aus e-mail von Doris Pumphrey, vom 17. Oktober 2022, 21:33 Uhr
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/Hier das _sehr wichtige_ Interview noch einmal, wie angekündigt, mit
einigen Korrekturen/Verbesserungen. Es ist im Deutschen sicherlich noch
nicht perfekt, aber Hör- bzw. Verständnisfehler sind beseitigt. Ein
Beispiel: nicht Kubaner kämpfen dort, sondern es geht um ///Kuban
Kosaken. /Falls einige Empfänger, die die erste Version schon
weitergeleitet haben, bitte diese korrigierte Version nachreichen. (dgp)
/*Keine Chance für Verhandlungen über ein Ende des Ukraine-Krieges
*Interview von Clayton Morris (/online-Sender Redacted/) am 14.10.2022 mit
*Douglas Macgregor*, ehemaliger Colonel der US-Army und Top-Berater des
US-Verteidigungsministers, bekannter Autor, Militärstratege und
Politikwissenschaftler. Am 29. Juli 2020 nominierte ihn Präsident Donald
Trump als Nachfolger von Richard Grenell für das Amt des Botschafters
der Vereinigten Staaten in Deutschland. Vom Senat wurde die Nominierung
jedoch nicht bestätigt.
/Hier zum Video in Englisch:/
https://www.youtube.com/watch?v=aN_jay7xSYk
*Clayton Morris: Die westlichen Medien, besonders die Washington Post
heute, bezeichnen die Schläge gegen die Ukraine als einen Wendepunkt in
diesem Krieg. (…) Sind wir tatsächlich an einem Wendepunkt und wohin
wendet sich das Blatt?*
*Macgregor:* /Es ist eine Art Wendepunk, vielleicht nicht gerade so, wie
die Washington Post suggeriert (…) Lassen Sie uns über die Entwicklung
dieses Konflikts während der vergangenen sieben Monate reden. Konflikte
sind nicht statisch, Krieg ist ein sich ständig änderndes Meer.
Auch wenn es im Westen niemand zugeben wird, aber Präsident Putin hat
sich in den vergangenen sieben Monaten enorm zurückgehalten beim
Gebrauch seiner militärischen Macht. Wir haben nie mehr als höchstens 20
Prozent der russischen Bodentruppen in der Ukraine gesehen. Und viele
der regulären Bodentruppen wurden nach den ersten vier Monaten auch
wieder abgezogen, nachdem die ukrainische Armee, die wir über mehrere
Jahre aufgebaut hatten, zu einem großen Teil vernichtet worden war. Was
es in der Ukraine zurzeit noch gibt, ist eine Mischung aus verschiedenen
Freiwilligen-Organisationen, Milizen, einigen alliierten Kräften wie die
Tschetschenen, Kuban Kosaken Freiwillige, die sich als sehr gute Kämpfer
herausgestellt haben plus die Wagner-Söldnertruppe, die sich ebenfalls
als sehr effizient im Bodenkampf erwiesen hat. Aber die eigentliche
russische Armee mit ihren Kampftruppen hat sich zum großen Teil
zurückgezogen. Ich dachte eigentlich, sie würden Ende August
zurückkommen, aber offensichtlich wurde die Entscheidung getroffen, das
zu unterlassen.
Was im Moment im Kreml passiert, so vermute ich, dass Putin und seinen
Beratern klar geworden ist, dass dieser Kampf nicht durch Verhandlungen
beendet werden kann. Vermutlich hat er sich an diese Hoffnung
geklammert, sogar im April, als wir und London Selenskyj und Kiew
verboten hatten, irgendwelche Kompromisse wie z.B. Neutralität zu
akzeptieren.
Nun haben wir es mit einem anderen Russland zu tun. Wir haben gestern
gesehen, wie in drei Wellen 202 Raketen bestimmte Ziele in der ganzen
Ukraine angegriffen haben. Das konnten sie schon die ganze Zeit. Sie
haben ihre präzisionsgelenkten Waffen genauso wie wir. Dieses Mal haben
die Russen aber nicht nur die sogenannte kritische Infrastruktur
getroffen, sondern auch das Hauptquartier der ukrainischen
Geheimpolizei, einer notorischen Organisation, die Leute umbringt, Leute
mit vorgehaltener Waffe in feindliches Feuer treibt oder mit
vorgehaltener Waffe rekrutiert. Die Russen haben auch einige
geheimdienstlichen Analysezellen getroffen. Sie signalisierten also,
dass in der westlichen Ukraine nichts geschieht, ohne dass Moskau davon
Kenntnis hat. Und dass es dort nichts gibt, das die Russen nicht
erreichen und zerstören könnten.
Ich denke, wir haben einen kleinen Vorgeschmack davon bekommen, was im
Herbst auf uns zukommen wird. Ich sage voraus, dass es großangelegte
Bodenoffensiven der Russen geben wird, wenn der Boden erst einmal
gefroren ist. Es wird viel mehr dem ähneln, was die meisten von uns
eigentlich schon am Anfang des Krieges erwartet hatten: Großangelegte
Offensiven, um die ukrainischen Kräfte komplett zu vernichten./
*Morris: Die westlichen Medien versuchen, diese Luftschläge als
belanglos zu porträtieren. Angeblich verletzen sie die Ukraine nicht
richtig. Ich habe das während der vergangenen 24 Stunden von einigen
Propaganda-Medien gehört. Wenn ich durch die lange Liste der getroffenen
Ziele gehe, es wurden polnische Kräfte getroffen, die zusammengezogen
worden waren, um in Russland einzumarschieren, NATO-Ziele, der SBU,
Wärmekraftwerke, es gibt Massen, die derzeit aus der Ukraine fliehen,
weil sie kein frisches Wasser haben, kein laufendes Wasser, sie haben
keinen Strom, sie haben kein Internet. Westliche Medien sagen also, die
Treffer seien belanglos, der Ukraine gehe es gut. Was sagen Sie dazu?*
*Macgregor*: /Biden oder seine Berater fühlten sich offenbar dazu
veranlasst, Selenskyj zu versichern, dass wir ihn auch weiterhin
unterstützen würden. Da wird es keine Änderung geben. Zur selben Zeit
bettelte Selenskyj um mehr Luftabwehrwaffen, da bei den russischen
Raketenangriffen 80 Prozent der ukrainischen Luftabwehr zerstört worden
sind. Wenn jemand suggeriert, dass das belanglos gewesen sei, müssen wir
nur die Entwicklung ansehen und kommen sehr schnell zu dem Schluss: das
stimmt nicht. Herr Selenskyj ist in Panik. Fraglos haben die Ukrainer
nun ernsthafte Logistikprobleme, um Dinge im Land hin- und herzubewegen.
Plötzlich hat sich Russland entschieden, genug ist genug – und die
vorherige Zurückhaltung aufzugeben./
*Morris: Zurück zu den Luftabwehr-Systemen. Selenskyj hat, wie Sie
gerade erwähnten, um mehr dieser Systeme gebeten. Die USA scheinen dem
nachkommen zu wollen. (…) Was wird das der Ukraine nützen? Erklären Sie
bitte, wer die bedienen würde. Wären die unbemannt oder würden das
NATO-Soldaten besorgen? Ukrainisches Militär?*
*Macgregor:* /Dieses sogenannte Himar System wird zum größten Teil von
sogenannten Vertragspartnern bedient. Dabei handelt es sich vermutlich
um Amerikaner in Zivilkleidung, die einen Arbeitsvertrag mit der
ukrainischen Regierung haben oder im Rahmen eines der anderen
Mechanismen beschäftigt sind, die wir eingeführt haben. Es könnten
Europäer sein. Aber diese Systeme verlangen eine lange Ausbildungszeit
bis sie effektiv bedient werden können. Von der Instandhaltung gar nicht
zu reden. Etwas, das NASAMS heißt, ein Boden-Boden und
Boden-Luft-Raketensystem zur Punkt-Verteidigung mit einem hochkomplexen
Radarsystem, einem der besten weltweit, befand sich in Kiew – und es
wurde zerstört. Wie schaltet man Punkt-Luftverteidigungssystemeaus?
Durch die schiere Menge von Raketen, die das System abzuwehren hätte.
Auf diese Weise lässt sich jedes System umgehen, egal wie gut es ist.
Das ist das, was die Russen getan haben. Sie haben dieses Abwehrsystem
mit Masse überwältigt. (…)
/
*Morris: Welche Rolle spielen NATO-Kräfte jetzt noch an diesem
Wendepunkt angesichts der Dezimierung des ukrainischen Militärs? (…) Die
besten Kräfte sind außer Gefecht gesetzt. Sie zu ersetzen ist nicht
einfach. Werden sie durch NATO-Truppen ersetzt? Durch Vertragskämpfer?
Wer wird die Lücke füllen, das Schiff bemannen?*
*Macgregor:* /Nun, die Leute die sich im direkten Bodenkampf befinden,
sind Ukrainer. Es gibt Meldungen über eine große Zahl polnischer
Soldaten in ukrainischen Uniformen, welche die ukrainischen Verluste der
letzten Monate ersetzen. Sie haben darauf hingewiesen – die meisten der
besten ukrainischen Einheiten existieren nicht mehr. Sie wurden getötet
oder verwundet. Die Ukrainer haben tödliche Verluste von ungefähr
100.000 Mann und vielleicht 200 -, 300 – oder sogar 400.000 Verwundete.
Das war einmal eine Armee von 600.000 Mann. Bedenken Sie: Wir haben
diese Armee über 8 Jahre mit dem Ziel aufgebaut, Russland anzugreifen.
Dafür wurde sie geformt. Das ist der Grund, warum die Russen sie
angegriffen haben. Außerdem wollten wir Raketen in der Ostukraine
stationieren, mit denen wir Russland hätten bedrohen können.
Also nochmal: Die Ostukraine musste neutralisiert werden und das ist der
Grund, weshalb die Russen dort intervenierten. Dabei haben sich die
Russen, wie ich vorher schon ausführte, große Zurückhaltung auferlegt.
Zunächst einmal ist das ein slawisches Land, ein anderes
christlich-orthodoxes, slawisches Land. Die Russen haben kein Interesse
daran, dort eine große Anzahl Menschen umzubringen. Sie wollten auch
nicht viel Infrastruktur zerstören. Die Gegenden, in denen die Russen im
Osten und im Süden der Ukraine sitzen, waren vorher schon russisch. Sie
wollten gleiche Rechte für die Russen mit anderen Ukrainern innerhalb
der Ukraine sicherstellen. Das war der Sinn des Minsker Abkommens, das
nie erfüllt wurde.
Fazit: Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sehen Sie Kanonenfutter. Leute ohne
viel Training werden zusammengetrieben, in Uniformen gesteckt, bekommen
eine AK 47 in die Hand gedrückt, werden hinter Maschinengewehre
gestellt, in Panzer oder andere Kampffahrzeuge gesteckt. Haben sie eine
Ausbildung? Einige wenige haben sogar eine gute, die meisten anderen
fast gar keine. Folglich werden die Gefallenenzahlen sehr hoch sein.
Wenn man aber einmal das, was wir als die taktische Ebene bezeichnen,
verlässt, und in die höheren Ränge blickt, wird man dort NATO-Personal
finden, die die ganze Show anleiten. Leute aus Frankreich,
Großbritannien, den Vereinigten Staaten und anderen Ländern arbeiten die
Strategien aus und machen Vorschläge, was als nächstes passieren soll.
Es gibt Hinweise darauf, dass der ukrainische Präsident unsere
Ratschläge nicht sonderlich ernstgenommen hat. Er ist darauf aus,
anzugreifen, anzugreifen und nochmal anzugreifen. Wahrscheinlich sieht
er sich selbst in einer Position, in welcher er zwar alles zu verlieren
– aber nichts mehr zu gewinnen hat. Er denkt offensichtlich, er könne
die Russen ermüden. Dabei ist es so, dass es für einen getöteten oder
verwundeten Russen fünf-, sechs- oder sieben getötete oder verletzte
Ukrainer gibt. Für die Russen rechnet sich das. Sie haben eine ziemlich
kostengünstige Verteidigung, während sich die Ukraine extrem teure
Angriffe leistet. Die Ukraine befindet sich in einer sehr ernsthaften
Krise. Sie könnte das nicht überleben. Besonders, wenn die zu erwartende
Offensive der Russen im November/Dezember, wenn der Boden gefroren ist,
losgeht, weiß ich nicht, was die Ukrainer noch dagegen machen wollen.
Dann werden sie mit der regulären russischen Armee konfrontiert sein,
einer großen Zahl russischer Truppen, nicht mehr nur mit Freiwilligen
und alliierten Einheiten. Sie werden die operative Freiheit haben, das
zu tun, was viele Russen schon von Beginn an tun wollten. Alles, was
ihnen gefährlich oder als Bedrohung vorkommt, wird ins Visier genommen
und zerstört werden. Das wird ein sehr unterschiedlicher Krieg sein, der
da kommt./
*Morris: Sie sagen das für November voraus, also für die nächsten Wochen? *
*Macgregor:* /Nun, ich werde nicht vom russischen Generalstab
informiert, aber wenn ich mir den derzeit stattfindenden Aufmarsch der
russischen Truppen auf dem Kriegsschauplatz anschaue, sie kommen in
Gruppen von 50.000. Sie sind verteilt in der Ukraine und an
verschiedenen anderen Orten, gehen durch intensives Training und treffen
Vorbereitungen. Dann werden sie zur Operation Axis übergehen, etwas, das
wir schon zum Beginn des Krieges erwartet hatten, was aber ausblieb. Sie
werden dann sehr hart und sehr tief zuschlagen. Alles, was sich in der
Ukraine ihrem Vormarsch entgegenstellt, wird dann vernichtet werden. Das
wird ihr Auftrag sein: Zerstörung und Vernichtung des Gegners.
Wo werden die Russen ihren Vormarsch beenden? Ich nehme an, am Fluss
Dnjepr. Sie waren nie daran interessiert ihn zu überschreiten. Sie
wollen nicht in das, was die historische Urkaine ist, gehen, also
westlich des Dnjepr. Das ist, wo die Ukrainer leben. Odessa wird an die
Russen gehen, auch Charkow – diese Orte werden ein für allemal
eingenommen werden und es gibt nicht viel, das wir dagegen tun können.
Niemand im Westen wird etwas dagegen unternehmen können, es sei denn,
sie wollen sich in einen Krieg mit Russland begeben. Ich kann aber
niemanden in Europa erkennen, der das will. Einzige Ausnahme sind
vielleicht die Polen, aber auch dort bröckelt die Unterstützung für
diesen Krieg. In den USA interessiert sich sowieso kaum jemand dafür.
Wir sind beschäftigt mit dem Hurrikan in Florida. Keiner schert sich um
die Ukraine. Deshalb sind wir auch mit so vielen schlechten politischen
Entscheidungen durchgekommen sind, weil die Amerikaner sich nicht dafür
interessiert haben. Daran hat sich nicht viel geändert, auch wenn sie
allmählich einsehen, dass vielleicht nichts von dem stimmt, was ihnen in
diesem Zusammenhang aufgetischt wurde./
*Morris: Und sie waren eine der schärfsten Stimmen, die uns die Wahrheit
gesagt haben. Das ist es, was wir in dieser Sendung machen wollen. Wir
haben hier seit Wochen über Odessa geredet. Das wird der Knackpunkt.
Wenn Odessa fällt wird es Teil Russlands werden. Die Ukraine wird zu
einem Binnenland ohne Zugang zur See. Was wird mit der Ukraine, mit
Selenskyj passieren?*
*Macgregor:* /Darüber lässt sich nur spekulieren. Keine Ahnung, wie es
mit Selenskyj weitergeht. Er könnte von seinen eigenen Leuten entfernt
werden oder ein Flugzeug zu einem seiner Anwesen besteigen, nach Miami
oder nach Venedig fliegen. Was Russland angeht: Odessa war immer eine
russische Stadt, war nie Teil der Ukraine. Das gleiche gilt für Charkow.
Es waren von Anfang an russische Städte und sie haben Russisch
gesprochen. Das bedeutet nicht, dass auch Ukrainer dort eingezogen sind.
In Odessa sind heute etwa 50 Prozent Ukrainer, weil sie die Russen
hinausgedrängt haben.
Moskau wird diesen Unsinn nicht länger hinnehmen. Die Russen werden
diese Orte einnehmen. Sie werden es tun, wie Russen es immer tun: sehr
methodisch, sehr gezielt. Der neue Kommandeur, der gerade ernannt wurde,
ist eine fähige Person mit einer guten Reputation. Er hat für die Russen
in Syrien hervorragende Arbeit geleistet, er ist hartnäckig und er hat
alle Kräfte und Optionen zur Verfügung, die seine Vorgänger nie hatten.
Das wird ein Wendepunkt sein, wie die Washington Post schrieb. Sie hat
recht, aber anders als sie denkt – Aber es ist ein Wendepunkt./
Info: https://taz.de/Pazifismus-in-Zeiten-des-Krieges/!5885293/
unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.