aus e-mail vom Clemens Ronnefeldt, 2. April 2026, 9:23 Uhr
Liebe Friedensinteressierte,
nachfolgend sende ich einige Artikel zu den Kriegen in der Ukraine und in Westasien sowie zum ThemaMilitarisierung - mit dem Hinweis, dass ich nicht mit allen Aussagen aller Artikel übereinstimme, die folgenden Beiträge aber für wichtig halte.
1. n tv: Reisners Blick auf die Front“ - Kiew muss Soldaten nach der Nato-Ausbildung mühsam umschulen"
2. Reuters: Exklusiv: USA verbinden Sicherheitsgarantien mit Ukraine, die den Donbass aufgibt, sagt Selenskiy
3. NYT: Israel glaubte, es könne im Iran einen Aufstand anzetteln. Das ist nicht geschehen.
4. Tagesschau: Iran-Krieg - Trump heizt Spekulationen über Bodenoffensive an5. ORF: Verdacht auf Insiderhandel - Gute Geschäfte mit Wetten auf den Krieg
6. Die Zeit: Krisenprofite von Energieunternehmen: Wer jetzt am Irankrieg verdient7. The Guardian: US-Gesandter Mike Huckabee sagt, es sei „in Ordnung“, wenn Israel das gesamte Land im Nahen Osten einnehmen würde
8. Tagesschau: Krieg im Nahen Osten - Israel will Südlibanon bis zum Litani kontrollieren9. Tagesschau: US-Medien: US-Spezialeinheiten im Nahen Osten angekommen - Spanien sperrt Luftraum für Militärflüge
10. ORF: Geschichte: Der Iran, sein Öl und der Westen11. NSA-Archive: CIA bestätigt Rolle beim Iran-Putsch von 195312. Versöhnungsbund: Clemens Ronnefeldt: Iran, Israel und die Kriegsgefahr in der Region
13. USA und Iran: Pakistan kündigt Gespräche zwischen den USA und dem Iran an14. IPG: Vorherrschaft durch Chaos - Israels Regierung setzt auf Eskalation –
und zieht die USA tiefer in einen Krieg, den sie längst hinter sich lassen wollten.
15. ZDF: Verteidigungsminister zu Iran:
"Nicht unser Krieg": Pistorius sagt Hilfe bei Waffenruhe zu
16. ZDF: Deutschlands Blick in den Indopazifik: U-Boote für Singapur: Mehr als ein Geschäft
17. Ökumene: Gemeinsame ökumenische Erklärung zum eskalierenden Konflikt im Nahen und Mittleren Osten18. Change.org.: Petition an den Rat der EKD: Überarbeitet die neue Denkschrift zur Friedensethik!
19. Friedenskooperative: Das Netzwerk Friedenskooperative informiert über Ostermärsche 2026 und eine Zeitungsanzeige
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1. n tv: Reisners Blick auf die Front“ - Kiew muss Soldaten nach der Nato-Ausbildung mühsam umschulen“
Reisners Blick auf die Front
"Kiew muss Soldaten nach der Nato-Ausbildung mühsam umschulen"
30.03.2026, 20:27 Uhr
Ein Interview von Lea Verstl
Steigende Ölpreise spülen Geld in die Kriegskasse des Kreml. An derFront seien russische Truppen deshalb weiter bereit, "all in" zugehen, sagt Oberst Reisner. Hinter den abfälligen Bemerkungen desRheinmetall-Chefs Papperger über Kiews Drohnenbau wittert erKonkurrenzdenken.
ntv.de: Der Vorstandsvorsitzende von Rheinmetall, Armin Papperger,hatte ukrainische Drohnen abfällig als eine Art "Lego-Drohnen"beschrieben und von ukrainischen "Hausfrauen mit 3D-Druckern in derKüche" gesprochen. Nach massiver Kritik aus der Ukraine ruderteRheinmetall zurück und betonte den "größten Respekt" vor ukrainischenVerteidigungsanstrengungen. Was steckt hinter Pappergers Aussagen?
Markus Reisner: Das ist aus meiner Sicht die typische Arroganz, diewir in vielen europäischen Ländern an den Tag legen. Wir wollen denEindruck vermitteln, wir seien jenen, die seit Jahren im Kriegkämpfen, überlegen. Das stimmt überhaupt nicht. Die Ukraine hat in denletzten Jahren unglaubliche Erfahrungen gemacht.
Wenn ukrainische Verbände gemeinsam mit der Nato üben, sind sie ihrüberlegen. Bei einer Nato-Übung in den baltischen Staaten Anfang 2025ist es einer ukrainischen Drohneneinheit namens Nemesis gelungen, denNato-Verbänden große Verluste beizubringen, weil diese Verbändeüberhaupt nicht vorbereitet waren auf die Art und Weise, wie momentander Krieg in der Ukraine geführt wird.
Gibt es weitere Beispiele für die Überlegenheit der Ukraine?
Es gab eine weitere maritime Nato-Übung, bei der es ukrainischenDrohnen gelungen ist, einige Nato-Schiffe in wiederholten simuliertenAttacken anzugreifen. Schließlich ist der Umstand bedeutend, dass dieUkraine jetzt die Ausbildung ihrer Soldaten in den Nato-Staatenbeendet, weil die Soldaten dort nicht das lernen, was sie an der Frontbrauchen.
Die Ukraine muss ihre Soldaten nach der Nato-Ausbildung mühsamumschulen, bevor sie an die Front geschickt werden können. Sonstwürden die Soldaten oft bereits nach wenigen Tagen durch russischeDrohnenangriffe fallen. Die mangelhafte Ausbildung, die sie in denNato-Staaten bekommen haben, verringert ihre Chancen zu überleben.Jetzt redet der Chef eines der größten europäischenRüstungsunternehmen klein, was hier passiert. Das ist grob fahrlässig.
(…)
Steckt hinter Pappergers Aussage wirklich nur Arroganz?
Rheinmetall ist ja zurückgerudert. Was das Unternehmen aberwahrscheinlich kaum zugeben würde: Dahinter steckt auchKonkurrenzdenken. Aus Sicht der europäischen Rüstungskonzerne ist dieGefahr groß, dass die Ukraine mit ihren Erfahrungen undtechnologischen Entwicklungen künftig Aufträge bekommt, die eigentlichdie europäische Rüstungsindustrie für sich haben möchte.
Die Angst grassiert besonders mit Blick auf den Einsatz ukrainischerTeams im Nahen und Mittleren Osten, die Israel und die USA im Kampfgegen den Iran bei der Drohnenabwehr unterstützen.
(…)
Sollten die Europäer dann nicht bereit sein, von den Ukrainern zu lernen?
Ich habe vor Kurzem wieder mit Ukrainern gesprochen. Sie sagten mir,sie hätten den Eindruck, europäische Unternehmen versuchten immerwieder, ihre Ideen zu stehlen und sie dann selbst zu vermarkten. Esgeht um viel Geld und Anleger, die profitieren wollen.
Die Ukrainer gehen mit einer großen Offenheit an die Zusammenarbeitmit den Europäern heran, versuchen auch ihre Expertise weiterzugebenund werden zum Teil nicht ernst genommen. Wenn es dann zu einerEskalation wie im Krieg gegen den Iran kommt, wird die Expertisegebraucht und beneidet.
(…)
Die Ukraine nutzt Drohnen auch für Angriffe auf Ölterminals wiePrimorsk. Der Krieg im Nahen und Mittleren Osten macht russisches Ölmomentan knapp, teurer und für viele Käufer zur gefragten alternativenQuelle. Versetzen die ukrainischen Angriffe der russischenKriegsökonomie dennoch schwere Schläge?
Die Ukraine hat in den letzten Monaten die Anzahl der Angriffe aufrussisches Territorium in Qualität und Quantität sukzessivegesteigert. Dabei gibt es eine Mischung ausLangstrecken-Waffensystemen wie Marschflugkörper einerseits undDrohnen andererseits. Gerade ist eine mehrtägige ukrainische Operationzu Ende gegangen, deren Ziel es war, vor allem die Öl- undGas-Terminals lahmzulegen, damit Russland nicht von der Lage amRohstoffmarkt profitiert.
Präsident Wolodymyr Selenskyj sagt nun, er wäre bereit, eine bestimmteArt von Waffenstillstand zu akzeptieren. Falls Moskau seine Angriffeauf die Energieinfrastruktur der Ukraine einstellt, würde Kiew denBeschuss der russischen Infrastruktur beenden. Selenskyj ist sich alsoüber die Wirkung der ukrainischen Schläge bewusst.
Wie realistisch ist die Einigung auf diesen Waffenstillstand?
In einem Nebensatz sagte Selenskyj, es gebe Signale von einigenPartnerländern, die darauf hinweisen, dass die Ukraine ihre Angriffegegen den russischen Ölsektor reduzieren sollen. Er weiß also auch,dass westliche Verbündete, vor allem die USA, den Präzisionsschlägeneinen Riegel vorschieben könnten, indem sie der Ukraine keineAufklärungsbilder mehr zukommen lassen.
Das geht einher mit dem massiven Anstieg des Ölpreises. Denn der Druckam Weltmarkt steigt zusätzlich, falls auch das russische Öl nicht mehrverfügbar ist. Die Amerikaner haben sogar erlaubt, einen russischenTanker nach Kuba zu schicken, damit dort das Öl entladen werden kann.
Auch Russland verstärkt seine Attacken, teilweise mit HundertenDrohnenangriffen an einem Tag. Wie bewerten Sie aus militärischerSicht die massiven Angriffswellen Russlands gegen die ukrainischeEnergie- und Strominfrastruktur?
Die Russen haben mit den Attacken auf die kritischeEnergieinfrastruktur bereits im Winter 2022/23 begonnen und dieseseitdem verstärkt. Am 24. März gab es das erste Mal zwei russischeAngriffswellen mit zusammengerechnet fast 1000 Drohnen,Marschflugkörpern und Raketen.
Am 29. März folgte eine Attacke mit 443 Drohnen, Marschflugkörpern undRaketen. Der Druck, der auf der Ukraine lastet, ist enorm. Es gibtnach wie vor noch keine Lösung bei den Abfangsystemen. Die Ukrainebraucht Patriots, um Marschflugkörper und Raketen abzufangen. Deshalbgibt es dieses Angebot Selenskyjs bezüglich eines Waffenstillstands.
(…)
Wie ist die Lage am Festungsgürtel?
Dort marschieren die Russen langsam, aber stetig vor. Davon hört manin westlichen Medien weniger, weil das natürlich nicht im Interesseder Ukraine ist. Durch den Fall von Siwersk letztes Jahr haben dieRussen eine gute Ausgangsposition eingenommen und wollen dieVoraussetzungen für die Sommeroffensive schaffen.
Das heißt, der Druck ist unvermittelt hoch. Kleinere Vorstöße gelingenden Russen immer wieder bei Sumy oder Charkiw. Das zeigt: Die Russensind immer noch gewillt, 'all in' zu gehen, auch weil sie durch dieEntwicklungen im Mittleren Osten begünstigt sind. Sie sehen dies alsChance, die Initiative an sich zu reißen.
Mit Markus Reisner sprach Lea Verstl
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2. Reuters: Exklusiv: USA verbinden Sicherheitsgarantien mit Ukraine, die den Donbass aufgibt, sagt Selenskiy
https://www.reuters.com/business/aerospace-defense/us-links-security-guarantees-ukraine-giving-up-donbas-zelenskiy-says-2026-03-25/
Exklusiv: USA verbinden Sicherheitsgarantien mit Ukraine, die den Donbass aufgibt, sagt SelenskiyVon Daniel Flynn und Olena Harmash
25. März 2026 19:24 Uhr GMT+1 Aktualisiert 26. März 2026
Zusammenfassung
Die USA haben Sicherheitsgarantien angeboten, wenn die Ukraine die
Donbass-Region an Russland übergibt, sagt Selenskij
Der ukrainische Führer sagt, dass der Verzicht auf die Verteidigungslinie
im Donbass ein großes Sicherheitsrisiko wäre
Selenskiy dankt Trump für die Fortsetzung der US-Waffenlieferungen an
die Ukraine trotz Iran-Konflikt
Ukraines Fortschritte in der Raketen- und Drohnenproduktion ermöglichen es,
sich gegen russische Luftangriffe zu revanchieren
(…)
In einem vergoldeten Sitzungssaal in den Präsidentenbüros im Zentrum
von Kiew sagte Selenskij, Russland wette, Washington würde das
Interesse verlieren, wenn die Friedensgespräche ins Stocken geraten
und weggehen würden. Er räumte ein, dass ein gewisses Risiko dafür
bestehe.
Eine vierte Runde trilateraler Gespräche, die in diesem Monat
stattfinden sollten, wurde aufgrund des Iran-Konflikts verschoben.
Selenskij stellte jedoch in Frage, ob Russland bereit sei,
Hunderttausende weitere Soldaten zu opfern, um das Gebiet des Donbass
zu erobern, das es nicht bereits kontrolliert - etwa 6.000
Quadratkilometer. Er wiederholte, dass ein Gipfeltreffen mit Trump,
Putin und ihm der einzige Weg sei, um offene Fragen zu Territorium und
Sicherheitsgarantien zu klären, um ein Friedensabkommen zu erzielen.
Der ukrainische Staatschef zuckte mit den Schultern vor den Spannungen
zwischen ihm und Trump. "Ich bin keine Schachtel Pralinen oder ein
Auto, um von der einen oder anderen Person gemocht oder nicht gemocht
zu werden", sagte er. "Meiner Meinung nach betrachtet der Präsident
der Vereinigten Staaten dies pragmatischer, und er will
wahrscheinlich, dass der Krieg schnell endet. Wir wollen es auch so
schnell machen.“
Nach der schweren russischen Bombardierung ukrainischer Städte am
Mittwoch dankte Selenskiy der Trump-Regierung für die Aufrechterhaltung
der Lieferungen von Patriot-Raketenabwehrsystemen, trotz der gestiegenen
Nachfrage nach diesen Waffen wegen des Konflikts am Golf.
Ukrainische Beamte haben zuvor Befürchtungen geäußert, dass
Lieferungen von in den USA hergestellten Patrioten - den einzigen
Raketen im ukrainischen Arsenal, die in der Lage sind, russische
ballistische Raketen abzuschießen - wegen des Iran-Konflikts
austrocknen würden.
"Die Lieferungen an uns wurden nicht gestoppt. Ich bin Präsident Trump
und seinem Team sehr dankbar", sagte Selenskiy. "Aber diese Versorgung
mit Patriot-Raketen ist nicht so groß, wie wir brauchen." Unterdessen
machte die Ukraine Fortschritte bei der Produktion ihrer eigenen
Langstreckenraketen und Drohnen, so dass sie tief in Russland als
Vergeltung für die russische Bombardierung ukrainischer Städte
eingreifen konnte, sagte Selenskiy.
———
siehe auch:
https://www.nytimes.com/2026/03/25/opinion/russia-putin-iran-war.html
Meinung
Gast Essay
Für Putin hat der Krieg im Iran alles verändert
(…)
——
3. NYT: Israel glaubte, es könne im Iran einen Aufstand anzetteln. Das ist nicht geschehen.
https://www.nytimes.com/2026/03/22/us/politics/iran-israel-trump-netanyahu-mossad.html
Israel glaubte, es könne im Iran einen Aufstand anzetteln. Das ist nicht geschehen.
Präsident Trumps Hoffnungen, dass ein israelischer Plan, einen internen
Aufstand gegen die theokratische Regierung des Iran zu entfachen,
den Krieg rasch beenden könnte, haben sich bislang zerschlagen.
(…)
———
4. Tagesschau: Iran-Krieg - Trump heizt Spekulationen über Bodenoffensive an
https://www.tagesschau.de/ausland/asien/iran-krieg-usa-trump-100.html?utm_source=firefox-newtab-de-de
Iran-Krieg Trump heizt Spekulationen über Bodenoffensive anStand: 30.03.2026 • 09:23 Uhr
Die Kämpfe in Iran gehen in die fünfte Woche: Erneut wird die
Hauptstadt Teheran und iranische Energieinfrastruktur bombardiert.
Iran schlägt zurück. US-Präsident Trump hat unterdessen iranisches Öl
und die Insel Charg im Visier.
US-Präsident Donald Trump hat Spekulationen über eine Bodenoffensive
in der Islamischen Republik Iran angeheizt. In einem Interview mit der
Zeitung Financial Times sagte Trump vage: "Vielleicht nehmen wir die
Insel Charg ein, vielleicht auch nicht. Wir haben viele Optionen".
Weiter wird er zitiert: "Es würde auch bedeuten, dass wir eine Weile
dort bleiben müssten."
Über Charg, eine Insel im Persischen Golf, wickelt Iran etwa 90
Prozent seiner Erdölausfuhren ab. Das Pentagon habe die Entsendung von
rund 10.000 Soldaten in die Region angeordnet, die für Eroberung und
Sicherung von Land ausgebildet sind, berichtete die Zeitung weiter.
Ein Angriff auf Charg wäre jedoch riskant. Experten warnen, dass
US-Soldaten nach einer möglichen Einnahme und Besetzung der Insel
leichte Ziele für iranische Angriffe wären.
Trump will sich iranisches Öl aneignen
Trump sagte der Financial Times, dass er sich "am liebsten" das Öl in
Iran aneignen wolle. Er fügte hinzu: "Aber einige dumme Leute in den
USA sagen: 'Warum tust du das?' Aber das sind dumme Leute."
Nach Trumps Worten kommen die indirekten Gespräche zwischen den USA
und Iran über pakistanische Vermittler gut voran. Ein Abkommen über
eine Waffenruhe könne ziemlich schnell erzielt werden. Die Frist, um
einem möglichen Abkommen zuzustimmen, läuft am 7. April ab, wurde von
Trump aber schon mehrmals verschoben. Zum Thema Waffenruhe mit Iran
sagte Trump der Zeitung aber auch: "Wir haben noch etwa 3.000 Ziele
übrig - wir haben 13.000 Ziele bombardiert - und noch ein paar Tausend
Ziele vor uns." Trump hat sich seit Beginn des Krieges wiederholt
widersprüchlich zur geplanten Dauer des Krieges und mögliche
Verhandlungslösungen geäußert.
Zudem sagte Trump der Financial Times, Iran erlaube nun 20 Öltankern
unter pakistanischer Flagge die Durchfahrt durch die Straße von Hormus
und damit doppelt so vielen wie zuvor. Das habe der iranische
Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf genehmigt.
Gegenseitiger Beschuss dauert an Unterdessen dauert der gegenseitige
Beschuss an. Die israelische Armee teilte in der Nacht mit, es seien
zwei Drohnen aus dem Jemen abgefangen worden. Iran beschoss Israel
zudem erneut mit Raketen. Berichte über Einschläge oder Verletzte gab
es nicht.
Auch Kuwait und andere Golfstaaten gerieten wieder unter Beschuss
durch Iran. Das Energieministerium in Kuwait meldete in der Nacht auf
der Plattform X Schäden an einem Nebengebäude eines Stromkraftwerks
und einer Entsalzungsanlage. Die Luftabwehr Saudi-Arabiens fing laut
Verteidigungsministerium fünf ballistische Raketen ab. Auch Bahrain,
Jordanien, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate fingen laut
dem arabischen Sender Al Jazeera Drohnen und Raketen ab.
Auch die israelische Luftwaffe setzte ihre Angriffe in Iran fort. Es
werde "militärische Infrastruktur" in der iranischen Hauptstadt
Teheran attackiert, teilte die Armee am frühen Morgen ohne nähere
Angaben mit. Iranische Staatsmedien meldeten an mehreren Orten im Land
Angriffe auf die Energieinfrastruktur.
Israel und die USA hatten ihren gemeinsamen Krieg gegen die Islamische
Republik vor gut einem Monat begonnen. Seit Tagen gibt es Berichte
über eine mögliche Bodenoffensive des US-Militärs in Iran. Pakistan
bemüht sich zwar um Vermittlung, bisher haben Washington und Teheran
aber noch keine direkten Verhandlungen zur Beendigung des Kriegs
aufgenommen.
——
5. ORF: Verdacht auf Insiderhandel - Gute Geschäfte mit Wetten auf den Krieg
https://orf.at/stories/3424801/
Verdacht auf Insiderhandel
Gute Geschäfte mit Wetten auf den KriegOb die USA die politischen Führer des Iran töten oder wann sie wohl
Bodentruppen einsetzen – mit Wetten auf solche Fragen wurden zuletzt
auf Plattformen wie Polymarket und Kalshi Millionen gemacht.
Hinter den Anbietern stehen mitunter finanzkräftige Investoren mit
politischer Agenda, auch die Familie von US-Präsident Donald Trump.
Und oftmals liegt der Verdacht nahe, Insider könnten auf den
Plattformen ihr geheimes Wissen über den inzwischen vier Wochen
dauernden Krieg zu Gold machen. Die Plattformen boomen und drängen
inzwischen von der virtuellen in die reale Welt.
29. März 2026, 7.21 Uhr
Wie warm wird das Wetter, wer gewinnt den Eurovision Song Contest,
werden die USA Kontakt zu Außerirdischen bestätigen? Auf zahllose
Fragen wie diese kann man auf Plattformen wie Polymarket und Kalshi
wetten. Viele Wetten sind aber weit weniger harmlos, dafür – zumindest
für manche – äußerst profitabel.
Der Branchenprimus Polymarket ist ein Prognosemarkt, eine virtuelle
Marktplattform. Spätestens seit dem zweiten Wahlsieg von Trump ist die
Popularität der Plattform förmlich explodiert. Denn ihre Vorhersagen
waren anhand der abgegebenen Wetten genauer als die Umfragen. Damit
wirbt das Unternehmen auch offensiv: Im Gegensatz zu herkömmlichen
Umfragen spiegle Polymarket „die Stimmungslage in Echtzeit wieder“,
man erhalte „ein dynamischeres Verständnis der öffentlichen Meinung“,
heißt es auf der Website.
Voriges Jahr kam es schließlich zu einem veritablen Wettboom. Die
Prognosemärkte verzeichneten laut dem Brokerhaus Clear Street ein
weltweites Handelsvolumen von 47 Milliarden Dollar (rund 41 Mrd. Euro).
Geld machen für Anfänger
Das Prinzip ist recht einfach und lädt Userinnen und User
niederschwellig ein. Man kauft Ja- oder Nein-Anteile auf die Frage, ob
ein bestimmtes Ereignis eintritt. Wenn es eintritt, ist jeder
Ja-Anteil einen Dollar wert. Tritt es nicht ein, ist der Ja-Anteil wertlos.
Die Anteile werden wie Aktien an der Börse gehandelt – Angebot und
Nachfrage bestimmen den Preis, der zwischen null und 100 Cent liegt.
Der aktuelle Preis, zu dem ein Anteil gekauft wird, stellt dann die
Wahrscheinlichkeit dar, ob das Ereignis eintritt oder nicht.
Thiel und Trump
Einzelne Prognosemärkte wurden in kurzer Zeit zu Milliardenkonzernen,
auch weil finanzkräftige Investoren viel Geld hineinpumpen. So soll
der Tech-Milliardär Peter Thiel innerhalb von zwei Jahren über 250
Mio. Dollar in Polymarket investiert haben. Die New Yorker Börse stieg
gleich mit zwei Milliarden Dollar ein.
Kalshi ist der zweite große Prognosemarkt, in den USA ist es Teil
einer Trading-App. Hier ist Trumps ältester Sohn Donald Jr. Investor
und strategischer Berater. Auch der Präsident selbst will mitnaschen:
Seine Plattform Truth Social bereitet gerade seinen eigenen
Prognosemarkt mit dem Namen Truth Predict vor.
Angebote an Journalisten
Die Plattformen scheinen auch Einfluss auf die öffentliche Meinung
nehmen zu wollen. So berichtete der freie US-Journalist Rick Ellis
kürzlich auf The Verge, ihm sei von einem großen Prognosemarktplatz
ein Vertrag angeboten worden. Er sollte zwei Artikel pro Woche auf
Basis von Daten der Prognosemärkte erstellen, die angebotene Vergütung
habe sich im mittleren bis oberen dreistelligen Dollarbereich pro
Beitrag bewegt – plus Boni für hohe Klickzahlen.
Ellis lehnte ab: „Es fällt mir schwer, Nein zu sagen, aber ich hätte
es nicht mit meinem Gewissen vereinbaren können“, so der Journalist.
„Viele Menschen bezahlen für meinen Newsletter und lesen ihn, weil sie
mir vertrauen.“
Verdacht auf Handel mit Insiderwissen
Der Verdacht, dass mit dem neuen Boom auch Schindluder getrieben
werden könnte, kam bald auf. Insiderhandel wurde bereits etliche Male
vermutet, etwa bei Wetten auf die Außerlandesbringung von Venezuelas
Staatschef Nicolas Maduro und auf die Tötung des obersten iranischen
Führers, Ali Chamenei. Kurz vor diesen Ereignissen wurden jeweils
mehrere neue Accounts auf Polymarket angelegt, die dann die richtigen
Wetten platzierten.
Laut dem Analyseunternehmen Bubblemaps erzielten sechs Accounts kurz
vor den ersten Angriffen auf den Iran einen Gewinn von 1,2 Millionen
Dollar. Die größte Summe strich der Account des anonymen Traders
„Magamyman“ ein. Sein Einsatz von 40.000 Dollar brachte ihm innerhalb
weniger Stunden eine halbe Million.
Auch Kalshi betrieb Wetten auf den Sturz Chameneis. Doch nach
anhaltender Kritik machte das Unternehmen einen halbherzigen
Rückzieher. Den Händlern wurden die Gebühren erstattet, und Gewinne
wurden zum letzten gehandelten Kurs vor Chameneis Tod ausgezahlt. Es
solle niemand von einem Todesfall profitieren, so Kalshi-Chef Tarek
Mansour auf der Plattform X anschließend.
„Wahnsinn, dass das legal ist“
Denn in den USA sind Wetten eigentlich verboten, die dem öffentlichen
Interesse zuwiderlaufen. Dazu können auch Kriege und Attentate zählen.
Doch die Prognosemärkte bewegen sich in einer regulatorischen
Grauzone, die vor Gericht erst gefärbt werden muss. "Es ist Wahnsinn,
dass das legal ist (…) Ich werde so schnell wie möglich einen
Gesetzesentwurf einbringen, um das zu verbieten“, so Senator Chris Murphy.
Auch Bundesstaaten überlegen bzw. setzten schon rechtliche Schritte,
im demokratisch regierten Arizona wurde gar Anklage gegen Kalshi wegen
illegalen Glücksspiels erhoben.
Zuständigkeiten ungeklärt
Die Plattformen aber argumentieren, dass sie ein Finanzmarkt seien und
kein Glücksspielkonzern. Daher sollte man nicht von den
Glücksspielbehörden der einzelnen Bundesstaaten reguliert werden,
sondern von der Commodity Futures Trading Commission (CFTC).
Die Behörde aber untersteht dem Weißen Haus, deren Vorsitzender
Michael Selig betonte bereits, eine Strafverfolgung sei „völlig
unangemessen“. Und Kalshi wiederum verklagte Arizona, Utah und Iowa,
um rechtliche Maßnahmen schon vorbeugend zu verhindern.
Neue Regeln für besseres Image
Derzeit versuchen die beiden Plattformen, ein seriöseres Image zu
kreieren, etwa indem sie den Fokus vermehrt auf Sportwetten richten.
Beide führten zuletzt auch neue Richtlinien ein. Kalshi kündigte etwa
an, politischen Kandidatinnen und Kandidaten den Handel mit eigenen
Wahlkampagnen zu verbieten. Polymarket stellte klar, dass Handel mit
Insiderwissen verboten ist.
Sollten Gerichte oder Behörden tatsächlich strenge Regularien
anordnen, könnte der Boom ganz schnell vorbei sein. Bis dahin gelten
sie als „Orakel“, mit denen man die Zukunft besser vorhersehen kann,
so etwa eine Bloomberg-Analyse. Politik und Wirtschaft erführen in
Echtzeit, wo Teile der Bevölkerung stehen, ob es nun um eine
Zinssenkung der Notenbank geht oder um einen militärischen Einmarsch.
Doch, so vielfach die Kritik, könnten die Plattformen politische
Entscheidungen und Wahlergebnisse gar beeinflussen – speziell, wenn
Entscheidungsträger von den Plattformen selbst profitieren.
——
6. Die Zeit: Krisenprofite von Energieunternehmen: Wer jetzt am Irankrieg verdient
https://www.zeit.de/wirtschaft/2026-03/krisenprofite-energieunternehmen-uebergewinnsteuer-energiekrise-studie/komplettansicht
Krisenprofite von Energieunternehmen: Wer jetzt am Irankrieg verdient
Wenn der Ölpreis steigt, profitieren vor allem Vermögende. Neue Zahlen
zeigen das Ausmaß dieser extremen Umverteilung. Es braucht eine
Übergewinnsteuer.
Ein Gastbeitrag von Gregor Semieniuk und Isabella Weber
26. März 2026, 14:33 Uhr
Isabella Weber und Gregor Semieniuk arbeiten als Ökonomen an der
US-Universität Massachusetts Amherst. Weber war Mitglied der
Gaspreiskommission der Bundesregierung im Jahr 2022 und ist aktuell
Mitglied der Schuldenbremsenkommission. Semieniuk arbeitete als
Klimafolgenökonom für die Weltbank.
Die Straße von Hormus wird aktuell zum Mittelpunkt der Welt. Während
der US-israelische Krieg gegen den Iran Tod, Zerstörung und
Umweltverschmutzung in der Region verursacht, drohen der ganzen Welt
die wirtschaftlichen Folgen des Konflikts. Der Schiffsverkehr durch
die Meerenge ist nahezu zum Erliegen gekommen. Bereits jetzt sind die
Rohölpreise auf mehr als 100 US-Dollar pro Barrel gestiegen, gegenüber
60 US-Dollar pro Barrel zu Jahresbeginn.
Die Benzinpreise steigen, und Fluggesellschaften kündigen
Preiserhöhungen an. Die Regierungen Öl importierender Länder bemühen
sich, die Folgen einzudämmen, indem sie, wie einige EU-Staaten, etwa
Preise regulieren oder, wie Sri Lanka und die Philippinen, kürzere
Arbeitswochen zur Kraftstoffsenkung einführen. Was aber bislang noch
wenig diskutiert wird: Wer genau profitiert von diesem Krieg?
Die Öl- und Gaskrise von 2022 bietet eine Vorlage, sie war die jüngste
Preisexplosion in dieser Größenordnung, ausgelöst durch Russlands
Invasion der Ukraine. In Energy Research & Social Science verfolgen
wir in einem Aufsatz, wohin genau diese Gewinne geflossen sind. Dazu
haben wir Beteiligungen und Anteilseigentümer aus verschiedenen
Datenbanken analysiert und so Netzwerke quatifziert – von den Öl- und
Gasunternehmen über den Finanzsektor bis hin zu natürlichen Personen.
Zudem zeigen wir auf, dass es Möglichkeiten gibt, Übergewinne zu
verhindern und die Gewinne und Verluste dieser Preisschocks gerechter
umzuverteilen.
Unsere Analyse zeigt: Im Jahr 2022 stiegen die Nettogewinne von 1.195
börsennotierten Mineralöl- und Gasunternehmen weltweit auf 916
Milliarden US-Dollar — eine Verdreifachung zum Durchschnitt der Jahren
2016 bis 2021. Firmen in den Vereinigten Staaten waren die größten
Nutznießer: Sie erzielten 281 Milliarden US-Dollar. Dies überstieg die
gesamten US-amerikanischen Investitionen in die Dekarbonisierung in
jenem Jahr (267 Milliarden US-Dollar). Auch europäische Öl- und
Gasunternehmen erzielten Nettogewinne in Milliardenhöhe, wenn auch auf
weitaus niedrigerem Niveau als die US-Konzerne.
Außerordentliche Profite
Die Größe des Geldsegens, den Firmen durch den aktuellen Iranschock
sehen werden, hängt davon ab, wie lange der Krieg dauert und wie hoch
Öl-, Gas- und andere Rohstoffpreise steigen. Doch bei einem Ölpreis
von mehr als 100 US-Dollar — einem Niveau, das bereits 2022
Rekordgewinne hervorbrachte — ist die Tendenz klar. Die Frage ist
nicht, ob es diesmal außerordentliche Gewinne aus fossilen
Brennstoffen geben wird. Die Frage ist: Wer wird sie erhalten? Und:
Haben Regierungen den Willen, einzugreifen?
Was unsere Studie neuartig macht, sind nicht die Gesamtgewinnzahlen,
sondern die Analyse des Beteiligungsnetzwerks im Jahr 2022. Sie
verfolgt den Fluss der Gewinne bis zu den natürlichen Personen. Dafür
wurden mithilfe von Finanzeigentumsdatenbanken die Beteiligungen von
mehr als 252.000 Anteilseignern systematisch ausgewertet, von
öffentlichen Unternehmen, Private-Equity-Beteiligungen, Pensionsfonds
bis zu Family-Offices, also den Vermögensverwaltungen reicher
Familien.
So konnten wir rekonstruieren, wer letztendlich einen Anspruch auf den
Gewinn hatte. Das funktioniert, da eine Kette von Beteiligungen am
Ende immer zu natürlichen Personen – oder Regierungen – führt. Ein
Unternehmen gehört immer irgendwem, man muss nur die – manchmal schwer
zugänglichen – Daten auswerten. Und man muss beachten, dass
Fondsmanager wie BlackRock das Vermögen anderer Leute investieren,
nicht ihr eigenes.
50 Prozent der fossilen Gewinne gehen an das reichste Prozent
Das Ergebnis ist eindeutig. In den Vereinigten Staaten flossen 50
Prozent aller Gewinnansprüche aus fossilen Brennstoffen an das
reichste Prozent der Bevölkerung — über Ausschüttungen und steigende
Aktienkurse. Die ärmsten 50 Prozent der Bevölkerung — das sind rund 66
Millionen Haushalte — erhielten ein Prozent der Gewinne, weil sie kaum
an der Börse investiert sind, da sie dazu schlicht nicht das Geld haben.
Die obersten 0,1 Prozent, etwa 131.000 Haushalte, erhielten zusammen
26-mal mehr als die gesamte untere Hälfte der US-amerikanischen
Bürgerinnen und Bürger. Die Reichen besitzen große Anteile an allen
Finanzinstrumenten, die in Unternehmen der fossilen Brennstoffe
investiert sind. Sie sind an ihnen mit Private-Equity-Fonds,
Hedgefonds und direktem Aktienbesitz beteiligt. Dagegen greifen
private Pensionsfonds, die eine im Vorhinein festgelegte Rente
auszahlen und die wichtigste Art der Altersvorsorge für die große
Mehrheit der US-Amerikaner sind, auf lediglich 14 Prozent der Gewinne zu.
Die ethnischen und bildungsbezogenen Dimensionen verschärfen diese
Ungleichverteilung. Unsere Auswertung von Daten der US-Notenbank
zeigt: Weiße Haushalte, die 64 Prozent der Haushalte ausmachen,
erzielten in dem Krisenjahr 2022 etwa 87 Prozent der Gewinne. Schwarze
Haushalte (Anteil: 14 Prozent) erhielten dagegen nur drei Prozent.
Latinohaushalte (zehn Prozent) erhielten ein Prozent. Wer eine
akademische Ausbildung hat, profitiert in der Regel: Allein
Hochschulabsolventen, die 38 Prozent der Haushalte ausmachen,
beanspruchten 79 Prozent des Gesamtbetrags.
Die Krise von 2022 erzeugte eine ausgeprägte Inflationsungleichheit.
Die Umverteilung erfolgt über zwei Kanäle. Je ärmer man ist, desto
mehr gibt man für Grundbedürfnisse wie Energie aus. Bei US-Haushalten
mit niedrigem Einkommen (in Fachsprache: das niedrigste Quintil)
machen die Ausgaben für Benzin rund 3,3 Prozent aus. Bei Haushalten
mit hohem Einkommen (das höchste Quintil) sind es dagegen 2,1 Prozent.
Ärmere Haushalte sind damit überdurchschnittlich stark von
Preiserhöhungen betroffen.
Nun rächt sich die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen
Im Jahr 2022 lag in den USA die Inflation bei 6,5 Prozent. Bei den
obersten 0,1 Prozent der Vermögensbesitzer kompensierten in diesem
Jahr die Gewinne aus fossilen Brennstoffen nahezu vollständig die
Belastung aus der Inflation. Der zusätzliche Geldsegen glich die
gestiegenen Kosten für Lebenshaltung aus. Für die unteren 50 Prozent
belief sich die Kompensation auf 0,05 Prozent ihres verfügbaren
Einkommens — statistisch unsichtbar. Es ist nicht nur so, dass die
Armen stärker unter der Inflation litten; die Reichen erlebten keinen
finanziellen Schaden, während der ärmere Teil der Bevölkerung reale
Einbußen hinnehmen musste.
Übergewinne sind die versteckte Umverteilung jedes Ölschocks. Sie
tauchen nicht in der Lohnstatistik auf. Sie lösen keine automatischen
Stabilisatoren aus. Sie sind vollkommen legal, völlig undurchsichtig
und wiederkehrend, wie wir jetzt, angesichts des Irankriegs, auch sehen.
Für Europa mag es sich wie eine Wiederholung anfühlen. Europa wird
erneut den höheren Marktpreis für Energie zahlen müssen. Wenn die
Meerenge von Hormus weiter geschlossen bleibt, ist es nur eine Frage
der Zeit, bis die Zentralbanken die Zinssätze erhöhen werden, um die
Inflation zu bekämpfen. Das wiederum gefährdet die Erholung der
Wirtschaft, so wird steigende Arbeitslosigkeit riskiert. Es ist
unverzeihlich, dass Europa sich nicht schneller von der Abhängigkeit
von fossilen Brennstoffen abgewendet hat, insbesondere nach Beginn des
Ukrainekriegs. Stattdessen ersetzte es die Abhängigkeit von Russland
durch die Abhängigkeit von US-Energieimporten. Das rächt sich nun.
Neues Geld für neue fossile Investments
Die Gewinnverteilung hat auch eine Klimadimension. Die Rekordgewinne
von 2022 haben die fossilen Industrien auf gewisse Weise
rehabilitiert, nachdem sie zuvor, auch durch Protestbewegungen wie
Fridays for Future, stark in der Kritik gestanden hatten.
Die Öl- und Gaskonzerne steigerten die Kapitalausgaben für neue
Felder, kehrten Verpflichtungen zur Energiewende um und machten sich,
dank hoher Gewinnerwartungen, zu einem attraktiveren
Investitionsobjekt als die Erneuerbaren. Vor dem Ausbruch des
Irankriegs Ende Februar diskutierten die EU-Regierungen bereits über
eine Abschwächung von Klimamaßnahmen. Der neue Energiepreisschock
droht diese Impulse zu verstärken.
Unsere politische Empfehlung ist einfach: Es braucht eine dauerhafte
Übergewinnsteuer auf Öl und Gas, definiert als maximale Rendite über
einem bestimmten Schwellenwert. Dafür könnte zum Beispiel die
langjährige Durchschnittsmarge herangezogen werden – Genaues muss die
Politik entscheiden.
Die Einnahmen könnten verwendet werden, um zumindest teilweise
Maßnahmen zum Schutz der Haushalte vor den Kostenschocks zu
finanzieren. Das passierte etwa 2022 mithilfe der deutschen
Gaspreisbremse. Die Einnahmen könnten auch zur Finanzierung der
Energiewende verwendet werden.
Wir schätzen, dass eine vollständige Besteuerung der Gewinne im Jahr
2022, die über jene von 2021 hinausgingen, der US-Regierung 225
Milliarden US-Dollar eingebracht hätte. Die Einnahmen hätten gereicht,
um die US-amerikanischen Investitionen in saubere Energie in jenem
Jahr fast zu verdoppeln.
Das Vereinigte Königreich und die Europäische Union führten 2022 eine
Übergewinnsteuer ein, die EU schaffte diese allerdings 2024 wieder ab.
Die Vereinigten Staaten diskutierten die Maßnahme ebenfalls,
verzichteten aber auf eine Umsetzung. Das politische Fenster schloss
sich, als sich die Preise wieder auf einem niedrigeren Niveau
einpendelten.
Jetzt aber öffnet es sich wieder. Die Politik kann die Chance nutzen
und einseitige Profitmacherei verhindern. Es fehlt nicht an Wissen.
Die Frage ist nur, ob es politischen Willen gibt.
———
7. The Guardian: US-Gesandter Mike Huckabee sagt, es sei „in Ordnung“,
wenn Israel das gesamte Land im Nahen Osten einnehmen würde
(in der angebotenen deutschen Übersetzung)
https://www.theguardian.com/us-news/2026/feb/20/mike-huckabee-israel-middle-east-tucker-carlson
US-Gesandter Mike Huckabee sagt, es sei „in Ordnung“,
wenn Israel das gesamte Land im Nahen Osten einnehmen würde
Der rechtsgerichtete Trump-Verbündete erklärt Tucker Carlson
gegenüber, Israel habe ein biblisches Recht auf das Land „vom Wadi
Ägyptens bis zum großen Fluss“
Edward Helmore
Last modified on Sat 21 Feb 2026 19.53 CET
Der US-Botschafter in Israel, Mike Huckabee, hat gegenüber dem
Podcaster Tucker Carlson behauptet, Israel habe ein biblisches Recht
darauf, den gesamten Nahen Osten zu übernehmen – oder zumindest den
Löwenanteil davon.
„Es wäre in Ordnung, wenn sie alles einnehmen würden“, sagte Huckabee
zu Carlson während eines am Freitag veröffentlichten Interviews.
Der von der Trump-Regierung ernannte ehemalige Gouverneur von Arkansas
diskutierte mit Carlson über Interpretationen von alttestamentarischen
Schriftstellen innerhalb der christlichen nationalistischen Bewegung in den USA.
Carlson – der kürzlich umstrittene Behauptungen aufstellte, er sei am
Flughafen von Tel Aviv in Israel festgehalten worden – befragte
Huckabee zu einem Bibelvers, in dem Gott Abraham verspricht, dass
seine Nachkommen Land erhalten werden „vom Wadi Ägyptens bis zum
großen Fluss, dem Euphrat – das Land der Keniter, Kenizziter,
Kadmoniter, Hethiter, Perizziter, Rephaiter, Amoriter, Kanaaniter,
Girgaschiter und Jebusiter“.
Carlson wies darauf hin, dass dieses Gebiet in der modernen Geografie
„im Grunde genommen den gesamten Nahen Osten“ umfassen würde.
„Die Levante … Israel, Jordanien, Syrien, Libanon – dazu kämen auch
große Teile von Saudi-Arabien und Irak“, sagte Carlson.
Huckabee sagte: „Ich bin mir nicht sicher, ob es so weit reichen
würde, aber es wäre ein großes Stück Land.“
Er fuhr fort: „Israel ist ein Land, das Gott durch Abraham einem Volk
gab, das er erwählt hatte. Es war ein Volk, ein Ort und eine
Bestimmung.“
Von Carlson darauf angesprochen, ob Israel ein Recht auf dieses Land
habe, antwortete Huckabee: „Es wäre in Ordnung, wenn sie alles nehmen
würden.“ (..)
——
8. Tagesschau: Krieg im Nahen Osten - Israel will Südlibanon bis zum Litani kontrollieren
https://www.tagesschau.de/ausland/asien/israel-libanon-litani-100.html
Krieg im Nahen Osten Israel will Südlibanon bis zum Litani kontrollierenStand: 24.03.2026 • 15:41 Uhr
Israels Verteidigungsminister hat angekündigt, die Kontrolle über
libanesisches Gebiet bis zum Litani-Fluss übernehmen zu wollen. Zuvor
hatte das israelische Militär mehrere Brücken gesprengt. Damit soll
der Hisbollah der Weg abgeschnitten werden.
Israel will nach Angaben des Verteidigungsministers bis auf weiteres
das Gebiet bis zum Litani-Fluss im Südlibanon kontrollieren. "Alle
Brücken über den Litani, die von der Hisbollah für den Transport von
Kämpfern und Waffen genutzt wurden, wurden gesprengt", sagte Israel
Katz nach Angaben seines Büros bei einer Beratung mit Militärs in Tel
Aviv.
Die israelische Armee werde nun die Kontrolle über die übrigen Brücken
und das Gebiet bis zum Litani, das er als "Sicherheitszone"
bezeichnet, übernehmen.
Katz: Bewohner können nicht zurückkehren
Die Bodentruppen würden weiter in den Libanon vorstoßen, um gegen die
mit Iran verbündete libanesische Hisbollah-Miliz vorzugehen, kündigte
Katz an. Wo im Libanon die israelischen Truppen genau stehen, ist
unklar, da Israel keine Angaben dazu macht.
Hunderttausende Bewohner des Südlibanon, die nach Norden geflohen
waren, können Katz zufolge nicht in das Gebiet südlich des
Litani-Flusses zurückkehren. Das sei erst wieder möglich, wenn "die
Sicherheit der Bewohner des Nordens gewährleistet ist", sagte er mit
Bezug auf den Norden Israels.
Der libanesische Präsident Joseph Aoun zeigte sich schon am Sonntag
alarmiert angesichts der israelischen Angriffswelle. Die Attacken auf
Brücken seien eine gefährliche Eskalation, erklärte Aoun. Er
verurteilte die "Zerstörung von Infrastruktur und lebenswichtigen
Einrichtungen im Südlibanon". Die Angriffe stellten eine "eklatante
Verletzung der Souveränität des Libanon" dar.
Die mit Iran verbündete schiitische Hisbollah-Miliz im Libanon
kündigte Widerstand gegen die von Israel geplante Besetzung des
südlichen Libanon an. Eine solche Besetzung würde eine existenzielle
Bedrohung für den Libanon als Staat darstellen, sagt der
Hisbollah-Abgeordnete Hassan Fadlallah der Nachrichtenagentur Reuters.
——
9. Tagesschau: US-Medien: US-Spezialeinheiten im Nahen Osten angekommen - Spanien sperrt Luftraum für Militärflüge
https://www.tagesschau.de/newsticker/liveblog-iran-montag-108.html
30.03.2026 • 23:03 Uhr
US-Medien: US-Spezialeinheiten im Nahen Osten angekommen
Hunderte Mitglieder von Spezialeinheiten des US-Militärs sind
Medienberichten zufolge im Nahen Osten angekommen. Darunter befinden
sich auch Soldaten der Army Rangers, die als Speerspitze der
Kommandotruppen des US-Heeres gelten, sowie der Navy Seals, einer
Eliteeinheit der US-Marine, wie die New York Times und der Sender CBS
News übereinstimmend berichten.
Die US-Medien berufen sich dabei auf zwei US-Militärbeamte
beziehungsweise mit dem Einsatz vertraute Quellen. Sie schlössen sich
Tausenden Marineinfanteristen und Fallschirmjägern des Heeres an, die
ebenfalls in der Region angekommen seien - die militärischen Optionen
von US-Präsident Donald Trump im Krieg mit dem Iran würden damit
erweitert, hieß es.
(…)
30.03.2026 • 10:31 Uhr
Spanien sperrt Luftraum für Militärflüge
Die spanische Regierung hat den Luftraum des Landes für alle Flugzeuge
gesperrt, die mit dem Krieg der USA und Israels gegen den Iran in
Verbindung stehen.
Diese Maßnahme "ist Teil der Entscheidung der spanischen Regierung,
sich an diesem einseitig begonnenen Krieg, der gegen das Völkerrecht
verstößt, nicht zu beteiligen und ihn nicht zu unterstützen", erklärte
der stellvertretende Ministerpräsident und Wirtschaftsminister Carlos
Cuerpo im Interview des Radiosenders "Cadena Ser".
Das Verbot betreffe nicht nur Starts von spanischem Boden, sondern
auch den Überflug militärischer Flugzeuge, die etwa von Stützpunkten
in Großbritannien oder Frankreich aus operieren, hatten zuvor die
Zeitung "El País" und die Nachrichtenagentur Europa Press unter
Berufung auf die linksgerichtete Regierung von Ministerpräsident Pedro
Sánchez berichtet.
——
siehe auch:
https://www.jungewelt.de/artikel/520222.unterst%C3%BCtzung-des-iran-krieges-anzeige-gegen-angriffskrieg.html
Aus: Ausgabe vom 01.04.2026, Seite 4 / Inland
Unterstützung des Iran-Krieges
Anzeige gegen AngriffskriegFriedensaktivist beantragt Ermittlungen gegen Bundesregierung wegen US-Basis Ramstein
Von Philip Tassev
Der unprovozierte Überfall der USA und Israels auf den Iran hat derWelt einmal mehr die große Bedeutung der ausländischen Militärbasenfür die US-Kriegsmaschinerie vor Augen geführt. Eine zentrale Rollekommt dabei dem US-Stützpunkt Ramstein in Rheinland-Pfalz zu.
Der Bonner Antikriegsaktivist Martin Singe hat daher am Montag beiGeneralbundesanwalt Jens Rommel beantragt, Ermittlungen gegenMitglieder der Bundesregierung zu eröffnen. Der zu untersuchendeVorwurf: mögliche Beihilfe zu einem Angriffskrieg oder einer sonstigengegen das Völkerrecht gerichteten Gewalthandlung im Sinne vonParagraph 13 Völkerstrafgesetzbuch. Der Antrag liegt jW vor. (…)
———
10. ORF: Geschichte: Der Iran, sein Öl und der Westen
https://orf.at/stories/3422181/
Geschichte
Der Iran, sein Öl und der WestenMit den Angriffen der USA und Israels wird wohl ein neues Kapital
iranischer Geschichte geschrieben. Wie dieses aussieht, ist noch
vollkommen unklar. Ein Blick in die Geschichte des Landes zeigt aber,
dass bei den großen Zäsuren immer der Westen seine Finger im Spiel
hatte – insbesondere 1953 und 1979.
29. März 2026, 10.28 Uhr
Doch zunächst waren es die Briten, die ihre Interessen gewahrt sehen
wollten. Nach dem Fund von Ölfeldern wurde 1909 die Anglo-Persian Oil
Company gegründet, und nach der Umbenennung des Landes folgte die
Anpassung in Anglo-Iranian Oil Company, der Vorläufer des heutigen
Ölkonzerns BP.
Prägende politische Figur der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war
Resa Chan, der die bis dahin herrschende Dynastie der Kadscharen
stürzte und das Land zu einer Republik machen wollte. Als die
Widerstände zu groß waren, nahm er selbst die Position des Schahs an.
Modernisierungen nach westlichem Vorbild prägten seine Regentschaft.
Öl als Grund für Einmarsch
Im Zweiten Weltkrieg erklärte Resa Schah Pahlawi die Neutralität
seines Landes, vor allem die Briten befürchteten, die Erdölvorräte
könnten in die Hände Nazi-Deutschlands fallen. Gemeinsam mit der
Sowjetunion besetzte man den Iran, der Schah wurde zum Abdanken
gezwungen, stattdessen wurde sein Sohn Mohammed Resa in die Position
des Herrschers gehievt.
Auch nach dem Zweiten Weltkrieg kam der Iran nicht zur Ruhe. Für die
wirtschaftlich klamme Lage wurde vor allem verantwortlich gemacht,
dass die britische Ölfirma dem Iran nur einen Bruchteil der
Erdöleinnahmen im eigenen Land zugestand. Der Ruf nach einer
Verstaatlichung wurde lauter. In der turbulenten Phase mit Attentaten
auf führende Politiker wurde Mohammed Mossadegh zum Premier ernannt
und auch demokratisch gewählt.
Westliche Intervention gegen Verstaatlichungsplan
Bei der Umsetzung der Verstaatlichung nahm er auch den Schah und
dessen Macht ins Visier. Spätestens als die Briten mit einem Ende des
Erdölverkaufs den Iran unter Druck setzten, stürzte das Land in eine
tiefe politische Krise. Großbritannien bangte um seine Öleinnahmen,
die USA fürchteten sowjetischen Einfluss im Land, da sich Mossadegh
der kommunistischen Tudeh-Partei annäherte. Also planten die beiden
Länder mit Hilfe ihrer Geheimdienste CIA und MI6 im Sommer 1953 die
„Operation Ajax“, mit der Mossadegh abgesetzt werden sollte. Erst
Jahrzehnte später wurde das von beiden Ländern eingestanden.
Der Plan schien zunächst nicht aufzugehen: Mossadegh widersetzte sich
seiner Absetzung, der Schah floh aus dem Land. Doch dann wendete sich
das Blatt: Es kam zu riesigen Demonstrationen, das Militär schlug sich
auf die Seite der Protestierenden. Mossadegh wurde verhaftet. Den Kopf
des Schah hatte ausgerechnet Großajatollah Hossein Borudscherdi
gerettet, der zu den Protesten aufgerufen hatte – eine
Machtdemonstration des Klerus.
Geheimdienst als Machtfaktor
Die Ereignisse des August 1953 sollten die folgenden Jahrzehnte
prägen: Die USA rüsteten den Iran als Bollwerk gegen die Sowjetunion
auf, der Schah wurde im Westen hofiert, während gleichzeitig das Geld
in die Rüstung floss statt in die auf dem Papier zwar geplante, aber
unterfinanzierte Entwicklung des Landes.
Während einerseits westlicher Liberalismus und bürgerliche Freiheiten
gepredigt und teilweise – etwa mit Frauenrechten im Rahmen der Weißen
Revolution ab 1963 – auch umgesetzt wurden, ging andererseits der 1957
gegründete Geheimdienst mit aller Härte gegen jegliche Opposition zum
Schah vor. Regimegegner standen unter ständiger Beobachtung, wurden
verhaftet, gefoltert und auch hingerichtet.
Gescheiterte Landreform
Die Bodenreform und die Frauenrechte riefen vor allem den Klerus auf
den Plan, als Speerspitze fungierte ein gewisser Ajatollah Ruhollah
Chomeini, der daraufhin 1964 außer Landes gebracht wurde. In der
Türkei, im Irak und ab 1978 in Frankreich im Exil schrieb er gegen den
Schah an – seine Botschaften verbreiteten sich vor allem via
Musikkassetten im Iran.
Er richtete sich vor allem an die ländliche Bevölkerung, die sich bei
der Landreform der Weißen Revolution nicht wie geplant als Gewinner,
sondern als große Verlierer herausgestellt hatte. Der
verschwenderische Lebensstil der Schah-Familie und die politische
Unterdrückung sorgten auch in den Städten für Zorn. Ab 1978 kam es zu
Protesten und Unruhen, der Schah schaffte es weder mit
Demokratieversprechen noch einer Militärregierung, die Kontrolle im
Land wiederzuerlangen.
Westen ließ Schah fallen
Auf der Konferenz von Guadeloupe im Jänner ließen die USA,
Großbritannien, Frankreich und Deutschland den Schah fallen. Dieser
floh wenige Tage später aus dem Iran. Am 1. Februar 1979 kehrte
Chomeini aus dem französischen Exil in den Iran zurück – und begann
die Islamische Revolution. Schon bald war klar, dass sich der Westen,
der auf eine Art iranischen Gandhi gehofft hatte, wie auch bürgerliche
und säkulare Kräfte im Land, die sich gegen den Schah auf die Seite
Chomeinis schlugen, gründlich verschätzt hatten.
Schon wenige Tage nach Beginn des Umsturzes begannen die ersten
Festnahmewellen, binnen weniger Monate schuf Chomeini einen durch den
Klerus völlig kontrollierten Staatsapparat, am 1. April wurde die
Islamische Republik Iran ausgerufen, eine neue Verfassung zementierte
seine Rolle als oberster Revolutionsführer.
Unterdrückung statt Reformen
Der endgültige Bruch mit den USA folgte mit der Geiselnahme von
Teheran, bei der 52 US-Diplomaten der Vereinigten Staaten vom 4.
November 1979 bis zum 20. Jänner 1981 festgehalten wurde, wobei ein
US-Befreiungsversuch kläglich scheiterte.
Seit damals wurden politische Annäherungsversuche von iranischen
Präsidenten, die für sanfte Reformen eintraten, allzu schnell wieder
zunichtegemacht. Richtige Reformer waren zu Wahlen gar nicht
zugelassen. Und das Regime schlug seit 1979 alle Proteste der
Bevölkerung blutig nieder, so etwa 1999, 2009, 2019, 2022 und heuer –
alleine in diesem Jahr sind selbst laut bestätigten Zahlen mehrere
tausend Tote zu beklagen.
———
11. NSA-Archive: CIA bestätigt Rolle beim Iran-Putsch von 1953
https://nsarchive2.gwu.edu/NSAEBB/NSAEBB435/
CIA bestätigt Rolle beim Iran-Putsch von 1953Dokumente enthalten neue Details zum Sturz von Mosaddeq und seinen Folgen
National Security Archive fordert Freilassung der verbleibenden klassifizierten Aufzeichnung
National Security Archive Elektronisches Briefing Buch Nr. 435
Veröffentlicht – August 19, 2013Herausgegeben von Malcolm Byrne(…)
Washington, D.C., 19. August 2013 – Anlässlich des sechzigsten
Jahrestages des Sturzes des iranischen Premierministers Mohammad
Mosaddeq veröffentlicht das Nationale Sicherheitsarchiv heute kürzlich
freigegebene CIA-Dokumente über die Rolle der Vereinigten Staaten bei
der umstrittenen Operation.
Amerikanische und britische Beteiligung an Mosaddeqs Sturz ist seit
langem Öffentlichkeitskenntnisse, aber das heutige Posting beinhaltet
die erste formelle Anerkennung der CIA, dass die Agentur geholfen hat,
die CIA zu planen und auszuführen. Coup.
Der explizite Hinweis auf die Rolle der CIA erscheint in einer Kopie
einer internen Geschichte, The Battle for Iran, aus der Mitte der
1970er Jahre. Die Agentur 1981 veröffentlichte eine stark
ausgeschnittene Version des Kontos als Reaktion auf eine ACLU-Klage,
aber es schwärzte alle Verweise auf TPAJAX, den Codenamen für Die
US-geführte Operation.
Diese Referenzen erscheinen in der neuesten Veröffentlichung. Weitere
CIA-Materialien, die heute veröffentlicht wurden, enthalten
Arbeitsakten von Kermit Roosevelt, Der hochrangige CIA-Offizier vor
Ort im Iran während des Putsches. Sie liefern neue Besonderheiten
sowie Einblicke in die Handlungen des Geheimdienstes zuvor Und nach
der Operation.
(…)
—
auf der gleichen Seite:
Haben sich die Briten 1953 mit dem FRUS-Retrospektivband eingemischt?
Auswärtiges Amt besorgt über sehr peinliche Enthüllungen, Dokumente zeigen
Das Vereinigte Königreich versuchte, "sehr peinliche" Informationen
über seine Rolle beim Staatsstreich im Iran 1953 aus der offiziellen
US-Geschichte der Zeit zu löschen. Britische Dokumente bestätigen.
Das Auswärtige Amt befürchtete, dass eine geplante Veröffentlichung
des Außenministeriums das Ansehen des Vereinigten Königreichs im Iran
untergraben würde, so freigegebene Aufzeichnungen, die heute auf der
Website des National Security Archive veröffentlicht wurden.
Der britische Zensurversuch ereignete sich 1978, aber Londons Bedenken
könnten auch heute noch eine Rolle dabei spielen, die lang erwartete
Geschichte des Außenministeriums zu halten - obwohl das US-Gesetz
seine Veröffentlichung vor Jahren vorgeschrieben hat.
Die freigegebenen Dokumente des Auswärtigen Amtes (Außen- und
Commonwealth-Büro seit 1968) beleuchten eine langwierige Kontroverse
über entscheidende Lücken in der maßgeblichen Reihe Foreign Relations
of the United States(FRUS) des Außenministeriums.
Die leeren Stellen im Iran betreffen die CIA- und Der von der MI6
unterstützte Verschwörung zum Sturz des Premierministers des Landes,
Mohammad Mosaddeq. Sechs Jahrzehnte nach seinem Sturz deuten einige
Anzeichen auf die CIA als Schuldigen für Weigerung, grundlegende
Details über das Ereignis in die FRUS-Kompilierung einfließen zu lassen.
-------
12. Versöhnungsbund: Clemens Ronnefeldt: Iran, Israel und die Kriegsgefahr in der Region
https://versoehnungsbund.de/sites/default/files/2020-06/Iran%20Israel%20und%20die%20Kriegsgefahr%20in%20der%20Region%20-%202012-08-10.pdf
Besonders hinweisen möchte ich in diesem Artikel auf das Zitat von Anthony Zinni
fett hervorgehoben) aus dem Jahr 2009 über die Folgen eines Iran-Krieges.
Iran, Israel und die Kriegsgefahr in der Region
10.08.2012
Clemens Ronnefeldt
Dr. Michael Lüders, langjähriger Nahost-Korrespondent der Hamburger
Wochenzeitung "Die Zeit" und häufiger Kommentator bei allen großen
Fernseh- und Radiostationen in Deutschland, hat im April 2012 sein
neues Buch veröffentlicht: "Iran. Der falsche Krieg. Wie der Westen
seine Zukunft verspielt". Michael Lüders schreibt:
"Spätestens seit dem 25. Januar 2012 konnte jeder, der es wissen
wollte, erfahren, dass die Zeichen auf Krieg stehen. An dem Tag
veröffentlichte die «New York Times» eine Innenansicht der
israelischen Regierung in Sachen Iran.
Aus der Feder von Ronen Bergman, dem israelischen Seymour Hersh
(US-amerikanischer Starjournalist, Anm.: C.R.). Bergman zufolge hatte
Verteidigungsminister Ehud Barak einen israelischen Angriff auf die
iranischen Atomanlagen bereits für den 20. Januar angeordnet, wurde
aber im letzten Moment von Washington daran gehindert.
Darüber sei es zu einer ernsten Verstimmung gekommen, und die
israelische Regierung habe zu verstehen gegeben, dass sie die USA über
eine künftige Offensive erst in Kenntnis setzen werde, nachdem sie
bereits angelaufen sei.
In Israel, so Bergman, wisse man nur zu gut, dass die USA in dem Fall
keine andere Wahl hätten als ihrem Verbündeten militärisch
beizustehen.
Die israelischen Kampfflugzeuge würden demzufolge den Weg über
Jordanien und den Irak nehmen - beide Staaten verfügen über keine
Flugabwehr.
Bergman beendet seinen Artikel mit dem Resümee, die Frage sei nicht,
ob Israel den Iran angreifen werde, sondern wann" (S. 28ff).
Unter der Überschrift "Geheimer Krieg gegen Iran" schrieb Paul-Anton
Krüger am 22.12.2011 in der Süddeutschen Zeitung:
"Bei einer Explosion starb im November (2011, Anm.: C.R.) der Chef des
iranischen Raketenprogramms. Es gibt Indizien dafür, dass dies kein
Unfall, sondern ein gezielter Angriff war.
Experten vermuten, dass der israelische Geheimdienst Mossad
dahinterstecken könnte. (...) Ein früherer Pentagon-Analyst, der
selbst Luftangriffe geplant hat, sagte der SZ, er tippe auf eine
Attacke mit Marschflugkörpern. Ein Drohnen-Angriff mit kleinen,
gelenkten Bomben ist ebenso denkbar.
Auch lässt sich nicht ausschließen, dass Sprengsätze auf das Gelände
geschmuggelt worden sind. Doch darüber geben die Satellitenfotos
ebenso wenig preis, wie über mögliche Urheber.
Die USA verfügen über entsprechende Waffensysteme, und Israel
vermutlich auch. Doch das ist blanke Spekulation. Sicher dagegen ist:
Ein möglicher Angriff, vor allem aus der Luft, wäre der Schritt von
Geheimdienstoperationen an die Schwelle eines Krieges.
Darin liegt zugleich eine Erklärung, warum Iran die USA und Israel
nicht beschuldigt - womöglich wider besseren Wissens: Ein Luftschlag
würde eine militärische Reaktion fast unausweichlich machen - eine
Eskalation, die das Regime wahrscheinlich um jeden Preis vermeiden
will. Vielleicht können derzeit alle Beteiligten am besten damit
leben, wenn der Tod von General Moghaddam ein Mysterium bleibt".
Am 30.11.2011 berichtete Peter Münch in der "Süddeutschen Zeitung",
dass erstmals nach zwei Jahren aus dem Libanon mehrere
Katjuscha-Raketen auf den Norden Israels abgefeuert worden waren, die
einen Hühnerstall und einen Gastank zerstörten.
Peter Münch sieht einen Zusammenhang zwischen diesen
Raketeneinschlägen und dem Tod von General Moghaddam in Iran:
„In Israel wird das von manchen bereits in Verbindung gebracht mit einer
Reihe mysteriöser Explosionen in Iran.
Vor zwei Wochen war westlich von Teheran ein Raketenlager in die Luft
geflogen, am Montagabend wurde zudem eine Explosion aus der Stadt
Isfahan gemeldet, wo auch eine Urananreicherungsanlage betrieben wird.
Israels Geheimdienst-Minister Dan Meridor gab dazu sogleich ein
Radio-Interview mit einem bemerkenswerten Dementi. 'Nicht jede
Explosion' sei gleich ein Sabotage-Akt, erklärte er und fügte
möglichst vielsagend an, dass es im Umgang mit Iran 'Staaten gibt, die
Wirtschaftssanktionen erlassen und Staaten, die auf andere Art handeln'".
Die israelische Regierung hat nach einem Artikel in "Foreign Policy"
vom 28. März 2012 zufolge einen Vertrag mit Aserbaidschan
abgeschlossen, der die Nutzung eines Militärflughafens in der Nähe von
Baku zum Inhalt hat. Damit gewinnt die israelische Regierung
Handlungsspielraum für ihre Iran-Angriffspläne, da eine Luftbetankung
- wie bei Starts von Israel aus - nicht notwendig wäre.
Die israelische Regierung wird nach einem Vertrag vom Februar 2012 im
Wert von 1,6 Milliarden US-Dollar Aserbaidschan Rüstungsgüter liefern,
darunter Drohnen und Flugabwehrraketen, die nach einem israelischen
Angriff von Aserbaidschan aus Vergeltungsraketen aus Iran abfangen
könnten.
Die Folgen eines Angriffs auf die iranischen Atomanlagen lässt Michael
Lüders in seinem Buch "Der falsche Krieg" den pensionierten
Vier-Sterne-US-General Anthony Zinni beschreiben, der bereits im Jahre
2009 in seinen Vortrag vor der New American Foundation in Washington
folgende rhetorische Fragen stellte:
"Nachdem ihr also Bomben auf deren Bunkeranlagen abgeworfen habt, wie
geht es dann weiter? Was, wenn sie beschließen, von ihren
Bunkeranlagen aus ihre mobilen Raketen abzufeuern? Was, wenn sie die
in Richtung der US-Militärbasen auf der anderen Seite des Persischen
Golfs lenken? Oder damit Israel angreifen oder sonst wen?
Oder ihre Raketen in saudische Ölfelder lenken? ... Was, wenn sie
alles raushauen, was sie haben, ihre Patrouillenboote, ihre Raketen,
den Persischen Golf verminen und Öltanker versenken?
Spätestens dann knallen in der Weltwirtschaft alle Sicherungen durch.
Was, wenn ihre Geheimdienste Schläferzellen aktivieren? Die USA und
Israel weiterhin dem Iran einheizen, während die bei uns zuhause den
Straßenkampf proben? Ich würde mal sagen, in dem Fall hätten wir
ziemlich viele Probleme.
Und jetzt erklärt mir doch bitte, wie wir die lösen wollen, okay? ...
Meinen Freunden sage ich immer: Wenn euch Afghanistan und Irak
gefallen haben, werdet ihr den Iran lieben“.
Das legitime Sicherheitsinteresse der Bevölkerung Israels ist nicht
mit militärischer Gewalt durchsetzbar. Allein Verhandlungen auf
Grundlage der Gleichberechtigung aller Beteiligten und ihrer legitimen
Sicherheitsinteressen eröffnen eine Zukunftsperspektive.
Die zahllosen Opfer und die Verwüstungen in Afghanistan, Irak, Libyen
... zeigen: Krieg ist ein Verbrechen und Ursache für weitere
Gewaltakte. Der gefährliche Eskalationskurs mit immer härteren
Sanktionen, der als 'letzte Option' den Einsatz von Waffen vorsieht,
ist ein Irrweg.
Ginge es in diesem Konflikt tatsächlich nur um das iranische
Atomprogramm, dann gäbe es friedensfördernde Alternativen zu
Wirtschaftskrieg und Drohung mit Militärschlägen:
- Gegenseitige Nichtrangriffsgarantien als Grundlage für Verhandlungen
- Die unverzügliche Aufnahme der von der UNO beschlossenen
Verhandlungen über eine atomwaffenfreie Zone im Nahen und Mittleren
Osten
- Die Einrichtung einer ständigen Konferenz für Sicherheit und
Zusammenarbeit im Nahen und mittleren Osten nach dem Vorbild der KSZE
in Europa
Die deutsche Geschichte, das Grundgesetz und die UN-Charta
verpflichten die Bundesregierung zu einer konsequenten
Friedenspolitik.
Die Beihilfe zur Vorbereitung eines Angriffskrieges gehört mit
Sicherheit ebensowenig dazu wie die Aufrüstung der Region - durch die
Lieferung von atomwaffenfähigen U-Booten an Israel und von
Leopard-Panzern an Saudi-Arabien.
Ohne Druck von unten wird die Bundesregierung nicht tun, was
friedenspolitisch getan werden muss.
Deshalb kommt es darauf an, dass wir den angekündigten Militärschlag
nicht widerspruchslos hinnehmen, sondern rechtzeitig aufstehen für den Frieden.
——
13. USA und Iran: Pakistan kündigt Gespräche zwischen den USA und dem Iran anhttps://www.zeit.de/politik/ausland/2026-03/usa-iran-pakistan-gespraeche-krieg-nahostUSA und Iran: Pakistan kündigt Gespräche zwischen den USA und dem Iran an
Pakistans Außenminister kündigt ein Treffen von Vertretern der USA und
des Iran in den "kommenden Tagen" an. Gastgeberland der Verhandlungen
werde Pakistan sein.
29. März 2026, 20:55 Uhr
Quelle: DIE ZEIT, dpa, AP, AFP, bam
Nach Angaben des pakistanischen Außenministers Ishaq Dar sollen bald
schon Gespräche zwischen dem Iran und den USA über den Krieg im Nahen
Osten stattfinden. Pakistan werde Gastgeberland der Gespräche sein,
teilte Dar am Sonntag mit. Er machte zunächst keine Angaben dazu, ob
es sich um ein direktes oder ein indirektes Gesprächsformat handeln
werde. Aus den USA und dem Iran lagen zunächst keine Stellungnahmen vor.
Pakistan freue sich sehr darüber, dass sowohl der Iran als auch die
USA Vertrauen in die Rolle Pakistans bei der Vermittlung der Gespräche
geäußert hätten, die in den "kommenden Tagen" stattfinden würden,
sagte Dar in einer Fernsehansprache. Zuvor hatten sich mehrere
Außenminister der Nahostregion in Islamabad zu Gesprächen über den
Konflikt getroffen.
Die Außenminister Saudi-Arabiens, der Türkei, Ägyptens und Pakistans
berieten am Sonntag über Wege zur Beendigung des Irankrieges. Das
Treffen in Islamabad sei einberufen worden, "um die sich entwickelnde
Lage in der Region zu erörtern und Fragen von gemeinsamem Interesse zu
besprechen", teilte das pakistanische Außenministerium mit.
ImIrankrieg hat Pakistan zuletzt eine Vermittlerrolle zwischen dem
Iran und den USA eingenommen. Es wird mit einem weiteren Treffen am
Montag gerechnet.
Regionaler Rückhalt für Pakistans Bemühungen
Vor dem Vierertreffen empfing Pakistans Außenminister Ishaq Dar seine
jeweiligen Kollegen separat zu bilateralen Gesprächen. Ägyptens
Außenminister Badr Abdelatty und sein türkischer Kollege Hakan Fidan
trafen zudem mit Pakistans einflussreichem Armeechef Asim Munir
zusammen. Vertreter der USA oder Israels waren nicht zugegen, wie es
aus Ministeriumskreisen hieß.
In Islamabad herrschten verschärfte Sicherheitsvorkehrungen, wie
Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichteten. Mehrere Straßen nahe
wichtigen Regierungsgebäuden und diplomatischen Vertretungen waren
abgesperrt. Die Regierung in Islamabad verfügt über gute Beziehungen
zum Iran und zu den Golfstaaten sowie den USA.
—
siehe auch:
https://www.spiegel.de/geschichte/iran-krieg-experte-ueber-moeglichen-frieden-meistens-das-produkt-von-kuehlem-pragmatismus-a-15b40250-69db-4c22-a47e-bf456964c45c
Nahostexperte über Irankrieg »Frieden ist meistens das Produkt von kühlem Pragmatismus«
US-Präsident Trump hat sich mit seinem Irankrieg offenbar verrannt.
Gibt es noch einen Ausweg?
Nahostexperte Daniel Gerlach über die Friedensoptionen – und einen Ritter aus dem 12. Jahrhundert.
Ein Interview von Frederik Seeler
24.03.2026, 22.41 Uhr
(…)
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14. IPG: Vorherrschaft durch Chaos -Israels Regierung setzt auf Eskalation –
und zieht die USA tiefer in einen Krieg, den sie längst hinter sich lassen wollten.
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Naher Osten/Nordafrika 31.03.2026
Marcus Schneider
Vorherrschaft durch Chaos
Israels Regierung setzt auf Eskalation – und zieht die USA tiefer in einen Krieg, den sie längst hinter sich lassen wollten.
Marcus Schneider leitet das FES-Regionalprojekt für Frieden undSicherheit im Mittleren Osten mit Sitz in Beirut, Libanon. Zuvor warer für die FES unter anderem als Leiter der Büros in Botswana undMadagaskar tätig.
Einen Monat ist der Krieg nun alt. Ein Ende der Eskalation istnirgends in Sicht. Während immer offensichtlicher wird, dass dieeinfältigen Amerikaner planlos hineingestolpert sind, fügt sich fürden israelischen Verbündeten alles zu einer Grand Strategy zurNeuordnung des Nahen Ostens.
Nichts weniger hatte Premier Netanjahu schon länger als Zielausgegeben. Die Zeiten der Risikoaversion sind lange vorbei. Seit dem7. Oktober 2023 hat sich das Land neu erfunden. Für Israels dominanteRechte geht es darum, die militärische Vorherrschaft des jüdischenStaates auf Dauer zu zementieren. Das Mittel der Wahl scheint Chaos zuheißen.
Die Weltmacht USA sitzt nun in einer Eskalationsfalle, aus der siegesichtswahrend nicht mehr herauskommt – ein Problem für dieMAGA-Bewegung und die große Mehrheit des amerikanischen Volkes, dasdie Forever Wars eigentlich hinter sich lassen wollte.
Für Tel Aviv dagegen ist es eine Garantie, dass sich Amerika nicht ausder Region verabschiedet. Dies gilt es zu verhindern, ebenso wie einverfrühtes Kriegsende. Die Furcht vor einer strategischen Niederlagein der Meerenge von Hormus treibt die USA – Stichwort Mission Creep –dazu, immer größere Teile ihres Militärapparats einzusetzen.Bodenoffensive ausdrücklich nicht mehr ausgeschlossen.
Das geopolitische Gesamtbild ist beeindruckend. Hier schickt sich einZehn-Millionen-Einwohnerstaat an, eine 650-Millionen-Einwohner-Regionzu dominieren. Ein solches Unterfangen setzt zweierlei voraus. Daskontinuierliche Engagement einer Weltmacht, das die fehlendestrategische und industrielle Tiefe ausgleicht und der israelischenKriegspolitik den Rücken freihält.
Dass Amerika dabei die eigenen Interessen missachtet, davon geheninzwischen immer mehr arabische Verbündete und selbst eine Mehrheitder Amerikaner aus. Als zweiter Faktor kommt hinzu: die Verhinderungeiner effektiven Gegenmachtbildung, die eine andereOrdnungsvorstellung durchsetzen könnte. Dass im Krieg mit Iran nun dieGolfstaaten, einst das Inbild der Stabilität im so volatilen NahenOsten, unter die Räder kommen, ist kein Kollateralschaden.
Dass das in seiner Existenz bedrohte iranische Regime Richtung Golfausschlagen würde, dürfte die Kriegsplaner in Tel Aviv kaumüberraschen.
Dass das in seiner Existenz bedrohte iranische Regime Richtung Golfausschlagen würde, dürfte die Kriegsplaner in Tel Aviv kaumüberraschen. Der Golf war immer die Achillesverse der amerikanischenOrdnung in Nahost, in böser Vorahnung liefen die Golfstaaten kollektivSturm gegen den heranziehenden Krieg – und mussten erleben, wie ihreSicherheitsbedenken durch die israelisch-amerikanische Kriegsallianzvöllig beiseitegewischt wurden.
Geopolitisch Hauptleidtragender, und das womöglich dauerhaft, istSaudi-Arabien, das sich längst zum strategischen Hauptwidersacherdereinseitigen israelischen Regionalvision entwickelt hat. Nach seiner –durch den Kronprinzen Mohammad bin Salman forcierten – Abkehr vomextremen Wahhabismus hatte das Königreich eine Vision von Ausgleichund Stabilität entwickelt. Diese sollte die ideologischen Wirren, dieBürgerkriege und failed states im Nachklang des gescheitertenArabischen Frühlings überwinden. Riad streckte die Hand aus zurAnnäherung an einstige Konkurrenten in Ankara, Teheran und Doha undauch nach Tel Aviv.
Denn die saudische Vision war keineswegs anti-israelisch – imGegenteil. Normalisierung in all but name war bereits gelebteRealität. Der Dissens betrifft die Lösung der Palästinafrage. Nach demSchrecken des Gaza-Krieges bestand Riad im Einklang mit demallgemeinen Wunsch in der Region auf einer Zweistaatenlösung.
Das Angebot einer kompletten Normalisierung, nicht nur durchSaudi-Arabien, sondern durch die gesamte arabisch-muslimische Welt imRahmen der von Riad schon 2002 entworfenen ArabischenFriedensinitiative besteht weiterhin. Es wäre die Grundlage für einenbelastbaren Frieden.
Dieses Angebot kollidiert aber offensichtlich frontal mit NetanjahusZielen. Die Verhinderung eines palästinensischen Staates ist derNordstern seiner gesamten politischen Existenz. Der Angriff auf Iranist untrennbar verbunden mit dem Ziel, eine einzige Souveränitätbetween the river and the sea aufrechtzuerhalten.
Die Perpetuierung der Besatzung und die Umsetzung sehr vielweitergehender Ziele sind dauerhaft nur möglich, wenn Chaos in derRegion vorherrscht. Der türkische Geheimdienstchef spricht davon, dassdieser Krieg die Basis legen solle für eine „Blutfehde zwischenTürken, Kurden, Arabern und Persern“.
Ob Iran als Staat zerbricht oder das angeschossene Regime sich immerweiter radikalisiert – die Verlierer dieser Entwicklung sind vor allemdie Golfaraber und die Türken, die an ihren Grenzen mit dauerhafterInstabilität und mit Flüchtlingsströmen zu kämpfen hätten. Ein failedstate im Iran wird zumindest fahrlässig in Kauf genommen – wenn ernicht sogar unerklärtes Kriegsziel ist.
Israelnahe Thinktanks propagieren schon seit langem die Auflösung desVielvölkerstaats in seine ethnischen Einzelteile. Die systematischeErmordung der gegnerischen Eliten führt jegliche Diplomatie adabsurdum. Aus Sicht der Regierung in Tel Aviv soll es für denaktuellen Konflikt offensichtlich keine diplomatische Lösung geben. Esist laut türkischem Außenminister eine Strategie für „immerwährenden Krieg“.
Das sich ausbreitende Chaos scheint als Rechtfertigung einer extremenSicherheitslogik zu dienen, die als reines Nullsummenspielfunktioniert. Nicht weniger als sieben Staaten hat Israel in denletzten zwölf Monaten bombardiert. Beinahe der gesamte Nahe Osten wardavon betroffen – fast kein Staat bleib davon unberührt.
Auch beste Verbindungen zu den USA sind offensichtlich dieser Tagekein Schutz mehr. Eine systematische Unterminierung von Souveränitätwird selbst gegenüber denjenigen Staaten betrieben, die wie das neueSyrien eigentlich den Wunsch nach Frieden äußern und ins amerikanischeLager streben. Mehrfach äußerten israelische Minister den Wunsch,Präsident Al-Sharaa zu ermorden. Nicht Intentionen zählen, sondern Fähigkeiten.
Der in Umfragen stärkste Oppositionspolitiker Naftali Bennettbezeichnet das NATO-Land Türkei als „den neuen Iran“. Eine solchePolitik kann offensichtlich ohne äußeren Feind nicht bestehen. Wenndie Islamische Republik diese Rolle nicht mehr ausfüllen kann, mussman sie neu erfinden.
Die alte Peripherie-Doktrin wurde indes wiederbelebt. Diese umfasstdie Förderung von Minderheiten jenseits der arabisch-sunnitischenMehrheitsbevölkerung. Die syrischen Drusen werden zur Sezessionermuntert, die Unabhängigkeit von Kurden, Südjemeniten und vonSomaliland wird propagiert.
Die Obsession mit der ethnischen Vielfalt Irans läuft daraus hinaus,diesen Staat, jenseits der Beseitigung des derzeitigen Regimes, zuschwächen. Noch waren die iranischen Kurden zu intelligent, um sich inden ethnischen Bürgerkrieg treiben zu lassen. Sie spürten womöglich,dass es hier weniger um ihre Befreiung und mehr um das Säen von Chaosging. Nationale Selbstbestimmung, so sehr diese in Bezug auf diePalästinenser ein Unwort ist, gilt andernorts als Instrument der Wahl.
Im Windschatten der Eskalation am Persischen Golf werden derweilFakten geschaffen. Die humanitäre Katastrophe im Gazastreifen läuftunvermindert fort; die Verhinderung jeglichen Wiederaufbaus dient demFernziel einer möglichst massiven Vertreibung der Bevölkerung. Auch inder Westbank wird dies kaum noch kaschiert.
Die Besatzung wächst sich von einer illegalen zu einer kriminellenUnternehmung aus, in der gewalttätige Siedler und Armee Hand in Handagieren.
An der Nordgrenze wird der erwartete Kriegseintritt der Hisbollahgenutzt, um territoriale Expansion zu zementieren. Bis zum Litaniwurde die Bevölkerung zur Flucht aufgefordert. Der Südlibanon wirddamit zum neuen Golan, mit von einigen geäußerter Aussicht aufpermanente Besiedlung. Wenn die Pläne umgesetzt werden, droht eineethnische Säuberung von 300 000 Menschen.
Hinzu kommt eine offensichtliche Kollektivbestrafung der schiitischenBevölkerung. Die Flächenbombardements ihrer Wohngebiete werden siedauerhaft zur Flucht zwingen. Die intrakonfessionellen Spannungen imLibanon steigen, inner-libanesische gewaltsame Konflikte werden auchhier fahrlässig in Kauf genommen. Dass auf diesem Desaster einstFrieden blühen kann, glauben nur ganz Naive.
Israel ist Avantgarde der neuen, von Präsident Trump eingeläutetenWeltordnung, in der Grenzen, Souveränitäten und Völkerrecht nichtsmehr zählen.
Was Israels aktuelle Regierung betreibt, ist eine strategischeDestabilisierung der ganzen Region. Damit ist das Land Avantgarde derneuen, von Präsident Trump eingeläuteten Weltordnung, in der Grenzen,Souveränitäten und Völkerrecht nichts mehr zählen. Dieüberdimensionierte militärische Potenz fällt dabei zusammen mit einerschnell anwachsenden, sehr jungen Bevölkerung.
Ohne die Negev-Wüste erreicht Israel fast die Bevölkerungsdichte vonBangladesch. Die „demografische Bombe“ sind keineswegs diePalästinenser. Wenn Netanjahu Sympathien für eineGroßisrael-Ideologieäußert, ist er Teil des Mainstreams eines Landesmit in Umfragen geäußertem Expansionsdrang. 82 Prozent der jüdischenIsraelis befürworteten noch im vergangenen Jahr die kompletteVertreibung aller Palästinenser aus Gaza, 56 Prozent wollten sogar dieDeportation der die Staatsbürgerschaft besitzenden israelischen Araber.
Wie der Krieg am Persischen Golf ausgeht, ist ungewiss. Wenn Chaos dasZiel war, ist es bereits erreicht. Von einer nachhaltig stabilenSicherheitsordnung ist die ohnehin volatile Region weiter entferntdenn je. Die israelische Vorherrschaft beruht auf einer kaputten, insich zerfallenden Region voller failed states, zu beschäftigt mit sichselbst, um eine irgendwie geartete Friedensordnung durchzusetzen. Dieerklärten Kriegsziele – vom Regimekollaps über die Schwächung derRaketenfähigkeiten bis hin zur Eskalationsdominanz – sind derweil inweite Ferne gerückt.
Die Herren über das Chaos könnten sich überschätzen. Wenn der Kriegschiefgeht, drohen nicht nur ökonomische, sondern auch humanitäreDoomsday-Szenarien bis hin zu nuklearer Proliferation. Es wäre einextremer Preis. Die gegenseitigen Angriffe auf Nuklearanlagen undWasserinfrastruktur zeigen, dass auf beiden Seiten Hasardeure am Werksind, die das Abfackeln der Welt offenbar fahrlässig in Kauf nehmen.Noch ist es nicht gänzlich zu spät, aber die Uhr tickt
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15. ZDF: Verteidigungsminister zu Iran: "Nicht unser Krieg": Pistorius sagt Hilfe bei Waffenruhe zu
https://www.zdfheute.de/politik/deutschland/pistorius-waffenruhe-iran-israel-usa-absicherung-100.html
Verteidigungsminister zu Iran:"Nicht unser Krieg": Pistorius sagt Hilfe bei Waffenruhe zu26.03.2026 | 08:18
Boris Pistorius kann sich vorstellen, eine Waffenruhe im Iran-Krieg
abzusichern. Die Instabilität im Nahen Osten habe Folgen für die ganze
Welt, so der Verteidigungsminister.
Verteidigungsminister Boris Pistorius hat einen Beitrag Deutschlands
zur Absicherung einer Waffenruhe im Krieg in Iranin Aussicht gestellt.
"Dieser Krieg ist eine Katastrophe für die Volkswirtschaften der Welt.
Die Auswirkungen sind schon jetzt nach wenig mehr als zwei Wochen
klar", warnte er bei einem Treffen mit seinem australischen Kollegen
Richard Marles in der Hauptstadt Canberra.
Nötig sei eine diplomatische Lösung "so schnell wie möglich", sagte
Pistorius in Australien. Er richtete diese Forderung vor allem an den
Iran, aber auch die USA. "Wir sind vorher nicht konsultiert worden",
so Pistorius. "Es ist nicht unser Krieg. Und darum wollen wir in
diesen Krieg auch nicht reingezogen werden, um das glasklar zu
machen".
(…) Die Bundesregierung sei bereit, nach einer Einigung auf einen
Waffenstillstand diesen zu schützen. Auch könne über eine Beteiligung
Deutschlands an einem Einsatz zum Schutz der Schifffahrt in der
strategisch wichtigen Straße von Hormus gesprochen werden.
Geplantes Abkommen zwischen Deutschland und Australien
Pistorius und sein australischer Kollege Marles vereinbarten zudem,
die Stationierung der Truppen des jeweils anderen Landes zu
vereinfachen und bei der Verteidigung im Weltraum zusammenzuarbeiten.
Marles sagte, Berlin und Canberra würden ein Abkommen unterzeichnen,
das es "für unsere Streitkräfte deutlich einfacher machen wird, vom
Gebiet des jeweils anderen Landes aus zu operieren".
Australien wird sich zudem dem Plan der Bundesregierung zum Aufbau
eines "Frühwarnsystems für den Weltraum" anschließen, wie Pistorius
sagte. Das Vorhaben sei eine Reaktion auf die wachsenden Fähigkeiten
Russlands und Chinas, Satelliten zu blenden und zu zerstören.
Deutschland beabsichtige, ein "unabhängiges globales Netzwerk von
Überwachungssensoren" einzusetzen, um seine Systeme zu schützen, fügte
der Bundesverteidigungsminister hinzu. Pistorius befindet sich zur
Zeit auf einer Reise im Indo-Pazifik. Zuvor in dieser Woche hatte er
bereits Japan und Singapur besucht.
Quelle: dpa; AFP
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16. ZDF: Deutschlands Blick in den Indopazifik: U-Boote für Singapur: Mehr als ein Geschäft
https://www.zdfheute.de/politik/pistorius-reise-singapur-uboote-tkms-ruestung-100.html
Deutschlands Blick in den Indopazifik:U-Boote für Singapur: Mehr als ein Geschäft
von Ines Trams, Singapur
24.03.2026 | 21:14
Sechs U-Boote aus Kiel, künftig gewartet in Singapur: Deutschlands
Marinekooperation im Indopazifik wächst. Für Verteidigungsminister
Pistorius ist das Teil einer größeren Strategie.
Sechs U-Boote aus deutscher Produktion hat Singapur bereits bestellt,
nun wird auch die Wartung vor Ort ausgebaut. Der Kieler U-Boot-Bauer
TKMS hat dazu am Rande der Indopazifik-Reise von Verteidigungsminister
Boris Pistorius eine Absichtserklärung mit dem lokalen Partner ST
Engineering unterzeichnet.
In Singapur soll ein erstes Wartungs- und Servicezentrum für den
Pazifik entstehen - ein Schritt, der die Zusammenarbeit deutlich
vertieft. Und ein Schritt mit strategischer Bedeutung: U-Boote aus
deutscher Produktion müssten mit dem neuen Außenposten nicht mehr den
langen Weg nach Kiel zurücklegen, um gewartet zu werden.
"Wir haben an über 30 Nationen U-Boote verkauft - das ist für viele eine große
Gelegenheit, Kosten und Aufwand zu sparen", sagt TKMS-Chef Oliver Burkhard.
(…) Der Indopazifik ist damit für Pistorius kein Nebenschauplatz
mehr, sondern ein Testfeld deutscher Sicherheitspolitik. Auch
Burkhard verweist auf die Rolle sogenannter Mittelmächte: Es sei
"ratsam", sich mit Partnern zu vernetzen, "die ein ähnliches
Werteverständnis haben" - und Kräfte zu bündeln.
(…)
Mit der Wartung der U-Boote direkt in Singapur geht die Zusammenarbeit
über den Verkauf hinaus. Für die Industrie bedeutet das Präsenz vor
Ort, für die Politik eröffnet sie neue Einflussmöglichkeiten.
Die Kooperation mit Singapur ist deshalb mehr als ein einzelnes Projekt.
Sie zeigt, wie sich deutsche Sicherheits- und Wirtschaftspolitik neu
ausrichtet - in einer Region, die immer wichtiger wird.
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17. Ökumene: Gemeinsame ökumenische Erklärung zum eskalierenden Konflikt im Nahen und Mittleren Osten
https://www.oikoumene.org/de/resources/documents/joint-ecumenical-statement-on-the-widening-conflict-in-the-middle-east
Gemeinsame ökumenische Erklärung zum eskalierenden Konflikt im Nahen und Mittleren Osten
Der Ökumenische Rat der Kirchen, der Kirchenrat des Nahen Ostens, der
Lutherische Weltbund, die Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen, der
Weltrat Methodistischer Kirchen, die Mennonitische Weltkonferenz, die
Asiatische Christliche Konferenz und die ACT Alliance bringen
gemeinsam ihre große Sorge über die humanitären und gesellschaftlichen
Auswirkungen der Eskalation des Konflikts im Nahen und Mittleren Osten
und die Gefahr, die er für Frieden und Sicherheit in der Region und
der Welt insgesamt darstellt, zum Ausdruck.
Nachdem die mehr als 92 Millionen Menschen zählende Bevölkerung im
Iran bereits seit vielen Jahren komplexe politische, wirtschaftliche
und gesellschaftliche Herausforderungen aushält, sieht sie sich nun
auch noch mit den unmittelbaren Gefahren des aktuellen Konflikts und
einer sehr ungewissen Zukunft konfrontiert.
Die gegen den Iran gerichtete Gewalt durch die USA und Israel , die
Tötung des obersten Führers des Iran, des Ajatollahs Ali Chamenei, am
28. Februar und die darauffolgenden Gegenschläge des Iran haben einen
Krieg zur Folge, der eine Bedrohung für den Frieden in der ganzen
Region darstellt.
Zudem weckt er ernste Sorgen um die Sicherheit und das Wohlergehen der
Zivilbevölkerung, die durch ein trauriges Beispiel untermauert werden,
über das in den Medien berichtet wurde: Bis zu 175 Schülerinnen und
Mitarbeitende sollen bei einem Raketenangriff getötet worden sein, bei
dem eine Mädchenschule in der südiranischen Stadt Minab getroffen wurde.
Je länger der Konflikt anhält, desto mehr werden zwangsläufig die
humanitären Risiken und das Leid zunehmen. Darüber hinaus sind wir
zutiefst besorgt, dass immer mehr Berichte auf schwere Verstöße gegen
das humanitäre Völkerrecht im Rahmen der anhaltenden
Militäroperationen hindeuten. Wir betonen, dass es eine moralische und
rechtliche Pflicht aller Konfliktparteien ist, die Zivilbevölkerung zu
schützen und keine Angriffen auf zivile Gebiete oder zivile
Infrastruktur durchzuführen.
Wir befürchten des Weiteren, dass der Konflikt eine neue Phase
anhaltender Gewalt und Instabilität in der gesamten Region zur Folge
haben könnte. Es sind bereits viele Länder in der Region und darüber
hinaus beteiligt oder betroffen. Die Situation im Libanon ist in einen
groß angelegten israelischen Angriff eskaliert, von dem mehrere
Regionen des Landes und auch die Hauptstadt Beirut betroffen sind.
Insbesondere in den südlichen Vororten Beiruts und in großen Teilen
des Südlibanon sind bereits ganze Wohnviertel großflächig zerstört worden.
Die Verschärfung der Kriegshandlungen hat zu großem Leid in der
Zivilbevölkerung geführt und Hunderttausende Menschen zur Flucht aus
ihren Häusern gezwungen, um sich in Sicherheit zu bringen. Auch der
Irak ist von der Eskalation in der Region betroffen. Die wachsenden
Spannungen und Sicherheitsprobleme verschärfen die ohnehin schon
fragile Lage weiter. Die Vergeltungsschläge des Iran haben zudem
mehrere Golfstaaten sowie Zypern und Aserbaidschan getroffen.
Wir sind des Weiteren tief besorgt, dass die Angriffe und ihre
Auswirkungen wahrscheinlich die Vertreibung von noch mehr Menschen zur
Folgen haben werden und das in einer Region, in der bereits sehr viele
Menschen vertrieben wurden und in der die Binnenvertriebenen im Iran
selbst und die Flüchtlinge in Nachbarländern absolut unzureichend
versorgt und die Sicherstellung ihres Wohlergehens absolut
unzureichend geplant ist.
Aber nicht nur im Iran und den am stärksten betroffenen Ländern sind
Tod, Zerstörung und Vertreibung als unmittelbare Folgen dieses
Konflikts zu spüren, er wirkt sich vielmehr bereits heute auch auf das
Leben und die Lebensgrundlage vieler Menschen, Gemeinwesen und ganzer
Gesellschaften in der gesamten Region aus. Genau wie alle Menschen im
Iran und der gesamten Region, sind auch die Kirchen und christlichen
Gemeinden mit den Gefahren dieses Krieges für ihr Überleben konfrontiert.
Es muss betont werden, dass die von Israel und den USA gemeinsam
durchgeführten Angriffe eindeutig völkerrechtswidrig sind. Es gibt
keinerlei glaubwürdige Beweise für eine angebliche unmittelbare
Bedrohung durch den Iran, und die Angriffe sind ein eklatanter Verstoß
gegen die Charta der Vereinten Nationen, die genau aus diesem Grund
formuliert wurde: um die Menschen weltweit vor der Geißel des Krieges
zu bewahren. Die Abkehr von der Diplomatie zugunsten eines bewaffneten
Angriffs ist unverantwortlich und grob fahrlässig.
Nachdem Israel und die USA diesen Weg nun aber eingeschlagen haben,
darf es ihnen nicht gestattet werden, erneut einfach Verwüstung und
Zerstörung zu hinterlassen und dies dann Frieden zu nennen. Sie müssen
die Verantwortung für die Folgen ihres Handelns übernehmen, und dazu
zählen auch die Folgen für das Überleben der Menschen im Iran, für
deren Freiheit sie einzutreten vorgeben.
Wir fordern einen sofortigen Waffenstillstand, die dringende
Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen und politischer Gespräche im
Rahmen der bestehenden internationalen und regionalen Mechanismen und
die Einhaltung aller völkerrechtlichen Verpflichtungen durch die
beteiligten Staaten, zum Beispiel jene in der UN-Charta.
Unser Appell wurzelt in unserem Glauben und unseren
christlich-ethischen Wertvorstellungen sowie in Recht und Politik. Wir
unterstreichen erneut, dass Krieg mit dem Wesen Gottes und seinem
Willen für die Menschheit unvereinbar ist und gegen unsere
christlichen Grundwerte verstößt. Frieden ist ein moralischer und
spiritueller Imperativ, der auf unserem Glauben an einen Gott der
Gerechtigkeit und Barmherzigkeit beruht, und ein Geschenk, das nicht
mit Zwang oder Waffengewalt errungen werden kann.
Die Menschenwürde ist heilig und spiegelt wider, dass alle Menschen
nach dem Bilde Gottes geschaffen sind. Jeder Angriff auf die
Zivilbevölkerung und jede systematische Verletzung der Menschenrechte,
egal ob durch einen Angriff von außen oder die Unterdrückung der
eigenen Bevölkerung im Innern, ist eine direkte Verletzung der von
Gott gegebenen Menschenwürde und der Unantastbarkeit des Lebens.
Wir bedauern sowohl in Bezug auf diesen Konflikt als auch den globalen
Kontext insgesamt, dass Moral und Rechtmäßigkeit keinen großen
Stellenwert mehr haben, Arroganz und Herrschaftsideologien die
Oberhand haben und nicht das Gewissen, sondern politischer Nutzen die
Entscheidungen bestimmt. Aus unserer christlichen Sicht gibt es keine
göttliche Lizenz, zu töten, zu zerstören, Menschen zu vertreiben oder
Land zu besetzen. Wir treten ein für die von Gott gegebene Würde und
die von Gott gegebenen Rechte aller Menschen, gleichberechtigt und
ohne Unterschied. Wir lehnen die brutale Logik von Krieg und einer
Herrschaft über andere Menschen ab. Wir streben nach dem Geschenk des
Friedens.
Wir beten für die Menschen im Nahen und Mittleren Osten, die schon
viel zu lange unter zu viel Gewalt leiden – und das zu oft als Folge
einer Intervention von außen. Wir rufen alle Kirchen und christlichen
Gläubigen in der Welt sowie alle gläubigen Menschen und Menschen guten
Willens auf, zusammen mit uns für Frieden im Nahen und Mittleren Osten
und überall auf der Welt, wo Konflikte und Unfrieden herrschen, zu beten.
Gott, setze der Gewalt und Ungerechtigkeit ein Ende. Sorge dafür, dass
sich die politischen Führungspersonen für das Wohlergehen aller
Menschen einsetzen. Möge deine Liebe und deine Barmherzigkeit walten
und die Staaten der Welt in einem gemeinsamen Engagement für Frieden
zusammenbringen. Möge dein Reich des Friedens kommen auf Erden wie im
Himmel.
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18. Change.org.: Petition an den Rat der EKD: Überarbeitet die neue Denkschrift zur Friedensethik!
https://www.change.org/p/petition-an-den-rat-der-ekd-%C3%BCberarbeitet-die-neue-denkschrift-zur-friedensethik?recruited_by_id=e7d63290-2dae-11f1-a3b4-172fecbd0cc8&utm_source=share_petition&utm_campaign=psf_promote_or_share&utm_term=psf_promote_or_share&utm_medium=email&share_id=sPnkgTWxVj
Petition an den Rat der EKD: Überarbeitet die neue Denkschrift zur Friedensethik!
(…)
Wir fordern den Rat der EKD auf:
1. Die Denkschrift zur Friedensethik zurückzuziehen.
2. Eine neue Denkschrift zu erarbeiten – transparent, demokratisch und unter Beteiligung der Gemeinden
und pazifistischen Organisationen innerhalb der Evangelischen Kirchen.
3. Zurückzukehren zu einer Friedensethik, die der Botschaft Jesu verpflichtet ist.
Unterstütze diese Petition
Wir rufen alle Christinnen und Christen, alle friedensbewegten Menschen und alle, die sich eine glaubwürdige,
friedensorientierte Kirche wünschen, dazu auf, diese Petition zu unterzeichnen.
An den Rat der EKD sagen wir: Seid Brückenbauer – nicht Brandbeschleuniger.
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Hier geht es zur Unterzeichnung:
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19. Friedenskooperative: Das Netzwerk Friedenskooperative informiert über Ostermärsche 2026 und eine Zeitungsanzeige:
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Mit freundlichen Grüßen
Clemens Ronnefeldt
Referent für Friedensfragen beim deutschen
Zweig des internationalen Versöhnungsbundes
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Clemens Ronnefeldt
Referent für Friedensfragen beim deutschen
Zweig des internationalen Versöhnungsbundes
A.-v.-Humboldt-Weg 8a
85354 Freising
Tel.: 08161-547015
Fax: 08161-547016
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Spendenkonto für die Arbeit des
Versöhnungsbund-Friedensreferates:
unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.