dem Impfarzt muss bei jedem Impftermin gegeben sein. Bei Einzelimpfungen in der Praxis des niedergelassenen Arztes ist die mündliche Aufklärung die Methode der Wahl. Der Bundesgerichtshof tritt nachhaltig für die Aufklärung im persönlichen Arzt-Patienten-Gespräch ein, dessen verantwortungsvolle Führung er dem Arzt – ohne Gängelung durch Rechtsvorschriften – an die Hand gibt ... In 20 Jahren beruflicher Erfahrung mit Impfschäden hatte ich nur mit sehr wenigen Fällen zu tun, in denen es schicksalsmäßig zu einem Impfschaden kam; die meisten schweren Impfschadensfälle, mit denen ich beruflich befasst war, wären wohl vermeidbar gewesen, wenn Kontraindikationen gegen Impfungen sorgfältiger beachtet worden wären und wenn insbesondere Kinder erst nach sorgfältiger Untersuchung routinemäßig geimpft worden wären. Wenn der Impfarzt nicht – oder zumindest nicht rechtzeitig – aufgeklärt hat oder diese Aufklärung zumindest nicht beweisen kann, können erhebliche strafrechtliche und auch zivilrechtliche Schwierigkeiten auf ihn zukommen.“

32 Auch in der entsprechenden Publikation der STIKO fehlt jeder Hinweis auf eine körperliche Untersuchung vor der Applikation des Impfstoffes: STIKO-Empfehlung zur COVID-19-Impfung. Epidemiologisches Bulletin 2021;2. Verfügbar unter https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2021/Ausgaben/02_21.pdf?__blob=publicationFile (29.12.2020).

33 Bütikofer J. Schutzimpfungen: Aufklärungspflicht aus juristischer Sicht. Deutsches Ärzteblatt 1997;94(26):A-1794–1796. Verfügbar unter: https://www.aerzteblatt.de/archiv/6914/Schutzimpfungen-Aufklaerungspflicht-aus-juristischer-Sicht (29.12.2020). S. A 1796: „Bei Verletzung der Aufklärungspflicht haftet der Impfarzt – was viel zu wenig bekannt ist – neben dem Staat wegen Vertragsverletzung und wegen unerlaubter Handlung, was unter anderem zu einem Schmerzensgeldanspruch des Impflings gegen den Impfarzt führt. Im Zivilprozess gegen den Arzt muss der Impfling nur beweisen, dass er geimpft wurde und der Schaden auf der Impfung beruhte. Der Arzt muss dagegen beweisen, dass eine wirksame Einwilligung vorlag, und das heißt vor allem, dass er hinreichend aufgeklärt hatte. Misslingt ihm dieser Beweis, dann wird er zur Zahlung von Schadensersatz und gegebenenfalls von Schmerzensgeld verurteilt. Da durch einen schweren Impfschaden nicht nur unvorstellbares menschliches Leid auf die Betroffenen zukommt, sondern auch enorme finanzielle Lasten auf die Krankenkassen, die Versorgungsämter, die durch den Impfschaden unmittelbar Betroffenen und unter Umständen auch auf den Impfarzt, sollte nicht nur aus menschlichen, sondern auch aus wirtschaftlichen Gründen darauf geachtet werden, dass Impfungen erst nach sorgfältiger Aufklärung und Beachtung von Kontraindikationen durchgeführt werden.“

34 Doshi P. Will covid-19 vaccines save lives? Current trials aren’t designed to tell us. The BMJ 2020:371. DOI: https://doi.org/10.1136/bmj.m4037. [Crossref]

35 Doshi P. Pfizer and Moderna’s „95% effective“ vaccines – let’s be cautious and first see the full data. The BMJ Opinion 2020. Verfügbar unter https://blogs.bmj.com/bmj/2020/11/26/peter-doshi-pfizer-and-modernas-95-effective-vaccines-lets-be-cautious-and-first-see-the-full-data/ (29.12.2020).

36 Doshi P. Pfizer and Moderna’s “95% effective” vaccines - we need more details and the raw data. The BMJ Opinion. https://blogs.bmj.com/bmj/2021/01/04/peter-doshi-pfizer-and-modernas-95-effective-vaccines-we-need-more-details-and-the-raw-data/ (07.01.2021).

37 STIKO-Empfehlung zur COVID-19-Impfung, S. 25: „Gegen den sekundären Endpunkt ‚schwere COVID-19-Erkrankung‘ … wurde eine Effizienz von 75 % ermittelt, die statistisch jedoch nicht signifikant war.“ Epidemiologisches Bulletin 2021;2:28. Beachtlich ist auch die kritische Stellungnahme der STIKO zu Verzerrungsrisiko und Vertrauenswürdigkeit der Evidenz, die u. a. aufführt, dass „in der Analyse der Wirksamkeit ca. 4000 ProbandInnen in beiden Studienarmen unberücksichtigt geblieben sind“ und „Teile des Studienpersonals offenbar nicht verblindet waren.“ Epidemiologisches Bulletin 2021;2:32-33. Die Evidenzqualität wurde in der Altersgruppe >75 Jahre aufgrund des weiten Konfidenzintervalls als gering eingeschätzt: In der höchsten Altersgruppe (≥75 Jahre) ist daher eine Aussage über die Effektivität der Impfung mit hoher Unsicherheit behaftet. STIKO-Empfehlung zur COVID-19-Impfung. Aktualisierung vom 14. Januar 2021. Epidemiologisches Bulletin 2021;2:28. Verfügbar unter https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2021/Ausgaben/02_21.pdf?__blob=publicationFile (25.01.2021).

38 Dagan N, Barda N, Kepten E, Miron O, Perchik S, Katz MA, Hernán MA, Lipsitch M, Reis B, Balicer RD. BNT162b2 mRNA Covid-19 Vaccine in a Nationwide Mass Vaccination Setting. New England Journal of Medicine 2021, Feb 24. DOI: https://doi.org/10.1056/NEJMoa2101765. [Crossref]

39 Logunov D et al. Safety and efficacy of an rAd26 and rAd5-vector-based heterologous prime-boost COVID-19 vaccine: an interim analysis of a randomised controlled phase 3 trial in Russia. The Lancet 2021; 397(10275):671-681. DOI: https://doi.org/10.1016/S0140-6736(21)00234-8. [Crossref]

40 COVID-19-Impfstoff von AstraZeneca. arznei-telegramm® 2021;2:9–12.

41 Lopez Bernal J, Andrews N, Gower C, Stowe J, Robertson C, Tessier E, Simmons R, Cottrell S, Roberts R, O’Doherty M, Brown K, Cameron C, Stockton D, McMenamin J, Ramsay M. Early effectiveness of COVID-19 vaccination with BNT162b2 mRNA vaccine and ChAdOx1 adenovirus vector vaccine on symptomatic disease, hospitalisations and mortality in older adults in England. medRixv 2021, March. DOI: https://doi.org/10.1101/2021.03.01.21252652. [Crossref]

42 Voysey M et al. Single-dose administration and the influence of the timing of the booster dose on immunogenicity and efficacy of ChAdOx1 nCoV-19 (AZD1222) vaccine: a pooled analysis of four randomised trials. The Lancet 2021, Feb. 19. DOI: https://doi.org/10.1016/S0140-6736(21)00432-3. [Crossref]

43 Verfügbar unter http://www.bjbpi.com/news_list.asp?id=787 (31.12.2020).

44 Doshi P. Will covid-19 vaccines save lives? Current trials aren’t designed to tell us. The BMJ 2020:371. DOI: https://doi.org/10.1136/bmj.m4037. [Crossref]

45 Bei dem BioNTech/Pfizer-Impfstoff waren in der Zulassungsstudie 4 % der Geimpften über 75 Jahre alt, bei sehr geringen Fallzahlen war bei 5 vs. 0 symptomatischen SARS-CoV-2-Infektionen keine statistisch signifikante Wirksamkeit nachweisbar: vgl.: arznei-telegramm® 2020;51(12). Verfügbar unter https://www.arznei-telegramm.de/01index.php3 (29.12.2020).

46 Die Studie zu dem Moderna-mRNA-Impfstoff schloss 7.000 Menschen im Alter über 65 Jahre ein. Verfügbar unter https://investors.modernatx.com/news-releases/news-release-details/moderna-announces-primary-efficacy-analysis-phase-3-cove-study/ (30.12.2020). Differenziertere Angaben dazu sind bisher nicht bekannt.

47 European Medicines Agency. EMA recommends COVID-19 Vaccine AstraZeneca for authorisation in the EU. 29.01.2021. Verfügbar unter https://www.ema.europa.eu/en/news/ema-recommends-covid-19-vaccine-astrazeneca-authorisation-eu (06.01.2021).

48 Robert Koch Institut. Beschluss der STIKO zur 2. Aktualisierung der COVID-19-Impfempfehlung. Epidemiologisches Bulletin 2021; 5. 04.02.2021. Verfügbar unter https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2021/Ausgaben/05_21.pdf?__blob=publicationFile (06.02.2021).

49 Andrew MK, McElhaney JE. Age and frailty in COVID-19 vaccine development. The Lancet, 2020;396(10267):1942–1944. DOI: https://doi.org/10.1016/S0140-6736(20)32481-8. [Crossref]

50 Ramasamy MN, Minassian AM, Ewer KJ, et al. Safety and immunogenicity of ChAdOx1 nCoV-19 vaccine administered in a prime-boost regimen in young and old adults (COV002): A single-blind, randomised, controlled, phase 2/3 trial. The Lancet 2020;396(10267):1979–1993. DOI: https://doi.org/10.1016/S0140-6736(20)32466-1. Andrew and McElhaney kommentieren die Studie von Ramasamy zu dem Impfstoff der Universität Oxford und AstraZeneca im Prinzip positiv, konstatieren aber: „The main study limitations were its single-blind design, the inclusion of few participants older than 80 years, and exclusion of people with substantial underlying chronic illnesses and frailty“ (S. 1943).

51 Iacobucci G, MahaseE. Covid-19 vaccination: What’s the evidence for extending the dosing interval? BMJ 2021; 372 DOI: https://doi.org/10.1136/bmj.n18. [Crossref]

52 Editorial. COVID-19 vaccines: No time for complacency. The Lancet 2020;396(10263):1607. DOI: https://doi.org/10.1016/S0140-6736(20)32472-7. [Crossref]

53 Verfügbar unter https://www.vfa.de/de/arzneimittel-forschung/woran-wir-forschen/impfstoffe-zum-schutz-vor-coronavirus-2019-ncov (30.12.2020).

54 Afrough B, Dowall S, Hewson R. Emerging viruses and current strategies for vaccine intervention. Clinical & Experimental Immunology 2019;196(2):157–166. DOI: https://doi.org/10.1111/cei.13295. [Crossref]

55 Logunov DY, Dolzhikova IV, Shcheblyakov DV et al. Safety and efficacy of an rAd26 and rAd5 vector-based heterologous prime-boost COVID-19 vaccine: an interim analysis of a randomised controlled phase 3 trial in Russia. The Lancet 2021, Feb. 2. DOI: https://doi.org/10.1016/S0140-6736(21)00234-8. [Crossref]

56 Mahase E. Covid 19: Novavax vaccine efficacy is 86% against UK variant and 60% against South African variant. British Medical Journal 2021;372. DOI:  https://doi.org/10.1136/bmj.n296. [Crossref]

57 Das geht aus dem 53-seitigen FDA Briefing Document von Pfizer für das Vaccines and Related Biological Products Advisory Board Meeting mit der FDA vom 10.12.2020 hervor: Pfizer and BioNTech. Vaccines and Related Biological Products. Advisory Committee Meeting, December 10, 2020, S. 12. Verfügbar unter https://www.fda.gov/media/144245/download (30.12.2020).

58 So bei einem chinesischen inaktivierten SARS-CoV-2-Impfstoff: Zhang Y, Zeng G, Pan H, et al. Safety, tolerability, and immunogenicity of an inactivated SARS-CoV-2 vaccine in healthy adults aged 18–59 years: A randomised , double-blind, placebo-controlled, phase 1/2 clinical trial. The Lancet Infectious Diseases 2020. DOI: https://doi.org/10.1016/S1473-3099(20)30843-4. [Crossref]

59 Rabe, S. mRNA- und Virus-Vektor-Impfstoffe. Verfügbar unter https://impf-info.de/pdfs/mRNA_VV_Impfstoffe_201202.pdf (30.12.2020).

60 Liu MA. A comparison of plasmid DNA and mRNA as vaccine technologies. Vaccines (Basel) 2019;7(2):37. DOI: https://doi.org/10.3390/vaccines7020037. [Crossref]

61 Aber es besteht ein Insertionsrisiko in Gegenwart einer reversen Transkriptase.

62 Paul-Ehrlich-Institut. Verdachtsfälle von Nebenwirkungen und Impfkomplikationen nach Impfung zum Schutz vor COVID-19 seit Beginn der Impfkampagne am 27.12.2020 bis zum 31.01.2021. 04.02.2021, S. 13. Verfügbar unter  https://www.pei.de/SharedDocs/Downloads/DE/newsroom/dossiers/sicherheitsberichte/sicherheitsbericht-27-12-bis-31-01-21.pdf?__blob=publicationFile&v=5 (05.02.2021).

63 Daten unveröffentlicht, die Daten der klinikinternen Survey liegen den Autoren vor.

64 Pardi N, Hogan MJ, Porter FW, Weissman D. mRNA vaccines — A new era in vaccinology. Nature Reviews 2018;17:261–279. Verfügbar unter https://www.nature.com/articles/nrd.2017.243.pdf?origin=ppub (30.12.2020): „A possible concern could be that some mRNA-based vaccine platforms induce potent type I interferon responses, which have been associated not only with inflammation but also potentially with autoimmunity. Thus, identification of individuals at an increased risk of autoimmune reactions before mRNA vaccination may allow reasonable precautions to be taken.“ (S. 275)

65 Jötten F. Wird Adenovirus-DNA ins Genom eingebaut? Spektrum der Wissenschaft 2021;2. Verfügbar unter https://www.spektrum.de/news/vektor-impfstoff-wird-adenovirus-dna-ins-genom-eingebaut/1835725 (03.03.2021).

66 Verfügbar unter https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/121263/COVID-19-Die-Datenlage-zum-Astrazeneca-Impfstoff-auf-einen-Blick (03.03.2021).

67 Hüttemann D. Was genau müssen Apotheker und PTA tun? Pharmazeutische Zeitung 02.12.2020. Verfügbar unter https://www.pharmazeutische-zeitung.de/was-genau-muessen-apotheker-und-pta-tun-122284 (30.12.2020).

68 Unabhängig davon, in welchem Ausmaß die Bundeswehr in diese Form der Versorgung einbezogen wird, was in einer Reihe von Impfzentren geplant ist.

69 Verfügbar unter http://www.bjbpi.com/news_list.asp?id=787 (31.12.2020).

70 Ein Berliner Labor informiert zur Messung von SARS-CoV-2-IgG-Antikörpern: „Nach der aktuellen Datenlage muss herstellerübergreifend in etwa 12–14 % der Fälle mit falsch positiven Ergebnissen gerechnet werden… Bedeutet Antikörpernachweis auch Immunität? Die für diese Aussage notwendigen Langzeitstudien kann es aktuell noch nicht geben.“ IMD Labor Berlin. Indikation und Interpretation der SARS-CoV-2-Antikörperdiagnostik. Verfügbar unter https://www.imd-berlin.de/fachinformationen/diagnostikinformationen/indikation-und-interpretation-der-sars-cov-2-antikoerperdiagnostik.html (30.12.2020).

71 Ng KW, Faulkner N, Cornish GH, et al. Preexisting and de novo humoral immunity to SARS-CoV-2 in humans. Science 2020;370(6522):1339–1343. DOI: https://doi.org/10.1126/science.abe1107. [Crossref]

72 Die STIKO-Empfehlung zur COVID-19-Impfung weist darauf hin, dass „präexistente SARS-CoV-2 reaktive CD4+-Gedächtnis-T-Zellen … sowohl an der Kontrolle als auch an der Pathologie von COVID-19“ beteiligt sein können: STIKO-Empfehlung zur COVID-19-Impfung. Epidemologisches Bulletin 2021;2:12. Verfügbar unter https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2021/Ausgaben/02_21.pdf?__blob=publicationFile (25.01.2021).

73 Pierce CA, Preston-Hurlburt P, Dai Y, et al. Immune responses to SARS-CoV-2 infection in hospitalized pediatric and adult patients. Science Translational Medicine 2020;12(564):eabd5487. DOI: https://doi.org/10.1126/scitranslmed.abd5487. [Crossref]

74 Ludvigsson JF. Systematic review of COVID-19 in children shows milder cases and a better prognosis than adults. Acta Paediatrica 2020;109(6):1088–1095. DOI: https://doi.org/10.1111/apa.15270. [Crossref]

75 Zeichner SL, Cruz AT. Multisystem inflammatory syndrome in children and SARS-CoV-2 Serology. Pediatrics 2020;146(6):e2020032888. DOI: https://doi.org/10.1542/peds.2020-032888. [Crossref]

76 Rabe, S. mRNA- und Virus-Vektor-Impfstoffe, verfügbar unter https://impf-info.de/pdfs/mRNA_VV_Impfstoffe_201202.pdf (30.12.2020), weist auf eine wichtige Aussage in der Publikation von Zeichner und Cruz hin, die damit zusammenhängt, dass das MIS-C-Syndrom offensichtlich mit stark erhöhten Antikörpertitern gegen die rezeptorbindende Region (RBD) des Corona-Spike-Virus einhergeht: „Close attention to vaccines eliciting anti-RBD antibodies may be advisable, if dysregulated or aberrant responses against RBD or parts of RBD contribute to hyperinflammation. Many candidate vaccines aim to elicit responses against the entire S, including RBD. Some aim to specifically elicit antibodies against RBD. Although a COVID-19 vaccine is urgently needed, leading vaccinologists have cautioned against deploying vaccines without thorough safety evaluations, recalling unfortunate past tragedies involving candidate vaccines, with vaccination yielding increased morbidity and mortality when vaccine recipients were later infected with circulating virus. If strong anti-RBD responses are associated with an increased risk of inflammatory disorders, it may then be advantageous to develop vaccines that, while eliciting excellent anti–SARS-CoV-2 neutralizing activity, preferentially avoid eliciting strong anti-RDB immune responses.“ Grundsätzlich besteht bei Coronaviren das Risiko infektionsverstärkender Antikörper (antibody dependent enhancement). Inwiefern – evtl. nicht nur coronaspezifische – Impfungen die Bereitschaft einer solchen immunologischen Fehlregulation erhöhen können, ist bisher ungeklärt.

77 Lee B, Raszka WV. COVID-19 transmission and children: The child is not to blame. Pediatrics 2020;146(2):e2020004879. DOI: https://doi.org/10.1542/peds.2020-004879. [Crossref]

78 Gilliam WS, Malik AA, Shafiq M, et al. COVID-19 transmission in US child care programs. Pediatrics 2020:e2020031971. DOI: https://doi.org/10.1542/peds.2020-031971. [Crossref]

79 Schwarz S, Jenetzky E, Krafft H, et al. Corona in children: The Co-Ki study. Monatsschrift Kinderheilkunde 2020:1–6. DOI: https://doi.org/10.1007/s00112-020-01050-3. [Crossref]

80 Isphording IE, Lipfert M, Pestel N. School re-openings after summer breaks in Germany did not increase SARS-CoV-2 cases. IZA DP 2020;No. 13790. Verfügbar unter http://ftp.iza.org/dp13790 (30.12.2020).

81 Zhu Y, Bloxham CJ, Hulme KD, et al. A meta-analysis on the role of children in SARS-CoV-2 in household transmission clusters. Clinical Infectious Diseases 2020:ciaa1825. DOI: https://doi.org/10.1093/cid/ciaa1825. [Crossref]

82 Wood R, Thomson EC, Galbraith R, et al. Sharing a household with children and risk of COVID-19: A study of over 300,000 adults living in healthcare worker households in Scotland. medRxiv preprint 2020. DOI: https://doi.org/10.1101/2020.09.21.20196428. [Crossref]

83 Paul-Ehrlich-Institut. Sicherheit von COVID-19-Impfstoffen. Verfügbar unter https://www.pei.de/DE/newsroom/dossier/coronavirus/coronavirus-inhalt.html?nn=13577266&cms_pos=5 (06.02.2021).

84 Sarkanen TO, Alakuijala APE, Dauvilliers YA, Partinen, MM. Incidence of narcolepsy after H1N1 influenza and vaccinations: Systematic review and meta-analysis. Sleep Medicine Reviews 2018;38:177–186. DOI: https://doi.org/10.1016/j.smrv.2017.06.006. [Crossref]

85 Sudre CH, Murray B, Varsavsky T, et al. Attributes and predictors of Long-COVID: Analysis of COVID cases and their symptoms collected by the Covid Symptoms Study App. medRxiv preprint 2020. DOI: https://doi.org/10.1101/2020.10.19.20214494. [Crossref]

86 Clift AK, Coupland CAC, Keogh RH, et al. COVID-19 mortality risk in Down syndrome: Results from a cohort study of 8 million adults. Annals of Internal Medicine 2020; DOI: https://doi.org/10.7326/M20-4986. [Crossref]

87 American Academy of Developmental Medicine & Dentistry. Joint Position Statement on Equity for People with Intellectual and Developmental Disabilities (IDD) Regarding COVID-19 Vaccine Allocation and Safety. Updated December 9, 2020. Verfügbar unter https://ddi.wayne.edu/aucd/covid19vaccine-idd-statement.pdf (14.01.2021).

88 Soldner G, Breitkreuz T. COVID-19. Der Merkurstab 2020;73(4):225–234. DOI: https://doi.org/10.14271/DMS-21241-DE. [Crossref]

89 Positionspapier der STIKO, Leopoldina und des Deutschen Ethikrats zur Verteilung eines COVID-19-Impfstoffes. Verfügbar unter https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/Impfen/ImpfungenAZ/COVID-19/Positionspapier.html (30.12.2020).

90 Positionspapier der STIKO, Leopoldina und des Deutschen Ethikrats zur Verteilung eines COVID-19-Impfstoffes. Verfügbar unter https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/Impfen/ImpfungenAZ/COVID-19/Positionspapier.html (30.12.2020), S. 2: „Eine undifferenzierte, allgemeine Impfpflicht ist deshalb auszuschließen. Wenn überhaupt, ließe sich eine Impfpflicht nur durch schwerwiegende Gründe und für eine präzise definierte Personengruppe rechtfertigen. Dies beträfe insbesondere Mitarbeiter*innen, die als potenzielle Multiplikatoren in ständigem Kontakt mit Angehörigen einer Hochrisikogruppe sind, wenn nur durch eine Impfung schwere Schäden von dieser Personengruppe abgewendet werden könnten. Die dazu erforderlichen legislativen Festlegungen und deren konkrete Anwendung müssten zudem im Lichte der sich weiterentwickelnden Kenntnislage zu Wirk- und Risikoprofilen der neuen Impfstoffe getroffen und überprüft werden. Insofern käme eine bereichsspezifische Impfpflicht im Kontext von Impfstoffen gegen COVID-19 insbesondere erst dann in Betracht, wenn eine zeitlich ausreichende Beobachtung der Wirkweise des Impfstoffs stattgefunden hat. Zugleich ist der ethische Grundsatz der Nichtschädigung bzw. des Integritätsschutzes berührt.“

91 Verfügbar unter https://www.fr.de/ratgeber/gesundheit/corona-covid-19-coronavirus-impfstoff-impfen-impfpflicht-experte-zulassung-warnung-90117382.html (31.12.2020).

92 Nach Umfrageergebnissen ist das SARS-CoV-2-Infektionsrisiko der Beschäftigten in der Langzeitpflege gegenüber der Normalbevölkerung 6-fach erhöht: Betsch C, Korn L, Felgendreff L, et al. COVID-19 Snapshot Monitoring (COSMO Germany) – Wave 26. PsychArchives 2020. DOI: https://doi.org/10.23668/PSYCHARCHIVES.4356. [Crossref]

93 Betsch C, Korn L, Felgendreff L, et al. COVID-19 Snapshot Monitoring (COSMO Germany) – Wave 24. PsychArchives 2020. DOI: http://dx.doi.org/10.23668/psycharchives.4317. Auf die gleiche Studie weist auch die aktuelle Empfehlung der STIKO zur COVID-19-Impfung hin: STIKO-Empfehlung zur COVID-19-Impfung. Epidemologisches Bulletin 2021;2:58. Verfügbar unter https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2021/Ausgaben/02_21.pdf?__blob=publicationFile (25.01.2021): „… fällt die Impfbereitschaft des Medizinischen Personals am geringsten aus.“

94 Jacobs K, Kuhlmey A, Greß S, Klauber J, Schwinger A (Hg). Pflege-Report 2016. Schwerpunkt: Die Pflegenden im Fokus, Stuttgart: Schattauer; 2016.

95 Nolting HJ, Grabbe Y, Genz HO, Kordt M. Beschäftigtenfluktuation bei Pflegenden: Ein Vergleich der Bedeutung von arbeitsbedingtem Stress, organisationalen und individuellen Faktoren für die Absicht zum Berufswechsel und zum innerberufIichen Arbeitsplatzwechsel. Pflege 2006;19:108–115. DOI: https://doi.org/10.1024/1012-5302.19.2.108. [Crossref]

96 Redaktion Rechtsdepesche. Wieso ein Ausstieg aus der Pflege? 24.04.2018. Verfügbar unter https://www.rechtsdepesche.de/wieso-ein-berufsausstieg-aus-der-pflege/ (30.12.2020).

97 Bundesgesetzblatt 2020, Teil I, Nr. 6, Bonn, 13.02.2020.

98 Deutscher Ethikrat. Besondere Regeln für Geimpfte? Ad-hoc-Empfehlung. Berlin, 04.02.2021.

99 Parliamentary Assembly. Covid-19 vaccines: ethical, legal and practical considerations. Resolution 2361. January 27, 2021. Verfügbar unter  https://pace.coe.int/en/files/29004/html (06.02.2021).

100 Tillet RL, Sevinsky JR, Hartley PD, et al. Genomic evidence for reinfection with SARS-CoV-2: A case study. The Lancet Infectious Diseases 2020;21(1):52–58. DOI: https://doi.org/10.1016/S1473-3099(20)30764-7. [Crossref]

101 European Centre for Disease Prevention and Control. Immune responses and immunity to SARS-CoV-2. Verfügbar unter https://www.ecdc.europa.eu/en/covid-19/latest-evidence/immune-responses (31.12.2020).

102 Verfügbar unter https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/119116/STIKO-Impfempfehlungen-liegen-vor-Medizinisches-Personal-wird-nicht-gleichermassen-priorisiert. (30.12.2020).

103 Siehe auch: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/119069/Schwangere-und-Kinder-wahrscheinlich-von-Impfung-auf-SARS-CoV-2-ausgeschlossen (31.12.2020). The Guardian berichtete am 09.12.2020, dass die Impfung nur in Einrichtungen durchgeführt werden sollte, in denen Wiederbelebungsmaßnahmen verfügbar seien.

104 Verfügbar unter https://www.theguardian.com/world/2020/dec/09/pfizer-covid-vaccine-nhs-extreme-allergy-sufferers-regulators-reaction (30.12.2020).

105 Studie begleitet Corona-Impfungen. Süddeutsche Zeitung, 27.12.2020, 16.17 Uhr. Verfügbar unter https://www.sueddeutsche.de/bayern/gesundheit-muenchen-studie-begleitet-corona-impfungen-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-201227-99-824198 (02.01.2021).

106 Corona begegnen. Eine Million Euro für Impfstudie CoVAKo 2021. Verfügbar unter https://www.virologie.uk-erlangen.de/aktuelles/nachrichten/detail/corona-begegnen/ (31.12.2020).


Info: https://www.anthromedics.org/PRA-0971-DE#list-sections-5

17.03.2021

"Totales Versagen unserer Regierung":
Schockierende Abrechnung eines Hausarztes mit der Coronapolitik

youtube.com, Live-Stream-Auszug v. Boris Reitschuster (https://reitschuster.de) vom 13.03.2021

Zitat: "Es reicht! So kann man mit so einer Situation nicht umgehen" – so das Urteil eines Berliner Hausarzts über den Corona-Kurs unserer Regierungen: "Es geht um das totale Versagen unserer Regierung. Wie gravierend die so genannte Pandemie ist, darüber kann man sich streiten. Aber dass das schief gelaufen ist im letzten Jahr, darüber kann man sich nicht streiten." Das größte Problem seien "die Patienten, die unter den Folgen des Lockdowns leiden", klagt der Mediziner: "Ich habe die Schnauze voll von Müttern zu hören, dass ihre Kinder mit Depressionen Zuhause im Zimmerchen sitzen, via Internet beschult werden, sich nicht mehr auf die Straße raus trauen und eine Therapie anfangen müssen. Ich habe keine Lust mehr, das zu hören. Ich höre das oft. Letzte Woche hatte ich wieder einen Rentner, einen älteren Herr, der ist total depressiv, der weiß nicht, was er machen soll den ganzen Tag."


Info: Video https://www.youtube.com/watch?v=8NTZcYdEOxI&t=1s Dauer 21:27 Min.

17.03.2021

Deutsch-russische Brückenenergien
Berlin dringt auf Kurskorrekturen in der EU-Russlandpolitik und zielt auf Kooperation bei der Nutzung von Wasserstoff als Energieträger.

German-Foreign-Policy.com, 17. März 2021

BERLIN/MOSKAU (Eigener Bericht) - Berlin dringt vor dem EU-Gipfel in der kommenden Woche auf Kurskorrekturen in der Russlandpolitik. Dies geht aus einem Bericht über ein internes Treffen in Brüssel und aus einem in der EU zirkulierenden "non-paper" aus Deutschland hervor. Demnach verlangte der deutsche EU-Botschafter in Russland, Markus Ederer, vergangene Woche bei einer Zusammenkunft mit mehreren Spitzenvertretern des Europäischen Auswärtigen Diensts eine engere Kooperation mit Moskau in ausgewählten Bereichen. Bereits zuvor hatte ein in der Union in Umlauf gebrachtes deutsches Papier ungeachtet der fortbestehenden EU-Sanktionen für mehr Zusammenarbeit in der Klimapolitik geworben - vor allem bei der Nutzung von Wasserstoff als Energieträger. Während der deutsche Bedarf an Wasserstoffimporten in den nächsten Jahren stark wachsen wird, besitzt Russland erhebliche Potenziale zur Herstellung des Elements aus Gas wie auch mit Hilfe von Windenergie. Erste Projekte sind in Arbeit; Berlin unterstützt die Pläne. Dabei gilt die Pipeline Nord Stream 2 als in Zukunft nützlicher Wasserstoffimportkanal.


Berlin macht Druck

Für Kurskorrekturen in der Russlandpolitik hat sich am Montag vergangener Woche der EU-Botschafter in Moskau, Markus Ederer, ausgesprochen. Ederer, der im Lauf seiner Karriere unter anderem als Leiter des Planungsstabs (2005 bis 2010) sowie als Staatssekretär (2014 bis 2017) im Auswärtigen Amt gearbeitet hat, hat mit seinem im Oktober 2017 angetretenen Moskauer Posten schon die zweite bedeutende Funktion in der EU-Diplomatie nach seiner Tätigkeit als Botschafter der Union in China (Januar 2011 bis Januar 2014) inne; er kann in Berlin wie in Brüssel als diplomatisches Schwergewicht gelten. Bei einer Zusammenkunft mit dem EU-Außenbeauftragten Josep Borrell, dem Generalsekretär des Europäischen Auswärtigen Diensts, Stefano Sannino, dessen Stellvertreter Pedro Serrano sowie dem Leiter der Russlandabteilung, Luc Pierre Devigne, setzte sich Ederer am Montag, wie berichtet wird, für mehr Kooperation mit Moskau ein: Es gelte sich aus der Fixierung auf den Ukraine-Konflikt zu lösen, wird der Diplomat zitiert.[1] Am Mittwoch hätten sich dann, heißt es weiter, auf dem Treffen der EU-Botschafter mehrere Staaten ähnlich geäußert; Italien etwa habe eine engere Wirtschaftskooperation vorgeschlagen. Einige Staaten Osteuropas hingegen hätten auf der Verschärfung der Aggressionskurses beharrt.


"Schwierig, aber unverzichtbar"

Bereits zuvor war ein Papier mit ähnlicher Stoßrichtung bekanntgeworden, das Berlin in Brüssel in Umlauf gebracht hatte, wobei es offiziell als nicht unterzeichnetes und nicht formal zuzuordnendes "non-paper" firmiert - eine übliche Methode, Debatten anzustoßen, ohne sich offiziell festzulegen. Das "non-paper" sieht zwar eine enge transatlantische Abstimmung gegenüber Russland vor und beinhaltet keine Abkehr von den jüngsten Sanktionen und anderen Aggressionen (german-foreign-policy.com berichtete [2]). Es plädiert aber dafür, in bestimmten Bereichen die Kooperation zu suchen und damit die Eskalationsspirale, in die die Beziehungen zu Moskau aktuell zu geraten drohen, zumindest zu bremsen. Als Motiv wird genannt, dass Russland in mehreren Weltregionen, etwa in Nordafrika sowie im Nahen und Mittleren Osten, eine zwar "oft schwierige", aber doch "unverzichtbare" Rolle spielt, weshalb die EU nicht umhinkomme, in gewissem Maß mit ihm zu kooperieren, wolle sie selbst dort Einfluss nehmen.[3] Die Union solle deshalb auf bestimmten Feldern die Zusammenarbeit mit Russland suchen, so zum Beispiel in der Klimapolitik. In diesem Zusammenhang nennt das deutsche "non-paper" ausdrücklich eine intensivere Kooperation etwa in Sachen Wasserstoff.


Folgen der Energiewende

Hintergrund ist auf deutscher Seite der wegen der Energiewende absehbar steigende Bedarf an Wasserstoff als Energieträger. Allein bis 2030 sagt die Bundesregierung einen Wasserstoffbedarf von 90 bis 110 TWh voraus. Davon werde der überwiegende Teil importiert werden müssen, heißt es in der "Nationalen Wasserstoffstrategie" der Regierung vom Juni 2020.[4] Dabei hatte Berlin zunächst vor allem sonnen- und windreiche Gebiete in Nordafrika als Produktionsstätten "grünen" Wasserstoffs im Visier, der dann per Tanker antransportiert werden soll; ein Abkommen mit Marokko vom 29. November 2019 sieht unter anderem eine solche Kooperation vor.[5] Russland wiederum nimmt seit vergangenem Jahr ebenfalls neue Wasserstoffaktivitäten in den Blick. Grund dafür ist, dass die Energiewende in der EU zu einem nach 2030 perspektivisch klar sinkenden Bedarf an Erdöl und Erdgas führen und damit Russlands wichtigste Exporte stark reduzieren wird. Als Alternative bewirbt Russlands neue Energiestrategie aus dem Jahr 2020 den Einstieg in die Produktion "blauen" und "türkisen" Wasserstoffs aus Erdgas; zudem ist "grüner" Wasserstoff aus Windenergie im Gespräch. Ab spätestens 2035 werde man zwei Millionen Tonnen Wasserstoff im Jahr exportieren können, spekulieren Wirtschaftskreise.[6]


"Zukunftstechnologie Wasserstoff"

Mittlerweile sind konkrete Projekte gestartet worden. Auf russischer Seite wollen unter anderem Gazprom und der größte private Energiekonzern des Landes, Novatek, in die Produktion von Wasserstoff einsteigen. Gazprom hat dazu beim Karlsruher Institut für Technologie (KIT) eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben [7], während Novatek mit Siemens kooperieren will; die beiden Konzerne, die schon jetzt bei Novatek-Flüssiggasprojekten in der russischen Arktis eng zusammenarbeiten, haben im Dezember 2020 eine Übereinkunft unterschrieben, die auch ein Vorhaben zur Umstellung von Flüssiggas auf Wasserstoff umfasst [8]. Auf deutscher Seite wirbt neben dem Ost-Ausschuss der deutschen Wirtschaft mittlerweile auch die Bundesregierung für "Zusammenarbeit in Forschung und Industrie" bezüglich der "Zukunftstechnologie Wasserstoff", wie es kürzlich der Regierungskoordinator für zwischengesellschaftliche Zusammenarbeit mit Russland, Johann Saathoff, formulierte. Saathoff, der zugleich als energiepolitischer Koordinator der SPD-Bundestagsfraktion fungiert, kündigte an, Berlin werde im Rahmen des im November gestarteten Deutsch-Russischen Themenjahres "Wirtschaft und nachhaltige Entwicklung 2020-2022" "eine neue Struktur schaffen, die den Dialog ... zum Thema Wasserstoff beleben wird".[9]


Nord Stream 2

Saathoff wies nicht nur darauf hin, dass Russland neben seinen Erdgasvorräten auch exzellente Voraussetzungen für die Nutzung von Windenergie aufweist: "Die rechnerische Kapazität für die Onshore-Windkraft liegt bei mindestens dem Tausendfachen der heute in Deutschland installierten Windenergie".[10] Der Berliner Regierungskoordinator erinnerte auch daran, dass - anders als im Falle Marokkos - "schon heute die Transport-Infrastruktur" zur Lieferung des Wasserstoffs nach Deutschland existiert: "Die Pipelines, durch die heute Öl und Gas zu uns strömen, können auf Wasserstoff umgestellt werden." Die deutsch-russischen Pläne zur Wasserstoffkooperation gehen entsprechend mit dem Beharren der Bundesregierung auf dem Bau der Gaspipeline Nord Stream 2 einher. Jüngst hat etwa der Staatssekretär im Auswärtigen Amt Miguel Berger auf dem virtuellen Jahresauftakt des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft bekräftigt: "Wir haben kein Interesse daran, dass dieses Projekt [Nord Stream 2] zu einer Investitionsruine wird".[11] Zwar sei man bereit, mit der Biden-Administration über gewisse Zugeständnisse zu verhandeln; klar sei jedoch: "Am Ende dieses Dialogs muss die Finalisierung der Pipeline stehen." Entsprechend hatte sich zuvor auch Außenminister Heiko Maas festgelegt.[12]

 

[1] Alberto Nardelli: EU Officials Plot Lighter Touch on Russia But It's a Tough Sell. bloomberg.com 13.03.2021.

[2] S. dazu In der Eskalationsspirale.

[3] Michael Peel: Germany urges new outreach to Moscow on climate change. ft.com 07.03.2021.

[4] Die Nationale Wasserstoffstrategie. Berlin, Juni 2020.

[5] S. dazu Die Geoökonomie des Wasserstoffs.

[6] Hans-Jürgen Wittmann: Russland möchte bis 2035 Weltmarktführer bei Wasserstoff werden. gtai.de 25.12.2020. S. auch Die Geopolitik des European Green Deal (II).

[7] Hans-Jürgen Wittmann: Russland entwickelt eigene Wasserstofftechnologien. gtai.de 01.07.2020.

[8] Lydia Woellwarth: Novatek and Siemens Energy sign agreement. lngindustry.com 11.12.2021.

[9], [10] Johann Saathoff: Die Bundesrepublik sollte ihre Kooperation mit Russland und seinen Nachbarn ausbauen. handelsblatt.com 08.02.2021.

[11] Virtueller Jahresauftakt mit Bundespräsident Steinmeier und 350 Gästen. ost-ausschuss.de 26.02.2021.

[12] S. dazu Transatlantische Sanktionen (III).


Info: https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/8553 

16.03.2021

Zehn Jahre Krieg in Syrien    –    Wie aus einem Planspiel des US-Geheimdienstes Wirklichkeit wurde

de.rt.com, vom 15 Mär. 2021 20:07 Uhr, von Karin Leukefeld
Seit 2011 wurde ein ursprünglich innenpolitischer Konflikt in Syrien zu einem Stellvertreterkrieg, wie ihn der US-Militärgeheimdienst 2012 vorgezeichnet hatte. Mit dem "Bürgerkrieg", um die Regierung Assad zu beseitigen, wird bis heute vor allem das syrische Volk geschunden.


Zitat: Was im März 2011 als innenpolitischer Konflikt um politische Reformen und wirtschaftliche Teilhabe in Syrien begann – und auch hätte gelöst werden können – war kein "Bürgerkrieg", denn nur wenige der 23 Millionen Syrer beteiligten sich daran. Die Mehrheit der reformorientierten Demonstranten blieb zu Hause, als aus den Protesten ein bewaffneter Aufstand wurde, der eine "deutlich konfessionelle Richtung" annahm. Die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung – nach offiziellen Zahlen 12 Millionen – versuchte sich vor den Kämpfen anderswo innerhalb des Landes oder jenseits der Grenzen in Sicherheit zu bringen.Der US-Militärgeheimdienst DIA skizzierte im  August 2012 in einem "nicht abschließend bewerteten" Bericht an die US Regierungsspitze und die Führungsebene des US-Militärs, die Lage und den Ausblick des Krieges folgendermaßen:

"Salafisten, die Muslimbruderschaft und AQI (Al-Qaida im Irak) sind die wichtigsten Kräfte, die den Aufstand in Syrien vorantreiben"

Und weiter:

"Der Westen, die Golfstaaten und die Türkei unterstützen die Opposition; während Russland, China und Iran das Regime unterstützen."

In dem Papier wurde die Entwicklung – ein Stellvertreterkrieg auf dem Rücken der Syrer und der gesamten Region – bereits vorausgesagt: Stärkung von Al-Qaida und der Nusra Front, religiöse Hetze zur Kriegsmobilisierung gegen die Regierung Assad, die mit der "ungläubigen Partei Hisbollah (....) und anderen abtrünnigen Regimen wie Irak und Iran"  zusammenarbeite. Das Grenzgebiet zwischen Syrien und Irak wurde als strategische Fläche markiert. Die dort lebende Bevölkerung hege "Sympathie" und mobilisiere Freiwillige, um "die Sunniten in Syrien zu unterstützen". Die Gründung eines "salafistischen Fürstentums" wurde nicht ausgeschlossen, "und das ist genau das, was die Mächte, die die Opposition unterstützen wollen, um das syrische Regime zu isolieren (....)". Die "schiitische Expansion" (aus Iran und Irak) solle gestoppt werden, das Geschehen entwickle sich zu einem Stellvertreterkrieg, die Lage im Irak verschlechtere sich.


Als voraussichtliche Perspektive hieß es in der DIA-Untersuchung: Oppositionskräfte werden versuchen, "die östlichen Gebiete (Al-Hasaka, Deir ez-Zor), die Gebiete an der Grenze zur Türkei sowie die westirakischen Provinzen Mossul und Anbar unter ihre Kontrolle zu bringen. "Westliche Staaten, die Golfstaaten und die Türkei unterstützen diese Bemühungen", so der DIA-Bericht weiter:

"Es wird helfen, sichere Häfen unter internationalem Schutz vorzubereiten, ähnlich wie damals in Libyen, als man Bengasi als Kommandozentrale der Übergangsregierung auswählte."  

Konfrontation versus Kooperation

Der Krieg in Syrien und die Folgen für die Nachbarländer spaltet die Welt. Die Region zwischen dem Persischen Golf und dem Mittelmeer ist Austragungsort regionaler und internationaler Interessen. Die USA und Europa wollen mit allen Mitteln Einfluss und Kontrolle festigen, China und Russland wollen mit den Staaten der Region Wirtschaft und Handel ausbauen.


Zehn Jahre Krieg in Syrien: Ein Kampf gegen Barbarei und Regime-Change-Agenda

Meinung

Zehn Jahre Krieg in Syrien: Ein Kampf gegen Barbarei und Regime-Change-Agenda

Die Bevölkerung der Länder erlebt seit Jahrzehnten Interventionen, Kriege, Flucht und Vertreibung. Nach den Palästinensern folgten die Libanesen, die Iraker, Libyer, Jemeniten. Seit Beginn des Krieges in Syrien 2011 haben mehr als 6 Millionen Syrer ihre Heimat verlassen. Die meisten von ihnen leben  in Flüchtlingslagern in der Region ohne Perspektive, in wirtschaftlicher und politischer Unsicherheit.


Ohne Verhandlungen und Sicherheitsvereinbarungen der internationalen und regionalen Akteure wird sich das nicht ändern. Der UN-Sicherheitsrat ist blockiert, Völkerrecht wird missachtet. Der Astana-Prozess, den Russland, Iran und die Türkei Anfang 2017 auf den Weg brachten, um das Töten in Syrien zu beenden und den UN-geführten politischen Verhandlungsprozess in Genf zu stärken, wird von den USA und der EU boykottiert. Ein von Russland Mitte 2019 vorgelegtes "Konzept für kollektive Sicherheit für die Persische Golfregion" wird von den USA und der EU ignoriert. Auch der Versuch arabischer Staaten, Syrien wieder in den Kreis der Arabischen Liga aufzunehmen, um die regionalen Spannungen abzubauen, wird von den USA und der EU blockiert.

Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem russischen Außenminister Sergei Lawrow in Dubai vor wenigen Tagen (am 9. März 2021) bezeichnete der Außenminister der Vereinigten Arabischen Emirate Scheich Abdullah bin Zayid Al Nahyan eine Wiederaufnahme Syriens in die Arabische Liga als Chance. Die Zusammenarbeit mit der syrischen Regierung und dem Privatsektor des Landes könnten dazu beitragen, dem Land zurück in die Normalität zu helfen. Allerdings werde das durch die US-Sanktionen, das sogenannte "Caesar-Gesetz", "erschwert", so der Außenminister. Er verkündete weiter: "Wir haben das den USA offen gesagt."


Die Vereinigten Arabischen Emirate unterstützten noch am Anfang des Krieges den Aufstand gegen die syrische Regierung. Inzwischen haben sie ihren Kurs geändert und eröffneten 2018 ihre Botschaft in Damaskus. 2019 nahmen sie und andere arabische Golfstaaten an der Internationalen Damaskus-Messe teil. Der Wiederaufbau Syriens wäre ein lukratives Geschäft, das nicht nur Syrien, sondern auch den Emiraten und anderen arabischen Staaten nutzte. Auch das wollen die USA verhindern. Sie haben ihr ursprüngliches Ziel, die Spaltung und Schwächung Syriens und Irans – wie im DIA-Bericht beschrieben – noch nicht erreicht. 2017 hatte der damalige US Außenminister Rex Tillerson den US-Verbündeten klar gemacht, dass sie sowohl Wiederaufbauhilfe für Syrien als auch die Wiederherstellung von diplomatischen Beziehungen mit Syrien unterlassen sollten. Der bisherige US-Beauftragte für Syrien James Jeffrey erklärte unumwunden, seine Aufgabe sei es, dafür zu sorgen, Russland in Syrien in einem "Sumpf" zu versenken.


Pro-Whistleblower-Gruppe ruft OPCW-Chef auf, Vorwürfe der Vertuschung in Syrien anzusprechen

Pro-Whistleblower-Gruppe ruft OPCW-Chef auf, Vorwürfe der Vertuschung in Syrien anzusprechen

Seit Jahrzehnten werden die Volkswirtschaften der Region durch Kriege und Sanktionen zerstört. Die Kehrseite dieser Medaille sind Millionen Flüchtlinge und Milliardensummen für sogenannte Hilfsprogramme. Die sichern den Menschen in Lagern ein Überleben auf niedrigem Niveau, zerstören aber Arbeit, menschliche Würde, wirtschaftliche Entwicklung und Selbstbestimmung der betroffenen Länder.


Heute kämpft nicht nur die syrische Bevölkerung um ihre Zukunft. Auch im Irak und im Libanon kämpfen die Menschen an gegen die Folgen des zehnjährigen Krieges um Syrien. Ihr Alltag ist von wirtschaftlicher Not gezeichnet. Eine explodierende Inflation treibt die Preise in die Höhe, Finanzspekulanten nutzen die instabile Lage für sich aus.


Israel als Statthalter westlicher Interessen

In den westlichen Ländern sind weder Entspannungspolitik noch Entschuldungsprogramme in Sicht, um Syrien wieder auf die Beine zu helfen, die Region zu versöhnen und zu stabilisieren. Stattdessen planen US-Armee und NATO den Mittleren Osten als militärisches Aufmarschgebiet ein. Das Beispiel der Vereinigten Arabischen Emirate zeigt, dass Sanktionen und Wirtschaftsblockade und militärische Kooperation und Rüstungsexporte zwei Seiten der gleichen Medaille sind. Zusammenarbeit mit Syrien wird von den USA unter Androhung von Sanktionen unterbunden, gleichzeitig stehen die Emirate heute als neue Rüstungsschmiede da und setzen – wie auch Saudi Arabien – auf den Auf- und Ausbau der Atomenergie.


Der Mittlere Osten von der persischen Golfregion bis zum östlichen und südlichen Mittelmeer wird von den USA, der NATO und der Europäischen Union als deren "Interessenssphäre" markiert. Militärischer Statthalter in dieser "Interessenssphäre" ist Israel. Mit politischen, wirtschaftlichen und militärischen Zuwendungen der westlichen Welt ausgestattet, destabilisiert "die einzige Demokratie im Nahen Osten"  ihre arabischen Nachbarstaaten. Seit zehn Jahren ist die wichtigste Kampfzone dafür Syrien, wie israelische Politiker und Militärs einräumen. Der noch amtierende Verteidigungsminister Benny Gantz, früher Chef der Israelischen Streitkräfte, sagte kürzlich vor Anhängern seiner Partei, Israel bombardiere in Syrien "nahezu wöchentlich", um dort ein "Eingraben des Iran" zu verhindern. Im Jahr 2020 hätte Israel "mehr als 500 Ziele" angegriffen, hat bereits Anfang Dezember letzten Jahres der Stabschef der Israelischen Streitkräfte, Generalleutnant Aviv Kochavi gesagt: "An allen Fronten, auch geheime Missionen, aber wir haben noch einen weiten Weg bis wir unsere Ziele erreicht haben."


Selbst in weit entfernten souveränen Staaten verübt Israel demzufolge Anschläge. In sechs Gebieten operiere man "intensiv", sagte Kochavi. Es gäbe "Schauplätze, auf denen wir täglich agieren, und es gibt solche, wo wöchentlich oder monatlich operiert" werde. Der Mittlere Osten sei "das am meisten gespaltene und gewalttätigste Gebiet der Welt", so Kochavi. Das fordere Israel geradezu heraus, "mit klassischen Maßnahmen zu operieren."


Syrien: 10 Jahre Krieg

Syrien: 10 Jahre Krieg

Kritik hört Israel nicht gern. Als im November 2020 der russische Botschafter in Tel Aviv, Anatoli Viktorow sagte, nicht Iran sei das Problem in der Region, sondern Israel, wurde der Diplomat ins israelische Außenministerium einbestellt. Israel halte sich nicht an UN-Resolutionen, hatte Viktorow der Jerusalem Post gesagt. Das sei "ein größeres Problem für den Nahen Osten" als Iran.


Entspannung ist nicht in Sicht

Der UN-Sicherheitsrat ist zu einer weiteren Kampfzone zwischen den USA und der EU auf der einen und Russland und China auf der anderen Seite geworden. Zahlreiche Debatten um Syrien werden   insbesondere von einigen europäischen Vertretern im UN-Sicherheitsrat undiplomatisch, mit Häme und Aggression gegen Russland geführt. Russland und China greifen häufig zum "Veto", um eine weitere Schwächung internationaler Institutionen und des Völkerrechts zulasten von Syrien zu verhindern.


Auch die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) ist von dem Konflikt betroffen, denn seit Jahren hält sich hartnäckig die Behauptung, Syrien selbst setze Giftgas gegen die eigene Bevölkerung ein. Die syrische Führung hat das stets zurückgewiesen.


Als im Dezember 2012 Kämpfer der Nusra Front die einzige Chlorgasfabrik des Landes östlich von Aleppo eingenommen hatten, informierte die Regierung in Damaskus sofort den UN-Sicherheitsrat und den UN-Generalsekretär und warnte vor möglichem Einsatz von Chlorwaffen. Wenige Monate später, im März 2013, kamen bei einem möglichen Chlorangriff auf den Ort Khan al-Assal 31 Menschen ums Leben. Die syrische Regierung machte die Kämpfer der Nusra Front verantwortlich, die Opposition beschuldigt die Regierung.


Syrien lud die OPCW ein, um den Vorfall in Khan al-Assal zu untersuchen. Mitte August 2013 kam ein OPCW-Inspektorenteam in Damaskus an, reiste aber nie nach Khan al-Assal. Drei Tage nach ihrer Ankunft ereignete sich in der Ghuta, der großen Senke um Damaskus, ein Angriff mit chemischen Waffen, dem Hunderte von Menschen zum Opfer fielen.


Die Opposition und das Ausland beschuldigten die Syrische Arabische Armee, die jede Verantwortung zurückwies. Die Inspektoren fanden Sarin bei den Opfern, die USA drohten mit einem Angriff, Russland warnte davor. Der US-Senat genehmigte dem US-Militär einen Vergeltungsangriff auf Syrien, im östlichen Mittelmeer wurden Kriegsschiffe aus den USA, Großbritannien, Frankreich und Israel in Alarmbereitschaft versetzt. Schiffe der russischen Schwarzmeerflotte lagen vor der syrischen Küste.


Der US-Angriff fand nicht statt und Syrien übergab – durch russische Vermittlung – sein gesamtes Chemiewaffenarsenal – das es zur Abwehr eines israelischen Angriffs gelagert hatte – der OPCW zur Zerstörung. Syrien trat der OPCW bei und unterzeichnete das Abkommen zum Verbot von Chemiewaffen. Doch weitere Angriffe mit chemischen Substanzen fanden statt, Opposition und Regierung beschuldigten sich gegenseitig.


Israels Angriffe in Syrien stellen Moskaus Geduld auf die Probe – "Ein Gegenschlag wird bald folgen"

Meinung

Israels Angriffe in Syrien stellen Moskaus Geduld auf die Probe – "Ein Gegenschlag wird bald folgen"

2020 und 2021 reichten drei Organisationen in Paris und Karlsruhe Anzeige gegen die syrische Regierung ein, weil diese sich mit dem Giftgasangriff im August 2013 eines Kriegsverbrechens schuldig gemacht hätte. Antragsteller waren das in Berlin ansässige Syrische Zentrum für Medien und Meinungsfreiheit (SCM), das "Syrian Archive", ebenfalls mit Sitz in Berlin sowie die Open Society Justice Initiative, eine Unterorganisation der weltweit tätigen Open Society Foundation.


Ein Gerichtsverfahren über die Urheber von Angriffen mit chemischen Substanzen in Syrien könnte Licht in das Dunkel von Hintermännern bringen, die islamistische Gruppen in Syrien – konkret die Nusra Front – schon frühzeitig mit chemischen Substanzen zur Herstellung u.a. von Sarin versorgten. Eine dieser Figuren war Heysem Topalca. Der aus Latakia stammende Syrer kooperierte seit Kriegsbeginn eng mit dem türkischen Militärgeheimdienst MIT und wird für zahlreiche Anschläge auf Zivilbevölkerung verantwortlich gemacht. Im Mai 2013 war Topalca in Adana mit fünf anderen Personen festgenommen worden, die der Nusra Front angehört haben sollen. Im Besitz der Männer befanden sich 2 Kilogramm chemische Substanzen. Ein Untersuchungsbericht ergab, dass damit Sarin hergestellt werden konnte. Topalca selber wird über sein Handeln keine Rechenschaft mehr ablegen können. Mitte Februar 2021 kam er mit zwei Begleitern nahe Konya (Türkei) bei einem Autounfall ums Leben.


Ausblick

Der Krieg um Syrien hat viele Facetten und viele Akteure. Medien, zivilgesellschaftliche Gruppen wurden ebenso eingesetzt wie Waffen und Geld. Im Laufe der vergangenen Jahre wurden ausländische Geheimoperationen aufgedeckt, mit denen der Krieg immer weiter und absichtlich angefacht wurde. In der 1 Milliarde US-Dollar teuren Operation "Timber  Sycamore" schmuggelte die CIA Waffen über die Türkei und über Jordanien ins Grenzgebiet zu Syrien, bewaffnete Kämpfer und bildete sie aus und errichtete "Militärische Operationszentren" (MOC), von wo aus die Kämpfer unterstützt wurden. Schließlich wurden die syrischen Kurden von der US-geführten Allianz gegen den "Islamischen Staat", der unter den Augen aller Geheimdienste aus Al-Qaida im Irak hervorgegangen war, als Bodentruppen rekrutiert.


Lawrow: Haben Informationen, dass USA Syrien zerschlagen möchten

Lawrow: Haben Informationen, dass USA Syrien zerschlagen möchten

Der US-Militärgeheimdienst DIA konnte, wie eingangs erwähnt, im August 2012 die Entwicklung in Syrien vorhersehen, weil nach allem was man heute weiß, diese Entwicklung gewollt war.

Das Klagen über den schwierigen Alltag der Menschen ist berechtigt, doch es ist nur die halbe Wahrheit. Die Lage wäre nicht so dramatisch, wenn "der Westen, die Golfstaaten und die Türkei" vor zehn Jahren nicht Kämpfer verschiedener Couleur finanziert und wenn sie den Krieg nicht medial, politisch und militärisch befeuert hätten.


Es wäre nicht nötig, internationale und private Hilfsorganisationen mit Milliardenbeträgen zu finanzieren, wenn man den Wiederaufbau in Syrien nicht länger blockieren und dem Land den Zugang zu den eigenen, nationalen Ressourcen Öl und Gas, Weizen und Baumwolle freigeben würde. Dafür müssten die türkischen und die US-Truppen aus Syrien abziehen. Die Wirtschaftskrise, die auch auf Irak, Jordanien und Libanon ausstrahlt, könnte gelöst werden, wenn die einseitigen EU- und US-Sanktionen gestoppt würden. Wenn die Fremdkontrolle der nationalen Grenzen wieder den jeweiligen Staaten überlassen würde, könnte der Handel zwischen den Ländern der Region an Fahrt aufnehmen. Die Kriegswirtschaft, an der viele sich bereichern, könnte zurückgedrängt werden. Der Wiederaufbau Syriens würde Arbeitsplätze  in der ganzen Region schaffen und den Menschen  nützen. Flüchtlinge könnten die unwirtlichen Zeltstädte verlassen und die geschundene Bevölkerung hätte den Raum für den ersehnten, selbst gestalteten Neuanfang, der ihr zusteht.


Info: https://de.rt.com/meinung/114430-zehn-jahre-krieg-in-syrien 

16.03.2021

Das Impfdesaster der EU (II)     Aussetzung der AstraZeneca-Impfungen verschärft Impfstoffmangel und Spannungen in der EU. USA horten Vakzine, starten Impfstoffdiplomatie gegen China.

German-Foreign-Policy,com, 16. März 2021

BERLIN/WASHINGTON (Eigener Bericht) - Mit der Aussetzung der Covid-19-Impfungen mit dem Vakzin von AstraZeneca verschärfen sich die Spannungen in der EU um den Impfstoffmangel und die misslungene Impfkampagne erneut. Bereits Ende vergangener Woche hatte Kritik an der Verteilung der Vakzine innerhalb der EU für heftigen Unmut gesorgt: Während formal sämtliche Mitgliedstaaten gleichen Zugriff auf Impfdosen haben, profitieren faktisch die wohlhabenden Länder auf Kosten der ärmeren. Jetzt wird durch die Aussetzung der AstraZeneca-Impfungen die Impfkampagne noch weiter verschleppt, obwohl dies allein in Deutschland täglich Dutzende Todesopfer fordert - aufgrund der anschwellenden dritten Pandemiewelle in wachsender Zahl. Die Bemühungen der EU, ihren Vakzinmangel durch Hilfe aus den USA zu lindern, die Impfdosen in zweistelliger Millionenzahl ungenutzt horten, sind gescheitert. Washington übt zugleich Druck auf Indien aus, eine Milliarde Impfdosen nach Südostasien zu liefern, um dort China als Lieferanten von Vakzinen auszustechen - dies, obwohl die Impfkampagne in Indien selbst nur schleppend Fortschritte macht.


Die Reichen zuerst

Die Spannungen in der EU im Kontext mit der dramatisch misslungenen Covid-19-Impfkampagne hatten sich erst Ende vergangener Woche ein weiteres Mal zugespitzt. Auslöser war die ungleiche Verteilung der ohnehin allzu knappen Vakzine unter den Mitgliedstaaten der Union, die die Staats- und Regierungschefs Österreichs, Bulgariens, Lettlands, Sloweniens und Tschechiens in einem Brief an Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Ratspräsident Charles Michel angeprangert hatten; später hatte sich noch Kroatien angeschlossen. Die Verteilungsregeln der EU sehen vor, dass jedes Mitglied Anspruch auf einen Anteil an den gemeinsam beschafften Vakzinen hat, der seinem Anteil an der EU-Gesamtbevölkerung entspricht. Brüssel preist dies als gerechte Verteilung an - verschweigt dabei allerdings, dass die teuersten Impfstoffe, insbesondere derjenige von BioNTech/Pfizer, für die ärmeren Mitgliedstaaten kaum erschwinglich sind. So hat etwa Bulgarien sein BioNTech/Pfizer-Kontingent auch nicht annähernd ausgeschöpft; die Dosen, die übrig blieben, konnten von den reichen Mitgliedstaaten erworben werden. So kommt es, dass etwa die Niederlande, Deutschland oder Frankreich pro Kopf der Bevölkerung eine teils erheblich größere Zahl an Impfdosen zur Verfügung haben als ärmere Länder der EU.[1]


Gegen WHO und EMA

Verschärft wird die Lage weiterhin dadurch, dass Berlin und Brüssel gegen den preisgünstigsten Impfstoff - das zu Produktionskosten verkaufte Vakzin von AstraZeneca - kampagnenhaft agitiert haben (german-foreign-policy.com berichtete [2]), was die Bereitschaft in der Bevölkerung, sich AstraZeneca-Dosen verabreichen zu lassen, deutlich eingeschränkt hat. Dies hat dazu beigetragen, dass von den mehr als 62 Millionen Dosen, die bis gestern in der EU ausgeliefert wurden, nach Angaben des European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) bisher weniger als 47 Millionen verimpft werden konnten. Hinzu kommt die gestrige Entscheidung Deutschlands, Frankreichs und weiterer Mitgliedstaaten, die Verabreichung von AstraZeneca wegen mehrerer Fälle von Blutgerinnseln in zeitlichem Zusammenhang mit der Impfung auszusetzen, was weitere Verzögerungen mit sich bringt. Der Beschluss wurde gegen die Empfehlungen der WHO und der zuständigen EU-Behörde EMA (European Medicines Agency) gefällt; dabei ist ein ursächlicher Zusammenhang zwischen Impfungen und Blutgerinnseln bis heute nicht nachgewiesen.


Die Folgen der Verzögerung

Vielmehr treten Blutgerinnsel ganz unabhängig von Impfungen nicht selten auf; für Großbritannien etwa sprechen Experten von mehr als 1.250 pro Woche.[3] Dort wurden bisher über elf Millionen AstraZeneca-Dosen verimpft; die Zahl der danach aufgetretenen Blutgerinnsel ist laut Angaben der Aufsichtsbehörde MHRA (Medicines and Healthcare products Regulatory Agency) "nicht größer als die Zahl, die auf natürliche Weise in der geimpften Bevölkerung aufgetreten wäre".[4] Der Aussetzung der Impfungen in Deutschland liegen sieben Fälle von Blutgerinnseln bei insgesamt 1,6 Millionen verabreichten Dosen zugrunde - viel weniger als die Zahl, die laut Statistik ohnehin zu erwarten gewesen wäre. Entsprechend hat die Aussetzung der Impfungen heftigen Unmut ausgelöst. So wies die Europaparlaments-Vizepräsidentin Katharina Barley (SPD) darauf hin, "die neueste Generation der Antibabypille" habe "als Nebenwirkung Thrombosen bei acht bis zwölf von 10.000 Frauen": "Hat das bisher irgendwen gestört?"[5] Völlig unabhängig davon kostet jeder weitere Tag Impfverzögerung Menschenleben: Aktuell stecken sich in Deutschland wieder um die 10.000 Menschen pro Tag mit dem Covid-19-Virus an; bei einer Sterblichkeitsrate von 1,4 Prozent, wie sie in jüngeren Studien errechnet wurde, könnten 140 von ihnen die Krankheit nicht überleben.


Überversorgt

Parallel zur Zuspitzung der Auseinandersetzungen innerhalb der EU nehmen auch die Spannungen zwischen der Union und den Vereinigten Staaten zu. Auslöser ist, dass die USA Impfstoffe horten, während in der EU Mangel herrscht. So lagern, wie die New York Times vergangene Woche berichtete, AstraZeneca-Impfdosen in zweistelliger Millionenzahl in den Vereinigten Staaten - und werden nicht genutzt, weil das Vakzin dort noch gar nicht zugelassen ist.[6] AstraZeneca hat in Washington um Erlaubnis gebeten, die Dosen der EU zur Verfügung stellen zu dürfen, hatte damit aber genausowenig Erfolg wie die EU, die sich ebenfalls um die US-Vorräte bemühte. Wie Bidens Sprecherin Jen Psaki vergangene Woche bekräftigte, legt die Administration dezidiert Wert darauf, "überversorgt und übervorbereitet zu sein" - um "maximale Flexibilität" bei der Impfung der eigenen Bevölkerung zu haben: Das sei die "Priorität" der USA.[7] Darüber hinaus sind Sorgen nicht ausgeräumt, die kürzlich der Chef des Serum Institute of India (SII) äußerte, das bisher unter anderem mehr als 90 Millionen AstraZeneca-Dosen in Lizenz produziert und an über 50 Länder geliefert hat: dass ein globaler Mangel an Vorprodukten droht, die für die Vakzinherstellung unverzichtbar sind, weil Washington ihren Export verbietet (german-foreign-policy.com berichtete [8]).


China ausstechen

Während die Vereinigten Staaten Impfdosen horten, wird Indien, auch auf Druck aus Washington, eine Milliarde Impfdosen herstellen und sie vor allem in die Länder Südostasiens liefern - mit dem Ziel, dort China als Lieferanten von Vakzinen auszustechen. Dies ist ein Ergebnis des "Quad"-Gipfeltreffens vom vergangenen Freitag. "Quad" ("Quadrilateral Security Dialogue") ist ein loser Pakt, den die USA, Japan, Australien und Indien geschlossen haben, um gemeinsam gegen China Front zu machen (german-foreign-policy.com berichtete [9]). Die Staats- und Regierungschefs der vier Länder, die am Freitag erstmals virtuell zusammentrafen, einigten sich, die Pharmafirma Biological E aus der indischen Metropole Hyderabad mit der Lizenzproduktion von einer Milliarde Dosen des Vakzins von Johnson & Johnson (USA) bis Ende 2022 zu beauftragen; finanziert wird das Projekt von den USA und Japan, während Australien bei der Verteilung des Impfstoffs die Logistik übernimmt.[10] Auslöser für das Vorhaben ist nicht die Notlage der Länder Südostasiens, sondern die Tatsache, dass bislang China der maßgebliche Impfstofflieferant unter anderem für Indonesien und die Philippinen ist.[11] Um Einflussgewinne für Beijing zu verhindern, wird nicht das reiche Washington, sondern New Delhi einspringen - und dies, obwohl die Impfkampagne in Indien selbst nur schleppend Fortschritte macht: Verimpft wurden bislang 2,17 Dosen pro 100 Einwohner bei einer Bevölkerung von 1,3 Milliarden Menschen.

 

Mehr zum Thema: Das Impfdesaster der EU, Europäisches Roulette und Im Ausnahmezustand.

 

[1] Niederlande bestreiten unrechtmäßige Impfstoffbeschaffung. faz.net 13.03.2021.

[2] S. dazu Die Impfstoffknappheit der EU (II) und Impfstoff-Exporthindernisse in der Pandemie.

[3] Sarah Knapton: Should Britons be worried if they have had the AstraZeneca jab? The numbers suggest not. telegraph.co.uk 15.03.2021.

[4] MHRA response to the precautionary suspensions of COVID-19 Vaccine AstraZeneca. gov.uk 15.03.2021.

[5] Spahn: "Uns ist die Tragweite dieser Entscheidung bewusst". t-online.de 15.03.2021.

[6] Noah Weiland, Rebecca Robbins: The U.S. Is Sitting on Tens of Millions of Vaccine Doses the World Needs. nytimes.com 11.03.2021.

[7] Press Briefing by Press Secretary Jen Psaki and National Security Adviser Jake Sullivan, March 12, 2021. whitehouse.gov 12.03.2021.

[8] S. dazu Europäisches Roulette.

[9] S. dazu Deutschland im Indo-Pazifik (IV) und Chinas Gegenspieler (II).

[10] Joe Wallen: 'Quad' alliance to distribute one billion doses of vaccine to counter Chinese influence. telegraph.co.uk 13.03.2021.

[11] Elizabeth Roche: Quad Vaccine Partnership: Hyderabad's Biological E to make 1 bn doses. livemint.com 13.03.2021.


Info: https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/8552

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