aus e-mail von Clemens Ronnefeldt, 22. Mai 2024, 17:56 Uhr
Liebe Friedensinteressierte,
nachfolgend einige Beiträge zu den Kriegen
in der Ukraine und zur Krisenregion Westasien:
1. Der Spiegel: Russlands Krieg gegen die Ukraine
Nato rechnet nicht mit russischem Durchbruch bei Charkiw
2. Cicero: Russland, Ukraine und US-Außenpolitik - „Der Kalte Krieg endete durch Verhandlungen“
3. MSN: News: Antrag auf Haftbefehl gegen Benjamin Netanyahu, (…)
Staatsräson vs. Völkerrecht
4. IPG: Regeln für alle. Der Internationale Strafgerichtshof sendet mit dem Antrag
auf Haftbefehl gegen Israels Premier Netanjahu und Hamas-Führer Sinwar ein wichtiges Signal.
5. SZ: Haftbefehl gegen Netanjahu: Diese Anklage ist richtig
6. FR: Was folgt aus der besonderen Verantwortung Deutschlands?
7. n tv: Waffen für Israel geladen - Spanien verwehrt Frachtschiff nach Israel die Einfahrt
8. 11.11.11. Strength in numbers: NGOs verklagen israelische Reederei wegen
illegalem Waffenhandel über den Antwerpener Hafen
9. Tagesschau: Nahost-Krieg - Was liefert Deutschland an Israel?
10. Tagesspiegel: Nach Absturz von Präsidenten-Hubschrauber:
Der Iran hat wohl selbst die USA um Hilfe gebeten
11. VdW: Erklärung zum Thema Atomwaffen, Klimawandel und Energiesicherheit
12. Bessere Welt Links
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1. Der Spiegel: Russlands Krieg gegen die Ukraine
Nato rechnet nicht mit russischem Durchbruch bei Charkiw
https://www.spiegel.de/ausland/russlands-krieg-gegen-die-ukraine-nato-rechnet-nicht-mit-russischem-durchbruch-bei-charkiw-a-0a11790d-3cc0-4b32-b854-e9fad7e1c41d
Russlands Krieg gegen die Ukraine
Nato rechnet nicht mit russischem Durchbruch bei Charkiw
Der russische Angriffsplan war genau bekannt, dennoch glückte er. Dass
Russland nach Charkiw durchmarschiert, glaubt die Nato aber nicht.
Dafür fehlten »Fähigkeiten und Können«.
17.05.2024, 10.08 Uhr
Vor der russischen Offensive war lange gewarnt worden, ganz aufhalten
konnte die Ukraine sie dennoch nicht. Die Nato-Militärführung rechnet
aber nicht mit einem russischen Durchbruch in der ukrainischen Region
Charkiw.
»Die Russen haben für einen strategischen Durchbruch nicht die nötige
Truppenstärke«, sagte der Oberbefehlshaber der Nato-Truppen in Europa,
Christopher Cavoli, nach einer Sitzung der Militärchefs der
Mitgliedsländer. Die Russen hätten zudem »nicht die Fähigkeiten und
das Können«, fügte der US-General hinzu.
»Sie sind in der Lage, lokale Vorstöße zu machen, und das haben sie
auch getan. Sie haben aber auch einige lokale Verluste erlitten«, so
Cavoli weiter.
Er äußerte sich zuversichtlich, dass die Ukrainer die Front gegen die
Offensive verteidigen könnten. »Ich stehe in sehr engem Kontakt mit
unseren ukrainischen Kollegen, und ich bin zuversichtlich, dass sie
die Linie halten werden«, sagte Cavoli. (…)
——
2. Cicero: Russland, Ukraine und US-Außenpolitik - „Der Kalte Krieg endete durch Verhandlungen“
https://www.cicero.de/aussenpolitik/russland-ukraine-us-aussenpolitik-jack-f-matlock
Russland, Ukraine und US-Außenpolitik - „Der Kalte Krieg endete durch Verhandlungen“
Der ehemalige Diplomat und Reagan-Berater Jack F. Matlock hält nichts
von den milliardenschweren amerikanischen Ukraine-Hilfen. Im Interview
spricht er außerdem kritisch über die Nato-Osterweiterung, die
Doppelmoral des Westens und die Gefahr einer geteilten Welt.
INTERVIEW MIT JACK F. MATLOCK am 30. April 2024
Jack F. Matlock, Jr. diente von 1987 bis 1991 als US-Botschafter in
der Sowjetunion und von 1981 bis 1983 in der Tschechoslowakei. Er war
Berater von Präsident Ronald Reagan im Nationalen Sicherheitsrat und
nahm an mehreren Verhandlungen zur Rüstungskontrolle teil, u.a. am
Reykjavik-Gipfeltreffen im Jahr 1986 zwischen Reagan Gorbatschow. I
nsgesamt diente er 35 Jahre im Außendienst der Vereinigten Staaten,
von 1956 bis 1991. Nach dem Ausscheiden aus dem Außendienst bekleidete
er von 1996 bis 2001 die George-F.-Kennan-Professur am Institute for
Advanced Study in Princeton, New Jersey. Er ist der Autor von drei
Büchern: „Superpower Illusions“ (2010), „Reagan and Gorbachev: How the
Cold War Ended“ (2004) und „Autopsy of an Empire“
(…)
Wikileaks veröffentlichte eine diplomatische Depesche von William
Burns aus dem Jahr 2008, als dieser US-Botschafter in Russland war.
Dort teilte er mit, die Russen hätten ihm in Bezug auf die
Nato-Mitgliedschaft der Ukraine und Georgien gesagt: „Njet heißt
njet.“ Wenn die rote Linie so klar gezogen war, warum kümmerte das in
Washington niemanden?
In meinen Augen ist es eindeutig, dass der militärisch-industrielle
Komplex spätestens seit Ende der 90er nach einem ebenbürtigen
Konkurrenten suchte, um die gewaltigen und stetig steigenden
Militärausgaben zu rechtfertigen. Für uns, die das Ende des Kalten
Krieges ausgehandelt haben, war klar, dass Nato-Basen in Osteuropa
Russland provozieren würden. Und damals ging es Russland ökonomisch ja
sehr schlecht.
Denjenigen, die stets meinen, Russland sei immer der Aggressor, will
ich daran erinnern, dass es der gewählte Präsident der Russischen
Föderation war, der das Auseinanderbrechen der Sowjetunion ermöglicht
hatte – auf friedliche Art! Jelzin unterstützte die baltischen Staaten
stets in ihren Unabhängigkeitsbestrebungen. Und man darf nicht
vergessen: Die Sowjetunion war ein kommunistischer Staat, der ganz
anders war als das heutige Russland.
Zumindest rhetorisch geht es der Nato heute um eine Verteidigung der
Demokratie.
Die Vorstellung, dass eine externe Macht einer anderen die Demokratie
aufzwingen kann, ist doch komplett verkehrt. Abraham Lincoln sagte,
Demokratie ist die „Regierung des Volkes, durch das Volk und für das
Volk“. Also wie kann ein Außenstehender das anordnen?
Es ist Fakt, dass die Unterstützung gewisser Fraktionen in einem
anderen Land durch eine fremde Macht nur mehr Unheil stiftet. Sehen
Sie doch nur, wie wir auf die – übrigens falschen – Vorwürfe
reagierten, Russland habe irgendwas mit Donald Trumps Wahlsieg 2016 zu
tun gehabt.
Und wenn wir heute behaupten, wir würden mit unserer Unterstützung der
Ukraine die Demokratie verteidigen, ist das totaler Unsinn. 2014
entfernten wir durch einen Staatsstreich die gewählte ukrainische
Regierung. Die jetzige ist diktatorisch und korrupt.
Was hätten Sie sich stattdessen in der Ukraine gewünscht?
Die ukrainische Verfassung sah vor, dass der Präsident die Gouverneure
der Provinzen ernennt. Sie wurden nicht gewählt. Es ist, als würde der
Bundeskanzler bestimmen, wer Bayern anführt. Nachdem 2014 die Gewalt
ausbrach, übernahmen diese Neonazi-Gruppen zunächst die Posten der
regionalen Gouverneure.
Darum war eine der Bedingungen der Minsker Abkommen, dass die Ukraine
es den russischen Minderheiten erlauben würde, ihre eigenen
Gouverneure zu wählen. Ich weiß nicht, warum Deutschland und
Frankreich nicht darauf bestanden, dass die Ukrainer das einhalten.
Darauf hätten die USA auch bestehen sollen. Wir stimmten dem Abkommen
ja zu, auch wenn wir keine Unterzeichner waren.
Die jetzige Tragödie ist, dass es schlecht für alle ist. Klar leiden
die Ukrainer am meisten. Aber wenige Wochen nach Beginn der russischen
Invasion kamen beide Seiten einem Abkommen ja nahe. Aber dann riet
Boris Johnson den Ukrainern davon ab. Ich bin mir sicher, die USA
taten dies auch.
Bundeskanzler Gerhard Schröder suchte die Annäherung an Russland.
Angela Merkel dann auch noch. Und die Nord-Stream-Pipelines sollten,
ähnlich der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl, Russland an
Europa binden und so einen langfristigen Frieden stiften. Die
Ampelkoalition hat jedoch eine Kehrtwende eingelegt und ist jetzt der
zweitgrößte Lieferant von Waffen an die Ukraine. Annalena Baerbock
sagte bekanntermaßen, „wir kämpfen einen Krieg gegen Russland“. Was
raten Sie den Deutschen stattdessen?
Das sind für uns alle emotionale Themen. Ja, es gab russische
Aggression, aber wir müssen auch anerkennen, dass Deutschland als
Nato-Mitglied einen Präzedenzfall geschaffen hat, indem es am
völkerrechtswidrigen Krieg gegen Serbien teilnahm und die
Unabhängigkeit des Kosovo anerkannt hat, ganz ohne die Zustimmung
Serbiens. Das war außerdem eine Verletzung des Helsinki-Abkommens. Wir
ignorieren das heutzutage.
Dann gab es natürlich noch die US-Invasion im Irak, einem Land, das
Amerika weder angegriffen hatte noch für uns eine Gefahr war. Der
damaligen deutschen Regierung gebührt Lob, dass sie die Invasion
zusammen mit den Regierungen Russlands und Frankreichs ablehnte.
Und obwohl die USA von der UN keine Zustimmung erhielten, nutzten wir
einfach fabrizierte Beweise, um den Einmarsch zu rechtfertigen und die
Regierung komplett zu entfernen. Was war das Resultat? Hunderttausende
Tote, davon circa 5000 Amerikaner, weitere hunderttausende Verletzte
und die Entstehung von ISIS, einer gefährlicheren Terrororganisation,
als es Al Qaida jemals war.
Wenn der Einmarsch in die Ukraine ein Verbrechen ist, dann waren
unsere Länder desselben Verbrechens schuldig. Warum das keiner
versteht, ist mir unklar.
——
3. MSN: News: Antrag auf Haftbefehl gegen Benjamin Netanyahu, (…)
Staatsräson vs. Völkerrecht
https://www.msn.com/de-de/nachrichten/politik/news-antrag-auf-haftbefehl-gegen-benjamin-netanyahu-demonstrationen-in-taiwan-gegen-umstrittenes-gesetz-gerichtsprozess-gegen-deutschen-in-russland-wegen-cannabis-gummib%C3%A4rchen/ar-BB1mOZzX
22.5.2024
News: Antrag auf Haftbefehl gegen Benjamin Netanyahu, (…)
Staatsräson vs. Völkerrecht
Anders als China, Russland, die USA oder Israel gehört die
Bundesrepublik zu den 124 Vertragspartnern des Internationalen
Strafgerichtshofs (IStGH) in Den Haag. Das bedeutet, es erkennt die
Arbeit und Zuständigkeiten des Gerichts an und verpflichtet sich, mit
Haftbefehl gesuchte mutmaßliche Kriegsverbrecher festzunehmen und dem
Gericht zu überstellen, sobald sie sich im Land befinden.
Deutschland ist einer der wichtigsten Unterstützer des
Weltstrafgerichts seit dessen Gründung 1998. Deutsche
Regierungsvertreter und -vertreterinnen verurteilen regelmäßig etwa
den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine
oder pochen darauf, dass etwa Israel bei seinem Vorgehen in Gaza das
Völkerrecht einhalten möge. Legendär ist der Satz der amtierenden
Außenministerin Annalena Baerbock, wonach sie »aus dem Völkerrecht«
komme.
Was Deutschland von den anderen Vertragspartnern unterscheidet: Die
historische Verantwortung für die Ermordung von sechs Millionen
Jüdinnen und Juden ist »Teil der Staatsräson« dieses Landes, wie es
Bundeskanzlerin Angela Merkel 2008 in ihrer Rede vor der Knesset
formulierte. Man steht fest an der Seite Israels, dessen Sicherheit
»niemals verhandelbar« ist.
Nun hat der Chefankläger des IStGH nicht nur gegen die Anführer der
Terrororganisation Hamas Haftbefehle beantragt, sondern zeitgleich
auch gegen den israelischen Premierminister Benjamin Netanyahu und
seinen Verteidigungsminister. Das bringt die Bundesregierung in eine
politisch recht heikle Position, in der sie schwer etwas richtig
machen kann (aber natürlich könnte sie es versuchen).
Denkt man das Ganze zu Ende, müssten deutsche Behörden Premier
Netanyahu bei einer Einreise festnehmen, wenn die Richter am IStGH dem
Haftbefehl stattgeben. Das wird niemals passieren. Berlin hat also
zwei Optionen: Entweder die eigene Glaubwürdigkeit bei der Wahrung des
Völkerrechts zu beschädigen – oder die Staatsräson. Letztlich geht es
um die Frage: Völkerrecht oder Politik?
Völkerrechtler Kai Ambos, der nationales und internationales
Strafrecht, Strafprozessrecht und Völkerrecht an der Uni Göttingen
lehrt, sieht noch einen weiteren Ausweg: »Die einzige Lösung wäre,
Netanyahu nicht einzuladen und ihm davon abzuraten, nach Deutschland
zu kommen«, sagte er meiner Kollegin Anna Reimann im Interview.
Man kann Karim Khan, den Chefankläger des IStGH, dafür kritisieren,
dass er die Haftbefehle gegen Netanyahu und die Hamas-Anführer
politisch eher instinktlos zeitgleich veröffentlicht hat – vor allem
dem politisch angeschlagenen Netanyahu dürfte das in die Hände
spielen. Aber in der Sache kann man Khan schwer etwas vorwerfen. Khan
ist kein Politiker, und es geht um völlig unterschiedliche Vorwürfe,
so Ambos: »Es wird anscheinend immer wieder vergessen, dass auch ein
Staat, der sich gegen einen mörderischen Angriff verteidigt,
Kriegsverbrechen begehen kann.« Es gehe nicht um die Frage, ob Israel
sich verteidigen dürfe, sondern um die Frage wie.
Das Völkerrecht gilt auch für die engsten Freunde und Partner. Gut
möglich, dass seine Einhaltung Deutschlands das erste Mal wirklich
etwas kosten wird.
——
4. IPG: Regeln für alle. Der Internationale Strafgerichtshof sendet mit dem Antrag
auf Haftbefehl gegen Israels Premier Netanjahu und Hamas-Führer Sinwar ein wichtiges Signal.
https://www.ipg-journal.de/regionen/naher-osten/artikel/regeln-fuer-alle-7517/?utm_campaign=de_40_20240522&utm_medium=email&utm_source=newsletter
Naher Osten/Nordafrika
22.05.2024 |
David Kaye
Regeln für alle. Der Internationale Strafgerichtshof sendet mit dem Antrag
auf Haftbefehl gegen Israels Premier Netanjahu und Hamas-Führer Sinwar ein wichtiges Signal.
David Kaye ist Professor der Rechtswissenschaften an der University of
California, Irvine. Zuvor war er Sonderberichterstatter der Vereinten
Nationen für die Förderung und den Schutz des Rechts auf
Meinungsfreiheit und freie Meinungsäußerung.
(…)
Karim Khans Schritt ist ein absolutes Novum: Es ist das erste Mal,
dass der Gerichtshof eine westliche Demokratie mit einem starken
Gerichtswesen oder die oberste Führungsspitze eines engen Verbündeten
der USA ins Visier nimmt.
Nach dem Gründungsdokument des Internationalen Strafgerichtshofs – dem
Römischen Statut – wird das Gericht nicht in Ländern strafrechtlich
aktiv, die willens und in der Lage sind, Ermittlungen oder die
Strafverfolgung gegen Personen ernsthaft durchzuführen, denen
Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zur Last
gelegt werden.
Dies wird Israel mit Sicherheit zum Kernstück seiner
Gegenargumentation machen. Doch Karim Khans Anschuldigungen heben vor
allem auf die Behinderung von humanitärer Hilfe und andere
Kollektivstrafen ab, die in der Verantwortung der obersten Führung
liegen – und bei diesen Personen ist es ganz besonders
unwahrscheinlich, dass sie vor israelischen Gerichten oder vor den
Gerichten irgendeines anderen Staates der Welt zur Verantwortung
gezogen werden. (…)
Das Gericht muss seine Arbeit tun – und die besteht darin, das
weltweite Gerechtigkeitsversprechen einzulösen und den Nachweis zu
liefern, dass es eine individuelle Rechenschaftspflicht für die
Anerkennung der Opfer auf beiden Seiten gibt. Es kann Protestierenden
in aller Welt zeigen, dass internationale Institutionen nach wie vor
ihre Aufgabe erfüllen und für Gerechtigkeit sorgen können. Darauf
haben sowohl Israelis als auch Palästinenser ein Anrecht.
——
5. SZ: Haftbefehl gegen Netanjahu: Diese Anklage ist richtig
https://www.sueddeutsche.de/meinung/netanjahu-den-haag-kommentar-1.7253683?reduced=true
Haftbefehl gegen Netanjahu: Diese Anklage ist richtig
20. Mai 2024, 17:04 Uhr
Israel muss sich verteidigen. Aber nicht auf diese Art und Weise, ohne
Rücksicht auf Verluste.
Der Vorwurf des Internationalen Strafgerichtshofs ist präzise.
Kommentar von Ronen Steinke
(…)
————
6. FR: Was folgt aus der besonderen Verantwortung Deutschlands?
https://www.fr.de/politik/friedensfrage-93080279.html
Was folgt aus der besonderen Verantwortung Deutschlands?
Stand: 20.05.2024, 11:43 Uhr
Der Konflikt zwischen Israel und Palästina ist militärisch nicht zu
lösen. Ein Gastbeitrag von Heidemarie Wieczorek-Zeul, Peter Brandt und
Fabian Scheidler (Willy-Brandt-Kreis).
Die besondere Verantwortung Deutschlands angesichts seiner Geschichte
liegt nicht allein im Schutz Israels, sondern auch in der Verteidigung
des Völkerrechts und der universell gültigen Menschenrechte. Die
Bundesregierung darf hier nicht mit zweierlei Maß messen. Die
palästinensische Bevölkerung hat ein Recht auf Schutz und Sicherheit.
Der Konflikt zwischen Israel und Palästina ist militärisch nicht zu
lösen. Weitere Bombardierungen schaffen nur neue Traumata und neue
Gewalt. Auch Israels Sicherheit wird durch dieses Vorgehen nicht
gestärkt, sondern geschwächt, das Risiko einer regionalen Eskalation
mit katastrophalen Folgen für die ganze Welt nimmt zu.
Gerade weil die besondere Verantwortung Deutschlands angesichts seiner
mörderischen Geschichte im Schutz Israels liegt, sind wir verpflichtet
alles zu vermeiden, was die Sicherheit seiner Bürger weiter gefährdet.
Ein sofortiger und dauerhafter Waffenstillstand ist die unverzichtbare
Voraussetzung, um konkrete Schritte für eine dringend notwendige
politische Lösung des Konflikts in die Wege zu leiten.
Wenn ein säkularer, binationaler Staat aufgrund der langjährigen
Verfeindung nicht möglich ist, darf einem künftigen eigenständigen
palästinensischen Staat nicht jede Existenzmöglichkeit genommen
werden, wie es mit der andauernden israelischen Siedlungspolitik im
besetzten Westjordanland und der Bombardierung Gazas geschieht.
Ohne einen historischen Kompromiss, der die Interessen und Empfindungen
beider Seiten gleichrangig berücksichtigt, wird es keinen Frieden in der
Region geben.
—
siehe auch:
https://www.berliner-zeitung.de/politik-gesellschaft/waffenstillstand-in-nahost-jetzt-erklaerung-von-mitgliedern-des-willy-brandt-kreises-li.2214791
Waffenstillstand jetzt: Erklärung von Mitgliedern des Willy-Brandt-Kreises
——
7. n tv: Waffen für Israel geladen - Spanien verwehrt Frachtschiff nach Israel die Einfahrt
https://www.n-tv.de/politik/Spanien-verwehrt-Frachtschiff-nach-Israel-die-Einfahrt-article24948059.html
Waffen für Israel geladen
Spanien verwehrt Frachtschiff nach Israel die Einfahrt
17.05.2024, 08:19 Uhr
Die spanische Regierung verweigert einem Frachtschiff die
Hafeneinfahrt, weil es Waffen für Israel geladen haben soll.
Außenminister Albares droht in Brüssel, dass künftig kein Schiff mit
Waffen für Israel in Spanien anlegen dürfe.
Spanien hat nach eigenen Angaben einem Schiff mit Waffen für Israel
die Erlaubnis verweigert, im Hafen von Cartagena anzulegen. Deshalb
habe man bereits Beschwerde eingereicht, um das Schiff "Borkum"
festzuhalten und zu untersuchen, schrieb Irene Montero von der linken
Partei Podemos auf X.
"Das ist das erste Mal, dass wir das getan haben, denn es ist das
erste Mal, dass wir ein Schiff mit Waffen für Israel entdeckt haben,
das in einem spanischen Hafen anlegen möchte", verkündete auch
Spaniens Außenminister José Manuel Albares vor Reportern in Brüssel.
Dies werde in Zukunft für jedes Schiff gelten, das Waffen nach Israel
transportiere und in einem spanischen Hafen anlegen wolle. Das
Außenministerium werde solche Zwischenstopps aus einem
"offensichtlichen Grund" systematisch ablehnen, fuhr er fort.
Der Nahe Osten brauche "nicht mehr Waffen, er braucht mehr Frieden".
Podemos-Politiker Javier Sanchez Serna, der die Region Murcia im
Abgeordnetenhaus vertritt, erklärte über X, er habe den spanischen
Verkehrsminister, Oscar Puente, um Erlaubnis gebeten, das Schiff zur
näheren Untersuchung in den Hafen einfahren zu lassen.
Spanien gehört zu den schärfsten Kritikern in Europa am Vorgehen der
israelischen Armee im Gazastreifen und hat seine Waffenverkäufe an
Israel bereits ausgesetzt. Die sozialistische Regierung um Sanchez hat
einen Palästinenserstaat bereits anerkannt und versucht, andere
europäische Staaten dafür zu gewinnen.
Der Krieg im Gazastreifen war durch den Großangriff der Hamas auf
Israel am 7. Oktober ausgelöst worden. Etwa 1170 Menschen wurden dabei
nach israelischen Angaben getötet und rund 250 als Geiseln in den
Gazastreifen verschleppt.
Als Reaktion geht Israel seitdem massiv militärisch im Gazastreifen
vor. Nach Angaben des von der Hamas kontrollierten
Gesundheitsministeriums, die sich nicht unabhängig überprüfen lassen,
wurden dabei mehr als 35.200 Menschen getötet.
———
8. 11.11.11. Strength in numbers: NGOs verklagen israelische Reederei wegen
illegalem Waffenhandel über den Antwerpener Hafen
https://pers.11.be/ngos-take-israeli-shipping-company-to-court-for-illegal-arms-trade-via-antwerp-port
NGOs verklagen israelische Reederei wegen illegalem Waffenhandel über den Antwerpener Hafen
PRESSEMITTEILUNG - Eine Koalition von Nichtregierungsorganisationen,
darunter 11.11.11 (Belgien), Oxfam, Peace Action und Al-Haq Europe,
verklagt die israelische Reederei ZIM. Anfang 2023 transportierte das
Unternehmen 246 Tonnen Munition ohne Genehmigung durch den Antwerpener
Hafen.
Der Zeitpunkt der Strafanzeige der Organisationen, der 15. Mai, fällt
mit dem Gedenken an den 76. Jahrestag der "Nakba" von 1948 zusammen.
"Die internationale Gemeinschaft hat es in der Hand, diese
Menschenrechtsverletzungen zu stoppen“.
15.5.2024
Die israelische Reederei ZIM geriet Ende 2023 ins Visier, nachdem
Untersuchungen von Peace Action und dem Internationalen
Friedensinformationsdienst (IPIS) ergeben hatten, dass sie bis zu 246
Tonnen Munition von Hamburg aus über den Hafen von Antwerpen
transportierte. Mindestens zehn Schiffe waren an diesem Transport
beteiligt, dessen Endziel die Hafenstädte Ashdod und Haifa in Israel
waren.
Heute haben 11.11.11 (Belgien), die Association Belgo-Palestinienne
(ABP), Al-Haq Europe, Broederlijk Delen, De-Colonizer, Intal, Oxfam,
Peace Action und Vrede vzw, Strafanzeige gegen ZIM gestellt. Die
Organisationen verklagen die Reederei und nicht identifizierte
Personen wegen Verstößen gegen die Waffenhandelsverordnung.
"Für keine der Passagen wurde eine Transitlizenz beantragt. Hätte ZIM
eine solche Genehmigung beantragt, hätte es sie auch nicht erhalten.
Die flämische Regierung erklärt eindeutig, dass sie keine Ausfuhr oder
Durchfuhr von Waffen nach Israel genehmigt, wenn der Endverwender die
israelische Regierung ist, da dies gegen mehrere Kriterien in den
Rechtsvorschriften verstoßen würde.
Dieser Transit ist daher ein strafbarer Verstoß gegen das
Waffenhandelsdekret", erklärt Hans Lammerant von Peace Action.
"Angesichts der andauernden Besatzung und des Krieges in Gaza ist die
Wahrscheinlichkeit groß, dass der Endverbraucher das israelische
Militär ist, und es besteht ein klares Risiko, dass die Waffen für
Kriegsverbrechen verwendet werden.“ (…)
——
9. Tagesschau: Nahost-Krieg - Was liefert Deutschland an Israel?
https://www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/deutschland-waffen-israel-100.html
Nahost-Krieg - Was liefert Deutschland an Israel?
Stand: 10.05.2024 17:11 Uhr
Deutschland ist nach den USA einer der wichtigsten Waffenlieferanten
für Israel. Beim Kampf gegen die Hamas ist auch deutsche Technik im
Einsatz. Aber was bekommt Israel? Ein kurzer Überblick.
Bilder der israelischen Armee zeigen, dass beim Kampf gegen die
Terrororganisation Hamas auch deutsche Technik im Einsatz ist: Etwa
eine der in Kiel gebauten Korvetten.
Nach Ansicht von Fachleuten benutzt die Armee bei ihrem Einsatz im
Gaza-Streifen auch in Deutschland produzierte Panzerfäuste. Außerdem
ist in vielen israelischen Panzern deutsche Technik verbaut - unter
anderem Dieselmotoren.
Korvetten und U-Boote
Im vergangenen Jahr genehmigte die Bundesregierung Exporte im Umfang
von 326 Millionen Euro. Das waren etwa zehn Mal so viele wie im Jahr
davor. Allerdings schwanken die Zahlen immer wieder stark - je nach
dem, was deutsche Firmen nach Israel liefern. In der Vergangenheit
waren für die Ausschläge nach oben vor allem die deutschen Korvetten
und U-Boote verantwortlich - gefördert mit deutschem Steuergeld.
Keine Details - um Firmen zu schützen
Wer genau was liefert, sagt die Bundesregierung grundsätzlich nicht,
um die Firmen zu schützen. Laut Rüstungsexportbericht waren es zuletzt
vor allem Panzerfäuste, Munition sowie Treibladungen und Zünder für
Waffen. Auch Bauteile für die Luftabwehr, Kommunikationsausrüstung,
militärische Lastwagen und Sicherheitsglas sollen dazu gehört haben.
(…)
——
10. Tagesspiegel: Nach Absturz von Präsidenten-Hubschrauber:
Der Iran hat wohl selbst die USA um Hilfe gebeten
https://www.tagesspiegel.de/internationales/der-iran-hat-wohl-selbst-die-usa-um-hilfe-gebeten-11685737.html
Nach Absturz von Präsidenten-Hubschrauber:
Der Iran hat wohl selbst die USA um Hilfe gebeten
Irans Präsident und sein Außenminister sind beim Absturz eines
Helikopters ums Leben gekommen. Noch ist unklar, ob schlechtes Wetter
oder ein technischer Defekt das Unglück verursacht haben.
22.5.2024, 05:20 Uhr
Nach dem tödlichen Absturz des Hubschraubers des iranischen Präsidenten
Ebrahim Raisi hat Teheran nach US-Angabenselbst den Erzfeind USA um
Hilfe gebeten. „Wir wurden von der iranischen Regierung um
Unterstützung gebeten“, sagte Außenministeriumssprecher Matthew Miller
am Montag in Washington.
„Wir sagten, dass wir zu helfen bereit seien - etwas, was wir für jede
Regierung in einer solchen Situation tun würden.“ Letzten Ende hätten
die USA die erbetene Hilfe jedoch „hauptsächlich aus logistischen
Gründen“ nicht leisten können, ergänzte Miller, ohne Details zu nennen. (…)
-----
11. VdW: Erklärung zum Thema Atomwaffen, Klimawandel und Energiesicherheit
https://vdw-ev.de/erklaerung-atomwaffen-klimawandel-energiesicherheit/
Erklärung zum Thema Atomwaffen, Klimawandel und Energiesicherheit
Vereinigung Deutscher Wissenschaftler
Die Verantwortung der Wissenschaft:
Atomwaffen, Klimawandel und Energiesicherheit
2. April 2024
Aus Anlass der erneuten Debatte über eine deutsche oder europäische Atombewaffnung wenden wir uns als Kreis von Menschen aus Wissenschaft und Hochschule in tiefer Sorge an den Deutschen Bundestag und die Bundesregierung. (…)
In einer Zeit, in der das Leben und die Wohlfahrt der Menschheit bedroht sind, ist die Wissenschaft mehr denn je gefordert, zu ihrer Verantwortung für die Folgen ihrer eigenen Arbeit zu stehen. Wir schließen uns dem damaligen Wort der „Göttinger Erklärung“ an: „Deshalb können wir nicht zu allen politischen Fragen schweigen.“
Wir appellieren an Sie als politische Entscheidungsträger:
Vermeiden Sie eine verharmlosende Unterscheidung von „taktischen“ oder „strategischen“ Atomwaffen. Sie ist heute noch gefährlicher als in den 1950er Jahren. (…)
Deshalb muss das nukleare Wettrüsten ein Ende finden, statt durch die Entwicklung von vermeintlichen Führbarkeitsoptionen weiter ausgebaut zu werden. Neue nukleare Sprengköpfe auf europäischem Boden verbessern die Sicherheit der Bevölkerung nicht. (…) Bundesregierung und Parlament müssen sich verstärkt für die Wiederbelebung der gekündigten Rüstungskontrollverträge und eine Fortsetzung des New-START-Prozesses einsetzen.
Der Nichtverbreitungsvertrag (NVV) von 1970 darf nicht weiter aufgeweicht werden. Das gilt auch für die bestehende Beschränkung auf „nukleare Teilhabe“ im Rahmen des Nichtverbreitungsvertrags. (…) Deutschland sollte sich im Interesse des Weltfriedens verstärkt für die Umsetzung dieser Verträge einsetzen! Programme zur Verifikation des Abzugs und zur Zerstörung von Atomwaffen in Europa könnten forciert werden.
Die aktuelle Debatte über eine neue europäische Abschreckung ist ausgelöst worden durch die Nuklearrhetorik der russischen Regierung und die Zweifel an den Nukleargarantien des US-Präsidentschaftskandidaten Trump. (…) Alle Nuklearwaffenstaaten müssen sich verpflichten, die aktuellen Obergrenzen ihrer Atomwaffen nicht zu erhöhen und überprüfbare Bestandsaufnahmen ihrer Atomwaffenarsenale beginnen.
Sicherheit ist nicht allein eine militärische Frage. Die Sicherstellung der globalen Klimaziele und damit der Erhalt des biologischen und zivilisatorischen Lebensraums für alle Menschen erfordert gewaltige Investitionen in die Zukunft. (…) Klimasicherheit und damit verträgliche Energiesicherheit dürfen nicht einem neuen Wettrüsten geopfert werden.
Die derzeit beklagten Versäumnisse der Vergangenheit in Fragen der europäischen Sicherheit mögen ihren Anteil an der gegenwärtigen Lage haben. Wir sollten jedoch nicht das Risiko eingehen, durch neue Versäumnisse bei einer rechtzeitigen Klima- und Energiesicherheit in noch größere Bedrängnis zu geraten! Vielmehr sollten wir gemeinsam Wege aus der Gefahr beschreiten!
Erstunterzeichnende: (…)
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12. Bessere Welt Links
Weitere Quellen zum breiten Spektrum Frieden finden sich hier - z.B.:
https://www.besserewelt.info/
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Mit freundlichen Grüßen
Clemens Ronnefeldt
Referent für Friedensfragen beim deutschen
Zweig des internationalen Versöhnungsbundes
________________
unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.