aus e-mail von Clemens Ronnefeldt, 14. Mai 2026, 8:26 Uhr
Liebe Friedensinteressierte,nachfolgend sende ich einige Artikel zu den Kriegen
in der Ukraine und in Westasien sowie zum Thema
Militarisierung - mit dem Hinweis, dass ich nicht mit
allen Aussagen aller Artikel übereinstimme, die
folgenden Beiträge aber für wichtig halte.
1. n tv: Kallas glaubt an Gelegenheit, den Krieg zu beenden
2. Tagesschau: Putin schlägt Altkanzler vor - Schröder als Vermittler? Gemischte Reaktionen3. MDR: Bundesregierung weist Putin-Vorschlag zurück4. Der Spiegel: »New York Times«-Bericht
US-Regierung bereitete sich Ende 2022 auf russischen Atomschlag in der Ukraine vor
5. n tv: Teheran antwortete mit Raketen - Bericht: Emirate griffen heimlich Ölraffinerie im Iran an
6. DW: Iran: Repression im Schatten des Krieges
7. NYT: Das Schweigen, das auf die Vergewaltigung der Palästinenser trifft
8. SZ: Westjordanland - EU einigt sich auf Sanktionen gegen radikale Siedler
9. Peace now: Der EU-Rat beschließt Sanktionen gegen vier Siedlerorganisationen
10. IPG: Rolf Mützenich: Europas Strategielücke Trump zieht US-Truppen ab und stoppt die Stationierung von Mittelstreckenraketen in Deutschland. Das eigentliche Problem liegt jedoch ganz woanders.
11. IPG: Scott Anderson: Operation „Gewaltiger Irrtum“ Ein Drohnenangriff reicht, und Hormus ist unpassierbar.
Trotz aller US-Siegesrhetorik hält der Iran die strategischen Trümpfe in der Hand
12. Manager Magazin: Marinesparte Rheinmetall will Fregatten-Debakel der Bundeswehr für 12 Milliarden Euro übernehmen
13. Friedensfähig: Keine Mittelstreckenwaffen - nirgends! - Alle Infos zur Demo am 30.5.2026 in Wiesbaden
14. Buchhinweis: Hanne Margret Birckenbach: Friedenslogik Verstehen.
15. Ev. Friedensarbeit: EAK: Zahl der KDV-Beratungen steigt weiter deutlich an
——
1. n tv: Kallas glaubt an Gelegenheit, den Krieg zu beenden
13.5.2026
(…)
22:19 Kallas glaubt an Gelegenheit, den Krieg zu beenden
Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas sieht in Aussagen des russischen
Präsidenten Wladimir Putin zu einem möglichen Kriegsende ein Anzeichen
für eine Schwächung Moskaus. Putins Äußerung zeige, "dass er sich
nicht in einer starken Position befindet", sagt Kallas nach einem
Treffen der EU-Verteidigungsminister in Brüssel.
"Ich glaube, dass es eine Gelegenheit gibt, diesen Krieg zu beenden",
fügt sie hinzu. Kallas sagt zudem, Putin könne den Ukraine-Krieg
"sofort" beenden, "wenn er einfach aufhören würde, zivile
Infrastruktur zu bombardieren, und seine Truppen abziehen würde“.
Mit Blick auf die Verteidigungsfähigkeit Europas zeigt die
EU-Außenbeauftragte sich "frustriert", dass die Rüstungsproduktion
nicht schneller anwächst. Trotz deutlich höherer Verteidigungsausgaben
sei nicht zu beobachten, "dass die Branche so an Fahrt gewinnt, wie
wir es erwartet hätten".
21:39 Donbass-Vereinbarung mit Putin? Trump dementiert
US-Präsident Donald Trump antwortet Journalisten am Weißen Haus auf
die Frage zu einer möglichen Vereinbarung mit Wladimir Putin, den
gesamten ukrainischen Donbass an Russland zu übergeben, kurz und knapp
mit "Nein“.
Kiew lehnt ein solches Vorgehen ohnehin ab. Trumps Angaben zufolge
neigt sich der Krieg "dem Ende zu". Ähnlich hatte sich zuletzt auch
Putin geäußert, in diesem Zusammenhang aber auch von einer
"endgültigen Zerstörung des Feindes" gesprochen.
Ein militärischer Sieg über die Ukraine ist allerdings weit entfernt.
Trump hatte sich in der Vergangenheit oft zuversichtlich für ein
Kriegsende gezeigt. Etliche Verhandlungsrunden brachten jedoch kein
Ergebnis.
——
2. Tagesschau: Putin schlägt Altkanzler vor - Schröder als Vermittler? Gemischte Reaktionen
https://www.tagesschau.de/inland/russland-ukaine-putin-schroeder-reaktionen-100.html
Putin schlägt Altkanzler vor - Schröder als Vermittler? Gemischte ReaktionenStand: 10.05.2026 • 17:38 Uhr
Sie verbindet eine jahrelange Freundschaft - nun will Kreml-Chef Putin
Altkanzler Schröder als Vermittler im Krieg gegen die Ukraine haben.
Reaktionen aus der deutschen Politik folgen schnell.
Kremlchef Wladimir Putin hat den mit ihm befreundeten Altkanzler
Gerhard Schröder als möglichen Vermittler im Krieg zwischen Russland
und der Ukraine ins Spiel gebracht und damit eine Debatte in
Deutschland ausgelöst. Die Bundesregierung reagierte zurückhaltend.
Aus Regierungskreisen in Berlin hieß es, man habe die Äußerungen zur
Kenntnis genommen. Sie reihten sich ein in eine Serie von
Scheinangeboten und seien Teil der bekannten hybriden Strategie
Russlands. "Deutschland und Europa lassen sich dadurch aber nicht
spalten“, hieß es weiter.
Unterschiedliche Reaktionen bei der SPD
Bei den Parteien gab es unterschiedliche Reaktionen. Grüne, Linke und
FDP reagierten mit Ablehnung oder mindestens mit Skepsis, die SPD ist
sich uneins. Der SPD-Außenpolitiker Ralf Stegner sprach sich dafür
aus, Putins Vorschlag zu prüfen.
"Ich begrüße jede Initiative, die den Krieg beenden könnte", sagte
Stegner dem "Spiegel". "Jedes Angebot muss ernsthaft geprüft werden,
wie verlässlich es ist", erklärte auch Adis Ahmetovic,
außenpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion. (…)
Allerdings kommt aus der SPD auch Widerstand. Der frühere Vorsitzende
des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Michael Roth, sprach im
"Tagesspiegel" von einem "Affront gegenüber den USA und einem
durchsichtigen Manöver“.
"Wer ernsthaft Frieden will, beginnt mit einem Waffenstillstand." Ein
Moderator möglicher Verhandlungen könne "nicht einfach Putins Buddy
sein", sagte Roth, der bis 2025 dem Bundestag angehörte. Entscheidend
sei, "dass er vor allem von der Ukraine akzeptiert wird.“ (…)
Das Büro des Altkanzlers teilte auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa
mit, Schröder werde sich zu dieser Frage nicht äußern. (…)
——
3. MDR: Bundesregierung weist Putin-Vorschlag zurück
https://www.mdr.de/nachrichten/welt/osteuropa/politik/ukraine-krieg-ende-putin-schroeder-bundesregierung-100.html
Ukraine-News | 10.Mai Bundesregierung weist Putin-Vorschlag zurück10. Mai 2026, 19:54 Uhr(…)16.57 Uhr
Russland erwartet US-Vermittler „bald"
Der Kreml erwartet nach der von den USA vermittelten dreitägigen
Waffenruhe eine baldige Wiederaufnahme der Gespräche über ein
mögliches Ende des Ukrainekriegs. Der für die Verhandlungen zuständige
Kremlbeauftragte Juri Uschakow sagte dem russischen Staatsfernsehen,
die US-Unterhändler Steve Witkoff und Jared Kushner würden "schon
ziemlich bald" wieder nach Moskau kommen. Ein konkretes Datum nannte
er nicht.
Die laufende Waffenruhe sei durch zweitägige und "nicht einfache"
Telefonate mit der US-Seite erreicht worden, so Uschakow weiter.
Witkoff und Kushner hatten bereits mehrfach Gespräche zwischen den
Kriegsparteien vermittelt. Ein Durchbruch ist dabei bislang jedoch
ausgeblieben. Die Verhandlungen sind zuletzt ins Stocken geraten.
(Quelle: dpa)
(…)
11.10 Uhr
Berlin weist Putin-Vorschlag zurück
Die Bundesregierung weist den Vorschlag des russischen Präsidenten
Wladimir Putin für eine Vermittlung von Ex-Kanzler Gerhard Schröder im
Ukraine-Krieg zurück. Das sei ein Scheinangebot und Teil der
russischen, hybriden Strategie, verlautete am Sonntag aus
Regierungskreisen in Berlin.
Die Verhandlungsoption sei nicht glaubwürdig, weil Russland seine
Bedingungen nicht geändert habe. Ein erster Test für Glaubwürdigkeit
wäre demnach eine Verlängerung der Waffenruhe. (Quelle: Reuters, dpa)
——
4. Der Spiegel: »New York Times«-Bericht
US-Regierung bereitete sich Ende 2022 auf russischen Atomschlag in der Ukraine vor
Hinweis von C. Ronnefeldt:
Die Notwendigkeit eines baldigen Waffenstillstandes kann der Rückblick
auf diese Meldung von 2022 aus dem Spiegel zeigen:
https://www.spiegel.de/ausland/russland-ukraine-krieg-us-regierung-bereitete-sich-laut-new-york-times-ende-2022-auf-russischen-atomschlag-in-der-ukraine-vor-a-8b6039ee-dcd5-4c97-be21-bec41ae6cfc4
»New York Times«-Bericht
US-Regierung bereitete sich Ende 2022 auf russischen Atomschlag in der Ukraine vor
Wie nah stand Russland vor einem Atomwaffeneinsatz im Ukrainekrieg?
In einer »Armageddon-Rede« stimmte US-Präsident Biden offenbar
Parteifreunde schon darauf ein. Dass es nicht dazu kam, lag
möglicherweise auch an Olaf Scholz.
10.03.2024, 18.48 Uhr
Der Ukrainekrieg zieht sich nun schon mehr als zwei Jahre. Inzwischen
ächzt Kiew unter Munitionsmangel und den großen Verlusten in den
eigenen Reihen. Die Nachrichten über die Lage im Krieg bestimmen
gegenseitige Drohnenangriffe.
Es gab jedoch eine Zeit, in der die ukrainischen Streitkräfte auf
einem Siegeszug schienen. Im Herbst 2022 gelangen ihnen im Rahmen
einer Gegenoffensive in der Ostukraine große Gebietsgewinne. Die
russischen Invasoren in dieser Zeit: in die Enge getrieben.
Ein Bericht der »New York Times« legt nun nahe, wie gefährlich diese
Zeit wirklich war. Und zwar über die Ukrainehinaus. Dem Bericht
zufolge deutete abgefangene, streng vertrauliche Kommunikation darauf
hin, dass sich die russischen Drohungen von einem Einsatz nuklearer
Waffen in der Ukraine in dieser Zeit in einen tatsächlichen Plan
umsetzen könnten.
Bei einer Veranstaltung mit demokratischen Unterstützern im Oktober
2022 sagte US-Präsident Joe Biden dem Bericht zufolge, dass zum ersten
Mal seit der Kubakrise der Einsatz von Atomwaffen drohe, wenn sich die
Dinge weiter so entwickelten. Biden sprach demnach vom ersten Einsatz
einer Atomwaffe seit Hiroshima und Nagasaki.
Belege dafür, dass Russland tatsächlich konkrete Schritte in Richtung
eines Atomwaffeneinsatzes unternommen hat, gab es nicht. Die Sorgen
innerhalb der US-Regierung waren dem Bericht zufolge trotzdem so groß,
dass Arbeitsgruppen zusammentraten, um eine möglicherweise notwendige
Antwort vorzubereiten. Zwar wurde demnach besprochen, dass die
Gegenmaßnahme nicht nuklear sein müsse.
Jedoch seien Beamte der Regierung überzeugt gewesen, dass eine
drastische Reaktion nötig gewesen wäre. Etwa durch einen
konventionellen – jedoch direkten – Schlag auf die russische
Atomwaffeneinheit.
Laut der Zeitung werde Bidens Auftritt auf der Veranstaltung intern im
Weißen Haus als »Armageddon-Rede« bezeichnet. Ein taktischer
Atomschlag der russischen Streitkräfte war im Ukrainekrieg wiederholt
als rote Linie des Westens aufgezeigt worden. Und bisher kam es auch
nicht dazu. Dem Bericht zufolge könnte daran auch Bundeskanzler Olaf
Scholz seinen Anteil haben.
Laut dem »New York Times«-Bericht habe es diplomatische Gespräche auf
höchsten Ebenen gegeben, um der Gefahr eines russischen Atomschlags
vorzubeugen. Unter anderem zwischen Scholz und dem chinesischen
Präsidenten Xi Jinping, wie es heißt. Anfang November 2022 sprachen
Scholz und Xi in Peking über Kooperationen und Differenzen. Zumindest
offiziell.
Auf der geplanten Reise nach China sollte der über die amerikanischen
Geheimdienstinformationen in Kenntnis gesetzte Bundeskanzler mit Xi
auch über die Bedrohungslage eines globalen Atomkriegs sprechen. Und
ihn dazu bringen, sowohl öffentlich als auch bilateral mit Moskau,
also wohl Kremlchef Wladimir Putin direkt, zu erklären, dass der
Einsatz von Atomwaffen keinen Platz im Ukrainekrieg habe.
Xi sprach sich öffentlich gegen Atomwaffeneinsatz aus
Nach dem Treffen mit Scholz sagte Xi laut chinesischen Staatsmedien,
dass man »gemeinsam« gegen den Einsatz solcher Sachen sei. In Eurasien
müsse eine nukleare Krise vermieden werden, hieß es in einer
diplomatischen Erklärung Xis. Die betreffenden Parteien müssten
vernünftig sein, Zurückhaltung üben und Bedingungen für eine
Wiederaufnahme von Verhandlungen schaffen. Auch Scholz selbst hatte
die gemeinsame Position betont.
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5. n tv: Teheran antwortete mit Raketen - Bericht: Emirate griffen heimlich Ölraffinerie im Iran an
https://www.n-tv.de/politik/Bericht-Emirate-griffen-heimlich-Oelraffinerie-im-Iran-an-id30812644.html?utm_source=firefox-newtab-de-de
Teheran antwortete mit Raketen Bericht: Emirate griffen heimlich Ölraffinerie im Iran an12.05.2026, 10:47 Uhr
Während des mehrwöchigen Kriegs der USA gegen den Iran attackierte
Teheran mit fast 3000 Drohnen und Raketen die Emirate. Die schlagen
offenbar auch zurück, wie erst jetzt bekannt wird. Dabei fügten die
VAE einer Raffinerie schwere Schäden zu.
Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) haben offenbar selbst
Luftangriffe im Iran durchgeführt. Zu den Zielen der Militärschläge
gehörte unter anderem eine Ölraffinerie auf der iranischen Insel
Lawan, berichtet das "Wall Street Journal“ unter Berufung auf mehrere
namentlich nicht genannte Quellen.
Dieser Angriff ereignete sich Anfang April, etwa zu der Zeit, als
Präsident Trump nach einer fünfwöchigen Luftkampagne einen
Waffenstillstand im Krieg verkündete. Ob die Feuerpause bereits
verkündet war oder diese noch ausstand, lässt der Bericht offen. Die
Attacke soll einen Großbrand ausgelöst und damit einen Großteil der
Anlagen für Monate außer Kraft gesetzt haben.
Die Emirate selbst haben sich bisher nicht zu den Angriffen bekannt.
Der Iran erklärte nach dem Schlag auf seine Raffinerie lediglich, dass
diese Ziel eines Angriffes geworden sei. Teheran reagierte in der
Folge mit Raketen- und Drohnenangriffen gegen die Emirate und Kuwait.
Die USA waren dem Bericht zufolge durch den Angriff der Emirate nicht
verärgert, da die Feuerpause noch am Beginn stand. Vielmehr nahm man
in Washington erfreut zur Kenntnis, dass das Land sich an der
Militärkampagne gegen Teheran beteiligte.
Die Emirate verfügen über eine Luftwaffe, die mit westlichen Kampfjets
ausgestattet ist. Neben Flugzeugen vom Typ F-16 stehen den Piloten
auch französische Mirage-Jets zur Verfügung.
Nach Beginn des Kriegs der USA und Israels gegen den Iran wurden die
VAE immer wieder Ziel von iranischen Angriffswellen. Das Regime in
Teheran feuerte mindestens 2800 Raketen und Drohnen auf die Emirate.
Kein anderes Land wurde in dem Krieg häufiger durch den Iran
angegriffen. In den VAE sorgten die Attacken für massive
Einschränkungen beim Flugverkehr und damit auch im wichtigen
Tourismussektor.
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6. DW: Iran: Repression im Schatten des Krieges
https://www.dw.com/de/iran-repression-im-schatten-des-krieges/a-77064911
Menschenrechte
Iran
Iran: Repression im Schatten des KriegesShabnam von Hein
06.05.20266. Mai 2026Während die internationale Aufmerksamkeit auf die militärischeEskalation zwischen Iran und den USA gerichtet ist, verschärft dasRegime in Teheran den Druck auf die eigene Bevölkerung.
"Wir verfolgen die Menschenrechtslage im Iran mit großer Sorge", sagteMahmood Amiry-Moghaddam gegenüber der Deutschen Welle. Dernorwegisch-iranische Neurowissenschaftler ist Direktor derMenschenrechtsorganisation "Iran Human Rights". Er fügt hinzu:"Besonders alarmierend sind die täglichen Hinrichtungen vonpolitischen Gefangenen, Demonstrierenden und Menschen, denen Spionagevorgeworfen wird."
Seit dem Ausbruch des Krieges Ende Februar steht der Iran verstärkt imFokus der internationalen Öffentlichkeit. Die Aufmerksamkeit richtetsich dabei vor allem auf geopolitische Entwicklungen, insbesondere aufdie Blockade der Straße von Hormus, einer der wichtigsten globalenHandelsrouten für den Öltransport, und die daraus resultierendenAuswirkungen auf die weltweite Energieversorgung. Was sich jedochgleichzeitig innerhalb des Landes abspielt, gerät weitgehend aus demBlickfeld.
"In einer Situation, in der die internationale Gemeinschaft denMenschenrechtsverletzungen innerhalb Irans nur begrenzteAufmerksamkeit schenkt, nutzt die Islamische Republik diesenSpielraum, um Gefangene mit möglichst geringen politischen Kostenhinrichten zu lassen", sagt Mahmood Amiry-Moghaddam.
Dabei war die Zahl der Hinrichtungen bereits im vergangenen Jahr sohoch wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Nach Angaben von Iran HumanRights wurden mindestens 1.639 Menschen hingerichtet, so viele wieseit 35 Jahren nicht mehr. Und die Lage hat sich weiter verschärft. ImSchatten des Krieges herrscht nun eine Atmosphäre der Angst.
Tausende Bürger festgenommen
Nach Angaben des UN-Hochkommissars für Menschenrechte, Volker Türk,wurden seit Beginn des Krieges rund 4.000 iranische Bürger unter demVorwand von "Sicherheitsgründen" festgenommen; mindestens 21 Menschenwurden hingerichtet.
"Ich wage es gar nicht, mir vorzustellen, was die aufeinanderfolgendenHinrichtungen der letzten Tage mit der Atmosphäre in den politischenAbteilungen der Gefängnisse gemacht haben", schrieb Zia Nabavi aufseinem Account bei X. Zia Nabavi gehört zu den bekanntestenstudentischen Bürgerrechtsaktivisten im Iran und wurde in denvergangenen Jahren mehrfach inhaftiert. Er zählt zu den wenigenAktivisten, die trotz massiver Einschränkungen weiterhin sporadisch insozialen Netzwerken aktiv sind.
Das Internet ist seit Ende Februar im Iran stark eingeschränkt. DasRegime geht verstärkt gegen VPN-Verbindungen und Satellitenterminalsvor, die eine Umgehung staatlicher Zensur ermöglichen. Diese Situationerschwert die Kommunikation innerhalb und außerhalb des Landeserheblich.
"Durch die Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen im Iran, zudenen wir nur unter großen Schwierigkeiten Kontakt aufnehmen konnten,haben wir erfahren, dass sich die Bearbeitung von Gerichtsverfahrenpolitischer Gefangener beschleunigt hat und zugleich intransparentergeworden ist" sagt der Menschenrechtsanwalt Saeid Dehghan im Gesprächmit der DW. "Dadurch können Todesurteile schneller ausgesprochen undvollstreckt werden."
Dehghan, der derzeit in Kanada lebt, ist Gründer des NetzwerksYekKalameh Lawyers Network („Ein Wort") und engagiert sich gemeinsammit iranischen Menschenrechtsanwältinnen und -anwälten für dieDokumentation von Verletzungen der Bürgerrechte.
Auch eine Reihe unabhängiger Juristen, die sich für politische Belangeeinsetzen, wurden verhaftet oder zum Verhör vorgeladen. DasSicherheitssystem schüchtere sie systematisch ein und schalteAndersdenkende und Protestierende aus. "Der Druck auf krankepolitische Gefangene hat zugenommen. Ein Beispiel dafür ist NargesMohammadi, die an einer Herzerkrankung leidet."
Die iranische Nobelpreisträgerin Narges Mohammadi befinde sichmomentan in einem kritischen Zustand. Auch andere erkrankte politischeGefangene, die offenbar wie Geiseln behandelt würden, müssten nach denGesetzen der Islamischen Republik Iran eigentlich Anspruch auf einebedingte Entlassung oder gesetzlich vorgesehene Freilassungen haben,sagt Dehghan.
"Menschenrechte als Bedingung für Verhandlungen"
Dehghan und andere Menschenrechtsaktivisten warnen vor einerWiederholung eines bekannten Musters der Islamischen Republik – einesVorgehens, das bereits in den 1980er-Jahren zu beobachten war: Kurzvor dem Ende des Iran-Irak-Krieges wurden Tausende politischeGefangene hingerichtet.
Hunderte Demonstranten, die während der landesweiten Proteste imJanuar verhaftet worden sind, sehen sich derzeit Anklagen gegenüber,die zur Verhängung der Todesstrafe führen können.
"Es ist entscheidend, dass die internationale Gemeinschaft derMenschenrechtslage im Iran und der Situation der Bevölkerung deutlichmehr Priorität einräumt und diese in den politischen Verhandlungen mitder Islamischen Republik thematisiert", sagt Direktor derMenschenrechtsorganisation "Iran Human Rights" MahmoodAmiry-Moghaddam.
Ein Stopp der Hinrichtungen sowie die Freilassung politischerGefangener müssten zu den zentralen Bedingungen jeglicherVerhandlungen mit der Islamischen Republik gehören.
"Grundlegende Veränderungen werden letztlich von den Menschen im Iranselbst erkämpft werden", sagt Mahmood Amiry-Moghaddam.
——
7. NYT: Das Schweigen, das auf die Vergewaltigung der Palästinenser triffthttps://www.nytimes.com/2026/05/11/opinion/israel-palestinians-sexual-violence.html?unlocked_article_code=1.h1A.dLiE.wyVyr6RukNeh&smid=nytcore-ios-share
Meinung
Nikolaus Kristof
Das Schweigen, das auf die Vergewaltigung der Palästinenser trifft
Männliche und weibliche Palästinenser beschreiben brutalen sexuellen
Missbrauch durch die Hände von israelischen Gefängniswärtern,
Soldaten, Siedlern und Verhörbeamten.
Von Nikolaus Kristof
Meinungskolumnist, Bericht aus der Westbank
11. Mai 2026
Es ist ein einfacher Vorschlag: Was auch immer unsere Ansichten über
den Nahostkonflikt sind, wir sollten uns zusammenschließen können, um
Vergewaltigung zu verurteilen.
Anhänger Israels machten diesen Punkt nach den brutalen sexuellen
Übergriffen auf israelische Frauen während des Hamas-geführten
Angriffs auf Israel am 7. Oktober 2023. Donald Trump, Joe Biden,
Benjamin Netanjahu und viele US-Senatoren, darunter Marco Rubio,
verurteilten diese sexuelle Gewalt, und Netanyahu forderte zu Recht
"alle zivilisierten Führer" auf, sich zu äußern.
Und doch haben die Palästinenser in schmerzlichen Interviews mir ein
Muster weit verbreiteter israelischer sexueller Gewalt gegen Männer,
Frauen und sogar Kinder erzählt - von Soldaten, Siedlern,
Verhörbeamten in der internen Sicherheitsbehörde von Shin Bet und vor
allem Gefängniswärtern.
(…)
Ich hatte eine Karriere, die Krieg, Völkermord und Grausamkeiten
einschließlich Vergewaltigung umfasste, manchmal an Orten, an denen
das Ausmaß der sexuellen Gewalt viel größer ist als alles, was
entweder von Hamas-Kämpfern oder israelischen Wachen oder Siedlern
begangen wird. Im Tigray-Konflikt in Äthiopien vor einigen Jahren
könnten 100.000 Frauen vergewaltigt worden sein.
Massenvergewaltigungen finden jetzt im Sudan statt.
Doch unsere amerikanischen Steuergelder subventionieren das
israelische Sicherheitsestablishment, also ist dies sexuelle Gewalt,
an der die Vereinigten Staaten beteiligt sind.
Ich interessierte mich für sexuelle Übergriffe gegen palästinensische
Gefangene, nachdem Issa Amro, eine gewaltfreie Aktivistin, die
manchmal "der Palästinenser Gandhi" genannt wurde, mir sagte, als ich
zuvor zu Besuch kam, dass er von israelischen Soldaten sexuell
missbraucht worden war und dass er glaubte, dass dies üblich war, aber
wegen Scham unterschätzt wurde.
Nach einer Zählung hat Israel seit den Anschlägen vom 7. Oktober
allein 20.000 Menschen im Westjordanland festgenommen, und bis zu
diesem Monat wurden noch mehr als 9.000 Palästinenser festgehalten.
Viele wurden nicht angeklagt, sondern unter schlecht definierten
Sicherheitsgründen festgenommen, und seit 2023 wurden den meisten
Besuchen des Roten Kreuzes und der Anwälte verweigert.
"Israelische Streitkräfte setzen systematisch Vergewaltigung und
sexuelle Folter ein, um palästinensische weibliche Gefangene zu
demütigen", heißt es in dem Euro-Med-Bericht.
(..)
Das israelische Ministerium für nationale Sicherheit lehnte es ab,
sich zu diesem Artikel zu äußern. Der Gefängnisdienst "wies die
Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs "kategorisch zurück", sagte ein
Sprecher, der es ablehnte, genannt zu werden, und fügte hinzu, dass
Beschwerden "von den zuständigen Behörden geprüft" werden. Der
Sprecher lehnte es ab, zu sagen, ob ein Gefängnismitarbeiter jemals
wegen sexueller Übergriffe gefeuert oder strafrechtlich verfolgt
wurde.
(…)
Strafverfolgung und öffentliche Aufmerksamkeit können solche Gewalt
eindämmen. (…)
Wenn die Trump-Regierung auf einer Wiederaufnahme der Besuche des
Roten Kreuzes bei Gefangenen bestand, wenn der US-Botschafter
Vergewaltigungsüberlebende mit Kameras im Schlepptau besuchte, wenn
wir Waffentransfers auf ein Ende sexueller Übergriffe konditionieren
würden, könnten wir eine moralische und praktische Botschaft senden,
dass sexuelle Gewalt unabhängig von der Identität des Opfers
inakzeptabel ist. Zunächst einmal könnte der Botschafter
sicherstellen, dass diejenigen Palästinenser, die es wagten, für
diesen Artikel zu sprechen, nicht erneut für ihren Mut brutal
behandelt werden.
(...)
Stellen Sie es sich so vor: Der schreckliche Missbrauch, der
israelischen Frauen am 7. Oktober zugefügt wurde, geschieht jetzt den
Palästinensern Tag für Tag. Es besteht aufgrund von Schweigen,
Gleichgültigkeit und dem Versagen der amerikanischen und israelischen
Beamten, Netanyahus Frage zu beantworten: Wo zum Teufel sind Sie?
Nicholas Kristof wurde 2001 Kolumnist für den Times Opinion Desk und
hat zwei Pulitzer-Preise gewonnen. Seine neuen Memoiren sind “Chasing
Hope: Das Leben eines Reporters." @NickKristof
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8. SZ: Westjordanland - EU einigt sich auf Sanktionen gegen radikale Siedler
https://www.sueddeutsche.de/politik/eu-sanktionen-siedler-westjordanland-israel-li.3482004Westjordanland
EU einigt sich auf Sanktionen gegen radikale Siedler
11. Mai 2026, 17:37 Uhr
Erstmals seit dem Höhepunkt der Gaza-Krise verständigt sich die
Staatengemeinschaft auf Strafmaßnahmen. Der Beschluss bleibt jedoch
hinter ursprünglichen Ambitionen zurück.
Nach monatelangem Ringen hat sich die Europäische Union auf Sanktionen
gegen gewaltbereite israelische Siedler im Westjordanland verständigt.
Damit gelang es dem Staatenbund zum ersten Mal seit dem Höhepunkt der
Gaza-Krise, einstimmige Unterstützung für Strafmaßnahmen gegen Israel
zu erlangen.
Die entsprechenden Pläne lagen bereits seit dem vergangenen Jahr auf
dem Tisch der EU-Kommission. Doch die Umsetzung scheiterte stets am
Veto-Recht – insbesondere die frühere ungarische Regierung hatte den
Vorstoß wiederholt blockiert.
Die Maßnahmen sollen etwa zehn Personen und Organisationen treffen,
wie die Deutsche Presse-Agentur von Diplomaten erfuhr. Die geplanten
Sanktionsbeschlüsse werden unter anderem zur Folge haben, dass in der
EU Vermögenswerte eingefroren werden müssen. Für bestimmte Personen
würde zusätzlich ein EU-Einreise- und Durchreiseverbot gelten.
Details zu den betroffenen Personen und Organisationen sollen
bekanntgegeben werden, wenn die Sanktionen vermutlich in den kommenden
Wochen formell beschlossen werden.
Den Angaben zufolge werden allerdings nicht wie ursprünglich von der
EU-Kommission in Erwägung gezogen auch Finanzminister Bezalel Smotrich
und Polizeiminister Itamar Ben-Gvir sanktioniert. Für diesen Schritt
gebe es weiterhin nicht den erforderlichen Konsens, hieß es.
Die Kommission hat zudem vorgeschlagen, ein Handelsabkommen mit Israel
auszusetzen, und prüft derzeit einen Vorschlag Frankreichs und
Schwedens, Zölle auf Waren aus Siedlungen im Westjordanland zu
erheben.
In israelischen Medien ist von „jüdischem Terror“ die Rede
Seit dem Sechs-Tage-Krieg im Jahr 1967 besetzt Israel das
Westjordanland. Heute leben dort rund drei Millionen Palästinenser und
mehr als 500 000 Israelis, letztere in Siedlungen. 2024 hatte der
internationale Gerichtshof in Den Haag festgestellt, dass die
israelische Siedlungspolitik in den besetzten Gebieten gegen das
Völkerrecht verstößt. Die EU hatte im selben Jahr erstmals Sanktionen
wegen Siedlergewalt verhängt.
Mit dem Überfall der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 und dem
dadurch ausgelösten Gaza-Krieg hat die Gewalt radikaler israelischer
Siedler gegen Palästinenser und deren Eigentum im Westjordanland
deutlich zugenommen. In israelischen Medien ist dabei zunehmend von
„jüdischem Terror“ die Rede. Mit Beginn des Iran-Kriegs hat sich die
Situation weiter verschärft.
Die EU sieht zudem sowohl die Angriffe gegen Palästinenser als auch
den Siedlungsbau im Westjordanland als Hindernisse für internationale
Bemühungen um eine langfristige Friedenslösung im Nahost-Konflikt.
Experten sehen die Gewalt als Teil einer Strategie für Landnahme
Experten stufen die Siedlergewalt auch als Teil einer Strategie der
rechtsreligiösen Regierung in Israel ein, mit dem Ziel der Vertreibung
von Palästinensern im besetzten Westjordanland, um dort längerfristig
weitere Landnahme zu ermöglichen.
Israel wies die Sanktionspläne entschieden zurück. Der Versuch, dem
Land politische Vorstellungen mittels Sanktionen aufzuzwingen, sei
inakzeptabel und werde keinen Erfolg haben, teilte Außenministers
Gideon Saar mit. Zudem kritisierte er, dass durch das EU-Vorhaben eine
unerträgliche Gleichsetzung zwischen israelischen Bürgern und
Hamas-Terroristen vorgenommen werde.
Er spielte damit offensichtlich darauf an, dass die Einigung der
EU-Außenminister auch neue Strafmaßnahmen gegen die islamistische
Hamas vorsieht.
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9. Peace now: Der EU-Rat beschließt Sanktionen gegen vier Siedlerorganisationen
https://peacenow.org.il/en/the-eu-council-decides-to-impose-sanction-on-four-settler-organizations
Der EU-Rat beschließt Sanktionen gegen vier Siedlerorganisationen
11.05.2026
Die Außenminister der Europäischen Union haben heute beschlossen,
Sanktionen gegen vier Siedlerorganisationen zu verhängen, die mit
Gewalt und der Enteignung von Palästinensern im Westjordanland in
Verbindung stehen. Bei den sanktionierten Organisationen handelt es
sich um: Amana, HaShomer Yosh, Regavim und Nachala. Neben diesen
Organisationen beschloss die EU auch, Sanktionen gegen drei Siedler
zu verhängen, die diese Gruppen leiten. Details siehe unten.
Peace Now: Dies ist ein ernstes Warnsignal, das uns die
Europäische Union sendet. Die grassierende Gewalt der Siedler im
Westjordanland, die von der Regierung gefördert und unterstützt
wird, führt Israel in einen moralischen Abgrund und hinterlässt
einen unauslöschlichen Makel auf dem Staat Israel. Die
Entscheidung der Europäischen Union ist auch ein Aufruf an die
israelische Öffentlichkeit, die Augen zu öffnen und die Realität
zu sehen, die wir durch jahrzehntelange Kontrolle und Besiedlung
in den besetzten Gebieten geschaffen haben. Es ist an der Zeit,
den Verfall zu stoppen und den langen Weg hin zu einer politischen
Einigung und zum Frieden zu beschreiten. Der erste Schritt ist die
Einstellung der Siedlungsaktivitäten.
Dies sind die Organisationen, gegen die Sanktionen verhängt wurden:
Amana
Amana ist eine der mächtigsten Siedlerorganisationen – finanziell,
politisch und hinsichtlich ihres Einflusses auf die Errichtung von
Siedlungen und Außenposten vor Ort. Mit einem geschätzten Vermögen von
etwa 600 Millionen NIS und einem Jahresbudget von mehreren zehn
Millionen Schekel gilt Amana als „Mutter und Vater“ der illegalen
Außenposten und in den letzten Jahren auch der illegalen
landwirtschaftlichen Farmen, die zu einem zentralen Faktor der
Siedlergewalt gegen Palästinenser geworden sind.
Eine Untersuchung von Peace Now ergab, dass Amana illegale Farmen und
Außenposten finanzierte und unterstützte, was zur Enteignung und
Vertreibung von Palästinensern von ihrem Land führte. Im Jahr 2024
verhängten die Regierungen des Vereinigten Königreichs, Kanadas und
der Vereinigten Staaten Sanktionen gegen Amana (letztere hoben die
Sanktionen nach Trumps Wahl zum Präsidenten wieder auf). Dennoch setzt
sich Amana auch heute noch für die Errichtung illegaler Außenposten
ein. So nahmen beispielsweise vor etwa einem Monat an der Feier zur
Gründung des neuen Außenpostens „Maoz Tzur“ westlich von Ramallah –
aus dessen Umgebung den Palästinensern seit seiner Gründung bereits
Tausende von Dunam Land entzogen wurden – Vertreter von Amana teil,
und der Vorsitzende des Regionalrats dankte den Mitgliedern sogar für
ihr Engagement bei der Errichtung des Außenpostens.
HaShomer Yosh
HaShomer Yosh ist eine Organisation, die Hunderte von Freiwilligen,
hauptsächlich Teenager, einsetzt, die in illegalen
landwirtschaftlichen Außenposten leben und den Farmbesitzern bei der
Weidehaltung, der landwirtschaftlichen Arbeit und der systematischen
Vertreibung von Palästinensern aus den umliegenden Gebieten helfen.
HaShomer Yosh organisiert die Freiwilligen und versorgt sie sowie die
Farmbesitzer mit Ausrüstung, Kleidung, Mahlzeiten und Aktivitäten für
die Jugendlichen. Mit Hilfe dieser Freiwilligen kann eine kleine
Gruppe von Siedlern (in der Regel eine Familie und mehrere jugendliche
Freiwillige) einen landwirtschaftlichen Betrieb errichten, Tausende
von Dunam Land in Besitz nehmen und palästinensische Bauern von ihrem
Land vertreiben.
Hunderte von Zeugenaussagen und Videos aus den letzten Jahren belegen
die mit diesen landwirtschaftlichen Außenposten verbundene Gewalt, und
es gab Fälle, in denen Siedler, die T-Shirts und Mützen von „HaShomer
Yosh“ trugen, dabei dokumentiert wurden, wie sie Friedensaktivisten
angriffen und palästinensische Familien von ihrem Land vertrieben.
Im Jahr 2024 verhängten die Regierungen des Vereinigten Königreichs
und der Vereinigten Staaten Sanktionen gegen die Organisation (die
amerikanischen Sanktionen wurden nach Trumps Wahl zum Präsidenten
aufgehoben).
Neben der Organisation HaShomer Yosh beschloss die EU auch, Sanktionen
gegen den bis vor kurzem amtierenden Geschäftsführer der Organisation,
Avichai Swissa, zu verhängen. Zusätzlich zu seinen Aktivitäten
innerhalb der Organisation errichtete er persönlich einen illegalen
Außenposten („Nof HaMishkan“) in der Nähe der Dörfer Jalud und Qaryut,
deren Bewohner in den letzten Monaten unter täglicher Gewalt durch
Siedler gelitten haben, die sogar zur Tötung und Verletzung mehrerer
Bewohner durch Siedler geführt hat.
Regavim
Regavim ist eine Organisation, die sich für die Ausweitung der
Siedlungen und die Enteignung von Palästinensern von ihrem Land im
Westjordanland und innerhalb Israels einsetzt. Auf der hebräischen
Website von Regavim heißt es: „Die Regavim-Bewegung übt durch
rechtliche, gerichtliche, parlamentarische und öffentliche Mittel
kontinuierlichen Druck auf alle rechtlichen, staatlichen und
gerichtlichen Systeme aus und überwacht gleichzeitig fortlaufend deren
Handlungen und Leistungen in diesen Bereichen. Gleichzeitig arbeitet
die Bewegung daran, praktische Vorschläge und Ideen zu formulieren und
zu fördern sowie das öffentliche Bewusstsein für die Bedeutung des
Schutzes des nationalen Landes zu schärfen.“
Die Organisation hat Dutzende, vielleicht sogar Hunderte von Anträgen
bei den Gerichten eingereicht, in denen sie forderte, dass der Staat
palästinensische Bauten im Westjordanland und innerhalb Israels
abreißen solle. Dieser rechtliche Druck führte zum Abriss
palästinensischer Gebäude und trug zur allgemeinen Zunahme solcher
Abrissmaßnahmen bei.
Während des Krieges im Gazastreifen unterstützte und finanzierte
Regavim die Organisation Tzav 9, die sich dafür einsetzte, den
Transfer humanitärer Hilfe in den Gazastreifen zu stoppen und zu
stören. Tzav 9 wurde von der Europäischen Union und den Vereinigten
Staaten mit Sanktionen belegt (die US-Sanktionen wurden nach Trumps
Wahl aufgehoben).
Neben der Organisation Regavim beschloss die EU auch, Sanktionen gegen
den Geschäftsführer der Organisation, Meir Deutsch, zu verhängen.
Nachala
Nachala ist eine Bewegung, die sich für die Förderung der
Siedlungstätigkeit im Westjordanland und im Gazastreifen einsetzt. Die
Bewegung organisiert Gruppen von Siedlern, um neue Außenposten zu
errichten, und rühmt sich offen ihrer Beteiligung an der Errichtung
mehrerer illegaler Außenposten, darunter der Außenposten Evyatar, nach
dessen Errichtung Dutzende Bewohner des nahegelegenen Dorfes Beita bei
Protesten dagegen getötet oder verletzt wurden; den Außenposten Givat
Eitam, von dem aus mehrere gewalttätige Angriffe von Siedlern auf
palästinensische Bewohner in der Umgebung ausgingen; und vor kurzem
teilte Nachala eine Spendenkampagne für den Außenposten Kerem Hamami,
der Hunderte von Palästinensern gewaltsam daran hindert, Zugang zu
ihrem Land zu erhalten.
Die britische Regierung verhängte im Mai 2025 Sanktionen gegen Nachala
und erklärte, dass „Nachala an der Erleichterung, Anstiftung,
Förderung und logistischen sowie finanziellen Unterstützung der
Errichtung illegaler Außenposten und der Zwangsvertreibung von
Palästinensern in Israel und den besetzten palästinensischen Gebieten
beteiligt war – Aktivitäten, die psychisches Leid bei den
Palästinensern verursachen und oft zu Gewalt gegen Palästinenser
führen.“
Neben der Organisation Nachala beschloss die EU auch, Sanktionen gegen
eine ihrer zentralen Führungskräfte, Daniela Weiss, zu verhängen.
———
siehe auch:
Podcast Sophie von der Tann:
Im Schatten des Iran-Kriegs: Siedlergewalt im Westjordanland (29‘)
https://www.ardsounds.de/episode/urn:ard:episode:7af9249585b8eefc/
-------------
Hinweis von C. Ronnefeldt:
Veranstaltungen zum Nakba-Tag (arab.: Nakba: Katastrophe) am 15.5.2026,
wo auch die Nakba-Ausstellung gezeigt wird:
1. Frankfurt/Main, Hauptwache, Samstag, 16.5.26, 11-15:30Uhr
2. Mannheim, Marktplatz, 14.-16.5.26, auch in Heildelberg
3. Freiburg, Alleegarten (Mensa Rempartstr,), Tanzbrunnen, 15.-17.5.26
——
10. IPG: Rolf Mützenich: Europas Strategielücke
Trump zieht US-Truppen ab und stoppt die Stationierung von Mittelstreckenraketen in Deutschland.
Das eigentliche Problem liegt jedoch ganz woanders.
https://www.ipg-journal.de/rubriken/aussen-und-sicherheitspolitik/artikel/europas-strategieluecke-9040/?utm_campaign=de_40_20260507&utm_medium=email&utm_source=newsletter
Außen- und Sicherheitspolitik
07.05.2026
Rolf Mützenich
Europas Strategielücke
Trump zieht US-Truppen ab und stoppt die Stationierung von Mittelstreckenraketen in Deutschland. Das eigentliche Problem liegt jedoch ganz woanders.
Dr. Rolf Mützenich gehört seit 2002 dem Deutschen Bundestag an.
Er war von 2019 bis 2025 Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion.
Vor wenigen Tagen hat US-Präsident Donald Trump angekündigt, 5 000
Soldaten aus Deutschland abzuziehen und die zwischen Bundeskanzler
Olaf Scholz und Präsident Joe Biden im Jahr 2024 vereinbarte
Stationierung von US-Mittelstreckenraketen in Deutschland auszusetzen.
Ob die Truppen innerhalb Europas verlegt oder in die USA zurückgeführt
werden und ob insbesondere die geplante Stationierung von
Tomahawk-Marschflugkörpern tatsächlich entfällt, steht derzeit noch
nicht endgültig fest. Wie so oft bei Trumps erratischen Entscheidungen
bleiben wesentliche Fragen der Umsetzung und der konkreten
Ausgestaltung ungeklärt.
Fest steht jedoch: Trumps Ankündigungen führen zu erneuter
Verunsicherung im transatlantischen Bündnis. Für Europa ist es ein
weiterer Weckruf, sein Schicksal stärker in die eigenen Hände zu
nehmen und seine wirtschaftliche und militärische Unabhängigkeit
auszubauen. Wir haben dazu die Fähigkeiten und mittlerweile auch einen
wachsenden politischen Willen. Wenn es gelingt, Souveränität,
Verantwortung und Zusammenarbeit in Einklang zu bringen, dann kann
daraus ein Beitrag für eine verlässliche internationale Ordnung
erwachsen.
Die sicherheitspolitischen Folgen der Ankündigung von Trump werden
kurzfristig überschaubar bleiben, da die Luftüberlegenheit der NATO
gegenüber Russland weiterhin fortbesteht. Zwar besitzt Russland eine
der größten Luftwaffen Europas, doch allein die europäischen
NATO-Alliierten verfügen gemeinsam über fast doppelt so viele
militärische Flugzeuge. Hinzu kommt, dass die russischen Streitkräfte
durch den Krieg in der Ukraine erheblich gebunden und auf einen
umfassenden Krieg mit Europa derzeit nicht ausgerichtet sind.
Es bleibt ohnehin fraglich, ob die Mittelstreckenraketen die
Sicherheit Europas tatsächlich erhöht hätten. Die mit ihrer
Stationierung verbundenen Risiken dürfen jedenfalls nicht gänzlich
ausgeblendet werden. Die Raketen besitzen eine sehr kurze Vorwarnzeit,
beeinträchtigen das Primat der Politik durch zivile und demokratisch
legitimierte Entscheidungsträger und eröffnen neue technologischen
Fähigkeiten. Die Gefahr einer unbeabsichtigten militärischen
Eskalation wäre dadurch beträchtlich gewesen, zumal sie allein der
Kontrolle der Entscheidungsträger in den USA unterliegen.
Ein weiteres Versäumnis bestand darin, die Stationierung der
Mittelstreckenraketen nicht von vornherein in eine bündnispolitisch
abgestimmte Gesamtstrategie der NATO einzubinden und eine
Lastenteilung zu verabreden. Stattdessen blieb das Vorhaben auf eine
bilaterale Vereinbarung zwischen Deutschland und den USA begrenzt.
Eine solche Einbettung in die Bündnisstrukturen hätte es Trump
deutlich erschwert, die Stationierung lediglich aus einer beleidigten
Laune heraus kurzfristig wieder zu kassieren. Ebenso fehlte von Beginn
an die Verknüpfung mit einem ernsthaften Angebot zur
Rüstungskontrolle, wie es etwa beim NATO-Doppelbeschluss der Fall war.
So hätte man Russland anbieten können, auf die Stationierung der
Mittelstreckenraketen zu verzichten, falls Russland dazu im Gegenzug
seine Iskander-M-Raketensysteme aus Belarus und Kaliningrad
zurückzieht.
Das bedeutet freilich nicht, dass wir die russische Bedrohung nicht
ernst nehmen müssen.
Das bedeutet freilich nicht, dass wir die russische Bedrohung nicht
ernst nehmen müssen. Ich bin jedoch überzeugt, dass eine kluge Außen-
und Sicherheitspolitik weiterhin mehrere Aspekte braucht: Eine
glaubwürdige Verteidigungsfähigkeit, eine auf Verteidigung
ausgerichtete Beschaffungspolitik bei der militärischen Ausrüstung
sowie eine Diplomatie, die auch eine aktive Abrüstung und
Rüstungskontrollpolitik beinhaltet. Besonders wenn Trump und Putin im
Hintergrund über die Stabilität ihrer strategischen Atomwaffenarsenale
und Großmächtebeziehungen verhandeln, darf Europa nicht außen vor
bleiben. Die Atomwaffen in Europa betreffen unmittelbar unsere
Sicherheit, und deshalb dürfen und müssen wir uns um diese Fragen
kümmern. Die Verengung der Debatte in Deutschland und in Europa allein
auf Aufrüstung schränkt zunehmend unseren strategischen
Handlungsspielraum ein – sowohl bei der Frage der Rüstungskontrolle
als auch bei den Verhandlungen über ein Ende des Krieges in der
Ukraine. Das Ergebnis dieser Politik zeigte sich bildlich im August
vergangenen Jahres, als die europäischen Staats- und Regierungschefs
im Oval Office aufgereiht wie Schuljungen vor dem Schreibtisch des
US-Präsidenten saßen.
Europa sollte sich nicht in eine Rolle drängen lassen, in der es auf
sicherheitspolitische Herausforderungen nur noch reagiert. Wir können
uns nicht darauf verlassen, dass die USA europäische
Sicherheitsinteressen mitdenken. Die EU muss in einer multipolaren
Welt viel stärker als bisher ihre eigenen Interessen formulieren,
selbstbewusst vertreten und gezielt nach neuen Partnerschaften suchen.
Dazu gehört in erster Linie eine engere Kooperation mit anderen
liberalen Demokratien wie Kanada, Japan oder Australien. Gleichzeitig
sollte Europa aber auch stärker den Blick auf den globalen Süden
richten. Viele Staaten dort haben ebenfalls kein Interesse an einer
Welt der Einflusszonen und der militärischen Großmachtpolitik. Gerade
hier eröffnen sich wichtige Anknüpfungspunkte für neue Formen der
Zusammenarbeit – auch im Bereich der multilateralen Rüstungskontrolle
und der Nichtverbreitung von Waffen.
Die Gefahr eines nuklearen Krieges ist heute so groß wie nie zuvor.
Eine wichtige Gelegenheit hierfür bietet die noch bis zum 22. Mai
stattfindende Überprüfungskonferenz des Atomwaffensperrvertrags (NVV).
Die beiden vorangegangenen Konferenzen in den Jahren 2015 und 2022
endeten ohne substanzielle Abschlussdokumente. Gerade in Zeiten
wachsender globaler Spannungen wäre ein gemeinsames Abschlussdokument
sicherlich ein wichtiges politisches Signal. Gleichwohl muss man
realistisch bleiben. Das letzte Abschlussdokument stammt aus dem Jahr
2010, kurz nach Obamas Rede in Prag zu einer atomwaffenfreien Welt.
Die Welt ist heute jedoch eine grundsätzlich andere. Seit dem
Auslaufen des New START-Vertrags im Februar dieses Jahres gibt es zum
ersten Mal seit 1972 keine rechtlich bindenden und überprüfbaren
Begrenzungen der amerikanischen und russischen Nukleararsenale mehr.
Gleichzeitig sehen wir uns heute zunehmend mit neuen nuklearen
Akteuren und mit der Gefahr der Proliferation konfrontiert.
Erschwerend kommen die technologische Modernisierung und eine
Vermischung von konventionellen und nuklearen Abschreckungssystemen
hinzu. Gerade unter den Großmächten kehrt zunehmend ein Denken zurück,
das die Illusion nährt, atomare Kriege seien wieder führ- und
gewinnbar. Die bei uns und anderen Ländern geführte Debatte über die
Verfügung und Mitbestimmung etwa bei britischen und französischen
Atomwaffen hat zudem unsere Glaubwürdigkeit im internationalen Dialog
nicht erhöht.
Auch China baut derzeit sein nukleares Arsenal massiv aus. Die USA
drängen deshalb darauf, China künftig in multilaterale
Rüstungskontrollabkommen einzubeziehen. Peking wiederum verweist
darauf, dass sein nukleares Arsenal nach wie vor deutlich kleiner ist
als das der USA und Russlands. Erst jüngst haben die USA China
vorgeworfen, im Jahr 2020 geheime Atomwaffentests durchgeführt zu
haben. Im vergangenen Oktober verkündeten auch die USA, erstmals seit
1992 wieder Kernwaffenversuche durchführen zu wollen. Daraufhin
erklärte ebenfalls Russland, Vorbereitungen für eigene Tests treffen
zu wollen.
All dies zeigt: Die Gefahr eines nuklearen Krieges ist heute so groß
wie nie zuvor. Die wachsende Konkurrenz zwischen den Großmächten, die
Entwicklung neuartiger Waffensysteme und die anhaltende Modernisierung
und Diversifizierung von Kernwaffenarsenalen führen zu neuen
Rüstungswettläufen, die Milliarden verschlingen. Diese Mittel fehlen
dann an anderer Stelle, etwa im Kampf gegen den Klimawandel, bei der
Wiederbelebung der Wirtschaft sowie für soziale Gerechtigkeit.
Als Europäer kann man all diese Entwicklungen bedauern. Wichtiger wäre
es jedoch, sich aktiv dieser konfrontativen und risikoreichen
Entwicklung entgegenzustellen und alles dafür zu tun, damit das Denken
in nuklearen Kategorien und Einflusszonen nicht wiederkehrt. Europa
muss der Gefahr eines neuen nuklearen Wettrüstens entschieden
entgegentreten. Ebenso müssen Atomwaffentests – unabhängig davon, von
welcher Seite sie ausgehen – klar und unmissverständlich verurteilt
werden. In der Vergangenheit ist es den Europäern immer wieder
gelungen, durch eine kluge Kombination von Verteidigungsfähigkeit und
Diplomatie wichtige Impulse zum Abbau von Spannungen sowie zur
multilateralen Rüstungskontrolle und Nichtverbreitung zu setzen. Eine
solche Politik wäre auch heute wieder dringend geboten –
wahrscheinlich mehr denn je.
———
11. IPG: Scott Anderson: Operation „Gewaltiger Irrtum“ Ein Drohnenangriff reicht, und Hormus ist unpassierbar.
Trotz aller US-Siegesrhetorik hält der Iran die strategischen Trümpfe in der Hand
https://www.ipg-journal.de/rubriken/aussen-und-sicherheitspolitik/artikel/operation-gewaltiger-irrtum-9043/?utm_campaign=de_40_20260507&utm_medium=email&utm_source=newsletter
Außen- und Sicherheitspolitik
07.05.2026
Scott Anderson
Operation „Gewaltiger Irrtum“
Ein Drohnenangriff reicht, und Hormus ist unpassierbar. Trotz aller US-Siegesrhetorik hält der Iran die strategischen Trümpfe in der Hand.
Scott Anderson ist Schriftsteller und Kriegsberichterstatter. Er ist
der Autor des Buches „King of Kings: Die iranische Revolution – Eine
Geschichte von Hybris, Selbsttäuschung und katastrophaler
Fehleinschätzung“.
Amerikas Krieg gegen Iran ist in eine ruhigere Phase eingetreten:
diplomatische Muskelspiele, immer wieder abgebrochene Verhandlungen,
endloses Gerangel um eine Beilegung. Das ist natürlich weitaus besser
als die Vernichtung der iranischen Zivilisation, mit der Präsident
Trump noch vor wenigen Wochen gedroht hatte, aber es wirft die Frage
auf, wodurch diese Wende bewirkt wurde.
Diese Frage lässt sich ziemlich leicht beantworten. Die amerikanischen
und israelischen Bombardements haben weder einen Volksaufstand gegen
das Regime in Teheran heraufbeschwören noch das Regime in Teheran zur
Kapitulation bewegen können, auch wenn Donald Trump und seine Berater
sich das nur quälend langsam eingestehen. Stattdessen hat der Iran
erkannt, dass er die lebenswichtige Verbindungsroute durch die Straße
von Hormus dichtmachen und die Weltwirtschaft ins Chaos stürzen kann.
Es gibt nur zwei Möglichkeiten, wie der Konflikt ausgehen kann:
Entweder wird Iran, wie von Donald Trump postuliert, vollständig
zerstört, oder es kommt zu einer Einigung, bei der die iranische
Regierung intakt und an der Macht bleibt und ein polternder
US-Präsident gedemütigt wird.
Die erste Option rückt in immer weitere Ferne. Indem er öffentlich mit
Kriegsverbrechen immensen Ausmaßes drohte, hat Trump seinen Gegnern im
In- und Ausland Zeit gegeben, Widerstand zu mobilisieren. Die zweite
und wahrscheinlichere Option war vorauszusehen – hätten der Präsident
und seine Regierung sich nur dazu bequemt, ein neues Merkmal moderner
Kriegsführung zur Kenntnis zu nehmen, das sich in einem einzigen Wort
zusammenfassen lässt: Drohnen.
Das Kampfgeschehen von heute wird durch bewaffnete Drohnen von Grund
auf verändert.
Das Kampfgeschehen von heute wird durch bewaffnete Drohnen von Grund
auf verändert. Sie sind das moderne Pendant zum Maschinengewehr des
Ersten Weltkriegs. Dass das zahlenmäßig weit unterlegene ukrainische
Militär Wladimir Putins russischer Armee vier Jahre lang standhalten
konnte und den Invasoren nicht nur weit mehr Verluste beibrachte als
erwartet, sondern das auch noch zu einem Bruchteil der Kosten, lag an
der Drohne. Wie die Ukrainer immer wieder aufs Neue demonstrieren,
kann eine Drohne für 1 000 Dollar einen T-90-Panzer zerstören, der
rund 4,5 Millionen Dollar kostet. Neuerdings machen die Russen bei der
Drohnenkriegsführung zwar erhebliche Fortschritte, aber diese einfache
Waffe sorgt dafür, dass sie für ihren Krieg militärisch und finanziell
schmerzlich teuer bezahlen müssen.
Eine ganz ähnliche Dynamik hat es in den vergangenen zwei Monaten in
Iran gegeben – allerdings ohne den enormen Verlust an Menschenleben.
Es stimmt natürlich, dass amerikanische und israelische Kampfjets
Irans militärische Infrastruktur nach Belieben bombardieren können –
was sie auch zehntausendfach getan haben. Aber die wichtigste
Vergeltungswaffe, die Iran zur Verfügung steht, lässt sich auch mit
noch so vielen Angriffen nicht wegbomben.
Im Gegenteil: Iran kann für einen Bruchteil des Geldes, das die
Gegenseite für die Produktion ihrer Waffen ausgibt, massenhaft Drohnen
herstellen. Was Donald Trump seinen „Ausflug“ in den Iran nennt, hat
die Vereinigten Staaten nach Angaben des Pentagons schon jetzt
mindestens 25 Milliarden Dollar gekostet und seinen Bestand an hoch
entwickelten Raketen erheblich dezimiert. Diese Schrumpfung führt
schon jetzt zu Engpässen an anderen strategisch wichtigen
Schauplätzen. Es wird möglicherweise Jahre dauern, bis der Schwund
kompensiert ist. Unterdessen diktiert Iran mit seinen billigen und
reichlich vorhandenen Drohnen – das Zusammenbauen einer Spitzendrohne
des Typs Shahed-136 kostet das Land schätzungsweise 35 000 Dollar –
weiter die Konditionen am Nadelöhr der Straße von Hormus.
Doch was, wenn die amerikanische Seeblockade an der Meerenge
fortgesetzt würde oder wenn die iranische Küste mit Bodentruppen
angegriffen würde, wie Trump ebenfalls in regelmäßigen Abständen
vorschlägt? Zugegeben: Das könnte unschön werden, würde doch aber den
Amerikanern zum sicheren Sieg verhelfen und der Hängepartie ein Ende
bereiten, oder? Falsch. Selbst eine wasserdichte Blockade oder 50 000
an Brückenköpfen am Persischen Golf postierte amerikanische Soldaten
würden die Iraner nicht daran hindern, über ihre Köpfe hinweg Drohnen
auf beladene Öltanker zu feuern und die Weltwirtschaft erneut
lahmzulegen.
Die Voraussetzung für die zukünftige Sicherheit am Persischen Golf ist
inzwischen, dass Trumps Regierung mit dem Regime in Teheran eine
Vereinbarung trifft. Der US-Präsident behauptet zwar, „Wir haben alle
Karten in der Hand“, aber nahezu das exakte Gegenteil ist der Fall.
Vielmehr hat Trump immer mehr Grund, zu einer Einigung zu kommen und
die wachsende Not der Wirtschaft im eigenen zu lindern – und den
Absturz seiner Beliebtheitswerte zu stoppen. Vor diesem Hintergrund
wird der Iran in dem Wissen, dass er die Zeit auf seiner Seite hat,
wahrscheinlich versuchen, die Verhandlungen in die Länge zu ziehen und
Trump größere Zugeständnisse abzuringen.
Iran wird beinahe mit Sicherheit der Torwächter des Persischen Golfs bleiben.
Mögliche Zugeständnisse könnten die Aufhebung der drückenden
Sanktionen sein, mit denen Donald Trump in seiner ersten Amtszeit
„maximalen Druck“ auf Iran ausüben wollte und die er kurz nach Beginn
seiner zweiten Amtszeit erneuerte, oder Reparationen für die
Zerstörungen, die durch die amerikanischen und israelischen
Bombenangriffe angerichtet wurden. Ein Hauptstreitpunkt werden die
verbliebenen Orte sein, an denen angereichertes Uran gelagert wird,
aber ganz gleich, worauf man sich am Ende einigt: Iran wird beinahe
mit Sicherheit de facto der Torwächter des Persischen Golfs bleiben –
und damit in einer weitaus stärkeren Position sein als vor dem von
Donald Trump begonnenen Krieg.
Das Patt im Persischen Golf macht einen Wandel der modernen
Kriegsführung deutlich, der erstens Bestand haben wird und zweitens
beängstigend ist. Einzelne ganz besonders wichtige Orte wie zum
Beispiel das Weiße Haus können zweifellos drohnensicher gemacht
werden, aber eine großflächige Abschirmung gegen Drohnen ist unmöglich
– wie Israel mit seinem viel gerühmten und vielfach durchstoßenen Iron
Dome inzwischen feststellen muss.
Da bewaffnete Drohnen einfach sind und nicht viel kosten, ist
inzwischen jedes einzelne geografisch-strategisch wichtige Nadelöhr
der Welt – Panama- und Suezkanal, die Straße von Gibraltar, der
Luftraum über New York – anfällig für Angriffe von feindlichen
Mächten, die in der Lage sind, solche Waffen zu bauen, und die gewillt
sind, die Konsequenzen auf sich zu nehmen. Wer das für Panikmache
hält, denke an das eine oder andere apokalyptische Regime oder einige
mordlustige Guerillagruppierungen der jüngeren Vergangenheit – die
Baader-Meinhof-Bande in der Bundesrepublik Deutschland, die Roten
Khmer in Kambodscha oder Bin Ladens Al Qaïda – und male sich aus, was
sie mit einer bewaffneten Drohne für 2 000 Dollar hätten anrichten können.
Als Ende Februar der amerikanische Angriff auf Iran gestartet wurde,
schien der für die Operation gewählte Name Epic Fury – „Epischer Zorn“
– eine ungewöhnlich passgenaue Beschreibung für das Temperament des
Mannes zu sein, der den Befehl dazu gab. Bedenkt man, wohin dieses
militärische Malheur die Vereinigten Staaten und die zukünftige
Sicherheit der Welt führt, wäre Colossal Blunder vielleicht passender
gewesen: „Gewaltiger Irrtum“.
Aus dem Englischen von Andreas Bredenfeld
Der Artikel erschien zuerst in der New York Times.
https://www.nytimes.com/2026/05/04/opinion/iran-us-israel-war-drones-strait-of-hormuz.html
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12. Manager Magazin: Marinesparte Rheinmetall will Fregatten-Debakel der Bundeswehr für 12 Milliarden Euro übernehmen
https://www.manager-magazin.de/unternehmen/industrie/rheinmetall-will-fregatten-debakel-der-bundeswehr-fuer-12-milliarden-euro-uebernehmen-a-cdf313b9-00a3-409b-b548-c941a6f82233?utm_source=firefox-newtab-de-deMarinesparte Rheinmetall will Fregatten-Debakel der Bundeswehr für 12 Milliarden Euro übernehmen
Das bisher gescheiterte F126-Projekt der Bundeswehr bekommt eine
zweite Chance: Rheinmetall will die Führung übernehmen. Doch mit mehr
als 12 Milliarden Euro wird die Fregatte zum Rekordfall deutscher Rüstungsbeschaffung.
06.05.2026, 18.46 Uhr
Rheinmetall will ein ins Stocken geratenes Fregattenprogramm der
Bundeswehr übernehmen. Dafür fordert der Konzern rund 12 Milliarden
Euro. Nach sechs Monaten Verhandlungen und Prüfungen hat die neue
Marinesparte des Unternehmens der Bundesregierung ihre Konditionen
vorgelegt. Das berichtet die „Financial Times“.
Dabei geht es um den Bau von sechs F126‑Fregatten. Das Projekt gilt
als eines der schwierigsten Rüstungsbeschaffungsvorhaben Deutschlands.
Bislang wurde es von der niederländischen Werft Damen geführt.
Softwareprobleme und Konflikte mit deutschen Beschaffungsstellen
führten allerdings dazu, dass Berlin Zahlungen zurückhielt. Sechs
Jahre nach Zuschlagserteilung überprüft Damen deshalb nun seine Rolle.
Bislang sind etwa 2 Milliarden Euro an Damen und dessen Subunternehmer
geflossen.
Schlüsselprojekt der Abschreckung
Sollte die Bundesregierung das Rheinmetall-Angebot annehmen, würden
sich die Gesamtkosten für die sechs Schiffe auf etwa 14 Milliarden
Euro summieren. In der von Rheinmetall Naval Systems genannten Summe
von rund 12 Milliarden Euro ist eine Inflationsklausel enthalten, die
den Preis an die tatsächlichen Liefertermine koppelt. Der ursprünglich
für 2028 geplante Zulauf der ersten Fregatte verzögert sich bereits um
vier Jahre. Rheinmetall stellt in Aussicht, das erste Schiff bis 2032,
bei Entgegenkommen der Beschaffungsbehörden bei Zertifizierungs‑ und
Genehmigungsprozessen, sogar bis in die zweite Jahreshälfte 2031
liefern zu können.
Das F126-Programm gilt als Schlüsselprojekt für die Stärkung der
maritimen Abschreckungsfähigkeit Europas gegenüber Russland in Ostsee
und Nordatlantik. Zugleich ist es zu einem Symbol für die
Schwierigkeiten der deutschen Rüstungsbeschaffung geworden, obwohl
Berlin seit Beginn der Zeitenwende Hunderte Milliarden Euro in die
Modernisierung der Streitkräfte steckt.
Für Rheinmetall wäre der F126-Auftrag der größte Einzelvertrag in der
Unternehmensgeschichte. (…)
——
13. Friedensfähig: Keine Mittelstreckenwaffen - nirgends! - Alle Infos zur Demo am 30.5.2026 in Wiesbaden
https://friedensfaehig.de/demos-in-grafenwoehr-und-wiesbaden-keine-mittelstreckenwaffen-nirgends/
Keine Mittelstreckenwaffen - nirgends!
Alle Infos zur Demo am 30.5.2026 in WiesbadenDie Kampagne „Friedensfähig statt erstschlagfähig. Für ein Europa ohne
Mittelstreckenwaffen!“ ruft mit zahlreichen Partnerorganisationen für
den 30. Mai 2026 zur bundesweiten Demo in Wiesbaden auf. Zusammen
stellen wir uns gegen die Stationierung von Mittelstreckenwaffen in
Deutschland und Europa!
Alle Infos rund um die Demos unter dem Link:
https://friedensfaehig.de/demos-in-grafenwoehr-und-wiesbaden-keine-mittelstreckenwaffen-nirgends/
——
14. Buchhinweis: Hanne Margret Birckenbach: Friedenslogik Verstehen.
http://www.hanne-margret-birckenbach-wellmann.de/
Buchhinweis: Hanne Margret Birckenbach:
Friedenslogik Verstehen.
——
15. Ev. Friedensarbeit: EAK: Zahl der KDV-Beratungen steigt weiter deutlich an
https://www.evangelische-friedensarbeit.de/meldungen-friedensarbeit/eak-zahl-der-kdv-beratungen-steigt-weiter-deutlich
EAK: Zahl der KDV-Beratungen steigt weiter deutlich an
13.05.2026
Der Bedarf an Beratungen zu Fragen der Kriegsdienstverweigerung ist
weiterhin sehr hoch. Dies betonte die Evangelische Arbeitsgemeinschaft
für Kriegsdienstverweigerung und Frieden (EAK) zum Internationalen Tag
der Kriegsdienstverweigerung, der am 15. Mai begangen wird.
„Die Zahl der Anfragen, die uns erreichen, steigt derzeit deutlich
an“, sagt Stefan Schwarzer. Der Stuttgarter Pfarrer ist Koordinator
der Gewissensberatung in der Evangelischen Landeskirche in Württemberg
und landeskirchlicher Friedenspfarrer. „Dieses Jahr schaffen wir
EKD-weit locker die Zahl von 1000 Beratungen. Bereits Mitte April
haben wir so viele Beratungen durchgeführt wie 2022 im gesamten Jahr.
Auch gegenüber dem Vorjahreszeitraum hat sich die Zahl schon jetzt
verdoppelt“, unterstreicht Stefan Schwarzer.
Die Gründe für diesen deutlichen Anstieg sieht die EAK dabei im neuen
Wehrdienst-Modernisierungsgesetz. „Seitdem Jugendliche, die volljährig
werden, einen Fragebogen erhalten, der nach ihrer Bereitschaft zum
Wehrdienst fragt, denken viele auch über die Möglichkeit der
Kriegsdienstverweigerung nach“, berichtet der Stuttgarter Pfarrer.
Aber dass auch in der Gesellschaft sehr kontrovers über
sicherheitspolitische Fragen diskutiert werde, trage dazu bei, dass
von jungen Menschen auch die Kriegsdienstverweigerung eine Rolle
spiele.
Dies zeigt sich auch in den aktuellen Zahlen. Nach Angaben des
Bundesamtes für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben in Köln,
wo die Anträge auf Kriegsdienstverweigerung bearbeitet werden, hätten
im ersten Quartal dieses Jahres bereits fast 2700 Menschen einen
KDV-Antrag gestellt. 2024 waren es im gesamten Jahr nur knapp 3000
Anträge. „Das zeigt, welche Rolle Kriegsdienstverweigerung wieder
spielt und wie wichtig die Gewissensberatung ist“, ist Stefan
Schwarzer überzeugt.
Die EAK ist daher dabei, ihr Beraterinnen- und Berater-Netz bundesweit
auszubauen und Menschen für eine Beratung zu schulen. Mittlerweile
gibt es in allen 20 Gliedkirchen der Evangelischen Kirche in
Deutschland, aber auch in den Freikirchen, die auch in der EAK
mitwirken, entsprechende Ansprechpartner. „Wir stehen Menschen bei
Gewissensfragen zur Seite, das ist auch eine seelsorgerliche Aufgabe
der Kirche“, macht Stefan Schwarzer deutlich.
Kriegsdienstverweigerung sei aber auch ein wichtiges Thema in Europa,
gibt der Pfarrer zu bedenken. „Der aktuelle Bericht des Europäischen
Büros für Kriegsdienstverweigerung, der in diesen Tagen veröffentlicht
wird, zeigt, dass noch lange nicht in allen Staaten das Menschenrecht
auf Kriegsdienstverweigerung auch gewährleistet wird“, so Stefan
Schwarzer, der die EAK in diesem Europäischen Büro vertritt.
Der Bericht zeige, dass sich in vielen Ländern des Europarates die
Lage von Kriegsdienstverweigerern und Deserteuren verschlechtert habe
und deren rechtliche Anerkennung oft untergraben werde. „Gerade in
Zeiten, in denen wieder aufgerüstet und die Wehrpflicht in vielen
Ländern wieder eingeführt wird, ist eine uneingeschränkte Anerkennung
des Rechts auf Kriegsdienstverweigerung sowie die Einrichtung
wirklicher Alternativdienste ohne Strafcharakter sowie die Angleichung
von nationalen Rechtsvorschriften an internationale
Menschenrechtsstandards unbedingt erforderlich“, macht der Pfarrer klar.
----
Mit freundlichen Grüßen
Clemens Ronnefeldt
Referent für Friedensfragen beim deutschen
Zweig des internationalen Versöhnungsbundes
unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.