Neues vom Wirtschaftskrieg (204): G-7 droht China und der halben Welt
lostineu.eu, 19. April 2023
Die Schweiz hat den Vorwurf zurückgewiesen, das Land tue zu wenig um Gelder russischer Oligarchen auf Schweizer Bankkonten zu blockieren. Die Außenminister der sieben führenden demokratischen Wirtschaftsmächte haben sich auch auf eine Intensivierung der Sanktionen gegen Russland verständigt. Außerdem drohen die G-7 nun auch China und der halben Welt.
- Die G-7 drohen China und der halben Welt. Die G7-Gruppe hat eine scharfe Warnung an alle Staaten gerichtet, die Russland in seinem Angriffskrieg in der Ukraine unterstützen. Diese Länder würden einen “hohen Preis” zu zahlen haben, erklärten die G7-Außenminister zum Abschluss eines zweitägigen Treffens im japanischen Karuizawa. Die Chefdiplomaten der Gruppe sieben führender Industriestaaten positionierten sich in ihrer Erklärung deutlich gegen China, dessen “expansive Ansprüche” und “Militarisierungsaktivitäten” im Südchinesischen Meer sie anprangerten. Auch ihre Warnung vor einer Unterstützung des russischen Kriegs in der Ukraine dürfte nicht zuletzt an Peking gerichtet gewesen sein. – Die G-7 hat damit die Tonart drastisch verschärft. Offenbar fürchtet sie um ihren Einfluß – die BRICS-Staaten bringen jetzt schon mehr wirtschaftliches Gewicht auf die Waage…
- Die Außenminister der sieben führenden demokratischen Wirtschaftsmächte haben sich auch auf eine Intensivierung der Sanktionen gegen das in der Ukraine kriegführende Russland verständigt. “Wir sind weiterhin entschlossen, die Sanktionen gegen Russland zu verschärfen, sie zu koordinieren und vollständig durchzusetzen”, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung. Es dürfe keine Straflosigkeit für Kriegsverbrechen und andere Gräueltaten wie die russischen Angriffe auf Zivilisten und zivile Infrastruktur geben, hieß es. Getagt hatten in Japan die Außenbeauftragten Japans, der USA, Großbritanniens, Frankreichs, Deutschlands, Kanadas, Italiens und der EU. (AP)
- Die Schweiz hat den Vorwurf zurückgewiesen, das Land tue zu wenig um Gelder russischer Oligarchen auf Schweizer Bankkonten zu blockieren. “Wir haben die Sanktionen übernommen, und wir meinen das selbstverständlich völlig ernst”, sagte Bundespräsident Berset. Die Schweiz hat Vermögenswerte im Umfang von rund 7,5 Milliarden Franken (7,6 Mrd Euro) von Oligarchen blockiert, die international mit Sanktionen belegt sind. Die Bankiersvereinigung schätzt die Summe russischer Vermögen in der Schweiz auf insgesamt 150 bis 200 Milliarden Franken. Der Großteil soll aber Menschen gehören, die nicht mit Sanktionen belegt sind. (dpa)
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1 Comment
european
19. April 2023 @ 07:49Kürzlich erwähnte Scott Ritter in einem Dialog, dass laut offiziellen Schätzungen der US-Regierung sich das Militärbudget der USA mit einem Schlag verdoppeln wird, wenn man sich auf einen Konflikt mit China einlässt. Es ist die Frage, ob die Biden-Regierung das den Bürgern erklären möchte bzw. ob die Republikaner da mitmachen werden. Zumal man jetzt einkalkulieren muss, dass der Dollar keine Weltleitwährung mehr sein wird, was das beliebige Nachdrucken erschweren wird. Die Fed und auch die US-Administration werden sich auf anderen Rahmenbedingungen und auch eine andere Budgetierung einstellen müssen.
Aktuell gibt es ein Treffen zwischen Putin und dem chinesischen Verteidigungsminister. Ich denke, man wird nicht nur zum Tee zusammensitzen.
Die G7 vertreten ca 750 Mio Menschen, die BRICS mehr als 3 Milliarden, die genau verstanden haben, warum der Schulterschluss gerade jetzt so wichtig ist. Für die geht es nämlich auch um nichts geringeres als um die Befreiung vom größten Brandstifter und Kriegstreiber dieser Welt.
Info: https://lostineu.eu/neues-vom-wirtschaftskrieg-204-g-7-droht-china-und-der-halben-welt
unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.
Weiteres:
lostineu.eu, vom 18. April 2023
In einer Rede zur China-Politik vor dem Europaparlament hat Chefdiplomat Borrell eingeräumt, dass die EU in Asien an Einfluß verliert. Auch in Südamerika sieht es nicht gut aus.
„Wir müssen einen neuen kalten Krieg zwischen dem Westen und dem fernen Osten vermeiden“, forderte Borrell. Außerdem dürfe man die Debatte nicht auf die USA und China verkürzen.
Wenn sich die EU zurückziehen und an die USA anlehnen sollte, würden sofort andere Länder in die Bresche springen, so der Spanier. „Wenn wir ein Vakuum schaffen, wird es von anderen übernommen.“
Als Beispiel nannte Borrell die ASEAN-Gruppe in Südostasien: „Wir sind da weggedrängt worden.“ Wie die EU verloren gegangenes Terrain zurück erobern und China einhegen könnte, ließ Borrell jedoch offen.
Dabei tut Abhilfe Not. Bereits jetzt orientieren sich viele Länder stärker an China als an Europa, wie der Staatsbesuch des brasilianischen Präsidenten Lula da Silva in Peking gezeigt hat.
Lula forderte die EU auf, ihren Kurs in der Ukraine-Politik zu überdenken. Die USA müssten “aufhören, den Krieg zu fördern und anfangen, über Frieden zu reden”, sagte er. Das gelte auch für EUropa.
Doch dazu ist in Brüssel niemand bereit – im Gegenteil. Borrell erklärte die Ukraine-Frage (neben Taiwan) zur Nagelprobe für China. Von Frieden sprach er nicht, von Verhandlungen auch nicht…
Siehe auch China-Politik: Borrell macht viele Worte, aber keine Diplomatie
5 Comments
Thomas Damrau
19. April 2023 @ 08:13@ebo
Laden Sie doch Senor Borrell ein, auf LostInEu mitzudiskutieren – hier könnte er schon die eine oder andere Idee mitnehmen.Ernsthafter. Stefan Lessenich ( https://de.wikipedia.org/wiki/Stephan_Lessenich ) hat in der aktuellen Le Monde diplomatique die ideologischen Verirrungen des Werte-Westens beschrieben – Überschrift “Ein Totgeblaubter ist wieder da. Mit Putins Krieg erlebt der globale Westen eine letzte ideologische Renaissance.”
Er beschreibt, wie sich das Hochgefühl nach dem Triumph über den Kommunismus russicher Prägung um die Jahrtausendwende verbraucht hatte und eine weltanschauliche Leere entstand. (Die “hirntot”-Diagnose von Macron spiegelt aus meiner Sicht dieses Gefühl.)
Nach Lessenich hat Putin dem westlichen “Zombie” wieder die Kraft zur “Selbstillusionierung” gegeben. Plötzlich seien alle zivilisatorischen Fortschritte wieder dem Westen geschuldet. Während alle Sünden des Westen aufgearbeitet und gesühnt erschienen.
Der letzte Punkt hat bei mir einen anderen Gedanken angestoßen: Sind die Forderung nach “feministischer Außenpolitik”, “Rückgabe von Beutekunst” oder “Anerkennung der traumatischen Erfahrungen von …”, wie sie unisono von deutschen Grünen und US-Demokraten gestellt werden, weniger ein Zeichen von Demut als Ausdruck eines selbstbewussten “Bei uns sind jetzt die letzten moralischen Angriffspunkte ausgeräumt”?
Beim Lesen musste ich an Kiplings “The White Man’s Burden” ( https://de.wikipedia.org/wiki/The_White_Man%E2%80%99s_Burden ) denken: Der Westen muss die (geistig) armen Wilden an die Hand nehmen.
Stef
19. April 2023 @ 07:35
Borell meint im Grunde das Gegenteil dessen, was er sagt.
Sagt:
„Wir müssen einen neuen kalten Krieg zwischen dem Westen und dem fernen Osten vermeiden“
Meint:
Europa muss mit aller Konsequenz sein Schwaz-Weiß-Denken gegenüber Russland und China dem Rest der Welt aufzwingen. Was anders als Kalter Krieg könnte das Ergebnis sein?
Sagt:
„Wenn sich die EU zurückziehen und an die USA anlehnen sollte, würden sofort andere Länder in die Bresche springen, so der Spanier.“
Meint:
Europa darf nicht selbstständig werden, sonst wird ihr der Platz als Premium US-Vasall streitig gemacht.
Arthur Dent
18. April 2023 @ 22:54
Ob Europa an Einfluss verliert, ist mir vollkommen schnuppe. Der Busfahrer, der Elektriker, die Krankenschwester haben nichts davon, wenn die EU sich erweitert und ihre Macht steigert oder wenn deutsche Firmen mit Firmen in Entwicklungsländern konkurrieren. Da findet sich kein zusätzlicher Profit auf dem Konto. Eher im Gegenteil. Da soll man dann nämlich für weniger Lohn und Rente länger arbeiten. Borell kann sich seine Krokodilstränen sparen.
european
18. April 2023 @ 18:03
Eine wunderbare aktuelle Debatte dazu mit Ulrike Guerot und Oskar Lafontaine. Dass Europa abdriftet hat mehrere Gründe, nicht nur die Ukraine und das politische Versagen auf ganzer Linie.
Info: https://lostineu.eu/borrell-raeumt-ein-dass-europa-an-einfluss-verliert
unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.
Weiteres:
lostineu.eu, vom 18. April 2023
Das Europaparlament hat fünf Gesetze zum Klimaschutz verabschiedet. Sie sollen wenig kosten und EUropa zugleich im internationalen Wettbewerb stärken. Das geht nur mit schmerzlichen Kompromissen – wenn überhaupt.
Das Europaparlament lobt sich gern selbst. Vor allem auf den „European Green Deal“ sind die Abgeordneten stolz. Doch so viele Superlative wie nun, nach der finalen Abstimmung über fünf wichtige EU-Gesetze zum Klimaschutz, hat man in der Straßburger Kammer wohl noch nie gehört.
Vom „größten Klimaschutz-Gesetz aller Zeiten“ schwärmt der CDU-Parlamentarier Peter Liese. „Die größte CO2-Reduktion, die wir in Europa erreichen können“, verspricht der Grüne Michael Bloss. „Wir stärken das Verschmutzer-zahlt-Prinzip“, frohlockt die SPD-Politikerin Delara Burkhardt.
Ob rot, grün oder schwarz: Alle sind zufrieden. Dabei war das „Fit for 55“-Paket lange umstritten. Einigkeit bestand zwar über das Ziel, den Ausstoß von Treibhausgasen bis 2030 um mindestens 55 Prozent gegenüber 1990 zu senken. Doch der Weg sorgte für Streit.
Drei Maßnahmen
Im Kern geht es um drei Maßnahmen: Die EU will den Emissionshandel ausweiten und künftig auch Gebäude und Fahrzeuge einbeziehen; sie will einen CO2-Grenzausgleich für importierte Produkte einführen – und sie will einen Klimasozialfonds schaffen, der gegen soziale Härten schützen soll.
Gegen den Emissionshandel bei Gebäuden und Fahrzeugen hatten sich Sozialdemokraten, Grüne und Linke lange gesträubt. Der CO2-Grenzausgleich, den EU-Insider liebevoll „CBAM“ nennen, stieß auf Bedenken bei Liberalen und Christdemokraten. Und gegen den Klimasozialfonds hatten sich die Kassenwarte aller EU-Länder verschworen.
„Viel Klimaschutz für möglichst wenig Geld“ – so fasst der CDU-Politiker Liese die Philosophie des nun fertig geschnürten Pakets zusammen. Marktwirtschaftlich soll es zugehen, möglichst ohne Verbote. Die EU will die „Führung“ im Klimaschutz übernehmen, dabei aber keine Nachteile im internationalen Wettbewerb erleiden.
Das klingt wie die Quadratur des Kreises – und hat zu einigen schmerzlichen Kompromissen geführt.
Weiterlesen auf taz.de. Siehe auch “Neue, unrealistische Klimaziele”
7 Comments
Arthur Dent
18. April 2023 @ 22:38@KK
Der Klimawandel ist ein Gottesgeschenk, wenn es ihn nicht gäbe, müsste man ihn glatt erfinden. Klimaschutz, Klimaneutralität, Green Deal sind Buzzwords für moderne Wegelagerei und Abzocke. Wird mehr oder weniger durch den ÖRR bestätigt: „Die EU kommt beim Klimaschutz voran, es wird aber teuer“.
Kürzlich ging das Märchen noch so: die Industrieländer entwickeln die entsprechende Technik zu erschwinglichen Preisen, damit auch die Menschen in den Schwellenländern ihre Wohnungen CO2-frei beheizen oder kühlen können. Hahaha…
KK
18. April 2023 @ 17:34
@ Arthur Dent:
“Durch Emissionshandel (Green Deal) verschwindet das CO2 nur vom Papier, nicht aus der Atmosphäre.”
Das CO2 wird eher zu Papier – Geld nämlich, das mit dem Emissionshandel nur einen weiteren Weg gefunden hat, von unten nach oben verteilt zu werden…
Am Klima ändert der Emissionshandel nix, da gabs doch mW kürzlich erst eine Studie zu.
KK
18. April 2023 @ 16:39
@ european:
“…dass alle Parlamentarier im ersten Jahr nach der Wahl auf Mindestlohn gesetzt werden.”
Ich weiss ja nicht, wie es im UK ist, aber in Deutschland würden sich die Parlamentarier dann für den Rest der Legislatur schadlos halten und sich wohl die Differenz doppelt und dreifach zurückholen, da die hiesigen die Höhe ihrer Bezüge selber bestimmen können.
Und kreditwürdig, um das erste Jahr nicht darbend überbrücken zu müssen, sind sie unter diesen Voraussetzungen natürlich allemal.
european
18. April 2023 @ 17:42Damit haben Sie bestimmt Recht, allerdings glaube ich, dass sie das sowieso tun.
Ich fand die Idee charmant, sie ist allerdings hier nicht weiter verfolgt worden.
Arthur Dent
18. April 2023 @ 16:34
Ich bin großzügig, ich würde den Parlamentariern sogar das deutsche Medianbruttoeinkommen von 3550 Euro zukommen lassen. Da würden die schön blöd “aus der Wäsche gucken”.
Durch Emissionshandel (Green Deal) verschwindet das CO2 nur vom Papier, nicht aus der Atmosphäre.
KK
18. April 2023 @ 15:46
„Sie sollen möglichst wenig kosten…“
…und werden doch so teuer werden, dass sich ein Grossteil der Bürger (warmes, nicht krankmachendes) Wohnen, Mobilität und Lebensmittel nicht mehr wird leisten können.
Denn die Mehrkosten für die Wirtschaft werden ja zu den Verbrauchern einfach durchgereicht! Wenn der Transport durch Emmissionshandel teurer wird, werden einfach die Produkte teurer; wenn die Kühlung im Supermarkt teurer wird, dito! etc.pp. Niedrige Einkommen werden gar nicht mehr, mittlere nur noch für einen Teil des Allernotwendigsten reichen.
Aber die Parlamentarier auf allen Ebenen juckt das nicht, die verdienen immer genug.
WGAF?
european
18. April 2023 @ 16:05Hier in UK hat mal jemand den Vorschlag gemacht, dass alle Parlamentarier im ersten Jahr nach der Wahl auf Mindestlohn gesetzt werden.
Ich finde die Idee super.
Info: https://lostineu.eu/green-deal-die-quadratur-des-kreises
unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.




