Lancet-Studie zeigt: Wirtschaftssanktionen können genauso tödlich sein wie Bomben und Kugeln.
seniora.org, 20. Februar 2026, 07.08.2025 Von Sue Harris - übernommen von workersworld
(Red.) Seit Jacques Baud sanktioniert wurde, ist das Thema publik geworden. Aber wissen wir was "Sanktionen" bedeuten und was sie wirklich sind? Wir erinnern an eine Lancet-Studie aus dem letzten Jahr. Dass diese brutale Kriegswaffe nun auch gegen Zivilpersonen eingesetzt wird, ist eine zusätzliche Schande. Sehen Sie auch das Video mit Jacques Baud am Ende dieses Beitrags.(ww)
Zwei Dokumente erklären gemeinsam die tödlichen Auswirkungen der Wirtschaftssanktionen, die mächtige imperialistische Länder gegen etwa ein Drittel der Weltbevölkerung verhängt haben, darunter vor allem die ärmsten und schutzbedürftigsten Bewohner viel ärmerer Länder. Diesen Dokumenten zufolge waren Sanktionen in den letzten zehn Jahren für den Tod von etwa einer halben Million Menschen pro Jahr verantwortlich.
Das eine Dokument ist ein Fachartikel, der in der renommierten und international angesehenen medizinischen Fachzeitschrift The Lancet veröffentlicht wurde. Um ihn zu verstehen, sind Fachkenntnisse erforderlich. Wir verlinken ihn hier: “Effects of international sanctions on age-specific mortality: a cross-national panel data.”

«Wirkung von internationalen Sanktionen auf die alters-spezifische Sterblichkeit: länderübergreifende Panel Daten»
Das andere Dokument ist ein Kommentar von Mark Weisbrot, einem der Autoren des Lancet-Artikels, der zuerst vom Center for Economic Policy Research und anschließend in vielen anderen Zeitungen und Zeitschriften veröffentlicht wurde: “Rethink sanctions. They’re killing as many people as war does.” («Saktionen überdenken. Sie töten ebenso viele Menschen wie Krieg».
Weisbrots Kommentar wurde vielfach veröffentlicht, unter anderem in der Los Angeles Times, der St. Louis Post-Dispatch, der East Bay Times, der San Jose Mercury News, dem Fort Worth Star-Telegram und vielen anderen Medien.
Was sind Sanktionen?
Sanktionen sind negative wirtschaftliche Auswirkungen, die durch Einmischung von außen in den Handel eines Landes oder durch die Verweigerung des Handels mit diesem Land entstehen. Sanktionen können den Zugang zu lebenswichtigen Importen wie Medikamenten und Lebensmitteln sowie zu der für die Aufrechterhaltung der Trinkwasserversorgung notwendigen Infrastruktur und Ersatzteilen, einschließlich elektrischer Systeme, blockieren. Sie können auch verhängt werden, um Exporte zu blockieren und damit wichtige Handelsgeschäfte zu behindern. Historisch gesehen wurde eine solche Einmischung in das Wirtschaftsleben eines Landes als Kriegshandlung betrachtet.
Was die mächtigen imperialistischen Länder, die Sanktionen verhängen, tun, ist, ein Land vom internationalen Finanzsystem und vom Export abzuschneiden, Vermögenswerte in Milliardenhöhe einzufrieren und „sekundäre Sanktionen“ gegen andere Länder zu verhängen, die mit diesem Land Geschäfte machen könnten. Diese Maßnahmen verschärfen die Lage der Bevölkerung des sanktionierten Landes noch weiter.
Wie Weisbrot hervorhebt – und das ist die erschreckendste Statistik –, sind die Opfer von Sanktionen meist Kinder unter fünf Jahren und nicht Soldaten.
Sara Flounders, Redakteurin der Zeitung Workers World, Organisatorin beim International Action Center (IAC) und Mitherausgeberin des Buches „Sanctions: a Wrecking Ball in a Global Economy” (2022) («Sanktionen: eine Abreissbirne in der Globalen Wirtschaft»), hat Sanktionen als brutalste Form der Kriegsführung bezeichnet. Das IAC kämpft seit seiner Gründung im Jahr 1992 gegen Sanktionen, während die USA über die Vereinten Nationen nach dem Krieg von 1991 Sanktionen gegen den Irak verhängten.
Flounders sagte damals: „Den Ländern fehlten grundlegende Antibiotika und lebenswichtige Medikamente, sodass Durchfall oder ein Knochenbruch oft ein Todesurteil waren. Es gab keine Möglichkeit, sauberes Wasser aufzubereiten oder Lehrer und medizinisches Personal zu bezahlen.” (“Sanctions kill: a book, a webinar, a movement”)

Kuba wird seit 60 Jahren von den Imperialisten mit einer Wirtschaftssperre bestraft, doch hat Kuba mehr Ärzte und medizinisches Personal nach Afrika entsandt als die Weltgesundheitsorganisation.
Flounders berichtete, dass Kuba eigene Impfstoffe gegen die COVID-19-Pandemie entwickelt habe, doch aufgrund der Sanktionen sei eine weltweite Bewegung notwendig gewesen, um genügend Spritzen für das kubanische Gesundheitssystem zu beschaffen, damit die eigene Bevölkerung geimpft werden konnte.
Die Länder, die Wirtschaftssanktionen verhängen, sind die reichsten, mächtigsten und industriell am weitesten entwickelten Länder der Welt (mit Ausnahme Chinas, das keine Sanktionen einsetzt). Die Herrscher dieser Länder wollen die Wirtschaft der Entwicklungsländer, von denen die meisten ehemals Kolonien waren, ersticken. Sanktionen gegen ein Land wirken sich auf die Wirtschaft der gesamten Region aus, in der es liegt.
Sanktionen sind die bevorzugte Waffe des Imperialismus, eine stille Waffe, die die Schwächsten auf eine Weise tötet, die nicht sofort sichtbar ist, im Gegensatz zu Bomben oder Kugeln. In einem Krieg sind viele der Getöteten Soldaten, obwohl seit Beginn des 20. Jahrhunderts in den meisten Kriegen mehr Zivilisten als Soldaten ums Leben gekommen sind. Unter Sanktionen sind es Kinder und ältere Menschen, die am schnellsten sterben.
Sanktionen scheinen weniger gewalttätig zu sein als offene Kriege, aber die hier zitierten Dokumente beweisen eindeutig, dass sie genauso tödlich und gewalttätig sein können wie Bomben und Kugeln und von allen Bewegungen bekämpft werden müssen, die sich gegen imperialistische Kriege stellen.
Quelle: Workers World
Schauen Sie auch dieses Video

Video https://www.youtube.com/watch?v=XlRQmPpjL8s Dauer 1:00:10 Min.
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Der Original-Text
Workers World
Lancet study shows: Economic sanctions can kill like bombs and bullets
By Sue Harris posted on August 7, 2025
Two documents together explain the lethal effect of economic sanctions applied by powerful imperialist countries on about one-third of the world’s population, mostly the poorest and most vulnerable residents of much poorer countries. According to these documents, sanctions were responsible for killing about a half-million people each year for the last 10 years.
One document is a technical paper published in the prestigious and internationally respected medical journal The Lancet. It requires technical knowledge to read with understanding. We link it here: “Effects of international sanctions on age-specific mortality: a cross-national panel data.”
The other document is a commentary by one of the authors of The Lancet paper, Mark Weisbrot, published first by the Center for Economic Policy Research and then in many other newspapers and magazines: “Rethink sanctions. They’re killing as many people as war does.”
Weisbrot’s commentary has been widely published, including by the Los Angeles Times, St. Louis Post-Dispatch, East Bay Times, The San Jose Mercury News, Fort Worth Star-Telegram, and many other media.
What are sanctions?
Sanctions are the negative economic effects created by outside interference with a country’s trade or the refusal to allow that country to trade. Sanctions can block access to essential imports such as medicine and food and the necessary infrastructure and spare parts to maintain drinkable water, including electrical systems. They can also be imposed to block exports, interfering with essential commercial transactions. Historically, such interference in the economic life of a country has been considered an act of war.
What the powerful imperialist countries imposing sanctions are doing is cutting off a country from the international financial system and exports, freezing billions of dollars of assets and imposing “secondary sanctions” on other countries that might do business with that country. These steps make the conditions for the population of the sanctioned country even more dire.
As Weisbrot points out — and this is the most chilling statistic — the populations most often killed by sanctions are children under five years of age, not soldiers.
Sara Flounders, contributing editor of Workers World Newspaper, organizer with the International Action Center (IAC) and co-editor of the book “Sanctions: a Wrecking Ball in a Global Economy” (2022), has called sanctions the most brutal form of war. The IAC has been fighting sanctions since its founding in 1992, while the U.S. working through the United Nations was imposing sanctions on Iraq following the 1991 war.
Flounders said at the time: “Countries lacked basic antibiotics and essential medicines, so that diarrhoea or a broken bone was often a death sentence. There was no way to process clean water or pay teachers or medical staff.” (“Sanctions kill: a book, a webinar, a movement”)
Cuba has been heavily sanctioned by the imperialists for 60 years in what has amounted to an economic blockade, yet Cuba has supplied more doctors and medical staff to Africa than the World Health Organization.
Flounders reported that Cuba had developed its own vaccines to counter the COVID-19 pandemic, but because of the sanctions, it took a worldwide movement to send enough syringes for the Cuban medical system to immunize its own population.
The countries imposing economic sanctions are the wealthiest, the most powerful and the most industrially developed countries in the world (with the exception of China, which does not employ sanctions). These countries’ rulers aim to choke the economies of developing countries, most of which were formerly colonized. Sanctions on one country impact the economies of the whole region in which they are located.
Sanctions are the imperialist weapon of choice, a silent weapon that kills the most vulnerable in ways that are not immediately visible, unlike bombs or bullets. In a war, many of those killed are soldiers, although in most wars since the 20th century began there have been more civilian than military casualties. Under sanctions, it is the children and the elderly who are the quickest to die.
Sanctions appear to be less violent than overt war, but the documents referenced here prove definitively that they can be as deadly and violent as bombs and bullets and must be fought by any movements that oppose imperialist war.
unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.







Florian Rötzer, geboren 1953, war Gründer des Online-Magazins Telepolis und von 1996 bis 2020 dessen Chefredakteur. Seit 2022 ist er Redakteur beim Overton Magazin. Er ist Autor mehrerer Bücher. In diesen Tagen erschien sein Buch 






















