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12.06.2023

Flüchtlingsdeal 2.0 – diesmal mit Tunesien

lostineu.eu, 12. Juni 2023

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat Tunesien ein Milliarden-Programm in Aussicht gestellt. Ziel: Die Bootsflüchtlinge zurückhalten und für „Stabilität“ in dem autoritär regierten Land zu sorgen.

Nach Gesprächen mit Ministerpräsidentin Najla Bouden sagte die CDU-Politikerin, dazu gehörten bis zu 1,05 Mrd. Euro für den defizitären tunesischen Staatshaushalt, Investitionen in die digitale Infrastruktur, 300 Mill. Euro für Erneuerbare Energien.

Und es geht um 100 Millionen Euro für Such- und Rettungsaktionen auf See und zur Bekämpfung von Menschenschmuggel. Das ist der wichtigste Teil des Pakets.

Andernfalls hätte von der Leyen weder die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni noch den niederländischen Regierungschef Mark Rutte mitnehmen müssen. Meloni fordert einen Tunesien-Deal, um den wackligen EU-Asylkompromiss mittragen zu können.

Und Rutte war schon beim schmutzigen Flüchtlingsdeal mit der Türkei dabei – damals noch mit Ex-Kanzlerin Merkel. Die wurde nun durch von der Leyen ersetzt…

Allerdings ist unklar, ob der Flüchtlingsdeal 2.0 funktioniert. Tunesien wird zwar – genau wie die Türkei – autoritär regiert. Doch dort gibt es soziale Unruhen, die sich auch gegen den Westen und die EU richten.

Präsident Kais Saied erklärte, sein Land werde keine Grenzpolizei der EU sein. „Wir können keine Rolle erfüllen, (…) in der wir ihre Länder bewachen“, sagte Saied nach einem Besuch in der Küstenstadt Sfax, von wo aus regelmäßig Boote mit Migranten ablegen…

Mehr zur Flüchtlingskrise hier

P.S. Die CDU-Politikerin von der Leyen steht unter Druck der Post-Faschistin Meloni – aber auch von CSU-Mann Weber, der die konservative EVP immer näher an Meloni heranziehen will und in der Migrationspolitik einen harten Kurs fährt. Wohl auch deshalb verteilt sie so locker das EU-Geld…

No word about the abolition of democracy, repression, crackdown on political opposition and civil society, inciting racial violence, and everything else that contributes to making the lives of Tunisians miserable.. https://t.co/jqqBkXrpsN

— Mariam Salehi (@MariamSalehi) June 11, 2023

Info: https://lostineu.eu/fluechtlingsdeal-2-0-diesmal-mit-tunesien

 

unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.




Weiteres:




Tollhaus EU: Klage gegen von der Leyen, Freigang für Kaili


lostineu.eu, vom 11. Juni 2023

In einem Jahr wird ein neues Europaparlament gewählt. Doch die EU gleicht zunehmend einem Tollhaus, wie zwei Meldungen vom Wochenende zeigen.

Gegen EU-Kommissionschefin von der Leyen wurde eine weitere Klage wegen des umstrittenen Pfizer-Deals in der Coronakrise eingereicht. Dies berichtet „Euractiv“.

Frédéric Baldan, ein 35-jähriger belgischer Lobbyist, habe vor dem EU-Gericht in Luxemburg „einstweilige Maßnahmen“ gegen von der Leyen beantragt.

Im Erfolgsfall könne das Gericht anordnen, dass das Inkrafttreten des angefochtenen Rechtsakts – in diesem Fall die geschwärzten COVID-19-Verträge, die im Mittelpunkt der Pfizer-Affäre stehen – ausgesetzt wird, oder andere einstweilige Maßnahmen ergreifen.

Baldan fordert sogar, dass von der Leyen und alle Kommissionsmitglieder während der Ermittlungen vom Amt suspendiert werden!

Doch die Mühlen der Justiz mahlen langsam. Ein erstes Verfahren, das er vor zwei Monaten in Belgien angestrengt hatte, wurde noch nicht einmal bearbeitet!


Wesentlich mehr Eifer legt die belgische Justiz bei der Korruptionsaffäre im Europaparlament, dem sog. Katargate, an den Tag. Allerdings auch nicht unbedingt so, wie man sich das vorstellt.

Denn nun wurde ausgerechnet einer der Hauptverdächtigen, der früheren Vizepräsidentin Kaili, erlaubt, zur Plenartagung des Parlaments in Straßburg zu fahren – um dort wieder ihre Arbeit aufzunehmen!

Das wird ein Spaß! Parlamentspräsidentin Metsola dürfte die Griechin ebenso meiden wie die Genossen aus der S&D-Fraktion – die haben Kaili nämlich längst herausgeworfen…

Die Freigängerin sieht sich jedoch im Recht. Sie behauptet, sie sei das Opfer eines Komplotts geworden – weil sie die Pegasus-Affäre um Schnüffeleien in Griechenland und Spanien aufdecken wollte.

Da kommt so einiges zusammen – und das ein Jahr vor der Europawahl. Die hier genannten Affären (Pfizergate, Katargate und Pegasus-Affäre) sind allesamt gefährliche Zeitbomben; sie könnten kurz vor der Wahl detonieren.

Das kommt davon, wenn man schmutzige Wäsche vor sich herschiebt und von Berufsethik lediglich redet, statt sie endlich auch zu praktizieren…

Siehe auch Neue Ethikregeln: Oettinger bleibt unbehelligt


Info:https://lostineu.eu/fluechtlingsdeal-2-0-diesmal-mit-tunesien


unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.




Weiteres:


Asyl-Kompromiss ohne Konsens, Offensive ohne Erfolg – und Ethik ohne Biss

lostineu.eu, vom 10. Juni 2023

Was bleibt von der Europapolitik der vergangenen Woche? Die EU findet einen wackligen Kompromiss zur Asylreform, jedoch keinen tragfähigen Konsens. Die ukrainische Offensive hat (noch) keinen Erfolg. Und die Berufs-Ethik von Frau von der Leyen und ihren Mitstreitern lässt zu wünschen übrig.

Die Flüchtlingskrise geht weiter. Das ist so ziemlich das Einzige, das sich nach dem Asyl-Kompromiss der EU-Innenminister mit Bestimmtheit sagen lässt. Denn wenn überhaupt, treten die neuen Regeln erst 2024 in Kraft.

Bis dahin droht noch viel Streit. Denn der Kompromiss ist wackelig, viele Bestimmungen sind vage und allzu interpretationsfähig. Zudem ruht er nicht auf einem tragfähigen Konsens – ganz im Gegenteil.

Die geplanten neuen Lager für „Grenzverfahren“ treiben einen Keil in die deutsche Bundesregierung, die Grünen könnte es zerreißen. Der „Solidaritätsmechanismus“ zur Umverteilung von Flüchtlingen wird in Osteuropa abgelehnt.

In den Verhandlungen im Europaparlament, die nun beginnen, könnte alles wieder zerpflückt werden. Im Europawahlkampf, der im Herbst beginnt, werden die Positionen hart aufeinander prallen; die Rechten reiben sich die Hände.

„Historisch“ ist die Einigung gewiß nicht, eher schon historisch schwach. Denn selbst wenn die Asylreform wie beschlossen kommen sollte, dürfte sie in der Praxis kaum um- und durchzusetzen sein. Fortsetzung folgt…


Mehr zur Asylreform hier


Was war noch? Die Ukraine hat, wie in diesem Blog vorhergesagt, ihre lange angekündigte Gegen-Offensive gestartet. Doch von Erfolg war sie bisher nicht gekrönt. Mindestens ein deutscher Leo und wohl auch ein IRIS-T ging verloren.

Die Lage ist so ernst, dass sogar Präsident Selenskyj von „schwierigen Schlachten“ spricht. Seine Fans geben Durchhalteparolen aus – und verweisen auf den Dammbruch bei Cherson, der einmal mehr Russlands Bösartigkeit zeige.

Dabei weiß nicht einmal das US-Verteidigungsministerium, wer hinter dem Desaster steckt. Eine sehenswerte Pressekonferenz in Washington zeigt einen hilflosen Sprecher. Nur die EU ist sich sicher: Der Russe war’s!

Ethisch ist das nicht ganz sauber, denn Beweise fehlen. Doch mit der Ethik hat man es in Brüssel nicht mehr so, wie auch der Vorschlag für ein Ethik-Gremium zeigt: Von der Leyen & Co. propagieren einen zahnlosen Tiger...


Mehr Chroniken hier. Und hier noch die drei besten Blogposts der vergangenen Woche:



9. Juni 2023

Die EU will die Beziehungen zu Lateinamerika ausbauen und schnell einen Freihandelspakt mit den Mercosur-Staaten schließen. Doch Außenministerin Baerbock und EU-Chefdiplomat Borrell blamieren sich.

Mehr




Ohne Prüfung: EU macht Russland für Dammbruch verantwortlich 6. Juni 2023

EU-Ratspräsident Michel hat Russland für den „Angriff“ auf einen Staudamm im Süden der Ukraine verantwortlich gemacht. Dabei wurde noch nicht einmal eine Untersuchung eingeleitet – und ein Motiv hätte auch Kiew.

Mehr




Polen zündelt im In- und Ausland 5. Juni 2023

Die nationalistische PiS-Regierung in Polen provoziert Freund und Feind. Wird sie zur Gefahr für den inneren und äußeren Frieden in EUropa?

Mehr



4 Comments

  1. Bogie
    11. Juni 2023 @ 18:06

    „Die Russen sind wohl doof“
    „Die Russen“ sind in den Augen der meisten Politiker in der EU immer gerade das, was man braucht: Mal strunzdoof und dann wieder hinterhältige raffinierte Verbrecher oder abgefeimte Propagandastrategen.

Reply

  • european
    11. Juni 2023 @ 10:40

    Yougov sieht in der aktuellen Sonntagsfrage die AfD bei 20%, SPD bei 19% und die Grünen bei 13%

    https://yougov.de/topics/politics/articles-reports/2023/06/09/sonntagsfrage-juni-2023-uber-die-halfte-der-wahler

    Über die Hälfte der Wähler sorgt sich um die deutsche Wirtschaft. Bei den Grünen-Wählern sind es deutlich weniger (Vielleicht befinden die sich eher in verbeamteten Positionen?). Die Hälfte der Befragten macht sich Sorgen um ihre finanzielle Situation. Das Heizungsgesetz wird häufiger abgelehnt als befürwortet.

    Lesenswerter Artikel, der wieder einmal darstellt, wie sehr öffentliche Meinung und veröffentlichte Meinung auseinanderklafft. Man darf gespannt sein, ob es seitens der Parteien eine Lernkurve gibt.

    Reply

  • Armin Christ
    11. Juni 2023 @ 08:11

    Die Russen sind wohl doof. Ihre militärischen Stellungen liegen unterhalb der Wasserlinie des Staudamms nd dannsprengen sie den Staudamm dessen Wasser sie zur Versorgung der Krim brauchen ?????
    Aber Plausibilität sind wohl nicht die Stärken von vdL, Scholz, Bärbock etc.

    Reply

  • KK
    10. Juni 2023 @ 22:11

    Da regt man sich in Brüssel und Berlin über die Erosion des Rechtsstaats in Polen oder der TR auf, derweil man selbst die Unschuldsvermutung beerdigt…

    Reply


  • Info:https://lostineu.eu/asyl-kompromiss-ohne-konsens-offensive-ohne-erfolg-und-ethikregeln-ohne-biss


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    12.06.2023

    Baerbocks Lektionen (II)   Erste Lateinamerikareise von Außenministerin Baerbock erzielt keine Erfolge: Fortschritte im Einflussstreben bleiben aus; Brasilien erteilt Baerbock eine offene diplomatische Abfuhr

    german-foreign-policy.com, 12. Juni 2023

    BERLIN/BRASÍLIA/BOGOTÁ/CIUDAD DE PANAMÁ (Eigener Bericht) – Mit einer kräftigen Abfuhr in Brasilien und ohne erkennbaren Erfolg in Kolumbien und Panama ist in der vergangenen Woche die erste Lateinamerikareise von Außenministerin Annalena Baerbock zu Ende gegangen. Offiziell standen bei Baerbocks Reise die Klima- und die Energiepolitik im Mittelpunkt der Gespräche: Brasilien soll zum Schutz seiner Wälder im Amazonasgebiet veranlasst werden; Kolumbien wird in Deutschland als künftiger Lieferant von grünem Wasserstoff eingeplant, während Panama mit seinem Kanal als Drehscheibe für Wasserstoffexporte aus Südamerika vorgesehen ist. Konkrete Ergebnisse der Reise der Außenministerin wurden nicht bekannt. Unklar ist auch, was Baerbock mit ihrem Bestreben erreichen konnte, im Machtkampf der USA gegen Chinas wachsenden Einfluss in Panama, der seit geraumer Zeit tobt, die Stellung des Westens zu stärken. Ihr Versuch, Brasiliens Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva und seine Regierung unter Druck zu setzen, sich im Ukraine-Krieg gegen Russland zu positionieren, ist krachend gescheitert: Lula und sein Außenminister gewährten Baerbock weder ein Treffen noch eine gemeinsame Pressekonferenz mit einem anderen Regierungsmitglied.


    Zitat: Grüner Wasserstoff

    Offiziell standen bei der sechstägigen Lateinamerika-Reise von Außenministerin Annalena Baerbock in der vergangenen Woche die Klima- und die Energiepolitik im Zentrum der Gespräche. Ging es während ihres dreitägigen Aufenthalts in Brasilien insbesondere darum, die Abholzung der Wälder im riesigen brasilianischen Teil des Amazonasgebiets zu beenden, so verhandelte Baerbock in der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá über einen künftigen Bezug von grünem Wasserstoff aus Kolumbien. Das Land verfüge über „ein enormes Potenzial, ein Schwergewicht bei den Erneuerbaren und bei grünem Wasserstoff zu werden“, erklärte Baerbock.[1] Ähnlich hatte sich bereits Wirtschaftsminister Robert Habeck Mitte März bei einem Besuch in Bogotá geäußert. Habeck hatte versichert, in Deutschland gebe es Unternehmen, die „in Zukunft einen klimaneutralen Energieträger kaufen möchten“.[2] Weil grüner Wasserstoff aus Südamerika per Schiff in die Bundesrepublik transportiert werden muss, kommt in den Berliner Plänen Panama eine erhebliche Bedeutung zu. Das Land wird vom Panama-Kanal gekreuzt, der zentralen Seeverbindung von der lateinamerikanischen Westküste nach Europa. Panama könne zur „Drehscheibe“ für grünen Wasserstoff werden, lockte Baerbock in der Hauptstadt Ciudad de Panamá.[3]


    Klimawandel statt Klimawende

    Unerwähnt gelassen hatte die Außenministerin zuvor in Bogotá, dass die Bundesrepublik in Kolumbien derzeit nicht die Klimawende, sondern den Klimawandel vorantreibt. Ursache ist, dass Deutschland seit dem im vergangenen Jahr beschlossenen Ausstieg aus dem Erwerb russischer Kohle seine Einfuhr von Kohle aus Kolumbien massiv gesteigert hat. Bereits 2022 verdreifachte es den Import kolumbianischer Steinkohle von unter zwei auf gut 5,8 Millionen Tonnen. Als Abnehmer werden konkret EnBW, RWE, STEAG und Uniper genannt.[4] Der Lieferantenwechsel hat erhebliche Bedeutung, weil die kolumbianische Steinkohle oft unter desaströsen Umständen abgebaut wird. Berüchtigt ist etwa die Mine El Cerrejón, eine der größten Steinkohleminen der Welt, die vom Schweizer Konzern Glencore betrieben wird und schon seit vielen Jahren wegen desolater Arbeitsbedingungen und einer für die Bevölkerung schwer gesundheitsschädlichen Verschmutzung der Umwelt Schlagzeilen macht (german-foreign-policy.com berichtete [5]). Vor Ort regt sich bereits seit langer Zeit massiver Protest. Die Aufforderung der indigenen Umweltaktivistin Jakeline Romero von der Frauenorganisation Fuerza de Mujeres Wayúu, sich vor Ort über die Folgen der deutschen Steinkohleimporte aus El Cerrejón zu informieren, ignorierte Baerbock kühl.[6]


    Westen gegen China

    Jenseits der Klima- und Energiepolitik stand Baerbocks Lateinamerikareise vor allem im Zeichen des eskalierenden Machtkampfs zwischen den westlichen Staaten auf der einen und Russland bzw. China auf der anderen Seite. In Panama etwa, Baerbocks dritter Reisestation, findet seit Jahren ein erbittertes Ringen um Einfluss zwischen den Vereinigten Staaten und China statt. Die Volksrepublik konnte ihre Position zunächst rasch ausbauen, nachdem Panama im Jahr 2017 seine diplomatischen Beziehungen zu Taiwan gekappt und entgegen massivem Druck aus Washington offizielle Beziehungen zu Beijing aufgenommen hatte; sie startete umgehend mehrere große Infrastrukturprojekte, darunter ein Hafenterminal sowie eine Hochgeschwindigkeitsstrecke aus der Hauptstadt Ciudad de Panamá nach Costa Rica. Die meisten Projekte wurden, wie Insider berichten, nach dem Amtsantritt des derzeitigen Präsidenten Laurentino Cortizo am 1. Juli 2019 unter massivem Druck aus den USA abgesagt.[7] Ob es dabei bleibt, ist allerdings nicht gewiss: Selbst Cortizo, klar auf die USA orientiert, weist darauf hin, dass den Versprechungen der Biden-Administration, mit einem eigenen großdimensionierten Infrastrukturprogram („Build Back Better World“) China in Panama zu ersetzen, keine Taten gefolgt sind.[8] Baerbock habe in Panama gleichfalls Beijings Einfluss kritisiert, heißt es in Berlin.


    Westen gegen Russland

    In Brasilien wiederum bemüht sich Berlin mit aller Macht, Präsident Luiz Inácio Lula da Silva und seine Regierung zu einem Kurswechsel gegenüber Russland zu nötigen. Lula hat mehrfach öffentlich klargestellt, dass er nicht bereit ist, sich im Ukraine-Krieg auf eine Seite zu schlagen, und dass er sich sich stattdessen für rasche Verhandlungen zwischen den zwei Kriegsparteien stark macht (german-foreign-policy.com berichtete [9]). Im Bemühen, Lula auf seine Seite zu ziehen und Brasilien enger an sich zu binden, hat die Bundesregierung seit Lulas Amtsantritt am 1. Januar 2023 so viele Regierungspolitiker nach Brasília entsandt wie in kaum eine andere Hauptstadt weltweit. Anfang Januar hielt sich Umweltministerin Steffi Lemke, den Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier begleitend, in Brasilien auf; Steinmeier hatte großen Wert darauf gelegt, in Brasília persönlich an Lulas Amtseinführung teilzunehmen.[10] Kanzler Olaf Scholz versuchte in Brasília, Brasiliens Präsidenten zu veranlassen, Kiew den Flugabwehrpanzer Gepard bzw. Munition für ihn aus brasilianischen Beständen zu liefern; Lula wies dies öffentlich zurück.[11] Darüber hinaus bereisten die Minister für Wirtschaft, Robert Habeck, sowie für Umwelt, Cem Özdemir, Brasilien, bevor Anfang vergangener Woche Baerbock und Arbeitsminister Hubertus Heil dort eintrafen.


    Kein Treffen, keine Pressekonferenz

    Baerbock hat sich nun in Brasília eine offene Abfuhr geholt. Die Außenministerin hatte zuletzt für Aufsehen gesorgt, als sie ihren chinesischen Amtskollegen Qin Gang, der sie in Beijing empfing, auf einer Pressekonferenz vor den Augen der Weltöffentlichkeit unter anderem in Sachen Menschenrechte belehren zu müssen meinte – in einer Form, die Qin zu der Entgegnung trieb: „Was China am wenigsten braucht, ist eine Lehrmeisterin aus dem Westen.“[12] Die brasilianische Regierung gewährte Baerbock während ihres dreitägigen Aufenthalts keine einzige gemeinsame Pressekonferenz; die deutsche Ministerin sah sich genötigt, ihre öffentliche Kritik an Brasiliens Position im Ukraine-Krieg alleine, vor dem brasilianischen Außenministerium stehend, vorzunehmen.[13] Dort traf sie nicht ihren Amtskollegen Mauro Vieira, sondern nur dessen Stellvertreterin Maria Laura da Rocha; Vieira hatte es, obwohl Baerbocks Besuch langfristig anberaumt war, vorgezogen, in Afrika Gespräche zu führen und dort am Montag etwa bei Äthiopiens Ministerpräsidenten Abiy Ahmed vorzusprechen.[14] Lula nahm sich für ein Treffen mit Baerbock gleichfalls keine Zeit. Er setzt zur Zeit auf eine enge Kooperation im Rahmen der BRICS [15] und sucht Brasiliens Zusammenarbeit mit Afrika zu intensivieren [16]. Die Bundesrepublik ist möglicherweise dabei, ihren einst starken Einfluss in Brasilien zu verlieren.

     

    [1] „Enormes Potenzial“: Baerbock will Kolumbien für Energiekooperation gewinnen. rnd.de 09.06.2023.

    [2] Habeck sagt Kolumbien Unterstützung bei Kohle-Ausstieg zu. dw.com 15.03.2023.

    [3] Baerbock: Mit stärkerer Zusammenarbeit mit Panama Welthandel sichern. handelsblatt.com 09.06.2023.

    [4] Tobias Lambert: Für Menschen und Umwelt zu spät. oxiblog.de 16.05.2023.

    [5] S. dazu Nach uns die Sintflut (III).

    [6] Indigene Aktivistin fordert Baerbock zum Kohleminen-Besuch auf. deutschlandfunk.de 07.06.2023.

    [7], [8] Nahal Toosi: ‘Frustrated and powerless‘: In fight with China for global influence, diplomacy is America’s biggest weakness. politico.com 23.10.2022.

    [9] S. dazu „Die globale Geopolitik ausbalancieren“.

    [10] S. dazu Auf bröckelndem Boden.

    [11] S. dazu „Auf der Seite der Diplomatie“.

    [12] Baerbock mahnt Verantwortung Chinas im Ukrainekrieg an. Frankfurter Allgemeine Zeitung 15.04.2023. S. dazu Baerbocks Lektionen.

    [13] Tjerk Brühwiller, Matthias Wyssuwa: Der komplizierte Freund hat anderes zu tun. Frankfurter Allgemeine Zeitung 07.06.2023.

    [14] Priorizando relações entre Brasil e África, Mauro Vieira visita Etiópia. operamundi.uol.com.br 05.06.2023.

    Info: https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/9264


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    11.06.2023

    "Entdollarisierung": Die BRICS setzen noch stärker auf Handel ohne den Dollar

    seniora.org, 11. Juni 2023, von Anti-Spiegel, 11. Juni 2023

    Die BRICS sind zum international vielleicht beliebtesten Staatenbund geworden, dem derzeit etwa 30 Staaten beitreten wollen. In den BRICS wird der Ausstieg aus dem Dollar als Währung im Handel forciert, was dessen Beliebtheit noch erhöht.

    Der Andrang von inzwischen etwa 30 Staaten, die der BRICS beitreten wollen, zeigt, wie sehr der „globale Süden“ der Dominanz des US-geführten Westens überdrüssig ist und nach einem Staatenbund sucht, der auf eine demokratische internationale Ordnung, anstatt auf Diktate und Sanktionsdrohungen setzt. Da Südafrika derzeit den Vorsitz der BRICS innehat und daher maßgeblich die Agenda des kommenden BRICS-Gipfels bestimmt, hat der Südafrika-Korrespondent der russischen Nachrichtenagentur TASS eine sehr interessante Analyse über die Situation und Lage der BRICS geschrieben, die ich übersetzt habe.


    Beginn der Übersetzung:

    Der neue globale Machtpol BRICS: die Herausforderungen der Expansion und die Aussichten für ihre Währung

    Witalij Makartschew, Chef des TASS-Büros Südafrika, spricht über die Ergebnisse des BRICS-Außenministertreffens in Südafrika und die Erwartungen der südafrikanischen Regierung an das kommende Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs der Mitgliedsländer.

    Die BRICS (Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika) entwickelt sich rasch zu einer Schlüsselstruktur im gesamten System der internationalen Beziehungen, um die herum sich ein neuer und mächtiger Einflusspol herausbildet. Das sagte mir ein Beamter aus dem südafrikanischen Außenministerium nach dem Treffen der BRICS-Außenminister und dem Treffen der „Freunde der BRICS“ in Kapstadt, Südafrika, am 1. und 2. Juni.


    Die Zukunft der Union aus der Sicht Südafrikas

    „Der bevorstehende BRICS-Gipfel vom 22. bis 24. August in Johannesburg hat das Potenzial, ein Wendepunkt bei der Gestaltung der neuen Architektur der internationalen Beziehungen zu sein“, sagte ein Gesprächspartner aus dem südafrikanischen Außenministerium, der nicht namentlich genannt werden wollte. „Am letzten Tag des Gipfels plant der südafrikanische Präsident [Cyril] Ramaphosa ein Treffen der Staats- und Regierungschefs der BRICS und des Globalen Südens. Die Staats- und Regierungschefs der meisten afrikanischen Staaten, der ASEAN, der Karibischen Gemeinschaft (CARICOM) und der Mitglieder der Gruppe der G77 werden in Johannesburg erwartet. Mit anderen Worten: Auf dem BRICS-Gipfel werden Kräfte zusammenkommen, die andere Wege zur Entwicklung der modernen Welt sehen als der Westen.“

    Den südafrikanischen Vertretern zufolge spielt Afrika eine Schlüsselrolle im Prozess der Herausbildung des neuen globalen Einflusspols. Der boomende Kontinent baut seine Position aufgrund des raschen Bevölkerungswachstums, des Reichtums an Bodenschätzen und des Wunsches nach fortschreitender Entwicklung und Wohlstand ständig aus.

    Die BRICS haben es sich zur Priorität gemacht, sich in Richtung Multipolarität und einer neuen Sicherheitsarchitektur in der Welt zu bewegen, wie man mir im südafrikanischen Außenministerium mitteilte. „In den BRICS haben wir einen der führenden Architekten der Grundlagen einer neuen, gerechteren und sichereren Weltordnung“, betonte der Gesprächspartner. Er erinnerte daran, dass der südafrikanische Präsident Ramaphosa nun versucht, eine breite Front zur Reform des Systems der internationalen Organisationen zu schaffen, damit alternative Ansichten zum Westen über den weiteren Weg in der Weltentwicklung in diesen Organisationen besser vertreten werden können.

    Südafrika ist der Ansicht, dass der Mechanismus der Entscheidungsfindung, auch in der UNO, demokratischer werden muss, wenn die internationalen Institutionen wirksam auf globale Herausforderungen und Krisen reagieren sollen. „Wir wollen in einer berechenbareren, inklusiveren, gerechteren und nachhaltigeren Weltordnung leben“, sagte der Gesprächspartner. „Und die BRICS-Gruppe muss eine wichtige Rolle bei der Gestaltung dieses Prozesses in der Welt spielen.“

    „Wir stehen vor der Herausforderung, ein neues und gerechteres System der internationalen Beziehungen zu schaffen“, sagte die südafrikanische Ministerin für auswärtige Angelegenheiten und Zusammenarbeit, Naledi Pandor, die den Vorsitz innehatte, in ihrer Abschlussrede. „Wir haben uns mit globalen und regionalen politischen Fragen, dem Zustand der Weltwirtschaft und unserem gemeinsamen Wunsch nach Veränderung und Stärkung der Global Governance befasst.“ Sie betonte, dass sich die BRICS und der Globale Süden angesichts der gegenwärtigen Krise, mit der die Welt konfrontiert ist, gemeinsam für den Aufbau einer gerechteren Welt einsetzen müssen.


    Herausforderungen der Expansion

    Die Richtung, die die BRICS in den letzten Jahren als Fundament der neuen Weltordnung eingeschlagen haben, hat auch erhebliche Auswirkungen auf die Erweiterungsstrategie der Gruppe.

    Die BRICS-Gruppe sieht sich mit einer Situation konfrontiert, in der zahlreiche Länder aus der ganzen Welt „hartnäckig um Aufnahme in die Gruppe bitten“, so sagte mir Anil Sooklal, Sonderbotschafter für Asien und die BRICS im südafrikanischen Außenministerium und südafrikanischer Sherpa bei den BRICS. Er sagte, dass bis zu 30 Staaten formelle und informelle Anträge auf Beitritt zu den BRICS gestellt hätten. Dazu gehören Afghanistan, Algerien, Argentinien, Bahrain, Bangladesch, Belarus, Ägypten, Indonesien, Iran, Kasachstan, Mexiko, Nicaragua, Nigeria, Pakistan, Saudi-Arabien, Senegal, Sudan, Syrien, Thailand, Tunesien, Türkei, Vereinigte Arabische Emirate, Uruguay, Venezuela und Simbabwe.

    „Die Aufgabe, die Vision, die Prinzipien, die Standards, die Kriterien und die Regeln für die BRICS-Erweiterung auszuarbeiten, wurde von den Staats- und Regierungschefs der Gruppe am Ende ihres Gipfels, der unter chinesischem Vorsitz stattfand, auf das Jahr 2022 festgelegt“, sagte Sooklal. „Die Staats- und Regierungschefs der Gruppe haben die Grundsatzentscheidung getroffen, dass BRICS erweitert werden soll“, betonte er. „Seit Januar letzten Jahres arbeiten die BRICS-Sherpas an der Vorbereitung der entsprechenden konzeptionellen Unterlagen.“

    So wurde beispielsweise das Konzept der Sherpas für die BRICS-Erweiterung auf einer Sitzung der Außenminister der Gruppe am 1. Juni in Kapstadt, Südafrika, zur Diskussion gestellt.

    Die Minister akzeptierten das Dokument nicht und schickten es zur Überarbeitung zurück. Sie beauftragten die Sherpas, rechtzeitig vor dem 15. Gipfeltreffen der Vereinigung im August in Johannesburg ein verfeinertes Erweiterungskonzept und eine Liste von Kriterien für die Aufnahme neuer Mitgliedsländer vorzulegen.


    „Freunde der BRICS“

    Am Tag nach dem Außenministertreffen in Kapstadt, am 2. Juni, trafen sich die „Freunde der BRICS “ auf Außenministerebene, um verschiedene Formen der Zusammenarbeit zwischen den BRICS und den an einem Beitritt zum Verband interessierten Ländern zu diskutieren. An dem Treffen nahmen die Außenminister der BRICS-Staaten und von 12 Ländern des Globalen Südens sowohl persönlich als auch per Video teil: Ägypten, Argentinien, Bangladesch, Komoren, Kuba, Demokratische Republik Kongo, Gabun, Indonesien, Iran, Saudi-Arabien, Vereinigte Arabische Emirate und Venezuela.

    Nach Angaben der südafrikanischen Zeitung Daily Maverick haben die Treffen in Kapstadt gezeigt, dass innerhalb der BRICS-Staaten keine Einigkeit darüber besteht, ob eine Erweiterung der Gruppe wünschenswert ist, geschweige denn über die Kriterien für die Aufnahme von Kandidaten. Der Zeitung zufolge ist China begeistert von der Erhöhung der Zahl der BRICS-Mitglieder, Südafrika und Russland haben Interesse gezeigt, aber Brasilien und vor allem Indien sind kategorisch dagegen. Das Hauptargument der letzteren ist, dass die BRICS-Erweiterung die Position der Gründer der Gruppe schwächen würde. Uneinigkeit herrscht auch über die Kriterien für die Aufnahme.

    Mein Gesprächspartner aus dem südafrikanischen Außenministerium sagte, dass mehrere Formeln für die BRICS-Erweiterung in Betracht gezogen werden. Eine davon sieht vor, dass der Stärkung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit durch die Neue Entwicklungsbank (New Development Bank) Vorrang eingeräumt werden soll. Gleichzeitig könnten die Länder, die in die Bank aufgenommen werden, an verschiedenen Formaten der BRICS-Gruppe teilnehmen, ohne der Gruppe formell beizutreten.

    Ein weiteres Format sei der so genannte BRICS-Outreach. „Diese Struktur beinhaltet die Schaffung mehrerer Kooperationsgruppen unter BRICS, die an spezifischen Projekten und Bereichen arbeiten werden“, betonte er. „Intensive Konsultationen sind im Gange“. Südafrika rechnet jedenfalls nicht mit einer schnellen Entscheidung über die Erweiterung der Union. Als diesjähriger BRICS-Vorsitzender hat sich Südafrika jedoch das Ziel gesetzt, die Annäherung der Gruppe an Afrika zu beschleunigen.


    Die Zeit für die BRICS-Einheitswährung ist noch nicht gekommen

    In den letzten Monaten gab es in den BRICS auch intensive Beratungen über ein Projekt zur möglichen Einführung einer einheitlichen Währung für die Gruppe, aber es gibt noch keine Entscheidung, sagte mir ein Sprecher des südafrikanischen Außenministeriums. „Die Aufgabe, eine einheitliche BRICS-Währung einzuführen, befindet sich noch in der Phase der Vorstudien“, sagte mein Gesprächspartner. Ihm zufolge wird die Frage innerhalb der BRICS in ihrer „konzeptionellen Form“ diskutiert.

    Der südafrikanische BRICS-Sherpa Sooklal sagte seinerseits, die Frage einer einheitlichen BRICS-Währung werde von den Experten der Gruppe vorbereitet. „Zunächst muss jedoch die Grundlage für eine einheitliche Währung innerhalb der BRICS geschaffen werden“, sagte er. „Diese Grundlage sollte darin bestehen, dass die BRICS-Mitglieder ihre nationalen Währungen verstärkt im gegenseitigen Handel und bei Investitionen verwenden. Die BRICS-Länder haben Vereinbarungen über den Handel in nationalen Währungen getroffen, und wir sind entschlossen, diese umzusetzen“, sagte er. Sooklal wies jedoch darauf hin, dass Südafrika als BRICS-Vorsitzender die Reform der globalen Finanzarchitektur als vorrangig ansieht.

    In Südafrika ist man der Ansicht, dass es zu früh ist, den US-Dollar direkt herauszufordern. Im vergangenen Monat räumte die südafrikanische Ministerin für auswärtige Angelegenheiten und Zusammenarbeit, Pandor, ein, dass in der ganzen Welt, auch in den BRICS-Ländern, darüber diskutiert werde, wie man sich vom US-Dollar abwenden könne. „Dabei geht es weniger um den Dollar an sich, sondern in erster Linie um die Stärkung anderer Währungen“, betonte sie. „Ich sehe diese Art der Fragestellung nicht als negativ an. Die Frage ist, ob es möglich ist, ein System zu schaffen, in dem andere Währungen in den internationalen Handel einbezogen werden, ob es eine Möglichkeit für uns gibt, unsere eigene Währung und die der BRICS-Länder im internationalen Handel zu verwenden.“


    Der Westen ist nicht bereit, seine Positionen kampflos aufzugeben

    Südafrika ist in den letzten Monaten unter starken Druck seitens der USA und einiger EU-Länder geraten, die eindeutig wollen, dass das Land seine Beziehungen zu Russland und China abbricht. Unter anderem werfen die USA Südafrika vor, Russland mit Waffen zu beliefern. So behauptete der amerikanische Botschafter in Südafrika, Reuben Brigety, bei einer Pressekonferenz am 11. Mai, das russische Schiff Lady R habe im Dezember 2022 den südafrikanischen Marinestützpunkt in Simonstown angelaufen und dabei angeblich Waffen und Munition an Bord genommen. Ramaphosa ordnete die Einsetzung einer unabhängigen Kommission an, die die Situation rund um die Lady R untersuchen soll.

    Wie die Reserve Bank of South Africa (die als Zentralbank fungiert) in ihrem Bericht vom Mai feststellte, sind die westlichen Länder in der Lage, aufgrund der engen Beziehungen zu Russland Sanktionen gegen die Südafrikanische Republik zu verhängen. Die Situation hat sich bereits auf die Position der südafrikanischen Währung ausgewirkt, die Anfang Juni auf einen historischen Tiefstand gegenüber dem US-Dollar gefallen ist.

    „Die NATO-Länder fordern nun, dass Südafrika seine strategischen Beziehungen zu Russland aufgibt, aber die Republik wird sich ihrem Druck nicht beugen“, erklärte mir Alvin Botes, der stellvertretende Minister für auswärtige Angelegenheiten und Zusammenarbeit Südafrikas. „Aufgrund der politischen Haltung, die die NATO zur Krise in der Ukraine eingenommen hat, werden wir gedrängt, die Beziehungen zu Russland abzubrechen. Wir halten jedoch unbeirrt an unserer Position der Freundschaft und Partnerschaft mit Russland fest.“ Botes beschrieb die Beziehungen zwischen Südafrika und der Russischen Föderation als strategisch und auf historischen Verbindungen basierend, die den Test der Zeit bestanden haben.

    „Russland ist seit vielen, vielen Jahren ein Freund und Partner Südafrikas, auch während der Anti-Apartheid-Periode“, sagte Pandor ihrerseits. „Wir können nicht auf Wunsch einer anderen Partei zu Feinden werden.“


    Ende der Übersetzung


    Quelle: https://www.anti-spiegel.ru/2023/die-brics-setzen-noch-staerker-auf-handel-ohne-den-dollar/


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    Info: https://www.seniora.org/politik-wirtschaft/geld-dollarkrise/entdollarisierung-die-brics-setzen-noch-staerker-auf-handel-ohne-den-dollar


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    11.06.2023

    in Kürze: Auswahl von heute...

    aus e-mail von Doris Pumphrey, 11. Juni 2023, 22:40 Uhr


    *RT Doku: Vom Faschismus erzogen – Die Nationalisten der Ukraine


    *Die Entstehung und die Geschichte der nationalistischen Bewegung in der

    Ukraine rekapituliert diese RT Doku. Wer sind die Kräfte, die die

    Gegenwart der Ukraine bestimmen? Woher kommen sie, an was glauben sie

    und wie kamen sie an die Macht?


    Die nationalistische Bewegung in der Ukraine ist nicht einfach so

    entstanden; es hat Jahre gedauert, sie aufzubauen. Sie ist im Laufe von

    vielen Jahren gewachsen, dabei wurde sie genährt von westlichen

    Kuratoren und unterstützt durch westliche Gelder. Zu Beginn des

    Euro-Maidan gab es in der Ukraine bereits ein ausgedehntes Netzwerk von

    Neonazi-Einheiten, die aber von der ukrainischen Regierung nicht

    verfolgt wurden.


    Eines ihrer Hauptziele war die Herausbildung einer Ideologie, die die

    Russen entmenschlicht und alle Verbindungen zu ihnen abbricht, die

    jahrhundertelang bestanden. Den Nationalisten wurde beigebracht, wie man

    einen Krieg in den sozialen Medien führt und schließlich eine gezielte

    Kommunikationsschlacht gegen das russische Volk anzettelt.


    Stepan Bandera war 1929 der Leiter der ukrainischen nationalistischen

    Organisation. Im Jahr 1934 nahm die Gestapo die Berliner Sektion der

    Organisation auf, er organisierte Terroranschläge und tötete Beamte. Im

    Jahr 1941 war die ukrainische nationalistische Organisation für das

    größte jüdische Pogrom in Lemberg verantwortlich, bei dem etwa 7.000

    Menschen getötet wurden. Dennoch wurde Stepan Bandera im Jahr 2010 zum

    Nationalhelden erklärt, und seither finden ihm zu Ehren Fackelmärsche statt.

    /Zur Reportage hier:

    /https://freeassange.rtde.life/dokumentation/video/172424-rt-doku-vom-faschismus-erzogen/

    /oder hier:

    /https://gegenzensur.rtde.live/dokumentation/video/172424-rt-doku-vom-faschismus-erzogen/



    https://freeassange.rtde.life/europa/172395-polen-weist-beteiligung-an-nord/

    11.6.2023

    *Polen weist Beteiligung an Nord-Stream-Anschlag zurück

    *Warschau habe nichts mit den Explosionen an den

    Nord-Stream-Gaspipelines zu tun und es gebe keinen Grund, die polnische

    Republik mit diesen Ereignissen in Verbindung zu bringen. Dies erklärte

    der Koordinator der polnischen Sonderdienste in der polnischen

    Regierung, Stanisław Żaryn, auf Twitter. Er schrieb

    <:" rel="noopener">https://twitter.com/StZaryn/status/1667600804872609792?cxt=HHwWgICzmZiGwaQuAAAA>: 

    /"Es gibt seit vielen Monaten verschiedene Theorien und Hypothesen, die

    darüber spekulieren. Sie ähneln einer Taktik des Informationsrauschens,

    deren Ziel es ist, das wahre Bild der Ereignisse zu verzerren."/


    Am Vortag hatten die Quellen der Zeitung /The Wall Street Journal/ neues

    Beweismaterial von deutschen Ermittlern veröffentlicht. Daraus ging

    hervor, dass die Jacht Andromeda, die angeblich von den Bombenlegern

    benutzt wurde, in polnische Gewässer eingelaufen war. Außerdem habe sich

    das Logistikzentrum der Operation in der polnischen Republik befunden,

    und der in einem deutschen Hafen gesichtete weiße Lieferwagen, der von

    den Saboteuren genutzt wurde, habe polnische Nummernschilder gehabt. Das

    Schiff sei mithilfe eines in Warschau ansässigen Reisebüros angemietet

    worden, das vermutlich "Teil eines Netzes ukrainischer Scheinfirmen ist,

    die im Verdacht stehen, Verbindungen zum ukrainischen Geheimdienst zu

    unterhalten".


    Das Nachrichtenmagazin wies darauf hin, dass trotz der engen Beziehungen

    zwischen deutschen und polnischen Ermittlungsbehörden die deutsche

    Behörde die Ergebnisse nicht an ihre polnischen Kollegen weitergegeben

    hat, die erst aus den Medien davon erfuhren. Die Quellen des /Wall

    Street Journals/ wiesen jedoch darauf hin, dass Deutschland keine

    Beweise für eine Beteiligung der polnischen Behörden an den

    Bombenanschlägen habe.


    Die/Washington Post/ schrieb unter Berufung auf anonyme Quellen,

    Washington habe schon Monate vor dem Vorfall von der Absicht Kiews

    erfahren, die Pipelines von einem Taucherteam sprengen zu lassen. Diese

    Informationen erhielten die USA vom Geheimdienst eines europäischen

    Landes. Alle an der Operation beteiligten Personen unterstanden direkt

    dem ukrainischen Oberbefehlshaber Waleri Saluschny, während der

    ukrainische Präsident Wladimir Selenskij nichts von der Operation

    gewusst habe, so der Geheimdienst. Der Zeitung zufolge ermöglichte dem

    ukrainischen Präsidenten seine Unwissenheit, eine ukrainische

    Beteiligung an der Sabotage leugnen zu können, ohne lügen zu müssen.

    Selenskij sagte: /"Ich bin der Präsident, und ich gebe entsprechende

    Befehle. Die Ukraine hat so etwas nie getan. Ich würde so etwas nie tun."/


    Auch Moskau geht davon aus, dass die Ukraine nichts mit den

    Bombenanschlägen zu tun hat. Präsident Wladimir Putin gibt den

    "Angelsachsen" die Schuld, weil die Bombardierung in deren Interesse lag

    und sie über die technischen Möglichkeiten für eine solche Operation

    verfügten. Seiner Ansicht nach gingen diese nach den restriktiven

    Maßnahmen "zur Sabotage über – unglaublich, aber eine Tatsache". Die USA

    und Großbritannien bestritten eine Beteiligung an den Bombenangriffen

    ebenso wie alle anderen NATO-Länder. Berlin teilte mit, dass es auch

    keinerlei Beweise für eine russische Beteiligung an den Bombenanschlägen

    gebe.



    RT-Liveticker 11.6.2023

    <https://freeassange.rtde.life/international/131481-liveticker-ukraine-krieg/>

    20:52 Uhr

    *Rund 1.600 Menschen im Gebiet Cherson nach Kachowka-Überflutung in

    Notunterkunft untergebracht*


    Fast 1.600 Menschen wurden in 16 provisorischen Unterkünften im Gebiet

    Cherson untergebracht, nachdem der Staudamm von Kachowka zerstört und

    das Gebiet in großem Ausmaß überflutet worden war. Dies teilte der

    Pressedienst des russischen Katastrophenschutzministeriumsam Sonntag

    mit: /"Stand heute wurden 1.588 Menschen in 16 Notunterkünften

    untergebracht, während der Rest zu Verwandten und Bekannten gegangen

    ist. Insgesamt sind 63 Notunterkünfte mit einer Gesamtkapazität von

    5.500 Personen eingerichtet worden." /Das Ministerium für

    Notfallsituationen fügte hinzu, dass vor Ort Notfallrettungs- und andere

    dringende Arbeiten durchgeführt werden.


    15:54 Uhr

    *Russisches Gebiet Cherson erkennt Ukrainisch als offizielle Sprache an*

    Der kommissarische Gouverneur des Gebiets Cherson, Wladimir Saldo, hat

    ein Dekret unterzeichnet, das die Verwendung der ukrainischen Sprache

    bei der Büroarbeit im Gebiet erlaubt. Der Beamte schrieb auf seinem

    Telegram-Kanal: /"Ich habe ein Dekret unterzeichnet, wonach die

    ukrainische Sprache im Gebiet Cherson zusammen mit der russischen

    Sprache und die krimtatarische Sprache auf dem Gebiet der Kreise

    Genitschesk und Nowotroizk für die Kommunikation und Aktenverwaltung

    verwendet werden kann."/

    Der von Saldo zitierte Text des Dokuments besagt, dass Russisch,

    Ukrainisch, Krimtatarisch und andere Sprachen der Völker Russlands bei

    der Tätigkeit der staatlichen und kommunalen Organe und Organisationen

    im Gebiet Cherson verwendet werden dürfen. Die Bürger können diese

    Sprachen verwenden, wenn sie sich an offizielle Stellen wenden, und eine

    Antwort in derselben Sprache erhalten.



    18:54 Uhr

    *Kiew lehnt Initiativen Brasiliens, Indonesiens und afrikanischer Länder

    ab, mit Russland zu verhandeln*

    Michail Podoljak, der Berater des Leiters des ukrainischen

    Präsidialamtes, hat die Möglichkeit von Verhandlungen zwischen Kiew und

    Moskau auf der Grundlage der von Brasilien, Indonesien und afrikanischen

    Ländern vorgeschlagenen Friedensinitiativen abgelehnt. Seiner Meinung

    nach sei jeglicher Verhandlungsprozess unmöglich. Podoljak wörtlich:

    /"Es gibt keinerlei indonesische, brasilianische oder afrikanische

    Grundlagen dafür."/

    Ferner fügte der ukrainische Beamte hinzu, dass die Verhandlungen

    "sinnlos, gefährlich und mörderisch für die Ukraine und Europa" wären.


    12:09 Uhr

    *Kremlsprecher Peskow sieht keine Voraussetzungen für Gespräche mit Kiew*


    Der Sprecher des russischen Präsidenten, Dmitri Peskow, hat sich in

    einem Interview für die Fernsehsendung /Moskau. Kreml. Putin/ zur

    Möglichkeit geäußert, den Dialog mit der Regierung in Kiew aufzunehmen.

    Dem Reporter Pawel Sarubin teilte der Kremlsprecher mit, dass es keine

    Voraussetzungen für Vereinbarungen gebe. Es bestehe nicht einmal eine

    "wackelige" Grundlage für einen Dialog. Peskow präzisierte

    <https://t.me/zarubinreporter/921> dabei: /"Wir sehen а) den Unwillen

    des Regimes, b) die mangelnde Bereitschaft, с) die fehlende Genehmigung

    vonseiten der Herren des Regimes. Man kann es so sagen – ohne

    diplomatische Umschweife."/


    10:38 Uhr

    *Vertreter des ukrainischen Präsidentenbüros: 20 NATO-Mitglieder

    unterstützen Kiews Beitritt zur Allianz *


    Nach dem Überraschungsbesuch des kanadischen Premierministers Justin

    Trudeau in Kiew hat der Vize-Chef des ukrainischen Präsidentenbüros,

    Igor Schowkwa, am Samstagabend auf Facebook geschrieben, dass die

    Ukraine in Bezug auf ihren Beitritt zur NATO inzwischen mit der

    Unterstützung von 20 Mitgliedern rechne.

    /"Stand heute haben wir bereits die formelle Unterstützung von 20

    Mitgliedstaaten für eine Mitgliedschaft der Ukraine im Bündnis."/

    Der hochrangige Beamte nannte dabei keine konkreten Länder. Für einen

    Beitritt zur Allianz wäre jedoch die Zustimmung aller NATO-Länder

    notwendig. Momentan gehören dem Militärbündnis 31 Staaten an.


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    11.06.2023

    Brasilianischer Präsident setzt sich für Julian Assange ein

    freeassange.rtde.life, 11 Juni 2023 14:35 Uhr

    Der brasilianische Präsident Lula da Silva hat zur Unterstützung für Julian Assange aufgerufen. Dem WikiLeaks-Gründer droht die Auslieferung an die USA. Seit seiner Festnahme am 13. Mai 2019 sitzt Assange im Londoner Hochsicherheitsgefängnis Belmarsh

    .

    Quelle: Legion-media.ru © Snowfieldphotography


    (Symbolbild)


    Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva hat zur Unterstützung für den australischen Journalisten und WikiLeaks-Gründer Julian Assange aufgerufen, dem die Auslieferung an die USA droht. Lula da Silva brachte zum Ausdruck, dass er die bevorstehende Auslieferung des Journalisten mit Sorge betrachte. Er erklärte:

    "Assange hat wichtige Arbeit geleistet, indem er das illegale Vorgehen eines Staates gegen einen anderen aufgedeckt hat. Seine Inhaftierung verstößt gegen den Schutz der Demokratie und der Pressefreiheit. Es ist wichtig, dass wir uns alle für ihn einsetzen."

    Stella Assange, die Frau des in Großbritannien inhaftierten Journalisten, wird am Dienstag, dem 13. Juni, erneut Berufung beim High Court in London einlegen und hofft, dass ihr Mann nicht an die USA ausgeliefert wird.


    Londoner Gericht lehnt Assanges Antrag auf Berufung gegen Auslieferung ab





    Londoner Gericht lehnt Assanges Antrag auf Berufung gegen Auslieferung ab






    Die internationale Menschenrechtsorganisation "Reporter ohne Grenzen" teilte am Donnerstag mit, dass Assanges letzter Einspruch am 6. Juni in allen Punkten abgelehnt worden sei. Nun sei ein erneuter Einspruch für den Journalisten "der letzte Schritt vor den britischen Gerichten", da ein weiteres Verfahren nur noch vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) möglich sei, so die Organisation in einer Erklärung.


    Einen Tag zuvor hatte Julian Assange einen Brief an den britischen König Charles III. geschrieben und ihn darum gebeten, ihn im Gefängnis zu besuchen. Diese Information wurde später von seiner Frau Stella Assange bestätigt.


    Am 3. Mai unterbrachen Aktivisten die Rede des US-Außenministers Antony Blinken bei einer Veranstaltung zum Thema Pressefreiheit und forderten die Freilassung des WikilLeaks-Gründers. Zu Beginn der Veranstaltung betraten zwei Aktivisten die Bühne mit Plakaten, auf denen Slogans zur Unterstützung von Assange zu lesen waren. Sicherheitsbeamte begleiteten sie aus dem Saal.


    Mehr zum Thema - Viertes Soli-Konzert in der Musikbrauerei in Berlin: "Wir sind für Assange hier, oder?"


    Durch die Sperrung von RT zielt die EU darauf ab, eine kritische, nicht prowestliche Informationsquelle zum Schweigen zu bringen. Und dies nicht nur hinsichtlich des Ukraine-Kriegs. Der Zugang zu unserer Website wurde erschwert, mehrere Soziale Medien haben unsere Accounts blockiert. Es liegt nun an uns allen, ob in Deutschland und der EU auch weiterhin ein Journalismus jenseits der Mainstream-Narrative betrieben werden kann. Wenn Euch unsere Artikel gefallen, teilt sie gern überall, wo Ihr aktiv seid. Das ist möglich, denn die EU hat weder unsere Arbeit noch das Lesen und Teilen unserer Artikel verboten. Anmerkung: Allerdings hat Österreich mit der Änderung des "Audiovisuellen Mediendienst-Gesetzes" am 13. April diesbezüglich eine Änderung eingeführt, die möglicherweise auch Privatpersonen betrifft. Deswegen bitten wir Euch bis zur Klärung des Sachverhalts, in Österreich unsere Beiträge vorerst nicht in den Sozialen Medien zu teilen.

    Info: https://freeassange.rtde.life/international/172392-brasilianischer-praesident-setzt-sich-fuer


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    11.06.2023

    Bringt der NATO-Gipfel im Juli die weitere Eskalation?

    freeassange.rtde.life, 11 Juni 2023 21:07 Uhr, Von Dagmar Henn

    Der Kampf hinter den Kulissen um das weitere Vorgehen der NATO scheint sich zuzuspitzen. Der NATO-Gipfel in Vilnius wird vermutlich zeigen, wie die Würfel gefallen sind. Aber die Chancen, dass sich die Vernunft durchsetzt, stehen nicht gut.





    Quelle: www.globallookpress.com © http://globallookpress.com/zpdtl.html?IMG=20230606_gaf_u55_229.jpg&CNT=8#


    Symbolbild: Tankwagen auf dem Weg zum NATO-Manöver Air Defender 23, 6. Juni 2023


    Schon die RAND-Studie, die Anfang des Jahres die Empfehlung an die USA enthielt, sich aus der Ukraine zurückzuziehen, deutete an, dass im Inneren der US-Administration und der NATO eine größere Auseinandersetzung darüber stattfindet, wie man mit dem Projekt Ukraine nach Abarbeitung dieser Offensive weiter umgeht, nachdem klar ist, dass sowohl die Sanktionsstrategie als auch der militärische Konflikt das gewünschte Ziel nicht erreichten und auch nicht erreichen werden. Inzwischen hat nicht nur einer der Autoren der Studie nachgelegt; mit den Aussagen von Ex-NATO-Generalsekretär Anders Rasmussen liegt nun auch der Plan der anderen Seite auf dem Tisch.


    "Die Gegenoffensive ist nicht entscheidend" – Foreign Affairs fordert Verhandlungen





    "Die Gegenoffensive ist nicht entscheidend" – Foreign Affairs fordert Verhandlungen






    Dass es sich um eine interne Auseinandersetzung handelt, zeigt sich nicht nur an Veröffentlichungen in Foreign Affairs, der wichtigsten außenpolitischen Zeitschrift der USA. Es lässt sich auch daran erkennen, dass in den letzten Wochen immer wieder Artikel auftauchten, die die Nazi-Ideologie in der Ukraine thematisierten (wie jener Artikel in der New York Times, in dem erwähnt wurde, dass Fotografen stets darauf achten müssen, die Nazi-Insignien ukrainischer Soldaten nicht mit abzulichten). Angesichts des erbitterten Schweigens, mit dem auf diese Tatsachen neun Jahre lang reagiert wurde, ist jede derartige Information ein Hinweis darauf, dass jemand aus den US-Strukturen ein Interesse hat, Distanz zu jenem Verbündeten zu schaffen.

    Rasmussens Aussagen deuten folgende weitere Entwicklung an: über bilaterale Beistandsverträge (das verbirgt sich hinter der Formulierung "Sicherheitsgarantie") sollen die europäischen NATO-Mitgliedsländer ihre eigenen Truppen in den ukrainischen Krieg schicken können, ohne dass dadurch der Artikel 5 des NATO-Statuts aktiviert wird. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wäre das vor allem Polen; die winzigen baltischen Staaten könnten aus der dort verbliebenen männlichen Bevölkerung unterhalb des Rentenalters vielleicht zusammen eine Brigade aufbringen.

    Würden die übrigen EU-Länder eine solche Entwicklung mittragen? Das vergangene Jahr hat deutlich genug gezeigt, dass die Neokons bereit sind, für ihre Pläne Europa komplett zu ruinieren. Von den gegenwärtigen Regierungen ist wenig Widerstand zu erwarten, sie haben sich ebenso vollständig dem Projekt Ukraine verschrieben wie der größere Teil der Biden-Regierung, und die meisten haben, wie Bundeskanzler Olaf Scholz, weder die Intelligenz noch das Rückgrat, um für die Interessen ihrer Länder einzutreten.


    Rasmussen





    Rasmussen: NATO-Staaten könnten Bodentruppen in die Ukraine entsenden






    Gerade Scholz lieferte in den letzten Monaten ein geradezu historisches Spektakel; denn die auch in Deutschland verbreitete Version der Nord Stream-Saga mit der Ukraine als Täter müsste zumindest zu zunehmender Distanz führen; seine diesbezügliche Harthörigkeit lässt eigentlich nur noch die Option offen, dass er von dieser Kriegshandlung gegen Deutschland vorab nicht nur gewusst, sondern sie gebilligt hat, was ein Verhalten wäre, für das das deutsche Strafrecht weder einen wirklich angemessenen Paragrafen noch eine wirklich angemessene Strafe kennt.

    Bei Frau von der Leyen muss man nicht weiter nachdenken; sie wie die gesamte Brüsseler Entourage wären vermutlich gerne bereit, eine EU-Armee gen Kiew zu schicken, um die amerikanischen Kastanien aus dem Feuer zu holen, und leiden gerade darunter, dass sie ebendies noch nicht können. Aber das Nachlegen bei der Nord Stream-Saga zeigt auch, dass unterhalb der EU-Bürokratie noch Kräfte vorhanden sind, die dem nicht folgen wollen; die Tatsache, dass eine belgische Zeitung unter Berufung auf den belgischen Geheimdienst schreibt, dort sei man lange vorab über den geplanten Anschlag auf Nord Stream informiert gewesen, besagt vor allem, dass auch innerhalb dieses Dienstes zumindest Teile einen Rückzug aus dem Ukraine-Projekt befürworten.


    Mit Polen wäre es nämlich vermutlich nicht getan. Dieser Zug dürfte genauso scheitern wie die ganze Liste bisheriger Wunderwaffen; es sind seit Monaten bereits polnische Söldner in der Ukraine, und selbst wenn die gesamte polnische Armee dorthin geschickt würde, erreichte sie weder die Zahl noch die Ausrüstung, die die Ukraine am Anfang letzten Jahres noch besaß. Wer Englisch versteht, kann sich in einem neuen Video von The Duran eine ausführliche Debatte zu diesem Thema anschauen, in der viele Aspekte dieser Frage abgehandelt werden. Leider kommen die beiden zu dem deprimierenden Schluss, dass die Neokons in dieser Auseinandersetzung die Oberhand behalten dürften, und nach der polnischen Nummer ein Eintritt der USA und damit ein dritter Weltkrieg die logische Folge wären.


    Die Ukraine, der "Rest" und die fehlende Diplomatie





    Meinung

    Die Ukraine, der "Rest" und die fehlende Diplomatie






    Auch in Bezug auf die politischen Entwicklungen rund um die Biden-Regierung wird in Europa so getan, als gäbe es das alles nicht. Das gilt sowohl für die jüngsten Enthüllungen über die zehn Millionen Dollar, die die Biden-Sippe nach Aussagen einer FBI-Quelle zu Zeiten von Joe Bidens Vizepräsidentschaft von Burisma erhalten haben soll, als auch für die bizarre Entwicklung der neuesten Anklage gegen Donald Trump. Letztere sollte man einmal mit den Vorwürfen vergleichen, wegen derer Russland keine Demokratie sein soll – Donald Trump ist als ehemaliger US-Präsident und im Falle seiner Kandidatur als wahrscheinlicher Wahlsieger ein ganz anderes Kaliber als die Guaidò, Tichanowka etc., die der Westen als "Oppositionsführer" vorführt. Ihn mit juristischen Tricks an einer Kandidatur hindern zu wollen, macht es schwer, die Vereinigten Staaten selbst formell noch eine Demokratie zu nennen.


    Nachdem der Moment der Entscheidung bereits festzustehen scheint, auf eben jenem NATO-Gipfel im Juli, kann man davon ausgehen, dass davor beide Seiten versuchen werden, ihre Ausgangsposition zu verbessern. Die Sprengung des Kachowka-Damms kann man durchaus in diesen Zusammenhang einordnen, und wenn man das ukrainische Verhalten der letzten Jahre kennt, dürfte in dieser Richtung noch etwas nachkommen, irgendeine Inszenierung, um die man wieder ein großes Geschrei über russische Kriegsverbrechen anstimmen kann, um auf die gewünschten Beschlüsse vorzubereiten. Die Gegenseite scheint vor allem darauf zu setzen, zumindest eine Ecke des gigantischen Teppichs, unter den der Westen alle ukrainischen Verbrechen der letzten Jahre gekehrt hat, anzuheben. Noch mit einer gewissen Vorsicht, aber es ist noch Zeit bis zum 13. Juli, und der Vorrat unter diesem Teppich ist groß und reichhaltig.


    Könnte die NATO in die Ukraine einmarschieren?





    Analyse

    Könnte die NATO in die Ukraine einmarschieren?






    Das wirkliche Problem bei dieser Konfrontation hinter den Kulissen ist allerdings, dass keine der beiden Fraktionen eine bessere Antwort auf den Niedergang des US-Imperiums bieten kann als mehr vom Selben und eine nüchterne Einschätzung bei beiden Varianten zum gleichen Ergebnis kommt.


    Wenn schon für alle außerhalb des Westens gut sichtbar eine – auch noch selbst herbeigeführte – Auseinandersetzung mit Russland in einer Niederlage endet, wie soll dann eine Auseinandersetzung mit China zum Erfolg führen? Beide Gruppen haben weder die Absicht noch die Kenntnisse, um den für einen Ex-Hegemon angemessenen Platz in einer veränderten Welt zu schaffen. Selbst die Fraktion, für die Samuel Charap und die RAND-Studie stehen, setzt alles auf eine Karte, nur dass die Karte eben China heißt und nicht Russland, und beide den grundsätzlichen Irrtum begehen anzunehmen, ein Entweder-oder sei überhaupt zu haben.


    Bei der pessimistischen Bewertung, die The Duran zu dieser Konstellation liefern, bleibt letztlich nur eine positive Option – dass die Eskalationsschritte seitens der USA irgendwann dazu führen, dass sich die anderen großen und aufsteigenden Mächte, also Russland, China, Indien, Brasilien usw., zusammenschließen, um ihrerseits die Vereinigten Staaten aus der so viel zitierten Weltgemeinschaft zu verbannen. Eine andere Option gäbe es nur, wenn die Bevölkerungen des Westens selbst dafür sorgten, dass diese Politik des immerwährenden Krieges beendet wird.


    Kiew wollte ein neues "Butscha" inszenieren – in Kachowka ist es misslungen





    Meinung

    Kiew wollte ein neues "Butscha" inszenieren – in Kachowka ist es misslungen





    Das immerhin wäre ein historisch nützlicher Beitrag, den jene zweite Fraktion leisten könnte: durch ihre Versuche, die Position zur Ukraine zu verändern, die Informationsbarriere so weit zu durchbrechen, dass einer Mehrheit der Menschen im Westen bewusst wird, welchen Pfad sie seit 2014 entlang geführt wurden und welche Gefahren bei einer weiteren Eskalation drohen. Um sich das zu vergegenwärtigen, genügt eigentlich bereits ein Blick auf die Fantasien, die in der NATO gehegt werden, mit einem Beitritt Schwedens die Ostsee zu einem NATO-Meer zu machen und die Passage für die russische Marine zu blockieren; ein Schritt, der nicht anders enden kann als mit einer Reihe von NATO-Schiffen auf dem Grund der Ostsee.


    So vielgestaltig die Manöver sind, mit denen Öl ins Feuer gegossen wird – entscheidend ist, dass die Menschen im Westen erkennen, wer die Ölkanne in der Hand hält. Aber von der gegenwärtigen Friedhofsruhe bis zu einem Moment, an dem in Westeuropa Regierungen nachgeben oder gar gestürzt werden, ist noch eine gehörige Strecke zurückzulegen.


    Mehr zum Thema - Medienbericht: CIA informierte Belgien über die Rolle der Ukraine bei der Sabotage von Nord Stream


    RT DE bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Gastbeiträge und Meinungsartikel müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

    Durch die Sperrung von RT zielt die EU darauf ab, eine kritische, nicht prowestliche Informationsquelle zum Schweigen zu bringen. Und dies nicht nur hinsichtlich des Ukraine-Kriegs. Der Zugang zu unserer Website wurde erschwert, mehrere Soziale Medien haben unsere Accounts blockiert. Es liegt nun an uns allen, ob in Deutschland und der EU auch weiterhin ein Journalismus jenseits der Mainstream-Narrative betrieben werden kann. Wenn Euch unsere Artikel gefallen, teilt sie gern überall, wo Ihr aktiv seid. Das ist möglich, denn die EU hat weder unsere Arbeit noch das Lesen und Teilen unserer Artikel verboten. Anmerkung: Allerdings hat Österreich mit der Änderung des "Audiovisuellen Mediendienst-Gesetzes" am 13. April diesbezüglich eine Änderung eingeführt, die möglicherweise auch Privatpersonen betrifft. Deswegen bitten wir Euch bis zur Klärung des Sachverhalts, in Österreich unsere Beiträge vorerst nicht in den Sozialen Medien zu teilen.

    Info: https://freeassange.rtde.life/meinung/172410-bringt-nato-gipfel-im-juli


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    11.06.2023

    Asyl-Kompromiss ohne Konsens, Offensive ohne Erfolg – und Ethik ohne Biss

    lostineu.eu, vom 10. Juni 2023

    Was bleibt von der Europapolitik der vergangenen Woche? Die EU findet einen wackligen Kompromiss zur Asylreform, jedoch keinen tragfähigen Konsens. Die ukrainische Offensive hat (noch) keinen Erfolg. Und die Berufs-Ethik von Frau von der Leyen und ihren Mitstreitern lässt zu wünschen übrig.

    Die Flüchtlingskrise geht weiter. Das ist so ziemlich das Einzige, das sich nach dem Asyl-Kompromiss der EU-Innenminister mit Bestimmtheit sagen lässt. Denn wenn überhaupt, treten die neuen Regeln erst 2024 in Kraft.

    Bis dahin droht noch viel Streit. Denn der Kompromiss ist wackelig, viele Bestimmungen sind vage und allzu interpretationsfähig. Zudem ruht er nicht auf einem tragfähigen Konsens – ganz im Gegenteil.

    Die geplanten neuen Lager für „Grenzverfahren“ treiben einen Keil in die deutsche Bundesregierung, die Grünen könnte es zerreißen. Der „Solidaritätsmechanismus“ zur Umverteilung von Flüchtlingen wird in Osteuropa abgelehnt.

    In den Verhandlungen im Europaparlament, die nun beginnen, könnte alles wieder zerpflückt werden. Im Europawahlkampf, der im Herbst beginnt, werden die Positionen hart aufeinander prallen; die Rechten reiben sich die Hände.

    „Historisch“ ist die Einigung gewiß nicht, eher schon historisch schwach. Denn selbst wenn die Asylreform wie beschlossen kommen sollte, dürfte sie in der Praxis kaum um- und durchzusetzen sein. Fortsetzung folgt…

    Mehr zur Asylreform hier



    Was war noch? Die Ukraine hat, wie in diesem Blog vorhergesagt, ihre lange angekündigte Gegen-Offensive gestartet. Doch von Erfolg war sie bisher nicht gekrönt. Mindestens ein deutscher Leo und wohl auch ein IRIS-T ging verloren.

    Die Lage ist so ernst, dass sogar Präsident Selenskyj von „schwierigen Schlachten“ spricht. Seine Fans geben Durchhalteparolen aus – und verweisen auf den Dammbruch bei Cherson, der einmal mehr Russlands Bösartigkeit zeige.

    Dabei weiß nicht einmal das US-Verteidigungsministerium, wer hinter dem Desaster steckt. Eine sehenswerte Pressekonferenz in Washington zeigt einen hilflosen Sprecher. Nur die EU ist sich sicher: Der Russe war’s!

    Ethisch ist das nicht ganz sauber, denn Beweise fehlen. Doch mit der Ethik hat man es in Brüssel nicht mehr so, wie auch der Vorschlag für ein Ethik-Gremium zeigt: Von der Leyen & Co. propagieren einen zahnlosen Tiger...

    Mehr Chroniken hier. Und hier noch die drei besten Blogposts der vergangenen Woche:


    Fehlstart in Lateinamerika: Kein Bock auf Baerbock 9. Juni 2023

    Die EU will die Beziehungen zu Lateinamerika ausbauen und schnell einen Freihandelspakt mit den Mercosur-Staaten schließen. Doch Außenministerin Baerbock und EU-Chefdiplomat Borrell blamieren sich.


    Ohne Prüfung: EU macht Russland für Dammbruch verantwortlich 6. Juni 2023

    EU-Ratspräsident Michel hat Russland für den „Angriff“ auf einen Staudamm im Süden der Ukraine verantwortlich gemacht. Dabei wurde noch nicht einmal eine Untersuchung eingeleitet – und ein Motiv hätte auch Kiew.

    Mehr

    Polen zündelt im In- und Ausland 5. Juni 2023

    Die nationalistische PiS-Regierung in Polen provoziert Freund und Feind. Wird sie zur Gefahr für den inneren und äußeren Frieden in EUropa?

    Mehr




    2 Comments

    1. Armin Christ
      11. Juni 2023 @ 08:11

      Die Russen sind wohl doof. Ihre militärischen Stellungen liegen unterhalb der Wasserlinie des Staudamms nd dannsprengen sie den Staudamm dessen Wasser sie zur Versorgung der Krim brauchen ?????
      Aber Plausibilität sind wohl nicht die Stärken von vdL, Scholz, Bärbock etc.

    Reply

  • KK
    10. Juni 2023 @ 22:11

    Da regt man sich in Brüssel und Berlin über die Erosion des Rechtsstaats in Polen oder der TR auf, derweil man selbst die Unschuldsvermutung beerdigt…


  • Info: https://lostineu.eu/asyl-kompromiss-ohne-konsens-offensive-ohne-erfolg-und-ethikregeln-ohne-biss


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.




    Weiteres:




    Die gute Nachricht aus Brüssel: Kein europäischer „Heiz-Hammer“


    lostineu.eu, vom 10. Juni 2023

    Doch, es gibt sie noch – die guten Nachrichten aus Brüssel. Heute: EU-Mindestnormen für Energie-Effizienz werden aktualisiert – ohne „Heiz-Hammer“.

    (Pressemitteilung der EU-Kommission)

    Im Rahmen der seit 10 Jahren geltenden Ökodesign-Rechtsvorschriften werden derzeit Durchführungsbestimmungen über Heizgeräte aktualisiert. Das ist ein normales Verfahren. Ziel ist es, die Vorgaben für neue Heizungen ab 2029 auf ein Niveau zu aktualisieren, das mit dem heutigen Stand der Technik – auch mit Heizkesseln in Kombination mit Solarthermie oder einer kleinen elektrischen Wärmepumpe – problemlos erreicht werden kann. Bereits existierende Anlagen fallen nicht unter die neuen Vorgaben. Das Europäische Parlament und der Rat der EU-Staaten sind in den Entscheidungsprozess einbezogen.


    Der Entwurf der EU-Verordnung wird derzeit noch mit den EU-Ländern und Verbänden diskutiert und muss von einer qualifizierten Mehrheit der Mitgliedstaaten unterstützt werden. Die Kommission wird keine Entscheidungen über Grenzwerte treffen, bevor die laufenden Konsultationsverfahren und Diskussionen abgeschlossen sind, sondern wird im Lichte der Ergebnisse entscheiden. Der Rat und das Europäische Parlament haben die Möglichkeit, den endgültigen Entwurf abzulehnen.


    Wirkungsgrad: Effizienzanforderung von 115 Prozent

    Die in der Konsultation der Mitgliedstaaten und Verbände erwähnte vorgeschlagene Effizienzanforderung von 115 Prozent entspricht der Effizienz, die von heutigen Wärmepumpen problemlos erreicht werden kann. Ein solcher Wirkungsgrad kann jedoch auch schon heute durch Hybridsysteme erreicht werden, die sowohl Energie aus Brennstoffen als auch Energie aus einer Wärmepumpe oder Solarkollektoren nutzen. „Brennstoff“ bedeutet Erdgas, Biogas, Biokraftstoff oder synthetische Kraftstoffe. Bestehende Gasleitungen und -netze könnten in vielen Fällen weiter genutzt werden.

    Die neuen Mindestnormen für die Energieeffizienz von Heizgeräten sollen dann ab dem Jahr 2029 vollständig umgesetzt werden. (…) Privathaushalte, die heute eine konventionelle Heizungsanlage besitzen oder vor 2029 eine solche anschaffen wollen, können das im Rahmen der diskutierten Regelung weiterhin tun. Und sogar nach 2029 dürfen noch gebrauchte Heizkessel eingebaut werden.


    (Ende der Pressemitteilung)

    EINORDNUNG: Die deutschen Medienberichte über einen europäischen „Heiz-Hammer“ sind offenbar falsch. Die EU ist zwar auch für Wärmepumpen, hat es aber nicht so eilig wie Herr Habeck. Problematisch ist allerdings die Geheimniskrämerei in Brüssel. Die geplanten neuen Durchführungsbestimmungen über Heizgeräte wären wohl nie an die Öffentlichkeit gedrungen, wenn es nicht in Berlin eine hitzige Debatte gäbe…


    Mehr hier (Pressemitteilung der EU-Kommission)



    6 Comments

    1. Franz
      11. Juni 2023 @ 08:28

      „die guten Nachrichten aus Brüssel“ ?? – Die EU hat auch keine Antwort auf die enorme Energieverschwendung und Klimaausdörrung durch Heizungen der Eigenheime. Mich erinnert das an die Landwirtschaftspolitik. = Keine gute Nachricht, sondern ein weiteres Zeichen der Politikunfähigkeit & Korruption!

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  • KK
    10. Juni 2023 @ 19:35

    @ Arthur Dent:
    „Bei einem Kilo gewonnenen Wasserstoffs fallen neun Kilo Sauerstoff als „Abfall“ an. Wohin eigentlich mit dem?“

    Bei der Schnappatmung, die wohl die Mehrheit der Bürger von der EU inzwischen bekommen, atmen wir den gemeinsam locker weg…

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  • Arthur Dent
    10. Juni 2023 @ 18:08

    Sorry, es muss natürlich heißen, nach Energieerhaltungssatz ist das eigentlich nicht! möglich.

    Reply

  • Arthur Dent
    10. Juni 2023 @ 18:07

    115 Prozent Energieeffizienz – heizen mit Perpetuum Mobile. Nach Energieerhaltungssatz ist das eigentlich möglich, 115 Prozent werden durch unvollständige Energiebilanz erreicht, da man auch den Abgasen nochmals Energie entzieht. Das geht aber auch mit ganz modernen Gas-Brennwertkesseln. Gas- oder Pellet-Heizungen galten vor kurzem noch als umweltfreundlich, jetzt sind sie Teufelszeug. Jetzt noch einmal zum Wasserstoff- Hype. Der Wirkungsgrad der Wasserelektrolyse liegt bei 60-70 Prozent. Der Wirkungsgrad der Rückverstromung bei 40-50 Prozent. (0,7 x 0,5 = oh, nicht 1,15 sondern nur 0,35). Nur 35 Prozent der Verstromung können genutzt werden. Bei einem Kilo gewonnenen Wasserstoffs fallen neun Kilo Sauerstoff als „Abfall“ an. Wohin eigentlich mit dem? Übrigens wiegt ein Kubikmeter Wasserstoff neunzig Gramm. Mit 700 bar Druck kann man ihn auf 40 kg komprimieren. Braucht man ganz schön viel Stahl um den zu ummanteln.
    Also demnächst Heizen mit Luft, Eulenspiegel wurde auch schon satt von leckeren Essensgerüchen, und bei Gulliver lässt sich nachlesen, dass Licht und Wärme aus Gurken extrahiert wurde. Sozusagen im Umkehrverfahren der Photosynthese. ????

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  • KK
    10. Juni 2023 @ 14:46

    Würden heutige Wärmepumpem eine höhere Effizienz aufweisen als meine (fast neue) Gasheizung, würde ich im Winter mein altes Haus damit ohne Umbauten ebenso warm bekommen wie mit eben dieser Gasheizung. Dem ist aber nicht so, ich müsste, um überhaupt erträgliche Temperaturen zu erreichen, nahezu den aktuellen Wert der Immobilie noch einmal in die Sanierung stecken – und wohl für die Dauer der Umbauten solange eine Ersatzbleibe für mich und das Inventar suchen müssen, denn diese wären erheblich und umfassend.

    Wenn man hier verbietet, konventionelle Heiztechnik anzuwenden, kann ich das Haus gleich abfackeln – denn wert ist es dann weniger als es das unbebaute Grundstück wäre. Ich nenne eine derartige Vorschrift wie in Berlin geplant im wahrsten Sinne des Wortes eine „kalte Enteignung“!

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  • T. Gereke
    10. Juni 2023 @ 12:47

    Das ist doch noch restriktiver als der deutsche Gesetzentwurf?! Jede Heizungstechnik, die auf Verbrennung basiert (sei es Holz[pellets] oder farbiger Wasserstoff), kommt niemals auf 100% Effizienz – geschweige 115%. Noch dazu fällt jede rein elektrische Heizung weg (Radiator, Heizstrahler, Infrarot, …), die ja genau 100% erreichen. Mehr als 100% können doch überhaupt nur mit einer Wärmepumpe erreicht werden!


  • Info: https://lostineu.eu/die-gute-nachricht-aus-bruessel-kein-europaeischer-heiz-hammer


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    11.06.2023

    Nachrichten von Pressenza: Kernfusion? – Nein Danke!

    aus e-mail von <newsletter@pressenza.com>, 11. Juni 2023, 7:15 Uhr


    Nachrichten von Pressenza - 11.06.2023


    Kernfusion? &#8211; Nein Danke!


    ÖDP will lieber dezentrale Energiewende fördern Im Schatten des Angriffs auf die Ukraine gewinnt die Kernenergie immer mehr Auftrieb. Vor allem Union und FDP wittern Morgenluft, die demokratisch beschlossene Energiewende zu unterwandern. „Kernenergie ist keine Alternative. Ihre Nutzung ist zu gefährlich&hellip;

    http://www.pressenza.net/?l=de&track=2023/06/kernfusion-nein-danke/


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    Guatemala: Die unglücklichen Erben der Maya


    Guatemala ist heute nur wegen der Flüchtlingsproblematik hin und wieder in den Medien – als Ausgangs- und als Transitland für die Flüchtlinge Lateinamerikas. Es hat eine geringe ökonomische Bedeutung, weil der größte Teil seiner ca. 18 Millionen Einwohner zu arm&hellip;

    http://www.pressenza.net/?l=de&track=2023/06/guatemala-die-ungluecklichen-erben-der-maya/


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    Pressenza - ist eine internationale Presseagentur, die sich auf Nachrichten zu den Themen Frieden und Gewaltfreiheit spezialisiert hat, mit Vertretungen in Athen, Barcelona, Berlin, Bordeaux, Brüssel, Budapest, Buenos Aires, Florenz, Lima, London, Madrid, Mailand, Manila, Mar del Plata, Montreal, München, New York, Paris, Porto, Quito, Rom, Santiago, Sao Paulo, Turin, Valencia und Wien.


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    10.06.2023

    Auszug aus «Gestalten um Alfred Adler - Pioniere der Individualpsychologie»  (I von II)

    Warum uns die Arbeit dieser Pioniere etwas angeht, zeigt der folgende Beitrag.

    30. Mai 2023

    Buch Titel Gestalten um A.Adler

     










































    Geschätzte Leserin, geschätzter Leser, liebe Freunde, mit der Individualpsychologie ist es Alfred Adler vor 100 Jahren gelungen, einen wesentlichen Grundstein zur jungen Wissenschaft der Psyche des Menschen zu legen. Viele Forscher haben inzwischen mit diesen Erkenntnissen weitergearbeitet, so auch unser Lehrer Friedrich Liebling, der nach dem Zweiten Weltkrieg in Zürich die «Psychologische Lehr- und Beratungsstelle» aufgebaut hat. Liebling sah vor allem die pädagogisch-psychologische Aufklärung der Eltern und Lehrer als vordringlich, was er im Geleitwort zu «Grosse Pädagogen» prägnant zum Ausdruck gebracht hat.


    Der bekannte Schüler Lieblings, Dr. Josef Rattner, hat im vorliegenden Buch einen informativen Beitrag zur grossen psychologischen Aufklärungsarbeit von Friedrich Liebling verfasst, den wir Ihnen hier gerne zur Kenntnis bringen.


    Wir sind überzeugt, dass mit den psychologischen Erkenntnissen Alfred Adlers und Friedrich Lieblings - und aller anderen Pioniere - ein wissenschaftlicher Schatz zur Verfügung steht, der von der Menschheit nur noch nicht wirklich stringent erkannt worden ist. Sowohl mit seniora.org, wie auch mit unserer Beratungsstelle für Lebensfragen und unserer seit einiger Zeit im Entstehen begriffenen kulturgeschichtlichen Aufklärungs-Seite copernicus.seniora.org bemühen wir uns, diesen Schatz zum Wohle aller zu heben. Sie, liebe Freunde, sind gerne zum Mitdenken und zur Mitarbeit an unseren Aufklärungsbemühungen eingeladen. Herzlich, Margot und Willy Wahl




    Friedrich Liebling und die Grossgruppentherapie Josef Rattner

    Friedrich Liebling ist einer der Schöpfer der individualpsychologischen Grossgruppentherapie, oder genauer gesagt: Mit ihm zusammen habe ich im Zeitraum von 1952 bis 1967 diese neue Form der Therapie aus der Wiege gehoben. Er war nicht nur ein grosser Seelenarzt, sondern auch ein sehr beeindruckender und geistvoller Mensch. Dieser Mann war für mich Vorbild und Wegweiser, Muster und Ideal.


    Es scheint heute nicht mehr modern zu sein, Vorbilder zu haben. Die jungen Leute lehnen das ab und meinen, sie könnten schon sehr früh aus eigener Hand leben. Das ist wohl ein Irrtum. Vorbilder sind unentbehrlich, um den Weg zu sich selbst zu finden. Der Philosoph Ludwig Marcuse sagt in seinem Buch «Argumente & Rezepte» (Zürich 1973, S. 54) unter dem Stichwort «Heldenverehrung» mit Recht:


    «Ich glaube an die Macht des Vorbildes, des ganz individuellen und sehr sterblichen Ideals; an den beispielgebenden Einzelnen, den man in früheren Zeiten einen Helden nannte. Ich glaube, dass man in unseren Zeiten sich der Pflicht, musterhaft zu sein, entzieht mit der Ausrede, es gilt den Führern zu entgehen und die Institutionen zu verbessern. Man soll das nur tun; doch werden sie niemand zur Selbständigkeit erziehen: Zum Mut zu denken, was man denkt, zu fühlen, was man fühlt, zu wollen, was man will. Der beste Weg zum Selbst ist die Faszination durch ein anderes Selbst   – die lebende Illustration, wie einer sich traut, er selbst zu sein.»

    Auf den folgenden Seiten zeichne ich ein Porträt von Friedrich Liebling, da ihn wohl kaum jemand so gut und so genau kannte wie ich. Dies ist ein Nachruf und ein Dokument der Dankbarkeit, ein Teil des nahezu unendlichen Dialogs, den ich mit ihm geführt habe.


    Biographisches

    Friedrich Liebling wurde am 25. Oktober 1893 im galizischen Dorf Augustowka (Ukraine) geboren. Sein Vater war Gutsverwalter irgendwo an der Peripherie des altösterreichischen Kaiserreiches. Friedrich war das Älteste von fünf Geschwistern. 1912 legte er die Reifeprüfung ab und ging als junger Mann nach Wien, um dort Medizin zu studieren.


    Dann kam aber der Erste Weltkrieg; von der Woge der patriotischen Begeisterung mitgerissen, meldete sich Friedrich als Freiwilliger zum Kriegsdienst, den er vier Jahre lang absolvierte. Er stand vor allem im Einsatz an der russisch-polnischen Front. Die Kriegszeit beeinflusste zutiefst sein Denken und seine Weltanschauung. Er ging aus dem grossen Massenmorden als entschiedener Pazifist hervor und gelobte sich, sein ganzes Dasein der Kriegsverhütung und Friedenssicherung zu widmen.

    Nach 1919 traf der junge Mann, der sich in Kreisen der Sozialisten und Humanisten Wiens bewegte, auf Alfred Adler, der für ihn zum Leitstern seiner inneren und äusseren Entwicklung wurde. Friedrich Liebling verehrte Adler als Forscher und Lehrer der Lebenskunst; immer wieder kam er im Gespräch auf seine Begegnungen mit diesem Pionier der Tiefenpsychologie zurück, der seinem Leben Ziel und Richtung gewiesen hat.


    Friedrich Liebling widmete sich vor allem der Jugendarbeit. Die Betreuung von jungen Menschen nahm einen Grossteil seiner Zeit in Anspruch; er war aber als Psychologe auch zum Teil Berater grosser Firmen, die er in der Personalführung beriet.


    Als 1934 in Österreich der sogenannte Austrofaschismus die Macht an sich riss (es war dies eine Spielart des Faschismus , aber mit deutlich katholischer Ausrichtung), kam eine harte Zeit für Friedrich Liebling und seine Familie. Nur durch Zufall entging er den scharfen Repressalien, mit denen die Dollfuss-Regierung alle freiheitlichen Menschen verfolgte. Auch Alfred Adler spürte diese Einschränkungen seiner Tätigkeit; ab 1930 verlagerte er den Schwerpunkt seiner Tätigkeit in die USA.


    Noch schlimmer wurde es für Friedrich Liebling, als Hitler seinen Eroberungs- und Annexionszug begann und seine alte Heimat Österreich kassierte. Das war im März 1938; damals marschierten die deutschen Truppen ins Donauland ein, frenetisch bejubelt von den reaktionären Volksmassen, die sich vom Grossdeutschen Reich eine goldene Zukunft versprachen. Es sollte allerdings anders kommen.


    Friedrich Liebling verliess Österreich bald nach dem deutschen Einmarsch und fand in der Schweiz Zuflucht. Als Homo politicus sah er voraus, dass der Nationalsozialismus nach und nach jede Form von Humanität abstreifen und sein barbarisch-kriminelles Antlitz zeigen würde. Sozialisten und Humanisten endeten bekanntlich in Hitlers Konzentrationslagern, wo sie einer primitiven Söldner­ und Mörderschar ausgeliefert wurden.


    Die Jahre im schweizerischen Exil nützte Friedrich Liebling zu weit ausholenden Studien in allen Bereichen der Humanwissenschaften. Er war ein grosser und vielseitiger Leser. Tag für Tag setzte er sich in die Stadtbibliothek in Schaffhausen (dem Städtchen, in dem er sich niedergelassen hatte) und studierte die Klassiker der Psychologie, der Philosophie, der Soziologie und der Politik. Die Behörden der Schweiz erlaubten den Flüchtlingen keine Berufsausübung. Das war hart für einen stets tätigen und energischen Menschen wie Friedrich Liebling; aber er schickte sich in diese Bedingungen, die er nicht ändern konnte.


    Schon in seiner Schaffhauser Zeit lernte ich Friedrich Liebling kennen und profitierte von seinem reichen Wissen und Können. Später absolvierte ich bei ihm eine Charakter- und Lehranalyse. Diese war ungemein tiefgründig, sodass ich noch heute von den Erfahrungen und Erkenntnissen dieser Zusammenarbeit zehre.


    1952 war ich frisch gebackener Doktor der Philosophie und Psychologie. Mit Friedrich Liebling zusammen eröffnete ich in Zürich etwas später die «Psychologische Lehr- und Beratungsstelle», in der wir fast fünfzehn Jahre zusammenarbeiteten. Wir standen auf dem Boden der Individualpsychologie Alfred Adlers, die wir umsichtig weiterentwickelten. Vor allem begründeten wir damals die sogenannte Grossgruppentherapie, die ein Novum in der Psychotherapie darstellte.


    Wie wir porträtieren wollen

    Ein Porträt liefert bekanntlich nicht nur ein Bild der gemalten oder geschilderten Person, sondern auch des Malers oder Schreibers, der porträtiert hat. Wir sind uns deshalb bewusst, dass wir im Folgenden nicht nur Friedrich Liebling, sondern auch uns selbst   – zumindest teilweise   – darstellen.


    Wir setzen unseren Ausgangspunkt bei einer ganz fragmentarischen Charakterisierung der Idee der Grossgruppentherapie, die zu den eigenständigsten Leistungen von Friedrich Liebling gehört. Nur mit wenigen Worten deuten wir an, was er mit dieser Therapieform wollte, aber auch, welche Gefahren in diesem Modell stecken. Das Thema ist natürlich viel komplizierter, als man in wenigen Druckseiten sagen kann. Aber es ist hier nicht der Ort, darüber zu reflektieren; meine Meinung über die Grossgruppentherapie und ihre Probleme habe ich ausführlich erörtert in meinem Buch «Gruppentherapie   – die Psychotherapie der Zukunft» (Bergisch Gladbach 1972). .

    Ich werde in der Folge fast impressionistisch vorgehen, indem ich Eigenschaften und Merkmale von Friedrich Liebling nebeneinanderstelle, ohne auf einen stringenten Zusammenhang zu achten. Ich lasse mich sozusagen von meinen Erinnerungen führen und leiten; was mir dabei in den Sinn kommt, erläutere ich und ergänze diese Erläuterungen durch meine Kommentare.


    Es liegt mir am Herzen, die geistige Gestalt von Friedrich Liebling sichtbar zu machen. Dieser Mentor meiner Jugend und Reifezeit war äusserlich ein schlichter, vielleicht sogar unscheinbarer Mann; wer ihn aber genauer kennenlernte, war immer bewegt vom menschlichen Format, das er repräsentierte. Ich las einmal bei Max Stirner, dem Philosophen des Individualismus (den Friedrich Liebling genauso schätzte wie ich selbst), die Worte: «An grossen wie an befreundeten Menschen interessiert uns alles, selbst das Unbedeutendste, und wer uns von ihnen Kunde bringt, erfreut uns sicherlich.»


    Nun: Gerade das will ich mit diesem Aufsatz leisten. Wer Friedrich Liebling gekannt, geschätzt oder geliebt hat, wird mir Dank dafür wissen, dass ich die Persönlichkeit des Verstorbenen zu evozieren versuche.


    Grossgruppentherapie

    Auf den Anregungen von S. R. Slavson, J. Moreno und vielen anderen aufbauend, haben Friedrich Liebling und ich als vermutlich Erste im deutschsprachigen Raum 1955 die Grossgruppentherapie eingeführt. Es gab etwa gleichzeitig solche Versuche in der angelsächsischen Welt; aber sie waren nur von kurzer Dauer und haben sich nicht bewährt. Unser Versuch in Zürich jedoch konnte sich gut halten und hat sich hervorragend entwickelt.


    Die Idee der Grossgruppentherapie ist eigentlich den Vätern der Tiefenpsychologie zu verdanken. Meiner Meinung nach haben Freud, Adler und Jung bereits Grossgruppen geschaffen. Denn die erste Schülergeneration von Freud war selbst in keiner Weise analysiert; gleichwohl wurde sie mit Therapieaufgaben betraut. Wer Probleme irgendwelcher Art hatte, machte einen Spaziergang mit Meister Freud; das genügte angeblich. Charakter- und Lehranalysen für Psychoanalytiker kamen erst um 1910 (durch Anregung von C. G. Jung) auf.


    In dieser Situation schuf Freud 1902 die Mittwoch-Gesellschaft und später die Psychoanalytiker-Vereinigung. Diese war unseres Erachtens eine Grossgruppe. Die Analytiker kamen oft zusammen, diskutierten ihre Fälle, trugen theoretische Arbeiten vor und bildeten eine Forschergemeinschaft: Diese hatte offensichtlich therapeutische Qualitäten. Und wer damals Analytiker war, hatte wahrlich eine solche Unterstützung bitter nötig; man befand sich in einer feindseligen Umwelt, setzte sich mit seelisch Kranken auseinander und wurde dabei unweigerlich mit den eigenen Schwächen und Gebrechen konfrontiert.


    Auch Adler und Jung schufen ihre Therapeuten- und Anhängergruppen. Bei Adler kam etwas Neues hinzu: In seinem unerschütterlichen Demokratismus hob er die Schranke zwischen Therapeuten und Analysanden auf, indem er die These vertrat, seine Individualpsychologie sei eine Lebensanschauung für jeden vernünftigen und gut gesinnten Menschen. Im Adler-Kreis verkehrten bald Fachleute und Patienten bunt gemischt miteinander. Man diskutierte oft so, dass jeder denkende Teilnehmer davon profitieren konnte.


    Mit diesen Vorbildern vor Augen wurde von uns in Zürich Grossgruppentherapie betrieben. Wir hatten zahlreiche Patienten, die von uns einzeltherapeutisch behandelt wurden. Unser geistiges Fundament war die Individualpsychologie Alfred Adlers. Diese hat einen lehrhaften Aspekt; sie will den Patienten nicht nur um sich selbst kreisen lassen, sondern regelrecht in Menschenkenntnis und Weltkenntnis schulen.


    Alfred Adler war immer der Meinung, nur die Entfaltung von Sozialinteresse oder Gemeinschaftsgefühl könne dazu verhelfen, eine Neurose oder eine andere Art von Seelenpathologie zu überwachsen. Also sollte der Analysand auch geeignetes Wissen erwerben; am besten eben das psychohygienische Erkenntnismaterial, das in der Tiefenpsychologie vorliegt. Das war nicht nur Alfred Adlers Marotte; auch Siegmund Freud empfahl, der Analytiker solle «Erzieher, Lehrer, Vorbild, Aufklärer und Künder einer freien Weltanschauung» sein: Eine Empfehlung, die sicher heute von vielen orthodoxen Psychoanalytikern vergessen wird!


    Wie sollten wir nun unsere Patienten schulen? Friedrich Liebling und ich führten Kurse ein, die auf möglichst breiter Basis tiefenpsychologische Lehren erörterten. Oft war ich selbst dabei der Referent; nicht selten aber trugen Patienten Probleme vor, die in der Gemeinschaft bearbeitet wurden. Diese Schulungsabende erfreuten sich einer ausserordentlichen Beliebtheit. Es kamen immer mehr Interessenten dazu, was dazu führte, dass immer grössere Räumlichkeiten gesucht werden mussten.


    Wir hatten die Genugtuung zu sehen, dass auf Grund unserer behutsamen Führungskunst in allen diesen Zusammenkünften die gefürchteten Massenreaktionen ausblieben. Teilnehmer lernten bald, einander ausreden zu lassen, ohne dazwischenzureden; Aggressionen kamen selten vor; man hörte einander an, trug Gegensätze klug und vernünftig aus und lernte gemeinsam die hohe Kunst des Einander-Verstehens.


    Ich selber habe in leitender Funktion der «Zürcher Grossgruppe» bis 1967 angehört. Ich kann daher nur bis zu diesem Zeitpunkt beurteilen, wie das ganze Therapie- und Schulungsgeschehen verlief. Was nachher kam, habe ich nicht mehr verfolgt, da ich nach Berlin ging, um meine eigene Praxis und mein «Institut für Tiefenpsychologie, Gruppendynamik und Gruppentherapie» aufzubauen.


    Nutzen und Nachteil der Grossgruppentherapie

    Ich arbeite seit etwa 35 Jahren ziemlich erfolgreich mit Grossgruppen, sodass ich wahrscheinlich abschätzen kann, welche Chancen und Gefahren diese neuartige Therapiemethode bietet. Ich bin heute noch der Auffassung, dass sie eine sehr wertvolle Innovation darstellt. Aber ich weiss auch, dass grosse Gruppen sehr stark von der Qualifikation ihres Leiters abhängen und dass sie in die Nähe von Massenorganisationen geraten können.


    Man hat der Grossgruppentherapie vorgeworfen, dass sie die Patienten nicht loslässt, sondern sie über viele Jahre hinweg festhält: Man bleibt in ihr, wenn einen nicht Konflikte mit dem Leiter oder mit anderen Gruppenmitgliedern ins Exil treiben. Erinnert man sich an das, was ich weiter oben über die Grossgruppen von Freud, Adler und Jung sagte, dann wird man diesen Einwand doch einigermassen entkräften können. Wer eine in unserem Sinne geführte Grossgruppe als sein geeignetes Therapie- und Lernmilieu empfindet und anerkennt, wird nach Behebung seiner Lebensschwierigkeiten kaum den Impuls verspüren, die Gruppe zu verlassen. Er reiht sich sehr oft in die Gruppe als Helfer ein; nun, da ihm geholfen wurde, will er zur Gesundung anderer beitragen. Auch entstehen unter Gruppenmitgliedern Freundschaften, Arbeitsgemeinschaften und Kollegialität: Warum sollte man da abwandern, wo es in unserer Gesellschaft im allgemeinen furchtbar schwer ist, idealistisch gleichgesinnte Freunde und Gesinnungsgenossen zu finden!

    Man weiss es aus dem Altertum: Wenn lernwillige Menschen einen guten Lehrer fanden, bildeten sie mit ihm zusammen eine Akademie; die Philosophenschulen des Altertums von Platon über Aristoteles bis zu den Stoikern, Skeptikern, Zynikern und Epikuräern geniessen heute noch einen legendären Ruf. Warum sollten sich solche Lehr- und Lerngemeinschaften nicht auch heute bilden können? Gewiss sind die Meister von heute oft nur Karikaturen jener Geistesriesen, die wir beim Studium der Antike bewundern. Aber eine gut geführte Grossgruppe kann durchaus eine geistige Heimat sein, ohne das Mitglied von der übrigen Umwelt abzuschirmen. Sie darf nur nicht dogmatisch, selbstgefällig und demagogisch sein.


    Man hat es oft beklagt, dass der Mensch in der heutigen Gesellschaft weitgehend vereinsamt ist. David Riesman sprach sogar von der «einsamen Menge»; man lebt zwar in Massen, aber niemand kümmert sich wirklich um den Nachbarn, ja oft sogar nicht einmal um die Mitglieder der eigenen Familie. Nun gilt Einsamkeit in den tiefenpsychologischen Lehren als einer der schlimmsten Krankheitsfaktoren; wer allein ist, kann meistens das seelische Gleichgewicht nicht aufrechterhalten. Er wird nicht selten Opfer von Ängsten, Depressionen, Süchten aller Art und Suizidalität, von Neurosen und eventuell auch Psychosen.


    Die Idee der Grossgruppentherapie will dieser allgemeinen Vereinsamung den Kampf ansagen; ob das in der Praxis immer gut gelingt, sei vorerst dahingestellt. Denn es gibt sicher auch ein Einsamsein mit vielen, wenn das Individuum dabei verlorengeht und sich selbst nicht mehr findet. Gemeinschaft hat nur Sinn zwischen in sich selbst ruhenden Individualitäten; unprofilierte Charaktere bringen es nur zu einem primitiven Nebeneinander, das gegebenenfalls durch eine als feindlich empfundene Umwelt oder eine als Projektionsschirm für Ängste und Aggressionen gedachte Umgebung zusammengehalten wird.


    Wächst eine solche Psychohygiene-Bewegung ins übermässig Grosse hinein, kann sie von Massenreaktionen affiziert werden. Massen-Meetings können nur unter sehr erschwerten Bedingungen Niveau aufrechterhalten. Man muss die «Botschaft» vereinfachen, wenn man bei sehr vielen Menschen damit ankommen will. Oft sind ja auch Patienten, welche die Psychotherapie aufsuchen, Bildungsgeschädigte, das heisst, sie haben wenig Kultur und Wissen assimilieren können, da sie von Kindheit an in Beziehungskonflikte verstrickt waren.


    Mit solch lädierten Kulturmenschen en masse zusammenzuarbeiten, kann für den Therapeuten und sein Team äusserst beschwerlich werden. Wie soll er der Therapieforderung genügen, jeden Einzelnen zu kennen, zu verstehen und zu fördern? Es kann zu Globalbehandlungen kommen, die Scheintherapie und Scheinerfolge bedeuten. Ist der Leiter eine wahrhaft grosse Persönlichkeit, dann bleiben solche Gefahrenquellen kontrollierbar; auch eine Grossgruppe kann Ordnung und innere Struktur bewahren.


    Wir wollen in der Folge Friedrich Lieblings Charakter und Lebensanschauungen beschreiben, die ihm den Aufbau einer grossen, hilfreichen und effizienten Therapiegemeinschaft ermöglichten.


    Psychogramm eines Helfers

    Wir haben hier nicht die Absicht, eine Hagiographie (Heiligenlegende) zu schreiben; aber unser Thema nötigt uns, die Vorzüge und Tugenden der von uns zu würdigenden Persönlichkeit ins Licht zu rücken. Es versteht sich von selbst, dass Friedrich Liebling kein Übermensch war und auch keiner sein wollte. Aber er besass Eigenschaften, die ihn über den Durchschnitt der meisten Menschen erhoben und die sein Leben und Wirken als Psychotherapeut ermöglichten.


    Eines der wichtigsten Merkmale von Friedrich Liebling war seine Hilfsbereitschaft. Er sah den Sinn seines Lebens darin, anderen Menschen zu helfen, sie aufzuklären und ihnen das Dasein zu erleichtern. Woher er diese Grundorientierung hatte, ist nicht leicht zu erklären. Manches davon ist aber psychologisch einsehbar: Friedrich Liebling war offenbar das Lieblingskind seiner Mutter. Er war von früh auf von Liebe und Güte umgeben; diese gab er später an andere weiter.


    Dazu kam, dass er das Älteste von fünf Kindern war. So lernte er bereits als Kind, andere zu betreuen, zu fördern und zu erziehen. Die in den USA noch lebende Schwester von Friedrich Liebling erzählte mir, dass ihr Bruder schon in jungen Jahren eine nahezu unendliche Geduld mit anderen Kindern hatte; er spielte stundenlang mit ihnen, immer gute Laune verbreitend und kooperativ.


    Aber auch die Weltanschauung, die Friedrich Liebling wählte oder sich erarbeitete, begünstigte seine fürsorgliche Haltung zum Du. Er war Sozialist von ganzem Herzen; daraus leitete er die Forderung ab, in jeder Hinsicht Mitmensch zu sein, also niemandem zu schaden und allen zu helfen, wo immer das möglich war. Die Individualpsychologie bildete Schlussstein und Krönung dieser Lebensphilosophie; Adler schärfte seinen Schülern ein, dass nur Sozialinteresse und Gemeinschaftsgefühl ein wahrhaft menschliches Leben konstellieren können.


    Frau von Stein nannte Goethe einen «Geber»; zu dieser Auffassung rang sie sich nach der Enttäuschung durch, die ihr die Abwendung des ehemaligen Geliebten um 1789 verursacht hatte. Auch Friedrich Liebling war ein Geber grossen Stils. Was er wusste und konnte, gab er gern an andere weiter. Ein Teil dieser Gebefreudigkeit bestand in einer fast grenzenlosen Kommunikationsbereitschaft. Man konnte mit Friedrich Liebling sozusagen im Dauergespräch leben; er fand immer neue Themen des Dialogs, die ihn selbst und sein Gegenüber zu bereichern pflegten.


    Friedrich Liebling war ein energisch-tüchtiger Mensch, der durchaus auf Leistung eingestellt war. Aber diese Arbeitsfreude wurde ergänzt durch eine ausgewogene Tendenz zur Musse und zur Selbstbesinnung. Überall verspürte man Reife und Vernunft, die selbst wiederum in einer gewissen Treue zu sich selbst gründeten. Nun ist ein In-sich-selber-Ruhen die Voraussetzung für echte Hingabe an andere. Wir wollen damit sagen, dass Friedrich Liebling aus der Selbsttreue heraus auch treu gegenüber anderen war. Wer seinen Schutz und seine Hilfe aufsuchte, musste schon grosse Verstösse gegen Sitte und Anstand machen, um aus dieser Schutzsphäre entlassen zu werden. Friedrich Liebling hielt jahre- und jahrzehntelang an jenen fest, mit denen er Verbindung aufgenommen hatte. Eine Atmosphäre der Verlässlichkeit umgab ihn, und diese wirkte in hohem Masse therapeutisch.


    Seine Freunde in Wien nannten ihn scherzhaft den «russischen Grafen», weil er in Auftreten und Umgang etwas Aristokratisches an sich hatte. Das war nicht gespielt und nicht gewollt; es war lediglich Ausstrahlung seiner noblen Gesinnung und Einstellung. Dieser Faktor trug viel zum therapeutischen Erfolg von Friedrich Liebling bei. Auch grobe und verwahrloste Patienten wurden in seiner Gegenwart gesittet und anständig; sie wollten ihn nicht enttäuschen. Seine feinen Manieren wurden von Friedrich Liebling unbewusst eingesetzt, um das Gegenüber daran zu erinnern, dass Gemeinschaft nur Sinn hat, wenn wechselseitiger Respekt in ihr tragend ist.


    Niemand hätte es gewagt, mit Friedrich Liebling billige Kumpanei schliessen zu wollen. Dazu war er viel zu ernst und würdevoll. Würde ohne Einschüchterung, Nobilität ohne Schauspielerei, Güte ohne Sentimentalität, Heiterkeit ohne Leichtsinn: Mit dieser Charakterstruktur gewann er fast alle seine Patienten zur sorgfältigen und gründlichen Arbeit am Charakter, die allein innere Wandlung zustande bringt.


    Aber der Charakter allein tut es bekanntlich nicht; in der Psychotherapie muss man auch (unendlich) viel wissen. Friedrich Liebling war ein psychologischer Forscher und Praktiker aus Leidenschaft. Jede menschliche Begegnung brachte ihm neue Einsichten, Probleme und Fragen: Er lernte immer. So konnte er andere dazu animieren, das Leben als einen nie abgeschlossenen Bildungsprozess zu erfahren.


    Immer auf der Seite des Schwächeren

    Von Frieda Fromm-Reichmann, der bedeutenden Schizophrenie-Therapeutin, ist bekannt, dass als sie als Kind mit ihrer jüngeren Schwester spazieren ging, die beiden Mädchen von einem Hund überfallen wurden. Friedas Schwester geriet in Angst, weil der Hund Anstalten machte, sie zu beissen; da warf sich Frieda dem Angreifer entgegen und rief ihrem Schwesterchen zu: «Du musst keine Angst haben, solange ich bei dir bin!»


    Ähnlich war die Haltung von Friedrich Liebling gegenüber seinen Schützlingen und Patienten. Er nahm sie in seine Obhut, und das hiess, dass er für jetzt und für alle Zukunft für sie da sein wollte. Wer schwach war, konnte sich an ihn anlehnen und wurde gestützt. Wer in Bedrängnis war, hatte in ihm einen Helfer, der unermüdlich, geduldig und einfühlsam war.


    Friedrich Liebling rühmte an Schopenhauer, dass der Philosoph die Rolle des Mitleids in der Ethik überzeugend hervorgehoben hatte. Mitleid galt ihm als eine besondere Therapeuten-Tugend; oft sagte er, man müsse mit dem Patienten erkranken, das heisst mitleiden, und aus diesem Leid heraus einen Ausweg für den Bedrängten finden.


    Kam etwa ein Ehepartner in die psychologische Beratung, der unter seinem Eheverhältnis litt, dann ruhte Friedrich Liebling nicht, bis er den «Bedränger» auch für psychologische Gespräche gewonnen hatte, um Frieden stiften zu können in der Partnerschaft. Dabei erwies er sich als Diplomat von höchster Geschicklichkeit; ist es doch jeweils eine äusserst schwierige Aufgabe, in Ehestreitigkeiten zu vermitteln, weil beide Beteiligte Recht zu haben glauben (und auf gewisse Weise auch haben).


    Wenn Eltern durch ungeschickte Erziehung ihr Kind in eine Sackgasse getrieben hatten, warb Friedrich Liebling mit Takt und Liebenswürdigkeit um Verständnis für das schwierige Kind, das im Grunde nur ein Abbild seiner schwierigen Eltern war. Kaum jemals wurde er mit den Eltern ungeduldig, selbst wenn diese einfältige Vorurteile zum Ausdruck brachten und grosse Mühe hatten, psychologische Gedankengänge zu verstehen. Es ging darum, dem betroffenen Kinde Hilfe zu leisten, und da durfte man nicht aus der Haut fahren, selbst wenn die Eltern Gewaltmethoden propagierten und der vermeintlich üblen Vererbung die Schuld gaben.


    Die Sympathie für den Schwächeren erklärt auch die Stellungnahme von Friedrich Liebling zum Problem der Schwangerschaftsverhütung. Natürlich begrüsste er die Einführung der Antibabypille als einen bedeutenden Fortschritt; oft genug hatte er als Berater mit Frauen zu tun gehabt, die ungewollt schwanger geworden waren und dann den mühseligen Weg der Abtreibung beschritten. Vor allem der ärmere Teil der Bevölkerung leidet ja am meisten unter den gesetzlichen Paragraphen, die eine Interruptio verbieten. Wer Geld genug hat, fand und findet immer einen Arzt, der fachkundig eine Schwangerschaft unterbricht.


    Nun bot die Pille für Liebes- und Ehepaare mehr Schutz und Freiheit, und das war sicher gut. Aber Friedrich Liebling empörte sich bei dem Gedanken, dass es wiederum die Frauen sein mussten, welche die Hauptlast bei den Risiken der Liebe tragen sollten. Denn noch sind nicht alle Spätfolgen der Pille restlos geklärt; auch waren die anfänglichen Präparate nicht so perfekt wie jene, die wir jetzt besitzen. Darum propagierte Friedrich Liebling die Vasektomie, das heisst die Unterbindung des Samenstrangs beim Mann. Das ist eine einfache Operation, die ambulant durchgeführt werden kann und eine nahezu perfekte Verhütungsmethode darstellt.


    Friedrich Liebling hatte sich selbst nach der Geburt seiner zweiten Tochter diesem Eingriff unterzogen. Er erzählte gerne, dass im katholischen Österreich die Kirche einen grimmigen Kampf gegen die Vasektomie eingeleitet hatte. Ärzte, welche die Operation durchführten, wurden durch ein Gerichtsverfahren belangt, wobei die Staatsanwaltschaft eifrig ehemalige Patienten suchte, die nachträglich den Eingriff bereuten. Man fand aber keine Zeugenaussagen, welche die Anklage unterstützten.


    Vor allem in den Kreisen freiheitlich gesinnter Menschen war die Vasektomie sehr beliebt; sie sollte auch heute noch in Betracht gezogen werden, wenn ein Paar das Zeugungsgeschäft nicht weiter betreiben will. Friedrich Liebling empfahl daher die Vasektomie bei entsprechend disponierten Paaren. Allerdings gab es auch eine gewisse Zahl unter seinen Schülern, die von vornherein keine Kinder wollten («Wenn wir ein Kind wollen, können wir ja eines adoptieren», hiess es.) und durch die Vasektomie ein für allemal dieses Problem lösten. Viele Frauen waren glücklich darüber, dass ihre Partner ihnen die Verhütungsaufgabe endgültig abnahmen.


    Pädagoge und Jugendfreund

    Friedrich Liebling hatte überhaupt keine Mühe, mit Menschen jeglichen Lebensalters Umgang zu pflegen; mit den Alten war er ernst und besinnlich, mit der Jugend jedoch war er jung und lebensfroh. Er war enorm wandlungsfähig, sodass verschiedene Menschen möglicherweise ganz verschiedenartige Bilder und Charakterstudien von ihm zeichnen könnten. Aber eine besondere Zuneigung hatte er offenbar zu den Jugendlichen; sie genossen seinen speziellen Schutz und seine oft aufopfernde Förderung.


    Jemand hat einmal gesagt, dass jene, die auf sehr beschwerlichem Wege zur Reife gelangt seien, eine besondere Disposition zur Erziehung der Jugend hätten; sie seien äusserst bemüht, den Heranwachsenden die Komplikationen ihres eigenen Werdegangs zu ersparen. Etwas Ähnliches mag bei Friedrich Liebling der Fall gewesen sein; ich habe oft beobachtet, dass er mit unglaublicher Intuition junge Leute verstand, von denen ihn mehr als sechs oder sieben Jahrzehnte trennten: Er fühlte sich eins und einig mit ihnen und gab ihnen eine Entwicklungshilfe, die von hoher Qualität war.


    Man kann das ein sokratisches Element in seinem Charakter nennen; ähnlich wie Sokrates wollte Friedrich Liebling in jungen Menschen die Liebe zum Guten und Wahren wecken. Irgendwie hatte er ein positives Vorurteil gegenüber Jugendlichen; er glaubte an ihre Zukunft und meinte, sie könnten alle etwas Rechtes werden. Ich selbst war da skeptischer als er und staunte oft darüber, wieviel Zeit, Kraft und Geduld er einem dieser jungen Menschlein zu widmen imstande war. Aber von dieser menschenfreundlichen Einschätzung profitierte ich selbst nicht wenig. Ich hatte Friedrich Liebling nämlich auch schon in meiner Pubertät kennengelernt; wiewohl ich damals   – meiner Erinnerung nach   – ein verwirrter und relativ hilfloser Jüngling war, schien er einen Narren an mir gefressen zu haben und verkündete mir selbst und anderen gegenüber, dass aus mir «etwas Bedeutendes» werden könne.


    Ich glaubte ihm nicht recht, liess mich aber mit der Zeit gewinnen. Jedenfalls ermutigte er mich mit aussergewöhnlicher Geschicklichkeit, sodass ich schwerste Aufgaben und Anforderungen auf mich nahm, ohne zu murren und zu klagen. Ein guter Lerner war ich immer schon gewesen; aber unter Friedrich Lieblings Einfluss wurde ich zum Lernenthusiasten, dessen Begeisterung für Kultur und Bildung nicht leicht überboten werden konnte.


    Georg Trakl sagt in einer seiner Dichtungen: «Wie scheint doch alles Werdende so krank.» Ähnlich mag es Friedrich Liebling empfunden haben. Wenn er mit einem jungen Menschen zu tun hatte, überkam ihn Mitleid und Mitgefühl, sobald er daran dachte, welchen langen und schwierigen Entwicklungsweg dieses Kind oder dieser Jugendliche noch vor sich hatte. Darum wandte er alle Höflichkeit seine Herzens an, um sein junges Gegenüber nicht kleinmütig und abwehrend zu machen; im Gegenteil: Er flösste Mut und Kühnheit ein, weil er darin ein Gegengift gegen jede Form von Neurose und Verwahrlosung sah.


    Ich habe schon bei anderer Gelegenheit erzählt, dass ich einmal ein eindrückliches Erlebnis mit Friedrich Liebling hatte. Wir machten einen Spaziergang und suchten eine Strasse, die wir nicht finden konnten. Da wandte sich Friedrich Liebling mit ausgesuchter Höflichkeit an einen kleinen Jungen, zog seinen Hut und fragte mit Grandezza und Wiener Charme, ob der Junge uns den Weg sagen könne. Was der Dreikäsehoch antwortete, weiss ich nicht mehr; aber in Erinnerung habe ich noch seinen erstaunten Blick, da er sich von dem würdevollen alten Mann anerkannt fühlte.


    Das Pädagogische in Friedrich Liebling bestand auch darin, dass er nie etwas zu erzwingen suchte, was noch nicht als innere Entwicklung anstand. Er konnte Jahre geduldig warten, bis jemand begriff, was er ihm vielleicht schon in der ersten Therapiesitzung erklärt hatte. Ein Erzieher muss zeitlos arbeiten   – das verstand Friedrich Liebling zutiefst. Er arrangierte oder schuf nur Bedingungen, unter denen etwas wachsen konnte; aber er verfiel nie in den Fehler, dieses Wachstum durch Aktivismus erzwingen zu wollen.


    So war Friedrich Liebling auch als Therapeut, denn für ihn galten Pädagogik und Psychotherapie nicht als getrennte Sphären; sie waren teilweise sogar wesensidentisch. Das wird heute von vielen Psychoanalytikern bestritten; Freud und Adler waren jedoch genau dieser Meinung. Ich bin froh darüber, dass ich bei Friedrich Liebling lernte, wie wichtig dieses Ingredienz für die Psychotherapie ist.


    Friedrich Liebling als Gatte und Vater


    Friedrich Liebling war mehr als 40 Jahre (seit 1929) verheiratet mit seiner Frau Maria, geborene Ulbl (gestorben 1971). Maria Liebling stammte aus Graz. Friedrich Liebling hatte sie kennengelernt, als er nach Kriegsende von Wien aus in die Provinz fuhr, wo man eher Nahrungsmittel erwerben konnte als in der hungernden Hauptstadt.


    Zwischen den beiden Eheleuten bestand eine starke und unerschütterliche Harmonie. Sie zogen zwei Kinder gross: die Töchter Erna (geboren 1921) und Lilly (geboren 1925). Wiewohl Maria Liebling kein Studium absolviert hatte, nahm sie lebhaft Anteil an den psychologischen Interessen ihres Gatten. Sie hat auf ihre Weise sein Lebenswerk gestützt und mitgestaltet.


    Beide Eheleute waren weltoffen und gastfreundlich. Schon in Wien war das «Haus Liebling» dafür bekannt, dass dort ein freier Platz am Tisch und freundschaftliche Aufnahme gesichert waren. Viele politische Flüchtlinge aus dem damals sehr unruhigen Europa kreuzten dort auf, um verköstigt und beherbergt zu werden. Sie brachten authentische Berichte von den neuralgischen Punkten der europäischen Politik mit und konnten mit einem aufmerksames Gemüt bei den grosszügigen Gastgebern rechnen. Friedrich Liebling hat mir oft erzählt, dass er mitunter politisch Exilierte völlig neu eingekleidet und mit Bahnbilletten zu ihren zukünftigen Bestim­ mungsorten versehen hatte. Nicht immer kamen Dankesschreiben, wenn der Hilfsbedürftige sein Ziel erreicht hatte.


    Friedrich und Maria Liebling erzogen ihre Kinder sehr sorgfältig und modern. Es gab keinen Autoritarismus, natürlich auch keine Schläge. Man sprach über alles und jedes im Familienrat. Friedrich Liebling hing mit spürbarer Zuneigung an seinen Töchtern. Die jüngere der beiden hat in den USA später auch den Psychologenberuf gewählt. Beide Kinder wissen an ihrem Vater zu rühmen, dass er mit wunderbarer Echtheit als freiheitlicher Erzieher ihre Jugend sorgenfrei und glücklich gestaltete.

    Es ist ein untrügliches Zeichen für die Qualität eines Psychotherapeuten, wenn er seine Ehe durch alle Gefahren und Beschwernisse des alltäglichen Zusammenseins führen kann. Friedrich Liebling gelang dies mit überzeugender Souveränität. Seine Gattin bestätigte vielfach, dass sie mit einem «weisen Mann» verheiratet sei. Dieser habe ihre Launen und Stimmungsschwankungen immer mit Verständnis hingenommen und sei in allen Belangen höchst kooperativ gewesen. Natürlich gab es auch bei diesem Paar Meinungsverschiedenheiten, die kraftvoll ausgetragen wurden. Aber stets wurde die Idee der Gemeinsamkeit im Auge behalten; man hielt zusammen durch dick und dünn.


    Als Friedrich Liebling die Zürcher Grossgruppentherapie aufbaute, unterstützte ihn seine Frau mit Beharrlichkeit und Geschick. Sie war sozusagen die Mutter seiner Patienten. Oft wurden schwierige Patienten in bedrängter Lage zum Mittagstisch eingeladen. Man ass gut im «Hause Liebling», und man war dort gleichsam in die Familie einbezogen. Hunderte Patienten werden sich daran erinnern, dass man bei Friedrich Liebling nicht nur Patient, sondern auch Kind der Familie war; und in sehr komplizierten Fällen konnte gerade das lebensrettend sein.


    Friedrich Liebling war liebevoll, geduldig, humorvoll, ernst und heiter zugleich. Er übernahm gerne die Verantwortung für andere; auch seine Gattin und seine Kinder spürten stets den Schutz und die Fürsorge, die von ihm ausgingen.


    Wiewohl er ein strenger Kritiker der überlieferten Moral war, lebte Friedrich Liebling selbst sehr tugendhaft. Er hat mir glaubhaft versichert, dass er in den vielen Jahren seiner Ehe keinen Seitensprung gemacht habe. Gelegenheiten hierzu hätten sich dem überaus liebenswürdigen, geistreichen und gewandten Mann unzählige Male geboten. Aber er hielt dafür, dass Treue zu sich selbst auch Treue zu einem Du einschloss; es war für ihn offenbar kaum vorstellbar, seine Gattin zu betrügen.


    Diese Familie hatte ein lebendiges geistiges Leben. Am Esstisch wurde immer lebhaft diskutiert: von den Tagesereignissen über die Literatur bis zur Philosophie. Friedrich Liebling verstand es ausgezeichnet, andere zum Sprechen anzuregen und selbst aufmerksam zuzuhören. Wenn er selbst sprach, bestätigte er die anderen und gab doch dem Gespräch überraschende und originelle Wendungen.


    Psychologe und Therapeut

    Friedrich Liebling war ein hervorragender Kenner der Tiefenpsychologie, aber auch der allgemeinen Psychologie, der Pädagogik und der Charakterkunde. Was ihn jedoch am meisten interessierte, war die menschliche Persönlichkeit, der reale Mensch, der ihm gegenüberstand oder gegenübersass. Ihn wollte er angemessen verstehen, und in diese Aufgabe investierte er seine beachtlichen intellektuellen und emotionalen Kräfte. Was bedeutete da die graue Theorie, wenn man eine Individualität verstehen sollte, um ihr zu helfen? Nur sehr wenig; aber sie bildete den geistigen Hintergrund der Verstehensakte.


    Dieses Verstehen war bei Friedrich Liebling sehr intuitiv, was aber nicht ausschloss, dass er bei jedem Einzelnen enorme Arbeit leistete, um sich in ihn hineinzuversetzen. Ich habe aber auch oft erlebt, dass er blitzschnell und mit halluzinatorischer Sicherheit Diagnosen stellte, die sich hernach als durchaus korrekt erwiesen.


    Diese Kunst des Verstehens erwuchs aus seiner immensen Lebenserfahrung und aus seinem reichen Gefühlsfundus. Friedrich Liebling hatte in seinem Leben mit Tausenden Menschen intensiven Kontakt gehabt; daraus war bei ihm eine praktische Menschenkenntnis entstanden, deren Sicherheitsgrad erstaunlich war.


    Er schuf bei seinem Gesprächspartner zunächst ein Klima der Ruhe, der Geborgenheit und des Angenommenseins. So konnten sich auch misstrauische und sehr verhaltene Charaktere weitgehend öffnen. Von Freundlichkeit eingehüllt, zeigten sie die verstecktesten Regungen ihrer Gesamtpersönlichkeit.


    Friedrich Liebling rühmte Alfred Adler als den Mann, der uns das Werkzeug geschenkt habe, mit dem man therapeutisch effektiv arbeiten könne. Damit meinte er unter anderem die finale oder teleologische Betrachtungsweise des Seelenlebens. Friedrich Liebling hatte in der Schule bei Adler gelernt, wie man möglichst schnell und zuverlässig die offenen und geheimen Zielsetzungen eines Menschen erkundet. In scheinbar harmlosen Gesprächen achtete er auf die Äusserung des Unbewussten, das heisst seiner Motivationen und Ziele. Hatte er diese begriffen, dann konnte er die Lebensschwierigkeiten des Patienten geistreich interpretieren: «Ein Mensch ist die Summe seiner Zielsetzungen.»


    Hatte Friedrich Liebling die neurotischen Ziele und Erlebnisverarbeitungen seines Gegenübers erkannt, war er nie darauf aus, diese in krasser oder direkter Form mitzuteilen. Er verstand es vorzüglich, «lächelnd die Wahrheit zu sagen». Mit winzigen Andeutungen enthüllte er dem Patienten seine meist fehlerhafte Lebenseinstellung; immer aber so, dass der Betroffene es annehmen konnte. Es war die Kunst der kleinen Schritte, die diese Therapie so wirksam machte.


    Friedrich Liebling wusste aus tiefster Erfahrung, dass eine Umorientierung für keinen Menschen leicht ist. Daher baute er dem Patienten goldene Brücken, auf denen dieser ins Neuland des Lebens und Erlebens schreiten konnte. Niemals verlor er die Geduld, auch wenn die Gegenseite sich in Widerstandsmanövern verstrickte und die Therapie zu torpedieren begann.


    Es war sein grosser Respekt vor der Fremdpersönlichkeit, der in Friedrich Lieblings Therapieform zum Tragen kam. Er wollte aufklären und helfen, nicht Recht behalten. Darum liess er sich kaum je mit einem Analysanden in einen streitähnlichen Disput ein. Wenn der Letztere noch nicht reif war, eine Erkenntnis anzunehmen, dann musste man eben weiter zusehen, genauer beobachten und noch besser zusammenarbeiten: Irgendwann kam dann der Moment, in dem selbst der Uneinsichtige einsichtig wurde.


    Diese Haltung bewies Friedrich Liebling gegenüber allen Patienten, den schweren und den leichten Fällen. Selbst schizophrene Patienten nahmen diese Toleranz und Geduld wahr und konnten sie fruchtbar verwerten. Gerade in der Schizophrenen-Therapie zeigte sich seine Meisterschaft besonders deutlich: Er beherrschte eben viele Seelensprachen, darunter auch das «Schizophrenische». Ich habe oft beobachtet, wie er auch mit sehr desorientierten Menschen blitzschnell in Kontakt kam und ihr Vertrauen zum Gespräch gewann.


    Nur so lässt sich erklären, dass Friedrich Liebling in seinen Grossgruppen etwa 3000 Menschen betreuen konnte. Zu vielen von ihnen baute er eine persönliche Beziehung auf; andere wieder integrierte er in Gruppen, die unter seiner Leitung Schutz und Einsicht vermittelten. Nur eine sehr starke und bedeutende Persönlichkeit kann   – ohne Hilfe von Religion und Massen-Idolatrie   – so viele Menschen zusammenhalten und an eine arbeitsfähige Gemeinschaft binden.


    Die Gabe des Staunens

    Platon und Aristoteles haben die These vertreten, dass das Staunen der Anfang der Philosophie sei. Würde sich der Mensch nicht über alles und jedes wundern können, käme er gar nicht zum Nachdenken. Je primitiver deshalb der Mensch ist, desto selbstverständlicher erscheint ihm alles in der Welt. Er hat keine Fragen und sucht darum auch keine Antworten. Wer nicht staunen kann, lebt fast ungeistig.


    Bei Friedrich Liebling beobachtete ich eine ausgeprägte Fähigkeit zum Staunen und Sich-Verwundern. Das passte zu seiner tiefernsten und nachdenklichen Lebenseinstellung. Er war ein «Grübler», aber durchaus nicht im übertriebenen Sinne. Vieles, was andere kaum der Beachtung wert fanden, wurde für ihn zum Gegenstand der Reflexion und Forschung.


    Oft hörte ich ihn «den Menschen» preisen, weil er durch Wissenschaft und Technik die menschlichen Möglichkeiten ins Unglaubliche ausgeweitet hatte. Aber im selben Atemzug sagte er dann: «Der Mensch kann so vieles; aber sich selbst versteht er noch gar nicht!» Er war wohl auch der Meinung, dass es für uns heutige Menschen viel leichter ist, zum Mond zu fliegen als die innere Distanz zwischen dem Ich und dem Du zu überwinden.


    So anerkannte er die Errungenschaften der modernen Medizin, aber es tat ihm fast physisch weh, dass die Ärzte von heute so wenig Tiefenpsychologie zu assimilieren imstande sind. Kliniken und Spitäler sind zwar beinahe technisch perfekt, aber die Ärzte, die in ihnen arbeiten, wissen wenig von sich selbst und haben auch nicht die Fähigkeit, das echte Gespräch mit ihren Patienten zu führen.


    Der Mensch steht immer noch im Banne naturwissenschaftlicher Leitvorstellungen; dass der Mensch eine Seele hat, hat sich in Medizinerkreisen noch nicht herumgesprochen. Wohl wird niemand mehr so naiv wie Rudolf Virchow sein, der von tausend sezierten Leichen sprach, in denen er keine Seele gefunden habe; aber auch wenn man das Psychische verbal anerkennt, heisst das noch lange nicht, dass man sachgerecht mit ihm umgehen kann.


    Friedrich Liebling war ein leidenschaftlicher Promotor des psychosomatischen Den­ kens. Ich darf hier daran erinnern, dass er selbst jahrzehntelang unter einem Ulcus duodeni litt, das schliesslich durch eine Billroth-Operation (Teilresektion) entfernt wurde. Friedrich Liebling diskutierte oft mit seinen Ärzten über die psychischen Voraussetzungen dieses Geschwürleidens, das mit seinem Perfektionismus, seiner nahezu rigorosen Pflichteinstellung und bestimmten Bedingungen seiner Lebensschicksale zusammenhing. Durch ein eminentes Mass an Vorsicht und Vernunft hielt er sein Ulcus unter Kontrolle. Aber er amüsierte sich darüber, wie wenig seine Ärzte auf den seelisch-geistigen Hintergrund dieser Problematik einzugehen vermochten. «Sie sind vom somatischen Befund fasziniert», sagte er. «Das Psychische ist und bleibt ihnen ein Buch mit sieben Siegeln.»


    Jeder einzelne Mensch gab Friedrich Liebling Anlass zum Staunen, da er in jedem Individuum eine Welt für sich fand. Das psychoanalytische Bestreben, Naturgesetze des Seelenlebens zu formulieren, hielt er für ganz abwegig. Ich las damals Georg Simmel und erzählte ihm von dessen berühmter Formulierung, wonach es ein «individuelles Gesetz» gebe. Das fand bei Friedrich Liebling vollkommene Zustimmung. Jeder Mensch trägt seine eigene Gesetzmässigkeit in sich; ja, er schafft sie vermutlich sogar. Diese zu erspüren und zu verbalisieren ist die vornehmste Aufgabe des Psychotherapeuten.


    Technische Machbarkeit wurde zwar von Friedrich Liebling geschätzt; aber viel höher stufte er die kulturelle Schöpferkraft des Menschen ein. Was der Mensch in den Künsten, in den Wissenschaften und in der Philosophie geleistet hat, galt für Friedrich Liebling als vorbildlich. Da er selbst ein geistiger Menschentyp war, imponierte ihm in erster Linie das Geistige. Grosse Dichter und Denker waren die eigentlichen Heiligen in seinem Kalender. Er lehrte mich seit den Anfängen unserer Beziehung die geistige Tradition Europas als die Hauptsphäre der geistigen Welt überhaupt zu sehen.


    Das europäische Menschentum hat der Menschheit die Gabe der Vernunft geschenkt. Griechen und Römer, Renaissance, Aufklärung und Klassik, moderne Naturwissenschaft und Vernunftphilosophie, Sozialismus und Tiefenpsychologie, Ideologiekritik und Utopismus: Das waren die Sterne am Himmel von Friedrich Liebling, hinter denen kein Gott mehr zu suchen nötig war, weil diese Geisteswelt selbst schon «göttlich» war.


    Der Mensch ist gut!

    Eine grundsätzliche Überzeugung von Friedrich Liebling war, dass der Mensch von Natur aus nicht böse ist; er ist sozial in seinem Wesen, und wenn man ihn halbwegs gut erzieht und nicht verängstigt, wird er auch gerne zur Kooperation bereit sein. Zu dieser Auffassung war Friedrich Liebling durch das Studium der sozialistischen Klassiker gelangt.


    Mit grossem Respekt erwähnte er immer wieder das hervorragende Buch von Fürst Peter Kropotkin über die «Gegenseitige Hilfe in der Tier- und Menschenwelt» (1904). Kropotkin hatte dieses Werk gegen jene Darwinisten (z. B. Thomas Henry Huxley) geschrieben, welche die Formel vom «Kampf ums Dasein» dahingehend missverstanden hatten, dass sie die Welt als eine Art Dschungel charakterisierten, wo jeder gegen jeden sei. Der russische Menschenfreund und Sozialist hingegen konnte unzählige Beispiele von Solidarität innerhalb der Arten und auch zwischen den Arten namhaft machen; er pries die Mutualität (Gegenseitigkeit) als den eigentlichen Motor des menschlichen Fortschritts.


    Friedrich Liebling war sich klar darüber, dass jede Verteufelung der menschlichen Natur auch ein Politikum ist. Wenn der Mensch von seinem Wesen her böse wäre, dann wären Tyrannei und soziale Bevormundung gerechtfertigt. Darum hat jeder Konservatismus und jeder Faschismus eine Vorliebe für das Dschungel-Theorem; auch die Religion schwärzt den Menschen als Sünder und Bösewicht an, um ihn einzuschüchtern und für die Erlösung bereit zu machen.


    Freuds Postulat eines menschlichen Aggressions- und Destruktionstriebes wurde von Friedrich Liebling mit einem Achselzucken als Naivität und Oberflächlichkeit abgetan. Gewiss gibt es unsäglich viel Feindseligkeit in der bisherigen Geschichte, aber man muss diese als Folge der menschlichen Unwissenheit, des Hungers, der Angst und der aggressiven Institutionen (Militarismus, Staat, Wirtschaftsleben und Kirche) sehen. Die Psychoanalyse erleichterte sich ihre Integration in die bürgerliche Welt, indem sie in jenen Chor einstimmte, der das Böse am Menschen nicht auf die Verhältnisse, sondern auf die Naturkonstanten der Gattung Homo zurückführte.

    Als Konrad Lorenz in den Sechzigerjahren mit einer ähnlichen Theorie wie Freud Schlagzeilen machte, beeindruckte das Friedrich Liebling in keiner Weise. Er stellte sofort die Diagnose auf «Kryptofaschismus» bei dem berühmten Naturforscher. Natürlich anerkannte er den Wert der sonstigen Forschungen von Lorenz; wenn aber der «Graugans-Spezialist» zu philosophieren begann, erntete er bei Friedrich Liebling nur einen spöttischen Kommentar, etwa in dem Sinne: «Reaktionäres Denken wird wieder Trumpf.»


    Erst später veröffentlichte die Zeitschrift «Der Spiegel» Dokumente aus der faschistischen Vergangenheit von Lorenz, der in der NS-Zeit Karriere (er wurde Philosophie-Professor in Königsberg) gemacht hatte. Inzwischen hat sich gezeigt, dass das Lorenz-Buch «Das sogenannte Böse» weit überschätzt wurde; der Autor gestattete sich darin einige kulturphilosophische und psychologische Primitivismen, die nur kleinbürgerlichen und engstirnigen Geistern imponieren konnten. Dass die bürgerliche Welt Konrad Lorenz sogar den Nobelpreis verlieh, ist wohl ein Fauxpas, den man nur dadurch entschuldigen kann, dass die Verhaltensforschung durch ihn tatsächlich mächtig gefördert wurde.


    Friedrich Liebling war der Meinung, dass man als Psychotherapeut einen unbedingten Glauben an das Konstruktive im Menschen haben müsse. Er selbst war oft genug durch Menschen bitter enttäuscht worden. Aber das machte ihn nicht wankend in seiner Rousseauschen Überzeugung; er entschuldigte böswillige und betrügerische Menschen mit dem Argument, dass sie in ihrer Kindheit und Jugend nichts Besseres gelernt hätten.


    Selbstverständlich war er auch ein Gegner der Todesstrafe. Wenn ein Mensch durch eine trostlose Sozialisation und durch missliche Lebensbedingungen auf die Bahn des Verbrechens gedrängt wird, hat die Gesellschaft kein Recht, ihn zu töten. Gewiss gibt es ganz abscheuliche Delikte, aber man muss deren Ursprünge suchen und darf nicht glauben, dass man durch die Hinrichtung einzelner Delinquenten die grosse Verbrechensproblematik bewältigen könne. Im übrigen mordet der Staat im Krieg die Menschen in Millionenzahl und geht dabei straffrei aus; wie kann er sich da zum Richter jener Psychopathen und Halbverrückten machen, die im Wahn und in der Panik ebenfalls töten?


    Das Leben lehrte Friedrich Liebling, vorsichtig im Umgang mit Menschen zu sein. Oft zitierte er Schopenhauer, der die menschlichen Lumpereien grimmig ventilierte; aber, wie Friedrich Liebling sagte: «Man muss auch mit Lumpen gütig sein!»


    Pazifismus

    Es versteht sich fast von selbst, dass Friedrich Liebling aufgrund seiner Welt­anschauung ein radikaler Pazifist war. Der Erste Weltkrieg hatte ihm die Realität des Krieges deutlich genug gezeigt; alles in ihm empörte sich dagegen, dass unschuldige Menschen einander abschlachten sollten, weil die Regierungen der Völker in ihrer Dummheit und Verantwortungslosigkeit den Entschluss dazu fassten.


    In Österreich gab es nach 1918 eine umfängliche pazifistische Bewegung, der sich Friedrich Liebling anschloss. Aber die Sozialdemokraten, die da und dort an die Macht gelangten, unterstützten den Abrüstungsgedanken nur sehr halbherzig. Als Folge der Kompromissbereitschaft gegenüber konservativen Volkskreisen, mit denen Wahlbündnisse abgeschlossen wurden, wurde aber bald in den verarmten Ländern des Nachkriegseuropa wieder aufgerüstet. Der Militarismus erhob aufs Neue sein hässliches Haupt. In seiner Nähe gediehen wiederum Patriotismus, Revanche-Gedanken, ja sogar Rassismus. Die Sozialdemokratie schaufelte sich selbst ihr Grab, indem sie es nicht wagte, gegen die Reaktion entschlossen aufzutreten.


    Ich fand einmal in einem Antiquariat das «Handbuch des aktiven Pazifismus» von Franz Kobler (Hrsg.), 1928 erschienen. Ich kaufte es und zeigte es Friedrich Liebling. Er erinnerte sich daran, in Wien mit Kobler gelegentlich zusammengearbeitet zu haben. In diesem Werk war auch ein schöner Aufsatz von Alfred Adler zu finden mit dem Titel «Psychologie der Macht». Adler hatte, nach Friedrich Lieblings Worten, in seinen Vorlesungen stets auf den Pazifismusgedanken hingewiesen, da auch er im Ersten Weltkrieg ein philosophisches Erlebnis hatte, nämlich die Erkenntnis, dass nur das Gemeinschaftsgefühl die Menschheit vor dem Untergang retten könne.


    Faschismus und Militarismus waren für Friedrich Liebling Brüder, genauer gesagt siamesische Zwillinge. Man hat später davon gesprochen, dass die Soldaten doch nur «Bürger in Uniform» seien, die einzig und allein daraufhin geschult würden, ihre Heimat zu verteidigen. Friedrich Liebling wusste es besser; er hatte im Krieg gesehen, wie brave Menschen im wilden Wahnsinn getötet und gewütet hatten. Es war sein Stolz, dass er niemals absichtlich einen «Feind» erschossen hatte. Die patriotischen Slogans beeindruckten ihn nicht, und er wollte kein Held sein.


    Info: https://www.seniora.org/erziehung/psychologie/auszug-aus-gestalten-um-alfred-adler-pioniere-der-individualpsychologie


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.
    10.06.2023

    Auszug aus «Gestalten um Alfred Adler - Pioniere der Individualpsychologie»  (II von II)

    Friedrich Liebling liebte es sehr, bei Tisch die Tageszeitungen zu kommentieren. Er kam auf die täglichen Nachrichten zurück und nahm häufig zu ihnen Stellung. Auch wenn irgendwo «weit hinten in der Türkei die Völker aufeinander einschlugen», gab er seiner Entrüstung darüber Ausdruck, dass die Politiker die Probleme und Konflikte nicht friedlich zu lösen imstande waren. Auch die ständig wachsenden Rüstungsausgaben waren stets Gegenstand seiner Empörung. Er pflegte zu sagen: «Wenn es um Erziehung und Bildung geht, haben die Staaten meistens kein Geld. Das Budget für Kultur ist winzig im Vergleich zum Rüstungsbudget. Doch die Jugend ist verwahrlost und verzweifelt, die Gefängnisse sind voll, die Suchtkrankheiten nehmen überhand, und auch in den Nervenkliniken hat man ausreichend zu tun!»


    Wenn uns jugendliche Wehrdienst-Verweigerer konsultierten, setzte sich Friedrich Liebling immer dafür ein, dass diese nach Möglichkeit straffrei blieben. Die Schweiz war nämlich in diesen Belangen sehr rückständig. Wer den Dienst mit der Waffe verweigerte, kam zunächst als Übeltäter ins Gefängnis. Ein Ersatzdienst wurde erst nach ziemlich langwieriger Prüfung bewilligt. Friedrich Liebling und ich untersuchten die Motive für die Absage an das Soldatentum; wo immer diese redlich waren, unterstrichen wir in unseren Gutachten die Notwendigkeit, solche Wehrdienst-Verweigerungen rechtlich anzuerkennen.


    Die Friedensbewegung der Fünfzigerjahre fand in Friedrich Liebling einen begei­ sterten Befürworter. Am liebsten wäre er wohl an den Ostermärschen mitgegangen; nur sein Alter hinderte ihn daran. Er empfand es als hohen Idealismus bei Jugendlichen, wenn diese gegen den Strom schwammen und sich für die allgemeine Abrüstung einsetzten. Als 1960 in der BRD die Deutsche Friedens-Union (DFU) gegründet wurde, verfolgte Friedrich Liebling ihr Schicksal mit lebhafter Sympathie; es war für ihn schmerzlich zu sehen, dass gerade diese Partei nicht einmal die Fünf-Prozent-Hürde nehmen konnte (also nicht in den Bundestag kam).


    Friedrich Liebling vermittelte seinen Schülern und Patienten eine Abscheu vor Aufrüstung und Krieg. Oft malte er in Gruppensitzungen die enormen Möglichkeiten der heutigen Menschheit aus, wenn sie auf Krieg und Aufrüstung verzichten würde.


    Atheismus

    Friedrich Liebling war einer der leidenschaftlichsten Atheisten, die mir je begegnet sind. Offenbar verlor er jeglichen Glauben an Gott bereits in jungen Jahren. Aber die endgültige Abkehr von jeder Religiosität kam wohl im Ersten Weltkrieg zustande. Während der vier Kriegsjahre von 1914 bis 1918 fragte er sich immer wieder, wie denn eine Gottheit eine solch grausame und widernatürliche Massenschlächterei zulassen könne. Er beobachtete den Konformismus der Kirchen, die sowohl an der Heimatfront als auch im Felde die Soldaten zum «Tod fürs Vaterland» begeisterten. Damals segneten die Priester sogar Vernichtungswaffen und behaupteten dreist, dass der Herrgott auf der Seite der Rechtgläubigen stünde.


    Die Geschichte der Kirchen galt für Friedrich Liebling nahezu als eine «Kriminal­ geschichte». Oft kam er auf die Hexenverfolgungen, auf die Inquisition und auf die Vernichtung Andersgläubiger zu sprechen; er wunderte sich immer wieder darüber, dass gebildete Menschen über diese Tatsachen hinwegsehen und kirchengläubig bleiben konnten.


    Über die Frömmigkeit unwissender und ungeschulter Menschen muss man kein Wort verlieren; wer nichts oder wenig gelernt hat, wird im Weltbild der Religion seine naturgemässe Weltanschauung finden. Wie aber steht es mit hochgeistigen Apologeten des altertümlichen Weltbildes? Für Friedrich Liebling war auch dies eine Frage der Erziehung. Was man in der Kindheit unter dem Druck von Autorität und Verdrängung lernt, bleibt meistens unauslöschlich. Auch in einem Spezialfach auffallend gescheite Menschen rekurrieren in Glaubensfragen auf das «Eiapopeia», das ihnen die Amme oder die Mutter in den Kindertagen vorgesungen hat.


    Wer den Mut hatte, Kirche und Religion in die Schranken zu weisen, wurde von Friedrich Liebling stark bewundert. Als ich einmal im Gespräch mit ihm Erasmus und Luther gegenüberstellte, äusserte er: «Gegen Erasmus war Luther doch nur ein Bauerntölpel.» Galileis Zurückweichen vor der Inquisition billigte er als einen Schachzug, der diesem möglicherweise das Leben gerettet hat. Um 1600 durfte man im Streit mit den Inquisitoren nicht allzu tapfer sein.


    Oft verwies mich Friedrich Liebling auf Ludwig Feuerbach, der ihm die Augen über das Wesen der Religion geöffnet hatte. Auch die Marxsche Religionskritik fand seine Zustimmung, wiewohl er einiges am Marxismus auszusetzen hatte.


    Alfred Adler erhoffte sich in seiner Spätzeit einige Unterstützung durch protestantische Pastoren und sogar katholische Geistliche, da diese ja schon berufsmässig das Amt des «Seelenhirten» ausübten. Friedrich Liebling bezeichnete diese Annahme als Irrweg: Der Theologe sei fast immer ein Konformist, der sich nach der Obrigkeit richte, die ihm Brot und Amt gebe. Mit den Pfaffen solle man sich nicht einlassen. Gewiss gebe es unter ihnen auch «weisse Raben», die soziale Gesinnung und Freiheitsimpulse hätten; aber die Mehrzahl sei durch religiöse Indoktrination weitgehend denkunfähig.


    Auch Friedrich Nietzsche war ein Lieblingsautor von Friedrich Liebling. Ihm rühmte er nach, dass er den Frömmlern aller Schattierungen entschieden den Boden entzogen habe. Dasselbe gelte für Bertrand Russell, der als Skeptiker immer gegen den Strom geschwommen sei und nie aus Karrieregründen Kompromisse geschlossen habe.


    Als ich Martin Heideggers späte Mystizismen ins Gespräch einbrachte, konnte Friedrich Liebling sehr unmutig werden; er hatte Heideggers Solidarisierung mit dem Nationalsozialismus schon in den Dreissigerjahren mitbekommen und stufte die Zuwendung zur Mystik als Verschleierungstaktik ein. Der frühe Heidegger mochte grosse Verdienste um die moderne Philosophie erworben haben. Wenn er aber mit dem Faschismus paktieren konnte, war alles nicht sehr ernst gemeint; es ging um den eigenen Ruhm und um die Selbstverherrlichung, nicht um die Sache der Wahrheit. Da musste in der Spätzeit eben der «liebe Gott» (oder das geheimnisvolle Sein) herhalten, um einen Tiefsinn vorzutäuschen, der gar nicht vorhanden war.


    Dass Goethe den Pfaffen und der Kirche spinnefeind war, hielt Liebling für rühmlich; aber er betonte oft, dass der «Herr Minister» sich so vieldeutig ausgedrückt habe, dass auch die Frömmler an ihm Gefallen gefunden hätten.


    Wenn ich auf «religiöse Psychotherapie» zu sprechen kam, sagte Friedrich Liebling lakonisch: «Ja, ja   – hölzernes Eisen!» Es schien für ihn undenkbar, dass fromme Seelenärzte eine seelische und geistige Befreiung bei ihren Klienten bewirken könnten.


    Stellungnahme zum Kommunismus

    Wiewohl Friedrich Liebling in jeder Form des Sozialismus etwas Wahres zu erkennen glaubte, hielt er den Kommunismus für einen entsetzlichen Irrtum. Marx und Engels hatten sich, in der Not ihrer Zeit, einem phantastischen Utopismus verschrieben; sie meinten, dass eine anfängliche Vergottung des Staates nach einer Revolution zur späteren Befreiung aller Menschen führen könne. Das war unpsychologisch gedacht. Denn wer die Macht einmal in den Händen hält, wird sie nie wieder hergeben. Macht ist nicht nur   – wie Jacob Burckhardt lehrte   – an sich böse; sie ist auch die Ursache der schlimmsten Verrücktheit, die den Menschen befallen kann.


    Die Staatsgläubigkeit des Bolschewismus stiess Friedrich Liebling schon in den frühen Zwanzigerjahren ab, als noch ein Grossteil der europäischen Intellektuellen von Russland einen Neubeginn der Geschichte erhoffte. Er erzählte mir oft, wie er durch Flüchtlinge aus Russland hautnah über die Greueltaten des bolschewistischen Regimes informiert worden sei; und das schon bald nach 1919. Es war für ihn kein Zufall, dass auf Lenin (der immerhin noch einen gewissen humanistischen Hintergrund hatte) das «Scheusal Stalin» folgte. Dieser war eben ein Mann des Apparates, ein «roter Spiesser». Durch die ungeheure Machtkonzentration in seinen Händen wurde Stalin paranoid; die Grundlagen für diese Paranoia mögen in seiner grausamen Kindheit und durch all die Härten, die er später erlitt, gelegt worden sein. Die anerzogene Autoritätsgläubigkeit der Menschen fügte ein weiteres hinzu, um den allmächtigen Diktator zu einem Gott zu machen. Aber hinter der Maske des «Grossen Bruders» (George Orwell) war leicht der Halbverrückte zu erahnen, der alle seine frühen Gesin­ nungsgenossen zu verfolgen begann und wegen antisowjetischer Umtriebe anklagte.


    Friedrich Liebling hatte gewisse Sympathien für Trotzki, den er allerdings auch als absolutistischen Kommunisten einordnete. Verglichen mit Stalin war Trotzki aber ein grosser Revolutionär. Wenn Revolutionen die Freiheit bringen sollen, muss man möglichst bald damit anfangen; sonst etabliert man den Terror, der unsägliche Opfer kostet. Das lehrte schon die Französische Revolution von 1789; alle späteren Revolten haben dieses Gesetz bestätigt.


    Für Friedrich Liebling waren Sozialismus und Freiheit (Antiautoritarismus) wesensidentisch. Auch war die Gewaltlosigkeit sein programmatisches Ideal; doch gab er zu, dass in revolutionären Situationen Gewaltanwendung mitunter nicht zu vermeiden war. Tolstoi und Gandhi hatten die Idee vom waffenlosen Widerstand (Satyagraha) mit Erfolg gepredigt. Gandhi hatte in Indien zwar mit einem skrupellosen Kolonialsystem zu tun, konnte aber voraussehen, dass die Engländer doch gewisse Grenzen der Humanität einhalten würden. Bei Hitler (und anderen faschistischen Diktatoren) wie auch bei Stalin war das anders. Wenn die Menschen nichts mehr zu verlieren haben, kann man verstehen, dass sie Mord, Totschlag und den eigenen Untergang einplanen; dann muss auch die Revolte gewaltsam sein.


    Friedrich Lieblings Vorbild Alfred Adler hatte schon 1919 dem Bolschewismus eine entschiedene Absage erteilt. Adler sah voraus, dass der Kommunismus in seinem Machtwahn keine Opposition dulden und die monolithische Machtausübung zuletzt im Cäsarismus enden würde. Friedrich Liebling hatte viele Revolutionäre persönlich gekannt, die nach Russland gingen, um dort den Sozialismus aufzubauen. Aber von diesen Idealisten kamen bald sehr enttäuschende Nachrichten. Später erfuhr man, dass sie in Stalins Lagern landeten, im Gulag.

    Freunde von Friedrich Liebling gingen 1936 nach Spanien, um die Republik gegen Franco zu verteidigen. Auch dort konnte man die sowjetische Politik in extenso studieren. Durch die russischen Waffenlieferungen bekamen die Kommunisten die Oberhand über die spanischen Anarchisten und Syndikalisten; das Erste war, dass sie sich gegen ihre Waffenbrüder wandten und diese exekutierten. Friedrich Liebling musste nicht auf die Moskauer Schauprozesse von 1937 bis 1939 warten, um das Elend des Stalinismus zu durchschauen. Er litt sehr unter dem Fehlschlag des Bolschewismus und klagte oft darüber, dass eine der grössten Chancen der Neuzeit durch Dummheit und Autoritarismus vertan worden sei.


    Auch die Sozialdemokraten waren nicht nach Friedrich Lieblings Geschmack. Er würdigte wohl die guten Absichten des «Austromarxismus» zum Beispiel; aber er brachte den Sieg des europäischen Faschismus mit dem Kleinmut und der Kleinbürgerlichkeit dieser Sozialisten in engen Zusammenhang. Er glossierte sie als «Lampenputzer», die gerne gewusst hätten, «wie man revoluzzt und zugleich auch Lampen putzt» (Erich Mühsam).


    Nonkonformist

    Friedrich Liebling war zwar ein exemplarischer Mitmensch, aber er wollte nie und nirgendwo mit der Menge laufen; er ging stets seinen eigenen Weg und bewies hierin einen bemerkenswerten Eigensinn. Es war etwas Aristokratisches in ihm, das trotz aller Solidaritätsgefühle keine billige Gemeinschaftsbildung zuliess. Er blieb Herr seiner selbst. Auch suchte er keine Führer und Vermittler; es war undenkbar, sich ihn als Mitglied einer Partei, Clique oder eines Klüngels vorzustellen.


    Als ich Stefan Zweigs Erasmus-Biographie las, beeindruckte mich ganz besonders das Motto, das ungefähr lautete: «Ich versuchte zu erfahren, ob Erasmus von dieser oder jener Partei sei; aber ein gewisser Kaufmann erwiderte mir: Erasmus est homo per se   – Erasmus ist eine Partei für sich.» Das hatte ein Reisender im 16. Jahrhundert geschrieben. Friedrich Liebling lächelte bei diesem Zitat und meinte: «Genau so habe ich es immer gehalten; ich wollte nicht Parteimitglied sein, und wenn es auch die beste Partei gewesen wäre!» Er dachte wohl wie Paracelsus, der gesagt hat: «Wer sich selbst gehören kann, soll keinem anderen dienen.» Das zog sich wie ein roter Faden durch Friedrich Lieblings Biographie.


    So verehrte er gewiss Alfred Adler als den Schöpfer einer lebensnahen Psychologie und Psychotherapie, aber er hielt es für unnötig, Mitglied der «Individualpsychologischen Gesellschaft» zu werden. Er traf Adler im Zusammenhang mit der Jugendarbeit, die ihn schon in Wien besonders in Anspruch nahm. Adler schätzte Friedrich Liebling als einen ausgezeichneten Praktiker, der als Mensch grossherzig und idealistisch gesinnt war. Scherzhaft nannte er ihn im Gespräch einen «überschwenglichen Idealisten», was zum Ausdruck bringen sollte, dass Friedrich Liebling alles, was er anpackte, mit Schwung, Leidenschaft und Zuversicht in Angriff nahm.


    Aber die Zusammenkünfte der Adlerianer in den verschiedenen Kaffeehäusern mied Friedrich Liebling. Das war seiner Meinung nach ein kleinbürgerlicher Zirkel, in dem Adler selbst sich mitunter fremd fühlte. Friedrich Liebling lebte damals fast mehr für die Politik als für die Psychologie; am wichtigsten schien es ihm, die Heraufkunft des Faschismus zu verhüten. Die Nur-Psychologen hielt er für naiv in einer derartigen gefährlichen und gefährdeten Zeit.


    Auch die Sozialisten, Freidenker, Naturfreunde usw. fanden in Friedrich Liebling keinen Gefolgsmann. Er nahm an ihren Bestrebungen teil, diskutierte sich den Kopf heiss und musste oft genug erfahren, dass sein Radikalismus wenig Verständnis finden konnte. Wiewohl alle fortschrittlichen Menschen und Gruppierungen ahnten, dass der Faschismus für sie Tod und Untergang bedeutete, tendierten sie zur Beschwichtigungspolitik und zeigten sich nachgiebig, wo immer sie konnten. Die Gegenseite honorierte die Kompromissbereitschaft keineswegs. Der Faschismus und der Autoritarismus enthüllten schamlos ihre Mörderfratze; sie mokierten sich über die freiheitlichen Bestrebungen, die nahezu kampflos in den Abgrund gingen.


    Friedrich Liebling erkannte damals, dass mit den zum Masochismus und Autoritarismus erzogenen Menschen die gesellschaftliche Freiheit nicht geschützt und aufrechterhalten werden konnte. Deshalb vollzog er den endgültigen Schwenk zur Psychologie und Psychohygiene. Die Verzweiflung an der Politik liess ihn den kulturellen Wert der Psychotherapie erkennen: «Man muss die Menschen zuerst heilen», pflegte er zu sagen, «dann kann man mit ihnen eine humane Gesellschaft aufbauen.»


    Als Nonkonformist fühlte sich Friedrich Liebling in der Nachfolge von Max Stirner und Friedrich Nietzsche, die in ihren Lehren das freie und schöpferische Individuum über alles stellten. Ich machte ihn auch mit Kierkegaard bekannt , der in seinem Grabspruch nur den lakonischen Hinweis haben wollte, er sei «ein Einzelner» gewesen. Ich habe sehr wenige Menschen in meinem Leben getroffen, die ähnlich wie Friedrich Liebling in allen Belangen des Lebens und Denkens durchgehend individualistisch waren.


    Aber dieser Individualismus war in keiner Weise egoistisch oder privatistisch. Man hätte von ihm im Sinne Hugo von Hofmannsthals sagen können: «Nur dass er dienen durfte, freute ihn.» Friedrich Liebling hatte sich zu einer starken und unabhängigen Persönlichkeit entwickelt; nicht aber, um andere Menschen zu überragen oder gar zu beherrschen: Er wollte als Starker den Schwachen helfen. Das hat er bis zu seinem letzten Atemzug praktiziert. Die libertären Sozialisten (Michael Bakunin, Gustav Landauer, Erich Mühsam, Peter Kropotkin, Pierre-Joseph Proudhon usw.) bekräftigten in Friedrich Liebling diese Haltung, die ein Stück seiner menschlichen und therapeutischen Grösse ausmachte.


    Friedrich Liebling war ein vorzüglicher Kenner der Tiefenpsychologie, der Philosophie, der Weltliteratur, der Geschichte und der Politikwissenschaft. Sein therapeutischer Erfahrungsschatz war weit überdurchschnittlich; er hat unzählige Menschen behandelt und gefördert, weshalb auch sein praktisches Wissen von kaum vorstellbarem Umfang war. Dem steht gegenüber, dass Friedrich Liebling nur wenige schriftliche Arbeiten hinterlassen hat. Er wollte kein Schriftsteller und kein «Schreiber» sein. Ich drang oft in ihn, sich publizistisch zu äussern; aber ich kam damit nicht an. Meine Haltung war das genaue Gegenteil. Ich brannte als junger Mensch darauf, mich literarisch bekannt zu machen. Ich soll angeblich als Jugendlicher gesagt haben, ich würde in Zukunft bestimmt mehr als «zwei Meter Bücher» schreiben   – nämlich aneinandergereiht im Regal .Wenn das wahr ist (ich erinnere mich nicht mehr daran), dann habe ich dieses Desiderat inzwischen einigermassen erfüllt.


    Friedrich Liebling pflegte auf meine Vorhaltungen zu sagen: «Der Beruf des Menschenkenners und Menschenbehandlers ist so umfassend, dass man die volle Energie eines Menschenlebens in ihn investieren muss. Würde ich dazu noch schriftstellerische Ambitionen haben, dann kämen meine Patienten und Schüler irgendwie zu kurz. Für mich ist es nicht sinnvoll, den Doppelberuf des Therapeuten und Publizisten auszuüben!»


    Allerdings bewunderte er grosse und produktive Schriftsteller aus vollem Herzen. Wir lasen fast alles, was zum Beispiel Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir publizierten. Friedrich Liebling wunderte sich darüber, mit welchem Elan Sartre ein umfängliches Werk nach dem anderen ans Licht brachte. Aber Sartre war eben mit der Manie des Schreibens herangewachsen; Schreiben bedeutete für ihn beinahe alles. Dabei kam vieles andere nicht so günstig zum Tragen: Sein Liebesleben war chaotisch, Alkohol-Abusus lag nicht fern, und das Kettenrauchen musste in flauen Momenten die Produktion stimulieren. Der massvolle und besonnene Friedrich Liebling hätte sich nie dazu hergegeben, um des Bücherschreibens willen seine Gesundheit zu untergraben.

    Als ich etwa ein Dutzend Bücher geschrieben und veröffentlicht hatte und darauf auch ein bisschen stolz war, sagte Friedrich Liebling zu mir: «Meine Patienten sind meine Bücher!» Was ich einer anonymen Öffentlichkeit anvertraute, wollte er durchaus nur im persönlichen Lebensverhältnis weitergeben. Ich hielt das damals für einen Fehler und bin auch heute noch der Meinung, dass das Bücherschreiben die Gedanken des Autors klärt und ordnet. Im gewissen Sinn profitiert der Autor am meisten von seinen Büchern; er lernt sich im Schreiben kennen. Andererseits verstehe ich heute   – nach der Publikation von fast 70 Büchern   – den Standpunkt von Friedrich Liebling besser als zuvor. Es hat mich unsäglich viel Kraft und Einsatz gekostet, neben meiner aufreibenden Berufsarbeit noch wissenschaftliche Werke zu verfassen. Mitunter geriet ich sogar in gesundheitliche Krisen, weil ich begonnene Arbeiten nicht beiseite legen und unfertig lassen konnte. Einige der grossen Krankheiten meines Lebens sind vermutlich auf die Doppelbelastung als Arzt und Schriftsteller zurückzuführen.


    Es wird ohnehin zu viel geschrieben und zu wenig gelesen. Die Menschen von heute haben nicht die Geduld und die Übung, sich wochen- und monatelang mit einem gehaltvollen Text auseinanderzusetzen. Der Fernsehkonsument von heute liest keine Bücher; wenn überhaupt, dann nur in «gekürzter Fassung». Es entsprach dem Sokratismus von Friedrich Liebling, gesprächsweise seine Kenntnisse und Erfahrungen zu vermitteln. Auch Sokrates hat keine Bücher hinterlassen (die schrieb dann Platon). Und doch ist Sokrates für die abendländische Menschheit zum Lehrer der Weisheit geworden.


    Friedrich Liebling legte seine ganze Kunst und alle seine Kenntnisse in die Gestaltung seiner Gespräche. Diese waren tatsächlich Kunstwerke. Sie hatten einen wundervollen Aufbau und zielten auf schöne und klare Resultate hin. Oft begann er ein Therapiegespräch mit Alltäglichem. Fünf bis zehn Minuten sprach er über das Wetter oder über den eigenen Gesundheitszustand (und Beschwerden des Alters). Der Ratsuchende wunderte sich schon, wo das hinführen sollte. Aber dann kam der elegante Schwenk zu den eigentlichen Problemen; und es wurde mit solcher Intensität gearbeitet, dass viel dabei herauskam. Diese Gespräche sind Friedrich Lieblings Schülern und Patienten unvergesslich geblieben.


    Friedrich Liebling starb im Februar 1982 im Alter von 89 Jahren in Zürich. Sein Lebenswerk wurde durch meine Arbeit in Berlin fortgesetzt.


    Literatur

    Fellay, Gerda: La conception de l'education de Friedrich Liebling (1893  –1982), Dissertation an der Universität Lausanne, Bern 1997

    Müller, Reinhard: Friedrich Liebling   – Psychologe und Psychotherapeut, in: Archiv für die Geschichte der Soziologie in Österreich, Newsletter Nr. 16, Graz 1997

    Rattner, Josef: Erinnerungen an Friedrich Liebling, in: Miteinander leben lernen, Heft 2, Jg. 1992
    ___

    Alfred Lévy, Gerald Mackenthun (Herausgeber)

    Buch | Softcover

    332 Seiten

    2002
    Königshausen u. Neumann (Verlag)
    978-3-8260-2156-5 (ISBN)

     


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    10.06.2023

    Die Natur der Macht

    transition-news.org, heruntergeladen am 10. Juni 2023, 23:55 Uhr

    Die Natur der Macht
      Wenn die Macht der Liebe
    über die Liebe zur Macht siegt,
    wird die Welt Frieden finden.
    Jimi Hendrix

    Liebe Leserinnen und Leser Wir leben in einer verlogenen Welt, in der wir überwacht und bespitzelt werden. Diejenigen, die sich für die Wahrheit einsetzen, Kontrollmechanismen, Lügen und Verbrechen aufdecken, werden verfolgt, müssen ins Exil flüchten oder sind seit Jahren im Gefängnis. Vor einigen Tagen hat der Oberste Gerichtshofs des Vereinigten Königreichs die Berufung des WikiLeaks-Gründers Julian Assange gegen seine Auslieferung an die USA abgelehnt. Die Gefahr, dass er tatsächlich in die unerbittlichen Hände der US-Justiz fällt, ist nun so real wie nie zuvor. Wegen der Veröffentlichung geheimer Informationen über Kriegsverbrechen und Menschenrechtsverletzungen des US-Militärs im Jahr 2010 drohen ihm bis zu 175 Jahre Haft. Diesem Schicksal entkam der ehemalige NSA-Mitarbeiter Edward Snowden nur knapp. 2013 hatte er Zehntausende von streng geheimen Dokumenten an Journalisten übergeben. Diese enthielten explosive Informationen über die weit verbreitete, teilweise illegale Bespitzelung durch US-amerikanische und britische Behörden. Nachdem Snowden in über 20 Ländern der Welt vergeblich Asyl beantragt hatte, lebt er heute in Russland. In einem Interview zum zehnten Jahrestag seiner Enthüllungen warnte Snowden letzte Woche vor den beunruhigenden technologischen Entwicklungen, mit denen Regierungen und Big-Tech-Unternehmen unsere Privatsphäre in der physischen und digitalen Welt aushöhlen (hier und hier).

    «Die Technologie hat einen enormen Einfluss erlangt. Wenn wir darüber nachdenken, was wir 2013 gesehen haben – und über welche Möglichkeiten Regierungen heute verfügen, erscheint 2013 wie ein Kinderspiel», sagte Snowden.

    Aber auch kommerziell verfügbare Videoüberwachungskameras, Gesichtserkennung, künstliche Intelligenz und aufdringliche Spionagesoftware wie Pegasus können gegen sogenannte Dissidenten und Journalisten eingesetzt werden. Im Rückblick auf 2013 erklärte Snowden:

    «Wir vertrauten darauf, dass die Regierung uns nicht verarschen würde. Aber sie hat es getan. Wir vertrauten darauf, dass die Technologieunternehmen uns nicht ausnutzen würden. Aber das haben sie getan. Das wird wieder passieren, denn das ist die Natur der Macht.»

    Snowden sprach auch darüber, wie sich die Medienlandschaft im Laufe der letzten Zeit verändert hat. Enthüllungen wie vor zehn Jahren seien heute unmöglich. Die Mainstream-Medien würden Fakten und Tatsachen vertuschen, die der Politik und den Profitinteressen der digital-finanziellen und militärisch-industriellen Komplexe sowie der Pharmaindustrie widersprechen. Zu den wichtigen Techniken, die westliche Länder bei ihrer totalitären Zensur und der Bekämpfung der Wahrheit anwenden, gehören Systematik, Lügen, Verschweigen und Verdrehen von Tatsachen, aggressive Beschuldigungen und das Aufzwingen eines bestimmten «Standpunkts». Jeder, der versucht, die Behörden zu entlarven, wird eingeschüchtert, entlassen oder inhaftiert. Schon im Herbst 2022 hatte Snowden ein Video aus dem Jahr 1983 publiziert, das offenbart, dass Medien, die als seriöse und zuverlässige Quelle gelten, unter der Kontrolle der Geheimdienste stehen. In diesem vierminütigen Videoausschnitt liess der ehemalige CIA-Analyst Frank Snepp keinen Zweifel daran, dass die Geheimdienste die wichtigen Medien im Sack haben – und diese seit jeher als «Desinformationskanäle» nutzen.

    «(…) ich briefte die Presse, wenn wir, die CIA, eine Desinformation zu einem bestimmten Thema in Umlauf bringen wollten. Desinformation muss nicht zwangsläufig eine Lüge sein, es kann auch eine Halbwahrheit sein. Wir wählten einen Journalisten aus, ich führte das Informationsgespräch durch und hoffte darauf, dass er die Nachricht veröffentlicht (…).

    Auf die Frage, wie erfolgreich diese Desinformationskampagnen waren, antwortete Snepp: «Wir waren ziemlich erfolgreich.» Das war 1983, heute ist das Manipulations-System noch ausgefeilter. Die «Pandemie» hat das bewiesen. Ohne die Propaganda- und Hetzkampagnen des Mainstreams und eine gnadenlose Zensur der Wahrheit wären die Mächtigen der Welt nicht in der Lage gewesen, das Märchen vom Killervirus in die Köpfe so vieler Menschen zu hämmern. Herzlich Wiltrud Schwetje

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    apolut: Preis für Habecks Katze Wann ist sein Papagei dran? → Weiterlesen
    Berliner Zeitung: Wird Deutschland ein Entwicklungsland? Ökonom wünscht uns eine „sanfte Deindustrialisierung“ Das Schwellenland China könnte bald zu einer Industrienation aufsteigen, und was passiert in Deutschland? Hohe Energiepreise und ein harter außenpolitischer Kurs bereiten Unternehmen große Sorgen. → Weiterlesen


    Info: https://transition-news.org/die-natur-der-macht


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    10.06.2023

    ÖGB kündigt der Wiener Friedenskonferenz die Räume --  Internationaler Friedensgipfel am 10. & 11. Juni in Wien

    aus e-mail von Felix Weiland, 10. Juni 2023, 11:17 Uhr


    Aktuell hat der ÖGB, das staatstragende Gegenstück zum DGB, der Wiener

    Friedenskonferenz die Räume gekündigt.


    Es ist der größte internationale Friedenskongress seit Beginn des

    Krieges in der Ukraine.


    Sie sollte vor einer Stunde beginnen.



    Quellen:


    Über die Wiener Friedenskonferenz (am kommenden Wochenende) - aus erster

    Hand (DE, EN):

    https://www.peacevienna.org/



    Aktuell hat der ÖGB die Räume gekündigt, weil Jeffrey Sachs teilnimmt;

    weiteres siehe:

    https://www.peacevienna.org/wp-content/uploads/2023/06/Stellungnahme-der-Organistoren-zur-Absage-des-OGB.pdf


       -- und hier (Boulevard Sat1):

    https://www.puls24.at/news/politik/oegb-setzt-wiener-ukraine-friedensgipfel-vor-die-tuer/299396

       -- und hier (Zeitung der Arbeit):

    https://zeitungderarbeit.at/politik/oegb-knickt-vor-selenski-ein/



    Von der Konferenz schon vor Monaten erfahren = gute Infoquelle der

    Friedensbewegung Österreichs:


    Aktionsbündnis für Frieden, aktive Neutralität und Gewaltfreiheit

    (abgekürzt: AbFaNG)

    https://abfang.org/termine/



    Weiteres:




    Erzwungener Ortswechsel für den internationalen Friedensgipfel in Wien!


    > zum Programm des Friedensgipfels am 10. und 11. Juni 

    (08. Juni 2023) Seit Dezember 2022 laufen die Vorbereitungen für den internationalen Friedensgipfel für die Ukraine „Peace by peaceful means“ und seit zwei Wochen bläst den Veranstaltern plötzlich ein Wind entgegen, voller Diffamierungen und nicht hinterfragter Behauptungen. Seltsamerweise wurden, laut unseren Recherchen, die Veranstalter und Mitgestalter selbst bisher von keiner einzigen Journalistin, keinem Journalisten dazu befragt. Hingegen werden Personen, die sich bisher nie in unserem Bündnis, das immerhin 41 Organisationen umfasst, zu Wort gemeldet haben, zur Konferenz befragt und als Informationsquelle herangezogen. Dies gipfelte gestern in der Kündigung der Mietvereinbarung für die Konferenzräume seitens des ÖGB, und dies zwei Tage vor der internationalen Konferenz. Daher haben wir für SIe hier die bisherigen Reaktionen der Veranstalter und von Mitarbeiter:innen des Friedensgipfels auf die diffamierenden Angriffe zusammengestellt:


    > Der demokratische Dialog findet statt – trotz Absage des ÖGB
    > Der STANDARD unter Propagandaverdacht (Werner Wintersteiner)
    > Stellungnahme der Gewerkschafter:innen gegen Atomenergie und Krieg
    > Stellungnahme der Organisatoren vom 7.6. (vor der ÖGB-Kündigung) 
    > Ukraine: Die Waffen nieder das Gewissen hoch (Beitrag aus „Die Furche“ vom 6. Juni 2023)



    SDG Ziel 16: Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen


    abfang.org, abgerufen am 10. Juni 2023, 19:17 Uhr


    Δ  Weltweite Tötungsdelikte, Gewalt gegen Kinder, Menschenhandel und sexuelle Gewalt müssen bekämpft werden, um friedliche und integrative Gesellschaften für eine nachhaltige Entwicklung zu fördern. Sie ebnen den Weg für die Ermöglichung des Zugangs zur Justiz für alle und für den Aufbau effektiver, rechenschaftspflichtiger Institutionen auf allen Ebenen.


    Δ  Während die Fälle von Mord und Menschenhandel in den letzten zehn Jahren erheblich gesunken sind, sind immer noch Tausende von Menschen in Lateinamerika, in Subsahara-Afrika und in Asien stärker von vorsätzlichen Morden bedroht. Kinderrechtsverletzungen durch Aggression und sexuelle Gewalt plagen nach wie vor viele Länder auf der ganzen Welt, zumal mangelnde Berichterstattung und Datenmangel das Problem verschärfen.


    Δ  Um diese Herausforderungen anzugehen und eine friedlichere, integrativere Gesellschaft aufzubauen, bedarf es effizienterer und transparenterer Vorschriften und umfassenderer, realistischer öffentlicher Haushalte. Einer der ersten Schritte zum Schutz der individuellen Rechte ist die Umsetzung der weltweiten Geburtsregistrierung und die Schaffung unabhängigerer nationaler Menschenrechts-Institutionen auf der ganzen Welt.


    SDG Ziel 16: Friedliche und inklusive Gesellschaften für eine nachhaltige Entwicklung fördern, allen Menschen Zugang zur Justiz ermöglichen und leistungsfähige, rechenschaftspflichtige und inklusive Institutionen auf allen Ebenen aufbauen.

    Die Unterziele von SDG 16

    16.1 Alle Formen der Gewalt und die gewaltbedingte Sterblichkeit überall deutlich verringern

    16.2 Missbrauch und Ausbeutung von Kindern, den Kinderhandel, Folter und alle Formen von Gewalt gegen Kinder beenden

    16.3 Die Rechtsstaatlichkeit auf nationaler und internationaler Ebene fördern und den gleichberechtigten Zugang aller zur Justiz gewährleisten

    16.4 Bis 2030 illegale Finanz- und Waffenströme deutlich verringern, die Wiedererlangung und Rückgabe gestohlener Vermögenswerte verstärken und alle Formen der organisierten Kriminalität bekämpfen

    16.5 Korruption und Bestechung in allen ihren Formen erheblich reduzieren

    16.6 Leistungsfähige, rechenschaftspflichtige und transparente Institutionen auf allen Ebenen aufbauen

    16.7 Dafür sorgen, dass die Entscheidungsfindung auf allen Ebenen bedarfsorientiert, inklusiv, partizipatorisch und repräsentativ ist

    16.8 Die Teilhabe der Entwicklungsländer an den globalen Lenkungsinstitutionen erweitern und verstärken

    16.9 Bis 2030 insbesondere durch die Registrierung der Geburten dafür sorgen, dass alle Menschen eine rechtliche Identität haben

    16.10 Den öffentlichen Zugang zu Informationen gewährleisten und die Grundfreiheiten schützen, im Einklang mit den nationalen Rechtsvorschriften und völkerrechtlichen Übereinkünften

    16.a Die zuständigen nationalen Institutionen namentlich durch internationale Zusammenarbeit beim Kapazitätsaufbau auf allen Ebenen zur Verhütung von Gewalt und zur Bekämpfung von Terrorismus und Kriminalität unterstützen, insbesondere in den Entwicklungsländern

    16.b Nichtdiskriminierende Rechtsvorschriften und Politiken zugunsten einer nachhaltigen Entwicklung fördern und durchsetzen

    > Vollständiger UN-Resolutionstext in deutscher Übertragung


    Info: https://abfang.org/ueber-uns/initiative-sdg16-frieden

    10.06.2023

    "Die Gegenoffensive ist nicht entscheidend" – Foreign Affairs fordert Verhandlungen

    freeassange.rtde.life, 10 Juni 2023 14:48 Uhr

    Die Ukraine kann den Konflikt mit Russland militärisch nicht gewinnen. Die Suche nach einem Ausstiegsszenario ist daher dringend notwendig, meint das US-Magazin Foreign Affairs und schlägt ein Einfrieren nach koreanischem Vorbild vor. Sonst drohe ein endloser Krieg.


    Quelle: Sputnik © Alexey Mais



    hev


    In den USA wird immer lauter ein Einfrieren des Ukraine-Konflikts gefordert.


    Die Zeiten ändern sich, die Bekenntnisse des Westens zur unverbrüchlichen militärischen Unterstützung der Ukraine bröckeln. In Deutschland zwar noch nicht, dort beschimpft der Kanzler alle, die von ihm mehr Einsatz für Frieden und Verhandlungen fordern. Aber innerhalb der EU wendet sich das Blatt. Vor allem jedoch in den USA werden Forderungen nach einer diplomatischen Lösung nicht nur immer lauter, sondern inzwischen auch an ganz prominenter Stelle präsentiert.

    Am 5. Juni erschien in der renommierten US-Zeitschrift Foreign Affairs ein Beitrag unter der Überschrift "Ein nicht zu gewinnender Krieg", dessen Autor sich mit der Ukraine auseinandersetzt und das Einfrieren des Konfliktes fordert.

    Das ist bemerkenswert, denn Foreign Affairs gilt als das führende Blatt zur US-Außenpolitik. Hinter Foreign Affairs steht der US-amerikanische Thinktank "Council on Foreign Relations" mit großem Einfluss auf die strategische Ausrichtung der US-Außenpolitik.


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    Natürlich kommt der Autor Samuel Charap nicht umhin, einleitend Russlands militärische Schwäche zu betonen und den Heldenmut der Ukraine zu loben, um dann eine argumentative Wende zu vollziehen: Auch wenn es der Ukraine in der Gegenoffensive gelänge, Geländegewinne zu erzielen, wenn sie weitgehend erfolgreich verliefe, würde das den Krieg nicht beenden.

    "Aber selbst wenn sie gut verläuft, wird eine Gegenoffensive nicht zu einem militärisch entscheidenden Ergebnis führen", schreibt Charap, Politikwissenschaftler bei der RAND Corporation.  

    Hingewiesen wird in diesem Zusammenhang auf einige der bereits bekannten Probleme, mit denen die ukrainische Armee zu kämpfen hat: Munitionsmangel, große Verluste wie beispielsweise bei der Verteidigung von Artjomowsk und die Komplexität westlicher Waffensysteme, in die sich einzuarbeiten den ukrainischen Soldaten die Zeit fehlt. Ein militärischer Erfolg würde zudem nicht zwangsläufig zu einem Ende des Krieges führen.

    "Selbst wenn Kiew über alle Erwartungen hinaus Erfolg hätte und die russischen Truppen zum Rückzug über die internationale Grenze zwingen würde, würde Moskau die Kämpfe nicht unbedingt einstellen. Aber kaum jemand im Westen erwartet so ein Ergebnis zu irgendeinem Zeitpunkt, geschweige denn in naher Zukunft. Stattdessen ist die optimistische Erwartung für die kommenden Monate, dass die Ukrainer im Süden einige Gewinne erzielen werden. (...) Kurz gesagt, selbst Erfolge auf dem Schlachtfeld führen nicht notwendig zu einem Ende des Krieges."


    EU bleibt auf Kriegskurs – Friedensinitiativen kommen aus anderen Teilen der Welt




    Meinung

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    Gelänge es nicht, eine Verhandlungsoption zu eröffnen, so drohe daher ein langer Krieg. Es liege in der Verantwortung der USA, die Ukraine zu Verhandlungen zu drängen.


    Vorgeschlagen wird ein Einfrieren des Kriegs nach koreanischem Vorbild. Zwischen Nord- und Südkorea existiert lediglich eine Vereinbarung über einen Waffenstillstand. Dieser Waffenstillstand hält jedoch bereits seit 1953. Die Ukraine müsste damit ihre territorialen Ansprüche nicht aufgeben, könnte eine Wiedervereinigung aber in die Zukunft aufschieben und die gegebenen Realitäten vorerst anerkennen, schreibt der Autor des Beitrags.


    Statt eines Beitritts zur NATO schlägt Charap Sicherheitsgarantien durch die USA als Alternative vor. Sollte eine Beitrittsperspektive der Ukraine zur NATO aufrechterhalten bleiben, könnte das die Bereitschaft Russlands erhöhen, den Krieg fortzuführen.

    "Selbst wenn es unter den Verbündeten einen Konsens gäbe, Kiew eine Mitgliedschaft anzubieten (was nicht der Fall ist), könnte die Gewährung einer Sicherheitsgarantie für die Ukraine durch die NATO-Mitgliedschaft den Frieden für Russland so unattraktiv machen, dass Putin beschließen würde, weiter zu kämpfen."


    Die nächste Runde Demütigung: Olaf Scholz zum Befehlsempfang in Washington




    Meinung

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    Es brauche daher eine doppelte Strategie, argumentiert der Autor. Der Westen müsse die Ukraine weiter unterstützen, während er Gesprächskanäle nach Russland öffnet und sich um Gespräche bemüht. Es brauche einen Plan zur Beendigung des Krieges. Diesen Plan gibt es bisher nicht, er müsse dringend erarbeitet werden, da sonst die sinnlose und verlustreiche Verlängerung des Krieges droht. Eine Verringerung der militärischen Aktivität auf ein niedrigeres Niveau sei unter den aktuellen Bedingungen und unter Ausschluss von Diplomatie nicht möglich, meint Charap. Das zeige die Geschichte.

    "Während westliche Regierungen weiterhin alles in ihrer Macht Stehende tun sollten, um die Ukraine militärisch zu unterstützen, muss der Westen auch eine Ausstiegsstrategie aus dem Krieg erarbeiten – eine Vision für ein Endspiel, das unter den alles andere als idealen Umständen plausibel ist. Denn ein entscheidender militärischer Sieg ist höchst unwahrscheinlich."

    In den nächsten Monaten sei daher ein konkreter diplomatischer Pfad zu etablieren, der Verhandlungen ermöglicht. Zu beachten sei dabei, dass der Schritt nicht als grundlegende Abkehr von der bisherigen Politik der Unterstützung der Ukraine erscheint und von Kiew nicht als Preisgabe ukrainischer Interessen verstanden wird.

    "Bereits jetzt muss jeder Schritt der USA und ihrer Verbündeten, den diplomatischen Weg zu öffnen – selbst mit der Unterstützung der Ukraine – sorgfältig bedacht werden, damit er nicht als Politikumkehr oder Aufgabe der westlichen Unterstützung für Kiew verstanden  wird."

    Die Vorschläge, die Charap macht, sind relativ weit ausgearbeitet. Es scheint in den USA vieles in Bewegung zu kommen. Es sieht daher ganz danach aus, als müsse der Kanzler bald seine Position gegenüber Friedensaktivisten korrigieren. Die USA werden ihn dazu zwingen. Man darf gespannt sein, wie Scholz seine geänderte Position dem Publikum verkauft.


    Mehr zum Thema – Der Blasen-Kanzler: Kaum trifft Olaf Scholz auf echte Menschen, flippt er aus


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    10.06.2023

    Liveticker Ukraine-Krieg – Russlands Militär: Gut 40 Freiwilligen-Gruppen im Kampfgebiet im Einsatz

    freeassange.rtde.life, 10 Juni 2023 14:44 Uhr

    Russland führt gemeinsam mit den Streitkräften der Donbass-Republiken eine Militäroperation in der Ukraine durch. Der Westen reagiert mit immer neuen Waffenlieferungen an die Ukraine und beispiellosen Sanktionen gegen Russland. Lesen Sie hier die neuesten Entwicklungen.


    Archivbild: Männer vor einer Rekrutierungsstelle in Wolgograd, 23. Mai 2023.






    Quelle: Sputnik © KIRILL BRAG

    • 10.06.2023 18:21 Uhr

    18:21 Uh

    Selenskij meldet Gegenoffensive der ukrainischen Streitkräfte

    Der ukrainische Präsident Wladimir Selenskij hat erklärt, dass in der Ukraine weiterhin Gegenoffensiven durchgeführt werden. Er weigerte sich jedoch zu sagen, in welchem Stadium sich diese befinden. Auf einer Pressekonferenz mit dem kanadischen Premierminister Justin Trudeau in Kiew teilte er mit:

    "Es finden in der Ukraine relevante Gegenoffensiven und Defensivmaßnahmen statt, in welchem Stadium, werde ich nicht im Detail sagen. Ich glaube, dass wir das alles mit Sicherheit spüren werden."

    Der russische Präsident Wladimir Putin hatte am Freitag gegenüber Reportern erklärt, der Einsatz strategischer Reserven durch Kiew belege, dass eine ukrainische Gegenoffensive begonnen habe.

  • 17:37 Uhr

    Russisches Verteidigungsministerium veröffentlicht Videomaterial von zerstörter NATO-Ausrüstung

    Der offizielle Telegram-Kanal des russischen Verteidigungsministeriums veröffentlichte Aufnahmen, die zeigen, wie Besatzungen von Ka-52-Aufklärungshubschraubern der russischen Streitkräfte gepanzerte Fahrzeuge westlicher Bauart der ukrainischen Streitkräfte im Frontabschnitt Saporoschje zerstören.

    Die russischen Einheiten feuerten Lenkraketen auf einen Konvoi gepanzerter Fahrzeuge der ukrainischen Streitkräfte. Nach der Zerstörung mehrerer gepanzerter Fahrzeuge versuchten die übrigen, sich zu entfernen, wurden bei diesem Unterfangen jedoch ebenfalls zerstört.

    Außerdem veröffentlichte das russische Verteidigungsministerium ein Video von zerstörten westlichen gepanzerten Fahrzeugen der ukrainischen Streitkräfte im Frontabschnitt Süddonezk.

    Darüber hinaus veröffentlichte das russische Verteidigungsministerium Filmmaterial, das die Zerstörung von Panzern der ukrainischen Streitkräfte durch russische Drohnenangriffe im Frontabschnitt Saporoschje zeigt.

  • 16:59 Uhr

    Truppenverband Ost: Alle ukrainischen Angriffsversuche im Laufe des Tages abgewehrt


    Oleg Tschechow, Leiter des Pressezentrums der russischen Truppengruppierung Ost, hat den Verlauf der russischen militärischen Sonderoperation in der Ukraine beschrieben. Er sagte, dass das russische Militär, unterstützt durch Artillerie und Luftfahrt, einen Feuerangriff auf die ukrainischen Streitkräfte durchgeführt hätte. Die ukrainischen Truppen würden versuchen, offensive Operationen im Frontabschnitt Süd-Donezk zu realisieren. Infolgedessen seien ukrainische Nationalisten südlich von Wodjanoje getötet, sechs gepanzerte Fahrzeuge zerstört und ukrainisches Personal in der Nähe des Staatsgutes Oktjabr liquidiert worden.

    Im Frontabschnitt Saporoschje versuchen ukrainische Soldaten ebenfalls, Offensiven durchzuführen. Die Angriffe werden erfolgreich abgewehrt. In der Nähe von Malaja Tokmatschka seien sechs Panzer zerstört und ukrainisches Personal getötet worden. In der Nähe von Nowodanilowka sollen drei Kampfpanzer, ein Schützenpanzer, drei gepanzerte Fahrzeuge zerstört und ukrainisches Personal getötet worden sein. In der Nähe von Salesnitschnoje sei auch eine selbstfahrende CAESAR-Artillerieeinheit zerstört worden.

    Tschechow fügte hinzu, dass das russische Militär mit schweren Raketenwerfersystemen zwei ukrainische Stützpunkte in der Nähe von Doroschnjanka getroffen hätte. Außerdem hätte die russische Luftabwehr eine ukrainische Leleka-Drohne abgeschossen.

  • 16:23 Uhr

    Zwei ukrainische Angriffe in den Frontabschnitten Lissitschansk und Awdejewka zurückgeschlagen


    Wadim Astafjew, Leiter des Pressezentrums der russischen Militärtruppengruppierung Süd, sprach über die Fortschritte der russischen militärischen Sonderoperation in der Ukraine. Er sagte, das russische Militär habe zwei ukrainische Angriffe in den Frontabschnitten Lissitschansk und Awdejewka zurückgeschlagen. Die ukrainischen Streitkräfte erlitten Verluste an Mannstärke.

    Die russische Artillerie zerstörte drei Schützenpanzer der ukrainischen Streitkräfte in der Nähe des Dorfes Serebrjanka und einen Schützenpanzer bei Bogdanowka. Darüber hinaus seien ukrainische Mörserbesatzungen in den Bezirken Werchnekanenskoje, Umanskoje und Pobeda zerstört worden. Eine ukrainische Artillerieeinheit bei Lewanewskoje sei ebenfalls zerstört worden.

    Astafjew berichtete auch, dass die russischen operativen und taktischen Luftstreitkräfte eine Konzentration von Waffen und militärischer Ausrüstung sowie einen vorübergehenden Aufmarschpunkt der 110. separaten mechanisierten Brigade der ukrainischen Streitkräfte in der Nähe von Awdejewka bombardiert hat. Außerdem sei eine Konzentration der ukrainischen Streitkräfte in der Nähe des Dorfes Jagodnoje getroffen worden.

    Russische Flugabwehrschützen, die ein Buk-M2 Boden-Luft-Raketensystem einsetzten, schossen eine ukrainische Leleka-100-Drohne in der Nähe des Dorfes Kodema ab.

  • 15:48 Uhr

    Russische Luftabwehr schießt ukrainisches Jagdflugzeug vom Typ MiG-29 ab 


    Das russische Verteidigungsministerium hat am Samstag über weitere Angriffe auf ukrainische Stellungen berichtet. Wie der Sprecher der Behörde, Generalleutnant Igor Konaschenkow, auf seinem täglichen Briefing mitteilte, seien in den letzten 24 Stunden insgesamt 93 Artillerie-Einheiten und 122 Orte mit Personal und Technik der ukrainischen Streitkräfte zerstört worden. In der Nähe der Ortschaft Rai-Alexandrowka und der Stadt Charkow seien der Stab der 10. Gebirgssturmbrigade und der Stab der 60. mechanisierten Brigade der ukrainischen Armee getroffen worden.     

    Ferner berichtete Konaschenkow über den Einsatz der russischen Luftabwehr. So habe die ukrainische Waffe in der Nähe der Ortschaft Platonowka ein Jagdflugzeug vom Typ MiG-29 verloren. In den letzten 24 Stunden seien zudem zwei Storm-Shadow-Marschflugkörper und zehn HIMARS-Geschosse abgefangen worden. Die russische Luftabwehr habe darüber hinaus acht ukrainische Drohnen zerstört.

    Nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Moskau habe die Ukraine seit dem Beginn der Sonderoperation am 24. Februar 2022 insgesamt 441 Flugzeuge, 238 Hubschrauber, 4.563 Drohnen, 424 Flugabwehrraketenkomplexe, 9.841 Panzer und andere Panzerfahrzeuge, 1.122 Mehrfachraketenwerfer sowie 5.071 Geschütze und Mörser verloren.

  • 15:07 Uhr

    Russisches Militär zerstört zwei ukrainische Panzerhaubitzen vom Typ Gwosdika


    Alexander Sawtschuk, Leiter des Pressezentrums der russischen Truppengruppierung Mitte, hat den Verlauf der russischen militärischen Sonderoperation in der Ukraine beschrieben. Er sagte, das russische Militär hätte zwei Panzerhaubitzen vom Typ Gwosdika, vier Munitionsversorgungsfahrzeuge, eine Haubitze vom Typ D-30 und zwei Stellungen von 120-mm-Mörsern der ukrainischen Streitkräfte im Frontabschnitt Krasny Liman zerstört.

    Russische Flugabwehrkanoniere setzten das Boden-Luft-Raketensystem Buk-M2 ein, um eine HIMARS-Rakete zu zerstören. Darüber hinaus vereitelten Artillerie- und Heeresfliegerangriffe der russischen Truppengruppe in den Gebieten von Torskoje und Serebrjanskoje Lesnitschestwo Versuche ukrainischer Angriffsgruppen, gepanzerte Kampffahrzeuge der 81. Luftmobilbrigade und der 67. mechanisierten Brigade der ukrainischen Truppen anzugreifen.

  • 14:38 Uhr

    Scholz will "demnächst" wieder mit Putin reden – Kreml: Bislang kein Telefonat geplant


    Bundeskanzler Olaf Scholz hat ein Telefonat mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin angekündigt. Er habe auch nach dem Beginn des Ukraine-Kriegs mit Putin gesprochen, sagte der SPD-Politiker am Samstag auf dem 38. Evangelischen Kirchentag in Nürnberg.

    "Ich habe vor, das demnächst wieder zu tun."

    Voraussetzung für einen "fairen Frieden" sei, dass Russland seine Truppen zurückziehe, sagte Scholz weiter. Vereinzelt kamen im Publikum "Verhandeln"-Rufe auf. Der Bundeskanzler antwortete darauf:

    "Verhandeln ist okay. Die Frage ist: Wer verhandelt mit wem und worüber."

    Kremlsprecher Dmitri Peskow teilte auf Anfrage mit, dass der russische Präsident bislang nicht vorhabe, mit dem deutschen Bundeskanzler zu telefonieren. Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, fragte in diesem Zusammenhang auf Telegram, ob Scholz nun etwa bereit sei, zu sagen, wer die Nord-Stream-Pipelines gesprengt habe.

  • 14:15 Uhr

    Russlands Vize-Verteidigungsminister Pankow: Mehr als 40 Freiwilligen-Verbände erfüllen Aufgaben an Kontaktlinie


    Der stellvertretende Verteidigungsminister Russlands, Nikolai Pankow, hat auf einer Beratung in Moskau die jüngsten Statistiken zur Rekrutierung von sogenannten Vertragsmilitärs bekannt gegeben. Ihm zufolge hätten seit Anfang Juni mehr als 13.500 Menschen den Vertrag über den Dienst in den russischen Streitkräften unterzeichnet. Dies sei das 2,1-Fache des Vormonatswerts und das 3,1-Fache der Zahlen aus April 2023. Der Vize-Verteidigungsminister lobte dabei die Rekrutierungsergebnisse in Moskau und Sewastopol, den Teilrepubliken Altai, Baschkortostan, Inguschetien, Karatschai-Tscherkessien, Komi, Tuwa und Tschetschenien, in den Gebieten Astrachan, Woronesch, Murmansk, Pensa, Sachalin, Tjumen und im Jüdischen Autonomen Gebiet.

    Pankow erklärte ferner, dass es einen deutlichen Zuwachs an Bürgern geben, die ihre Heimat in Freiwilligen-Verbänden schützen möchten. Momentan gebe es mehr als 40 solcher Gruppen. Sie erfüllten erfolgreich Aufgaben an der Kontaktlinie. In diesem Zusammenhang machte der hochrangige Militär auf einen hohen Grad der Konsolidierung der russischen Gesellschaft aufmerksam.

  • 13:35 Uhr

    Russlands Ex-Präsident Medwedew reagiert auf Rheinmetall-Pläne zur Panzer-Fabrik in Ukraine

    Der Vize-Leiter des russischen Sicherheitsrates, Dmitri Medwedew, hat auf Twitter auf die Pläne des deutschen Rüstungskonzerns Rheinmetall reagiert, eine Panzer-Produktion in der Ukraine in Gang zu setzen. Der Politiker bat, Russland die genauen Koordinaten des künftigen Werks zuzuschicken.

    Zuvor hatte der Chef des deutschen Konzerns, Armin Papperger, in einem Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) die Pläne seines Unternehmens bekräftigt, in der Ukraine einen Rüstungsbetrieb zur Produktion des Panzers vom Typ Panther zu schaffen. Auf die Frage, ob eine Panzerfabrik in der Ukraine ein Ziel für russische Raketen sein könnte, sagte Papperger, dass es auch heute Rüstungsfabriken in der Ukraine gebe. Solche Einrichtungen ließen sich schützen.

  • 13:13 Uhr

    Vertreter der russischen Behörden von Saporoschje beziffert ukrainische Truppengruppierung in Region auf 100.000 Soldaten


    Der Chef der Bewegung "Wir sind zusammen mit Russland", Wladimir Rogow, hat in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur RIA Nowosti die ukrainische Truppengruppierung am Frontabschnitt im Gebiet Saporoschje auf über 100.000 Armeeangehörige geschätzt.

    "Momentan wird bei der Offensive eine relativ kleine Gruppe eingesetzt."

    Rogow zufolge befänden sich die ukrainischen Hauptreserven bislang abseits der Kontaktlinie. Die Truppen seien über den von der Ukraine kontrollierten Teil des Gebiets Saporoschje und im Gebiet Dnjepropetrowsk verstreut.

  • Durch die Sperrung von RT zielt die EU darauf ab, eine kritische, nicht prowestliche Informationsquelle zum Schweigen zu bringen. Und dies nicht nur hinsichtlich des Ukraine-Kriegs. Der Zugang zu unserer Website wurde erschwert, mehrere Soziale Medien haben unsere Accounts blockiert. Es liegt nun an uns allen, ob in Deutschland und der EU auch weiterhin ein Journalismus jenseits der Mainstream-Narrative betrieben werden kann. Wenn Euch unsere Artikel gefallen, teilt sie gern überall, wo Ihr aktiv seid. Das ist möglich, denn die EU hat weder unsere Arbeit noch das Lesen und Teilen unserer Artikel verboten. Anmerkung: Allerdings hat Österreich mit der Änderung des "Audiovisuellen Mediendienst-Gesetzes" am 13. April diesbezüglich eine Änderung eingeführt, die möglicherweise auch Privatpersonen betrifft. Deswegen bitten wir Euch bis zur Klärung des Sachverhalts, in Österreich unsere Beiträge vorerst nicht in den Sozialen Medien zu teilen.

    Am 24. Februar kündigte der russische Präsident Wladimir Putin an, gemeinsam mit den Streitkräften der Donbass-Republiken eine militärische Spezialoperation in der Ukraine zu starten, um die dortige Bevölkerung zu schützen. Die Ziele seien, die Ukraine zu entmilitarisieren und zu entnazifizieren. Die Ukraine spricht von einem Angriffskrieg. Noch am selben Tag rief der ukrainische Präsident Wladimir Selenskij im ganzen Land den Kriegszustand aus.
    Der Westen verurteilte den Angriff, reagierte mit neuen Waffenlieferungen, versprach Hilfe beim Wiederaufbau und verhängte Sanktionen gegen Russland.
    Auf beiden Seiten des Konfliktes sind zahlreiche Soldaten und Zivilisten getötet worden. Moskau und Kiew haben sich gegenseitig verschiedener Kriegsverbrechen beschuldigt. Tausende Ukrainer sind mittlerweile aus ihrer Heimat geflohen.

    Info: https://freeassange.rtde.life/international/131481-liveticker-ukraine-krieg


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    10.06.2023

    Deutschland hat bekommen, was es wollte – aber Baerbock weiß: "Russland ist schuld!"


    freeassange.rtde.life, 10 Juni 2023 11:41 Uhr, Von Sergei Sawtschuk

    Deutschland hat erreicht, was es wollte: Es ist nicht mehr abhängig vom russischen Erdgas. Dass damit auch ein Rückschritt auf dem Weg zum ökologischen Energiehaushalt einhergeht, von energiekostenbedingter Rezession und Deindustrialisierung ganz zu schweigen, ruft die üblichen Welterklärer auf den Plan. Und die kennen nur eine "Wahrheit": Russland ist schuld!


    Quelle: www.globallookpress.com © Chris Emil Janßen/Keystone Press Agency



    Kennt sich aus: Annalena Baerbock im Juni 2023 in Wismar


    Die Schizophrenie der westlichen Länder erreicht immer neue, unmöglich geglaubte Höhen. Je weiter sich die Finanz- und Energiekrise ausbreitet, desto schriller und lauter werden die gegenseitigen Vorwürfe. Vor allem Deutschland wird in letzter Zeit immer häufiger vorgeworfen, auf halbem Weg zu einer kohlenstofffreien Energiewirtschaft stecken geblieben zu sein.


    Tatsächlich ist der Verbrauch fossiler Energieträger in Deutschland zuletzt sogar gestiegen. Im ersten Quartal dieses Jahres entfielen 30 Prozent der Energieerzeugung des Landes auf Kohle und insgesamt 51,4 Prozent auf konventionelle Energieträger, einschließlich der Kernenergie, die die Deutschen nicht als umweltfreundlich ansehen und aus der sie so gut wie ausgestiegen sind.


    Baerbock, ein Dinosaurier und fremde Federn





    Meinung

    Baerbock, ein Dinosaurier und fremde Federn






    Allerdings müssen die deutschen Bemühungen um erneuerbare Energien schon gewürdigt werden: Der Anteil der Windenergie am Energiemix des Landes liegt seit kurzem über dem der Kohle. Doch das bewahrt Berlin nicht vor der Kritik, dass es nicht genug für den grünen Übergang tue und nicht schnell genug handele.


    Die deutsche Außenministerin hat auf diese Kritik bereits mit einer fantastischen Verdrehung der Logik reagiert: Sie gibt Russland und seinem Pipeline-Gas, das Deutschland seit Jahrzehnten zu sehr günstigen Preisen bezieht, die Schuld. Annalena Baerbock ist überzeugt, dass dieser Faktor die Umstellung der deutschen Wirtschaft auf einen grünen Standard blockiert hat. Und jetzt, wo das aggressive russische Gas nicht mehr auf deutsches Territorium fließt, kann sich Berlin darauf konzentrieren, seine Verpflichtungen zur Umstellung der Stromerzeugung zu erfüllen.

    Falls es jemand vergessen haben sollte: Berlin droht damit, bis 2030 mindestens 80 Prozent seines Stroms aus erneuerbaren Quellen zu erzeugen. Doch wie sich herausstellt, hat Russland es auch hier geschafft, den Umstellungsprozess zu sabotieren.


    Ein normaler Mensch mit mindestens Abitur, der so einen Unsinn liest, hat wahrscheinlich nur einen Wunsch: der Chefin des deutschen Außenministeriums ein Buch über Logik zu schenken. Frau Baerbock ist jedoch das Muster einer Vertreterin moderner europäischer Eliten, was Niveau und Qualität angeht. Derjenigen Eliten, die die Alte Welt ihres früheren Status als souveräner und gewichtiger Akteur auf der internationalen politischen Bühne beraubt und sie zu einer gehorsamen Dienerin des Willens gewisser Überseeländer reduziert haben.


    Baerbock: "Putin muss seinen Kurs um 360 Grad ändern "



    Baerbock: "Putin muss seinen Kurs um 360 Grad ändern "






    Annalena Baerbock war schon früher Gegenstand von Witzen, die sie selbst produzierte. So brachte sie im Februar dieses Jahres die halbe Welt mit einer Rede zum Lachen, in der sie erklärte, Russland müsse eine Politikwende um 360 Grad vollziehen. Damals lachten alle darüber, dass Annalena in der Schule keine Geometrie gelernt habe, aber dann stellte sich heraus, dass diese Frau auch Probleme mit dem gesunden Menschenverstand hat.


    Spaß beiseite, solche schizophrenen Äußerungen sind vergleichbar mit der Arbeit eines Orchesters, das einen Bravour-Marsch auf dem Deck eines rasant sinkenden Ozeandampfers spielt. Die Bürger der Europäischen Union, unabhängig von der Farbe ihres Passes, werden nach wie vor darauf getrimmt, dass Russen immer an allen Schwierigkeiten und Problemen der Europäer schuld sind. Selbst dann, wenn sie bislang mit ihrer billigen Energie die Wirtschaft eines Landes gestützt haben und die Importe nun nur aufgrund der Bemühungen des Käufers selbst gestoppt wurden.


    In zahlreichen Publikationen wurde bereits wiederholt geschrieben, dass die Länder der Eurozone – die freiwillig die Öl- und Gaspipelines aus dem Osten gekappt haben–, riesige ungeplante Verluste erleiden. Denn jetzt müssen sie die ausgefallenen Mengen in aller Welt aufkaufen. Die Amerikaner und Norweger, die vor einem Jahr die russische Nische besetzt haben, denken nicht daran, ihr Gas und Öl zu Preisen zu verkaufen, die das Wirtschaftswachstum in der EU ankurbeln würden.


    Erinnern wir uns an die grundlegenden Fakten.


    Deutschland: Jeder Zweite fürchtet, seinen Lebensstandard nicht halten zu können





    Deutschland: Jeder Zweite fürchtet, seinen Lebensstandard nicht halten zu können






    Vor der Verhängung der Sanktionen war Deutschland das reichste Land in der EU und der wichtigste Geber für den EU-Haushalt, der jährlich mehr als 20 Milliarden Euro in die gemeinsamen Kassen einzahlte. Weitere Geberländer waren Frankreich, die Niederlande, Schweden, Italien, Österreich, Dänemark und Finnland. Alle anderen Länder waren Nehmerländer und erhielten das Geld in Form von praktisch nicht rückzahlbaren Krediten.


    Zu Beginn des Sommers 2023 weist die einst mächtigste Volkswirtschaft Deutschlands nach Ansicht deutscher Ökonomen die schlechteste Leistung und Dynamik seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs auf. Insbesondere im ersten Quartal dieses Jahres schrumpfte das deutsche Finanzsystem um 0,3 Prozent und weist weiterhin negative Werte auf. Was de facto einer Rezession gleichkommt. Hinzuzufügen ist, dass dieser Prozess kein einmaliger ist, sondern mit zaghaften Anläufen seit 2019, also seit Beginn der Pandemie, andauert.


    Das Coronavirus war dem Team von Scholz nicht genug, und daher trafen sie die verhängnisvolle Entscheidung, sich in der Finanz- und Energiewirtschaft selbst ins Bein zu schießen.


    Was den Erzeugungssektor im Einzelnen betrifft, brauchen wir nichts zu erfinden, sondern können uns auf die offiziellen Daten des Statistischen Bundesamtes berufen.


    Hier erfahren wir, dass die Volkswirtschaft um 0,3 Prozent geschrumpft ist und dass die Inflation in Deutschland im Mai auf 6,3 Prozent sank – gegenüber 7,4 Prozent im April sowie März, und 8,7 Prozent im Februar.


    Seymour Hersh zu Nord Stream: "Scholz spielte das Spiel mit – und hält seitdem dicht"





    Seymour Hersh zu Nord Stream: "Scholz spielte das Spiel mit – und hält seitdem dicht"





    Mit Hinblick auf die Stromerzeugung ist leicht zu erkennen, warum Baerbocks Kollegen nicht in der Lage sind, die Blume des nachhaltigen Wirtschaftens zum Erblühen zu bringen. Die Stromerzeugung aus Kernenergie sank im Vergleich zu 2020 um 40 Terawattstunden, die aus Erdgas um weitere zehn Terawattstunden. Bei einer Gesamterzeugung von 571 Terawattstunden ist es nicht schwer, die Höhe des Rückgangs zu berechnen. Auch wenn man bedenkt, dass die Gesamterzeugung um fast zwei Prozent gesunken ist, was ein untrügliches Zeichen für eine echte Stagnation ist.


    Auf der Habenseite stehen die berüchtigten erneuerbaren Energien, die im gleichen Zeitraum nur um drei Terawattstunden zunahmen, während der Verbrauch von Kohle, sowohl Steinkohle als auch Braunkohle, in die Höhe schoss. Die Stromerzeugung aus diesen festen Brennstoffen stieg sogar um 22 Terawattstunden, was der triumphalen Rhetorik aus Berlin und Brüssel nicht ganz entspricht.


    Natürlich hat die deutsche Regierung viel detailliertere Zahlen. Und um das ganze unschöne Bild irgendwie zu verwischen, wird Annalena ins Rampenlicht gezerrt und gibt kurzerhand noch einen Schwindel von sich. Alle lachen und sind von den echten Problemen ihres Landes abgelenkt.

    Übersetzung aus dem Russischen. Der Artikel ist zuerst am 9. Juni 2023 auf ria.ru erschienen.


    Mehr zum Thema - Wie der Westen die Beziehungen zu Russland zerstörte – und sich von günstiger Energie abschnitt


    RT DE bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Gastbeiträge und Meinungsartikel müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

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    Info: https://freeassange.rtde.life/meinung/172275-deutschland-hat-bekommen-was-es


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    10.06.2023

    Klima-Fälschungen: Warum das Protokoll von Montreal niemals das Ozonloch schließen wird

    freeassange.rtde.life, 10 Juni 2023 13:13 Uhr, Von Dora Werner

    Grüne Energie und die Verbote der Protokolle von Montreal 1987 und Kyoto 1997 fußen auf unbewiesenen, fiktiven Hypothesen, erläutern russische Wissenschaftler. Ziel dessen sei lediglich, die Wirtschaft und deren Märkte umzuverteilen. Daher habe all das keinerlei Einfluss auf das Ozonloch oder den Klimawandel.


    Quelle: Legion-media.ru © Abaca Press


    (Symbolbild)


    Vor einigen Jahren stellte Dr. Steven Koonin, der unter der Regierung von Barack Obama als leitender Wissenschaftler im US-Energieministerium tätig war, eine sensationelle Behauptung auf: Die Öffentlichkeit werde darüber getäuscht, was die Wissenschaft tatsächlich über den derzeit verlaufenden Klimawandel aussagt. Wichtige Fakten würden in der Medienberichterstattung und sogar in Zusammenfassungen für Entscheidungsträger fehlen, verkündete er.

    Von welchen Fakten ist die Rede? Koonin zufolge liefern die maßgeblichen Bewertungen des Internationalen Ausschusses für Klimaänderungen der Vereinten Nationen (IPCC), jenes zentralen wissenschaftlichen Gremiums, das sich der weltweiten Klimaforschung widmen sollte, keine wissenschaftliche Grundlage für die weit verbreitete Vorstellung, dass der Klimawandel zu einer globalen Katastrophe führen werde.

    In seinem Buch "Unsettled: What Climate Science Tells Us, What It Doesn't, And Why It Matters" schreibt Koonin:

    "Sowohl die wissenschaftliche Literatur als auch die Regierungsberichte, die den Stand der Klimawissenschaft zusammenfassen und bewerten, machen deutlich, dass Hitzewellen in den USA heute nicht häufiger vorkommen als im Jahr 1900 und dass die Höchsttemperaturen in den USA in den letzten 50 Jahren nicht gestiegen sind.
    ...
    Der Mensch hatte im letzten Jahrhundert keinen erkennbaren Einfluss auf Hurrikane, das Grönlandeis schrumpft nicht schneller als vor achtzig Jahren, und die wirtschaftlichen Auswirkungen des vom Menschen verursachten Klimawandels werden zumindest für den Rest dieses Jahrhunderts minimal sein."

    Russische Akademie der Wissenschaften: Globale Erwärmung nicht vom Menschen verursacht




    Russische Akademie der Wissenschaften: Globale Erwärmung nicht vom Menschen verursacht






    In einem Interview mit Jonathan Tennenbaum, dem Wissenschaftsredakteur der Zeitung  Asia Times,  sagte Koonin im Jahr 2021: Die Erwärmungsrate von den Jahren 1910 bis 1940 war in etwa dieselbe wie von den Jahren 1980 bis 2000 – mit viel geringerem menschlichem Einfluss im frühen 20. Jahrhundert. Das bedeutet, dass das Klimasystem interne Regeln hat, sagte der Wissenschaftler und fügte noch hinzu:

    "Wir kennen einfache Phänomene. Wir kennen zum Beispiel den so genannten El Niño, der etwa alle fünf Jahre auftritt, und wir verstehen das Phänomen in etwa. Aber es gibt eindeutig längerfristige und länger anhaltende Phänomene, wie die Atlantische Dekadische Oszillation, die Nordatlantische Oszillation, die Pazifische Dekadische Oszillation und so weiter. Sie sind sicherlich in den beobachteten Temperaturaufzeichnungen vorhanden, aber sie sind schwer zu berechnen.

    Wenn man ein Klimamodell erstellt, stellt sich die Frage, ob diese Phänomene in der richtigen Stärke, Zeit und Häufigkeit berücksichtigt werden. Wenn nicht, gibt es keinen Grund zu erwarten, dass dieses Modell die realen Temperaturen in diesem Bereich widerspiegelt."

    Keines der Klimamodelle, die nun von den Befürwortern grüner Energie und jeglicher Klimamaßnahmen verwendet werden, sei genau – und dürfe daher nicht die Grundlage für politische Entscheidungen sein, schlussfolgerte Tennenbaum nach dem Gespräch mit dem ehemaligen Wissenschaftler im US-Energieministerium.

    Darf zwar nicht – aber es dient dennoch als Grundlage für politische Entscheidungen, die sich negativ auf Hunderte von Ländern auswirken und Millionen von Menschen in eine Krise stürzen. Wie konnte das passieren?


    Im Bild: Fridays For Future - Jugendliche halten Transparente während einer Demo gegen den Klimawandel in Nizza, Frankreich.Abaca Press / Legion-media.ru


    Alles begann vor mehr als 30 Jahren mit einer Hypothese der nordamerikanischen Chemiker Mario Molina aus Mexiko und Sherwood Rowland aus den USA, die behaupteten, dass die zur Herstellung von Geräten verwendeten Fluorkohlenwasserstoffe (Freon) zur Zerstörung der Ozonschicht der Erde beitragen. Dafür erhielten sie, zusammen mit dem niederländischen Atmosphären-Chemiker Paul J. Crutzen im Jahre 1995 den Chemie-Nobelpreis.

    Nochmals: Dies war und ist nur eine Hypothese. Sowohl die Ursachen des Klimawandels als auch die Frage, ob und – wenn ja – wie man ihn beheben kann, sind immer noch Hypothesen, die niemals wissenschaftlich bestätigt wurden, betont der Wissenschaftler Igor Masurin in seinem Beitrag für die Nachrichtenagentur REGNUM. "Es gibt immer noch keine experimentelle Bestätigung dieser Hypothese – aber eine zuverlässige Widerlegung in Form eines rekordverdächtigen Ozonlochs über der Antarktis und eines ähnlichen Lochs über der Arktis", sagt er und fügt ergänzend hinzu:

    "Außerdem wird seit fast 30 Jahren angenommen, dass die Hauptschuld an der globalen Erwärmung bei den anthropogenen, also vom Menschen verursachten, Emissionen von Treibhausgasen liegt. In den Temperaturberechnungen der Klimawissenschaftler werden jedoch andere natürliche Quellen thermischer Energie nicht berücksichtigt. In ihren Berechnungsmodellen betrachten die Klimaforscher die Erde als einen steinernen Asteroiden, der keine eigenen Energiequellen besitzt, obwohl Geologen und Seismologen seit 40 Jahren das Gegenteil behaupten. Nach deren Einschätzung ist die Erde kein versteinerter Asteroid, sondern ein vielschichtiger Planet mit festen und flüssigen Phasen von hoher Dichte in ihrem Inneren. Sie stößt ständig Treibhausgase und brennbare Gase in die Atmosphäre aus, und zwar in Mengen, die weit über denen liegen, die der Mensch produziert."

    Seit der Sowjetzeit werden in Russland Forschungen durchgeführt, die belegen, dass der Mensch an den Klimaveränderungen keinerlei Schuld trägt. Nur schenkte diesen Studien – seit die Energieministerien von liberal gesinnten US-amerikanischen Hochschulabsolventen geleitet wurden – niemand mehr ernsthafte Beachtung – es war fortan wichtiger, "freiwillig" den Protokollen von Montreal und Kyoto beizutreten, auch weil die Integration mit dem Westen dies erforderte.


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    Die unabhängigen Forschungen wurden trotzdem fortgesetzt. In den letzten Jahren wurde beispielsweise festgestellt, dass die Größe des Ozonlochs mit den tektonischen Prozessen der Erde zusammenhängt. Einfach ausgedrückt: In Jahren mit vielen Erdbeben in der Arktis und Antarktis vergrößert sich das Ozonloch um ein Vielfaches; in Jahren mit weniger als fünf Erdbeben "schrumpft" es. Alexei Jurjewitsch Retejum, Professor der Geografie an der Moskauer Staatlichen Lomonossow-Universität (MGU) erklärt in einem Artikel für die Agentur REGNUM:

    "Eine objektive Analyse der Geosphären innerhalb der Antarktis zeigt, dass sich große atmosphärische Ozonanomalien in Übereinstimmung mit einem pulsierenden Modus der Planetenfunktion entwickeln. Die Phase ihres häufigen Auftretens fällt in eine Zeit globaler tektonischer Aktivierung."

    Deshalb gäbe es auch keine Chancen, dass Maßnahmen zur Erfüllung des Montrealer Protokolls etwas bewirken – egal wie sehr sich die Menschheit sich auch anstrengt.

    Wie bei der Freon-Hypothese zum Ozonabbau sind Verbote und Beschränkungen der Emission von Kohlendioxid und anderen Treibhausgasen ebenso unbegründet, erläutert der Wissenschaftler Igor Michailowitsch Masurin von der Nationales Forschungsuniversität Moskauer Energetisches Institut (NIU MEI):

    "Der Wasserdampf, der Hauptverantwortliche für den Treibhauseffekt, wird da absichtlich vergessen, obwohl er mindestens 78 Prozent dieses Effekts ausmacht. Andernfalls müssten die europäischen Kernkraftwerke Geldstrafen für die Freisetzung von Wasserdampf aus ihren Kühlbecken zahlen. Kohlendioxid als Verursacher der globalen Erwärmung war geradezu ideal, und ihm wurde eine Lebensdauer von 100 bis 1000 Jahren 'zugewiesen'."

    Die Ergebnisse von Vorgängen des Wärme- und Stoffaustauschs, die seit Jahrzehnten Grundlage politischer Entscheidungen sind, können grundsätzlich nicht verlässlich sein, da es sich hier lediglich um Hypothesen in Bezug auf ein offenes thermodynamisches System, nämlich die Erde, handelt, so der Wissenschaftler. Die Ungenauigkeit solcher Berechnungen liege bei 200 bis 400 Prozent und könne in keiner Weise als "absolute Wahrheit" akzeptiert werden.


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    Aber trotzdem gibt es da noch eine "Kleinigkeit", wie sowohl der US-Amerikaner Koonin als auch die russischen Wissenschaftler feststellten: Die Ergebnisse der Vorausberechnungen für die Klimamodelle werden vom dem UN-Ausschuss für Klimaänderungen (IPCC) in dessen Berichten in Gestalt mehrerer errechneter Szenarien, oder genauer gesagt Versionen, dargestellt. "In den kurzen Zusammenfassungen der IPCC-Berichte werden den politischen Entscheidungsträgern jedoch die unwahrscheinlichsten Szenarien eines Klimawandels als unvermeidliche und praktisch unaufhaltsame globale Bedrohung präsentiert", sagt Igor Masurin. Er ist der Ansicht, dass der IPCC für diese "eklatante Desinformation der Weltgemeinschaft" zusammen mit den politischen Auftraggebern dieser Panik auslösenden Zusammenfassungen die volle Verantwortung tragen müsse – bis hin zur strafrechtlichen –, "weil die Fantasien dieser Klimawissenschaftler sehr reale wirtschaftliche Schäden verursachen".

    Bei der Einführung von Verboten im Namen einer angeblich "grünen Energie" geht es eher um eine neue Umverteilung der nationalen Märkte, meint Igor Masurin. In einem Beitrag für REGNUM betont er:

    "Ohne die wissenschaftlichen Fälschungen der 1980er und 1990er Jahre, auf deren Grundlage die Protokolle von Montreal und Kyoto verabschiedet wurden, wäre eine solche Entwicklung schlichtweg nicht möglich gewesen. Eine solch massive Verzerrung des wissenschaftlichen Bildes von Naturphänomenen wurde durch das Monopol des Internationalen Ausschusses für Klimaänderungen der Vereinten Nationen auf die Methoden zur Berechnung der Wärme- und Massenbilanzen in der Erdatmosphäre ermöglicht, auf denen die Prognosen zum Klimawandel basieren. Der IPCC ist übrigens nicht für die Gültigkeit der zugrundeliegenden physikalischen Modelle verantwortlich, weil er angeblich keine eigenen Forschungen durchführt, sondern in seinen Berichten nur Veröffentlichungen aus wissenschaftlichen Fachzeitschriften mit Peer-Review zusammenfasst."

    Die Verpflichtungen von Ländern der ganzen Welt im Rahmen der internationalen Klimaabkommen beruhen also auf Hypothesen und gezielten wissenschaftlichen Fälschungen. Deshalb ist es an der Zeit, sie zu überprüfen und nicht krampfhaft daran festzuhalten. Professor Igor Masurin bringt es auf den Punkt:

    "Die Welt muss sich von der 'grünen' Besessenheit befreien, alle internationalen Klimavereinbarungen als rechtlich nichtig gemäß Artikel 48 des Wiener Übereinkommens über internationale Verträge von dem Jahr 1969 anerkennen, wie es die USA mit ihrem Rückzug aus dem Kyoto-Protokoll getan haben, und sich endlich mit den tatsächlichen Umweltproblemen befassen."

    Mehr zum Thema - Ozonloch über der Antarktis erreicht maximale Ausdehnung


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    10.06.2023

    Die Welt als Freiluftgefängnis

    aus e-mail von <miloszmatuschek@substack.com> 10. Juni 2023, 10:36 Uhr


    View this post on the web at https://www.freischwebende-intelligenz.org/p/die-welt-als-freiluftgefangnis


    Es ist nicht neu, dass wir in Zeiten leben, in denen zwischen einer Verschwörungstheorie und der Realität kaum noch mehr als sechs Monate stehen. Neu ist, dass sich dystopische Strukturen nunmehr in Echtzeit aufbauen können, für alle sichtbar, und trotzdem so getan wird, als sei das alles noch in weiter Ferne oder vielleicht gar nicht so schlimm, womöglich sogar „alternativlos“. Anfang Juni verkündete die WHO, dass sie den von der EU eingeführten Gesundheitspass nun global einführen will. Mit diesem Mechanismus kann bei der nächsten Pandemie der gesamte globale Reiseverkehr zum Stillstand gebracht werden und zu einem Privilegiensystem für Geimpfte umgebaut werden. Genau heißt es in der Mitteilung [ https://www.who.int/news/item/05-06-2023-the-european-commission-and-who-launch-landmark-digital-health-initiative-to-strengthen-global-health-security ] der WHO:


    „Im Juni 2023 wird die WHO das System der digitalen COVID-19-Zertifizierung der Europäischen Union (EU) aufgreifen, um ein globales System zu schaffen, das dazu beitragen wird, die globale Mobilität zu erleichtern und die Bürger auf der ganzen Welt vor aktuellen und künftigen Gesundheitsbedrohungen, einschließlich Pandemien, zu schützen. Dies ist der erste Baustein des WHO Global Digital Health Certification Network (GDHCN; Globales Digitales Gesundheitszertifizierungsnetzwerk),das eine breite Palette digitaler Produkte für eine bessere Gesundheit für alle entwickeln wird.“


    Zugleich greift die WHO mit einem neuen Pandemiepakt nach mehr Macht. Der Generalsekretär der WHO soll in Zukunft Pandemie ausrufen können, weltweit. Nach dem Plan der Gates-Initiative CEPI sollen geeignete Impfstoffe in Zukunft schon in 100 Tagen  [ https://www.n-tv.de/panorama/Neue-Impfstoffe-in-nur-100-Tagen-article22413546.html ]bereit stehen. Zudem wolle man Desinformation wirksamer bekämpfen. Die Bekämpfung der „Desinformation“ sah in der letzten Pandemie so aus, dass einfache Twittermitarbeiter kritische Wissenschaftler und Ärzte von Elite-Universitäten stummstellen konnten. Wie öffentlicher Konformitätsdruck mit volksverhetzerischen Mitteln aussieht, ist ebenfalls bekannt.


    Im Kern ist es immer das gleiche Muster: Kontrollmaßnahmen werden zuerst planerisch vorbereitet, die Infrastruktur vorentwickelt, dann mit Ausrufung einer Krise eingesetzt, natürlich erst mal nur vorübergehend und aus einer aktuellen Notlage heraus. Wenn sich alle daran gewöhnt haben, wird das Ganze zementiert und legalisiert, nunmehr dauerhaft und global. Die Initiativen zu Identitätslösungen gibt es schon seit Jahren in den Schubladen von großen Tech-Unternehmen, wie Microsoft oder der Rockefeller-Stiftung (siehe dazu auch die Artikel von Norbert Häring [ https://norberthaering.de/news/who-eu-covid-certificate/ ]).


    Was gerade passiert ist nicht weniger als eine Machtergreifung. Die EU ist Steigbügelhalter und Experimentierfeld für die Welt. Jetzt braucht es nur noch die Annahme des “Pandemiepakts” der WHO und dann können grundrechtsrelevante Maßnahmen von einer demokratisch nicht legitimierten Gesundheitsbürokratie quasi per Knopfdruck verhängt werden.


    Aktion: Für jedes Jahresabo von 77 Euro gibt es nun kostenlos das signierte Buch “Kryptopia” dazu (solange der Vorrat reicht). Ich kann Ihnen auch manuell ein Abo per Überweisung oder PayPal einrichten. Schreiben Sie mir: kontakt@idw-europe.org


    Denken Sie sich digitale Zentralbankwährungen dazu, die kurz vor der Finalisierung stehen; denken Sie sich ein CO2-Zertifikat dazu; denken Sie sich ein Punktesystem dazu, das sozial erwünschtes Verhalten belohnt und sozial schädliches Verhalten sanktioniert; denken Sie sich ein globales Tracking- und Identifikations-System hinzu, sowie eine Zusammenführung von persönlichen Daten in ungeahntem Ausmaß: Reisepass, Impfstatus, Zahlungsströme, Social-Media-Profile, alles. Hier entsteht gerade das, was man als „schlüsselfertigen Totalitarismus“ bezeichnet: staatliche und quasi-staatliche Akteure bauen mit Unterstützung von Stiftungen, Think Tanks und Philanthrokapitalisten ein umfassendes Bevölkerungs-Managementsystem auf, welches nach Bedarf nur noch „scharf gestellt“ zu werden braucht. Sitzt die Menschheit erst mal in der Falle, wird der Weg zurück in die Freiheit eine unendliche Odyssee werden.


    Es braucht nicht viel für eine faktische Weltherrschaft. „Souverän ist, wer über den Ausnahmezustand entscheidet.“ Dieser Satz des NS-Juristen Carl Schmitt ist auch der Hebel der aktuellen Machtergreifung. Ziel ist immer die totale Kontrolle. Das Thema der Wahl ist der Gesundheitsschutz. Die Mittel sind Angstmache, Ausgrenzung und Spaltung. Das Ergebnis wird eine Pseudofürsorge-Diktatur sein.


    Die Welt muss jetzt gegen den globalen Gesundheitstotalitarismus aufstehen. Es ist eine historische Aufgabe, eine Herkules-Aufgabe, eine Marathon-Aufgabe. Es geht hier um eine neue Form der Machtergreifung, mit welcher die Weltbevölkerung noch nie konfrontiert war. Die Freiheit der Welt ist in Zukunft eine Sache von WHO-Willkür. Sie ist dann faktisch die letzte Instanz, die über Gesundheitsfragen entscheidet, die Staatenebene ist nur noch ausführende Gewalt. Diese Machtergreifung muss am Widerstand der Bevölkerung scheitern.

    Sonst kommt die Pandemie-Diktatur in Dauerschleife.


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    10.06.2023

    Nachrichten von Pressenza: Das historische Schema der Migration

    aus e-mail von  <newsletter@pressenza.com>, 10. Juni 2023, 7:15 Uhr


    Nachrichten von Pressenza - 10.06.2023


    Das historische Schema der Migration


    Wir leben in einer Zeit der Massenmigration. Laut der United Nations‘ World Migrations Report 2022, existierten im Jahr 2020 circa 281 Mio. internationale Migrant*innen. Dies entspricht in etwa 3,6 % der globalen Population. Weit mehr als das doppelte der Anzahl&hellip;

    http://www.pressenza.net/?l=de&track=2023/06/das-historische-schema-der-migration/


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    &#8222;Air Defender 23&#8220; erhöht Gefahr eines Krieges zwischen NATO und Russland


    Vom 12. bis zum 23. Juni wird über dem Himmel Deutschlands ein gigantisches Manöver von NATO-Luftstreitkräften stattfinden, bei dem bis zu 10.000 Soldaten aus 25 Nationen mit 250 Flugzeugen gemeinsame Luftoperationen trainieren sollen. Friedensorganisationen warnen jedoch, dass eine weitere Militarisierung&hellip;

    http://www.pressenza.net/?l=de&track=2023/06/air-defender-23-erhoeht-gefahr-eines-krieges-zwischen-nato-und-russland/


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    Internationaler Gipfel für Frieden in der Ukraine findet statt – trotz Absage des ÖGB


    Stellungnahme von Gerhard Kofler (AbFaNG) und Reiner Braun (IPB) zur Absage des ÖGB Räumlichkeiten für die Friedenkonferenz in Wien am 10. und 11.06.2023 zur Verfügung zustellen. Mit Enttäuschung, Frustration und Unverständnis haben wir die Absage des ÖGB, zwei Tage vor&hellip;

    http://www.pressenza.net/?l=de&track=2023/06/internationaler-gipfel-fuer-frieden-in-der-ukraine-findet-statt-trotz-absage-des-oegb/


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    Pressenza - ist eine internationale Presseagentur, die sich auf Nachrichten zu den Themen Frieden und Gewaltfreiheit spezialisiert hat, mit Vertretungen in Athen, Barcelona, Berlin, Bordeaux, Brüssel, Budapest, Buenos Aires, Florenz, Lima, London, Madrid, Mailand, Manila, Mar del Plata, Montreal, München, New York, Paris, Porto, Quito, Rom, Santiago, Sao Paulo, Turin, Valencia und Wien.


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    10.06.2023

    Neue Ethikregeln: Oettinger bleibt unbehelligt

    lostineu.eu, vom 9. Juni 2023

    Ein neues Gremium soll in Brüssel mit Korruption und Vetternwirtschaft aufräumen – oder auch nicht.

    Ein halbes Jahr nach dem „Katargate“ – dem großen Korruptionsskandal im Europaparlament, der Ende 2022 aufgedeckt wurde – will die Europäische Union aufräumen und für mehr ethisches Verhalten ihrer Politiker und Beamten sorgen. Einen entsprechenden Entwurf stellte die EU-Kommission in Brüssel vor.

    Der Skandal habe gezeigt, dass es immer noch Lücken im Regelwerk der EU gebe, sagte die für „Werte und Transparenz“ zuständige Kommissionsvizepräsidentin Vera Jourova. Diese gelte es rechtzeitig vor der Europawahl im Juni 2024 zu schließen, um die Demokratie zu schützen und den Vormarsch von EU-Gegnern zu stoppen.

    Ihr Entwurf für ein Ethikgremium bleibt jedoch weit hinter den Erwartungen zurück. Geplant ist zunächst nur, dass sich neun EU-Institutionen – neben der Kommission sind dies etwa das Parlament, der Ministerrat oder der Rechnungshof – um gemeinsame Verhaltens-Standards bemühen. Eine erste Aussprache ist im Juli geplant.

    Man wolle über die Annahme von Geschenken, die Bezahlung von Auslandsreisen und Treffen mit Lobbyisten reden, so Jourova. Weitere Themen sind Nebenjobs und neue lukrative Tätigkeiten nach dem Ausscheiden aus einer EU-Behörde. Der frühere deutsche EU-Kommissar Günther Oettinger war deshalb wiederholt in die Schlagzeilen geraten.

    Sanktionen sind jedoch nicht geplant. Das neue Ethikgremium soll sich auch nicht um die Durchsetzung der Regeln kümmern – dies bleibt den jeweiligen Institutionen vorbehalten. Oettinger dürfte daher ebenso unbehelligt bleiben wie der frühere Chef des Rechnungshofs, Klaus-Heiner Lehne, der in einen Spesenskandal verwickelt war.

    Schwamm drüber – und nun reden wir mal ganz unverbindlich über ethisches Verhalten: Darauf läuft es wohl hinaus…



    2 Comments

    1. Stef
      9. Juni 2023 @ 17:52

      Da ist jedes Compliance-Regelwerk in einem beliebigen Unternehmen schneller, strenger und konsequenter. Aber damit hat man ja auch die Konsequenzen der großen Industrie nach unten zu den einfachen Beschäftigten entsorgt. Das Spitzenpersonal bleibt kaum belästigt und landet selbst bei massiver Korruption stets weich.

    Reply

  • KK
    9. Juni 2023 @ 17:36

    „Sanktionen sind jedoch nicht geplant.“

    Dann gibt es einen erhobenen Zegefinger, verbiunden mit einem tadelnden „Du, Du, Du“ – und es gibt weder Strafen noch werden die eingesackten Werte beschlagnahmt und dem Volkseigentum zugeführt? Also genau wie bei den Abgeordneten in Deutschland, das m.W. von der EUCO genau deswegen schon mehrfach abgemahnt wurde?

    Dann wissen wir Bürger ja endlich, womit wir uns die Hintern abwischen können, wenn das Klopapier mal wieder knapp werden sollte…


  • Info: https://lostineu.eu/neue-ethikregeln-oettinger-bleibt-unbehelligt


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.




    Weiteres:




    Asyl-Deal wirft ernste Fragen auf


    In zwölfstündigen Verhandlungen haben sich die EU-Innenminister auf die Grundzüge eines neuen, harten Asyl-Regimes geeinigt. Die „historische Einigung“ (Bundesinnenministerin Faeser) wirft viele ernste Fragen auf.

    Mehr Härte an den Außengrenzen, um den Schengenraum zu retten und Flüchtlinge fairer in EUropa umzuverteilen: Dies war der Ansatz, mit dem der schwedische EU-Vorsitz in die Verhandlungen gegangen ist.

    Künftig sollen sich (vermeintlich) aussichtslose Asylbewerber schon an der Grenze einem Prüfverfahren stellen und bei Ablehnung direkt abgewiesen werden. Für die „Grenzverfahren“ werden eigene Lager errichtet.

    Auch Familien mit Kindern unter 18 müssen die Lager durchlaufen. Das wollte Faeser eigentlich verhindern. Sie konnte sich aber nicht durchsetzen. Immerhin soll die Verteilung der Migranten fairer geregelt werden, was Deutschland entlasten könnte.


    Was sind sichere Drittländer?

    Der Teufel steckt jedoch wie immer im Detail. Und schon die Grundzüge der Einigung werfen viele ernste Fragen auf. So ist unklar, wie die Umverteilung der Asylbewerber funktionieren soll. Polen und Ungarn wollen sich daran nicht beteiligen.

    Auch Italien scheint nicht bereit, von der „bewährten“ Praxis abzuweichen, die Migranten nach Deutschland „weiterzureichen“. Zudem macht die rechtsradikale Regierung in Rom ihre Kooperation von einem Abkommen mit Tunesien abhängig – doch das steht noch aus.

    Unklar ist auch, wie und wohin nicht anerkannte Asylbewerber abgeschoben werden. Der Kompromiss sieht vor, dass dies auch in „sichere“ Drittländer außerhalb der EU möglich sein soll. Doch was ist sicher – und was passiert, wenn sich ein Land weigert?


    Kopfprämie für Verweigerer?

    Und was soll man von der „Kopfprämie“ halten, die jene EU-Länder zahlen sollen, die keine oder nicht genug Flüchtlinge aufnehmen? Die Rede ist von 20.000 Euro pro Person. Macht die EU einen Flüchtlings-„Basar“ auf, wer soll das bezahlen?

    Generell stellt sich die Frage nach der Verhältnismäßigkeit und der Rechtmäßigkeit der angedachten Regeln. Im Europaparlament regt sich deswegen schon Widerstand. Das ist ernst zu nehmen – denn am Ende muß auch das Parlament zustimmen.

    Die Verhandlungen mit den EU-Abgeordneten könnten Monate dauern. Derweil geht die Flüchtlingskrise weiter – rund um das Mittelmeer, aber auch im politischen Berlin. Dort stehen die Grünen auf den Barrikaden, eine Regierungskrise droht…

    Siehe auch Asylreform: Stunde der Wahrheit Mehr zur Flüchtlingskrise hier



    4 Comments

    1. KK
      10. Juni 2023 @ 05:59

      @ Hekla:
      Was Polen und Ungarn angeht, könnten die das Geld zu 100% aus Brüssel erstattet bekommen, und sie würden keinen einzigen Flüchtling aus Afrika, dem Nahen oder ferneren Osten bis Asien aufnehmen wollen. Denn Ressourcen waren, als es um die Aufnahme einer hohen sechsstelligen Zahl ukrainischer Flüchtlinge zB in Polen ging, doch nebensächlich. Da half man gern – es kommt eben ganz besonders in diesen Ländern darauf an, wer dort anklopft und um Hilfe und Aufnahme bittet.
      Das Problem in diesen Ländern ist offenbar viel eher ein gesellschaftlich weit verbreiteter und akzeptierter Rassismus (speziell auch Islamophobie), bevor überhaupt an Ressourcen gedacht wird.

    Reply

  • Hekla
    9. Juni 2023 @ 20:02

    Ein Aspekt, der – während man mit dem Finger immer missbiligend auf Polen und Ungarn zeigt – in der Diskussion nie Beachtung findet: Polen und Ungarn haben, was Ursachen, Zielsetzung, Qualität und Quantität der Migrationspolitik angeht, andere Vorstellungen und andere Ressourcen, als die reichen und primär gesinnungsethisch orientierten westlichen Länder. Ich würde sagen, das sollte man dürfen. Wenn also z.B. Deutschland im Hinblick auf Qualität und Quantität „bigger“ denkt und sich das angeblich auch finanziell leisten kann, weshalb möchte man Flüchtlinge/Migranten dann auf andere Länder verteilen? Hier ist eine niemals hinterfragte Logik zugange, die mir unehrlich und heuchlerisch erscheint. Warum nicht hier auch eine „Koalition der Willigen“, wie in anderen Bereichen auch, warum die eigenen Vorstellungen auf Kosten Anderer verwirklichen?
    Oder befürchtet man, dass es diese Willigen ausser Deutschland gar nicht gibt? Dann sollte man sich besser ehrlich machen.

    Reply

  • Monika
    9. Juni 2023 @ 16:21

    Wenn das nicht den kompletten Verrat an den so hochgejazzten westlichen Werten und „Menschenrechten“ darstellt, WAS DANN ???
    „Menschenrechte“ das sind nach dieser Lesart Rechte für die „rechten Menschen“, nämlich die mit der gepachteten Doppelmoral. Gesetze, bei denen 2/3 des Textes noch künftigen Klärungsbedarf haben … von deren Durchführbarkeit ganz zu schweigen, sind keine Gesetze an die sich irgendjemand halten braucht? Oder wie ist das zu verstehen? EU-Parlament wo bist du, wenn du gebraucht wirst!

    Reply

  • KK
    9. Juni 2023 @ 13:23

    „Generell stellt sich die Frage nach der Verhältnismäßigkeit und der Rechtmäßigkeit…“

    Die stellt sich bei der EU doch sowieso schon seit einigen Jahren immer seltener. Erlaubt ist, was dort oben im Rat und der EUCO gefällt.

    Und wenn der EUGH mal versucht, ein Land wie Polen in die Schranken der Rechtsstaatlichkeit zu weisen, kommt ein Stinkefinger zurück! Das hat man dann am Ende davon, wenn man sich selbst nicht mehr ums Recht schert.

    Reply


  • Info: https://lostineu.eu/der-asyl-deal-wirft-viele-ernste-fragen-auf


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.




    Weiteres:





    Fehlstart in Lateinamerika: Kein Bock auf Baerbock


    lostineu.eu, vom 9. Juni 2023

    Die EU will die Beziehungen zu Lateinamerika ausbauen und schnell einen Freihandelspakt mit den Mercosur-Staaten schließen. Doch Außenministerin Baerbock und EU-Chefdiplomat Borrell blamieren sich.

    Die EU-Kommission will die politischen und wirtschaftlichen Beziehungen mit Lateinamerika und der Karibik intensivieren. Der zuständige EU-Kommissar Dombrovskis legte eine „Agenda“ vor und sprach von einem „Neustart“.

    Doch in der Praxis ist es wohl eher ein Fehlstart. Der EU-Außenbeauftrage Borrell, der den Plan gemeinsam mit Dombrovskis vorstellte, ging mit keinem Wort auf die Forderung Brasiliens für einen Friedensplan in der Ukraine ein.

    Borrell setzt auf einen Sieg auf dem Schlachtfeld. Einen eigenen Friedensplan hat der EU-„Chefdiplomat“ nicht, mit Brasiliens Präsident Lula liegt er über kreuz. Ähnlich geht es der deutschen Außenministerin Baerbock.


    Kein Bock auf Baerbock

    Bei ihrem Besuch in Brasilien wurde sie weder von Lula noch von Außenminister Vieira empfangen. Zudem setzte sich sich mit ihren bekannt undiplomatischen Äußerungen in die Nesseln.

    Baerbock empörte sich öffentlich darüber, dass den Brasilianern der Preis für „Reis und Bohnen“ wichtiger sei als die Unterstützung der Ukraine. Dies wiederum empörte ihre Gastgeber, die sie auflaufen ließen.

    „Der komplizierte Freund hat anderes zu tun“, spottete die „FAZ“. Auch in Kolumbien hatte Baerbock kein Glück: Wegen des umstrittenen Asylkompromisses der EU mußte sie ihr Programm abkürzen.

    Offenbar war es wichtiger, die deutschen Grünen auf Linie zu bringen – denn die sind über den EU-Deal empört. Auch über das geplante Mercosur-Abkommen sind sie nicht glücklich.

    Doch genau das – Freihandel – ist der harte Kern der frisch aufpolierten EU-Lateinamerika-Strategie…

    Mehr zum Mercosur-Deal hier

    P. S. Derweil wirbt Arbeitsminister Heil in Brasilien gut ausgebildete Arbeitskräfte ab, die zwar kein Deutsch sprechen, aber unsere Alten und Kranken pflegen sollen. Keine Pointe…




    9 Comments

    1. KK
      10. Juni 2023 @ 00:58

      @ Hekla:
      „Kommt bestimmt auch noch, sie ist ja auch in Geschichte sehr bewandert.“

      Wenn sie in Geschichte wirklich bewandert sein sollte, dann weiss sie auch, wohin die Kuchenempfehlung letztendlich geführt hat… allzu wortgleich wird sie sich daher dann wohl eher nicht ausdrücken ????

    Reply

  • Hekla
    9. Juni 2023 @ 20:08

    Sie hat nicht gesagt, dass wenn den Brasilianern Reis und Bohnen zu teuer sind, sie einfach Kuchen essen sollen? Kommt bestimmt auch noch, sie ist ja auch in Geschichte sehr bewandert.

    Reply

  • KK
    9. Juni 2023 @ 17:42

    Habe übrigens an anderer Stelle gelesen, dass Baerbocks „öffentliche“ Empörung anlässlich eines Vortrags bei einem von Deutschland massgeblich finanzierten südamerikanischem „ThinkTank“ erfolgt sein soll – wohl auch mangels anderer Gelegenheiten der Öffentlichkeit (irgendwozu muss das deutsche Steuergeld dort doch gut angelegt sein, und sei es, um der deutschen Chefdiplomatin noch eine letzte verbleibende Bühne dort zu bieten) ????

    Reply

  • KK
    9. Juni 2023 @ 13:08

    „Baerbock empörte sich öffentlich darüber, dass den Brasilianern der Preis für „Reis und Bohnen“ wichtiger sei als die Unterstützung der Ukraine.“

    So ist das halt, Frau Baerbock: Wer selbst zu wenig zum Fressen hat, den kann Ihre bigotte Moral mal! Und zwar kreuzweise!
    Und diejenigen, die sie von einem hohen und zudem gut genährten Ross dennoch einfordern, gleich mit.

    Reply

    • european
      9. Juni 2023 @ 14:58

      Ich lese gerade „Die Selbstgerechten“ von Sahra Wagenknecht. Darin spricht sie genau dieses Thema an. Gut situierte, vermeintlich Linke, die null Verständnis bis Verachtung für diejenigen haben, die um jedes bischen kämpfen müssen, die Mühe haben, die Grundbedürfnisse abzudecken.

      Da sitzt jedes Wort. Exzellent beschrieben und mich wundert weder der Aufschrei noch der mediale Sturm gegen Wagenknecht und ihr Buch.

      Wen immer wir als nächsten Außenminister haben werden, die Person wird viele Scherben zusammenkehren und mit viel Diplomatie die zerstörten Beziehungen wieder herstellen müssen. Dieser außenpolitische Trampel Baerbock katapultiert Deutschland ins Orbit.

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  • Lakitom
    9. Juni 2023 @ 08:41

    Wie lange soll das Theater mit unseren Politclowns noch so weitergehen? Die Deutschen machen sich weltweit zum Affen mit ihrer kolonialen Attitüde und sind selbst nichts besseres als ein erbärmlicher Vasall des Hegemon. Und die MSM „feiern“ diesen Witz noch. Die ganze EU ist außerhalb der westlichen Blase zu einer Lachnummer verkommen. Ein vollkommener Neuanfang mit anderen Akteuren wäre jetzt dringend geboten, bevor alles den Bach runter geht. Aber ich seh‘ leider kein Licht am Horizont.

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    • Monika
      9. Juni 2023 @ 16:11

      Das kann ich mir jetzt nicht verkneifen: vielleicht muss ja -ganz nach der Logik der Homöopatie- erst alles noch ein bisschen schlechter werden, bevor die Heilung einsetzt. Ich jedenfall bin, wie Sie, vollkommen entsetzt, dass weder Kanzler noch Parteien die Reissleine ziehen. Das müsste doch eigentlich ein Fest für die Opposition und kritische Medien sein! Selbst den selbstgerechten Grünen müsste es doch langsam dämmern, dass wir uns längst in der Phase der Kannibalisierung befinden…
      Aber kein Gegenwind! Nirgends. Weder national noch euopäisch. Anderen Außenministern der EU müsste doch Zusammenarbeitt mit Frau Baerbock mittlerweile unerträglich sein, sie stellt ja nicht nur ihre Reputation, sonder die der ganzen „Branche“ zur Disposition!

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  • Thomas Damrau
    9. Juni 2023 @ 08:26

    Es ist schon fast rührend zu beobachten, wie die EU ihr Herz für den Globalen Süden entdeckt: „Kommt, lass uns lieb miteinander sein: Ihr schimpft mit uns gemeinsam über Putin und dann gibt es leckere Freihandelsabkommen.“

    In Wirklichkeit bleibt es bei der alten kolonialistischen Perspektive: Was können wir denn aus diesen Ländern rausholen? Nach Bodenschätzen und Sklaven sind wir inzwischen Wasserstoff und Fachkräften angekommen. Das nenne ich Fortschritt.

    Auch die Begründung für die gewünschte Dominanz des Westens hat sich gewandelt:
    – In Phase 1 galt es, den Heiden den christlichen Glauben zu bringen.
    – In Phase 2 musste den Wilden die überlegende westliche Zivilisation verpasst werden („the white man’s burden.“)
    – Inzwischen geht es um die westlichen Werte, die den Orientierungslosen fehlen. Und die Möglichkeit für Arbeitlose aus dem Globalen Süden, in europäischen HiWi-Jobs Erfüllung zu finden, während an anderer Stelle immer neue Hürden an der EU-Grenze für die Jugendlichen aus den Süden hochgezogen werden.

    Und wenn man das Ganze noch mit der Geisteshaltung enttäuschter Eltern („Jetzt haben so viel für euch gemacht und ihr seid so undankbar.“) angeht, steht guten Beziehungen nichts mehr im Weg.

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    • european
      9. Juni 2023 @ 08:38

      Ich schließe mich an. Besser hätte man es nicht formulieren können. Vielen Dank.

      Es gibt genügend Menschen ohne Ausbildung in Deutschland. Dann soll man sie eben ausbilden. Auf eigene Kosten. Die Brasilianer brauchen ihre Pflegekräfte selber.

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  • Info: https://lostineu.eu/lateinamerika-wie-sich-baerbock-und-borrell-blamieren


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

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