Springer-Blatt kann auf Foto von Asow-Regiment mit SS-Symbolen keine Nazis erkennen
aus e-mail von Doris Pumphrey, 29. April 2022, 11:26 Uhr
*Springer-Blatt kann auf Foto von Asow-Regiment mit SS-Symbolen keine
Nazis erkennen
*"Alles Lüge": Wer das Asow-Bataillon als neonazistisch bezeichnet, sei
russischer Propaganda aufgesessen, behauptete die Welt jüngst. Dazu
zeigte sie Asow-Kämpfer mit mehreren SS-Symbolen. Offenbar als Reaktion
auf Kritik wurde diese Darstellung nun geändert.
/Von Susan Bonath/
Wer schon einmal gegen die Corona-Maßnahmen demonstriert hat, kann ein
Lied davon singen: Aus einem Leitmedium seiner Wahl konnte man im
Anschluss Dinge über sich erfahren, die man oft selbst nicht geahnt
hatte. Man sei ein "Corona-Leugner" oder "Schwurbler" und habe sich mit
Nazis und Reichsbürgern gemein gemacht. Und überhaupt, irgendwie sei
jeder eine Art Nazi, der Politik und Medien kritisiert und zufällig hier
und da "Beifall von rechts" bekomme.
Doch glaubt man gewissen deutschen Medien, scheint es Nazis nur in
Deutschland und Russland zu geben. Der politisch korrekte deutsche
"Antifaschist" steht heute an der Seite von USA, NATO und EU, und
neuerdings auch an der Seite des Teils der Ukraine, der so gerne in die
NATO möchte. Der konforme "Antifaschist" hat gefälligst dem
Imperialismus zu huldigen. Tut er dies nicht, macht er sich bei
Herrschenden und Tonangebern des Nazismus verdächtig.
Nazis in der Ukraine? Gibt es nicht, alles nur Russenpropaganda, findet
Springers /Welt/. Am 22. April leistete sich das Blatt einen Fauxpas,
der es in sich hat: Über einem Foto, das eine Zeremonie des
Asow-Batallions in der Ukraine zeigt, prangte die Überschrift: "Die Lüge
vom 'neonazistischen' Bataillon und die Schuld des Westens". Dabei
trugen die Asow-Kämpfer auf diesem Bild gleich mehrere bekannte Neonazi-
und SS-Symbole unübersehbar martialisch zur Schau.
*Im Zeichen der SS*
Das Foto entfernte die /Welt/ inzwischen still und heimlich aus dem
Artikel
Auch die Überschrift veränderten die Verantwortlichen ohne jeden
Hinweis. Offenbar bekam man bei der Zeitung mit, dass sich Screenshots
von dem Artikel in sozialen Medien verbreiteten, samt dem Vorwurf der
Verharmlosung der Verbrechen deutscher Nazis.
An ein Versehen des Springer-Blattes glauben mag man eher nicht. Es ist
wenig plausibel, dass derartig bekannte Nazisymbolik in den Redaktionen
deutscher Zeitungen nicht bekannt sein könnte. Gleich mehrfach groß zu
sehen ist zum Beispiel die sogenannte Wolfsangel. Dieses Zeichen
benutzten einige SS-Divisionen zur Zeit Nazideutschlands. Es gilt heute
als Erkennungssymbol von Neonazis in aller Welt und ist in Deutschland
in diesem Zusammenhang verboten.
/Hier weiterlesen:
/Oder hier:
Asow-Gründer kündigt Massenmord an Zivilisten im Donbass mit Totschka-U an
Asow-Gründer kündigt Massenmord an Zivilisten im Donbass mit Totschka-U
an
<https://test.rtde.live/kurzclips/video/136832-asow-grunder-kundigt-massenmord-an/>
Anders in der Ukraine: Dort zierte es viele Jahre das Abzeichen der
rechtsradikalen Partei Swoboda. Heute prangt es auf den Flaggen des
Asow-Bataillons. Dieses entstand im Zuge der gewalttätigen
Maidan-Proteste im Jahr 2014 als rechtsextreme, paramilitärische
Einheit. Neben einem weiteren Bataillon ähnlicher Ausrichtung namens
"Dnipro" wurde Asow maßgeblich von dem ukrainischen Milliardär Igor
Kolomoiski finanziert und aufgerüstet. Fünf Jahre später betätigte sich
Kolomoiski als Wahlhelfer des heutigen ukrainischen Präsidenten Wladimir
Selenskij.
Auf seinem YouTube-Kanal
<https://www.youtube.com/channel/UCewl92lzIMDO8QiAYOQ2d8w> spinnt das
heute in die ukrainische Nationalgarde eingegliederte Regiment weiter
sein Heldenepos vom aufopferungsvollen Kampf für die Ukraine – und zwar
als ethnisch reines Land, frei von Russen, Sinti und Roma sowie anderen
Minderheiten.
Aktuell veröffentlichen die Asow-Kämpfer aus den Bunkern unter dem
Stahlwerk von Mariupol fast täglich kurze Videoclips mit schwer
angeschlagenen Zivilisten, offenbar um die NATO zum Eingreifen zu
animieren. Die gezeigten Zivilisten, darunter auch Kinder, sind
wahrscheinlich ihre Geiseln und dienen ihnen als menschliche
Schutzschilde. Denn es gab viele Angebote der russischen Streitkräfte an
sie, die Bunkeranlage zu verlassen, um untergebracht und medizinisch
versorgt zu werden. Sie blieben ungenutzt.
*"Neonazis im Dienst der Regierung"*
2019 hatten große deutsche Medien über ukrainische Neonazis zuweilen
noch halbwegs wahrheitsgemäß berichtet, wie hier
die /Süddeutsche Zeitung/. Überhaupt war vor 2022 noch alles ein
bisschen anders. Während heutzutage, zumindest laut /Welt/ und,
dezenter, auch einigen anderen Medien, SS-Symbole in riesengroß noch
keinen Nazi machen, hatte die /ARD/ 2014 den Aufstieg ukrainischer
Rechtsextremer im Zuge der Maidan-Proteste dokumentiert
und diese "Hitlers Helfer" genannt.
Der /Focus/ hatte vor acht Jahren in der Ukraine "Neonazis im Dienst der
Regierung" gesehen
Die /taz/ hatte 2018 kritisiert
<https://taz.de/Rechtsextreme-in-der-Ukraine/!5521730/>, dass die
Ukraine bewaffnete Rechtsextreme mit Staatsgeld aufpäppele. Und die
Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) hatte im selben Jahr das
Regiment Asow und andere neonazistische Freiwilligen-Bataillone als neue
"informelle Machthaber in der Ukraine
erkannt.
Und 2019 hatte Amnesty International besorgt festgestellt
Selenskij zeige "kein Interesse, rechtsextreme Angriffe auf Roma und
zivilgesellschaftliche Akteure stärker zu verfolgen als sein Vorgänger".
Seit 2014 lässt die ukrainische Regierung die mehrheitlich
russischsprachige Bevölkerung im Donbass beschießen, an vorderster Front
durch das in Mariupol stationierte Asow-Regiment. Auch unter Selenskij,
der angeblich den antirussischen Krieg befrieden wollte, hielt der
Beschuss an. Mehr noch: Anfang 2021 torpedierte Selenskij ganz offen das
Minsker Abkommen. Er unterzeichnete ein Dekret, wonach die Krim
zurückerobert werden solle, und ließ die Donbass-Republiken aus der Luft
angreifen. Am 16. Februar 2022 ließ er den Dauerbeschuss auf Donezk und
Lugansk nochmals verstärken. Russland erkannte die beiden Gebiete als
Volksrepubliken an und eilte den Bewohnern zu Hilfe.
*Auf dem rechten Auge blind*
Doch zurück zum /Welt/-Artikel: Neben der Wolfsangel prangte auch die
sogenannte Schwarze Sonne auf jenem Titelbild, das angeblich keine
Neonazis darstellt. Dies ist ebenfalls ein bekanntes Erkennungssymbol
der weltweiten Neonazi-Szene. Bis 2015 hatte es das Abzeichen des
Asow-Bataillons geziert, inzwischen wurde es daraus entfernt, die
Wolfsangel ist geblieben. Es stellt zwölf Siegrunen oder drei
übereinandergelegte Hakenkreuze dar. Zur Zeit des deutschen Faschismus
hatte die SS KZ-Häftlinge aus dem Lager Niederhagen dazu gezwungen, es
in den Boden ihres Obergruppenführersaals in der Wewelsburg einzulassen.
Westliche Medien schließen sich zusammen, um ukrainische Neonazis
reinzuwaschen
Analyse
Westliche Medien schließen sich zusammen, um ukrainische Neonazis
reinzuwaschen
<https://test.rtde.live/international/135465-westliche-medien-schliessen-sich-zusammen/>
Überdies leuchtet das Abzeichen der SS-Division Galizien an der Jacke
des vorn stehenden Asow-Kämpfers direkt in die Kamera. Diese
SS-Division, bestehend aus sieben Regimentern mit etwa je 2.000
Soldaten, darunter vor allem ukrainische Freiwillige, unterstützte
Hitlers Armee etwa beim Angriffskrieg gegen die Sowjetunion und verübte
zahlreiche Massaker an ethnischen Russen, Polen, Juden, Sinti und Roma.
Ist man beim Springer-Verlag, der doch offiziell "politischen und
religiösen Extremismus und jede Art von Rassismus und sexueller
Diskriminierung" ablehnt, etwa auf dem rechten Auge stockblind?
Trotz dieses martialisch zur Schau gestellten SS-Symbole-Sammelsuriums
will das Springer-Blatt keine Nazis erkennen. Oder es verharmlost sie
schlicht und untermauert dies sogar noch etlichen Falschdarstellungen
und unbewiesenen Behauptungen. Nur eine sei davon erwähnt. So heißt es
etwa: "Als Staatspräsident Viktor Janukowitsch 2014 floh, nachdem sein
Regime mehr als 100 Demonstranten getötet hatte, nutzte Russland die
politischen Unruhen in der Ukraine und das Zögern der westlichen Führung."
Wahr ist, dass die Nach-Maidan-Regierungen in der Ukraine bis heute kein
Interesse daran haben, die damaligen Verbrechen aufzuklären. Es spricht
vieles dagegen, dass Janukowitschs "Regime" die Morde verüben ließ, denn
einige seiner eigenen Polizisten waren zu Opfern geworden. Vieles
spricht hingegen für eine Beteiligung neonazistischer Paramilitärs und
westlicher Geheimdienste.
*Ein antirussischer Rechter und ein "Antideutscher"*
Interessant sind daneben auch der Autor dieses Asow-Heldenepos und sein
Übersetzer. Verfasser Anton Shekhovtsov, ein auf der Krim geborener
ehemaliger Rechtsextremer, der sich heute als zum Liberalen geläuterter
Aufdecker von Rechtsextremismus in Russland ausgibt, stellt sich in
zahlreichen Beiträgen offen auf die Seite der NATO und der EU und
unterstützt einen strikten antirussischen Kurs der Ukraine.
Aus dem Englischen übersetzt hat den Text der deutsche
/Welt/-Korrespondent Deniz Yücel. Yücel war in Deutschland bekannt
geworden, als er 2017 fast ein Jahr in der Türkei in Haft gesessen
hatte. Er gehört dem politischen Spektrum der sogenannten
"Antideutschen" an, die sich nur zum Teil heute noch als "Linke" sehen
und als glühende Verfechter der NATO, EU und des US-Imperialismus
auftreten. Jegliche Kritik an der rechten israelischen Regierungspolitik
schimpfen sie "antisemitisch", nicht selten verbreiten sie
antimuslimische Propaganda, die jener von rechtsextremen Parteien und
Gruppen in nichts nachsteht.
"Wann öffnet ein Fluchtkorridor?" Asow-Regiment präsentiert Zivilisten
im Bunker von "Asow-Stahl"
"Wann öffnet ein Fluchtkorridor?" Asow-Regiment präsentiert Zivilisten
im Bunker von "Asow-Stahl"
Zu Beginn der 1990er-Jahre waren die "Antideutschen" einst angetreten,
um ein neues "großdeutsches" Reich nach der deutsch-deutschen
Wiedervereinigung (oder besser: Annexion der DDR) zu verhindern und die
Welt von neuen Nazis zu befreien. In den letzten Jahren hatten sie es
jedoch insbesondere auf Kritiker der Politik der USA und dem Vorgehen
der NATO abgesehen, denen sie eine Nazi-Gesinnung unterstellten. Bei den
SS-Symbolen hat mancher von ihnen aber wohl nicht so gut aufgepasst.
Und nun fühlte sich die /Welt/ wohl ertappt bei ihrem Ausschweifen in
tiefbraune Gefilde. Das Foto ersetzte sie durch ein harmloser anmutendes
Bild. Die SS-Symbole sind verschwunden. Der bittere Nachgeschmack der
Verharmlosung der barbarischen Verbrechen deutscher Nazis an
Abermillionen Juden, Sowjetbürgern, Slawen, Roma und Kommunisten bleibt.
*Mehr zum Thema -* Die Welt verbreitet "alterna
<https://de.rt.com/kurzclips/video/137011-welt-verbreitet-alternative-fakten/>
unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

