Schwäche ist tödlich – Warum Putin die Ukraine angegriffen hat und wie der Krieg beendet werden muss (II von II)
3 Putins Ultimaten
Um seine Ziele voranzutreiben, stellte Putin 2021 der Ukraine, den USA und der NATO zwei Ultimaten. Das erste setzte er Mitte Juli 2021 Kyjiw. Aus dem Inhalt ging deutlich hervor, dass Putins Weltbild keinen Platz für eine unabhängige Ukraine vorsieht. Es handelte sich nicht um ein Ultimatum im klassischen Sinn, sondern um einen Aufsatz Putins, der am 12. Juli 2021 veröffentlicht wurde und die „historische Einheit von Russen und Ukrainern“ zum Thema hatte. Darin konstatierte Putin, dass die Ukrainer neben den Belarussen seit eh und je zur russischen Nation gehörten.Vladimir Putin: Ob istoritscheskom edinstwa russkich i ukraintsew, Kremlin.ru, 12.7.2021, Kremlin.ru/events/president/news/66181.
" tabindex="0" data-bs-original-title="" title="">[58] Der Essay, der Berichten zufolge zur Pflichtlektüre für das russische Militär wurde, stellte unverblümt die territoriale Integrität der Ukraine in Frage und behauptete, die moderne Ukraine sei ein „Produkt der Sowjetära“, geformt „auf dem Land des historischen Russlands.“Vgl. Ibid.; siehe auch: Schojgu objasal Woennyi isutschit statyju Putina ob Ukraine, Politika, 15.7.2021; www.rbc.ru/politics/15/07/2021/60f0475d9a7947b61f09f4be." tabindex="0" data-bs-original-title="" title="">[59] Putin wiederholte die Thesen, die zu den Schwerpunkten seiner Kriegserklärung an die Ukraine im Februar 2022 wurden – nämlich dass Russland seiner „historischen Gebiete beraubt“ worden sei, die Ukraine „den Donbass nicht braucht“ und „Millionen von Ukrainern“ das von Kyjiw aufgezwungene „antirussische Projekt“ ablehnten. Er schloss den Essay mit den Worten: „Ich bin zuversichtlich, dass die wahre Souveränität der Ukraine nur in Partnerschaft mit Russland möglich ist … Denn wir sind ein Volk.“ Das Werk war selbstverständlich keine formelle Kriegserklärung, aber ein kremlnahes Medium bezeichnete es als Putins „letztes Ultimatum an die Ukraine.“Putin wykatil Ukraine poslednij ultimatum: „Kiewi Donbass prosto ne nuschen,“ MK.ru, 12.7.2021; www.mk.ru/politics/2021/07/12/putin-vykatil-ukraine-posledniy-ultimatum-kievu-donbass-prosto-ne-nuzhen.html." tabindex="0" data-bs-original-title="" title="">[60]Putins Ausführungen zufolge hingen Existenz und territoriale Integrität der Ukraine ab von ihrer Entscheidung, sich mit Russland zu verbünden oder in Russland aufzugehen – ein politischer Kurs, den das ukrainische Volk wiederholt und ausdrücklich ablehnte. Dies war kein Aufruf zur ukrainischen Neutralität, sondern zum Aufgehen der Ukraine im russischen Orbit, wenn nicht sogar in Russland selbst. Es ist wohl kein Zufall, dass Putin dieses Ultimatum nur wenige Tage nach dem erklärten Abzug der USA aus Afghanistan veröffentlichte, lange nachdem es ausformuliert worden war.Eleanor Watson/David Martin: Biden announces U.S. military mission in Afghanistan will end August 31, CBS News, 9.7.2021.
" tabindex="0" data-bs-original-title="" title="">[61]Im Dezember 2021 stellte Putin auch den USA und der NATO ein Ultimatum, um den Westen zu zwingen, das Streben der Ukraine nach Souveränität zu missachten und Partnerschaften an der Ostflanke der NATO aufzugeben. Seine Rede vom 30. November über die „roten Linien“ und das Ultimatum des russischen Außenministeriums vom 17. Dezember forderten von den USA und der NATO „Sicherheitsgarantien“, die den Kern des Sicherheitsgefüges des NATO-Bündnisses zerstört hätten.Institute for the Study of War, Russia Team 2022.
" tabindex="0" data-bs-original-title="" title="">[62] Das Ultimatum verlangte unter anderem, dass die NATO ihre Politik der „offenen Tür“ beendet, in Osteuropa keine neuen Mitglieder aufnimmt und die Stationierung von Streitkräften und Waffensystemen in nach 1997 beigetretenen Mitgliedstaaten zurückfährt.Steven Pifer: Russia’s Draft Agreements with NATO and the United States – Intended for Rejection?, The Brookings Institution Webseite (www.brookings.edu), 21.12.2021, Institute for the Study of War, Russia Team 2022." tabindex="0" data-bs-original-title="" title="">[63] Putin pochte ausdrücklich auf ein wirksames Vetorecht Russlands bezüglich der Fähigkeit souveräner Staaten, sich frei um eine NATO-Mitgliedschaft zu bemühen, sowie bei militärischen und politischen Entscheidungen der Allianz. Zudem verlangte er den Abzug aller amerikanischen Nuklearwaffen aus Europa. Diese Forderungen bedeuteten, dass die NATO ihr Gründungsdokument, den Nordatlantikpakt, ändern und jedes Mitglied zwingen müsste, ein neues Abkommen zu ratifizieren – was unter den Bündnispartnern mit großer Sicherheit für Zwietracht gesorgt hätte. Hauptanliegen von Putins Ultimatum war es, den Westen zu zwingen, die Souveränität der Ukraine zu opfern.Putin verstand seine Forderungen vom 17. Dezember 2021 als tatsächliches Ultimatum, nicht als Grundlage für eine Verhandlung. Er und seine Diplomaten signalisierten, an Zugeständnissen nicht interessiert zu sein, sondern daran, die NATO zur Aufgabe ihrer Prinzipien zu zwingen und den Rahmen der internationalen Ordnung zu ändern. Mit der ultimativen Forderung nach „Sicherheitsgarantien“ gab der Kreml seine Kompromisslosigkeit zu verstehen. Das Ultimatum sollte das Bündnis intern aufreiben, es sowohl als schwach als auch als Aggressor darstellen und die Vorstellung legitimieren, dass die Ukraine Teil der rechtmäßigen Machtsphäre Russlands ist. Auch wollte es den Westen mit der Suche nach einer diplomatischen Lösung beschäftigen – die es gar nicht geben konnte und schon lange nicht mehr gab.
Das Verhalten des russischen Außenministeriums von Oktober 2021 bis Januar 2022 spiegelte Putins zunehmend unflexible Absichten wider. Der Kreml begann russische Diplomaten an sinnvollen Verhandlungen im Vorfeld der Invasion zu hindern. Das Außenministerium war natürlich nie unabhängig vom Kreml – Außenministerien sind nie unabhängig von ihrem Souverän. Aber eine Untersuchung der BBC vom August 2023 ergab, dass russische Spitzendiplomaten jegliche Flexibilität verloren hatten, die eine vernünftige Diplomatie ermöglicht. Sie benahmen sich mehr und mehr wie „Roboter“, indem sie westlichen Diplomaten bereits Mitte Oktober 2021 vorgefertigte Erklärungen vorlasen. Dieses Verhalten markierte eine deutliche Abkehr von ihrem früheren normaleren Umgang mit ihren westlichen Amtskollegen.Vgl. Sergej Gorjaschko/Elisabeth Focht/Sofija Samochina: ‚Mi russkije i Mi ne moschem oschibatija.‘ Kak diplomaty poterjali wlijanie na Putina i ne ostanowili wojnu, BBC russischer Dienst, 3.8.2023.
" tabindex="0" data-bs-original-title="" title="">[64]Der ehemalige Berater der russischen Vertretung bei den Vereinten Nationen in Genf, Boris Bondarew, erklärte später, dass Putins Ultimatum viele russische Diplomaten schockiert habe. Er habe sofort gewusst, dass die Forderung des Kremls nach „Sicherheitsgarantien“ im Grunde lächerlich war.Ibid.
" tabindex="0" data-bs-original-title="" title="">[65] Bondarew behauptete auch, der Kreml habe dieses Ultimatum in einer Weise gestellt, die den russischen Diplomaten keine andere Wahl gelassen habe, als eine unflexible Haltung anzunehmen.Ibid." tabindex="0" data-bs-original-title="" title="">[66] Ferner erinnerte er sich, dass der stellvertretende russische Außenminister Sergej Rjabkow während eines Abendessens im Rahmen der bilateralen amerikanisch-russischen strategischen Stabilitätsgespräche in Genf am 10. Januar 2022 US-Beamte, darunter die Erste Stellvertretende Außenministerin Wendy Sherman, angeschrien und erklärt hatte, dass Russland die Ukraine brauche und Russland „nirgendwo ohne die Ukraine hingehen wird.“Ibid.; siehe auch Institute for the Study of War, Russia Team 2022." tabindex="0" data-bs-original-title="" title="">[67] Bondarew fügte hinzu, dass Rjabkow in ziemlicher vulgärer Weise verlangt habe, dass die US-Delegation „mit [ihrem] Hab und Gut sich hinter jene Grenzen zurückziehe, die bis 1997 die Ostgrenze der NATO gewesen wäre.“Ibid." tabindex="0" data-bs-original-title="" title="">[68]Sergej Rjabkow im Februar 2019 bei der Münchener Sicherheitskonferenz (Bild)
Dennoch gaben sich die USA und die NATO der Hoffnung hin, Diplomatie werde Putins Entschlossenheit in dieser Phase ändern. So reagierten die USA auf das russische Ultimatum, indem sie ihr Bekenntnis zur Ukraine und zur Politik der offenen Tür der NATO bekräftigten und Russland Verhandlungen anboten. In diesen sollten Russlands Bedenken bezüglich der Berechenbarkeit und Transparenz der NATO in Europa offen angesprochen werden.Hibai Arbide Aza/Miguel González: US offered disarmament measures to Russia in exchange for deescalation of military threat in Ukraine, El Pais, 20.2.2022; https://english.elpais.com/usa/2022-02-02/us-offers-disarmament-measures-to-russia-in-exchange-for-a-deescalation-of-military-threat-in-ukraine.html.
" tabindex="0" data-bs-original-title="" title="">[69] Die USA boten sogar an, über einen Transparenzmechanismus zu diskutieren, der die Abwesenheit von Tomahawk-Marschflugkörpern an Aegis-Ashore-Standorten in Rumänien und Polen bestätigen sollte – vorausgesetzt, Russland würde gegenseitige Transparenzmaßnahmen für zwei bodengestützte Raketenbasen amerikanischer Wahl in Russland anbieten.Institute for the Study of War, Russia Team 2022." tabindex="0" data-bs-original-title="" title="">[70] Laut dem Direktor des Carnegie Berlin Center, Alexander Gabuev, waren russische Diplomaten, mit denen er Kontakt hatte, von den US-Vorschlägen „angenehm“ überrascht und der Meinung, sie könnten Vereinbarungen treffen, die „die [russische] Sicherheit wirklich stärken würden.“Sergej Gorjaschko/Elisabeth Focht/Sofija Samochina: ‚Mi russkije i Mi ne moschem oschibatija‘, op. cit." tabindex="0" data-bs-original-title="" title="">[71] Daran war der Kreml jedoch nicht interessiert. Denn Putin hatte nicht vor, einer angeblichen Bedrohung durch die NATO entgegenzuwirken, sondern er wollte die Voraussetzungen für eine groß angelegte Invasion der Ukraine schaffen.Für Putin sollten die Ultimaten als perfekte politische Absicherung dienen. Die NATO hätte sich grundlegend verändern müssen – unter anderem durch Neufassung ihrer Charta und ihrer Grundregeln –, um den russischen Forderungen nachzukommen, und die Ukraine hätte ihre Verfassung ändern und die Grundprinzipien ihrer Souveränität aufgeben müssen. Eine solch vollständige Kapitulation hätte Putin zweifellos freudig akzeptiert, aber sie stand nie zur Debatte, wie er sicherlich wusste. Als der Westen seine Forderungen erwartungsgemäß ablehnte, besaß Putin die oberflächliche Rechtfertigung für eine groß angelegte Invasion mit zwei Zielen: Eroberung der Ukraine und Spaltung der NATO. Die Ablehnung der Ultimaten vom Dezember 2021 durch den Westen lieferte ein zusätzliches Alibi dafür, den Westen für den Krieg verantwortlich zu machen, wie es der Kreml weiterhin tut.
Bis 2022 hätte wahrscheinlich kein diplomatisches Angebot des Westens – außer der Aberkennung der ukrainischen Souveränität und der Aufgabe von NATO-Grundprinzipien – Putin vom Einmarsch in die Ukraine abgehalten. Einzig die Drohung, die USA oder die NATO würden militärisch eingreifen, hätte ihn vielleicht abgeschreckt, doch das haben die USA explizit ausgeschlossen.Institute for the Study of War, Russia Team 2022.
" tabindex="0" data-bs-original-title="" title="">[72]4 Nach dem Scheitern der Invasion – gibt es Spielraum für Verhandlungen?
Putins Ziele sind trotz des Scheiterns seiner ersten groß angelegten Invasion im Jahr 2022 und trotz aller russischen Verluste und Rückschläge unverändert. Selbst die jüngsten Äußerungen des russischen Außenministers Sergej Lawrow, die von einigen als mögliche Grundlage für eine Beilegung des Krieges verstanden wurden, sind in Wirklichkeit nur eine Wiederholung der anhaltenden Forderungen Russlands.Foreign Minister Sergey Lavrov’s remarks and answers to media questions during a news conference following the High-Level Week of the 78th session of the UN General Assembly, New York, 23.9.2023, englischsprachige Webseite des russischen Außenministeriums, 23.9.2023.
" tabindex="0" data-bs-original-title="" title="">[73] Zu diesen Bedingungen gehören die Ablösung der Selenskyj-Regierung durch ein russlandfreundliches Regime und die „Neutralisierung“ der Ukraine, was sowohl den dauerhaften Verzicht auf eine mögliche NATO-Mitgliedschaft als auch die Schwächung des ukrainischen Militärs bedeutet. Auch die Aufgabe der ukrainischen Identität durch die Ukrainer und die Anerkennung der De-facto-Kontrolle Russlands über die ukrainische Außen- und Innenpolitik zählen dazu. Dem Kreml geht es um Kontrolle über die Lebensweise der Ukraine – so wie er sie in allen russisch besetzten ukrainischen Gebieten ausübt. Russische Offizielle und Medien haben diese Forderungen permanent wiederholt, und Putin hat keine Anzeichen von Kompromissbereitschaft gezeigt.Westliche Diskussionen über die Notwendigkeit, eine diplomatische Lösung für den angeblich festgefahrenen Konflikt zu finden, sind demzufolge vollkommen fehlgeleitet. Das Institute for the Study of War geht davon aus, dass der Konflikt nicht festgefahren ist.Frederick W. Kagan: What Stalemate Means in Ukraine and Why it Matters, www.understandingwar.org, 22.3.2022.
" tabindex="0" data-bs-original-title="" title="">[74] Allerdings hat Putin diesen Krieg mit Maximalforderungen an die Ukraine und die NATO begonnen. Davon ist er weder abgewichen, noch hat er Bereitschaft signalisiert, sich in einer vermeintlichen Pattsituation mit weniger zufrieden zu geben.Nataliya Bugayova: Reframing the US policy debate on a ‚long war‘ in Ukraine, www.understandingwar.org, 27.4.2023." tabindex="0" data-bs-original-title="" title="">[75] Selbst wenn er bereit wäre, einen Waffenstillstand entlang des derzeitigen Frontverlaufs auszuhandeln, wären die Ukraine und der Westen töricht, diesen zu akzeptieren. Putin marschierte 2014 in die Ukraine ein, mit Zielen, die weit über seine Mittel hinausgingen. Er begnügte sich damit, den Konflikt zu für ihn vorteilhaften Bedingungen einzufrieren, nicht, weil er seine Ziele gemäßigt hätte, sondern um sie auf andere Weise zu verfolgen. Als klar wurde, dass er seine Pläne nicht durch die Manipulation des Minsk-II- oder Normandie-Formats umsetzen konnte, und er zur Überzeugung gelangte, dass sowohl die ukrainische Regierung als auch der Westen schwach waren, ging er erneut zur militärischen Offensive über. Diese massive Invasion brachte Putin seinen Zielen ebenso wenig näher wie sein Angriff 2014. Warum also sollten der Westen und die Ukraine erwarten, dass ein neues Waffenstillstandsabkommen oder eine erneute Verhandlung den Konflikt „löst“, den Putin geschaffen hat und den er seit einem Jahrzehnt schürt?Die Vergangenheit ist der Prolog. Ein Waffenstillstand oder ein Verhandlungsformat, das den Konflikt entlang der aktuellen Linien einfriert, die für Russland weitaus vorteilhafter sind als jene vor 2022, wird in Putins Augen nichts anderes sein als eine Art Minsk III – ein neuer Hebel, mit dem er die gleichen Ziele weiterverfolgen kann. Ein solcher „Friede“ wird kein Friede sein, sondern für Russland Gelegenheit, seine militärische und wirtschaftliche Macht wieder aufzubauen, die Aufmerksamkeit des Westens abzulenken, sich zu regenerieren und von Rissen in der ukrainischen Gesellschaft zu profitieren, bis es seine Angriffe wieder aufnehmen kann.
Auch die Idee, Putin eine „Ausstiegsmöglichkeit“ und eine „gesichtswahrende“ Gelegenheit zu bieten, ist völlig unrealistisch angesichts der Erfahrungen und Lehren, die man aus den vergangenen neun Jahren ziehen muss. Putin schuf sich 2015 einen diplomatischen „Ausstieg“, nicht, weil er seine Ukraine-Pläne reumütig aufgab, sondern weil er das Einfrieren der Frontlinien als beste Option erkannte, um die angestrebte Kontrolle über die Ukraine zu erlangen. 2014 überschätzte der Kreml die ukrainische Unterstützung für Russland, er unterschätzte den ukrainischen Widerstand und überschätzte Russlands Fähigkeit, eine Stellvertretertruppe zu etablieren, um so ohne einen groß angelegten Einsatz militärische Ziele innerhalb der Ukraine einzunehmen. Infolgedessen konnte Russland sich nur Teile der Oblaste Donezk und Luhansk sichern, nicht aber die ursprünglich geplanten sechs Regionen der Ukraine jenseits der Krim.Bugayova 2000, 27.
" tabindex="0" data-bs-original-title="" title="">[76] Wahrscheinlich wäre es noch weniger erfolgreich gewesen, wäre es nicht militärisch eingeschritten, um die ukrainischen Streitkräfte an der Befreiung weiteren Territoriums zu hindern.Vgl. Holcomb 2017." tabindex="0" data-bs-original-title="" title="">[77]Putin steckte 2015 zurück, weil er sah, dass seine militärischen Bemühungen, die volle Kontrolle über die Ukraine zu gewinnen, gescheitert waren. Er hatte die Grenzen der russischen Macht und seiner eigenen Risikotoleranz erreicht. Die Fortsetzung des aktiven Konflikts hätte das Wagnis einer unvorbereiteten und unterfinanzierten umfassenden Invasion der Ukraine erfordert.Katherine Lawlor/Mason Clark: Russian Annexation of Occupied Ukraine Is Putin’s Unacceptable „Off-Ramp“, www.understandingwar.org, 13.5.2022.
" tabindex="0" data-bs-original-title="" title="">[78] Putin entschied sich stattdessen, einen vorübergehenden Rückschlag in Kauf zu nehmen, um später sein Ziel zu erreichen. Dieses letzte Angebot des Westens einer „Ausstiegsoption“ hat den Frieden nicht gesichert. Vielmehr hat die Diplomatie des Westens zu einer achtjährigen Kampagne des Kremls geführt, durch die Russland versuchte, seine begrenzte militärische Präsenz in der Ukraine in die politische Kontrolle über das Land umzuwandeln. Als diese Kampagne scheiterte, ging Putin zu seiner groß angelegten Invasion über.Um den aktuellen russischen Krieg gegen die Ukraine dauerhaft zu beenden, muss Putin gezwungen werden, seine Niederlage zu akzeptieren. Ihm – und seinen Nachfolgern – muss unmissverständlich klargemacht werden, dass sie der Ukraine und dem Westen ihren Willen nicht militärisch aufzwingen, die Ukraine nicht politisch unterdrücken und sich nicht diplomatisch durchsetzen können. Solange der Kreml nur einen Hauch von Hoffnung auf Erfolg hegt – und jede gesichtswahrende Kompromisslösung würde ihn darin bestärken –, wird er alles daransetzen, seine Rückschläge auf eine Weise zu überwinden, die einen erneuten Krieg sehr wahrscheinlich macht.
Die Ukraine und der Westen sollten sich um ein dauerhaftes Ende dieses Konflikts bemühen, nicht um eine vorübergehende Atempause. Ein erneuter Krieg wird vermutlich ein größeres Ausmaß haben und noch gefährlicher sein, für die Ukraine wie für den Westen. Auch wird er extrem kostspielig sein, weil Moskau aufgerüstet haben und gut vorbereitet sein wird. Forderungen, die finanzielle Belastung durch die Ukraine-Hilfe zu verringern, bergen jetzt noch größere Risiken und Kosten für die Zukunft. Es gibt keinen anderen Weg zu echtem Frieden, als die Ukraine darin zu unterstützen, Russland eine eindeutige militärische Niederlage zuzufügen. Danach kommt es darauf an, ihr zu helfen, wirtschaftlich, gesellschaftlich, politisch und militärisch so stark und widerstandsfähig zu werden, dass kein russischer Führer mehr eine Chance sieht, sich die Ukraine einzuverleiben, so wie Putin sie 2014 und 2022 fälschlicherweise gewittert hat. Das ist zu erreichen, wenn der Westen sich verpflichtet, die Ukraine bei den erforderlichen langwierigen Anstrengungen entschlossen zu unterstützen. Lässt sich der Westen stattdessen von der Illusion eines Kompromisses ködern, könnte er den Schmerz für den Moment stillen, aber nur um den Preis eines viel größeren kommenden Übels. Putin hat gezeigt, dass er Kompromisse als Kapitulation betrachtet, und Kapitulation ermutigt ihn erneut zum Angriff. Dieser Krieg kann nur enden, wenn Putin verstanden hat, dass er nicht gewinnen kann. Gesichtswahrung fällt hier nicht ins Gewicht.
Über die Autoren
Nataliya Bugayova, non-resident Russia Fellow
Kateryna Stepanenko, stellvertretende Leiterin des Russlandanalyse-Teams des ISW
Frederick W. Kagan, Direktor des Critical Threats Project
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Online erschienen: 2024-03-05
Erschienen im Druck: 2024-03-01
© 2024 bei den Autorinnen und Autoren, publiziert von De Gruyter.
Dieses Werk ist lizensiert unter einer Creative Commons Namensnennung - Nicht-kommerziell - Keine Bearbeitung 4.0 International Lizenz.
Info: https://www.degruyter.com/document/doi/10.1515/sirius-2024-1002/html?
unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.
unser weiterer Kommentar:
als gelte es von Seiten des "Primus inter pares USA nebst Lakaien" das, was es für sich selbst beansprucht, dem politischen wie ideologischen Gegner als unbillig zu verweigern.
Es ist gut zu begreifen wie das alte erprobte Spiel weiterhin funktioniert. Das ist nicht bloß die Bnalität des Bösen, sondern wird für die, die sich weiterhin darauf zu stützen beabsichtigen, zur scheinbaren Ausweglosigkeit führen.










Quelle: Legion-media.ru