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18.10.2022

Spiel mit dem Feuer (II)Die USA bereiten Taiwan auf ein Kriegsschicksal wie dasjenige der Ukraine vor und rüsten Taipei dazu passend auf. Deutschland beteiligt sich an einer Kampagne, die einen Krieg um Taiwan riskiert.

german-foreign-policy.com, 18. Oktober 2022

BERLIN/TAIPEI (Eigener Bericht) – Die Vereinigten Staaten bereiten Taiwan auf ein Kriegsschicksal wie dasjenige der Ukraine vor – mit Rückendeckung der Bundesregierung. Dies zeigen Berichte über einen Streit zwischen Washington und Taipei über die Aufrüstung der taiwanischen Streitkräfte. Während die Mehrheit der taiwanischen Militärs für eine recht konventionelle Aufrüstung mit Kampfjets und Kriegsschiffen plädiert, um angreifende chinesische Truppen zurückschlagen zu können, setzen US-Militärs auf eine Strategie wie in der Ukraine. Demnach soll Taiwan sich darauf vorbereiten, mit kleinen flexiblen Einheiten die chinesischen Streitkräfte zu bekämpfen – auch nach einer etwaigen Invasion. Deshalb sehen die jüngsten US-Rüstungslieferungen für Taipei kaum große Waffensysteme, sondern eher tragbare Abwehrraketen gegen feindliche Kriegsschiffe und Kampfjets vor. All dies geschieht parallel zur politischen Aufwertung Taiwans durch die westlichen Staaten, an der sich auch Deutschland beteiligt. Die Aufwertung läuft bewusst darauf hinaus, eine friedliche Wiedervereinigung mit Taiwan, wie sie Beijing anstrebt, unmöglich zu machen. Damit riskiert sie den nächsten Krieg.


Zitat: Abwehrschlacht

Um die Aufrüstung Taiwans gibt es seit geraumer Zeit Streit zwischen Washington und Taipei. Dabei geht es nicht um die Frage, ob die Insel mit US-Kriegsgerät aufgerüstet werden soll, sondern vielmehr darum, welche Waffen die taiwanischen Streitkräfte zu welchem Zweck erhalten sollen. Viele ihrer Offiziere favorisieren eine traditionelle Strategie, die vor allem darauf setzt, eine etwaige chinesische Invasion mit Kampfflugzeugen, womöglich auch mit Kampfpanzern abzuwehren. Zudem soll die Marine gestärkt bzw. mit Landungsschiffen aufgerüstet werden, um gegebenenfalls die von Taiwan kontrollierten Inseln vor der chinesischen Festlandsküste sowie im Südchinesischen Meer verteidigen oder sogar auf das chinesische Festland übersetzen zu können. Zur Verwirklichung dieser Strategie benötigt Taipei unter anderem F-16-Kampfjets aus den Vereinigten Staaten; die Lieferung von 66 Stück hatte noch die Trump-Administration zugesagt, Berichten zufolge für einen Preis von rund acht Milliarden US-Dollar.[1] Taipei beklagt sich allerdings mittlerweile, offenbar gebe es Verzögerungen bei der Lieferung. Tatsächlich entspräche diese heute nicht mehr den Prioritäten Washingtons, das von Taiwan eine andere Abwehrstrategie verlangt.


Untergrundkrieg

Aus US-Sicht kann sich Taiwan mit einer traditionellen Strategie nicht mehr gegen die weit überlegenen Streitkräfte der Volksrepublik verteidigen. Die Hauptursache liegt darin, dass die taiwanischen Kriegsschiffe, Kampfjets und Startbahnen ein leichtes Ziel für die chinesischen Streitkräfte sind, die sie – so heißt es in Militärkreisen – möglicherweise schon in einer ersten Angriffswelle ausschalten könnten.[2] Stattdessen drängt Washington Taipei immer stärker, sich auf eine asymmetrische Strategie einzulassen, die im Wesentlichen dem Resisting Operating Concept (ROC) gleicht, in dem US-Spezialkräfte schon vor dem Krieg ukrainische Militärs trainierten und das heute zumindest partiell in der Ukraine zur Anwendung kommt (german-foreign-policy.com berichtete [3]). Es sieht vor, sich mit kleinen, mobilen Einheiten gegen einen etwaigen Angriff zu verteidigen und im Fall einer Einnahme der Insel nach Art eines Untergrundkriegs Widerstand zu leisten. „Gegen eine anrückende Flotte“ etwa könnten „Anti-Schiff-Raketen, Seeminen und kleine Boote mit Raketenwerfern zum Einsatz kommen“, gegen Flugzeuge „tragbare Waffen wie die berühmten Stinger“, gegen gepanzerte Fahrzeuge „die Javelin-Panzerabwehrwaffen“, erläutert der ehemalige Generalstabschef der taiwanischen Streitkräfte, Lee Hsi-min.[4]


Spezialkräfteoperationen

Im Streit mit Taipei sitzt Washington am längeren Hebel. Während sich die F-16-Lieferung verzögert, hat die Biden-Administration ein Rüstungspaket im Wert von ungefähr 1,1 Milliarden US-Dollar zugesagt, das unter anderem 60 Antischiffsraketen vom Typ Harpoon enthält. Der US-Senat hat inzwischen ein weiteres Rüstungspaket mit einem Volumen von 6,5, möglicherweise bis zu 10 Milliarden US-Dollar auf den Weg gebracht [5]; welche Waffen letztlich geliefert werden, muss die US-Administration genehmigen. Washingtons Prioritäten liegen auf Abwehrwaffen à la Harpoon, Javelin und Stinger. Hinzu kommt, dass die US-Streitkräfte über Ausbildungsmaßnahmen für taiwanische Militärs direkt Einfluss nehmen können. Berichten zufolge sind kleinere US-Kontingente spätestens seit September 2008 auf Taiwan aktiv – zunächst vor allem, um taiwanische Soldaten in die Nutzung von US-Kriegsgerät einzuweisen. Die Trump-Administration hat begonnen, die Kontingente aufzustocken sowie ihr Tätigkeitsfeld auszuweiten; die Biden-Administration setzt dies fort. Zu den Ausbildern zählen auch US-Spezialkräfte.[6] Bekannt ist unter anderem, dass sie taiwanische Sondereinheiten in Operationen mit kleinen Schnellbooten trainieren; wie berichtet wird, handelt es sich um Taktiken im Kampf gegen feindliche Marinen.


„Hochprovokativ und kriegslüstern“

Auf Taiwan werden neben militärstrategischen auch ganz allgemeine Bedenken geäußert. Unklar ist, ob die Aussicht, im Falle einer chinesischen Invasion zu enden wie die Ukraine, in der taiwanischen Bevölkerung wirklich Anklang findet. Taiwan könne „sich nicht mit dem Patriotismus und der Bereitschaft der Ukrainer messen, ihr Land zu schützen“, wurde etwa Chang Yan-ting, ein ehemaliger Generalleutnant der taiwanischen Luftwaffe, unlängst zitiert. Taipei täusche Washington gezielt, erklärte Chang: „Wir sind nicht bereit, insbesondere in Sachen militärische Moral.“[7] Grundlegende Kritik an der Aufrüstung Taiwans durch die Vereinigten Staaten äußerte kürzlich der republikanische Senator Mitt Romney. „Wir machen etwas, was hochprovokativ und kriegslüstern ist“, warnte Romney: Er hoffe, Washingtons demonstrative Aufrüstung Taiwans einschließlich der Ausbildung taiwanischer Militärs führe nicht dazu, dass die Volksrepublik – fürchtend, Taiwan werde militärisch immer stärker – sich entschließe, die Insel lieber früher als später einzunehmen.[8] Eine Provokationsstrategie verfolgt Washington freilich ohnehin, indem es Taiwan immer weiter aufwertet und damit auf lange Sicht Taiwans friedliche Wiedervereinigung mit China unmöglich macht (german-foreign-policy.com berichtete [9]). Das allerdings wäre erklärtermaßen ein Kriegsgrund für Beijing.


Deutschlands zweite Front

An der Provokationsstrategie mit der Aussicht, die Bedingungen herzustellen, die für Beijing erklärtermaßen ein Kriegsgrund sind, beteiligt sich auch die Bundesrepublik. Kürzlich hielt sich eine deutsche Parlamentarierdelegation auf Taiwan auf und traf dort nicht zuletzt mit Präsidentin Tsai Ing-wen zusammen. Für Ende Oktober ist ein Besuch von Mitgliedern des Menschenrechtsausschusses des Bundestags auf der Insel angekündigt. Eine beträchtliche Ausweitung der Beziehungen in wirtschaftlicher und kultureller Hinsicht ist im Gespräch; im Sprachgebrauch selbst von Mitgliedern der Bundesregierung wird Taiwan faktisch als ein eigenständiger Staat behandelt: Anfang August erklärte Außenministerin Annalena Baerbock, Berlin „akzeptiere“ es nicht, wenn „ein größerer Nachbar völkerrechtswidrig seinen kleineren Nachbarn überfällt“.[10] Die Formulierung impliziert, dass die Volksrepublik und Taiwan gleichen Status besäßen und deshalb eine chinesische Invasion das Völkerrecht bräche. Damit hat Baerbock das Ein-China-Prinzip, das die Bundesregierung bislang gewahrt hat, infrage gestellt. Inzwischen ist zudem eine Durchfahrt eines deutschen Kriegsschiffs durch die Taiwanstraße im Gespräch.[11] Damit brächte sich Deutschland auch militärisch offen gegen China in Position.

 

Mehr zum Thema: Spiel mit dem Feuer.

 

[1] Brad Lendon: US finalizes sale of 66 F-16 fighters to Taiwan as China tensions escalate. edition.cnn.com 18.08.2020.

[2] Rachel Oswald: US, Taiwan grapple with key differences in debate over deterring China. rollcall.com 12.09.2022.

[3] S. dazu Kriegsdrehscheibe Deutschland.

[4] Patrick Zoll: „China kann unsere Armee zerstören. Doch dann muss es immer noch gegen unser Volk kämpfen“. Neue Zürcher Zeitung 14.10.2022.

[5] Connor O’Brien: Senators seek billions more in military aid for Taiwan. politico.com 12.10.2022.

[6] Jack Detsch, Zinya Salfiti: The U.S. Is Getting Taiwan Ready to Fight on the Beaches. foreignpolicy.com 08.11.2021.

[7] Rachel Oswald: Taiwan, US struggle over differences on weapons to counter China. rollcall.com 13.09.2022.

[8] Rachel Oswald: Senate panel approves Taiwan bill after diluting some provisions. rollcall.com 14.09.2022.

[9] S. dazu Spiel mit dem Feuer.

[10] Leonie Tabea Natzel: „Wir akzeptieren nicht, wenn ein Nachbar seinen Nachbarn überfällt“: Baerbock warnt China. handelsblatt.com 03.08.2022.

[11] S. dazu Die zweite Front der Bundeswehr.

Info:  https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/9055

18.10.2022

Moskauer Ansichten Russland und China sind gemeinsam in der Lage, die NATO zu zerstören

hintergrund.de, vom 16. Oktober 2022, ANDREJ GUBIN, Veröffentlicht in Globales

Die russisch-chinesischen Beziehungen stellen sich derzeit als mehr denn ein reines Bündnis dar. Und sie bieten mehr denn je Diskussionsstoff in der Fachwelt und in politischen Kreisen. Zielen die beiden Staaten gemeinsam auf eine Konfrontation mit den USA und ihren Satelliten ab? Und was sind die wahren Ziele des neuen NATO Konzepts 2022? China eindämmen, Russland zerstören und Europa schaden?


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NATO-Gipfel am 29. und 30. Juni 2022 in Madrid. Hier wurden weitgehende geopolitische Entscheidungen getroffen


Unterstützung und Verurteilung

Moskau und Peking halten sich nicht an die Logik der Blockkonfrontation, auch wenn der Westen bewusst Drohungen in die Nähe der russischen und chinesischen Grenzen ausstößt und zahlreiche Provokationen unternimmt. Wie der russische Botschafter in China (von 2013 bis Sept. 2022), Andrej Denissow, wiederholt feststellte, „sind Russland und China in einer Reihe von Bereichen zu Beziehungen übergegangen, die über die eines Verbündeten hinausgehen, was auf objektive Notwendigkeiten zurückzuführen ist. Unsere Länder betrachten die Politik der westlichen Partner auf die gleiche Weise; sie brauchen die Beziehungen nicht zu formalisieren und alliierte Verpflichtungen zu akzeptieren.“


Laut Li Zhanshu, dem Vorsitzenden des Ständigen Ausschusses des Nationalen Volkskongresses, „verstärken die Vereinigten Staaten und ihre NATO-Verbündeten ständig ihre Präsenz rund um Russland und bedrohen damit ernsthaft die nationale Sicherheit und das Leben der Russen … wir unterstützen alle Maßnahmen, die Russland zum Schutz wichtiger Interessen ergreift“. Nach Ansicht des Politikers sollte die russisch-chinesische Zusammenarbeit angesichts der westlichen Sanktionen gegen beide Länder verstärkt werden. Das Hauptziel besteht darin, der Einmischung von außen entgegenzuwirken und nach neuen Formen der Interaktion zu suchen. Li Zhanshu dankte auch den russischen Gesetzgebern für ihre Unterstützung und Verurteilung der Besuche amerikanischer Abgeordneter auf der Insel Taiwan, darunter der Sprecherin des US-Repräsentantenhauses Nancy Pelosi.


Der offizielle Besuch von Pekings „Politiker Nr. 3“ und dessen Teilnahme am Eastern Economic Forum in Wladiwostok sind zweifellos ein Beweis dafür, dass die Führung der Volksrepublik China die Ansichten Moskaus zu einem breiten Spektrum internationaler Themen unterstützt. Noch wichtiger ist, dass er auf die Besorgnis Pekings über den Kurs der Vereinigten Staaten und ihrer Satelliten hinweist, die Konfrontation mit Russland und China als Führer der nicht-westlichen Welt zu verschärfen.


Systemischer Gegner

Das neue Strategische Konzept der NATO, das im Juni 2022 auf dem Gipfeltreffen der Organisation in Madrid verabschiedet wurde, widmet China große Aufmerksamkeit, und zwar ausschließlich in einer alarmistischen Art und Weise. Zum ersten Mal wird Peking in dem Dokument als systemischer Gegner und Konkurrent der NATO genannt, der versucht, wichtige Industrie- und Logistikbereiche zu kontrollieren, um seinen eigenen Einfluss zu vergrößern und die Weltordnung zu verändern. Das Bündnis ist der Ansicht, dass China wirtschaftliche Einflussmöglichkeiten nutzt, um strategische Abhängigkeiten zu schaffen, und hybride Operationen und Cyberoperationen gegen NATO-Staaten und -Partner durchführt, wobei es sich einer konfrontativen Rhetorik und Desinformation bedient. In dem NATO-Strategiekonzept wird auch festgestellt, dass China sein Atomwaffenarsenal rasch ausbaut und immer fortschrittlichere Trägersysteme entwickelt, wobei es sich weigert, die Grundsätze der Kontrolle und Risikobegrenzung transparent und verantwortungsbewusst zu beachten.

Das neue Strategische Konzept der NATO, das im Juni 2022 auf dem Gipfeltreffen der Organisation in Madrid verabschiedet wurde, widmet China große Aufmerksamkeit, und zwar ausschließlich in einer alarmistischen Art und Weise. Zum ersten Mal wird Peking in dem Dokument als systemischer Gegner und Konkurrent der NATO genannt, der versucht, wichtige Industrie- und Logistikbereiche zu kontrollieren, um seinen eigenen Einfluss zu vergrößern und die Weltordnung zu verändern. Das Bündnis ist der Ansicht, dass China wirtschaftliche Einflussmöglichkeiten nutzt, um strategische Abhängigkeiten zu schaffen, und hybride Operationen und Cyberoperationen gegen NATO-Staaten und -Partner durchführt, wobei es sich einer konfrontativen Rhetorik und Desinformation bedient. In dem NATO-Strategiekonzept wird auch festgestellt, dass China sein Atomwaffenarsenal rasch ausbaut und immer fortschrittlichere Trägersysteme entwickelt, wobei es sich weigert, die Grundsätze der Kontrolle und Risikobegrenzung transparent und verantwortungsbewusst zu beachten.


Um Peking entgegenzutreten, will die NATO „das allgemeine Bewusstsein für Chinas Handlungen schärfen und die Bereitschaft und Verteidigung gegen Chinas Zwangstaktiken und Versuche, das Bündnis zu spalten, verstärken“, ohne jedoch einen konstruktiven Dialog aufzugeben. Die NATO-Führung bezeichnet die sich intensivierende strategische Partnerschaft zwischen Russland und China offen als Versuch, „die auf Regeln basierende internationale Ordnung zu untergraben“, als Bedrohung für die Werte und Interessen der Organisation.


Es ist bemerkenswert, dass die NATO ernsthaft plant, die Zusammenarbeit mit den Partnern im Indischen und Pazifischen Ozean zu verstärken. An dem Gipfeltreffen in Madrid nahmen zum ersten Mal die Staats- und Regierungschefs der vier wichtigsten Partner des Bündnisses in der sogenannten indopazifischen Region – Japan, die Republik Korea, Australien und Neuseeland – teil. NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg erklärte: „Wir betrachten China nicht als Gegner oder Feind. Wir müssen mit China in wichtigen Fragen wie dem Klimawandel zusammenarbeiten; es gibt keine Möglichkeit, die Emissionen ausreichend zu reduzieren, ohne China mit einzubeziehen. Wir müssen mit China über Rüstungskontrolle sprechen.“


Es ist jedoch nicht möglich, all die verschleierten Drohungen und Anschuldigungen gegen Peking, die von den NATO-Vertretern aufgezählt wurden, als konkret oder wohlbegründet zu bezeichnen. Concept 2022 zeichnete sich eher durch einen emotionalen und alarmistischen als durch einen pragmatischen Ansatz aus.


Es ist auch erwähnenswert, dass die Staats- und Regierungschefs der G7 wenige Tage vor dem NATO-Gipfel in Madrid Pläne ankündigten, 600 Milliarden Dollar für ein globales Programm zum Aufbau von Infrastrukturen bereitzustellen – als eine Art Gegenmaßnahme zur chinesischen Belt and Road Initiative. Allerdings erklärten sie nicht, woher diese beträchtlichen Mittel inmitten einer schweren Wirtschaftskrise in Europa kommen sollen und wie sichergestellt werden soll, dass die geliehenen Gelder später wieder zurückgegeben werden.


Einige westliche Experten halten eine solche antichinesische Rhetorik im Namen der gesamten europäischen Gemeinschaft für falsch, da China keine andere Wahl hat, als Russland im Kampf gegen den globalen Imperialismus zu unterstützen. Darüber hinaus wird Peking bei der militärischen Entwicklung zwangsläufig den gesamten NATO-Block und nicht nur die Vereinigten Staaten im Auge behalten. Einige Länder wie Frankreich und Deutschland versuchen bereits zu manövrieren, indem sie auf harte Äußerungen und Aktionen gegen China verzichten und versuchen, die Beziehungen zu Peking auf bilateraler Basis zu verbessern.


Mehr als eine Begrenzung

Chinesischen Forschern zufolge spiegelt die Positionierung Chinas als Gegner in den offiziellen Dokumenten des Nordatlantischen Bündnisses in Wirklichkeit die Hinwendung des gesamten kollektiven Westens zu einer globalen Rivalität mit Peking wider, während es früher nur darum ging, Chinas Einfluss in Ostasien und im Pazifischen Ozean zu begrenzen.


Die chinesische Vertretung bei der Europäischen Union veröffentlichte eine Erklärung, in der die NATO beschuldigt wird, eine Konfrontation zu provozieren und Probleme für die ganze Welt zu schaffen. Den Verfassern der Botschaft zufolge versucht Washington, nicht nur zwei, sondern gleich drei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen – China einzudämmen, Russland zu zerstören und Europa zu schaden. Der Sprecher des chinesischen Außenministeriums, Zhao Lijian, stellte fest, dass das neue strategische Konzept der NATO die Fakten ignoriert, Schwarz mit Weiß verwechselt und die gesamte Bedeutung der chinesischen Außenpolitik verzerrt. Der Diplomat ist überzeugt, dass die Allianz die Praxis der Feindbildung und des Nullsummenspiels aufgeben sollte.


Die chinesischen Medien verurteilten auch die Teilnahme Japans, der Republik Korea, Australiens und Neuseelands am Bündnisgipfel scharf als eine klare Manifestation des Geistes des Kalten Krieges. Das klassische „Sicherheitsdilemma“ wird von der Führung dieser Länder offensichtlich missachtet. Mit diesem Versuch, die eigene Sicherheit zu verbessern, bringen sich Tokio, Seoul, Canberra und Wellington nur noch mehr in Gefahr, denn Peking sieht in der Einmischung des pro-amerikanischen militärisch-politischen Blocks in rein ostasiatische Angelegenheiten eine direkte Bedrohung.

Chinesische Experten sind sich sicher, dass das traditionelle Vertrauen der asiatisch-pazifischen Länder in die Aufrechterhaltung von Frieden und Stabilität nicht geändert werden sollte, um den Interessen Washingtons entgegenzukommen, da der Blockgedanke in Europa seine Bösartigkeit bereits im Zusammenhang mit den Ereignissen in der Ukraine bewiesen hat und für den Pazifik völlig unangebracht ist.

Wie die Redakteure der Global Times es treffend formulierten: „Dies zu leugnen ist wie ein angehaltener betrunkener Fahrer, der behauptet, er sei vollkommen nüchtern.“


Erinnerung an die Metaphysik

Aus irgendeinem Grund ist der Westen zuversichtlich, dass Russlands militärische Spezialoperation in der Ukraine Peking dazu veranlassen wird, militärische Operationen gegen Taiwan zu starten. Gleichzeitig warnen selbst unabhängige Analysten vor direkten Analogien und weisen auf signifikante Unterschiede zwischen Moskaus und Pekings Ansatz zur Gewährleistung der Sicherheit hin, da der Grad der existenziellen Bedrohung eines Staates in beiden Konflikten nicht vergleichbar ist.


Darüber hinaus neigen die Wissenschaftler in der VR China zunehmend dazu, bei der Gewährleistung der nationalen Sicherheit einen ganzheitlichen Ansatz zu wählen. Das heißt, auf der Grundlage der Ideen von Aristoteles stellt sich heraus, dass die globale Sicherheit wichtiger ist als die Gesamtheit der „regionalen Sicherheit“, und dass die nationale Sicherheit ein umfassendes Konzept ist und nicht nur die Summe der militärisch-politischen, wirtschaftlichen, informationellen und sonstigen Sonderfälle. Eine ganzheitliche Logik würde zu der Überzeugung führen, dass China und Russland nicht in der Lage sein werden, ihre eigene Sicherheit zu gewährleisten, wenn jeder die Herausforderungen und Bedrohungen des anderen ignoriert.


Dieser Gedanke wird durch die zunehmende Annäherung zwischen Moskau und Peking in Fragen der strategischen Stabilität bestätigt. Während der 17. Sitzung der russisch-chinesischen Konsultationen im September 2022 stellte der Sekretär des russischen Sicherheitsrates Nikolai Patruschew fest, dass die politischen Eliten des kollektiven Westens versuchen, gegen die Interessen der Völker der Welt verlogene Werte durchzusetzen, während Russland und China zu einer gerechteren Weltordnung aufrufen. Laut Yang Jiechi, Exekutivsekretär der Gruppe für auswärtige Angelegenheiten des Zentralkomitees der KPCh, ist China bereit, mit Russland zusammenzuarbeiten, um den von den jeweiligen Führern der Länder erzielten Konsens umzusetzen, das politische Vertrauen zu vertiefen und strategische Partnerschaften zu entwickeln, um die gemeinsamen Interessen, die Sicherheit und die Stabilität der gesamten Welt zu schützen.


Wie sehr die strategischen Interessen Moskaus und Pekings übereinstimmen, zeigt sich am Beispiel einer 30-prozentigen Steigerung des Handelsumsatzes im Jahr 2022 sowie an der aktiven gemeinsamen Durchführung von Militärübungen und regelmäßigen Patrouillen von Kriegsschiffen und Langstreckenflugzeugen. Nach Ansicht von Vertretern beider Seiten sollten die russisch-chinesischen Beziehungen das gesamte Spektrum der von den Vereinigten Staaten und ihren Verbündeten ausgehenden Bedrohungen berücksichtigen und vor dem Einfluss externer Einwirkungen geschützt werden.


Das Gipfeltreffen der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit, das am 15. und 16. September 2022 in Samarkand stattfand, hat gezeigt, dass Moskau und Peking daran interessiert sind, den eurasischen Integrationsweg als ein nicht-westliches Entwicklungsmodell zu stärken, das unter den neuen geopolitischen Bedingungen für einen großen Teil der Weltgemeinschaft attraktiv sein könnte. Um den unbestreitbaren Wert des gemeinsamen Wohlstands zu schützen, müssen unsere Länder jedoch unweigerlich strikte Entschlossenheit zeigen.

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Andrej Gubin nimmt in seinem Beitrag Bezug auf das neue Strategiekonzept der NATO, das auf dem Madrider Gipfel vom 29. bis 30. Juni 2022 angenommen wurde. HIER können Sie weitere Einzelheiten (auf Englisch) erfahren.

Das 13 Seiten und 49 Punkte umfassende NATO 2022 Strategic Concept steht Ihnen unter dem LINK als PDF zur Verfügung.

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Der Autor

Dr. Andrej Gubin ist außerordentlicher Professor für Politikwissenschaften an der Fernöstlichen Föderalen Universität in Wladiwostok und außerordentlicher Professor des Nordostasien-Forschungszentrums der Universität Jilin in Changchun (VR China).

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Der Artikel erschien im Original am 13.10.2022 als Expertenmeinung auf dem Portal des Valdai Clubs unter dem Titel

More Than an Alliance: Russia and China Together Are Able to Destroy NATO

Übersetzung: Hintergrund Redaktion

Anm. Redaktion:

Hintergrund wird mit Artikeln wie diesem auch zukünftig einen Einblick in die Aspekte russischer Entscheidungsfindung und politischen Denkens geben. Die Texte sollen als Beitrag zur Debatte über die derzeitige Vorgehensweise Russlands – sowohl in seinen internationalen Beziehungen als auch im Ukrainekonflikt – dienen.

LESEEMPFEHLUNG

Als erster Artikel in der Reihe erschien am 2. Oktober 2022

TIMOFEI BORDACHEV – Russland und seine Nachbarn: Allianzen in der neuen Welt


Info: https://www.hintergrund.de/globales/russland-und-china-sind-gemeinsam-in-der-lage-die-nato-zu-zerstoeren


Info: https://taz.de/Pazifismus-in-Zeiten-des-Krieges/!5885293/

unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

17.10.2022

Grünen-Parteitag: Hat Robert Habeck der Nord-Stream-2-Pipeline "endlich den Garaus gemacht"?

    test.rtde.tech, 17 Okt. 2022 11:00 Uhr

    Eine EU-Abgeordnete der Grünen irritierte aufmerksame Zuhörer bei ihrer Rede auf der Bundesdelegiertenkonferenz. Laut ihr sei Wirtschaftsminister Habeck für das Ende von Nord Stream 2 verantwortlich. Dafür habe es ein "High five" von nationalistischen Kollegen aus Polen gegeben.


    Grünen-Parteitag: Hat Robert Habeck der Nord-Stream-2-Pipeline "endlich den Garaus gemacht"?

    © Screenshot: YouTube-Kanal Sender phoenix, 16.10.2022


    Der Parteitag von Bündnis 90/Die Grünen ist die 48. Bundesdelegiertenkonferenz (BDK) der Partei. Sie fand vom 14. bis 16. Oktober in Bonn statt. An Tag drei bekam die EU-Abgeordnete Viola von Cramon-Taubadel die Möglichkeit, zu den Delegierten zu sprechen. Sie sitzt seit 2019 für ihre Partei im Europäischen Parlament. Davor war sie von 2009 bis 2013 unter anderem als Sprecherin für EU-Außenbeziehungen Mitglied des Deutschen Bundestages. 

    Im Verlauf ihrer vorgegebenen kurzen Redezeit (Min. 57:00 bis 60:00) betonte sie ihren Stolz über die Leistung der Arbeit ihrer Parteikollegen in der Ampel-Regierung. Von Cramon-Taubadel wörtlich:

    "Robert hat gestern gesagt, dass er sehr stolz auf diese Partei ist, und dem kann ich mich zu 100 Prozent anschließen. Ich habe noch nie so viel Unterstützung von allen Ebenen (...) für unsere Außen- und Sicherheitspolitik bekommen.

    Egal, wo wir unterwegs sind, (...) egal ob im europäischen Ausland (...) oder auch in der Nachbarschaft, Georgien, Moldau und wo auch immer, das Lob richtet sich insbesondere an natürlich Annalena. Sie macht eine hervorragende Arbeit. Sie wird geschätzt von allen, von allen."

    Ministerium ruft zum Energiesparen auf: "Damit wir gut durch den Winter kommen und Klima schützen"



    Ministerium ruft zum Energiesparen auf: "Damit wir gut durch den Winter kommen und Klima schützen"





    Diese Wertschätzung erfolge sowohl von "der Zivilbevölkerung" als auch den "kritischen und unabhängigen Medien". Nach weiteren Lobes- und Dankeshymnen an die anwesende Außenministerin Annalena Baerbock gerichtet, tätigte die EU-Abgeordnete eine irritierende Äußerung hinsichtlich ihrer "persönlichen Zeitenwende", der Aussage zu Robert Habeck. Als Mitreisende des "EU-Sonderausschusses zu Einflussnahme aus dem Ausland auf alle demokratischen Prozesse in der Europäischen Union, einschließlich Desinformation" im April 2022 in die US-Hauptstadt Washington erlebte sie demnach folgende Situation:

    "... und als Robert (Habeck) dann der Nord-Stream-2-Pipeline endlich den Garaus gemacht hat, hatte ich am nächsten Morgen beim Betreten des Aufzugs ein High five von meinen polnischen Kollegen ... dass polnische Kollegen, inklusive der PiS (Prawo i Sprawiedliwość – Recht und Gerechtigkeit), uns feiern, uns Grüne in Deutschland feiern.

    Uns sagen: Vielen Dank, ihr habt es endlich verstanden. Ihr macht das möglich, was 16 Jahre (unter der Vorgängerregierung Merkel) zuvor nicht möglich gemacht wurde, auch dafür ganz herzlichen Dank an diese Bundesregierung, an Robert und Annalena."

    #Habeck hat was gemacht??? #NordStream2#BDK22#Deutschland#Energiekrisepic.twitter.com/thIvdZzXPO

    — Storymakers (@mz_storymakers) October 16, 2022

    Es folgte längerer Applaus der Delegierten im Saal. Habeck hatte tags zuvor in seiner Rede zum Parteitagsbeschluss "Sichere Energieversorgung für den Winter" die Worte "Nord Stream" nicht einmal verwendet. Er erläuterte lediglich in diesem Zusammenhang mit dem Freudschen Versprecher "putinzieller Gasmangel" (Min. 03:28):

    "Als wir in diese Energieknappheit reingerieten (sic!), war das erste Argument, die Atomkraftwerke müssen laufen, um Gas zu sparen."

    Von Cramon-Taubadel betonte zum Abschluss ihrer Rede, damit man es "auch wirklich versteht": "Putin will nicht nur die Ukraine vernichten, er ist auch der größte Feind Russlands. Er hat das Land komplett isoliert."


    Dieser Winter werde "hart", jedoch hätten "wir" die Kraft und den "den Willen dazu". Hilfe käme "durch die finanzielle Unterstützung von sehr, sehr vielen Menschen in Europa. Lasst uns das gemeinsam wuppen", sagte die EU-Abgeordnete abschließend. Die Befreiung der Ukraine "von den russischen Truppen (...) geht momentan nur mit Waffen". Auch für diese Aussagen erhielt sie erneut bestätigenden Applaus.


    Von Cramon-Taubadel ist im EU-Parlament Mitglied im Ausschuss für auswärtige Angelegenheiten (AFET) und stellvertretende Vorsitzende in der Delegation im Parlamentarischen Assoziationsausschuss EU-Ukraine.


    Mehr zum Thema - Parteitag der Grünen: Energiekrise kann nur mit Waffen gelöst werden


    Durch die Sperrung von RT zielt die EU darauf ab, eine kritische, nicht prowestliche Informationsquelle zum Schweigen zu bringen. Und dies nicht nur hinsichtlich des Ukraine-Kriegs. Der Zugang zu unserer Website wurde erschwert, mehrere Soziale Medien haben unsere Accounts blockiert. Es liegt nun an uns allen, ob in Deutschland und der EU auch weiterhin ein Journalismus jenseits der Mainstream-Narrative betrieben werden kann. Wenn Euch unsere Artikel gefallen, teilt sie gern überall, wo Ihr aktiv seid. Das ist möglich, denn die EU hat weder unsere Arbeit noch das Lesen und Teilen unserer Artikel verboten. Anmerkung: Allerdings hat Österreich mit der Änderung des "Audiovisuellen Mediendienst-Gesetzes" am 13. April diesbezüglich eine Änderung eingeführt, die möglicherweise auch Privatpersonen betrifft. Deswegen bitten wir Euch bis zur Klärung des Sachverhalts, in Österreich unsere Beiträge vorerst nicht in den Sozialen Medien zu teilen.

Info: https://test.rtde.tech/inland/151781-grunen-parteitag-hat-robert-habeck


Info: https://taz.de/Pazifismus-in-Zeiten-des-Krieges/!5885293/

unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

17.10.2022

Ukraine: Aus und vorbei – Selenskyj am Ende

journalistenwatch.com, Oktober 12, 2022, 19:00 Uhr, von: Max Erdinger

Die Revanche der Russen für den Anschlag auf die Brücke von Kertsch fiel verheerend aus. Mit über 300 Raketenangriffen legte Russland fast die gesamte Infrastruktur der Ukraine lahm. Getroffen wurden aber nicht nur Elektrizitätswerke, Wasserwerke und dergleichen, sondern auch das Hauptquartier des ukrainischen Geheimdienstes SBU und das deutsche Konsulat in Kiew. Der Wiederaufbau der Infrastruktur würde Monate in Anspruch nehmen, heißt es aus ukrainischen Regierungskreisen. Im Augenblick sind die größten Teile der Ukraine ohne Internet, ohne Strom und ohne funktionierende Wasserversorgung.


Douglas Macgregor ist pensionierter Colonel der United States Army, Politikwissenschaftler, Militärtheoretiker, Autor und Berater. Am 29. Juli 2020 nominierte ihn Präsident Donald Trump als Nachfolger von Richard Grenell für das Amt des Botschafters der Vereinigten Staaten in Deutschland. Vom Senat wurde die Nominierung jedoch nicht bestätigt. Gestern gab Macgregor Clayton Morris ein hochinteressantes Interview.


Morris Macgregor

Morris: Die westlichen Medien, besonders die Washington Post heute, bezeichnen die Schläge gegen die Ukraine als einen Wendepunkt in diesem Krieg. (…) Sind wir tatsächlich an einem Wendepunkt und wohin wendet sich das Blatt?


Macgregor: Es ist ein Wendepunkt der Schwerter, vielleicht nicht gerade so, wie die Washington Post suggeriert (…) Lassen Sie uns über die Entwicklung dieses Konflikts während der vergangenen sieben Monate reden. Krieg ist nicht statisch, sondern ein sich ständig änderndes Meer. Auch wenn es niemand wahrhaben will im Westen, aber Präsident Putin hat sich in den vergangenen sieben Monaten enorm zurückgehalten beim Gebrauch seiner militärischen Macht. Wir haben nie mehr als höchstens 20 Prozent der russischen Bodentruppen in der Ukraine gesehen. Und viele der regulären Bodentruppen wurden nach den ersten vier Monaten allmählich auch wieder abgezogen, nachdem die ukrainische Armee, die wir über mehrere Jahre aufgebaut hatten, zu einem großen Teil vernichtet worden war. Was es in der Ukraine zur Zeit noch gibt, ist eine Mischung aus verschiedenen Freiwilligen, Milizen, einigen alliierten Kräften wie die Tschetschenen, kubanische und kosakische Freiwillige, die sich als sehr gute Kämpfer herausgestellt haben plus die Wagner-Söldnertruppe, die sich ebenfalls als sehr effizient im Bodenkampf erwiesen hat. Aber die eigentliche russische Armee mit ihren regulären Kräften hat sich zum großen Teil zurückgezogen. Ich dachte eigentlich, sie würden Ende August zurückkommen, aber offensichtlich wurde die Entscheidung getroffen, das zu unterlassen. Was im Moment im Kreml passiert, ist meiner Meinung nach, Putin und seinen Beratern wird klar, daß es keine Chance auf eine Beendigung dieses Konflikts via Verhandlung gibt. An diese Hoffnung hat er sich aber wahrscheinlich geklammert, sogar im April, als wir und London Selenskyj verboten hatten, irgendwelche Kompromisse wie z.B. Neutralität zu akzeptieren. Nun haben wir es mit einem anderen Russland zu tun. Wir haben gestern gesehen, wie in drei Wellen 202 Raketen verschiedene Ziele in der ganzen Ukraine angegriffen haben. Das ist etwas, das sie die ganze Zeit hätten tun können. Sie haben ihre präzionsgelenkten Waffen genauso wie wir. Dieses Mal haben sie aber nicht nur die sogenannte kritische Infrastruktur getroffen, sondern auch das Hauptquartier des Geheimdienstes, einer Organisation, die notorisch damit beschäftigt ist, Leute umzubringen und sie mit vorgehaltener Waffe in feindlliches Feuer zu zwingen und die mit vorgehaltener Waffe Rekrutierungen betreibt, sowie Analysezentren, womit sie zeigten, daß in der Ukraine nirgendwo etwas geschieht, ohne daß sie es wüssten. Nicht einmal in der westlichen Ukraine passiert etwas, ohne daß Moskau davon wüsste. Es gibt dort nichts, das die Russen nicht erreichen und zerstören könnten. Ich denke, wir haben einen kleinen Vorgeschmack davon bekommen, was im Herbst auf uns zukommen wird. Ich sage voraus, daß es großangelegte Bodenoffisiven der Russen geben wird, wenn der Boden erst einmal gefroren ist. Es wird das passieren, was die meisten von uns eigentlich schon am Anfang des Krieges erwartet hatten: Größte Anstrengungen, um die ukrainischen Kräfte komplett zu vernichten.


Morris: Die westlichen Medien versuchen, diese Luftschläge als belanglos zu porträtieren. Angeblich verletzen sie die Ukraine nicht richtig. Ich habe das während der vergangenen 24 Stunden von einigen Propaganda-Medien gehört. Wenn ich durch die lange Liste der getroffenen Ziele gehe, muß ich mich wundern. Es wurden polnische Kräfte getroffen, die zusammengezogen worden waren, um in Russland einzumarschieren, NATO-Ziele, die getroffen wurden, der SBU, Wärmekraftwerke, es gibt Massen, die zur Zeit aus der Ukraine fliehen, weil sie kein frisches Wasser haben, kein laufendes Wasser, sie haben keinen Strom, sie haben kein Internet. Westliche Medien sagen also, die Treffer seien belanglos, der Ukraine gehe es gut. Was sagen Sie dazu?


Macgregor: Biden oder seine Berater fühlten sich dazu veranlaßt, Selenskyj zu versichern, daß wir ihn auch weiterhin unterstützen und mit Gütern versorgen würden. Da wird es keine Änderung geben. Zur selben Zeit bettelte Selenskyj um mehr Luftabwehrwaffen, da bei den russischen Raketenangriffen 80 Prozent der ukrainischen Luftabwehr zerstört worden sind. Wenn jemand suggeriert, daß das belanglos gewesen sei, müssen wir nur die Entwicklung ansehen und kommen sehr schnell zu dem Schluß: Oh, das ist verkehrt. Herr Selenskyj ist in Panik. Fraglos haben die Ukrainer nun ernsthafte Logikstikprobleme dabei, Dinge im Land hin- und herzubewegen. Plötzlich hat sich Russland entschieden, daß genug einfach genug ist – und die vergangene Zurückhaltung aufzugeben.


Morris: Zurück zu den Luftabwehr-Systemen. Selenskyj hat, wie Sie gerade erwähnten, mehr dieser Systeme nachgefragt. Die USA scheinen dem nachkommen zu wollen. (…) Was wird das der Ukraine nützen? Erklären Sie bitte, wer die bedienen würde. Wären die unbemannt oder würden das NATO-Soldaten besorgen? Ukrainisches Militär?

Macgregor: Diese Systeme werden zum größten Teil von sogenannten Vertragspartnern bedient. Dabei handelt es sich vermutlich um Amerikaner in Zivilkleidung, die einen Arbeitsvertrag mit der ukrainischen Regierung haben oder im Rahmen eines der anderen Mechanismen beschäftigt sind, die wir eingeführt haben. Es könnten Europäer sein. Aber diese Systeme verlangen eine lange Ausbildungszeit bis sie effektiv bedient werden können. Von der Instandhaltung gar nicht zu reden. Etwas, das NASAMS heißt, eines der besten Abwehrsysteme gegen Boden zu Boden-Raketen weltweit, hochkomplexes Radar, befand sich in Kiew – und es wurde zerstört. Wie schaltet man ein solches System aus? Durch die schiere Menge der Raketen, die das System abzuwehren hätte. Auf diese Weise läßt sich jedes System umgehen, egal wie gut es ist. Das ist das, was die Russen getan haben. Sie haben dieses Abwehrsystem mit Masse überwältigt.


Morris: Welche Rolle spielen NATO-Kräfte jetzt noch an diesem Wendepunkt angesichts der Dezimierung des ukrainischen Militärs? (…) Die besten Kräfte sind außer Gefecht gesetzt. Sie zu ersetzen ist nicht einfach. Werden sie durch NATO-Truppen ersetzt? Durch Vertragskämpfer? Wer wird die Lücke füllen, das Schiff bemannen?


Macgregor: Nun, die Leute die sich im direkten Bodenkampf befinden, sind Ukrainer. Es gibt Meldungen über eine große Zahl polnischer Soldaten in ukrainischen Uniformen, welche die ukrainischen Verluste ersetzen. Das passierte im Lauf der vergangenen Monate, weil – Sie haben darauf hingewiesen – die meisten der besten ukrainischen Einheiten nicht mehr existieren. Sie wurden getötet oder verwundet. Die Ukrainer haben tödliche Verluste von ungefähr 100.000 Mann und vielleicht 200 -, 300 – oder sogar 400.000 Verwundete. Das war einmal eine Armee von 600.000 Mann. Bedenken Sie: Wir haben diese Armee über 8 Jahre mit dem Ziel aufgebaut, Russland anzugreifen. Dafür wurde sie geformt. Das ist der Grund, warum die Russen sie angegriffen haben. Außerdem wollten wir Raketen in der Ostukraine stationieren, mit denen wir Russland hätten bedrohen können. Also nochmal: Die Ostukraine musste neutralisiert werden und das ist der Grund, weshalb die Russen dort intervenierten. Dabei haben sie sich, wie ich vorher schon ausführte, große Zurückhaltung auferlegt. Zunächst einmal ist das ein slawisches Land, ein anderes christlich-orthodoxes, slawisches Land. Die Russen haben kein Interesse daran, dort große Mengen von Leuten umzubringen. Sie wollten auch nicht viel Infrastruktur zerstören. Die gegenden, in denen die Russen im Osten und im Süden der Ukraine sitzen, waren vorher schon russisch. Sie wollten gleiche Rechte für die Russen mit anderen Ukrainern innerhalb der Ukraine sicherstellen. Das war der Punkt hinter dem Minsker Abkommen, der nie beachtet wurde. Es ist so zum gegenwärtigen Zeitpunkt: Sie schauen auf Kanonenfutter. Leute ohne großartiges Training werden zusammengetrieben, in Uniformen gesteckt, bekommen eine AK 47 in die Hand gedrückt und werden in Panzer oder andere Fahrzeuge gesteckt. Haben sie eine Ausbildung? Einige wenige haben sogar eine gute, die meisten anderen fast gar keine. Folglich werden die Gefallenenzahlen sehr hoch sein. Wenn man aber einmal das, was wir als die taktische Ebene bezeichnen, verläßt, und in die höheren Ränge blickt, wird man dort NATO-Personal finden, die den ganzen Zauber veranstalten. Leute aus Frankreich, Großbritannien, den Vereinigten Staaten und anderen Ländern arbeiten die Strategien aus und machen Vorschläge, was als nächstes passieren soll. Es gibt Hinweise darauf, daß der ukrainische Präsidenten unser Ratschläge nicht sonderlich ernstgenommen hat. Er ist darauf aus, anzugreifen, anzugreifen und nochmal anzugreifen. Wahrscheinlich sieht er sich selbst in einer Position, in welcher er zwar alles zu verlieren – aber nichts mehr zu gewinnen hat. Er denkt offensichtlich, er könne die Russen ermüden. Dabei ist es so, daß es für einen getöteten oder verwundeten Russen fünf-, sechs- oder sieben getötete oder verletzte Ukrainer gibt. Für die Russen rechnet sich das. Sie haben eine ziemlich kostengünstige Verteidigung, während sich die Ukraine extrem teure Angriffe leistet. Die Ukraine befindet sich in einer sehr ernsthaften Krise. Sie könnte das nicht überleben. Speziell, wenn die zu erwartende Offensive der Russen im November losgeht, weiß ich nicht, was die Ukrainer noch dagegen machen wollen. Dann werden sie mit regulären russischen Armee konfrontiert sein, einer großen Zahl russischer Truppen, nicht mehr nur mit Freiwilligen und alliierten Einheiten. Sie werden die operative Freiheit haben, das zu tun, was viele Russen schon von Beginn an tun wollten. Alles, was ihnen gefährlich oder als Bedrohung vorkommt, wird ins Visier genommen und zerstört werden. Das wird ein sehr unterschiedlicher Krieg sein, der da kommt.


Morris: Sie sagen das für November voraus, also für die nächsten Wochen?

Macgregor: Nun, ich komme nicht vom russischen Generalstab, aber wenn ich mir den derzeit stattfinden Aufmarsch auf dem Kriegsschauplatz anschaue – und sie kommen in Gruppen von 50.000 – rund um die Ukraine und verschiedenen anderen Orten, absolvieren gerade viel Training und treffen Vorbereitungen, dann werden sie sich zur Operation Axis vereinen, etwas, das wir schon zum Beginn des Krieges erwartet hatten, das dann aber ausblieb. Sie werden dann sehr hart und sehr tief zuschlagen. Alles, was sich in der Ukraine ihrem Vormarsch entgegenstellt, wird dann vernichtet werden. Das wird ihr Auftrag sein: Zerstörung und Vernichtung des Gegners. Wo werden sie mit ihrem Vormarsch aufhören? Ich nehme an, am Dnjepr. Sie waren nie daran interessiert, den Dnjepr zu überschreiten. Westlich des Dnjepr befindet sich die historische Ukraine. Das ist, wo die Ukrainer leben. Odessa wird an die Russen gehen, auch Charkow – und es gibt nicht viel, das wir dagegen tun können. Niemand im Westen wird etwas dagegen unternehmen können, es sei denn, er will sich in einen Krieg mit Russland begeben. Ich kann aber niemanden erkennen, der das will. Einzige Ausnahme sind möglicherweise die Polen, aber auch dort bröckelt die Unterstützung für diesen Krieg. In den USA interessiert sich sowieso kaum jemand dafür. Wir sind beschäftigt mit dem Hurrikan in Florida. Das ist ja auch der Grund, warum wir bislang mit dem durchgekommen sind, was wir in der Ukraine veranstaltet haben. Es gab so viele schlechte politische Entscheidungen, weil sich Amerikaner nicht dafür interessiert haben. Daran hat sich nicht viel geändert, auch wenn ein langsames Erwachen dahingehend einsetzt, daß nichts von dem stimmt, was ihnen in diesem Zusammenhang aufgetischt worden war.


Morris: Wir haben hier seit Wochen darüber geredet. Was passiert, wenn Odessa fällt. Die Ukraine wird zu einem Binnenland ohne Zugang zur See. Was wird mit Selenskyj passieren?

Macgregor: Darüber läßt sich nur spekulieren. Keine Ahnung, wie es mit Selenskyj weitergeht. Er könnte von seinen eigenen Leuten entfernt werden oder ein Flugzeug zu einem seiner Anwesen besteigen, nach Miami oder nach Venedig fliegen. Was Odessa angeht: Odessa war immer eine russische Stadt, auch wenn heute dort etwa 50 Prozent Ukrainer leben, nachdem Russen rausgedrängt worden sind. Dasselbe gilt für Charkow. Das waren beides russische Städte von allem Anfang an und dort wurde auch immer russisch gesprochen. Die Russen werden den Unsinn nicht länger mehr hinnehmen. Sie werden ihre Ziele verfolgen, wie Russen ihre Ziele immer verfolgen: Methodisch ausgeklügelt und unnachgiebig. Der neue Kommandeur, der gerade ernannt wurde, ist eine fähige Person mit einer guten Reputation. Er hat für die Russen in Syrien hervorragende Arbeit geleistet, er ist ein Hardliner und er hat alle Optionen zur Verfügung, die seinen Vorgängern verwehrt geblieben waren. Das wird ein Wendepunkt sein, aber anders als die Wahington Post das verstanden wissen will.

Morris und Macgregor unterhalten sich dann noch über Weißrussland und darüber, daß Russland gerade dabei ist, die antiquierte weißrussische Armee zu modernisieren. Macgregor ist aber der Ansicht, daß sich die Weißrussen eher auf ihre Grenze mit Polen konzentrieren werden.


Energie

LNG Schiff in Wilhelmshaven wurde in Australien aufgrund hoher Umweltbelastung abgelehnt


Info: https://journalistenwatch.com/2022/10/12/ukraine-aus-und-vorbei-selenskyj-am-ende




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"Deutschland hat auf das falsche Pferd gesetzt


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HomePolitikUkraineAndrij Melnyks letztes Interview: "Deutschland hat auf das falsche Pferd gesetzt"


VGWort Pixel "Deutschland hat auf das falsche Pferd gesetzt"


Von Carl Exner

Aktualisiert am 16.10.2022 - 19:33 UhrLesedauer: 7 Min.

InterviewUnsere Interview-RegelDer Gesprächspartner muss auf jede unserer Fragen antworten. Anschließend bekommt er seine Antworten vorgelegt und kann sie autorisieren.


Zitat: Andrij Melnyk prägte wie kein anderer den Diskurs zum Ukraine-Krieg. Mit t-online sprach er über seine Zeit in Deutschland – und attackiert zwei führende Politiker.

Die letzte Woche machte dem ukrainischen Botschafter zu schaffen: Für Andrij Melnyk stand nicht nur der Umzug nach Kiew bevor, sondern er hatte sich auch eine schwere Erkältung eingefangen. Die Umzugskisten packte er noch bis tief in die Freitagnacht. Mit seiner Abreise aus Berlin endet die Amtszeit des wohl umstrittensten ukrainischen Diplomaten. t-online konnte exklusiv das letzte Interview mit Andrij Melnyk in seiner Zeit als Botschafter führen, während er auf dem Weg in seine Heimat war.


t-online: Herr Melnyk, Sie haben in den vergangenen Monaten viel dafür getan, dass die Bundesregierung die Ukraine noch mehr unterstützt. Wie zufrieden sind Sie mit dem, was Berlin leistet?


Andrij Melnyk: Wir sind dankbar dafür, dass die Ukraine schrittweise die geforderten Waffen bekommt. Das beste Beispiel ist natürlich das Iris-T-System für die Luftabwehr, was eine Herzensangelegenheit für mich war, und das kürzlich geliefert wurde. Ich habe mich persönlich wochenlang dafür eingesetzt, dass wir diesen Durchbruch erringen, damit viele Menschenleben gerettet werden können. Das ist die eine Seite der Medaille. Die andere ist, dass wir weiterhin auf deutsche Kampfpanzer Leopard, Marder, Füchse und viele andere Waffensysteme warten müssen.


Wir wissen, dass die zügige Lieferung seitens der Bundeswehr seit Monaten möglich wäre und auch die Industrie sehr schnell liefern kann. Seit Ende März, Anfang April wären erste Panzer möglich gewesen und das bleibt auf unserer Tagesordnung. Ich hoffe, dass es meinem Nachfolger gelingt, eine positive Entscheidung der Ampel herbeizuführen. Das ist für uns kriegsentscheidend.

Der Leopard II in Aktion (


Welche Politiker in Berlin Melnyk immer geschätzt hat und welchen historischen Vergleich der scheidende Botschafter zu Putin sieht, sehen Sie oben im Video oder, wenn Sie hier klicken.


Sind Sie enttäuscht über das Zaudern der Bundesregierung?

Ich bin sehr enttäuscht, dass muss man – leider Gottes – auch noch heute so sagen. Die formellen Gründe der Bundesregierung sind bekannt: Das erste Scheinargument ist, dass Deutschland keinen Alleingang bei Panzern machen will. Der zweite Grund, der mir eher glaubwürdiger erscheint, ist, dass man Russland nicht mehr provozieren möchte. Diese Logik nach alten Denkmustern können wir bis heute gar nicht nachvollziehen.

Nach alldem, was in der Ukraine passierte, diese unglaubliche Brutalität und den unsäglichen Gräueltaten gegen die Zivilbevölkerung. Wieso sollte die Lieferung von Leopard-Panzern plötzlich eine rote Linie überschreiten? Putin braucht gar keine Provokation, er agiert aus innerer Überzeugung heraus und baut sich danach seine Welt zurecht. Und deswegen sind die deutschen Argumente für uns nicht schlüssig, sondern künstlich. Wir brauchen dringend die Kampfpanzer noch vor dem Wintereinbruch. Nicht nur im Osten der Ukraine, wo wir zurzeit schnell vorrücken, sondern auch im Süden, damit wir dort schneller Cherson und andere okkupierte Gebiete befreien können, bevor sich das Fenster schließt.

Darum geht es uns, und dagegen hören wir keine Argumente. Und natürlich hätten die Amerikaner als Erstes liefern können. Aber das ist für mich und alle Ukrainer nur eine schlechte Ausrede, Katz-und-Maus-Spiel, um nicht das zu tun, was richtig ist.


Wie erklären Sie sich das zögerliche Verhalten der Bundesregierung?

Die letzten Umfragen zeigen, dass die Mehrheit der deutschen Bevölkerung dafür ist, weitere schwere Waffensysteme an uns zu liefern und die Ukraine tatkräftiger zu unterstützen. Das heißt, der Kanzler ginge auch kein Risiko ein, die Menschen vor den Kopf zu stoßen, wenn er diese Waffen liefern würde. Der einzige – aus meiner Sicht plausible – Grund wäre, dass Deutschland das politische Signal nach Moskau senden möchte: Wir sind vielleicht bereit, schnell Gespräche zu führen oder zum Beispiel eines Tages wieder als Vermittler zu agieren.

Aber selbst das kann ich zurzeit nicht erkennen. Denn es laufen aktuell keine Vermittlungsversuche – zumindest nicht von deutscher Seite. Das ist schade, denn Deutschland könnte auch hier helfen, mit dem, was nötig ist. Ich habe nie das Blaue vom Himmel gefordert, sondern nur das, was die Bundesrepublik auch leisten kann. Doch dazu braucht man den politischen Willen. Wir haben gezeigt, dass die Ukrainer fähig sind, besetzte Gebiete rasch zu befreien. Das sollte ein Ansporn oder eine weitere Ermutigung für den Bundeskanzler sein, mehr zu tun, als einfach nur abzuwarten.


Kanzler Scholz hatte kürzlich erklärt, dass Putin Gas als Waffe einsetzen wird, sei ihm schon vorher bewusst gewesen. Was haben Sie gedacht, als Sie das gelesen haben?

Es hat mich, um ehrlich zu sein, schon überrascht. Wir haben ja diese Appeasement-Politik Putins seit der Annexion der Krim und dem Einmarsch im Donbass noch sehr gut in Erinnerung. Wie man sich in Berlin eingesetzt hat für Nord Stream 2, versucht hat, sich gegen die US-Sanktionen zu wehren und wie die Groko dem Pipeline-Vorhaben immer starke Rückendeckung gegeben hat.

Ich kann mich noch an viele Gespräche mit den hohen Vertretern der Merkel-Regierung erinnern, die alle unsere Warnungen über Bord geworfen haben. Immer, wenn ich lautstark gegen das Projekt getrommelt habe, wurden uns hinter den Kulissen sogar Konsequenzen für die bilateralen Beziehungen angedroht. Und deswegen, wenn man jetzt das sieht und hört, dann ist man ein bisschen sprachlos, ehrlich gesagt.


Olaf Scholz: Der Kanzler tagt ab Dienstagnachmittag mit den Ministerpräsidenten der Länder.


t-online erzählten Sie von einem Gespräch mit Finanzminister Christian Lindner (lesen Sie hier mehr dazu). Später nannten Sie es das "schlimmste" in Ihrem Leben. Konnten Sie sich mit Herrn Lindner mittlerweile aussprechen?

Nein, leider nicht. Ich habe das zumindest von meiner Seite versucht, auch in den letzten Monaten. Vor meiner Abreise habe ich auch ein Treffen angefragt, bei Empfängen und Veranstaltungen haben wir uns auch gesehen, aber leider hatten wir keine Gelegenheit diese Sache auszuräumen. Ich habe es zumindest versucht. Auch über gemeinsame Freunde, aber das war leider nicht möglich.


Sie haben in der Vergangenheit einige deutsche Politiker hart kritisiert, wie die Ministerpräsidentin Mecklenburg-Vorpommerns, Manuela Schwesig (SPD), oder Michael Kretschmer (CDU), den sächsischen Ministerpräsidenten. Halten Sie einige deutsche Politiker für untragbar?


Das sollten die Deutschen selbst entscheiden. Man sieht jetzt, was Sache ist und welche fatale Politik gegenüber Russland jahrzehntelang betrieben wurde. Was mich nicht nur bei den genannten Politikern verwundert, ist, dass trotz dieses barbarischen Krieges gegen die Ukraine, trotz dieser verbrecherischen Aggression, die andauert, gegen unsere Zivilisten, trotz verheerender Folgen, die auch alle Deutschen in der eigenen Geldbörse spüren – dass diese Politiker, wie Kretschmer oder Schwesig, nicht einmal selbstkritisch oder zumindest nachdenklich ihre Entscheidungen betrachten. Alle sehen, dass man auf das falsche Pferd, auf das total falsche Pferd gesetzt hat in diesem Rennen für angeblich billiges Gas.


Sie vermissen also die Einsicht bei manchen Politikern?

Nach alledem, was passiert ist und was die Deutschen jetzt ausbaden müssen, verschlägt es mir die Sprache, wie schamlos diese Politiker sich verhalten. Es waren keine Fehler, es war keine Naivität oder Leichtsinnigkeit, es war eine bewusst und gezielt betriebene Politik, mit der sich Deutschland blauäugig in eine gefährliche Abhängigkeit begeben hat und den Handlungsspielraum massiv begrenzt hat, um auf den Angriffskrieg dezidiert zu reagieren.

Und jetzt ziehen diese und andere Politiker sich aus der Verantwortung, als ob nichts geschehen wäre – das kann ich gar nicht verstehen. Aber das müssen die Wähler in Mecklenburg-Vorpommern, anderen Bundesländern und im Bund entscheiden, ob die Politiker, die ihnen das eine erzählt und das Gegenteil getan haben, nicht beim Urnengang abgestraft werden sollten. Schließlich müssen jetzt alle Deutschen die drei, vier oder zehnmal so hohe Rechnung für dieses Debakel der Russland-Politik bezahlen.


In einem ZDF-Interview meinten Sie, dass Ihr Nachfolger einiges besser machen sollte als Sie. Woran genau denken Sie dabei?

Die Herausforderungen, die vor ihm liegen, sind nicht kleiner, sondern in manchen Bereichen sogar größer als zu meiner Zeit. Zum Beispiel muss er sich auch um den Zusammenhalt in Deutschland sorgen. Dass die Deutschen trotz dieser Energiekrise, Inflation und der Existenzängste, die man buchstäblich spürt, zur Ukraine halten. Trotz dieses hohen Preises, das wäre schon die erste große Aufgabe für meinen Nachfolger. Und natürlich muss er auch schauen, auf welche Art und Weise die Bundesregierung uns noch stärker unterstützt. Wir brauchen zum Beispiel schneller als zuvor neue deutsche Waffen. Ich habe dafür versucht den Grundstein zu legen – auch für Projekte, die erst in Jahren realisiert werden.


Können Sie das konkreter erklären?

Ich habe mich zum Beispiel um die Haubitze RCH-155 von Krauss-Maffei Wegmann bemüht. Das ist die weltweit beste Haubitze, eine wirklich sehr mächtige Waffe. Aber bis die Produktion anläuft, brauchen wir Monate, gar Jahre. Aber es geht doch darum, selbst wenn der Krieg hoffentlich schnell vorbei wäre, dass wir das Abschreckungspotenzial der Ukraine erhöhen müssen. Damit, wenn die Russen den Krieg fortsetzen sollten, dass wir dann viel besser ausgestattet und aufgerüstet sind.


Info: https://www.t-online.de/nachrichten/ukraine/id_100066486/andrij-melnyks-letztes-interview-deutschland-hat-auf-das-falsche-pferd-gesetzt-.html


Info: https://taz.de/Pazifismus-in-Zeiten-des-Krieges/!5885293/

unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.


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17.10.2022

Bumerang anti-russischer Sanktionen ....

aus e-mail von Doris Pumphrey, 17. Oktober 2022, 01:10 Uhr


Präsident Putin am 12.Oktober 22:

<https://www.anti-spiegel.ru/2022/putins-abrechnung-mit-energiepolitik-der-eu-im-o-ton/

Da eine Röhre von Nord Stream 2 nicht beschädigt wurde, ist Russland

jederzeit zu einer „gemeinsamen Entscheidung“ und zur Aufnahme von

Gaslieferungen bereit. /„Der Ball liegt, wie man so schön sagt, im Feld

der EU. Wenn sie wollen, sollen sie einfach den Hahn aufdrehen, das ist

alles. Wir – ich wiederhole das nochmal – schränken niemanden ein, und

sind auch bereit, im Herbst und Winter zusätzliche Mengen zu liefern.

/


*/In Kürze:/*


https://www.bz-berlin.de/berlin/berliner-praxen-werden-seltener-oeffnen

14.10. 22

*Berliner Praxen werden seltener öffnen

*Patienten droht ein dramatischer Versorgungsengpass! Besonders

betroffen sind schwer und chronisch Kranke – denn sie werden oft in

Facharztpraxen untersucht und versorgt. Und in diesen Praxen werden

viele Geräte betrieben, die jetzt für explodierende Energiekosten sorgen.

Vor allem Praxen der Radiologie, Nuklearmedizin, Strahlentherapie sowie

Dialysezentren sind immensen Preiserhöhungen ausgesetzt. Die betroffenen

Fachgruppen prüfen deshalb, ab November die Laufzeiten der Maschinen zu

reduzieren! Geräte für Magnetresonanztomografie (MRT),

Computertomografie (CT), Röntgen und Ultraschall könnten demnach öfter

in den Stand-by-Modus gesetzt und Sprechzeiten reduziert werden, um

Stromkosten zu sparen. „Keine Frage, die Maßnahme ist drastisch, aber

die Politik lässt den Praxen keine andere Wahl“, hieß es Donnerstag in

einem Statement der Kassenärztlichen Vereinigung (KV). (…)

(…) Dr. Erika Eger (68) versorgt in ihrer Dialysepraxis an drei

Standorten in Treptow und Mitte 120 Patienten. „Sparmaßnahmen wie einen

reduzierten Betrieb kann ich nicht umsetzen. Meine Patienten müssen

jeden zweiten Tag an die Dialysemaschine, sonst sterben sie“, sagt sie.

„Ich weiß nicht, wie ich die gestiegenen Kosten bezahlen soll. Ich kann

es einfach nicht.“(…)

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https://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/700709/AdBlue-geht-zur-Neige-Bald-leere-Supermarkt-Regale

16.10.2022

*AdBlue geht zur Neige: Bald leere Supermarkt-Regale?

*

Die deutschen Spediteure stehen bereits unter erheblichem Druck wegen

fehlender Fahrer und steigender Dieselpreise. Und nun eskaliert offenbar

auch noch der chronische Mangel an AdBlue, dem Gemisch aus Harnstoff und

deionisiertem Wasser, das die Stickoxidemissionen von Dieselmotoren

neutralisiert.

Die Vorräte der deutschen Spediteure an der Flüssigkeit sind zur Neige

gegangen, weil die SKW Stickstoffwerke Piesteritz, einer der größten

AdBlue-Lieferanten in Deutschland, im August die Produktion vollständig

eingestellt haben. Das Unternehmen in Wittenberg in Sachsen-Anhalt

begründete diesen Schritt mit den hohen Gaspreisen.


Dirk Engelhardt, Chef des Bundesverbandes Güterkraftverkehr Logistik und

Entsorgung (BGL), sagt, dass den Unternehmen das AdBlue ausgeht.

Lastwagen können dann nicht mehr fahren. „Es wird einen Aufschrei in der

Bevölkerung geben, wenn die Lieferketten zusammenbrechen und die

Supermärkte sich leeren“, zitiert ihn die Financial Times.


Die deutsche Wirtschaft steuert auf eine Rezession zu, belastet durch

die schwerste Energiekrise seit dem Zweiten Weltkrieg. *Der deutsche

Verzicht auf russisches Gas hat die Preise auf ein Niveau getrieben, das

viermal so hoch ist wie noch vor einem Jahr. Einige energieintensive

Anlagen haben daher den Betrieb eingestellt.

*

SKW Piesteritz ist eines der bekanntesten Opfer des teuren Gases. Zwar

wurde später eine der beiden Anlagen wieder auf ein Mindestmaß

hochgefahren, aber die zweite bleibt weiter außer Betrieb. „Wenn wir

weiter produziert hätten, hätten wir jeden Monat Verluste in Höhe von

100 Millionen Euro gemacht“, sagt Sprecher Christopher Profitlich.


Die Stilllegung von SKW hatte bereits enorme Auswirkungen auf die

Düngemittelversorgung der deutschen Landwirtschaftsbetriebe und

verursachte Probleme für Schlachthöfe, Lebensmittelverpacker und

Brauereien, die auf das von SKW produzierte Kohlendioxid - ein

Nebenprodukt von Ammoniak - angewiesen sind.


Doch der starke Rückgang der AdBlue-Produktion wird voraussichtlich noch

größere wirtschaftliche Folgen haben. BGL-Chef Engelhardt sagte, dass

mehr als 90 Prozent der 800.000 Lastwagen in Deutschland die Lösung

benötigen und insgesamt 2,5 bis 5 Millionen Liter pro Tag verbrauchen. (…)


*Nicht nur Lkw benötigen AdBlue

*„Das betrifft alle Fahrzeuge auf vier Rädern und mit einem Gewicht von

mehr als 3 bis 4 Tonnen“, sagt ein Spediteur und verweist auf

Krankenwagen, Feuerwehrfahrzeuge und Traktoren, die auch mit Diesel

fahren. Die Transportunternehmen sind zunehmend auf teure Importe von

einer begrenzten Gruppe von Herstellern angewiesen. (…)


*Industrienation wird Industriemuseum

*Der Hauptgeschäftsführer des Verbands der Chemischen Industrie (VCI),

Wolfgang Große Entrup, warnte im September, dass selbst die

standorttreuesten Mittelständler notgedrungen darüber nachdenken,

Produktion ins Ausland zu verlagern. Unternehmen, die dies nicht täten,

könnten kaum mehr auf dem internationalen Markt bestehen.

VCI-Chef Große Entrup sprach von einem „gewaltigen Alarmruf“ für den

Standort Deutschland. „Der Schritt von der weltweit führenden

Industrienation zum Industriemuseum war noch nie so klein.“

Industriestrukturen und Arbeitsplätze, die jetzt verloren gingen, kämen

nach der Krise nicht mehr wieder.


Die Bundesregierung hat auf die Energiekrise reagiert, indem sie ein

200-Milliarden-Euro-Maßnahmenpaket geschnürt hat, das private Haushalte

und Unternehmen vor höheren Energierechnungen schützen soll. Konkret

deckelt eine „Gaspreisbremse“ die Preise für eine bestimmte Grundmenge

an Gas und Strom. Für energieintensive Anlagen wie SKW Piesteritz ist

der Gaspreis aber immer noch zu hoch, um eine Rückkehr zum normalen

Betrieb ohne massive Verluste zu ermöglichen. „Die Preisbremse tritt für

die Industrie erst im Januar in Kraft, und das ist für uns zu spät“,

sagt Sprecher Christopher Profitlich.

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https://test.rtde.tech/wirtschaft/150363-krisen-und-insolvenzticker-345-prozent/ 

16.10.22


15:47 Uhr

*Chemieindustrie sendet Notruf: "Brauchen bezahlbare Energie"*

Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) hat in einer Erklärung die

Bedeutung bezahlbarer Energie für das weiterbestehen Branche betont. In

einem Tweet des Verbandes heißt es: "Das Herz unserer Industrie ist die

Chemie. Damit es weiterschlagen kann, brauchen wir Energie. Die sparen

wir, wo es geht. Doch müssen Strom und Gas bezahlbar sein, sonst geraten

wir außer Takt. Mit Folgen für den gesamten Wirtschaftsstandort und uns

alle."



08:57 Uhr

*Jedes zweite deutsche Unternehmen sagt geplante Investitionen ab*

Die Sanktionskrise hat für deutsche Großunternehmen besonders

dramatische Folgen. Jedes zweite hat eigentlich geplante Investitionen

zuletzt zurückgestellt. 39 Prozent der Unternehmen mussten sich komplett

aus bestimmten Märkten zurückziehen. Weltweit waren es mit 43

beziehungsweise 30 Prozent deutlich weniger. Das geht aus einer

weltweiten Umfrage hervor, die due Unternehmensberatung EY unter 760

Vorstandsvorsitzenden von Großunternehmen durchführte. 100 diesen haben

ihren Sitz in Deutschland. Über die Ergebnisse der Umfrage berichtete

das Springerblatt /Welt am Sonntag (WamS)/.



15:30 Uhr

*Deutschland: Zahl der Insolvenzen steigt deutlich

*In Deutschland wurden bis Oktober deutlich mehr Insolvenzen registriert

als noch im Vorjahr. Laut einer Analyse des Leibniz-Instituts für

Wirtschaftsforschung Halle (IWH) lag die Zahl der Insolvenzen von

Personen- und Kapitalgesellschaften im September 34 Prozent über dem

Vorjahreswert. Betroffen waren demnach rund 760 Unternehmen. Im August

hatte das IWH noch einen Anstieg um lediglich 25 Prozent im Vergleich zu

2021 vorhergesagt.

Wegen schwächelnder Konjunktur und steigender Kosten werde die Zahl in

den nächsten Monaten weiter spürbar steigen, teilte das IWH am Montag

mit. Im November könnten die Vorjahreswerte demnach gar um 40 Prozent

übertroffen werden. In ihrer Prognose sind die Wirtschaftsforscher aus

Halle für das Jahr 2022 insgesamt etwas verhaltener. Während in der

ersten Jahreshälfte 2022 die Insolvenzzahlen noch leicht unter

Vorjahresniveau lagen, rechnet das IWH im Vergleich zu 2021 mit einem

Anstieg bei den Firmeninsolvenzen von 12 bis 14 Prozent.



17:40 Uhr

*Inflation in Deutschland auf höchstem Stand seit 70 Jahren*

Erstmals seit den Nachkriegsjahren hat die Inflation in Deutschland

wieder die Marke von 10 Prozent erreicht. Damit bestätigte das

Statistische Bundesamt am Donnerstag seine erste Schätzung, die Ende

September bekannt gegeben worden waren. Das letzte Mal, als die

Teuerungsrate über zehn Prozent lag, war im Herbst 1951. Damals belief

sich der Wert auf 11 Prozent. Im August 2022 hatte die Inflation noch

bei 7,9 Prozent gelegen.

Mit den Daten für September dürfte nun auch feststehen, dass die

Inflationsrate für das gesamte Jahr den höchsten Stand in der Geschichte

der BRD erreichen wird. Der bisherige Höchstwert, ebenfalls aus dem Jahr

1951, hatte 7,6 Prozent betragen. Georg Thiel, der Präsident des

Statistischen Bundesamtes, sagte:

/"Hauptursachen für die hohe Inflation sind nach wie vor enorme

Preiserhöhungen bei den Energieprodukten. Aber wir beobachten zunehmend

auch Preisanstiege bei vielen anderen Gütern, besonders bei den

Nahrungsmitteln."/

Für Energie mussten Verbraucher im September 43,9 Prozent mehr zahlen

als noch vor einem Jahr. Die Preise für Heizöl haben sich mehr als

verdoppelt (plus 108,4 Prozent), Erdgas verteuerte sich um 95,1 Prozent.

Die Strompreise stiegen mittlerweile um 21 Prozent. Lebensmittel

verteuerten sich innerhalb eines Jahres um 18,7 Prozent.

Um Verbraucher und Unternehmen angesichts der steigenden Energiepreise

zu entlasten, hatte die Bundesregierung einen Abwehrschirm von bis zu

200 Milliarden Euro angekündigt. Davon soll auch die geplante

Gaspreisbremse finanziert werden. Laut Bundeswirtschaftsministerium soll

dies die Preise im kommenden Jahr dämpfen. Die Bundesregierung geht aber

dennoch von einer Inflationsrate von durchschnittlich 8,0 Prozent im

laufenden Jahr und von 7,0 Prozent im kommenden Jahr aus.


Info: https://taz.de/Pazifismus-in-Zeiten-des-Krieges/!5885293/

unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

17.10.2022

Russlands Afrikapolitik Zwischen Lenin und Wagner

jungewelt.de, vom 15.10.2022, Von Harald Projanski

Die wachsenden Widersprüche zwischen westlichen Machtzentren und afrikanischen Staaten geben Russland Raum für eine aktive Afrikapolitik


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Harald Projanski schrieb an dieser Stelle zuletzt am 28. September zur Haltung der KPRF zum Krieg in der Ukraine: Kommunisten im Krieg.

Was sie an Afrikanern nicht mag, verriet BRD-Außenministerin Annalena Baerbock der FAZ in einem programmatischen Interview am 15. September: »Wir erwarten, dass die afrikanischen Staaten Putins Angriffskrieg verurteilen und damit zum Schutz des Friedens in Europa Farbe bekennen.« Die kolonialistische Attitüde Baerbocks, man »erwarte« von den Afrikanern dieses oder jenes, steht in der Tradition des deutschen Imperialismus. Baerbocks Anmaßung, mit der sie Dunkelhäutige auffordert, endlich »Farbe zu bekennen«, streift dabei nicht nur die Parodie. Die Sentenz offenbart zudem die strukturelle Schwäche des grünlackierten deutschen Imperialismus.


Die BRD hat als Verbündete der bei den afrikanischen Völkern mehr und mehr verhassten französischen Imperialisten nicht das politische Potential, afrikanische Länder von ihrer neu­tralen Haltung gegenüber dem Ukraine-Konflikt abzubringen. Baerbocks wortgewaltige Vorhaltungen verschaffen Berlin in Afrika keine neuen Freunde. Russland hingegen erhält in dieser Situation Chancen, sich als Partner afrikanischer Staaten zu profilieren.


Baerbock warnte in ihrem FAZ-Interview: »Russland versucht schon seit längerem, Mali zu destabilisieren. Bedauerlicherweise sehen wir in den letzten Wochen eine verstärkte Zusammenarbeit der malischen Militärregierung mit den Russen.« Warum eine »verstärkte Zusammenarbeit« seitens der Regierung in Mali, wenn Russland doch Mali nur »destabilisieren« will? Will also auch die malische Regierung ihr Land »destabilisieren«?


Wer »destabilisiert«?

Wodurch Mali und der gesamte Nordwesten ­Afrikas destabilisiert wird, konstatierte die FAZ am 27. September: »Seit dem Fall von Libyens Autokrat Muammar Al-Ghaddafi 2011 gilt der Sahel als potentielle Gefahr für die Sicherheit Europas.« Das Ghaddafi-Regime hatte versucht, sich mit einer panafrikanisch und antiimperialistisch ausgerichteten Politik und materieller Hilfe für Nachbarländer Verbündete zu schaffen. Nach dem Lynchmord an dem libyschen Staatschef durch einen von der NATO unterstützten Mob im Oktober 2011 wurde Mali zum Epizentrum der Destabilisierung im Nordwesten Afrikas. Aufstände der ghaddafinahen Touareg-Stämme und der Berber in Mali gaben den Auftakt zu einem Bürgerkrieg, an dem auch Verarmte und Deserteure aus der Armee teilnahmen. Bewaffnete Islamisten nutzten die Situation, von der Republik Mali blieb kaum mehr als eine Fassade.


Es begann ein Krieg »aller gegen alle«, so die Studie »Heißes Afrika« des Moskauer Zentrums für Analyse von Technologie und Strategien. Die von Frankreich im August 2014 begonnene »Sicherheitsoperation« mit der Bezeichnung »Barkhane« (Sicheldüne) schuf in Mali nicht mehr, sondern weniger Stabilität. Im Rahmen dieser Operation stationierten die Franzosen insgesamt 4.500 Soldaten in den Staaten Mali, Burkina Faso, Mauretanien, Tschad und Niger. Das Vorgehen der Franzosen, so das Moskauer Institut, habe »nicht selten zu Opfern unter der örtlichen Bevölkerung« geführt. Die örtliche Bevölkerung habe die französischen Soldaten »wie eine Besatzungsarmee« wahrgenommen. Der französischen Elite ging es nie um die Sicherheit der Bewohner Malis, sondern um den sicheren Abtransport der Rohstoffe der faktisch besetzten Länder. Mali ist der viertgrößte Goldproduzent Afrikas und reich an Uran und Lithium.


Die Strategie des französischen Imperialismus in Afrika basiert auf der Unterstützung für korrupte Regime, meist gestützt auf Familienclans. Für deren Verlässlichkeit im Sinne der französischen Bourgeoisie sorgt der französische Auslandsgeheimdienst DGSE, der die örtlichen Eliten breitflächig durch angeheuerte Agenten kontrolliert. Die DGSE hält ihre Klientel zudem durch intransparente Deals mit dem französischen Waffenhandel bei Laune.


Abkehr von Frankreich

Eine sozial schmale, aber wohlgenährte Kompradorenbourgeoisie in Afrika parasitiert von der Rohstoffrente und verprasst ihre Pfründe bei Shoppingreisen mit Air France nach Paris. Doch das neokoloniale Modell, das mehr und mehr auf Terror gegen die Zivilbevölkerung hinauslief, geriet im Sommer 2020 in Mali in eine akute Krise. In der rund 20 Millionen Einwohner zählenden Republik putschten im August junge Offiziere. Sie stürzten den Präsidenten Ibrahim ­Boubacer Keïta, einen Absolventen der Sorbonne. Der durch den Putsch an die Macht gekommene neue Staatspräsident von Mali, Oberst Assimi Goïta, Jahrgang 1983, steuert einen antiimperialistischen Kurs mit einer außenpolitischen Annäherung an Russland.


Dafür hat er die Unterstützung großer Teile der zivilen Gesellschaft Malis. Die Zeit räumte am 3. Februar 2022 ein: »Die Militärcoups in Mali und Burkina Faso werden von großen Teilen der Bevölkerung eben nicht als Angriff auf die Demokratie gesehen, sondern als Notwehr gegen korrupte politische Eliten, die sich alle paar Jahre in mehr oder weniger dubiosen Urnengängen bestätigen lassen.« In der Folge verließen die französischen Truppen im August Mali.


Die politische Orientierung der neuen Führung in Mali machte der amtierende Premierminister von Mali, Oberst Abdulaye Maïga, Jahrgang 1981, in einer Rede auf der Generalversammlung der Vereinten Nationen am 24. September in New York deutlich. Maïga wandte sich gegen eine »Politik der Dominanz« und des »Raubs der Rohstoffe«. Der »Obskurantismus der französischen Junta« sei »nostalgisch« und entspringe einer »neokolonialen Praxis«. Die Politik Frankreichs, das die neue Führung Mali als »illegitim« bezeichnet hatte, nannte er »paternalistisch und revanchistisch«. Die gegen Terroristen gerichtete Sicherheitsmission der Franzosen, so Maïga, habe in zehn Jahren ihr Ziel nicht erreicht. Demgegenüber lobte er die »Beziehungen der beispielhaften und fruchtbaren Zusammenarbeit zwischen Mali und Russland«. Den französischen Politikern versprach er, sie würden es noch »mit Millionen von ›Assimi Goïtas‹« zu tun bekommen. Denn diese Millionen Afrikaner, so Maïga würden »ihre Ehre, ihre Würde und ihre vitalen Interessen verteidigen«.


Die Rede Maïgas vor der UNO begeisterte viele Afrikaner. Sie wurde in sozialen Netzwerken des Kontinents vielfach geteilt. Rund eine Woche nach Maïgas Auftritt vor den Vereinten Nationen hatte Russlands Präsident Wladimir Putin in Moskau in einer Rede im Kreml den westlichen Eliten vorgeworfen, sie kämpften für die Erhaltung »jenes neokolonialen Systems, das ihnen erlaubt, zu parasitieren und dem Wesen nach die Welt zu berauben zugunsten des Dollars«. Die Eliten des Westens, so Putin, seien »kolonisatorisch« und würden die Völker »in erste und zweite Sorten einteilen«. Der Konsens ist klar zwischen dem malischen Oberst Maïga und dem Oberst a. D. des sowjetischen KGB Wladimir Putin. Dieser erinnerte in seiner Rede daran, »dass unser Land im 20. Jahrhundert die antikoloniale Bewegung geführt hat«. Das ist auch in Mali und Burkina Faso noch in guter Erinnerung. Mali hatte seit der Staatsgründung 1960 gute Beziehungen zur Sowjetunion. Konflikte mit profranzösischen Kräften klärten junge Offiziere in Mali schon damals vorzugsweise nicht an der manipulationsanfälligen Wahlurne, sondern über Putsche.


Vorbild Sowjetunion

In Burkina Faso ist durch einen Staatsstreich im Oktober nun zum zweiten Mal nach dem Putsch vom Januar eine neue Führung an die Macht gekommen. Der Regierungschef, der 34jährige Hauptmann Ibrahim Traoré, ließ sich auf den Straßen der Hauptstadt Ouagadougou von jungen Landsleuten feiern, die russische Fahnen schwenkten und Freundschaft mit Russland »nach dem Vorbild von Mali« forderten.


Das hohe Ansehen Russlands in Afrika geht auf Lenin zurück. Mit seinem feinen Gespür für kommende Kämpfe schrieb Lenin schon 1912 in der Prawda über die Politik der imperialistischen Länder in Afrika, die »Araberstämme im Innern des afrikanischen Kontinents« würden sich den Imperialisten »nicht unterwerfen«: »Man wird sie noch lange ›zivilisieren‹ – mit dem Bajonett, mit der Kugel, mit dem Strick, mit Feuer, durch die Vergewaltigung ihrer Frauen.« Nach der Gründung des Sowjetstaates befasste sich der IV. Kongress der Kommunistischen Internationale 1922, an dem Lenin noch teilnahm, bereits mit der »afrikanischen Frage«.


Der Zweite Weltkrieg brachte den Durchbruch in der Annäherung der Sowjetunion und der Völker Afrikas. Die Afrikaner wollten kein Kanonenfutter für die Kolonialmächte mehr sein. Mit der Herausbildung afrikanischer Nationalstaaten wuchs in vielen Ländern das Interesse am sozialistischen Gesellschaftsmodell. Die sowjetischen Fortschritte im Bereich der Bildung und des Gesundheitswesens wirkten motivierend in den jungen Nationalstaaten Afrikas. Zwei frühere Kolonien Portugals, Angola und Mosambik, wurden 1975 zu Volksrepubliken mit sozialistischer Perspektive. Die Schwäche der Arbeiterbewegung in diesen Ländern und der Niedergang der Sowjetunion aber ließen diese Versuche scheitern. Dennoch sind die tragenden Befreiungsbewegungen MPLA und Frelimo dort noch heute an der Macht. Sie sind an einem guten Verhältnis zu Russland interessiert.


Von den Erfahrungen mit der Sowjetunion sind lebendige Erinnerungen geblieben. Insgesamt 400.000 Bürger afrikanischer Staaten haben seit 1970 ein Studium in der Sowjetunion und später in Russland absolviert. Manche von ihnen stehen heute in ihren Ländern in leitender Position. Der Präsident Angolas, João Lourenço, absolvierte von 1978 bis 1982 die Militärpolitische Akademie »W. I. Lenin«, eine Hochschule der Sowjetarmee.


Russland-Afrika-Summit in Sotschi

Die Versuche der NATO-Länder, afrikanische Länder zu einer Verurteilung des russischen militärischen Vorgehens in der Ukraine zu drängen, waren nicht sehr erfolgreich. In der Generalversammlung der Vereinten Nationen im März enthielten sich 17 afrikanische Staaten, darunter Südafrika, Angola und Mosambik, der Stimme. Sieben weitere Staaten Afrikas nahmen an der Abstimmung nicht teil, darunter Äthiopien, Kamerun, Togo und Burkina Faso. Freilich: Nur Eritrea stimmte mit Russland, Nordkorea, Syrien und Belarus gegen die mehrheitlich angenommene und von den NATO-Ländern initiierte Resolution, die »auf das schärfste die Aggression der Russischen Föderation gegen die Ukraine« missbilligte.


Dass viele afrikanische Staaten unter dem Druck der NATO-Länder den Mut zu einem neutralen Votum fanden, kann auch als Ergebnis einer in den letzten Jahren intensiveren russischen Kooperation mit Afrika gewertet werden. Der bisherige Höhepunkt von Russlands Afrikapolitik war ein Russland-Afrika-Summit in Sotschi im Oktober 2019. An dem Forum nahmen mehr als 6.000 Menschen teil, darunter Vertreter aller 54 afrikanischen Staaten. 43 Länder waren durch ihre Regierungen vertreten.


Putin begrüßte die Teilnehmer und drückte die Hoffnung aus, die Zusammenarbeit zwischen Russland und Afrika werde auf ein »qualitativ neues Niveau« gehoben werden. Die Versammlung nahm am 24. Oktober 2019 eine Resolution an, in der die Forderung enthalten war, »dem globalen Wirtschaftssystem einen mehr sozial orientierten Charakter« zu geben. Mit einer deutlichen Spitze gegen die westlichen Länder verurteilten die Teilnehmer die »Politik doppelter Standards« und propagierten das »Prinzip der Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten von Staaten«.


Zu dem Summit gab Putin der russischen Nachrichtenagentur TASS ein Interview, in dem er seinen Afrikakurs erläuterte. Dabei stellte er diese Politik in die Tradition der Sowjetunion und deren »Unterstützung des Kampfes der Völker Afrikas gegen Kolonialismus, Rassismus und Apartheid«. Der russische Staatschef argumentierte, das »sowjetische Modell – mit all seinen Vorzügen und Nachteilen« – habe sich »als ziemlich effektiv erwiesen in der Phase der Staatlichkeit afrikanischer Länder«.


Russlands Präsident kritisierte, dass »eine Reihe westlicher Länder Zuflucht nehmen zu Druck, Einschüchterung und Erpressung gegen Regierungen souveräner afrikanischer Länder«. Putin erwähnte auch die »militärtechnische Zusammenarbeit mit mehr als 30 afrikanischen Ländern«. Diese Kooperation habe auch den Sinn, »die Unabhängigkeit und Souveränität zu verteidigen, darunter auch gegen extremistische und terroristische Gruppierungen«. Allein in den Jahren 2014 bis 2019, so Putin, hätten mehr als 2.500 Militärs aus afrikanischen Staaten eine militärische Ausbildung in Russland erhalten.


Der russische Präsident verwies auch auf »gemeinsame wirtschaftliche Interessen«. So ginge es Russen und Afrikanern darum, »sich gegen einseitige Sanktionen zu schützen«. Auch verbinde einander das Bestreben, »die Rolle des Dollars zu begrenzen und beim Handel zu anderen Währungen überzugehen«.


In den Jahren 2014 bis 2019 verdoppelte sich der Warenaustausch zwischen Russland und Afrika auf 20 Milliarden US-Dollar. Von wachsender Bedeutung für Russland ist dabei, dass die afrikanischen Länder nicht an den von den NATO-Staaten initiierten Sanktionen gegen Russland teilnehmen. Zentral sind für Russland Investitionen im Energiebereich. Gasprom kooperiert seit 2018 mit der nigerianischen Ölfirma Oranto Petroleum und zeigt auch Interesse an Partnern in Tansania, Ghana und Mosambik. Auch der staatliche Kernenergiekonzern Rosatom ist in Afrika aktiv.

Einen Vorteil vieler Russen für die Arbeit in Afrika benannte freimütig die zitierte Studie mit dem mehrdeutigen Titel »Heißes Afrika«: »Russen, die eine reiche Erfahrung von Geschäftstätigkeit unter den Bedingungen von Behördendruck und kriminogener Risiken haben, kommen in der Geschäftswelt afrikanischer Länder besser zurecht als ihre amerikanischen und sogar asiatischen Konkurrenten.«


Das nächste Afrika-Summit veranstaltet Russland im Sommer 2023 in Sankt Petersburg. Dazu hat Putin bereits den Staatschef von Mali in einem Telefonat am 4. Oktober eingeladen. In dem Gespräch betonte Putin, ihm sei es wichtig, den russischen Plan umzusetzen, 300.000 Tonnen Dünger kostenlos bedürftigen Ländern zu übergeben. Dies aber, so Putin, werde in europäischen Häfen von westlichen Regierungen blockiert. Der Kontakt zwischen Putin und Goïta und die Beziehungen zwischen Russland und Mali bekommen mehr und mehr den Charakter eines Pilotprojektes.


In Moskau bleibt derweil nicht unbemerkt, dass Assimi Goïta weit über die Grenzen Malis hinaus inzwischen eine legendäre Figur für das junge Afrika ist. Antiimperialistisch gesinnte Afrikaner von Côte d’Ivoire über Togo bis Kamerun sehen ihn in der Tradition solcher Vertreter der afrikanischen Befreiungsbewegungen wie Patrice Lumumba, Agostino Neto und Thomas Sankara, der in den Jahren 1983 bis zu seiner Ermordung 1987 Burkina Faso, das damals noch Obervolta hieß, auf einen sozialistischen Entwicklungsweg führte. Funktioniere die Zusammenarbeit Malis mit Russland, dann, so Goïta-Sympathisanten, könne dies ein Signal auch für andere Länder sein, sich mit Hilfe Russlands vom Einfluss des französischen Imperialismus zu befreien.

Den Informationskrieg gegen afrikanische Unabhängigkeitsbewegungen verliert Frankreich zusehends. Einen Eindruck davon gibt schon ein Blick in die kritischen Kommentare junger Afrikaner auf der Website von Radio France International. Der souveräne Grundtenor laut im Kern: Euch kennen wir, und uns werdet ihr jetzt kennenlernen. »Macron«, so sagt es ein Radio France International-Hörer aus Togo, »glaubt offensichtlich, er habe es noch mit dem Frankreich von 1960 zu tun, aber da irrt er sich sehr.«


Das Scheitern der französischen Verbündeten an der Informationsfront in Afrika macht auch der Bundesregierung Sorgen. Die Autoren einer Analyse der vom Kanzleramt subventionierten Stiftung Wissenschaft und Politik über Frankreichs Afrikapolitik vom Oktober (SWP-­Aktuell, Nr. 62) beklagen die »Doppelbödigkeit der französischen Politik« in Afrika, »die ständig Wandel behauptet, ohne ihn je umzusetzen«. Die regierungsnahe Stiftung zieht ein vernichtendes Fazit der Politik des französischen Präsidenten gegenüber den Afrikanern: »Macron unterschätzt die anhaltende Wirkungsmacht des kolonialen Erbes und kolonialkritischer Diskurse in den afrikanischen Gesellschaften.«


Die Gruppe »Wagner«

Die letzte Karte im Ärmel westlicher Propagandisten in Afrika lautet »Wagner«. Gemeint ist das private, aber nicht sehr staatsferne russische Militärunternehmen gleichen Namens. Schon die Bezeichnung der für martialische Videoauftritte bekannten Truppe lässt sich virtuos nutzen, um den Eindruck zu erwecken, Russland lasse eine womöglich rassistische Söldnertruppe auf die Afrikaner los. Doch der Firmenname Wagner hat keine weltanschauliche Bedeutung. Er stammt vom Spitznamen des russischen Obersten der Reserve Dmitri Utkin, der als führender Kopf des Unternehmens »Wagner« gilt. Utkin war bis 2013 Offizier einer Spezialeinheit des Generalstabes. Ab 2014 nahm er an Kämpfen im Donbass und in Syrien teil. Im Dezember 2016 war er zu einem Empfang bei Wladimir Putin.¹


Maßgeblich beteiligt an der Gründung der »Wagner«-Gruppe war der Unternehmer Jewgeni Prigoschin, seit 2022 Träger der vom Präsidenten verliehenen Auszeichnung »Held Russlands«. Schon die demonstrative Wertschätzung Putins für Utkin und Prigoschin spricht dafür, dass diese private Firma mit dem russischen Generalstab verzahnt und in die politische Strategie Russlands in Afrika eingebunden ist. »Wagner« ist auch in der Ukraine im Fronteinsatz. Prigoschin gehört zu jenen Figuren des postsowjetischen »Bisness« in Moskau, deren Loyalität gegenüber der politischen Führung des Landes vor allem ein Geschäftsmodell ist. Er ist verbunden mit der Firma Lobaye Invest, die sich in Zentralafrika um Rohstoffförderung bemüht.


Die eng mit dem US-Außenministerium verbandelte »Nichtregierungsorganisation« Human Rights Watch (HRW) wirft der »Wagner«-Gruppe vor, in der Zentralafrikanischen Republik Morde und Folterungen begangen zu haben. Schon die Tatsache, dass HRW nicht in gleicher Lautstärke das Vorgehen des französischen Militärs in Mali kritisiert, mindert die Wirkung dieser Propaganda in Afrika erheblich. In den Unabhängigkeitsbewegungen der französischsprachigen afrikanischen Länder gilt die »Wagner«-Truppe eher als ein taktischer Verbündeter, um den Einfluss der Franzosen auszuhebeln.


Unabhängige afrikanische Medien in den sozialen Netzwerken wie Burkina Actu in Burkina Faso und Afrique Media in Kamerun, die für eine afrikanisch-russische Kooperation plädieren, sind selbst nach Angaben westlicher Propagandisten offenkundig nicht von Moskau finanziert. Die Arbeit der afrikanischen Portale im Internet, die für solidarische Beziehungen zwischen Russland und Afrika werben, zeigen, dass dem heutigen Afrika nicht nach paternalistischen Betreuern ist, auch nicht nach russischen. Wer sich mit jungen afrikanischen Antiimperialisten aus französischsprachigen Staaten unterhält, kann rasch feststellen, dass der kritische Blick auf alte weiße Männer auch vor reifen Russen nicht haltmacht.


Das heutige Russland mit seinen Vorzügen und Schattenseiten wird in Afrika als Verbündeter begriffen auf dem Weg zur Überwindung des Neokolonialismus, hin zu einer neuen Weltordnung. Die anmaßenden Appelle einer Annalena Baerbock aber werden auf dem afrikanischen Kontinent weitgehend wirkungslos verhallen.


Anmerkung

1 In russischsprachigen sozialen Medien tauchte die Behauptung auf, Dmitri Utkin trage Nazitätowierungen. Dafür gibt es jedoch keine Belege. Eine Aufnahme, die einen wesentlich älter aussehenden Mann mit Hakenkreuztatoos präsentiert, zeigt aller Wahrscheinlichkeit nach nicht Utkin. Publiziert wurde dieses Material von der ukrainischen Website »Inform Napalm«, die Inhalt und Ausrichtung nach ihre Zugehörigkeit zu ukrainischen und angelsächsischen Diensten nicht verleugnen kann. Demgegenüber steht ein Video der Wagner-Truppe, dessen im Rapstil wiederholte Parole lautet »Jebatj Nazistov«, also »fuck Nazis«.


Info: https://www.jungewelt.de/artikel/436719.russlands-afrikapolitik-zwischen-lenin-und-wagner.html


unser Kommentar: Artikel ermöglicht aufschlussreiches Politikverstehen.

17.10.2022

Das NATO-Atomkriegsmanöver      14 NATO-Staaten, darunter Deutschland, starten heute ein Atomkriegsmanöver. Der Einsatz nuklearer Waffen mit geringerer Sprengkraft auf dem Schlachtfeld wird auch im Westen nicht ausgeschlossen

german-foreign-policy.com, 17. Oktober 2022

WASHINGTON/BÜCHEL (Eigener Bericht) – 14 NATO-Staaten, darunter Deutschland, beginnen heute im Schatten des Ukraine-Kriegs eine knapp zweiwöchige Atomkriegsübung. Mit dem Manöver („Steadfast Noon“) wird die sogenannte nukleare Teilhabe geprobt; dabei fliegen Kampfjets derjenigen europäischen NATO-Staaten, die US-Atomwaffen gelagert haben, die Bomben an ihren Einsatzort. An dem Manöver sind bis zu 60 Militärflugzeuge beteiligt, darunter neben Kampfjets auch Aufklärungs- und Tankflugzeuge. Die B61-Bomben, die sich zur Zeit auf verschiedenen Luftwaffenstützpunkten in Europa befinden – darunter Büchel in der Eifel –, sollen modernisiert und durch Bomben des Modells B61-12 ersetzt werden. Diese sind angeblich präzise steuerbar und können mit flexibler Sprengkraft eingesetzt werden, was Militärs und Strategen über ihre taktische Nutzung auf regionalen Schlachtfeldern spekulieren lässt. Die jüngste öffentlich einsehbare US-Nuklearstrategie hat solche Einsätze für grundsätzlich zulässig erklärt. Berichten zufolge schließt sie auch die NATO nicht aus. Erst vor kurzem hat der ukrainische Präsident nukleare NATO-„Präventivschläge“ gegen Russland gefordert.


Zitat: Steadfast Noon

Das NATO-Manöver Steadfast Noon findet traditionell jedes Jahr im Oktober statt. Dabei wird die sogenannte nukleare Teilhabe trainiert, in deren Rahmen Kampfjets aus mehreren europäischen NATO-Staaten, die keine eigenen Nuklearwaffen besitzen, US-Atombomben an den Einsatzort fliegen. Das Manöver umfasst, so wird regelmäßig berichtet, alle zur Durchführung eines Atomangriffs notwendigen Aktivitäten: Die Bomben werden aus ihren unterirdischen Lagern geholt, dann an den Kampfjets angebracht, geschärft und schließlich eingesetzt. Allerdings betont die NATO stets, die Einsatzflüge würden nicht mit echten Nuklearwaffen geübt.[1] An Steadfast Noon sind nicht nur die Kampfjets beteiligt, die die Atombomben im Einsatzfall transportieren und abwerfen würden. Es sind auch Überwachungsflugzeuge involviert, die sämtliche Bewegungen feindlicher Streitkräfte im Detail registrieren, darüber hinaus weitere, nicht nuklear bewaffnete Kampfjets, die Schutzaufgaben übernehmen, sowie Tankflugzeuge, die sämtliche anderen Flugzeuge mit Treibstoff versorgen. Laut NATO-Angaben nehmen dieses Jahr bis zu 60 Flugzeuge an Steadfast Noon teil, darunter Kampfjets der vierten und fünften Generation und US-amerikanische Langstreckenbomber B-52.


Die Atombombenstandorte

Offizieller Gastgeber von Steadfast Noon ist laut Angaben der NATO in diesem Jahr Belgien. Dort sind am Militärflugplatz Kleine Brogel laut übereinstimmenden Berichten rund 20 US-Atombomben eingelagert. Übungen finden auch über der Nordsee sowie über Großbritannien statt.[2] Die Bundeswehr ist beteiligt, weil auch in Büchel (Eifel) etwa 20 US-Atombomben in Bunkeranlagen bereitgehalten werden. Da der dortige Fliegerhorst für eine dreistellige Millionen-Euro-Summe saniert wird, fungiert derzeit der Fliegerhorst Nörvenich südwestlich von Köln als Ausweichstandort. Im Rahmen der nuklearen Teilhabe sind schließlich weitere Atombomben in Volkel (Niederlande), Ghedi und Aviano (beide Italien) deponiert, zudem in İncirlik (Türkei). Der Standort İncirlik ist allerdings wegen der heiklen Sonderrolle, die die Türkei aktuell in der NATO innehat, seit einiger Zeit umstritten. Davon unabhängig hält Berlin an der nuklearen Teilhabe und der Bereithaltung von US-Atombomben in Büchel fest. Bester Beleg dafür ist, dass die Bundeswehr 35 US-Tarnkappenjets vom Typ F-35 erwerben will, um die alternden Tornados, die aktuell die US-Atombomben transportieren müssten, zu ersetzen. Die Rede ist von einem Stückpreis von um die 100 Millionen Euro.


Hemmschwellen senken

Für Debatten hat immer wieder die geplante Modernisierung der in Europa gelagerten US-Atombomben gesorgt. Die bisher dort gebunkerten B61-Bomben sollen durch neue vom Typ B61-12 ersetzt werden. Diese sind nicht nur angeblich präsise lenkbar; man kann zudem ihre Sprengkraft variieren. Das bedeutet, dass sie mit vergleichsweise niedriger Sprengwirkung eingesetzt werden können – etwa, um gezielt tiefliegende Bunker zu zerstören, aber etwa auch, um gezielte Angriffe auf ein Schlachtfeld zu führen. Das Argument, setze man die B61-12 mit niedriger Sprengwirkung ein, dann gebe es nur einen relativ geringen Fallout, droht laut Auffassung von Experten die Hemmschwellen von Militärs und vor allem von Politikern zu senken und damit die Wahrscheinlichkeit eines Nuklearwaffeneinsatzes zu steigern.[3] Nicht uninteressant ist in diesem Zusammenhang, dass sowohl die Tornados der Bundeswehr als auch die Eurofighter vermutlich nicht mit der B61-12 kompatibel sind. Bestens für sie geeignet ist allerdings die F-35. Entsprechende Tests wurden im vergangenen Herbst von der US-Luftwaffe durchgeführt. Damit stünde der Lagerung von B61-12 anstelle der bisherigen B-61-Atombomben auch in Büchel nichts mehr im Wege, falls die Bundeswehr die US-Kampfjets vom Typ F-35 beschafft.


Auf regionalen Schlachtfeldern

Das Führen eines Krieges unter Rückgriff auf Atombomben von vergleichsweise niedriger Sprengkraft ist in der jüngsten bekannten US-Nuklearstrategie („Nuclear Posture Review“) ausdrücklich als Option enthalten. In der am 2. Februar 2018 publizierten Nuclear Posture Review der Trump-Administration war vorgesehen, Kernwaffen gegebenenfalls auf regionalen Schlachtfeldern einzusetzen.[4] Mittlerweile hat die Biden-Administration eine aktualisierte Version des Strategiepapiers erstellt, hält es allerdings noch geheim. Eine Zeitlang hatten einige die Hoffnung gehegt, US-Präsident Joe Biden könne bereit sein, das von Washington in Betracht gezogene Einsatzspektrum einzuschränken; derlei Hinweise hatte es jedenfalls im Präsidentschaftswahlkampf gegeben. In einer Kurzzusammenfassung, die inzwischen einsehbar ist, ist davon allerdings keine Rede mehr. Experten gehen davon aus, dass sich die Biden’sche Nuclear Posture Review wohl nicht nennenswert von der Trump’schen unterscheiden wird. Damit bliebe die Option eines vermeintlich begrenzten Nuklearkrieges enthalten.[5] Nennenswerte Selbstbeschränkungen haben sich bislang nur China und Indien auferlegt; beide haben erklärt, auf den Ersteinsatz von Nuklearwaffen ebenso zu verzichten wie auf einen Einsatz gegen nicht nuklear bewaffnete Staaten.


„Bis zu nuklearen Erstschlägen“

Während sich die NATO offiziell von den jüngsten russischen Ankündigungen abgrenzt, Operationen mit Nuklearwaffen im Fall der Fälle nicht grundsätzlich auszuschließen, wirft ein internes Dokument des westlichen Kriegsbündnisses, über das bereits vor zwei Jahren berichtet wurde, Fragen auf. Demnach haben die NATO-Staats- und Regierungschefs im Juli 2018 ein „als geheim eingestuftes Dokument“ zur Kenntnis genommen, in dem „erstmals“ geäußert worden sei, „konventionelle Verteidigung und nukleare Abschreckung“ seien heute nicht mehr, „wie bisher in der Nato üblich“, voneinander zu trennen. Man müsse „beides gemeinsam“ bedenken.[6] Weiter wurde berichtet, die NATO-Verteidigungsminister hätten im Juni 2020 einem anderen Papier zugestimmt, das vom NATO-Oberbefehlshaber in Europa, US-General Tod D. Walters, erstellt worden und als „streng geheim“ eingestuft sei. In diesem Papier heiße es, das westliche Kriegsbündnis müsse sich gegen Bedrohungen im gesamten Operationsraum verteidigen, und zwar mit allen „defensiven und offensiven Fähigkeiten von der Raketenabwehr bis zu nuklearen Erstschlägen“.[7]


NATO-„Präventivschläge“

Womöglich auch mit Blick darauf hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj vor kurzem gefordert, die NATO müsse „die Möglichkeit eines Atomwaffeneinsatzes durch Russland ausschließen“.[8] „Wichtig“ sei dabei, dass dies mit „Präventivschlägen“ geschehe. Selenskyj hat freilich anschließend offiziell verbreiten lassen, damit seien nicht atomare Angriffe gemeint.

 

[1] Lukas von Hoyer: Steadfast Noon 2022: Alles Wichtige zum Atomwaffen-Manöver der Nato. augsburger-allgemeine.de 13.10.2022.

[2] NATO’s annual nuclear exercise gets underway. nato.int 14.10.2022.

[3], [4] S. dazu Die Atomkriegsübung der Bundeswehr.

[5] The US Nuclear Posture Review in limbo. iiss.org, June 2022.

[6], [7] Thomas Gutschker: Die Nato kann früher mit Atomschlägen drohen. Frankfurter Allgemeine Zeitung 18.06.2020. S. dazu Die Atomkriegsübung der Bundeswehr.

[8] Selenskyj spricht von Nato-Präventivschlägen – Kreml warnt vor „Drittem Weltkrieg“. rnd.de 07.10.2022.


Info: https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/9054

16.10.2022

[Flugblatt-Download zum Verteilen] Erklärung aus der Friedensbewegung zum Aktionstag am 22.10.2022: Verhandeln statt schießen! Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit statt Krieg!

nie-wieder-krieg.org, vom 12. Oktober 2022, von

Hier https://nie-wieder-krieg.org/wp-content/uploads/2022/10/Erklaerung_zum_22_10_22.pdf

könnt Ihr den Text als Flugblatt zum Verteilen downloaden.


Zitat: Auch wir sind der Meinung, dass angesichts der Mehrfachkrise – Krieg, Energiekrise, Inflation – und deren sozialen Konsequenzen ein solidarischer Herbst dringend notwendig ist. Deshalb finden die sozialen Forderungen des Aufrufs „Solidarischer Herbst“ unsere volle Unterstützung.

Deutschland wird jedoch immer mehr zur Kriegspartei; nicht nur auf der Seite der Ukraine, sondern auch in einem internationalen Stellvertreterkrieg zwischen Russland einerseits und den USA und deren Juniorpartnern in der NATO andererseits. Wir sind stattdessen mit Willy Brandt der Auffassung, dass Frieden zwar nicht alles, aber ohne Frieden alles andere nichts ist.


Eine solidarische Politik für Klima- und Umweltschutz, soziale Gerechtigkeit und Solidarität mit dem Globalen Süden hat nur dann eine Chance, wenn die Waffen schweigen und sofort Verhandlungen zur politischen Lösung des Konflikts aufgenommen werden. Eine militärische Lösung gibt es nicht.


Acht Monate nach dem russischen Einmarsch sind alle Seiten in der Eskalationsspirale gefangen. Auf jede neue Drehung reagiert die jeweils andere nach der Devise „Auge um Auge, Zahn um Zahn“. Mit Rache und Bestrafen durch immer massiveren Militäreinsatz taumeln wir aber immer näher an den Abgrund einer noch viel größeren Katastrophe, als wir sie jetzt schon haben.


Wirtschaftlich, sozial und ökologisch gibt es in Europa nur Verlierer dieser Eskalation. Die Explosion der Energiepreise ist nicht einfach Folge des Krieges. Die Sanktionen, die der Westen als Reaktion auf den völkerrechtswidrigen Einmarsch Russlands verhängt hat, sind zu einem historisch beispiellosen Wirtschaftskrieg geworden, der unzählige Unbeteiligte in der ganzen Welt trifft und der seinerseits völkerrechtswidrig ist.


Auch Deutschland ist wirtschaftlich besonders stark betroffen. Das Handelsblatt Research Institute schreibt zurecht in seiner jüngsten Konjunkturprognose: „der Wirtschaftskrieg zwischen Europa und Russland drückt die deutsche Volkswirtschaft gerade in die nächste Rezession“. Und die Deutsche Bank Research schreibt: „Wenn wir in zehn Jahren auf die derzeitige Energiekrise zurückblicken, könnten wir diese Zeit als Ausgangspunkt für eine beschleunigte Deindustrialisierung in Deutschland betrachten.“ Es drohen soziale Verwerfungen, Arbeitslosigkeit und Verarmung von Millionen.


Zudem sind der Ersatz der Gaslieferungen aus Russland durch Flüssiggas – zu einem großen Teil aus Fracking -, sowie die Weiternutzung von Kohle und Atomkraft auch ökologisch schädlich. Die Länder des Globalen Südens leiden besonders unter den steigenden Preisen für Energie, Nahrungsmittel und Düngemittel, auch weil ihnen Europa das Flüssiggas von den Weltmärkten wegkauft und unbezahlbar macht.


Die 100 Milliarden Euro teure Aufrüstung der Bundeswehr, unter anderem zur Anschaffung atomwaffenfähiger Kampfbomber aus den USA, ist überflüssig, gefährlich und verschwendet Finanzmittel, die dringend für Investitionen zum Klimaschutz und einen sozial-ökologischen Umbau benötigt werden. Schon heute geben allein die europäischen NATO-Staaten fünfmal so viel Geld für Rüstung aus wie Russland, die USA allein mehr als zehnmal so viel. Die NATO ist Russland bei konventionellen Waffen militärisch weit überlegen.


Europa und die Welt können es sich nicht leisten, dass ein jahrelanger Schieß- und Wirtschaftskrieg die ganze Welt in Krisen und Konfrontation gefangen hält. Die Lösung der großen globalen Herausforderungen – Frieden, Klimaschutz, Entwicklung – geht nur mit Entspannung, einer Politik der gemeinsamen Sicherheit und internationaler Zusammenarbeit.


Notwendig ist daher, die Aufrüstung und den Wirtschaftskrieg zu beenden und Verhandlungen zur Beendigung des Krieges verbunden mit Gesprächen über die Wiederaufnahme von Wirtschaftsbeziehungen zu führen.


Die UN-Resolution, die den Einmarsch Russlands verurteilt, muss endlich von der Bundesregierung in ihrer Gesamtheit beachtet werden, denn sie fordert auch „nachdrücklich die sofortige friedliche Beilegung des Konflikts zwischen der Russischen Föderation und der Ukraine durch politischen Dialog, Verhandlungen, Vermittlung und andere friedliche Mittel.“


Wir fordern von der Bundesregierung

– eine sofortige Verhandlungsinitiative statt Waffenlieferungen und Wirtschaftskrieg!

– Abrüsten, sozialen Schutz und Klimaschutz statt Aufrüsten!

 

Ukraine-Initiative – die Waffen nieder! https://nie-wieder-krieg.org/ Reiner Braun (International Peace Büro), Hugo Braun (Attac Koordinierungskreis), Claudia Haydt (Informationsstelle Militarisierung Tübingen – IMI), Ralf Krämer (Sozialistische Linke), Willi van Ooyen (Friedens- & Zukunftswerkstatt Frankfurt/M.), Christof Ostheimer (Friedensaktivist in ver.di), Peter Wahl (Mitbegründer von Attac).



Flyer: https://nie-wieder-krieg.org/2022/10/12/erklaerung-aus-der-friedensbewegung-zum-aktionstag-am-22-10-2022-verhandeln-statt-schiessen-klimaschutz-und-soziale-gerechtigkeit-statt-krieg


Info: https://nie-wieder-krieg.org/wp-content/uploads/2022/10/Erklaerung_zum_22_10_22.pdf

16.10.2022

Die NATO lässt die Maske fallen


 

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journalistenwatch.com, vom 15. Oktober 2022, 14:00 Uhr, Von Wolfgang Hübner

Die jüngsten Äußerungen von NATO-Generalsekretär Stoltenberg lassen keinen Zweifel mehr, welche Rolle das US-amerikanisch dominierte Bündnis im Ukraine-Konflikt wirklich spielt. Wenn Stoltenberg unter anderem sagt, ein Sieg Russlands in der Ukraine würde eine Niederlage der NATO bedeuten, dann lassen sich daraus nur folgende Schlüsse ziehen:


– Die NATO befindet sich faktisch im Kriegszustand mit der Russischen Föderation

– Das NATO-Mitglied Deutschland befindet sich folglich ebenfalls im Kriegszustand mit der Russischen Föderation

– Die NATO behandelt das Nichtmitglied Ukraine mit fast allen Konsequenzen faktisch als Mitgliedsstaat. Gleiches tut Deutschlands derzeitige Regierung. Das ist offen illegal und verstößt gegen die NATO-Statuten und die Verträge der NATO mit ihren Mitgliedsstaaten

– Die NATO handelt gegenüber der Russischen Föderation faktisch als Angreifer und gibt damit ihren eigentlichen und ausschließlichen Zweck auf, ein schützendes Verteidigungsbündnis zu sein

– Wenn die NATO gegenüber der Russischen Föderation faktisch als Angreifer agiert, ist letztere folglich in einer Verteidigungsposition. Das erlaubt der Russischen Föderation gemäß ihrer Militärdoktrin den Einsatz auch atomarer Waffen zur Verteidigung zumindest derjenigen ehemaligen Territorien der Ukraine, die nach Referenden nun zum Staatsgebiet der Russischen Föderation geworden sind

– Mit ihrer aktiven Unterstützung des faktischen NATO-Krieges gegen die Russische Föderation verstößt die Bundesregierung gegen Artikel 26 (Verbot des Angriffskrieges) des Grundgesetzes und handelt damit verfassungsfeindlich: Weder ist Deutschland in einem verpflichtenden Bündnis mit der Ukraine noch hat die Russische Föderation irgendeine kriegerische oder kriegsfördernde Handlung gegen Deutschland unternommen

– Deutschland ist somit ein legitimes Ziel der russischen militärischen Verteidigung.

Im fundamentalen Interesse Deutschlands und des deutschen Volkes kann es aus den oben aufgeführten Punkten nur zwei Konsequenzen geben: Entweder die Rückführung der NATO auf ihren eigentlichen Zweck als Verteidigungsbündnis oder das Ausscheiden Deutschlands aus der NATO.


PS. Gerade hat der französische Staatspräsident Macron getwittert: „Wir wollen keinen Weltkrieg“ – warum wohl?



2 Kommentare

Causa

Causa

16. Oktober 2022 11:33

Also haben wir derzeit einen WK III. Nur in einer Form, wie es das Volk nicht begreift. Der Verlierer wird dann den Atomkrieg beginnen.
Also das Ender der Menschheit.
Es wir nicht nur DE und EU treffen, auch die USA wird verwüstet.


Joe

Joe

15. Oktober 2022 17:41

Warum hat er das gezwitschert?
Weil Frankreich relativ unabhängig ist.
Deutschland hingegen ein Vasall der USA welches Befehle auszuführen hat die ihm nicht mal von der ersten Politgarnitur erteilt werden sondern von der zweiten und dritten.


Die Grünen: Habecks durchsichtige Realitätskonstruktion


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Deutschland

Dämmerung. Vom Licht ins Dunkle – und umgekehrt


Info: https://journalistenwatch.com/2022/10/15/die-nato-laesst-die-maske-fallen


Info: https://taz.de/Pazifismus-in-Zeiten-des-Krieges/!5885293/

unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

16.10.2022

Pazifismus in Zeiten des Krieges: Hart, aber nötig

taz.de, 16. 10. 2022, 08:58 Uhr

Pazifismus konnte den Ukrainekrieg nicht verhindern. Das alte Ideal im Sinne der UN-Charta ist dennoch nötig, um den Krieg tatsächlich zu beenden.


Illustration eines Demonstierenden mit Peace-Flagge


Die Peace-Flagge weht im rauen Gegenwind Illustration: Katja Gendikova






Zitat: Pazifismus ist nichts für Weicheier. Wenn es dazu noch eines Beweises bedurft hätte, haben die mittlerweile acht Monate Krieg gegen die Ukraine ihn erbracht. Wer sich skeptisch gegenüber weiteren Waffenlieferungen äußert, die Ansicht verbreitet, dass an Verhandlungen kein Weg vorbeiführe oder gar die Utopie einer Welt nicht aufgeben will, die auch gewaltsame Konflikte am Ende gewaltlos lösen kann, wird von allen Seiten zusammengeschossen. Selbst von ehemals Gleichgesinnten.


Denn auch einst stolz Zivildienstleistende, die den Akt der Kriegsdienstverweigerung wie einen Orden an der Brust tragen, eilen mit fliegenden Fahnen an die Front.


Dort trifft man keineswegs nur solche Egotypen wie FDP-Chef Christian Lindner, der heute ganz offen zugibt, dass er als junger Mann den Wehrdienst nur deswegen vermieden hat, weil der zivile Ersatzdienst besser zu seinen Geschäften als upstartender Yuppie mit Lederkoffer passte. Das klingt rückblickend wie ein Beleg der vielfach vertretenen These, dass die Kriegsdienstverweigerer in den 80ern vor allem Drückeberger waren. Aber es ist kein Grund zur Häme. Im Gegenteil. Wenn ein 18-Jähriger erkennt, dass der Bundeswehrdienst ökonomisch betrachtet verballerte Zeit ist, zeugt das ja von einer gewissen Lebensweisheit. Peinlich ist allenfalls, dass Lindner sich später quasi als Lebenslauf-Update doch noch zum Reserveoffizier berufen ließ.


Das könnte man mittlerweile auch Typen wie Anton Hofreiter zutrauen. Seit Beginn des Anti-Ukraine-Krieges kämpft der bei den Grünen an vorderster Front für Waffenlieferungen nach Kiew. 2015 hatte er das noch klar abgelehnt, weil es keine militärische Lösung des Konflikts geben könne. Immerhin muss er sich nicht vorwerfen lassen, als ehemaliger Kriegsdienstverweigerer zum Waffenfan geworden zu sein. Er war als junger Mann ausgemustert worden. Glück gehabt.


Pazifismus in Zeiten schweigender Waffen ist ein modisches Accessoire, das man sich wie den Button mit der Friedenstaube ans Revers heftet. Wenn es wie jetzt zur Sache geht, verschwindet er bei den meisten schnell in der Kiste mit den anderen Jugendidealen, die man sich abgeschminkt hat. Schlaghose, Palituch, BAP-Platte, Peace-Zeichen. Alles verdammt lang her.


In Kriegszeiten praktizierende Pazifisten hingegen gelten schnell auch mal als Verräter. Wer in der Ukraine selbst aus guten Gründen nicht an die Front will, muss sich verstecken oder fliehen. Wer als Russe nicht auf Ukrai­ne­r:in­nen schießen will, wird bei der Flucht in Nachbarstaaten gar als Sicherheitsrisiko eingestuft. Deserteur gilt in Zeiten des Kriegs oft als Schimpfwort. Anerkennung darf man, wenn überhaupt, erst Jahrzehnte später erwarten. Wie gesagt: Pazifismus ist nichts für Softies.


Keine der reinen Lehren führt zum Frieden, nur der für alle schmerz­hafte Kompromiss

Hinzu kommt: Der Pazifismus leidet mal wieder extrem unter einer ganzen Reihe seiner Für­spre­che­r:innen. Da sind zum einen die offensichtlichen Putin-Versteher:innen, mit denen man ums Verrecken nicht einer Meinung sein möchte. Die sind auch keineswegs gegen Gewalt, sondern allenfalls gegen Gewalt gegen Russland. Zum anderen sind da die Friedensfürsten, die mit einer unerträglichen Hybris mittlerweile nahezu täglich im TV oder in einer großen Zeitung darüber klagen dürfen, dass sie nicht zu Wort kämen. Als wäre Pazifismus nur was für Labertaschen.


Es steht also wahrlich nicht gut um den Pazifismus. Gehört er deshalb auf den Schrotthaufen gescheiterter Ideologien? Zeigt nicht gerade der menschenverachtende Angriffskrieg Russlands, dass An­hän­ge­r:in­nen gewaltloser Strategien jetzt einfach mal die Klappe halten sollten? Weil nur Panzer Putin zeigen, wo der Hammer hängt?


Ohne Zweifel muss man eingestehen: Pazifismus hat den Krieg nicht verhindern können. Und er wird ihn auch nicht stoppen, zumindest nicht, wenn man ihn nur mit dem Klischeebild von tanzenden Hare-Krishnas verbindet, die singend an die Front ziehen, um die Soldaten von ihrem Tun abzuhalten. Als wäre Pazifismus nur was für Traumtänzer.


Die Frage an alle, die den Pazifismus nun als weltfremd geißeln, muss trotzdem lauten: Was ist ihre Alternative? Denn auch alle anderen Deeskalationstools, die die Weltgemeinschaft bereithält, haben diesen Krieg nicht verhindern können.


Da ist zum einen der Kapitalismus, von dem seine An­hän­ge­r:in­nen glauben, dass er alle Probleme der Welt von allein lösen kann. Im Falle Russlands setzen die Marktapologeten auf das altbewährte Konzept Wandel durch Handel. Oder wenigstens: Annäherung durch Handel. Das ist grundsätzlich nicht falsch. Im Gegenteil. Nichts ist besser zur Konfliktvermeidung als eine gegenseitige Öffnung. Das hat ja schon in den 1970ern unter Willy Brandt zwischen BRD und DDR funktioniert.


Geschäfte mit Oligarchen führen zu einem erhöhten Preis

Dummerweise hat der Kapitalismus einen systemimmanenten Fehler: Ihm gelingt die eigentlich notwendige Internalisierung externer Kosten nicht. Kurz: In den Preis für Güter am Markt fließen nur die Kosten ein, die An­bie­te­r:in­nen und Her­stel­le­r:in­nen nicht auf andere abwälzen können. Bananen aus Ecuador sind billig in deutschen Supermärkten, weil das Leiden der Plan­ta­gen­ar­bei­te­r:in­nen nicht eingepreist ist. Autofahren ist günstig, weil die Folgen fürs Klima nicht mitbezahlt werden müssen. Und Gas aus Russland war preiswert, weil beim Import das spätestens seit 2014 bekannte Sicherheitsrisiko für die Ukraine keine Rolle spielte. Dass es dennoch bezahlt werden muss, sieht man aktuell Tag für Tag. Kapitalismus ist nur was für Ausblender.


Hinzu kommt, dass beim Russland-Gasgeschäft ein Anfängerfehler begangen wurde, den jeder nach einem Semester Betriebswirtschaftslehre auf dem Schirm hat: Geschäfte mit Monopolisten, aber auch mit marktbeherrschenden Oligarchen führen immer zu einem erhöhten Preis. Denn sie machen die Ab­neh­me­r:in­nen erpressbar. Und dass der zu zahlende Preis sich, wie bei den exorbitant gestiegenen Gasrechnungen, keineswegs nur in Euro oder Rubel berechnen lässt, zeigen die Bilder von den Raketeneinschlägen in der gesamten Ukraine.


Die Regierung will Energiekosten senken, aber wirklich sozial gerecht sind die Vorschläge nicht. Ob die Ampel jetzt baden geht, und ob man ihr ihre Fehler verzeihen kann – in der taz am wochenende vom 15./16. Oktober. Außerdem: Was die iranische Popmusik der Siebziger mit der heutigen Protestbewegung zu tun hat. Und: Wie ein Schleusenwärter in Eberswalde sich zur Marke macht. Ab Samstag am Kiosk, im eKiosk, im praktischen Wochenendabo und rund um die Uhr bei Twitter.


Als Friedensgarant hat der Kapitalismus damit auf ganzer Linie versagt. Gescheitert ist auch die Strategie der militärischen Abschreckung. Wie das?, werden nun viele entgegnen. War die ­Armee der Ukrai­ne nicht einfach nur zu schwach, um Putin vom Angriff abzuhalten? Wenn man seinen Fokus allein auf das Kräfteverhältnis zwischen Russland und Ukraine richtet, mag das stimmen. Weitet man den Blick, erkennt man die Schieflage: Der Besitz von Atomwaffen hat den konventionellen Krieg nicht verhindert, sondern ermöglicht.


Eine Rückkehr zu den alten Geschäftsbeziehungen mit Russland verbietet sich von selbst. Die westlichen Staaten tun gut daran, sich von russischen Energielieferungen unabhängig zu machen. Schon um wenigstens auf dieser Flanke nicht mehr erpressbar zu sein.


Und eine militärische Lösung? Selbstverständlich, das kann man gar nicht oft genug betonen, hat die Ukraine das Recht, sich zu verteidigen. Jeder Schlag gegen das russische Militär ist ein Grund zur Freude. Doch selbst wenn die Ukrai­ne sich komplett befreien könnte, Putin besiegen wird sie nicht. Dafür müsste sie den Despoten aus dem Kreml vertreiben. Das ist nicht einmal denkbar.


Der Krieg könnte damit allenfalls zum Stillstand kommen, in etwa so wie nach 2014, vielleicht mit einem etwas günstigeren Frontverlauf. Aber er wird weiterschwelen. Befriedigend im Wortsinne ist das nicht. Zumal Putin durch die Annexionen die Grenzen für einen Einsatz von Atombomben so verschoben hat, dass es für die Ukraine unakzeptabel sein muss.


Für Idea­lis­t:in­nen mag das absurd, ja hart klingen. Aber Pazifismus ist eben nichts für Weicheier

Was also bleibt? Verhandlungen! Und zwar im Sinne des vom pazifistischen Weltgeist nach 1945 beschlossenen Artikel 33 der UN-Charta. Streitigkeit, deren Fortdauer geeignet ist, die Wahrung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit zu gefährden, heißt es dort, sollen durch Vermittlung, Vergleich, Schiedsspruch beigelegt werden. Die UN-Charta bleibt eine der größten Errungenschaften der Menschheit. Sie sollte dringend wieder ernst genommen werden.


Aber, wird an dieser Stelle gern eingewandt, mit Hitler wurde zum Glück auch nicht verhandelt. Stimmt. Aber das Deutsche Reich verfügte auch nicht über Atomwaffen und konnte in einem konventionellen Krieg besiegt werden. Aber, sagen andere, Putin will doch gar nicht verhandeln. Stimmt, wenn auch nicht ganz. Es gab schon erfolgreiche Gespräche über einen Gefangenenaustausch. Das ist nicht mehr als ein Anfang, aber immerhin. Aber, werfen Dritte ein, muss man Putin nicht etwas anbieten und kann die Ukraine dazu gezwungen werden? Ohne Zustimmung der Ukraine geht selbstverständlich gar nichts. Ohne Kompromiss aber auch nicht.


Deshalb muss zum Beispiel auch über den Donbass, Luhansk und die Krim geredet werden können. Natürlich nicht, um sie Putin zu schenken. Sondern um herauszufinden, welchen eigentlich vielleicht unerträglichen Kompromiss es geben könnte, um eine atomare Eskalation zu vermeiden. Wie weit die Ukraine kompromissbereit sein will, muss sie letztlich selbst entscheiden.


Dass sie es derzeit nicht ist, ist genauso klar wie die Tatsache, dass Putin derzeit nicht verhandeln will. Aber so ein kategorisches, beidseitiges Nein war historisch betrachtet eigentlich immer der Istzustand, bevor es dann doch zu Friedensverhandlungen kam, bei denen beide Seiten über ihren Schatten springen mussten.


Könnte man Putin, sollte es zu Verhandlungen, zu einem Kompromiss kommen, vertrauen? Das fällt schwer. Sehr schwer. Aber Pazifismus im Sinne der UN-Charta lebt vom Vertrauen darin, sich vertrauen zu können. Weil man es muss.


Und schließlich gilt: Keine der reinen Lehren führt zum Frieden, sondern nur der für alle schmerzhafte Kompromiss. Bei den großen Antikriegsdemonstrationen im Frühjahr in Berlin wurden Plakate getragen, die die Friedenstaube auf ukrainischen Nationalflaggen zeigten und eine Flugverbotszone forderten. Also eine Art bewaffneter Pazifismus. Einer, der den Einsatz von Militär nicht ausschließt, dabei aber nie vergisst, dass der nur das Mittel zum Zweck sein darf: dem Erreichen einer Verhandlungslösung.

Für Idea­lis­t:in­nen mag das absurd, ja hart klingen. Aber Pazifismus ist eben nichts für Weicheier.


Info: https://taz.de/Pazifismus-in-Zeiten-des-Krieges/!5885293

unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

16.10.2022

Proteste: Leipzig, Neubrandenburg, Hannover

aus e-mail von Doris Pumphrey, 16. Oktober 2022, 16:56 Uhr

*/

/*


*/Das ist der Link zum Video: https://youtu.be/SEzuw4yGxgM/*


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14.10.2022 Neubrandenburg:

*Deutsche Unternehmer ziehen auf die Straßen:

"Keine Waffenlieferungen und Nord Stream öffnen"


*In Neubrandenburg sind Unternehmer gemeinsam in einem Autokorso gegen

die Russland-Sanktionen auf die Straße gegangen. Unter anderem forderten

sie ein Ende der Aufrüstung der Ukraine gegen Russland, und dass sofort

die deutsch-russische Gaspipeline Nord Stream 2 geöffnet wird.


Der deutsche Mittelstand ist weltbekannt und ist der Motor der deutschen

Wirtschaftskraft. Nie seit dem Zweiten Weltkrieg hat er sich derart in

der Krise gesehen wie dieser Tage. Auf Grund des in diesem Jahr

eskalierten Sanktionskrieges gegen Russland und die damit ausbleibenden

russischen Energielieferungen ist die Energie knapp, und die Preise

schießen in die Höhe. Dabei gilt es als offenes Geheimnis, dass

Deutschlands Wohlstand auch darauf aufbaute, dass es bisher sehr

günstige Energie aus Russland bezog.


Seit Monaten kommt es bundesweit zu breiten und regelmäßigen Protesten

gegen die Regierungspolitik und gegen die Russland-Sanktionen. Moskau

bot bereits mehrfach an, "sofort" die Gas-Lieferungen wiederaufzunehmen.

Doch die Bundesregierung weigert sich und hält an ihrem Kurs fest. (…)

*/SieheVideo/*:

https://test.rtde.tech/kurzclips/video/151625-deutsche-unternehmer-ziehen-auf-strassen/


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*Landesweiter Protest am 08.10.22 in Hannover*


Flugblatt der DKP Hannover siehe:

https://dkphannover.files.wordpress.com/2022/10/hvb-extra-okt-22-v03-1.pdf



*Initiative „Frieden mit Russland“ zur Teilnahme am landesweiten Protest

*https://frieden-mit-russland.com/2022/10/08/landesweiter-protest-am-08-10-in-hannover/


Um es gleich vorweg zu nehmen: Es war ein erfolgreicher und würdiger

Protest am 08.10.22 am Opernplatz und in der Hannoveraner Innenstadt.

Zum Ende des öden Landtagswahlkampfes in Niedersachsen wollten sich

Kanzler Scholz und Ministerpräsident Weil wegen fragwürdiger

„Hilfspakete“ und blumiger Versprechungen für soziale Wohltaten hier vor

Ort noch einmal feiern lassen.

Dagegen standen bei kämpferischen und gut gelaunten Aktionen bis zu

viertausend Teilnehmer einer Kundgebung mit nachfolgender Demonstration.

Sie schafften damit die landesweit wohl größte Veranstaltung des

gesamten Wahlkampfes zum Landtag in Niedersachsen.


Mobilisiert wurde von einem breiten Bündnis von Bürgerbewegungen und

Einzelpersonen, u.a. unter dem Namen ‚RoteLinie‘ (vgl. unter diesem

Telegram-Kanal), die in den Monaten zuvor schon bei Protesten gegen die

völlig überdrehte Politik von Corona-Maßnahmen der Bundes- und

Landesregierung u.a. auf den bekannten ‚Montagsdemonstrationen oder

‚-spaziergängen‘ unterwegs waren.


Unsere Initiative /‚Frieden mit Russland‘/ rief ebenfalls zu diesen

landesweiten Aktionen auf. Mit unseren Losungen für ein ‚Ende der

anti-russischen Sanktionen‘ und ‚Für Reparatur und Öffnung der

Nordstream-Pipelines‘ trafen wir genau die Stimmung auf dem

Kundgebungsplatz. Unser Flyer /„Macht uns Russland nicht wieder zum

Feind!“/ fand ausgesprochen freundliches Interesse. Viele zeigten, daß

sie den Zusammenhang zwischen dem NATO-Krieg in der Ukraine und dem

wachsenden sozialen Elend hier bei uns kennen und wie wir eine Politik

der Zusammenarbeit mit Russland fordern. So viele ‚Drushba !‘ – Symbole

waren in Hannover wohl schon lange nicht mehr zu sehen.


Es läßt sich eben die rasante Ausplünderung und Verarmung der großen

Mehrheit der Bevölkerung für den Ukrainekrieg der NATO auch bei uns

nicht mehr schönreden. Immer mehr Menschen im Lande verstehen, dass sich

hinter den schönen Worten von Scholz, Lindner, aber auch den aggressiven

und kriegsgeilen von Habeck und Baerbock ein gefährlicher

Konfrontationskurs und ein Generalangriff auf ihre Lebenslage verbergen.

Der Druck der Verhältnisse, den jeder einzelne bemerkt, läßt schon

längst keine andere Interpretation mehr zu. Proteste gegen den Weg in

den Krieg und in drohende Verarmung werden prompt als „rechts“ und

„staatsfeindlich“ denunziert. Immer offener drohen Ministerpräsident

Weil und sein Innenminister Pistorius mit dem Einsatz der Polizei,

notfalls auch der Bundeswehr, um aufkommenden Widerstand einzuschüchtern.


Der Protest setzt sich aus ganz unterschiedlichen Strömungen und

vielfältigen Motivationen zusammen. Das mag eine Stärke sein, aber es

ist auch Schwäche dieser Bewegung. Diese wird sich geradezu

gezwungenermaßen noch auf einige zeitgemäße Schwerpunkte fokussieren

müssen. Umso erstaunlicher die allgegenwärtige Disziplin der

Kundgebungsteilnehmer, die sich auch durch kleine wiewohl großmäulige 

Provokationen schwarz gekleideter junger Männer („Transatlantifa“) und

dreier „Omas gegen Rechts“ nicht vom Protestkurs abbringen ließen.


*Frieden und Zusammenarbeit mit Russland

Sanktionen gegen Russland beenden


Statt frieren und irre Preise zahlen

Nord Stream 2 reparieren und in Betrieb nehmen


*


unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

16.10.2022

Anmerkung zum „solidarischen Herbst“

aus e-mail von Doris Pumphrey, 16. Oktober 2022, 14:37 Uhr


(Doris Pumphrey) Anmerkung zum „solidarischen Herbst“:


In seiner Rede zur Eröffnung der Konferenz „Russische Energiewoche

<https://www.anti-spiegel.ru/2022/putins-abrechnung-mit-energiepolitik-der-eu-im-o-ton/>“ 

in Moskau am 12. Oktober 2022, wies Präsident Putin darauf hin, dass die

Nord Stream Gaspipelines, gegen die ein (staatlicher) Terroranschlag

verübt wurde, repariert werden können. Zudem sei eine Röhre von Nord

Stream 2 nicht beschädigt worden. Russland sei jederzeit zu einer

„gemeinsamen Entscheidung“ und zur Aufnahme von Gaslieferungen bereit.


Putin: *„Der Ball liegt, wie man so schön sagt, im Feld der EU. Wenn sie

wollen, sollen sie einfach den Hahn aufdrehen, das ist alles. Wir – ich

wiederhole das nochmal – schränken niemanden ein, und sind auch bereit,

im Herbst und Winter zusätzliche Mengen zu liefern.“


*Das passt der Bundesregierung gar nicht und sie hat auch diesen

Vorschlag Putins abgelehnt.


Die einfachste, schnellste und preiswerteste Möglichkeit zur Beendigung

des Energiemangels wurde und wird systematisch beschwiegen – nicht nur

von der Regierung und den Medien. Russische Gaslieferungen passen auch

anderen in diesem Land nicht ins anti-russische Konzept.


Trotz aller Regierungspropaganda und Einschüchterung durch die

„rechts-offen“-Denunziation, erkennen immer mehr Menschen den

Zusammenhang von Wirtschaftskrieg gegen Russland und

Energiemangel/Energiekosten. Die Regierung macht sich Sorgen, dass die

Forderungen nach einem „Ende der Sanktionen“, „Öffnung von Nord Stream

2“, „Stopp der Unterstützung der Ukraine“ und „Frieden mit Russland“

lauter werden könnten


Dem muss entgegengewirkt werden und so werden die entsprechenden Truppen

in Bewegung gesetzt, um zu verschleiern, dass die Ampelregierung und die

EU mit ihrem anti-russischen Sanktionswahnsinn die Krise selbst

verursacht haben.


Dazu gehören die Gewerkschaften, die die USA/NATO-Kriegspolitik der

Regierung unterstützen – in solidarischer Verbundenheit mit einer

Ukraine, die Nazi und SS-Kollaborateure als Nationalhelden verehrt – und

die nun die Regierung um etwas Solidarität bittet, damit die Bevölkerung

weniger leiden muss – wegen Putin.


Ver-di

<https://www.verdi.de/themen/politik-wirtschaft/++co++1e4dea58-3dbb-11ed-afea-001a4a160129

bedauert die /„mangelhaften Reaktionen der Bundesregierung auf die durch

Putins Angriffskrieg auf die Ukraine ausgelöste Energiekrise“/ und eilt

mit dem Bündnis Solidarischer Herbst

<https://www.solidarischer-herbst.de/> der Regierung zu Hilfe, damit der

Herbst „solidarisch“ und nicht heiß wird.


Sie rufen zu Demonstrationen am 22. Oktober auf unter dem Motto

„/Solidarisch durch die Krise – Soziale Sicherheit schaffen und fossile

Abhängigkeiten beenden/“ und erklären /„In dieser Krise stehen wir

solidarisch an der Seite der Ukraine. Doch wir brauchen jetzt eine

solidarische Politik auch bei uns, die gleichzeitig die Weichen stellt,

um die Abhängigkeit von fossilen Energien zu beenden./“


Statt ein Ende der Sanktionen gegen Russland zur Rettung der

Energieversorgung des eigenen Landes zu fordern, machen sie der

Regierung ein paar Vorschläge zur „solidarischen“ Abfederung der

/„Folgen von Putins Angriffskrieg“/. Sie mobilisieren die Bevölkerung

auf der Grundlage einer anti-russischen Lüge. Sie machen sich

mitverantwortlich für die desaströsen wirtschaftlichen und sozialen

Folgen, die auf dieses Land und seine Bevölkerung zukommen.


unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

16.10.2022

Rollkragenpullover bei 20 Grad plus - Frankreichs Regierung zieht sich schon mal warm an

test.rtde.tech, 15 Okt. 2022 20:27 Uhr, Von Rachel Marsden

Die Offiziellen der EU belehren ihre Untertanen darüber, wie sie inmitten einer Krise, die sie selbst verursacht haben, "verantwortungsvoll" handeln können – alles natürlich mit dem Hinweis darauf, dass Wladimir Putin an der ganzen Misere schuld ist.


Rollkragenpullover bei 20 Grad plus - Frankreichs Regierung zieht sich schon mal warm anQuelle: AFP © Ludovic Marin



Hat noch jemand außer mir die zunehmende Zahl westlicher Offizieller bemerkt, die sich in letzter Zeit alle Mühe geben, ihren Wählern Vorträge darüber zu halten, wie man inmitten der Krisen, die von denselben Offiziellen verursacht wurden, sich nicht wie ein egoistischer und unverantwortlicher Idiot verhält?

Hier in Frankreich, als die Pariser Modewoche in vollem Gange war, führten hochrangige französische Beamte die neue "Herbst/Winter 2022-Tugend-Signal-Kollektion" vor. Wirtschaftsminister Bruno Le Maire zeigte sich bei 20 Grad Celsius in einem Rollkragenpullover.


Französische Stadt will Holocaust-Überlebende ehren – mit Tor, das an Auschwitz erinnert




Französische Stadt will Holocaust-Überlebende ehren – mit Tor, das an Auschwitz erinnert






"Sie werden mich nicht mehr mit Krawatte sehen, ich trage stattdessen einen Rollkragenpullover", sagte Le Maire. "Und ich denke, das wird sehr gut sein, es ermöglicht uns Energie zu sparen und ist ein Nachweis einer Nüchternheit im Umgang mit der Situation." Wenn jemand bei sommerlichem Wetter in Skikleidung zur Arbeit erscheint, und daraus einen endgültigen Beweis für "Nüchternheit" konstruiert, dann könnte der Moment für eine psychiatrische Maßnahme gekommen sein.


Um nicht ins Hintertreffen zu geraten, zog sich der französische Präsident Emmanuel Macron für eine öffentliche Ansprache ebenfalls einen Rollkragenpullover an. Auch die französische Premierministerin Élisabeth Borne und Energieministerin Agnès Pannier-Runacher erschienen bei einem Indoor-Event in Daunenjacken.


Westliche Staatslenker scheinen sich mehr darauf zu konzentrieren, ihre Bürger zu Sparmaßnahmen zu überreden – oder sie dazu zu zwingen – als darauf, das zu reparieren, was sie zerstört haben. Letzteres würde Mut erfordern – insbesondere den Verzicht auf die selbstverletzende "Solidarität" mit Brüssel.


Dabei hat dieses Verhaltensmuster noch nicht einmal mit der aktuellen Energiekrise begonnen. Diese Blaupause ist ziemlich abgedroschen. An klimabedingte Einschüchterungen haben wir uns längst gewöhnt. Hier in Paris hat die sozialistische Bürgermeisterin Anne Hidalgo einen jahrelangen Kreuzzug unternommen, um alle Fahrzeuge aus der Stadt zu verbannen, indem sie die Autofahrer mit verschiedenen Verkehrsbehinderungen und -beschränkungen, einschließlich einer Geschwindigkeitsbegrenzung von 30 km/h, gängelte. Die Maßnahmen sind für viele nicht nur frustrierend, sondern wohl auch sinnlos oder sogar kontraproduktiv.


Insbesondere Deutschland hat das Null-Kohlenstoff-Konzept auf die Spitze getrieben, indem es versuchte, seine gesamte industrielle Wirtschaft auf grüne Energie umzustellen, was die Franzosen auf fast fatale Weise nachahmten. Die Tatsache, dass Frankreich es nicht schaffte, im Interesse der Umwelt, seine Kernreaktoren vollständig stillzulegen, bedeutet letztlich, dass Frankreich im Gegensatz zu Deutschland, inmitten der aktuellen Selbstsanktionierung der EU gegen seine Gasversorgung aus Russland, seine einzige wirkliche Rettungsleine bewahrt hat.


Medienberichte: USA liefern Rekordmengen von LNG in die EU





Medienberichte: USA liefern Rekordmengen von LNG in die EU






All diese grünen Tugendsignale waren so sinnlos, dass die EU schließlich Anfang dieses Jahres einen Rückzieher machte und Gas und Kernenergie neu als grüne Energie einstufte. Aus den Umweltverschmutzern von gestern wurden schlagartig die Umwelthelden von heute – nicht, weil diese Industrien ihre Technologien angepasst hätten, sondern weil die EU mit dem Finger schnippte und die vormals als "schmutzig" bezeichneten Umweltverschmutzer als "grün" proklamierte.


Dasselbe Muster spielte sich während der Covid-19-Krise ab. Plötzlich waren Offizielle überall mit einer Maske vor dem Gesicht zu sehen, selbst wenn sie unter freiem Himmel waren oder allein in ihrem Büro saßen und ausschließlich per Videoschalte an Konferenzen teilnahmen. Darauf folgte die Prozession der Bilder, in denen man dieselben Offiziellen sah, wie sie sich ihre Covid-Impfung abholten. All diese Bilder ersetzten effektiv jede sinnvolle Debatte über Anti-Covid-Maßnahmen, damit die Verantwortlichen den Überblick über das Narrativ behalten konnten. Wer bei diesen Darbietungen zynisch die Augen verdrehte, der brandmarkte sich umgehend selbst als jemand, der es verdient, von den "sozial Verantwortlichen" gemieden zu werden. Und jetzt, inmitten der Energiekrise, die durch den selbst gewählten Kurs unserer westlichen Eliten verursacht wurde, erleben wir die "Energiespar-Tugendwächter".


"Alle fragen sich: Was kann ich tun?", sagte Margrethe Vestager, Vizepräsidentin der Europäischen Kommission, als sie auf die Frage einging, wie die Europäer dazu beitragen können, die Energieabhängigkeit der EU von Russland zu verringern. "Kontrollieren Sie Ihr eigenes Duschverhalten und das ihres Teenagers. Und wenn Sie die Dusche abstellen, sagen Sie zu sich selbst: Nimm das, Putin!"


Tausende demonstrieren in Paris für Austritt Frankreichs aus NATO





Tausende demonstrieren in Paris für Austritt Frankreichs aus NATO






Aber das war im April, noch bevor in ganz Europa ernsthaft von Rationierungen, Deindustrialisierung, Unternehmensinsolvenzen und explodierende Energiekosten die Rede war. Und jetzt, während des Versuchs, die Inflation zu stoppen, die durch eine Multiplikation des westlichen Krisenmanagements von Covid bis hin zu Energiesanktionen verursacht wird, werden westliche Regierungen von allen Seiten gewarnt, dass ihr Ansatz zur Erhöhung der Zinssätze, die Welt in eine Rezession, wenn nicht sogar in eine Depression stürzen wird, da alle außer den Reichsten darum kämpfen, mit den Kosten für die Dinge des täglichen Bedarfs Schritt zu halten, die sie sich zunehmend nicht mehr leisten können. Während Deutschlands Industriekonzerne sich wegen zunehmender Betriebsinsolvenzen die Köpfe zerbrechen, prahlte Wirtschaftsminister Robert Habeck damit, dass er seine tägliche Zeit unter der Dusche verkürzt hat.


Verschiedene EU-Mitgliedsstaaten – darunter Spanien, Frankreich, Griechenland und Italien – haben Obergrenzen bei Heiz- und Kühltemperaturen für Innenräume festgelegt, um ein paar zusätzliche Gasmoleküle einzusparen. Wie all diese anderen krisenbezogenen symbolischen Maßnahmen dient dieser Schritt hauptsächlich dazu, die Bürger davon zu überzeugen, dass sie etwas Produktives tun, indem sie zum Kampf gegen Russland, gegen Covid und gegen CO₂ beitragen, während ihre Politiker sie stillschweigend alle noch tiefer in ein selbst gegrabenes Loch von Missmanagement, Inkompetenz und ideologischem Tunnelblick ziehen – alles natürlich mit dem Hinweis darauf, dass der russische Präsident Wladimir Putin daran schuld ist.


Übersetzt aus dem Englischen.

Rachel Marsden ist eine Kolumnistin, politische Strategin und Moderatorin eines unabhängig produzierten französischsprachigen Programms, das auf Sputnik France ausgestrahlt wird. Ihre Website finden man unter rachelmarsden.com


Mehr zum Thema"Heißer Herbst" in Frankreich: Aufgeheizte Stimmung nach Streik von Ölkonzern-Mitarbeitern


RT DE bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Gastbeiträge und Meinungsartikel müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

Durch die Sperrung von RT zielt die EU darauf ab, eine kritische, nicht prowestliche Informationsquelle zum Schweigen zu bringen. Und dies nicht nur hinsichtlich des Ukraine-Kriegs. Der Zugang zu unserer Website wurde erschwert, mehrere Soziale Medien haben unsere Accounts blockiert. Es liegt nun an uns allen, ob in Deutschland und der EU auch weiterhin ein Journalismus jenseits der Mainstream-Narrative betrieben werden kann. Wenn Euch unsere Artikel gefallen, teilt sie gern überall, wo Ihr aktiv seid. Das ist möglich, denn die EU hat weder unsere Arbeit noch das Lesen und Teilen unserer Artikel verboten. Anmerkung: Allerdings hat Österreich mit der Änderung des "Audiovisuellen Mediendienst-Gesetzes" am 13. April diesbezüglich eine Änderung eingeführt, die möglicherweise auch Privatpersonen betrifft. Deswegen bitten wir Euch bis zur Klärung des Sachverhalts, in Österreich unsere Beiträge vorerst nicht in den Sozialen Medien zu teilen.

Info: https://test.rtde.tech/meinung/151468-rollkragenpullover-bei-20-grad-plus


unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

16.10.2022

Gasfelder im Nahen Osten / Iran - Sanktionen

aus e-mail von Doris Pumphrey, 16. Oktober 2022, 10:11 Uhr


*Karish und Qana –

Gasfelder schüren Grenzdisput im Nahen Osten

*/Von Karin Leukefeld

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Der Grenzdisput zwischen Israel und dem Libanon, der vor allem eine

Aufteilung der Gasfelder Karish und Qana im Mittelmeer umfasst, gewann

im Oktober an neuem Momentum: US-Unterhändler Hochstein übermittelte

beiden Seiten seinen vorläufigen Textentwurf einer Vereinbarung.

Washingtons Wille könnte zu einer baldigen Einigung führen.

*Teil 1:

*https://test.rtde.tech/der-nahe-osten/151442-karish-und-qana-gasfelder-schuren/


*Teil 2:

*https://test.rtde.tech/der-nahe-osten/151445-karish-und-qana-gasfelder-schuren/



https://test.rtde.tech/international/151697-iran-verkundet-gegenmassnahmen-fur-fall/

15.10.2022

*Iran verkündet Gegenmaßnahmen für den Fall neuer westlicher Sanktionen


*Der iranische Außenminister Hossein Amir-Abdollahian hat in einem

Telefongespräch mit seinem portugiesischen Amtskollegen João Gomes

Cravinho am Freitag die mutmaßliche ausländische Einmischung

angeprangert, die Aufständische und Terroristen in Iran angestachelt

hätten, wie die iranische Nachrichtenagentur /Tasnim/ berichtete. Mit

Blick auf die jüngsten Unruhen in einigen iranischen Städten sagte

Amir-Abdollahian:

/"Wir sind ein Land, das mit terroristischen Gruppen wie al-Qaida,

Dschaisch ul-Adl und Daesch (IS) im Westen und im Osten konfrontiert

ist. Außerdem haben wir in den letzten Wochen den Schmuggel von Waffen

über die westlichen und östlichen Grenzen ins Land beobachtet."/


Der Außenminister beklagte auch die Tatsache, dass eine Reihe von

Ländern sich einmischend geäußert und die Unruhestifter und Terroristen

in Iran praktisch motiviert hätten, indem sie die Unruhen und

terroristischen Aktivitäten als Proteste eingestuft haben. Der iranische

Spitzendiplomat warnte: /"Sie (die ausländischen Staaten) haben sogar

die Verabschiedung von Resolutionen oder (die Verhängung von

Anti-Iran-)Sanktionen auf der nächsten Sitzung des Ministerrats der

Europäischen Union auf ihre Tagesordnung gesetzt. Sollte es zu solchen

Maßnahmen kommen, würde die Islamische Republik Iran

Vergeltungsmaßnahmen ergreifen."/


In Bezug auf den Krieg in der Ukraine bekräftigte Amir-Abdollahian, dass

Iran keiner der Kriegsparteien Waffen für den Einsatz in diesem Krieg

geliefert habe. Teheran sei der Ansicht, dass eine Bewaffnung der

Konfliktparteien den Krieg in der Ukraine verlängern würde, und betonte,

dass Krieg nirgendwo auf der Welt die richtige Lösung sei, weder in der

Ukraine noch in Afghanistan, Syrien oder dem Jemen.

Schließlich verwies er auf die Gespräche über die Aufhebung der

Sanktionen gegen Iran und die Wiederbelebung des Iran-Atomabkommens, hob

die konstruktiven Verhandlungen zwischen dem Leiter der iranischen

Atomenergie-Organisation und dem Generaldirektor der Internationalen

Atomenergie-Organisation (IAEO) hervor und betonte die Notwendigkeit,

die Anschuldigungen der IAEO gegen Iran zu klären.


Wegen Unruhestiftung durch Verbreitung von Fake-News: Iran verklagt

US-Technologieunternehmen Meta

<https://test.rtde.tech/der-nahe-osten/151388-wegen-unruhestiftung-durch-verbreitung-von/>


unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

16.10.2022

AfD-Co-Vorsitzende Weidel sieht einen „Wirtschaftskrieg gegen Deutschland“

deutschlandfunk.de, 16 Oktiber 2022, Alice Weidel im Gespräch mit Volker FinthammerAfD-Co-VorsitzendeWeidel sieht einen „Wirtschaftskrieg gegen Deutschland“

Nicht die Ukraine und auch nicht Russland würden die Verlierer des Krieges sein, sagte die Co-Vorsitzende der AfD, Alice Weidel, im Interview der Woche des Deutschlandfunks. „Es wird hier ein Wirtschaftskrieg gegen Deutschland geführt.“


Zitat: Deutschland drohe zerrieben zu werden zwischen den Großmächten, sagte die AfD-Co-Vorsitzende Alice Weidel im Dlf. Deutschland werde am Ende „der große Verlierer“ sein, „weil wir auch nicht kompetente Regierungsvertreter haben, die in irgendeiner Form das Problem verstehen, als auch in der Lage wären, überhaupt die Interessen unseres Landes zu vertreten“.


Wie halten Sie's mit Putin?Interview mit Tino Chrupalla, AfD-Co-Vorsitzender


Weidel würde Teilung der Ukraine akzeptieren

Weidel fordert deshalb unmittelbare Friedensverhandlungen mit Moskau und die Inbetriebnahme der Gaspipeline Nord Stream 2. Dafür akzeptiert sie auch die Teilung der Ukraine: „Was es letztendlich für die Ukraine bedeutet und für Russland und für die Gebietsteilung, das ist überhaupt gar nicht unser Thema“, sagte Weidel. „Wir müssen auf unser Land schauen.“ Man müsse verhindern, dass „hier auch die Unternehmen alle über die Wupper gehen“.

Die Forderung, Russlands Präsident Wladimir Putin vor das Kriegsverbrechertribunal in Den Haag zu stellen, lehnt Weidel ab: „Auch die Ukraine muss in die Pflicht genommen werden. Es kann nicht sein, dass der Westen völlig unreflektiert die ukrainischen Maximalforderungen übernimmt.“

Menschen nehmen an einer Demonstration im Stadtzentrum von Frankfurt (Oder) teil. Anlass waren die Energiekrise, der Krieg in der Ukraine und die Corona-Politik.

Energieproteste Journalist Sundermeyer: AfD-Kritik an Russlandpolitik ist anschlussfähig In Straßenprotesten sieht Journalist und Extremismusexperte Olaf Sundermeyer die einzige wahrnehmbare fundamentale Opposition zur Politik der Bundesregierung. Der AfD gelinge es zunehmend, unzufriedene Menschen zu erreichen – vor allem im Osten.



Ablehnung des Gaspreisdeckels

Den geplanten Gaspreisdeckel der Bundesregierung lehnt die AfD-Co-Vorsitzende ebenfalls ab. Stattdessen müsse man die bestehenden Kapazitäten zur Energieangebotsausweitung in Deutschland ausschöpfen, so Weidel im Dlf: „Dazu gehört, die drei Atomkraftwerke unbegrenzt weiterlaufen zu lassen, die Atomkraftwerke, die letztes Jahr abgestellt wurden, anzustellen.“ Mit den erstgenannten AKW bezieht sich Weidel auf die Kraftwerke Isar II, Neckarwestheim II und Emsland.


Björn Höcke und die „Freien Sachsen“

Dass der Thüringer AfD-Landesvorsitzende Björn (*) Höcke jüngst gemeinsam mit den „Freien Sachsen“ öffentlich in Gera aufgetreten ist, obwohl diese rechtsextreme Gruppierung auf der Unvereinbarkeitsliste der AfD steht, ist für Weidel kein ernsthaftes Problem: „Wenn Herr Höcke dort auftritt, dann kann er das machen,“ sagte sie.


Partei „Freie Sachsen“Rechtsextreme Mobilisierung gegen den Staat

  Rechtsextremismus-Experte Der AfD-Parteitag hat den Weg für Höcke geebnet 08:52 Minuten20.06.2022  Politikwissenschaftler Schroeder„Nur eine Frage der Zeit, bis Björn Höcke die AfD übernimmt“

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Für die AfD sei das auch ein strategisch wichtiges Thema, das am kommenden Wochenende bei einem Treffen der Landesvorstände und des Bundesvorstands intern besprochen werden solle: „Weil es für uns eben auch relevant ist für die Landtagswahlen 2024.“ Im nächsten Jahr stehen Wahlen in Sachsen, Thüringen und Brandenburg an. Zu den Ansprüchen dort sagte Weidel: „Ich glaube, dass wir die erste Chance auf eine Regierungsbeteiligung haben 2024 im Osten.“


Partei stellt sich auf weitere Strafzahlungen ein

Nach den jüngsten Durchsuchungen der Staatsanwaltschaft in der AfD-Parteizentrale und mehreren Privatwohnungen, bei denen es um weitere illegale Spendengelder für Plakate und Online-Kampagnen für die AfD ging, stellt sich die Partei auf weitere Strafzahlungen ein. „Wir handeln nach dem kaufmännischen Vorsichtsprinzip und da muss man das tun“, sagte Weidel im Dlf. Sie fügte an: „Hier wird offensichtlich mit allen Mitteln gearbeitet, um uns kleinzukriegen“.

Allerdings hat die Partei bislang bereits gut 550.000 Euro an die Bundestagsverwaltung zurückzahlen müssen, weil die bisherigen Ermittlungen den Nachweis illegaler Parteispenden erbracht hatten, deren Herkunft durch bezahlte Strohmänner vorsätzlich verschleiert werden sollte.


Nach dem Bundesparteitag in Riesa Wohin steuert die AfD? Die Einschätzung der Beobachter ist einhellig: Mit der Wahl des neuen Bundesvorstandes ist die AfD politisch noch weiter nach rechts gerückt. Woran lässt sich das genau festmachen? Und wie will sich die Partei künftig positionieren?


Das Interview im Wortlaut:


Volker Finthammer: Frau Weidel, Ihre Partei konnte ja einen deutlichen Zuwachs bei der Landtagswahl in Niedersachsen verzeichnen, obwohl wir es dort nach wie vor mit einem zerstrittenen Landesverband zu tun haben. Aber die Proteststimmung im Lande ist nun mal so, dass die Wählerinnen und Wähler den regierenden Parteien zumindest zu Teil einen Denkzettel verpassen wollten. Das hat die AfD ja ganz bewusst zum Thema gemacht. Mehr als die Hälfte der AfD-Wähler gab gegenüber Infratest dimap an, ihr Kreuz bei der AfD aus Enttäuschung über die anderen Parteien gesetzt zu haben, 90 Prozent sahen in der AfD sogar die einzige Partei, mit der sie Ihren Protest gegenüber der Politik der Bundesregierung ausdrücken konnten. Brauchen Sie da gar keine Inhalte mehr? Stand deshalb auf den Plakaten nur: „Damit Heizen wieder bezahlbar wird“ oder „Freiheit statt Zwang“?

Alice Weidel: Na, die Alternative für Deutschland zeichnet sich ja eben durch ein nachhaltiges Programm und Inhalte aus. Das, was wir jetzt sehen, ist ja ein Realitätscheck grüner Politik, und wir sehen, dass Sie gerade an den Realitäten zerschellt. Hier wird ein Industrieland abgewickelt und davor haben wir jahrelang gewarnt. Und nicht nur davor, auch die galoppierende Geldentwertung, das inflatorische Umfeld, auch davor haben wir jahrelang gewarnt. Ein Haupttreiber ist nun mal die Eurorettungspolitik, warum es die Alternative für Deutschland überhaupt gibt. Das haben wir von Anfang an kritisiert, da es eben auch gegen europäische Verträge verstößt. Und nun sind wir natürlich in einer dramatischen Situation, also, der Ukrainekrieg. Der hat gezeigt, dass die Energiewende, die eingeschlagen wurde, – ja nicht von der Ampel, sondern von der CDU damals –, dass die Energiewende nicht nachhaltig ist, dass man mit Flatterstrom, also mit Windkraft und Solarenergie, ein Industriestaat nicht betreiben kann und das Ganze kompensiert wurde durch russisches Gas. Wir haben uns dadurch natürlich einseitig abhängig gemacht. Und da muss es doch jetzt in dieser Situation heißen, dass wir auf jeden Fall erstmal die sechs Atomkraftwerke, also die, die letztes Jahr im November abgestellt wurden und auch dieses Jahr zur Abschaltung ausstehen, dass sie die weiterlaufen lassen.


Isar 2 und Neckarwestheim 2Was der mögliche Weiterbetrieb der Atomkraftwerke bedeutet

  Grünen-Parteitag: Debatten über Atomkraft, Energie, Waffenlieferungen 03:05 Minuten14.10.2022  Atomkraft ja bitte: Die Argumente der AfD

05:10 Minuten11.11.2021


Finthammer: Zu den ganzen Themen kommen wir ganz bestimmt noch, Frau Weidel. Aber mit den Kompetenzwerten, wenn ich mal zurückkomme auf die Wahl in Niedersachsen, mit den Kompetenzwerten, die die Wählerinnen und Wähler der AfD zuschreiben, hat der Wahlerfolg wenig zu tun, denn die bewegen sich nach Infratest dimap in Niedersachsen wirklich auf bescheidenen Werten. Den stärksten Wert gab es für die AfD noch beim Thema Kriminalitätsbekämpfung. Aber gerade bei den wichtigen Themen, die Sie angesprochen haben – Arbeitsplätze und Wirtschaft –, trauen Ihnen jeweils nur sechs Prozent der Wählerinnen und Wähler etwas zu. Das ist doch eigentlich vernichtend, wenn Sie sich als Alternative darstellen wollen?

Weidel: Nun, also wir haben unsere Konzepte über Jahre vorgestellt. Wir machen ja auch dementsprechend Politik im Deutschen Bundestag als auch im Landtag. Es ist richtig, dass wir Probleme in Niedersachsen hatten. Wir sehen natürlich auch, dass wir hier einen Neustart gemacht haben. Wir haben eine sehr, sehr gute Truppe zusammengestellt, die jetzt eben auch in den Landtag einzieht. Und was natürlich auch nicht von der Hand zu weisen ist, Herr Finthammer, ist natürlich das Protestwählerpotenzial. So. Wir haben sehr viele Wähler von allen Parteien – also jetzt außer der Linken – jetzt zu uns gezogen. Die größte Wählerwanderung kam ja von der FDP, da kann man eben auch sehr glaubwürdig hineininterpretieren, dass dort Mittelständler und Unternehmen zu uns gewandert sind. Von der CDU haben wir Stimmen gezogen als auch von der SPD, weil diese Parteien ja nun mal nachweislich überhaupt gar keine Antworten haben auf die dringenden Fragen dieser Zeit. Und das ist doch der Grund, warum die Leute auf die Straße gehen und uns gewählt haben.


Wie sieht die AfD politisch sich selbst?

Finthammer: Ja, aber das mit den fehlenden Alternativen der AfD konnte man ja auch in Cottbus erleben, wo Ihr Kandidat für das Bürgermeisteramt, der stand in der Stichwahl mit einem SPD-Kandidaten und da hat er – ich sage es mal einfach – sechs zu drei verloren. Also, wenn es konkret wird, dann trauen die Bürger der AfD doch überhaupt nichts zu? Und sogar in einer Region, in der die Menschen bislang sehr empfänglich für die AfD waren.


Politologe zu AfD-Wahlerfolgen Lewandowsky: „Es fehlt auch in Deutschland an Demokratiebildung“

Weidel: Das hat natürlich auch etwas damit zu tun, wie die AfD auch medial geframed wird. Wir reden hier natürlich von einem jahrelangen politischen Framing, die die Alternative für Deutschland als Pariapartei darstellte. So. Wir begreifen uns selbst – also unser Selbstbild ist natürlich ein völlig anderes als das Fremdbild, was von uns gezeichnet wird –, wir begreifen uns als konservativ-hochliberal, aber das politische Framing, uns hier da auch hinzustellen, permanent in die rechte Ecke, so ist es ja auch, den sogenannten Querdenkern passiert. Also, jeder, der plötzlich die Coronapolitik hier völlig berechtigt kritisiert hat, war ja plötzlich hier auch ein Nazi, in der Bundesrepublik Deutschland. Also, das geht extrem schnell, dass Kritiker dort in der Ecke landen. Das weise ich natürlich von mir und auch von der Alternative für Deutschland, aber das ist natürlich auch dem geschuldet, wie wir geframed werden.


„Deutschland droht zwischen den Großmächten zerrieben zu werden“

Finthammer: Sie haben es schon erwähnt, Kernpunkt Ihrer politischen Strategie ist ja im Moment die Kritik an der Bundesregierung, vor allen Dingen wegen der Energiekrise und dem Krieg in der Ukraine. Sie haben auch schon die Abhängigkeit vom russischen Gas erwähnt. Aber was mich daran wundert, dass Sie gleichzeitig entschlossen die Reparatur und die Öffnung der Gaspipeline North Stream 2 fordern. Gerade Deutschland hat ja lange an dem Projekt festgehalten, gegen viele Widerstände aus Osteuropa oder auch aus den USA, auch weil man lange an einen Wandel durch Handel geglaubt hatte, gegenüber Russland, aber was Putin keineswegs an seiner Aggression gehindert hat. Auch die Gaslieferungen sind ja im August einseitig unter fadenscheinigen Argumenten eingestellt worden. Jetzt ist die Pipeline weitgehend zerstört – Sie halten an Ihrer Forderung fest und betonen das sogar immer wieder. Möchten Sie, dass Deutschland Russlands Krieg gegen die Ukraine finanziert?

Weidel: Also, Deutschland hat expliziert zu Beginn des Krieges, dass wir das russische Gas und Öl nicht mehr wollen. Das ist ja Kernpunkt der Sanktionspolitik. Was ist passiert? Das haben wir gesehen, dass Gazprom trotz der Sanktionspolitik und der Drosselung der Gaslieferung und dann letztendlich, als es dann zum Ende gekommen ist, den Gewinn ...

Finthammer: Warum ist es zum Ende gekommen? Die Russen haben abgeschaltet.

Weidel: Ja, aber man wollte das so. Wir haben den ersten Schritt gemacht – kommunikativ – und wir haben ihn auch umgesetzt. Auch davor habe ich und auch die AfD, wir haben davor gewarnt. So, also das Ganze ist natürlich völlig in die Hose gegangen für uns, wir haben uns damit selbst geschädigt. Und auch hier droht Europa, vor allen Dingen Deutschland – das sehen wir ja jetzt – zwischen diesen Großmächten zerrieben zu werden. Und da ist natürlich eine verantwortungsvolle Regierung gefragt, die dagegen steuert, um die Interessen unseres Landes zu vertreten.


Was bedeutet der AfD-Slogan „Unser Land zuerst“?

Finthammer: An dem Punkt möchte ich gerne ansetzen. Ihr Co-Vorsitzender – Tino Chrupalla – und Sie fordern Friedensverhandlungen mit Moskau, um einen Waffenstillstand zu erreichen. In der momentanen Situation wäre das ja nur wirklich mit erheblichen Gebietsabtretungen der Ukraine verbunden. Tritt die AfD für die ukrainische Teilung ein? Ist es das, was Sie sich unter dem Slogan „Unser Land zuerst“ vorstellen?

Weidel: Der Slogan „Unser Land zuerst“ sagt eindeutig, was wir wollen. Wir wollen keine wertebasierte Außenpolitik, sondern wir wollen eine interessengeleitete Außenpolitik für unser Land. Wir wollen endlich, dass die Interessen unseres Landes und unserer Bürger vertreten werden, durch eine Bundesregierung. Und das wurde nicht nur durch die Ampel nicht gemacht, sondern auch in der Vergangenheit, vor allen Dingen unter Angela Merkel nicht.


Parteitag der AfDTino Chrupalla: „Unsere Partei braucht Disziplinierung“

Finthammer: Aber da gehört doch unter den Bedingungen die Teilung der Ukraine dazu, wenn Sie das erreichen wollen?

Weidel: Dazu komme ich jetzt, Herr Finthammer. Da haben wir uns überhaupt gar nicht einzumischen. Eine kriegerische Auseinandersetzung wie jetzt, verschiebt die Mächte langfristig, und darauf müssen wir uns einstellen. Und ich habe eben auch angedeutet, wer der große Verlierer ist. Es ist nicht Russland, es ist nicht die Ukraine, sondern es wird hier ein Wirtschaftskrieg gegen Deutschland geführt. Wir werden der große Verlierer am Ende sein, das kann ich Ihnen prophezeien. Weil wir auch eben nicht kompetente Regierungsmitglieder haben, die da überhaupt in irgendeiner Form das Problem verstehen, geostrategisch als auch überhaupt in der Lage währen, die Interessen unseres Landes zu vertreten. Was es letztendlich für die Ukraine bedeutet und für Russland, für Gebietsteilung, das ist überhaupt gar nicht unser Thema. Wir müssen auf unser Land schauen, was hier jetzt passiert. Und wir müssen unbedingt verhindern, dass hier auch die Unternehmen alle über die Wupper gehen. Wir haben hier ein Potenzial, ein gigantisches Potenzial an Unternehmensinsolvenzen, weil sie die Energiekosten nicht mehr tragen können.


„Ich fand gut, dass Scholz Putin angerufen hat“

Finthammer: Aber ich höre von Ihnen keine Kritik an Wladimir Putin. Wie bewerten Sie denn die Abstimmung in der UN-Vollversammlung, wo sich 134 Staaten gegen Putins erneute Raketenangriffe auf die Zivilsten in der Ukraine ausgesprochen haben? Sind Sie dann bei den fünf, die dagegen gestimmt haben?

Weidel: Nein, darum geht es letztendlich nicht. Ich bin weder bei den fünf, warum sollte ich das sein, ich habe den Krieg in jeder Rede und auch in jedem Statement öffentlich verurteilt, er ist völkerrechtswidrig, nur, es sind Prozesse angestoßen worden, die wir nicht werden beeinflussen können. Und darum treten wir für Friedensverhandlungen ein. Dementsprechend unterstütze ich zum Beispiel auch Olaf Scholz. Ich fand den Schritt gut, dass er damals einfach mal den Wladimir Putin angerufen hat, um mal mit ihm zu reden, nicht wahr. Weil lieber – um es wie Helmut Schmidt zu halten – hundert Stunden umsonst verhandelt zu haben, als eine Minute schießen, das muss doch unser Credo sein, weil, in einem Krieg verliert jeder. Und dieser Krieg ist völkerrechtswidrig, also muss er so schnell wie möglich beendet werden.

Finthammer: Aber im Zwiegespräch mit Agnes Strack-Zimmermann bei Sandra Maischberger, haben Sie es abgelehnt, Putin vor das Kriegsverbrechertribunal in Den Haag zu stellen, warum?

Weidel: Weil es völlig unrealistisch ist. Die Frage stellt sich gar nicht. Das wäre unter einem Szenario der Fall, dass die NATO in den Krieg eintritt – so –, gegen eine Atommacht Russland. Und dass das ein völliges Harakiri wäre, das müssen wir ja wohl alle verstehen. Und dementsprechend halte ich, dieses Szenario überhaupt zu diskutieren, für völlig unrealistisch und auch unseriös. Das ist nicht die Frage, die wir uns jetzt stellen müssen, sondern die Kriegshandlungen müssen sofort eingestellt werden. Und auch die Ukraine muss in die Pflicht genommen werden. Es kann nicht sein, dass der Westen völlig unreflektiert die ukrainischen Maximalforderungen übernimmt.


Wie steht die AfD zur Atomkraft?

Finthammer: Frau Weidel, den geplanten Gaspreisdeckel der Bundesregierung haben Sie schon erwähnt, den lehnen Sie ab. Warum?

Weidel: Ja, Sie haben hier natürlich eine staatliche Lenkung und auch eine Ausweitung der staatlichen Tätigkeit. Das Ganze kommt auch viel zu spät. Was hätte man machen müssen, Herr Finthammer? Man hätte und man muss sich hinstellen und alle bestehenden Kapazitäten in der Bundesrepublik Deutschland zur Energieangebotsausweitung ausschöpfen. Dazu gehört, die drei Atomkraftwerke unbegrenzte weiterlaufen zu lassen, die Atomkraftwerke, die letzte Jahr abgestellt wurden, anzustellen – das geht nämlich, hat der TÜV auch selbst gesagt – und auch unbegrenzt weiterlaufen zu lassen. Da frage ich mich, warum wird das nicht gemacht? Das wäre eine kurzfristige Lösung. Und dann ...

Finthammer: Aber Sie haben die Öffnung von Nord Stream 2 gefordert.

Weidel: Ja, das fordere ich auch immer noch, das ist auch ganz, ganz richtig. Um es ganz klar zu sagen, es geht hier um die Entlastung der deutschen Bürger und auch der deutschen Unternehmen, denen die Energiekosten durch die Decke gehen. Und dementsprechend ist auch hier alles auszuschöpfen, was eben geht, im Interesse unseres Landes.


„Unsere Energie-Produktionskosten sind nicht mehr wettbewerbsfähig“

Finthammer: Sie fordern ja auch plakativ den Wiedereinstieg in den Ausbau der Atomkraft und die Energiewende in Deutschland wieder rückgängig zu machen, haben Sie vorhin schon gesagt, der Flatterstrom, der zu viel in Deutschland produziert wird. Frankreich betreibt 56 Atomkraftwerke, davon waren aufgrund der Trockenheit im vergangenen Sommer aber nur noch 25 am Netz, weil der Rest nicht ausreichend gekühlt werden konnte. Aber Frankreich war froh, dass man die Lücke mit erneuerbarem Strom aus Deutschland füllen konnte und auch bei uns sind in diesem Sommer viele Flüsse trockengefallen. Angesichts der Klimawende ist es doch eine Illusion zu glauben, dass mit neuen Atomkraftwerken in der Grundlast die Energiekrise beherrscht werden könnte. Da machen wir uns doch was vor, da machen Sie doch den Menschen etwas vor?

Weidel: Also, ich sehe das natürlich völlig anders, denn ich sage, dass das Gegenteil der Fall ist. Grundlastfähige Kraftwerke sind Kernkraftwerke. Und Deutschland hatte die modernsten Kernkraftwerke weltweit, überhaupt gar nicht vergleichbar mit den Atommeilern, die in Frankreich herumstehen oder in Polen, die wir jetzt natürlich über deren Strom also auch importieren. Also, wir importieren Atomstrom aus den Nachbarländern, von deutlich unmoderneren Kraftwerken als wir sie hatten. Also, das ist natürlich eine völlig widersinnige Politik und die Leittragenden sind die deutschen Bürger und vor allen Dingen der deutsche Mittelstand, die kleinen mittleren Betriebe, die darunter zu leiden haben, aber auch größere Werke.

Ich nenne Ihnen ein Beispiel aus der Chemieindustrie. Die Chemieindustrie hat letztes Jahr, obwohl sie schon nicht mehr wettbewerbsfähig war, 15 Prozent des Umsatzes für Energiekosten ausgegeben. Heute liegt der Anteil des Umsatzes an Energiekosten bei 65 Prozent. Das heißt, wir sind in den Produktionskosten überhaupt gar nicht mehr wettbewerbsfähig und liegen dann wirklich so um die 50 Prozent über dem Weltpreis. Und das heißt, wir verlieren alle unsere Kunden, die steigen auf andere Unternehmen um. Und das heißt dann letztendlich, dass diese Unternehmen entweder Insolvenz anmelden oder ins Ausland gehen. Und, Herr Finthammer, das Dramatische ist, ich sehe überhaupt gar keinen Lösungsansatz von der Politik, von dieser Bundesregierung, um da überhaupt glaubwürdig gegenzusteuern.

Finthammer: Wir haben noch nicht über ein weiteres Unternehmen gesprochen, dem Sie persönlich angehören, nämlich der AfD. Es ist kein Unternehmen, es ist eine Partei, aber wir müssen auch noch über den wahren Parteichef der AfD zu sprechen kommen, wie der Spiegel das in dieser Woche geschrieben hat, auf den Thüringer Landeschef, Björn Höcke. Der hat ja auf dem letzten Bundesparteitag in Riesa, vor gut drei Monaten, seine Macht nicht nur gefestigt, sondern faktisch auch vergrößert, weil bis zu 60 Prozent der Delegierten, die konnte er hinter sich versammeln, auch im neuen Bundesvorstand gehören zwei Drittel mehr oder weniger dem Höcke-Lager an. Damit ist doch der rechtsextreme Flügel, der zwar nicht mehr so heißen darf, den es aber informell immer noch gibt, Frau Weidel, stärker den je und ein Grund für den Verfassungsschutz, da noch genauer hinzusehen. Welche Zukunft hat Björn Höcke in Ihrer Partei?


AfD – Personenkult um Höcke polarisiert

Weidel: Also, zunächst einmal ist das gar nicht maßgeblich, was der Spiegel schreibt. Wir haben schon öfter erlebt, dass die Einschätzungen, was unsere Partei anbelangt, falsch sind. Und das hat auch mit der Einschätzung zu tun, wie sich auch der Bundesvorstand – Sie haben das jetzt ja gerade so als Beispiel genannt – zusammensetzt. Das ist natürlich mitnichten der Fall. Es sind sehr, sehr gute Leute, mit einer guten Berufserfahrung, sehr gut ausgebildete Leute, die bei uns im Bundesvorstand sitzen. Wir arbeiten sehr gut zusammen, es ist ein guter Bundesvorstand. Und das hat mitnichten etwas mit dem Flügel oder sonst mit irgendwem zu tun. Herr Höcke repräsentiert einen Teil der AfD, ist erfolgreich in Thüringen, hat gute Umfragewerte und wird auch bei den Wahlen in Thüringen 2024 – da haben wir ja Sachsen, Brandenburg und Thüringen, Landtagswahlen –, da wird er natürlich gefragt und gefordert sein und da wird er auch einen sehr guten Wahlkampf machen.


Wir steht Alice Weidel zum Thüringer AfD-Landeschef Björn Höcke?

Finthammer: Aber in Gera stand Björn Höcke jüngst mit Vertretern der Freien Sachsen auf der Bühne, bei einer gemeinsamen großen Veranstaltung, mit mehreren Tausend Besuchern. Dabei steht die eigentlich auf der Unvereinbarkeitsliste der AfD. Wie geht das zusammen? Wird das einfach hingenommen, dass er sich immer weiter nach rechts orientiert? Spielt das für Sie keine Rolle?

Weidel: Na gut, also die Freien Sachsen, die haben ja auch während der Landratswahlen, dieses Jahr in Sachsen, einen hohen Prozentsatz eingefahren, und das muss man erstmal konzedieren. Und wenn Herr Höcke dort auftritt, auf seiner Demonstration, dann kann er das machen. Aber grundsätzlich ist es so, dass wir das natürlich auch aufnehmen, also das ist auch ein strategisch wichtiges Thema. Und das werden wir am nächsten Wochenende auf unserer Klausurtagung besprechen.

Finthammer: Was ist da zu erwarten? Wo wollen Sie da hin?

Weidel: Wie wir uns positionieren.

Finthammer: Die Freien Sachsen sind inzwischen so eine starke Konkurrenz in Sachsen wie einst PEGIDA. Da hat man doch eher das Gefühl, die AfD fängt an, sich mit dieser Vereinigung gemein zu machen, um nicht den Anschluss im rechten Lager zu verlieren?

Weidel: Ja, eben darüber werden wir diskutieren, und zwar intern. Wir haben eine Bundesvorstands-/Landesvorstandskonferenz nächstes Wochenende und da werden diese Fragen natürlich auch aufgeworfen. Weil es für uns eben auch relevant ist für die Landtagswahlen 2024.


Weidel: Antifa-Milieu, „das sind ja auch Terroristen“, im Thüringer Landtag

Finthammer: In der Bevölkerung sind die Ansichten jedoch klar: 68 Prozent der Bürger antworten auf die Frage, ob die AfD eine rechtsextreme Partei ist mit Ja, nur 24 Prozent sehen das nicht so und acht Prozent sind unentschieden. Das heißt, Sie begeben sich ja da offenbar in ein Fahrwasser, was die AfD noch viel stärker ins rechte Lager drücken könnte?

Weidel: Wissen Sie, ich bin ja schon sehr, sehr lange in dieser Partei. Ich bin seit 2013 in der AfD, also jetzt schon fast zehn Jahre. Ich kenne unsere Partei, glaube ich, sehr gut, und ich habe festgestellt, dass von jedem Parteitag zu jedem nachfolgendem Parteitag die AfD immer weiter nach rechts geschrieben wurde. Also, ich weiß gar nicht, wie weit wir noch nach rechts rücken sollen. Also, das ist alles auch für mich ein ganz großes Fragezeichen auch, wie die Berichterstattung über unsere Partei auch ausfällt.

Finthammer: Aber was die ostdeutschen Landesverbände angeht, kann man das kaum bestreiten.

Weidel: Ja, doch, natürlich kann man das bestreiten. Also, wir sind ja mittlerweile im Osten auch stärkste Kraft und das heißt, dass wir auch die richtige Politik in den Landtagen haben. Schauen Sie mal, sie haben in Thüringen dort einen Linken Ramelow sitzen, mit so einer Regenbogenkoalition, und das ist ja, ich meine, alles andere als seriös. Also, Sie haben da auch teilweise da Leute aus dem Antifa-Milieu sitzen, das sind ja auch Terroristen und da sollte mal der Verfassungsschutz sehr genau hingucken. Also, ich finde das alles recht, recht fragwürdig. Und seien wir mal ehrlich, der Verfassungsschutz ist natürlich politisch komplett instrumentalisiert, um die AfD von einem fairen politischen Wettbewerb auch rauszuhalten.


Wie ist der Stand in der AfD-Spendenaffäre?

Finthammer: Von wegen „instrumentalisiert“, Frau Weidel, auch die Spendenaffäre lässt Sie ja offenbar nicht los. Ihre Partei hat bereits knapp 400.000 Euro an die Bundestagsverwaltung zahlen müssen, für illegale Parteispenden, die Sie aus der Schweiz erhalten haben. Sie haben damals immer alle Schuld von sich gewiesen, obwohl sogar nachweislich deutsche Strohmänner gekauft wurden, um diese illegale Herkunft zu verdecken. Ende September gab es erneut Hausdurchsuchungen der Staatsanwaltschaft in Ihrer Parteizentrale und an sechs weiteren Orten in Deutschland, darunter auch in Privatwohnungen. Man erhofft sich Aufklärung über weitere Spenden für Online-Kampagnen, die dort geflossen sind. Und Ihre Spendenaffäre hat ja bereits gezeigt, dass die Ermittler stets auf der richtigen Fährte waren. Wollen Sie auch hier wieder alles bestreiten und sagen, da ist nichts dran, an den Untersuchungen, die es gegeben hat, wie Sie es im ersten Moment ja getan haben?

Weidel: Ja, ich glaube, wir müssen hier zwei Dinge auseinanderhalten. Also, erstmal das Verfahren, was Sie da eben angesprochen haben, also, es sind Spenden geflossen an meinen Kreisverband, die aber zurückgezahlt wurden. Das heißt, es hat den Steuerzahler nie etwas gekostet. Und ich hoffe, ...

Finthammer: Aber Sie waren illegal.

Weidel: Ja, aber die wurden zurückgezahlt – leider zu spät, weil wir arbeiten eben auch mit Ehrenamtlichen. Und es ist auch einfach so, dass wir aus den Fehlern lernen. Wir haben es intern aufgeklärt. Wir haben vernünftige Spenden- und Compliance-Richtlinien aufgrund des Vorfalles aufgesetzt. So etwas kann passieren. Aber letztendlich hat es den Steuerzahler überhaupt nichts gekostet. Die Sachen, die sind ja zurückgeflossen. Moment. Und ich würde mir diese gleiche Akribie auch wünschen, wenn es um Cum-Ex und Warburg-Spendenskandale geht, was unseren Bundeskanzler anbelangt.


AfD muss Spenden erstatten und Strafe zahlen

Finthammer: Alles vor Gericht untersucht.

Weidel: Ja, hoffentlich. Denn das hat es den Steuerzahler zweistellige Millionenbeträge gekostet. Also, da muss man reingehen, anstatt permanent hier auf, ich sage jetzt mal, auf dieser Sachen da drauf zu zeigen. Und das Zweite ist, diese Hausdurchsuchung ... Herr Finthammer, ja, Sie wollten etwas fragen?


AfD stellt sich auf weitere Strafzahlungen ein

Finthammer: Ja. Auch die Rechenschaftsberichte Ihrer Partei sollen ja nach Erkenntnissen der Ermittler mutmaßliche Fehler enthalten. Also, das Finanzangaben verschleiert oder nicht richtig wiedergegeben wurden.

Weidel: Ja, diese Zuflüsse, die wurden ursprünglich nicht korrekt verbucht. Aber das wurde alles korrigiert und da ist auch überhaupt gar kein Fehlverhalten dran. Das wurde ja alles schon lange gemacht. Und jetzt hatte wir eine Hausdurchsuchung aufgrund eines ganz anderen Vorganges. Und ich glaube, da geht es um Plakatwerbung während des Meuthen-Wahlkampfes und auch Frauke Petry.

Finthammer: Um Onlinewerbung, die finanziert wurde.

Weidel: Genau, und Onlinewerbung. Und da hätte uns auch die Staatsanwaltschaft auch gerne fragen können. Wir kooperieren ja, also, das ist ja ... ich meine, alles, was man braucht, das händigen wir aus.

Finthammer: Stellen Sie sich auf weitere Strafzahlungen ein?

Weidel: Das muss man ... also, wir handeln natürlich nach dem kaufmännischen Vorsichtsprinzip und da muss man das natürlich tun. Denn hier wird ja offensichtlich so mit allen Mitteln gearbeitet, um uns irgendwie klein zu kriegen.

Finthammer: Ja, aber die Ermittler haben bislang immer richtig gelegen mit ihrer Fährte. Es gab die illegalen Spenden, daran ist ja nun mal nichts zu leugnen, das hat ja mit Kleinkriegen wenig zu tun: Illegal bleibt illegal.

Weidel: Ja, das ist schön, dass Sie das sagen, dass die Ermittler immer auf der richtigen Spur waren – darum wurde das Ermittlungsverfahren gegen mich ja nach zwei Jahren auch eingestellt.


Wo will die AfD mitregieren?

Finthammer: Frau Weidel, die AfD wird im nächsten Jahr zehn Jahre alt, welches Ziel haben Sie denn vor Augen? Jörg Meuthen wollte ja bis zur nächsten Bundestagswahl zumindest koalitionsfähig sein – das Gegenteil scheint ja im Moment eher der Fall zu sein. Wo wollen Sie denn hin?

Weidel: Es ist natürlich so, dass wir als Partei den Anspruch haben, an der Regierung beteiligt zu sein. Wenn wir jetzt von der Bundesregierung sprechen, dann wird das noch einige Jahre dauern, das hat auch etwas mit Akzeptanz zu tun. Aber ich glaube, dass man langfristig an der Alternative für Deutschland gar nicht mehr vorbei kommt. Und ich glaube, dass wir die erste Chance auf eine Regierungsbeteiligung haben 2024 im Osten, also entweder in Sachsen, Thüringen oder Brandenburg.

Finthammer: Aber das ist dann nicht die bürgerliche AfD, für die Sie eigentlich stehen wollten, das ist dann eine eher rechtsextreme AfD, die im Moment noch aktiv vom Verfassungsschutz beobachtet wird?

Weidel: Der Verfassungsschutz ist aus meiner Sicht politisch instrumentalisiert. Und die AfD ist überall gleich, im Westen als auch im Osten.

(*) Wir haben den ursprünglich falsch geschriebenen Vornamen von Herrn Höcke korrigiert.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.


Info: https://www.deutschlandfunk.de/alice-weidel-afd-ukraine-krieg-100.html


unser Kommentar: Statt Diffamierungen über die jenigen auszuschütten, die diese demokratisch gewählte Partei zitieren, macht es Sinn das Interview vollständig zur Kenntnis zu nehmen, nicht nur im Hinblick auf das Versagen unserer übrigen etablierten Parteien, die dadurch das Entstehen dieser Partei erst ermöglicht haben und mit dem Ziel diese durch eine bessere Politik möglichst bald wieder demokratisch abwählen zu können. Ein Blick auf die politischen Tendenzen und Realitäten in anderen EU-Staaten geben da allerdings wenig Anlass zur Zuversicht.

15.10.2022

Putin sieht Ausbau von TurkStream als möglichen Ersatz für zerstörte Nord-Stream-Leitungen


test.rtde.tech, 15 Okt. 2022 19:24 Uh, Von Elem Raznochintsky

Wladimir Putin hat nun in einer Ansprache bekannt gemacht, was bereits viele antizipierten. Das türkisch-russische Erdgas-Projekt TurkStream war bereits in Gefahr. Würde Erdoğan sich bei einer erfolgreichen Sabotage so passiv zeigen, wie es Berlin bei Nord Stream tut?


Putin sieht Ausbau von TurkStream als möglichen Ersatz für zerstörte Nord-Stream-Leitungen


Quelle: www.globallookpress.com © Kremlin Pool


Zitat: Bevor wir uns der Erdöl-Pipeline TurkStream widmen, sei gesagt, dass die multidisziplinäre Abschottung der EU von russischen Energieträgern fast täglich neue Entwicklungen eintrudeln lässt. In den meisten Fällen ist Deutschland selbst erster und wichtigster wirtschaftlicher Hauptleidtragender.


Denn nach dem vermeintlichen "Leck" der Druschba-Erdöl-Pipeline gerät die deutsche Wirtschaft in weitere Bedrängnis. Es gibt damit derzeit eine weitere, historische Energie-Hauptschlagader weniger, die die Bundesrepublik und eine Handvoll anderer Länder über ein halbes Jahrhundert verlässlich mit kostengünstigem Erdöl aus Russland versorgte. Dass dieses unglückliche "Leck" nicht im weißrussischen Bereich der Pipeline entstand, sondern in Polen, sollte Stirnrunzeln verursachen. Hierbei handelt es sich um dasselbe Land, das sich das Ziel gesetzt hat, der größte Produzent und Exporteur roher "Russophobie" auf der Welt zu werden und nebenbei seinem westlichen Nachbarn – Deutschland – eine Reparationszahlung aufbrummen möchte, die einige Jahrzehnte verspätet kommt. Außerdem wirft man in Warschau – mit den Worten des Ministerpräsidenten Morawiecki – der ohnehin schon verwirrten und verzweifelten Bundesrepublik Deutschland "Egoismus" in der EU-Energie-Debatte vor.


Putin deutet auf Täter hinter der Nord Stream-Sabotage hin: Wer profitiert?



Putin deutet auf Täter hinter der Nord Stream-Sabotage hin: Wer profitiert?






Diese beiden Aspekte sowie die bedingungslose Liebe Warschaus zu Washington, D.C. weisen auf eine entweder von den Polen willentlich auf ihrem Territorium geduldete oder von ihnen vorsätzlich verursachte Sabotage der Erdöl-Pipeline hin. Neugierige oder Verdacht schöpfende Gemüter in der Berliner Führung hingegen lassen bisher auf sich warten, was uns zu einem anderen, energiepolitisch wichtigen Projekt zurückbringt: zur TurkStream-Erdgas-Pipeline.


Diese wurde in einer der jüngsten Ansprachen Wladimir Putins in Verbindung mit bereits vereitelten Attentaten genannt, die die ukrainischen Geheimdienste an ihr verrichten wollten. Das ist natürlich keine permanente Garantie dafür, dass mögliche Versuche in der Zukunft nicht glücken werden.


Das Treffen zwischen Putin und Erdoğan am 13. Oktober in Astana birgt außerdem eine große Wendung beim Setzen von Prioritäten. TurkStream soll das verloren gegangene Volumen von Nord Stream 1 und das potenzielle Volumen von Nord Stream 2, das nie genutzt wurde, im Laufe der Zeit decken und kompensieren.


Seit Anfang 2020 wird Erdgas über TurkStream geliefert. Erst aus Russland in die Türkei, wonach es dann über Bulgarien Serbien erreicht und schließlich den übrigen Markt in der EU. Die jährliche Lieferkapazität des "südlichen Zwillings von Nord Stream" beträgt 31,5 bis 33 Milliarden Kubikmeter Erdgas. Warum Zwilling? Beide Projekte entstanden aus dem Wunsch, die Ukraine – als bisheriges Transitland – aus ihrer exklusiven Rolle zu entlassen. Ein langjähriger Vorgang, der Kiew stets missfiel, auch unter gemäßigteren Regierungen.


Kremlsprecher Peskow: Saboteure, die TurkStream sprengen wollten, sind gefasst





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Kürzlich hat der Gazprom-Chef Alexei Miller sogar erklärt, dass es für Russland viel lohnender sei, eine Erweiterung der Kapazitäten an der TurkStream-Pipeline zu fördern, als die Rohre von Nord Stream zu reparieren.


Wenn man sich den Verlauf von TurkStream anschaut, sieht man, wie sich das 930km lange Rohrleitungssystem quer über das ganze Schwarze Meer erstreckt. Eine Pipeline soll die Türkei beliefern, die zweite Pipeline hingegen führt weiter, zum Beispiel nach Serbien und Ungarn. Eine andauernde Überwachung jedes Meters dieser Infrastruktur ist schier unmöglich – besonders wenn staatliche Akteure mit besonderen technischen Ressourcen die Absicht haben, eine Beschädigung der Struktur zu verursachen. Es gelten ähnliche Anforderungen, aber der Schwierigkeitsgrad wäre etwas höher als bei der nahezu vollständig "geglückten" Operation am 26. September gegen Nord Stream 1 und 2. Zum einen führt die Pipeline im Schwarzen Meer ausschließlich durch türkische und russische Gewässer, was anderen "Partnern" mögliche Sabotageakte und spätere Deckung erschwert. Zum anderen ist die Tiefe, in der die Rohre verlegt wurden – mit über 2000 Metern – ein Vielfaches dessen, was für Nord Stream in der Ostsee ausreichte.


TurkStream gesprengt – wie würde Erdoğan reagieren?

Wie viele Leute fragen sich das gerade? Dass Berlin stillschweigend zuschauen würde, wie Nord Stream langfristig außer Gefecht gesetzt wird, war wohl jedem klar. Auch den Kollegen in den USA. Aber Ankara ist dahingehend ein ganz anderer Ansprechpartner. TurkStream erhob die Türkei auf eine neue geostrategische Ebene – nicht bloß als neues "Transitland" mit den dazugehörigen Vergütungen, sondern als Preisbildungsdrehscheibe für die Balkanregion. Etwa so, wie es Deutschland einst für Mitteleuropa gewesen ist.


Nord Stream-Untersuchung: Schweden will Ergebnisse nicht mit Russland teilen





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Würde "ein unbekannter Spieler" diese Position den Türken streitig oder zunichte machen, könnte Erdoğan einige Druckmittel anwenden, die jenseits politischer Korrektheit wären: Stimulierung größerer Migrationsströme aus der Türkei über die Balkan-Route und hinein in die Eurozone, wäre eine Taktik. Reform-Prozesse innerhalb der NATO in Gang zu setzen, wäre ein anderer Ansatz. Präsident Erdoğan könnte seine Position zu den skandinavischen NATO-Beitrittsgesuchen verschärfen oder gar den eigenen Austritt aus dem Bündnis ankündigen. Das wären alles Signale, die der Wertewesten ernst nehmen müsste. Erdoğan könnte auch seine bisherige Vermittlerposition zwischen Kiew und Moskau im Ukrainekrieg überdenken. Eines ist sicher – das Ausschließen der Türkei aus einem internationalen Ermittlungsteam zur Feststellung einer hypothetischen Sabotage von TurkStream wäre nicht durchsetzbar. Zumindest nicht ohne drastische Antwort der Türken.


Bereits jetzt ist die Türkei der Bundesrepublik in Sachen Eigenständigkeit und Selbstbestimmung um Längen voraus. Die türkische Führung setzt weniger auf oberflächliche Sozial-Ideologie, sondern viel mehr auf langfristige Eigeninteressen und Realpolitik. In Berlin betreibt man derzeit das exakte Gegenteil. Weltanschaulich und programmatisch ist Erdoğan auch nicht den vermeintlich universellen "westlichen Werten" gegenüber so verpflichtet, wie es in Berlin seit langer Zeit praktiziert wird.


Den US-Amerikanern ist klar, dass Ankara nicht so fügsam ist wie Berlin, weshalb sie zusätzlich auch noch Griechenland aufrüsten, anstacheln und ermutigen, den türkischen Nachbar zu konfrontieren. NATO-Mitglied gegen NATO-Mitglied: Welch eine Ironie. Wie würde da der Artikel 5 des Nordatlantikvertrages eigentlich greifen?


Wie andere Staaten die Russland-Sanktionen des Westens torpedieren (II)





Meinung

Wie andere Staaten die Russland-Sanktionen des Westens torpedieren (II)





Athen rüstet also direkt vor Ankaras Augen seine Inseln im Ägäischen Meer auf und zeigt große Ähnlichkeit mit der Rolle Warschaus im Herzen Europas. Nämlich als US-gelenkter Provokateur, der sein langersehntes, grünes Licht aus Washington, D.C. erhielt, die bilateralen Nachbarschaftsbeziehungen zu Berlin zu vergiften.


Den Deutschen scheint es vorerst vollkommen egal zu sein, wer Nord Stream 1 und 2 angegriffen hat. Nicht ohne Grund verweigern die schwedischen Behörden ausgerechnet Russland die Übergabe der Ermittlungsergebnisse in Sachen Täterschaft, nicht aber Deutschland. Die Türken werden sich aber bei Weitem nicht so tief und gehörig bücken, wie es Berlin derzeit tut. Dort weht ein etwas anderer, kultureller Wind. Wenn wichtiges Eigentum vorsätzlich beschädigt wird, wenn öffentlich Erniedrigungen geltend gemacht werden, so würden sicherlich Vergeltungsmaßnahmen gegen die Urheber all dessen folgen.


Die einzigen Vergeltungsmaßnahmen für die fast ganzheitliche, gewalttätige Deaktivierung von Nord Stream bestehen in Deutschland darin, dass man hierzulande eben bald gar nicht mehr die Dusche aufdreht. Im Falle eines Angriffs auf die südliche Erdgas-Pipeline würde sich die Schlüsselrolle der Türkei, russisches Erdgas in den Süden und Südwesten Europas weiterzuverkaufen, in Luft auflösen.


Torpedieren geht auch anders

Putin: Türkei könnte wichtiges Transitzentrum für Erdgas werden





Putin: Türkei könnte wichtiges Transitzentrum für Erdgas werden






Selbst wenn in absehbarer Zeit keine Sabotageakte am TurkStream-Projekt glücken sollten, ist man sich in der EU unter Ursula von der Leyen nicht zu schade, auch den juristischen Weg zur Unterbindung der türkisch-russischen Erdgas-Pipeline zu forcieren. Wie letztens die US-amerikanische Propagandaplattform Radio Liberty berichtete, sei die niederländische Gazprom-Tochter, die TurkStream betreibt – South Stream Transport B.V. – von niederländischen Regierungsorganen unter Druck gesetzt worden. Noch im September wurde eine Lizenzkündigung der besonderen Art vollzogen. Das heißt in diesem Falle, wenn von nun an Schaden an der Pipeline entstehen sollte, würde den Betreiber der Zugriff zur betroffenen Infrastruktur verweigert werden. Keine Reparatur, keine Wartung, keine Diagnose. Bisher liefen die Erdgas-Lieferungen ohne gemeldete Beschränkungen. Aber internen Dokumenten zufolge lautete der Plan, dass TurkStream schon im September ganz eingestellt werden sollte. Des Weiteren wurden alle Firmen, die irgendwie mit der Funktionalität der Pipeline zu tun haben, mit schwersten Sanktionen überschüttet.


Es wurde bereits erwähnt, dass man nicht die ganze Struktur überwachen kann, um die Anlagen vor möglicher Sabotage zu schützen. Es stellt sich aber nun sogar heraus, dass die Pipeline in der Vergangenheit von Unterwasser-Fahrzeugen regelmäßig gescannt und auf Abnormität hin überprüft wurde, weil die seismische Aktivität im großen Wassertiefen des Schwarzen Meeres die Funktion der Pipeline beeinträchtigen könnte. Den Firmen, die diese hochbedeutsame Dienstleistung bisher vollzogen haben, wird aufgrund der Sanktionen der Zugang seit September verwehrt.


Turkish Stream ist nicht etwa ein Wohltätigkeitsprojekt Ankaras. Es stellt für die Türkei einen wirtschaftspolitischen Pfad dar, sehr bald nicht nur das "Deutschland des Südens" zu werden. Nämlich nicht nur in puncto einer wachsenden, potenziell enormen Drehscheibe für die Verbreitung und den Vertrieb von russischem Gas ins südliche und südwestliche Europa, sondern auch mit der Chance für die Türkei, Deutschlands Rolle als ehemaliger Erdgas-Vertreiber in Mitteleuropa, welche man in Berlin nach der Merkel-Ära ganz freiwillig und krachend aufgegeben hat, direkt zu übernehmen.


Mehr zum Thema - Putin gibt Hinweise auf die Verantwortlichen für die Sabotage von Nord Stream


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15.10.2022

EU-Skandal Pfizer /Pentagon und mRNA-Impfstoffe

aus e-mail von Doris Pumphrey, 15. Oktober 2022, 18:50 Uhr


_Deutsche Wirtschaftsnachrichten_‘

14.10.2022

*Europäische Staatsanwaltschaft ermittelt zu Impfstoff-Käufen der EU


*Die milliardenschweren Corona-Impfstoff-Käufe der EU sind ins Visier

der Europäischen Staatsanwaltschaft geraten. „Die Europäische

Staatsanwaltschaft (EPPO) bestätigt, dass sie Ermittlung über den Erwerb

von Covid-19-Impfstoffen in der Europäischen Union führt“, teilte die

Behörde am Freitag mit. Diese Bestätigung erfolge „aufgrund des extrem

hohen öffentlichen Interesses“. Weitere Einzelheiten würden zum jetzigen

Zeitpunkt nicht bekannt gegeben.

Während der Pandemie hatte die EU-Kommission im Namen der

Mitgliedstaaten Verträge über Hunderte Millionen Dosen Impfstoff

verhandelt und abgeschlossen. Das Vorgehen stand immer wieder in der

Kritik, weil die Verträge nur teilweise öffentlich gemacht worden sind

oder weil es Verzögerungen bei der Lieferung des Impfstoffs gab.


*SMS mit Pfizer-Chef?

*Wozu die Staatsanwaltschaft nun genau ermittelt, blieb unklar.

Besonders kritisiert wird seit Monaten vor allem ein Deal über bis zu

1,8 Milliarden Dosen von Biontech/Pfizer vom Frühjahr 2021. Das

Vertragsvolumen wurde damals auf 35 Milliarden Euro geschätzt. Wie die

New York Times berichtete, war der persönliche Kontakt zwischen von der

Leyen und Pfizer-Chef Albert Bourla für den Abschluss entscheidend.

Dabei sollen sie auch SMS ausgetauscht haben.

Einsicht in die fraglichen Textnachrichten lehnte die EU-Kommission

gegenüber Journalisten ab. Auch dem Europäischen Rechnungshof legte die

Behörde einem Bericht von September zufolge angefragte Informationen zu

dem Geschäft nicht vor. Die Europäische Bürgerbeauftragte Emily O'Reilly

kritisierte das Handeln der EU-Kommission scharf.


-----------------------------------------


*Nein! Pfizer-Vertreterin:

COVID-19-Impfstoff wurde nie auf Fremdschutz getestet


*Pfizer-CEO Bourla verweigerte die Teilnahme am EU-Sonderausschuss zur

Corona-Pandemie. Eine ranghohe Vertreterin gab Auskunft zu

wissenschaftlichen Vorgängen bei der Impfstoff-Entwicklung. Demnach

existierten vor der weltweiten Marktzulassung keinerlei Evidenz oder

Daten, dass die Impfung eine Infektion verhindern könnte. Das

Unternehmen setzte "alles auf Risiko".


Am 10. Oktober tagte in Straßburg im EU-Parlament ein

"Sonderausschuss zu den Erkenntnissen aus der COVID-19-Pandemie und

Empfehlungen für die Zukunft". Offiziell eingeladen wurde zu dieser

Veranstaltung auch Albert Bourla, Vorsitzender und Geschäftsführer (CEO)

des amerikanischen Pharmakonzerns Pfizer. Dieser sagte jedoch kurz

vorher, ohne Angabe von Gründen, ab. Bestandteil der Anhörung war

der jüngste Prüfbericht des Europäischen Rechnungshofes. Dieser hatte

erneut Fragen über die weiterhin unbekannten Verhandlungsdetails zu dem

milliardenschweren Impfstoff-Deal zwischen dem Pharmaunternehmen und der

EU aufgeworfen.

https://test.rtde.tech/international/151347-nein-pfizer-vertreterin-vor-eu/



*Im Auftrag des Pentagon:

Teil 1 Entwicklung der mRNA-Impfstoffe als Teil einer biologischen

Kriegsführung

*Die Idee, Impfstoffe mit einer völlig neuartigen Technologie

herzustellen, hat ihren Ursprung in der militärischen Logik der

biologischen Kriegsführung. Das US-Militär arbeitete bereits vor über

zehn Jahren an Schutzmechanismen, die es erst ermöglichen, in einem

Krieg auch Viren und Bakterien einzusetzen.

https://pressefreiheit.rtde.tech/international/150278-im-auftrag-pentagon-entwicklung-mrna/


*Teil 2: mRNA-Impfstoffe mit einer rasch auswechselbaren Genetik

*Ende August wurde die nächste Etappe des ab 2013 vom Pentagon

beauftragten und finanzierten militärisch-zivilen Forschungsprojektes

öffentlich sichtbar. Mit Zuweisungen in Milliardenhöhe hatte das

Pentagon seitdem die Pharmaindustrie beauftragt, langfristig genetische

Medikamente und Impfstoffe zu entwickeln, die ohne vorherige Testreihen

am Menschen schnell veränderbar und neu einsetzbar sind.

https://test.rtde.tech/international/150710-im-auftrag-pentagon-teil-2/


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15.10.2022

Arabische Liga stellt sich hinter Saudi-Arabien – und implizit gegen die USA

Die erdölproduzierenden Staaten hatten beschlossen, die Produktion ab November um zwei Millionen Barrel zu drosseln. Das hatte eine heftige Reaktion der Vereinigten Staaten ausgelöst, die unter hohem Inflationsdruck stehen.


Arabische Liga stellt sich hinter Saudi-Arabien – und implizit gegen die USA

Quelle: www.globallookpress.com © IMAGO/Christoph Hardt


Der Generalsekretär der Arabischen Liga, Ahmed Aboul Gheit, hat am Freitag die Entscheidung Saudi-Arabiens, die Ölproduktion zu drosseln, "voll und ganz unterstützt", wie die amtliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua unter Berufung auf eine Mitteilung der Liga berichtete. Aboul Gheit verurteilte die "scharfe Medienkampagne" gegen Saudi-Arabien nach der Bekanntgabe der OPEC+-Entscheidung. Der Chef der Regionalorganisation erklärte:

"Diese Äußerungen zielen darauf ab, rein wirtschaftliche Entscheidungen zu politisieren, die für die Stabilität der Weltwirtschaft angesichts der anhaltenden gefährlichen Herausforderungen notwendig sind."

Polnischer Betreiber: Leck in wichtiger russischer Öl-Pipeline nach Deutschland gefunden





Polnischer Betreiber: Leck in wichtiger russischer Öl-Pipeline nach Deutschland gefunden





Der Vorsitzende der Arabischen Liga lobte auch die aus seiner Sicht ausgewogene Strategie Saudi-Arabiens zur Stabilisierung der Ölmärkte sowie die Haltung des Staates zu globalen und regionalen politischen Fragen. In der vergangenen Woche hatten die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) und ihre Verbündeten, eine Gruppe von 23 Mitgliedern, die als OPEC+ bekannt ist, beschlossen, die tägliche Produktion ab November um zwei Millionen Barrel zu senken. Am Donnerstag erklärte das saudi-arabische Außenministerium, die Entscheidung der OPEC+ sei "rein wirtschaftlich".


Die Vereinigten Staaten, die aufgrund der hohen Inflation zunehmend unter Druck stehen, lehnten die Produktionskürzung ab. US-Präsident Joe Biden erklärte, er werde die Beziehungen zwischen den USA und Saudi-Arabien überprüfen, und es werde nicht näher bezeichnete "Konsequenzen" für das Königreich geben.


Mehr zum Thema – OPEC+-Entscheidung: US-Demokraten wollen Beziehungen zu Saudi Arabien einfrieren – "Genug ist genug"


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15.10.2022

Rüstungsexporte: Bundeswirtschaftsministerium legt Eckpunkte für ein wertegeleitetes Rüstungsexportgesetz vor

aus e-mail von Sven Giegold, 15. Oktober 2022, 13:50 Uhr


RÜSTUNGSEXPORTE: BUNDESWIRTSCHAFTSMINISTERIUM LEGT ECKPUNKTE FÜR EIN

WERTEGELEITETES RÜSTUNGSEXPORTGESETZ VOR


BITTE TEILT AUCH MEINEN TWEET HIER [1].


Liebe Freundinnen und Freunde, liebe Interessierte,


unser Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz hat jetzt die

Eckpunkte für das Rüstungsexportkontrollgesetz (REKG) vorgelegt, das im

Koalitionsvertrag vereinbart ist. Zukünftig werden bei der Entscheidung

über Rüstungsexporte die Einhaltung der Menschenrechte und die

europäische Rüstungszusammenarbeit ein höheres Gewicht haben. In den

letzten Monaten habe ich mit den Mitarbeiter*innen im

Bundeswirtschaftsministerium intensiv an der Konzeption des REKG

gearbeitet.


UNSERE ECKPUNKTE STEHEN UNTER DEM MOTTO VERBINDLICHKEIT, RESTRIKTIVITÄT,

TRANSPARENZ UND EUROPA.


Erstmals sollen mit dem REKG die deutschen und europäischen Regeln in ein

verbindliches deutsches Gesetz gegossen werden. Eine restriktive Praxis zum

Export von Rüstungsgütern wird damit Gesetz, genauso wie die Stärkung

europäischer Zusammenarbeit im Verteidigungsbereich. Eine restriktive

Rüstungsexportpolitik ist ein integraler Bestandteil unserer Außenpolitik

und entspricht unseren Sicherheitsinteressen. Je näher andere Länder

dieser Wertebasis stehen, desto eher sind Rüstungsexporte dorthin möglich

und gerechtfertigt oder eben auch nicht. Unsere

Rüstungsexportentscheidungen müssen der Verlässlichkeit der

Empfängerstaaten in Fragen der Menschenrechte, Rechtsstaatlichkeit und

Demokratie entsprechen. Ebenso werden die Unterstützung einer

multilateralen Ordnung und weitere Sicherheitsinteressen berücksichtigt.


Die wichtigsten Elemente unserer Eckpunkte sind:


* VERBINDLICHE KRITERIEN SCHAFFEN: Erstmals soll für

Rüstungsexportentscheidungen der Bundesregierung ein Kriterienkatalog

gesetzlich festgeschrieben werden, der für Rüstungsexportentscheidungen

maßgeblich ist. Der gesetzliche Kriterienkatalog orientiert sich

maßgeblich an den acht Kriterien des Gemeinsamen Standpunktes der EU zu

Rüstungsexporten und wird um darüber hinausgehende Vorgaben aus den

Politischen Grundsätzen der Bundesregierung dazu ergänzt.


* MENSCHENRECHTE STÄRKEN: Die Berücksichtigung von Menschenrechten,

Demokratie und Rechtsstaatlichkeit im Empfängerland wird durch die

Einführung eines erweiterten Menschenrechts-Kriteriums größeres Gewicht

erhalten. Eine restriktive Entscheidungspraxis – v.a. gegenüber

Drittländern – wird damit unterstrichen. Künftig sollen Anträge für

Empfängerländer mit angespannter Menschenrechtslage und bei fortdauernden

und systematischen Verletzungen von Menschenrechten grundsätzlich

abgelehnt werden.


* EUROPA STÄRKEN: Gleichzeitig finden die Anforderungen, die sich aus der

Zusammenarbeit mit unseren strategischen Partnern und einer verstärkten

europäischen Rüstungskooperation ergeben, Berücksichtigung in den

Eckpunkten. So wird zum einen das Ziel einer europäischen Regulierung in

Form einer EU-Rüstungsexportverordnung betont. Zum anderen sollen bei

Kooperationsprojekten im Rüstungsbereich neue verbindliche Regelungen

getroffen werden. Erstmals soll auch die Möglichkeit von

Mehrheitsentscheidungen der projektbeteiligten Länder zum Export von

gemeinschaftlich produzierten Rüstungsgütern ermöglicht werden. Damit

wird der Stellenwert der rüstungsindustriellen Zusammenarbeit in Europa

unterstrichen. Unfairer Standortwettbewerb um die laxe Anwendung

europäischer Regeln wird damit Grenzen gesetzt.


* TRANSPARENZ ERHÖHEN: Die Transparenz über erteilte Genehmigungen wird

mit verschiedenen Maßnahmen erhöht. Auch die Unterrichtung des

Bundestages wird weiter verbessert.


* OPFERSCHUTZ STÄRKEN: Die Rechte derer werden gestärkt, die infolge

qualifizierter Pflichtverstöße der Rüstungsexporteure zu Schaden an Leib

und Leben kommen. Eine entsprechende zivilrechtliche Haftung kann

unterstützend durch Verbände vor Gericht geltend gemacht werden.


* BÜROKRATIE ABBAUEN: Das umständliche zweifache Genehmigungserfordernis

bei der Ausfuhr von Kriegswaffen nach dem Kriegswaffenkontrollgesetz und

dem Außenwirtschaftsgesetz wird in einem Verfahren konzentriert.


Die Eckpunkte werden wir nun mit den sicherheitsrelevanten Ressorts

diskutieren. Darauf basierend werden wir dann den Gesetzesentwurf

erarbeiten und ins Kabinett einbringen, bevor der Bundestag seine

Beratungen zum Gesetzgebungsverfahren aufnehmen kann.


BIS DAHIN FREUEN WIR UNS ÜBER FEEDBACK AUS DER ZIVILGESELLSCHAFT,

WIRTSCHAFT UND WISSENSCHAFT! TEILT DAZU AUCH GERNE MEINEN TWEET HIER [1].


Mit den Koalitionspartnern hat bisher nur eine Frühkoordinierung

stattgefunden. Diese beinhaltet keine Zustimmung zu den Eckpunkten. Es

wurde jedoch klar, dass eine von mir geplante Verbandsklage keine

Zustimmung der Partner finden würde.


Der Erarbeitung der Eckpunkte ging ein offener und breiter

Konsultationsprozess voraus. Die Stellungnahmen aus Wirtschaft,

Wissenschaft und Zivilgesellschaft findet Ihr hier [2]. Unsere

Zusammenfassung der Eckpunkte findet Ihr hier [3]. Die gesamten Eckpunkte

unseres Gesetzes könnt Ihr hier [4] nachlesen.


Mit dem Team aus dem Bundeswirtschaftsministerium arbeite ich nun mit

voller Kraft daran, damit dieses wegweisende Gesetzesprojekt der

Ampel-Koalition Wirklichkeit wird!


EINLADUNG: DISKUTIERT MIT MIR! - WEBINAR “EIN JAHR IN BERLIN” AM

MITTWOCH, 19.10.2022 UM 20:00 UHR. Auf Einladung von Europe Calling e.V.

möchte ich Euch mein persönliches Zwischenfazit nach einem Jahr

Bundestagswahl und zehn Monaten vorstellen und mit Euch in den Dialog

treten. Seid dabei und ladet andere ein. Hier anmelden! [5]


Mit entschlossenen Grüßen,


Ihr und Euer Sven Giegold


Sie können hier [6] selbst einstellen, zu welchen Themen Sie Informationen

von mir bekommen wollen. So kontrollieren Sie auch selbst, wie viele Mails

Sie bekommen und können Themen auswählen. Für Veranstaltungen in Ihrer

Region tragen Sie bitte auch Ihre Postleitzahl ein (nur in Deutschland).

Alles zum Datenschutz hier [7].


GEFÄLLT IHNEN MEIN NEWSLETTER? Dann gerne an Freund*innen und Bekannte

weiterleiten. Hier lässt er sich abonnieren [8].


ABONNEMENT: Ändern [6], weniger Mails [6] oder alle Mails abbestellen [9]


--


Sven Giegold


www.sven-giegold.de [10]


Ich freue mich über Unterstützung:


Twitter [11] | Facebook [12] | Whatsapp [13]



Links:

------

[1] https://twitter.com/sven_giegold/status/1580946578910498817

[2] https://bmwk.de/Navigation/DE/Service/Stellungnahmen/rekg/stellungnahmen-rekg.html

[3] https://bmwk.de/Redaktion/DE/Downloads/P-R/ruestungsexportkontrollgesetz.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=6

[4] https://www.bmwk.de/Redaktion/DE/Downloads/P-R/eckpunkte-ruestungsexportkontrollgesetz-entwurf.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=6

[5] https://eu01web.zoom.us/webinar/register/4116658323564/WN_kNwA_WRISR-UWbAVMxrPAA

[6] https://news.sven-giegold.de/form/newsletter-praeferenzen-aendern?hash=Hier klicken / Click here

[7] http://www.sven-giegold.de/datenschutz

[8] https://news.sven-giegold.de/form/newsletter-anmeldung-svengiegold

[9] https://news.sven-giegold.de/form/newsletter-abmeldung-svengiegold?hash=Abmelden / Unsubscribe

[10] http://www.sven-giegold.de

[11] http://www.twitter.com/sven_giegold

[12] http://www.facebook.com/sven.giegold

[13] https://sven-giegold.de/whatsapp/


unser Kommentar: Der Staatssekretär Sven Giegold ist auf seinem Weg zum EU-Minister.

15.10.2022

Strack-Zimmermann: Keine Nazi-Vergleiche in Bezug auf die Ukraine!

Kanzleramtschef Schmidt hatte die Forderungen nach der Lieferung von modernen deutschen Panzern an die Ukraine mit dem Argument abgelehnt, dass diese keine "Wunderwaffen" seien, die die Probleme der ukrainischen Armee lösen würden. Dem widersprach die FDP-Abgeordnete Strack-Zimmermann nun vehement.


Strack-Zimmermann: Keine Nazi-Vergleiche in Bezug auf die Ukraine!


Quelle: www.globallookpress.com © www.imago-images.de


Die FDP-Politikerin und Rüstungslobbyistin Marie-Agnes Strack-Zimmermann hat einen angeblichen Nazi-Vergleich von Kanzleramtschef Wolfgang Schmidt im Disput um die Lieferung von Panzern an die Ukraine strikt abgelehnt, wie die Nachrichtenagentur dpa berichtete.


Syrien war eine Generalprobe für den Kampf zwischen Russland und dem Westen in der Ukraine




Analyse

Syrien war eine Generalprobe für den Kampf zwischen Russland und dem Westen in der Ukraine





Der Kanzleramtschef hatte am Donnerstag auf einer englischsprachigen Diskussionsveranstaltung in der deutschen Hauptstadt die Position der Bundesregierung verteidigt, der Ukraine keine Panzer für den Verteidigungskampf gegen Russland zu liefern. Schmidt verglich unter anderem die Forderung nach deutschen Leopard-2-Panzern für die ukrainische Armee mit den Hoffnungen, die das Hitler-Regime auf die V2-Rakete setzte, die von der Propaganda als "Wunderwaffe" bezeichnet wurde. Schmidt sagte:

"Ich bin manchmal versucht, es das V2-Syndrom der Deutschen zu nennen."

Damit meine er die Hoffnung, dass es eine Art Wunderwaffe gebe, die "wie Magie" dafür sorgen werde, dass die Probleme gelöst würden. Der Kanzleramtschef mahnte jedoch:

"Und jetzt ist der Leopard 2 [...] diese Wunderwaffe, die den Krieg beenden wird. Und das wird er nicht."

Der Begriff "V2" bezeichnet im Sprachgebrauch des sogenannten Dritten Reiches die Rakete "Vergeltungswaffe 2". Raketen dieses Typs wurden von Nazi-Deutschland mehrfach auch gegen zivile Ziele eingesetzt.


Strack-Zimmermann, die derzeit den Vorsitz des Verteidigungsausschusses im Bundestag innehat und nebenbei Mitglied des Präsidiums des Förderkreises Deutsches Heer sowie der Deutschen Wehrtechnischen Gesellschaft ist, erklärte gegenüber der dpa:

"Ich möchte Wolfgang Schmidt eine kollektive Einführung in die Waffen anbieten. Dann würde er schnell erkennen, dass der Vergleich mit Nazi-Waffen nicht nur völlig unangebracht, sondern auch schlichtweg falsch ist."

Derweil kursieren in den sozialen Medien Videos, die angeblich zeigen sollen, wie die ukrainische Armee selbst Balkenkreuze auf ihre Panzer anbringt.


Mehr zum Thema – USA drängen Israel zum Eintritt ins alliierte Luftverteidigungs-Netzwerk für die Ukraine

 

Durch die Sperrung von RT zielt die EU darauf ab, eine kritische, nicht prowestliche Informationsquelle zum Schweigen zu bringen. Und dies nicht nur hinsichtlich des Ukraine-Kriegs. Der Zugang zu unserer Website wurde erschwert, mehrere Soziale Medien haben unsere Accounts blockiert. Es liegt nun an uns allen, ob in Deutschland und der EU auch weiterhin ein Journalismus jenseits der Mainstream-Narrative betrieben werden kann. Wenn Euch unsere Artikel gefallen, teilt sie gern überall, wo Ihr aktiv seid. Das ist möglich, denn die EU hat weder unsere Arbeit noch das Lesen und Teilen unserer Artikel verboten. Anmerkung: Allerdings hat Österreich mit der Änderung des "Audiovisuellen Mediendienst-Gesetzes" am 13. April diesbezüglich eine Änderung eingeführt, die möglicherweise auch Privatpersonen betrifft. Deswegen bitten wir Euch bis zur Klärung des Sachverhalts, in Österreich unsere Beiträge vorerst nicht in den Sozialen Medien zu teilen.

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