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21.06.2023

„Wir müssen alle den Gürtel enger schnallen“


Lühr Henken
SDAJ-Pfingstcamp, 28. Mai 2023, Köln

Die Aufrüstung der NATO begann mit dem Beschluss ihres Gipfels in Wales 2014. Binnen zehn Jahren,
also bis 2024, sollten sich alle Mitgliedstaaten mit ihren Militärausgaben einem Anteil von 2 Prozent
an ihren jeweiligen Bruttoinlandsprodukten annähern. So der Beschluss.
Betrachten wir erst einmal den Zeitraum seitdem bis 2021. 2021 ist das letzte Jahr vor dem Beginn
des Einmarsches russischer Truppen in die Ukraine.
Von 2014 bis 2021 hat die NATO die Ausgaben von 943 auf 1.175 Mrd. Dollar1 erhöht. Die NATO-
Aufrüstung richtet sich bekanntlich gegen Russland. Russland hat seine Militärausgaben seit 2014
gesenkt, von knapp 85 Mrd. auf 66 Mrd. Dollar 2 (2021), so dass sich das Überlegenheitsverhältnis
von damals 11:1 zugunsten der NATO auf 18:1 erhöht hat. Die Frage: Wer wen bedroht, lässt sich
anhand dessen leicht beantworten.
Deutschland nahm diesen NATO-Beschluss zum Anlass, ebenfalls aufzurüsten. Verzeichnete die
NATO für Deutschland 2014 nach ihren Kriterien - und nur die gelten - noch Ausgaben von knapp 35
Mrd. (34,75 Mrd.) Euro (1,19 % des BIP), kommt sie für 2021 schon auf 52,43 Mrd. Euro (1,46 % des
BIP)3 - ein Plus von 50 Prozent in sieben Jahren. Deutschland hat die Militärausgaben seit dem Jahr
für Jahr gesteigert. Wie die Aufrüstung seitdem weitergegangen ist, und welche Auswirkungen die
Militärplanungen auf die Ausgabenentwicklung hatten und haben werden, dazu kommen wir später.
Militärplanungen
ist das Stichwort. Den Beginn der deutschen Militärplanungen markiert das „Bühler-Papier“ aus dem
Jahr 2017. Erhard Bühler war damals Chef des Planungsstabs im Bundesverteidigungsministerium.
Sein Papier war bahnbrechend und wegweisend. Die sich anschließenden Reformschritte basieren
darauf. Das Papier wurde nicht veröffentlicht. Lediglich Ausschnitte daraus fanden sich in der
Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ). Was war das Besondere an diesem Papier?
Künftig sollte sich die Bundeswehrrüstung umstellen. Es sollten nicht mehr die Rüstung für
Auslandseinsätze, wie Kosovo oder Afghanistan, im Vordergrund stehen, sondern sie sollte wieder
auf Landes- und Bündnisverteidigung hin ausgerichtet sein4 - was nichts anderes bedeutet, als auf
Großkriege aufzurüsten.
Für das Heer, der größten Teilstreitkraft, bedeutete das, nicht mehr nur über sechs halbwegs
ausgerüstete Brigaden zu verfügen. Das heißt, sie sollten nicht nur zu 70 Prozent ausgerüstet sein,
sondern so aufgerüstet werden, dass sie ab 2031 zu 100 Prozent ausgerüstet sein sollen. Und dann


1 NATO, 31.3.2022, Defence Expenditure of NATO Countries (2014-2021), 16 Seiten, S. 7,
https://www.nato.int/nato_static_fl2014/assets/pdf/2022/3/pdf/220331-def-exp-2021-en.pdf
2 https://milex.sipri.org/sipri
3 NATO, Defence Expenditure of NATO countries 2014 – 2022, 21.3.2023, (Stand 7.2.23), 16 Seiten, S. 6 u. 8
https://www.nato.int/nato_static_fl2014/assets/pdf/2023/3/pdf/230321-def-exp-2022-en.pdf
4 Verteidigungsministerium will das Heer umstrukturieren, faz.net 6.4.17, Bis zu den Sternen, FAZ.net, 19.4.2017


nicht nur sechs und eine halbe zählen, sondern zehn Brigaden. 5 Eine Brigade umfasst ca. 5.000
Soldat:innen. Bei 100 Prozent Ausrüstungsstand spricht man von einer sogenannten
Kaltstartfähigkeit. Da jedoch sich in der Regel 30 Prozent des Kriegsmaterials in der Instandsetzung
befinden oder gerade modernisiert werden, muss man 30 Prozent mehr an Material zur Verfügung
haben. Das bedeutet die „Kaltstartfähigkeit“ erfordert 130 Prozent an Material.6 Somit bewirkt die
Aufrüstung auf Grundlage des Bühler-Papiers bei 50 Prozent mehr Brigaden und eine
„Kaltstartfähigkeit“ fast eine Verdreifachung der Kampfkraft des deutschen Heeres.
Bühler nannte 2017 ein paar konkrete Zahlen. Die Zahl der Radpanzer und die Artillerie soll jeweils
verfünffacht, neue Schützen- und Kampfpanzer und 60 schwere Transporthubschrauber sollen
angeschafft werden, die Zahl der Kriegsschiffe um ein Drittel wachsen und Seekrieg aus der Luft soll
wieder möglich werden.
Von den Leyen: Taktgeberin der Aufrüstung
Ursula von der Leyen war als Verteidigungsministerin damals eine treibende Kraft bei der Umsetzung
dieser Aufrüstungsvorhaben. Anfang 2018 wurde öffentlich bekannt, dass sie an Parlament und
Öffentlichkeit vorbei Deutschland gegenüber der NATO dazu verpflichtete, bis 2027 eine und bis
2031 dann drei komplett einsatzbereite Divisionen (das sind die zehn Brigaden aus dem Bühler-
Papier) aufgestellt zu haben. Allein ihre Finanzierung fehlte. 2016 schon hatte sie insgesamt 130 Mrd.
Euro für neue Waffen und Ausrüstungen bis 2031 gefordert. Sie war Taktgeberin der deutschen
Aufrüstung.7 2018 gab sie gegenüber der NATO an, bis 2024 die Marke von 1,5 Prozent Militäranteil
am Bruttoinlandsprodukt (BIP) erreichen zu wollen. Das war noch nicht das Zwei-Prozent-Ziel, das die
NATO für diesen Zeitpunkt anstrebte, aber mehr als die 1,19 Prozent beim Start 2014. Es war ihrer
Nachfolgerin im Amt, Annegret Kramp-Karrenbauer, 2019 vorbehalten, zu verkünden, das Zwei-
Prozent-Ziel bis 2031 erreichen zu wollen.8
Scholz will Bundeswehrausgaben vervielfachen
Bundeskanzler Scholz sagte in seiner wegweisenden „Zeitenwende-Rede“ am 27. Februar letzten
Jahres wörtlich: „Wir werden von nun an Jahr für Jahr mehr als 2 Prozent des Bruttoinlandprodukts in
unsere Verteidigung investieren.“ 9 Das heißt, die mindestens zwei Prozent sollten schon 2022
erreicht werden und nicht erst 2031. Woher sollen die Gelder kommen? Sie speisen sich aus dem
regulären Bundeshaushalt und den 100 Mrd. Euro so genanntem Sondervermögens, besser
Sonderschulden, oder Kriegskredite, die maximal bis Ende 2030 zur Verfügung stehen. So der
Bundestagsbeschluss vom 3. Juni 2022.10 Dieser Bundestagsbeschluss ist von außerordentlicher
Bedeutung – und öffentlich kaum wahrgenommen worden. Er legt fest, dass die zwei Prozent jeweils
als Mittelwert aus fünf Jahren errechnet werden sollen. Diesen Umstand hat die damalige


5 Zudem gibt es ein sogenanntes Rahmennationenkonzept. Das besagt, dass sich kleinere Staaten militärisch um größere
Staaten gruppieren sollen. Deutschland ist so eine Rahmennation und soll insgesamt 15 Brigaden militärisch führen können.
Das sind etwa 75.000 bis 80.000 Heeressoldaten gleichzeitig.

6 Soldat und Technik, Waldemar Geiger, 24.3.2022, https://soldat-und-
technik.de/2022/03/streitkraefte/30527/kaltstartfaehigkeit-braucht-mehr-als-100-prozent-vollausstattung/
7 26.1.2016, http://www.spiegel.de/politik/deutschland/bundeswehr-ursula-von-der-leyen-will-130-milliarden-euro-
investieren-a-1074065.html
8 11.10.19, https://www.sueddeutsche.de/politik/nato-kramp-karrenbauer-zwei-prozent-ziel-bis-2031-erreichen-dpa.urn-
newsml-dpa-com-20090101-191011-99-262774
9 Plenarprotokoll, Deutscher Bundestag – 20. Wahlperiode, 19. Sitzung, 27.2.2022, S. 1353
https://dserver.bundestag.de/btp/20/20019.pdf
10 Bundestag-Drucksache 20/2090 vom 2.6.22, 16 Seiten, S. 3, https://dserver.bundestag.de/btd/20/020/2002090.pdf


Verteidigungsministerin Lambrecht der FAZ gegenüber bestätigt. Lambrecht sagte: „Deswegen haben
wir das Begleitgesetz geschrieben, dass wir das Zwei-Prozent-Ziel erreichen werden, aber eben im
Mittel innerhalb von fünf Jahren. FAZ: Also nach Ihrer Theorie: Zweimal 1,5 und dreimal 2,3 macht
dann über fünf Jahre durchschnittlich zwei Prozent pro Jahr. Lambrecht: Das ist nicht die Theorie,
sondern so haben wir es miteinander im Begleitgesetz beschlossen.“11
Inzwischen liegen solide Schätzungen über die zu erwartende Entwicklung der deutschen
Wirtschaftsleitung - also des Bruttoinlandsprodukts BIP – und über die Entwicklung der Inflation vor,
so dass es möglich ist, unter Anwendung dieses Gesetzes, recht konkrete Voraussagen über die
künftige Höhe der deutschen Militärausgaben machen zu können. Die Berechnungen können wir hier
in diesem Rahmen nicht nachvollziehbar darstellen.
Aber so viel sei hier gesagt: Ausgehend von 2022 schätzt die NATO den deutschen Anteil am BIP auf
1,49 Prozent, gleich 57,7 Mrd. Euro.12 Den Hauptanteil daran hatte der Einzelplan 14, für den im
Bundeshaushalt 50,4 Mrd. Euro angesetzt wurden. Der Restbetrag kam aus anderen Haushaltstiteln,
welche genau das sind, ist öffentlich nicht transparent.
Für 2023 hat der Bundestag 50,1 Mrd. Euro für den Einzelplan 14 beschlossen, jedoch erstmals die
Entnahme von 8,5 Mrd. Euro aus den Sonderschulden13 angekündigt, so dass nominal die deutschen
Ausgaben zunächst auf 58,6 Mrd. Euro hochschnellen werden (+ 17 %). Aber schon Ende März
bewilligte der Bundestag zusätzlich 1,3 Mrd. Euro für Waffen an die Ukraine und für Waffenersatz für
die Bundeswehr, so dass in diesem Jahr 60 Milliarden erreicht werden dürften.
Eine offizielle Schätzung der NATO für die deutschen Ausgaben in diesem Jahr liegt noch nicht vor.
Wenn sie wieder um 7,3 Milliarden über dem nominellen Ansatz liegen werden wie im Vorjahr, und
davon ist auszugehen, werden wir nach NATO-Kriterien auf 67 Mrd. in diesem Jahr kommen.
Die 67 Mrd. Euro würden einen Anteil von 1,63 Prozent am BIP bedeuten.14 Also auch in diesem Jahr
wie 2022 schon, nicht zwei Prozent, wie sie Scholz schon für 2022 erreichen wollte. Nun hat
Pistorius, der neue Verteidigungsminister, kürzlich die Erreichung des Zwei-Prozent-Ziels für 2025
angekündigt. Weil das BIP aufgrund von Inflation und etwas Wirtschaftswachstum nach Prognosen


11 FAZ 30.11.22 „Die Helme haben auch Leben gerettet.“
12 NATO, Defence Expenditure of NATO countries 2014 – 2022, 21.3.2023, (Stand 7.2.23), 16 Seiten, S. 6 bzw. 8
https://www.nato.int/nato_static_fl2014/assets/pdf/2023/3/pdf/230321-def-exp-2022-en.pdf
13 Wirtschaftsplan des Sondervermögens Bundeswehr 2023 als Bestandteil des Einzelplans 60 in: Bundesministerium der
Finanzen, 29.6.2022, Kabinettsache Datenblatt-Nr. 20/08043, 1.504 Seiten, Anlage 15, S. 1293 ff.
https://cdn.businessinsider.de/wp-content/uploads/2022/07/Kabinettsvorlage.pdf
14 Das Statistische Bundesamt ermittelt für Deutschland für 2022 ein BIP von 3.867,1 Mrd. Euro,
https://www.destatis.de/DE/Themen/Wirtschaft/Volkswirtschaftliche-Gesamtrechnungen-Inlandsprodukt/Tabellen/bip-
bubbles.html Die fünf führenden Wirtschaftsforschungsinstitute prognostizieren für dieses Jahr ein Wirtschaftswachstum
von 0,3 Prozent bei einer Inflation von 6 Prozent. (FAZ 6.4.23). Aus diesen Zahlen errechnet sich für 2023 ein BIP von 4.110
Mrd. Euro. 67 Mrd. davon sind 1,63 Prozent. Für 2024 sagen die Wirtschaftsforschungsinstitute eine Inflation von 2,4
Prozent voraus und ein Wirtschaftswachstum von 1,5 Prozent, so dass das BIP demnach bei 4.270 Mrd. Euro liegen dürfte.
Die Forschungsinstitute sagen für 2025, 2026 und 2027 je ein Plus beim BIP von durchschnittlich 0,9 Prozent voraus.
Nehmen wir an, die Inflation wird ab 2025 schon auf 2 Prozent im Jahr gesenkt, ergibt sich 2025 ein BIP in Höhe von 4.394
Mrd., davon 2 Prozent sind 87,8 Mrd. für die Bundeswehr. Der Anteil am BIP für 2024 dürfte in der Mitte zwischen 1,63
(2023) und 2,0 Prozent (2025) liegen, also bei 1,82 Prozent. Addiert ergibt das 5,45 Prozent von 10 Prozent für 5 Jahre.
Somit teilen sich die zwei restlichen Jahre des Jahrfünfts die restlichen 4,55 Prozent ansteigend auf: also 2,18 Prozent für
2026 und 2,37 Prozent für 2027. Aus dem Zahlenwerk der Institute errechnen sich folgende BIP-Zahlen: 2026: 4.521, 2027:
4.652, 2028: 4.787, 2029: 4.926, 2030: 5.069. Wobei von 2028 bis 2030 die Vorhersage der Wirtschaftsforschungsinstitute
(+0,9 % des BIP p.a. von 2023 bis 2027) und eine Inflationsrate von 2 % p.a. angenommen wurde. 2026 wären wir bei
Bundeswehrausgaben von 98,6 Mrd. (2,18 Prozent von 4.521 Mrd.) und 2027 bei 110 Mrd. (2,37 Prozent von 4.652 Mrd.)


nach NATO-Kriterien, wenn die Pläne der Bundesregierung aufgehen.
der Wirtschaftsforschungsinstitute 2025 bei knapp 4.400 Mrd. Euro liegen wird, würden die
deutschen Militärausgaben dann bei knapp 88 Milliarden Euro liegen. Und da die Prozentanteile am
BIP in den beiden Jahren vor 2025 unter zwei Prozent liegen, müssen sie in den beiden Jahren danach
über zwei Prozent liegen, um so das Gesetz des Durchschnitts von zwei Prozent binnen fünf Jahren
einzuhalten. Das hat gewaltige Auswirkungen: die deutschen Militärausgaben werden 2026 bei
knapp unter 100 Milliarden und 2027 bei 110 Milliarden Euro liegen. Um sich nochmal die Bedeutung
dieser Gigantomanie vor Augen zu führen: Für letztes Jahr, also 2022, schätzt die NATO – wie gesagt
- die deutschen Ausgaben auf 57,7 Mrd. Euro. In den fünf Jahren danach werden sie sich verdoppeln
und etwa 40 Mrd. über denen Frankreichs liegen, der zweitgrößten Ökonomie in der EU.
Wir halten fest: im Jahr 2026 oder 2027 werden die Ausgaben für die Bundeswehr nach Kriterien der
NATO erstmals die Grenze von 100 Milliarden Euro überschreiten (!) – wenn sich die Regierung mit
ihrer Politik durchsetzt.
Lindner: Sozialausgaben für Aufrüstung kürzen
Um das bezahlen zu können, wird zunächst in hohem Maße auf die Sonderschulden zurückgegriffen
werden müssen, spätestens ab 2031 werden diese aufgebraucht sein müssen, so das Begleitgesetz
von 2022, so dass ab dann sämtliche Ausgaben direkt aus dem Bundeshaushalt bezahlt werden
müssen. Hinzu kommt ab 2028 schon die Tilgung inklusive Zinsen dieser Sonderschulden, für die 30
Jahre lang jährlich mehr als drei Milliarden dem Bundeshaushalt entnommen werden müssen.15 Und
das geht auf Kosten der Sozialleistungen.16 Darauf hat zuletzt Finanzminister Lindner (FDP)
unmissverständlich hingewiesen. Unter der Überschrift: „Lindner will 20 Milliarden Euro sparen“ gibt
der Spiegel ihn mit den Worten wieder, „vorrangig müsse in den Ressorts mit den höchsten
Sozialausgaben gespart werden. Das seien die Ministerien für Arbeit und Familie. [..] Verschont
werden soll das Verteidigungsministerium.“17 Hier sehen wir den klaren Zusammenhang von
Aufrüstungs- und Kriegspolitik und Sozialpolitik. Der Euro kann nur einmal ausgegeben werden,
entweder für Rüstung oder für zivile Dinge. Hier sind die Gewerkschaften aufgerufen, für den Erhalt
der Sozialausgaben zu kämpfen.
Klar ist, dass die Regierung dauerhaft – auch nach 2027 - über zwei Prozent bleiben will. Ein
entsprechender Beschluss soll auf dem NATO-Gipfeltreffen in Vilnius am 11. und 12. 7. gefasst
werden. Das bedeutet, dass die Bundeswehrausgaben dann jenseits der 100 Mrd.-Euro-Marke liegen
werden. Damit die Bevölkerung das möglichst klaglos hinnimmt, wird mit der Warnung vor einem
angeblichen russischen Imperialismus - wie seit Jahrzehnten schon - die Gefahr aus dem Osten
zelebriert. Zudem macht Pistorius einen auf Alarmismus: „Wir haben keine Streitkräfte, die
verteidigungsfähig sind, also verteidigungsfähig gegenüber einem offensiven brutal geführten
Angriffskrieg.“18 Und seine SPD-Kollegin Eva Högl, Wehrbeauftragte des Bundestages, forderte


15 Derzeit geht man von insgesamt 13 Milliarden Zinsen aus, so dass von den 100 nur 87 Milliarden für Waffen übrig
bleiben. Esut.de, 31.1.23, https://esut.de/2023/01/meldungen/39784/bundeswehr-sondervermoegen/
16 Nicht nur die 100 Mrd. aus dem Sondervermögen Bundeswehr müssen ab 2028 zurückgezahlt werden, auch 537,6 Mrd.
für Coronahilfen für Betriebe oder Unterstützungen für Strom- und Gaskunden („Doppelwumms“), sodass von jährlichen
Tilgungsraten von bis zu 20,6 Milliarden Euro auszugehen ist. Darin sind die ca. 3 Mrd. p.a. für die Bundeswehr noch nicht
enthalten. (Der Spiegel 4.2.23)
17 Der Spiegel 15.4.23, S. 55
18 FAZ 2.3.23 Pistorius: Nicht fähig zur Abwehr


wiederholt, „man bräuchte 300 Milliarden Euro, um in der Bundeswehr signifikant etwas zu
verändern.“19 Also nicht 100 sondern 300 Milliarden. Man fragt sich:
Was haben die mit dem vielen Geld eigentlich vor?
Finanziert werden soll damit die umfassende Aufrüstung von Heer, Marine und Luftwaffe. So soll für
alle drei Teilstreitkräfte neue Munition gekauft werden. Kosten: sage und schreibe 20 Mrd. Euro.
Finanziert werden soll sie nicht aus dem Sondervermögen, sondern aus dem Einzelplan 14, also dem
regulären Verteidigungshaushalt.
Dem Gesetz über das Sondervermögen ist ein „Wirtschaftsplan des Sondervermögens 2022“20
angehängt, aus dem hervorgeht, welche Milliardenbeträge auf welche Teilstreitkräfte verteilt werden
sollen. Es fehlen jedoch jeweils Angaben über die Anzahl, die Kosten im Einzelnen und der
Zeitrahmen für die Anschaffung der Waffensysteme. Diese Infos muss man sich von woanders her
besorgen.
NATO: Schnelle Eingreiftruppe verzehnfachen
Zum Grundverständnis: Die NATO hat im Juni 2022 ein neues dreistufiges Streitkräftemodell (Nato
Force Model, NFM) beschlossen. Dabei geht es darum, ihre Schnelle Eingreiftruppe, die NATO
Response Force, die derzeit noch 40.000 Soldaten sowie 30.000 in geringer Bereitschaft umfasst, auf
etwa 800.000 Soldat:innen aufzustocken. Das soll in drei Stufen geschehen. Wenn die Aufstellung
fertig ist, sollen 100.000 in 10 Tagen und weitere 200.000 binnen 30 Tagen einsatzfähig sein. Diese
können um weitere 500.000 Soldat:innen in einem Zeitraum von bis zu 180 Tagen einsatzbereit
gemacht werden. Das bedeutet eine etwa Verzehnfachung der schnell mobilisierbaren NATO-
Truppen und stellt einen außerordentlich gewaltigen Schritt der Konfrontation gegenüber Russland
dar. Wann die einzelnen Stufen realisiert werden sollen, ist noch nicht bekannt gegeben worden,
lässt sich aber aus den Angaben der Bundeswehr herauslesen. Hier hat es eine Veränderung
gegeben, denn die von von der Leyen 2018 angemeldeten deutschen Divisionen bei der NATO
werden zeitlich vorgezogen. Die erste Division soll nicht 2027, sondern schon 2025 aufgestellt sein,
die zweite nicht erst 2029, sondern schon 2027, die letzte nicht erst 2031, sondern schon 2029.21 Sie
alle sollen „kaltstartfähig“ sein. In diesen Jahreszahlen 2025, 2027, 2031 sollen wahrscheinlich auch
die drei Stufen des NATO Force Modells umgesetzt sein. Schauen wir uns die
Aufrüstungsmaßnahmen der drei Teilstreitkräfte genauer an:
Das Heer
Für das Heer stehen aus dem Sondervermögen für acht Vorhaben 16,6 Mrd. Euro zur Verfügung,
aber auch ein großer Anteil kommt aus der „Dimension Führungsfähigkeit/Digitalisierung“ hinzu, die
mit 20,7 Mrd. sehr hochdotiert ist.22 Wie viel daraus dem Heer zu Gute kommt, ist noch unklar. Die
19 Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung 15.1.2023, FAZ 15.3.23
20 Sondervermögen Bundeswehr, 5 Seiten,
https://www.hardthoehenkurier.de/images/Wirtschaftsplan_Sondervermo%CC%88gen.pdf
21 Jürgen Wagner, Zielbild Marine 2035 +: Aufrüstung nach Nato-Vorgaben, 10.3.23,
https://www.telepolis.de/features/Zielbild-Marine-2035-Aufruestung-nach-Nato-Vorgaben-7541519.html?seite=all
22 Zu nennen ist hier die „Digitalisierung landbasierter Operationen“, das Battle-Management-System sowie Gefechtsstände
und Funkgeräte. Hervorzuheben ist auch die Ausrüstung „Infanterist der Zukunft“ auf den Einsatzstandard der Speerspitze
der NATO Response Force.

Pläne sind zu vielfältig, um sie hier darstellen zu können. Ich möchte nur die allerwichtigsten
hervorheben: die Schützenpanzer und die Kampfpanzer.
Zum Plan gehört, dass die schon vorhandenen 350 Schützenpanzer PUMA auf eine Goldrandlösung
aufgerüstet werden sollen. Der PUMA wird so zu einem gepanzerten Computer auf Ketten, dessen
Stückpreis von 24 Mio. Euro dann viermal so hoch sein wird wie zum Beginn seiner Beschaffung. Sie
sind die teuersten Schützenpanzer unter der Sonne. Mitte Mai wurden weitere 50 PUMA für 1,5
Mrd.23 bestellt.24
Als Ersatz für 18 an die Ukraine gelieferte Leopard 2 hat der Bundestag diese Woche fabrikneue 18
Leopard 2 A8 bestellt. Stückpreis gute 29 Mio. Euro. Gleichzeitig wurde mit Krauss-Maffei Wegmann
ein Vertrag über die Option über 105 Kampfpanzer desselben Typs vereinbart.25 Das würde dann
etwa 2,4 Milliarden Euro kosten.26
Diese Maßnahmen bewegen sich noch im Rahmen des Bühler-Papiers und benötigen Jahre für die
Umsetzung. Sie sind ohne Bedeutung für den derzeitigen Ukraine-Krieg.
MGCS: der „Game Changer“ für die Panzerschlacht
Der Knaller des Heeres ist das Main Ground Battle System (MGCS). Dieses Vorhaben beruht auf einer
geradezu epochalen Regierungsvereinbarung von Merkel und Macron im Jahr 2017.
Die neue Kampfpanzer-Generation MGCS soll die Leopard 2 der Bundeswehr sowie die Leclerc-
Panzer in der französischen Armee ersetzen. Ziel ist es, „ein Hightech-System zu entwickeln, bei dem
Robotik und Waffen wie Hochgeschwindigkeitsraketen eine entscheidende Rolle spielen.“27 MGCS
soll so zu einem militärischen Game-Changer werden.28 Das heißt so viel wie: Mit MGCS soll jede
Panzerschlacht gewonnen werden. Krauss-Maffei Wegmann (KMW) hat mit der französischen Firma
NEXTER eigens für MGCS das Joint Venture KNDS gegründet. KNDS entwickelt zusammen mit
Rheinmetall das MGCS. Der damalige KMW-Chef Frank Haun, heute ist er KNDS-Chef, rechnete 2018
in den nächsten 25 bis 30 Jahren in Europa mit einem Bedarf von 5.000 Kampfpanzern im Wert von
75 Mrd. Euro.29 An weltweite Umsätze von rund 100 Mrd. Euro bis in die 40er Jahre hinein wird
gedacht.30


23 Wirtschaftswoche 21.10.22
24 Das Heereskommando beabsichtigt, eine der drei Divisionen mit sogenannten Mittleren Kräften auszustatten. Das wären
Radschützenpanzer auf der Basis des BOXERS mit der Kanone des PUMA. Als Herstellungsland käme eine Rheinmetall-
Fabrik in Australien in Betracht. Für 2 Milliarden Euro würden – so interne Papiere des Kommandos Heer – 121 „schwere
Waffenträger Infanterie“ und 148 „zukünftige Radschützenpanzer“ als Marder-Nachfolger, insgesamt also 269 Fahrzeuge in
Frage kommen. Es „bräuchte weitere Neuanschaffungen, um die ganze Truppe agil zu machen, etwa Radhaubitzen,
radbewegliche Pionierfähigkeiten und radbasierte Mörsersysteme. Insgesamt kalkuliert das Heer intern mit 1.600
Fahrzeigen, die angeschafft werden müssten, darunter allein 630 Ersatzfahrzeuge für die Jahrzehnte alten Transportpanzer
Fuchs.“ FAZ 17.5.23, Rad statt Kette
25 Businessinsider.de 11.5.23
26 Europäische Sicherheit & Technik, 24.5.23, https://esut.de/2023/05/meldungen/42151/beschaffung-von-18-leopard-2-
a8-und-12-panzerhaubitzen-2000-genehmigt/
27 Björn Müller, Streitkräfte und Strategien, NDR Info, 2.11.19
28 Björn Müller, Die Hürden für Europas gemeinsamen Kampfpanzer, 31.10.19,
https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/ruesten-fuer-europa-huerden-fuer-den-gemeinsamen-kampfpanzer-
16439321-p2.html
29 Handelsblatt.de, 26.4.18
30 Ebenda


Deutschland hat beim MGCS-Projekt die Führung inne. Allerdings „ist in vier der acht zentralen
‚Technologiefeldern‘ immer noch umstritten, welches Land jeweils das Sagen haben soll.“31 Damit
sind aktuell sämtliche Fortschritte in der Entwicklungsarbeit blockiert. Da Scholz diesem Vorhaben in
seiner „Zeitenwende-Rede“ „höchste Priorität“ beigemessen hat, dürfte es da wohl bald voran
gehen. Allerdings ist der Auslieferungsbeginn bereits um fünf Jahre auf 2040 verschoben worden.
Rheinmetall: Boom wie nie zuvor
Die deutschen Rüstungsfirmen des Heeres profitierten bisher sehr von diesem Boom und die Zukunft
verspricht noch weitaus mehr. Rheinmetall, KMW und Hensoldt stehen ganz vorn. Bei Rheinmetall
schoss der Aktienkurs am Tag nach der Scholz-Rede um 50 Prozent nach oben, einen Monat später
hatte er sich verdoppelt und heute liegt er beim 2,5-fachen. Bemerkenswert: Rheinmetall-Chef Armin
Papperger bereichert sich persönlich daran. Zum fixen Monatsgehalt von 500.000 Euro kommt fast
derselbe Betrag monatlich über seinen Aktienbesitz hinzu, wenn er sie verkaufen würde. Wichtiges
Merkmal für die deutsche Aufrüstung und die der NATO ist die Entwicklung der Auftragsbestände des
Rheinmetall-Konzerns. 2016 verzeichnete Rheinmetall Aufträge noch im Wert von 3 Mrd,, bis 2021
haben sie sich auf 15 Mrd. verfünffacht. Für dieses Jahr steuert Rheinmetall beim Auftragsbestand
auf 30 Mrd. Euro zu und für nächstes Jahr auf 40 Milliarden. Dabei ist schon der Rüstungsumsatz
jeweils abgezogen worden. Rheinmetall boomt so gewaltig, dass es in den DAX aufgenommen wurde.
Die deutsche Marine – hochgerüstet nicht nur in die Ostsee
Laut einer Analyse der FAZ entfallen von den 100 Mrd. des „Sondervermögens“ etwa 19 Milliarden
auf die Marine.
Die deutsche Marine wird ab 2025 in Rostock die Führung eines Marineführungskommandos der
NATO „für Operationen an der Nordflanke des Bündnisses“32 übernehmen. Schon heute verfügen die
Flotten der NATO-Anrainer der Ostsee über mehr Kriegsschiffe und U-Boote als die russische
Baltische Flotte, mit ihrem Hauptquartier in Kaliningrad. Das Gesamtverhältnis in der Ostsee ist im
Kriegsfall unter Einschluss Norwegens und Finnlands in die NATO 98 zu 42 zum Nachteil Russlands.33
Deutschland hat ohnehin die stärkste NATO- und EU-Marine der Ostsee-Anrainer und rüstet weiter
auf – und zwar gewaltig: Von Ende März stammt die neueste Planung „Marine 2035 +“. Demnach soll
die Flotte statt neun Fregatten 15 haben und statt fünf Korvetten sechs bis neun. An Neuerung sollen
bis zu 18 „Future Combat Surface Systeme“ hinzukommen. So viel man bisher über sie weiß, sollen
sie unbemannt, schwer entdeckbar und für den Krieg über Wasser und den Beschuss von Land
vorgesehen sein. 34 Zusammengezählt steigt die Zahl der Überwasserkampfschiffe von 14 auf bis zu
42. Das ist das Dreifache!
Die Zahl der U-Boote soll von sechs auf bis zu neun steigen. Und auch hier sind neuartige „Large
Unmanned Underwater Vehicles“ vorgesehen. Als Ergänzung von U-Booten zu Aufklärungszwecken


31 Capital.de, 11.4.23, https://www.capital.de/wirtschaft-politik/deutsch-franzoesischer-superpanzer-kommt-spaeter-als-
geplant-33363634.html
32 22.1.19, http://www.bundeswehr-journal.de/2019/feierliche-indienststellung-des-nationalen-stabes-deu-marfor/
33 International Institute for Strategic Studies (IISS), London, The Military Balance 2023, 13 NATO-U-Booten der Ostsee-
Anrainer stehen dort ein russisches U-Boot gegenüber. Die NATO verfügt über 27 Zerstörer, Fregatten und Korvetten,
Russlands Baltische Flotte hat davon 6. Bei Patrouillenbooten ist das Verhältnis 61 zu 35 zugunsten der NATO.
34 FAZ 29.3.2023, „Wir vertrauen drauf, dass die zwei Prozent kommen“, ESuT April 2023, Neues Zielbild für die Zeit ab 2035
gibt Einblick in die zukünftige Flottenstruktur, S. 33 bis 36


will man davon sechs, so dass sich die U-Boot-Flotte von sechs auf bis zu 15 auf das Zweieinhalbfache
vergrößert.
Diese Marine-Vorhaben übersteigen massiv die Vorgaben aus dem Bühler-Papier. Dort wurde nur ein
Anstieg der Flotte um ein Drittel angestrebt.
Allein die schiere Anzahl lässt auf gigantische Vorhaben schließen. Nicht nur das: Die einzelnen
Kriegsschiffe werden immer größer und damit auch kampfstärker und sie werden immer
kostspieliger. Auffallend ist, dass die deutsche Marine zunehmend Kriegsschiffe entwickelt, die von
See aus an Land schießen können. Sie sind nicht nur für den Einsatz in Europa konzipiert, sondern
auch für den Indischen und den Pazifischen Ozean.35 Der NATO hat die Bundeswehr bis Ende 2031
zugesagt, „mindestens 15 Kriegsschiffe, also Fregatten, Korvetten und U-Boote gleichzeitig zum
Kampf über und unter Wasser bereitzustellen.“36
Größter Brocken des „Sondervermögens“ soll an die Luftwaffe gehen
Die Luftwaffe soll den größten Brocken aus dem 100 Mrd. Sonderfonds erhalten: Die FAZ schreibt der
Luftwaffe 41 Mrd. zu. Mindestens 7,8 Mrd. davon fließen in 60 schwere Transporthubschrauber des
Typs Chinook von Boeing. Sie sollen bis 2030 ausgeliefert sein.
Für 152 Millionen Euro sollen 140 Raketen gekauft werden, die der Bewaffnung von Kampfdrohnen
des Typs HERON TP aus Israel dienen. Mit ihrem Einsatz muss ab 2024 gerechnet werden.
5 Mrd. sind aus dem Sondervermögen vorgesehen37 für den Aufbau eines Europäischen
Luftverteidigungssystems (ESSI), dem sich bisher unter deutscher Führung 18 Staaten Europas
angeschlossen haben. Es soll bis 2025 fertig sein. Das System soll aus drei Komponenten bestehen,
die kurze, mittlere und lange Reichweiten abdecken sollen. Die Komponente Arrow 3 aus Israel für
lange Reichweiten soll allein mit 3 Milliarden zu Buche schlagen.38 Pistorius strebt die
Vertragsunterzeichung mit Israel bis Ende des Jahres an.39 Acht IRIS T für kürzere Distanzen kosten
etwa 1,2 Mrd.. Diese Entscheidung soll noch vor der Sommerpause fallen.40 Die Regierung hat es
damit offensichtlich eilig.
Luftwaffe: die Hälfte neu
Insgesamt soll im kommenden Jahrzehnt etwa die Hälfte der Luftwaffe erneuert werden. 118
Eurofighter41 und Tornados sollen durch 128 neue Kampfflugzeuge „ersetzt“ werden.42
Ein Teil davon soll definitiv aus dem Sondervermögen finanziert werden. Dabei handelt es sich um
zwei neue Flugzeugtypen, die die altersschwachen Tornados der Bundeswehr ersetzen sollen. Die
Tornados dienen im Rahmen der sogenannten Nuklearen Teilhabe der NATO derzeit noch dazu, in


35 Einen Überblick über die deutsche Marinerüstung findet sich hier: Lühr Henken, Volle Kraft voraus auf fremde Küsten,
September 2021, 5 Seiten, https://www.imi-online.de/download/LH-Marineruestung.pdf
36 NZZ 16.1.2023, Warum Deutschlands Armee nicht einsatzfähig ist.
37 Sven Arnold/ Torben Arnold, Deutschlands schwache Führungsrolle bei der europäischen Luftverteidigung, SWP-Aktuell,
Nr. Januar 2024. 8 Seiten, Seite 8
38 IMI 21.10.22, Sondervermögen: Preisschilder, https://www.imi-online.de/2022/10/21/sondervermoegen-preisschilder/
39 NZZ 25.5.23 Wenn Wunschdenken auf russische Raketen trifft
40 IMI 2.2.23, https://www.imi-online.de/2023/02/02/iris-t-ankauf/
41 118 Flugzeuge = 85 Tornados + 33 alte Eurofighter der Tranche 1
42 Die Lebenswegkosten, also die Gesamtkosten für Anschaffung, Betrieb, Ersatzteile, Modernisierung etc., über 40 Jahre
werden zusammen geschätzt 100 Mrd. Euro betragen.


Büchel gelagerte US-Atombomben in Richtung Russland tragen zu können. Als Tornado-Ersatz sollen
35 Tarnkappenbomber des Typs F-35 in den USA sowie 15 Eurofighter zur Unterdrückung der
russischen Flugabwehr gekauft werden. Ende Dezember gab der Bundestag grünes Licht für die F-35.
Sie werden wohl 10 Mrd. Euro kosten, die Eurofighter 4 Mrd..43 Ausgeliefert werden sollen die F-35
von 2027 an, die Eurofighter ab 2029.
Die in Büchel gelagerten atomaren 15 Freifallbomben44 der Typen B61-3 und B61-4 sollen schon ab
2024 durch wesentlich präziser steuerbare Nachfolgermodelle des Typs B61-12 ersetzt werden.
Zudem - und das ist von ganz besonderer Bedeutung - können sie, im Gegensatz zu den derzeitigen
Modellen, „mehrere Meter in das Erdreich eindringen und somit […] gezielt gegen tiefliegende
Bunker eingesetzt werden.“45
Abschließend noch zu zwei Mega-Projekten der Luftwaffe, wobei das erste Projekt auch Teil des
zweiten werden kann.
Eurodrohne
Eurodrohnen sind Mehrzweckdrohnen Deutschlands, Frankreichs, Italiens und Spaniens und ein
Projekt der militärischen Ständigen Strukturierten Zusammenarbeit (PESCO) der EU unter deutscher
Führung. Airbus Defence & Space entwickelt und baut die Eurodrohnen federführend in Manching
bei Ingolstadt zusammen.
Die Drohnen dürfen im zivilen Luftraum fliegen, können also überall starten und landen. Das erhöht
die militärische Flexibilität in unerhörtem Maß. Die Eurodrohnen werden mit Elektronik vollgestopft.
Mit ihrer SIGINT-Technik spioniert die Eurodrohne die militärischen Führungs- und
Kommandostrukturen fremder Länder aus. Dafür nimmt sie aus einer Flughöhe von 13 km herunter
in einem Radius von bis zu 400 km elektronische Signale auf. Zudem legt die Eurodrohne digitale
detaillierte Landkarten an, in die die mittels SIGINT ermittelten strategischen Orte eingetragen und
als Angriffsziele zugewiesen werden.
Die Eurodrohnen, mit 11 Tonnen Gewicht, mehr als doppelt so schwer wie die derzeit größten
Kampfdrohnen HERON TP und Reaper („Sensenmann“) aus den USA, sollen eine
Panzerabwehrlenkrakete („Brimstone“) sowie eine lasergelenkte Bombe von 227 kg-Gewicht (GBU-
49) tragen, die auf sechs bis neun Meter genau trifft. Die Eurodrohne wird in Bundeswehrkreisen als
„europäische Superdrohne“ und als ein „echter Gamechanger“ für die Luftwaffe gepriesen.46 Von
den insgesamt 63 Eurodrohnen, die die vier Staaten abnehmen wollen, will Deutschland 21. Der
Vertrag ist rechtskräftig. „Die Kosten des deutschen Anteils dieses Projekts liegen bislang nahe an
vier Milliarden Euro.“47 Eine Eurodrohne kostet also weit mehr als ein Eurofighter. Ab 2029 sollen die
21 deutschen Eurodrohnen in Jagel (Schleswig-Holstein) stationiert werden. Aufhängepunkte für die
Waffen werden jeweils angebracht, die Waffen werden später beschafft.
Kampfflugzeugsystem FCAS: Das Jahrhundertprojekt


43 Griephan-Brief 13/22, in Jürgen Wagner, Kriegskredite und Rüstungslisten 6.6.22, https://www.imi-
online.de/2022/06/06/kriegskredite-und-ruestungslisten/
44 https://fas.org/blogs/security/2021/12/fa-18_removed-from-fact-sheet/ abgelesen 12.8.22
45 ebenda
46 Oberstleutnant Jens Büttner, Angehöriger des Kommando Luftwaffe, ES&T August 2022, S. 57
47 FAZ 15.6.21


FCAS ist wahrlich ein Jahrhundertprojekt, auf das sich Macron und Merkel 2017 verständigt haben.
Spanien kam inzwischen hinzu. Dabei geht es darum die dann veralteten Kampfflugzeuge
Deutschlands (Eurofighter) und Frankreichs (Rafale) nicht schlicht durch ein neues Kampfflugzeug zu
ersetzen, sondern durch das Kampfflugzeugsystem der Zukunft „Future Combat Air System“ (FCAS).
FCAS soll in den Jahren 2040 bis 2080 eingesetzt werden. Allein seine Entwicklungskosten werden
auf über 100 Mrd. Euro geschätzt. Branchenkenner rechnen mit einem Umsatz von 500 Mrd. Euro.48
FCAS ist damit fünfmal größer als das bisher größte europäische Militärprojekt, der Eurofighter.49
Im Zentrum von FCAS steht ein neu zu entwickelndes Kampfflugzeug der nächsten, der 6.
Generation50: der Next Generation Fighter (kurz: NGF). Jedes NGF soll von bewaffneten Drohnen, wie
der Eurodrohne, und Drohnenschwärmen in einem digitalen Netzwerk, der sogenannten Kampf-
Cloud, umgeben sein. Die „Kampf-Cloud“ gilt als elektronisches Gehirn, als Kommando-Zentrale, in
dem die Daten zusammenfließen. Beim NGF hat Frankreichs Dassault die Führungsrolle inne.
Allerdings geht Airbus dabei alles andere als leer aus: „Auf Airbus und seine Zulieferer entfallen mit
den deutschen und spanischen Standorten zwei Drittel der Wertschöpfung und auch zwei Drittel des
Budgets.“51
Das NGF wiederum ist mit anderen NGFs verbunden, mit Satelliten, mit Aufklärungsdrohnen, mit
Aufklärungs- und Tankflugzeugen, mit Kriegsschiffen und Heereseinheiten. Die Verbindung schafft
Echtzeit-Bilder und Echtzeit-Analysen. In der „Kampf-Cloud“ wird Künstliche Intelligenz die alles
durchdringende zentrale Rolle spielen. FCAS stellt eine Revolution der Militärtechnik dar. Es wird
deshalb als „System of Systems“ bezeichnet.
Das Kampfflugzeug NGF wird als Tarnkappenbomber und als Träger von Atombomben konzipiert und
soll auf einem eigens noch herzustellenden französischen oder deutsch-französischen Flugzeugträger
starten und landen und möglicherweise auch unbemannt fliegen können.
Das militärische Ziel von FCAS ist es, über eine Kampfüberlegenheit in der Luft auch den Krieg an
Land und auf dem Meer zu gewinnen. FCAS ist vor allem gegen Großmächte gerichtet. Die EU strebt
damit militärischen Weltmachtstatus an. Das ist meine These. Dafür gibt es zwei Belege:
Erstens, den gemeinsamen Standpunkt der Luftwaffenchefs Deutschlands, Frankreichs und Spaniens.
Sie sagen, worum es ihnen mit FCAS geht: Es „soll in allen Kategorien des Luftkampfes über
hervorragende Fähigkeiten verfügen, dadurch die Luftüberlegenheit unserer Luftwaffen und dadurch
die erforderliche Bewegungsfreiheit der anderen Teilstreitkräfte sicherstellen.“52
Zweitens, stellt der französische Senat zur FCAS-Architektur fest: „Die Herausforderung an die
künftigen Kampfflugzeuge wird darin bestehen, die Fähigkeit zur Eroberung und Aufrechterhaltung


48 Das Projekt wird „nach Schätzungen aus der Branche,“ so das Handelsblatt, „einen Umsatz von 500 Milliarden Euro
bringen“, Thomas Hanke, Martin Murphy, Donata Riedel, So wollen Deutschland und Frankreich ihre Rüstungsindustrie neu
aufstellen, 26.11.18, https://www.handelsblatt.com/politik/international/gemeinsame-jets-und-panzer-so-wollen-
deutschland-und-frankreich-ihre-ruestungsindustrie-neu-aufstellen/23673794.html?ticket=ST-1006788-
z1Z9FyM2EFj5ebyOImst-ap2 abgelesen 12.8.22
49 Die 140 Bundeswehr-Eurofighter der Tranchen 1 bis 3A kosteten knapp 25 Mrd. Euro. Für insgesamt 623 bestellte
Eurofighter müssen rund 100 Mrd. Euro berappt werden.
50 Die Spitze der Entwicklung momentan bildet mit dem US-amerikanischen F-35 die 5. Generation. Die angesprochenen
Rafale und Eurofighter sind Kampfflugzeuge der Generation 4+.
51 FAZ 19.2.22, Interview mit Michael Schöllhorn, Geschäftsführer von Airbus Defence & Space
52 FAZ.net 21.2.20, Philippe Lavigne, Javier Salto Martines-Avial, Ingo Gerhartz, Die Zukunft der europäischen Luftwaffen,
https://www.faz.net/aktuell/politik/gastbeitrag-die-zukunft-der-europaeischen-luftwaffen-16642571.html


der Luftüberlegenheit zu besitzen, um mit der dritten Dimension sowohl zu Land als auch zu Wasser
agieren zu können.“53
FCAS ist nur realisierbar, wenn das System oder wesentliche Teile davon auch nach außerhalb
Europas exportiert werden kann, was wiederum nur möglich ist, wenn auf US-amerikanische
Bauelemente verzichtet wird, denn sonst könnte die US-Regierung Einspruchsrechte geltend
machen. „Frühestens 2028 soll der erste Prototyp abheben.“54
Deutsch-französische Mega-Projekte: für geopolitische EU
Die EU will sich auf diesem Weg eine militärische „Strategische Autonomie“ – also Unabhängigkeit
von den USA – verschaffen, die insbesondere Frankreich für sich anstrebt. „Strategische Autonomie“
ist als Ziel der EU seit 2016 zunächst in ihrer Globalstrategie festgelegt und in ihrem im März 2022
verabschiedeten „Strategischen Kompass“55 operationalisiert worden. Mittels „Strategischer
Autonomie“ solle die EU „ihre geopolitische Stellung ausbauen“. Im „Strategischen Kompass“ wird
konkret die Förderung der Entwicklung von FCAS und MGCS als „strategische Fähigkeit“ angestrebt.
Der Vorsitzende der größten Regierungspartei SPD, Lars Klingbeil, setzte dort an, als er forderte, die
Europäische Union müsse „eine geopolitische Bedeutung entfalten“. Wörtlich sagte er: „Deutschland
muss den Anspruch einer Führungsmacht haben.“56 Dazu plauderte die FAZ aus, dass Klingbeil hier
als his masters voice auftrat. Sie schrieb: „Klingbeil hatte seine Führungsmachtrede eng mit dem
Kanzleramt abgestimmt, auch wenn Scholz die Wortwahl seines Parteivorsitzenden nicht eins zu eins
übernimmt.“57 Scholz, der in seiner „Zeitenwende-Rede“ bereits angekündigt hatte, MGCS und FCAS
mit „höchster Priorität“ angehen zu wollen, hat in einem Grundsatzartikel58 unterstrichen, die EU
müsse ein geopolitischer Akteur59 werden. Es gelte, in der EU die Reihen zu schließen, „beim Aufbau
einer europäischen Verteidigung, bei technologischer Souveränität und demokratischer Resilienz,“
schreibt er. In seiner Rede in der Universität in Prag Ende August letzten Jahres warb er für den
„Aufbau einer schnellen EU-Eingreiftruppe, die mittelfristig über ein ‚echtes‘ Hauptquartier verfügen
soll. ‚Deutschland wird sich dieser Verantwortung stellen, wenn wir 2025 die schnelle Eingreiftruppe
führen‘, sagte er.“ 60 In seiner Rede vor dem EU-Parlament Anfang Mai in Straßburg warb er für eine
„geopolitische Europäische Union“, für „eine noch viel engere Verzahnung unserer
Verteidigungsanstrengungen“ und für „den Aufbau einer integrierten Verteidigungswirtschaft.“61
Angesichts seiner Orientierung auf eine militarisierte EU mit geopolitischem Anspruch musste
folgende Passage in seiner Straßburger Rede rätselhaft erscheinen: Er sagte: „wer nostalgisch dem


53 Ronan Le Gleut, Hélène Conway-Mouret, Senatoren, Senat, Sondersitzung 2019 – 2020, Informationsbericht Nr. 642,
ausgestellt im Namen des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten, Verteidigung und Streitkräfte über das
Luftkampfsystem der Zukunft (Future Combat Air System, FCAS), 15. Juli 2020, 99 Seiten, S. 29.
http://www.senat.fr/rap/r19-642-3/r19-642-31.pdf
54 NZZ 24.2.2023
55 Vgl. Jürgen Wagner, Ein Strategischer Kompass – Für Europas Rückkehr zur Machtpolitik, Brüssel 8.6.2022, 42 Seiten,
https://www.rosalux.eu/de/article/2135.ein-strategischer-kompass.html
56 FAZ 22.6.2022 Klingbeils neue Wirklichkeit. Ökonomisch zeigte sich Deutschland 2022 weit vor der zweitgrößten
Ökonomie der EU, Frankreich, aufgestellt. Das deutsche BIP verzeichnete den Wert von 3.867 Mrd. Euro, das Frankreichs
lediglich 2.643 Mrd. Euro – ein Mehr von 46,3 Prozent.
57 FAZ 19.9.2022 Zwei Schritte vor, einer zurück.
58 FAZ 18.7.2022, Olaf Scholz, Nach der Zeitenwende.
59 FAZ 18.7.2022, Bundeskanzler Scholz fordert eine geopolitische EU
60 FAZ 30.8.2022 Zeitenwende in Europa
61 Rede von Bundeskanzler Scholz im Rahmen der Diskussionsreihe „This is Europe“ im Europäischen Parlament am 9. Mai
2023 in Straßburg, 6 Seiten, S. 3. https://www.bundesregierung.de/breg-de/suche/rede-von-bundeskanzler-scholz-im-
rahmen-der-diskussionsreihe-this-is-europe-im-europaeischen-parlament-am-9-mai-2023-in-strassburg-2189408


Traum europäischer Weltmacht nachhängt, wer nationale Großmachtphantasien bedient, der steckt
in der Vergangenheit.“62 Viele bewerteten dies als einen Seitenhieb gen Frankreich, gegen Macron,
der eine strategische Autonomie der EU gegen die USA gerichtet sieht. Scholz betonte in Straßburg:
„die Vereinigten Staaten bleiben Europas wichtigster Verbündeter.“63 Dieser Widerspruch ist nur
scheinbar. Die Aufrüstung der EU mit superteuren Waffensystemen, die unabhängig von den USA
entwickelt und produziert werden sollen, wird die Rüstungsbasis in Westeuropa stärken, die Waffen
wiederum stärken den europäischen Pfeiler der NATO, können aber eben auch unabhängig von einer
Zustimmung der USA eingesetzt werden. Scholz und Macron fahren hier mittel- bis langfristig
zweigleisig.
Schluss
Ich komme zu meinen Schlussgedanken: Da Deutschland als größte Wirtschaftsmacht Europas die
höchsten Militärausgaben anstrebt, bei den Mega-Militärprojekten die technologische und finanzielle
Führung beansprucht, formuliert die SPD-geführte Bundesregierung nicht weniger als den Anspruch,
die EU mit Deutschland an der Spitze zu einer militärischen Weltmacht ausbauen zu wollen.
Dadurch befeuert Deutschland das Wettrüsten gegenüber Russland, aber auch gegenüber China und
auch gegenüber den USA. Wird diesem Rüstungswahn nicht Einhalt geboten, droht der Menschheit
und dem Globus eine Megakatastrophe. Geld, das dringend nötig ist für die Bewältigung der
Klimakrise, von Hunger und Armut und die Überwindung der sozialen Ungleichheit wird sinnlos
verpulvert. Die Zukunft des Planeten kann nur durch gleichgewichtige Abrüstung bei gegenseitiger
Rüstungskontrolle gesichert werden. Zu beachten ist dabei, dass das strategische Gleichgewicht
gewahrt werden muss und die eigene Sicherheit nicht auf Kosten der Sicherheit anderer gehen darf.
Vielen Dank!
---------------
*Lühr Henken, ist Ko-Sprecher des Bundesausschusses Friedensratschlag (www.Friedensratschlag.de
), Herausgeber der Kasseler Schriften zur Friedenspolitik (https://jenior.de/produkt-
kategorie/kasseler-schriften-zur-friedenspolitik/ ) und arbeitet mit in der Berliner
Friedenskoordination (http://www.frikoberlin.de/ )
62 A.a.O. S. 2
63 A.a.O. S. 3


unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

21.06.2023

NATO – Alles war umsonst

globalresearch.ca, vom 19. Juni 2023, Von Karsten Riise


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Ausführlicher Bericht:

 

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Viele von Ihnen haben wahrscheinlich gesehen, dass sogar die Washington Post das völlige Scheitern der sogenannten „Gegenoffensive“ der Ukraine, der NATO und der USA zugibt.


Mehr als eine Woche nach Beginn der vielbeschworenen Gegenoffensive der Ukraine, die laut Kiew und seinen westlichen Unterstützern die russischen Invasoren auf die Linien vor der Invasion zurückdrängen wird, gibt es Anzeichen dafür, dass die Ukraine wahrscheinlich keine Blitzgewinne erzielen wird.

Die militärischen Misserfolge Russlands im letzten Jahr führten zu einer falschen Vorstellung von Schwäche. Offensive Operationen sind weitaus schwieriger und angreifende Armeen erleiden weitaus mehr Verluste als die verteidigende Seite.

„Die Russen kämpfen auf gut vorbereiteten Stellungen und haben ausreichend Artilleriemunition angesammelt, außerdem verfügen sie über mehr Drohnen

„Es gibt so viele Minenfelder vor Stellungen und viele Kilometer davon entfernt, auf den Straßen, auf den Feldern, und das ist wirklich schwierig“

Düstere Aussichten für die Ukraine

„Und eine Menge ukrainischer Durchbruchsausrüstung wurde bereits zerstört, daher ist der Versuch, all diese Minen zu durchbrechen, eine echte Herausforderung. Das ist die erste Verteidigungslinie.

Dann kommen die Drohnen. Kriegsbefürwortende russische Blogger und Reporter haben in den letzten zwei Wochen fast täglich vergnügt Videoclips von Lancet-Drohnen gepostet, die westliches Material zertrümmern.

Auch die russischen Streitkräfte nutzen die Luftfahrt aktiver.

Präsident Wladimir Putin behauptete mutig, dass die Kampfverluste der Ukraine „zehnmal höher“ seien als die Verluste Russlands.

„Ich sehe nirgendwo auf den russischen Linien Panik.“

Die ukrainische Armee steht immer noch vor ihrer größten Herausforderung: dem Durchbruch zu den russischen Linien und dem Durchhalten in groß angelegten Infanteriekämpfen.

Sehen Sie sich das an .

Mit anderen Worten:

Die Ukraine wird von Drohnen, von Luftangriffen und von Artillerie bombardiert, was zu ihrer Zerstörung durch riesige Minenfelder führt, die sie nicht räumen kann – und nach zwei Wochen voller enormer Verluste und nutzloser Anstrengungen ist die Ukraine noch nicht einmal in die erste Verteidigungslinie Russlands eingebrochen Positionen. Und das, obwohl die NATO der Ukraine alles gegeben hat, was sie konnte: an fortschrittlicher Ausrüstung (Leopard 2, Challengers, Bradleys, M777, Storm Shadow), an NATO-Ausbildung, an NATO-Offizieren am Boden (mehrere Tote bei russischen Luftangriffen) und an US-Militär-KI Software wie Paladir und US-Spionagesatelliten, die der Ukraine Live-Übertragungen der Lage vor Ort liefern. Und die Ukraine ist noch nicht einmal zu Russlands erstem „durchgebrochen“.Verteidigungslinie. Die Ukraine versucht ohne Luftverteidigung anzugreifen. Auch die Ukraine versucht mit großer Unterlegenheit an Artillerie anzugreifen. Und die Ukraine versucht, durch Minenfelder anzugreifen, die sie nicht kennt und für deren Räumung sie nicht über die nötige Ausrüstung verfügt. Die Ukraine ist bereits in der sogenannten „flexiblen Zone“ vor ihren ersten Verteidigungslinien gefangen und zerstört. Die gesamte NATO war umsonst.

Hier hast du es.

Kein Wunder, dass westliche Stimmen in der „Ukraine Prawda“ davon sprechen, „eine Pause“ bei den selbstmörderischen „Offensiv“-Bemühungen der Ukraine einzulegen – es ist einfach ein Verlustzirkus. Sehen Sie sich das an .

Alles, was die NATO tut, besteht darin, ukrainische Männer an der Front zu ermorden.

Die Ukraine ist verschwendet.

*

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Karsten Riise ist ein Master of Science (Econ) der Copenhagen Business School und verfügt über einen Universitätsabschluss in spanischer Kultur und Sprachen der Universität Kopenhagen. Er ist ehemaliger Senior Vice President Chief Financial Officer (CFO) von Mercedes-Benz in Dänemark und Schweden.


Er schreibt regelmäßig Beiträge für Global Research.

Das vorgestellte Bild stammt von InfoBrics

Die Originalquelle dieses Artikels ist Global Research

Copyright © Karsten Riise , Global Research, 2023


Info: https://www.globalresearch.ca/nato-all-was-nothing/5822799


unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

21.06.2023

Fremde Federn
Autoritäre Kipppunkte, Wärmewende, hybrides Arbeiten

makronom.de, vom 20. Juni 2023, Makrothek

In den „Fremden Federn“ stellen wir einmal pro Woche in Kooperation mit dem Kuratorendienst piqd eine Auswahl von lesenswerten journalistischen Fundstücken mit wirtschaftspolitischem Bezug zusammen. piqd versteht sich als eine „Programmzeitung für guten Journalismus“ – was relevant ist, bestimmen keine reichweitenoptimierten Algorithmen, sondern ausschließlich ausgewählte Fachjournalisten, Wissenschaftler und andere Experten.



Italien – Tradition vs. Globalisierung?

piqer: Thomas Wahl

Italien, wie wir es lieben, das ist u.a. der Prosciutto, der Parmesan, der Aceto balsamico. Geschützt als italienische Kulturgüter, die nicht gefälscht, kopiert oder anderswo produziert werden sollen. Doch nun zeigt Alberto Grandi, Professor an der ökonomischen Fakultät der Universität Parma, dass diese Traditionen eigentlich ziemlich jung und in Zeitschleifen mit der Vergangenheit und der ursprünglichen Globalisierung verschlungen sind. Den wirklich echten Parmesan soll es in Wisconsin in den USA geben, dort hingelangt durch die erste italienische Einwanderungswelle:

«Der Parmesan aus Wisconsin ist nicht so gut wie derjenige, den wir heute hier herstellen, aber er ist viel näher am ursprünglichen Produkt, also an jenem, das unsere Vorfahren kannten.» Während er in der Emilia-Romagna, seinem Ursprungsterrain, lange Zeit vergessen war, stellten ihn italienische Auswanderer in den USA nach den alten Rezepten her. Seine Textur ist fetter, der Käse weicher, seine Rinde ist schwarz, weil er wie früher, damals zwecks Konservierung, mit Asche behandelt wird. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Parmesan in Italien zum bröckligen Hartkäse weiterentwickelt, als der er heute verkauft und geschätzt wird.

Und da auch viele Italiener lieber in einer idealen Welt leben und die reale Geschichte eher als Kritik auffassen, schlagen die Erregungswellen hoch. Seit einem Interview, das Grandi Ende März der «Financial Times» gegeben hat, muss er sich in den Medien erklären und rechtfertigen.

Der Vizeregierungschef Matteo Salvini ritt sofort eine Attacke gegen Grandi, und Coldiretti, der italienische Landwirtschaftsverband, veröffentlichte ein wütendes Statement und warf dem Professore vor, einen «surrealen Angriff auf die ikonischen Gerichte der italienischen Küche» zu starten, und dies ausgerechnet zu dem Zeitpunkt, da sich die Regierung um die Aufnahme derselben in das immaterielle Kulturerbe der Unesco bewerbe.

Den Italienern liegt ihre „erfundene“ Tradition (die ja keiner wirklich zerstören möchte) wohl näher als die Moderne und die Zukunft. Italien, im vergangenen 20. Jahrhundert einst ein Land der Innovation, pflegt seine Mythen, seinen «Gastro-Nationalismus». Man vergisst z. B., dass etwa Giulio Natta, der Erfinder des Plastiks, eines der wichtigsten Produkte der Neuzeit, ein Italiener war. Oder dass der Vorläufer des PC aus Italien stammt, nämlich der erste frei programmierbare Tischrechner der Welt, der P101 von Olivetti. Ähnlich wie viele in Deutschland ist man skeptisch gegen Gentechnik oder AI. Man behindert und verbietet Entwicklungen und Anwendungen.

Die Rückbesinnung auf vermeintliche alte kulinarische Traditionen und die Genese von identitätsstiftenden Erzählungen über die italienische Küche habe ihren Ursprung in den Nachkriegsjahren. Ende der fünfziger und Anfang der sechziger Jahre hat Italien einen unglaublichen wirtschaftlichen Boom erlebt. Innerhalb kürzester Zeit ist aus einem Armenhaus ein wohlhabendes Land geworden. Die Alternative für die Menschen habe gelautet: «Du verzichtest auf deine Traditionen, dafür erhältst du Wohlstand, wie du ihn noch nie erlebt hast», erklärt der Professore. Doch auf den Aufschwung folgte die Krise. In den siebziger Jahren seien die sozialen Kosten sichtbar geworden, und Modernität sei plötzlich als gefährlich empfunden worden.

Und nun suchen Italiener (wie auch viele Deutsche) eine neue Erzählung von einem glücklichen Land, in dem es sich schon immer anständig leben und essen lässt. Wobei das kein alleiniges Merkmal der Konservativen sei, so Grandi.

In ihrer Skepsis gegenüber Globalisierung und freien Märkten träfen sie sich mit der Linken. Auch diese habe nostalgische Vorstellungen von Ernährungssicherheit und Produktionsbedingungen. … Schon der grosse linke Intellektuelle Pier Paolo Pasolini sei modernitätskritisch gewesen und habe in der bäuerlichen Gesellschaft nach eigenständigen kulturellen Traditionen und Wertvorstellungen gesucht. «Dabei war das eine sehr arme, gewalttätige Welt.»

Sicher, die ursprüngliche italienische Küche war eine «cucina domestica», was man (etwas lieblos) mit «Hausmannskost» übersetzen kann. Die charakteristischen Speisen entstanden zu Hause am heimischen Herd. Aber es ist kein Zufall, dass es erst 1985 überhaupt einen Michelin-Stern für ein italienisches Restaurant gab, in Zeiten des wachsenden Wohlstandes.

Italiens Küche ist einfach und kommt mit wenig aus. «Raffinement» ist demgegenüber eine Erfindung der Franzosen. «Das Tiramisu ist charakteristisch dafür», erklärt er, «es ist eine moderne und typisch heimische Speise.» Erst mit dem aufkommenden Wohlstand sei es möglich geworden, den relativ teuren Mascarpone dafür zu verwenden.

Also pflegen wir doch in unserem Wohlstand beides – Tradition und Innovation. Nicht nur in Italien. Guten Appetit und „künstliche“ Intelligenz …

nzzWie Alberto Grandi ein etwas selbstgerechtes Land aufschrecktAutor: Luzi Bernet



Gesellschaftliche Kipppunkte

piqer: Jürgen Klute

Wer die klimapolitischen Debatten verfolgt, dem bzw. der ist der Begriff „Kipppunkte“ sehr wahrscheinlich vertraut: Es sind Punkte, nach deren Überschreiten sich gegenseitig verstärkende Prozesse beginnen, die nicht mehr zu stoppen oder zurückzudrehen sind.

Daniel Mullis, Maximilian Pichl und Vanessa E. Thompson haben den Begriff „Kipppunkte“ nicht zufällig als zentralen Begriff ihrer Analyse gewählt. Darin geht es nicht um das physikalische Klima, sondern um das gesellschaftliche Klima. Auch wenn gesellschaftliche Prozesse nicht unumkehrbar seien, wie sie schreiben, sehen sie Parallelen zwischen klimatischen und gesellschaftlichen Kipppunkten. „Allerdings sind etablierte Diskurse,“ schreiben die Autorinnen weiter, „Strukturen und Normen oft nicht rückgängig zu machen. Sind autoritäre Kipppunkte überschritten, wird der Boden brüchig, auf dem plurale und demokratische Gesellschaften stehen.“ Gesellschaftliche Kipppunkte sind aus Sicht der Autorinnen Punkte, durch deren Überschreiten demokratische Gesellschaften in autoritäre Gesellschaften umkippen, wie in Ungarn und Polen bereits geschehen.

Die Autorinnen fragen dementsprechend nach Anzeichen dafür, ob, in welchem Maße und in welcher Geschwindigkeit sich die deutsche Gesellschaft auf einen „autoritären Kipppunkt“ zubewegt. Sie weisen auf eine ganze Reihe kritischer Entwicklungen innerhalb der deutschen Gesellschaft hin. Allerdings betrachten die drei Autorinnen den autoritären Kipppunkt bisher noch nicht als überschritten und hegen trotz aller Besorgnis die Hoffnung, dass die deutsche Gesellschaft heute trotz ihrer langen rassistischen und autoritären Tradition ausreichend demokratische Gegenkräfte mobilisieren kann. Schön wäre es, persönlich teile ich diesen Optimismus schon seit längerer Zeit nicht mehr.

tazAm autoritären Kipppunkt Autoren: Daniel Mullis & Maximilian Pichl



Hybrides Arbeiten – Nach wie vor ein Orchideen-Fach in Unternehmen?

piqer: Ole Wintermann

McKinsey hat 50 große Konzerne aus 10 Ländern nach ihren Erfahrungen und Strategien zur Umsetzung hybriden Arbeitens befragt. Die Antworten fallen in Summe eher ernüchternd aus:

„Though organizations acknowledge that hybrid work is the new normal, most have not yet adopted true hybrid principles, which include creating policies, workflows, and documentation to help employees understand the most effective ways of hybrid working.“

Oder anders formuliert: Die CEO waren stets bemüht, verirren sich aber in technokratischen Kleinigkeiten statt die Nutzensteigerung hybriden Arbeitens vorn an zu stellen:

„Many company leaders today are preoccupied with the ongoing debate about days in the office rather than the capabilities and strategies being deployed to create a sustainable, responsive, and magnetic workplace experience.“

McKinsey hat die Unternehmen nach einer bewährten Systematik der Überprüfung des Umsetzungsgrads hybriden Arbeitens analysiert. Hierbei zeigte sich, dass CEO bzw. die Vorstände grundsätzlich inzwischen zwar schon verstanden haben, dass Work- und Workplace Experience einen Vorteil in Zeiten des Fachkräftemangels darstellen und insgesamt die Produktivität der Beschäftigten befördert. Übergeordnete Strategien, Langfristdenken und Nachhalten des Erfolgs einzelner Maßnahmen sind aber nur bei einem kleineren Teil der Konzerne zu finden. So kann nicht einmal die Hälfte der Unternehmen einen iterativen Prozess der beständigen Verbesserung der Work-Experience nach Umsetzung einzelner Maßnahmen vorweisen. Positiv zu sehen: 3 von 4 Unternehmen beziehen mittlerweile Nachhaltigkeits- und Klimaschutz-Aspekte in die Planung der Arbeitsplatzgestaltung mit ein.

Da die Umfrage in Kooperation mit Immobilienfirmen durchgeführt wurde, wurde die negative Folge dieser fehlenden Strategie besonders herausgestellt. Denn in der Konsequenz ergibt sich ein hoher Anteil ungenutzter, nicht optimal genutzter und überteuerter Büroräume, die bei den Unternehmen zu unnötigen Mehrkosten führen.

Spannend ist der Hinweis der Autoren auf die Lösung des Problems des suboptimalen Managements hybriden Arbeitens durch die Immobilienfirmen:

„The future for corporate real estate teams may be more like how retailers operate today.“

Und dasselbe sollte letztlich auch im Binnenverhältnis zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern gelten. Die Angestellten sind letztlich die Kunden, auf die die Unternehmen mehr zugehen sollten.

mckinseyIs your workplace ready for flexible work?Autoren: Phil Kirschner, Adrian Kwok & Julia McClatchy



ChatGPT im Gesundheitsbereich: Chancen und Risiken

piqer: Ole Wintermann

In diesen Tagen ist es üblich geworden, dass die Debatte um die Nützlichkeit oder Gefährlichkeit eines Sprachmodells wie ChatGPT polarisiert und teils auch aus einer Warte der negativen Betroffenheit heraus geführt wird. Der vorliegende wissenschaftliche Text hebt sich wohltuend davon ab, ohne Nutzen oder Risiken zu überbetonen.

Es geht hierbei um den Einsatz von ChatGPT im Gesundheitsbereich. Auf der Seite der Vorteile steht die Nutzung der KI für die Erstellung oder auch vorbereitende Recherche wissenschaftlicher Texte. Themenauswahl und Projektplanungen können schneller und spezifischer getroffen und formuliert werden. Zusammenfassungen zu Forschungsständen aus verschiedenen Studien können bereits heute so perfekt von ChatGPT geschrieben werden, dass Plagiatssoftware die „Handschrift“ der KI nicht mehr zu erkennen vermag.

Experimente können mit weniger Zeitaufwand durchgeführt werden, da der Abgleich mit dem aktuellen Forschungsstand nahezu in Realtime erfolgen kann. Gegenseitiges Kommentieren kann in der Form von Social Graphen gespeichert und berücksichtigt werden.

Für Patienten kann die KI die Rolle eines begleitenden Assistenten übernehmen, der sich um die Krankengeschichte, die Kombination von Medikamenten oder den Stand der Behandlung kümmert. Patientenübergreifend kann die KI Muster erkennen und helfen, Behandlungserfolge zu skalieren.

Für Angestellte im Gesundheitsbereich kann die KI die Rolle des Fortbilders übernehmen, der die Angestellten auf neueste Entwicklungen im eigenen Bereich hinweist und diese darstellt.

Und schließlich kann die KI die Arzt-Patienten-Schnittstelle ergänzen und bei Diagnose und Behandlung zur Hand gehen.

Auf der Seite der Risiken steht beispielsweise die Gefahr von Urheberrechtsverletzungen und unklaren Haftungsfragen im Zuge einer falsch erstellten Diagnose. Auch bei Ungenauigkeiten während der Behandlung muss die Frage der Haftung vorab geklärt werden. Und letztlich ist der Output der KI nur so gut wie der zu Beginn initiierte Prompt, der vom medizinischen Fachpersonal hochqualitativ formuliert werden muss.

Ethische Fragen resultieren aus unklaren Rechtslagen beim Datenschutz, der Nutzung privater Daten, der Transparenz der KI, der Vorgabe der Nicht-Diskriminierung und der Folgen für die soziale und ökologische Nachhaltigkeit. Auch stellt sich die Frage, ob die KI die ökonomische und soziale Ungleichheit innerhalb von Staaten oder zwischen dem globalen Norden und Süden verstärkt oder abschwächt.

Lösungsansätze sind aus Sicht der Autoren die rechtzeitige Einbeziehung der KI in die Ausbildung sowie eine weitreichende Regulierung.

frontiersChatGPT in medicineAutoren: Tirth Dave & Sai Anirudh Athaluri, Satyam Singh



Wärmewende? Einfach mal die Fachleute fragen!

piqer: Ralph Diermann

„Es gibt nichts Schöneres als Heizungskeller“, sagt Olaf Zimmermann, Chef der Firma Heizung Obermeier in München und Vorstandsmitglied der Handwerkskammer für München und Oberbayern. Zimmermann beklagt sich darüber, dass in der Heizungsdebatte vor allem diejenigen die Stimmung prägen, die noch nie eine Zange in der Hand gehabt haben – anstatt mal die Fachleute zu Wort kommen zu lassen.

Das hat nun die lokale Boulevardzeitung tz getan und Zimmermann in einem langen Interview die Gelegenheit gegeben, seine Sicht auf die Wärmewende – die fast alle seiner Kollegen teilen, so der Handwerker – darzulegen. Er hält die nun von der Ampel-Koalition stark verwässerte 65-Prozent-Erneuerbaren-Quote bei neuen Heizungen für absolut sinnvoll, aus Klimaschutz-Gründen und auch, weil es wirtschaftlich sinnvoll ist. Technisch spreche ohnehin in den meisten Fällen nichts gegen den Einbau einer Wärmepumpe, auch nicht in Bestandsbauten. Wo der energetische Zustand des Gebäudes schlecht ist, können Eigentümer auf eine Hybridheizung ausweichen, in denen ein Gas- oder Ölkessel die Wärmepumpe an sehr kalten Tagen unterstützt.

Bei seinen Kunden beobachtet Zimmermann viel Unkenntnis und Vorurteile, eine gewisse Beratungsresistenz und auch eine große Portion Bockigkeit – lieber noch schnell eine neue Ölheizung einbauen, bevor der Staat das untersagt, schon aus Prinzip. Am Geld scheitere die Installation einer Wärmepumpe jedenfalls im reichen München meist nicht, sagt Zimmermann:

Ich sehe jeden Tag bei meinen Kunden, welche Autos vor der Garage parken. Das sind teure SUVs, die nach fünf Jahren wieder ausgetauscht werden. Bei ganz vielen Leuten ist das Geld da – aber an der Heizung wird gespart.

tz„Man sollte mal uns Handwerker fragen“Autoren: Andreas Höß & Sebastian Hölzle



Wie ertragen, dass wir als Menschheit zu scheitern drohen?

piqer: Silke Jäger

Der Philosoph Thomas Metzinger wirft im Gespräch mit Gert Scobel eine existenzielle Frage auf:

„Wie bewahrt man eigentlich seine Selbstachtung in einer historischen Epoche, in der die Menschheit als Ganzes ihre Würde verliert?“

Metzinger beantwortet sich diese Frage so:

Das geht nicht mehr, weil man das Verhalten von sehr großen Teilen der Menschheit nicht mehr respektieren kann. Wir sind eine scheiternde Spezies.

Aus seiner Sicht geht es für die Menschheit jetzt darum, Schadensbegrenzung und intelligentes Katastrophenmanagement zu betreiben. Er hält Achtsamkeits- und Mitgefühlstechniken, wie sie in nicht-westlich geprägten Kulturen entwickelt wurden, für einen wichtigen Teil solch eines intelligenten Katastrophenmanagements.

Dabei will Metzinger es nicht so verstanden wissen, als ob Meditation ein wirksames Mittel gegen den Klimawandel wäre. Vor allem dann nicht, wenn es als Konsumware verkauft wird. Vielmehr geht es um das Handeln, um zu Erkenntnissen zu kommen. Das wäre nach Kant zum Beispiel „Das Richtige tun, einfach weil es das Richtige ist.“ Aber die asiatische Praxis des Handelns ohne Worte hält er ebenso für etwas, das wir in unserer Lage gut gebrauchen können. Meditation hilft dabei, sich selbst anders wahrzunehmen und sich dann anders in die Welt zu stellen.

Er plädiert für eine Art säkulare Spiritualität als Weg, um die eigene Selbstachtung zu schützen, während sie auf dem Weg in die Klimakatastrophe durch das Erleben, dass die Menschheit ihr eigenes Verhalten nicht ändern kann, obwohl sie es für nötig hält, immer wieder zerstört wird.

Die vielleicht schwerste und zugleich notwendige Praxis ist für Metzinger:

„Sanft und präzise bei dem Gefühl bleiben, das man eigentlich nicht spüren will.“

Das Gespräch startet etwas sperrig, wird aber schnell sehr interessant und macht Punkte auf, die ich vorher so noch nicht gehört habe. Es verbindet die politischen und psychologischen Herausforderungen durch den Klimawandel mit philosophischen und spirituellen Traditionen. Dabei spielt der von Metzinger eingeführte Begriff der Bewusstseinskultur eine zentrale Rolle.


youtube„Wir sind eine scheiternde Spezies!“Autoren: Thomas Metzinger & Gert Scobel


Info: https://makronom.de/autoritaere-kipppunkte-waermewende-hybrides-arbeiten-44445?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=autoritaere-kipppunkte-waermewende-hybrides-arbeiten

21.06.2023

De-Risking paradox, Milliarden für die Ukraine – und Moskau droht Kiew

lostineu.eu, 21. Juni 2023

Die Watchlist EUropa vom 21. Juni 2023

Von hinten durch die Brust ins Auge. So sagt man, wenn etwas unnötig verkompliziert oder verschleiert wird. Genau das hat EU-Kommissionschefin von der Leyen bei der Vorstellung ihrer „Strategie für wirtschaftliche Sicherheit“ gemacht.

Sie behauptet, China sei ein Unsicherheitsfaktor für die europäische Wirtschaft. Dabei ist der Handel mit China bisher ein Stabilitätsanker, vor allem für Deutschland. Die Unsicherheit geht vor allem von den USA und ihren Sanktionen aus. Denn die wirken jetzt schon – unabhängig vom Konflikt um Taiwan.

Den Niederlanden haben die Amerikaner bereits verboten, High-Tech-Chips nach China zu exportieren. Deutschland wollen sie untersagen, weiter Huawei-Produkte zu nutzen. Sogar massive Wirtschafts-Sanktionen nach dem „Vorbild“ Russland sind geplant – sie würden vor allem die deutsche Wirtschaft treffen.

Doch statt dieses Risiko klar zu benennen und sich von der US-Strategie zu distanzieren, folgt von der Leyen wieder einmal ihrem Idol Biden. Just an dem Tag, da Kanzler Scholz den chinesischen Ministerpräsidenten Li Qiang in Berlin empfing, kündigte die CDU-Politikerin in Brüssel eine Wende in der Wirtschaftspolitik an.

Protektionistische Investitions-Kontrollen und ein staatlich gelenkter Außenhandel – das droht, wenn sich von der Leyen durchsetzt. Ein echtes Risiko für die Wirtschaft – made in EU, bzw. in den USA…

Mehr zu China hier, zum Wirtschaftskrieg hier

 

News

  • 50 Mrd. Euro für die Ukraine – und eine Strategie für „wirtschaftliche Sicherheit“: Das verspricht die EU-Kommission. In der „taz“ habe ich aufgeschrieben, warum dies eine Wende in der Wirtschafts- und Finanzpolitik darstellt. Die 27 EU-Staaten sollen für die Ukraine sogar mehr Geld nachschießen als für die Migration und die Wettbewerbsfähigkeit
  • Harte Ansage aus Moskau an Kiew: Sollte die Ukraine mit amerikanischen Himars oder britischen Storm Shadow die Krim angreifen, so würde Moskau harte Vergeltung üben und die „Entscheidungszentren“ in Kiew zerstören, drohte Kriegsminister Schoigu. Verantwortlich wären die USA und Großbritannien, erklärte er...
  • Der Konservative Orpo ist Finnlands neuer Ministerpräsident und löst damit die Sozialdemokratin Marin ab. Mit seiner Vier-Parteien-Koalition rückt das Land deutlich nach rechts. (Tagesschau) Die Rechten bekommen mit den Posten der Innen- und der Justizministerin die Bestimmungshoheit in der Einwanderungspolitik.

 

Watchlist

  • Hat die Ukraine Fortschritte auf dem Weg zum EU-Beitritt gemacht? Dazu will die EU-Kommission am Mittwoch Stellung beziehen. Nach Angaben von Reuters soll Brüssel zu dem Schluß gekommen sein, dass nur zwei von sieben Bedingungen erfüllt wurden. Das wäre nicht genug, um Beitrittsverhandlungen zu starten!
  • Bedroht das Klima auch unsere Sicherheit? Darüber diskutiert Nato-Generalsekretär Stoltenberg am Mittwoch mit EU-Chefdiplomat Borrell und dem US-Sondergesandten Kerry in Brüssel. Leider hinter verschlossenen Türen: Die „Townhall“-Debatte lässt nur geladene Gäste zu. Ich stehe nicht auf der Liste. Warum nur?

 

P.S. Dieser Newsletter ist ein Test im Zuge des für den Herbst geplanten Relaunchs. Ihr Feedback hilft uns, die „Watchlist“ noch besser zu machen! Mehr Newsletter hier

14 Comments

  1. KK
    22. Juni 2023 @ 13:34

    „Hat die Ukraine Fortschritte auf dem Weg zum EU-Beitritt gemacht?
    …dass nur zwei von sieben Bedingungen erfüllt wurden. Das wäre nicht genug, um Beitrittsverhandlungen zu starten!“

    Da kommt doch bestimmt als Argument, dass in Zeiten des „völkerrechtswidrigen brutalen russischen Angriffskrieges“ ja auch nicht mehr verlangt werden könne… und es werden unverzüglich Beitrittsverhandlungen in Gang gesetzt.
    Würde mich jedenfalls nicht wundern.

Reply

  • ebo
    22. Juni 2023 @ 14:19

    Kommt wahrscheinlich im Dezember. Noch ein wenig rummäkeln, und dann durchwinken – so macht man es gern in Brüssel ????

    Reply

  • european
    21. Juni 2023 @ 17:12

    @ebo
    Ich finde es gut, dass diese Seite immer weiterentwickelt wird. Ich habe aber eine Frage zu den Daumen.

    Kommentiere ich mit den Daumen den Inhalt oder die Art, wie er vermittelt wird? Das ist nämlich nicht dasselbe. Z.B. finde ich nicht gut, dass wahllos weiter Kredite bekommt, die sie zum einen eh nicht zurückzahlen kann und die zum anderen die prekäre Lage verschärfen. Also müsste der Daumen runter. Gut finde ich dagegen, dass Sie überhaupt darüber schreiben. Also Daumen rauf.
    P.S. Ich war das nicht mit den zwei Daumen die schon da sind ????

    Vielleicht könnten Sie das einmal erläutern? Sollten Sie das schon getan haben (ich war einige Tage weg), dann reicht der Hinweis, wo es steht.
    Vielen Dank ????

    Reply

    • ebo
      21. Juni 2023 @ 17:18

      Sorry habe ich noch nicht erklärt. Die Daumen sind auch ganz neu Mir geht es vor allem darum, ob der Beitrag bzw der Block geliked wird, nicht so sehr um den Inhalt. Also sind die News interessant, wird die Watchlist gern gelesen? Wahrscheinlich frage ich das später nochmal genauer ab – denn ja, die Daumen sind nicht unbedingt selbst erklärend

      Reply

  • Wirtschaft läuft Sturm gegen China-Strategie | Lost in EUrope
    21. Juni 2023 @ 13:33

    […] Siehe auch De-Risking paradox […]

    Reply

  • Wolfram Elsner
    21. Juni 2023 @ 12:34

    wo ist mein kommentar geblieben? bitte wiederholen!

    Reply

    • ebo
      21. Juni 2023 @ 12:44

      Der könnte im Spam-Ordner hängen geblieben sein. Sowas gibts auch bei WordPress (darauf läuft dieser Blog).
      Also bitte einfach nochmal posten – danke!

      Reply

  • KK
    21. Juni 2023 @ 12:19

    Für das Verhältnis insbesondere von der Leyens und der EU-Kommission, aber auch leider sehr, sehr vieler EUropäischer Spitzenpolitiker zu den USA fällt mir nur noch ein Wort ein:
    STOCKHOLMSYNDROM!

    Reply

  • Stef
    21. Juni 2023 @ 11:12

    Es spricht nichts gegen eine europäische oder deutsche strategische Industriepolitik, sie ist sogar überfällig. Nur ist davon leider nichts zu sehen. Ebo hat recht. Nur die US-Linie umzusetzen ersetzt nicht die Definition eigener Interessen.

    Das Problem liegt wie immer woanders. Einmal natürlich in der inzwischen unerträglichen Abhängigkeit unserer europäischen Eliten von den USA. Aber eben auch in einem ideologischen und politischen Dilemma:

    Der Neoliberalismus und sein Nachtwächterstaat stehen auf Kriegsfuß mit strategisch steuernden wirtschaftlichen Maßnahmen. Ich rede hier nicht von kleinteiliger Regulierung oder Förderprogrammen, sondern von wirksamen Maßnahmen, die eine Strategie umsetzen auch wenn es teuer wird und knirscht. Das ist bei uns ein Tabu, weil es naturgemäß die Freiheit des Großkapitals einschränkt, Investitionsentscheidungen alleine am privaten Interesse auszurichten.

    China kann das offensichtlich, Russland auch, wie sich an ihrer aktuellen Performance zeigt. Nur bei uns haben sich Politik und Demokratie inzwischen vollständig zum Büttel des Großen Geldes gemacht, was strategischer Steuerung abträglich ist. Jedenfalls dann, wenn diese nicht zuerst dem privaten Profitstreben der Superreichen dienen soll.

    Das ist das spannende an unserer Zeit: Hier kommen unser Gesellschaftsvertrag und die wirtschaftliche Machtverteilung an ihre Grenzen. Schaffen wir eine Neuorientierung noch vor oder erst nach dem großen Knall?

    Reply

  • Thomas Damrau
    21. Juni 2023 @ 08:47

    @Kleopatra
    Es ist zwar richtig, dass China inzwischen wirtschaftlich in einer Machtposition ist, die sich auch in politische Macht ummünzen lässt.
    Nur sollten Sie nicht den Eindruck erwecken, als sei „der Westen“ von China in die Falle gelockt worden. Die Westen war entzückt,
    – in China gut ausgebildete und preiswerte Arbeitskräfte zu finden – Stichwort „verlängerte Werkbank“
    – sich einen riesigen Markt für die eigenen Produkte zu erschließen (Seriöse Wirtschaftsexperten meinen, wenn Deutschland den Handel mit China herunterfahre, könne die deutsche Autoindustrie dichtmachen.)
    Vor lauter Begeisterung wurde kritisches Know-How über die Chinesische Mauer gereicht. Das geschah nicht nur auf Druck Chinas, sondern zu großen Teilen freiwillig, um gemeinsame Projekte zum Laufen zu bringen. (Ich war seinerzeit entsetzt, wie leichtfertig mein Arbeitgeber Schlüsselaufgaben und -Know-How nach China verlagert hat.)
    In der Folge sind in der Tat „Kapazitäten und Fertigkeiten“ aus Europa und insbesondere den USA nach China gewandert. Und es hat sich herausgestellt, dass die Chinesen nicht nur Werkbank, sondern auch Forschung und Entwicklung können.
    Das der Westen jetzt meint, von China über den Tisch gezogen worden sein, soll nach meiner Meinung nur von der westlichen Dummheit und Gier ablenken, die die augenblickliche Situation herbeigeführt haben.
    Und wenn es um unfaire Praktiken und das Ausnutzen wirtschaftlicher Stärke geht, fallen mir viele andere Täter ein, insbesondere die USA und Deutschland.
    Deshalb: Etwas weniger moralische Scheinheiligkeit und etwas mehr Pragmatismus.

    Reply

  • european
    21. Juni 2023 @ 08:39

    „Deutschland profitiert seit ca 20 Jahren.“

    So ist es.

    Es war nicht zuletzt der Export nach China und auch Indien, der Deutschland nach der Finanzkrise aus der Kurve gezogen hat. Der innereuropäische Export ging zurück, weil die EU-Länder noch am Boden lagen und sich auch weiterhin nicht erholten. Die durch Austerität schwach gehaltenen Südländer drückten den Euro und vergünstigten deutsche Produkte für außereuropäische Länder. Dazu Billige Energie und Rohstoffe verbunden mit deutscher Technologie und BINGO.

    Tja, man vergisst sowas schnell

    http://frankfurt.china-consulate.gov.cn/det/sbwl/201005/t20100523_3436636.htm

    Interessant ist die Studie des IW zu den gestiegenen Importen aus China, insbesondere die Produktliste auf Seite 10.

    https://www.iwkoeln.de/fileadmin/user_upload/Studien/Report/PDF/2023/IW-Report_2023-China-Import-Entwicklung.pdf

    Das Gejammer über die angebliche Abhängigkeit ist m.E. ein reines Schaulaufen, um weitere Aggressionen gegen China zu schüren. Natürlich hat die chinesische Regierung ein Interesse daran, ihr Milliardenvolk aus der Armut zu holen und entsprechende Verträge über Produktionen und Exporte zu schließen. Mit beachtlichem Erfolg. Doof sind sie auch nicht. Sie haben in den letzten Jahren überdurchschnittlich viel in die Bildung und Ausbildung ihrer Jugend gesteckt, Universitäten und Forschungsinstitute gebaut. Zeit für Augenhöhe.

    Es ist dieser Erfolg, der den westlichen Ländern Angst macht, weil sie fürchen, ihre Dominanz zu verlieren. Bisher haben schließlich wir diktiert, wo es lang geht und das ändert sich gerade. Statt am Aufbau der Mittelschicht zu arbeiten, setzen wir seit Jahren auf Abbau der Mittelschicht. Im Gegensatz zu China übrigens. Insbesondere Deutschland braucht ein neues ökonomisches Modell und da sehe ich aktuell nichts bzw. nicht viel. Niedriglohnsektor reloaded?

    Reply

  • Kleopatra
    21. Juni 2023 @ 08:11

    Der Handel mit China führt vor allem zum Abbau industrieller Kapazitäten und Fertigkeiten in Europa. China hat kein Interesse an gleichberechtigten Partnerschaften, sondern arbeitet gezielt darauf hin, andere von sich abhängig zu machen. Mit solchen „Partnern“, bei denen man nach jedem Händedruck die eigenen Finger nachzählen muss, sollte man nur sehr reduzierte Beziehungen unterhalten. Alle von Ihnen vorausgesetzten Vorteile eines umfangreichen Chinahandels sind nur kurzfristig, langfristig profitiert, wer sich von ihnen nicht abhängig macht.

    Reply

    • ebo
      21. Juni 2023 @ 08:13

      Deutschland profitiert seit ca 20 Jahren. Kurzfristig würde ich das nicht nennen…

      Reply

  • european
    21. Juni 2023 @ 07:30

    China plant Militärbasis in Kuba als Antwort auf die Taiwan-Entwicklung…

    https://zerohedge.com/geopolitical/china-seeks-military-base-cuba-response-us-bolstering-taiwan-us-officials-admit

    „Taiwan is roughly 100 miles from mainland China, about the same distance Cuba is from Florida. China has no combat forces in Latin America, according to U.S. officials. Meanwhile, the U.S. has dozens of military bases throughout the Pacific, where it stations more than 350,000 troops. Chinese officials have pointed this out when they push back on American efforts to counter their military expansion outside of the Indo-Pacific.“

    Spannende Entwicklung.

    @ebo: Es überrascht mich nicht, dass Sie nicht zu den geladenen Gästen gehören. Sie sind viel zu kritisch ????


  • Info: https://lostineu.eu/strategie-gegen-china-milliarden-fuer-ukraine-und-moskau-droht-kiew-und-washington


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.




    Weiteres:




    Schwerer Rückschlag beim „Katargate“


    lostineu.eu, vom 20. Juni 2023

    Die Ermittlungen zur Korruptionsaffäre im Europaparlament („Katargate“) haben einen schweren Rückschlag erlitten. Der leitende belgische Ermittlungsrichter Claise hat den Fall abgegeben. Nun ist unklar, ob der Skandal vollständig aufgeklärt werden kann.

    Claise reagierte mit seinem überraschenden Schritt auf Hinweise, wonach sein Sohn Nicolas seit 2018 Geschäfte mit dem Sohn einer Verdächtigen, der belgischen Europa-abgeordneten Marie Arena, betreibt.

    Sie sollen nach gemeinsam eine Firma gegründet haben, die legale Cannabis-Produkte verkauft. Dies war dem Anwalt eines weiteren Verdächtigen, Marc Tarabella, aufgefallen.

    Tarabella hatte daraufhin gefordert, Claise die Ermittlungen zu entziehen. Dieser reagierte prompt. „Kürzlich sind neue Elemente aufgetaucht“, erklärte der auf Finanzaffären spezialisierte belgische Top-Jurist nach Angaben der belgischen Tageszeitung „Le Soir“.

    Die Hinweise könnten „gewisse Fragen“ zur Unabhängigkeit der Ermittlungen aufwerfen und seinem Familienleben schaden. Als „Vorsichtsmaßnahme“ habe er den Fall daher abgegeben.

    Damit sind die Ermittlungen zum „Katargate“ an einem toten Punkt angelangt. Bei einer Durchsuchung im Appartement der damaligen Vizepräsidentin des EU-Parlaments, Eva Kaili, waren im Dezember 2022 Koffer voller Geld gefunden worden.

    Das Emirat Katar, womöglich auch Marokko, sollen versucht haben, EU-Abgeordnete zu bestechen. Zuletzt waren Kaili und andere Verdächtige aus der Haft entlassen worden. Anklage wurde noch nicht erhoben.

    Kaili behauptet seit ihrer Haftentlassung, sie sei Opfer eines Komplotts geworden. Auch Tarabella beteuert seine Unschuld. Beide verfügen noch über ihr Abgeordnetenmandat und haben angekündigt, ihre Arbeit im EU-Parlament wieder aufzunehmen…

    Mehr zum „Katargate“ hier

    5 Comments

    1. Kowy
      21. Juni 2023 @ 09:33

      Das Parlament hatte Aufklärung versprochen, Untersuchungsausschuss usw. Soweit mir bekannt, ist nichts aufhellendes passiert. Aber bald ist ja Europawahl und da hätte Korruption und deren Aufdeckung sicher den betroffenen Parteien geschadet. Also lieber mal den Aufklärer stoppen. Vermutlich werden m EP und der Kommission so einige erleichtert sein….

    Reply

  • Holger Jeltsch
    21. Juni 2023 @ 08:19

    Solange nur eine Parteizugehörigkeit der Kompetenznachweis bleibt, wird sich nichts ändern. Das ist doch ein Grundstein und bewährt ausreichend , nicht nur bei der EU, sh.unsere BRD, auch jetzt wieder.

    Reply

  • KK
    21. Juni 2023 @ 01:17

    Der Fisch stinkt vom Kopf… apropos, gegen von der Leyen ermittelt aber ein anderer, oder?

    Reply

  • Hekla
    20. Juni 2023 @ 21:10

    Was für ein Sumpf! Und was Korruption in den EU-Gremien angeht, vermutlich nur die Spitze des Eisbergs, sagt jedenfalls meine Lebenserfahrung.

    Reply

  • Arthur Dent
    20. Juni 2023 @ 20:50

    Ach ja – pecunia non olet. Geldkoffer haben in der Politik eine lange Tradition: Leisler-Kiep, Schäuble


  • Info: https://lostineu.eu/schwerer-rueckschlag-beim-katargate


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.





    Weiteres:




    Ukraine-Krieg: Macron wechselt ins Lager der Falken


    lostineu.eu, vom 20. Juni 2023

    Gerade erst hat Nato-Generalsekretär Stoltenberg klargestellt, dass ein Beitritt der Ukraine kein Thema sei und es auch keine „Einladung“ zum Nato-Gipfel in Vilnius geben werde. Doch nun schert Frankreichs Präsident Macron aus.

    La France se résout à soutenir l’adhésion de l’Ukraine à l’OTAN„, berichtet „Le Monde“. Zu gut deutsch: Frankreich ringt sich dazu durch, den Nato-Beitritt der Ukraine zu unterstützen. Dies habe Macron bei einem Treffen des nationalen Sicherheitsrats gesagt.

    Damit gibt Macron sein bisheriges „Nein“ auf. Er setzt sich zudem von Deutschland und den USA ab, die den Beitritt blockieren. Die Entscheidung sei vor allem taktisch bedingt und solle Druck auf Russland ausüben, schreibt „Le Monde“.

    Letztlich argumentiert Macron nun wie Kissinger: Früher war ein Nato-Beitritt falsch – doch seit dem Beginn des russischen Überfalls sei es die einzig wirksame Sicherheitsgarantie. Ähnlich argumentieren Polen und Balten.

    Allerdings fällt er damit Kanzler Scholz und US-Präsident Biden in den Rücken. Und Druck auf Russland kann er auch nicht ausüben – denn Nato-Generalsekretär Stoltenberg hat schon klar gestellt, dass der Beitritt aktuell kein Thema ist.

    Fazit: Macron kündigt den deutsch-französischen Konsens auf und wechselt ins Lager der Falken. Einem Ende des Kriegs kommen wir so keinen Schritt näher – im Gegenteil: Russland kämpft ja darum, die Ukraine der Nato zu entreißen…

    9 Comments

    1. KK
      22. Juni 2023 @ 13:19

      @ Helmut Höft und ebo:
      Nichts könnte doch die NAhTOd abhalten, auch einem Nichtmitglied militärisch zur Seite zu stehen, wenn es angegriffen wird. Das ginge doch auch heute schon (auch wenn die NAhTOd sich erfahrungsgemäss lieber selbst völkerrechtswidrig an viel Schwächeren vergreift).

      Der einzige Unterschied zu einer Mitgliedschaft wäre, dass es im Ermessen des Angegriffenen liegt, das Verfahren nach Artikel 5 in Gang zu setzen – und nicht der zu nichts verpflichteten NAhTOd und jeden einzelnen Mitglieds.

      Und das hiesse im Falle der Ukraine, den dritten Weltkrieg in die Hand ukrainischer Nazis zu legen, ganz nach dem erprobten Motto: Ab 5:45 Uhr wird jetzt zurückggeschossen! Und False-Flag-Aktionen traue ich diesen Typen durchaus und jederzeit zu – erbeutetes russisches Gerät haben sie ja dann sicher genug!

    Reply

  • Helmut Höft
    22. Juni 2023 @ 12:36

    Letztlich argumentiert Macron nun wie Kissinger: Früher war ein Nato-Beitritt falsch – doch seit dem Beginn des russischen Überfalls sei es die einzig wirksame Sicherheitsgarantie. Das verstehe ich nicht. Sicherheitsgarantie geht nur mit NATO? Frankreich und England sind doch auch ’39 für Polen eingetreten, ganz ohne NATO. *kopfkratz*

    Reply

    • ebo
      22. Juni 2023 @ 12:47

      Die Sicherheitsgarantie ist für die Zeit nach dem Krieg gedacht – als etwas, das Russland von einem neuen Überfall abhalten soll. Das könne nur die Nato, meinen Kissingern und nun auch Macron.
      Allerdings muss dafür erstmal der Krieg beendet und die Ukraine gerettet werden. Beides zeichnet sich derzeit nicht ab. Eine Nato-Beitrittsperspektive würde den Krieg eher noch mehr aufheizen.
      Im übrigen sollen nur Länder in die Nato aufgenommen werden, die dem Bündnis mehr Sicherheit bringen. Die Ukraine bringt aber mehr Unsicherheit, wie wir seit 2008 gesehen haben…

      Reply

  • european
    22. Juni 2023 @ 07:55

    @Art Vanderley

    Ein Land, das es nicht mehr gibt, kann der NATO nicht mehr beitreten.

    Aber es hat ja bereits eine Friedensvereinbarung in 2022 gegeben, die seitens der Ukraine sogar schon unterschrieben war. Diese Vereinbarung wurde gerade der afrikanischen Delegation vorgelegt, die sich um Friedensverhandlungen bemüht. Sie enthielt Sicherheitsgarantien für eine neutrale Ukraine.

    Näheres hier: https://www.anti-spiegel.ru/2023/putin-zeigt-bisher-geheimes-dokument-ueber-die-verhandlungen-im-maerz-2022/

    Und dann kam Boris Johnson….Der Rest ist bekannt.

    Reply

  • Art Vanderley
    21. Juni 2023 @ 21:22

    „diesen Krieg so lange fortzusetzen, bis es das Land nicht mehr gibt.“
    Daran dürfte Putin kein Interesse haben, denn dann endet ja auch der Krieg. Solange er aber läuft, stehen russische Truppen in der Ukraine, was bekanntlich einen Beitritt zur Nato ausschließt.
    Die Thesen in den Medien, die von einem Blitzkrieg Putins faseln, der gescheitert sei, aber auch diejenigen, die an ein Interesse Putins an einem schnellen Sieg reden, waren von Anfang an verwunderlich.
    Putin dürfte eher ein Interesse an einem Krieg haben, dessen Ende nicht absehbar ist, die Ukraine aber auch z.T., und wie ist das eigentlich im Westen?
    Ablenkung von inneren Problemen, die im Westen immer stärker werden, durch einen äußeren Konflikt, ein uralter Trick von Machtstrukturen, die in Bedrängnis geraten sind.

    Reply

  • european
    20. Juni 2023 @ 14:52

    Ein drohender Natobeitritt einer Restukraine wäre ein Grund für Russland, diesen Krieg so lange fortzusetzen, bis es das Land nicht mehr gibt.

    Auch eine Restukraine kann ein Natostuetzpunkt werden. Warum sollten die Russen dem Westen irgendetwas glauben?

    Reply

  • Arthur Dent
    20. Juni 2023 @ 13:24

    Fragt sich nur, wer immer gerade hirntod ist?

    Reply

    • ebo
      20. Juni 2023 @ 13:41

      Haha, die Nato wird dank Macron aus dem künstlichen Koma geholt ????

      Reply

  • KK
    20. Juni 2023 @ 13:00

    Macron steht innenpolitisch derart unter Druck, den kann nur noch ein eigener Krieg retten. Und dafür tut er jetzt eben alles.


  • Info: https://lostineu.eu/ukraine-krieg-macron-wechselt-ins-lager-der-falken


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    21.06.2023

     Nato-Beitritt der Ukraine: Frankreich wechselt die Fronten    Bericht: Frankreich will Nato-Beitritt der Ukraine, um den Krieg zu beenden

    Kann sich die Ukraine jetzt auf die Unterstützung Frankreichs für einen Nato-Eintritt freuen?


    Kann sich die Ukraine jetzt auf die Unterstützung Frankreichs für einen Nato-Eintritt freuen?AP

    Der Eintritt der Ukraine in die Atlantische Allianz (Nato) ist ein hochumstrittenes Thema. Die einen Länder sagen, es wäre ein wichtiges Zeichen für den Frieden, andere wiederum bezweifeln den Zeitpunkt oder die Aufnahme überhaupt. Frankreich aber positioniert sich neu.


    Frankreich will den Beitritt der Ukraine zur Nato unterstützen, das geht aus einem Bericht der französischen Tageszeitung Le Monde hervor. Bisher wurde der Beitritt Kiews zur Allianz eigentlich von Paris, Berlin und Washington ausgeschlossen. Mitteleuropäische Länder wie Polen und die baltischen Staaten verteidigten die Aufnahme aber. Wechselt Frankreich jetzt offenbar die Seiten?


    Taktik Frankreichs: Warum die Kehrtwende zu Kiews Nato-Eintritt?

    Nach Informationen von Le Monde wurde bei einem Treffen des Verteidigungsrates am Montag, den 12. Juni, im Elysée-Palast die Möglichkeit eines Beitritts der Ukraine erörtert. Ein französischer Frontenwechsel würde laut den französischen Regierungsvertretern den Druck auf Russland erhöhen und wird deshalb in Paris mittlerweile als vollwertige Sicherheitsgarantie für die Ukraine betrachtet.


    Welche Taktik verbirgt sich hinter der Kehrtwende? Eine Fortsetzung des Krieges seitens Russland könnte damit abgewendet werden und auch bei einer Beendigung des Konflikts, könnten mit der Aufnahme weitere Aggressionen der Russen verhindert werden. Es könne auch den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj davon überzeugen, in Verhandlungen einzutreten, wie Le Monde berichtet. Frankreich verspreche sich, Einfluss auf den Konflikt zwischen Kiew und Moskau zu nehmen und die Friedensverhandlungen voranzutreiben.


    Diplomat: „Französische Position näher an Polen als an Deutschland“

    So taktisch diese Öffnung auch sein mag, stellt sie für Frankreich eine echte Bekehrung dar. „Die französische Position ist jetzt näher an der Polens als an der Deutschlands“, zitiert die französische Zeitung einen ungenannten französischen Diplomaten. Auch der französische Präsident Emmanuel Macron sprach sich noch vor ungefähr einem Jahr gegen den Eintritt der Ukraine in die Nato aus. Sowohl vor als auch nach dem Beginn der russischen Invasion im Februar 2022, hielt er an der Auffassung fest, die Ukraine nicht zu diesem Zeitpunkt eintreten zu lassen. 


    Botschafter der Ukraine: „Wir sind jetzt schon ein Asset der Nato“

    Ukraine 17.06.2023

    „Die Aufnahme der Ukraine in die Nato würde von Russland als etwas Konfrontationelles wahrgenommen werden; mit diesem Russland kann man sich das nicht vorstellen“, sagte er noch im Dezember vergangenen Jahres gegenüber Le Monde. Auch US-Präsident Joe Biden wiederholte am Wochenende noch einmal, dass die ukrainische Kandidatur keine Vorzugsbehandlung erfahren dürfe.


    Info: https://www.berliner-zeitung.de/wirtschaft-verantwortung/nato-beitritt-der-ukraine-frankreich-wechselt-die-fronten-li.361320


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    21.06.2023

    Kampfansage an den Westen Die BRICS-Staaten zielen auf ein Ende der bestehenden Weltordnung. Doch kann die Gruppe ein echtes Gegengewicht zu den westlichen Mächten darstellen?



    Screenshot_2023_06_22_at_22_24_33_Kampfansage_an_den_WestenSüdafrikas Außenministerin Naledi Pandor und der russische Außenminister Sergej Lawrow im vertieften Gespräch beim BRICS-Treffen Anfang Juni in Kapstadt.


    ipg-journal.de, vom 12.06.2023, Global | Herbert Wulf

    Die Außenminister der BRICS-Länder trafen sich Anfang Juni in Südafrika, um vor allem zwei Tagesordnungspunkte zu besprechen: die Aufnahme neuer Mitglieder und die Schaffung einer eigenen Währung. Sie bekräftigten so ihre Ambitionen, ein Gegengewicht zu den westlichen Mächten zu bilden.


    Als BRICS (Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika) 2009 gegründet wurde, galt der Club als loser Zusammenschluss von Staaten, außer Russland alles Schwellenländer, die mit der herrschenden Weltordnung unzufrieden waren. Dieses Zweckbündnis wurde international zunächst nicht als ernste Herausforderung angesehen. Heute, in der zweiten Dekade seines Bestehens, ist BRICS attraktiver als je zuvor und 19 weitere Länder stehen Schlange, um beizutreten. Eine erweiterte BRICS-Gruppe (BRICS+ oder BRICS 2.0) mit einer eigenen Währung könnte in der Tat zu einem geopolitischen Umbruch führen. Man könnte BRICS auch als gewichtigen Nachfolger der Gruppe der 77 beziehungsweise der Blockfreien bezeichnen. Doch warum ist der Verbund heute so interessant, obwohl Russland, das mit seinem Angriffskrieg gegen die Ukraine das Völkerrecht verletzt, ein maßgebliches Mitglied ist?


    Mehr als 40 Prozent der Weltbevölkerung leben in den fünf BRICS-Mitgliedsländern. Entscheidender für das gewachsene Interesse an BRICS ist aber der rasante wirtschaftliche Aufschwung. Seit dem Start hat sich BRICS zu einer weltwirtschaftlich potenten Gruppe entwickelt. Während der Anteil am Weltbrutto­sozialprodukt der G7-Länder – der „liberalen Welt“ (Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Kanada und USA) – von rund 50 Prozent Anfang der 1980er Jahre auf heute 30 Prozent gesunken ist, erlebten die BRICS-Länder eine umgekehrte Entwicklung: Ihr Anteil am globalen Bruttosozialprodukt stieg in der gleichen Periode von gut zehn Prozent auf 31,5 Prozent im Jahr 2022. Damit haben die BRICS-Länder, gemessen an ihrer Kaufkraft, die G7 bereits überholt. Ursache dafür ist vor allem das rasante Wirtschaftswachstum Chinas und seit einiger Zeit auch Indiens. BRICS ist als Motor des wirtschaftlichen Wachstums in der Welt nicht mehr wegzudenken.


    Aber BRICS ist kein durchstrukturierter Staatenverbund mit Exekutive und Legislative, wie beispielsweise die EU. BRICS verfügt nicht einmal über ein zentrales Sekretariat. Ebenso wenig ist die Gruppe ein homogener Block – demokratisch gewählte und autoritäre Regierungen kooperieren miteinander. Das ökonomische Gewicht ist extrem ungleich. Mehr als 70 Prozent des Bruttosozialprodukts der BRICS erwirtschaftet China. Das Pro-Kopf-Einkommen ist in Russland fünf Mal höher als in Indien. Zwei Mitglieder (China und Russland) bremsen die Ambitionen der übrigen drei aus, permanente Mitglieder des UN-Sicherheitsrats zu werden. Konflikte zwischen Indien und China, den beiden Schwergewichten im Club, sind immer noch nicht beigelegt und führen immer wieder zu militärischen Grenzscharmützeln im Himalaya. BRICS bleibt ein loser Zusammenschluss, der besonders die gemeinsamen Interessen betont. Dazu gehören insbesondere Handel und Entwicklung.

    Mehr als 70 Prozent des Bruttosozialprodukts der BRICS erwirtschaftet China.

    Doch es gibt auch Gemeinsamkeiten. Die BRICS-Mitgliedsländer kritisieren, in unterschiedlicher Vehemenz, das liberale Narrativ von Demokratie und Menschenrechten, das von westlich-liberalen Regierungen oftmals lehrmeisterhaft vorgetragen wird. Die BRICS-Mitglieder Brasilien, Indien und Südafrika sowie auch zahlreiche andere Länder des globalen Südens fordern ein größeres Mitspracherecht in internationalen Organisationen wie den Vereinten Nationen, dem Internationalen Währungsfonds (IWF), der Weltbank und der Welthandelsorganisation (WTO). Schon 2014 gründeten die BRICS-Staaten ihre eigene Entwicklungsbank als Gegengewicht zu Weltbank und IWF.


    BRICS ist vor allem ein anti-hegemoniales Projekt, das die Vormachtstellung der bestehenden Weltordnung und die weltwirtschaftliche Dominanz des US-Dollars brechen will. Gleichzeitig aber ist BRICS ein geopolitisches Projekt, in dem klassische Machtpolitik, wirtschaftliche und militärische Stärke sowie außenpolitischer Einfluss zentrale Elemente sind. Beim nächsten BRICS-Gipfeltreffen im August 2023 in Südafrika spielt die mögliche Erweiterung der Mitgliedschaft eine wichtige Rolle. Unter anderem beantragten globale und regionale Schwergewichte wie Algerien, Ägypten, Saudi-Arabien, Iran, Indonesien, Thailand, Senegal, Argentinien und Venezuela die Mitgliedschaft. Damit ist BRICS mehr denn je auf dem Weg zu einem wichtigen globalen Player und zum Taktgeber für internationale Normen.


    Besonders durch Handel innerhalb der Gruppe wollen sich die fünf Länder vom US-Dollar als Weltreservewährung lösen. Gemeinsam streben sie zudem an, eine eigene Währung schaffen, um den Einfluss der USA im globalen Handel zu verringern. „Entdollarisierung“ des internationalen Handels ist das Stichwort. Entscheidungen für eine gemeinsame BRICS-Währung haben bislang jedoch noch keine solide Basis. Schritte auf diesem Weg könnten bilaterale Abkommen sein. So vereinbarten Brasilien und China im März 2023, den Handel in den jeweiligen Landeswährungen abzuwickeln, dem chinesischen RMB-Yuan und dem brasilianischen Real. Dieses gegenseitige Verfahren wenden ebenfalls China und Russland an.


    Unerwarteterweise hat der Krieg Russlands gegen die Ukraine die Stärkung der BRICS-Gruppe zur Folge. Die USA und die EU waren in der Lage, geschlossen gegen Russlands Aggression aufzutreten. Diese Solidarität mit der Ukraine hält bis heute an. Auch viele Länder des globalen Südens verabschiedeten die UN-Resolution vom März 2022, welche Russlands Angriffskrieg verurteilte. Von den fünf BRICS-Ländern stimmte jedoch nur Brasilien zu, Russland stimmte selbstverständlich dagegen und China, Indien und Südafrika enthielten sich der Stimme.

    Unerwarteterweise hat der Krieg Russlands gegen die Ukraine die Stärkung der BRICS-Gruppe zur Folge.

    Das Ziel der westlichen Allianz war, Russland zum internationalen Paria zu machen und durch möglichst umfassende Sanktionen wirtschaftlich zu treffen. Eine nicht beabsichtigte Folge dieser Sanktionen waren jedoch gravierende Störungen des internationalen Handels. Diese Disruptionen wurden noch verstärkt, weil – wie die G7 erkennen mussten – durch enge Handelsverflechtungen Abhängigkeiten entstanden waren. Die Gegenstrategie, Diversifizierung der Lieferketten, betraf vor allem den Handel mit China, dessen Wirtschaft zudem durch eine harte Coronapolitik Schaden erlitten hatte.


    Zwar unterstützte keines der BRICS-Länder sowie der übrigen Schwellenländer Russland offen, aber sie sind besorgt, weil die umfassenden westlichen Sanktionen gegen Russland auch im globalen Süden Konsequenzen haben. Am deutlichsten formulierte die indische Regierung die Kritik an der westlichen Erwartung, den Sanktionen möglichst zuzustimmen. Den meisten Regierungen im globalen Süden sind, aus verständlichen Gründen, die eigenen wirtschaftlichen Interessen wichtiger, als den Boykott Russlands zu unterstützen. Durch den Krieg in der Ukraine haben sich Spannungen zwischen dem Westen – vor allem den USA als selbsternanntem Führer der freien Welt ­– und dem globalen Süden weiter verstärkt. Der Süden fühlt sich unter Druck gesetzt, bei einem Krieg in Europa Partei zu ergreifen, während die Rolle der Industriestaaten bei vielen Konflikten im Süden, gelinde gesagt, nicht gerade vorbildlich war.


    Wladimir Putins Mantra gegen eine unipolare Welt, in der die USA das Sagen haben, wird im globalen Süden weitgehend geteilt. Für sie ist die Zeit des „globalen Polizisten“ vorbei. Hinzu kommen Erinnerungen an die Kolonialzeit, unter denen viele Länder des globalen Südens bis heute leiden. Sie fühlen sich auch heute noch häufig bevormundet. Dies wurde jüngst bei einer Pressekonferenz in Kinshasa deutlich, als der Präsident der Demokratischen Republik Kongo, Felix Tshisekedi, seinen französischen Gast, Präsident Emmanuel Macron, vor laufenden Kameras darauf hinwies, dass sich die Art der Kooperation zu ändern habe: „Die Art und Weise, wie Frankreich und Europa mit uns umgehen. Sie müssen anfangen, uns zu respektieren und die Afrikaner auf eine andere Art und Weise zu sehen. Sie müssen aufhören, uns so zu behandeln und in einem bestimmten Ton mit uns zu sprechen. Als ob sie immer absolut Recht hätten und wir nicht.“

    Ob die aktuelle Charmeoffensive der EU, vor allem in Afrika, mit Angeboten zur Kooperation in Entwicklungsprojekten, dem Auf- und Ausbau der Infrastruktur und im Energiebereich, Erfolg hat, bleibt abzuwarten. Zu offensichtlich sind die Vorbehalte, ob dieser aktuelle Vorstoß ernst gemeint und nachhaltig ist. Ob er mehr bedeutet, als europäische Interessen in der aktuell schwierigen weltpolitischen Situation zu priorisieren. Zahlreiche Länder des globalen Südens sympathisieren mit der Philosophie der BRICS, ein Gegengewicht zu den G7 zu schaffen. Die absehbare Erweiterung der BRICS wird die Potenz dieser Gruppierung weiter erhöhen. Allerdings wird auch die Heterogenität der BRICS 2.0 drastisch steigen. Man betrachte nur die politischen Divergenzen und wirtschaftlichen Ungleichgewichte der potenziellen Beitrittsländer. Dennoch ist es angebracht, BRICS als globales Schwergewicht ernst zu nehmen.


    Info: https://www.ipg-journal.de/regionen/global/artikel/kampfansage-an-den-westen-6766


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    20.06.2023

    Stellungnahme zu Ernst Wolfs Thesen  Das Märchen von der multipolaren Welt       von Ernst Wolff

    aus e-mail von Irene Eckert, 20. Juni 2023, 11:18 Uhr, erschienen auf NrhZ Flyer 812

    http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=28646


    Irene Eckert am  19. 06. 23

    "Die Entdollarisierung ist Teil der sich verändernden Wirtschaftsbeziehungen und wurde von den Vereinigten Staaten selbst beschleunigt, als sie ihre privilegierte Position missbraucht und den Dollar für politische Ziele zur Waffe gemacht haben. Heute sehen wir, wie viele Länder beginnen, in ihren nationalen Währungen zu handeln. Ein gewisser Verkauf von Öl an China wird nun in Yuan abgewickelt. Wenn Ölbörsen Barrel in Yuan oder in den Währungen des Mittleren Ostens notieren, dann wird der Anfang vom Ende des Dollars kommen."
    https://www.seniora.org/politik-wirtschaft/hoehepunkt-des-internationalen-wirtschaftsforums-von-st-petersburg-putin-auf-der-buehne


    Soweit der Bericht vom Sankt Petersburger Wirtschaftsforum.

    Warum nun Ernst Wolf darauf besteht, dass  China (und Russland) an der „Errichtung einer globalen Diktatur durch die Einführung von digitalen Zentralbankwährungen, englisch: Central Bank Digital Currencies oder CBDCs.“ beteiligt seien, ist nicht nachvollziehbar. Warum sollten die gegenwärtigen Hegemonialmächte daran interessiert sein, diese Staaten mit allen Mitteln zu bekriegen, wenn diese sozusagen „Partner in Crime“ wären. Viel gewichtiger als solche Spekulation aber sind die realwirtschaftlichen (politisch angestrebten) Erfolge der genannten Staaten im Sinne ihrer Bürger, die im Falle Chinas besonders frappierend sind. Die Umgruppierung des Weltgefüges durch die Gründung der von China angestoßenen BRICS Liaison, der sich gegenwärtig noch 30 Staaten dazugesellen wollen und der ebenfalls attraktiven Shanghai Kooperation, sowie die Gründung der Internationalen Entwicklungsbank als Alternative zum IWF sind real beobachtbare Prozesse, die  den die NATO beherrschenden Anglo-Sachsen Panik einjagen. Den sich  nach Frieden sehnenden Milliarden Erdbewohnern aber können diese Veränderungen Hoffnung vermitteln und damit Mut zum Engagement machen, sofern sie davon Kenntnis haben und über die Bedeutung der Vorgänge aufgeklärt werden. Die Umgruppierung der Kräfteverhältnisse in der Welt stärkt dem Globalen Süden bereits spürbar den Rücken. Afrikanische Staatenlenker wehren sich erstmals gegen den US-Druck. Sie treten mit einer Friedensinitiative in Sachen Ukraine auf den Plan, der von Moskau gewürdigt, von der US-gesteuerten Ukraine aber massiv behindert wird.   


    Die vor kurzem noch undenkbare Tatsache, dass die Saudis unter MBS ihre Ölproduktion drosseln  und ihren wertvollen Treibstoff demnächst in Yuan handeln werden und dass sie dem  BRICS-Verbund  beitreten, die Wiederaufnahme Syriens in die Arabische Liga, das nicht NATO-konforme Agieren der Türkei unter Erdogan auf der globalen Arena, sein Treffen mit dem syrischen Staatschef Assad, die Verständigung der Saudis mit dem Iran, der in Arbeit befindliche Friedensplan für den Yemen, das alles sind konkrete Ergebnisse einer sich bereits abzeichnenden multipolaren Welt, die eben gerade im Begriff ist, sich der Diktatur des Dollarimperiums zu entziehen. Diese Prozesse natürlich brauchen Zeit, sind aber auch schon im Gange und  spätestens seit dem doppelten Veto Russlands und Chinas im Weltsicherheitsrat 2011 gegen eine Flugverbotszone in Libyen für jeden interessierten nachvollziehbar. Das doppelte „Njet“ zur kriegerischen Intervention wurde vom Westen als „Blockadepolitik“ gedeutet. (https://de.qantara.de/inhalt/flugverbotszone-uber-libyen-volkerrechtliches-dilemma)


    Wenn nun China und Russland erfolgreich  daran arbeiten, den Dollar vom Thron zu stürzen, so ist das gut und nicht schlecht aus friedenspolitischer Sicht.  Wenn sie ebenfalls daran arbeiten, mit verschiedenen währungspolitischen Instrumenten zu  experimentieren, so mögen sie ihre guten Gründe haben, vielleicht auch auf dem Holzweg sein. „Experten“ aus dem Westen sind in keiner  guten Position, diesen Staaten schulmeisterlich zu begegnen und entsprechende Warnungen auszusprechen. Mögen wir auch manche Vorgänge, so etwa die starke Ausbreitung von Black Rock mit Sorge verfolgen, so scheint doch auch hier  ein gewisses Vertrauen angebracht, dass die chinesische Staatsführung solchen Kräften die Zügel anlegen wird, wenn sie es für geboten hält, so wie sie es mit der Ausweisung von George Soros und seinesgleichen und der Bändigung des Schwab Kandidaten Jack Ma bereits getan hat und wie sie es auch mit den von der Ex-Kolonialmacht geschürten Unruhen in Hongkong  (und in Tibet und in Xinjiang)  schon erfolgreich getan hat. Auch bezüglich Taiwan verhält sich die Zentralregierung mässigend und zurückhaltend gegenüber  den eskalierenden US-Provokationen. Wie auch  die russische Diplomatie begegnet sie ruhig und gelassen den abenteuerlichen  Eskalationsversuche des kollektiven Westens. Diese Vertreter der anti-hegemonialen, multipolaren Ordnung wissen die Zeit auf ihrer Seite, daher ihre ruhige Gelassenheit. Und was genau so bedeutend ist, sie vertreten nationale am Gemeinwohl orientierte Interessen, wovon wir im Herrschaftsraum der Hegemonialmächte gegenwärtig nicht einmal träumen dürfen. Wir Bewohner des kollektiven Westens können im Großen und im Kleinen von diesen Nationen viel  lernen.

    Finanzmärkte und wirtschaftliche Prozesse zu beobachten ist friedenspolitisch von großer  Wichtigkeit, muss aber durch geopolitisches Wissen und globale politische Analyse ergänzt werden, sonst landen wir alle miteinander im Aus.

    Um ihren Lesern  mehr Anregungen in diesem Sinne zu geben, möge die NRhZ künftig auch Beiträge von Autoren wie Pepe Escobar etwa berücksichtigen, z.B. https://freeassange.rtde.life/nordamerika/172561-usa-werden-vollstaendigen-hybriden-krieg-gegen-brics-fuehren/ oder etwa vom US-amerikanischen Libertären Ron Paul http://infobrics.org/post/38523/  zum Niedergang des US-Dollars https://freeassange.rtde.life/international/171965-niedergang-us-waehrung-laeuft-brics/ oder Analysen von Matthew Ehret und  Cynthia Chung oder Einschätzungen des  linken  indischen Autors Vijay Prashad, der vor wenigen Tagen  schrieb: „From Bolivia to Sri Lanka, countries fed up with the IMF-driven debt-austerity cycle and bullying by the U.S.-led bloc are beginning to assert their own agendas“ https://thetricontinental.org/newsletterissue/new-non-alignment/  

    Am Rande sei vermerkt: Pepe Escobar warnte kürzlich vor der Zunahme anti-chinesischer Psy-ops vor dem Hintergrund der US-amerikanischen Kriegspläne. Die kanadische Autorin Cynthia Chung hat gerade zusammen mit Alex Krainer den 2. Teil der sehr empfehlenswerten Broschüre „Breaking Free of Anti-China Psy-ops“ herausgebracht.

    Mit solidarischen Friedensgrüßen, angeregt von Elke Zwinge, die mich auf den Beitrag von Ernst Wolf aufmerksam gemacht hat.

    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    19.06.2023

    Das Jahr der Rüstungsindustrie   Der Rüstungskonzern Rheinmetall erwartet Aufträge in zweistelliger Milliardenhöhe und nennt 2023 sein „bestes Jahr ever“. Die NATO ist um Abnahmegarantien für Rüstungsfirmen bemüht.

    german-foreign-policy.com, 19. Juni 2023

    DÜSSELDORF/BERLIN (Eigener Bericht) – Der Rüstungskonzern Rheinmetall rechnet mit bald eingehenden Neuaufträgen in zweistelligem Milliardenwert und schließt für die nächsten Jahre ein Umsatzwachstum von jeweils 20 bis 30 Prozent nicht aus. Dies hat Konzernchef Armin Papperger nach einem Treffen der NATO-Verteidigungsminister mit Führungspersonal von mehr als 20 transatlantischen Rüstungsfirmen bestätigt. Bei den Aufträgen werde nicht 2022, das Jahr der Scholz‘schen „Zeitenwende“, sondern 2023 „das beste Jahr ever“ werden, sagt Papperger voraus. Der Manager räumt offen ein, Rheinmetall verdanke sein immenses aktuelles Wachstum dem Ukraine-Krieg. Dabei kann die Düsseldorfer Waffenschmiede sogar ihre Produktpalette erweitern: Sie wird künftig Teile für den US-Kampfjet F-35 fertigen – ein Gegengeschäft für den Kauf von 35 Exemplaren des Flugzeugs durch die Bundesregierung, das die transatlantische Rüstungsbasis weiter festigt. Um die Rüstungsindustrie zur rascheren Ausweitung ihrer Munitions- und Waffenproduktion zu veranlassen, sind die NATO-Staaten um langfristige Abnahmegarantien bemüht. Das Bündnis erarbeitet dazu eigens einen ausführlichen Defence Production Action Plan.


    Zitat: Aufrüsten nach Plan

    Ursächlich für die Erstellung des neuen Defence Production Action Plan durch die NATO sind zum einen Unsicherheiten auf Seiten der Rüstungsindustrie, zum anderen Befürchtungen mehrerer NATO-Staaten, einige Mitglieder des Bündnisses könnten in ihren Bemühungen um schnelle Aufrüstung früher oder später nachlässig werden. Aus der Industrie heißt es, man wolle beim Bau neuer Produktionskapazitäten Gewissheit haben, dass diese genügend Profit abwürfen und die Bestellungen von Waffen und Munition nicht unmittelbar reduziert oder gar beendet würden, wenn der Ukraine-Krieg dereinst, wann auch immer, zu Ende gehe und die westlichen Lagerbestände, aus denen die Ukraine zur Zeit beliefert werde, wieder aufgefüllt seien. Dazu wünsche man Garantien bzw. langfristige Verträge. In der NATO wiederum heißt es, es genüge nicht, die Zwei-Prozent-Schwelle, wie aktuell vorgesehen, zum Mindestwert für die Militärhaushalte aller Mitgliedstaaten zu erklären. Man müsse auch sicherstellen, dass wirklich erhebliche Summen in die Beschaffung neuer Waffensysteme investiert würden.[1] Beides leisten soll der Defence Production Action Plan, über den die Verteidigungsminister des Bündnisses in der vergangenen Woche verhandelten. Außerdem soll er helfen, die Waffen- und Munitionsbestände der NATO-Staaten weiter zu vereinheitlichen.


    Die NATO und die Industrie

    In diesem Kontext kamen die NATO-Verteidigungsminister in der vergangenen Woche am Rande ihres Brüsseler Treffens mit führenden Vertretern von mehr als 20 Rüstungskonzernen zusammen – ein Schritt, den Experten als „sehr ungewöhnlich“ einstufen.[2] Im Mittelpunkt stand, wie berichtet wird, eine möglichst schnelle und umfassende Ausweitung der transatlantischen Munitionsproduktion.[3] Weil die ukrainischen Streitkräfte riesige Mengen an Munition verschießen, kommen die NATO-Staaten mit der Lieferung kaum nach – dies, obwohl sie ihre eigenen Bestände empfindlich plündern.[4] Maßnahmen zur Ausweitung der Munitionsproduktion sind längst eingeleitet worden; allein die EU stellt gut eine Milliarde Euro zum Aufbau neuer Produktionskapazitäten bereit.[5] Organisiert wurde das Treffen laut Berichten von der NATO Industrial Advisory Group (NIAG), einem Gremium, das 1968 – mitten im Kalten Krieg – gegründet wurde und nach Eigenangaben ein Netzwerk mit ungefähr 5.000 einschlägigen Firmen unterhält. Dabei sollte die Zusammenkunft nur ein Auftakt zu weiteren NATO-Industrie-Treffen sein, die sich nicht mehr bloß auf die Fertigung von Munition konzentrieren, sondern ein erheblich breiteres Spektrum an Waffen abdecken sollen; auch Gespräche im einfachen NIAG-Rahmen sind geplant.


    Innere Rivalitäten

    Allerdings hat die Zusammenkunft erhebliche Rivalitäten zwischen den Mitgliedstaaten ausgelöst. Eingeladen waren unter anderem die US-Konzerne Raytheon Technologies und Lockheed Martin sowie die Unternehmen BAE Systems (Großbritannien) und Thales (Frankreich). Vertreten waren außerdem Leonardo (Italien) und Patria (Finnland), FN Herstal (Belgien) und Baykar (Türkei), der Hersteller der berüchtigten Bayraktar-Drohnen, sowie eine Reihe weiterer Unternehmen. Aus Deutschland waren Rheinmetall und die deutsch-französische KNDS, ein Zusammenschluss von Krauss-Maffei Wegmann (KMW) mit der französischen Nexter, präsent. Protest kam nicht bloß von Unternehmen, die keine Einladung nach Brüssel erhalten hatten – darunter die deutschen Firmen Diehl und Hensoldt und die französischen Firmen Dassault und Safran –, sondern auch von der Regierung Spaniens. Weil kein spanisches Rüstungsunternehmen an dem NATO-Treffen beteiligt wurde, nahm die spanische Verteidigungsministerin Margarita Robles nicht daran teil und kündigte zudem an, die weitere Arbeit am Defence Production Action Plan der NATO aus Protest verzögern zu wollen – wenigstens so lange, bis eine stärkere Beteiligung spanischer Rüstungskonzerne an dem NATO-Koordinationsprozess und an den erwarteten Profiten gewährleistet sei.[6]


    Transatlantische Profite

    Zu den großen Profiteuren des NATO-Treffens vom vergangenen Donnerstag gehört die Düsseldorfer Waffenschmiede Rheinmetall. Der Konzern konnte bereits im vergangenen Jahr einen Rekordumsatz von 6,4 Milliarden Euro erzielen [7] und hat seinen Umsatz im ersten Quartal 2023 erneut gesteigert – um 7,6 Prozent [8]. Der Auftragsbestand lag schon Ende des vergangenen Jahres bei einem Wert 26,6 Milliarden Euro, mehr denn je zuvor. Rheinmetall-Chef Armin Papperger räumt offen ein, dass sein Unternehmen vom Ukraine-Krieg profitiert; dieser habe einen „entscheidenden“ Anteil am Rheinmetall-Boom: „Ein Großteil unseres Wachstums ist auf den schrecklichen Krieg in der Ukraine zurückzuführen.“[9] Ursache ist demnach nicht nur, dass die ukrainischen Streitkräfte gewaltige Mengen an Waffen sowie vor allem an Munition verbrauchen, sondern auch, dass die europäischen NATO-Staaten ihre Streitkräfte erheblich schneller und massiver gegen Russland rüsten denn zuvor. Rheinmetall wird sogar seine Produktpalette erweitern und Teile für den US-Kampfjet F-35 fertigen, ein Gegengeschäft dafür, dass Berlin 35 Stück davon kaufen wird.[10] Die Düsseldorfer Waffenschmiede wird dabei laut Papperger F-35-„Teile für sämtliche Märkte außerhalb der USA produzieren“ – wohl ein Milliardengeschäft, das die rüstungsindustrielle Basis des transatlantischen Bündnisses weiter zementiert.


    „Das beste Jahr ever“

    Das NATO-Treffen hat nun offenkundig weitere Profitperspektiven eröffnet. In Brüssel sei es vor allem „um die Kapazitäten“ gegangen, „die wir haben“, und um die Frage, „wie viel Kapazität wir aufbauen müssen“, teilte Papperger anschließend mit. Vergleiche er den bisherigen Rüstungsboom mit den Zukunftsaussichten, dann komme er zu dem Resultat: „Im letzten Jahr ist nicht sonderlich viel passiert. Aber in diesem Jahr wird wahrscheinlich alles passieren.“[11] Er erwarte verlässlich, „dass in den nächsten Wochen und Monaten viele, viele Aufträge platziert werden, viele Milliarden ... auch für Rheinmetall“: „Das wird das beste Jahr im Auftragseingang sein ever“. Papperger rechnet mit bald eingehenden Aufträgen im zweistelligen Milliardenbereich. Allein mit der Bundesregierung wird Rheinmetall demnach schon in wenigen Wochen einen Rahmenvertrag mit einem Volumen von mehreren Milliarden Euro schließen. Zuletzt kamen unter anderem Verträge über die Lieferung von Logistikfahrzeugen an Österreich (525 Millionen Euro) und von Militär-Lkw an Norwegen (150 Millionen Euro) zum Auftragsbestand hinzu. Nicht zuletzt will Rheinmetall sich am Aufbau einer rüstungsindustriellen Basis für die Ukraine beteiligen und dazu dort eine Panzer- und eine Munitionsfabrik sowie ein Werk zur Herstellung von Flugabwehrsystemen errichten – german-foreign-policy.com berichtete.[12]

     

    [1] Aurélie Pugnet: NATO eyes new defence industry investment pledge to boost arms production. euractiv.com 18.04.2023.

    [2] Treffen mit Branche „ungewöhnlicher Schritt“. zdf.de 15.06.2023.

    [3] Aurélie Pugnet: NATO ministers to meet defence manufacturers amid capacity woes. euractiv.com 12.06.2023.

    [4] S. dazu Munitionsduell mit Russland.

    [5] Ukraine – EU gibt eine Milliarde Euro für Munition frei. esut.de 13.04.2023.

    [6] María R. Sahuqillo: España bloquea el plan industrial de defensa de la OTAN por la exclusion de sus empresas de una reunion. elpais.com 15.06.2023.

    [7] Geschäftszahlen 2022: Rheinmetall auf Erfolgskurs – Allzeithoch beim Ergebnis, Rekord beim Auftragsbestand. rheinmetall.com 16.03.2023. S. auch Kampfpanzer statt Dialyse.

    [8] Finanzbericht zum 1. Quartal 2023: Rheinmetall startet mit Umsatzsteigerung ins Geschäftsjahr – Jahresprognose wird bestätigt. rheinmetall.com 04.05.2023.

    [9] Andreas Niesmann, Frank-Thomas Wenzel: Rheinmetall-Chef: „Kein Land in Europa ist gut auf einen Überfall vorbereitet“. rnd.de 09.06.2023.

    [10] S. dazu Festtage für die Rüstungsindustrie (II).

    [11] Rheinmetall vor Milliardenvertrag mit der Bundesrepublik. manager-magazin.de 16.06.2023.

    [12] S. dazu Eine rüstungsindustrielle Basis für die Ukraine.


    Info: https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/9271


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    20.06.2023

    Das Decoupling beginnt   Berlin und Brüssel starten neue Vorstöße zum Verbot von Huawei-Technologie und von EU-Investitionen in China. Mit Sequoia spaltet sich ein erster US-Konzern zwischen dem Westen und China auf. Deutsche könnten folgen.

    german-foreign-policy.com, 20. Juni 2023

    BERLIN/BEIJING (Eigener Bericht) – Neue politisch-ökonomische Maßnahmen Deutschlands und der EU gegen China überschatten die heutigen deutsch-chinesischen Regierungskonsultationen. Während zahlreiche Minister der Bundes- und der Volksrepublik in Berlin zusammentreffen, um die bilaterale Kooperation zu stärken, arbeitet die Bundesregierung an einer Chinastrategie, die eine deutliche Verschärfung des Kurses gegen Beijing erwarten lässt. Wie gestern früh bekannt wurde, will das Bundesinnenministerium „Anhaltspunkte“ gefunden haben, nach denen die Nutzung von Huawei-Technologie in den deutschen 5G-Netzen „die öffentliche Ordnung oder Sicherheit“ gefährde; die Einstufung läuft auf ein Huawei-Verbot hinaus. Zudem wird berichtet, die EU-Kommission bereite eine neue Strategie zur „Wirtschaftssicherheit“ vor; diese orientiere sich an einschlägigen US-Maßnahmen und sehe etwa Export- und Investitionsverbote vor. Das Decoupling beginnt: Zu Monatsbeginn hat sich mit dem US-Venture Capital-Riesen Sequoia ein erster Konzern in ein westliches und ein chinesisches Unternehmen aufgeteilt. Weitere Konzerne denken darüber nach, ihr Chinageschäft abzuspalten, darunter deutsche. Genannt werden VW und BASF.


    Zitat: Schärfer gegen China

    Die deutsch-chinesischen Regierungskonsultationen, die heute in Berlin stattfinden, werden von mehreren Faktoren überschattet. Zum einen enthält die Nationale Sicherheitsstrategie, die die Bundesregierung in der vergangenen Woche offiziell vorgestellt hat, Passagen, die eine weitere Verschärfung des politischen, ökonomischen und militärischen Kurses gegen China erwarten lassen. So wird in dem Papier zwar die schon seit Jahren gängige Formel verwendet, die Volksrepublik sei für Deutschland „Partner, Wettbewerber und systemischer Rivale“ zugleich. Doch heißt es weiter, die „Elemente der Rivalität und des Wettbewerbs“ nähmen inzwischen zu.[1] Um dies verständlich zu präzisieren, ist die Bundesregierung eigens mit der Erstellung einer Chinastrategie befasst. Diese zögert sich immer länger hinaus. Ursache sind Differenzen besonders zwischen Kanzler- und Auswärtigem Amt: Ist Kanzler Olaf Scholz nach wie vor bestrebt, die Schäden für die deutsche Industrie bei einer weiteren Verschärfung des antichinesischen Kurses möglichst gering zu halten, so hat für Außenministerin Annalena Baerbock die Durchsetzung eines aggressiveren Kurses gegen Beijing eindeutige Priorität (german-foreign-policy.com berichtete [2]). Wann die Chinastrategie fertig wird, ist ungewiss.


    Beweise vorlegen? „Abwegig!“

    Pünktlich zum Eintreffen des chinesischen Ministerpräsidenten Li Qiang am gestrigen Montag in Berlin sind zudem mehrere Berichte lanciert worden, die neue Maßnahmen gegen einzelne chinesische Unternehmen bzw. gegen die chinesische Wirtschaft in Aussicht stellen. So wurde gestern früh eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums mit der Äußerung zitiert, es lägen „Anhaltspunkte“ vor, denen zufolge die Nutzung von Huawei-Technologie in den deutschen 5G-Netzen „die öffentliche Ordnung oder Sicherheit der Bundesrepublik ... beeinträchtigen könnte“.[3] Sofort wurden Forderungen laut, die Verwendung von Huawei-Teilen in den deutschen Netzen zu verbieten sowie die Entfernung schon verbauter Elemente vorzuschreiben. Auf den Einwand, es gebe nach wie vor keinen Beweis dafür, dass Huawei seine Technologie für Spionage- oder Sabotagezwecke missbrauche, heißt es inzwischen, die Vorstellung, man müsse einen solchen Beweis finden, sei „abwegig“ [4]; vielmehr sei ganz prinzipiell und ohne näheren Beleg davon auszugehen, dass Huawei-Technologie nicht kontrollierbar sei. Gegen ein beweisloses Verbot spricht sich offenbar nur noch das Digitalministerium aus – wie berichtet wird, aufgrund „der drohenden Milliardenkosten und möglicher Schadenersatzforderungen der Telekommunikationskonzerne“.


    Das Konzept der „Wirtschaftssicherheit“

    Ebenfalls gestern wurde berichtet – explizit unter Bezug auf die unmittelbar bevorstehenden deutsch-chinesischen Regierungskonsultationen –, dass EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in der kommenden Woche eine Strategie zur „Wirtschaftssicherheit“ präsentieren wird. Demnach will Brüssel die EU-Staaten veranlassen, bestimmte High-Tech-Produkte nicht mehr nach China zu liefern; genannt werden beispielsweise Maschinen zur Chipherstellung, Quantencomputer sowie Know-how für Künstliche Intelligenz (KI).[5] Die EU würde damit faktisch US-Sanktionen übernehmen, die darauf abzielen, Chinas technologische Entwicklung abzuwürgen. Zudem sollen chinesische Investitionen in der EU noch energischer unterbunden und Investitionen europäischer Unternehmen in China hart kontrolliert werden; für den EU-weiten Oktroy des sogenannten Outbound Investment Screening will die EU-Kommission noch in diesem Jahr einen Vorschlag vorlegen. Dabei ist „das gesamte Konzept zur Wirtschaftssicherheit“, so heißt es, „an die amerikanische Außenwirtschaftspolitik angelehnt.“[6] Wie der ehemalige Berliner Botschafter in den USA, Peter Wittig, warnt, wird so der Sanktionswillkür Tür und Tor geöffnet: „Für Ex-Präsident Donald Trump waren auch deutsche Autos eine Bedrohung der nationalen Sicherheit.“


    Die erste Konzernspaltung

    Zwar behauptet die Bundesregierung stets, sie ziele nicht auf Entkopplung („Decoupling“) von China ab, sondern lediglich auf die Verringerung von Risiken („Derisking“). Doch zeigt ein aktuelles Beispiel aus der Finanzbranche, dass ein Decoupling sehr wohl droht bzw. – in diesem Fall – bereits begonnen hat. Das Beispiel betrifft den US-Venture Capital-Riesen Sequoia, der sich mit frühen Investitionen in Technologiefirmen wie Google oder Instagram bzw. Alibaba und TikTok einen Namen gemacht hat. Schon in den vergangenen Jahren ist es immer schwieriger geworden, US-Kapital in vielversprechende Start-Ups in China zu investieren, ohne mit den US-Behörden in Konflikt zu geraten. Zusätzliche Probleme dürfte künftig das Outbound Investment Screening schaffen, das auch Washington einführen will. Sequoia hat nun – nach rund dreijährigen Diskussionen – die Reißleine gezogen und Anfang Juni offiziell angekündigt, sein globales Geschäft aufzuspalten in eine nordamerikanisch-europäische, eine chinesische und eine indisch-südostasiatische Firma.[7] Experten bringen den Schritt – trotz aller Besonderheiten, die Sequoia aufweist – mit den eskalierenden Spannungen zwischen den USA und China in Verbindung.[8] Die Sequoia-Dreiteilung wird im März kommenden Jahres in aller Form vollzogen.


    VW minus ein Drittel

    Der einschneidende Schritt ist auch insofern von erheblichem Interesse, als Überlegungen, im Fall der Fälle das eigene Chinageschäft abzuspalten bzw. es in ein eigenständiges Unternehmen zu überführen, auch bei anderen Konzernen angestellt werden. Erst am Sonntag wurde bekannt, dass der britisch-schwedische Pharmakonzern AstraZeneca einen solchen Schritt ebenfalls in Betracht zieht. Erwogen wird, das Chinageschäft formal abzuspalten, aber die unternehmerische Kontrolle über das daraus entstehende neue chinesische Unternehmen zu behalten.[9] Ob das in der Praxis auf Dauer funktionieren kann, ist ungewiss. Dabei stellen auch andere Konzerne ähnliche Überlegungen an. Die Financial Times zitierte einen hochrangigen in Asien tätigen Banker mit der Äußerung, „jeder multinationale Konzern mit einem starken Chinageschäft“ denke wohl über einen solchen Schritt nach.[10] Dies ist schon seit Jahren auch bei einigen deutschen Konzernen der Fall (german-foreign-policy.com berichtete [11]). Öffentlich spekuliert wurde unter anderem, Volkswagen oder BASF könnten ihr Chinageschäft in die formale Eigenständigkeit überführen. Im Fall von Volkswagen ginge dem deutschen Konzern in diesem Fall auf einen Schlag über ein Drittel seines gesamten globalen Absatzes verloren – eine Folge des westlichen Wirtschaftskriegs gegen die Volksrepublik.

     

    [1] Wehrhaft. Resilient. Nachhaltig. Integrierte Sicherheit für Deutschland. Nationale Sicherheitsstrategie. Berlin, Juni 2023. S. dazu „Die Grundlage unserer Wehrhaftigkeit“.

    [2] S. dazu Die Strategie für das entscheidende Jahrzehnt (II) und Die Strategie für das entscheidende Jahrzehnt (III).

    [3], [4] Moritz Koch, Dietmar Neuerer: Huawei-Technologie – Innenministerium hat Anhaltspunkte für Sicherheitsprobleme. handelsblatt.com 19.06.2023. S. auch Entkoppeln und aufrüsten.

    [5], [6] Moritz Koch: Von der Leyen rückt vom Freihandel ab. handelsblatt.com 19.06.2023. S. auch Mit Investitionsverboten gegen China.

    [7] Kaye Wiggins, Ryan McMorrow, Arash Massoudi: US venture capital giant Sequoia to split off China business. ft.com 07.06.2023.

    [8] George Hammond, Ryan McMorrow, Kaye Wiggins, Eleanor Olcott: How US-China tensions shattered Sequoia’s venture capital empire. ft.com 07.06.2023.

    [9], [10] Kaye Wiggins, Leo Lewis, Eleanor Olcott, Hannah Kuchler: AstraZeneca drafts plan to spin off China business amid tensions. ft.com 18.06.2023.

    [11] S. dazu Die Geschäftsgrundlage der deutschen Industrie (I) und Die Geschäftsgrundlage der deutschen Industrie (II).


    Info:  https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/9272


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    17.06.2023

    Der Präsident hat sich mit Kriegsberichterstattern im Kreml getroffen.       (I von III)

    seniora.org, 17. Juni 2023, Der Kreml, Moskau, 13. Juni 2023 - übernommen von en.kremlin.ru

    Der Präsident hat sich mit Kriegsberichterstattern im Kreml getroffen. Offizielles Transkript von dem Büro des Präsidenten der Russischen Föderation  – deutsche Übersetzung vom englischen Originaltext


    Der Kreml, Moskau, 13. Juni 2023 - übernommen von en.kremlin.ru

    17. Juni 2023

    Putin: "Und wissen Sie, ich habe bereits gesagt, dass wir unseren westlichen Partnern, wie ich sie zu nennen pflegte, jede Option angeboten haben, wir dachten, wir gehörten dazu, wir wollten in die Familie der so genannten zivilisierten Nationen aufgenommen werden. Ich wandte mich an die NATO und schlug vor, diese Möglichkeit zu prüfen, aber wir wurden schnell abgewiesen; man machte sich nicht einmal die Mühe, dies in Erwägung zu ziehen. Ich habe auch vorgeschlagen, ein gemeinsames Raketenabwehrsystem zu schaffen".


    Treffen mit Kriegsberichterstattern. Von links: Jekaterina Agranowitsch (Telegrammsender Katruschja), Wladimir Putin, Andrej Filatow (Russia Today), Ilja Ushenin (Fernsehsender NTV), Dmitri Steschin (Komsomolskaja Prawda), Alexander Sladkow (VGTRK).

    Yevgeny Poddubny:

    Guten Tag, Herr Präsident.

    Vielen Dank, dass Sie die Zeit gefunden haben, sich mit uns zu treffen.

    Russischer Präsident Vladimir Putin:

    Ich freue mich sehr, Sie alle zu sehen.

    Yevgeny Poddubny:

    Unsere bisherigen Treffen haben alle in einer vertrauensvollen Atmosphäre stattgefunden. Unsere Gespräche waren immer scharf und offen, und dafür sind wir Ihnen sehr dankbar.

    Vladimir Putin:

    Ich glaube, dass man das nicht kann, wenn die Kameras laufen; jeder will das Publikum anheizen, wenn die Fernsehkameras laufen.

    Yevgeny Poddubny:

    Nein, wir werden die Dinge in der Hand behalten.

    Wir hoffen, dass auch dieses Gespräch ehrlich und offen sein wird, und wir alle zählen darauf.

    Vladimir Putin:

    Von meiner Seite wird das so sein   – versprochen.

    Yevgeny Poddubny:

    Von unserer Seite her auch.

    Vladimir Putin:

    Ausgezeichnet, so wird es sein.

    Yevgeny Poddubny:

    Sie haben mehr als einmal gesagt, dass alle Ziele, die Sie sich persönlich für die militärische Sonderaktion gesetzt haben, erreicht werden. Die besondere Militäroperation dauert schon ziemlich lange an. Die Situation ändert sich, die Lage ändert sich, und wahrscheinlich ändern sich auch die Ziele und Aufgaben der militärischen Sonderaktion. Können Sie uns sagen, wie sich diese verändert haben, wenn überhaupt?

    Vladimir Putin:

    Nein, sie ändern sich entsprechend der aktuellen Situation, aber insgesamt ändern wir natürlich nichts. Unsere Ziele sind für uns von grundlegender Bedeutung.

    Sie alle hier sind sehr erfahrene Fachleute, insbesondere Leute wie Sie, die seit mehr als einem Jahr unter Beschuss stehen. Ihre Mentalität ändert sich. Ich weiß das aus eigener Erfahrung, auch wenn ich nicht wie Sie unter fliegenden Kugeln hindurchgekrochen bin, aber ich weiß es seit der Zeit, als ich in einem Hubschrauber mit Leuchtspurfeuer um uns herum geflogen bin. Wissen Sie, all das verändert Ihre Mentalität. Was ist also der Sinn unseres Handelns? Wir müssen uns zwei Schritte von der Mitte des Feldes entfernen. Schließlich wollten und wollen wir nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion die bestmöglichen Beziehungen zu allen unseren Nachbarn haben. Genau das tun wir. Wir haben akzeptiert, dass das, was passiert ist, passiert ist, und jetzt müssen wir damit leben.

    Und wissen Sie, ich habe bereits gesagt, dass wir unseren westlichen Partnern, wie ich sie zu nennen pflegte, jede Option angeboten haben, wir dachten, wir gehörten dazu, wir wollten in die Familie der so genannten zivilisierten Nationen aufgenommen werden. Ich wandte mich an die NATO und schlug vor, diese Möglichkeit zu prüfen, aber wir wurden schnell abgewiesen; man machte sich nicht einmal die Mühe, dies in Erwägung zu ziehen. Ich habe auch vorgeschlagen, ein gemeinsames Raketenabwehrsystem zu schaffen.

    Wir sind uns bewusst, dass die Ereignisse der 1990er und frühen 2000er Jahre auf ein bitteres historisches Erbe zurückgehen, zum Beispiel im Kaukasus. Wen haben wir dort bekämpft? Hauptsächlich Al-Qaida. Und was haben unsere "Partner" getan? Sie haben sie finanziell, durch Informationen, politisch und sogar militärisch unterstützt. Die Tatsache, dass sie Al-Qaida geholfen haben, war ihnen völlig egal, solange sie uns nur in Schwierigkeiten bringen konnten. Alles, was sie taten, passte in das Paradigma, Russland zu erschüttern. Wir ließen in unseren Bemühungen nichts unversucht und einigten uns schließlich darauf, die NATO nicht zu erweitern. Wir haben alle möglichen Optionen in Betracht gezogen. Trotzdem nein. Und warum? Ganz einfach, weil das Land zu groß ist: Niemand braucht ein so großes Land mit einem so großen Potenzial in Europa. Jeder versucht, Russland allmählich zu zerstückeln.

    Die Ukraine ist Teil der Bemühungen, Russland zu destabilisieren. Im Großen und Ganzen hätte man dies bei den Entscheidungen über die Auflösung der Sowjetunion bedenken müssen. Aber damals ging man offenbar davon aus, dass unsere tiefgreifenden Beziehungen entscheidend sein würden. Doch aufgrund einer Reihe historischer, wirtschaftlicher und politischer Umstände nahm die Situation einen anderen Weg. Auch auf diesem Weg haben wir alles versucht. In der Tat haben wir jahrzehntelang ihre Wirtschaft   – Sie wissen das, denn ich habe darüber geschrieben und gesprochen   – mit billiger Energie, anderen Dingen, Krediten und so weiter unterstützt, wenn auch nicht genährt, so doch gestützt. Vergeblich. Wie hat es schließlich geendet? Sie fingen an, unsere Unterstützer auf der Straße zu töten und inszenierten schließlich einen Staatsstreich.

    Dies ist nicht der erste Staatsstreich. Wie ist Juschtschenko in der Ukraine an die Macht gekommen? War es das Ergebnis eines legitimen Verfahrens? Wollen Sie, dass ich Ihnen zeige, wie er an die Macht gekommen ist? Wir sind uns dessen bewusst. Sie haben eine dritte Runde von Wahlen angesetzt. Was hatte das zu bedeuten? Das war nicht in der Verfassung verankert. Es war ein Putsch, aber zumindest ein relativ friedlicher. Und wir haben mit ihnen kommuniziert. Ich ging hin und sie kamen zu uns, kein Problem. Aber schließlich haben sie es zu einem blutigen Putsch getrieben. Das heißt, es wurde offensichtlich, dass uns keine Chance gegeben wurde, normale Beziehungen zu unseren Nachbarn und dem brüderlichen ukrainischen Volk aufzubauen. Nicht eine einzige Chance.

    Dann haben sie sich zusammengerissen, und sofort begannen sich die Ereignisse im Südosten, im Donbass, zu entfalten   – nach dem Staatsstreich wurde ihnen klar, dass wir die Krim nicht einfach verlassen konnten   – wir konnten sie einfach nicht verlassen, das war unmöglich, es wäre ein Verrat unsererseits gewesen. Aber wir haben den Donbass nicht angerührt. Ja, unsere Freiwilligen waren dort, aber der russische Staat hatte damit überhaupt nichts zu tun   – das versichere ich Ihnen   – überhaupt nichts. Ich bin ganz offen und ehrlich   – wir hatten nichts damit zu tun, unsere Beteiligung war gleich null. Ja, es waren Leute aus Russland dort. Sie versuchten, die lokale Bevölkerung zu unterstützen und so weiter.

    Schließlich sahen wir uns gezwungen, zum Schutz dieser Menschen zu handeln. Wir waren einfach gezwungen, das zu tun. Neun Jahre lang! Wir haben wirklich versucht, uns   – so schwierig es auch war   – darauf zu einigen, den Südosten der Ukraine irgendwie als Teil des Landes zu erhalten, wir haben uns aufrichtig dafür eingesetzt. Jetzt wissen wir, dass unsere so genannten Partner uns einfach betrogen haben   – sie haben uns betrogen, wie die Leute sagen. Wie sich herausstellte, hatten sie nie vor, eine der Vereinbarungen zu erfüllen, und so kam es zu der jetzigen Situation.

    Außerdem stellen sie Bastarde wie Bandera auf ein Podest. Sie wollen keinen Kommunismus. Gut, wer will den schon heute? Sie stoßen den Gründer der Ukraine   – Lenin   – von seinem Sockel herunter. Gut, das ist ihre Sache, aber sie stellen stattdessen Bandera darauf, und der ist ein Faschist. Ich bin völlig überrascht, wie eine Person mit jüdischem Blut, das Staatsoberhaupt der Ukraine, Neonazis unterstützen kann. Das ist mir einfach unbegreiflich. Nachdem sie die jüdische Zivilbevölkerung praktisch ausgelöscht haben, wurden Bandera und seine Anhänger in den Rang von Nationalhelden erhoben. Jetzt marschieren sie mit diesen Plakaten. Wir werden also niemals akzeptieren, was dort historisch gesehen geschieht.

    Wir haben dieses Thema während unserer Verhandlungen immer wieder angesprochen, auch in Istanbul. Und daraufhin wurden wir gefragt: "Wir haben nichts mit Neonazis zu tun, was wollt ihr von uns?" Wir wollen zumindest, dass gewisse Einschränkungen in das Gesetz aufgenommen werden. Darauf haben wir uns übrigens auch in dieser Gesprächsrunde geeinigt   – bevor unsere Truppen aus Kiew abgezogen sind, denn danach haben sie alle unsere Vereinbarungen über den Haufen geworfen.

    Entmilitarisierung. Wir gehen das schrittweise und methodisch an. Womit kämpfen die Streitkräfte der Ukraine? Produzieren sie Leopards oder Bradleys oder die F-16, die sie noch nicht erhalten haben? Sie produzieren gar nichts. Die ukrainische Rüstungsindustrie wird bald ganz aufhören zu existieren. Was stellen sie her? Munition wird geliefert, Ausrüstung wird geliefert, Waffen werden geliefert   – alles wird geliefert. So werden Sie nicht lange leben, Sie werden nicht überleben. Die Frage der Entmilitarisierung stellt sich also ganz praktisch.

    Das Gleiche gilt für den Schutz der Menschen im Donbass. Ja, leider geht der Beschuss weiter, und alles andere auch. Aber insgesamt werden wir methodisch darauf hinarbeiten, und wir werden das Problem lösen. Ich bin sicher, dass wir es lösen werden.

    Im Großen und Ganzen haben sich also unsere Grundsätze und damit auch unsere Ziele seit Beginn der Operation nicht geändert. Es hat keine Änderung gegeben.

    Dmitry Kulko:

    Guten Tag, Herr Präsident. Dmitry Kulko, Kanal Eins.

    Die Gegenoffensive der Ukraine ist im Gang. Sie haben Ihren Kommentar zur Lage fünf Tage nach Beginn der Gegenoffensive abgegeben. Seitdem ist einige Zeit vergangen. Sie erhalten täglich operative Informationen, und zwar nicht nur vom militärischen Sondereinsatzkommando, sondern Sie telefonieren auch direkt mit der Frontlinie.

    Vladimir Putin:

    Ja.

    Dmitry Kulko:

    Gibt es etwas, was Sie Ihren bisherigen Einschätzungen hinzufügen können?

    Vladimir Putin:

    Ja, es handelt sich um eine groß angelegte Gegenoffensive, bei der, wie ich kürzlich öffentlich gesagt habe, Reserven genutzt werden, die zu diesem Zweck gehortet wurden. Sie begann am 4. Juni. Sie dauert bis heute an, und zwar genau in diesem Moment, während wir hier sprechen.

    Ich habe mir den jüngsten Bericht über die jüngsten Entwicklungen angehört. Heute Morgen gab es einen Angriff in Richtung Shakhtersky. Bis zu 100 Soldaten, vier Panzer und zwei gepanzerte Fahrzeuge [von ukrainischer Seite]. In Richtung Wremsewski sind ebenfalls mehrere Panzer und gepanzerte Fahrzeuge im Einsatz. Der Angriff geht in mehrere Richtungen weiter. Mehrere Panzer und gepanzerte Fahrzeuge sind zerstört worden, und die Ukraine hat Verluste an militärischem Personal erlitten. Sie konnten die Frontlinie nicht erreichen.

    Insgesamt handelt es sich jedoch um eine groß angelegte Offensive: Sie begann bei Wremewski, in Richtung Schachterski und Saporoschje. Sie begann mit dem Einsatz strategischer Reserven und geht in diesem Augenblick weiter: In diesem Augenblick, in dem wir hier versammelt sind und darüber sprechen, findet in mehreren Kampfgebieten ein Kampf statt.

    Was soll ich sagen? Der Feind war in keinem Sektor erfolgreich. Er hat große Verluste erlitten. Das ist gut für uns. Ich werde die Zahl der personellen Verluste nicht nennen. Das überlasse ich dem Verteidigungsministerium, nachdem es die Zahlen überprüft hat, aber die Struktur der Verluste ist auch für sie ungünstig. Was ich damit sagen will, ist, dass von allen Personalverlusten   – und sie nähern sich einer Zahl, die man als katastrophal bezeichnen kann   – die Struktur dieser Verluste für sie ungünstig ist. Denn wie wir wissen, können die Verluste reparabel oder unwiederbringlich sein. Normalerweise   – ich fürchte, ich liege ein wenig daneben   – liegen die unwiederbringlichen Verluste bei etwa 25 %, maximal 30 %, während ihre Verluste fast 50/50 betragen. Das ist mein erster Punkt.

    Zweitens, wenn wir die unwiederbringlichen Verluste betrachten, erleidet die verteidigende Seite natürlich weniger Verluste, aber dieses Verhältnis von 1 zu 10 ist zu unseren Gunsten. Unsere Verluste betragen ein Zehntel der Verluste der ukrainischen Streitkräfte.

    Bei den Panzern ist die Lage noch ernster. In diesem Zeitraum haben sie über 160 Panzer und mehr als 360 gepanzerte Fahrzeuge verschiedener Typen verloren. Das ist nur das, was wir sehen. Es gibt auch Verluste, die wir nicht sehen. Sie werden durch Präzisionswaffen mit großer Reichweite auf Massen von Personal und Ausrüstung verursacht. In Wirklichkeit hat die Ukraine also schwerere Verluste erlitten. Nach meinen Berechnungen belaufen sich diese Verluste auf etwa 25 oder vielleicht 30 Prozent der aus dem Ausland gelieferten Ausrüstung. Es scheint mir, dass sie dem zustimmen würden, wenn sie objektiv zählen würden. Aber soweit ich aus offenen westlichen Quellen weiß, scheint es so zu sein, was sie sagen.

    Die Offensive geht also weiter, und ich habe die jüngsten Ergebnisse beschrieben.

    Was unsere Verluste angeht   – lassen Sie das Verteidigungsministerium über andere Indikatoren und Personal sprechen   – habe ich gesagt, dass sie über 160 Panzer verloren haben und wir 54 Panzer, von denen einige wiederhergestellt und repariert werden können.

    Dmitry Kulko:

    Danke.

    Yekaterina Agranovich:

    Guten Tag, Agranovich Yekaterina, Blogger.

    Ich habe eine Frage zum Wasserkraftwerk Kakhovka. Es hat sich eine Tragödie ereignet, und wir müssen die ökologischen und sozialen Folgen noch bewerten. Aber hier ist meine Frage: Wer trägt Ihrer Meinung nach die Schuld daran? Werden sie bestraft werden? Und eine dritte Frage: Welche Hilfe können die Menschen in den betroffenen Gebieten erwarten?

    Vladimir Putin:

    Es ist klar, wer die Schuld trägt   – die Ukraine war daran beteiligt.

    Wissen Sie, ich werde keine Dinge sagen, bei denen ich mir nicht hundertprozentig sicher bin, aber im Großen und Ganzen haben wir keine große Explosion kurz vor der Zerstörung registriert. Das ist jedenfalls das, was mir berichtet wurde. Aber sie hatten das Kakhovka Wasserkraftwerk mehrmals mit HIMARS beschossen. Das ist der springende Punkt. Vielleicht haben sie dort Munition platziert   – ich weiß es im Moment nicht, oder vielleicht haben sie die Struktur mit irgendetwas Geringfügigem untergraben, und das hat den Bruch ausgelöst.

    Aber was uns betrifft, so sind wir daran jetzt nicht interessiert, weil es schwerwiegende Folgen für die Gebiete hat, die wir kontrollieren und die zu Russland gehören. Dies ist der erste Punkt.

    Nun zum zweiten Punkt. Leider, ich werde jetzt etwas Seltsames sagen, aber trotzdem, das hat leider ihre Gegenoffensive in diese Richtung ruiniert. Warum leider? Weil es für uns besser gewesen wäre, wenn sie ihre Offensive dort gestartet hätten   – besser für uns, weil es eine schlechte Angriffsposition für sie gewesen wäre. Aber das ist wegen der Überschwemmungen nicht passiert.

    Das Katastrophenschutzministerium arbeitet dort sehr aktiv, das Militär arbeitet aktiv, und die lokalen Behörden arbeiten. Ich habe vor kurzem mit dem amtierenden Leiter der Region Cherson [Wladimir] Saldo gesprochen, und er sagte: "Ich will Ihnen ehrlich sagen, dass wir überrascht sind. Wir haben noch nie eine so gut koordinierte Arbeit gesehen." Das mag stimmen, auch wenn es sicherlich Probleme gibt.

    Es gibt Menschen, die sich weigern, zu gehen, evakuiert zu werden. Um ehrlich zu sein, passiert das auch hier. Ich erinnere mich an eine Überschwemmung an der Lena, als die Menschen auf ihren Dächern saßen und sich weigerten, das Haus zu verlassen, weil sie Angst hatten, dass es geplündert werden würde usw. So sind die Dinge nun einmal. Es mag andere Überlegungen geben, die anders geartet sind. Auf jeden Fall wird alles getan, was getan werden kann: Das Katastrophenschutzministerium arbeitet sehr aktiv, und auch die lokalen Behörden, das Gesundheitsministerium und die medizinisch-biologische Bundesbehörde haben sich den Bemühungen angeschlossen.

    Jetzt müssen wir die Frage der Umweltsicherheit und der sanitären Sicherheit sehr ernsthaft angehen, denn die Rindergräber und Friedhöfe stehen unter Wasser. Das ist ein ernstes Problem, aber es ist lösbar. Wir werden die Chemieschutztruppen einsetzen müssen: Der Minister hat mir bereits Bericht erstattet, er hat den Befehl erteilt. Ich denke, dass wir mit vereinten Kräften alle Probleme lösen können, auch die der Wasserversorgung.

    Heute habe ich mit Marat Khusnullin gesprochen. Er sagt, wir müssen uns dort um die Verfügbarkeit von Wasser kümmern, neue Brunnen bauen usw. Aber die Arbeiten sind bereits im Gange. Wenn der Wasserstand sinkt, und er sinkt bereits allmählich, wird alles gelöst werden, sobald die Probleme auftauchen. Natürlich ist viel Vieh und Wildtiere gestorben, leider. Wir werden das alles organisieren müssen, um das Gebiet zu säubern.

    Was die Menschen anbelangt, so wird jeder nach russischem Recht und Standard Hilfe erhalten. Alle diese Bedingungen sind bekannt, sie sind in unseren Gesetzen vorgesehen. Alles wird auf dieselbe Weise geschehen wie für jeden anderen Bürger der Russischen Föderation, für jeden Haushalt. Ich habe den Minister [für Notfälle] Alexander Kurenkov bereits angewiesen, eine aktive Rolle bei der Bewertung von Sachschäden, sowohl bei beweglichen als auch bei unbeweglichen, zu übernehmen. Wir tun also alles, was wir können.

    Yekaterina Agranovich:

    Danke.

    Alexander Kots:

    Herr Präsident, mein Name ist Alexander Kots, Komsomolskaya Pravda.

    Die Frage mag unangenehm sein, aber wir werden oft danach gefragt.

    Vladimir Putin:

    Es gibt hier keine unangenehmen Fragen.

    Alexander Kots:

    Unsere Leser und Zuschauer stellen uns oft die gleiche Frage   – nach den Aktivitäten des Feindes in unserem Rücken.

    Es vergeht kaum eine Woche ohne Nachrichten über Drohnen, die entweder versuchen, Infrastruktureinrichtungen anzugreifen oder zu treffen. Sicherlich gibt es ein akutes Problem in unserem Grenzgebiet, insbesondere in der Region Belgorod.

    Meine Frage lautet also: Wie kommt es, dass feindliche Drohnen den Kreml erreichen? Und warum sind wir, nachdem wir mit der Befreiung des Donbass begonnen haben, nun gezwungen, unsere Bevölkerung aus den Grenzgebieten zu evakuieren, in die bereits polnische Söldner eingedrungen sind und in denen die polnische Sprache auf unserem Gebiet zu hören ist?

    Vladimir Putin:

    Die polnischen Söldner kämpfen dort tatsächlich   – Sie haben völlig Recht, ich stimme Ihnen zu   – und sie erleiden größere Verluste. In der Tat versuchen sie, diese zu verbergen, aber ihre Verluste sind ernst. Es ist schade, dass sie dies auch vor ihrer Bevölkerung verbergen. Es werden Söldner rekrutiert   – gerade in Polen und übrigens auch in anderen Ländern. Sie erleiden Verluste. Das ist das Erste.

    Zweitens, was die Drohnen betrifft. Sie wissen wahrscheinlich, und Ihre Kollegen wissen es auch, dass wir einmal eine Situation in Khmeimim hatten, als Drohnen einflogen und leider mehrere Granaten abwarfen, und wir haben dort Personal verloren. Aber wir haben ziemlich schnell gelernt, damit umzugehen, auf verschiedene Weise, mit verschiedenen Mitteln. Es ist manchmal schwierig, aber es ist eine lösbare Aufgabe.

    Offensichtlich ist es auch hier so: Unsere zuständigen Stellen müssen die notwendigen Entscheidungen treffen, denn das traditionelle Luftabwehrsystem ist, wie Sie sicher wissen, auf Raketen, auf große Flugzeuge geeicht. Die Drohnen, von denen Sie sprechen, und das wissen Sie auch, sind in der Regel aus modernen, leichten Materialien, aus Holz, und es ist ziemlich schwierig, sie zu entdecken. Aber sie werden aufgespürt. Aber es ist notwendig, entsprechende Arbeiten durchzuführen, sie rechtzeitig zu entdecken und so weiter. Und das wird natürlich getan und wird sicher getan werden, was Moskau und andere große Zentren betrifft, daran habe ich überhaupt keine Zweifel.

    Und ja, wir müssen diese Arbeit richtig organisieren. Und natürlich wäre es besser, wenn dies rechtzeitig und auf der richtigen Ebene geschehen würde. Aber diese Arbeit wird durchgeführt, und ich bin sicher, dass diese Aufgaben gelöst werden.

    Was die Grenzgebiete betrifft, so gibt es ein Problem, das   – und ich denke, Sie verstehen das auch   – hauptsächlich mit dem Wunsch zusammenhängt, unsere Kräfte und Ressourcen auf diese Seite zu verlagern und einen Teil der Einheiten aus den Gebieten abzuziehen, die unter dem Gesichtspunkt einer möglichen Offensive der ukrainischen Streitkräfte als die wichtigsten und kritischsten gelten. Wir brauchen das nicht zu tun, aber natürlich müssen wir unsere Bürger schützen.

    Was kann hier gesagt werden? Natürlich müssen wir die Grenze verstärken, und wenn jemand von Ihnen dort arbeitet, können Sie sicher sehen, dass dieser Prozess recht schnell voranschreitet, und diese Aufgabe der Verstärkung der Grenzen wird auch gelöst werden. Aber die Möglichkeit des Beschusses unseres Territoriums vom Territorium der Ukraine aus bleibt natürlich bestehen. Und hier gibt es mehrere Lösungen.

    Erstens, die Erhöhung der Effektivität und die Bekämpfung von Geschützen; aber das bedeutet nicht, dass keine Raketen mehr auf unser Territorium fliegen werden. Und wenn das so weitergeht, dann müssen wir offenbar die Frage in Betracht ziehen   – und ich sage das sehr vorsichtig   –, um eine Art Pufferzone auf dem Territorium der Ukraine in einer solchen Entfernung zu schaffen, von der aus es unmöglich wäre, unser Territorium zu erreichen. Aber das ist eine andere Frage, ich sage nicht, dass wir morgen mit dieser Arbeit beginnen werden. Wir müssen abwarten, wie sich die Situation entwickelt.

    Aber im Allgemeinen geschieht nichts dergleichen in der Region Belgorod oder anderswo; sowohl der Grenzschutz als auch die Streitkräfte sind jetzt dort tätig. Das hat natürlich nichts Gutes: Man konnte eigentlich davon ausgehen, dass der Feind sich so verhalten würde, und sich wahrscheinlich besser vorbereiten. Dem stimme ich zu. Aber das Problem wird gelöst werden, entweder auf diese Weise oder auf die von mir erwähnte Weise.

    Yevgeny Poddubny:

    Herr Präsident, ich bin Yevgeny Poddubny, VGTRK (Allrussische Staatliche Fernseh- und Rundfunkgesellschaft). In Fortsetzung von Alexanders Thema.

    Vladimir Putin:

    Ja, Yevgeny, bitte.

    Yevgeny Poddubny:

    Die Agenten der gegnerischen Spezialdienste arbeiten offen auf unserem Territorium, offen in dem Sinne, dass sie nicht einmal leugnen, dass sie Jagd auf führende Persönlichkeiten der öffentlichen Meinung in Russland machen: die Ermordung von Daria Dugina, die Ermordung von Wladlen Tatarskij, das Attentat auf Sachar Prilepin. Es ist offensichtlich, dass die ukrainischen Sonderdienste terroristische und sabotierende Aktivitäten in Russland durchführen.

    Wie wird der russische Staat gegen die Agenten des Feindes und die gegnerischen Sonderdienste vorgehen, die auf russischem Gebiet operieren?

    Vladimir Putin:

    Ihre Frage ist der von Alexander sehr ähnlich, denn diese Aktivitäten sind im Wesentlichen gleichwertig. Wir müssen kämpfen, und wir kämpfen, das tun wir, und einige Ergebnisse dieser Arbeit werden öffentlich, und die Öffentlichkeit kennt sie: die Verhaftung von Agenten und Beamten von Spezialdiensten eines Nachbarstaates. Die Arbeit ist noch nicht abgeschlossen.

    Ich möchte jedoch darauf hinweisen, dass wir im Gegensatz zu den derzeitigen ukrainischen Behörden keine terroristischen Methoden anwenden können: Wir haben immer noch einen Staat, ein Land, während es sich dort um ein Regime handelt. Sie agieren in der Tat als ein Regime, das sich auf den Terror stützt: Sie haben ein sehr hartes Regime der Spionageabwehr, das Kriegsrecht. Ich glaube nicht, dass wir das jetzt tun müssen. Wir müssen lediglich die Arbeit der Strafverfolgungsbehörden und der Sonderdienste verbessern und ausweiten. Und generell scheint mir, dass die Aufgaben in dieser Hinsicht auch lösbar sind.

    Sie haben die von Ihnen erwähnten Tragödien analysiert, und Sie sehen, was geschehen ist. Jemand brachte etwas herein, das Auto wurde nicht untersucht, es gab keine Inspektion.

    Dascha, ein guter Mensch, wurde getötet, und das ist eine große Tragödie. War sie eine Kämpferin oder etwas Ähnliches, hat sie mit einer Waffe in der Hand gekämpft? Sie war einfach eine Intellektuelle, die ihren Standpunkt, ihre Position zum Ausdruck brachte. Aber leider hat niemand an die Sicherheit gedacht, und sie haben einfach einen Sprengsatz unter den Boden des Wagens gelegt, und das war's. Dies bestätigt übrigens einmal mehr den terroristischen Charakter des derzeitigen Regimes in Kiew. Darüber müssen wir nachdenken. Was die Menschen anbelangt, die das Ziel dieser Terroristen sein könnten, müssen natürlich sowohl die Strafverfolgungsbehörden als auch diese Menschen selbst darüber nachdenken und für Sicherheit sorgen.

    Aber im Allgemeinen macht es keinen Sinn, eine Art Sonderregelung oder Kriegsrecht im ganzen Land einzuführen; eine solche Notwendigkeit besteht heute nicht. Wir müssen in einigen Fragen sorgfältiger arbeiten. In diesem Punkt stimme ich mit Ihnen überein.

    Maxim Dolgov:

    Herr Präsident, ich bin Maxim Dolgov, Readovka.

    Während des Beschusses können die Menschen ihr gesamtes Hab und Gut verlieren: Häuser, Grundstücke und so weiter. Es ist sehr wichtig, dass unsere Grenzregionen, wie Kursk, Brjansk und Belgorod, unseren Menschen umgehend und schnell helfen. Aber die Frage ist, ob die Regionen genug von dieser Hilfe haben werden.

    Vladimir Putin:

    Und wir zählen nach: Wir stehen fast ständig in Kontakt mit den Verantwortlichen dieser Regionen, und ich spreche mit ihnen. Sie formulieren ihre Bedürfnisse, bringen sie zu Papier und schicken sie an uns zurück.

    Gerade heute Morgen habe ich mit Herrn Mishustin gesprochen; wir haben eine ganze Weile über eine Reihe von Themen diskutiert, übrigens auch über dieses Thema, und auch mit Marat Khusnullin. Wir schicken der Region Belgorod   – vielleicht irre ich mich da ein wenig   – aber im Grunde genommen wurden, glaube ich, 3,8 Milliarden Rubel zur Unterstützung der Menschen geschickt. Und ein Teil dieser Gelder, ich glaube, 1,3 Milliarden oder 1,8 Milliarden, sind bereits in die Region Belgorod geflossen. Das ist also eine Tatsache.

    Danke, dass Sie uns darauf aufmerksam gemacht haben. Natürlich brauchen die Menschen Hilfe, und wir werden gezielt helfen: für jede Familie, für jeden Haushalt; das werden wir auf jeden Fall tun. Das gilt auch für den Neubau von Wohnungen, für den Wiederaufbau verlorener Gebäude, und natürlich haben wir genügend Mittel dafür. Die Mittel werden kommen; sie kommen bereits aus dem staatlichen Reservefonds. Das wurde bereits zurückgestellt.

    Mikhail Dolgov:

    Danke.

    Andrei Rudenko:

    Herr Präsident, Andrei Rudenko, Rossiya TV Kanal.

    Heute steht der medizinische Sektor im Donbass unter großem Druck. Die Krankenhäuser nehmen nicht nur Zivilisten, sondern auch Militärangehörige auf. Gleichzeitig herrscht aber ein großer Mangel an Personal und medizinischer Ausrüstung; es gibt nicht genügend MRT- oder CT-Geräte. Heute können Termine für diese diagnostischen Verfahren nur vier Monate im Voraus vereinbart werden, d.h. wenn eine Person diese Untersuchung heute braucht, muss sie vier Monate warten. Kann dies in diesen Gebieten gelöst werden?

    Vladimir Putin:

    Natürlich ist das möglich und notwendig.

    Schließlich fehlen diese Computertomographen und Kernspintomographen nicht wegen unserer Tätigkeit, sondern weil sie dort gar nicht vorhanden waren. Verstehen Sie das? Es ist einfach nie passiert. In der Donezk-Republik gab es, soweit ich mich erinnere, als wir das mit dem Gesundheitsministerium, mit Tatjana Golikowa, besprochen haben, insgesamt zwei MRT-Geräte.

    Andrei Rudenko:

    Zwei MRI-Geräte, 1,5 Tesla.

    Vladimir Putin:

    Siehen Sie, ich erinnere mich daran. Und ein Scanner wird gerade montiert. In der Region Cherson gibt es überhaupt keine Scanner. Wenn sie einen Patienten scannen müssen, müssen sie auf die Krim fahren. Nun, auf der Krim gab es auch lange Zeit keine. Jetzt ist alles besser geworden, es gibt mehr Geräte. Es gibt immer noch zu wenig und nicht genug, aber immerhin.

    Wir haben ein Programm verabschiedet, ich glaube, bis 2030, in dem erhebliche Mittel vorgesehen sind. Das ist aktenkundig; wir werden nichts kürzen. Einige russische Regionen, die die neuen Gebiete unter ihre Schirmherrschaft gestellt haben, helfen in vielerlei Hinsicht. Und diese Hilfe ist beträchtlich, ich glaube, die Regionen stellen über 17 Milliarden zur Verfügung. Es gibt auch andere Mittel aus föderalen Quellen. Wir werden also alles tun, was wir können.

    Dazu gehört auch ein Programm zur Wiederherstellung von Vorschuleinrichtungen. Ich denke, es müssen 1.300 Gebäude restauriert werden. Etwa 1.400 Schulen sollen restauriert oder gebaut werden. Auch medizinische Einrichtungen. All das ist in den jeweiligen Entwicklungsprogrammen für diese Regionen enthalten. Wir werden sie sicherlich auf das durchschnittliche Niveau in Russland bringen. Dazu gehören auch die Löhne; wir haben bereits für einige Berufskategorien höhere Löhne eingeführt, und das werden wir fortsetzen.

    Natürlich weiß ich, dass Sie mit Ihrem Hinweis auf jeden Fall Recht haben. Eines der drängendsten Probleme sind die mangelnden Kapazitäten der [medizinischen] Einrichtungen. Dies wird noch dadurch verschärft, dass sie diejenigen aufnehmen, die im Rahmen von Kampfhandlungen verwundet wurden   – sowohl Zivilisten als auch Militärangehörige. Zu einem bestimmten Zeitpunkt waren bestimmte medizinische Einrichtungen völlig überfüllt.

    Ich möchte noch einmal betonen, dass wir unsere Anstrengungen im Rahmen dieses Programms bis 2030 verstärken werden, einschließlich der Gesundheitsversorgung. Dazu gehören auch die Löhne. In diesem Bereich werden wir sie auf den russischen Durchschnitt und die Standards des Landes anheben müssen   – nein, wir werden es definitiv tun. Zum Beispiel müssen einige Mitarbeiter, auch im Gesundheitswesen, den Durchschnittslohn wie im übrigen Russland erhalten. Darauf werden wir uns Schritt für Schritt zubewegen.

    Andrei Rudenko:

    Herr Präsident, Krankenhäuser sind zu Zielen der ukrainischen Streitkräfte geworden, die Angriffe hören nicht auf. Die Ärzte setzen ständig ihr Leben aufs Spiel. Es wäre gut, ihnen den Status von SMO-Teilnehmern zu gewähren, ebenso wie anderen Kategorien von Menschen, die darauf hinarbeiten, ich meine auf den Sieg.

    Vladimir Putin:

    Wir müssen uns das genau ansehen. Diejenigen, die seit 2014 kämpfen... Wir brauchen eine ausgewogene soziale Gerechtigkeit; es ist eine Sache, wenn eine Person an vorderster Front steht, und es ist eine andere Sache, wenn sie diese Risiken eingeht, aber nicht an vorderster Front steht.

    Aber Sie haben sicherlich Recht, dass dieser Aspekt des Risikos bei der Vergütung berücksichtigt werden muss. Wir werden auf jeden Fall darüber nachdenken.

    Andrei Rudenko:

    Ganz vielen Dank.

    Vladimir Putin:

    Vielen Dank für Ihre Frage   – das ist eine sehr heikle Angelegenheit. Ich verstehe das.

    Yekaterina Agranovich:

    Ich habe noch eine Frage.

    Vladimir Putin:

    Bitte, fahren sie fort.

    Yekaterina Agranovich:

    Der Westen wirft uns ständig vor, in der Ukraine alles zu zerstören und zu stehlen, von Denkmälern bis zu Kindern.

    Vladimir Putin:

    Denkmäler? Welche Denkmäler? Sie sind diejenigen, die Denkmäler abreißen. Wir könnten einen Park mit den Denkmälern bauen, die in der Ukraine zerstört wurden.

    Haben viele Leute Ihren Blog abonniert?

    Yekaterina Agranovich:

    Relativ gesehen, ja, aber weniger als Rudenkos Blog.

    Vladimir Putin:

    Na gut, das ist nicht wirklich wichtig. Schlagen Sie vor, alle Denkmäler nach Russland zu schicken. In Odessa haben sie ein Denkmal für Katharina die Große, die Gründerin der Stadt, abgerissen. Wir würden es gerne mitnehmen.

    Yekaterina Agranovich:

    Meine Frage bezieht sich auf etwas ganz anderes. Unterm Strich ist es so, dass sie selbst überall auf der Welt Entführungen und Vernichtungen durchführen. Aber das exportorientierte westliche Bild, wie das Leben dort ist und wie es dort funktioniert, wird idealisiert. Die Menschen in Russland und der Ukraine fallen auf diese Propaganda herein. Dieses Problem ist in den neuen Gebieten besonders akut, denn acht Jahre lang, seit 2014, waren die Menschen dort ständig von ukrainischen Flaggen umgeben, und alles sah schön und gut aus, und sie übten ständig Einfluss auf sie aus. Wenn wir also diese Gebiete befreien, sind viele Menschen damit nicht einverstanden, und jeder hat die Möglichkeit, seine Unzufriedenheit zum Ausdruck zu bringen. Wenn Sie ins Internet gehen, werden Sie sehen, dass sie frei Videos hochladen, z.B. aus Städten in der Region Saporoshje, in denen sie zeigen, wie sehr sie sich nach der Ukraine sehnen, jetzt, wo sie unter der Besatzung leben müssen.

    Hier ist meine Frage. Wie wollen wir die Gedanken von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen beeinflussen? Natürlich ist Russland ein freies Land, in dem wir alle unsere Meinung frei äußern können. Aber unter Kampfbedingungen wird dies in erster Linie zu einer Frage der Sicherheit.

    Vladimir Putin:

    Sie haben Recht. Natürlich sollten wir angesichts der laufenden Feindseligkeiten bestimmten Dingen Grenzen setzen. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass das, was Sie gerade gesagt haben, natürlich zu einem großen Teil das Werk der Gegenseite, der gegnerischen Seite ist. Der Informationsraum ist ein Schlachtfeld, ein entscheidendes Schlachtfeld.

    Wenn also jemand etwas hochlädt oder schreibt und eine Adresse angibt, dann ist das eine Sache. Wenn es aber keine Adresse gibt und nicht klar ist, wer da schreibt oder spricht, ist das eine ganz andere Sache. Sie und ich wissen sehr wohl, dass man mit bekannten technischen Mitteln Dinge ins Internet stellen kann, die den Anschein erwecken, dass Millionen von Menschen diese Videos gesehen und kommentiert haben, während in Wirklichkeit nur eine Person dahintersteckt, die einfach nur die moderne Technik nutzt, um sie endlos zu wiederholen. Aber natürlich gibt es auch Menschen, die eine bestimmte Meinung haben, und sie können ihren Standpunkt zum Ausdruck bringen.

    Was können wir tun, um dem entgegenzuwirken? Ich denke, die Zuhörer werden wissen, was ich meine. Dem kann und sollte man nicht so sehr mit Restriktionen oder verwaltungstechnischen oder strafrechtlichen Auflagen begegnen, sondern mit effektiver Arbeit im Informationsumfeld unsererseits. Und dabei zähle ich wirklich auf Ihre Hilfe.

    Alexander Sladkov:

    Herr Präsident, Alexander Sladkov, VGTRK TV company.

    Ich habe vier Fragen an Sie. Die erste betrifft die Rotation.

    Vladimir Putin:

    Wer ist der Moderator?

    Alexander Sladkov:

    Herr Präsident, Ich bin der Moderator.

    Vladimir Putin:

    Sie sind zu nah dran   – an der Kontaktlinie.

    Alexander Sladkov:

    Ich bin nahe am Entscheidungszentrum.

    Vladimir Putin:

    Nein, Sie befinden sich in der Nähe der Kontaktlinie, und es sieht so aus, als ob das, was aus dem ukrainischen Gebiet gekommen ist, in Ihr System gelangt ist.

    Alexander Sladkov:

    Wir waren betrunken davon.

    Vladimir Putin:

    Oh, ja. Dieser Geist der Unfreiheit. Und Sie missbrauchen Ihre Position als Moderator.

    Alexander Sladkov:

    Ich gebe zu, das bin ich.

    Vladimir Putin:

    Fahren Sie fort.

    Alexander Sladkov:

    Zunächst die schmerzliche Frage der Rotation.

    Wir haben unsere mobilisierten Truppen an die Front geschickt. Wir haben sie ausgebildet und sie dorthin geschickt. Sie kämpfen jetzt mit Würde und geben alles, was sie haben, für diesen Kampf. Ihre Ehefrauen, Mütter und Familien fragen sich, wie lange sie weg sein werden. Bis zum Sieg? Wann ist der Sieg? Ein schwieriger Weg liegt vor uns. Glauben Sie nicht, dass die Zeit kommen wird, in der sie ausgetauscht und ersetzt werden müssen? Übrigens sind sich viele sicher, dass diese Leute meist in die SMO-Zone zurückkehren werden, weil sie bis zum Ende kämpfen wollen. Aber wenn keine Grenze in Sicht ist, ist es sehr schwer, psychologisch stabil zu bleiben. Ich spreche jetzt von Familien.

    Meine zweite Frage bezieht sich auf die Vertragssoldaten, die wir derzeit rekrutieren. General Yevgeny Burdinsky macht eine ausgezeichnete Arbeit. Er ist ein echter Profi, stellvertretender Chef des Generalstabs. Aber wir leben im 21. Jahrhundert. Ist es nicht an der Zeit, das System zu ändern oder es zu einem integrierten System zu machen? Wir warten darauf, dass die Menschen auf das Angebot reagieren. Wir laden sie ein, aber ist es nicht an der Zeit, dass wir uns an die Leute wenden, die uns helfen können, und einen Plan aufstellen, der auf militärischen Spezialgebieten basiert, wo wir die Anzahl der Maschinengewehrschützen, Granatwerferbediener, Fahrer, Melder oder Nachrichtenoffiziere kennen, so dass wir nicht mehr massenhaft Leute auf Vertragsbasis aufnehmen, sondern nur diejenigen, die wir brauchen.

    Meine dritte Frage bezieht sich auf die Wehrpflichtigen. Im Zusammenhang mit den Ereignissen, bei denen Wehrpflichtige als würdige Mitglieder der Streitkräfte in der Region Belgorod gehandelt und feindliche Angriffe abgewehrt haben, fragen sich ihre Familien, was ihr Status ist. Ich weiß, dass die Verabschiedung eines bestimmten föderalen Gesetzes geplant ist, aber werden die Wehrpflichtigen weiterhin an den Kampfhandlungen teilnehmen?

    Und die vierte Frage betrifft die Mobilisierung. Wird es eine weitere Runde der Mobilisierung geben?

    Damit sind meine Fragen abgeschlossen.

    Vladimir Putin:

    Das sind in der Tat sehr ernste Fragen, deshalb müssen wir natürlich darüber sprechen. Zunächst einmal die mobilisierten Soldaten, die Rotation, wann sie ersetzt werden sollen, wann sie enden wird.

    Wissen Sie, ich werde mich einfach an das Gesetz wenden: Das Gesetz gibt keine Dauer vor. Wir müssen von der Verfügbarkeit des Personals ausgehen, von der Situation an der Front, vom Verlauf der speziellen militärischen Operation selbst.

    Sie wissen, dass wir in der Tat, auch auf meinen Vorschlag hin, eine Entscheidung über regelmäßige Beurlaubungen getroffen haben.

    Alexander Sladkov:

    Ja, zweimal im Jahr. Das haben Sie in Ihrer Rede vor der Bundesversammlung angekündigt.

    Vladimir Putin:

    Die Mitglieder des Militärdienstes haben den Urlaub genommen. Es ist amüsant, dass einige daran zweifelten, ob sie zurückkehren würden: Praktisch alle kehren zurück, mit wenigen Ausnahmen aufgrund von Krankheit oder unerwarteten familiären Umständen. Aber insgesamt kehren über 90 Prozent, 99 Prozent zurück.

    Alexander Sladkov:

    Ja, das stimmt.

    Vladimir Putin:

    Das ist der erste Teil der Antwort auf diese Frage.

    Der zweite Teil   – und damit habe ich begonnen: Natürlich werden wir die Menschen schrittweise nach Hause bringen müssen, und das Verteidigungsministerium diskutiert sicherlich über diese relevante Frage. Es wird davon abhängen, wie die vierte Frage, die Sie gestellt haben, entschieden wird, ob neue Mobilisierungswellen notwendig sind und so weiter. Ich komme gleich darauf zu sprechen.

    Vertragssoldaten. Ich habe vor kurzem mit Herrn Burdinsky gesprochen, die Arbeit geht generell voran, sie läuft wirklich sehr gut. Er ist für die Rekrutierung von Vertragssoldaten zuständig. Einer der stellvertretenden Verteidigungsminister ist für die Ausbildung zuständig.

    Alexander Sladkov:

    Yevkurov.

    Vladimir Putin:

    Ja, er ist für die Ausbildung zuständig, die bereits abgeschlossen ist. Ich weiß nicht, ob Sie schon dort waren. Wenn nicht, können Sie hingehen.

    Alexander Sladkov:

    Natürlich waren wir dort.

    Vladimir Putin:

    Die Dinge werden dort jetzt immer besser. Es gibt wahrscheinlich noch einige Probleme, aber die Geräte kommen zu ihnen, sie arbeiten. Es gibt keine Grenzen der Perfektion. Natürlich gibt es immer Probleme, egal wo man hinschaut, aber insgesamt verändert sich die Situation zum Besseren. Müssen Technologien ersetzt werden? Vielleicht muss das in Betracht gezogen werden. Worauf wollen Sie hinaus? Es geht darum, dass   – Sie haben Recht, Sie haben absolut Recht   – wir eine gezielte Rekrutierung haben müssen.

    Nun zu den Wehrpflichtigen. Wie bisher werden wir sie nicht in die spezielle Militäroperationszone schicken, die durch Noworossija und den Donbass verläuft. Das gilt auch jetzt. Obwohl diese Gebiete natürlich zur Russischen Föderation gehören, läuft dort die besondere Militäroperation, und wie mir das Verteidigungsministerium mitteilt, besteht keine Notwendigkeit, sie dorthin zu schicken. Abgesehen davon sind sie traditionell in den Regionen Belgorod und Kursk im Einsatz. Sie sorgen dort für Sicherheit, sie sind an diesen Orten präsent, und im Falle einer Bedrohung müssen sie ihre heilige Pflicht gegenüber der Heimat erfüllen und das Vaterland verteidigen.

    Ich muss sagen, dass ich mit einem Bataillonskommandeur gesprochen habe, der in der Gegend von Belgorod gekämpft hat. Ich fragte ihn, wie viele seiner Soldaten mobilisiert und wie viele einberufen waren. Er sagte, sie seien alle Wehrpflichtige und er habe überhaupt keine mobilisierten Soldaten. Er ist ein Bataillonskommandeur. Ich habe ihn gefragt, wie sie sich verhalten haben. Er sagte, sie hätten sich hervorragend verhalten   – niemand habe auch nur einmal gezuckt. Allerdings gab es einen kurzen Moment, in dem Generalleutnant Lapin mit seiner Dienstwaffe zusammen mit seinen Soldaten gekämpft hat.

    Alexander Sladkov:

    Wir haben diese Szene mit Sorge beobachtet.

    Vladimir Putin:

    Ja, ja, aber diese Jungs haben ihr Bestes gegeben.

    Ich denke also, ich habe Ihre Frage beantwortet. Natürlich werden sie dort bleiben, ebenso wie in anderen Gebieten der Russischen Föderation. Das Verteidigungsministerium plant nicht, sie in die Kampfzone zu entsenden, und dafür gibt es jetzt auch keinen Grund.

    Bezeichnenderweise sprach dieser Bataillonskommandeur   – ich habe mich sehr über das Gespräch mit ihm gefreut, ich glaube, sein Name ist Nikitin   – so selbstbewusst und herzlich über seine Soldaten. Er sprach sehr gut über sie. Er sagte: "Niemand hat auch nur ein bisschen gezuckt. Sie waren sehr konzentriert und haben gute Arbeit geleistet."

    Nun zur Notwendigkeit einer zusätzlichen Mobilisierung. Ich verfolge das nicht so genau, aber einige unserer öffentlichen Persönlichkeiten behaupten, dass dringend eine Million oder sogar zwei Millionen Menschen mobilisiert werden müssen. Das hängt davon ab, was wir wollen. Aber am Ende des Großen Patriotischen Krieges, wie viele...

    Alexander Sladkov:

    Zehn.

    Vladimir Putin:

    Nein, vielleicht waren es während des Krieges insgesamt zehn Millionen, aber ich glaube, am Ende des Krieges hatten wir 5 Millionen in unseren Streitkräften. Ich kann mich irren   – ich weiß nicht mehr, wie viele es genau waren.

    Ich erinnere mich an einige Dinge genau   – entschuldigen Sie, dass ich abschweife   –, aber die RSFSR hatte einen Anteil von etwa 70 Prozent oder 69 Prozent an allen Verlusten während des Großen Vaterländischen Krieges   – das kommt der Sache schon näher, aber ich schweife ab. Die Zahl spielt keine Rolle, aber es waren viele. Es kommt auf das Ziel an.

    Sehen Sie, unsere Truppen waren außerhalb von Kiew. Zunächst haben wir eine Vereinbarung getroffen, die sich als eine gute Vereinbarung darüber erwies, wie man die gegenwärtige Situation friedlich lösen kann. Auch wenn sie es verworfen haben, so haben wir doch diese Zeit genutzt, um dorthin zu gelangen, wo wir jetzt sind, nämlich praktisch ganz Noworossija und einen bedeutenden Teil der Volksrepublik Donezk mit Zugang zum Asowschen Meer und Mariupol. Und fast die gesamte Lugansker Volksrepublik, mit ein paar Ausnahmen.

    Müssen wir dorthin zurückkehren oder nicht? Warum stelle ich diese rhetorische Frage? Offensichtlich haben Sie keine Antwort darauf, das kann nur ich beantworten. Aber je nach unseren Zielen müssen wir über eine Mobilisierung entscheiden, aber das ist heute nicht nötig. Das ist mein erster Punkt.

    Der zweite Punkt, den ich am Ende meiner Antwort auf Ihre Frage ansprechen möchte, ich bin mir nicht sicher, ob ich ihn bereits erwähnt habe. Seit Januar, als wir begonnen haben, Verträge mit Vertragssoldaten zu schließen, haben wir über 150.000 von ihnen rekrutiert, und zusammen mit den Freiwilligen beläuft sich diese Zahl auf 156.000. Die Mobilisierung hat uns bekanntlich 300.000 Rekruten beschert. Jetzt kommen die Menschen freiwillig und aus freien Stücken. Die Arbeit begann im Februar mit 156.000 Menschen und dauert bis heute an, allein in der letzten Woche wurden 9.500 Verträge unterzeichnet.

    Alexander Sladkov:

    Ein halbes Korps.

    Vladimir Putin:

    9.500 Menschen. Das Verteidigungsministerium sagt, dass es keinen Grund für eine Mobilisierung gibt.

    Was da passiert, hat selbst mich überrascht: Immerhin haben sich 156.000 Menschen freiwillig gemeldet. Wie wir sagen, satteln die Russen langsam, aber reiten schnell. Die Menschen melden sich freiwillig, um das Vaterland zu verteidigen.

    Alexander Sladkov:

    Danke.

    Anatoly Borodkin:

    Herr Präsident, Anatoly Borodkin, Zvezda TV Kanal.

    Sie sagten vorhin, dass die westlichen Länder das Kiewer Regime mit den modernsten Waffensystemen überschwemmen.

    Vladimir Putin:

    Ja, das tun sie.

    Anatoly Borodkin:

    In diesem Zusammenhang habe ich eine Frage: Was werden wir tun, um unsere Rüstungsindustrie auszubauen, um erstens einen quantitativen Rückstand zu vermeiden und vor allem, um den Feind deutlich zu überholen und unsere Streitkräfte mit modernen Waffensystemen in ausreichender Zahl auszustatten. Wir wissen, dass ein Koordinierungsrat eingerichtet worden ist. Was halten Sie übrigens von dessen Leistung?

    Ehrlich gesagt, scheinen wir bisher Probleme zu haben. Die Versorgungskette, die von der Bestellung von Militärmaterial über die Fertigunganweisung und die industrielle Massenproduktion bis hin zur Lieferung von Produkten an die Front reicht, ist lückenhaft. Was muss getan werden, damit sie so schnell wie möglich wieder funktioniert?

    Vladimir Putin:

    Wissen Sie, das ist eine grundlegende Frage, absolut grundlegend. Wenn wir sagen   – ich habe es gesagt, und Sie haben es wiederholt   –, dass der Westen die Ukraine mit Waffen überschwemmt, dann ist das eine Tatsache. Niemand verheimlicht das, im Gegenteil, man ist stolz darauf. Im Übrigen gibt es hier einige Probleme, denn in gewissem Maße verstoßen sie gegen bestimmte Aspekte des Völkerrechts, wenn sie Waffen in ein Konfliktgebiet liefern. Ja, ja, ja, sie ziehen es vor, dem keine Beachtung zu schenken, sie tun es einfach. Egal, sie werden es weiterhin tun, und es macht absolut keinen Sinn, ihnen Vorwürfe zu machen, denn sie haben ihre eigenen geopolitischen Ziele in Bezug auf Russland, die sie niemals erreichen werden, niemals. Das muss ihnen doch klar sein. Aber ich denke, diese Erkenntnis wird ihnen erst nach und nach kommen.

    Zum Thema Waffen und MIC-Entwicklung. Sehen Sie, wir hätten keine Fähigkeiten, wenn wir nicht vor etwa acht Jahren das MIC-Aufrüstungsprogramm vorgestellt und mit der Umsetzung begonnen hätten   – Sie erinnern sich vielleicht, wann das geschah. Sie erinnern sich, ja, viele der Anwesenden haben es sicher zur Kenntnis genommen. Es war wahrscheinlich vor etwa acht Jahren, vielleicht auch schon früher; wir haben ein Programm zur Modernisierung des militärisch-industriellen Komplexes gestartet. Wir haben damals sehr große Mittel bereitgestellt und Stück für Stück damit begonnen, unsere Unternehmen zu modernisieren, neue zu bauen, moderne Ausrüstung einzusetzen und so weiter. Dadurch wurde ein erheblicher Nachholbedarf geschaffen.

    Natürlich hat sich während der speziellen Militäroperation gezeigt, dass wir von vielen Dingen nicht genug haben. Dazu gehören Hochpräzisionsmunition, Kommunikationssysteme...

    Anatoly Borodkin:

    Drohnen.

    Vladimir Putin:

    Ja, und Luftfahrzeuge, Drohnen und so weiter. Wir haben sie, aber leider sind sie nicht in ausreichender Zahl vorhanden. Selbst jetzt, wenn ich mit den Männern an der Front spreche, sagen sie, dass sie ZALA-Drohnen brauchen, Gegenbatterieanlagen, und mehr davon, kleinere und effektivere. Unsere großen Drohnen sind zwar recht effektiv, aber es gibt nicht genug von ihnen und sie sind schwieriger zu bedienen.

    Ich habe jetzt gesagt, dass in den Gebieten, in denen die ukrainische Armee versucht, anzugreifen, bereits mehrere Panzer zerstört wurden, ich glaube mit Kamikaze-Drohnen. Sie werden sehr effektiv eingesetzt, wahrscheinlich effektiver als die Drohnen des Feindes, aber wir haben nicht genug davon. Wir haben nicht genügend Orlan-Drohnen, und ihre Qualität muss verbessert werden, auch wenn sie ihre Funktion erfüllen. Das heißt, wir brauchen eine ganze Menge. Wir brauchen moderne Panzerabwehrwaffen und auch moderne Panzer.

    Der Т-90 Breakthrough ist zu 100 Prozent der beste Panzer der Welt. Man kann jetzt sagen, dass der T-90 Breakthrough der beste Panzer der Welt ist   – sobald er seine Position eingenommen hat, kann kein anderer mehr etwas tun. Er schlägt länger und präziser zu, und er ist besser geschützt. Ein Kommandeur erzählte mir, dass der T-90 Breakthrough durch eine Landmine in die Luft gesprengt wurde   – leider starb der Panzermann. Offenbar wurde er hochgeschleudert, und dieser Mann wurde darin verwundet   – nicht durch eine Granate; er wurde einfach darin herumgeschleudert, und das war's. Der Panzer blieb funktionstüchtig. Das heißt, es ist genug von allem da... Nein, im Gegenteil, es ist nicht genug von allem da, aber ein großer Teil der Vorarbeit ist geleistet worden. Jetzt geht es darum, ihn aufzubauen.

    Ich habe die Grundlagen erwähnt, und ich sollte darüber sprechen, was jetzt geschieht. Im Laufe des Jahres haben wir die Produktion unserer Hauptwaffen um das 2,7-fache gesteigert. Was die Herstellung der gefragtesten Waffen betrifft, so haben wir sie verzehnfacht. Verzehnfacht! Manche Industriebetriebe arbeiten im Zweischichtbetrieb, andere im Dreischichtbetrieb. Sie arbeiten praktisch Tag und Nacht und machen einen sehr guten Job.

    Wie wir in solchen Fällen sagen, möchte ich diese Gelegenheit nutzen, um unseren Arbeitern und Ingenieuren zu danken, die Tag und Nacht arbeiten. Viele von ihnen gehen an die Front, um die Ausrüstung direkt in der Kampfzone einzustellen, und sei leisten sehr gute Arbeit.

    Wenn wir also über eines unserer Hauptziele sprechen   – die Entmilitarisierung   –, dann wird genau dies erreicht. Sie haben immer weniger eigene Ausrüstung   – es ist fast nichts davon übrig. Sie haben einige alte sowjetische Anlagen, in denen sie versuchen, Hardware zu reparieren, aber deren Zahl nimmt ständig ab, denn wenn wir Informationen darüber erhalten, was wo stattfindet, versuchen wir, uns darum zu kümmern. In der Zwischenzeit wächst unsere Produktion, und die Qualität wird immer besser. Die Spezifikationen   – die Reichweite und die Präzision   – werden verbessert. Hätten wir diese spezielle Militäroperation nicht, hätten wir wahrscheinlich nicht verstanden, wie wir unsere Verteidigungsindustrie verbessern können, um unsere Armee zur besten der Welt zu machen. Aber wir werden dies tun.

    Anatoly Borodkin:

    Danke.

    Irina Kuksenkova:

    Guten Tag, Herr Präsident, Irina Kuksenkova, Kanal Eins.

    Ich habe eine Frage zu einem Thema, das mich beunruhigt   – Rehabilitation   –, weil ich mich damit beschäftige. Das ist nicht weniger wichtig als der Kampf oder die Versorgung der Truppen. Ehrlich gesagt, ich weiß das ganz genau.

    Vielen Dank, dass Sie den Fonds für die Verteidiger des Vaterlandes eingerichtet haben. Jetzt ist es schwer, sich vorzustellen, wie diese Vielzahl von Problemen ohne ihn gelöst werden könnte. Die Männer, die ihre Gesundheit für die Interessen unseres Landes geopfert haben, sollten sich nicht beleidigt oder ungerecht behandelt fühlen.

    Das Problem ist, dass sich unsere Regionen nicht nur in ihren Budgets, sondern auch in ihrer Organisationsfähigkeit unterscheiden, während die Hilfe in allen Regionen gleich wirksam sein muss. Aber sie sind unterschiedlich, und so ist auch die Unterstützung unterschiedlich. Was denken Sie darüber?

    Vladimir Putin:

    Es ist ein sensibles Thema, das verstehe ich. Und das ist auch gut so. Jemand sagte, es gäbe verschiedene Fragen, darunter auch sehr heikle, und was Sie dazu sagten, war richtig. Aber es sind alles wichtige Fragen. Diese Frage ist auch sehr wichtig, das verstehe ich.

    Ich hatte die Idee, die Stiftung "Verteidiger des Vaterlandes" zu gründen, nachdem ich Mütter und Ehefrauen der kämpfenden Jungs getroffen hatte, von denen einige leider schon ihr Leben für ihr Vaterland gelassen haben. Ich habe mich vor einigen Monaten mit ihnen in Nowo-Ogarjowo getroffen. Einige Frauen, eine Mutter eines verwundeten Soldaten, sagten: Es ist schwer für mich, ehrlich, denn es ist eine tiefe Wunde, und es ist schwer für mich. Dann sagten sie: Wir brauchen so etwas wie ein staatliches Unterstützungssystem. So entstand diese Idee, eine Stiftung zur Unterstützung der Verteidiger, der SMO-Teilnehmer, zu gründen. Ich hoffe, dass die Stiftung ins Leben gerufen wird und mehr und mehr aktiv arbeitet. Es ist sehr gut, dass sie Menschen beschäftigt, die auf die eine oder andere Weise mit der militärischen Sonderoperation verbunden sind   – entweder Familienmitglieder oder ehemalige Teilnehmer, auch solche Leute gibt es.

    Ich möchte in diesem Zusammenhang sagen, dass erstens die staatlichen Garantien für alle gleich sind. Und jeder verdient den gleichen Betrag   – 196.000 am Anfang und später alles, was mit der Geldleistung zusammenhängt. Auch die sozialen Garantien mit verschiedenen Zahlungen aus staatlichen Quellen sind für alle gleich.

    Aber Sie haben Recht   – wenn es um die Zahlungen der Regionen geht, handelt es sich um freiwillige Sozialleistungen der Regionen, niemand zwingt sie dazu, sie machen es extra. Dieser Umstand wirkt sich hier aus, was Sie erwähnt haben: Die Regionen haben unterschiedliche Ansätze   – sie versuchen es, einige von ihnen organisieren zusätzliche Zahlungen, andere helfen den Familien. Zum Beispiel kostenlose Schulmahlzeiten für Kinder, vorrangige Zulassung zu Hochschulen, was in Russland allgemein üblich ist; in den Vorschuleinrichtungen wird viel für Familien getan.


    Info: https://www.seniora.org/wunsch-nach-frieden/demokratie/der-praesident-hat-sich-mit-kriegsberichterstattern-im-kreml-getroffen

    17.06.2023

    Der Präsident hat sich mit Kriegsberichterstattern im Kreml getroffen.       (II von III)

    Ja, hier gibt es ein Problem, denn jede Region hat ihren eigenen Ansatz. Es ist ziemlich schwer, das zu vereinheitlichen, weil es das Vorrecht der Regionen ist. Aber wir müssen das berücksichtigen, das verstehe ich.

    Irina Kuksenkova:

    Das Problem ist nicht die Finanzierung, nicht der Reichtum, sondern die Tatsache, dass einige die Sache organisiert angehen und mit Herzblut bei der Sache sind. Wir kümmern uns zum Beispiel um die Rehabilitation und führen Amputierte in der Region Tula in den paralympischen Sport ein. Ich weiß mit Sicherheit, dass es dort gut organisiert ist, ich sehe es. Wir haben erst vor wenigen Tagen eine Rotation abgeschlossen, die alles ins rechte Licht gerückt hat. Inzwischen sehe ich, dass es in einigen anderen Regionen Probleme gibt. Wie können wir diese Organisation so aufbauen, dass die Menschen sie ernst nehmen, mit Gefühl?

    Vladimir Putin:

    Wissen Sie, was ich gerade gedacht habe? Ich habe gedacht, wir müssen die besten Praktiken übernehmen und sie anderen Regionen empfehlen. Wir können sie nicht zwingen, und das ist auch nicht nötig. Ich bin einfach der festen Überzeugung, dass die Leiter der Regionen, die Gouverneure, Dinge anders machen als ihre Nachbarn, und zwar nicht, weil sie dagegen sind, sondern weil sie es einfach nicht wissen, weil sie nicht über die Informationen verfügen. Und diese sollten verbreitet werden.

    Geben Sie uns diese Informationen   – ich meine es ernst   – und wir werden versuchen, nein, wir werden es über das Präsidialamt und die bevollmächtigten Gesandten tun, wir werden dies im ganzen Land einführen.

    Irina Kuksenkova:

    Danke.

    Vladimir Putin:

    Ich danke Ihnen vielmals. Das ist sehr wichtig.

    Semyon Pegov:

    Herr President, Semyon Pegov, WarGonzo project.

    Ich bin zwar kein Moderator, aber ich bin rothaarig und verwegen und werde Ihnen zwei Fragen stellen.

    Vladimir Putin:

    Aber nicht alle Rothaarigen sind verwegen. (Gelächter)

    Semyon Pegov:

    Nun, hier geht es nicht um mich.

    Herr Präsident, erste Frage. Wie wir wissen, ist das Personal zu jeder Zeit der Schlüssel zu allem, besonders in der Armee, besonders während des Krieges.

    Vladimir Putin:

    Stalin hat das gesagt, oder nicht?

    Semyon Pegov:

    Ich glaube ja.

    Leider ist das bestehende bürokratische System so aufgebaut, dass diejenigen, die gut auf dem Parkett dienen und sich rechtzeitig bei ihren Vorgesetzten einschmeicheln können, die Karriereleiter hinaufsteigen. Aber jetzt gibt es neue Rokossovskys, die an der Front geschmiedet werden, neue talentierte Jungs. Übrigens, ein großes Hallo an Sie von den Donbass-Kommandeuren, von Somali, von OBTF [separate Bataillonstaktische Formation] Kaskad, von Sparta, aber es geht nicht nur um sie.

    Es gibt jetzt viele talentierte Leute, gute, mutige Leute, aber das System hindert sie daran, an die Spitze zu kommen. Wie können wir dieses Problem lösen, damit wir neue Perlen in unseren militärischen Angelegenheiten und in der Kriegskunst bekommen? Und es gibt einige, glauben Sie mir.

    Die zweite, ebenfalls heikle Frage betrifft die Zahlungen für die Verwundeten und leider auch für die Gefallenen der Soldaten. Einige Fragen werden von der Arbeitsgruppe von Turchak von Person zu Person geklärt, aber es gibt zum Beispiel die Frage der Zahlungen für die zerstörte Ausrüstung. Ich persönlich kenne niemanden   – die Jungs lassen mich nicht lügen   – ich kenne keinen einzigen Soldaten, der eine Zahlung für einen zerstörten Panzer oder eine zerstörte Befestigung erhalten hat. Obwohl das alles angekündigt wurde, weiß es jeder und die Jungs machen sich sogar untereinander lustig: Warum wurde es versprochen, aber es ist nicht passiert. Und noch einmal: Die Jungs lassen mich nicht lügen   – das ist wirklich wahr.

    Danke.

    Vladimir Putin:

    Es ist eher eine Aufforderung zum Handeln als eine Frage.

    Was die Personalausstattung betrifft, so ist dies der erste Teil der Geschichte. Es ist eine sehr wichtige Frage. Vor der speziellen Militäroperation gab es natürlich, wie in jeder Regierungsbehörde, eine Menge Teppich-Ritter. Wissen Sie, vor der Pandemie gab es nur eine einzige Situation im Gesundheitswesen, aber sobald die Pandemie ausbrach, gab es Leute, die man mit Militärpersonal gleichsetzen könnte, obwohl sie Zivilisten waren. Wir wissen, dass sich Menschen furchtlos in diese Gefahrenzonen begeben haben, ohne zu wissen, wie das für sie ausgehen würde. Das Gleiche gilt für das Umfeld der Armee: Die militärische Sonderoperation wurde eingeleitet, und man begann schnell zu erkennen, dass Teppichritter, und davon gibt es in jeder Armee der Welt unter Friedensbedingungen überall mehr als genug, gelinde gesagt unwirksam sind.

    Andererseits, und da haben Sie völlig Recht, Herr Pegov, traten Leute auf, die im Schatten zu stehen schienen   – sie waren nicht sichtbar und wurden nicht gehört, aber es stellte sich heraus, dass sie sehr effektiv und sehr gefragt waren. Leider sind solche Leute die ersten, die gehen, weil sie sich nicht schonen   – das ist das Problem.

    Trotzdem müssen wir natürlich... Ich hoffe, dass dies geschieht und weiterhin geschehen wird. Wir müssen es beobachten. Ich werde Ihnen sagen, warum: weil wir in dieser Frage einer Meinung sind. Ich teile diesen Standpunkt voll und ganz. Solche Menschen sollten gesucht werden   – gesucht und gefördert werden, um an die Spitze zu gelangen, ausgebildet, befördert und mit mehr Vertrauen ausgestattet werden.

    Das jüngste Beispiel ist das beste. Wie Sie wissen, besuchte ich gestern ein Krankenhaus und überreichte Orden an Menschen, darunter auch an einen Offizier, der während der Feindseligkeiten auf dem Schlachtfeld recht gut kommandiert hat. Ich habe ihm einen Stern für einen russischen Helden verliehen. Wir hatten ein sehr offenes Gespräch, als ich mit ihm telefonierte. Sie brachten den jungen Mann vom Schlachtfeld ins Krankenhaus, und sie hatten noch keine Zeit, ihn zu operieren. Sie betäubten lediglich seine Beine, weil er zwei Wunden, unter anderem am Schienbein, erlitten hatte. Er sprach mit mir in einer ziemlich robusten Art und Weise, und ich fragte ihn, wie die Schlacht verlaufen sei.

    Ich habe mich gestern daran erinnert, ich glaube, das ist wichtig, und ich werde es noch einmal erwähnen. Ich habe ihn gefragt: "Jurij, man hat mir gesagt, dass Sie getötet worden sind." Er antwortete: "Kamerad Oberbefehlshaber, ich bin nicht tot, ich lebe." Ich sagte: "Jetzt sehe ich, dass Sie leben. Man sagte mir, Soldaten hätten Sie vom Schlachtfeld getragen." Er antwortete: "Nein, ich war es, der sie getragen hat." Ich sagte: "Wie haben Sie das mit Ihrer Wunde geschafft?" Er antwortete: "Ja, ich habe zwei Wunden am Bein." Gestern erzählte er mir, dass es sich bei der ersten Wunde um eine Schusswunde handelte, und dass ihn später, als die Einheit verlegt wurde, ein Granatsplitter traf. Übrigens, sagte ich: "Wie lange sind Sie schon im Dienst?" Er antwortete: "Acht Jahre." Ich sagte: "Und wie alt sind Sie?" "Ich bin 24 Jahre alt." Ich sagte: "Warten Sie mal, wann sind Sie zur Armee gegangen?" Er antwortete: "Ich wurde mit 18 Jahren eingezogen." Ich sagte: "Dann sind es sechs Jahre." Er sagte: "Tut mir leid, ich habe mich geirrt, weil ich so nervös bin." (Gelächter) Ich sagte: "Verstehe, Sie sind Unterleutnant." "Ja, das bin ich." "Sind Sie Kompaniechef?" "Ja." Wissen Sie, ich habe mich gestern daran erinnert und ihn gebeten, mir zu erzählen, wie die Schlacht verlaufen ist. "Zuerst gab es ein Artilleriefeuer, und niemand wich zurück. Alle Soldaten besetzten ihre Stellungen, und einige Zeit später rückten Panzer an. Ich fragte: "Wie haben sich Ihre Soldaten verhalten?" "Alle blieben an Ort und Stelle, alle bekämpften den Feind, und gepanzerte Fahrzeuge und Infanterieeinheiten unterstützten uns."

    Wie unterscheidet sich dies also vom Großen Vaterländischen Krieg? Gar nicht. Die Situation ist genau dieselbe. Es gibt Tote und Verwundete, sie kämpfen und kämpfen, alles ist gleich.

    Ich habe ihn gefragt: "Sie sind also Unterleutnant und befehligen eine Kompanie. Soweit ich weiß, waren Sie vor nicht allzu langer Zeit noch Feldwebel." "Ja", sagte er. Im Übrigen kämpfen Feldwebel heute recht gut. Diese Kategorie von Nachwuchsführungskräften hat sich in den letzten mehr als 12 Monaten verbessert, und sie schlagen sich recht gut. Ich sagte: "Sind Sie heute ein Unterleutnant?" "Ja." Ich sagte ihm: "Ich befördere Sie zum Oberleutnant." Gestern habe ich ihm gesagt, er solle sich an einer Akademie einschreiben, natürlich müssen wir überall nach diesen jungen Männern suchen.

    Sie sind klug, gebildet, ausgeglichen und mutig, und sie wollen dem Vaterland im direktesten und edelsten Sinne des Wortes dienen. Seine Leute sind absolut gleich. Wissen Sie, ich habe ihn gefragt: "Habt ihr Verluste zu beklagen?" Er antwortete: "Ja, leider." "Wie viele habt ihr verloren?" "Zehn Gefallene und zehn Verwundete." Die Jungs aus seiner Einheit standen gestern neben ihm.

    Natürlich müssen wir nach solchen Leuten suchen. Es gibt viele von ihnen, da haben Sie völlig recht. Der Verteidigungsminister und der Generalstabschef teilen meine Position voll und ganz, ich habe dieses Thema schon oft angesprochen, und sie sagen: "Natürlich müssen wir das tun." Sie haben Recht, wenn Sie sagen, dass sie, wie in jedem Ministerium, eine vielschichtige Bürokratie haben. Sicherlich müssen wir Mechanismen für die soziale Mobilität schaffen, einschließlich solcher, die solche Leute ausfindig machen und sie auf die erforderliche Ebene in der Armee und der Gesellschaft heben.

    Ich werde darüber nachdenken, und ich schlage vor, dass Sie auch darüber nachdenken: Das ist nichts Besonderes. Wir diskutieren keine speziellen Fragen im Zusammenhang mit der Militärwissenschaft, sondern es handelt sich um rein administrative Entscheidungen. Wenn Sie irgendwelche Ideen haben, können Sie diese gerne vorschlagen. Alles klar? Das ist völlig richtig.

    Über die Zahlungen. Ja, ich erinnere mich nicht genau, aber meiner Meinung nach sollten 300 Tausend für ein Flugzeug, 100 Tausend für einen Panzer zusätzlich bezahlt werden. Die Tatsache, dass sie nicht zahlen   – das überrascht mich.

    Semyon Pegov:

    Leider ist dies eine absolute Tatsache   – die Jungs sagen Ihnen die Wahrheit.

    Vladimir Putin:

    Ich bestreite nicht, was Sie gesagt haben, ich denke, es ist so, wie es ist. Ich werde heute in Gesprächen mit dem Verteidigungsministerium auf jeden Fall gleich darauf zurückkommen   – auf jeden Fall, zu 100 Prozent.

    Übrigens, die Jungs arbeiten sehr mutig, sehr effektiv. Ich sagte gerade, als wir das Gespräch begannen, dass der Angriff aus zwei Richtungen kommt. Mehrere Panzer wurden von der Luftwaffe getroffen, die Hubschrauber funktionieren sehr gut. Übrigens ein großes Dankeschön an die Piloten. Helden, wahre Helden! Sie kämpfen sehr wirksam, wirklich großartig. Und mehrere gepanzerte Fahrzeuge und ein Panzer wurden von der Infanterie mit modernen Panzerabwehrwaffen getroffen, die ebenfalls knapp sind. Kornette funktionieren perfekt, aber wir brauchen mehr davon. Wir werden mehr machen.

    Also werde ich es auf jeden Fall überprüfen.

    Semyon Pegov:

    Danke, Herr Präsident.

    Vladimir Putin:

    Danke für den Hinweis.

    Weitere Fragen, bitte?

    Ilya Lyadvin:

    Guten Tag, Herr Präsident. Ilya Lyadvin, NTV.

    Das Thema der Zahlungen an Vertragssoldaten wurde bereits in einer ähnlichen Frage angesprochen. Trotzdem möchten wir den regionalen Fall etwas erweitern, zum Beispiel zahlt Tschuwaschien 50 [Tausend Rubel], Tscheljabinsk 50, aber es gibt kleine Extrazahlungen für Kinder, aber Transbaikal zahlt 150-200, Burjatien 200. Es gibt einen Punkt: Glauben Sie nicht, dass es sozusagen eine Lücke in den Fähigkeiten der Regionen gibt, sodass jemand 200 bezahlen kann?

    Vladimir Putin:

    Wie ich bereits sagte, hat Frau Kuksenkova mich vorhin gefragt, und ich habe ihre Frage bereits beantwortet. Was die Zahlungen des Bundes betrifft, so sind sie für alle gleich, unabhängig davon, von wo aus sich eine Person den Streitkräften angeschlossen hat.

    Ilya Lyadvin:

    Ja, sie sind gleich.

    Vladimir Putin:

    Die regionalen Zahlungen sind regional freiwillig   – die Region tut das zusätzlich, und wir können hier keine direkten Anweisungen geben. Wir können empfehlen, dass sie einen gemeinsamen Standard wählen.

    Sie haben natürlich völlig recht: Es gibt einen Mann, der kämpft, vielleicht neben einem anderen in einem Graben steht, Verwundeten hilft oder sie vom Schlachtfeld trägt, aber einer bekommt einen etwas höheren Bonus aus der Region und der andere einen niedrigeren   – das sieht sicherlich ungehörig aus.

    Ich wiederhole: Dies gilt nicht für die Bundesbehörden   – es handelt sich um rein regionale Zahlungen, die überhaupt nicht verpflichtend sind. Die Regionen könnten überhaupt nichts bezahlen, aber sie tun es freiwillig. Aber natürlich ist es besser, hier eine Art gemeinsamen Ansatz zu haben.

    Ich stimme Ihnen zu, Sie haben Recht. Wir werden mit den Gouverneuren zusammenarbeiten.

    Ilya Lyadvin:

    Vielleicht nur eine Art generelles Programm, sodass es vielleicht wirklich auf der legislativen Ebene ist.

    Vladimir Putin:

    Herr Lyadvin, wir sind ein Rechtsstaat, im Gegensatz zur Ukraine. Das ist kein Witz, keine Ironie. Was soll ich sagen? Regionen haben gewisse Rechte, Regionen haben gewisse Verantwortlichkeiten, der Bund hat gewisse Rechte. Die Föderation kann in diesem Fall, so paradox es klingen mag, keine direkten Weisungen im Hinblick auf die Kompetenzen erteilen. Aber wir können etwas empfehlen, und ich bin sicher, dass die Gouverneure antworten werden, aber ich würde gerne eine Erhöhung sehen, nicht eine Verringerung. Wir werden daran arbeiten.

    Sie haben Recht, ich unterstütze Sie voll und ganz   – glauben Sie mir. Ich kenne dieses Problem   – ich habe es schon viele Male auf verschiedenen Ebenen angesprochen, aber es ist nicht leicht, einen Ausgleich zu erreichen. Wir werden es versuchen.

    Ilya Lyadvin:

    Danke.

    Yury Podolyaka:

    Herr Präsident, ich bin Yury Podolyaka, Blogger.

    Ich möchte auf ein Thema zurückkommen, das bereits angesprochen wurde: der Mangel an modernen Waffensystemen bei der Armee.

    Leider ist es so, dass wir vor der Spezialoperation nicht wussten, dass eine Menge spezieller Ausrüstung und Waffen benötigt werden, und heute wird ein Großteil dieser Ausrüstung selbst hergestellt. Ich sammle Mittel bei der Volksfront, und wir sammeln jetzt Mittel für die elektronische Kriegsführung, und ich sage Ihnen gleich: Fast   – nein, nicht fast   – alle Geräte, die mit diesem Geld gekauft werden, werden in der Tat zusammengeschustert.

    Wo liegt das Problem? Sie erweisen sich an der Front als wirksam, die Soldaten sagen "Ja, das ist es, was wir brauchen", aber unser bürokratisches System erlaubt es nicht, sie schnell einzuführen und seriell einzusetzen. Das heißt, die Möglichkeiten, die wir haben, sind spärlich, wir können vielleicht Tausende oder Zehntausende kaufen, aber wir brauchen leider Hunderttausende.

    Vielleicht können wir dies über das Industrie- und Handelsministerium oder das Verteidigungsministerium tun oder diese Verfahren für die militärische Sonderoperation beschleunigen. Dies würde die Effizienz und Sicherheit unserer Soldaten sofort dramatisch verbessern. Nur zum Beispiel: Ein individueller Drohnen-Analysator rettet Tausenden Soldaten das Leben. Es ist nicht schwer, es einzuführen, es ist nicht kompliziert, und wir werden Tausende von ihnen kaufen, aber Zehntausende sind notwendig. Unser Verteidigungsministerium kann das nicht, weil es bürokratische Strukturen gibt, deren Lösung Monate in Anspruch nimmt und die das Leben unserer Soldaten beeinträchtigen.

    Es wäre großartig, dieses Problem wenn möglich zu lösen. Vielen Dank.

    Der zweite Punkt später, wenn ich darf. Darf ich noch eine zweite Frage stellen?

    Vladimir Putin:

    Warten Sie bitte einen Moment. Das Problem ist bekannt, ich denke, Anatoly Borodkin hat über die Arbeit des militärisch-industriellen Sektors gesprochen. Sie haben mir soeben einen Vorschlag unterbreitet, den ich als Antwort auf seine Frage hinzufügen kann.

    Wie Sie wissen, gibt es neben der Tatsache, dass wir einen guten Anfang bei der Aufrüstung des militärisch-industriellen Komplexes gemacht haben, und abgesehen davon, dass die Produktion der am meisten nachgefragten Produkte jetzt recht schnell wächst   – sie haben sich bereits verzehnfacht   –, einen weiteren sehr großen Vorteil, der offen gesagt auch für mich unerwartet ist. Wir haben Dutzende, Hunderte von Privatunternehmen, die nie etwas mit dem militärisch-industriellen Komplex zu tun hatten, die sich dieser Arbeit angeschlossen haben: kleine und mittlere Unternehmen. Ich werde sie jetzt nicht aufzählen, weil ich befürchte, dass wir diesen Unternehmen unnötige Aufmerksamkeit schenken werden.

    Wissen Sie, sie haben zum Beispiel Rohre hergestellt   – und es stellt sich heraus, dass man außer Rohren noch etwas Anderes machen kann. Und so ist es überraschend einfach in vielen Bereichen. Und im Großen und Ganzen bedeutet dies einen guten Entwicklungsstand der realen Produktion im Allgemeinen. Ja, ja, wir haben viele Probleme in der Mikroelektronik, aber wie sich herausstellte, konnten sie sehr schnell Fahrt aufnehmen und begannen sich zu entwickeln.

    Dennoch haben wir nicht alle Probleme gelöst, und hier hat Herr Podolyaka völlig Recht. Glauben Sie mir, ich habe bereits gesagt, was Sie gerade hundertmal gesagt haben. Ich werde noch einmal darauf zurückkommen und versuchen, es wieder zu reparieren.

    Sehen Sie, wenn es Ideen gibt, wie man diese unnötigen bürokratischen Verfahren umgehen kann, um alles nach oben zu bringen, dann, wenn ich anfange, etwas voranzutreiben, ist die Antwort, wissen Sie, wir müssen überprüfen, wie wirksam es ist, ist es wirklich so? Nun, was sagen Sie dagegen, sehen Sie?

    Yury Podolyaka:

    Die Soldaten an der Front sagen, dass es effektiv ist. Und wissen Sie, ein sehr guter Grund den die Soldaten angeben, der einfach tödlich für solche Funktionäre ist, ist: Nun, wenn es ineffektiv ist, geben Sie uns etwas Effektives.

    Während unser Ministerium ihnen beispielsweise keine effektive Ausrüstung geben kann, sollten sie diese haben, die sie aus irgendeinem Grund für unwirksam halten. Wenn die Soldaten so denken.

    Vladimir Putin:

    Herr Podolyaka, die einfachste Sache ist: Geben Sie mir, was Sie haben, und ich werde versuchen...

    Yury Podolyaka:

    Ja, in Ordnung, danke. Ich werde das separat einreichen.

    Vladimir Putin:

    Das wäre das Beste.

    Yury Podolyaka:

    Sehr gut, dann mache ich das.

    Vladimir Putin:

    Dann werden Sie und ich einen Plan ausarbeiten, wie diese bürokratischen...

    Yury Podolyaka:

    Gut, danke.

    Ilya Ushenin:

    Herr Präsident, ich bin Ilya Ushenin von NTV.

    Ich habe eine Frage zu den berüchtigten roten Linien. In der SMO-Zone befinden wir uns eindeutig nicht nur im Krieg mit dem Kiewer Regime, sondern auch mit dem so genannten kollektiven Westen. Die NATO-Länder bewegen sich ständig und überschreiten unsere roten Linien. Wir bringen unsere Besorgnis zum Ausdruck und sagen immer wieder, dass dies inakzeptabel ist, aber sie geben nie konkrete Antworten.

    Werden wir weiter unsere roten Linien verschieben?

    Vladimir Putin:

    Hören Sie, ist die spezielle Militäroperation selbst nicht eine Reaktion darauf, dass sie diese Grenzen überschreiten? Das ist der erste und wichtigste Punkt. Wir haben oft gesagt: "Tu dies nicht, lass uns das tun, wir sind bereit für Gespräche." Am Ende veranlassten sie uns dazu, Gewalt einzusetzen, um den Krieg zu beenden, den sie 2014 begonnen hatten. Sie sagen uns immer wieder: "Du hast den Krieg begonnen, Putin ist der Aggressor." Nein, sie sind die Aggressoren, sie haben diesen Krieg begonnen, und wir versuchen ihn zu stoppen, aber wir sind gezwungen, das mit dem Einsatz der Streitkräfte zu tun. Ist das nicht die Antwort darauf, dass sie die roten Linien überschreiten? Das ist mein erster Punkt.

    Zweitens: Es mag nicht alles von den Medien berichtet werden, obwohl es nichts gibt, wofür man sich schämen müsste. Sind Anschläge auf das ukrainische Energiesystem keine Antwort darauf, dass sie die roten Linien überschreiten? Und die Zerstörung des Hauptquartiers der wichtigsten Geheimdienstdirektion der ukrainischen Streitkräfte außerhalb von Kiew, fast innerhalb der Stadtgrenzen von Kiew, ist das nicht die Antwort? Das ist sie.

    Wir werden weiterhin selektiv vorgehen. Wir werden nicht das tun, was diese Halbgeister tun, wenn sie zivile Stätten und Wohngebiete ins Visier nehmen. Das werden wir natürlich nicht tun. Wir werden weiterhin selektive Antworten liefern.

    Sergei Zenin:

    Herr Putin, da wir Menschen in unserer Mitte haben, die für Ihr Leben und Ihre Gesundheit verantwortlich sind, und da dies keine Live-Übertragung ist, werde ich zuerst einige Manipulationen vornehmen und dann ein paar Worte sagen.

    Vladimir Putin:

    Okay.

    Sergei Zenin:

    Ich habe ein Geschenk für Sie.

    Vladimir Putin:

    Ein Schaman.

    A shaman.

    Sergei Zenin:

    Es ist reiner und unverfälschter Alkohol. Das beste Antiseptikum das es gibt. Man muss etwas mitbringen, wenn die Leute einen einladen. Hier ist also das Geschenk. Hier ist, worum es geht. Die Person, die es mir gegeben hat, lebt weit weg von unserer Grenze und weit weg von der Frontlinie dank unserer Truppen. Das ist das so genannte, nicht das so genannte, sondern das tatsächlich befreite Gebiet, das Dorf Timonovo, nicht weit von Svatovo. Er stieß in seinem Garten auf ein paar Münzen.

    Vladimir Putin:

    Münzen?

    Sergei Zenin:

    Richtig, Münzen, ein Glas Münzen. Es gibt Münzen aus der Zeit der Kaiser Alexander und Nikolaus sowie Kaiserin Katharina die Große. Dies ist eine Münze aus der Zeit von Kaiser Nikolaus. Die Person, die mir das gegeben hat, sagte, "Schau, von was für einer Ukraine reden sie?" Er fand diese Münze in seinem Garten.

    Ich habe Ihnen diese Geschichte erzählt, weil es eine wichtige Wendung gibt. Er hat einen Sohn, Nikolai, der von sich aus entfernte Explosionen gehört und Gräben um das Dorf gegraben hat, klein aber tief genug für einen erwachsenen Mann. Er hat es ganz allein mit einer Schaufel gemacht. Er platzierte dort Panzerabwehr-Igel, eine Art Fantasie-Maschinengewehre und läuft mit einem Maschinengewehr herum, das aus einem Brett gemacht ist, genau die, die wir als Kinder gebaut haben. Ich selbst habe solche Maschinengewehre gemacht. Er machte eines selbst aus einem Stück Holz und klopfte einen Nagel hinein, um ihn wie eine Kimme aussehen zu lassen. Er tut so, als bewachte er das Dorf. Er träumt davon, der russischen Guard-Kadettenschule beizutreten. Helfen wir ihm, bitte.

    Vladimir Putin:

    Machen wir. Wie alt ist er?

    Sergei Zenin:

    Er kann dieses Jahr eintreten. Er ist fast 12.

    Vladimir Putin:

    Ich verspreche es, ich werde das heute mit Herrn Zolotov besprechen. Geben Sie mir seine Details.

    Sergei Zenin:

    Vielen Dank. Ausgezeichnet, das sind tolle Neuigkeiten.

    Vladimir Putin:

    Danke für Ihre Bemühungen, das Personal zu fördern, das das Vaterland braucht. Gott segne sie.

    Sergei Zenin:

    Ich werde Ihnen seine Einzelheiten später mitteilen.

    Vladimir Putin:

    Gut.

    Sergei Zenin:

    Jetzt, da wir die Atmosphäre etwas aufgelockert haben, möchte ich auf zwei recht akute und wichtige Fragen kommen.

    Vladimir Putin:

    Im Hinblick darauf, "von welcher Ukraine reden wir", die Ukraine, so wie sie sein mag, existiert, und wir müssen ihr mit Respekt begegnen. Dies bedeutet jedoch nicht, dass dies ein Grund dafür ist, dass wir respektlos behandelt werden. Darum geht es.

    Wenn einige der Menschen, die in diesen Gebieten leben, glauben, dass sie in einem separaten und unabhängigen Staat leben wollen, muss ihre Präferenz respektiert werden. Die Frage ist nur, warum sie auf unsere Kosten und in unseren historischen Gebieten leben sollten. Wenn sie in unseren historischen Gebieten leben wollen, dann sollten sie ihre politische Führung beeinflussen, damit sie richtige Beziehungen zu Russland aufbaut und niemand von diesen Gebieten aus eine Bedrohung für uns darstellt. Das ist das Problem. Darum geht es bei diesem Thema.

    Ich hatte mehrere Auseinandersetzungen mit Belarus, Lukaschenko. Der Präsident eines Landes, in diesem Fall Weißrussland, verteidigt seine Interessen ganz klar, wie er es für richtig hält, und zwar konsequent und hart. Wir hatten Streit. Aber ist irgendjemandem je in den Sinn gekommen, einen Konflikt mit Belarus zu beginnen? Niemand hätte je daran gedacht, einen Konflikt mit der Ukraine zu beginnen, wenn wir normale Beziehungen als Personen hätten. Es besteht nicht einmal die Notwendigkeit eines Unionsstaates. Aber was sie dort taten, war eine Anti-Russland-Bewegung. Sie schufen sie als Grundlage ihrer eigenen Existenz. Sie schufen das Anti-Russland und begannen, es zu stärken. Das ist das Problem.

    Es gibt auch die NATO-Frage. Schließlich wurde in der Unabhängigkeitserklärung der Ukraine, als sie ihre Unabhängigkeit erlangte, ausdrücklich erklärt, dass die Ukraine ein neutraler Staat sei. Wer war es, der 2008, als alles gut und keine Ereignisse auf der Krim in Sicht waren, plötzlich sagte, er wolle der NATO beitreten, und die NATO öffnete ihnen ihre Türen, indem sie auf dem Gipfel in Bukarest erklärte, die Türen der NATO stünden der Ukraine offen?

    Sie haben nicht nur alle betrogen, als sie sagten, die NATO würde sich nicht nach Osten ausdehnen, sondern sie haben auch geplant, dass unsere historischen Gebiete mit einer russischsprachigen Bevölkerung der NATO beitreten. Das ist völlig aus der Reihe, oder? Das ist es. Sie sind sich bewusst, dass sie uns bedrohen, aber sie arbeiten trotz unserer Versuche, richtige Beziehungen herzustellen, weiter daran. Das ist das Problem.

    Was diejenigen angeht, die sich als Ukrainer fühlen und in einem unabhängigen Staat leben wollen, tun Sie um Gottes Willen, was Sie wollen. Es ist notwendig, dies mit Respekt zu behandeln, aber schaffen sie keine Bedrohung für uns.

    Anatoli Sobtschak hatte recht mit dem, was er zu seiner Zeit sagte. Menschen aus verschiedenen politischen Kreisen haben unterschiedliche Einstellungen ihm gegenüber, aber er war ein kluger Mann. Ich bin mir da zu hundert Prozent sicher, weil ich lange mit ihm zusammengearbeitet habe. Er sagte aus gutem Grund: "Wenn du gehen willst, dann geh, aber nimm nur das, was du mitgebracht hast." In den Jahren 1645 oder 1654 existierte die Ukraine überhaupt nicht. Es werden Briefe im Archiv aufbewahrt. Die Menschen schrieben an Warschau: "Wir, die russisch-orthodoxen Menschen, verlangen, dass unsere Rechte geachtet werden." Dieselben Menschen schrieben auch nach Moskau: "Wir, die russisch-orthodoxen Menschen, bitten euch, uns in das russische Zarenreich aufzunehmen." Verstehen Sie das?

    Ja, allmählich begannen sie, Land aufzubauen, während wir es weggaben. Aus irgendeinem Grund beschloss Wladimir Lenin, die gesamte Schwarzmeerregion aufzugeben. Warum in aller Welt hat er das getan? Rein historisch betrachtet handelt es sich dabei um russische Ländereien. Natürlich gab es dort keine Verbindung zur Ukraine, überhaupt keine. Die Ukraine erschien wirklich erst 1922, und diese Tatsache wurde in der Verfassung besiegelt. Riesige russische Gebiete wurden dort verschenkt   – einfach umsonst. Und, wie gesagt, ich habe Papiere und Briefe aus den Archiven gelesen. Zuerst haben sie eine Entscheidung getroffen, ich glaube auf dem Kongress oder einem Treffen des Politbüros über eine Republik. Wie war der Name? Ich glaube, die Republik Krivoy Rog, richtig?

    Bemerkung:

    Die Donetsk Republik.

    Vladimir Putin:

    Die Donetsk-Krivoy Rog Republik. Ja, sie sollte Teil der RSFSR sein. Dann kamen die Bolschewiken aus diesen Ländern und sagten, "Warum hinterlässt uns diese Dorfbewohner?" Das heißt, die Bauern, die als kleinbürgerlich galten. Dann wieder nahmen sie die Diskussion über den Ort wieder auf, an den der Donbass, diese Republik Donezk-Kriwoj Rog, verlegt werden sollte. Die Menschen aus dem Donbass sagten: "Warum? Es ist bereits entschieden, dass wir Teil Russlands sind?" Sie schrieben "Mutter Russland". Lenin sagte ihnen: "Es ist notwendig, diese Entscheidung zu überdenken." Also überlegten sie es unter ihren eigenen Bedingungen.

    Waren sie total verrückt geworden? Wer hat die Leute danach gefragt? Gab es ein Referendum oder ein Plebiszit? Worum ging es? Okay, sie haben zuerst ein Stück Land dorthin transferiert und dann haben sie es getrennt. Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube nicht, dass das jemals zuvor in der Geschichte passiert ist. Okay, nun müssen wir mit diesem Paradigma leben. Aber obendrein begannen sie dort eine "Anti-Russland"-Bewegung zu schaffen, die uns bedrohte. Aber die Menschen wollen nicht so leben, dort leben. Sie gehen auf uns zu. Was sollen wir also tun? Diese Leute fallen lassen oder was? Das ist also das Ergebnis, das wir haben.

    Was die Ukraine angeht, von welcher Ukraine sprechen Sie? Es gab überhaupt nichts, es gab keine Ukraine. Die Ukraine erschien 1922, wie gesagt. Jetzt zerstören die dankbaren Nachfahren Denkmäler für Lenin, den Gründer der Ukraine.

    Sergei Zenin:

    Diese Leute haben auf uns gewartet, und sie betrachten es als Russland.

    Vladimir Putin:

    Ja, natürlich.

    Sergei Zenin:

    Herr Präsident, gestatten Sie mir, Ihnen zwei Fragen zu stellen. Sie sind ziemlich dringlich, weil viele Menschen an der Front auf Antworten warten. Beides betrifft die so genannten privaten Militärunternehmen, die in unserem Land angeblich de jure verboten sind, aber de facto an der Front immer noch existieren. Sie kämpfen mit unterschiedlichem Erfolg, aber manchmal mit sehr guten Ergebnissen.

    Was sollte getan werden, um dieses juristische oder rechtliche Vakuum zu beseitigen und sie in den Rechtsbereich zurückzuführen? Wir sprechen nicht nur mit Kommandanten, sondern auch mit Soldaten, und es gibt gewisse Ressentiments.

    Vladimir Putin:

    Ja, ich verstehe. In dieser Hinsicht haben Sie vollkommen recht. Ich habe die Abgeordneten der Staatsduma und des Verteidigungsministeriums gebeten, alles mit dem gesunden Menschenverstand, der gängigen Praxis und dem Gesetz in Einklang zu bringen.

    Natürlich sollten wir die Menschen nicht in eine falsche Lage bringen. Erstens, egal wer sie sind und in welcher Eigenschaft sie zufällig an vorderster Front stehen, alle sind Verteidiger des Vaterlandes, und das Heimatland muss voll und ganz auf ihre Bereitschaft reagieren, ihr Leben für das Vaterland zu riskieren oder zu geben. Sie alle müssen in einer gleichen Position sein. Um dies zu erreichen, ist es jedoch notwendig, entsprechende Gesetzesänderungen vorzunehmen. Daran wird derzeit gearbeitet.

    Meines Wissens unterzeichnet das Verteidigungsministerium jetzt Verträge mit allen, die bereit sind, ihren Dienst in der militärischen Sondereinsatzzone fortzusetzen. Dies ist die einzige Möglichkeit, ihnen soziale Garantien zu geben, denn wenn es keinen Vertrag mit dem Staat, keinen Vertrag mit dem Verteidigungsministerium gibt, gibt es keine rechtliche Grundlage für den Erhalt sozialer Garantien vom Staat. Das muss so schnell wie möglich geschehen.

    Es gibt einige Nuancen. Ich will jetzt nicht ins Detail gehen, aber es ist möglich, auch am Gesetz Anpassungen vorzunehmen. Im Großen und Ganzen stehen diesen Freiwilligenformationen im rechtlichen Sinne nur private Sicherheitsstrukturen nahe. Aber es gibt viele Dinge, die zusätzlich geregelt werden müssen.

    Zusammenfassend ist festzuhalten, dass es zunächst darum geht, Verträge mit allen Freiwilligenorganisationen zu schließen   – andernfalls gibt es keine sozialen Garantien im Namen des Staates. Und zweitens müssen bestimmte Gesetzesänderungen vorgenommen werden. Beide Maßnahmen werden durchgeführt.

    Sergei Zenin:

    Noch eine Frage zu PMCs. Das ist eine sehr seltsame Situation. Einerseits sind diese Menschen oft wahre Helden. Andererseits verhalten sie sich, wenn sie ins zivile Leben zurückkehren, anders. Es gibt Situationen, in denen Menschen   – es ist kein Geheimnis, dass es Menschen gibt, die aus dem Gefängnis dorthin gekommen sind   – zu ihren alten Gewohnheiten zurückkehren, Straftaten begehen, manchmal schwere Verbrechen begehen. Diese Leute verunglimpfen die anderen, die immer noch kämpfen und Blut vergießen. Auch sie selbst vergießen Blut, aber kehren in ihr altes Leben zurück.

    Wie trennen wir in dieser besonderen Situation das Gute vom Schlechten? Es handelt sich um dieselben PMC-Kämpfer.

    Vladimir Putin:

    Erinnern Sie sich, Makar Nagulnov von Sholokhov [in dem Roman Virgin Soil Upturn] sagte: Er war ein guter Kommunist, und alles war gut, aber dann, verzeihen Sie mir, meine Sprache, wurde er ein Schurke und wurde ein Feind der Revolution. Hier läuft es leider genauso.

    Ein Mann kämpft   – Ehre und Lob ihm gegenüber, und der Staat muss seinen Verpflichtungen gegenüber diesen Menschen nachkommen, was wir tun. Was die sozialen Garantien betrifft, so ist es wichtig, Verträge mit dem Staat zu unterzeichnen, was eine offensichtliche Notwendigkeit ist, da es sonst keine Verpflichtungen seitens des Staates gibt und Ungerechtigkeit gegenüber den Menschen an der Front entsteht. Sie erhalten es sofort. Ich unterschreibe doch Begnadigungsbefehle.

    Tatsächlich sind wiederholte Verbrechen eine Tatsache des Lebens. Aber dann muss eine Person in vollem Umfang des Gesetzes zur Rechenschaft gezogen werden, egal was passiert. So war es während des Großen Vaterländischen Krieges: Wenn jemand an der Front kämpfte, wurde er geehrt und gelobt, aber wenn er gegen das Gesetz verstieß, wurden sie zur Rechenschaft gezogen wie jeder andere auch.

    Darauf sollte man achten. Schauen Sie, abgesehen von der militärischen Sonderoperation, beträgt die Wiederholungsrate bei denjenigen, die ihre Strafe verbüßt und zum normalen Leben zurückgekehrt sind, in einigen Fällen bis zu 40 Prozent. Unter den SMO-Teilnehmern liegt dieser Anteil nur bei 0,4 Prozent.

    Sergei Zenin:

    Dieser Prozentsatz ist sehr klein.

    Vladimir Putin:

    Ja, in der Tat.

    Sergei Zenin:

    Aber es ist immer noch ein Wermutstropfen.

    Vladimir Putin:

    Nun, das ist das Leben. Es ist eine komplexe und vielfältige Sache. Du kannst nichts dagegen tun. Es diktiert uns seine strengen Gesetze.

    Um es noch einmal zu sagen: Die Rückfallquote ist zehnmal geringer als im Allgemeinen. Sie ist unvermeidlich, doch die negativen Folgen sind minimal.

    Dmitry Kulko:

    Herr Präsident, eine Ergänzungsfrage zu der Gegenoffensive.

    Vladimir Putin:

    Nur zu.

    Dmitry Kulko:

    Früher oder später wird sich die ukrainische Gegenoffensive verzetteln, oder besser gesagt, unsere Truppen werden sie mit ihren heroischen Anstrengungen zum Stillstand zwingen. Es ist klar, dass die westlichen Länder   – ungeachtet der Verluste, die die Ukraine erleidet   – der Ukraine weiterhin Waffen liefern werden.

    Vladimir Putin:

    Das ist umstritten.

    Dmitry Kulko:

    Auf jeden Fall lautet die Frage, was als Nächstes passieren wird. Werden wir uns rüsten, um eine weitere Offensive abzuwehren, oder werden wir vorankommen? Wenn ja, wie weit sind wir bereit, dieses Mal zu gehen? Geht es um Russlands neue Grenzen, oder so weit, wie wir gehen können?

    Vladimir Putin:

    Herr Kulko, das kann ich Ihnen nur privat sagen. (Gelächter) Nun, alles wird von dem Potenzial abhängen, das am Ende dieser so genannten Gegenoffensive übrigbleibt. Das ist die Kernfrage.

    Ich denke, dass die Führung in dem Bewusstsein   – ich sage das mit gutem Grund   – der katastrophalen Verluste, welche Führung das auch immer sein mag, einen Kopf auf ihren Schultern hat, der darüber nachdenken sollte, was sie als Nächstes tun sollte. Wir werden abwarten, wie die Situation aussieht, und weitere Schritte auf dieser Grundlage ergreifen. Unsere Pläne können je nach Situation variieren, wenn wir es für notwendig erachten, aktiv zu werden.

    Dmitry Kulko:

    Herr Präsident, unsere Truppen verbrennen Ausrüstung der NATO, aber noch immer im Hinblick auf künftige Waffenlieferungen...

    Vladimir Putin:

    Dazu gehört auch die NATO-Ausrüstung. Wie ich bereits gesagt habe, gehören zu den Verlusten über 160 Panzer und 360 Kampffahrzeuge der Infanterie. Das ist nicht alles NATO-Ausrüstung. Dazu gehören auch gepanzerte Fahrzeuge sowjetischer Bauart. Wie wir erwartet hatten, brennen Bradleys und Leoparden gut. Vielleicht haben Sie gesehen, wie die Munition in den Panzern explodierte und alles in alle Richtungen flog. Wie ich schon sagte: 25-30 Prozent der gelieferten Ausrüstung wurde zerstört.

    Dmitry Kulko:

    Herr Präsident, zwei Länder sind dabei, Granaten mit abgereichertem Uran zu liefern. Die US-Medien berichteten heute, dass sie nach Großbritannien auch von den Vereinigten Staaten beliefert werden. Wir haben in Serbien gesehen, wie sie den Boden verseuchen und die Menschen verkrüppeln. Es stellt sich heraus, dass die Ukraine das Territorium der Russischen Föderation mit dieser Munition kontaminieren will.

    Sind wir angesichts dessen nicht gezwungen, proaktiv zu handeln? Wie werden wir auf diese Herausforderungen reagieren?

    Vladimir Putin:

    Es besteht keine Notwendigkeit, präventiv zu handeln. Wir haben eine Menge Munition mit abgereichertem Uran. Wenn sie es verwenden, behalten wir uns das Recht vor, es auch zu verwenden. Wir haben es auf Lager. Wir benutzen es einfach nicht.

    Alexander Sladkov:

    Das ist interessant.

    Vladimir Putin:

    Nein, um ehrlich zu sein, hier gibt es nichts Interessantes oder Gutes. Wenn es notwendig ist, können wir das tun; ich kann sagen, dass wir dazu in der Lage sind. Aber es gibt keinen Grund, das heute zu tun.

    Wissen Sie, was dort sonst noch vor sich geht? Ich habe darüber gesprochen, es ist kein Geheimnis mehr. Die ukrainische Armee feuert täglich 5.000 bis 6.000 großkalibrige (155 mm) Geschosse ab, und diese Zahl dürfte inzwischen gestiegen sein. Die Vereinigten Staaten produzieren nur 15.000 Granaten pro Monat, während die ukrainische Armee 5.000 bis 6.000 Granaten pro Tag verschießt.

    Die Vereinigten Staaten planen, weitere Granaten herzustellen. All diese Informationen sind aus offenen Quellen, und es ist nichts Geheimnisvolles daran. Zuerst sprachen sie über 75.000 Granaten, und jetzt gibt es Pläne, noch mehr zu produzieren. Ich weiß es nicht, aber sie planen, Ende 2024 im nächsten Jahr etwa 75.000 zu produzieren. Wenn sie jedoch 5.000 bis 6.000 Granaten pro Tag verschießen... Ich glaube, dass sie jetzt noch mehr verwenden, weil dies typisch für offensive Operationen ist, die mehr Munition benötigen.

    Sie haben einfach keine Granaten, aber sie haben Geschosse mit abgereichertem Uran in Lagerhäusern. Offenbar haben sie jetzt beschlossen, diese Granaten zuerst zu verwenden. Sie haben die Lager geleert, und nur in Südkorea und in Israel sind noch Granaten übrig. Diese Granaten sind Eigentum der USA und nicht Israels oder Südkoreas. Die USA können diese Granaten von dort in die Ukraine schicken. Aber auch das wird bald ausgehen. Offenbar haben sie immer noch Geschosse mit abgereichertem Uran in Lagerhäusern, und das ist die einfachste Option, denn die Ausweitung der Produktion kostet viel Geld und Mühe.

    Sie zwingen die Europäer, die Produktion in der Tschechischen Republik und anderswo auszuweiten. In jedem Fall haben diese Länder Parlamente. Sie können eine neue Fabrik bauen, aber was passiert als Nächstes? Was können sie damit anfangen? Europa hat seine eigenen Probleme im Gesundheitswesen, im Verkehr, in der Bildung, es gibt dort viele Probleme, und sie zwingen die Europäer, eine Munitionsfabrik zu bauen.

    Angesichts der Tatsache, dass die wirtschaftlichen Probleme vor einem Schneeballeffekt stehen, ist deshalb nichts einfach. Nach Angaben des IWF steht die Bundesrepublik Deutschland, die Hauptantriebskraft der europäischen Wirtschaft, vor einer einsetzenden Rezession   – ihr BIP soll in diesem Jahr um 0,7 Prozent sinken. Übrigens wird das russische BIP in diesem Jahr voraussichtlich um mindestens 1,5 Prozent oder sogar 2 Prozent steigen. Die Hauptantriebskraft der europäischen Wirtschaft erwartet jedoch einen Abschwung um 0,7 % und eine bevorstehende Rezession. Dort steigt die Inflation. In Russland liegt die Inflation bei 2,3 Prozent, und die Zentralbank prognostiziert, dass sie Ende 2023 etwa 5 Prozent erreichen wird. Nun, das ist gut; eine sehr niedrige Inflation ist nicht sehr gut für Russland, aber dieses Niveau wird durchaus akzeptabel sein. Ihre Inflationsrate liegt bei über 7 Prozent, das heißt bei etwa 7,5 Prozent. Ich erinnere mich nicht genau, aber die Eurozone hat 5 Prozent Inflation, und meines Wissens liegt die Bundesrepublik Deutschland bei 7,4 Prozent. Die Arbeitslosigkeit nimmt weiter zu und ist in Südeuropa ziemlich exorbitant geworden. Russland hat eine minimale Arbeitslosigkeit, ein Allzeittief.

    Es ist also nicht so einfach, dort alles zu produzieren, und noch schwieriger, die Produktion auszuweiten und neue Anlagen zu bauen. Das wird für uns nützlich sein, denn Russland befindet sich in einer besonderen Situation. Wir müssen unsere Rüstungsgüter aufbauen, wir müssen, und wir werden strategische Reserven in Lagerhäusern anhäufen. Und wo werden sie sie aufbewahren? Warum zum Teufel sollte die Tschechische Republik eine Art strategische Reserve wollen? Was werden sie damit machen? Wo werden sie es hintun? So einfach ist das nicht. Nun, wenn sie wollen, lassen Sie sie.

    Doch dann verhalten sich die Amerikaner sehr pragmatisch und alles, was sie tun, liegt allein in ihrem eigenen Interesse; sie kümmern sich nicht um die Interessen ihrer Verbündeten. Sie haben keine Verbündeten; sie haben nur Vasallen. Und ihre Vasallen beginnen zu begreifen, für welche Rolle sie bestimmt sind. Tatsächlich gefällt ihnen all das nicht, auf der Ebene des öffentlichen Bewusstseins. Einige meiner Freunde sagen, die Situation dort sei wie in der Sowjetunion. Ich sage: "Was meinen Sie damit?" Es ist wie bei der Arbeit: In einem Unternehmen, im Büro sitzt jeder und diskutiert über Russland, aber wenn sie nach Hause gehen, ist in der Küche alles ganz anders. Menschen, die das sagen, empfinden wahrscheinlich Mitleid mit uns und übertreiben es wahrscheinlich etwas. Aber das ist der Trend.

    Was also Granaten mit abgereichertem Uran angeht, so lässt sich dies wie folgt erklären: Es gibt einfach keine anderen Granaten mehr. Und wenn sie sagen, dass sie das oder das produzieren wollen, dann machen sie bitte weiter. Während einer Rezession ist die Lage nicht so einfach. Und dann gibt es auch noch Oppositionsparteien, die die Situation ausnutzen; sie bewegen dort die Politik und analysieren die reale Situation in der Wirtschaft. Die Sicherheitsmargen der europäischen und amerikanischen Wirtschaft sind sehr groß. Das ist offensichtlich und verständlich. Sie sind hochtechnologisch, die Struktur der Wirtschaft ist sehr entwickelt und mächtig, aber es gibt noch viele Probleme.

    Ich denke, das hat den Wunsch nach der Versorgung von Granaten mit abgereichertem Uran bewogen. Der billigste Ansatz ist, nichts zu tun. Es gibt solche Granaten in Lagerhäusern, sie können sie in die Ukraine schicken, und das war's. Und es ist ihnen egal, was dort passiert. Sie verhalten sich überall so. Erinnern Sie sich, was sie in Jugoslawien getan haben? Und was haben sie in Syrien oder im Irak getan? Sie haben das Gleiche getan: es ist ihnen egal. Sie haben nur ihre eigenen Interessen, und die Interessen ihrer Verbündeten interessieren sie überhaupt nicht.

    Apropos Wirtschaft: Sie haben viele Entscheidungen getroffen und Unternehmen aus Europa in die Vereinigten Staaten gelockt. Jeder versteht das, jeder sieht es, aber man kann nichts dagegen tun. Sie haben den Franzosen den Auftrag für Atom-U-Boote genommen. Und was taten die als Reaktion? Nichts. Außerdem, das wissen wir, flüsterten sie den Amerikanern ins Ohr: Wir müssen einige öffentliche Erklärungen abgeben, uns öffentlich streiten   – und dann kriechen wir leise davon, seien Sie bitte nicht böse auf uns. Das ist alles. Sie sind nicht so entscheidend wie wir hier in Russland. Da gibt es keine Leidenschaft, das sind verblassende Nationen, das ist das ganze Problem. Aber wir haben es. Wir werden für unsere Interessen kämpfen, und wir werden unsere Ziele erreichen.

    Dmitry Kulko:

    Danke.

    Dmitry Steshin:

    Dmitry Steshin, Komsomolskaya Pravda.

    Herr Präsident, ein Journalist an der Front stellt nicht immer Fragen   – er wird oft gefragt, weil er die Welt im Allgemeinen repräsentiert.

    Seit Oktober stellen mir Kämpfer Fragen zum so genannten Getreidedeal. Ich konnte nicht viel darüber erklären. Ich habe einfach verstanden, dass das für sie irritierend und nicht verständlich war. Ich sagte ihnen, dass dieses Abkommen auch auf unseren Interessen beruhte   – Getreideexporte in den Westen und die Interessen der ärmsten Länder, die dieses Getreide erhalten sollten. Aber mir ist klar, dass unsere Interessen an diesem Abkommen nicht gewahrt werden. Außerdem gibt es Bedenken, dass Waffen über die Sicherheitskorridore eingeführt werden und diese Korridore für Angriffe auf die Schwarzmeerflotte usw. verwendet werden.

    Ich leite diese Frage an Sie weiter. Brauchen wir diesen Deal? Und wenn unsere Interessen nicht berücksichtigt werden, sollte er vielleicht beendet werden?

    Vladimir Putin:

    Offen gesagt, ist das eine überraschende Frage für mich. Ich hatte nicht erwartet, sie zu hören. Aber wahrscheinlich verstehen die, die an der Front kämpfen, nicht, warum wir die Ukraine dieses Getreide versenden lassen. Ich verstehe, und ich stimme zu.

    Sehen Sie, wir tun dies nicht um der Ukraine willen, sondern um der befreundeten Länder in Afrika und Lateinamerika willen, weil dieses Getreide in erster Linie in die ärmsten Staaten der Welt geschickt werden sollte. Uns wurde jedoch versprochen, dass unser Getreide keinen Repressalien ausgesetzt wäre, wenn ich das so sagen darf, dass es keine Hindernisse für seinen Export gäbe. Leider wurden wir wieder einmal betrogen.

    Es wurde nichts unternommen, um unsere Getreidelieferungen an externe Märkte zu erleichtern. Ich beziehe mich auf das Chartern von Schiffen, ihre Versicherung, Zahlungen, einschließlich der Verbindung der Rosselkhozbank zu SWIFT. Es gab viele Bedingungen, die die Menschen im Westen unter UN-Anleitung erfüllen sollten, aber es wurde nichts unternommen.

    Dennoch haben wir diese Abkommen im Interesse befreundeter Länder mehrmals verlängert   – und ich möchte es noch einmal wiederholen. Es ist für jeden offensichtlich, dass es auch in unserem Interesse ist, gute, vertrauenswürdige und stabile Beziehungen mit dem Teil der Welt aufrechtzuerhalten, der die aggressiven antirussischen Aktionen des Westens und seiner Satelliten in der Ukraine nicht unterstützt. Das ist unser Interesse   – gute Beziehungen zu pflegen.

    Ich weiß übrigens nicht, ob das angekündigt wurde oder nicht, aber es wird erwartet, dass die Staats- und Regierungschefs mehrerer afrikanischer Staaten Russland bald besuchen   – in naher Zukunft. Wir haben uns darauf verständigt, über aktuelle Themen zu diskutieren und werden sicherlich über den Getreidedeal sprechen. Wir sind in erster Linie von diesen Überlegungen geleitet.

    Aber es stellt sich heraus, wie ich schon oft gesagt habe, dass nur etwas mehr als 3 Prozent des gesamten ukrainischen Getreidevolumens in die ärmsten Länder gegangen ist. Die Zahl schwankt ein wenig: 3,2 bis 3,4 Prozent, weil sie sich ein wenig ändert, je nachdem, wohin das nächste trockene Frachtschiff mit Getreide fährt, aber im Allgemeinen liegt sie bei etwa 3,5 Prozent. Mehr als 40 Prozent gehen an die wohlhabenden Länder der Europäischen Union. Sie sind die Hauptempfänger von ukrainischem Getreide: Es ist billiger, sie bekommen es, und sie fühlen sich gut, und die Ukraine wurde dafür bezahlt. Heute könnte ich mich irren, aber mir scheint, dass dies derzeit die Hauptquelle der Deviseneinnahmen für die Ukraine ist.

    Alles andere ist dort praktisch zusammengebrochen. Ich spreche nicht von der Industrie, aber hier hört alles auf. Ich weiß nicht, was dort noch produziert wird. Es gab landwirtschaftliche Produktion und die metallurgische Industrie, die Rohre. Der Metallsektor ist fast zum Erliegen gekommen, da es dort keinen Strom gibt. Die Maschinenherstellung ist gestoppt. Der Schiffbau brach schon vor langer Zeit zusammen, noch vor der militärischen Sonderoperation. Die Luftfahrtindustrie brach vor der militärischen Sonderoperation zusammen. Die Motorenproduktion ist zusammengebrochen.

    Die Haupteinnahmequellen war die metallverarbeitende Industrie, die nicht mehr existiert, und die von ihnen exportierten landwirtschaftlichen Erzeugnisse, insbesondere Getreide. Wir verstehen das, aber wir haben uns bewusst dafür entschieden, ich wiederhole, um Entwicklungsländer, unsere Freunde, zu unterstützen und um die Aufhebung der Sanktionen für unseren Agrarsektor zu erreichen. Wie ich bereits sagte, wurden wir erneut getäuscht. Das ist die erste Sache.

    Zweitens, was die afrikanischen Länder angeht, bekommen sie auch fast nichts. Deshalb denken wir jetzt darüber nach, wie wir aus diesem Getreidegeschäft herauskommen können. Darüber hinaus werden die Korridore für diese Frachtschiffe ständig vom Feind genutzt, um Marinedrohnen zu starten.

    Ich weiß nicht, ob das Verteidigungsministerium diese Informationen veröffentlicht hat oder nicht: Erst gestern oder vorgestern wurde unser Schiff, das den TurkStream, die Gaspipeline, die in die Türkei führt, bewachte, von vier halbtauchenden Drohnen angegriffen. Drei von ihnen wurden zerstört, und die vierte verlor den Weg und wurde später zerstört. Unmittelbar danach erschienen vier weitere Drohnen. Zur gleichen Zeit sahen wir ein unbemanntes Luftfahrzeug der strategischen US-Geheimdienste hoch oben in der neutralen Zone schweben. Anscheinend korrigierte sie die Bewegungen dieser Drohnen.

    Die Vereinigten Staaten werden immer mehr in diesen Konflikt verwickelt, beinahe direkt verwickelt, was ernste internationale Sicherheitskrisen auslöst. Die Korrektur der Bewegungen von Drohnen, die unsere Kriegsschiffe angreifen, ist ein sehr ernstes Risiko. Das ist sehr ernst, und sie sollten wissen, dass wir darüber Bescheid wissen. Wir werden darüber nachdenken, was wir damit in Zukunft machen können. Im Allgemeinen ist es so.

    Was also den Getreidedeal betrifft, so denken wir darüber nach, unsere Beteiligung daran zu beenden. Das ist die erste Sache.

    Zweitens sind wir bereit, die Getreidemenge, die die ärmsten Länder   – ich wiederhole, es waren etwas mehr als drei Prozent   – kostenlos zu liefern. Aber darüber muss diskutiert werden, auch wenn unsere Freunde aus den afrikanischen Staaten eintreffen: bald, sehr bald. Ich würde auch gerne deren Meinung dazu hören, wie es weitergehen soll.

    Dmitry Steshin:

    Vielen Dank.

    Murad Gazdiyev:

    Herr Präsident, Murad Gazdiyev, RT TV Kanal.

    Zuerst bat mich unsere Chefredakteurin Margarita Simonyan, Ihnen ihren Brief zu geben. Sie hat viel dafür getan, dass unsere Treffen möglich wurden   – offiziell wie inoffiziell.

    Herr Präsident, ich habe mehrere Fragen. Wenn man bedenkt, dass Sie gesagt haben, dass Sie nicht alle Ihre Pläne offenlegen werden, habe ich noch eine Frage zu einer Friedensregelung. Jeder   – außer Russland und der Ukraine   – hat seine eigene Ansicht, wie dieser Konflikt beigelegt werden kann.

    Vladimir Putin:

    Warum? Hier irren Sie sich. Warum sagen Sie "neben Russland und der Ukraine"? Wir haben auch eine. Darüber hinaus hatten wir in Istanbul eine Einigung erzielt. Ich erinnere mich nicht an seinen Namen und könnte mich irren, aber ich denke, Herr Arakhamia leitete das Verhandlungsteam der Ukraine in Istanbul. Er hat dieses Dokument sogar paraphiert.

    Murad Gazdiyev:

    Aber ich sage, dass neben Russland und der Ukraine auch andere Länder ihre eigenen Ansichten darüber haben, wie dieser Konflikt zu lösen ist.

    Vladimir Putin:

    Oh, Pardon, ich entschuldige mich. Ja.

    Murad Gazdiyev:

    Die Vereinigten Staaten, die Europäer   – aber es ist so, als hätten die USA, Saudi-Arabien und sogar afrikanische Länder ihre Bereitschaft zum Ausdruck gebracht, zu vermitteln, um zur Beilegung dieses Konflikts beizutragen. Neben dem Frieden verfolgen sie natürlich auch einige ihrer eigenen Interessen.

    Nun meine Frage, Herr Präsident. Welcher dieser Versionen neigen zu? Neigen Sie überhaupt einer von ihnen zu? Gibt es jemanden, mit dem man verhandeln kann, und ist das sinnvoll?

    Vladimir Putin:

    Erstens haben wir uns nie   – wie ich bereits tausendmal gesagt habe   – geweigert, an Gesprächen teilzunehmen, die zu einer Friedensregelung führen könnten. Das haben wir immer gesagt. Darüber hinaus haben wir dieses Dokument während der Gespräche in Istanbul paraphiert. Wir haben lange gestritten, haben uns dort die Köpfe gegeneinander geschlagen usw., aber das Dokument war sehr dick und wurde von Medinsky auf unserer Seite und vom Chef ihres Verhandlungsteams paraphiert   – ich denke, sein Name ist Arakhamia, aber ich erinnere mich nicht genau. Wir haben das tatsächlich gemacht, aber sie haben es einfach später weggeworfen und das war's. Das ist der erste Punkt.

    Zweitens sagten Sie, die Europäer hätten ihren Ansatz und auch die Amerikaner hätten ihren An


    Info: https://www.seniora.org/wunsch-nach-frieden/demokratie/der-praesident-hat-sich-mit-kriegsberichterstattern-im-kreml-getroffen

    17.06.2023

    Der Präsident hat sich mit Kriegsberichterstattern im Kreml getroffen.       (III von III)

    Zweitens sagten Sie, die Europäer hätten ihren Ansatz und auch die Amerikaner hätten ihren Ansatz. Aber es ist wie in jedem Witz über die Europäer und die Amerikaner. Punkt eins: Die Amerikaner haben immer Recht. Punkt zwei   – wenn die Amerikaner nicht Recht haben, siehe Punkt eins. Deshalb gibt es niemanden, mit dem man sich besonders unterhalten könnte.

    Insgesamt läuft der westliche Ansatz darauf hinaus, der Ukraine und ihren Interessen beizustehen, dessen sind wir uns bewusst. Wenn wir von den Interessen der Ukraine sprechen, dann gibt es Punkt drei: Wenn die Interessen der Ukraine nicht mit Punkt zwei übereinstimmen, dann sehen Sie Punkt eins, denn letztendlich geht es um die Interessen der Vereinigten Staaten. Wir wissen, dass sie der Schlüssel zur Lösung von Problemen sind. Wenn sie den heutigen Konflikt wirklich auf dem Verhandlungsweg beenden wollen, brauchen sie nur eine Entscheidung zu treffen, nämlich die Lieferung von Waffen und Ausrüstung einzustellen. Das war's. Die Ukraine selbst stellt nichts her. Morgen werden sie Gespräche führen wollen, die nicht formal, sondern substanziell sind, und uns nicht mit Ultimaten konfrontieren, sondern zu dem zurückkehren wollen, was beispielsweise in Istanbul vereinbart wurde.

    Dort werden die Sicherheitsfragen der Ukraine sehr detailliert dargelegt. Vieles von dem, was dort geschrieben steht, lässt uns in der Tat darüber nachdenken, ob wir dem zustimmen sollten. Um es noch einmal zu wiederholen: Es wurde von beiden Seiten paraphiert.

    Wenn sie also darauf zurückkommen wollen, sind wir bereit, mit ihnen zu sprechen. Im Moment jedoch wollen sie Russland besiegen und mit ihrer Gegenoffensive Erfolg haben. Ich habe gerade über den Stand dieser Gegenoffensive berichtet.

    Murad Gazdiev:

    Herr Präsident, Sie sagen, dass sie nur den Zustrom von Waffen in die Ukraine stoppen müssen, aber das tun sie nicht. Sie tun das Gegenteil: Zuerst gab es Panzer, jetzt ist es abgereichertes Uran.

    Vladimir Putin:

    Es gibt noch kein abgereichertes Uran.

    Murad Gazdiev:

    Es kommt aus dem Vereinigten Königreich. Wir haben bereits Artikel in verschiedenen neokonservativen Organisationen gesehen   – es gab einen weithin abgedeckten, der darauf bestand, der Ukraine taktische Atomwaffen zur Verfügung zu stellen. Die Frage lautet: Scheuen sich die Vereinigten Staaten nicht, die Situation endlos zu eskalieren und den Einsatz zu erhöhen?

    Vladimir Putin:

    Sie geben vor, es nicht zu tun. Tatsächlich gibt es dort viele Menschen, die klar denken und nicht bereit sind, die Welt in einen dritten Weltkrieg zu führen, in dem es keine Gewinner geben wird; auch die Vereinigten Staaten werden nicht als Gewinner herauskommen.

    Irina Kuksenkova:

    Wenn ich darf, habe ich noch eine Frage zum Weltraum, oder besser gesagt, zur Weltraumaufklärung.

    Vladimir Putin:

    Es ist an der Zeit, abzuschließen.

    Irina Kuksenkova:

    Ja, natürlich. Öffentlichen Daten zufolge arbeiten dort bis zu 100 Militärsatelliten für den Feind. Sie können unsere Truppen und Bewegungen sehen. Unsere Raumfahrttruppe ist nicht so stark.

    Vladimir Putin:

    Ja.

    Irina Kuksenkova:

    Was können wir dagegen tun und wie sollte damit umgegangen werden? Das ist ein systemisches Problem, richtig? Wird es Jahre dauern, die Dinge zu verbessern?

    Vladimir Putin:

    Natürlich ist das kein Geheimnis. Zweifellos hätten wir uns in den vergangenen Jahren anders in der Raumfahrt engagieren sollen. Aber wir haben nicht geplant   – ich denke, das ist klar   –, wir haben weder die Ereignisse auf der Krim noch die Ereignisse, die jetzt stattfinden, geplant.

    Ich habe bei zahlreichen Gelegenheiten, auch bei diesem Treffen, gesagt, dass wir versucht haben, diesen bewaffneten Konflikt zu beenden. Leider waren wir gezwungen, militärische Maßnahmen zu ergreifen, aber wir haben damit nicht begonnen. Es handelt sich um langfristige Projekte, die für die kommenden Jahre geplant und anschließend entsprechend den Plänen, die wir vor fünf bis sieben Jahren aufgestellt haben, umgesetzt werden. Aber heute passen wir unser Handeln an. Wie Sie wissen, haben wir kürzlich ein Raumschiff gestartet. Wir werden diese Truppe vergrößern.

    Übrigens verfügt Russland über die fünftgrößte Satellitenflotte der Welt. Insgesamt ist es eine gute Flotte.

    Irina Kuksenkova:

    Wir kämpfen gegen den ersten.

    Vladimir Putin:

    Ja, natürlich. Wir müssen diese Arbeit entsprechend anpassen. Das werden wir mit Sicherheit tun. Aber bis dahin brauchen wir etwas, das seinen Platz einnimmt. Was könnte das sein? Unbemannte Luftfahrzeuge mit unterschiedlichen Verwendungszwecken. Unser Kollege hat zu Recht gesagt, dass wir die Anzahl der verschiedenen Drohnen erhöhen müssen, einschließlich der Kampf- und Aufklärungsdrohnen, was Zeit braucht.

    Ich stimme Ihnen zu, Sie haben Recht, wir müssen das tun.

    Dmitry Zimenkin:

    Dmitry Zimenkin, Izvestia und Ren TV.

    Ich bin Herrn Sladkov dankbar, dass er uns diese Chance gegeben hat, und Ihnen, dass Sie uns zugehört haben. Ich denke, dass das Thema, das in den Schützengräben und von den Frauen der Soldaten angesprochen wurde, wichtig ist. Es geht um den Status der Teilnehmer an den Militäroperationen.

    Hier sind drei Beispiele. Die Region Belgorod, Grenzsoldaten und die mobile Kriegsführung, die den feindlichen Angriff abwehren, obwohl es sich um einen Ablenkungsangriff handelte, tun dies gemeinsam mit eingezogenen Soldaten vor der Ankunft der Streitkräfte des Verteidigungsministeriums.

    Vladimir Putin:

    Das tun sie.

    Dmitry Zimenkin:

    Auch die Lugansker Polizei, die im vergangenen Jahr in der Region Charkow gekämpft hat, und ihre Kollegen von der Taktischen Gruppe Kaskad, die jetzt in der Volksrepublik Donezk kämpfen, haben diesen Status nicht.

    Ich habe heute einen Anruf von einem Hausarzt erhalten. Er arbeitet seit vier Monaten dicht hinter der Front.

    Vladimir Putin:

    Hinter der Front?

    Dmitry Zimenkin:

    Ja, hinter der Kampflinie, was bedeutet, dass er kämpft. Er hat 70 Männer vom Schlachtfeld geholt und hatte vier Gehirnerschütterungen. Ich habe gehört, dass er nach der vierten angefangen hat zu stammeln. Er dient in der Einheit 31135, kämpft aber angeblich nicht. Aus diesem Grund kann er nicht einmal eine Bestellung erhalten.

    Vladimir Putin:

    Ich verstehe nicht, warum nicht.

    Dmitry Zimenkin:

    Er sagte, dass sie nicht als an den Feindseligkeiten beteiligt angesehen werden. Ich weiß nicht, was das Problem ist. Das hat er mir persönlich gesagt.

    Bemerkung:

    Sie werden nicht als Kriegsteilnehmer angesehen.

    Dmitry Zimenkin:

    Genau.

    Alexander Kots:

    Sie sind nicht als Kämpfer in der Sonderzone für militärische Operationen registriert, sondern dienen in ihren ständigen Einsatzgebieten.

    Bemerkung:

    Das gleiche gilt für die Grenzschützer.

    Dmitry Zimenkin:

    Dieser Aspekt muss geklärt werden. Ich finde das nicht fair, und es geht nicht um die Zusatzzahlung, die nicht so groß ist.

    Vladimir Putin:

    Gut. Herr Zimenkin, ich habe von solchen Problemen gehört. Ich habe sie zur Kenntnis genommen.

    Ich kenne sie, und Herr Bortnikov und Herr Kolokoltsev haben diese Fragen gestellt. Aber es ist das erste Mal, dass ich dies über die Militärmedizin höre. Ich werde mir dieses Problem auf jeden Fall ansehen. Das muss an einigen Stellen ein technisches Problem sein. Wenn ein Militärarzt hinter der Linie arbeitet, verstehe ich nicht, was passiert. Ich werde das prüfen. Wo genau arbeitet er?

    Dmitry Zimenkin:

    Er ist in der Region Belgorod registriert, arbeitete aber in der Nähe von Svatovo. Unsere Crew hat die Aufnahmen gemacht.

    Vladimir Putin:

    Bitte schreiben Sie mir das auf.

    Dmitry Zimenkin:

    Das mache ich sofort

    Vladimir Putin:

    Ich brauche ein konkretes Beispiel.

    Was die anderen Kategorien von Militärpersonal angeht, insbesondere die Grenzschutzbeamten und zum Teil die Polizei, so muss dieses Thema sicherlich angesprochen werden.

    Ich verstehe das und stimme mit Ihnen überein, und die Leiter dieser Agenturen haben diese Angelegenheit ebenfalls angesprochen. Ich habe dem Sicherheitsrat, der Vorschläge ausarbeitet, Anweisungen erteilt.

    Murad Gazdiev:

    Und ein paar Worte zur Situation   – nicht in den befreiten Gebieten, nicht in den neuen Regionen, sondern im eigentlichen Russland.

    Unsere Kämpfer schaffen es oft, die Nachrichten zu lesen, sogar an vorderster Front. Um es milde auszudrücken: Sie sind empört über einen weiteren Skandal, in dem ein Beamter oder Universitätsprofessor beinahe offen versucht, junge Leute in eine pro-ukrainische Position zu bringen. Das heißt, diese Menschen haben im Großen und Ganzen keine Vorsicht, sie haben keine Angst vor Bußgeldern.

    Gut, ich weiß, und Sie haben sehr deutlich gesagt, dass wir uns nicht wie das ukrainische Regime verhalten werden: ein Sack über dem Kopf und die Person verschwindet für immer. Aber da wir nicht so sind wie sie, kämpfen wir dagegen, ist es nicht ein Verrat an unseren Werten, die Situation einfach so zu lassen, wie sie ist?

    Vladimir Putin:

    Es so zu belassen, grenzt an Verrat. Das ist der erste Punkt.

    Zweitens. Ich denke, es war Semjon Pegow, der hier über die Notwendigkeit gesprochen hat, die Kämpfer zu fördern, besonders diejenigen, die sich auf dem Schlachtfeld bewährt haben, um sie in höheren Rängen in der Armee zu fördern, aber nicht nur das. Sie können zu Strafverfolgungs- oder Sonderdiensten befördert werden. Wir müssen nach solchen Menschen suchen   – in Bezug auf ihr Bewusstsein und ihr Verständnis von Gerechtigkeit   – und sie mit der Untersuchung der von Ihnen erwähnten Schurken betrauen.

    In gleicher Weise haben wir das Tschetschenische Untersuchungskomitee eingesetzt, um die öffentliche Vernichtung des Korans zu untersuchen. Und, wie der Justizminister sagte, [Nikita Zhuravel, der den Koran vor einer Moschee in Wolgograd verbrannt hat] wird seine Strafe in einer Strafanstalt in einer der russischen Regionen mit einer überwiegend muslimischen Bevölkerung verbüßen.

    Was die von Ihnen erwähnten Schurken betrifft, müssen wir etwas Ähnliches ersinnen. Sie haben diese Frage völlig zu Recht aufgeworfen. Ich werde darüber nachdenken.

    Murad Gazdiev:

    Vielen Dank.

    Vladimir Putin:

    Vielen Dank für Ihre Frage.

    Murad Gazdiev:

    Wenn ich darf, werde ich den Brief an meine Kameraden vom Bundeswachdienst weitergeben.

    Vladimir Putin:

    Ja, natürlich.

    Danke vielmals.


    Quelle: http://www.en.kremlin.ru/events/president/news/71391
    Die Übersetzung besorgte Andreas Mylaeus


    Info: https://www.seniora.org/wunsch-nach-frieden/demokratie/der-praesident-hat-sich-mit-kriegsberichterstattern-im-kreml-getroffen


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    17.06.2023

    u.a. Russ. Atomwaffeneinsatz / deutsche Sicherheitsstrategie / IAEA-Inspektoren

    aus e-mail von Dris Pumphrey, 17. Juni 2023, 20:29 Uhr


    https://freeassange.rtde.life/russland/172745-sachrowa-beim-wirtschaftsforum-russland-koennte/

    15.6.2023

    *Sacharowa beim Wirtschaftsforum: Russland würde Atomwaffen nur zu

    Verteidigungszwecken einsetzen


    *Maria Sacharowa, die Sprecherin des russischen Außenministeriums, hat

    auf dem Internationalen Wirtschaftsforum in Sankt Petersburg eine

    Pressekonferenz abgehalten. Dabei erklärte sie, dass Russland Atomwaffen

    nur hypothetisch und einzig zu Verteidigungszwecken einsetzen würde.


    In der zweitgrößten russischen Stadt Sankt Petersburg findet

    traditionell alljährlich das Internationale Wirtschaftsforum statt.

    Dabei gab am Donnerstag die Sprecherin des russischen Außenministeriums

    Maria Sacharowa eine Pressekonferenz. Die russische Diplomatin erklärte

    insbesondere, dass Russland Atomwaffen nur hypothetisch und einzig zu

    Verteidigungszwecken einsetzen würde. Die russische Nachrichtenagentur

    /TASS/ zitierte <https://tass.ru/politika/18018397> Sacharowa wörtlich:

    /"Die russische Politik der nuklearen Abschreckung ist rein defensiver

    Natur, und der hypothetische Einsatz von Atomwaffen ist eindeutig auf

    außergewöhnliche Umstände im Rahmen rein defensiver Zwecke beschränkt."/


    Russland sei voll und ganz dem Grundsatz verpflichtet, dass ein

    Atomkrieg inakzeptabel sei. In einem solchen Krieg würde es keine

    Gewinner geben. Es dürfe niemals zu einem solchen Krieg kommen, betonte

    Sacharowa. Moskau rufe deshalb dazu auf, dass alle Unterzeichner der

    Gemeinsamen Erklärung der fünf Atommächte zur Verhinderung eines

    Atomkriegs und des Wettrüstens eindringlich dazu auf, sich an diese

    Postulate zu halten.


    Sacharowa schloss auch keineswegs aus, dass Russland seine Entscheidung,

    den New-START-Vertrag vorläufig auszusetzen, wieder rückgängig machen

    könnte. Dies könnte allerdings nur geschehen, wenn man in Washington,

    D.C. den politischen Willen zeigen und sich bemühen würde, die

    heraufbeschworenen Spannungen wieder abzubauen, zu deeskalieren und so

    die Bedingungen für die Wiederaufnahme der vollen Funktionsfähigkeit

    dieses Vertrags zu schaffen.


    Der russische Präsident Wladimir Putin hatte am 21. Februar

    bekanntgegeben, dass Moskau seine Beteiligung am New-START-Vertrag

    vorläufig aussetze, ihn aber nicht verlasse. Der Präsident Russlands

    betonte dabei, dass der russischen Seite vor einer erneuten Diskussion

    über die Fortsetzung dieses Vertrags begreiflich gemacht werden müsse,

    wie dieses Dokument die Arsenale nicht nur der USA, sondern auch der

    anderen NATO-Atommächte – Großbritannien und Frankreich –

    berücksichtigen würde. Am 1. März unterzeichnete Putin das Gesetz zur

    Aussetzung der Beteiligung Russlands am New-START-Vertrag.



    https://freeassange.rtde.life/europa/172905-kremlsprecher-peskow-kommentiert-deutschlands-sicherheitsstrategie/

    17.6.2023


    *Kremlsprecher Peskow kommentiert Deutschlands Sicherheitsstrategie:

    Schuss ins eigene Bein


    *Die neue Sicherheitsstrategie Deutschlands bezeichnet Russland als die

    "größte Bedrohung für Frieden und Sicherheit". Kremlsprecher Dmitri

    Peskow bedauert zwar diese Formulierung, findet sie aber nicht

    überraschend. Ihm zufolge schießt sich Berlin ins eigene Bein.


    Die Spannungen zwischen Deutschland und Russland haben sich diese Woche

    erneut zugespitzt, als das osteuropäische Land in der neuen

    Sicherheitsstrategie der Bundesrepublik zur "größten Bedrohung für

    Frieden und Sicherheit" erklärt wurde. Kremlsprecher Dmitri Peskow

    bedauerte diese Entscheidung in einem am Samstag veröffentlichten

    Interview. Im Gespräch mit Pawel Sarubin,dem Moderator der

    Fernsehsendung /Moskau. Kreml. Putin/, sagte Peskow:

    /"Zu unserem Bedauern hat die Führung der BRD die De-facto-Situation nun

    in Übereinstimmung mit der De-jure-Situation gebracht." /


    Seine These erklärte Peskow in dem Sinne, dass sich Deutschland – wie

    auch ganz Europa – allem Anschein nach dafür entschieden habe,

    "dauerhaft im Fahrwasser der USA zu schwimmen". Da die Bundesrepublik

    ein musterhaftes NATO-Mitglied sein wolle, erfülle sie alle Richtlinien

    der US-Regierung. Der Kremlsprecher betonte, dass die Allianz von

    Washington aus geleitet werde, ohne dass es eine kollektive Führung

    durch die Mitglieder gebe.


    Peskow erklärte dabei, dass Deutschland sich ins eigene Bein schieße.

    Mit Blick auf die ausgefallenen Gaslieferungen aus Russland sagte der

    Sprecher des russischen Präsidenten:

    /"Wir alle wissen, dass die zauberhafte und von allen bewunderte

    Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie offenbar weitgehend auf dem

    Pipeline-Gas aus Russland mit seiner Beständigkeit und seinen Preisen

    beruht hat."/


    Allerdings habe sich Deutschland selbst um diese Wettbewerbsvorteile

    gebracht, was sich auf seine Wirtschaft aufs Negativste auswirken werde,

    warnte Peskow. Nichtsdestoweniger schwimme Deutschland im Fahrwasser der

    USA weiter, auch wenn dies den Interessen seines Volkes schade.


    Die gut 40 Seiten umfassende Nationale Sicherheitsstrategie war über

    mehrere Monate hinweg innerhalb der Regierung diskutiert worden. Am 14.

    Juni wurde sie offiziell vorgestellt. In dem Dokument heißt es: "Das

    heutige Russland ist auf absehbare Zeit die größte Bedrohung für Frieden

    und Sicherheit im euroatlantischen Raum. Russlands Angriffskrieg gegen

    die Ukraine ist ein eklatanter Bruch mit der Charta der Vereinten

    Nationen und der kooperativen europäischen Sicherheitsordnung."


    Nach dem Ausbruch des Ukraine-Krieges hatte Deutschland beschlossen,

    nach und nach auf alle Kohlenwasserstoffe aus Russland zu verzichten.

    Die Kohle- und Erdöl-Lieferungen aus dem osteuropäischen Land sollen

    bereits im laufenden Jahr gänzlich ersetzt werden. Im Jahr 2024 sollen

    die Gaslieferungen folgen. Bis zum Jahr 2045 möchte die Bundesrepublik

    klimaneutral werden.


    RT-Liveticker 17.6.2023

    <https://freeassange.rtde.life/international/131481-liveticker-ukraine-krieg/>

    18:23 Uhr

    *Kreml-Sprecher: Es gibt kein Gesprächsangebot von Scholz und Macron an

    Putin*


    Der Kreml-Sprecher Dmitri Peskow hat Berichte zurückgewiesen, wonach der

    deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz und der französische Regierungschef

    Emmanuel Macron angeblich nicht mit dem russischen Staatschef Wladimir

    Putin verbunden worden seien. Gegenüber Reportern sagte er, dass bisher

    keine Gesprächsangebote von europäischer Seite gemacht worden seien.


    Gleichzeitig bleibe Putin immer offen für Gespräche, so Peskow. Der

    Kreml-Sprecher äußerte sich zu den Meldungen, wonach Scholz und Macron

    nicht telefonisch mit Putin verbunden worden seien, mit den Worten:

    /"Nein, das ist nicht wahr. In der Tat haben sowohl Scholz als auch

    Macron und ihre Vertreter über die Bedeutung der Aufrechterhaltung des

    Dialogs mit Russland gesprochen, auch auf höchster Ebene. Wir teilen

    diese Ansicht, bislang gibt es aber keine konkreten Vorschläge für

    Telefonate."/


    15:06 Uhr

    *IAEA-Inspektoren versuchen russische Militäranlagen beim AKW

    Saporoschje illegal abzulichten*


    Bei dem jüngsten Besuch der IAEA-Delegation im Kernkraftwerk Saporoschje

    versuchten die Inspektoren der Organisation, heimlich Fotos russischer

    Militärbefestigungen zu machen – und diese auch gleich zu versenden. Das

    sagte der Leiter der Saporoschje-Bewegung "Wir sind mit Russland",

    Wladimir Rogow, gegenüber der Nachrichtenagentur/RIA Nowosti/. Er

    betonte, solche Aktionen hätten in keiner Weise mit den direkten

    Aktivitäten der Inspektoren zu tun. Im Wortlaut hieß es:

    /"Während des letzten Besuchs des IAEA-Generaldirektors Rafael Grossi im

    Atomkraftwerk haben die ihn begleitenden Inspektoren auf jede

    erdenkliche Weise versucht, die Verteidigungsanlagen und Kontrollpunkte

    der russischen Streitkräfte zu identifizieren und zu fotografieren./


    /Aus irgendeinem Grund sind die Inspektoren nicht besorgt über die

    Situation im Atomkraftwerk. Sie sind nicht empört über den ukrainischen

    Beschuss, die Versuche der Landung von Fallschirmjägern, die Zerstörung

    des Wasserkraftwerks Kachowka durch die Terroristen der ukrainischen

    Streitkräfte und die Trockenlegung des Flusses Dnjepr in der Nähe der

    Anlage. Sie sind jedoch sehr besorgt über die Lage an der Kontaktlinie

    und die Situation zur Absicherung und zum Schutz des Kernkraftwerks vom

    Standpunkt der ausländischen Nachrichtendienste aus."/

    Rogow sagte auch, dass die IAEA-Mitarbeiter nichts von dem gefilmten

    Material hätten versenden können, weil das Fahrzeug, in dem sie

    unterwegs waren, ein System zur Unterdrückung von Internetsignalen in

    Betrieb hatte. Anschließend seien sie höflich, aber eindringlich gebeten

    worden, alles zu löschen.


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    17.06.2023

    17. Juni 1953: Propaganda statt Wahrheit auch nach 70 Jahren

    nachdenkseiten.de, 17. Juni 2023 um 8:45 Ein Artikel von Tilo Gräser

    Fotoausstellungen, Konferenzen von Parteien, Bundestagsdebatte, Zeitzeugen- und Politikerreden und mehr – das ganze erinnerungspolitische Propagandaarsenal wird seit Tagen aufgefahren, um in diesem Jahr an den 17. Juni 1953 in der DDR zu erinnern. An dem Tag vor 70 Jahren habe es im zweiten deutschen Staat einen „Volksaufstand für Freiheit und Einheit“ gegen die von der Sowjetunion gestützte Diktatur der SED gegeben, wird verkündet. Der sei von sowjetischen Panzern blutig niedergeschlagen worden. Doch es sind auch andere Sichten möglich.

    Die Ereignisse vor 70 Jahren werden erneut zurechtgebogen, bis sie in den vorgegebenen Rahmen passen. Es gilt auch hier das Motto: Was nicht passt, wird passend gemacht. Und so werden in den meisten offiziellen Darstellungen Hintergründe, Zusammenhänge und Interessen ausgeblendet, weggelassen und verschwiegen. Denn es gilt anscheinend zu zeigen, dass den zweiten deutschen Staat, die DDR, von Beginn an niemand gewollt habe, erst recht nicht die Arbeiter und Bauern, auf die er sich berief. Dabei wird vor allem die Rolle der westorientierten Bundesrepublik und ihrer westlichen Führungsmächte von deren heutigen Erben gern ausgelassen. Darin gleichen sie jenen, die auch in der DDR die Ereignisse verfälschten und die Ursachen und Hintergründe verschwiegen.


    „Der Arbeiteraufstand am 17. Juni 1953 in der DDR war von Anfang an auch ein Kampfplatz der Geschichtsschreibung in Ost und West. Das dürfte zum 70. Jahrestag des Ereignisses nicht viel anders sein.“ Das vermutet zu Recht die Publizistin Daniela Dahn in einem Beitrag in der aktuellen Ausgabe 12/2023 der Zweiwochenschrift Ossietzky. „Was auf beiden Seiten gern unterschlagen wurde, war der Kontext der Nachkriegsgeschichte, in der es durchaus noch offen war, zu welcher Ordnung sich ein geteiltes oder gar vereintes Deutschland entwickeln würde.“


    Wiederbelebte Russophobie

    Dahn schreibt auch: „Zu erwarten ist, dass gerade in der jetzigen Russophobie der Mythos vom ‚durch die sowjetische Armee brutal und blutig niedergeschlagenen‘ Aufstand wiederbelebt wird.“ Wie zur Bestätigung wurde am Montag in Berlin Unter den Linden eine Fotoausstellung mit mehreren großen Tafeln eröffnet, auf dem Mittelstreifen direkt gegenüber der russischen Botschaft. Dabei zog laut Berliner Zeitung Anna Kaminsky „Parallelen zwischen den sowjetischen Panzern, die den ‚Aufstand für demokratische Werte in der DDR‘ niederwalzten, und dem heutigen russischen Angriffskrieg in der Ukraine“. Kaminsky ist die Direktorin der „Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur“ und findet, solche Parallelen würden das heutige Gedenken „umso wichtiger“ machen.


    Aus Platzgründen soll hier nicht weiter auf die konkreten Ereignisse vor 70 Jahren eingegangen werden. Diese sind in zahlreichen Publikationen und auf Webseiten nachlesbar, unter anderem in dem vielbeachteten Buch „Diesseits der Mauer – Eine neue Geschichte der DDR 1949-1990“ der Historikerin Katja Hoyer. Stefan Heym hat das Geschehen in Berlin in seinem Roman „Fünf Tage im Juni“ beschrieben.


    Nur so viel dazu: Das Datum 17. Juni „ist das Kennwort für zehntägige Unruhen in der DDR“, schrieb 2003 der Historiker Jochen Černý. Die ersten Kundgebungen habe es bereits am 12. Juni in Weimar und Brandenburg an der Havel gegeben, wo es um versprochene Freilassungen von Häftlingen gegangen sein soll. Am 13. Juni sollen im thüringischen Eckolstädt 250 Menschen den Rücktritt der Regierung und freie Wahlen gefordert haben, was anderswo erst am 17. Juni verlangt wurde.


    Protest in Ost und West

    Der Historiker Jörg Roesler stellte 2013 fest: „701 Städte und Gemeinden waren seinerzeit Schauplatz der Proteste. Das klingt gut. Auch dass 1,2 Millionen Menschen auf den Straßen demonstrierten. Allerdings waren das nur etwa sechs Prozent der damals 18,2 Millionen DDR-Bewohner. In annähernd 1.000 Betrieben wurde am 17. und 18. Juni gestreikt! Sicher beachtlich, aber in den übrigen 19.000 Industriebetrieben ging offenbar alles seinen gewohnten Gang.“


    Am 17. Juni 1953 „haben sich vor allem die Arbeiter als Hauptbetroffene gewehrt gegen das, was damals Sparpolitik genannt wurde und heute Austeritätspolitik heißt“, so Roesler 2019 in einem Interview. Er verwies auf einen ähnlichen Vorgang im Jahr 1948 in der britisch-US-amerikanischen Bi-Zone, an den jüngst auch die Publizistin Dahn in Ossietzky erinnerte.


    Im Oktober 1948 kam es in Stuttgart zur Protestkundgebung der Gewerkschaften gegen die Politik des Frankfurter Wirtschaftsrates unter Ludwig Erhard, mit Zehntausenden. Sie forderten unter anderem, ‚Wirtschaftsdiktator‘ Erhard abzusetzen, der für unsoziale Bestimmungen in der Währungsreform und Verringerung des Realeinkommens verantwortlich gemacht wurde. Die Antwort der Besatzungsmacht USA bestand aus Tränengas, berittener Polizei und Panzern. Dahn dazu: „Am Abend hatte das Zentrum ein ‚kriegsähnliches Aussehen‘, wie die Zeitungen schrieben, Rädelsführer wurden verhaftet und im Raum Stuttgart der Ausnahmezustand verhängt.“


    Erinnerungslücken im Westen

    Die Publizistin fragt zu Recht, warum sich daran in der Bundesrepublik anscheinend niemand erinnert. Für den Historiker Siegfried Prokop ist der Vorgang gar das Vorbild für den Einsatz sowjetischer Panzer fünf Jahre später gegen die Arbeiterproteste in der DDR. „Man muss dabei berücksichtigen, dass zu dieser Zeit der Kriegszustand noch nicht beendet war“, erklärte Prokop 2020 in einem Interview. „Der Kriegszustand wurde in der DDR erst 1954 für beendet erklärt.“

    Er machte auf den von Dahn erwähnten Kontext der Ereignisse aufmerksam: „In der Regel wird vernachlässigt, dass der 17. Juni ein Kulminationspunkt zweier Konfliktstränge war:

    1. einer veränderten Deutschlandpolitik der UdSSR von Ende Mai bis Ende Juni 1953, die auf einen Kompromiss mit dem Westen aus war; die Churchill-Rede vom 11. Mai 1953 bildete dazu den Ausgangspunkt!
    2. der Systemkrise des Ostblocks am Ende der Stalin-Ära, die vor allem für die DDR mit einer Überforderung der Kräfte verbunden war: Reparationszahlung, Kasernierte Volkspolizei KVP (nach Stalin eine Armee in gleicher Stärke wie die deutsche Armee im Westen), Bezirksbildung, LPG-Bildung und ‚Verschärfung des Klassenkampfes‘.“


    Prokop wie auch Roesler, beide aus der DDR, widersprachen nicht nur der in dem untergegangenen Land üblichen Bezeichnung der Ereignisse als „faschistischem“ bzw. „konterrevolutionärem Putsch“. Sie wandten sich ebenso gegen das Etikett „Volksaufstand“ wie auch gegen die Vorstellung einer „verdrängten Revolution“, wie sie unter anderem der Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk vertritt. Roesler stimmte der Einschätzung des Historikers Dietrich Staritz zu, der frühzeitig von einer „Arbeiterrebellion“ gesprochen hatte.


    Dahn erinnert auch an einen anderen vergessenen Fakt: Damals streikten von April bis Juni 1953 auch die Westberliner Bauarbeiter immer wieder für höhere Löhne. Und sie fragt in Ossietzky: „Haben die wiederholten Berichte der Berliner Zeitung darüber womöglich die Kollegen in Ostberlin ermutigt?“


    Keine prokapitalistischen Forderungen

    Die Arbeiter hätten gegen die Verschlechterung ihrer Lage gekämpft, begründete Roesler das. „Die war eingetreten durch die Verringerung des Lohnes in Folge von Normerhöhungen. Die Normen waren nicht so hart wie im Kapitalismus, sondern ein bisschen weicher. Die SED-Führung entschloss sich dazu in einer schwierigen Situation in Folge der Aufrüstung, zu der die DDR verdammt wurde, nachdem Stalin den Plan aufgegeben hatte, ein gesamtes, neutrales Deutschland zu erreichen, siehe die sogenannte Stalin-Note von 1952. Das war also der Ausgangspunkt: Mit einem Mal sollten die Arbeiter für dasselbe Geld mehr arbeiten. Doch die Arbeiter haben gesagt: „Wir denken nicht daran!“ Sie waren gegen die Normen, weil sie direkt in ihren Lebensstandard eingriffen. Daraufhin wurde verordnet, die Normen sind um so und so viel Prozent zu erhöhen. Dann kriegen sie weniger Geld.“


    Das habe die Lebenslage der Arbeiter und ihrer Angehörigen verschlechtert. Hinzu kam eine Kampagne gegen kleine und mittelständische Unternehmen. Und als die Regierung nicht auf die ersten Proteste reagiert habe, „ohne Verständnis für die Lage der Arbeiter“, sei es umgesprungen. „Da wurde dann gesagt: Wenn diese Leute sowas machen, dann müssen sie weg!“ Eine der Losungen sei gewesen, „Spitzbart, Bauch und Brille sind nicht des Volkes Wille“. Gemeint waren die SED-Politiker Ulbricht, Wilhelm Pieck und Otto Grotewohl. „Das hieß: Wir brauchen eine neue, eine andere Regierung. Die Wiederherstellung des Privateigentums und des Kapitalismus ist nicht gefordert worden.“


    Roesler erklärte im Interview: „Welche politischen Meinungen die Arbeiter gehabt haben, das wissen wir natürlich nicht. Die hat ja keiner befragen können.“ Es sei nicht anzunehmen, „dass die alle den Sozialismus abschaffen wollten, im Gegenteil“. Er verwies auf Willy Brandt, der 1955 in seiner Schrift „Arbeiter und Nation“ geschrieben habe, dass von den Streikenden nirgends eine „restaurative Tendenz“ ausgegangen sei. Sie hätten dagegen „unzweideutige Vorbehalte“ gegenüber der Politik der Bundesregierung geäußert. „Das stammt immerhin von einem westdeutschen Politiker, der dicht dran war. Deshalb komme ich zu dem Schluss: Es war eine Arbeiter-Rebellion, aber keine Revolution oder ‚Aufstand gegen das Regime‘.“


    Sowjetisches Eingreifen als Schlusspunkt

    Der Historiker Prokop bezeichnete die Ereignisse vor 70 Jahren als eine „offene, gerechte Rebellion enttäuschter und verbitterter Arbeiter, Angestellter, vor allem in Großbetrieben und Großstädten“. Der Anteil die Intelligenz sei größer gewesen als lange angenommen, betonte er. Und verwies wie andere auf Aussagen des Historikers Arnulf Baring, der bereits 1965 geschrieben hatte: „Die Beteiligung an den Großkundgebungen in einigen Städten kann leicht darüber hinwegtäuschen, dass der 17. Juni kein Aufstand des gesamten Volkes war. Das zeigen die Augenzeugenberichte ganz deutlich.“


    Baring schrieb laut seinen Fachkollegen in seinem damaligen Buch über die Ereignisse von 1953: „Aber man täusche sich nicht: der Aufstand ist nicht durch die sowjetischen Truppen niedergeschlagen worden. Aufs Ganze gesehen war die revolutionäre Welle schon gebrochen, bevor die Russen aufmarschierten. Ihr Eingreifen war kein Wendepunkt, sondern hat nur einen Schlusspunkt gesetzt: die Streik- und Demonstrationsbewegung hatte sich im Laufe des Tages erschöpft, der Elan war versickert, der Aufstand in seinen Anfängen steckengeblieben.“


    Doch solche Details stören anscheinend, wenn heute Propaganda gemacht wird, dass die sowjetischen Panzer einen „Volksaufstand“ niederwalzten. Das sowjetische Militär hatte am 17. Juni 1953 ab 13 Uhr den Ausnahmezustand in 167 der 217 Kreise der DDR verhängt, nachdem es zu zum Teil schweren gewalttätigen Auseinandersetzungen gekommen war. Das war laut dem Historiker Černý nicht nur in Berlin, sondern in den mitteldeutschen Industriegebieten und besonders in ehemaligen Arbeiterhochburgen wie Magdeburg, Leipzig, und Halle/Saale der Fall. Nicht nur in der Hauptstadt rollten sowjetische Panzer in die Städte, die laut Wladimir Semjonow, damals sowjetischer Hoher Kommissar in der DDR, schon am Vorabend dorthin beordert worden waren.


    Schüsse in die Luft

    Der ehemalige sowjetische Diplomat berichtete in seinen 1995 erschienenen Erinnerungen: „Die Leidenschaften kochten über. Um 11.00 Uhr erhielten wir die Weisung aus Moskau, das Feuer auf die Aufrührer zu eröffnen, militärische Standgerichte einzurichten und zwölf Rädelsführer zu erschießen. Die Mitteilung über die Exekutionen sollten überall in der Stadt ausgehängt werden. Da Sokolowski [sowjetischer Generalstabschef – Anm. TG] und ich aber über außerordentliche Vollmachten verfügten, handelten wir nicht nach dieser Weisung Moskaus und gaben lediglich den Befehl, über die Köpfe der Demonstranten hinwegzuschießen.“


    Die Historikerin Hoyer schreibt in ihrem aktuellen Buch, dass die sowjetischen Panzer und Truppen auf die Demonstranten „losgelassen wurden“. Damit folgt sie dem vorherrschenden Narrativ. Der Historiker Baring schrieb 1965: „Überall in der DDR fuhren die sowjetischen Panzer – soweit sie gegen Demonstranten eingesetzt wurden – nur langsam in die Menge hinein, so dass sich die Menschen in Sicherheit bringen konnten; die Panzer sollten (wie der stellvertretende Ministerpräsident Otto Nuschke in seinem Rias-Interview sagte) nur ‚gleichfalls demonstrieren‘. Wo geschossen wurde, zielten die Soldaten in fast allen mir bekannten Fällen in die Luft.“


    „Sicher, allein die Präsenz der Panzer war ein einschüchterndes Symbol von Gewalt“, so die Publizistin Dahn dazu. „Stark genug, um den Aufstand zu unterdrücken.“ Das suggerierte Bild sei aber falsch, wonach die friedlichen Demonstranten nach „chinesischer Lösung“ zusammengeschossen worden seien. „Fakt ist: Die sowjetischen Panzer hatten strengen Befehl, nicht zu schießen. Daran haben sie sich auch gehalten.“ Das sei selbst den Demonstranten schnell aufgefallen.


    Keine Toten durch Panzer

    „Eher sind die in den Luken stehenden jungen Panzerfahrer mit Steinen und Latten angegriffen worden, als dass diese Gewalt angewendet hätten. Ihre einschüchternde Wirkung hatte Grenzen.“ Während des gesamten Aufstandes sei kein einziger Mensch durch die Gewalt eines Panzers ums Leben gekommen, betont Dahn. „Es soll einen Unfall gegeben haben, bei dem ein Panzer in eine Baugrube gerutscht ist und dabei jemanden erdrückt hat.“ Sie habe die Angaben bei einem Faktencheck in der „Stasi-Unterlagenbehörde“ gefunden.


    Dennoch gab es den Berichten zufolge Gewalt und neben zahlreichen Verhaftungen auch Todesopfer einschließlich einiger standrechtlich Verurteilter und Erschossener. Historiker Prokop zitierte im Interview aus dem einst streng geheimen sowjetischen Bericht über die Zeit vom 17. bis 20. Juni 1953, wo die Rede von 430.513 Streikteilnehmern und von 336.376 Demonstranten in der DDR gewesen sei. „Diesem Bericht zufolge waren 29 Tote plus elf ermordete Parteifunktionäre sowie sechs zum Tode durch Erschießen Verurteilte, wovon vier Urteile vollstreckt worden seien, als Opfer zu beklagen. Verwundet wurden danach 350 Demonstranten und 83 Parteifunktionäre und Polizisten. 6.521 Personen wurden den Angaben zufolge festgenommen und inhaftiert.“ Heute gilt die Zahl von 55 Todesopfern als belegt.


    „Über die genauen Umstände der 55 Todesopfer des Aufstandes ist erstaunlich wenig bekannt“, schreibt die Publizistin Dahn. „Immerhin sind über 250 öffentliche Gebäude erstürmt worden, darunter Dienststellen der Polizei, der Staatssicherheit und der SED. Aus 12 Gefängnissen wurden 1400 Häftlinge befreit. Diese Aktionen waren oft von Demütigungen und gewaltsamen, bewaffneten Prügeleien von beiden Seiten begleitet.“


    Moskauer Verantwortung

    Die hausgemachte und tiefgehende Gesellschaftskrise der DDR (Prokop), die in die Juni-Ereignisse 1953 führte, war zu großen Teilen verursacht worden durch die Forderungen der sowjetischen Besatzungsmacht. Ohne die lief im Guten wie im Schlechten in der DDR fast nichts. Der Handlungsspielraum der DDR-Verantwortlichen blieb in den frühen 1950er Jahren „sehr begrenzt“, so der frühere Mitarbeiter von SED-Chef Ulbricht, Herbert Graf, 2008 in seinen Erinnerungen. Der sowjetische Diplomat Julij Kwizinskij, seit 1959 in der DDR tätig, sprach in seinen Erinnerungen von dem „Siegersyndrom“ auf sowjetischer Seite. Es habe die Vorstellung gegeben, „dass man sich in der DDR vieles erlauben konnte, was in anderen Ländern Osteuropas niemals geduldet worden wäre“.


    Die DDR hatte keine Alternative, so der Historiker Roesler. „Die einzige Alternative wäre gewesen, man hätte versucht, Bestandteil Westdeutschlands schnell zu werden. Aber hier waren die sowjetischen Truppen. Also ich sehe keine Alternative dazu. Es war auch ein bisschen unglücklich für die DDR, dass Nikita Chruschtschow erst gewissermaßen in diesem Moment, nach Stalins Tod Anfang März 1953, in Moskau an die Macht kam, und noch keineswegs als der Herrscher, der er später war. Chruschtschow hatte ein anderes Konzept für die DDR. Das hat sich dann auch im ‚Neuen Kurs‘ ausgezahlt.“


    Dieser „Neue Kurs“ war, auch in Folge des Moskauer Kurswechsels, schon vor dem 17. Juni beschlossen worden. Weil aber die Normenerhöhungen nicht gleichzeitig zurückgenommen wurden, konnten damit die Streiks und Demonstrationen nicht mehr verhindert werden. Auf die reagierte die SED laut Roesler mit dem Ende der Sparpolitik und der Normenpolitik. „Sie kann sich das leisten, weil die Sowjetunion das jetzt mitfinanziert. Dazu gehört, dass die Einnahmen der ab 1954 aufgelösten SAG-Betriebe, in sowjetischem Besitz, voll an die DDR gehen. Es sind auch die Besatzungskosten verringert worden.“


    Der Historiker stellte klar: „Aber sie konnte es sich dann auch leisten, einsichtig zu sein dank der Hilfe der Sowjetunion, die sie aber erst in diese Situation 1952 gebracht hat.“ Natürlich gehört zu den Folgen auch das massive Vorgehen der in ihrer Macht gesicherten SED-Führung nicht nur gegen Streikende, oftmals Gewerkschafter, sondern auch gegen interne Kritiker.


    Westlicher Teilungskurs

    Angesichts der Tatsache, dass der 17. Juni in der Bundesrepublik ab 1954 als „Tag der deutschen Einheit“ bis 1990 als gesetzlicher Feiertag galt, noch ein kurzer Blick auf die Reaktionen im Westen:


    Natürlich kann bei der Frage nach den Ursachen nicht weggelassen werden, dass längst der Kalte Krieg als Systemauseinandersetzung zwischen Ost und West tobte. Die westliche Politik gegen das sozialistische Lager, samt „Roll back“, „Containment“ und Sanktionen, hatte Folgen auch für die Menschen in der DDR. In der Bundesrepublik bereitete ein staatlich finanzierter „Forschungsbeirat“ den „Tag X“ zur Übernahme der DDR vor.


    Der reichweitenstarke US-Sender Rias wurde offen und indirekt benutzt, um die Stimmung in der DDR zu beeinflussen. „Durchgängig waren alle privaten, parteigebundenen und amtlichen antikommunistischen Organisationen in irgendeiner Weise am Aufstand beteiligt“, schrieb der Historiker Bernd Stöver 2002 nach Studien in US-Archiven. Das alles aber wäre wirkungslos gewesen, wenn es nicht die auslösenden hausgemachten Probleme gegeben hätte, so der Historiker Roesler.


    Am 17. Juni trafen die drei westlichen Besatzungsmächte in ihren Berliner Sektoren Maßnahmen, die eine Eskalation vermeiden und eine Ausbreitung der Demonstrationen nach West-Berlin bzw. die Beteiligung von West-Berlinern an den Ereignissen in Ost-Berlin verhindern sollten. „In diesem Sinne vermieden die Westmächte in einem Protestschreiben an den sowjetischen Kommandanten am 18. Juni den Eindruck, dass sie die Aufständischen unterstützten“, schrieb die Historikerin Marianne Howarth 2003.


    Die Westmächte hätten sich durch die Juni-Ereignisse 1953 in ihrem Kurs bestätigt gesehen, die Bundesrepublik weiter in den Westen zu integrieren. „Damit war sowohl für den Westen als auch für den Osten der Kurs und die Geschichte der deutschen Teilung bis zum Herbst 1989 bestimmt“, so Howarth. Die auch in der DDR-Bevölkerung vorhandenen Wünsche nach der Einheit des Landes seien „ständige Mahnung“ gewesen, „am bisherigen Kurs festzuhalten, der auf eine Wiedervereinigung Deutschlands nach westlichen Vorstellungen im Interesse aller Deutschen zielte“. Ansätze im Westen für einen Ausgleich mit der Sowjetunion und auch einer möglichen deutschen Einheit nach Stalins Tod im März 1953 waren lange vor dem 17. Juni gescheitert.

    Eine der bis heute möglicherweise gültigen Lehren aus den Ereignissen vor 70 Jahren beschrieb Egon Bahr, der das Geschehen in Berlin als Rias-Journalist miterlebte, in dem Buch „Ostwärts und nichts vergessen“: „Mit einer Bewegung von unten kann man nichts machen, alle Versuche, der Sowjetunion ihren Einflussbereich zu entreißen oder zu destabilisieren, waren sinnlos.“ Das habe sich auch später in Ungarn und der ČSSR gezeigt. Das habe ihn überzeugt: „Wir können überhaupt nur etwas ändern, wenn es von oben geschieht, im Einvernehmen mit Moskau. Die waren die einzigen, die die Macht hatten, etwas zu verändern.“ Er sei mit dieser Erkenntnis damals „relativ allein“ gewesen, so der 2015 verstorbene Bahr. Er stünde damit heute wieder ziemlich allein.


    Rubriken: Gedenktage/Jahrestage Innen- und Gesellschaftspolitik Kampagnen / Tarnworte / Neusprech


    Schlagwörter:


    Info: https://www.nachdenkseiten.de/?p=99335


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    17.06.2023

    NATO-Sprech-Kopie führt nicht zum Frieden

    aus e-mail von Irene Eckert, 17. Juni 2023, 12:18 Uhr


    Danke an Anneliese und Andreas für klare Haltung sagt Irene Eckert

    eranstaltung am 10. und 11. Juni 2023 in Wien

    "Friedensgipfel": Ein Erfolg? Für wen?

    Von Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann


    Am 10. und 11. Juni 2023 hat in Wien ein "Internationaler Gipfel für

    Frieden in der Ukraine" stattgefunden. Einer der Unterstützer war – bis

    wenige Tage vor seinem Beginn – der Österreichische Gewerkschaftsbund

    (ÖGB). Bei ihm heißt es zum Krieg in der Ukraine: "Der ÖGB verurteilt

    Russlands Invasion in der Ukraine auf das Schärfste. Dieser Verstoß gegen

    das Völkerrecht bringt unsägliches Leid über die Menschen." (1) Als hätte

    der achtjährige Krieg gegen die eigene Bevölkerung im Donbass nicht längst

    zehntausendfaches Leid über die Menschen gebracht. Entsprechend beginnt der

    "Aufruf zum Frieden", mit dem die Veranstalter für den Gipfel geworben

    haben, mit dem Satz "Wir verurteilen die illegale russische Invasion in der

    Ukraine..." (2) Eine derartige Anbiederung an den NATO-Sprech des

    Gewerkschaftsbundes hat offensichtlich nichts genutzt. Der ÖGB hat den

    Veranstaltern – darunter zuvorderst das International Peace Bureau (IPB) –

    auf Druck des ukrainischen Botschafters seine ursprünglich zugesagten Räume

    kurzfristig entzogen, so dass der Gipfel an einem anderen Ort stattfinden

    musste

    mehr dazu:  .http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=28673


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.




    witeres:




    nrhz.de, Aktueller Online-Flyer vom 17. Juni 2023, Druckversion, Von Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann


    Aktuelles
    Veranstaltung am 10. und 11. Juni 2023 in Wien

    "Friedensgipfel": Ein Erfolg? Für wen?


    Am 10. und 11. Juni 2023 hat in Wien ein "Internationaler Gipfel für Frieden in der Ukraine" stattgefunden. Einer der Unterstützer war – bis wenige Tage vor seinem Beginn – der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB). Bei ihm heißt es zum Krieg in der Ukraine: "Der ÖGB verurteilt Russlands Invasion in der Ukraine auf das Schärfste. Dieser Verstoß gegen das Völkerrecht bringt unsägliches Leid über die Menschen." (1) Als hätte der achtjährige Krieg gegen die eigene Bevölkerung im Donbass nicht längst zehntausendfaches Leid über die Menschen gebracht. Entsprechend beginnt der "Aufruf zum Frieden", mit dem die Veranstalter für den Gipfel geworben haben, mit dem Satz "Wir verurteilen die illegale russische Invasion in der Ukraine..." (2) Eine derartige Anbiederung an den NATO-Sprech des Gewerkschaftsbundes hat offensichtlich nichts genutzt. Der ÖGB hat den Veranstaltern – darunter zuvorderst das International Peace Bureau (IPB) – auf Druck des ukrainischen Botschafters seine ursprünglich zugesagten Räume kurzfristig entzogen, so dass der Gipfel an einem anderen Ort stattfinden musste.


    Friedensgipfel-Briefkopf

    2014/15 war infolge des Maidan-Putsches eine Neue (unabhängige) Friedensbewegung entstanden. Sie wurde systematisch als "rechts" diskreditiert, so auch von der Tageszeitung "junge Welt". Auch aktuell schreibt dieses "marxististische" Organ von "Versuchen, die Friedensbewegung nach rechts zu öffnen" und versieht unter Bezugnahme auf die DFG/VK NRW das "Friedensbündnis NRW", in dem sich Gruppen aus der traditionellen Friedensbewegung sowie der Grundrechte- und Demokratie-Bewegung zusammengefunden haben, mit dem Attribut "Querdenker und noch weiter rechts stehend". (3) Diese "junge Welt" titelt in ihrem Schwerpunkt vom 14. Juni 2023 mit "Friedensgipfel 'voller Erfolg'" und beschreibt gleich im Zweittitel die Position der Gipfel-Organisatoren: "Waffenstillstand heißt nicht Anerkennung der Gebietsgewinne". (4) Nichtsdestotrotz hatte der ukrainische Botschafter in Österreich den Friedensgipfel als "eindeutig im Einklang mit russischer Propaganda" stehend bezeichnet. (5)

    Der Wiener KURIER führt indes aus: "Diskutantinnen und Diskutanten aus den vom aktuellen Krieg betroffenen Regionen boten indes ein deutlich differenziertes Bild." (6) So habe die aus dem Ausland per Video zugeschaltete Nina Potarska eingeworfen, dass Forderungen nach einem bedingungslosen Waffenstillstand mit hohen Kosten verbunden seien. Sie habe gesagt: "Ein Waffenstillstand jetzt würde bedeuten, man akzeptiert, dass sich Familien nie mehr wiedervereinigen werden: Die Kontaktlinie würde zu einer spaltenden Grenze." Sie habe betont, es sei auch nicht genug, gegen den Krieg zu sein und darüber Lieder an einem sicheren Ort zu singen. Nina Potarska ist für die "Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit" (Women's International League for Peace and Freedom) tätig, die am 25. Februar 2022 erklärt hat: "Wir sind in voller Solidarität mit den Menschen in der Ukraine und verurteilen zutiefst den völkerrechtswidrigen Angriff der russischen Regierung." (7)

    Die Hoffnung, dass es gelingen könnte, aus der Abschlusserklärung (der so genannten "Wiener Erklärung") NATO-konforme, NATO-Feindbilder bedienende Formulierungen herauszuhalten, wurde enttäuscht. Insbesondere in Anbetracht des an den Gipfel (10./11. Juni) unmittelbar anschließenden NATO-Großmanövers "Air Defender 2023" (12. bis 23. Juni) wäre es zu begrüßen gewesen, auf dem Wiener Gipfel einen Slogan wie "NATO raus – KRIEG aus" zu verankern. Doch auch das wurde nicht Realität.

    In der "Wiener Erklärung" heißt es: "Wir verurteilen den illegalen Einmarsch Russlands in die Ukraine." (8) Ein weiterer aufschlussreicher Satz lautet: "Wir verpflichten uns, den Dialog mit denjenigen in Russland und Weißrussland zu verstärken, die ihr Leben aufs Spiel setzen, um sich dem Krieg zu widersetzen und die Demokratie zu schützen." In einer bei Pressenza wiedergegebenen Erklärung wird hervorgehoben: "Die Verurteilung der illegalen Invasion Russlands in der Ukraine wird ausdrücklich bestätigt." (8) Und in einem Bericht der Schweizerischen Friedensbewegung über den Friedensgipfel ist entsprechend zu lesen: "Die Invasion Russlands in der Ukraine wurde als völkerrechtswidrig verurteilt." (9) Vom Spitzenmann des IPB, Reiner Braun, kommen solche Zuschreibungen schon seit Beginn des russischen Vorgehens in der Ukraine. Unmittelbar am 24. Februar 2022 hat er zusammen mit Willi van Ooyen in einer Erklärung von der "Aggression Russlands" und am 26. April 2022 zusammen mit dem Naturfreunde-Vorsitzenden Michael Müller in der Frankfurter Rundschau vom "völkerrechtswidrigen Angriff Putins" geschrieben. (10) Er hat offensichtlich nicht dazu gelernt.

    Es ist ein friedenspolitisches Gebot, das Schüren von Feindbildern zu unterlassen. Solche Art Zuschreibungen bilden eine denkbar schlechte Voraussetzung für ernst zu nehmende Friedensverhandelungen. Auf einem von der AG Frieden des Stadtverbands Köln der Partei dieBasis und der Kampagne "NATO raus – raus aus der NATO" getragene Veröffentlichung – betitelt mit "NATO raus – KRIEG aus" – heißt es; "Wir wenden uns gegen das Schüren von Feindbildern. Feindbilder dienen der psychologischen Vorbereitung auf Kriege. Wir verurteilen deshalb Formulierungen, in denen z.B. Syriens Präsident Assad als 'blutiger Diktator, der sein Land brutal unterdrückt', bezeichnet wird... oder in Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine vom 'brutalen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg Russlands' gesprochen wird. Wir wollen im Gegenteil aktiv am Abbau derartiger Feindbilder mitwirken, um damit Kriegen eine wesentliche Grundlage zu entziehen..." (11) Dem wird die "Wiener Erklärung" nicht gerecht.

    In Anlehnung an Doris und George Pumphrey (12) sei aufgezählt, was der "Westen" in Zusammenhang mit dem Ukraine-Konflikt zu verantworten hat: das Vordringen der NATO bis an die Grenzen Russlands, der Maidan-Putsch 2014, der Minsk-Betrug und der damit verbundene Völkerrechtsbruch, der acht-jährige Krieg des Kiewer Regimes gegen die Zivilbevölkerung des Donbass, der Ausbau der Ukraine zum neonazistisch geprägten Bollwerk gegen Russland, der selbstmörderische Wirtschaftskrieg gegen Russland, die Nord-Stream-Sprengung, die systematische Ablehnung aller Verhandlungsangebote Russlands. Insbesondere wurden die Erfolg versprechenden Verhandlungen im März/April 2022 in der Türkei durch Intervention des britischen Premierministers Johnson zum Scheitern gebracht. Auf dieser Grundlage sprechen Doris und George Pumphrey ohne Umschweife vom "NATO-Krieg auf dem Rücken der Ukrainer". Von dieser Sichtweise ist die "Wiener Erklärung" weit entfernt. Ist das ein Erfolg? Und wenn ja, für wen?


    Fußnoten:

    1 ÖGB-Erklärung "Solidarität mit der Ukraine" vom 24.02.2023
    https://www.oegb.at/themen/gewerkschaften-weltweit/internationales/ukraine--ein-jahr-krieg--ein-jahr-internationale-solidaritaet

    2 Ankündigung des Wiener Friedensgipfels
    am 16.05.2023 von Willi van Ooyen im Namen des Bundesausschusses Friedensratschlag verbreitet – erreichbar über
    https://www.peace-ed-campaign.org/de/event/international-peoples-summit-for-peace-in-ukraine/
    (IPB-website ipb.org am 15.06.2023 nicht erreichbar, Gipfel-website peacevienna.org als unsicher deklariert)

    3 Artikel "Die Waffen nieder" von Henning von Stoltzenberg in "junge Welt" vom 01.04.2023
    https://www.jungewelt.de/artikel/448016.friedensbewegung-die-waffen-nieder.html

    4 Bericht "Friedensgipfel 'voller Erfolg'" in "junge Welt" vom 14.06.2023
    https://www.jungewelt.de/artikel/452729.internationale-friedensbewegung-friedensgipfel-voller-erfolg.html

    5 Meldung "Friedensgipfel in Wien ist russische Propaganda" bei krone.at am 10.06.2023
    "Der ukrainische Botschafter in Österreich, Vasyl Khymynets, übt im krone.tv-Interview scharfe Kritik an am Wochenende stattfindenden 'Wiener Friedensgipfel'. Aufgrund der Inhalte glaubt er an Einflussnahme aus Russland. Für ihn sei die Konferenz 'eindeutig im Einklang mit russischer Propaganda'..."
    https://www.krone.at/3029493

    6 Bericht über den Friedensgipfel bei kurier.at am 10.06.2023, 16:40 Uhr
    https://kurier.at/chronik/oesterreich/wiener-ukraine-friedensgipfel-pro-russische-argumente-zum-auftakt/402481424

    7 Erklärung "In Solidarität mit den Menschen in der Ukraine" der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit (WILPF Women's International League for Peace and Freedom) vom 25. Februar 2022
    https://www.wilpf.de/in-solidaritaet-mit-den-menschen-in-der-ukraine/

    8 Veröffentlichung bei Pressenza am 14.06.2023 mit Wiedergabe der "Wiener Erklärung"
    https://www.pressenza.com/de/2023/06/die-internationale-zivilgesellschaft-aus-wien-wir-brauchen-verhandlungen-die-die-logik-des-friedens-statt-der-unlogik-des-krieges-staerken-koennen/

    9 "Friedensgipfel in Wien" – Bericht der Schweizer Friedensbewegung vom 13.06.2023
    https://www.friedensbewegung.ch/2023/06/13/friedensgipfel-in-wien/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=friedensgipfel-in-wien

    10 Bericht über den Friedensratschlag in Kassel am 10./11.12.2022 - mit Feindbildzitaten
    http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=28369

    11 Flugblatt "NATO raus – KRIEG aus"

    http://www.natoraus.de/NATOraus-KRIEGaus-flugblatt-2023.pdf

    12 Doris und George Pumphrey in Zusammenstellung von Kritik am "Manifest für Frieden" von Alice Schwarzer und Sahra Wagenknecht
    http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=28480


    Siehe auch:

    Ukraine: Nein zu Faschismus und Krieg - Wann begann der Krieg in der Ukraine?
    Von Deutscher Freidenker-Verband
    NRhZ 788 vom 11.04.2022
    http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=28017

    Erklärung zu Russlands Vorgehen in der Ukraine, April 2022
    Frieden statt Kriegshetze!
    Von Bundesverband Arbeiterfotografie
    NRhZ 788 vom 11.04.2022
    http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=28016

    Was aus einem der TAZ gegebenen Interview gemacht wurde
    Fragen an die "Initiator:innen des Neuen Krefelder Appells"
    Von Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann
    NRhZ 810 vom 26.04.2023
    http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=28571

    Fotogalerie
    Demonstration gegen NATO-Manöver Air Defender 23, Wunstorf, 10. Juni 2023
    NATO raus – KRIEGsspiele aus
    Von Arbeiterfotografie
    Online-Flyer Nr. 813  vom 14.06.2023
    http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=28655

    Online-Flyer Nr. 813  vom 15.06.2023

    Druckversion    


    Info: http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=28673


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    16.06.2023

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    16.06.2023

    Am Rande des Krieges (III)Die erste Woche von Air Defender 23, einem Großmanöver mit rund 250 Militärflugzeugen, geht heute zu Ende. Geübt werden der Aufmarsch Richtung Russland und Kampfhandlungen auf deutschem Boden.

    german-foreign-policy.com, 16. Juni 2023

    BERLIN (Eigener Bericht) – Anhaltende Proteste begleiten Air Defender 23, die größte Verlegeübung von Luftstreitkräften aus den USA nach Europa in der Geschichte der NATO. Auf erste Kundgebungen gegen die Kriegsübung am Samstag in Wunstorf und Spangdahlem folgten weitere unter anderem in Münster und in Jagel. Für den morgigen Samstag ist die nächste in Brandenburg an der Havel angekündigt. Air Defender 23 trainiert faktisch, wie das offizielle Übungsszenario bestätigt, einen Krieg gegen Russland auf deutschem Boden. Mit der Verlegeübung erweitert die NATO ihre mit der Defender Europe-Manöverserie bereits entwickelte Fähigkeit, große Truppenverbände in Richtung Osten zu verlegen. Anders als die Defender Europe-Übungen findet Air Defender 23 allerdings unter deutscher Führung statt. Räumlicher Fokus ist der deutsche Luftraum. Die Bundesrepublik markiert damit ihre Rolle als „logistische Drehscheibe“ der NATO im Konflikt mit Russland. Am heutigen Freitag geht die erste Woche des Großmanövers zu Ende. Die NATO-Staaten üben unter anderem die Herstellung von Luftüberlegenheit, um vorrückende Bodentruppen schützen zu können.


    Zitat: Luftkrieg über Deutschland

    Bereits vorab hatte die Bundeswehr einen „zwei Wochen andauernden, harten und intensiven Flugbetrieb“ angekündigt.[1] Für die Manöverflüge hat sie „zeitlich befristet begrenzte Lufträume für das Militär reserviert“ – drei Übungslufträume im Nordwesten, im Nordosten und im Süden der Bundesrepublik, „in denen für die zivile Luftfahrt praktisch ein Flugverbot gilt“. Um die „Aufteilung“ des Luftraums zwischen ziviler und militärischer Luftfahrt kümmern sich die Luftwaffe und die Deutsche Flugsicherung (DFS) laut Bundeswehr „Hand in Hand“. Ausdehnung der Zeitfenster und Lufträume werden Anlassbedingt verhandelt und festgelegt. Der Zugriff des Militärs auf den deutschen Luftraum bleibt damit „skalierbar“.[2]


    Dreh- und Angelpunkte

    Die Flugplätze, die bei Air Defender 23 hauptsächlich genutzt werden, sind Wunstorf, Jagel, Hohn, Lechfeld und Spangdahlem. Dabei kommt den Standorten Wunstorf (Niedersachsen) und Jagel (Schleswig-Holstein) laut Angaben der Bundeswehr als „Dreh- und Angelpunkte[n]“ der multinationalen Flugmanöver eine besondere Bedeutung zu.[3] Demnach ist Wunstorf die „zentrale Logistikdrehschreibe“ der Kriegsübung. Truppen aus den USA verlegen zunächst auf den Fliegerhorst, schlagen auf ihm ihr Material um und ziehen von dort aus weiter – unter anderem auch über das deutsche Straßennetz. Um den immensen Kraftstoffbedarf während Air Defender 23 decken zu können, haben deutsche Soldaten in Wunstorf eigens ein Feldtanklager errichtet. Die Luftwaffe kündigt an, dieses Provisorium nach Abschluss der Übung weiter zu nutzen zu wollen, um das in Wunstorf „bestehende fest installierte Tanklager zu modernisieren“.[4] Der Fliegerhorst wurde 1934 für die Wehrmacht angelegt. Über das Gebiet der Bundesrepublik hinaus kündigt die Bundeswehr Aktivitäten in Tschechien, Polen und den Baltischen Staaten, in Rumänien [5] und den Niederlanden [6] an. Es werde „tägliche ... Hin- und Rückflüge“ nach Rumänien und ins Baltikum und damit an die ukrainische und russische Grenze geben, teilt die Bundeswehr mit.


    First Responder

    Über die Manöverinhalte gibt die Bundeswehr an, die NATO probe während Air Defender 23 „die gemeinsame Reaktionsfähigkeit ihrer Luftstreitkräfte in einer Krisensituation“.[7] Die Übung basiere auf einem Beistandsszenario nach Artikel 5 des Nordatlantikvertrags und habe damit rein defensiven Charakter. Geschützt werden sollen neben dem Bündnisgebiet der NATO auch die „Interessen ihrer Mitgliedstaaten“.[8] Die Luftstreitkräfte der NATO-Mitglieder gelten in einem möglichen Konflikt mit Russland als „First Responder“ (Erstreaktionskräfte). Die Übung mache die „transatlantische Geschlossenheit nach außen sichtbar“, heißt es.[9] Erst im Februar hatte der deutsche Verteidigungsminister im Umgang mit Russland eine „Demonstration von Stärke“ gefordert.[10] Deutschland bereitet das Manöver zwar bereits seit 2018 vor; damals war allerdings die Beteiligung von nur 50 und nicht, wie jetzt, rund 250 Militärflugzeugen geplant.[11]


    Kampfhandlungen auf deutschem Boden

    Das Szenario von Air Defender 23 beschreibt die Bundeswehr wie folgt: „Deutschland, in einem fiktiven Jahr der Zukunft: Die jahrelange Konfrontation der NATO mit dem östlichen Militärbündnis OCCASUS hat den Boden der Bundesrepublik erreicht.“ Zugrunde liege ein „Konflikt, der räumlich auf die Linie zwischen Arktis und Schwarzem Meer ausstrahlt“ und sich „schon länger“ hochschaukele, heißt es im Drehbuch für Air Defender 23. Auch ist die Rede von einer OCCASUS-„Spezialoperation“ in einem Staat „außerhalb des NATO-Bündnisgebietes“ – ein Verweis auf den Ukraine-Krieg. Nun komme es zu „Kampfhandlungen auf deutschem Boden“. Dabei gebe es in der Bundesrepublik „knappe Energieressourcen und eine von Corona und Inflation erschöpfte Bevölkerung“: „Wie kann reagiert werden“, fragt die Bundeswehr, „wenn ein feindliches Militärbündnis einen Teil Deutschlands besetzt hält?“[12] Nicht nur das Territorium, auch die öffentliche Meinung in Deutschland steht im Manöverszenario unter einem Angriff von „OCCASUS-Sympathisanten“. Als „Kern“ des Manövers nennt die Bundeswehr, „die militärische Reaktions- und Handlungsfähigkeit in der Luft belastbar zu erproben und die Bevölkerung beispielsweise vor Mittelstreckenraketen schützen zu können“.[13] Konkret trainiert die NATO unter anderem Kampfhandlungen bei Rostock, wo mit dem Baltic Maritime Component Command (BMCC) ein NATO-Hauptquartier angesiedelt ist.[14]


    Lufthoheit und Bodentruppen

    Dabei sei es ein „entscheidender Faktor für den Erfolg militärischer Operationen“, Lufthoheit zu erlangen, erklärt die deutsche Luftwaffe – und bezieht sich bei ihren Erläuterungen zur Luftkriegstaktik explizit auf einen der „bekanntesten deutschen Jagdflieger im Ersten Weltkrieg“. Damals führte Deutschland unter anderem gegen Russland Krieg. Zur Erlangung der Lufthoheit, schreibt die Luftwaffe weiter, spielten auch „Luft-Boden-Angriffe“ „eine wesentliche Rolle“; die NATO setze dabei „auf Präzisionsbomben, lasergesteuerte Luft-Boden-Raketen und Kanonen, um Bodenziele gezielt anzugreifen und zu zerstören“.[15] Lufthoheit sei unter anderem „Voraussetzung für den erfolgreichen Einsatz von Kampftruppen am Boden“.[16] Den Aufmarsch von Bodentruppen in Richtung Ukraine und Russland hatte die NATO erstmals im großen Stil mit dem Manöver Defender Europe 2020 geprobt.


    Mehr Einsatzmentalität

    Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine am 24. Februar 2022 hatten Bundeswehr und NATO noch improvisiert. Ingo Gerhartz, Generalleutnant und Inspekteur der Luftwaffe, berichtete kürzlich, noch am selben Tag habe der Generalinspekteur der Bundeswehr ihn in einem Anruf aufgefordert: „Tu was!“ Drei Stunden später hätten drei Eurofighter nach Rumänien verlegt, um Handlungsfähigkeit zu demonstrieren. Damals standen der NATO laut Angaben von Verteidigungsminister Boris Pistorius „32.000 Bodentruppen, 140 Schiffe und 135 Flugzeuge zur Verfügung“. Gerhartz kritisiert: „Wir brauchen mehr Einsatzmentalität“.[17] Pistorius bestätigte bereits im Februar auf der Münchner Sicherheitskonferenz, die NATO werde ihren 2014 eingeschlagenen Kurs fortsetzen, „die militärische Präsenz entlang der gesamten Ostflanke“ erhöhen sowie eine schnelle Eingreiftruppe von „künftig 300.000“ Soldaten in „erhöhter Alarmbereitschaft“ halten.[18] Die schnelle Einsatzfähigkeit der First Responder wiederum, der NATO-Luftstreitkräfte, stellt Air Defender 23 her.

     

    [1] Air Defender 2023 – Jahre der Vorbereitung, um 200 Flugzeuge in die Luft zu bekommen. Bundeswehr.de 28.03.2023.

    [2] Personal des Airspace-Managements organisiert den Luftraum. bundeswehr.de 25.04.2023.

    [3] Multinationale Übung Air Defender 2023. presseportal.de 31.05.2023.

    [4] Wunstorf: Drehscheibe für die Tank- und Transportflugzeuge bei Defender 2023. bundeswehr.de 02.06.2023.

    [5] Air Defender 2023 – warum es auch mal lauter wird. bundeswehr.de 27.04.2023.

    [6], [7] Air Defender 23. bundeswehr.de.

    [8] Das Training moderner Luftkampfverfahren ist entscheidend. bundeswehr.de 01.06.2023.

    [9] Multinationale Übung Air Defender 2023. presseportal.de 31.05.2023.

    [10] Pistorius auf der MSC (Munich Security Conference) 23: „NATO-Ostflanke stärken heißt, uns selbst zu stärken“. bmvg.de 23.02.2023.

    [11] Air Defender 2023 – Jahre der Vorbereitung, um 200 Flugzeuge in die Luft zu bekommen. Bundeswehr.de 28.03.2023.

    [12], [13] Das westliche Bündnis im Kampf gegen die Occasus-Allianz. bundeswehr.de 01.06.2023.

    [14] S. dazu Neuer Kurs für die deutsche Marine.

    [15] Das Training moderner Luftkampfverfahren ist entscheidend. bundeswehr.de 01.06.2023.

    [16] Mehrzweckkampfflugzeuge: Vielseitigkeit und Effzienz in der Luftkriegsführung. bundeswehr.de 05.06.2023.

    [17] Christian Böhme, Stephan-Andreas Casdorff, Christopher Ziedler: Luftwaffen-Inspekteur Ingo Gerhartz: „Wir brauchen mehr Einsatzmentalität“. tagesspiegel.de 30.05.2023.

    [18] Pistorius auf der MSC (Munich Security Conference) 23: „NATO-Ostflanke stärken heißt, uns selbst zu stärken“. bmvg.de 23.02.2023.


    Info: https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/9270


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    15.06.2023

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    15.06.2023

    „Die Grundlage unserer Wehrhaftigkeit“
    Bundesregierung legt Nationale Sicherheitsstrategie vor, verortet Deutschland im globalen Machtkampf gegen Russland und China und verordnet der gesamten Bevölkerung „Wehrhaftigkeit“.

    cgerman-foreign-policy.com, 15. Juni 2023

    BERLIN (Eigener Bericht) – Die am gestrigen Mittwoch offiziell vorgelegte Nationale Sicherheitsstrategie der Bundesregierung verortet Deutschland fest im Machtkampf gegen Russland und gegen China und unterwirft die gesamte Gesellschaft einem alles umfassenden Begriff angeblicher Sicherheit. Wie es in dem Papier heißt, befinde sich die Welt aktuell „in einem Zeitalter wachsender Multipolarität“, in dem neue Mächte aufstiegen. Während China „Partner, Wettbewerber und systemischer Rivale“ zugleich sei, sei Russland dagegen „auf absehbare Zeit die größte Bedrohung für Frieden und Sicherheit im euroatlantischen Raum“. Entsprechend bekräftigt die Sicherheitsstrategie, es gelte nun, die Bundeswehr umfassend aufzurüsten, sie „zu einer der leistungsfähigsten konventionellen Streitkräfte in Europa“ zu machen und Deutschland zudem zur militärischen Drehscheibe für die NATO zuzurichten. Spezielle Bedeutung misst das unter Federführung von Außenministerin Annalena Baerbock erstellte Papier der Fähigkeit der Bevölkerung bei, im „Konfliktfall“ jederzeit „die nötige Widerstandskraft ... zu entwickeln“; dazu müsse „jede und jeder Einzelne“ beitragen. „Wehrhaftigkeit“ wird zum alles dominierenden, im Kern totalitären Imperativ.


    Zitat: Globale Umbrüche

    Die Nationale Sicherheitsstrategie der Bundesregierung wird in einer Zeit vorgelegt, in der tiefe Umbrüche die internationale Politik umwälzen. Der globale Einfluss Deutschlands, der EU und des transatlantischen Westens wird erkennbar schwächer. China steigt weiter auf und bietet sich zahlreichen Staaten Afrikas, Asiens und Lateinamerikas als Alternative zur alleinigen Orientierung auf die ehemaligen westlichen Kolonialmächte an. Auch Russland ist in einigen Ländern und Regionen, insbesondere in Syrien und in Westafrika, durchaus mit Erfolg dabei, die westlichen Mächte abzudrängen, und es hat zudem mit seinem Angriff auf die Ukraine das westliche Gewaltmonopol sogar in Europa herausgefordert. Neue Bündnisse wie die BRICS (Brasilien, Russland, Indien, China, Südafrika), sämtlich aufstrebende Schwellenländer, oder die bislang um China, Russland und Zentralasien zentrierte Shanghai Cooperation Organisation (SCO) erhalten Zulauf. Die Rede von einer Weltordnung, die multipolar geprägt ist, also keine dominierende Supermacht wie die Vereinigten Staaten und keinen alles beherrschenden Machtblock wie den um die NATO zentrierten Westen mehr kennt, ist keine gehaltlose Phrase mehr, sondern entspricht immer klarer der Realität.


    „Elemente der Rivalität“

    Die Bundesregierung erkennt das in ihrer Nationalen Sicherheitsstrategie im Grundsatz an: „Wir leben“, heißt es in dem Papier, „in einem Zeitalter wachsender Multipolarität.“ Dabei bezieht Berlin vor allem gegen Russland und China Position. Über China heißt es in Übernahme der seit einigen Jahren genutzten Standardformel, es sei „Partner, Wettbewerber und systemischer Rivale“ zugleich.[1] „Partner“ bezieht sich darauf, dass wichtige deutsche Konzerne auf das Chinageschäft angewiesen sind.[2] „Wettbewerber“ zielt darauf, dass es chinesischen Unternehmen immer öfter gelingt, mit Erfolg als Konkurrenten deutscher Firmen aufzutreten. „Systemischer Rivale“ nimmt den Umstand aufs Korn, dass die Volksrepublik ihren Aufstieg in Weltwirtschaft und -politik fortsetzt und dabei mittlerweile auf allen Kontinenten erheblich an Einfluss gewinnt; in der westlichen PR wird die sich daraus ergebende Rivalität mit dem Westen gerne als ein „systemischer“ Gegensatz („Demokratie versus Autoritarismus“) verbrämt. Eine ausführlichere Darstellung der neuen Chinapolitik der Bundesregierung wird erst in einigen Wochen oder Monaten mit der seit langem angekündigten neuen Berliner Chinastrategie präsentiert. Schon jetzt heißt es aber, „Elemente der Rivalität und des Wettbewerbs“ nähmen inzwischen zu.


    „Die größte Bedrohung“

    Hauptgegner ist aus Sicht der Bundesregierung allerdings nicht China, sondern Russland. „Das heutige Russland“, so heißt es in der Nationalen Sicherheitsstrategie, „ist auf absehbare Zeit die größte Bedrohung für Frieden und Sicherheit im euroatlantischen Raum.“ Auch um sich gegen Moskau durchsetzen zu können, schreibt das Berliner Strategiepapier die massive Aufrüstung der Bundeswehr fest, die „ihre militärische Präsenz im Bündnisgebiet ... weiter ausbauen und verstetigen“ und zugleich „zu einer der leistungsfähigsten konventionellen Streitkräfte in Europa“ werden soll; Ziel sei es, „schnell und dauerhaft reaktions- und handlungsfähig“ zu sein. Dabei soll Deutschlands Funktion „als logistische Drehscheibe im Zentrum der Allianz“, die seit 2020 im Rahmen der „Defender“-Manöver eingeübt wird – aktuell: Air Defender 23 [3] –, gestärkt werden; es gehe, erläutert die Bundesregierung, nicht nur um Maßnahmen zum „Schutz der Verbündeten bei ihrem Aufenthalt in Deutschland“, sondern insbesondere um den Aufbau weiterer „Fähigkeiten zur logistischen Unterstützung, Gesundheitsversorgung, Fähigkeiten der Verkehrsführung“. Nicht zuletzt bekennt sich die Regierung zur sogenannten nuklearen Teilhabe; dies gelte, heißt es explizit, „solange es Nuklearwaffen gibt“.


    Krieg und Wirtschaftskrieg

    Sind Berlin und Brüssel im Machtkampf gegen Moskau zur Zeit noch klar auf die NATO angewiesen, so hält die Bundesregierung auf lange Sicht an dem Ziel fest, „die Europäische Union zu einer geopolitisch handlungsfähigen Akteurin [zu] machen“, die „ihre Sicherheit und Souveränität“ eigenständig gewährleisten kann. Dazu will sie in einem ersten Schritt „den europäischen Pfeiler“ der NATO stärken; dies verschaffe „eigenständige europäische Handlungsfähigkeit“. In diesem Kontext führt die Nationale Sicherheitsstrategie „moderne, leistungsfähige Streitkräfte der EU-Mitgliedstaaten“ ebenso auf wie „eine leistungs- und international wettbewerbsfähige europäische Sicherheits- und Verteidigungsindustrie“. Das Berliner Strategiepapier insistiert zudem auf einer breiten wirtschaftlichen Unabhängigkeit, die insbesondere auch die „technologische und digitale Souveränität“ der EU umfasst. In Zukunft soll das europäische Staatenkartell dabei wirtschaftliche Zwangsmaßnahmen noch umfassender nutzen als bisher: „Die Bundesregierung“, heißt es, „setzt sich für einen zielgerichteten und flexiblen Einsatz von Sanktionen der EU ein und stellt eine effektive Sanktionsdurchsetzung auf nationaler Ebene sicher.“ Internationale Kooperation, etwa mit den G7, soll „Effektivität und Effizienz“ der Sanktionen erhöhen.


    „Die Sicherheitsstrategie leben“

    Besondere Bedeutung misst die Bundesregierung nicht zuletzt der „Resilienz“ bei – der Fähigkeit der gesamten Bevölkerung, im „Konfliktfall“ stets „die nötige Widerstandskraft ... zu entwickeln“. Um die gewünschte Resilienz zu gewährleisten, müsse man nicht nur über „gut ausgebildete Sicherheitsbehörden“, über „Organisationen der nicht-polizeilichen Gefahrenabwehr“, „eine starke Wirtschaft“ und eine fähige „Sicherheitsforschung“ verfügen, heißt es in der Nationalen Sicherheitsstrategie. Es gelte nicht nur, „den Schutz und die Versorgung der Bevölkerung mit essenziellen Gütern und Dienstleistungen“ und „die zivile, auch logistische, Unterstützung für die Streitkräfte [zu] sichern“. „Unverzichtbare Grundlage unserer Wehrhaftigkeit sind Bürgerinnen und Bürger, die bereit sind, ihren Beitrag hierzu zu leisten“, heißt es weiter in dem Papier: „Zivilgesellschaftliche Organisationen“, aber auch „jede und jeder Einzelne ... können und sollen hierzu beitragen.“ „Wehrhaftigkeit“ wird zum alles dominierenden, im Kern totalitären Imperativ für die gesamte Gesellschaft. „Die Herausforderungen für unsere Sicherheit ziehen sich durch alle Lebensbereiche“, bekräftigte Außenministerin Annalena Baerbock am gestrigen Mittwoch [4]; das von ihr geführte Auswärtige Amt forderte auf Twitter: „Jetzt kommt es darauf an, die Nationale Sicherheitsstrategie in der gesamten Gesellschaft zu leben.“

     

    [1] Zitate hier und im Folgenden: Wehrhaft. Resilient. Nachhaltig. Integrierte Sicherheit für Deutschland. Nationale Sicherheitsstrategie. Berlin, Juni 2023.

    [2] S. dazu Schäden im Wirtschaftskrieg.

    [3] S. dazu Am Rande des Krieges (II).

    [4] Simon Cleven: „Frieden und Freiheit fallen nicht vom Himmel“: Regierung stellt Nationale Sicherheitsstrategie vor. rnd.de 14.06.2023.


    Info: https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/9268


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