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13.05.2026


Ist eine Stabilisierung der Krankenkassenbeiträge möglich?

makronom.de, vom 12. Mai 2026, SUSANNE ERBE, Deutschland

Die Gesundheitsreform von Union und SPD markiert eine deutliche Kehrtwende in der GKV-Politik. Sind die Pläne geeignet, um die Kostenexplosion im Gesundheitssystem einzudämmen? Eine Analyse von Susanne Erbe.


Bild: Pixabay


Nachdem die im Herbst 2025 eingesetzte Finanzkommission Gesundheit Ende März termingerecht ihren ersten Bericht mit Empfehlungen zur Stabilisierung der Beitragssätze in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) vorgelegt hatte, zog Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) sehr schnell mit einem Referentenentwurf nach. Ende April wurde bereits der darauf basierende Gesetzentwurf im Kabinett beschlossen. Natürlich haben alle Lobbygruppen von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung bis zum Paritätischen Wohlfahrtsverband den Vorschlag heftig kritisiert. Aber Frau Warken hatte ja auch angekündigt, dass alle Betroffenen zur Stabilisierung des Beitragssatzes beitragen sollen.

Die Ausgangslage

Eigentlich hatte sich die GKV in den letzten zehn Jahren bis 2025 recht positiv entwickelt: Die Zahl der Mitglieder stieg von 2015 bis 2025 um mehr als 5 Millionen. Im gleichen Zeitraum sank die Zahl der beitragsfrei Mitversicherten um mehr als 1 Million, während die Zahl der Rentner konstant blieb. Und obwohl die Beitragsbemessungsgrenze jedes Jahr entsprechend der Lohnentwicklung angehoben wurde, ist es nicht zu einem Rückgang bei den freiwillig versicherten GKV-Mitgliedern, im Gegenteil: Ihre Zahl wuchs im Vergleich zu 2015 sogar um 600.000 Personen.

Diese Entwicklung der Mitgliederzahlen spiegelt sich entsprechend auf der Einnahmenseite der GKV wider. Zudem hat auch das kräftige Wachstum der nominalen Bruttogehälter in den Jahren 2023 bis 2025 mehr Geld in die Kassen gespült: Zuletzt machten die Einnahmen aufgrund der Anhebung der Zusatzbeiträge Anfang 2025 einen Sprung um 11%.

Das Problem: Die Ausgaben sind noch schneller gewachsen. Die Gesundheitskommission nennt als wesentliche Faktoren die vollständige Entbudgetierung der Kinder-, Jugend- und (seit Oktober 2025) auch der Hausärzte, die Erstbefüllungsvergütung für die elektronische Patientenakte (ePA) sowie die vollständige Tarifrefinanzierung im Krankenhaus und die Tatsache, „dass ausgabendämpfende gesetzliche Regelungen und Wirtschaftlichkeitsanreize in den letzten zwei Dekaden vom Gesetzgeber sukzessive reduziert wurden“. Die Kommission erwartet, dass ohne eine umfassende Reform die Schere zwischen Einnahmen und Ausgaben in Zukunft weiter auseinandergeht, sodass bereits 2027 eine Deckungslücke von 15,3 Milliarden Euro entsteht, die bis 2030 auf 40,4 Milliarden Euro anwachsen wird.

Ausgabenwirksame Maßnahmen

Ein wesentliches Element der Kommissionsvorschläge wie auch des Referenten-/Gesetzentwurfs ist die Rückkehr zu einer einnahmenorientierten Ausgabenpolitik. Als Referenz wird hier die Entwicklung der Grundlohnsumme herangezogen, also der Summe der beitragspflichtigen Löhne und Gehälter, aus denen Krankenversicherungsbeiträge zu leisten sind. Diese Zuwachsrate wird jeweils im September des Vorjahres vom Gesundheitsministerium bekanntgegeben und orientiert sich an der Veränderungsrate der jeweils vergangenen beiden Halbjahre. Sie liegt auch bisher schon den Budgetverhandlungen mit den Vertragspartnern der GKV zugrunde, wurde aber häufig überschritten, obwohl sie schon erhebliche Größenordnungen erreicht hatte. So lag sie 2025 bei 4,41% und beträgt für 2026 sogar 5,17%.

In Zukunft soll die Grundlohnbindung maßgeblich ohne Ausnahmen und strikt in allen Bereichen der Gesundheitsversorgung angewendet werden. Dabei ist für die Jahre 2027 bis 2029 ein Abschlag von einem Prozentpunkt vorgesehen. Sondervergütungen etwa für die ePA-Befüllung, den Terminservice und extrabudgetäre Leistungen sollen abgeschafft werden, die Tarif-Refinanzierung soll gedeckelt werden.

Für Arzneimittel hatte die Kommission eine Anhebung des Herstellerabschlags (ein gesetzlich geregelter Rabatt, den pharmazeutische Unternehmen der GKV auf den Abgabepreis von Arzneimitteln gewähren müssen) von 7% auf 14% sowie dessen Dynamisierung vorgeschlagen. Der Gesetzentwurf sieht aber nur eine einmalige Erhöhung auf 10,5% für das erste Halbjahr 2027 vor. In der Folgezeit soll das Bundesministerium für Gesundheit die Höhe des Abschlags jährlich neu berechnen.

Auch die in vielen Bereichen seit 2004 unveränderten Zuzahlungen für Arzneimittel, Heilmittel und stationäre Versorgung sollen erhöht werde. Wie bei allen Vorschlägen der Kommission wird auch hier eine Dynamisierung auf der Basis der Grundlohnentwicklung empfohlen.  Dies wurde im Gesetzentwurf übernommen.

Im Referentenentwurf und auch von der Kommission war außerdem vorgesehen, das Krankengeld ab 2027 von bisher 70% auf 65% des Bruttoeinkommens abzusenken. Dies entfiel im Gesetzentwurf. Aber es ist geplant, eine Teilarbeitsunfähigkeit einzuführen mit der Option einer teilweisen Arbeitsaufnahme (25%, 50% oder 75% der Wochenarbeitszeit). Diese Maßnahme ist mit der Erwartung verbunden, dass die Ausgaben für Krankengeld zurückgehen.

Die Finanzwirksamkeit der Reformpakets hat sich mit Fortschreiten des Gesetzesvorhabens erwartungsgemäß verringert:  Auf der Ausgabenseite sollen nach dem Kabinettsbeschluss 2027 insgesamt 13,7 Milliarden Euro eingespart werden, im Referentenentwurf waren das noch 15,6 Milliarden und im Kommissionsvorschlag sogar 23,1 Milliarden. Von den Minderausgaben entfallen 80% auf die Leistungserbringer – vor allem aufgrund der Anpassung der Ausgaben an die Einnahmen auf der Basis der Grundlohnentwicklung, aber auch durch die Streichung von Sondervergütungen im ambulanten Versorgungsbereich. Bei den auf die Patienten entfallenden Einsparmaßnahmen wird der größte Teil durch steigende Zuzahlungen erbracht.

Einnahmeseitige Maßnahmen

Von den gesamten Finanzwirkungen der Reform wird nur ein relativ kleiner Teil auf der Einnahmenseite erwartet: nach dem Gesetzentwurf 4,3 Milliarden Euro im kommenden Jahr, im Vorschlag der Kommission waren es noch 4,8 Milliarden gewesen. Die Kommission hatte vorgeschlagen, die Familienversicherung einzuschränken. Eine außerordentliche Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze wurde diskutiert, wegen der möglichen Wechselwirkungen aber nicht empfohlen. Und die Sozialabgaben für Minijobs sollten angehoben werden.

In Hinblick auf eine außerplanmäßige Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze (Einkommen über dieser Grenze werden bei der Berechnung der Beiträge nicht berücksichtigt) war sich die Kommission nicht sicher, ob die finanziellen Wirkungen nicht durch einen Wechsel der betroffenen Mitglieder in die private Krankenversicherung (PKV) kompensiert wird. Tatsächlich hat aber das Gesundheitsministerium eine einmalige Anhebung über die turnusmäßige jährliche Anhebung hinaus um 300 Euro für 2027 in den Gesetzentwurf aufgenommen. Pro Jahr bedeutet das für alle Einkommen über der neuen Beitragsbemessungsgrenze einen Mehrbeitrag von 630 Euro. Die Hälfte der Anhebung ist vom Arbeitgeber zu tragen. Die Versicherungspflichtgrenze, die in der Regel 10% über der Bemessungsgrenze liegt, wird ebenfalls angepasst, um den Betroffenen die Flucht in die PKV zu versperren.

Mehr Einnahmen soll auch eine Neuregelung des pauschalen Beitrags der Arbeitgeber für Minijobber zur GKV erbringen, dessen Höhe 2006 auf den damals gültigen allgemeinen Satz von 13% festgelegt wurde. Die Kommission schlägt vor, den ermäßigten Beitragssatz und den durchschnittlichen Zusatzbeitrags zu erheben, damit würden 16,9% erreicht. Der Gesetzentwurf setzt sogar den allgemeinen Beitragssatz ein und belastet die Arbeitgeber mit 17,5%.

Für heftige politische Diskussionen sorgt die Regelung, dass zukünftig nicht erwerbstätige Ehegatten nicht mehr beitragsfrei mitversichert sein sollen. Nicht betroffen wären nur Ehegatten, die Kinder unter 7 Jahren und pflegebedürftige Familienangehörige betreuen, sowie Rentner. Der Beitragssatz soll 2,5% des beitragspflichtigen Einkommens betragen und ab 2028 gelten. Alle über der aktuellen Beitragsbemessungsgrenze verdienende Betroffene müssten entsprechend ca. 1750 Euro jährlich mehr bezahlen, Durchschnittsverdiener ca. 800 Euro. Tatsächlich betroffen sind davon aber vor allem die freiwillig Versicherten: Ein deutlich überdurchschnittlicher Anteil dieser Gruppe hatte 2024 mitversicherte Angehörige (32%), bei den Pflichtversicherten sind es nur 17% und bei den Rentnern 3,5% (mehr dazu hier).

Ganz offensichtlich haben sich die freiwillig versicherten Mitglieder bewusst für die GKV entschieden, weil sie in der PKV ihren Ehepartner für einen hohen Betrag mitversichern müssen. Ob und in welchem Umfang die Regelungen zur Beitragsbemessungsgrenze und zur Mitversicherung ausreichen, um eine Migration in die PKV auszulösen, wird sich zeigen. Auf jeden Fall erzeugt der Gesetzentwurf keine soziale Schieflage.

Der Bundeszuschuss

Die Kommission hatte kritisiert, dass der Bundeszuschuss in den Gesundheitsfonds seit 2017 auf einem Festbetrag von 14,5 Milliarden Euro verharrt und nur in den Corona-Jahren vorübergehend deutlich angehoben wurde. Demgegenüber schlägt sie vor, dass der Staat 2027 zusätzlich zu dem bestehenden Bundeszuschuss 12,5 Milliarden Euro aufzubringen hat, um versicherungsfremde Leistungen sowohl für mitversicherte Kinder als auch für die unterfinanzierte Krankenversicherung von Bürgergeldempfängern zu begleichen.

Hier zeigt der Gesetzentwurf die größte Diskrepanz zu den Empfehlungen der Kommission. Diese geht davon aus, dass Bürgergeldbezieher Kosten von durchschnittlich 400 Euro pro Monat verursachen, der Staat aber nur 144 Euro zahlt. Sie kommt daher zu dem Ergebnis, dass der Zuschuss deutlich angehoben werden muss, um diese Lasten nicht den Versicherungspflichtigen aufzubürden.

Im Gesetzentwurf wird nun aber entschieden, die Beitragszahlung für Bürgergeldempfänger in fünf (kleinen) Schritten ab dem Jahr 2027 zu erhöhen. Als Orientierung dient dabei ein fiktives Einkommen, das sich aus der Multiplikation einer Bezugsgröße (berechnet auf Basis des durchschnittlichen jährlichen Arbeitsentgelts aller Versicherten der gesetzlichen Rentenversicherung aus dem vorvergangenen Kalenderjahr) mit einem Faktor, der seit Jahren konstant war, ergibt. Prognostiziert wird, dass auf diese Weise das vom Bund getragene Beitragsaufkommen für 2027 und 2028 um 250 bzw. 500 Millionen Euro und 2029 sowie 2030 um 1 Milliarde bzw. 1,5 Milliarde ansteigt.

Zudem wird der pauschale Bundeszuschuss für versicherungsfremde Leistungen um 2 Milliarden abgesenkt. Das scheint eine radikale Abkehr von der geforderten stärkeren staatlichen Beteiligung an den Gesundheitskosten. Es lässt sich zwar dadurch begründen, dass die versicherungsfremden Leistungen in der Familienversicherung gesenkt werden. Tatsächlich trifft das für 2027 nicht zu, denn die Abschaffung der Mitversicherung für Ehegatten wird erst 2028 eingeführt.

Fazit

Dieser erste Teil der Gesundheitsreform schafft zumindest ein Bewusstsein für die Kostentreiber im Gesundheitssystem. Die Reform hat die Einnahmeorientierung der Ausgabenseite wiederbelebt, den Dschungel an Sonderregelungen gestutzt und die unzeitgemäße Familienversicherung eingeschränkt. Sie ist eine echte Alternative für die Versicherten und Arbeitgeber, die von voraussichtlich ungebremst steigenden Beiträgen massiv belastet würden.

Ein höherer Bundeszuschuss hätte die Entlastung zwar verstärkt, aber über die staatliche Beteiligung an den Krankheitskosten der Bürgergeldempfängern ist noch nicht das letzte Wort gefallen: Der GKV-Spitzenverband hat Ende 2025 Klage beim Landessozialgericht Nordrhein-Westfalen wegen der unzureichenden Finanzierung der Gesundheitsversorgung von Bürgergeld-Empfängern eingereicht. Sollte die Klage positiv für die Krankenkassen entschieden werden, müsste der Bund Milliardenbeträge zusätzlich aus Steuermitteln aufbringen.

Der vom Kabinett Ende April verabschiedete Gesetzentwurf soll noch vor der Sommerpause durch den Bundestag. Schon jetzt beginnt der politische Streit über jede einzelne Neuregelung. Ob nach der Verabschiedung noch genügend Substanz in dem Gesetz übrigbleibt, ist abzuwarten. Und Ende des Jahres sind noch größere Auseinandersetzungen zu erwarten: Dann liefert die Kommission ihren zweiten Bericht ab, der sich mit einer grundlegenden Strukturreform des Krankenversicherungssystems befasst.

 

Zur Autorin:

Susanne Erbe ist Redakteurin beim Makronom. Bis Ende 2020 war sie stellvertretende Chefredakteurin der Zeitschrift Wirtschaftsdienst.


Info: https://makronom.de/ist-eine-stabilisierung-der-krankenkassenbeitraege-moeglich-51338?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=ist-eine-stabilisierung-der-krankenkassenbeitraege-moeglich


unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

13.05.2026

Wirtschaftskrieg
Neues vom Wirtschaftskrieg (295): Trump braucht Deals mit China

lostineu.eu, 13. Mai 2026

Die EU sieht nach 20 Sanktionspaketen endlich Wirkung in Russland – und plant gleich das 21. Paket. China verurteilt US-Sanktionen in Sachen Iran. Und US-Präsident Trump braucht Deals mit China, um sein Scheitern in Iran zu bemänteln.

  • Trump braucht Deals mit China: A quagmire in Iran, sky-high oil prices and shrinking support at home: when US President Donald Trump belatedly travels to China this week, his position has weakened. Still, he is hoping for any deal. Nervous Europeans are watching. (…) To emphasize that he means business, the US president will be flanked in China by 16 chief executives (…). Among them is Tesla and SpaceX boss Elon Musk – the latest sign that the richest person on the planet has mended fences with Trump, after a very public falling out a year ago. The delegation appears focused on sectors where Washington and Beijing could strike concrete deals: aviation (Boeing), tech (Apple, Meta), finance (Citi, Goldman Sachs), agriculture (Cargill) and semiconductors (Qualcomm). 
  • Ein Sumpf im Iran, himmelhohe Ölpreise und schwindende Unterstützung im eigenen Land: Wenn US-Präsident Donald Trump diese Woche verspätet nach China reist, ist seine Position geschwächt. Dennoch hofft er auf irgendeine Einigung. Nervöse Europäer beobachten die Lage. (…) Um zu unterstreichen, dass er es ernst meint, wird der US-Präsident in China von 16 Unternehmenschefs begleitet (…). Unter ihnen ist auch Tesla- und SpaceX-Chef Elon Musk – das jüngste Zeichen dafür, dass der reichste Mensch der Welt sich mit Trump versöhnt hat, nachdem es vor einem Jahr zu einem sehr öffentlichen Zerwürfnis gekommen war. Die Delegation scheint sich auf Sektoren zu konzentrieren, in denen Washington und Peking konkrete Vereinbarungen treffen könnten: Luftfahrt (Boeing), Technologie (Apple, Meta), Finanzen (Citi, Goldman Sachs), Landwirtschaft (Cargill) und Halbleiter (Qualcomm).
    Übersetzt mit DeepL.com (kostenlose Version)
  • Die EU schaut gebannt zu, denn sie kann eigentlich nur verlieren. Wenn Trump mit Xi neue Deals macht, gehen den Europäern gute Geschäfte verloren. Wenn es zu einem neuen Zollstreit kommt, geht dies auch zulasten der EU. Von der Leyen & Co. haben sich, im Gefolge von Ex-Präsident Biden, falsch positioniert…
  • China verurteilt US-Sanktionen in Sachen Iran: China hat entschiedenen Widerstand gegen US-Sanktionen gegen drei in China ansässige Unternehmen geäußert. Washington wirft diesen vor, militärische Operationen des Irans unterstützt zu haben. Peking bezeichnete die Beschränkungen als illegal und einseitig. ‘Wir haben chinesische Unternehmen stets dazu angehalten, ihre Geschäfte im Einklang mit Gesetzen und Vorschriften zu führen, und werden die legitimen Rechte und Interessen chinesischer Unternehmen entschlossen schützen’, erklärte ein Sprecher (MarketScreener) Auch die EU hat Sanktionen gegen chinesische Unternehmen verhängt – wegen Russland. Noch gab es nicht viel Gegenwehr, aber das kann sich ändern…
  • EU sieht Wirkung von 20 Sanktionspaketen – und plant schon das 21. After 20 rounds of economic sanctions, carefully designed to inflict the maximum pain, the ultimate goal remains stubbornly elusive. Moscow continues its brutal bombardment and refuses to make one single concession at the negotiating table. And yet, there is a sense of vindication. In the past few months, growing signs of strain in the Russian economy have begun to tarnish the image of invincibility that the Kremlin projects in defiance of the West (Euronews)   Nach 20 Runden von Wirtschaftssanktionen, die sorgfältig darauf ausgelegt waren, größtmöglichen Schaden anzurichten, bleibt das eigentliche Ziel hartnäckig unerreichbar. Moskau setzt seine brutalen Bombardements fort und weigert sich, am Verhandlungstisch auch nur das geringste Zugeständnis zu machen. Und doch macht sich ein Gefühl der Genugtuung breit. In den letzten Monaten haben zunehmende Anzeichen für Belastungen in der russischen Wirtschaft begonnen, das Bild der Unbesiegbarkeit zu trüben, das der Kreml trotz aller Widerstände des Westens zu vermitteln versucht (Euronews) Übersetzt mit DeepL.com (kostenlose Version) Schwächeres Wachstum und hohe Inflation plagen Russland – doch das kennen wir in Deutschland auch. Weil sich die EU ihrer Sache nicht sicher ist, plant sie gleich das 21. Strafpaket, für Ende Juni / Anfang Juli.

Mehr zum Wirtschaftskrieg hier

Kurzfassung mit KIClaudePerplexityChatGPT

2 Comments

  1. Arthur Dent
    13. Mai 2026 @ 17:44

    Er wird die Deals schon bekommen. China gewinnt Zeit, die wissen ganz genau, wo ihre Interessen liegen.

Antworten

  • KK
    13. Mai 2026 @ 13:27

    Wir haben früher auch Pakete in den Osten geschickt… da waren aber nützliche Sachen für unsere Verwandten drin – und nicht jedesmal neue, schärfere Wirtschaftskriegserklärungen!

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    Selenskyjs Übermut wird zur Gefahr für EUropa


    lostineu.eu, 13. Mai 2026

    Nach einem harten Kriegswinter steht die Ukraine wieder besser da. Präsident Selenskyj wähnt sich auf der Siegerstraße – doch er ist im Begriff, sein Blatt zu überreißen.

    Für Wolodymyr Selenskyj könnte es kaum besser laufen. Die “New York Times” hat den Präsidenten der Ukraine im fünften Kriegsjahr zum “neuen Führer der freien Welt” ausgerufen, Kanzler Merz hat ihn zum “strategischen Partner” erklärt, die EU hat 90 Mrd. Euro versprochen – ohne Auflagen und ohne effiziente Kontrolle.

    Selenskyj fühlt sich so stark, daß er seinen russischen Gegenspieler Putin herausfordert. Erst erklärte er die Mai-Parade in Moskau zum möglichen Ziel für ukrainische Angriffe und riet ausländischen Staatsgästen von der Teilnahme ab. Dann tat er so, als habe er Putin höchstpersönlich die Genehmigung erteilt, die Parade zum Sieg über Nazideutschland doch noch abzuhalten!

    Die Wirklichkeit sieht anders aus. Es war US-Präsident Trump, der eine dreitägige Waffenruhe erzwungen hat – offenbar wollte er eine Eskalation vermeiden. Die USA haben die Ukraine auch mehrfach ermahnt, ihre Angriffe auf russische Energieanlagen einzustellen, da diese die globale Energiekrise anheizen. US-Sanktionen gegen Russland wurden ausgesetzt.

    “Beziehungen auf dem Tiefpunkt”

    Gegenwind kommt auch aus der EU. Beim letzten EU-Gipfel holte sich Selenskyj eine blutige Nase, als er zum x-ten Male versuchte, einen Blitzbeitritt seines Landes zu erzwingen. Sogar Kanzler Merz platzte der Kragen. “Relations are tense at the moment and probably at their lowest wartime point between Kyiv and Brussels,” heißt es in der US-Ausgabe von “Politico”.

    Die Europäer seien es leid, sich Selenskyjs Belehrungen anzuhören, schreibt das US-Magazin. Zuletzt hatte Selenskyj verkündet, neben der Ukraine müssten auch gleich noch die Türkei und Großbritannien aufgenommen werden, um gegen Russland zu bestehen. Der Mann fühlt sich offenbar nicht nur als Verteidiger, sondern sogar als Vordenker für ganz EUropa!

    In Wahrheit gefährdet Selenskyjs Übermut mittlerweile nicht nur die EU, die sich für die Ukraine verschulden mußte, sondern auch die Nato. Seine Drohnen-Angriffe auf Russland strahlen immer öfter auf Nato-Gebiet aus, wenn sie nicht direkt über Nato-Länder geführt werden. Finnland hat lautstark protestiert, in Lettland mußte der Verteidigungsminister zurücktreten.

    Weiterlesen hier (Paywall). Siehe auch Schwere Vorwürfe gegen Selenskyj und seinen Ex-Stabschef

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    4 Comments

    1. Monika
      13. Mai 2026 @ 12:03

      Wenn er eine Gefahr wäre, würde ihr MAN doch aus dem Weg gehen. Oder sie gar ausschalten. MAN befeuert das Ganze aber auf Kosten der Weltbevölkerung.
      Das kann MAN unbeschadet, weil “Bevölkerung” gibt es mehr als genug, das haben diese habenden MANs schon seit jeher so gesehen. Einmal Elite immer Elite. Die Eliten bekämpfen sich stets auf Kosten der Arbeits-Soldaten, nur wessen Vermögen ohne eigenes Zutun unaufhörlich und “krisensicher” wächst, gehört zu den Goldärschen.
      Muss Volk sich damit abfinden, und hoffen, das eigene Leben ist kurz genug, um möglichst schmerzfrei durchzukommen.
      Braucht sich Volk doch nur als willkürliches Beispiel (weil mch China gerade auf Grund einer Reiseerfahrung besonders interessiert) in arte Chinesische Geschichte 1-3 anzusehen…

    Antworten

    • KK
      13. Mai 2026 @ 13:32

      Der Teufel scheisst immer auf den dicksten Haufen. Leider erstickt an der ganzen Scheisse nicht der dickste Haufen, sondern nur alles drumherum…

      Antworten

  • Monika
    13. Mai 2026 @ 11:51

    Es scheint genügend Menschen (?) zu geben, die an einem ungebremsten Weiterso interessiert sind. Sonst könnte man ja diesen Tumor aus dem “gesunden(?)” Volkskörper entfernen …

    Antworten

  • KK
    13. Mai 2026 @ 00:18

    “Die “New York Times” hat den Präsidenten der Ukraine im fünften Kriegsjahr zum “neuen Führer der freien Welt” ausgerufen”

    Das letzte Mal, als ein US-Blatt einen Grössenwahnsinnigen vergleichbar gehuldigt und zum “Man Of The Year” gekürt hatte, hat der im Jahr darauf einen Weltkrieg angefangen!

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    Korruption und Krieg: Schwere Vorwürfe gegen Selenskyj und Jermak 


    lostineu.eu, vom 12. Mai 2026

    Während die EU die Auszahlung von 90 Mrd. Euro an Kiew vorbereitet, werden neue schwere Vorwürfe gegen Präsident Selenskyj und seinen Ex-Stabschef Jermak laut. Brüssel schaut weg.

    Erst erhob Selenskyjs ehemalige Pressesprecherin J. Mendel schwere Vorwürfe gegen Selenskyj. In einem Interview mit Tucker Carlson (zu finden auf X) sagte sie u.a.:

    • Selenskyj habe in den Friedensverhandlungen in Istanbul 2022 persönlich einem Verzicht auf den Donbass zugestimmt. Heute will er davon nichts mehr wissen – und blockiert wegen der Donbass-Frage eine Verhandlungslösung.
    • Er profitiere politisch vom Krieg und wolle ihn deshalb nicht beenden. Vor allem Deutschland und die EU stützen Selenskyj ohne Vorbehalte, obwohl es in der Ukraine eine wachsende Opposition gibt.
    • Er sei „emotional außer Kontrolle“ und als Mensch nicht authentisch. Sie deutet zudem an, es habe Drogenkonsum und korrupte Praktiken in seinem Umfeld gegeben.

    Dann teilte das Nationale Antikorruptionsbüro (Nabu) in Kiew mit, es habe eine “organisierte Gruppe” enttarnt, die umgerechnet 8,9 Mill. Euro “über ein Luxusbauprojekt in der Nähe von Kiew gewaschen” habe.

    Die Ermittlungen konzentrieren sich auf Selenskyjs ehemaligen Stabschef Jermak. Insgesamt gehe es um sechs Personen, darunter einen früheren stellvertretenden Ministerpräsidenten.

    Semen Kryvonos, NABU’s director, told reporters today the probe spanned the energy and defence sectors and that numerous Ukrainian weapons manufacturers, including drone companies, were under investigation for alleged corruption. Financial Times


    Semen Kryvonos, Direktor der NABU, erklärte heute gegenüber Reportern, die Ermittlungen erstreckten sich auf den Energie- und den Verteidigungssektor und dass gegen zahlreiche ukrainische Waffenhersteller, darunter auch Drohnenhersteller, wegen mutmaßlicher Korruption ermittelt werde. Financial Times

    Gegen den Präsidenten wird zwar (noch) nicht ermittelt. Doch mittlerweile steht sein früheres Umfeld sowie die Energie- und Rüstungsindustrie unter Korruptionsverdacht. Normalerweise müßte dafür auch der Chef geradestehen.

    Doch der tut so, als wüßte er von nichts. Dasselbe gilt für die EU: Die EU-Kommission, die die Auszahlung eines Kriegskredits von 90 Mrd. Euro vorbereitet, hielt es nichtmal für nötig, auf die Nabu-Ermittlungen einzugehen…

    Siehe auch “Ukraine: 90 Mrd. Euro auf Pump – ohne effektive Kontrolle” sowie “Selenskyjs Übermut wird zur Gefahr für EUropa”

    P.S. Der frühere Moskau-Korrespondent Ben Aris hat ein Transkript des Interviews mit J. Mendel angefertigt. Darin spricht sie mit T. Carlson u.a. über Selenskyj, den Krieg und die Korruption. Der Text steht hier – leider nur auf Englisch!

    P.P.S: Das “Minditschgate” setzt auch Selenskyj unter Druck, schreibt n-tv. Bei den Ermittlungen gegen den früheren Präsidentenberater Jermak gehe es unter anderem um vier Häuser, von denen eines für einen gewissen “Wowa” gedacht war. Geht es um Selenskyj?

    Kurzfassung mit KIClaudePerplexityChatGPT

    11 Comments

    1. Arthur Dent
      13. Mai 2026 @ 17:36

      Wo viel Geld, da ist die Korruption nicht weit. Der Steuerzahler muss übers Ohr gehauen werden. Das ist geradezu Pflicht.
      Und geht ganz einfach. Mit Hilfe staatlicher Verschuldung (obwohl immer das Gegenteil gepredigt wird) werden Einkommen von den einfachen Steuerzahlern zu den reichen Bondholdern nach oben verschoben.
      Der einfache (deutsche) Steuerzahler braucht die stärkste konventionelle Armee Europas nicht. Wozu denn?

    Antworten

  • Monika
    13. Mai 2026 @ 11:47

    Dass Selenskyj und seine Entourage zu den Korruptesten unter den politischen “Führern” gehören ist, glaube ich, längst hinlänglich genug bewiesen. Ich frage mich warum diesem Korruptsein derzeit mal wieder ein so hoher medialer Wert begemessen wird. Ratte bleibt Ratte.
    Gerade kein wichtigerer Aufreger in Sichtweite?
    Worin liegt der Informationswert dieser “Nachricht”?
    Soll sich der Bürger, aus dessen Arbeit/Vermögen/Unfähigkeit etwas daran zu ändern all diese Gelder abgezogen werden damit durch wildes mit den Augen rollen abreagieren?
    Die Menschen und Politiker, die aktiv daran etwas ändern könnten und es dann auch wollten, müssen wohl erst noch geboren werden…

    Antworten

    • ebo
      13. Mai 2026 @ 11:55

      Neu ist, daß die Ermittler sich den ukrainischen Energie- und Rüstungssektor vornehmen – in dem Moment, da Pistorius die Ukraine mit deutscher Hilfe aufrüsten will. Neu ist auch, daß Selenskyj 2022 offenbar bereit war, den Donbass abzutreten – daran scheitern jetzt die Friedensgespräche

      Antworten

      • Monika
        13. Mai 2026 @ 12:05

        danke ebo für den Schimmer von Hoffnung, dieser schlimmsten aller Geisteskrankheiten.

  • Helmut Höft
    13. Mai 2026 @ 11:28

    Nachsatz (sry):
    Im (distanzierten) Artikel der BZ kommt allerdings auch zur Sprache, dass Frau Mendel einen eigenen Acker bestellen könnte …? (siehe ibs. die letzten Absätze)

    “Nobody knows, the trouble I’ve seen, nobody knows, nobody …” … and now I’m telling you!

    Bisher waren alle Berichte(!) für jede Geschmacksrichtung zu haben! Was sagt und das? * hm?_grübel_grübel * Dass Wolodymyr Elendskyj in irgendwelchen (Pandora?) Papers stand (angeblich mit “Off-Shore” gebunkerten 40 mio US$) ist ja auch kalter Kaffee. Es ist immer problematisch, wenn man zu nahe an den Oligarchen haust – z. B. dem Selenskyj-Förderer Ihor Kolomojskyj. In diesen Kreisen gilt nun mal: “Manus manum lavat” (unter Rheinländern: “Merr kennt sisch, merr hilft sisch!” 😉 )

    Und in D möchte man den Sozialhaushalt und die Rente klein halten, damit die Renten- und Leistungsmpfänger nicht die Kohle in die Steeueroasen verschleppen! m( * sprachlos *

    Antworten

  • Andreas
    12. Mai 2026 @ 20:14

    Leute ! das Interview bei Tucker Carlson auf X hier im link unbedingt angucken
    Info
    https://en.wikipedia.org/wiki/Iuliia_Mendel

    Antworten

    • ebo
      12. Mai 2026 @ 20:46

      Falscher Link, das hier sollte der richtige sein: https://x.com/TuckerCarlson/status/2053883236984520746

      Antworten

    • Helmut Höft
      13. Mai 2026 @ 11:03

      Danke für den Hinweis @Andreas, @ebo. Die Dinge sind bekannt (siehe hierzu auch die BZ “Korruption und Drogen: Ex-Selenskyj-Sprecherin erhebt schwere Vorwürfe gegen Kiewer Führung “ https://archive.ph/NNP94 – es gab schon Meldung davor).

      Das Ganze ist “trumpesk”: Man weiß, dass die Zeit am Ruder irgendwann abläuft und sorgt – ganz merzmäßig – für die Rente vor! * kotz * Oder ist es “auch nur” ein Elitenproblem? Man kann, also tut man; im Klub der Kleptokraten isses doch ganz kuschelig, oder?

      Nachsatz: Korruption, Lügen, Betrug wo gibt es da ein wärmeres Plätzchen als in größter €U-Nähe, ganz dicht bei der Europäischen Kommission, ganz dicht bei “Röschen”??

      Antworten

  • Erneuerung
    12. Mai 2026 @ 17:40

    Noch habe ich die Freiheit, Menschen so zu betrachten, wie sie sich geben und mir dazu eine Meinung zu bilden. Und nach dieser meiner Meinung zählen folgende Personen für mich nicht zur entwickelten, auf Verständigung und Bildung basierenden, Menschheit (Auszug): Netanjahu und sein komplettes Kabinett, Selenskyj, Trump, vdL, Hegseth, Wadephul, Zimmermann …. .
    Weiterhin gibt es für mich noch eine Kategorie Bücklinge, die menschlich schwach sind und ausschlieslich zum Nutzen ihrer Gönner agieren, ohne breiten Bevölkerungskreisen zu dienen, dazu zähle ich (Auszug): Merz, Macron, Starmer, Tusk,…. .
    Nicht einordnen kann ich z.B. Meloni, Modi und Sanchez. Es gibt bei diesen Personen positive und negative Signale.
    Aber das dürfte für die deutsche, europäische und Weltpolitik vollkommen unwichtig sein, wer bin ich schon. Aber ich bin stolz auf mein Gewissen und mein Handeln, was ich oben genannten Personen nicht zustehen möchte.

    Antworten

  • KK
    12. Mai 2026 @ 16:28

    “Gegen den Präsidenten wird zwar (noch) nicht ermittelt. Doch mittlerweile steht fast sein gesamtes früheres Umfeld unter Korruptionsverdacht.”

    Ich halte es nicht für ausgeschlossen, dass persönliche Bereicherung der Hauptgrund für Selenskyjs Kandidatur gewesen ist… als Schauspieler hätte er für ein vergleichbares Einkommen wohl mehrere Leben arbeiten müssen, auch wenn er in den Panama-Papers schon mit rund 40 Millionen $ auf Off-Shore-Konten aufgetaucht sein soll. Aber das sind für einen Präsidenten eines der korruptesten Länder der Welt ganz sicher nur die sprichwörtlichen Peanuts.

    Antworten

    • Karl
      13. Mai 2026 @ 12:22

      KK im täglichen Rattenrennen auf der Suche nach “dem Guten” im Menschen. Als ob es an den Menschen läge! Als ob ein besser konditionierter Mensch immun gegen “das Böse” wäre. Als ob ein besserer Mensch und nicht in besseres politisches System die Lösung wäre… So lautet der Schlusssatz von ‘Der gute Mensch von Sezuan’ des Bert Brecht:
      “Verehrtes Publikum, los, such dir selbst den Schluss! / Es muss ein guter da sein, MUSS, MUSS, MUSS!”.

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    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    13.05.2026

    Nachrichten von Pressenza: Auch die UBS ist Finanzierer von Atomwaffen

    aus e-mail von  <newsletter@pressenza.com>, 13. Mai 2026, 7.15 Uhr


    Nachrichten von Pressenza - 13.05.2026
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    Pressenza
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    13.05.2026

    Kampf um die Commerzbank   Die italienische UniCredit treibt ihre Übernahmepläne für die Commerzbank voran, die für den deutschen Mittelstand zentrale Bedeutung besitzt. Der Konflikt betrifft auch die Kontrolle strategischer Finanzstrukturen in Europa.

    german-foreign-policy.com, 13. Mai 2026

    BERLIN/ROM (Eigener Bericht) – Der Übernahmekampf um die Commerzbank entwickelt sich zu einem politischen Konflikt um die Zukunft des europäischen Finanzsystems. Während die italienische Großbank UniCredit ihren Anteil an der Commerzbank immer weiter ausbaut und sich mittlerweile bereits Zugriff auf rund 35 Prozent der Aktien sichern könnte, wächst in Berlin der Widerstand gegen eine vollständige Übernahme des deutschen Traditionskonzerns. Bundesregierung und Bankführung warnen vor einem Verlust der strategischen Kontrolle über eines der wichtigsten Finanzinstitute des deutschen Mittelstands. In Italien hingegen wird die geplante Übernahme offensiv als Schritt hin zu europäischen Finanzgiganten verteidigt, die im globalen Konkurrenzkampf mit Banken aus den USA und China bestehen sollen. Hinter dem Konflikt steht damit nicht nur ein Machtkampf um die Commerzbank, sondern zugleich die Frage, wie weit die Integration der europäischen Finanzmärkte künftig vorangetrieben werden soll – und ob nationale Regierungen dabei überhaupt noch Kontrolle über zentrale Finanzstrukturen behalten.


    Zitat: Der Einstieg der UniCredit

    Die Commerzbank wurde während der globalen Finanzkrise im Jahr 2008 durch die Bundesregierung mit Milliarden an Steuergeldern vor der Insolvenz bewahrt. Seither war der deutsche Staat mit 25 Prozent an ihr beteiligt. 2024 kündigte der damalige Finanzminister Christian Lindner (FDP) an, 4,49 Prozent der Commerzbank-Aktien zu verkaufen. Damals hieß es, die Staatsbeteiligung sei „auf Dauer nicht nötig“, da sich die Bank gut entwickelt habe. Sehr schnell stieg die italienische UniCredit ein. Nach aktuellen Angaben kontrolliert die Großbank inzwischen 29,99 Prozent der Commerzbank-Anteile. Der deutsche Staat ist mit immer noch 12 Prozent zweitgrößter Anteilseigner und kontrolliert mit zwei Vertretern im Aufsichtsrat die Geschicke des Finanzinstituts.[1]


    Die italienische Großbank greift an

    Die UniCredit will nun die 30-Prozent-Schwelle durch ein freiwilliges Übernahmeangebot in eigenen Aktien überschreiten. Sobald Unternehmen mehr als 30 Prozent an einer börsennotierten deutschen Firma halten, müssen sie nach dem Wertpapierhandelsgesetz ein solches freiwilliges Übernahmeangebot vorlegen. Danach können sie ohne weitere Auflagen zusätzliche Wertpapiere der Firma erwerben.[2] Unicredit-Chef Andrea Orcel wirbt seit anderthalb Jahren für eine Fusion der beiden Banken. Sein Argument: Durch den Zusammenschluss entstünde eine in Deutschland und Europa führende Bank.[3]


    „Erst Bankenunion, dann Bankenfusion“

    Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp positioniert sich gegen die Übernahme, plädiert für die Beibehaltung der Eigenständigkeit des Kreditinstituts und verweist auf dessen Bedeutung für den deutschen Mittelstand, dessen Finanzierung stark von der Commerzbank getragen wird.[4] Auch die Bundesregierung lehnt das Vorgehen der UniCredit ab; „eine feindliche Übernahme“ sei „nicht akzeptabel“, heißt es im Bundesfinanzministerium. Bereits im September vergangenen Jahres hatte UniCredit-Chef Orcel erklärt, die Haltung der Bundesregierung sei ein „kritischer Faktor – aber nicht der alleinige Faktor“. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) haben mittlerweile explizit bekräftigt, Berlin lehne eine Übernahme strikt ab.[5] Im April erklärte Merz auf dem Jahresempfang des Bundesverbandes deutscher Banken: „Wir brauchen große Banken in Europa, aber lassen Sie mich aus aktuellem Anlass eines auch sehr klar sagen: Dies bedeutet nicht, dass jede Form und jede Art der Übernahme in Deutschland willkommen ist.“[6] Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Commerzbank, Michael Kotzbauer, fordert zudem, einer grenzüberschreitenden Fusion von Großbanken müsse die EU-Bankenunion vorausgehen: „Für eine echte grenzüberschreitende europäische Bankenfusion fordern wir seit Längerem eine europäische Kapitalmarktunion und eine Bankenunion“, erklärte Kotzbauer; eine Bankenübernahme aber werde „keine politischen Blockaden bei der Bankenunion“ lösen. Es müsse gelten: „Erst Bankenunion, dann Bankenfusion.“[7]


    Die Bankenunion als Machtfrage

    In Italien hingegen wird die Übernahme von Politik und Finanzwelt weithin befürwortet und nicht von einer vorherigen EU-Bankenunion abhängig gemacht. So erklärt Finanzminister Giancarlo Giorgetti, er sehe „bedeutende wirtschaftliche Argumente“ für das Vorhaben. „Der Deal ist im Interesse der gesamten EU, weil er das europäische Finanzsystem zum Wohle der einzelnen Länder stärken würde“, urteilt Stefano Caselli, Direktor der SDA Bocconi School of Management in Mailand. Caselli vertritt die Auffassung, die Fusion sei wichtiger als nationale Interessen, da die Mitgliedstaaten sonst in der internationalen Konkurrenz an Bedeutung verlören: „Sonst ist das Risiko groß, dass uns die USA und China erdrücken werden.“ Marcello Messori, Ökonom am Schuman Centre des European University Institute in Fiesole (Florenz), dringt darauf, die Integration der Finanzmärkte in der EU voranzutreiben: „Im Gegensatz zu den USA hängt die Finanzierung der Realwirtschaft in Europa nach wie vor weitgehend vom Bankensystem ab.“[8] UniCredit-Chef Orcel verweist ebenfalls auf die zentrale Rolle starker Kreditinstitute: „Wir [können] ohne große Banken die Transformation nicht finanzieren.“ Orcel ergänzt mit Blick auf die internationale Konkurrenz: „Ohne finanzielle Muskelkraft können wir nicht mit den USA oder China konkurrieren. Europa nimmt im Moment fälschlicherweise an, dass wir diese Transformation mit staatlicher Unterstützung alleine schaffen können.“[9]


    Angriff auf den deutschen Mittelstand

    Für Berlin wiegt die nationale Kontrolle über die Commerzbank auch insofern schwer, als das Kreditinstitut, wie sein Vizechef Kotzbauer konstatiert, auf eine starke internationale Präsenz setzt, um „die Brücke von unseren Heimatmärkten […] in die Welt und zurück zu bauen – gerade für den so wichtigen Mittelstand.“ Die Commerzbank betreibt mit Standorten in über 40 Ländern ein internationales Netzwerk aus Niederlassungen und Repräsentanzen, das für deutsche Mittelständler in der Tat äußerst nützlich ist.[10] UniCredit-Chef Orcel hingegen kündigte für den Fall einer Übernahme bereits ein Restrukturierungsprogramm für die Commerzbank an, durch das die Kosten bis 2028 um 1,3 Milliarden Euro gesenkt werden sollen. In Deutschland ist die Befürchtung verbreitet, unter harten Einschnitten im Auslandsnetz könne – so ließ sich kürzlich ein bedeutender Aktionär der Bank zitieren – letztlich das deutsche Mittelstandsgeschäft leiden.[11] In der Tat strebt die UniCredit danach, die Commerzbank solle ihren Fokus stärker auf Deutschland und Polen richten und gleichzeitig ihre internationalen Aktivitäten zurückfahren. Das internationale Netzwerk sei „überdimensioniert, fragmentiert, risikoreich, operativ komplex und ineffizient“.[12] Commerzbank-Chefin Orlopp verwahrte sich dagegen: „Wir verstehen nicht, dass Unicredit unser Geschäftsmodell nicht versteht. Es gab zehn Gespräche“.[13]


    Machtkampf um den Aufsichtsrat

    Wie vor wenigen Tagen bekannt wurde, hat sich die UniCredit bereits Zugriff auf mehr Commerzbank-Aktien gesichert als bislang angenommen. Die italienische Bank verfügt über eine bis Juli 2027 laufende Swap-Vereinbarung mit der japanischen Bank Nomura. Dadurch kann sich die UniCredit Zugriff auf weitere 5,56 Prozent der Commerzbank-Aktien verschaffen. Nach Angaben der Commerzbank hält die UniCredit aktuell bereits einen Aktienbestand von 26,77 Prozent und verfügt über Long-Derivate im Umfang von weiteren 5,87 Prozent. Durch den Nomura-Deal käme die UniCredit damit auf rund 35 Prozent der Commerzbank-Anteile. Damit dürfte sie bei der bevorstehenden Hauptversammlung am 20. Mai über eine Mehrheit verfügen, mit der sie eigene Aufsichtsräte zur Wahl stellen könnte. Bislang beteuert die italienische Bank, sie habe dies nicht vor. Mit der Swap-Vereinbarung strebe sie auch keine Kontrolle über die Commerzbank an. Die Äußerung ist allerdings nicht geeignet, Zweifel auf deutscher Seite zu beseitigen. SPD-Politiker ziehen bereits eine Aufstockung des verbliebenen Staatsanteils an der Commerzbank von zwölf Prozent in Betracht, um der UniCredit etwas entgegenzusetzen. Noch überwiegt Ablehnung gegenüber der Maßnahme; so erklärt der stellvertretende SPD-Fraktionschef im Bundestag, Armand Zorn: „Dieser Schritt wäre für ein stabiles, profitables Unternehmen sehr ungewöhnlich. Er sollte zwar geprüft werden, aber eher als ‚ultima ratio‘ betrachtet werden, wenn alle anderen Optionen scheitern.“[14] Dass Letzteres eintritt, lässt sich freilich nicht ausschließen.

     

    [1] Showdown im Ringen um die Commerzbank. handelsblatt.com 04.05.2026.

    [2] Andreas Kröner, Jan Hildebrand: Bank-Chefin Bettina Orlopp kritisiert neues Unicredit-Angebot. handelsblatt.com 16.03.2026.

    [3] Andreas Kröner: Unicredit sieht erhebliche Risiken bei einer Übernahme. handelsblatt.com 04.05.2026.

    [4] Virginia Kirst, Andreas Kröner: Italienische Ökonomen unterstützen Unicredit-Vorstoß. handelsblatt.com 23.04.2026.

    [5] Jakob Blume, Andreas Kröner: Orcel hält sich für Commerzbank-Übernahme alle Optionen offen. handelsblatt.com 04.09.2025.

    [6] Unicredit legt nach: scharfe Kritik an Commerzbank-Modell. handelsblatt.com 21.04.2026.

    [7] Hanno Mußler, Inken Schönauer: „Unicredits Plan zerlegt die Commerzbank“. faz.net 04.05.2026.

    [8] Virginia Kirst, Andreas Kröner: Italienische Ökonomen unterstützen Unicredit-Vorstoß. handelsblatt.com 23.04.2026.

    [9] Inken Schönauer: „Der Prozess ist nicht mehr aufzuhalten“. faz.net 29.04.2026.

    [10] Hanno Mußler, Inken Schönauer: „Unicredits Plan zerlegt die Commerzbank“. faz.net 04.05.2026.

    [11] Andreas Kröner: Vorstandschefin Orlopp plant weiteren Stellenabbau. handelsblatt.com 24.04.2026.

    [12] Unicredit legt nach: scharfe Kritik an Commerzbank-Modell. handelsblatt.com 21.04.2026.

    [13] Hanno Mußler, Inken Schönauer, Christian Schubert, Manfred Schäfers: Endspiel um die Commerzbank. faz.net 05.05.2026.

    [14] Unicredit rückt in Übernahmekampf vor. Frankfurter Allgemeine Zeitung 07.05.2026.


    Info: https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/10401


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.


    unser weiterer Kommentar: Was wenn Persönlichkeiten wie Christian Lindner und ebenso BlackRock Friedrich Merz nebst weiteren Akteuren, in ihren jeweilig innehabenden Funktionen und Kontakten zur internationalen Versicherungs-, Banken- und Finanzmarktindustrie, nachhaltig vereint zu den "Verwesern unseres Sozialstaates und folglich unseres Gemeinwohls" zu zählen sind? 


    Die Nachhaltigkeit der Zeitenwende

    Einen sog. Privatisierungsrat hatte die FDP meines Wissens bereits vor Jahrzehnten eingerichtet. Ebenso wie aus selbiger Partei heraus, bereits vor Jahrzehnten die Abschaffung der Grundgesetzartikel 20, zum Glück bisher erfolglos, beabsichtigt worden war. Oder auch Herr Dirk Niebel (ebenfalls FDP), der das Entwicklungshilfeministerium abzuschaffen gedachte und bereits im Vorfeld dergleiche Dienste zusammengeführt hatte.) Selbiger ist langjährig auch Vorstandsberater der Rheinmetall AG.


    Die SPD unterstützt m. E. derzeit bereits widerwillig eine als Koalitionsvertrag apostrophierte Minderheitsregierung der Union. Und falls diese sich nicht hält, folgt womöglich eine Keniakoalition (schwarz/rot/grün), in der die internen Spannungen nicht minder deutlich sein werden.   Thomas Bauer

    12.05.2026

    Gesetzentwurf Hessen zur Staatsräson

    aus e-mail von Karin Gerlich, 12. Mai 2026, 12:52 Uhr

    Denn Hessen will die deutsche Staatsräson im deutschen Strafgesetzbuch verankern (https://hessen.de/presse/gesetzentwurf-zur-leugnung-des-existenzrechts-israels-vorgestellt). Wie angekündigt, brachte die CDU-SPD-Landesregierung ihren Gesetzentwurf am Freitag im Bundesrat (

    https://www.bundesrat.de/SharedDocs/TO/1065/tagesordnung-1065.html?)

    ein. Wer "das Existenzrecht Israels leugnet", soll bis zu fünf Jahre ins Gefängnis wandern oder Geldstrafe zahlen.


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    12.05.2026

    Israel verzichtet auf US-Militärhilfen in Milliardenhöhe

    aus e-mail von Karin Gerlich, 12. Mai 2026, 12:44 Uhr


    hier eine sehr aufschlußreiche Weiterleitung



    -------- Weitergeleitete Nachricht --------

    Betreff:Israel verzichtet auf US-Militärhilfen in Milliardenhöhe
    Datum:Mon, 11 May 2026 16:45:54 +0200
    Von:

    Ostdeutsche Allgemeine 11.05.20226

    Israel kehrt seinem großen Bruder den Rücken und verzichtet auf US-Militärhilfen in Milliardenhöhe

    Netanjahu will die Militärhilfen der USA auf null reduzieren. Der Plan: die Golfstaaten als neue Partner. Doch ein Schwergewicht hält Abstand. Eine Analyse von Luise Evers

    Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu erklärte am Sonntag beim amerikanischen Sender CBS, er wolle die Militärhilfen der USA schrittweise auf null reduzieren. „Ich will nicht auf den nächsten Kongress warten. Ich will jetzt anfangen“, sagte er bei „60 Minutes“.

    Das Ziel ist nicht neu, aber die Dringlichkeit schon. Bereits im Januar hatte Netanjahu der Zeitschrift Economist gesagt, er wolle die Hilfen binnen zehn Jahren komplett abbauen. Auf die Nachfrage, ob das wirklich null bedeute, antwortete er: „Ja.“

    Was steht auf dem Spiel? Derzeit überweisen die USA Israel jedes Jahr 3,8 Milliarden Dollar, ausschließlich für Militärausgaben. Grundlage ist ein Abkommen aus dem Jahr 2016, das insgesamt 38 Milliarden Dollar bis 2028 vorsieht. Es ist das größte Militärhilfepaket, das die USA je mit einem anderen Land vereinbart haben. Netanjahu will es nicht verlängern.

    Seine Begründung: Israel sei stark genug, um auf eigenen Beinen zu stehen. Das Land hat seine Rüstungsindustrie in den vergangenen Jahren massiv ausgebaut, von Drohnen über Raketenabwehr bis hin zu Militärsoftware.

    Peanuts aus Washington

    Nach Angaben der Knesset hat Israel für 2026 einen Verteidigungshaushalt von rund 44,8 Milliarden Dollar verabschiedet. Das Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI) dokumentiert zudem, dass Israels Militärausgaben seit 2022 um mehr als 90 Prozent gestiegen sind, der größte Anstieg aller Länder weltweit. Die amerikanische Hilfe von 3,8 Milliarden Dollar entspricht damit weniger als neun Prozent dessen, was Israel bereits selbst für seine Verteidigung ausgibt, wie das Magazin The Hill berechnet.

    Hinzu kommt ein strukturelles Problem mit dem Abkommen selbst. Unter dem Memorandum von 2016 muss Israel bis 2028 100 Prozent der Hilfsgelder bei amerikanischen Rüstungsunternehmen ausgeben. Frühere Regelungen hatten noch erlaubt, einen Teil davon in die eigene Industrie zu investieren. Reem Aminoach, die frühere Finanzberaterin der israelischen Armee, hatte das Abkommen deshalb stets kritisiert: Die Hilfe komme Israel zwar zugute, schade aber gleichzeitig der eigenen Rüstungsindustrie.

    Die VAE als Testballon

    Als Ersatz setzt Netanjahu auf die Golfstaaten. Im CBS-Interview sprach er von wachsender Zusammenarbeit in den Bereichen Energie, Technologie und Sicherheit – „mehr als ihr denkt“, sagte er, ohne Details zu nennen. Ein konkretes Beispiel gibt es trotzdem: Im April wurde nach Angaben von Axios bekannt, dass Israel ein Iron-Dome-Raketenabwehrsystem in die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) verlegt hatte; es ist das erste Mal, dass das System außerhalb Israels stationiert wurde. Es fing demnach Dutzende iranische Raketen ab.

    Die Lage am Golf ist allerdings komplizierter, als der Ministerpräsident es darstellt. Der Krieg gegen Iran hat die arabischen Golfstaaten nicht automatisch auf Israels Seite gezogen. Saudi-Arabien hatte vergangenes Jahr nach Berichten des Christian Science Monitor einen Verteidigungspakt mit Pakistan abgeschlossen. Ein ranghoher saudischer Regierungsvertreter sagte dem Medium, Israel scheine nicht bereit, die Hand der regionalen Zusammenarbeit zu ergreifen. Hinter vorgehaltener Hand bezeichnen Golfvertreter dem Bericht zufolge Israel als destabilisierenden Faktor in der Region, ähnlich wie Iran.

    Dazu kommt der Wahlkalender. Spätestens am 27. Oktober 2026 muss in Israel ein neues Parlament gewählt werden. Nach Angaben der Times of Israel haben sich Oppositionsführer Naftali Bennett und Yair Lapid Ende April zur gemeinsamen Partei Beyachad zusammengeschlossen. Eine erste Umfrage des israelischen Senders Channel 12 sah die neue Partei bei 26 Sitzen, einem mehr als Netanjahus Likud. In diesem Klima kommt die Ansage, Israel brauche Amerika nicht mehr, wie gerufen. Stärke demonstrieren, bevor der Wahlkampf offiziell beginnt.

    Raus, bevor man rausgeworfen wird?

    Manche Beobachter sehen in dem Vorstoß vor allem politisches Kalkül. Laut einer neuen Umfrage des Pew Research Center haben 60 Prozent der Amerikaner ein negatives Bild von Israel – ein Anstieg um fast 20 Punkte in vier Jahren. Unter sehr liberalen Wählern in den USA betrachten nach Angaben von The Hill 70 Prozent Israel negativ.

    Rahm Emanuel, ehemaliger Stabschef von Barack Obama und möglicher Präsidentschaftskandidat 2028, sagte öffentlich, die Zeiten, in denen Steuerzahler Israel militärisch subventionierten, seien vorbei. In diesem Klima ist es für Netanjahu klüger, die Hilfen selbst zu beenden, als darauf zu warten, dass der US-Kongress sie streicht.

    Israels Plan klingt entschlossen, aber das eigentliche Problem ist nicht das Geld. 3,8 Milliarden Dollar sind finanziell verkraftbar. Der eigentliche Hebel, den Washington hat, sind die Waffensysteme. Nach Angaben der Times of Israel ist Israel für seine wichtigsten Rüstungsplattformen direkt von den USA abhängig: F-35-Kampfjets, Arrow-Raketenabwehr, KC-46-Tankflugzeuge. Was bleibt, ist also vor allem ein Signal an Washington, an die Golfstaaten und an die eigene Bevölkerung kurz vor der Wahl.

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    12.05.2026

    Patrik Baab befragt Peter Hänseler

    Screenshot_2026_05_12_at_15_11_04_Patrik_Baab_befragt_Peter_H_nseler


    forumgeopolitica.com, Mo. 11 Mai 2026, Patrik Baab / Peter Hänseler

     Im Gespräch mit Patrik Baab analysiert Peter Hänseler, warum der Irankrieg keine regionale Krise ist, sondern ein Teil des grossen Konflikts, der sich zusammenbraut.


    Der Iran-Konflikt und die daraus resultierende Verschiebung der globalen Tektonik markieren eine Zäsur in der modernen Zeitgeschichte. Während die westliche Berichterstattung oft an der Oberfläche bleibt, legt der Jurist und Analyst Peter Hänseler die tieferliegenden Ursachen einer Politik offen, die jeglichen Kontakt zur Realität verloren zu haben scheint. Es ist das Bild eines Westens, der sich in seiner eigenen moralischen Überlegenheit verfängt, während die tatsächliche Macht in den Osten abwandert. Im Gespräch mit Patrik Baab analysiert Peter Hänseler, warum wir es nicht nur mit einer regionalen Krise zu tun haben, sondern mit dem kollektiven Versagen einer politischen Klasse. Es geht um den „Wahnsinn an der Macht“, der bereit ist, die Stabilität ganzer Kontinente für ideologische Narrative zu opfern.


    Im Gespräch geht es um:

    • Geopolitische Realitätsverweigerung: Warum westliche Sanktionen den Iran und Russland nicht geschwächt, sondern in eine neue, unumkehrbare Allianz getrieben haben.

    • Wahnsinn an der Macht: Weshalb die europäische Führung sehenden Auges in die ökonomische und strategische Bedeutungslosigkeit steuert.

    • Das Ende der US-Hegemonie: Wie der Nahe Osten zum Katalysator für eine multipolare Weltordnung wird, in der der Dollar als Waffe stumpf geworden ist.

    • Mediale Gleichschaltung: Warum kritische Analysen zur Geopolitik aus dem öffentlichen Diskurs verschwinden und durch reine Narrative ersetzt werden.

    • Der „Forever War“: Warum die Eskalationslogik im Nahen Osten und in der Ukraine demselben gefährlichen Drehbuch folgt.


    „Wir erleben derzeit das Ende einer Ära, in der der Westen die Regeln für den Rest der Welt diktieren konnte – und das Erwachen wird schmerzhaft sein.“ Wer heute die ökonomischen und juristischen Fakten der Machtpolitik benennt, gilt oft als Dissident. Peter Hänseler zeigt auf, wie die Verschiebung der Weltordnung funktioniert und warum der Blick nach Osten für Europa überlebenswichtig ist.


    Screenshot_2026_05_12_at_15_16_56_Patrik_Baab_befragt_Peter_H_nseler

    Video https://www.youtube.com/watch?v=gTcQHhMqHHw Dauer 1:09:26 Min.


    Interview Video

    1 Kommentar zu
    «Patrik Baab befragt Peter Hänseler»


    beat schaller Di. 12 Mai 2026, 14:33

    Hochkarätig und danke für dieses, von zwei Leuten geführte Gespräch, welche in der Regel einen klaren Blick in die Zukunft haben. Schön, dass es auch in dieser Liga vorkommt, dass man kein konkret fassbares Ziel aufzeigen kann. Trotzdem sind es Veränderungen von gigantischem Ausmass und darin gibt es eben auch Platz für neue, bessere-oder andere Lösungen, alleine durch die Veränderung.
    Danke Peter Hänseler und Herr Patrik Baab, auch für die respektvolle Art dieses Interview zu führen. Beat Schaller

    Auf diesen Kommentar antworten


    Info: https://forumgeopolitica.com/de/artikel/patrik-baab-befragt-peter-hnseler


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    12.05.2026

    unterschiedliche Beiträge aus Mai 2026 aus unterschiedlichen Organisationen

    aus e-mail von Karin Gerlich, 12. Mai 2026, 12:27 Uhr


    Aufgefallen 11. Mai 2026 - Israel hält Milliarden an Geldern für die Palästinensische Autonomiebehörde zurück Drucken E-Mail | Zugriffe: 249

    ... und bringt das Westjordanland an den Abgrund


    https://www.palaestina.ch/de/aufgefallen/1061-aufgefallen-11-mai-2026-israel-haelt-milliarden-an-geldern-fuer-die-palaestinensische-autonomiebehoerde-zurueck NAKBA Camp in Hamburg

    https://consortiumnews.com/2026/05/11/an-armed-robbery-of-the-worlds-energy-supply/ -Raubüberfälle für Erdoel, Kohle, Gas

    informativer Vortrag zum rechtsextremen Schulterschluss Trump USA und Südkorea von unseren Freund:innen vom Koreaverband

    Craig Murray: Der Sumpf der Ungerechtigkeit 5. Mai 2026

    Das Starmer-Regime ist darauf aus, die sogenannte britische Justiz zu untergraben. Es handelt ausschließlich im Interesse eines fremden Staates, um Israel vor den Folgen der öffentlichen Empörung über seinen völkermörderischen Angriff auf die Palästinenser zu schützen.

    https://consortiumnews.com/2026/05/05/craig-murray-the-morass-of-injustice/

    Die Ursprünge der extremen Rechten in den USA und Südkorea – Die strukturellen Verbindungen

    Pressemitteilung als PDF: https://link.attac.de/pm-eu-israel

    Auch weite Teile der europäischen Zivilgesellschaft <https://europeantradejustice.org/suspend-the-eu-israel-association-agreement-and-stop-trade-with-israel/> fordern seit Monaten ein vollständiges Ende der engen Handelsbeziehungen mit Israel. Attac Deutschland unterstützt zudem die Europäische Bürgerinitiative <https://eci.ec.europa.eu/055/public/#/screen/home> (EBI) für die Aussetzung Abkommens zwischen der EU und Israel. Insgesamt hat bereits mehr als eine Million EU-Bürger*innen die EBI unterzeichnet; in zwölf Ländern wurde zudem das nationale Quorum erreicht und zum Teil deutlich überschritten. In Deutschland wurde das Quorum dagegen noch nicht erreicht, es fehlen noch an die 10.000 Unterschriften. Die Bürgerinitiative kann online unterzeichnet werden.

    https://www.deutschlandfunk.de/nach-absage-der-usa-berlin-prueft-offenbar-alternative-optionen-fuer-tomahawk-beschaffung-100.html

    Nach Absage der USA: Berlin prüft offenbar alternative Optionen für Tomahawk-Beschaffung

    Diese Nachricht wurde am 11.05.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.


    https://www.deutschlandfunk.de/verteidigungsminister-pistorius-zu-gespraechen-in-kiew-106.html
    Ukraine: Verteidigungsminister Pistorius zu Gesprächen in Kiew Bundesverteidigungsminister Pistorius ist zu Gesprächen über einen Ausbau der Rüstungskooperation in der Ukraine eingetroffen. Der SPD-Politiker sagte der Deutschen Presse-Agentur in Kiew, es solle um die gemeinsame Entwicklung unbemannter Waffensysteme aller Reichweiten gehen.

    Zusammengefasst aus vielen Zusendungen Grüße Karin Gerlich


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    12.05.2026

    Matinee: Sevim Dagdelen mit Botschafter Netschajew

    aus e-mail von Doris Pumphrey, 12. Mai 2025, 11:25 Uhr


    (mit eigener Anmerkung im Anschluss des Artikels)

    RTDE 11.5.2026

    Botschafter Netschajew: "Zuspitzung der Beziehungen zu Russland bringt deutschem Volk nichts Gutes"

    Der russische Botschafter Netschajew hat in einem Podiumsgespräch die russische Position zum drohenden Geschichtsrevisionismus erläutert. Weitere Themen waren Kriegsgefahr in Europa und die Wege aus dem Ukraine-Konflikt. Während der Diskussion kam es zu einer kritischen Auseinandersetzung eines Fragenstellers mit dem Publikum.

    Von Wladislaw Sankin

    Der russische Botschafter Sergei Jurjewitsch Netschajew stand am Sonntag im Berliner Sprechsaal bei einem Podiumsgespräch mit der BSW-Politikerin und Publizistin Sevim Dağdelen Rede und Antwort. Die angekündigten Themen der Veranstaltung, die den Titel "Frieden durch Dialog" trug, waren Tag des Sieges, Erinnerungskultur und Gedenkpolitik sowie Frieden und die Zukunft der deutsch-russischen Beziehungen.

    Die Gedenkproblematik in den Vordergrund des Gesprächs zu stellen war logisch, denn allein in den letzten drei Tagen vor der Matinee mit Dağdelen hatte der Botschafter sechs öffentliche Veranstaltungen mit Bezug zum Tag des Sieges über Hitler-Faschismus absolviert, neben Kranzniederlegungen und Umbettungen auch die Teilnahme am Umzug "Unsterbliches Regiment" und eine Grundsatzrede beim Empfang in der Russischen Botschaft.

    Gleichzeitig hat auch Kiew in den letzten Tagen mit massiver politischer Unterstützung vonseiten des Bundestags und Berliner Behörden seine Kampagne zur "Ukrainisierung" der deutschen Gedenkkultur intensiviert. Diese Bemühungen kulminierten im öffentlichen Versprechen des Leiters des Landesamtes Berlin, Dr. Christian Rauhut, die Sowjetehrenmale mit performativen Mitteln umzuwidmen. Gleichzeitig würdigte er die "Umschreibung der Geschichte" als notwendig und erstrebenswert.

    Dağdelen gehört zu den wenigen verbliebenen Persönlichkeiten der öffentlichen Politik, die die Politisierung des Gedenkens zugunsten der politischen Agenda scharf kritisieren. Sie wird nicht müde, auf enorme Verluste der Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg hinzuweisen und die Rolle der Roten Armee bei der Befreiung vom Hitlerfaschismus zu würdigen.

    Auch tritt sie trotz kräftigem Gegenwind konsequent für Dialog und gegen eine Ausgrenzung Russlands ein. Ähnliches lässt sich auch über das Publikum im völlig überfüllten Sprechsaal sagen. Als seine schwarze Limousine vorfährt und Sergei Netschajew aussteigt, kommt spontaner Applaus auf. Das Interesse an der Veranstaltung war so groß, dass die Veranstalter mehr als hundert Absagen auf Anmeldungen erteilen mussten.

    Gleich zu Beginn bezeichnete Sergei Netschajew den Sieg über den Rassismus Nazi-Deutschlands als riesige Heldentat des multinationalen und multikonfessionellen sowjetischen Volkes. Der Preis dafür sei mit 27 Millionen Menschenleben enorm gewesen und absolut einmalig in der Geschichte, "wobei: Auf diesem Wege haben wir nicht nur unser Territorium, die Sowjetunion, vom Nazismus befreit, sondern mehrere Staaten Europas, wo der Nazismus Fuß gefasst hat und diese Länder eigentlich zu den Alliierten des Nazi-Deutschlands gemacht hat."

    Er sagte, dass für Deutschland das Genozid-Thema nicht neu sei, und wies auf die Anerkennung der Hungersnot in der Sowjetukraine Anfang der 1930er-Jahre als Genozid vonseiten des Bundestages hin. Diesen Schritt bezeichnete er als völlig ungerechtfertigt. Deutsche Kolonialverbrechen in Afrika seien inzwischen auch als Genozid anerkannt worden, merkte er an. Sevim Dağdelen erinnerte auch an die Anerkennung des Genozids des armenischen Volkes und die Rolle des Kaiserdeutschlands als Verbündeter der Türkei bei diesem Verbrechen. Die Anerkennung sei ein zäher und schwieriger Prozess.

    Insgesamt herrschte zwischen der BSW-Politikerin, dem Botschafter und dem Publikum im überfüllten Sprechsaal in den Erinnerungsfragen geringe Uneinigkeit. Botschafter Netschajew gab zu verstehen, dass Russland ausreichend Geduld und Beharrlichkeit habe, um alle nötige Aufklärungsarbeit in dieser Richtung zu leisten. Die Gerechtigkeit müsse wiederhergestellt werden, betonte er. Versuche vonseiten "mancher Bundespolitiker" historische Fakten über die Rolle der Sowjetarmee in der Befreiung Europas vom Nazismus zu leugnen, bezeichnete der Botschafter als sehr enttäuschend. 

    Als Diplomat ist Sergei Netschajew nicht geneigt, bei seiner Kritik Politiker seines Gastlandes beim Namen zu nennen. Doch gemeint haben könnte er keinen geringeren als Bundeskanzler Friedrich Merz, der in seinem Statement am 8. Mai die Rolle der Sowjetunion mit keinem Wort erwähnte. Damit folgt er offenbar der neuen Sprachregelung der Bundesregierung, wonach dieses Land im positiven Kontext nicht mehr erwähnt werden darf.

    Solche Tendenzen nannte Netschajew eine "Verfälschung der Geschichte" und man sei "kategorisch dagegen". Es sei inakzeptabel, "die Lehren des Krieges im Sinne der heutigen politischen Konjunktur umzudeuten". Die Verbote russischer, weißrussischer und sowjetischer Symbole an den Feiertagen am 8. und 9. Mai in Berlin bezeichnete er als "kontraproduktiv" und schlicht "bedrückend". 
    Dağdelen ergänzte, ein Kollege sei gestern im Treptower Park von der Polizei aufgefordert worden, ein weiß-blau gestreiftes T-Shirt auszuziehen, weil es zu sehr an die russische Marine erinnere. Er habe daraufhin oberkörperfrei bleiben müssen. "Ich dachte, wir sind in Absurdistan".

    Bei der abschließenden Diskussionsrunde mit dem Publikum durfte der Autor dieser Zeilen eine Frage nach konkreten Handlungsoptionen gegen die geplante Umwidmung der sowjetischen Ehrenmale stellen. Gemeint war ein inoffizielles Versprechen vonseiten der Berliner Denkmalbehörde, die Ehrenmale künftig mittels Performances umzudenken, vorgetragen von deren Leiter in einer propagandistisch aufgeladenen Aktion vor Ort – RT DE berichtete.

    In seiner Antwort wies der Botschafter auf die Militarisierung Deutschlands hin, die mit der vermeintlichen russischen Bedrohung begründet werden muss. "Wie kann man Befreier als einen Feind interpretieren?", fragte er. "Da klappt was nicht in diesem Puzzle". Da müsse man etwas umdenken, und das beginne mit der Geschichte. Er stellte noch einmal klar, dass Russland kategorisch gegen "die unobjektive Auslegung der Geschichte" sei. Egal, welche politische Konjunktur diese Fälschungen initiiere, fördere und voranbringe, er hoffe sehr, dass das keine weitere Entwicklung bekomme. Er hoffe, dass die vernünftigen Politiker das richtig auswerten und diese Entwicklung vereiteln würden. 

    Damit sendete der Diplomat möglicherweise ein Signal an kommende Regierungen. Was die Botschaft außer öffentlichem Zureden gegen Aggressionen im künstlich angefachten Denkmalstreit unternimmt, sagte Netschajew nicht. Es ist jedoch denkbar, dass die Botschaft die deutschen Behörden auf dem Dienstweg auf die Unantastbarkeit der Ehrenmale gemäß des Zwei-Plus-Vier-Vertrages hinweist.

    Alles andere liegt in der Hand der Menschen, die mit verstärktem Besuch der Denkmäler und Bürgeranfragen an die Politik ihr Übriges tun könnten. Die Politik achtet schon darauf, wie groß das Besucheraufkommen an Feiertagen an den wichtigsten Erinnerungsorten Berlins ist. So stellte ein damaliger Berater von Olaf Scholz am 9. Mai 2022 bei einem Erkundungsbesuch im Treptower Park fest, dass dieser auch von "nicht wenigen" Deutschen aufgesucht werde. Das teilte er bei einer für die Presse geschlossenen Tagung im Museum Karlshorst am 30. März während der abschließenden Diskussionsrunde mit.

    Damit liegt die Erkenntnis nahe: Tausende Menschen, die kommen, bei den Denkmälern verweilen und sie mit den Blumen bedecken, verwandeln sich in dieser Atmosphäre in eine Art Luftreiniger, die toxische Wolken auflösen. Zumindest sollte dies in einer demokratisch verfassten Gesellschaft so gehandhabt werden. 

    Der Botschafter musste sich an diesem Sonntag auch scharf-kritischen Fragen stellen. So wollte der Politikwissenschaftler und Mitglied der BSW-Wertekommission Johannes Varwick
    [Hervorhebung durch mich- siehe meine Anmerkung unten, dp] vom Botschafter wissen, was Russland tue, um seinen "blutigen Irrweg" zu beenden. Es würden völlig sinnlos zehntausende junge Menschen in den "Fleischwolf" geworfen. Diese Situation sei ein Schlamassel, den Russland selbst mit seinem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen einen souveränen Staat mitverursacht habe.

    "Sie sollten sich Gedanken machen, Herr Botschafter, warum die Aufrüstung jetzt sozusagen gegen eine so wahrgenommene russische Aggression läuft", sagte Varwick und rief Russland zu aktiven diplomatischen Schritten im Friedensprozess auf. Sonst würde es auch die noch verbliebene "Gutwilligen", zu denen er sich auch zählt, endgültig verprellen.

    Allerdings waren nicht alle im Saal seiner Meinung. Immer wieder wurde sein Appell vom lauten Murren des Publikums unterbrochen, sodass Dağdelen die Anwesenden auf das demokratische Prinzip der Meinungsfreiheit bei der Debatte hinweisen musste. 

    Der Botschafter blieb souverän. Er sagte, dass er keine Probleme beim Anhören solcher Meinungen habe. Daran sei er leider gewöhnt. Er wies auf die gewaltige Verantwortung Westeuropas und Nordamerikas "nicht nur in der Frage der NATO-Erweiterung", sondern auch "in der Verwandlung der Ukraine in einen Anti-Russland-Staat" hin. Mit deren Hilfe werde die Ukraine als Instrument gegen Russland ausgebeutet.

    "[…] und ich bin sicher, dass die vernünftigen deutschen Politiker das alles sehr gut begreifen und verstehen – eine Zuspitzung der Beziehungen mit Russland bringt dem deutschen Volke nichts Gutes."

    Die Antwort stellte Varwick nicht zufrieden und er rief Russland nochmals zu Friedensverhandlungen auf, worauf der Botschafter erwiderte, dass es dennoch Europäer seien, die eine Friedensregelung jetzt torpedierten. Wenn der Friedensprozess nicht vorankomme, werde Russland seine Ziele mit anderen Waffen, mit anderen Mitteln erreichen. "Und das werden wir tun". 

    Auch die Frage des drohenden Krieges zwischen Russland und der NATO nahm während des Gesprächs eine zentrale Rolle ein. So wies Sevim Dağdelen auf immer öfter erklingende nukleare Drohungen vonseiten des Ex-Präsidenten Medwedew und einiger Politikwissenschaftler hin. Dies sei beunruhigend. Der Botschafter erklärte, dass es in Russland verschiedene Meinungen dazu gebe, und versicherte, dass Russland keine aggressiven Absichten gegenüber der NATO habe.

    Er wies auf einen von Russland vorgeschlagenen vertrauensbildenden Nichtangriffspakt hin, der aber von der NATO sofort abgelehnt worden sei. Auch bei den Kontakten mit der Bundesregierung herrsche seit einem Jahr Funkstille, wobei die Initiative für den Abbruch der Beziehungen bei Deutschland liege. "Wir haben kein einziges Kooperationsabkommen gekündigt", betonte Netschajew. 

    Ihm zufolge macht sich in Russland inzwischen der Verdacht breit, dass Deutschland den Weg des Revanchismus eingeschlagen habe. Allerdings führte er diese Aussage nicht weiter aus. Der Diplomat gab aber zu verstehen, dass mit einer möglichen atomaren Bewaffnung Deutschlands und weiterer Staaten in Europa die Situation endgültig außer Kontrolle geraten könnte. Darauf werde Russland reagieren müssen. Wer glaube, mit zunehmender Härte und Aufrüstung gegen Russland vorgehen zu können, dem hielt der Botschafter Goethes Verse als literarischen Seitenhieb entgegen: "Durch Heftigkeit ersetzt der Irrende, was ihm an Wahrheit und an Kräften fehlt."
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    Anmerkung von Doris Pumphrey:

    Laut Aussage des BSW arbeiten in ihrer Grundwertekommission „fachkundige Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Kultur, die die Partei künftig in wichtigen programmatischen Fragen beraten. (…) Der zunehmend moralisierenden und polarisierenden Debatte in der deutschen Politik wollen wir differenzierte Analyse und sachliche Argumente entgegensetzen.“

    Der Aufritt des Mitglieds der BSW-Grundwertekommission, des Herrn Prof. Johannes Varwick, war – um es freundlich auszudrücken – konsternierend. Mit erregter Stimme forderte er vom russischen Botschafter eine Antwort auf seine Fragen und Aussagen, mit der er seine Ignoranz der Vorgeschichte und Geschehnisse in Bezug auf den Krieg in der Ukraine bloßstellte. Bar jeder sachlichen Argumente, bediente er die „zunehmend moralisierende und polarisierende Debatte in der deutschen Politik“.

    Er steigerte sich bis zur anmaßenden Attitude der Belehrung, so charakteristisch für Politiker, Experten etc. aus der BRD gegenüber anderen Ländern und deren Vertretern. Der Herr Botschafter sollte doch gefälligst darüber nachdenken, warum Deutschland aufrüstet – implizierend, dass Russland die Gründe dafür liefert. 

    Das Crescendo: Russland könne dankbar sein, dass es noch ein paar deutsche „Gutwillige“ wie ihn gebe, die es endgültig verlieren würde, wenn es nicht endlich „aktive diplomatische Schritte“ ergreife.

    Der Herr Professor, „fachkundiges“ Mitglied der BSW-Grundwertekommission, hat noch nicht mitbekommen, dass alle friedlichen Initiativen von Russland ausgingen, aber von der deutschen Regierung und der EU systematisch ignoriert wurden und werden? Dass die deutsche Regierung und die EU nicht nur Mitschuld am Krieg tragen, sondern auch alles tun, um den Krieg zu verlängern? Dass die Ukrainer, über die sie so gerne öffentlich Tränen verlieren, lediglich als Kanonenfutter für den Krieg dienen, den sie aus sicherer Entfernung gegen Russland führen? Das ist nicht nur Ignoranz.

    Sollte des Herrn Professors selbstgerechter Auftritt der „zunehmend moralisierenden und polarisierenden Debatte in der deutschen Politik eine differenzierte Analyse und sachliche Argumente entgegensetzen“? Oder doch eher in der Matinee von Sevim Dağdelen im Wahlkampf einfach nur eine Provokation sein? In wessen Interesse?


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.


    unser weiterer Kommentar: Was wenn es die Aufgabe ist, mit Unterstützung auch populärer parteipolitischer Persönlichkeiten, auf die dauerhafte Spaltung der Linken ansich winzuwirken? 

    12.05.2026

    M. v. d. Schulenburg zum deutsch-russischen Dialog

    aus e-mail von Doris Pumphrey, 12. Mai 2026, 11:25 Uhr


    Moskauer Deutsche Zeitung 8.5.2026

    Michael von der Schulenburg:
    Der deutsch-russische Dialog ist unausweichlich

    Im Vorfeld des 9. Mai, des russischen Tags des Sieges, sprach die MDZ mit dem Europaabgeordneten Michael von der Schulenburg über seine russischen Wurzeln, die Voraussetzungen für einen Neustart des deutsch-russischen Dialogs sowie den Wandel der Erinnerungskultur.

    Der 9. Mai in Russland ist ein Feiertag, der Generationen vereint und die Erinnerung an die Heldentat der sowjetischen Soldaten bewahrt.  Letztes Jahr besuchten Sie zusammen mit einer kleinen Gruppe Ihrer Kollegen aus dem Europäischen Parlament gerade an diesem Tag Moskau. Was bedeutet es für Sie persönlich, an den Gedenkveranstaltungen am 9. Mai in Russland teilzunehmen?

    Ach ja, gut, dass Sie das gerade jetzt ansprechen. Es ist nun fast genau ein Jahr her, und doch kommt es mir vor, als wäre es erst gestern gewesen. Ich war tief beeindruckt von der Freundlichkeit und Herzlichkeit, mit der wir in Moskau empfangen wurden – gerade auch als Deutsche.

    Am 9. Mai gingen wir als Privatpersonen gemeinsam mit Tausenden Russen zum Grab des Unbekannten Soldaten. Viele trugen ausgebleichte Schwarz‑Weiß‑Fotografien ihrer gefallenen Angehörigen mit sich. Auch wir legten drei rote Nelken nieder. Zunächst hatten wir überlegt, dort kein Deutsch zu sprechen, um keinen – durchaus verständlichen – Unmut hervorzurufen. Doch wir sprachen schließlich Deutsch. Und das Erstaunliche geschah: Alle um uns herum begegneten uns mit einer so großen Herzlichkeit, fast so, als freuten sie sich, dass auch zwei Deutsche an diesem Ort der Erinnerung standen – an dem Grab eines unbekannten Soldaten, der mit hoher Wahrscheinlichkeit einst von Deutschen getötet wurde. Diese unerwartete Wärme hat mich tief berührt.

    Noch am selben Tag haben wir eine Erklärung nach Deutschland herausgegeben. Vielleicht möchten Sie diese Ihren Lesern zugänglich machen.

    Auch all unsere politischen Gespräche verliefen in einer für uns unerwartet respektvollen, ja freundlichen Atmosphäre. Von dem Hass und der Unversöhnlichkeit, die wir vor allem aus dem Europäischen Parlament kennen, war in Moskau nichts zu spüren. Darf ich an dieser Stelle noch einmal meinen tiefen Dank an all unsere politisch so wichtigen russischen Gesprächspartner aussprechen, die sich die Zeit genommen haben, mit uns zu sprechen – und ebenso an jene, die uns bei der Organisation dieser Reise so tatkräftig unterstützt haben.

    Sie wurden einige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg geboren. War es in Ihrer Familie üblich, über diesen Krieg zu sprechen?

    Nun, meine beiden Eltern wurden im ehemaligen Russischen Kaiserreich geboren – mein Vater in St. Petersburg in 1903 und meine Mutter in Riga in 1914. Die Familie meiner Mutter, eine von Engelhardt, lebte dort seit dem 14. Jahrhundert; sie wurde jedoch nach dem Ersten Weltkrieg und dem Ausbruch der Bolschewistischen Revolution vertrieben. Auf der Seite meines Vaters trat ein Vorfahr im Jahr 1807 – also nach der preußischen Niederlage bei Jena und Auerstedt – in den Dienst der russischen Armee. Erst 1925 gelangte mein Vater durch die Vermittlung seines deutschen Verwandten und des späteren Botschafters in Moskau, Schulenburg, nach Deutschland.

    Die Familie meines Vaters gehörte der orthodoxen Kirche an, und alle Generationen waren mit russischen Frauen verheiratet. In der Zeit des Nationalsozialismus galten daher meine beiden Eltern als «nicht-arisch». Das brachte erhebliche Schwierigkeiten mit sich, führte aber auch dazu, dass mein Vater weder in der Armee diente noch irgendeine Stellung im damaligen Regime innehatte. Auch meine Mutter war in keiner der Nazi Organisationen. Ich beschreibe dies so ausführlich, um zu erklären, dass in unserer Familie die Zeit des Nationalsozialismus immer als zutiefst negativ angesehen wurde – und dass es keinerlei Russenhass gab. Meine Eltern waren ja großenteils selbst Russen.

    Nach 1945 dauerte es Generationen, um aus ehemaligen Feinden Partner werden zu lassen. Heute herrscht vielerorts wieder die Rhetorik der gegenseitigen Entfremdung. Sehen Sie in der deutschen Gesellschaft Ressourcen für einen neuen Dialog?

    Ich bin zutiefst erschrocken über den in den Medien, in Teilen der politischen Eliten und leider auch unter vielen Deutschen verbreiteten Russenhass. Das ist vor allem ein westdeutsches Phänomen. Ich bin in der ehemaligen DDR aufgewachsen. Dort ist eine solche Haltung deutlich weniger verbreitet. Es bleibt für mich unverständlich, wie angesichts der deutschen Geschichte und der daraus erwachsenen Verantwortung eine derartige Einstellung wieder so offen hervortreten kann.

    Irgendwann wird – ja muss – es wieder zu einer Annäherung zwischen Deutschland und Russland kommen, schon allein weil wir Nachbarn sind und es bleiben werden. Doch ich glaube nicht, dass dies schnell geschehen wird. Die Gräben, die durch deutsche Selbstgerechtigkeit auf der einen und russische Verletzungen auf der anderen Seite entstanden sind, sind tief. Hinzu kommt der Ukrainekrieg, dessen Folgen das Verhältnis beider Länder noch lange belasten werden. Und schließlich spielt auch die deutsche Aufrüstung eine Rolle, ebenso wie das erklärte Ziel der Bundesregierung, erneut die stärkste Armee in Europa aufbauen zu wollen.

    Gleichzeitig verändert sich die Welt um uns herum. Russland ist ein europäischer Staat und wird sich kulturell immer Europa zugehörig fühlen. Doch wirtschaftlich und technologisch liegt die Zukunft zunehmend in Asien. Deutschland hat seine frühere Rolle als wirtschaftlicher und technologischer Motor Europas eingebüßt und besitzt daher nicht mehr die Anziehungskraft auf Russland, die es nach den beiden Weltkriegen noch ausübte. So entsteht eine geopolitische Dynamik, in der Deutschland seine traditionellen transatlantischen Beziehungen verliert, während Russland seine Beziehungen zu den BRICS‑Staaten rasant ausbaut. Russland braucht also Deutschland nicht mehr wie einst.

    Nach den Erfahrungen der beiden Weltkriege herrschte in Deutschland das Motto «Nie wieder Krieg». Wie bewerten Sie heute die öffentliche Diskussion über Sicherheit und die Beziehungen zu Russland in Ihrem Land?

    Ich bin überzeugt, dass die große Mehrheit der Deutschen keinen Krieg will. Und obwohl die Bundesregierung immer wieder mehr «Wehrtüchtigkeit» einfordert, lässt sich in der Bevölkerung kein neuer Militarismus erkennen. Vorherrschend ist eher eine gewisse Gleichgültigkeit.

    Das hat auch demografische Gründe. Die Deutschen haben immer weniger Kinder – und damit auch weniger Bereitschaft, diese in einen möglichen Krieg zu schicken. Zugleich ist der Anteil der Menschen mit nicht-europäischen Wurzeln deutlich gestiegen. Viele von ihnen teilen weder die historisch geprägten Erfahrungen noch die emotionalen Dispositionen vieler Deutscher und empfinden daher auch keinen ausgeprägten Russlandhass. Für sie werden politische Prioritäten weit stärker von Entwicklungen im Nahen Osten oder in ihren Herkunftsregionen bestimmt. Vor diesem Hintergrund dürfte auch der politische Anspruch der Bundesregierung, die «stärkste Armee Europas» aufbauen zu wollen, an diesen demographischen Realitäten scheitern.

    Warum Deutsche immer noch Kriegsparteien wie die CDU/CSU oder Grünen in Regierungsverantwortung wählen, ist mir schleierhaft. Allerdings gehe ich davon aus, dass die Bevölkerung zunehmenden die Auswirkungen der direkten und indirekten Kriegskosten der Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten zu spüren bekommen wohl verändern. Nur, was wären die politischen Alternativen? Ich befürchte, dass Deutschland unruhigen Zeiten entgegengehen könnte.

    In den letzten Jahren gibt es in Deutschland immer öfter Diskussionen darüber, wessen Gedächtnis ist «unser eigenes» und wessen ist «fremdes». Zum Beispiel, wenn sowjetische Militärgräber oder Denkmäler für die sowjetischen Befreier vom Faschismus zu einem Streitthema werden. Wie beurteilen Sie diesen Trend?

    Ich bin mir nicht sicher, ob sich das Problem wirklich mit einem Gegensatz von «eigenem» und «fremdem» Gedächtnis beschreiben lässt. Viel eher scheint mir, dass Deutschland insgesamt über ein nur schwach ausgeprägtes Geschichtsbewusstsein verfügt und diesem auch keinen hohen Stellenwert beimisst. Man lebt stark in der Gegenwart.

    Hinzu kommt der tiefgreifende Wandel der sozialen Strukturen. Familien sind heute deutlich kleiner, und die Familie als solche spielt im gesellschaftlichen Leben nur noch eine begrenzte Rolle. Ein‑ und Zwei‑Personen‑Haushalte dominieren. Dadurch werden Erfahrungen, Erinnerungen und Erzählungen viel seltener zwischen den Generationen weitergegeben.

    Eine weitere Rolle spielt der hohe Anteil von Menschen mit ausländischen Wurzeln. Sie bringen eigene, oft sehr unterschiedliche historische Erfahrungen und Erinnerungskulturen mit. Eine gemeinsame Geschichtserinnerung existiert daher immer weniger – und gerade in den Schulen wird dies zunehmend spürbar.

    All dies hat dazu geführt, dass zentrale historische Erfahrungen – etwa an den deutschen Nationalismus oder an die unsägliche Verbrechen, die Deutsche in der  Sowjetunion begannen haben weitgehend aus dem kollektiven Bewusstsein verschwunden sind. In Russland, aber auch in vielen außereuropäischen Ländern, ist das historische Gedächtnis dagegen wesentlich tiefer verankert.

    Sie sind ein Verwandter von Friedrich-Werner von der Schulenburg, dem deutschen Botschafter in Moskau in den Jahren 1934-1941. Den Zeugenaussagen nach warnte er bis zuletzt vor den Risiken eines Krieges mit der UdSSR. Wie haben sie sich in Ihrer Familie an seine Haltung erinnert?

    Friedrich‑Werner von der Schulenburg wurde 1944 wegen seiner Beteiligung an der Verschwörung des 20. Juli gegen Hitler hingerichtet. Deshalb habe ich ihn selbst nicht mehr erlebt. Dennoch spielte er in den Erinnerungen meiner Eltern und in unserer Familiengeschichte eine bedeutende Rolle.

    Sehen Sie heute in der deutschen Politik Persönlichkeiten, die mit gleicher Entschiedenheit wie einst Ihr Vorfahre für einen stabilen Frieden zwischen Deutschland und Russland eintraten und vor Eskalation warnten?

    Auch heute gibt es in Deutschland Menschen, die sich für einen Frieden zwischen Russland und Deutschland einsetzen. Glücklicherweise geraten sie dafür nicht mehr in Lebensgefahr – doch besonders erfolgreich scheinen sie bislang ebenfalls nicht zu sein. Allerdings sind diese Menschen insbesondere in Deutschland isoliert und sehen sich oft beruflichen Schwierigkeiten ausgesetzt oder werden oft als Putin Versteher verunglimpft.

    Medienberichten zufolge steht Clemens von Goetze, Botschafter in Mexiko, als neuer deutscher Botschafter in Moskau im Gespräch. Sollte sich dies bestätigen, wäre er innerhalb der letzten drei Jahrzehnte bereits der sechste Diplomat mit adeliger Namensherkunft auf diesem Posten. Ist das Zufall – oder folgt die Besetzung des Moskauer Botschafterpostens einer bestimmten Logik?

    Falls Sie den Adel ansprechen: Dieser wurde bereits 1919 – also vor über hundert Jahren – abgeschafft. Ein gemeinsamer adeliger Hintergrund dürfte daher heute kaum noch eine Rolle spielen. Entscheidend wäre vielmehr, dass Herr von Götze – ich kenne ihn persönlich nicht – das diplomatische Geschick besitzt, um die deutsch‑russischen Beziehungen wieder in eine konstruktivere Richtung zu lenken und um die derzeitige deutsche Haltung, nicht mit Russland sprechen zu wollen, überwinden kann.

    Da es letztlich um so wichtige Dinge wie um Verhandlungen zur friedlichen Beilegung des bereits über vier Jahre andauernden Ukrainekrieges und um die Wiederherstellung des Friedens auf dem europäischen Kontinent gehen muss, wird der zukünftige deutsche Botschafter vor einer außerordentlich schwierigen Aufgabe stehen. Seine Einbindung in die EU mit 27 anderen Botschaftern, wird das alles noch schwieriger machen, Bewegung in eine so festgefahrene Situation Lage zu bringen. Ich wünsche ihm dafür Erfolg – und auch das Quäntchen Glück, das er dafür brauchen wird.

    Das Gespräch führte Femida Selimowa

    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    12.05.2026

    Moskau: Aktivisten fordern Dialog zwischen Deutschland und Russland

    aus e-mail von Doris Pumphrey, 12. Mai 2026, 11:24 Uhr


    Moskau: Aktivisten fordern Dialog zwischen Deutschland und Russland

    In Moskau hat am 10. Mai eine internationale Podiumsdiskussion zum 81. Jahrestag des Sieges der Sowjetunion über Nazi-Deutschland stattgefunden.

    Unter dem Titel "81 Jahre später – der Sieg über den Hitlerfaschismus und die Lehren für die heutige Welt" diskutierten Aktivisten und Experten über Antifaschismus, Geschichtspolitik und die Beziehungen zwischen Deutschland und Russland.

    Die Teilnehmer kritisierten unter anderem eine zunehmende Russophobie in Deutschland sowie die militärische Aufrüstung Europas im Rahmen der NATO. Der Organisator der Veranstaltung, Klaus Koch vom Internationalen Antifaschistischen Informationsbüro, erklärte, Ziel sei es, den Dialog mit Russland zu fördern und einen großen Krieg in Europa zu verhindern.


    Siehe Video-Bericht: https://de-rtnews.com/kurzclips/video/279822-moskau-aktivisten-fordern-dialog-zwischen/


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    12.05.2026

    Screenshot_2026_05_12_at_14_14_22_Sch_ler_protestieren_gegen_Wehrpflicht_und_der_BR_spricht_von_Verfassungsfeinden_

    nachdenkseiten.de, 11. Mai 2026 um 11:00 Ein Kommentar von: Marcus Klöckner

    „Wir waren 18 Jahre und begannen die Welt und das Dasein zu lieben; wir mussten darauf schießen. Die erste Granate, die einschlug, traf unser Herz.“ Dieses berühmte Zitat aus Erich Remarques Antikriegsroman „Im Westen nichts Neues“ sollte der gesamten Gesellschaft eine Warnung sein. Ob der Bayerische Rundfunk das Zitat oder überhaupt das Werk Remarques kennt, ist unklar. Als am Freitag Schüler gegen Wehrpflicht und Kriegstüchtigkeit demonstriert haben, hat der BR unter der Überschrift „Schulstreik gegen Wehrpflicht“: Verfassungsfeinde mobilisieren „berichtet“. In Anbetracht dessen, wie ernst die Lage ist, ist die Schlagzeile schlicht eine Sauerei. Die Schüler haben ein elementar wichtiges Anliegen, das ihr Leben betrifft – der BR diskreditiert mit dieser „Berichterstattung“ den Protest der Schüler.

    Schüler des Landes gehen auf die Straße. Sie wollen nicht mitmachen. Nicht mitmachen bei einer neuen Wehrpflicht. Nicht mitmachen beim politischen Großprojekt Kriegstüchtigkeit. Sie erheben ihre Stimme. Sie agieren als gute Demokraten. Sie beweisen politische Mündigkeit. Doch was macht der BR? Unter einem Meer an möglichen Schlagzeilen sucht sich die Redaktion eine Schlagzeile aus, die den gesamten Schülerprotest abwertet. Die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt redet von „Verfassungsfeinden“, die „mobilisieren“.

    So wird’s gemacht – bei politisch unliebsamen Demonstrationen. Irgendwo schwenkt immer irgendjemand eine Fahne, an der sich Medienvertreter stören. Wir kennen das Vorgehen ja von den Coronaprotesten. Irgendwo läuft immer jemand mit, der radikal rechts, links oder was auch immer ist. Irgendwo lässt sich immer etwas finden, wenn eine Demonstration nicht im Sinne „der Macht“ ist.

    Im Vorspann des Artikels heißt es:

    „Erneut gehen bundesweit Schülerinnen und Schüler gegen den Wehrdienst auf die Straße. Mobil machen dabei auch Gruppierungen aus dem linksextremen Spektrum. Sicherheitsbehörden gelten sie mitunter als „Treiber“ hinter den Protesten.“

    Der Redaktion möchte man sagen: Ist gut. Lasst es einfach bleiben. Bemüht euch erst gar nicht darum, dieser „Berichterstattung“ einen sachlichen Anstrich zu geben. Selbst der Dümmste bemerkt, wie die Rahmung aussieht. Hier wird kein neutraler Nachrichtenjournalismus abgeliefert. Hier geht es nicht um eine faire Hintergrundberichterstattung zu den Demos.

    Dass diese Demos der Politik nicht schmecken, ist bekannt. Dass sie dem BR auch nicht schmecken, wird offensichtlich.

    Man muss sich das vor Augen halten: Da strebt die deutsche Politik „Kriegstüchtigkeit“ an. Da werden überall im Land Musterungszentren aufgebaut. Da sprechen Politiker immer eindringlicher von einem „möglichen Krieg“ gegen Russland. Und Schülern, die auf diesen Kurs verständlicherweise keinen Bock haben, fällt der BR mit einem Bericht in den Rücken, der angebliche „Vefassungsfeinde“ in den Vordergrund stellt.

    Nach all dem, was die Jugend Deutschlands in diversen Kriegen durchleiden musste, ist dieser BR-Beitrag schlicht eine Sauerei.

    Etwas Gutes hat das Vorgehen des BR und anderer Medien allerdings: Die wachen jungen Leute lernen schnell, mit welch einer Art von „Journalismus“ sie es zu tun haben.


    Titelbild: Screenshot br.de


    Rubriken: Kampagnen/Tarnworte/NeusprechMedienkritik


    Schlagwörter: 


    Info: https://www.nachdenkseiten.de/?p=150267


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    12.05.2026

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    nachdenkseiten.de, 12. Mai 2026 um 10:38 

    „Weltfremde Verweigerungshaltung“ – so kommentiert ein Politredakteur vom Münchner Merkur die Proteste der Schüler gegen die Wehrpflicht. Damit ist ein weiterer Beitrag gesetzt, der sich gegen das Anliegen der Schüler stellt, bei dem politischen Großprojekt „Kriegstüchtigkeit“ mitzumachen. Marc Beyer spricht von einer „neuen Realität“, die angeblich „noch nicht überall angekommen“ sei. Was er damit meint, verliert sich in politischer Fehldeutung. Von welcher „neuen Realität“ der Journalist redet, kann sich zwar jeder denken, das macht es allerdings nicht besser. Die „neue Realität“, also die herbeifantasierte „Zeitenwende“, ist nämlich vor allem eins: Eine propagandistisch verseuchtes, hochgradig manipulatives Konstrukt von Politik und Medien. Journalisten stehen dahinter – und greifen lieber Jugendliche an, die nicht Kriegsverfügungsmasse des Staates sein wollen.


    Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar.

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    Die Medien schließen die Reihen. Wieder sind zu viele von ihnen auf Linie – wie nahezu immer, wenn es um die vorherrschende Politik geht. Da gehen Schüler auf die Straße, weil sie in weiser Voraussicht erkennen: Unter den politischen Vorzeichen Kriegstüchtigkeit kann ein neuer Wehrdienst für sie am langen Ende den Kriegstot bedeuten. Doch diese Grundhaltung stört. Sie stört die Politik. Und, erwartungsgemäß, stört sie die Medien. Oder genauer: Journalisten.

    Anstatt zu tun, was ihre Aufgab ist, nämlich der Regierung entgegenzutreten, stürzen sich Journalisten auf Jugendliche, die keine Lust auf Uniform, Waffen und Krieg haben.

    Das Land soll kriegstüchtig werden – Journalisten, die ihren Beruf ernst nehmen, müssten Zeder und Mordio schreien. Stattdessen lesen sie den Schülern die Leviten und tragen den Kurs des politischen Wahnsinns mit.

    Oh ja, Journalisten tragen schwere Schuld.

    In dem Kommentar von Beyer geht es Schlag auf Schlag.

    Von „weltfremder Verweigerungshaltung“ ist schon in der Überschrift die Rede. Dann spricht der Politredakteur von „Anmaßung“, das Motto der Schüler bewege sich zwischen „Pathos und Nonsens“ – er meint damit Aussagen wie: „Nie wieder Krieg, „Nie wieder Faschismus! Nie wieder Wehrpflicht!“.

    Er beklagt zwischen den Zeilen, dass sich die Strafen für das Nichtausfüllen des Fragebogens der Bundeswehr unterhalb des möglichen bewegen und wundert sich darüber, dass die Schüler das Ausfüllen des Fragebogens als Zumutung empfinden. Und so geht es weiter.

    Was soll man in Anbetracht dieser Zeilen sagen?

    Kluge Schüler möchten nicht Kriegsverfügungsmasse des Staates sein. Was gibt es da nicht zu verstehen? Und: Was soll denn an dem Ausruf „Nie wieder Krieg!“ Unsinn sein? Am Rande: Joseph Goebbels gebrauchte den Begriff „kriegstüchtig“ – unter anderem in einem Leitartikel unter der Schlagzeile „Kriegstüchtig wie nur je“. Nun ist heute gewiss nicht gestern – aber kriegstüchtig? Bei diesem furchtbaren Propagandawort müssten bei allen Journalisten die Alarmanalgen anspringen.

    Stattdessen redet Beyer von einer „neuen Realität“. Was offensichtlich nicht verstanden wird: Die Medienwirklichkeit ist nicht gleich die Wahrheit. Wenn Politiker von einer „Zeitenwende“ reden und Medien als Lordsiegelbewahrer agieren, dann ist das nicht die Realität. Es ist Propaganda. Es ist Stimmungsmache. Es ist eine Manipulation der Öffentlichkeit.

    Aber ist da nicht Russland? Ist da nicht der Überfall auf die Ukraine? Gewiss. Da ist aber auch ein Stellvertreterkrieg. Da ist aber auch eine US-amerikanische Tiefenpolitik. Und da ist, neben vielem Weiteren, ein geopolitisch, geostrategisch hochgradig aufgeladener Konflikt zwischen Nato und Russland.

    Ein Politredakteur sollte all das verstehen. Wenn er es versteht, muss er über Propaganda, nicht von einer „neuen Realität“ reden


    Rubriken: Audio-PodcastDas kritische Tagebuch


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    Info: https://www.nachdenkseiten.de/?p=150317


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    12.05.2026

    deutsche Wiederaufrüstung: Deutschland über alles?

    aus e-mail von Doris Pumphrey, 12. Mai 2026, 11:24 Uhr


    RTDE 11.5.2026

    Deutschland über alles?
    Die Welt ist noch nicht bereit für eine deutsche Wiederaufrüstung

    Die militärischen Prioritäten der USA verlagern sich weg von Europa in den Mittleren Osten und nach China. Die NATO droht zu zersplittern. Die NATO-Mitglieder haben in unterschiedlichem Ausmaß Angst vor Russland, vor französischer Eigenständigkeit und vor Deutschlands militärischem Wiederaufstieg.

    Von Fjodor Lukjanow

    In den Schlagzeilen wimmelt es von Berichten über wachsende Unstimmigkeiten innerhalb der NATO. US-Präsident Donald Trump hinterfragt offen den Wert von Verbündeten, die seiner Ansicht nach ihren Teil der Last nicht tragen. Westeuropa beklagt sich über die Unzuverlässigkeit seines amerikanischen Schutzherrn, bekräftigt aber gleichzeitig seine Loyalität gegenüber dem Atlantischen Bündnis. Hinter dem täglichen Lärm vollzieht sich jedoch etwas weitaus Bedeutenderes: der schrittweise Wandel der politischen und militärischen Ordnung.

    Jahrzehntelang garantierten die Vereinigten Staaten die Sicherheit Westeuropas. Die Europäer konzentrierten sich unterdessen auf Wohlstand und Sozialstaat. Diese Konstellation erscheint nun zunehmend instabil. Washingtons strategische Prioritäten haben sich in Richtung Asien und auf die Konfrontation mit China verlagert. Europa bleibt zwar als logistische und politische Plattform für die amerikanische Macht wichtig, ist aber nicht mehr das unangefochtene Zentrum der US-Großstrategie.

    Trump hat diesen Prozess nicht ausgelöst, er hat ihn jedoch dramatisch beschleunigt. Seine Irritation über die NATO ist nicht einfach nur eine persönliche Laune. Sie spiegelt eine tiefere amerikanische Erkenntnis wider, wonach die Ära der unbegrenzten Absicherung der westeuropäischen Sicherheit zu kostspielig und strategisch ablenkend geworden ist.

    Das Bündnis selbst wurde für ein anderes Zeitalter und einen anderen Zweck geschaffen. Die NATO sollte die Sowjetunion in Schach halten und den amerikanischen Einfluss in Europa verankern. Niemals war sie als globales Instrument zur Konfrontation mit China gedacht. Doch genau in diese Richtung möchten viele in Washington sie drängen. Diese Europäer teilen aber nicht die Sorge der USA hinsichtlich Pekings. Für die meisten von ihnen stellt China einen wirtschaftlichen Konkurrenten dar, keine existenzielle Bedrohung. Dagegen bleibt Russland für einen Großteil des Bündnisses das größte Sicherheitsproblem, insbesondere für die nördlichen und östlichen Mitgliedstaaten.

    Dieser Unterschied führt zu einer Veränderung innerhalb der NATO. Frankreich hat sich als lautstärkster Verfechter einer größeren strategischen Unabhängigkeit Westeuropas herauskristallisiert. Paris blickt auf eine lange Tradition militärischer Autonomie zurück. Nach wie vor verfügt Frankreich als eine der wenigen europäischen Mächte über eine wirklich unabhängige nukleare Abschreckung. Frankreich kann den amerikanischen Nuklearschirm über Westeuropa realistisch gesehen nicht ersetzen. Die französische Regierung versucht aber immer mehr, sich als ideologischer Vorreiter eines selbstbestimmteren Bündnisses zu positionieren.

    Währenddessen setzt Großbritannien seinen traditionellen Balanceakt zwischen der EU und den Vereinigten Staaten fort. London beharrt auf seiner Unabhängigkeit von Brüssel und sucht gleichzeitig nach Unterstützung aus Washington. Die nördlichen und östlichen EU-Staaten bleiben äußerst kriegslustig und setzen auf eine Konfrontation mit Russland, unabhängig davon, ob sich die Amerikaner weiterhin voll engagieren. Südeuropa zeigt sich weit weniger enthusiastisch und ist stattdessen mit Migration, wirtschaftlicher Stagnation und innenpolitischer Instabilität beschäftigt.

    Wie so oft in der europäischen Geschichte wird auch hier Deutschland wahrscheinlich der entscheidende Faktor sein. Ein Großteil des Nachkriegseuropas wurde auf einer zentralen Idee aufgebaut: Deutschland darf nie wieder zu einer eigenständigen geopolitischen Kraft werden. Nach dem Jahr 1945 war das Land geteilt, militärisch eingeschränkt und unter amerikanischer Aufsicht fest in westliche Strukturen eingebunden.

    Selbst die deutsche Wiedervereinigung im Jahr 1990 wurde unter anderem deshalb akzeptiert, weil Deutschland in der NATO verankert blieb. Damals glaubten viele, die Einbindung eines vereinigten Deutschlands in das Atlantische Bündnis sei die sicherste Lösung für Europa. Ironischerweise wurde genau diese Entscheidung zu einem der Ausgangspunkte der heutigen geopolitischen Krise. Die Osterweiterung der NATO schuf eine Sicherheitsarchitektur, welche Moskau zunehmend als feindselig und destabilisierend erachtete.

    Dreieinhalb Jahrzehnte später könnte Europa nun erneut mit der Aussicht auf ein strategisch autonomes Deutschland konfrontiert sein, wenn auch diesmal unter völlig anderen Umständen. Der ehemalige Bundeskanzler Olaf Scholz kündigte im Jahr 2022 nach der Eskalation des Ukraine-Konflikts eine "neue Ära" an. Eine Zeit lang schien dieser Slogan weitgehend symbolisch zu sein. Unter der derzeitigen deutschen Führung zeichnen sich jedoch konkrete Veränderungen ab.

    In Berlin wird über eine beschleunigte Aufrüstung, den Ausbau der militärischen Infrastruktur und Gesetzesänderungen zur Erhöhung der Rekrutierungszahlen für die Bundeswehr diskutiert. Die Debatte über die Wehrpflicht, einst politisch undenkbar, kehrt nun in den Mainstream zurück.

    Aufschlussreich sind diesbezüglich die jüngsten Äußerungen des katholischen Militärbischofs der Bundeswehr, Franz-Josef Overbeck. Ganz offen forderte Overbeck, dass Deutschland Truppen in die Straße von Hormus entsenden solle. Obendrein sprach er sich dafür aus, die Wehrpflicht nicht nur für Männer, sondern auch für Frauen wieder einzuführen. Seine Argumentation war klar und deutlich: Deutschland könne sich in einer zunehmend gefährlichen Welt nicht länger heraushalten.

    In der deutschen Politik sind wahrscheinlich viele insgeheim seiner Meinung. Die Politiker bleiben jedoch vorsichtig, da die deutsche Gesellschaft Militarismus und Auslandseinsätze nach wie vor sehr ablehnt. Die jahrzehntelange politische Kultur der Nachkriegszeit hat einen pazifistischen Geist geschaffen, der bei den Wählern nach wie vor stark verankert ist. Im Gegensatz zu gewählten Amtsträgern kann der Bischof freier sprechen.

    Deutschland ist zudem mit wachsenden Wirtschaftsproblemen konfrontiert. Es handelt sich nicht nur um einen vorübergehenden Abschwung. Das alte deutsche Wirtschaftsmodell stützte sich stark auf billige russische Energie und exportgetriebenes industrielles Wachstum sowie auf eine stabile Globalisierung. Ein Großteil dieser Grundlagen ist inzwischen erodiert.

    Infolgedessen finden vormals als toxisch betrachtete politische Diskussionen mittlerweile ganz offen statt. Militarisierung wird zunehmend nicht nur als sicherheitspolitische Notwendigkeit begriffen, sondern auch als potenzieller Motor für wirtschaftlichen Aufschwung. Noch vor wenigen Jahren wäre so eine Argumentation in Deutschland völlig ungewöhnlich gewesen. Heute ist sie Teil der Mainstream-Debatte.

    An dieser Stelle lässt sich die historische Dimension nicht mehr ignorieren. Die deutsche politische Kultur ist seit Langem geprägt von Disziplin und einer bemerkenswerten Zielstrebigkeit bei der Umsetzung strategischer Pläne, sobald sich ein Konsens gebildet hat. In ruhigeren Zeiten kann dies eine enorme Stärke sein. In Zeiten geopolitischer Konfrontation kann es jedoch gefährlich werden.

    Wie Russland bereits schon einmal zu Deutschlands Hauptfeind wurde, ist aus der europäischen Geschichte nur allzu bekannt. Über Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg glaubten viele, diese Lektion sei endlich gelernt worden. Zudem sollte die wirtschaftliche Verflechtung zwischen Russland und Deutschland dafür sorgen, dass eine große Konfrontation komplett irrational würde. Dass sich diese Annahme als falsch erwiesen hat, hat weite Teile Europas schockiert.

    Trumps Druck auf die NATO wirkt als Katalysator für ohnehin bereits stattfindende Veränderungen. Westeuropa wird – wenn auch widerwillig und uneinheitlich – zu größerer militärischer Unabhängigkeit gedrängt. Ob dies die NATO letztlich stärkt oder nach und nach aushöhlt, bleibt unklar. Ein völliger Zusammenbruch des Bündnisses ist unwahrscheinlich. Institutionen dieser Größenordnung verschwinden selten plötzlich. Wahrscheinlicher ist eine schrittweise Umwandlung in eine schmalere und fragmentiertere Struktur. Innerhalb der NATO könnte sich ein Kernblock herausbilden, der sich in erster Linie auf die Eindämmung Russlands konzentriert, während die Vereinigten Staaten ihren Fokus stärker auf Asien richten.

    Es liegt vor allem an Deutschland, ob ein solcher Block tatsächlich Gestalt annimmt. Sollte Berlin sich voll und ganz für eine Wiederaufrüstung und eine strategische Loslösung von der amerikanischen Kontrolle einsetzen, könnte sich die politische Landschaft Europas grundlegend verändern. Bis zum Ende von Trumps Präsidentschaft könnte dieser Prozess bereits weit fortgeschritten sein.

    Einmal mehr dürfte Europa also feststellen, dass Geschichte nicht sicher in Lehrbüchern verwahrt bleibt. Die alten Rivalitäten und Ängste, die den Kontinent jahrhundertelang geprägt haben, kehren auf beunruhigende Weise ausgerechnet dann zurück, wenn die Menschen davon überzeugt sind, sie seien für immer verschwunden.

    Fjodor Lukjanow ist ein russischer Experte auf dem Gebiet der internationalen Beziehungen und der Außenpolitik. Er arbeitet als Forschungsprofessor an der Fakultät für Weltwirtschaft und globale Politik der staatlichen Universität "Higher School of Economics" (Hochschule für Wirtschaft). Seit dem Jahr 2002 ist er Chefredakteur der Zeitschrift "Russia in Global Affairs" und seit 2012 Vorsitzender des Präsidiums des Rates für Außen- und Verteidigungspolitik Russlands.  





    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    12.05.2026

    Genozidgegner in den Knast?

    aus e-mail von Doris Pumphrey, 12. Mai 2026, 11:23 Uhr


    RTDE 12.5.2026

    Genozidgegner in den Knast? Hessen will Staatsräson per Sonderjustiz durchsetzen

    Der Bundesrat muss über Hessens Gesetzentwurf entscheiden, der die "Leugnung" von "Israels Existenzrecht" hart bestrafen soll. Juristen sehen die Meinungsfreiheit gefährdet. Doch es ist mehr: ein politischer Angriff auf die Friedensbewegung im Namen der Staatsräson.

    Von Alexandra Nollok

    Dass Friedensaktivisten deutsche Waffenlieferungen in Kriegsgebiete ablehnen, liegt in der Natur der Sache. Stets hatte die Bewegung mit staatlichen Repressionen zu kämpfen. Wer heute gegen Rüstungsexporte für die Ukraine ist, gilt als "Putintroll" oder "Desinformationsagent". Und wer nicht will, dass Israel mit deutschen Waffen Kriegsverbrechen in Dauerschleife begeht, wird als "Israelhasser" oder "Antisemit" gebrandmarkt. Im besonderen Fokus stehen derzeit neben der Palästina-Solidaritätsbewegung
    die "Schulstreiks gegen Wehrpflicht". Wer die deutsche Staatsräson infrage stellt, könnte bald ins Gefängnis wandern.

    Leugnen, was nicht existiert?

    Denn Hessen will die deutsche Staatsräson im deutschen Strafgesetzbuch verankern. Wie angekündigt, brachte die CDU-SPD-Landesregierung ihren Gesetzentwurf am Freitag im Bundesrat ein. Wer "das Existenzrecht Israels leugnet", soll bis zu fünf Jahre ins Gefängnis wandern oder Geldstrafe zahlen.

    Dabei gesteht nicht einmal das Völkerrecht Nationalstaaten ein Existenzrecht zu. Es regelt vielmehr ihre Beziehungen untereinander. Sonst würde es wohl die Sowjetunion, die DDR oder Jugoslawien noch geben. Staaten können sich danach beliebig aufspalten, neu gründen oder auflösen und anderen Staaten anschließen. Hessen will also verbieten, etwas zu leugnen, das gar nicht existiert.

    Frei auslegbare Strafjustiz

    Noch schwerer wiegt es wohl, dass der Entwurf sehr unkonkret und fast beliebig auslegbar ist. Behörden könnten unter dem Vorwand des Gesetzes zum Beispiel Demonstrationen gegen deutsche Waffenlieferungen an Israel verbieten – trotz des Völkermordverfahrens des Internationalen Gerichtshofs gegen diesen Staat. Sie könnten ihre Anmelder vor den Kadi zerren, ebenso wie streikende Jugendliche mit Palästinafahnen und jeden Kritiker, der beispielsweise Israel in sozialen Medien einen Genozid vorwirft.

    Dürfte sich dann irgendwer noch mit Kufiya auf die Straße trauen? Könnte einer der rund 200.000 in Deutschland lebenden Palästinenser noch öffentlich seine ermordeten Angehörigen betrauern, ohne der "Leugnung" strafbewehrt verdächtig zu werden? Was ist mit Exiliranern, Syrern oder Libanesen, die Angriffe Israels auf ihre Länder verurteilen? Und: Würde das Existenzrecht auch für weitere Eroberungen bis hin zu einem Großisrael zwischen Nil und Euphrat gelten, über Millionen Vertriebene oder Getötete hinweg?

    Keiner weiß das so genau, weil der Entwurf konkrete Vergehen gar nicht definiert. "Gerichte müssen das Gesetz erst auslegen", konstatierte Ende April zum Beispiel der Hessische Rundfunk.

    Maulkorb für Kritiker ohne "Brandmauer"

    Die Absicht dahinter ist durchsichtig: Das Gesetz soll einschüchtern. Es soll Betroffene des Völkermords und seine Kritiker zum Schweigen bringen. Es soll Proteste gegen dessen deutsche Unterstützung zum Schweigen bringen. Es soll die öffentliche Benennung tausendfach dokumentierter schwerer Kriegsverbrechen Israels eindämmen – und nicht zuletzt die Presse maßregeln.

    Und da der ominöse "israelbezogene Antisemitismus" vor allem Linken und Migranten vorgeworfen wird, richtet es sich letztlich vor allem gegen diese Gruppen. Dafür reißt man gern die sogenannte "Brandmauer" gegen die AfD (mal wieder) ein. Denn diese ist da ganz auf Linie und unterstützt das Vorgehen gegen angebliche "Existenzrechtsleugner" sowohl in Hessen als auch im Bundestag. Tatsächlich könnte die AfD letztendlich dafür sorgen, dass der Entwurf, der nicht der erste Versuch dieser Art ist, am Ende durchkommt.

    Juristen sehen Angriff auf Grundrechte

    Denn sogar in Teilen des liberalen Establishments stößt das Pamphlet auf Kritik. "Wir teilen die Sorge über eine Zunahme von Antisemitismus und antisemitischer Gewalt, halten aber den Entwurf für unvereinbar mit dem Grundgesetz", schrieben 30 Juristen in einem offenen Brief, darunter Völker- und Verfassungsrechtler. 

    So suggeriere der Begriff "Leugnung" eine Parallele zur Holocaustleugnung. Doch während der Holocaust eine Tatsache sei, handele es sich beim "Existenzrecht Israels" um eine bestimmte politische Meinung, die – mit Ausnahme der Verherrlichung, Billigung oder Rechtfertigung der Naziverbrechen – nicht eingeschränkt werden dürfe. Denn die konkreten Konsequenzen, die Deutschland aus seiner Vergangenheit ziehen müsse, unterlägen, so heißt es, der "Meinungskonkurrenz". Eine politische Absichtsbekundung wie die im Entwurf genannte "Staatsräson" dürfe nicht zum Einschränken von Grundrechten führen, schreiben die Juristen.

    Verbotsaufruf gegen Juden und Großisrael-Trophäe

    Dass deutsche Politiker gern Israel mit allen Juden gleichsetzen, ist zwar per Definition selbst antisemitisch, aber nichts Neues. Hessens Landesregierung ist bekannt für besonders eifrige Verfolgung von Kritikern von Völkermord und Staatsräson – sogar dann, wenn diese selber jüdisch sind.

    So warf deren Antisemitismusbeauftragter Uwe Becker (CDU) im Januar dem antizionistischen Verein "Jüdische Stimme" den "Missbrauch des Holocaustgedenkens" vor, weil er gegen israelische Besatzungs- und Apartheid-Politik und nun auch gegen den Völkermord in Gaza protestiert. Kurz darauf verlangte der Politiker sogar, den jüdischen Verein komplett zu verbieten.

    Becker fällt schon länger durch extreme Ansichten auf. Im September 2024 posierte er etwa in Frankfurt am Main neben israelischen Soldaten mit einer Großisrael-Trophäe. Jede Demonstration oder Veranstaltung, in der es irgendwie um Palästina geht, torpediert er fortgesetzt mit wilden Antisemitismusvorwürfen und Verbotsforderungen.

    Inszenierter "antisemitischer Anschlag"

    Ähnlich agiert Beckers Brandenburger Amtskollege Andreas Büttner. Der inszenierte sich im Januar als Opfer eines vermeintlich "antisemitischen Brandanschlags" durch angebliche "Hamas-Unterstützer" ‒ die Leitmedien schlugen moralintriefend zu.

    Auch Uwe Becker sprang Büttner damals bei. Auf X schwadronierte er von "hasserfüllten, israelfeindlichen Antisemiten" als angebliche Täter, die "Terror unterstützen" würden und somit "selbst Terroristen" seien. Wen er damit meinte, verdeutlichte er in einem Satz: "Deren Hetze hatte noch nie etwas mit echter Solidarität gegenüber Palästinensern zu tun, sondern einzig mit Hass und Hetze gegenüber jüdischem Leben." Er beschuldigte also direkt die Palästina-Bewegung.

    Nun kam jedoch heraus: Den Anschlag verübten gute Freunde und Geschäftspartner Büttners 
    ‒ dies allem Anschein nach in Absprache. Die Absicht hinter dieser mutmaßlichen "False Flag"-Aktion kann man erahnen: die Palästina-Solidaritätsbewegungzu kriminalisieren.

    Gesetz für ungestörte Kriegspropaganda

    Darum geht es: Deutsche Konzerne sollen unwidersprochen von Kriegsverbrechen und Völkermord profitieren. Keiner soll noch ohne Angst vor Strafverfolgung dagegen protestieren können. Das Gesetz soll die Friedensbewegung und propalästinensische Proteste zum Schweigen bringen, um den neuen deutschen imperialistischen Kriegskurs nicht zu beeinträchtigen. Es ist ein Gesetzentwurf für ungestörte Kriegspropaganda.


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    12.05.2026

    Neue Serie
    Warum Boden als öffentliche Infrastruktur betrachtet werden kann – und sollte

    makronom.de, vom 11. Mai 2026, PIUS KOBLER & ULRIKE GÖLKER ZEUGIN, Ungleichheit 

    Wer Boden lediglich als Ware oder Kapitalanlage betrachtet, verkennt seine gesellschaftliche Funktion. Eine neue Serie widmet sich der Frage, warum Boden als öffentliche Infrastruktur verstanden werden sollte und was das für die wirtschaftspolitische Debatte bedeutet.


    Bild: Nicolas Prieto via Unsplash


    Boden ist eine zentrale Grundlage wirtschaftlicher Entwicklung und gesellschaftlichen Wohlergehens, spielt im ökonomischen Diskurs heutzutage jedoch meist nur eine Nebenrolle. Dabei wirft die endliche Ressource Boden zentrale Fragen einer verlässlichen Grundversorgung innerhalb planetarer Grenzen auf: von Wohnen, Energie und Mobilität bis hin zu Industrie, Landwirtschaft, Erholungsräumen und ökologischen Funktionen.

    Die Sonderreihe „Boden als öffentliche Infrastruktur“ widmet sich diesen Zusammenhängen aus unterschiedlichen Perspektiven. In fünf Beiträgen geht sie der Frage nach, was es heißt, Boden als öffentliche Infrastruktur neu zu denken und welche Konsequenzen sich daraus für eine zeitgemäße Bodenpolitik und die ökonomische Debatte ergeben. Sie behandelt Fragen der Bodengerechtigkeit, der Demokratisierung urbaner Bodenbeziehungen, der Rolle von Bodenrenten und Bodenwerten für Infrastrukturen sowie des Flächensparens, dessen Relevanz weit über ökologische Zielsetzungen hinausgeht. 

    Die Reihe wird von Economists for Future gemeinsam mit dem Kompetenzzentrum Alltagsökonomie kuratiert und erscheint in Kooperation mit dem Makronom. Gefördert wird sie von der Heidehof Stiftung. Den Auftakt macht der folgende Beitrag.

    Boden ist neben Arbeit und Kapital einer der drei volkswirtschaftlichen Produktionsfaktoren – und zugleich der am stärksten vernachlässigte. Im Unterschied zu Arbeit und Kapital weist Boden grundlegende Besonderheiten auf: Er ist nicht substituierbar, denn jede menschliche Existenz und Tätigkeit erfordert Boden. Er ist eine unserer wesentlichen natürlichen Lebensgrundlagen und – anders als Kapital oder Arbeit – nicht vermehrbar; eine Angebotselastizität ist praktisch inexistent. Der wirtschaftliche Wert des Bodens wird stark durch Lage und Erreichbarkeit geprägt. Knappe Flächen an begehrten Lagen reagieren aufsteigende Nachfrage mit überproportionalen Preissteigerungen. Hinzu kommen regelmässige Nutzungskonkurrenzen und -konflikte. Der Multifunktionscharakter des Bodens prägt auch sein ökonomisches Wertpotenzial.

    Die Bodennutzung ist in der Schweiz stark reglementiert. Eine kohärente Abstimmung zwischen den verschiedenen Teilpolitiken und -zielen dieser Reglementierung fehlt jedoch. So schützt das revidierte Raumplanungsgesetz zwar das unbebaute Gebiet ausserhalb der Bauzone (Boden-, Natur- und Klimaschutz), erzeugt aber gleichzeitig eine stärkere Nachfrage nach Bebauungspotenzial innerhalb der Bauzone – mit unkontrollierten, preistreibenden Effekten. Alltags- und damit auch medienrelevant werden die Besonderheiten des Bodens, wenn sich hohe Bodenpreise auf die Wohnkosten und das sozialräumliche Gefüge einer Stadt oder Region auswirken. Die ausufernden Wohn- und Immobilienkosten gehören zu den grössten sozioökonomischen Herausforderungen unserer Zeit.

    In der wohnungspolitischen Debatte – sei es in Deutschland, Österreich oder der Schweiz – wird der Diskurs jedoch zumeist auf Nebengleisen geführt: Man spricht über Leerwohnungsziffern, administrative Hürden, ungerechtfertigte Einsprachen, Baukosten, Baubeschleunigung oder Förderprogramme. Bodennahe Themen wie die Funktion des Bodens als Anlageobjekt oder die Frage der Bodenrenten und ihrer Profiteure bleiben dabei der Fachwelt vorbehalten.

    Boden als Kapitalgut – eine Frage der Eigentümerschaft

    Der ökonomische Mechanismus hinter der Attraktivität des Bodens als Kapitalgut ist die sogenannte Bodenrente – ein leistungsloses Einkommen (eine ökonomische Rente), das den Grundeigentümer:innen zufällt.

    Warum leistungslos? Weil die Wertsteigerung eines Grundstücks in aller Regel nicht auf Investitionen oder Arbeit der jeweiligen privaten Eigentümer:innen zurückgeht. Bodenwertsteigerungen entstehen vielmehr durch Leistungen der Allgemeinheit: durch Ein-, Um- oder Aufzonungen, durch den steuerfinanzierten Ausbau von Infrastruktur, durch die Nähe zu zentralen Einrichtungen und durch die schiere Nachfrage einer wachsenden Gesellschaft. Die Kosten trägt die öffentliche Hand – die Erträge fliessen zu den Grundeigentümer:innen. Dies rückt die Haltung der Eigentümerschaft gegenüber dem Boden und ihren Liegenschaften in den Fokus: Manche Eigentümer:innen sind primär am Gebrauchswert interessiert, andere primär am Kapitalwert.

    Die Wohnungsfrage ist im Kern eine Eigentumsfrage – und damit unweigerlich eine Bodenfrage (Kriese 2022). Dennoch wird Boden heute in aller Regel als Anlageobjekt behandelt. Wenn wir bezahlbaren Wohnraum sichern wollen, müssen wir beginnen, Boden als elementare öffentliche Infrastruktur zu begreifen.

    Die private Aneignung gesellschaftlich erzeugter Bodenrenten führt zu einer massiven Vermögensumverteilung. Die Dimensionen dieser Umverteilung sind gigantisch – so gigantisch, dass man jüngst zu Recht von der Etablierung eines „Neo-Feudalismus“ gesprochen hat. Nehmen wir die Schweiz als pars pro toto: Mit einem Kapitalwert von rund drei Billionen Franken ist der Boden einer der grössten volkswirtschaftlichen Faktoren des Landes. Er generiert jährliche Erträge von 44 Milliarden Franken; hinzu kommen rund 86 Milliarden Franken an leistungsfreien Aufwertungsgewinnen. Zusammen entspricht dies 17% des Bruttoinlandsprodukts und 39% des gesamten jährlichen Kapitaleinkommens (Schläpfer/Lobsiger 2025).

    Der Geldfluss von der mehrheitlich mietenden Bevölkerung zur Minderheit der Bodeneigentümer:innen ist massiv und wächst weiter. Allein in der Schweiz betrug diese Umverteilung von Mieter:innen zu Vermieter:innen zwischen 2005 und 2021 insgesamt 78 Milliarden Franken (BASS AG 2022).

    Von der Gewinn- zur Gemeinwohlorientierung

    Es wäre ein Fehler, die Bodenfrage auf das urbane Wohnungsproblem zu verengen. Die Dynamiken sind im ländlichen Raum teils noch drastischer – und strukturell verwandt. Im Schweizer Unterengadin zeigt der Verein Anna Florin, wie Immobiliendruck auf Dorfgemeinschaften wirkt: Jahrzehntelang wurden historische Engadinerhäuser von Einheimischen an zahlungskräftige Ferienwohnungskäufer verkauft. In der Gemeinde Scuol sind über 90% aller bestehenden Häuser nicht als Erstwohnungen geschützt. Einheimische können bei den hohen Preisen nicht mitbieten, die Dorfzentren sterben aus. Was in der Stadt als Gentrifizierung beschrieben wird, heisst hier: Das Dorf verliert seine Bevölkerung an die Ferienimmobilienwirtschaft. Ähnliche Dynamiken prägen ländliche Regionen in Bayern, Tirol und dem Salzkammergut.

    In landwirtschaftlichen Regionen tritt ein weiteres Phänomen hinzu: die Verschiebung der Marktverhältnisse durch den Abfluss von Agrarland in die Hände von Investmentgesellschaften und Fonds, die einem Renditedruck unterliegen. In Deutschland hat sich der Bodenpreis für Ackerland zwischen 2000 und 2020 mehr als vervierfacht. Landwirt:innen, die Flächen zupachten müssen, verlieren an Wettbewerbsfähigkeit; junge Hofnachfolger:innen finden keine erschwinglichen Einstiegsmöglichkeiten. Die Bodenspekulation bedroht damit nicht nur das Wohnen in der Stadt, sondern auch die Strukturen der Ernährungssicherung und des ländlichen Lebens.

    In der Schweiz ist auf Bundesebene das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) für den Service public bzw. die öffentliche Infrastruktur zuständig. Zu seinen Aufgaben gehört es, dafür zu sorgen, dass Dienstleistungen der Grundversorgung effizient, in guter Qualität und für alle zugänglich angeboten werden; die Bedürfnisse von Bevölkerung und Wirtschaft sind zu berücksichtigen und die natürlichen Lebensgrundlagen zu schützen. Klassisch umfasst der Begriff Service public die Bereiche Verkehr (SBB), Energie, Post und Telekommunikation. Der Boden gehört formal nicht dazu.

    Würde der Boden als Teil des Service public betrachtet, wäre dies ein massiver Perspektivenwechsel: Ökonomisch würde dies bedeuten, dass beim Boden nicht länger primär Verwertungs- und Renditelogiken im Vordergrund stünden, sondern Fragen der Verfügbarkeit, Leistbarkeit, Versorgungssicherheit und gemeinwohlorientierten Nutzung. Die heutige Situation in der Schweiz kann als regulierter Markt beschrieben werden: Private Eigentümer:innen treffen Entscheidungen, Preise können stark steigen, und der Staat greift nur korrigierend ein – etwa über das Raumplanungsgesetz und das Mietrecht. Unter einer Betrachtung von Boden als öffentlicher Infrastruktur träte hingegen eine Versorgungslogik in den Vordergrund. Diese folgt keiner Gewinn-, sondern einer Gemeinwohlorientierung.

    Warum die Bodenfrage politisch und ökonomisch kaum bearbeitet wird

    Um zu verstehen, warum weite Teile der Politik einer massiven gesellschaftlichen Umverteilung weitgehend tatenlos zusehen, lohnt ein Blick in die ökonomische Ideengeschichte (Kriese 2025). Die klassischen Nationalökonomen unterschieden noch ganz selbstverständlich zwischen den drei Produktionsfaktoren Arbeit, Boden und Kapital. Für Denker wie John Stuart Mill war klar, dass Boden das ursprüngliche Erbteil des gesamten Menschengeschlechts sei und niemand ihn erschaffen habe.

    Die Neoklassik subsumierte den Boden unter das Kapital. Kritische Gegenstimmen wie Henry George, Pierre Joseph Proudhon oder Silvio Gesell konnten sich mit ihren Reformvorschlägen für eine nicht kapitalistisch ausgestaltete Marktwirtschaft nicht durchsetzen (Onken 2022). So wirkt die neoklassische Prägung bis heute fort. Boden wird weithin kapitalisiert und zugleich funktional reduziert, nämlich als eine für beliebige Zwecke zur Verfügung stehende Ressource betrachtet, ohne seine Endlichkeit, Ortsgebundenheit und einzigartige sozialökonomische Bedeutung angemessen zu berücksichtigen.

    Wer eine evidenzbasierte Bodenpolitik fordert, stößt auf ein zentrales Hindernis: Der Bodenmarkt in der Schweiz ist beispielsweise bis heute nur begrenzt transparent. So gibt es etwa keine nationale, offizielle Bodenwert- oder Baulandpreisstatistik, Eigentumsdaten sind nur eingeschränkt zugänglich und Bodenerträge nach Eigentümerkategorien werden nicht systematisch erfasst. Während jedes Kalb auf einer Schweizer Alp statistisch erfasst wird, geschieht dies mit dem Boden als einem der größten volkswirtschaftlichen Faktoren des Landes nicht. Wo Daten fehlen, bleibt die Debatte auf der Ebene von Glaubenssätzen stecken. Das Schweizerische Bundesamt für Statistik hat immerhin angekündigt, ab Dezember 2026 erstmals systematisch Grundbuchdaten zu veröffentlichen.

    Im Zentrum steht damit die Frage, wie Bodenwerte, Bodenerträge und Eigentumsverhältnisse systematischer erfasst und öffentlich zugänglich gemacht werden können. Eine weitere Ursache für den zögerlichen Umgang mit der Bodenfrage liegt im rechtlich-politischen Verständnis des privaten Eigentums. In Deutschland ist mit „Eigentum verpflichtet” eine explizite Sozialbindung formuliert, während diese in der Schweiz auf Bundesebene deutlich schwächer ausgeprägt ist. In Österreich fehlt eine vergleichbar klare verfassungsrechtliche Sozialbindung des Bodeneigentums, wenngleich das Raumordnungsrecht punktuell weitergehende Eingriffe ermöglicht.

    In der Praxis ist das Ergebnis jedoch in allen drei Ländern ähnlich: Grundvermögen wird steuerlich und politisch weitgehend geschont. Dies trägt dazu bei, dass Eigentumskonzentration und Umverteilungseffekte rund um den Boden nur unzureichend bearbeitet werden. In Deutschland besteht das Privatvermögen der reichsten 10% zu gut 60% aus Immobilien; die reichsten 20% sind im Durchschnitt sogar zu rund 85% Grundeigentümer (Deutsche Bundesbank 2025). Umso wichtiger wäre mehr Transparenz darüber, wie sich Grundvermögen auf unterschiedliche Eigentümertypen in Deutschland, Österreich und der Schweiz verteilt – und welche Umverteilungseffekte damit verbunden sind.

    Politische und institutionelle Konsequenzen

    Wenn wir anerkennen, dass Boden keine Ware, sondern eine fundamentale öffentliche Infrastruktur ist, muss er aus dem spekulativen Verwertungskreislauf herausgelöst werden – Dekommodifizierung. Dafür stehen (mindestens) vier erprobte und marktwirtschaftlich kompatible Instrumente zur Verfügung (Gerber/Kriese 2019):

    1.

    (Erb-)Baurecht: Die effektivste Methode, um das Nutzungsrecht am Boden vom Bodeneigentum zu entkoppeln, ist das vor gut 100 Jahren geschaffene Erbbaurecht (in der Schweiz: Baurecht). Vorausgesetzt, der jeweilige Erbbaurechtsvertrag trifft entsprechende Vorkehrungen, ermöglicht dieses Instrument eine weitgehende Dekommodifizierung des Bodens sowie die langfristige Sicherung sozialer und ökologischer Vereinbarungen. Als geeignete Bodeneigentümer:innen kommen insbesondere Kommunen und gemeinnützige Bodenstiftungen (wie etwa die Stiftungen Edith Maryon, Confoedera, Habitat, NWO-Belcampo und Trias) sowie – nach dem Vorbild der USA und Grossbritanniens – Community Land Trusts in Frage; als Bodennutzer:innen am ehesten Genossenschaften und andere gemeinwohlorientierte Akteure.

    2.

    Kommunale Bodeninitiativen: Bürger:innen wehren sich zunehmend dagegen, dass ihre Kommunen öffentliches Land privatisieren. Ein Meilenstein war die Basler Bodeninitiative, die 2016 mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit angenommen wurde: Seitdem darf kantonales Eigentum nicht mehr veräussert, sondern soll ausdrücklich im (Erb-)Baurecht vergeben werden. Zahlreiche weitere Schweizer Städte und Gemeinden – darunter Luzern und Winterthur – sind diesem Modell inzwischen gefolgt.

    3.

    Bodenwertsteuern (Land Value Tax): Für Boden, der nicht dauerhaft dem Markt entzogen, sondern in privatem Eigentum belassen wird, kann die Bodenrente mittels einer Bodenwertsteuer abgeschöpft werden. Im Unterschied zu verbreiteten Grund- und Liegenschaftssteuern, die Boden und Gebäude gemeinsam besteuern, erfasst die Bodenwertsteuer ausschliesslich den Bodenwert und lässt das aufstehende Gebäude unbesteuert. Sie schöpft damit gezielt die gesellschaftlich geschaffene Bodenrente ab, bestraft das Horten von Bauland und begünstigt Investitionen in Gebäude, da bauliche Verbesserungen steuerlich unbelastet bleiben. Bodenwertsteuern existieren u. a. in Dänemark, Estland, Teilen Australiens sowie im deutschen Bundesland Baden-Württemberg (Kriese/Löhr 2021 und Grundsteuer: Zeitgemäß!).

    4.

    Allmenden und Community Land Trusts: Historisch betrachtet war Boden jahrtausendelang Gemeineigentum. Spuren davon finden sich noch heute in den intakten Allmenden, Genossamen und Burgergemeinden der Schweiz (etwa der Burgergemeinde Bern oder der Korporation Uri), die enorme Landflächen bewirtschaften. International knüpft die wachsende Bewegung der Community Land Trusts an dieses Prinzip an, um Land dauerhaft im Namen der lokalen Gemeinschaft zu sichern.

    Wer Boden lediglich als Ware oder Kapitalanlage betrachtet, verkennt seine gesellschaftliche Funktion. Gerade weil Boden nicht vermehrbar, ortsgebunden und für nahezu alle Bereiche des Lebens unverzichtbar ist, sollte er als öffentliche Infrastruktur verstanden werden. Daraus folgt nicht nur die Notwendigkeit einer aktiven Bodenpolitik, sondern auch, Fragen des Eigentums, der Bodenrente, der Versorgungssicherheit und der gemeinwohlorientierten Steuerung in der ökonomischen Debatte stärker zu berücksichtigen.

     

    Zu den Autor:innen:

    Pius Kobler begleitet als Stiftungsrat der confoedera-Bodenstiftung die Entwicklung gemeinwohlorientierter Bodenlösungen seit vielen Jahren. Als Organisationsentwickler und Coach bei ONEDAY bringt er die Fähigkeit, komplexe gesellschaftliche und wirtschaftliche Zusammenhänge in konkrete Lösungen zu überführen, in die Praxis. Seit 2024 ist er Geschäftsführer des Vereins Gemeingut Boden.

    Ulrike Gölker Zeugin ist Raumplanerin und Immobilienexpertin. Sie ist seit 30 Jahren – davon rund 25 Jahre mit dem eigenen Büro – als Beraterin für strategisches Immobilienmarketing in der Schweiz tätig und engagiert sich als Dozentin bei Weiterbildungsangeboten auf Hochschul- und Fachhochschulebene. Seit 2025 ist sie Aktivmitglied im Verein Gemeingut Boden und dort Co-Leiterin der Kommission für Wissenschaft und Bildung.



    Info: https://makronom.de/warum-boden-als-oeffentliche-infrastruktur-betrachtet-werden-kann-und-sollte-51298?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=warum-boden-als-oeffentliche-infrastruktur-betrachtet-werden-kann-und-sollte


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    12.05.2026

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    Gegenwind für Selenskyj, Boykott beim ESC – und noch ein Angriff aufs Internet

    lostineu.eu, vom 12. Mai 2026

    Die Watchlist EUropa vom 12. Mai 2026 – Heute mit Nachrichten und Analysen zu Spannungen um den ukrainischen Präsidenten, zum Streit über Israel und zu neuen EU-Plänen zum “Jugendschutz

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    Für Wolodymyr Selenskyj könnte es kaum besser laufen. Die “New York Times” hat den Präsidenten der Ukraine im fünften Kriegsjahr zum “neuen Führer der freien Welt” ausgerufen, Kanzler Merz hat ihn zum “strategischen Partner” erklärt, die EU hat 90 Mrd. Euro versprochen – ohne Auflagen und ohne effiziente Kontrolle.

    Selenskyj fühlt sich so stark, daß er seinen russischen Gegenspieler Putin herausfordert. Erst erklärte er die Mai-Parade in Moskau zum möglichen Ziel für ukrainische Angriffe und riet ausländischen Staatsgästen von der Teilnahme ab. Dann tat er so, als habe er Putin höchstpersönlich die Genehmigung erteilt, die Parade zum Sieg über Nazideutschland doch noch abzuhalten!

    Die Wirklichkeit sieht anders aus. Es war US-Präsident Trump, der eine dreitägige Waffenruhe erzwungen hat – offenbar wollte er eine Eskalation vermeiden. Die USA haben die Ukraine auch mehrfach ermahnt, ihre Angriffe auf russische Energieanlagen einzustellen, da diese die globale Energiekrise anheizen. US-Sanktionen gegen Russland wurden ausgesetzt.

    “Beziehungen auf dem Tiefpunkt”

    Gegenwind kommt auch aus der EU. Beim letzten EU-Gipfel holte sich Selenskyj eine blutige Nase, als er zum x-ten Male versuchte, einen Blitzbeitritt seines Landes zu erzwingen. Sogar Kanzler Merz platzte der Kragen. “Relations are tense at the moment and probably at their lowest wartime point between Kyiv and Brussels,” heißt es in der US-Ausgabe von “Politico”.

    Die Europäer seien es leid, sich Selenskyjs Belehrungen anzuhören, schreibt das US-Magazin. Zuletzt hatte Selenskyj verkündet, neben der Ukraine müssten auch gleich noch die Türkei und Großbritannien aufgenommen werden, um gegen Russland zu bestehen. Der Mann fühlt sich offenbar nicht nur als Verteidiger, sondern sogar als Vordenker für ganz EUropa!

    In Wahrheit gefährdet Selenskyjs Übermut mittlerweile nicht nur die EU, die sich für die Ukraine verschulden mußte, sondern auch die Nato. Seine Drohnen-Angriffe auf Russland strahlen immer öfter auf Nato-Gebiet aus, wenn sie nicht direkt über Nato-Länder geführt werden. Finnland hat lautstark protestiert, in Lettland mußte der Verteidigungsminister zurücktreten.

    Der Rückhalt in Kiew schwindet

    Derweil verliert Selenskyj daheim in Kiew an Rückhalt. Der Widerstand gegen die “Busifizierung“, also die gewaltsame Einberufung von Soldaten, weitet sich aus. Im Parlament verliert der Kriegsherr den Rückhalt. Und der jüngste Korruptionsskandal (die sog. “Mindich Tapes”) rückt immer näher an Selenskyj und sein Umfeld heran.

    Nur die EU-Außenbeauftragte Kallas tut weiter so, als laufe alles nach Plan. Die “rekordverdächtigen” Verluste Moskaus auf dem Schlachtfeld, die weitreichenden Angriffe der Ukraine auf Russland und die “immer kleiner werdende Militärparade in Moskau” zeigten, “dass sich die Dynamik des Krieges verändert”, frohlockt Kallas. Sie hält zu Selenskyj – koste es, was es wolle…

    Meine two Cents: Selenskyj ist übermütig geworden – und gefährlich. Die EU sollte ihm nicht nur bei den Beitrittsverhandlungen die Grenzen aufzeigen, sondern auch bei der Kriegsführung. Der 90 Mrd.-Euro-Kredit gibt ihr den geeigneten Hebel – wer zahlt, bestimmt auch mit. Doch mit EU-Politikern wie Kallas und von der Leyen ist das nicht zu erwarten…

    P.S In Griechenland wurde eine ukrainische Seedrohne entdeckt, die mit Sprengstoff bestückt war. Wollte Selenskyj ein Schiff angreifen, das zur russischen “Schattenflotte” gehört, oder wollte er griechische Reeder treffen? Mit welchem Recht? Diese “Verteidigung” wird zur Gefahr, sogar im Mittelmeer…

    News & Updates

    Boykott beim “European Song Contest”. Spanien, Irland und Slowenien weiten ihren Boykott des ESC wegen der Teilnahme Israels aus: Die öffentlichen Rundfunkanstalten der drei Länder teilten mit, dass sie den diesjährigen Wettbewerb in Wien nicht übertragen werden. Neben den drei Ländern boykottieren auch Island und die Niederlande den diesjährigen ESC. Damit nehmen mit 35 Beiträgen so wenige Länder an dem Wettbewerb teil wie seit mehr als 20 Jahren nicht mehr. Auch mehr als tausend Künstler oder Bands wie Peter Gabriel und Massive Attack riefen zum Boykott auf. – Deutschland ist natürlich trotzdem dabei, die falsch verstandene “Staatsräson” verbietet jeden Boykott. Dabei hat Israel den letzten ESc massiv manipuliert, wie die “New York Times” jetzt bestätigte…

    Deutschland verhindert harte Israel-Sanktionen. Wegen anhaltenden Widerstands aus Deutschland und Italien haben die EU-Außenminister erneut darauf verzichtet, das Assoziierungsabkommen mit Israel auszusetzen oder den Handel einzuschränken. Es wurden lediglich Strafen gegen eine Handvoll gewalttätiger Siedler im Westjordanland verhängt. Das reichte für Jerusalem aber schon aus, um sich lautstark über die EU zu beklagen… – Mein Bericht in der taz: Deutschland bremst

    Pistorius schaltet in Kiew auf Angriff. Der neue militärisch-industrielle Komplex, den Deutschland und die Ukraine aufbauen wollen, nimmt Gestalt an. Bei einem Blitzbesuch in Kiew kündigte Verteidigungs- bzw. Kriegsminister Pistorius an, daß beide Länder gemeinsam Angriffs-Drohnen mit einer Reichweite von bis zu 1500 km entwickeln wollen. Damit will man “Ziele” tief im Hinterland Russlands attackieren. – Mehr im Blog

    Das Letzte

    Noch ein Angriff aufs Internet. Die neue EU-App zur Alterskontrolle im Internet war offenbar nur der Anfang. Folgt man einem Bericht aus dem Europaparlament, so erwägt die EU als nächste, angeblich flankierende Maßnahme eine Einschränkung oder gar ein Verbot von VPN-Systemen, mit denen sich die IP-Adresse verbergen lässt – zum Beispiel, um im Urlaub TV-Programme aus Deutschland zu schauen. Mit VPN könnte aber auch der Jugendschutz und die Alterskontrolle umgangen werden. Die zuständige EU-Kommissarin Virkkunen wird mit deutlichen Worten zitiert: “VPN dürfen nicht erlauben, das System zu umgehen”. Welches System sie wohl meint?

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    Ich arbeite seit 2004 als fest akkreditierter EU-Korrespondent für deutsche Medien in Brüssel. Mehr als 25 Jahre Erfahrung in Europapolitik, deutsch-französischen Beziehungen und Foreign Affairs. Blogge hier seit 2011 🙂

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    1 Comment

    1. Guido B.
      12. Mai 2026 @ 07:21

      Selenski ist das Produkt amerikanischer und europäischer Russenhasser. Wer pausenlos „Slava Ukraini!“ brüllt und diese korrupte Bandera-Junta mit Milliarden zuscheisst, darf sich über Selenskis Unverschämtheiten nicht beschweren. Selenski macht genau das, was seine Sponsoren von ihm erwarten. Er ist der Cheerleader der Russenhasser. Und er macht ihre Drecksarbeit. Ich an seiner Stelle wäre noch viel unverschämter.

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    “Brave Germany”: Pistorius will Angriffs-Drohnen für die Ukraine entwickeln


    lostineu.eu, 11. Mai 2026

    Der neue militärisch-industrielle Komplex, den Deutschland und die Ukraine aufbauen wollen, nimmt Gestalt an. Bei einem Blitzbesuch in Kiew kündigte Verteidigungs- bzw. Kriegsminister Pistorius an, daß beide Länder gemeinsam Angriffs-Drohnen mit einer Reichweite von bis zu 1500 km entwickeln wollen. Damit will man “Ziele” tief im Hinterland Russlands attackieren. Das Programm nennt sich “Brave Germany”. Pistorius sagte ferner, zudem werde sich die Bundeswehr “sehr intensiv” mit ukrainischen Battle-Management-Systemen beschäftigen – also mit Software, die bei der Planung, Ausführung und Überwachung militärischer Einsätze verwendet wird. Dann hat der beliebteste deutsche Minister (warum eigentlich?) endlich selbst bald den Finger am Abzug. Nebenbei erklärte er noch, was er von einer möglichen Vermittlungs-Mission seines Genossen Schröder hält: Das sei “hybride Kriegsführung”. Geht’s noch?

    Siehe auch “Ist dieUkraine jetzt ein deutsches Protektorat?”

    14 Comments

    1. Niko
      12. Mai 2026 @ 09:01

      Nach und nach fallen die Masken. Was ist wohl der nächste Schritt? Präventivschlag? Eigentlich wäre längst zu prüfen, ob diese Kriegsrhetorik noch mit unserem Grundgesetz vereinbar ist.
      Ich kann unserer Jugend nur raten, so einen Blödsinn nicht mitzumachen, denn sie sind letztendlich die Hauptleidtragenden, Verstümmelten und Kriegsversehrten.
      Wer immer noch glaubt, dass unsere politische Führung wirklich Frieden sollte langsam wach werden.

    Antworten

    • Niko
      12. Mai 2026 @ 09:03

      Frieden will sorry

      Antworten

  • hutaekjango
    12. Mai 2026 @ 08:52

    D gefällt sich wieder in der Vorreiterrolle mit ungewissem Ausgang. Mal seh n, ob die übrigen EU das auch so sieht?

    Antworten

  • Arthur Dent
    11. Mai 2026 @ 23:32

    Deutschland bindet sein Schicksal an das der Ukraine. Die gehört weder zur EU noch zur Nato und befindet sich in einem heißen Krieg. Ob das so klug ist. Der Iran hat nicht gezögert, die mit den USA verbündeten Golfstaaten unter Beschuss zu nehmen. Hoffen wir mal, dass die BW nicht mehr so “blank” wie 2022 und in Landesverteidigung geübt ist. Und Frankreich, GB und Italien uns beistehen. Wetten würde ich darauf aber nicht.

    Antworten

    • Guido B.
      12. Mai 2026 @ 07:09

      Ich sehe das genau umgekehrt. Deutschland war schon lange scharf auf die Rohstoffe und billigen Fachkräfte der Ukraine und unterstützte die Bandera-Faschisten, um Russland aus der Region zu verbannen. Es ist genau umgekehrt: Die Ukraine hat ihr Schicksal an Deutschland gebunden. Die strategische Partnerschaft bestand schon lange und wurde jetzt nur noch formalisiert. Deutschland ist auch der Hauptgrund, warum der Krieg gegen Russland weiter eskaliert. Deutschland will Russland mit der Ukraine besiegen, um EUropa zu dominieren und beim Zugriff auf die östlichen Rohstoffe in der Pole Position zu sein. Damit steht Deutschland auch in direkter Konkurrenz zu UK, die sich dieselbe Ernte versprechen. Deutschland will Großmacht werden. Die Ukraine ist das Ticket dorthin.

      Antworten

    • Stef
      12. Mai 2026 @ 08:17

      Ich würde beidem widersprechen. Deutschland und Europa sowie die Ukraine binden ihr Schicksal an die strategischen Vorgaben der USA. Keiner der genannten Akteure macht irgendwelche Anstalten, auch nur im Kleingedruckten von den impliziten US-Strategien abzuweichen.

      Die “Rivalität” zwischen Deutschland und den UK ist das Gebell zwischen den Hunden im Zuggespann vor dem US-Schlitten.

      Antworten

      • Guido B.
        12. Mai 2026 @ 09:31

        Das sieht so aus auf den ersten Blick. Ich glaube jedoch, dass Deutschland seit der Wiedervereinigung sein eigenes Süppchen kocht. Der Wille zur Großmacht ist klar dokumentiert, Man hat dafür gesorgt, dass UK aus der EU fliegt. Man beansprucht die Führung in der EU. Man will die stärkste Armee Europas werden. Man will die Ukraine bis zum Sieg unterstützen, koste es, was es wolle. Man denkt auch an eigene Atomwaffen. Das alles geht weit über die transatlantische Unterordnung hinaus. Trump will, dass die Ukraine Gebiete abtritt. Warum will Deutschland die Position des Hegemons nicht übernehmen? Deutschland will sich aus der USA-Versklavung befreien und selber Großmacht spielen. Es liegt auch in der Natur der Deutschen, das „Dienende“ aus der Führungsrolle zu eliminieren. Unter dem „Weltmeister“ macht es der Deutsche nicht.

      • ebo
        12. Mai 2026 @ 10:01

        Widerspruch. Nach der Wiedervereinigung war Deutschland lange mit sich selbst beschäftigt. Ende der 90er / Anfang der Nullerjahre ging es ziemlich schlecht. Erst mit Merkel wurde die deutsche Frage wieder aktuell, allerdings vor allem wegen der Finanz- und Eurokrise. Merkel verfolgte eine Schaukelpolitik mit Frankreich und Großbritannien – den Brexit hat sie gewiß nicht gewollt, denn im Zweifel hat sie sich immer auf London gestützt, nicht wie Kohl auf Paris. Unter Scholz war Deutschland unentschlossen und unterwürfig, siehe das Verhältnis zu Biden. Die deutsche Großmannssucht kommt erst mit Merz und Pistorius zurück – dafür ist sie umso gefährlicher, weil sie sich auf ein revisionistisches und rückständiges Land wie die Ukraine stützt – übrigens erneut in Abwendung von Frankreich…

      • Stef
        12. Mai 2026 @ 10:04

        Hier ist mangels harter Fakten zugegebenermaßen viel Raum für Vermutungen. Einzelne Charaktere unserer “Spitzenpolitiker” sehen das vermutlich auch so wie Sie.

        Ich würde Ihnen Recht geben, wenn unsere Regierung in Fragen, die für die strategische Autonomie von existenzieller Bedeutung sind, auch nur ein Mindestmaß an Selbsterhaltungstrieb an den Tag legen würde. Z.B. die Zerstörung von Nordstream, hier werden die USA offiziell nicht einmal zu den Verdächtigen gezählt. Oder unser sukessiver Konfrontationskurs gegen China, klar im Interesse der USA und ebenso klar gegen unsere Interessen gerichtet. Das spricht m.E. eher dafür, dass hierzulande im Vordergrund eine strageische und militärische Eigenständigkeit propagiert wird, die im Hintergrund nicht verfolgt wird. So lässt sich die Plünderung der öffentlichen Kassen schlicht besser verkaufen. Wer will seine Rente und seine Krankenversorgung denn schon hochoffiziell als Vasallengabe an die USA opfern?

        Die “Natur des Deutschen” ist für mich nicht anders als diejenige des Kameruners oder Argentiniers. Die Geografie aber ist unentrinnbar.

  • Guido B,
    11. Mai 2026 @ 21:23

    Ist Russland ein Papiertiger oder tut es nur so?
    Vor wenigen Jahzehnten haben die Deutschen noch 25 Millionen Russen ermordet – und der Kreml lässt es zu, dass Deutsche wieder Angriffswaffen auf Russland richten?! Wozu hat Russland eigentlich Atomwaffen? Will man die erst einsetzen, wenn Deutschland wieder 25 Millionen Russen ausradiert hat? Sind die Russen wirklich so begriffsstutzig und warten geduldig auf ihre Hinrichtung durch deutsche Russenhasser? Was für ein erbärmliches Bild gibt dieser Putin im hohen Alter ab!

    Antworten

    • KK
      12. Mai 2026 @ 00:23

      Erbärmlich würde ich das nicht nennen – nur verantwortungsbewusster und rationaler als alle unsere Regierungs-Politiker zusammen. Denn ihm dürfte durchaus bewusst sein, dass Frankreich und UK durchaus über Zweitschlagspotential verfügen. Vor allem die U-Boote des UK sind da nicht so leicht berechenbar (ganz besonders, wo jetzt der “willige Koalitionär” Starmer innenpolitisch unter hohem Druck steht).

      Antworten

  • KK
    11. Mai 2026 @ 17:40

    Damit sollte jedem klar sein, dass mit “Kriegstüchtigkeit” nicht bloss ein Defensivkrieg gemeint war, sondern dann doch eher ein Angriffskrieg in guter, deutscher Barbarossa-Tradition!

    Antworten

  • Monika
    11. Mai 2026 @ 17:09

    Brave Germany???
    Cracy Germany vielleicht …
    Mir geht langsam auf, was mit “Wer hat uns verraten, Sozialdemokraten” damals gemeint gewesen war!

    Antworten

  • Erneuerung
    11. Mai 2026 @ 16:59

    Nach dem Tod wird das Leben besser, im Himmel. Das war schon immer das Mantra der Kirche, für brave und dienende Erdenbürger. Die anderen kommen in die Hölle (auf Erden), dafür werden Selenskyj und Pistorius schon sorgen, morgen geht es los.

    Antworten

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    Ukraine: EU sagt Nein zu Schröder – doch einen Besseren nennt sie nicht


    lostineu.eu, vom 11. Mai 2026

    Die EU ist immer noch nicht an Friedensgesprächen für die Ukraine beteiligt. Bei diplomatischen Vorstößen aus den USA oder Russland stand sie bisher immer auf der Bremse. Genauso läuft es auch diesmal, da es um mögliche Vermittler geht.

    In der vergangenen Woche hatte EU-Ratspräsident Costa angedeutet, daß man sich auf mögliche Friedensgespräche vorbereiten solle. Darauf angesprochen, zeigte sich Kremlchef Putin am Wochenende offen für Gespräche mit der EU – und brachte Ex-Kanzler Schröder als möglichen Vermittler ins Gespräch.

    No surprise here: Schröder ist ein Putin-Buddy, er hat sich für die Nordstream-Pipelines eingesetzt, für Gazprom gearbeitet und kennt die Vorgeschichte des Ukraine-Krieges besser als manch anderer. Als deutscher Ex-Kanzler könnte er außerdem seine alten Kontakte nach Hannover und Berlin nutzen.

    Doch die EU sagt Nein.

    „Wenn wir Russland das Recht geben würden, in unserem Namen einen Verhandlungsführer zu benennen, wäre das nicht sehr klug“, sagte Chefdiplomatin Kallas. Schröder sei Lobbyist für russische Staatsunternehmen gewesen. Daher sei klar, warum Putin ihn haben wolle: „Dann säße er gewissermaßen auf beiden Seiten des Tisches“.

    Kein echter Friedenswille

    Die österreichische Außenministerin Meinl-Reisinger sagte, aus ihrer Sicht müsse eine Person oder ein Team für mögliche Verhandlungen mit Russland nominiert werden. Die Auswahlentscheidung werde aber die EU treffen und nicht Russland. Wer als Vermittler in Frage komme, ließ sie aber ebenso offen wir Kallas.

    Der Grund: Die EU kann sich nicht auf Vermittler einigen. Kallas würde gerne, ist jedoch nicht konsensfähig und würde auch nicht in Moskau akzeptiert. Präsident Macron würde gern einen Franzosen schicken, doch da ist Kanzler Merz vor. Ratspräsident Costa steht auch mit leeren Hände da.

    Selbst wenn die EU einen Vermittler oder ein Team nominieren sollte, so würde dies die Friedensgespräche kaum voranbringen. Denn die Europäer haben bisher nur gebremst. Kallas hat sogar ein Papier vorgelegt, das keinen Frieden mit Russland vorsieht, sondern die Entmachtung und Zerschlagung…

    Siehe auch Kein Frieden mit Russland? Die Maximal-Forderungen der EU

    P.S. Putin ließ am Wochenende durchblicken, daß er Macron für ein Scheitern der Friedensgespräche in Istanbul 2022 mitverantwortlich macht. Der Franzose habe ihn zum Rückzug der russischen Truppen in Kiew gedrängt – vorgeblich, um die Verhandlungen zu erleichtern. In Wahrheit habe Macron tatenlos zugesehen (oder gar geholfen), als der britische Ex-Premier Johnson die Ukraine aufforderte, den Verhandlungstisch zu verlassen und den Krieg fortzusetzen…

    13 Comments

    1. Niko
      12. Mai 2026 @ 09:29

      Ich vermute, dass Deutschland als Hauptsponsor dieses Krieges wenig bis kein Interesse an einem Vermittler hat, der womöglich eine aussichtsreiche Vermittlung durchführen könnte. Entgegen den verlogenen Beteuerungen wäre eine Beendigung des Krieges eventuell gar nicht in deren Sinn. Man müsste sich ja dann eingestehen, die vielen Milliarden sinnlos verpulvert zu haben, ohne seine Ziele zu erreichen.

    Antworten

  • Arthur Dent
    11. Mai 2026 @ 23:13

    Vielleicht sucht man ja nach geeigneten Vermittlern in Malta, Irland oder Österreich. Die wären alle neutral.

    Antworten

  • Art Vanderley
    11. Mai 2026 @ 21:28

    Mit dem Schröder-Vorschlag füttert Putin all diejenigen die ihm mangelnde Verhandlungsbereitschaft unterstellen, dieser Vorschlag ist nun wirklich unannehmbar. Schröder hat sich seit Jahrzehnten gerdeazu angebiedert bei Putin, so jemand ist in keiner Verhandlung sinnvoll, egal wer mit wem verhandelt. Würde der Westen Strack-Zimmermann vorschlagen, würden die Einen Sturm laufen und die Anderen sich kaputtlachen.
    Es gibt sicherlich geeignete Personen, und wahrscheinlich nicht wenige, Laschet wurde genannt, keine schlechte Idee.
    Aber Schröder soll sich bitte weiter um vegane Currywürste sorgen, das entspricht seinem Niveau.

    Antworten

  • Guido B.
    11. Mai 2026 @ 21:12

    Die Positionen sind doch schon lange klar:
    Russland will den Donbass und die Krim,
    Die Ukraine und ihre Sponsoren wollen dasselbe,
    Es gibt keinen Verhandlungsspielraum.
    Darum wird der Krieg eben so lange dauern, bis eine Seite kollabiert oder kapituliert.

    Antworten

  • palman
    11. Mai 2026 @ 15:19

    @ebo et al. – … und als “Steini” anläßlich der AHRTAL-F l u t-Katastrophe vor laufenden Kameras eine “Betroffenheits-Laber-Spruch-KASKADE” > ab-ge-sondert < hat, feixten l a c h e n d im Hintergrund etliche Poltöre und Poltösen unablässig rum !?! – seitdem läuft besagter CDU-Ex-Kanzler-Kandidat bei Mir nur noch unter dem Imperativ – > l A c H e T !!! – also ohne “Ess” < … 😉

    Antworten

  • Stef
    11. Mai 2026 @ 15:08

    Die Diskussion über die Person eines etwaigen Abgsandten geht an der eigentlichen Frage vorbei. Ein geeigneter Vermittler ist zwar eine notwendige, aber noch lange keine hinreichende Bedingung für eine Einigung. Für ein Agreement mit Russland fehlt es jenseits der Verhandlungsführung m.E. an Zweierlei:

    Erstens erkenne ich in der EU keine Einigkeit in der Frage, wie man die Interessen der USA im Widerstreit zu den eigenen Interessen zu gewichten gedenkt. Deutschland ordnet sich im Zweifel komplett unter, Frankreich und Spanien sehen das anders, Polen hat eigene Großmachtphantasien und die Balten eine ausgeprägten Komplex.

    Und zweitens gibt es deshalb auch keine gemeinsame Strategie und Verhandlungslinie, auf der man eine Einigung suchen könnte. Worin soll die liegen? In der Zerschlagung Russlands oder der Wiederaufnahme von Energielieferungen? Eine europäische Friedensordnung mit oder gegen Russland? Beides gleichzeitig geht nicht.

    Bevor das nicht halbwegs konsisten auf eine Linie gebracht wurde, wird jedes Verhandlungsteam in null komma nichts an den eigenen Widersprüchen und Streitigkeiten zerschellen.

    Ich glaube ja, dass man sich in Russland sehnlich eine konsistente europäische Position und handlungsfähige Gesprächspartner wünscht, um über die künftige europäische Sicherheitsarchitektur zu sprechen. Nur realistisch ist das nicht, es scheitert an unserer Seite.

    Antworten

  • KK
    11. Mai 2026 @ 14:48

    “Schröder … kennt die Vorgeschichte des Ukraine-Krieges besser als manch anderer.”

    Genau das ist es, was die EU nicht will: Dass die Vorgeschichte in den Verhandlungen thematisiert wird!

    „Dann säße er gewissermaßen auf beiden Seiten des Tisches“.

    Ist nicht genau das, was einen Vermittler auszeichnet? Sich neutral in die Mitte zu setzen und sich nicht nur auf eine Seite zu schlagen? Wenn die EU nur einen “Vermittler” zugesteht, der einseitig die Interessen der EU vertritt, wird es niemals einen von beiden Seiten akzeptierten Vermittler geben.

    Mit jedem Tag wird deutlicher, dass die EU gar keinen Frieden oder auch nur Verhandlungen WILL!

    Antworten

  • Erneuerung
    11. Mai 2026 @ 13:57

    Es ist leider so, dass es im gesamten wertewestlichen Europa niemanden gibt, der für eine Vermittlerrolle infrage käme. Ausnahmslos alle haben soviel Dreck am Stecken und sind in korrupten Vereinigungen gefangen, dass deren potenzielle Vermittlertätigkeit keinerlei Erfogsaussichten für einen Interessenausgleich und für einen nachhaltigen Frieden haben würde. Auf russischer Seite bleibt nur, ob man das will oder nicht, Putin als Verhandlungspartner, zumindest, wenn man Medjedew als Hitzkopf nicht möchte. Als mögliche Vermittlerpersonen fallen mir derzeit nur Lula und Modi ein, wobei ich auch Modi nicht über den Weg traue. Dahingehend wird der Krieg wohl auf kleiner Flamme (wegen beiderseitiger wirtschaftlicher Probleme) weitergehen, bis dann mal irgendwo eine Sicherung durchbrennt. Wir sind in einem Irrenhaus gelandet.

    Antworten

    • ebo
      11. Mai 2026 @ 14:13

      Schröder wäre gar nicht so schlecht – denn er ist der Einzige, der Putin zu Konzessionen bewegen könnte! Ansonsten fiele mir auf deutscher Seite noch Laschet ein.
      Frankreich, Italien und Spanien haben auch fähig Diplomaten, die Franzosen haben ja sogar schon einen nach Moskau geschickt!

      Antworten

      • KK
        11. Mai 2026 @ 14:50

        Eigentlich müsste ein komplett Unbeteilgter als Vermittler auftreten – aufgrund der ganzen Sanktionspolitik wird ein solcher allerdings schwer zu finden sein. Am ehesten noch der Papst…

    • Michael
      11. Mai 2026 @ 14:16

      Das Schröder „Dreck am Stecken habe“ vermag ich nicht zu erkennen! Das hingegen Leyen, Kallas, etc. „Dreck am Stecken haben“ scheint mir plausibel!

      Antworten

    • Erneuerung
      11. Mai 2026 @ 14:35

      @ebo und @Michael:
      Schröder mag unter den Europäern vielleicht noch der Geeignetste sein (der ja aber abgelehnt wird), aber er ist sehr wohl mit unschönen Dingen behaftet, z.B. auch dem Jugoslawienkrieg, seinen pöbelartigen Ausraster gegenüber Frau Merkel im Fernsehen und auch der schnelle Wechsel in den Vorstand von Gasprom nach seiner Abwahl als Kanzler. Eine saubere Vita ist das nicht.
      Und um Konzessionen gegenüber Putin zu erreichen erscheinen mir Lula und Modi auch besser geeignet, beide dürften auch genügend Erinnerungsvermögen an frühere Zeiten haben.

      Antworten

    • umbhaki
      11. Mai 2026 @ 22:53

      Der Gedanke an Armin Laschet ist gut. Zufällig habe ich gestern (10. Mai) den „Sonntags-Stammtisch“ im Bayrischen Fernsehen mitbekommen, da war Laschet einer der Gäste. Er hat genau das ausgesprochen, was @ebo hier anspricht: Die EU sollte aktiv auf Verhandlungen mit Russland hinarbeiten und müsste dazu einen geeigneten Verhandlungsführer küren.

      Die Schlussfolgerung, warum das nicht geschehen ist bisher, und warum auch nicht ersichtlich ist, dass dies geschehen wird, hat er nicht ausgesprochen. Das war vielleicht auch nicht zu erwarten, dass er öffentlich kundtut, dass seitens der EU-Machthaber ein Frieden mit der Russischen Föderation nicht gewünscht wird.

      Aber es kam für mich so ‚rüber, als wäre wenigstens Armin Laschet ehrlich an einer Friedensregelung interessiert. Vermutlich steht er mit diesem Wunsch ziemlich allein im Reigen unserer Polit-„Eliten“. Hoffentlich schmeißen sie den nicht aus der Partei und sperren seine Konten!

      (Insgeheim habe ich ein bisschen Abbitte geleistet gegenüber A. Laschet, über den ich zu Zeiten seiner Ministerpräsidentschaft gerne gelästert habe. Vielleicht ist er auf dem Posten des Auswärtiger-Ausschuss-Vorsitzenden einfach besser aufgehoben als auf dem eines Ministerpräsidenten.)

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    12.05.2026

    Nachrichten von Pressenza: Auf der Sumud Flotilla: «Ein kleiner Einblick in ihre Maschinerie der Gewalt»

    aus e-mail von  <newsletter@pressenza.com>, 12. Mai 2026, 7:15 Uhr

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    12.05.2026

    Kampf um Bosnien-Herzegowina Der deutsche Hohe Repräsentant für Bosnien-Herzegowina, Christian Schmidt, kündigt seinen Rücktritt an. Hintergrund sind Machtkämpfe mit der Trump-Administration, deren Umfeld Gas- und Rohstoffgeschäfte in dem Land wittert.

    german-foreign-policy.com, 12. Mai 2026

    BERLIN/SARAJEVO/WASHINGTON (Eigener Bericht) – Der deutsche Hohe Repräsentant für Bosnien und Herzegowina, Christian Schmidt (CSU), wird sein Amt aufgeben. Dies teilte Schmidt am Sonntag informell der Frankfurter Allgemeinen Zeitung mit. Am heutigen Dienstag will er seine Entscheidung auch offiziell bei den Vereinten Nationen bekanntgeben. Schmidt war in Sarajevo von Anfang an auf Widerstand gestoßen – zum einen, weil er eine gewisse Nähe zu kroatischen Nationalisten erkennen ließ, zum anderen, weil er als erster Hoher Repräsentant ohne die traditionell stets eingeholte Zustimmung Russlands in sein Amt gelangt war. Zudem übte er sein Amt unter fleißigem Rückgriff auf Eingriffsrechte aus, die keinerlei demokratische Legitimation haben; seine Maßnahmen wurden weithin als koloniale Interventionen eines fremden Statthalters empfunden. Nun hat ihn jedoch die Trump-Administration ausgebootet. Trump und sein Umfeld verfolgen in Bosnien-Herzegowina Geschäftsinteressen auf dem Gas- und dem Rohstoffsektor und tun das in enger Kooperation mit Schmidts Erzfeind Milorad Dodik, dem starken Mann der Republika Srpska. Dodik ist vor kurzem in Washington empfangen worden; er intensiviert die Kooperation mit Trump und mit dessen Clan.


    Zitat: Von Anfang an umstritten

    Christian Schmidt, ehemals Parlamentarischer Staatssekretär im Verteidigungsministerium, dann Landwirtschaftsminister, war im Amt des Hohen Repräsentanten für Bosnien und Herzegowina, das er am 1. August 2021 antrat, von Anfang an stark umstritten. Das lag zum einen daran, dass er eine Nähe zu kroatischen Nationalisten erkennen ließ, was seinem Ansehen weder bei den bosnischen Muslimen noch bei den bosnischen Serben besonders zuträglich war. Zum anderen war er ohne die Zustimmung Russlands auf den Posten gelangt. Zuvor war es üblich gewesen, stets darauf zu achten, dass der UN-Sicherheitsrat hinter der Person des Hohen Repräsentanten stand; dies sollte ihm internationale Legitimität verschaffen. Weil damals die Spannungen zwischen dem Westen und Russland aber deutlich zunahmen, zogen die westlichen Staaten es vor, ihren Kandidaten gegen Moskau durchzusetzen, anstatt einer Suche nach einem gemeinsamen Repräsentanten den Vorzug zu geben. Dies war ein weiterer Grund, weshalb Schmidt von Anfang an die bosnischen Serben und deren Republika Srpska gegen sich hatte: Sie stehen Russland vergleichsweise nahe.


    Die Bonner Befugnisse

    Schmidt ging, kaum im Amt, dazu über, wenig populäre Maßnahmen durchzusetzen und in diesem Zusammenhang auch stark auf die sogenannten Bonner Befugnisse zurückzugreifen – weitreichende Kompetenzen, die dem Hohen Repräsentanten auf einer internationalen Konferenz im Dezember 1997 in Bonn verliehen worden waren und die es ihm ermöglichen, nach Gutdünken Dekrete zu verhängen und Personen aus ihren Ämtern zu entlassen, wenn dies seiner Auffassung nach der Einhaltung des Abkommens von Dayton aus dem Jahr 1995 dient. Auf diesem basiert der Staat Bosnien-Herzegowina heute. So setzte Schmidt etwa per Dekret eine Wahlrechtsreform durch, die einseitig die kroatisch-nationalistische Partei HDZ begünstigte. Schmidt gab die Maßnahme am 2. Oktober 2022 bekannt, dem Tag, an dem in Bosnien-Herzegowina Wahlen durchgeführt wurden; er tat dies knapp eine Stunde nach Schließung der Wahllokale, was zur Folge hatte, dass das Resultat der Wahl nach Kriterien errechnet wurde, die sich von denjenigen, von denen die Wähler bei ihrer Stimmabgabe ausgingen, recht deutlich unterschieden (german-foreign-policy.com berichtete [1]).


    Schmidt vs Dodik

    Hinzu kam, dass Schmidt in eine offene Konfrontation mit der Republika Srpska und ihrem Präsidenten Milorad Dodik (2010 bis 2018, 2022 bis 2025) geriet. Dodik steht Russlands Präsident Wladimir Putin nahe; er orientierte mit seiner Politik zudem auf zumindest größere Autonomie für seinen Landesteil, womöglich gar auf eine Abspaltung von Bosnien-Herzegowina. Streit entzündete sich unter anderem daran, dass drei der neun Richter am Verfassungsgericht des Gesamtstaates vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Strasbourg ernannt werden; Dodik wandte sich gegen die ausländische Kontrolle und setzte sich dafür ein, das Verfassungsgericht ausschließlich mit Richtern aus Bosnien-Herzegowina zu besetzen.[2] Der Streit, der vor allem zwischen Dodik und Schmidt ausgetragen wurde, eskalierte heftig und mündete unter anderem in Schmidts Versuch, Dodik festnehmen zu lassen, was von Gendarmen der Republika Srpska unter Androhung von Gewalt unterbunden wurde. Der Konflikt konnte erst im Herbst 2025 beigelegt werden – dies auf Initiative der Trump-Administration.


    Geschäftsinteressen der Trump-Clique

    Die Trump-Administration folgt in Bosnien-Herzegowina offenkundig eigenen materiellen Interessen. Das Land wird bislang über die Pipeline TurkStream mit Erdgas aus Russland versorgt. Washington setzt sich dafür ein, das russische Gas durch US-Flüssiggas zu ersetzen, das über ein Terminal auf der kroatischen Insel Krk angeliefert wird. Von dort soll nun eine Pipeline gebaut werden, die das Gas weiter nach Bosnien-Herzegowina transportiert. Geplant ist es, die Pipeline von den US-Firmen Bechtel und AAFS Infrastructure and Energy bauen zu lassen; Letztere wird von einem ehemaligen Anwalt von Trump, Jesse Binnall, sowie von Joseph Flynn geführt, dem Bruder des einstigen Trump-Sicherheitsberaters Michael Flynn.[3] Beobachter bezweifeln, dass das Vorhaben sinnvoll ist, da Bosnien-Herzegowina nur sehr wenig Erdgas verbraucht und darüber hinaus auf erneuerbare Energien umstellen will. Dodik scheint jedoch bereit, das Vorhaben zumindest in der Republika Srpska zu unterstützen, wo die Pipeline ebenfalls hinführen soll und wo die US-Botschaft zudem seit geraumer Zeit Interesse an Rohstoffvorkommen geäußert hat.


    Clan trifft Clan

    Die Trump-Administration hat nun im Herbst vergangenen Jahres einen Deal mit Dodik geschlossen, dem zufolge dieser seinen Konflikt mit Schmidt beilegt. Im Gegenzug haben die USA ihn und ihm nahestehende Geschäftsleute von US-Sanktionslisten entfernt. Dodik ist im Februar von Kongressabgeordneten der Republikaner und von US-Kriegsminister Pete Hegseth in Washington empfangen worden. Anfang April reiste US-Präsidentensohn Donald Trump Jr. in die Hauptstadt der Republika Srpska, Banja Luka, wo er Geschäfte anzubahnen versuchte und insbesondere mit Dodiks Sohn Igor Dodik zusammenkam.[4] Die Beziehungen zwischen den Clans von Trump und Dodik und den sie umgebenden Cliquen verdichten sich. Laut Berichten wünschte Milorad Dodik dabei, dass sein Erzfeind Schmidt gefeuert werde.


    Washington vs Berlin

    Schmidt erlebt bereits seit dem vergangenen Jahr, dass er in Sarajevo systematisch von der Trump-Administration ausgebootet wird. Gerüchte, er werde zurücktreten, halten sich schon seit Monaten. Am Sonntag hat Schmidt mitgeteilt, er gebe sein Amt auf. Berichten zufolge hat die Trump-Administration inzwischen einen Nachfolger im Blick, von dem es heißt, er sei aus US-Sicht „pflegeleichter“.[5] Er müsste allerdings, bleibt es beim bisher üblichen Modus, von dem mit Bosnien-Herzegowina befassten Friedensimplementationsrat gewählt werden. Diesem gehören 55 Staaten und internationale Organisationen an, darunter zahlreiche EU-Mitglieder und die EU selbst; erhält der US-Kandidat deren Stimmen nicht, wird es schwierig für die Trump-Administration, ihn in Sarajevo zu installieren. Allerdings könnte sie jederzeit neue Zölle erheben oder anderweitig Druck ausüben: Bislang hat die EU sich in vielen Fällen nachgiebig gezeigt. Der österreichische Diplomat Wolfgang Petritsch, selbst von 1999 bis 2002 als Hoher Repräsentant für Bosnien und Herzegowina in Sarajevo stationiert, schlägt als Ausweg vor, den Posten des Hohen Repräsentanten nach über 30 Jahren aufzulösen, zumal seine antidemokratisch-kolonialen Interventionsrechte immer mehr auf Kritik stoßen.[6] Zustimmung dazu aus Berlin oder Brüssel wird allerdings kaum erwartet.

     

    [1], [2] S. dazu Oktroy nach Kolonialherrenart.

    [3] Adelheid Wölfl: Abhängigkeit verschieben: USA wollen russisches Gas in Europa durch eigenes ersetzen. derstandard.at 20.03.2026.

    [4] Azem Kurtic: Trump Jr Visits Bosnian Serbs, Spotlighting Republika Srpska’s US Outreach. balkaninsight.com 07.04.2026.

    [5], [6] Michael Martens: Christian Schmidt muss Bosnien wohl verlassen. Frankfurter Allgemeine Zeitung 11.05.2026.


    Info: https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/10400


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    11.05.2026

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