[VB-Vernetzung] 1. n tv: Ukraine-Ticker 2. Die Welt: Im Winter wird der Westen die Ukraine zu einem Waffenstillstand drängen u.a. (Teil II von II)
Bei der Anbahnung von Verhandlungen habe Europa allerdings wenig
Einflussmöglichkeiten. Vor allem die Bundesregierung müsse sich
(angesichts der bisherigen, teilweise sehr problematischen deutschen
Russlandpolitik) mit Vermittlungsinitiativen eher zurückhalten.
Deutschland und der EU käme aber eine wichtige Funktion bei der
Finanzierung und Implementierung eines Abkommens zu. Auch Zellner
plädiert dafür, Russland zu signalisieren, dass bei kooperativem
Verhalten über den Abbau von Sanktionen nachgedacht werden kann.
Zudem solle man verdeutlichen, dass man am Fortbestand eines vereinten
Russlands und nicht an dessen Zerschlagung interessiert ist. Eine
besondere Herausforderung liege schließlich darin, die Oberaufsicht
über die Atomwaffen zu sichern – Staatszerfall und vagabundierende
Atomwaffen würden unüberschaubare Sicherheitsrisiken mit sich bringen.
(…)
Friedenslogisch handeln im Unfrieden
Die Friedensforscherin Hanne Birckenbach betonte in ihrer Rede als
Trägerin des Göttinger Friedenspreises vor allem die Bedeutung der
Zivilgesellschaft. Auch wenn vorerst kein Frieden herstellbar sei,
müsse man friedenslogisch denken und handeln (zur Theorie und Praxis
von Friedenslogik).
Das bedeutet, sich auch während der militärischen Kämpfe um demilitarisierte
Zonen zu bemühen und „Friedensoasen“ zu schaffen. Diese seien nötig, um
humanitäre Hilfe zu den vom Krieg betroffenen bedürftigen Menschen zu bringen,
und auch um Fundamente zu erhalten, auf denen irgendwann der Wiederaufbau
von Beziehungen erfolgen kann.
NGOs und staatliche Geldgeber hierzulande dürften daher nicht darin
nachlassen, die Zivilgesellschaft in der Ukraine und ihren
Nachbarländern zu fördern, meint Birckenbach, und sie sollten auch
weiterhin mutige Initiativen unterstützen, die über die verfeindeten
Linien hinweg Kontakte ermöglichen.
Zudem muss man die Zivilgesellschaft in die Planungen für den Wiederaufbau
einbinden. Ähnliches fordert auch eine Stellungnahme des Forum ZFD vom
2. Mai 2023 und das gilt vor allem auch für auch Frauenorganisationen.
Den eurozentrischen Blick durch globale Perspektiven ersetzen
(…)
Den meisten Regierungen im globalen Süden seien die eigenen
wirtschaftlichen Interessen wichtiger, als den Boykott Russlands zu
unterstützen, meint Wulf, und durch den aktuellen Krieg hätten sich
Spannungen zwischen dem Globalen Süden und dem Westen – vor allem mit
den USA als selbsternanntem Führer der freien Welt – weiter verstärkt.
Zahlreiche Länder würden mit der Philosophie der BRICS sympathisieren,
ein Gegengewicht zur G 7 zu schaffen. (…)
Ausblick: Aussichten für Sicherheit und einen gerechten Frieden in Europa und darüber hinaus
(…)
Ein international begleitetes Waffenstillstandsabkommen, wie es von
einigen Expert:innen vorgeschlagen wurde, würde beiden Seiten
abverlangen, auf Maximalforderungen zu verzichten.
Die Vorstellung, dass die Ukraine zumindest zeitweilig nicht ihr
gesamtes Territorium zurückerhalten kann, mag angesichts eines
völkerrechtswidrigen Angriffskriegs sehr unbefriedigend und ungerecht
anmuten.
Es würde ihr aber ermöglichen, sich wirtschaftlich zu erholen und
Menschenleben zu schonen. Auf dieser Basis könnte der Weg für
weitergehende Vermittlungsinitiativen geebnet werden. Diese müssten
sich auf ein politisches Abkommen richten, das sich auf die Charta der
Vereinten Nationen und das Völkerrecht gründet und einen „gerechten
Frieden“ anstrebt. (…)
Dialog und Strukturen für europäische Sicherheit erhalten und beleben
(…)
Auch mit der Einbindung der Zivilgesellschaft in Sicherheitsordnungen,
Krisenprävention und Mechanismen der Konfliktbearbeitung hat die OSZE
reichhaltige Erfahrung. Gerade deshalb kommt ihr auch große Bedeutung
bei der Unterstützung von Aussöhnungsprozessen in
Nachkriegsgesellschaften zu. Allerdings besteht eine große
Herausforderung darin, die OSZE zu reformieren und ihre zukünftige
Rolle neu zu verhandeln.
Dafür braucht es tatsächlich eine Art Neuauflage des
Helsinki-Prozesses und die Bereitschaft auch mit autokratischen Staaten
zusammenzuarbeiten – zu Themen, die alle angehen.
Dazu gehört neben der Klimakrise auch die Begrenzung von
Rüstungspotenzialen. Die im OSZE-Kontext
etablierten diplomatischen Kanäle sollte man zudem für den Aufbau
neuer Foren für Rüstungskontrolle und Abrüstung nutzen. (…)
Perspektiven für Rüstungskontrolle und Abrüstung eröffnen
(…)
Daher wäre zu wünschen, dass die Nato und die EU-Mitgliedstaaten,
statt ihre militärischen Arsenale immer weiter auszubauen, für die
Zukunft eine Politik der Entmilitarisierung unter dem Dach der
Vereinten Nationen anstreben. Die Beseitigung der nuklearen
Massenvernichtungswaffen muss mit erster Priorität auf die
Tagesordnung gesetzt werden.
Die Drohungen von russischer Seite mit dem Einsatz solcher Waffen im
Krieg gegen die Ukraine haben nochmals die Bedeutung des Vertrags über
das Verbot der nuklearen Rüstung verdeutlicht. Der wurde von der
UN-Generalversammlung 2017 mit großer Mehrheit angenommen, jedoch von
den atomwaffenbesitzenden Staaten nicht unterzeichnet. Das erhöht
nicht die Glaubwürdigkeit gegenüber dem Globalen Süden.
Ein aktives Engagement für Rüstungskontrolle und Abrüstung hingegen
wäre für viele Länder des Globalen Südens, die man für eine
multilaterale Politik gewinnen möchte, vermutlich ein überzeugenderes Signal.
Die Einleitung einer glaubwürdigen Politik verlangt aber noch mehr,
nämlich alles daran zu setzen, die Klimaziele einzuhalten, um die
Erderwärmung zu bremsen, die Link hat Vorschau-PopupInterner Link:
nachhaltigen Entwicklungsziele (Sustainable Development Goals, SDGs)
konsequent umzusetzen und für beides die erforderlichen Mittel bereitzustellen.
Aktives Bemühen um die Umsetzung des UN-Migrationspakts, wirksame
Rüstungsexportkontrolle sowie Initiativen für Entschuldung und Neuordnung
des internationalen Handels- und Finanzsystems wären ebenfalls hilfreich, um
die Beziehungen zwischen den westlichen Ländern und dem nicht begünstigten
Teil der Welt neu zu gestalten.
Nachhaltige Entwicklung und globale Gerechtigkeit sowie Anstrengungen
für Abrüstung gehören zusammen. Die Klimakrise und die nukleare Gefahr
bilden derzeit die größte Gefährdung für die Menschheit. Beide Gefahren
können nur durch Kooperation des Westens mit Russland, China und den
Ländern des Globalen Südens begrenzt werden.
——————
10. W+F: Yurii Sheliazhenko: War and Nonviolent Intervention
https://wissenschaft-und-frieden.de/blog/sheliazhenko-war-nonviolent-intervention/#top
Analyse und Diskussion
War and Nonviolent Intervention
Tracking Russia-Ukraine conflict escalation and finding possible ways to peace
8. August 2023
von Yurii Sheliazhenko
mit einem Kommentar von Friedrich Glasl
Notiz: Der Autor hatte diesen Beitrag vor einigen Monaten bei W&F zur
Veröffentlichung eingereicht. Der Beitrag war noch in der
Überarbeitung, als der Autor eine Hausdurchsuchung durch die
ukrainischen Sicherheitsorgane über sich ergehen lassen musste.
Er bat uns in der Folge, den Text zügig online zu stellen, um über
seine Veröffentlichungen auch klar herausstellen zu können, dass der
gegen ihn erhobene Vorwurf der „Rechtfertigung des russischen
Angriffskrieges“ nicht aufrechterhalten werden kann.
W&F stellt daher diese vorläufige Fassung online, um den Autoren zu
unterstützen. Der folgende Text ist auf Englisch.
(…)
—————
11. Connection: Ukraine: Lassen Sie die Anklage gegen Yurii Sheliazhenko fallen
https://de.connection-ev.org/article-3834
Connection e.V., EBCO, WRI und Internationaler Versöhnungsbund (IFOR)
An die ukrainische Regierung:
Lassen Sie die Anklage gegen Yurii Sheliazhenko fallen
Pazifismus ist kein Verbrechen
von Connection e.V., EBCO, WRI und Internationaler Versöhnungsbund (IFOR)
(05.08.2023)
Das Europäische Büro für Kriegsdienstverweigerung (EBCO), War
Resisters’ International (WRI), der Internationale Versöhnungsbund
(IFOR) und Connection e.V. (Deutschland) verurteilen aufs Schärfste
die Tatsache, dass Yurii Sheliazhenko, Geschäftsführer der
Ukrainischen Pazifistischen Bewegung, von der ukrainischen Regierung
formell des Verbrechens der "Rechtfertigung der russischen Aggression"
angeklagt wurde.
Als einziger "Beweis" wird dafür die Erklärung der Ukrainischen
Pazifistischen Bewegung angeführt, die auf dem Treffen zum
Internationalen Tag des Friedens am 21. September 2022 mit dem Titel
"Friedensagenda für die Ukraine und die Welt" beschlossen wurde.
Darüber hinaus wird in der Erklärung die russische Aggression
ausdrücklich verurteilt
(https://worldbeyondwar.org/peace-agenda-for-ukraine-and-the-world/).
Wir sind alle schockiert darüber, dass der ukrainische
Sicherheitsdienst am 3. August 2023 in die Wohnung von Yurii
Sheliazhenko eingebrochen ist und eine illegale Durchsuchung
durchführte. Dabei wurde nichts Kriminelles gefunden.
Trotzdem wurde sein Telefon, sein Computer sowie einige Dokumente der
Ukrainischen Pazifistischen Bewegung beschlagnahmt. Wir protestieren
aufs Schärfste gegen die Schikanen gegen Yurii Sheliazhenko. Er wurde
für den 7., 8. und 9. August 2023 zum Verhör vorgeladen.
Wir erinnern die ukrainische Regierung daran, dass Pazifismus kein Verbrechen ist.
Wir fordern, dass die Anklage gegen Yurii Sheliazhenko unverzüglich
fallen gelassen wird und dass die Menschenrechte in vollem Umfang
geschützt werden, einschließlich des Rechts auf freie Meinungsäußerung
und des Rechts auf Kriegsdienstverweigerung, das dem Recht auf
Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit innewohnt, das unter
anderem in Artikel 9 der Europäischen Menschenrechtskonvention sowie
in Artikel 18 des Internationalen Pakts über bürgerliche und
politische Rechte (ICCPR) garantiert wird und das auch in Zeiten des
öffentlichen Notstands nicht außer Kraft gesetzt werden kann, wie in
Artikel 4 Absatz 2 des ICCPR festgelegt.
Yurii Sheliazhenko ist ein bekannter Kriegsdienstverweigerer,
Pazifist, Menschenrechtsverteidiger und Rechtsanwalt. Wir verurteilen
aufs Schärfste alle Schikanen und Einschüchterungsversuche gegen ihn
und die Ukrainische Pazifistische Bewegung sowie alle Fälle von
Zwangsrekrutierung und Entführung von Wehrpflichtigen für die am Krieg
in der Ukraine beteiligten Armeen und alle Verfolgungen von
Kriegsdienstverweigerern, Deserteuren und gewaltlosen
Kriegsgegner*innen.
Wir unterstützen die Forderung von EBCO nach einem Treffen mit dem
Präsidenten der Ukraine in Kiew am Montag, den 7. August 2023, um
unsere Bedenken und Empfehlungen zu besprechen, auch im Rahmen unserer
gemeinsamen
#ObjectWarCampaign: Russland, Belarus, Ukraine: Schutz und Asyl für Deserteure und Verweigerer <https://you.wemove.eu/campaigns/russland-belarus-ukraine-schutz-und-asyl-fur-deserteure-und-verweigerer>.
Wir bitten um Unterstützung der Petition für Yurii Sheliazhenko
an die ukrainische Regierung,
die von World BEYOND War vorbereitet wurde:
Für Interviews stehen zur Verfügung
· Alexia Tsouni, European Bureau for Conscientious Objection (EBCO), ebco@ebco-beoc.org <mailto:ebco@ebco-beoc.org>, www.ebco-beoc.org <http://www.ebco-beoc.org/>
· Semih Sapmaz, War Resisters’ International (WRI), semih@wri-irg.org <mailto:semih@wri-irg.org>, www.wri-irg.org <http://www.wri-irg.org/>
· Christian Renoux, International Fellowship of Reconciliation (IFOR), christian.renoux@univ-orleans.fr <mailto:christian.renoux@univ-orleans.fr>,www.ifor.org <http://www.ifor.org/>
· Rudi Friedrich, Connection e.V., 069 82375534, office@Connection-eV.org <mailto:office@Connection-eV.org>, www.Connection-eV.org <http://www.connection-ev.org/>
· Yurii Sheliazhenko, Ukrainian Pacifist Movement, yuriy.sheliazhenko@gmail.com <mailto:yuriy.sheliazhenko@gmail.com>,http://pacifism.org.ua/
Connection e.V., EBCO, WRI und Internationaler Versöhnungsbund (IFOR): Pressemitteilung vom 5. August 2023
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Fordern Sie die ukrainische Regierung auf, die Strafverfolgung
des Friedensaktivisten Jurij Scheliaschenko einzustellen
Jurij Scheliaschenko wurde von der ukrainischen Regierung offiziell wegen
des Verbrechens der Rechtfertigung der russischen Aggression angeklagt.
Der Beweis ist diese Aussage <https://worldbeyondwar.org/de/Friedensagenda-f%C3%BCr-die-Ukraine-und-die-Welt/> , der die russische Aggression ausdrücklich verurteilt.
BITTE UNTERZEICHNEN SIE DIE PETITION HIER <https://actionnetwork.org/petitions/tell-the-ukrainian-government-to-drop-prosecution-of-peace-activist-yurii-sheliazhenko/>.
An: Ukrainische Regierung
Wir fordern Sie auf, alle rechtlichen Schritte gegen Yurii
Sheliazhenko einzustellen und die Menschenrechte, das Recht auf
Kriegsdienstverweigerung und das Recht auf freie Meinungsäußerung
zu respektieren.
Der Absurdität, jemanden dafür zu belangen, dass er die
russische Kriegsführung auf der Grundlage einer Erklärung
rechtfertigt, in der er die russische Kriegsführung ausdrücklich
verurteilt hat, entspricht die Absurdität, im Namen der Freiheit und
der Demokratie Krieg zu führen und gleichzeitig Bürger dieser Art zu
schikanieren. Wir fordern Sie auf, es besser zu machen.
FÜGEN SIE HIER IHREN NAMEN HINZU <https://actionnetwork.org/petitions/tell-the-ukrainian-government-to-drop-prosecution-of-peace-activist-yurii-sheliazhenko/>.
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12. MSN: Seit Beginn des russischen Angriffskrieges: Immer mehr deutsche Kriegsdienstverweigerer
Seit Beginn des russischen Angriffskrieges:
Immer mehr deutsche Kriegsdienstverweigerer
Artikel von Vincent Steinmüller
Eine Kleine Anfrage der Links-Fraktion hat gezeigt, dass die Bundeswehr seit Beginn
des Krieges in der Ukraine deutlich mehr Anträge auf Kriegsdienstverweigerung registriert.
Wie n-tv.de unter Berufung auf Table.Media berichtete, haben sich die
Zahlen seit Beginn des Krieges verfünffacht. Im Jahr 2020 waren es
noch 142 Anträge, im darauffolgenden Jahr 209 Anträge. Seit Beginn des
Krieges waren es 1.123 Anträge und bis zum 30. April dieses Jahres
kamen 672 hinzu.
Unter den Antragstellern 2022 verweigerten 450 Ungediente, 438
Reservisten, 226 Zeitsoldaten, 8 Berufssoldaten und ein freiwillig
Dienstleistender den Dienst. Relevant sind diese Zahlen im Fall einer
Teil- oder Generalmobilmachung, denn dann könnten alle Männer zwischen
18 und 59 Jahren eingezogen werden.
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Mit freundlichen Grüßen
Clemens Ronnefeldt
Referent für Friedensfragen beim deutschen
Zweig des internationalen Versöhnungsbundes
P.S. Nach einer Sommerpause werde ich mich
im September 2023 wieder melden.
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Clemens Ronnefeldt
Referent für Friedensfragen beim deutschen
Zweig des internationalen Versöhnungsbundes
www.versoehnungsbund.de




Nigerianer nehmen an einem Marsch teil, zu dem die Anhänger von Putschistenführer General Abdourahmane Tchiani in Niamey, Niger, am 30. Juli 2023 aufgerufen haben. Auf dem Plakat steht: "Nieder mit Frankreich, lang lebe Putin"